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Ultraleicht Trekking

Vom Kyffhäuser nach Naumburg in dreizweihalben Tagen


cafeconleche

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Nachdem ich im März von der Gegend um Jena so begeistert gewesen war und dort bereits schönste Bekanntschaft mit dem kyffhäuser-Feengrotten-Weg geschlossen hatte, assoziierten sich die Begriffe "Kyffhäuser" - "Saale" - "Unstrut" zu einer Tourenidee. Den Naumburger Dom wollte ich mir auch immer schon mal angucken. Mal schnell bei Mapy eine Route erstellen lassen - Entfernung ist machbar, alles weitere wird sich finden. Und so fuhren wir mit minimalster Vorbereitung am Ostersonntag los.

Anreise mit der Bahn nach Berga, mit 2 Umstiegen, klappt alles. Wir steigen aus, nördlich von uns liegt der Südharz, wir wenden uns gen Süden und wandern an der Talsperre Kelbra auf den Kyffhäuser zu. An diesem Tag werden wir - von kleinen Umwegen abgesehen - der blauen Andreaskreuzmarkierung des Hauptwanderwegs Eisenach-Werningerode folgen.

Eindeutig markiert, sage ich. Meine Wanderbegleitung ist im Zweifel.

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100m später - ich fass es nicht: Wie kann man so markieren? Also querwaldeinhoch zum rechten Weg.

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Sonst ist die Markierung aber ganz gut und führt uns durch - noch - sonnendurchlässig laublosen Mischwald.

Zum Kyffhäuserdenkmal kommen wir zu spät, es ist nach sechs. Wir laufen um den Burgberg herum, schauen uns die Ruinen der Mittel- und Unterburg an und erblicken einen Teil des Denkmals. Den Aufschluss einer versteinerten Araucarie (wird dort beschrieben) sehe ich nicht.

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sorry, ich kriegs nicht gedreht!

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Schnell noch Wasser im Gasthaus auffüllen. Wir wandern weiter, die Sonne geht unter - und wir suchen noch immer nach dem perfekten Zeltplatz. Nach etwa 2-3 km öffnet es sich neben dem Weg zu einer Wiese, an deren Rand wir uns sonnenaufgangsoptimiert installieren. Immerhin waren es heute Nachmittag noch etwa 16-18km mit über 600 Höhenmetern (mapy hat sich immer wieder mal ausgestellt, muss also schätzen). Eine Eule ruft.

Am nächsen Morgen haben wir tatsächlich ab kurz nach sieben Sonne auf dem Zelt. Das ist auch gut so, denn zwei Personen produzieren in einem Big Agnes Tiger Wall ganz gut Kondens. Außerdem wars richtig kalt: -3Grad.

Heute geht es erst einmal - wir wechseln nun auf den Kyffhäuser-Feengrotten-Weg - nach Frankenhausen, wo wir trotz des tollen Wetters das monumentale Bauernkriegspanorama von Werner Tübke anschauen. Die berühmte Schlacht (wohl besser ein übles Gemetzel), bei der Thomas Müntzer gefangen genommen wurde, fand dort am 15.5.1525 statt. OT: In 3 Jahren wird also 500jähriges Jubiläum sein - mit allerlei Spektakel, denke ich.  Schon aus großer Entfernung sieht man das runde Gebäude, in das er das Bild hineingemalt hat.

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Bevor wir dort ankommen, geht es über Streuobstwiesen, auf denen alte und seltene Obstbäume kultiviert und pomologisch beschrieben werden. Wenn ich mal einen neuen Apfelbaum brauche, lasse ich mich dort beraten.

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Wir gönnen uns in anbetracht des guten Wetters nur die (ziemlich gut gemachte) kurze Audioguide-Führung, danach einen überteuerten (und nicht gut gemachten) Latte Macchiato auf der Terrasse des Museumscafés, bewundern in Frankenhausen noch den superschiefen Turm (der hier leider wieder liegt, weil ich das Bild nicht gedreht kriege).

