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Ultraleicht Trekking

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Hike des Hauptwanderweges 2 vom 25.5.-06.06.2016 Donauwörth-Tuttlingen

Kurz-Übersicht:

Trail: Hauptwanderweg 2 des Schwäbischen Albvereins - auch bekannt als Südrandweg, HW 2

 

  • Länge: 290 km
  • Start: Donauwörth
  • Ziel: Tuttlingen
  • Zeit: 25. Mai – 06. Juni 2016
  • Tage Gesamt: 13

davon

  • Zero-Tage: 1
  • Nächte im Tarptent: 5
  • Nächte im Hotel: 3
  • Nächte im Natur-
  • freundehaus: 1
  • Nächte zu Hause: 2

 

Tag 1 Donauwörth – Unterliezheim 24 km

Meine Tour beginnt morgens um 07.30 Uhr mit der dreieinhalbstündigen Zugfahrt nach Donauwörth. Beim Einsteigen in den IRE nach Ulm schlägt mir Fäkalgeruch entgegen und mir entfährt unwillkürlich lautstark:

Gott, hier stinkt´s wie in einem Klo !

was mir ein paar empörte Blicke von Mitreisenden einbringt.
Ich setze mich und suche unwillkürlich ein zu öffnendes Fenster und lese am gegenüberliegenden Fenster den Hinweis, dass dies ein klimatisiertes Abteil ist und die Fenster nicht geöffnet werden sollten, da dies die Klimatisierung verhindere.

Ok, erfroren sind schon Viele, erstunken ist noch Keiner

denke ich bei mir und grüble bis zur Abfahrt nach, wie die Klimatisierung in solch einem Abteil funktionieren muss, um so einen Gestank zu Stande zu bringen.
Bereits wenige Minuten nach Abfahrt des Zuges wird die Luft aber merklich besser und die Klimatisierung verdient sich nach und nach ihren Namen.

Die Wettervorhersage sagt für Mittwoch noch bewölktes, aber relativ warmes Wetter vorher, Donnerstag und Freitag schwül mit Gewitterneigung und am Wochenende dann soll starke Gewitterneigung bestehen. Die Folgewoche wieder etwas ruhiger. Wir werden sehen.

Ich habe für die erste Woche Übernachtungen im Contrail Tarptent geplant und gegen Schluss der Tour dann durch die bequeme Nähe des Wanderweges zu meinem Wohnort, zwei Übernachtungen zu Hause. Im Donautal dann noch Naturfreundehaus und u.U. Hotel.

Der Zug erreicht Donauwörth um 10.50 Uhr und ich begebe mich zuerst schnurstracks zum Cafe in der Bahnhofstraße, um eine kleine Stärkung zu mir zu nehmen. Gleichzeitig bitte ich um kaltes Wasser aus dem Hahn, um meine zweite 1 Liter Evian-Flasche zu befüllen.

Die Dame hinter der Theke erwidert: „Da muss ich Ihnen aber einen 50er berechnen“.

Donnerwetter ! Das ist das erste Mal, dass ich für einen Liter Wasser aus dem Hahn 50 Cent bezahlen muss.

Naja, das soll die Freude jetzt nicht trüben und ich mache mich auf den Weg zum Rathaus, um an der Tafel des schwäbischen Albvereins, die den Start des HW 1 und HW 2 symbolisiert, ein Startfoto zu machen.
Stand ich letztes Jahr um diese Zeit noch auf der linken Seite um auf den HW 1 zu weisen, stehe ich jetzt auf der rechten Seite, um auf die 290 km des HW 2 zu deuten.

wandtafel_dwoerth.jpg

Ein Passant ist gerne bereit, das Startfoto zu machen und ich schultere meinen Huckepack, denn jetzt geht es los !

Mein Huckepack wiegt zu diesem Zeitpunkt 9,1 kg incl. Gas, Essen für 5 Tage und 2 l Wasser. Das mitgenommene Essen soll durch Zukauf in lokalen Läden unterstützt werden (soweit die Theorie, sage ich bloß).
Das Gewicht der Ausrüstung ohne Gas, Essen und Wasser liegt bei 5647 Gramm. Das ist dem Umstand geschuldet, dass ich dieses Jahr den Swing Lite-Flex-Schirm, den Sawyer Mini, die Ghost Whisperer Daunenjacke sowie den AZ-Blaster mit eingepackt habe. Weiter habe ich etwas größere Dosen für Hirschtalg und Sunblocker mitgenommen.

Ein letzter Blick zurück zur Kirche von Donauwörth. Der HW 2 biegt vor der Holzbrücke im rechten Winkel nach links ab und führt schließlich durch den Ortsteil Riedlingen aus Donauwörth hinaus.

kirche_dwoerth.jpg

Der Weg führt jetzt, zuerst auf Teer- dann auf Schotterwegen, nach Reichertsweiler und anschließend kurz durch den Wald nach Oppertshofen.

schild_donauwoerth.jpg

Was ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht weiß:
Die nächsten 5 Tage werden mir jeden Tag bis zum Erbrechen Teer- und Schotterwege begegnen. Waldpfade sind in der ersten Woche nicht in nennenswerter Zahl vorhanden.

Trotz Bewölkung ist es drückend schwül.
Ich kenne die Gefahr, mir bei Bewölkung trotzdem einen ausgewachsenen Sonnenbrand einzufangen und bringe sofort den Lite-Flex Schirm zum Einsatz. Der Schirm wird sich im Laufe der nächsten Tage, neben dem Laufbursche Huckepack, als DAS Ausrüstungsteil herausstellen.
Die Abschirmung gegen die Sonne ist sehr gut. Ich bin überrascht, wie gut der Lite-Flex die Hitze vom Oberstübchen abhält und so bekomme ich hauptsächlich nur die zurückgestrahlte Hitze des Teer- oder Schotterweges ab. Ebenfalls ist der Schirm schön leicht (224 gr) und ist auch nach stundenlangem Tragen nicht lästig, sowieso wenn der Schirm bequem nach hinten auf dem Huckepack abgestützt werden kann.
Der Schirm deckt auch noch komplett den oberen Teil des Huckepacks mit der Deckeltache ab, so dass bei starkem Regen der Rucksack erst ab etwa der Mitte nass wird. Die dicke Tragekordel am Griff wurde natürlich entfernt und durch ein Stück geflochtene Angelschnur ersetzt.
Das einzige Handicap beim Schirm ist natürlich Wind – wie eben bei allen Schirmen.

Die Landschaft ist in den ersten Tagen sehr offen und weitläufig.

oppertshofen.jpg

Am Feldrand beim Aufstieg stoße ich auf landwirtschaftliche „Werbung“ in Form eines Traktor-Chassis und einer Informationstafel über Ackerbau. Ein Hinweis auf Videoüberwachung am Gerät ringt mir ein Schmunzeln ab.

traktor_chassis.jpg

Im Wald vor Oberliezheim stoße ich auf die erste Hütte am HW 2.
Mal sehen, ob hier die gleiche Malaise mit den Hütten besteht, wie auf dem HW 1. Verschlossen mit einem kleinen Vorbau, vermute ich - und werde nicht enttäuscht.

huette_oberliezheim.jpg

Bingo. Verschlossen mit kleinem Vorbau !

huette_oberliezheim_tuer.jpg

Der Weg führt an Buch am Rannenberg vorbei und eine Zeit lang auf Forstwegen durch den Wald bis schließlich Oberliezheim erreicht ist. Dort geht es durch den Ort weiter nach Unterliezheim. In Unterliezheim erhalte ich an einem Haus frisches Wasser und ich mache mich weiter auf, hoch Richtung Kloster.

„Was, Sie sind schon so weit ? Ich habe Sie doch erst heute zur Mittagszeit auf dem Marktplatz in Donauwörth gesehen.“

ruft mir eine Frau zu, die vor dem Haus im Garten arbeitet.
Mittlerweile ist es etwa 17:30 Uhr und ich habe bisher 23 km zurück gelegt.

 

.........wird fortgesetzt.........

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Fortsetzung Tag 1 Donauwörth - Unterliezheim

schild_uliezheim.jpg

Das übliche Woher und Wohin beginnt und schließlich lege ich die letzten Meter zum Kloster bzw. zum Friedhof daneben, zurück. Ich gehe durchs Tor und sehe an der linken Seite den sehnlichst erwarteten Wasserhahn um meine zweite Flasche wieder zu befüllen.

kloster_unterliezheim.jpg

 

Noch ein Wort zur Beschilderung bzw. Markierung des HW 2:
Die Beschilderung des HW 2 ist teilweise ungenügend bzw. irreführend oder unordentlich durchgeführt. Es gibt Etappen, die gut beschildert sind und solche, bei denen die Beschilderung nur rudimentär bzw. über weite Strecken gar nicht vorhanden ist.
An Kreuzungen, Kreisverkehren o.ä. fehlt oft auf dem weiterführenden Weg die Markierung, so dass man teilweise in der Stadt vor einem Kreisverkehr steht, von dem drei nahe beieinander liegende Abzweigungen abgehen und man nicht sicher ist, welche Abzweigung zu nehmen ist, da das Folgezeichen in der richtigen Straße fehlt. Die Karten sind vom Maßstab her nicht geeignet, in diesem Falle die richtige Abzweigung anzuzeigen. Schilder mit roten Pfeilen zeigen teilweise plötzlich Richtung Donauwörth statt nach Tuttlingen und das mehrfach auf einer Etappe.

Aus dem Internet herunter geladene Karten sind mit Vorsicht zu genießen. Ich hatte vereinzelt solche Ausdrucke dabei, die sich als total veraltet herausgestellt haben. Aktuell ausgeschilderte Strecken wichen weit von den ausgedruckten Wegen ab und die Karten waren absolut unbrauchbar.
Gottseidank hatte ich größtenteils gekaufte, mit der Schere auf das Wesentliche zugeschnittene Karten des SAV dabei.
Insgesamt ist die Beschilderung auf dem HW 1 deutlich besser, was natürlich an dessen Bekanntheitsgrad liegt.

Ich verlasse Unterliezheim am Dorfweiher vorbei, Richtung Finningen. Es geht aufwärts über Feldwege in den Wald oberhalb Unterliezheim, wo ich mein Contrail an einem geschützten Platz aufstellen will.

Dorfweiher in Unterliezheim

dorfweiher.jpg

Ausserhalb von Unterliezheim

ausserhalb_unterliezheim.jpg

Oberhalb Unterliezheim trete ich in den Wald und schaue mich nach einem guten Platz für mein Contrail um. Es ist jetzt etwa 18:30 Uhr.
Ich finde einen ebenen Platz, der durch einen jungen Buchenbestand sehr gut gegen Blicke vom entfernten Forstweg und den Hochständen der Jäger geschützt ist. Natürlich ist durch die Regenfälle der letzten Tage der Boden immer noch nass.

wald.jpg

Ich entferne herabgefallene Äste und andere Gegenstände vom Aufstellplatz und baue mein Contrail auf dem nassen Laub auf.
Dabei ergibt sich für den Lite-Flex Schirm ein weiteres Anwendungsgebiet. Ich drehe den geöffneten Schirm um und lege diesen auf den Boden. Jetzt kann ich aus dem Rucksack nässeempfindliche Dinge, wie den Fleece kurz in den Schirm legen, ohne dass der Fleece Bodenberührung erhält. Auch ist so ein gewisser Zeckenschutz gegeben, da die Mistviecher beim direkten Ablegen der Ausrüstung auf den Boden oder ins Gras, schon nach kurzer Zeit in die Kleidung wandern. Natürlich muss man vorsichtig sein und die Ausrüstung nicht auf das Plastikgestänge des Schirms legen – logo.

Die Eva, Rucksack und Hiker hinein ins Contrail und zu gemacht den Laden. Die TAR aufgeblasen und die Nachtklamotten angezogen. Vorher noch eine ausgiebige Zeckenkontrolle durchgeführt und mit meiner Frau gesprochen, ob zu Hause alles ok ist. Gleichzeitig gebe ich ihr Information, wo ich gerade bin.

Auf den Laptop meiner Frau habe ich in GoogleEarth einen Track des HW 2 importiert, so dass sie den Verlauf der Wanderung verfolgen kann.

Der erste Tag verläuft insgesamt ziemlich unspektakulär und ohne große Highlights.
Ich schlafe nach einiger Zeit ein und es fängt später in der Nacht an, leicht zu regnen.
Gegen 05:50 Uhr erwache ich. Der Regen hat aufgehört und die Vögel singen. Ich beschließe, noch ein Stündchen Schlaf anzuhängen und stehe gegen 07:00 Uhr auf.
Das Contrail ist natürlich ziemlich nass und ich ziehe meine klammen Klamotten an, räume die Ausrüstung aus dem Zelt und ärgere mich mal wieder über die Schleimspuren der Nacktschnecken, die an meinem Mückennetz herumgekrochen sind.
Wenigstens hat sich keine der Schnecken in meine in der Apis abgestellten Schuhe verirrt.

Links Schneckenspuren am Netz am frühen Morgen

contrail_schneckenspuren.jpg

 

............Fortsetzung folgt ..........

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Fortsetzung Tag 1 ..................

Contrail Morgens nach einer feuchten Nacht kurz vor dem Abbau

contrail_erster_tag.jpg

 

Tag 2  Unterliezheim - Ballmertshofen 23 km

Ich packe das nasse Contrail in eine Aussentasche und verlasse mein Nachtlager Richtung Forstweg. Der geschotterte Forstweg führt jetzt mehrere Kilometer durch den Wald und ich erreiche den „Osterstein“ eine frühgeschichtliche Kultstätte.

osterstein_schild.jpg

Ich gehe den kurzen Waldpfad hoch zur Informationstafel

osterstein_beschreibung.jpg

 

Nachdem ich mich kurz umgesehen habe, gehe ich den Waldpfad mit nassen Hosen bis zu den Knien, zurück zum HW 2 und weiter in Richtung Finningen. Heute ist Feiertag und deshalb ist nicht damit zu rechnen, dass irgendwelche Läden geöffnet haben und so ziehe ich, schon wieder in drückender Schwüle und brennender Sonne durch Ober- und Unterfinningen, nicht ohne am Friedhof Wasser aufgenommen zu haben.

Auf dem Weg nach Finningen

nach_Finningen.jpg

 

............Fortsetzung folgt ..........

 

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Fortsetzung Tag 2 ..................

Schön blühende Wiesen vor Finningen

blumenwiese.jpg

Ausserhalb von Finningen finde ich eine Klasse Raststelle. Am nahen Holzstapel kann ich endlich mein Contrail trocknen und beschließe, einen großen Topf Pasta aufzusetzen

raststelle_1.jpg

Bald brodelt ein schmackhaftes Mittagessen im Topf

pasta.jpg

Das Contrail ist zwischenzeitlich komplett getrocknet und ich spüle meinen Topf und Löffel, verpacke das Ganze wieder und mache mich auf durch den Wald Richtung Demmingen.

Die Sonne brennt wie verrückt und es ist weiterhin sehr schwül. Ich bin mir sicher, dass das heute noch Konsequenzen haben wird.
In Demmingen am Friedhof kann ich nochmals meine Wasservorräte auffüllen.
Auf ewig langen Teerwegen geht es weiter Richtung Dischingen und Schloss Taxis.

wegweiser_taxis.jpg

demmingen_landschaft.jpg

In einem kleinen Graben entdecke ich tausende von Kaulquappen. Der ganze Graben ist soweit ich blicken kann, schwarz davon

kaulquappen.jpg

Schließlich erreiche ich den englischen Wald und den dortigen Campingplatz. Am Campingplatz ist wohl ein Bikerfest im Gange. Laute Musik und ein Haufen Leute in schwarzer Kleidung sind zu sehen.
Mir ist dieser Trubel zu viel und ich verziehe mich gleich wieder in den Wald.

 

............Fortsetzung folgt ..........

 

 

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Fortsetzung Tag 2 ..................

Vorbei an einem Springbrunnen

sbrunnen.jpg

geht es durch den Wald Richtung Schloss Taxis.

Als ich dem HW 2 in den Wald folge, wird die Wegbeschaffenheit immer schlimmer. War doch bisher schon jeder Forstweg nass und matschig wurde es jetzt ganz schlimm (dachte ich wenigstens).
Man hatte wohl eine Gasleitung verlegt und schnell hat sich zentimeterhoch der Dreck an den Schuhen angesammelt. Ein Ausweichen war nicht möglich – aber solange es nicht schlimmer wurde.......

waldweg_leitung.jpg

Es wurde schlimmer

waldweg_leitung2.jpg

Mit dreckverkrusteten Schuhen und bis zu den Knien hoch dreckigen Hosen taumle ich den Weg entlang, steige an beiden Baggern vorbei über die Leitung und Dreckhaufen und bin froh diese Klippen endlich umschifft zu haben
– nur um in einem noch größeren Matsch zu landen.

waldweg_leitung3.jpg

So geht das weiter, bis ich am Schloss Taxis aus dem Wald stolpere, mein Pech verfluchend und absolut keine Lust mehr, das Schloss Taxis zu besichtigen, wollte ich doch eigentlich noch bis kurz vor Zöschingen gehen, um im Wald mein Contrail aufzuschlagen.

Das Schloss Taxis

schloss_taxis.jpg

Infotafel am Schloss Taxis

thurn_und_taxis.jpg

 

............Fortsetzung folgt ..........

 

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Fortsetzung Tag 2 ..................

 

Zu allem Überfluss hat es dicke Wolken zusammen gezogen und über Dischingen kündigt sich das erste Gewitter an

dischingen_gewitter.jpg

Ich trabe eilig auf dem Teerweg neben der Hauptstraße her Richtung Dischingen um vielleicht noch Deckung vor dem Regen zu bekommen. In Dischingen wurden ebenfalls Straßenbauarbeiten durchgeführt und ich biege im Ort links ab um zum Sportgelände zu gelangen.
An einem Haus befüllt ein Mann im blauen Anton einen Container mit Bauschutt. Ich bitte um frisches Wasser und werde umgehend bedient. Er baut seine Garage aus und gehört wohl einer anderen Konfession an, die am heutigen Tag mit Feiertag nichts am Hut hat.

Mit Mühe und Not kann ich am Sportheim Unterschlupf vor dem einsetzenden Regen finden und warte stoisch ab, bis sich das Gewitter verzogen hat.
Ich gehe vor zur Wegkreuzung und starre verblüfft auf die Hinweiszeichen des HW 2, die in eine ganz andere Richtung wie meine Karte zeigen. Die Karte zeigt rechts hoch aus Dischingen hinaus in den Wald Richtung Zöschingen.
Verflixt, der Wegweiser zeigt links in das Tal nach Ballmertshofen ! Ich gehe langsam in die Richtung, die der Wegweiser anzeigt und finde tatsächlich weitere rote Pfeile des HW 2 die weiter ins Tal weisen.
Verärgert stecke ich meine Karte, ein Ausdruck aus dem Internet, wieder in meine Tasche. Das Ding ist völlig für die Katz.
Jetzt heißt es aufpassen. Ohne stimmige Karte und der teilweisen, nachlässigen Beschilderung ist die Gefahr groß, einige Ehrenrunden drehen zu müssen.
Ich folge weiter dem Bächlein und den roten Pfeilen dem Tal entlang. Plötzlich sehe ich am Feldrand eine große weiße Tafel mit selbstgemalten Schriftzeichen.

biber_1.jpg

Aha, auch hier scheint man so gewisse Probleme mit dem Biber zu haben. Die Landwirte haben wohl erreicht, dass man den kleinen Bach maschinell ausgeräumt hat. Ich sehe überall entlang des Baches mit Stumpf und Stiel abgenagte Bäume und Büsche, von denen nur noch wenige Zentimeter lange Reste aus dem Boden ragen. Ab und an wurde ein einsamer Baum mit Draht eingepackt, um dem Biber zu trotzen.
Vermutlich hat der Biber mit dem Holz den kleinen Bach angestaut und das Wasser kann nicht mehr aus den Feldern der Bauern abfließen. Plötzlich höre ich ein Platschen und bevor ich meine Kamera zücken kann, schwimmt ein paar Meter weiter ein kleiner Biber und verschwindet im Ufer

biber_2.jpg

Ich tigere weiter auf dem Pfad am Bach entlang und erreiche den Ortsrand von Ballmertshofen.
Na Prima. Die Karte kann ich echt in der Pfeife rauchen. Das ist kilometerweit von der in der Karte genannten Strecke entfernt.

Da ich schon ziemlich groggy bin, plane ich, oberhalb von Ballmertshofen im Wald Richtung Zöschingen mein Contrail aufzuschlagen. Bis Zöschingen reicht es jetzt sowieso nicht mehr.
Ich überquere die Brücke und laufe langsam den steilen Hang Richtung Wald hinauf. Kurz vor dem Wald erscheint ein Jäger mit einem braunen Jagdhund vor mir auf dem Weg und geht ebenfalls Richtung Wald. Mit hängendem Kopf geht es Schritt um Schritt weiter hinauf.
Als ich den Kopf hebe, sehe ich weit vor mir den Hund des Jägers ohne Jäger und frage mich gerade wieso der Hund plötzlich alleine läuft. Der Hund hebt den Kopf und der vermeintliche Hund entpuppt sich als Reh, das einfach in etwa 50 m Entfernung vor mir her läuft. Der Jäger muss schon einige Zeit irgendwo abgebogen sein.
Es verschwindet kurz darauf im Gebüsch und ich trete in den Wald um unschlüssig an einer Wegkreuzung zu stehen, die nicht beschildert ist.
Ich gehe auf Verdacht nach links, da es am Wahrscheinlichsten ist, dass dieser Weg Richtung Zöschingen führt und stoße tatsächlich kurz darauf auf ein Zeichen mit einem roten Pfeil. Perfekt.

Es ist Zeit, einen Platz für mein Contrail auszumachen und ich gehe langsam den Weg entlang und prüfe das Gelände. Ein gutes Stück abseits des Weges finde ich im Wald eine kleine Senke, die von den Waldwegen aus mit Sicherheit nicht einsehbar ist, mit ebenem, nassem Boden und ich räume den Platz wieder von Ästen, baue mein Contrail auf und bin froh endlich nicht mehr laufen zu müssen.
Die langen Teerwege heute sind mir ganz schön in die Gelenke und Knie gefahren. Bei der obligatorischen Zeckenkontrolle finde ich tatsächlich zwei von diesen Mistviechern in den Kniekehlen und kann sie gut entfernen.
Schon wieder marschiert eine Zecke, fast so klein wie ein Stecknadelkopf auf meiner TAR auf mich zu. Wahrscheinlich habe ich Diese aus den ausgezogenen Klamotten mit ins Zelt geschleppt. Ich mache auch diese dem Garaus, ziehe meine Schlafklamotten an und versuche mit meiner Frau zu telefonieren. Leider habe ich kein Netz.
Ich werfe einen Blick auf meine nutzlose Karte und versuche, für morgen einen ungefähren Kurs zu erkennen. Schließlich lege ich alles zur Seite und verkrieche mich unter meinen Komforter.

Gute Nacht, Marie !

 

................wird fortgesetzt..........

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Tag 3  Ballmertshofen - Ruine Kaltenburg 26 km

Ich erwache wieder gegen 06.00 Uhr und lümmele noch eine halbe Stunde im Zelt herum. An zwei nahe stehenden Bäumen knüpfe ich eine Wäscheleine und hänge meinen Komforter und die Nachtklamotten zum Auslüften aus.
Auch meinem „Kissen“ aka Fleece gönne ich ein paar Schnapper Luft.

Als Kissen verwende ich meinen Beutel mit den Regenklamotten. Dieser Beutel wird in den Fleece gesteckt und der Reißverschluss des Fleece geschlossen. So kann der Beutel nicht aus dem Fleece rutschen. Dann wird der Fleece am Bund eingeschlagen und die Ärmel noch drumrum geschlungen - Voilá, das perfekte Kissen !

Zahnbürste, Kamm und ein paar Tropfen Dr. Bronner zum Waschen kommen ebenfalls noch zum Einsatz.

abbau_contrail.jpg

Ich breche mein Lager vollends ab und gehe durch den Wald wieder vor zum Waldweg. Die Schilder des HW 2 weisen nach einiger Zeit auf den ersten wirklichen Waldpfad auf dem HW 2, Richtung Zöschingen.

Der Pfad ist mit hohem Gras bestanden und innerhalb kürzester Zeit bin ich hoch bis zu den Oberschenkeln klatschnass. Bei jeder Berührung mit der Vegetation links oder rechts dringt sofort kalte Nässe durch das Shirt.
Ich bleibe an einem Aussichtspunkt kurz stehen und ich bemerke bei einem zufälligen Blick auf meine Hosen, kleine schwarze Punkte auf der Höhe des Schienbeins.
Verflixt, Zecken !
Zwei dieser Biester kriechen auf dem nassen Stoff herum und suchen Zugang zur Haut. Ich entferne die Zecken und stopfe meine nassen Hosen in die Strümpfe.
Das fängt ja gut an.

Eine Blindschleiche hat sich schon in die Sonne getraut und tankt die erste Wärme auf

blindschleiche.jpg


Der HW 2 führt jetzt am Ort Zöschingen vorbei. Was mir schon am ersten Tag und auch am Folgetag aufgefallen ist, dass in den Ortschaften, die sich direkt am HW 2 befinden bzw. durch die der HW 2 führt, nahezu keine Bäckereien oder Metzgereien vorhanden sind.

Ich beschließe einfach, den Trail zu verlassen und mich nach Zöschingen zu begeben. Vielleicht habe ich ja Glück und es gibt eine Bäckerei oder Metzgerei.
Mir schweben so ein, zwei Fleischkäsebrötchen oder Butterbrezeln vor Augen.

Tatsächlich habe ich Riesenglück und mitten im Ort gibt es einen Dorfladen.

Der Laden ist gut besucht und drei Damen bedienen. Ich schaue mir das Angebot an und bin erfreut zu sehen, dass das ganze für mich interessante Programm vorhanden ist.
Natürlich werde ich nach dem Woher und Wohin gefragt und gebe gerne Auskunft.
Ich ordere 3 Leberkäswecken (Fleischkäsebrötchen), 2 Bananen, 2 Tüten Studentenfutter, 3 Tüten mit Gummizeugs, so ähnlich wie Gummibärchen, 1 Stück Apfelstrudel, 1 Kännchen Kaffee und bin schlagartig mit der Welt mehr als zufrieden.

Mit den Damen komme ich ins Gespräch und spreche auch die fehlenden Einkaufsmöglichkeiten in den kleinen Gemeinden an. Ich empfehle den Damen der Ortschaftsverwaltung den Vorschlag zu machen, am Trail oberhalb des Orts einen kleinen eingeschweißten Hinweis zu hinterlassen, dass in Zöschingen ein Hofladen mit großer Auswahl besteht. Mancher Wanderer wäre bestimmt froh über die Information und würde das Angebot bestimmt gerne in Anspruch nehmen. Sie sind von dem Vorschlag sehr angetan und wollen den Ortsvorsteher darauf ansprechen.

Ich habe meine Bestände wieder aufgestockt und gehe durch den Ort , ein Fleischkäsebrötchen in der Hand, um den HW 2 am Ortsende wieder aufzunehmen, der in der Nähe die Hauptstraße kreuzt.
Laut Karte geht es hoch zum Standort der Windkraftanlagen und dann über den Wahlberg nach Oggenhausen.

Ja, das hättste gern, was ?

Nachdem ich durch den Wald, auf neuen Schotterwegen die Windkraftanlagen auf dem Berg erreicht habe, biegt der HW 2 nach links ab. Von wegen Richtung Wahlberg !

windkraftanlagen.jpg

 

Schon wieder stimmt die Karte nicht die Bohne und der HW 2 führt lange am Rand des Staufer Forstes entlang bis zu einem kleinen Steinbruch und dort nach rechts Richtung Oggenhausen. Oh Jammer !

Nach einigen Kilometern erreiche ich den Parkplatz Phlippsburg, wo der HW 2 an Oggenhausen VORBEI führt und nicht wie auf der Karte ausgewiesen durch den Ort.

wegweiser_oggenhausen.jpg

 

Ich gehe kurz an der Hauptstraße entlang und dann rechts bis ich nach einiger Zeit einen Spielplatz mit Ruheliege am Waldrand, erreiche. Huckepack abgesetzt und sofort die Liege in Beschlag genommen.
Ich ziehe nach einer Weile meine Schuhe und Strümpfe aus, nehme meinen OR Sonnenhut und ziehe mir den Hut ins Gesicht. Bereits nach wenigen Minuten bin ich eingedöst - bis mich zwei Reiter aus meinen süßen Träumen reißen.

pause_liege.jpg

Weiter geht es durch den Wald Richtung Giengen an der Brenz. Natürlich sind im Wald alle Wege wieder nass und matschig. In den Wäldern wird stark Holzwirtschaft betrieben, so dass die Forstwege sehr verschmutzt sind.
Im Wald stoße ich auf die Rötenberghütte.

roetenberghuette.jpg

 

............Fortsetzung folgt ..........

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Fortsetzung Tag 3 ..................

 

Dazu muss jetzt nicht allzuviel geschrieben werden. Ein dickes Schloß am Riegel und eine Bank im kleinen Vorbau.

roetenberghuette_vorbau.jpg


Irgendwann trete ich aus dem Wald um die letzten Kilometer nach Giengen an der Brenz zu bewältigen
Es ist brütend heiß. Der Schweiß läuft mir in Strömen herunter und ich schleiche über den Schotterweg. „Gottseidank habe ich den Schirm mit !“ Denke ich ein ums andere Mal.

heisser_schotter.jpg


Wieder ist die Beschilderung des HW 2 nicht mehr eindeutig. Auf die Karte kann ich mich nicht mehr verlassen, da ich nicht weiß, ob sie in diesem Bereich noch stimmt. Ich gehe mehrfach oberhalb von Giengen fehl und beschließe zum Schluss voller Ärger, einfach den aktuell eingeschlagenen Weg nach Giengen hinunter zu gehen. HW 2 Schilder hin oder her.

Der Himmel trübt sich ein und ich bin sicher, dass das heute noch ein dickes Ding geben wird.

weite_wege_nach_giengen.jpg


Nach gefühlter ewiger Zeit erreiche ich die oberen Wohnbereiche von Giengen an der Brenz und oh Wunder, oh Wunder – sehe an der ersten Einmündung eines weiteren Feldweges einen roten Pfeil.
Wütend frage ich mich, wo dieser Sch.....weg wohl hergekommen ist und gehe schnurstracks durch das Wohngebiet in die Stadtmitte von Giengen. An einem Haus bekomme ich noch kaltes Wasser.

Zu allem Unglück sind mir an zwei NoName-Ziplock-Beuteln an der Plastikschiene entlang die Beutel einfach abgerissen. Der Marken-Ziplock, den ich noch im Einsatz habe, versieht seinen Dienst noch immer ohne Probleme und ich beschließe, in Giengen in den Rewe zu gehen, den ich von oben ausmachen kann, um neue Beutel zu kaufen, da mir sonst im Pack die Einzelteile in der ganzen Gegend herumfliegen.

Ich kaufe Beutel mit dem „T“ am Namensanfang, zahle an der Kasse, nehme zwei Beutel heraus und schenke, den Rest einfach einer Kundin. Beim Verlassen des Einkaufsmarktes schaue ich zum Horizont und bleibe stehen.
Der Horizont ist knallweiss und ich bleibe in weiser Voraussicht im Rewe-Markt. Keine 10 Minuten später hallen laute Donnerschläge herein und es fängt an in Strömen zu gießen.
Kurz darauf knallen die ersten Hagelkörner auf den Boden. Die Hagelkörner werden immer größer und bald schlagen daumendicke Hagelkörner ein.

Es beginnt zu hageln

hagel.jpg


Ich ziehe mich weiter in meinen Unterstand zurück und staune, was da so in kurzer Zeit herunterkommt.
Mensch, da habe ich aber Schwein gehabt. Hätte ich nur 20 Minuten länger gebraucht, hätte mich das Gewitter voll auf der Hochfläche erwischt – ohne Möglichkeit irgendwo unter zu kommen.

Nachdem das Gewitter so schnell wie es gekommen war, wieder verschwunden ist, gehe ich weiter durch die Stadt den Wegschildern des HW 2 entlang.

Ich komme am Steiff-Museum vorbei

steiff_museum.jpg


und kämpfe mich wieder auf der anderen Seite von Giengen die Wohngebiete hoch.
Die Hinweisschilder des HW2 werden wieder seltener und seltener und ich muss schon wieder forschen, wo der Weg weiterführt. Natürlich verpasse ich die Abzweigung, weil kein Schild angebracht ist und drehe oberhalb von Giengen noch eine Ehrenrunde.
Ein Bewohner des letzten Hauses oberhalb von Giengen bringt mich wieder auf die richtige Spur und ich gehe der Hauptstraße entlang zur Abzweigung nach Hürben.