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Nun lassen wir den Kyffhäuser links liegen und gehen im Tal ostwärts, dem blauen Strich auf weißem Grund folgend (dem Zeichen für den Kyffhäuser-Feenhöhlenweg). Ab Ichstedt kommt noch eine etwas verblichene blaue Blume dazu: Novalisweg. Zeitweilig ist es gar lieblich.

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Nach einer danach folgenden Durststrecke, die wir mit guter Laune, Mapy.cz und Orientierungssinn bewältigt haben, wechseln wir bei Artern auf die südliche Seite der Unstrut (Unstrut-Radweg), um an einem Altarm unser Zelt aufzuschlagen. Trotz der Dödelei bei den alten Obstbaumsorten und dem Museumsbesuch sind wir Naumburg fast 30 km nähergekommen. Heute singt uns eine Nachtigall in den Schlaf - die erste, die wir dieses Jahr hören.

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Nach einem Frühstück, das wir aus gegebenem Anlass zeckensicher auf dem Unstrut-Radweg sitzend eingenommen hatten, ging es ein paar km nach Roßleben. Dort wechselten wir zurück auf unseren Kyffhäuser-Feengrotten-Weg, um ihn alsbald wieder zu verlassen. Aus irgendwelchen Gründen - oder auch grundlos - umgeht er nämlich Nebra, den Fundort der berühmten Himmelsscheibe, großräumig.

Beim Mittagessen an einem ehemaligen Steinbruch blicken wir ein letztes Mal zurück zum Kyffhäuser...

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...und entdecken zu meinem Erstaunen Frühlings-Adonisröschen. Bisher dachte ich, die kämen bei uns nur an den Oderhängen nördlich von Frankfurt vor. Wir verdödeln dort fast zwei Stunden in der Sonne - Urlaub halt.

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Die "Arche Nebra" mit der Ausstellung zu der Himmelsscheibe lassen wir in anbetracht der Uhrzeit und des schönen Wetters rechts liegen und gehen gleich auf schönem federndem Waldboden zur Fundstelle mit Aussichtsturm auf den Mittelberg. Das nennt sich dort Arche-Rundweg. Irgend jemand könnte mal die ganzen querliegenden Bäume wegräumen, viele scheinen dort schon lange zu liegen. Schick ist es da oben, ich vergesse zu fotografieren. Wir wandern noch nach Nebra, wo wir uns eine Nacht im Hotel gönnen mit Badewanne und Abendbuffet. Wir müssen uns dabei sputen: Abgeräumt wird um 20 Uhr!

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Bearbeitet von cafeconleche
zu früh abgeschickt
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Es ist merkwürdig: Obwohl man weder Zelt noch Schlafsack einpacken muss, dauern Hotel-Aufbrüche immer länger als Zelt-Aufbrüche. Vielleicht liegt es ja am Frühstücksbüffet und der freien Kaffeeverfügbarkeit? Aber irgendwann sind wir wieder unterwegs, werfen einen letzten Blick auf die Burgruine...IMG_5562.JPG.f0c708a0cd58ee344cdb2ff25ff0c4bf.JPG

und haben bald wieder den Anschluss an unseren K-F-Weg gefunden.

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Heute ist es grau und ziemlich windigkühl, und aus dem Nichts tauchen plötzlich Regenwolken auf, die weder Wetteronline noch der DWD vorhergesehen haben. Um es vorwegzunehmen: wir kriegen nix ab; irgendwie ziehen sie um uns herum. Unser Weg bietet uns Alternativen an: unten bleiben an der Unstrut oder hoch und Segelflugzeuge angucken. Logisch: rauf gehen wir. Es herrscht Hochbetrieb, man übt offenbar starten und landen. Für die Mittagspause finden wir ein windabgewandtes Plätzchen, wir wärmen uns mit einem Abschiedsteechen, ich übernehme das Zeltgestänge und die Heringe, denn gleich werde ich allein weiterlaufen, und bringe meinen Partner noch zum Bahnhof Laucha. Kurzes Zaudern: Soll ich mitfahren angesichts der schwarzen Wolken? Dann aber entscheide ich, dass ich es darauf anlegen werde nass zu werden - und wandere weiter. Schließlich ist das eine Gelegenheit auszuprobieren, wie sich ein nassgeregneter Huckepacks Phoenix als Schlafunterlage im Fußbereich handhaben lässt. Denk ich. Als Ziel setze ich mir eine Quelle kurz vor Freyburg.