Mit Besorgnis sehe ich rechts ein weiteres Gewitter an Giengen vorbeiziehen. Glück gehabt, für den Moment.

oberhalb_giengen.jpg

 

............Fortsetzung folgt ..........

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Fortsetzung Tag 3 ..................

 

Ich schaue zu, dass ich die Hochfläche so schnell wie möglich hinter mich bringe und begegne zwei Reiterinnen die unvermittelt stehen bleiben. Sofort schließe ich darauf, dass sie befürchten, dass mein Schirm die Pferde unruhig machen würde und ich schließe meinen Schirm. Die Reiterinnen setzen ihren Ritt fort und eine der Reiterinnen bedankt sich sehr, da tatsächlich noch ein junges Tier dabei ist, dass u.U. vor dem silbernen Schirm gescheut hätte.

Je näher ich Hürben komme, desto mehr fallen mir die Folgen des vorigen Gewitters ins Auge. Hagel liegt noch zentimeterhoch am Wegesrand.

Ich erreiche Hürben. Wenn ich mir den Hagel so ansehe, der hier noch liegt, war das in Giengen vorher nur eine Lapalie.

hagel_huerben.jpg


Ich verlasse Hürben und gehe das Tal entlang zur Charlottenhöhle und Ruine Kaltenburg, wo ich mein Contrail aufschlagen will.
Im Tal löst der starke Temparatur-Unterschied durch den Hagel Nebel aus und bald ist das ganze Tal in wabernde Nebelschwaden gehüllt, die von den letzten Sonnenstrahlen angestrahlt werden. Es ist merklich kühler geworden und mich fröstelt.

Der HW 2 führt direkt zur Gastwirtschaft der Charlottenhöhle und – mitten hindurch.
An der Essensausgabe trinke ich noch eine kalte Cola und die Besitzerin warnt mich vor dem Aufstieg zur Kaltenburg, da anscheinend der Aufstieg durch Hagel und abgerissene Blätter und Äste gefährlich glatt geworden ist.
Ich verspreche Vorsicht, gehe durch den Durchgang des Hauses auf die andere Straßenseite und mache mich an den Aufstieg, an der Charlottenhöhle vorbei, zur Ruine Kaltenburg.
Nachdem der Teerweg zur Charlottenhöhle zu Ende ist, beginnt der Aufstieg zur Ruine. Es ist tatsächlich verdammt glatt und matschig. Jeder Schritt muss mit Bedacht gemacht werden, da abgerissene Blätter und Zweige glitschige Steine verdecken. Langsam arbeite ich mich bis zur Hochfläche vor.

Schließlich ist auch das geschafft und ich begebe mich nach links in den Wald, dem Wegweiser nach.

aufstieg_kaltenburg.jpg


Ich verlasse den Waldweg und gehe einige Meter in den Wald, um einen Platz für mein Contrail zu suchen. Ich finde nach einiger Zeit eine schützende Mulde mit ebener Fläche, die guten Sichtschutz bietet. Einziger Wehrmutstropfen sind die Hagelkörner, die noch zuhauf zwischen dem Laub liegen. Es bleibt mir aber nichts anderes übrig, als mein Tarptent darauf aufzubauen.

contrail_hagel.jpg


Ich prüfe akribisch, ob die Zeltnägel gut verankert sind, da es rings um meine Position in einiger Entfernung schon wieder donnert. Ich zähle mindestens 3 verschiedene Gewitter im weiteren Umkreis.
Mir ist klar, dass das noch eine heiße Nacht geben wird, da die Gewitterneigung immer noch sehr hoch ist.

Ich krieche in das Contrail und schaudere, sobald ich mit nackter Haut durch den Zeltboden die Hagelkörner berühre. Schnell die Eva ausgerollt und die TAR aufgeblasen. Es ist jetzt bereits 20.00 Uhr und ich schlüpfe schnell in meine Schlafklamotten, natürlich nicht, ohne vorher noch eine gewissenhafte Zeckenkontrolle durchzuführen. Schon wieder zwei dieser Viecher muss ich entfernen, was aber problemlos klappt.
Wieder habe ich kein Netz und somit fällt auch meine tägliche Statusmeldung nach Hause flach.

Langsam wird es dunkel und der Donner nimmt deutlich zu. Im Moment lokalisiere ich ein Gewitter links und hinter mir.

Ich schlafe schließlich ein und werde irgendwann von lautem Donner geweckt. Es ist dunkle Nacht und ich klaube meine e-Light hervor um nochmals die Zeltwände abzuleuchten. Alles sieht gut aus.

Nach wenigen Minuten höre ich das Näherkommen von rauschendem, starken Regen.

„Mögen die Spiele beginnen !“

 

................wird fortgesetzt..........

 

 

wegweiser_oggenhausen.jpg

bearbeitet von Tumurbel
Fehlerberichtigung

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Tag 4  Ruine Kaltenburg - Oberelchingen 27 km

 

Der Regen rauscht nur so herunter und ich leuchte immer wieder mit der Stirnlampe herum, ob auch ja kein Ausrüstungsgegenstand die Zeltwand berührt.
Hmmm, bis jetzt alles im grünen Bereich. Es ist bisher kein einziger Tropfen im Zelt gelandet.
Es schüttet wie aus Kübeln und rings um meinen Standort blitzt und donnert es an einer Tour. Nochmals Kontrolle, ob irgendwo Regen eindringt und wieder alles in Butter. Einzelne Äste und Blätter fallen auf mein Zelt, werden aber sofort wieder weggewaschen.
Ich schlafe trotz Krach und des prasselnden Regens wieder ein.

Gegen 06:30 Uhr hebt es mich vor Schreck von meiner TAR. Ein Fuchs ist auf der Kante der Mulde aufgetaucht und ist, genauso wie ich, zu Tode erschrocken. Ein lauter Kläffer und ich höre Pfoten Laub und Äste aufwirbeln und der Fuchs verschwindet schnell in der Ferne.
„Du blödes Vieh !“
rufe ich dem Fuchs hinterher, immer noch mit vor Schreck wild schlagendem Puls.

Der Regen hat aufgehört. Ich schaue mich im Zelt um und kann zu meiner Freude keinen Tropfen Wasser innerhalb entdecken. Auch der Komforter ist von vorne bis hinten trocken.
Allerdings muss es sehr langanhaltend geregnet haben, da die Abspannung des Contrails sich etwas gelockert hat. An der rechten hinteren Seite ist eine Mulde entstanden, in der sich Wasser gesammelt hat. Ich hebe die rechte Seite etwas an und das Wasser läuft ab.

Etwas vom Regen gebeutelt am Morgen

contrail_nach_gewitter.jpg

An Schlaf ist jetzt natürlich nicht mehr zu denken und ich mache mich reisefertig. Das Contrail ist klatschnass und wird in eine Aussentasche verfrachtet. Ich mache mich wieder auf zum Waldweg.
Es ist dermaßen matschig und glitschig. Blätter wurden zu Hauf auf den Boden geweht und ich rutsche los, Richtung Vogelherdhöhle.

trail_am_morgen.jpg

Die Charlottenhöhle, die längste begehbare Tropfsteinhöhle der schwäbischen Alb lasse ich links liegen ebenso die Ruine Kaltenburg. Lieber will ich eingehend den Archäopark Vogelherd besuchen.

Es geht einige Zeit durch den Wald und ich stoße irgendwann auf einen Wegweiser.

wegweiser_vogelherd.jpg

Der HW 2 verläuft links an der Vogelherdhöhle vorbei nach Stetten ob Lonetal.

Ich studiere meine Pseudokarte und beschließe, einen Feldweg rechts herum am Wald zu gehen, auf der Höhe mein Contrail zu trocknen und dann den Archäopark Vogelherd vom hinteren Eingang her anzulaufen.

Also tipple ich los zum Waldrand und bin gegen 09:30 Uhr auf der Höhe. Die Sonne scheint schon ziemlich stark und es ist schon wieder drückend schwül. Ich lege das Tarp auf die gemähte Wiese, schaue grübelnd meinen geöffneten Lite-Flex Schirm an und habe eine Eingebung. Um das Trocknen zu forcieren, drapiere ich das Tarp mit der Eingangsseite über den auf den Boden gestellten, geöffneten Schirm und schon kann der leichte Wind viel besser in das Innere gelangen. So trocknet das Tarp wesentlich schneller.
Ich koche mir nebenher noch einen Kakao und nach etwa 45 Minuten kann ich das Tarp wieder an seinen angestammten Platz in den Huckepack räumen.

Gegen 10:30 Uhr erreiche ich den hinteren Bereich des Archäoparks und gehe auf dem Teerweg an einigen Infostelen vorbei zum Eingang des Archäoparks.

archaeopark.jpg

Das ganze Gelände ist eingezäunt und videoüberwacht. Ich trete in das futuristische Gebäude ein und genehmige mir erst Mal in der Cafeteria zwei kalte Flaschen Cola und einen Käsekuchen. Danach bezahle ich 8 Euro Eintritt, erhalte ein iPhone mit Kopfhörer, mit dem die angebrachten QR-Codes an den Themenplätzen gescannt werden können. Zum jeweiligen Thema kann dann über das iPhone eine Audiobeschreibung abgerufen werden.

Im Gebäude befindet sich auch ein Auditorium sowie eine „Schatzkammer“ mit ausgestellten Funden.

Auf dem Gelände befinden sich des weiteren Plätze, an denen z.B. verschiedene Fertigkeiten gezeigt werden. So das Feuermachen ohne moderne Hilfsmittel, Wandmalerei, Zielwerfen mit Speerschleudern und vieles mehr.

Langsam mache ich meine Runde, schaue zuerst die bemerkenswerte Funde an und gelange anschließend auf das Freigelände. Der Rundweg führt schließlich hoch zur Vogelherdhöhle.

Blick vom Hügel zurück auf die Anlage.

archaeopark_vom_huegel.jpg

Ich lasse mir Zeit und lese (und höre) interessiert an den Themenplätzen.

Schließlich stehe ich vor dem Eingang der Vogelherdhöhle

vogelherdhoehle_eingang.jpg

 

................wird fortgesetzt..........

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Fortsetzung Tag 4  ...............

 

In der Vogelherdhöhle wurden, wie allgemein bekannt sein dürfte, einige der ältesten Kunstwerke der Menschheit gefunden.
Ich betrete die Höhle und schaue mich um.
Man muss natürlich die Erwartungen dämpfen, denn es ist nicht all zu viel zu sehen, in der Höhle.

vogelherdhoehle_innen.jpg

Ein besseres Bild erhält man, wenn man die Ausstellung im Gebäude bzw. z.B. das Urzeitmuseum in Blaubeuren besucht, das ebenfalls mit sehr schönen Exponaten aus den Höhlen aufwarten kann.

Trotzdem ist es ein eigentümliches Gefühl, durch eine Höhle zu spazieren, die bereits vor über 30.000 Jahren von Menschen bewohnt wurde. Wenn ich so zurückdenke, dass 50 Jahre für mich schon eine lange Zeitspanne sind, sind 30.000 Jahre eine fast unglaubliche Zeitspanne, die man eigentlich nicht greifen kann.

Ich verlasse die Höhle wieder und gehe langsam den Hügel hinunter zurück zum Gebäude. Ich gebe mein iPhone zurück und bitte die Dame an der Kasse, die Kopfhörer wegzuschmeißen.

Das sind Ihre. Die können Sie mitnehmen“ sagt die Dame erstaunt.

Ich mache ihr jedoch klar, dass ich die Kopfhörer nicht gebrauchen kann und deshalb auch nicht tragen will. Normalerweise ist mir solche Verschwendung ein Graus, aber ich will nicht den Rest der Tour, Mini-Kopfhörer mit mir herumschleppen. Ich habe ja nicht mal ein Ladekabel für mein Smartphone dabei.

Übrigens Smartphone:

War ich letztes Jahr auf dem HW 1 noch mit einem 25 Euro – Handy unterwegs, habe ich dieses Jahr ein Smartphone (150 Gr) dabei.
Meine Frau hat sich ein neues Smartphone gekauft und mir ihr altes Gerät überlassen (jetzt habe ich schon zwei Telefone, die ich nie benutze).

Sie hat mich bekniet, das Smartphone mitzunehmen, kann man doch darauf z.B. die Wanderkarten speichern (Nicht schlecht, jetzt habe ich die falschen Karten zusätzlich auch elektronisch), Apps für die Bahn- und Busverbindungen installieren (habe ich verlernt, Fahrpläne zu lesen ?) oder eine must-have-Wetter-App (ändert das etwas an meiner Tour ?) und schlussendlich kann man sogar damit telefonieren ! - wenn man Netz hat.
Über 10 Jahre lang habe ich Tag und Nacht Diensthandys herumgeschleppt. Es reicht mir eigentlich – aber des lieben Friedens willen, lasse ich mich breit schlagen.

Mir kommt da ein Gedanke.

Heute früh habe ich mein Wandershirt begutachtet. Durch die tagelange Schwüle und Hitze ist das Shirt kreuz und quer mit weißen Streifen verunziert und ziemlich schmuddelig geworden.
Ich bitte die Dame an der Kasse um kaltes Wasser, lasse eine meiner Evian-Flaschen und meine 1 L Ersatz-Platypus füllen und mache mich wieder auf den (Teer)-Weg zum HW 2 nach Stetten ob Lonetal. Vor Stetten, am Feldrand lege ich meinen geöffneten Schirm aufs Gras, leere einen guten Teil meiner zweiten Evian-Flasche, die im Laufe des Tages lauwarm geworden ist, in den Schirm, zücke meine 15 ml Dr. Bronner, gebe einige Tropfen auf das Shirt und ins Wasser und wasche vorsichtig mein Shirt im Schirm aus.

Das funktioniert prima, solange man darauf achtet, nicht das Plastikgestänge des Schirms zu beschädigen.
Hocherfreut wasche ich das Shirt durch, spüle mit dem Rest frischen Wassers das Shirt, leere das Waschwasser aus und spüle auch den Schirm noch etwas durch.
Das Ergebnis kann sich wirklich sehen lassen !

Shirt sauber – Schirm sauber.

Ich stelle den geöffneten Schirm auf den Boden, drapiere mein nasses Shirt über den Schirm und lasse mit Genugtuung das Ganze trocknen. Aus der Platypus fülle ich wieder meine leere Evian-Flasche mit schönem kalten Wasser.

waeschetrockner.jpg


Zufrieden setze ich mich ins Gras und trage solange mein Nachtshirt. Nachdem ich noch etwas gegessen habe, nehme ich das feuchte Shirt und befestige es hinten an meinem Huckepack und mache mich wieder auf den Weg.

Es ist unerträglich schwül und sehr warm. Ich gehe durch Stetten ob Lonetal und verlasse den Ort wieder Richtung Lindenau, einem beliebten Ausflugsziel mit Gastronomie. Wieder geht es auf Teer- und Schotterwegen kilometerweit durch Feld und Flur.

hochflaechen_bei_lindenau.jpghochflaechen_bei_lindenau2.jpg

 

Schließlich erreiche ich Lindenau, gehe jedoch ohne die Gastronomie in Anspruch zu nehmen, weiter Richtung Langenau. Der Himmel hat sich zugezogen und erste Gewitterzeichen sind nicht zu übersehen.

Bereits einige Kilometer nach Lindenau quert die fingerlange, schöne Raupe eines Weidenbohrers meinen Weg.

raupe_weidenbohrer.jpg

Der Weg führt durch Öllingen und schließlich kommt Langenau in Sicht

wegweiser_langenau.jpg

 

..............wird fortgesetzt ...............

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Fortsetzung Tag 4  ...............

 

und ich gehe am Rathaus vorbei Richtung Bahnhof und dann den Pfeilen des HW 2 entlang nach rechts.

rathaus_langenau.jpg

Am Kreisverkehr fehlt natürlich wieder eine aussagekräftige, weiterführende Beschilderung und ich brauche einige Anläufe um die richtige Abzweigung zu finden.

 

Durch Langenau führt ebenfalls zusammen mit dem HW 2 der Main-Donau-Bodensee-Weg (Hauptwanderweg 4).

hw4_und_hw2_langenau.jpg

Das Gewitter hatte sich wieder verzogen und wieder ging es auf endlosen Teerwegen aus Langenau hinaus ins freie Feld und auf selben Teerwegen langanhaltend den Berg hoch, an Göttingen vorbei, Richtung Autobahn A 8 und Oberelchingen, meinem heutigen Tagesziel. Kurz zuvor unterquerte ich noch die Autobahn A 7.

teerwege_aus_langenau.jpg

Gottfroh, endlich die Höhe bei Oberelchingen erreicht zu haben ging ich ziemlich ausgepumpt daran, die Autobahn A 8 zu überqueren. Die drückende Schwüle und die ungewohnten Teerwege hatten mit der Zeit ganz schön für zittrige Knie gesorgt.

autobahn.jpg

Endlich geht es auf der Hauptstraße nach Oberelchingen. Meine Wasservorräte sind auf weniger als 1 l geschrumpft. Schließlich liegt das Kloster Oberelchingen vor mir.

kloster_oberelchingen.jpg

Ich gehe auf der Hauptstraße in den Ort und dann nach rechts durch Oberelchingen Richtung Thalfingen. Es ist gegen 19.00 Uhr und der Ort ist wie ausgestorben. Ich überlege, ob ich an einem Haus klingeln soll um meine raren Wasservorräte zu ergänzen, beschließe jedoch etwas außerhalb von Oberelchingen mein Contrail aufzuschlagen. Weit genug weg, vom Krach der Autobahn.

Morgen früh soll es ja nach Thalfingen und kurz darauf Ulm gehen, so dass meine Wasservorräte bis morgen früh reichen müssten. Ich lasse die letzten Häuser von Oberelchingen hinter mir und der HW 2 führt im großen Forst gleich am Waldrand entlang Richtung Thalfingen.
Man hat Holz im Wald geschlagen und der Weg ist nicht mal mehr mit einem Jeep passierbar. Überall tiefe Schlammlöcher und ein Matsch das Gott erbarm.
An der schlimmsten Stelle, mit Deckung von Gebüsch gegen den Feldweg gehe ich hoch in den Wald und finde eine ebene Stelle etwa 100m vom HW 2 entfernt.

Wie immer die gleiche Prozedur. Äste und sonstige Fremdkörper entfernen, Contrail aufbauen, Bespannung gewissenhaft prüfen, falls in der Nacht wieder ein Gewitter auftaucht. Ausrüstung und Hiker ins Zelt. Eva ausrollen, TAR aufblasen und schwarz ärgern, weil man einen Erdhügel übersehen hat, der mitten im Liegebereich seine Nase erhebt.

Viel zu müde um das Contrail jetzt noch mal umzustellen, arrangiere ich mich mit dem Störenfried und drapiere die Eva und TAR so, dass ich trotzdem gut liegen kann.

Die heutigen 27 km, auf Schotter und Teer verhindern, dass ich gleich einschlafen kann. Meine Beine schmerzen zu stark.Irgendwann beginnt es tatsächlich leicht zu regnen. Das Geräusch bringt mich tatsächlich dazu, trotz der immer noch deutlich zu hörenden A 8, einzuschlafen.
Kurz vor Mitternacht ist es dann wieder soweit:

Ein Fuchs steht vor meinem Zelt und kläfft zum Stein erweichen. Ich pfeife fluchend mit gespitztem Mund und ich höre wie der Fuchs erschrocken zurückweicht. Kurz darauf ist der Fuchs wieder da und rennt einmal nach links und einmal nach rechts. Immer laut kläffend mit voller Lautstärke.
Ich rolle mit den Augen und verfluche mein Pech.

Ein erfahrener, erwachsener Fuchs würde nach diesem Pfiff sofort das Weite suchen und verschwinden. Dass dieser Fuchs zurückgekommen ist, bedeutet nichts anderes, dass es sich um einen unerfahrenen Jungfuchs handelt.
Einige Pfiffe und Flüche später hat sich herauskristallisiert, dass der Fuchs an mir vorbei will, sich jedoch nicht traut. Ich krame meine Petzl-Geheimwaffe heraus und blinke mit Rot in seine Richtung. Erschrocken sprintet der Fuchs an meiner rechten Seite vorbei, rennt wie der Blitz zwischen dem Zelt und dem entfernten Weg durch und verschwindet triumphierend kläffend, nach oben im Wald.
Ich lasse mich zurücksinken und bin gottfroh, dass diese Töle endlich das Weite gesucht hat und schlummere wieder ein, nur um gefühlte 5 Minuten später von einem Jauler in allernächster Nähe geweckt zu werden.
Das darf nicht wahr sein. Noch so ein Vieh. Nur dass dieser nicht kläfft, sondern herzerweichend jault.
Er will wohl seinem Kameraden hinterher und steht jetzt ebenfalls vor der fast unlösbaren Aufgabe an meinem Zelt vorbei zu kommen. Er springt vor und zurück, springt nach links und rechts und ist trotz Pfeifen und Stirnlampe nicht im Stande, an meinem Standort vorbeizuziehen.
Schließlich öffne ich meine Tür und klettere aus dem Contrail, leuchte mit der Petzl in seine Richtung und fluche lautstark. Das ist selbst für ihn zuviel und jaulend rast er ebenfalls rechts an mir vorbei und verschwindet im Wald nach oben.
Hundemüde und alle Füchse der Welt verfluchend, verkrieche ich mich wieder in meinem Contrail. Ich hoffe, dass jetzt endgültig Ruhe ist und schlafe wieder ein.
Es muss gegen 3 Uhr sein als ich aus dem Wald von oben Gekläffe und Gejaule höre, das auf mich zukommt.
Das darf nicht wahr sein. Die Viecher kommen zurück !
Der Kläffer fackelt nicht lange und spurtet zwischen dem Zelt und dem Weg durch und verschwindet sofort weit entfernt im Dickicht. Der Jauler steht wieder vor dem Zelt – nur dieses Mal zu meinen Füßen und traut sich wieder nicht vorbei.
Petzl, Tür auf, Blink Blink und er wendet entsetzt und verschwindet tatsächlich wieder nach oben im Wald.
Gottseidank ist von da an Ruhe im Karton. So eine Komödie bei Nacht mit Jungfüchsen ist mir auch noch nicht unter gekommen.
Bald ist wieder nur noch das nächtliche Rauschen des Autobahnverkehrs zu hören und ich kann tatsächlich bis 6:30 Uhr durchschlafen.

 

..................wird fortgesetzt..............

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Tag 5    Oberelchingen – Blaubeuren 32 km

 

Um 06:30 Uhr verlasse ich mein Domizil, schlinge eine Leine um die nahe Buche und hänge meinen Huckepack daran. So ist er vom nassen Boden weg und ich kann in Ruhe mein Contrail ausräumen.

contrail_oberelchingen.jpg

 

Mein Wasser reicht gerade noch für eine Katzenwäsche und Zähneputzen. Der letzte Schluck ist mein Frühstück.

Das Contrail ist relativ trocken und ich begebe mich hinunter zum HW 2. Es geht kurz auf dem matschigen Waldpfad entlang und dann verlässt der HW 2 den Wald und führt über das Feld nach Thalfingen.
Der Wiesenweg ist total uneben und das nasse Gras tränkt mit der Zeit wieder meine Schuhe und Socken.

nach_thalfingen_morgens.jpg

 

In Thalfingen ist zu früher Stunde noch Niemand unterwegs und ich habe momentan keine Möglichkeit, meinen Wasservorrat aufzufüllen. Das ist aber kein Problem, da Ulm nur noch 5 km entfernt ist und ich dort auf jeden Fall Wasser bekommen werde.

nach_ulm.jpg

 

Es geht kilometerweit auf Schotterwegen durch den Wald an der Donau entlang nach Ulm. Plötzlich kommen mir immer mehr Jogger und MB-Fahrer entgegen. Die Nähe zum Ulm macht sich bereits bemerkbar. Ich biege um eine Kurve und sehe vom Berg herunter eine kleines, klares Rinnsal kommen. Erfreut packe ich meinen Sawyer Filter aus und knie mich hin um den Beutel zu füllen.
Ein Jogger kommt vorbei, sieht mir zu und fragt:

Zwei Kilometer weiter gibt es einen öffentlich zugänglichen Wasserhahn. Warum zapfen Sie dort kein Wasser ?

Vielen Dank“ sage ich freundlich, „aber ich nehme jede Gelegenheit wahr, Wasser aufzufüllen

Kopfschüttelnd rennt er weiter und ich fahre fort meine zwei Evian-Flaschen mit Wasser zu füllen. Den Beutel des Sawyers fülle ich nochmals und trinke direkt vom Filter. Ahhh, was für eine Wohltat. Warum es gut ist, dass ich den Sawyer genommen habe, obwohl das Wasser glasklar aussieht, merke ich, als ich meine Flaschen verstaue.
Vom Hang kommen mehrere Jogger auf einem Zick-Zack-Pfad herunter und die Dame am Schluss führt einen großen schwarzen Hund mit, den sie auf halber Höhe in das Rinnsal treten lässt um zu trinken.

Ich beglückwünsche mich zu der Entscheidung, das Wasser gefiltert zu haben.

Der Sawyer mini gefällt mir gut. Er ist sehr gut zu handeln und die 10 Minuten, die die Prozedur dauert, die zwei Liter Wasser zu filtern, sind die Arbeit wert.

Froh gelaunt gehe ich weiter und erreiche nach einiger Zeit den Stadtrand von Ulm. Übrigens ist mir weit und breit kein öffentlicher Wasserhahn aufgefallen. Hätte ich mich auf den Jogger verlassen, stünde ich immer noch ohne Wasser da. Ich gehe hinunter zur Straßenkreuzung und zücke meine Karte. Die Sonne ist wieder hervorgekommen und es ist bereits wieder brütend heiß und schwül. Mal sehen, der HW 2 führt laut meiner Karte an der Straßenkreuzung nach rechts in die Stadt hinein. Mitten zwischen die Häuser und der Straße entlang.
Stirnrunzelnd schaue ich auf das Symbol der Pilgerroute.

Also jetzt moment mal. Die Hiker des HW 2 haben die Freude, durch sonnendurchflutete Häuserschluchten zu wandeln, immer die neuesten PS-starken Fahrzeuge an sich vorbei ziehen zu sehen und die Pilger müssen sich an einem Pfad an der Donau entlang unter Schatten spendenden Bäumen, kasteien.

Diese Prüfung will ich doch auch auf mich nehmen und folge einfach dem Pilgerweg an der Donau entlang, statt mich an den schwachsinnigen Weg mitten durch die Stadt zu halten.

Es ist zwar auch ein Teerweg aber man geht im Schatten an der schönen Donau entlang in wunderbar offenem Gelände.

Tage später habe ich zu Hause auf einer Website eine Karte gefunden, die den HW 2 genau auf diesem Pilgerweg zeigt. Also scheint meine Karte mal wieder nicht auf dem neuesten Stand zu sein.

donauweg_ulm.jpg


Ich schlendere an der Donau entlang und freue mich über das schöne Panorama. An einer offenen Stelle hat schon ein Angler seine Ruten ausgeworfen und bestückt eben seinen Haken als ich vorbeikomme. Ich sehe, dass er zwei Maiskörner an den Haken steckt. Vor das Vorfach ist ein Futterkorb geknüpft, der mit weiteren Maiskörnern gefüllt ist.

Petri Heil, aha es geht auf Karpfen“ grüße ich den Angler. Ich oute mich ebenfalls als Petrijünger und sofort beginnt ein reger Austausch.

Ich habe kürzlich hier Karpfen vorbeiziehen sehen. Jetzt will ich mal schauen, ob was geht“ gibt er bereitwillig Auskunft.

Nach einigen Minuten wünsche ich ihm viel Erfolg und mache mich weiter auf den Weg. Ich bin noch keine 50 m entfernt, als ich hinter mir lautes Fluchen höre und eine erregte Stimme schickt eine Schimpfkanonade Richtung Wasser. Ich höre Entschuldigungen und schon kommt ein Ruder-Achter ganz nahe am Ufer vorbei.
Ich grinse, weil der Achter keinen Steuermann in Gegenrichtung hat sondern alle mit dem Rücken zur Fahrtrichtung sitzen und wohl dem Angler in die Schnüre gefahren sind.

Der Ruder-Achter macht sich aus dem Staub

achter_donau.jpg

Immer weiter geht es an der Donau entlang Richtung Innenstadt.

Ich komme an einem großen Gelände vorbei wo gerade – jetzt kommt´s – EIN FOOD-FESTIVAL aufgebaut wird. Das heißt, auf dem Gelände stehen dutzende von Grillwagen. Jeder Grillwagen brät Grillzeugs aus einem bestimmten Land. Meine Augen werden immer größer und größer, als ich die Schilder lese, die jeder Wagen so zur Schau stellt.
Das geht von irgendwelchen speziell gegrillten „Texas-Steaks“ zu „Grillhähnchen“ in ich weiß nicht wie vielen Variationen und und und. Dabei Dinge, von denen ich in meinem ganzen Leben noch nie was gehört habe. Mir läuft das Wasser im Munde zusammen und ich bedaure, dass das Festival erst im Aufbau ist und um 10 Uhr noch keine Grills und Herde angeworfen sind.
Mann, das muss doch ein Traum eines jeden Wanderers sein.
Immer wieder fällt mein Blick im Gehen nach rechts auf das Gelände und ich muss bedauerlicherweise weiter und kann keine weitere 2 Stunden auf den Beginn des großen Grillens warten.

Bei diesem schönen Wetter sind schon sehr viele Jogger und Spaziergänger unterwegs.
Schließlich erreiche ich am Maritim-Hotel den Punkt, wo ich zum Münster abzweigen will.

Vor mir noch ein alter Festungsturm und daneben das Hotel.

festungsturm_bei_maritim_hotel.jpg

Ich schlendere durch enge Gässchen und höre plötzlich eine Musikkapelle und identifiziere ein Stück aus Michael Flatleys Lord of the Dance.
Das muss ich mir doch gleich mal ansehen.
Ich trete durch ein weiteres kleines Gässchen und stehe plötzlich neben der Tribüne mit der Musikkapelle. Vor mir mehrere Stuhlreihen mit etwa 200 Menschen im Sonntagsstaat und vielen weiteren Menschen rings um den Platz.
Oh ein Sonntagskonzert. Ich lausche eine Weile den erstaunlich gut intonierten Teilen aus Lord of the Dance.Hinter dem Platz erhebt sich das Rathaus von Ulm und ich gehe über den Platz, zwänge mich durch die Stuhlreihen und stehe vor dem Ulmer Rathaus mit der danebenliegenden neuen Bibliothek.

Ein Bild, das wahrscheinlich schon hunderttausendfach durch die Welt geistert

rathaus_mit_neuer_bibliothek.jpg

 

.................wird fortgesetzt...............

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Fortsetzung Tag 5  ...............

 

Der Bau dieses futuristischen Gebäudes direkt neben dem Münster und Rathaus hat zu kontroversen Diskussionen geführt, aber wurde doch schließlich von einer Mehrheit der Ulmer Bürger mitgetragen. Das Rathaus ist ein Augenschmaus und ich schlendere langsam am Gebäude entlang und lese aufmerksam die Inschriften.

ulmer_rathaus_mit_muenster.jpg


Direkt gegenüber des Rathauses hat ein klitzekleiner Dönerladen geöffnet und ich kann einem Döner nicht widerstehen. Setze mich auf den von der Besitzerin herbeigeschafften Campingstuhl an der Straße und kann so bequem im Sitzen das Studium des Rathauses fortsetzen. Ganz in der Nähe befindet sich das teilweise eingerüstete Ulmer Münster mit dem höchsten Kirchturm der Welt. Schon vor vielen Jahren habe ich die Stufen der Wendeltreppe erklommen um vom Turm des Münsters den Blick über Ulm schweifen zu lassen.
Jetzt das Ganze noch Mal auf mich zu nehmen, nur um ein paar Fotos zu schießen, bin ich schlicht weg zu faul.

Die Rathaus-Uhr(en)

rathausuhr_ulm.jpg

 

Nachdem ich meinen Döner verdrück habe, mache ich mich auf in die Altstadt zum „schiefen Haus“.

In der Altstadt hält ein Fahrradfahrer neben mir und grüßt interessiert: "Hallo, Sie sehen aus als kämen Sie von weiter her

Ich wandere auf dem HW 2 von Donauwörth nach Tuttlingen“ entgegne ich.

Ich bin auch Wanderer. Seit wann sind Sie denn unterwegs ?“ fragt er

Seit 5 Tagen

So riechen Sie aber gar nicht“ sagt er lachend.

Ich trage ausschließlich Merino-Sachen und gönne Mann und Ausrüstung ab und an ein paar Tropfen Dr. Bronner“ erkläre ich ebenfalls grinsend.