Die Landschaft wird weinbergiger, ich laufe an Straußenwirtschaften vorbei, die aber ausnahmslos geschlossen sind. Bei Zscheiplitz (was für ein Name!) gibt es einen alten Kalksteinbruch mit Erklärtafeln und Kalkbrennofen und sehr nette Hundebesitzer, die mir den Weg nach Freyburg weisen. Nicht den, den ich nehmen möchte, aber ich bedanke mich und ziehe meines Weges.IMG_5572.JPG.0ad06e3e66a323cc46e852c7df03d67a.JPG

Wasser nehme ich keines mehr auf, es gibt ja eine Quelle.

Frühlingswege sind einfach etwas Besonderes!

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... und dann erreiche ich meine Quelle

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und lerne dort: Sie ist seit Jahren trocken und wird von den Kindern dort nur Hexenloch genannt. Na, dann muss ich da auch nicht mein Zelt aufstellen. Ich gehe ein paar hundert Meter zurück und baue das Zelt morgensonnenoptimiert auf.

Für Erbspüree und Tee reicht das Wasser noch. Wie riesig ist ein Tigerwall, wenn man allein drin liegt! 30km waren es heute und kumulierte 650 Höhenmeter. Fühlt sich gut an. Kurz vorm Einschlafen höre ich dann Regentropfen. Jetzt darf es gerne - der Test mit dem nassen Rucksack hat noch Zeit!

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Am Morgen stehe ich früh auf. Ich stelle fest: morgensonnenoptimiert nützt nur was bei Sonne. Hm. Zelt wird etwas trockengewischt, und dann bin ich unterwegs. Frühstück ruft! In Freyburg wird es bestimmt eine Bäckerei geben fürs Frühstück. Das wohl eher noch  nicht:

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Nach einem ausgiebigen Bäckereifrühstück geht es weiter,

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und weil es nicht mehr weit ist nach Naumburg, gehe ich nach Groß- und Kleinjena noch einen kleinen Umweg über Roßbach (Straußenwirtschaft an Straußenwirtschaft, alle geschlossen) und gucke mir Schulpforta an, ehemaliges Zisterzienserkloster mit mehrhundertjähriger Schultradition diverser Couleur. Von dort wandere dann am idyllischen Ufer der Kleinen Saale auf dem Finnewanderweg nach Naumburg zum Dom. Gut, dass es so kühl ist - in einem Monat wird man hier bestimmt aufgefressen!

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Der Dom, Weltkulturerbe, (die linke Kirche) mit drei Türmen

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nee, einer hatte sich versteckt: doch mit vieren: zweimal Romanik, zweimal Gotik.

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Dort verbringe ich noch ein paar Stunden mit dem Naumburger Meister und den berühmten Stifterfiguren und füge den 17 Wanderkilometern noch einiges an Hin-und-her im Domkomplex hinzu.

Fazit der Tour: Die Landschaften fand ich sehr schön und abwechslungsreich, und wie es sich für alte Kulturlandschaften gehört, gibt es auch viel zu sehen. Viele Schlösser am Wegesrand - wollte man alles angucken, käme man nicht voran. Wenn man sich nicht sklavisch an die Wegmarkierung hält, kann man noch viel mehr sehen, dem Weg einige Höhenmeter hinzufügen und einiges an Kilometern auf dem asphaltierten Unstrut-Radweg vermeiden. Irgenwann wandere ich ihn dann auch zuende, an Jena vorbei nach Saalfelden und besuche die Feengrotten mit ihren farbigen Tropfsteinen.

Übrigens: Ich stelle gerade fest: Ich habe den Weg falsch benannt: Er heißt Feengrotten-Kyffhäuser-Weg, also andersrum.:roll:

 

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