Er ist hauptsächlich Etappen-Wanderer und fragt mich interessiert, ob ich die Lesung von Christine in Stuttgart besucht habe, was ich leider aus Krankheitsgründen nicht konnte.
Man redet über Schuhe und Ausrüstung und irgendwann verabschiede ich mich und stehe vor dem „schiefen Haus“. Das schiefe Haus steht auf weichem Untergrund und ist an einer Seite etwas abgesackt, was dem Haus einen überaus interessanten Stil verleiht.

schiefe_hauas.jpg

Im schiefen Haus befindet sich ein Hotel

schiefe_haus.jpg

 

Weiter geht’s durch ein enges Gässchen zum Zunfthaus der Schiffsleute

zunfthaus.jpg

 

.................wird fortgesetzt...............

 

zunfthaus_gastwirtschaft.jpg

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Fortsetzung Tag 5  ...............

 

das auch über ein schöne Gastwirtschaft verfügt

Ich gehe auf die Stadtmauer und trotte Richtung Römerstraße, wo der HW 2 auf den Kuhberg führen soll

auf_der_Stadtmauer.jpg

auf_der_Stadtmauer2.jpg

Auf dem Weg zur Brücke über die Bahn komme ich an einem Grundstück vorbei, wo Jemand mit größtem Recht in der Mittagszeit (Sonntag wohlgemerkt !) mit einem lauten Benzinmäher den Rasen mäht. Sachen gibt’s....

Ich gehe über die Brücke hoch zum Bismarckring und dann ist wieder Holland in Not. Die gesamte Römerstraße ist eine einzige Baustelle für die U-Bahn. Die ganze Verkehrsführung ist geändert worden und ich stehe mal wieder vor einem Dilemma.

Bis zur Kirche kann ich noch wenigstens den Pilgerweg identifizieren, der oft mit dem HW 2 zusammen entlang führt. Vergeblich suche ich in dem Wirrwarr von gesperrten Fußwegen, gesperrten Straßen, Umleitungen und Ampeln nach dem richtigen Weg. Ich frage an einer Ampel einen jungen Mann und habe wieder unverschämtes Glück.
Er hat den HW 2 ebenfalls als Etappenwanderer vor einem Jahr gemacht und ist gerne bereit, mir in diesem Wirrwarr den Positionszeiger wieder gerade zu rücken.
Er geht mehrere Blocks mit mir zusammen und wir reden über den HW 2. Schließlich rät er mir, den Funkturm des Kuhbergs als Wegzeichen im Auge zu behalten. Es geht ziemlich lange, ziemlich steil die Baustelle hoch, die die Römerstraße darstellt, am Gymnasium ist die Straße total gesperrt und wird am Gymnasium irgendwie vorbeigeleitet.
Ganz schön groggy erreiche ich den Stadtrand von Ulm.

Der Himmel hat sich zugezogen, was bei dieser Schwüle absolut kein Wunder ist und ich mache mich auf Schotterwegen auf, Richtung Allewind, gottfroh, Ulm hinter mir gelassen zu haben.

wegweiser_aus_ulm.jpg

In jede Himmelsrichtung, die ich blicke, hast sich schon allerhand zusammengebraut und ich bin mir sicher, dass ich Blaubeuren kaum trockenen Fußes erreichen werde.

gewitterneigung_2.jpg

Oh, oh.....

gewitterneigung.jpg

Kurz vor Allewind genehmige ich mir noch eine kleine Pause

rast_bei_allewind.jpg

In Allewind erhalte ich an einem Haus nochmals frisches Wasser und es geht weiter Richtung Beinigen, das aber noch etliche Kilometer entfernt liegt.
Ich erreiche hinter Allewind ein größeres Waldgebiet und werde schon am Anfang mit lauter türkischer Musik und Gesang begrüßt. Es hallt nur so durch den Wald und ich frage mich, wo im Wald hier eine Fete gefeiert wird. Immer weiter geht es durch das Waldgebiet und die Musik wird immer lauter. Sind die Leute hier schwerhörig, oder wieso ist die Musik so laut ? denke ich bei mir.
Ein paar entgegen kommende Wanderer klären mich auf. Irgendwo hinter dem Waldgebiet liegt ein Festgelände, wo im Moment ein türkisches Fest mit Live-Musik und Gesang gefeiert wird. Noch mindestens eine weitere Stunde begleitet mich die laute Musik und ich bin wieder mehr als froh, als ich dieses Gebiet immer weiter hinter mir lasse.

Es wird düsterer und düsterer und es beginnt rings um mich zu donnern und zu blitzen.

Nach einigen Kilometern erreiche ich das Wäldchen vor Beinigen. Die Karte zeigt am Waldrand entlang nach links, der rote Pfeil des HW 2 nach rechts in den Wald hinein.
Es beginnt zu tröpfeln und die Gewitter sind gefährlich nahe gekommen.

Mist, was mache ich jetzt. Folge ich der Karte, stehe ich u.U. irgendwo in der Landschaft, wo es keine Wegzeichen mehr gibt, folge ich dem unbekannten Weg durch den Wald – na ja stimmt meine Karte nicht mehr.
Ich vertraue dem roten Pfeil und laufe einige Zeit auf einem Forstweg in den Wald hinein. Es donnert krachend in der Nähe und es beginnt in dicken Tropfen zu regnen.
Jetzt wird’s lustig. Das ist mir jetzt klar. An einem Holzstapel setze ich meinen Huckepack ab und ziehe meine FroggToggs an.
Hmm, ich sehe jetzt zwar aus wie ein Tatortreiniger, aber ich bin mir sicher, dass ich jetzt die Regenklamotten gebrauchen kann. Der Schirm ist durch die Windböen der Gewitter kaum mehr zu halten

froggtoggs.jpg


Ich gehe lange auf dem Waldweg und es gibt keine Zeichen des HW 2 mehr.
Fluchend versuche ich meine Position auf der Karte zu bestimmten und gehe einfach mal weiter. Schließlich erreiche ich nach einiger Zeit den Waldrand und bin tatsächlich in der Nähe eines Wanderparkplatzes, wo auch wieder, oh Wunder, oh Wunder, ein Wegweiser mit Schildern steht. Er enthält auch ein schönes neues Schild Richtung Beiningen und ich mache mich schnell auf in den Ort.
Es ist immer noch unerträglich schwül und der Weg führt im Ort nach oben auf die Hochfläche. Das Gewitter ist jetzt da und es blitzt und donnert ohrenbetäubend in einer Sekunde. Der Regen wird immer stärker und ich kann den Schirm nicht mehr halten. Ich klappe den Schirm zusammen, stecke meine Karte in den Schirm, da die FroggToggs keine Schlitze an den Hosenseiten haben und stehe an den letzten Häusern von Beiningen und überlege, was ich machen soll.
Schon immer wurde gewarnt, bei Gewitter alleine auf die freie Fläche, in diesem Falle Hochfläche zu gehen, da die Gefahr eines Blitzschlages besteht. Andererseits kann ich nicht ewig hier an den Häusern stehen bleiben.
Ich komme zum Schluss, dass das ganze hin und her überlegen zu nichts führt. Ich muss nach Blaubeuren, komme es wie da wolle.

Also los, je schneller die Hochfläche überquert ist, desto eher kann ich im Wald über Gerhausen verschwinden, wo man zwar immer noch vom Blitz getroffen werden kann, aber doch etwas sicherer unterwegs ist (sage ich mir in Gedanken zur Beruhigung)

Es schüttet jetzt wie aus Kübeln und ein Blitz und ein Kracher nach dem anderen ertönt. Ich habe die Kapuze der Regenjacke zusammengezogen und versuche im strömenden Regen neben dem Teerweg herzugehen.

Ein, zwei Fahrzeuge fahren auf dem Teerweg an mir vorbei und die Insassen schauen mit große Augen auf den blauen Verrückten, der bei diesem Gewitter über die Hochfläche stapft.

Wieder und wieder zucken Blitze herunter und jedes Mal dröhnen mir die Ohren vom nahezu gleichzeitigen Donner.

Mit großer Erleichterung sehe ich die Buschreihe, wo der HW 2 in den Wald führen soll. Mir fällt gleich der gemähte Streifen auf der linken Seite der Buschreihe auf, der in Richtung Wald führt und ich trabe mit eingezogenen Schultern über die Straße und auf die Wiese, schnell nach unten Richtung Wald um wie vom Blitz getroffen stehen zu bleiben.
Der gemähte Streifen führt auf der Gegenseite der Wiese am Waldrand entlang wieder zurück zum Weg !

Das ist gar nicht der HW 2 Weg !

Alle Flüche, die ich auswendig kenne, aussstoßend, gehe ich wieder die Wiese hinauf. Das Wasser läuft mir von der Anstrengung in Strömen den Rücken hinunter. Die Regenklamotten sind innen pitschnass. Ich stelle mich nochmals im Blitz und Donner auf den Teerweg und schaue mir im Schirm mit Mühe die Karte an.
Es ist nicht ersichtlich, ob der HW 2 links oder rechts des Buschstreifens entlang führt. Ich gehe auf die rechte Seite des Streifens und entdecke tatsächlich einen niedergetretenen schmalen Streifen in der Wiese. Ich gehe hinüber und ein paar Meter den Streifen entlang und sehe rechts in den Büschen gut versteckt, ein Zeichen mit einem roten Pfeil.
Mit vor Ärger zusammengebissenen Zähnen verfluche ich Denjenigen, der das Zeichen im Buschstreifen angebracht hat.

An so einer Stelle gehört ein Pfahl mit dem Zeichen rechts offen an den Beginn der Wiese, damit man sofort sieht, wo der Weg entlang führt.
Wer schaut schon nach ein paar Metern in die Büsche links – eben, keine Sau !
Ich bin fuchsteufelswütend und gehe den schmalen ausgetreten Pfad hinunter zum Wald und dann in den Wald.

Im Wald ist es bereits so duster, dass ich überlege, die Stirnlampe zu benutzen, verwerfe aber die Idee wieder und mache mich vorsichtig an den Abstieg auf glitschigen Steinen und Matsch nach Gerhausen. Endlich erreiche ich die ersten Häuser und gehe im strömenden Regen Richtung Hauptstraße. Manche Hausbewohner sitzen am Fenster mit aufgezogenen Gardinen und sehen dem Gewitter zu. Mit offenem Mund starren Sie auf den blauen Typen mit Rucksack, der im strömenden Regen am Haus vorbeigeht. Ein Verrückter – eindeutig, denken sie, da bin ich mir sicher.

An der Hauptstraße betrete ich die Tankstelle und kaufe mir eine Cola. Ich fragen die Dame hinter der Theke nach Übernachtungsmöglichkeiten in Blaubeuren. Sie kommt vor die Theke und zeigt mir auf der Karte den richtigen Weg um dann schnell wieder hinter der Theke zu verschwinden.
Erst jetzt fällt mir auf, dass neue, verschwitzte FroggToggs wie eine nasse Schafherde riechen.
Naja, jetzt auch vollends egal.

Es ist jetzt so gut wie dunkel und ich überquere nach ein paar hundert Metern die Kreuzung nach Blaubeuren hinein. Jetzt geht es noch mehrere hundert Meter, immer noch im strömenden Regen, in die Stadt hinein bis zum Hotel Ochsen.

Ich bin jetzt seit 5 Tagen unterwegs und habe vor, mir im Hotel Ochsen ein Zimmer zu nehmen, um am nächsten Tag neuen Proviant zu beschaffen und meine Kleidung zu waschen.

Nach gut 32 km betrete ich das Foyer und erhalte, die hochgezogenen Brauen der Anwesenden wegen meiner schicken blauen Kleidung ignorierend, ein Zimmer.

Glück gehabt, heute. Nicht vom Blitz getroffen worden und noch ein Zimmer im Hotel ergattert.

Jetzt kann ich auch wieder lachen, war es mir doch im Gewitter auf der Hochfläche doch ziemlich mulmig geworden.

 

Ich ziehe meine Regenklamotten aus, und hänge meinen Huckepack an die Garderobe.

huckepack_an_der_garderobe.jpg

 

.................wird fortgesetzt...............

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Fortsetzung Tag 5 …............

 

Bei der Zeckenkontrolle in der Dusche muss ich tatsächlich drei Zecken entfernen. Bereits am gestrigen Abend in Oberelchingen habe ich zwei der Mistviecher entfernen müssen. Es ist deutlich anzumerken, dass bei dieser Tour eine regelrechte Zeckenplage besteht. Umso wichtiger ist die tägliche Zeckenkontrolle und Überwachung der Einstichstellen, ob sich eine Rötung einstellt oder ausbreitet.
In diesem Falle sollte nicht gezögert werden, einen Arzt aufzusuchen.

Mir fällt in diesem Zusammenhang gerade noch ein, was ich vergessen habe mitzuteilen:
Nach der Nachtruhe am 2. Tag war ich früh morgens durch den Wald unterwegs und kam an eine freie Stelle mit einer Wiese. Es ging den Schotterweg leicht hoch und ich sah in einiger Entfernung eine grüne Plane direkt am Rand des Schotterweges. Zuerst dachte ich an die Abdeckung eines Holzstapels. Beim Näherkommen sah ich jedoch plötzlich einen Wuschelkopf am Wegesrand aus einem Schlafsack ragen. Da schlief tatsächlich ein jüngerer Wanderer unter freiem Himmel am Wegesrand !
Die große Alutrinkflasche und die dicke Plane mit goldfarbenen Metallösen sagten mir sofort, dass es sich wohl um keinen UL-Wanderer handelt.
Er hatte meine Schritte auf dem Kies gehört und hob schlaftrunken seinen Kopf.
Ich grüßte und ließ ihn kurz zu sich kommen.
Nachdem er einen großen Schluck aus seiner Aluflasche genommen hatte, teilte er mir mit, dass er ebenfalls den HW 2 von Tuttlingen nach Donauwörth gehe. Allerdings in Etappen, so wie er es zeitlich einrichten könne. Die grüne Plane sei sein Tarp.
Ich erzählte kurz meine Geschichte, grüßte und ging weiter, wollte ich ihn doch nicht kurz nach dem Aufwachen schon zutexten.
Was ich allerdings bemerkenswert fand, dass er sich in diesem Zeckenverseuchten Gebiet so einfach an den Wegesrand ins Gras zum Schlafen legte.
Aber vielleicht hatte er sich ja mit einem Mittel eingerieben, ich hatte ganz vergessen zu fragen.

 

Tag 6 Blaubeuren – Zero

 

zero.jpg

Ich schlafe bis gegen 8.00 Uhr, frühstücke und wasche im Waschbecken sämtliche Wäsche (nachdem ich im Schrank die Preise für die Reinigung von Wäsche im Hotel gesehen habe. Es beginnt bei 5 Euro für ein T-Shirt zuzüglich Grundgebühr für die Maschinennutzung)
Nachdem ich knapp zwei Stunden mit Wäsche verbracht habe, lege ich die gewaschene Kleidung auf das feuchte Badetuch aus der Dusche, wickele die ganze Geschichte darin ein und trete mit den Füßen eine Weile auf das Badetuch.
Nach einiger Zeit ist das Badetuch merklich nasser und meine gewaschene Kleidung nur noch leicht feucht.
Die Hose und ein Shirt hatte ich bereits am Abend noch durchgewaschen und über Nacht getrocknet, so dass ich anschließend in Blaubeuren noch im Norma (oder war es Rewe ?) meine Bestände auffrischen kann. Nachdem ich im leichten Regen meine Einkäufe erledigt habe, verschlafe ich den Rest des Tages.

Morgen soll es von Blaubeuren nach Granheim gehen.

 

Tag 7 Blaubeuren – Granheim 29 km

 

Nach dem Frühstück und auschecken, drehe ich noch eine kleine Runde durch Blaubeuren. Das Wetter am frühen Morgen war frisch und leider bewölkt. Ich mache mich auf den Weg zum Blautopf. Der Blautopf ist die zweitgrößte Karstquelle in Deutschland und ca. 20 m tief und, falls es nicht gerade in Strömen geregnet hat oder Schneeschmelze ist, von einer wunderschönen blauen Wasserfarbe. Der Quelle schließt sich ein kilometerlanges Höhlensystem an, das von Tauchern seit vielen Jahren erforscht wird. Zwischenzeitlich gibt es auch einen trockenen Einstieg zur Höhle, was die Forschungen deutlich erleichtern.
Es geht durch die niedliche Altstadt zuerst zur Hammerschmiede, die um das Jahr 1800 erbaut wurde

Wegweiser zum Blautopf

blauer_topf.jpg

 

Immer dem blauen Topf nach, durch das Tor

tor_mit_topf.jpg

Die Hammerschmiede am Blautopf

hammerschmiede.jpg

 

Leider ist der Blautopf durch die langen Regenfälle nicht so schön blau, wie im nachfolgenden Foto aus dem Jahr 2015. Die anderen Farben des Lichts werden verschluckt.

Blautopf im August 2015

blautopf_im_august_2015.jpg

 

Blautopf am heutigen Tag und dann leider auch noch durch die frühe Stunde im Schatten

quelle_im_schatten.jpg

 

..............wird fortgesetzt...............

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Fortsetzung Tag 7 …............

 

Die Quellschüttung des Blautopfes

blautopf_quellausfluss.jpg

 

Ich gehe weiter durch die Altstadt zum „URMU“, zum urgeschichtlichen Museum.

urmu.jpg

 

Das Urzeitmuseum in Blaubeuren ist echt ein Besuch wert. Ich war im Herbst 2015 mit meiner Frau im Museum, weshalb ich es jetzt nicht noch einmal besuchen will. Auch ist fotografieren im Museum kostenpflichtig.
Die ausgestellten Funde von Flöte, Wasservogel, und vieles mehr, sind einzigartig.

Ich will jetzt nicht alle Sehenswürdigkeiten des Museums aufzählen, da die Website des URMU im Internet detaillierte Informationen zum Museum bereithält. In einer Suchmaschine „URMU Blaubeuren“ führt sofort zum Ziel.
Ein Besuch des Museums ist, wie gesagt, allemal sein Geld wert.

Es gibt viele weitere Sehenswürdigkeiten in Blaubeuren, so dass die Zeit nicht langweilig wird. Mich jedoch, drängt es schon wieder Richtung HW 2 und ich mache mich auf, zum Bahnhof, wo der HW 2 dann auf schönem Waldpfad aufwärts in den Wald zum Felsenlabyrinth führt.

wegweiser_schelklingen.jpg

Felsenlabyrinth

felsenlabyrinth.jpg

 

Auf engen Waldpfaden im Felsenlabyrinth

felsenlabyrinth_2.jpg

Nach einiger Zeit erreiche ich die Hochfläche und es geht erst Mal auf einem Schotterweg an Seissen vorbei in den Wald Richtung Schelklingen.

oberhalb_blaubeuren.jpg

 

Auf der Hochfläche ist es ganz schön frisch und ich ziehe mir meine Windjacke über das Shirt. Es geht von der Hochfläche abwärts in den Wald. Der Boden ist natürlich von den starken Regenfällen der Vortage glitschig. Im windgeschützten Wald ist das Windshirt schon wieder zu warm. Endlich einmal für eine längere Zeit auf Waldpfaden unterwegs.

waldpfad_nach_schelklingen.jpg

 

...................wird fortgesetzt...........

 

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Fortsetzung Tag 7 …............

 

Leider sind die Nachteile bei Waldpfaden, die überall über den Pfad gespannten Spinnennetze. Schon kurz nach dem Betreten des Waldes komme ich nicht mehr hinterher, mir das Gesicht abzuwischen.

Schließlich bastle ich mir wieder mein Spinnennetz-Abwehrtool aus einem biegsamen Ast Bergahorn. Diesen feinen Ast, mit nur noch wenigen Blättern an der Spitze halte ich jetzt in einiger Entfernung vor mein Gesicht und ab dem Zeitpunkt ist Schluss mit der Wischerei.

bergahorn.jpg

Es geht im dichten Wald hinunter ins Tal. Im Talgrund stoße ich auf eine Hütte.

huette.jpg

Naja, geht so. Als Unterstand prima, zum Übernachten – bedingt.

huette_inhalt.jpg

 

Kaum im Tal angekommen, geht es auf der Gegenseite schon wieder steil nach oben. Wenn nur der verflixte Matsch nicht wäre ! Jeden Schritt muss man abwägen und rutscht immer wieder weg. Sehr anstrengend. Nach dem Aufstieg geht es kurz übers freie Feld und dann durch den Wald zum Schloßturm oberhalb Schelklingen.

schlossturm_schelklingen.jpg

Kurz darauf erhasche ich einen ersten Blick auf Schelklingen und das Zementwerk

schelklingen_zementwerk.jpg

Es geht über den Hügel abwärts und ich stehe plötzlich in einer Schafherde. Ich nehme Blickkontakt mit dem auf dem nächsten Hügel stehenden Schäfer auf und wir verständigen uns mit Handbewegungen.
Vorsichtig und langsam, um die Schafe nicht zu erschrecken, arbeite ich mich durch die Herde um kurz darauf am Stadtrand von Schelklingen wieder auf Teer zu stehen.

schafherde.jpg

 

In Schelklingen trinke ich gegen 13:15 Uhr noch einen Kaffee und esse ein staubtrockenes belegtes Brötchen. Ich verlasse das Cafe und gehe in Schelklingen am schönen Flüsschen Ach entlang, um den markanten Berg herum ins ehemalige Benediktinerinnen Kloster Urspring, das jetzt ein internationales Internat, eine Ganztagesschule, Gymnasium und verschiedene weitere Einrichtungen beherbergt.

urspring_1.jpg

Schöne Gebäude in Urspring

urspring_3.jpg

 

................wird fortgesetzt..............

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Fortsetzung Tag 7 …............

 

urspring_2.jpg

 

Gleich hinter dem Anwesen geht es steil nach oben durch den Wald Richtung Hausen ob Urspring. Es geht mehrere Kilometer durch den Wald, auch auf Graswegen mit hüfthohem Bewuchs. Nachdem ich die ersten Meter auf dem Grasweg zurückgelegt habe, sehe ich schon wieder die Drecksviecher von Zecken auf meinen Hosenbeinen herumkrabbeln. Ich entferne die Zecken und stecke meine Hosen wieder in die Strümpfe. Auf der Höhe, als sich der Wald kurz lichtet, treffe ich eine Wandergruppe einer Albvereinsabteilung, deren Name mir entfallen ist.

Oberhalb von Hausen ob Urspring

hausen_ob_urspring.jpg

 

Wir kommen kurz ins Gespräch und die Gruppe will ebenfalls hinunter nach Urspring gehen. Ich warne vor den Zecken auf den Graswegen und bemerke Erschrecken bei einigen Teilnehmern. Der Führer der Gruppe versucht abzuwiegeln und ich zucke gleichgültig die Schultern.

Auf dem freien Stück steht am Rand eine verschlossene Hütte.

huette_oberhalb_urspring.jpg

 

Ich gehe weiter und es geht noch einige Kilometer durch den Wald und dann bergab ins Schmiechtal. Stämme liegen kreuz und quer über den Pfad.

bannwald.jpg

 

Schließlich erreiche ich den Talgrund und mache mich auf, durch das Schmiechtal nach Hütten. Leider ist das Wetter immer noch ziemlich bewölkt. Immer wieder scheinen sich die Wolken zu einem Gewitter zusammenballen zu wollen.

wegweiser_huetten.jpg

 

Es geht jetzt lange Zeit durch das Schmiechtal. Mein Ziel für heute ist der Wald in der Nähe von Granheim, wo ich wieder mein Contrail aufschlagen will.

In Talsteußlingen raste ich auf einer Bank und betrachte das Mühlrad der ehemaligen Schloßmühle.

muehlrad_Talsteußlingen.jpg

Es geht auf Schotter- und Feldwegen Richtung Hütten

nach_huetten.jpg

 

................wird fortgesetzt..............

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Fortsetzung Tag 7 …............

 

Irgendwo vor Hütten führt plötzlich der Wegweiser des HW 2 im rechten Winkel Richtung Hauptstraße zum Gegenhang. Ich gehe in diese Richtung, stehe an der Hauptstraße und suche auf der Gegenseite die weiterführenden Wegzeichen des HW 2.
Gibt leider keine. Mit den Augen rollend, gehe ich zurück zum Wegweiser. Der Wegweiser weist tatsächlich auf den Gegenhang, die Hauptstraße überquerend. Ich gehe nochmals über die Straße und suche akribisch auf dem nach oben führenden Forstweg nach einem weiteren Zeichen.
Nichts zu finden. Auch an der Hütte oder dem unteren Weg ist kein einziges Zeichen zu finden. Das Wegzeichen einfach ignorierend, setze ich meinen Weg auf der linken Seite des Tales fort. Kurz vor Hütten sehe ich eine Person auf den Bahnschienen laufen. Ganz schön mutig, denke ich da für mich.
Als ich näher komme, betreten zwei weitere Personen die Schienen und eine Familie läuft auf den Schienen Richtung Häuser.

Ich komme an den Personen vorbei und bemerke scherzhaft: „Da hat Jemand aber Gottvertrauen“.

Die Strecke ist eine reaktivierte Bahnstrecke und der nächste Zug kommt erst um 18.00 Uhr“ meint lachend der Mann.

Ich bleibe stehen und wir kommen ins Gespräch. Er ist Vorsitzender der örtlichen Albvereinsgruppe und wir unterhalten uns über das woher und wohin. Als ich ihm mitteile, woher ich komme, teilt er mir mit, dass er in Meßstetten bei der Bundeswehr war.
Ich kippe fast aus den Schuhen, als sich herausstellt, dass er in den 70er Jahren zur gleichen Zeit wie ich, in der gleichen Kompanie, im gleichen Gebäude, auch als Fernschreiber seinen Dienst abgeleistet hat.
Er bei der Division – ich beim Regiment. Nur ein paar Meter voneinander entfernt.
Die Welt ist echt ein Dorf.
Ich verabschiede mich herzlich und mache mich weiter auf den Weg durchs Tal, an Sondernach vorbei. An einem Haus erhalte ich noch kaltes Wasser für meine Flaschen.

Bahnhof von Sondernach

bahnhof_sondernach.jpg

Es geht viele Kilometer an der Museums-Bahnlinie entlang

museumsbahn_entlang.jpg

 

Langsam aber sicher, komme ich meinem Ziel näher als der HW 2 links nach oben in den Wald Richtung Granheim führt. Es geht noch den einen oder anderen Kilometer hoch durch den Wald. Ich halte bereits Ausschau nach einem guten Platz für mein Contrail. Das Gelände ist jedoch immer noch viel zu steil. Am Waldrand angekommen, stelle ich fest, dass das hier wohl nichts mit einem Schlafplatz wird und beschließe, weiter über die Hochfläche am Heuhof vorbei, in das nächste Waldgebiet zu wechseln, das bestimmt eine ebene Fläche bieten wird.

Über die Hochfläche geht es auf Teerwegen zum nächsten Waldgebiet

nach_Granheim.jpg

Es ist jetzt kurz vor 19.00 Uhr und bald sind die 29 km für heute geschafft.

hochflaeche_auf_dem_weg_nach_granheim.jpg

Ich überquere eine Landstraße, gehe an einem gelb blühenden Rapsfeld vorbei und registriere die vielen Hochstände der Jäger am Waldrand, die alle Richtung freies Feld zeigen.
Dann ist hoffentlich Niemand im Wald“ denke ich und gehe in den Wald. Ich finde nach ein paar hundert Metern ein Terrain mit Moos und schön eben, nur leider etwas licht.
Der Vollernter hat hier vor einiger Zeit Bäume gefällt und die Fichtenäste liegen lassen.
Ich schlage mein Contrail weit vom Weg auf und bin aber nicht ganz zufrieden. Mir ist das Ganze etwas zu licht und ich beginne, Fichtenäste im Halbkreis um mein Contrail aufzuschichten, damit es vom entfernten Waldweg nicht gleich als Fremdkörper ausgemacht werden kann.

contrail_bei_granheim2.jpg

Einigermaßen zufrieden mit meinem Werk verziehe ich mich in mein Domizil

contrail_bei_granheim.jpg

 

führe natürlich die obligatorische Zeckenkontrolle durch und finde wieder drei (!) dieser Viecher. Gottseidank lassen sie sich problemlos entfernen und ich telefoniere noch mit meiner Frau. Nach 29 km wieder mit guter Bettschwere, schlummere ich bereits vor Dunkelwerden ein.
In der Nacht höre ich plötzlich einen Kläffer und drehe mich auf meiner TAR um meine Petzl zu greifen. Der Fuchs muss das Geräusch auf der TAR gehört haben und ich höre ihn wie der Blitz, ohne weiteren Laut, in die Gegenrichtung verschwinden. „DAS war ein erfahrener Fuchs“, denke ich noch.

Kurz darauf beginnt es, stärker zu regnen, aber ansonsten verläuft die Nacht wunderbar ruhig.

 

…...........wird fortgesetzt...........

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Tag 8   Granheim - Hayingen   17 km

 

Ich erwache gegen 06:30 Uhr und schaue mich um. Trotz des stärkeren Regens ist im Contrail immer noch alles im grünen Bereich. Kein Wassereinbruch, kein feuchter Komforter – perfekt.

Raus aus dem Contrail und die feuchten Klamotten angezogen, nasse Strümpfe und nasse Schuhe hinterher und erst mal einen Kakao gekocht. Solange der Gaskocher leise vor sich hin zischt, räume ich mein Contrail aus, ziehe wieder eine Wäscheleine zwischen zwei Stämme und hänge die Nachtwäsche und den Komforter etwas zum auslüften aus. Den Rest der Ausrüstung lege ich in den geöffneten, umgedrehten Schirm.

Es macht mir schon lange nichts mehr aus, den ganzen Tag mit nassen Strümpfen und Schuhen herumzutigern, sind diese doch, kaum dass man einen Waldpfad oder Weg mit hohem Grasbewuchs betreten hat, in kürzester Zeit wieder patschnass.

Im Moment ist es bewölkt, aber es regnet Gottseidank nicht mehr.

Nachdem ich meinen Kakao getrunken habe, gönne ich mir nach dem Zähneputzen noch ein paar Tropfen Dr. Bronner am Körper (brrrrr) und verpacke anschließend meine Ausrüstung in den Huckepack. Dann wird das nasse Contrail in die Außentasche gesteckt und los geht’s, die knapp 3 km Richtung Granheim.
Ich durchquere den Wald und trete auf das freie Feld. Die Sonne hat sich teilweise etwas durchgemogelt und die Fotos werden etwas freundlicher.

nach_Granheim.jpg

Der Wegweiser des HW 2 ist an der Ruhebank nicht zu übersehen und ich gehe weiter Richtung Granheim

bankwegweiser.jpg

 

Das (leider) kurze Intermezzo der Sonne lockert die Stimmung und lässt auch die weiten Flächen auf dem HW 2 in einem freundlicheren Licht erscheinen.

Am Waldrand entdecke ich ein Fahrzeug. Eine holländische Jagdgesellschaft ?? :-D

jagdwagen.jpg

Nach einiger Zeit erreiche ich den Ortsrand von Granheim, gehe am Granheimer Schloss vorbei Richtung Ortsmitte.

schloss_granheim.jpg

Das Schloss ist wohl in privater Hand. Ich trete an der Kirche auf den Friedhof und suche den obligatorischen Wasserhahn, um meine Flaschen aufzufüllen. Der Gummischlauch am Wasserhahn macht einen wenig vertrauenserweckenden Eindruck und ich beschließe, den Sawyer Wasserfilter wieder zum Einsatz zu bringen.
Eine Dame ist bereits mit Harke und Schubkarre auf dem Friedhof zu Gange und wir plaudern eine kleine Weile.

Der obere Teil des Maibaums im Zentrum des Dorfes ist wohl einem Sturmereignis zum Opfer gefallen, oder er wurde abgesägt und ist zerbrochen. Jedenfalls macht der Maibaum einen kompakten Eindruck.

maibaum_light.jpg

Die Dame auf dem Friedhof hat mir auf Nachfrage mitgeteilt, dass es in Granheim weder eine Metzgerei noch einen Bäcker gibt und so mache ich mich auf, weiter nach Erbstetten.
Es geht durch ein Waldstück und als ich aus dem Wald trete und die Hauptstraße von Granheim nach Erbstetten überquere, ist die Sonne wieder so präsent, dass ich in der Nähe einer Ruhebank mein Contrail auf dem Boden ausbreite, um es zu trocken.
Ich setze mich auf die Holzbank und vernichte den Rest meiner 376 Gr Großpackung mit Gummizeugs.
Es ist nicht zu glauben. Als ich den Blick auf meine linke Hand werfe, sehe ich schon wieder eine Zecke auf der Wanderung.

zecke_hand.jpg

Verfluchtes Dreckszeug ! Man hat auf dieser Tour keine ruhige Minute vor diesen Viechern. Überall wo ein Waldrand oder hohes Gras zu finden ist, sind diese Viecher omnipräsent. Die Plage lässt erst schlagartig im Raum Sigmaringen nach. Bis Tuttlingen habe ich nahezu keine Probleme mehr mit Zecken. Vermutlich sind die Viecher ab einer bestimmten Höhenlage nicht mehr so häufig.

Nachdem mein Contrail getrocknet ist, verpacke ich es wieder in meinen Huckepack und mache mich auf durch den Wald zum Gewann „Wolfsfalle“. Nach einem kurzen, nassen Stück Walddurchquerung stehe ich wieder im Freien und es geht am Waldrand entlang auf Schotterweg nach Erbstetten.
Ich gehe in den Ort. Niemand ist zu sehen. Ein Postauto hält und ich frage den Postbeamten ob es im Ort einen Bäcker oder eine Metzgerei gäbe.
Keins von Beiden“ antwortet er.
Er verweist auf einen entfernten Ort, was natürlich nicht in meinem Sinne ist, da es weit vom HW 2 entfernt ist. Na, ich habe ja noch das eine oder andere Kilo Körpermasse über, denke ich bei mir.

Dorflinde in Erbstetten

dorflinde.jpg

 

............wird fortgesetzt ..............

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Fortsetzung Tag 8 …............

 

Die Gastwirte haben einen harten Stand auf dem Land. So auch wohl das „Rössle“ in Erbstetten.

geschlossen.jpg

Am Ortsrand von Erbstetten geht es steil nach oben in den Wald zur Ruine Wartstein.

wegweiser_wartstein.jpg

Nach einem längeren Aufstieg erreiche ich einen Ausblick auf das Lautertal. Leider ist es schon wieder stärker bewölkt.

blick_ins_lautertal.jpg

Ich stoße im Wald auf eine Hütte.

huette.jpg

huetten_inneres.jpg

Nach einigen Metern Waldpfad am Felsgrat entlang geht es auf steinigem und ungemein glitschigen Weg nach unten ins Lautertal. Wieder ist äußerste Vorsicht beim Abstieg geboten und jeder Schritt will wohl überlegt sein.

felsiger_Abstieg.jpg

 

............wird fortgesetzt ..............

 

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Fortsetzung Tag 8 …............

 

Schließlich habe ich den Talgrund erreicht und ich werfe einen Blick zurück auf die Ruine Wartstein.

blick_zur_ruine_wartstein.jpg

Auf schönen Wiesenpfaden geht es jetzt einige Kilometer durch das wunderschöne, idyllische Lautertal. Die Lauter hat Hochwasser und rauscht mächtig. Ich treffe einen Mann, behängt mit Fotoapparaten. Er ist die einzige Person die ich heute auf dem HW 2 treffe. Im Lautertal gibt es auch mehrere Höhlen, die ich jedoch nicht näher begutachte.
In der Nähe von Anhausen geht es links hoch zum Hofgut Maisenburg.
Vorsicht ! Nicht nach rechts Richtung Kläranlage gehen. Das Zeichen für den HW 2 ist links ums Gebäude herum zu sehen.

Nach einiger Zeit des Aufstiegs erreiche ich das Hofgut Maisenburg.

hofgut.jpg

 

Weiter geht’s zum Ferienpark Lauterdörfle und daran vorbei hinein nach Hayingen. Zwischenzeitlich hat es wieder begonnen zu regnen.
Hayingen ist ein schönes Örtchen und ich schaue mich noch etwas um. Finde zu meiner großen Freude eine Metzgerei, mit überaus wohlschmeckenden Fleischkäsebrötchen.

hayingen1.jpg

Schönes Fachwerk wohin man schaut.

schoenes_fachwerk.jpg

An der linken Seite des „Löwen“ finde ich auch gleich den Wegweiser für den morgigen Tag ins Glastal bzw. nach Zwiefalten

wegweiser_glastal.jpg

 

Schließlich finde ich auch meine heutige Bleibe für die Nacht. Die Pension Kreuz. Ich beziehe mein Zimmer, esse noch gegen 17:00 Uhr in der Gaststätte mit großen Appetit ein „Kreuzpfännle“, trinke noch ein Weizenbier und verkrieche mich nach den heutigen 17 Kilometern nach einer ausgiebigen Dusche und Telefonat mit meiner Frau, im Bett.

Der HW 2 erreicht morgen mit Billafingen und Sigmaringen die bequeme Nähe zu meinem Wohnort, die es mir ermöglichen, die Nacht zu Hause zu verbringen. Ich habe den Vorteil, dass die Hauptwanderwege 1,2,3 und 5 in der Nähe an meinem Wohnort vorbeiführen, so dass in der Regel nur eine Autofahrt von 15 bis 25 Minuten notwendig ist, die Nacht zu Hause zu verbringen.

pension_kreuz.jpg

 

...........wird fortgesetzt ..............

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Tag 9 Hayingen – Billafingen 28 km

 

Am Morgen stehe ich in leichtem Regen mit geöffnetem Schirm am Wegweiser beim „Löwen“ und gehe hoch zum Ortsrand von Hayingen. An einer Ruhebank bei einem alten Baum setze ich meinen Huckepack ab und krame mein Windshirt hervor, da es im T-Shirt doch noch etwas zu kühl ist – wenigstens bis ich auf „Betriebstemparatur“ bin.
Als ich sehe, dass eine Hornisse nach der anderen nur etwa 2 m neben mir ein Loch im alten Baum verlässt, lege ich einen deutlichen Zahn zu und verschwinde schnellstens aus der Nähe des Baumes. Habe selber schon erlebt, wie sauer Hornissen auf Annäherung reagieren können, als ich an der Donau zufällig beim Angeln an einem abgestorbenen Baum vorbeigekommen bin.
Diese Erfahrung möchte ich nicht nochmals machen und ich gehe schnell weiter, um am oberen Ortsrand an der Hauptstraße entlang nach unten, zum Eingang des Glastales zu gehen.

Im leichten Regen geht es hinunter ins Glastal

morgens_aus_hayingen.jpg

 

Mein Blick fällt nach rechts auf die Wacholderheide und nicht mal die Schafe wollen heute so richtig ihr Nachtlager verlassen.

wacholderheide_hayingen.jpg

Am Eingang des Glastales gibt es einen großen Spielplatz mit schönem Unterstand

huette_eingang_glastal.jpg

Zelten ist ausdrücklich verboten aber es gibt ja wohl Alternativen, wenn ich mir das Innere des Unterstandes so ansehe.

huette_glastal_inneres.jpg

 

Auf Schotterweg geht es das Glastal hinunter und ich stoße nur wenige hundert Meter nach dem Unterstand mit seinem Wegweiser des HW 2 auf einen weiteren Wegweiser des HW 2 der – nach links Richtung Donauwörth zeigt.

Diese falsche Beschilderung wird mir von jetzt ab immer wieder bis ins Donautal begegnen, mal mehr, mal weniger..........

falsches_wegzeichen.jpg

 

Auf Schotterwegen durch das Glastal

schotterweg_durchs_glastal.jpg

 

Sehr schade, dass das Wetter nicht so richtig mitmachen will. Es regnet leider immer noch leicht. Nach einiger Zeit entspringt an der linken Seite der Hasenbach, der mich durch das ganze Glastal begleiten wird.

quelle_hasenbach.jpg

 

...............wird fortgesetzt..............

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Fortsetzung Tag 9 …............

 

Immer weiter geht es durch das idyllische Glastal Richtung Wimsener Höhle.
Ich freue mich schon auf die Kahnfahrt in die Höhle und den anschließenden Gang durch das wunderschöne Achtal Richtung Zwiefalten.

durchs_glastal1.jpg

 

Der Regen hört endlich auf. Ich verstaue meinen Schirm am Huckepack und weiter geht es durchs Tal.

bruecke_glastal.jpg

 

Nach einem Auf und Ab über kleinere Hügel trifft der Hasenbach bald auf die Zwiefalter Ach.

Hasenbach kurz vor der Wimsener Höhle

hasenbach_bei_wimsener_hoehle.jpg

hasenbach_bei_wimsener_hoehle2.jpg

 

Am großen Parkplatz der Wimsener Höhle vorbei erreiche ich die Wimsener Höhle. Auf dem Parkplatz steht eine größere Wandergruppe mit gezückten Sektgläsern (!) und lädt mich ebenfalls mit lautem Zurufen auf ein Glas ein. Ich lehne lachend ab, da mir um diese Zeit der Sinn nach Allem steht, nur nicht nach Sekt. Ich winke und gehe über die Brücke der Ach und stehe vor dem Eingang.

zugang_wimsener_hoehle.jpg

 

...............wird fortgesetzt..............

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    • Von Tumurbel
      Kurz-Übersicht:
       
      Trail: GFW – Georg-Fahrbach-Weg. Hauptwanderweg des Schwäbischen Albvereins
       
      Länge: 130 km Start: Criesbach (Hohenlohe) Ziel: Stuttgart-Uhlbach Zeit: 20. September – 25. September 2016 Tage Gesamt: 6  
      Als kleine Herbst-Tour habe ich mir noch den Georg-Fahrbach-Weg, einen der Hauptwanderwege des Schwäbischen Albvereins, ausgesucht.
      Der GFW führt von Criesbach im Hohenlohischen, über Öhringen, Wüstenrot, Sulzbach an der Murr, Althütte, an Winnenden und Waiblingen vorbei, nach Stuttgart-Uhlbach.
      Der GFW ist dem langjährigen Vorsitzenden des SAV gewidmet.
      Meine Ausrüstung mal nachstehend als kleine Tabelle:
      Gewicht.xls
      Mit 5700 Gramm Base fühle ich mich ganz gut unterwegs und komme incl. Essen, Wasser und Gas auf 7800 Gramm gesamt.
      Die Tour führt durch viele Ansiedlungen und Wasser wird deshalb kein Problem sein. Auch gibt es lt. Tourbeschreibung den einen oder anderen Brunnen. Also alles ziemlich easy.
      Begonnen hat meine Tour mit einer knapp einstündigen Fahrt mit dem Auto nach Sigmaringen.
      Es ist noch stockdunkel als ich die Einfahrt zum Parkhaus am Bahnhof hoch fahre. Schon wieder blockiert ein angestöpselter Smart der Stadtwerke die E-Ladestation. Ich parke mein Auto zwei Stockwerke höher und bin froh, das Auto vorher noch komplett geladen zu haben, damit meine Frau für die Rückfahrt genug Energie zur Verfügung hat. Sie wird den Wagen am Abend wieder zurückfahren.
      Bevor ich mich auf die sechsstündige Zugfahrt mache, suche ich noch kurz die Toilette im Parkhaus auf um sofort zurückzuschrecken. Ein Fixer hat sich wohl einen Schuss gesetzt und sämtliche Utensilien, incl. gebrauchter Spritze, in der Toilette verteilt. Dunkelbraune, eingetrocknete Spritzer verunzieren den Boden. Ich verlasse schnellstens das Parkhaus und desinfiziere mir erst mal die Hände.
      „Das fängt ja gut an“, denke ich bei mir und tigere zum Bahnhof.
      Mit der Bahn geht es dann über Ulm – Crailsheim nach Öhringen, wo ich meine Schlüsselkarte des Autos in einen an mich selbst adressierten Umschlag stecke und in den nahen Briefkasten werfe. Schließlich geht es noch mit dem Bus nach Criesbach.
      Ich steige aus dem Bus und stehe mitten im kleinen Ort Criesbach. Es ist angenehm warm. Nur ab und an weht ein kühles Lüftchen.

       
      Eigentlich hatte ich vor, in Criesbach zu übernachten und dann am Folgetag mit der Tour zu beginnen. Nun....wenn ich es mir so recht überlege, ist es jetzt kurz vor 13.00 Uhr und man könnte ja doch noch den einen oder anderen Kilometer machen. Allerdings wird es um 19:30 Uhr dunkel sein. Ich bin ganz hibbelig und beschließe einfach, die Tour zu beginnen und in Öhringen zu übernachten. Es hält mich einfach nicht.
       
      Tag 1 Criesbach – Öhringen 23 km
       
      Praktischerweise steht am Beginn der Tour gleich ein Brunnen zur Verfügung und ich fülle meine zwei 0,7 l PET-Flaschen mit kaltem, klaren Wasser.

       
      Das erste Zeichen des GFW an einer Laterne

       
      Ich ziehe noch mal meine Gurte fest und mache mich an den steilen Aufstieg in die Weinberge, hoch zum Criesbach-Sattel und zur Georg-Fahrbach-Eiche. Es geht gleich ziemlich zur Sache und ich muss den Zick-Zack-Weg hoch ganz schön pusten. Ich bin wohl noch etwas aus der Übung.

       
      Vorbei geht es an den Weinstöcken und mir läuft schon beim Betrachten der Beschreibungen, der angebauten Traubensorten, das Wasser im Munde zusammen. Ich nehme mir fest vor, in irgendeiner schönen Gaststätte ein Viertel Wein zu probieren – irgendwann auf der Tour.

       
      An manchen Weinstöcken ist unterhalb des Weinstockes eine Plastikflasche aufgehängt, die teilweise mit einer Flüssigkeit gefüllt ist, die wie Apfelsaft aussieht. Ich habe keinen Plan, was das sein soll und gehe nach kurzem Grübeln weiter.
      Schließlich ist nach knapp zwei Kilometern Anstieg der Sattel erreicht

       
      Es geht jetzt oben am Sattel entlang. An einer privaten Hütte mit Grillplatz (Betreten des Privatgrundstücks verboten !) geht es auf ebenem Weg weiter zum Hinweisschild „Criesbacher Sattel“ und an der dortigen Raststelle vorbei, zur Georg-Fahrbach-Eiche, die zu Ehren des ehemaligen Vorsitzenden des Schwäbischen Albvereins gepflanzt worden ist.

       
      Der Weg führt jetzt weiter auf einem Teerweg am Sattel entlang nach Niedernhall, wo ich die Kocherbrücke überquere um kurz darauf am sehenswerten „Götzenhaus“ zu stehen. Bis zum jetzigen Zeitpunkt sind etwa 4,5 km zurückgelegt.
       
      ..........wird fortgesetzt...........
    • Von Tumurbel
      Das Innere der Bolberghütte - Platz zum Liegen
      Aufnahme 17.11.2014 Etappe Genkingen - Willmandingen
    • Von Pip
      OT: Diesen Tourenbericht habe ich aus meiner Anfänger-Perspektive verfasst und all meine Gedanken und Erfahrungen zum Trekking im Allgemeinen und zum Ultraleicht-Trekking im Besonderen hinein gepackt. Die Profis unter euch wird das wahrscheinlich eher langweilen - aber vielleicht findet sich doch jemand, den es interessiert?
       
      08:00 VERSCHLAFEN! Mist. Eigentlich wollte ich jetzt gerade das Haus verlassen und zum Bahnhof düsen. Naja, nehmen wir halt den Zug eine Stunde später Als ich dann tatsächlich abmarschbereit bin, noch schnell ein Foto von mir mit Rucksack und auf zur Bushaltestelle.

      09:30 Ich stehe am Hauptbahnhof und ziehe erst mal die Windjacke drüber. Ganz schön frisch heute morgen, der Herbstnebel hängt noch in der Luft und von der Sonne ist nichts zu sehen. Soll sich aber ändern bis zum Mittag, sagt der Wetter-Heini im Radio.
      Jedenfalls freue ich mich auf die Tour und ganz besonders darüber, nicht nach München zu müssen wie die geschätzten 183.829 Leute, die sich am Bahnsteig gegenüber tummeln: Es ist Wiesn-Zeit…
       
      09:58 Endlich kommt der Zug! Ich hab extra einen Bus früher genommen, um noch genug Zeit zum Geld Abheben und Fahrkarte Kaufen zu haben, aber ne Viertel Stunde später loszufahren wär auch locker möglich gewesen.
      Langsam schwindet die Morgenmüdigkeit und die Aufregung nimmt überhand: Dies hier ist nicht nur die erste Testtour für meinen MYOG-Rucksack, sondern auch für meinen neuen Schlafsack, die neue Therm-A-Rest, den neuen Biwacksack, den neuen Catstove… Und es wird das erste Mal sein, dass ich im Wald biwakiere. Mutterseelenallein! Hui - Klein Pip auf großer Abenteuerfahrt!
       
      10:34 Bahnhof Donauwörth - endlich! Ganz schön spät geworden. Also nix wie los! Ich folge den Wegmarkierungen in die entgegengesetzte Richtung bis zum offiziellen „nullten Kilometer“. Also bin ich auf den ersten Kilometern tatsächlich auf dem Süd- statt auf dem Nordrandweg unterwegs. Fast verlaufe ich mich gleich am Anfang einmal - gut, dass ich aus den Augenwinkeln noch den roten Pfeil am gegenüberliegenden Straßenrand gesehen habe! Am Rathaus das obligatorische Startfoto

      und dann bin ich tatsächlich unterwegs auf dem Albsteig! Die erste halbe Stunde geht es auf asphaltierten Spazierwegen durch einen Park, einen ehemaligen Eisenbahntunnel und an einem Supermarkt vorbei bis zu einer Pferdekoppel, auf der ein falsches Zebra steht.

      Danach geht es weiter auf einem ebenen Schotterweg in Sichtweite der Wörnitz zusammen mit etlichen Feiertags-Spaziergängern und auch einigen Radfahrern. Niemand hat einen Wanderrucksack dabei. Okay, es ist schon Anfang Oktober, aber angesichts der schier unfassbaren Anzahl an Fernwanderwegen, die sich diese Strecke teilen (Nordrandweg, Main-Donau-Weg, Romantische Straße, Bayerisch-Schwäbischer Jakobuspilgerweg, Frankenweg), hätte ich doch den einen oder anderen Kollegen erwartet. Wahrscheinlich bin ich einfach zu spät dran. Egal, ich freue mich jedenfalls, endlich wieder zu Fuß unterwegs zu sein. Seit dem Jakobsweg vor einem Jahr hab ich kaum noch Bewegung gehabt.
       
      Hinter Felsheim bietet ein Maisfeld den perfekten Sichtschutz „für kleine Ultraleichttrekker“ und ich muss auch meine kleine 0,5l-Flasche schon aus dem großen Wasserbeutel im Rucksack nachfüllen, nach gerade mal 6km. Immerhin ist die Sonne mittlerweile herausgekommen und ich setze gleich mal das Visor-Buff auf: Will mir nicht die vorderen Dreadlock-Ansätze verbrennen, das gibt immer so ein doofes rotes Schachbrettmuster auf der Kopfhaut.
      Der Rucksack sitzt übrigens sehr bequem und ich komme sogar, ohne ihn abzusetzen mit einer Hand an die seitlichen Netztaschen, in denen die Karte bzw. die Flasche stecken, ein Umstand, den ich bei gekauften Rucksäcken bisher immer vermisst habe.
       
      Hinter Wörnitzstein beobachte ich vier Milane, die die Thermik über dem sonnenbeschienen Hang genießen, und dann beginnt die Alb: Die erste Strecke im Wald und auch der erste nennenswerte Anstieg. Doch bevor man so richtig ins Schnaufen kommt, ist man auch schon oben. Alle paar Meter steht hier ein Hochsitz, einmal komme ich sogar direkt an einer Anfütterungsstelle vorbei. Scheint, als würde der Weg tatsächlich nicht sehr viel begangen, sonst müsste man die wohl etwas weiter abseits aufbauen? Die goldene Oktobersonne malt tolle Effekte auf die Waldkulisse.

      Auf dem Eichbühl haben die hiesigen Wanderfreunde einen tollen Rastplatz installiert: Es gibt Getränke zum Selbstbedienen, ein Wanderbuch, in das ich mich natürlich gleich eintrage - bei der Gelegenheit stelle ich fest, dass heute genau eine Person vor mir hier vorbei gekommen ist, die auch auf dem HW1 Nordrandweg unterwegs ist - etliche Rastbänke, einen Mülleimer (ich leere meine Taschen und freue mich, dass ich die rotzigen Tempos und leeren Müsliriegelpapierl nicht heute Abend in den mitgenommenen Müllsack stopfen muss) und eine Mahnung an alle Wanderer.

      Belustigt über diesen drolligen Rastplatz marschiere ich weiter und mampfe unterwegs immer wieder aus meiner Snacktüte. Die ist schon ganz schön geschrumpft seit dem Start. Ich glaube, ich hätte mehr frühstücken sollen. Die eine Apfeltasche hat leider nicht sehr lange vorgehalten, sonst wären noch mehr M&Ms und Studentenfutter in der Tüte
      Irgendwann führt der Weg aus dem Wald raus, auf Asphalt durch einen kleinen Weiler hindurch und dann wieder durch einen Wald, wo man den Weg auf keinen Fall verlassen darf, sagt ein Warnschild, um nicht von den Steinbrucharbeiten erschlagen zu werden. Dann geht es auf einem Wiesenweg am Waldrand entlang. Genauer gesagt ist das einfach nur ein breiter Streifen Gras, auf dem man läuft, was das Gehen ganz schön anstrengend macht. Vor allem die Trekkingstöcke verheddern sich dauernd in den Halmen. Also klemme ich sie mir unter den Arm und marschiere ungestützt weiter. Bisschen mühsam, das.
       
      Anschließend geht es auf einem breiten Schotterweg über sanfte Grashügel in Richtung Harburg. Laut Karte müsste ich demnächst an einem kleinen Bachlauf vorbei kommen, der ganz in der Nähe entspringt. Ich halte angestrengt danach Ausschau, da meine Wasservorräte langsam aufgebraucht sind und ich außerdem den Sawyer Wasserfilter testen möchte. Aber Fehlanzeige: kein Bach weit und breit. Entweder ist der zu dieser Jahreszeit ausgetrocknet oder so von Pflanzen zugewuchert, dass man ihn nicht findet. Plätschern höre ich es jedenfalls nirgends. Also laufe ich weiter bis zum Rand des Harburger Ortsteils Stadelhof, wo ich eine nette Dame, die auf ihrer Terrasse die Sonne genießt, ganz lieb frage, ob sie mir wohl meine Flaschen auffüllen könnte. Das macht sie tatsächlich gerne und erzählt mir von einem Aussichtspunkt kurz hinter Harburg, von dem man einen tollen Blick über das Ries haben soll. Ich bedanke mich und bin gespannt, ob ich die Stelle finde.
       
      Doch zunächst verlaufe ich mich erst mal: Laut meiner Karte - die mich bis dahin wirklich sehr gut gelotst hat - muss ich am Fuße der Burg entlang den Hügel hinunter bis zur Hauptstraße. Unten angekommen ist aber  nirgendwo mehr eine Wegmarkierung zu sehen und die Wegbeschreibung, die ich mir heute morgen noch schnell ausgedruckt habe, verrät mir, dass die Streckenführung vor kurzem geändert wurde. Also den Hügel wieder rauf. Bei der Gelegenheit biege ich schnell noch in den Burghof ab und benutze das dortige Besucherklo. Hier hätte ich auch eine Möglichkeit zum Flaschenauffüllen gehabt - zu spät
       
      Auf einem asphaltierten Wiesenweg geht es den nächsten Hügel hinauf, wo sich unter einem Kastanienbaum eine Bank befindet. Ich beschließe, hier etwas zu essen zu kochen. Immerhin ist es schon kurz vor 18 Uhr und mein Snackbeutel schon eine ganze Weile leer, weswegen ich im Moment in einem kleinen Energieloch stecke. Und dann des Umweges, den mir die nicht mehr aktuelle Karte beschert hat, auch in einem Motivationsloch. Also Catstove ausgepackt, befüllt angefeuert und den Topf mit Wasser aufgesetzt. Leider ist es hier auf dem Hügel ganz schön windig, sodass die Flamme gleich mal erlischt und ich mich nach dem erneuten Anzünden in den Wind setze, um meinem Kocher als zusätzlicher, lebender Windschutz zu dienen. Danach funktioniert alles super: Als das Wasser kocht, rühre ich es in den Beutel, in den ich die beiden 5-Minuten-Terrinen umgefüllt habe und genieße kurz darauf Kartoffelbrei mit Erbsen und Möhren.

      Kein Gourmet-Menü, aber wenn man Hunger hat, gar nicht so schlecht. Von der Bank aus habe ich nicht nur einen tollen Blick zurück auf die Harburg, die in der Abendsonne regelrecht leuchtet,

      sondern kann auch eine Schafsherde beobachten, die gemächlich daran vorüber zieht. Outdoor-Fernsehen vom Feinsten

      Nach dem Essen packe ich meine sieben Sachen wieder in den Rucksack zurück und marschiere über die nächste Hügelkuppe - das Energietief habe ich hinter mir gelassen! - und erhasche einen ersten Blick auf das Gipfelkreuz des Bockbergs. Naja, die Bezeichnung „Berg“ ist bei 570m ü.N.N. ein bisschen übertrieben, aber er ist immerhin die höchste Erhebung hier in der Gegend und man hat eine tolle Aussicht über das Ries. Ob das die Stelle ist, von der die Dame vorhin gesprochen hat?

      Die Sonne ist mittlerweile hinterm Horizont verschwunden und es wird nicht nur merklich kühler, sondern auch sehr schnell dunkler. Obwohl es erst kurz nach Sieben ist, beschließe ich, mich auf die Suche nach einem Lagerplatz zu machen und finde ihn, als ich den Bocks“hügel" zu etwa einem Drittel umrundet habe in einem kleinen Wäldchen außer Sichtweite vom Weg. Ich packe den Bivi, die Them-A-Rest und den Schlafsack aus, ziehe Fleecepulli und Mütze über, wechsle von meiner Wanderhose, die unten an den Beinen etwas schmuddelig geworden ist, in die Unterzieh-Leggins und tausche die schwitzigen Wandersocken gegen Omas handgestrickte. Das alles geschieht nahezu ohne Licht. Irgendwie traue ich mich nicht, die Stirnlampe anzuschalten aus Angst vom Jäger oder sonst wem entdeckt zu werden. Zwar sind nirgendwo Hochstände oder ähnliches zu sehen, aber man weiß ja nie… Ich bilde mir ein, von irgendwo her leise Stimmen zu hören und einmal fährt oben auf dem Waldweg sogar ein Auto vorbei. Aber wahrscheinlich spielen mir meine Nerven einen Streich und es kann mich hier überhaupt niemand sehen oder hören. 
       
      Jedenfalls ist es wirklich stockdunkel, als ich um 20:11 eine Sms nach Hause schicke, dass es mir gut geht, und so krieche ich vollständig in den Biwaksack, schließe das Moskitonetz und lausche in die Dunkelheit. Es dauert über zwei Stunden, bis ich einschlafen kann, was zum einen daran liegt, dass ich mir immer wieder einbilde, menschliche Geräusche in der Nähe zu hören - vor Tieren habe ich im Moment irgendwie gar keine Angst - und zum anderen daran, dass ich bald dringend auf’s Klo muss. Also Stirnlampe nun doch angeschaltet, aus dem warmen Schlafsack gekrochen und ein paar Meter weiter ein stilles Örtchen gesucht. Ganz schön kalt mittlerweile! Merkt man gar nicht, wenn man unter 300g Daunen liegt. Anschließend lausche ich wieder in die Nacht.
       
      Ich glaube, meine Einschlafprobleme rühren vor allem daher, dass nach über zwei Monaten Semesterferien mein Schlafrhythmus ein wenig durcheinander geraten ist, und für meinen Kopf noch überhaupt keine Schlafenszeit ist. Mein Körper könnte die Ruhe übrigens ganz gut gebrauchen, ich spüre die Tageskilometer ziemlich in den Beinen, auch wenn es gar nicht soooo viele waren, jedenfalls nicht, wenn man sie mit den anderen Tourenberichten hier im Forum vergleicht. Wie viele es genau waren, kann ich gar nicht sagen: Die Wanderkarte behauptet, es wären etwa 18, das GPS (das ich allerdings zuhause gelassen habe) hat mir für die Route 23 angezeigt. 23 klingt besser Für mich ist das aber mehr als genug, bin ich doch von Natur aus etwas kurz geraten und habe entsprechend eine kürzere Schrittlänge, außerdem bin ich ziemlich unsportlich und hab mich schon länger nicht mehr ausreichend bewegt… Irgendwann schlafe ich dann doch ein.
       
      Um kurz nach Eins schrecke ich hoch: Vom gegenüberliegenden Waldrand, etwa 200m entfernt, höre ich immer wieder etwas knacken und rascheln. Schleicht da ein Tier entlang? Irgendwie scheint das immer näher zu kommen. Eine Weile ist es wieder still, dann, plötzlich, knackt es ziemlich laut ganz bei mir in der Nähe. Ich fahre wie von der Tarantel gestochen in die Höhe und schalte meine Stirnlampe an. Nichts zu sehen, aber anscheinend habe ich irgend etwas genau so erschreckt wie es mich, denn ich höre ein lautes Fauchen, nur einen Steinwurf von mir entfernt und etwas trappelt davon. Aus einiger Entfernung kann ich kurz darauf das gleiche Fauchen noch einmal hören, dann ist wieder Ruhe. War das ein Fuchs? Kann sein. Vielleicht wollte der nachsehen, was sich da so einfach in seinem Revier einquartiert hat? Jedenfalls stehe ich so unter Adrenalin, dass an Einschlafen erst einmal nicht zu denken ist. Über eine Stunde liege ich hellwach im Schlafsack, lausche auf jedes noch so kleine Geräusch und versuche, mein Herzklopfen wieder etwas unter Kontrolle zu bringen. Stell dich nicht so an, Mensch, Füchse fressen Mäuse, keine Pips! Irgendwann traue ich mich, mein Lager zu verlassen, da ich noch mal pieseln muss, und als mein Hintern anschließend wieder einigermaßen aufgewärmt ist, schaffe ich es tatsächlich, wieder einzuschlummern. Einmal wache ich noch auf in dieser Nacht, entdecke eine Nacktschnecke unmittelbar neben dem Kopfteil des Biwaksacks (igitt!), schnippe sie mit einem Stöckchen weg und schlafe schnell wieder ein.
       
      Als ich das nächste Mal aufwache, ist es bereits 06:45 Uhr und das Morgengrauen hat längst eingesetzt. Offizieller Sonnenaufgang ist laut meinem Kalender um 07:20, also krabble ich aus meinem Lager, ziehe die Wanderhose wieder an, außerdem noch die Handschuhe, denn es ist verdammt kalt heute morgen. Ich denke dran, noch ein Erinnerungsfoto vom Lager zu schießen,

      bevor ich alles einpacke und mich auf den Rückweg mache. Bei Tageslicht ist der Trampelpfad auf den Gipfel des Bocksberg, über den auch der Albsteig führt, sehr einfach zu finden. Oben angekommen gibt es das obligatorische Gipfel-Beweisfoto mit Rucksack und Wanderstöcken drauf,

      dann suche ich mir ein windgeschütztes Plätzchen, mache Wasser heiß und frühstücke erst mal: Porridge mit Äpfeln, Rosinen und Zimt. Jummy! Die Stimmung hier oben ist wirklich magisch: Auf der einen Seite die Morgensonne, die sich mühsam einen Weg durch den Nebel bahnt,

      auf der anderen ein dicker Nebelteppich im Ries, aus dem nur die Hügel und eine einsame Kirchturmspitze herausragen (letztere ist auf dem Foto leider nicht zu sehen).

      Außer mir ist noch niemand zu sehen. Erst als ich mich weit nach acht Uhr auf den Rückweg zur Harburg bzw. zum Bahnhof mache, kommen mir die ersten Gassigeher entgegen. Beim Abstieg vom Burgberg in den Ort hinunter zickt mein linkes Knie etwas herum. Letztes Jahr hatte ich dort eine Verletzung - so wie es aussieht, ist das Knie seither eine Schwachstelle in meinem Körper. Eine von vielen. Was soll’s: immer schön weiter gehen. Gut, dass es mir nicht pressiert.
       
      Der Harburger Bahnhof liegt zwischen den Gebäuden der Merker-Werke, die u.a. den steinbruch betreiben, an dem ich gestern vorbei gekommen bin. Das Bahnhofsgebäude ist mindestens genauso hässlich wie die Umgebung, in der es liegt, sodass es mir kein Foto wert ist. Ich löse eine Fahrkarte, setze mich etwas abseits auf einen gefällten Baumstamm und telefoniere mit meinen Eltern: Ja, es geht mir gut, ich habe einigermaßen schlafen können und hatte nur ein ganz, ganz kleines bisschen Angst in der Nacht.
       
      Um 10:34 kommt dann endlich der Zug (der leider nicht nur nach Augsburg, sondern noch weiter Richtung München fährt), ich zwänge mich zwischen die ganzen feierwütigen Wiesn-Fahrer und stopfe mir meinen Ipod in die Ohren. Am liebsten hätte ich mir auch noch irgendwas in die Nase gestopft, denn manch einer hat bereits eine ordentliche Bierfahne. Ich hoffe, mein durchgeschwitztes T-Shirt stinkt ebenbürtig zurück!
       
      In Gedanken bin ich immer noch auf dem Weg, in all den magischen Momenten, die ich erleben durfte. Mir fällt auf, dass zwischen meiner Ankunft in Donauwörth und meiner Abfahrt in Harburg ziemlich exakt 24 Stunden liegen. Was man in dieser Zeit nicht alles erleben kann!
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