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Ultraleicht Trekking
martinfarrent

Wer kommt überhaupt von Heavy?

Wie war Dein Weg zum Ultraleicht Trekking?  

70 Stimmen

  1. 1. Wie war Dein Weg zum Ultraleicht Trekking?

    • Ich war zuerst mit schwerem Gepäck unterwegs und bin erst danach auf UL umgestiegen.
    • Ich war von Anfang an ultraleicht unterwegs.


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Dies fiel mir gestern während eines Telefonats ein.

Es wird in den UL-Texten für Einsteiger, in Blogs und in Diskussionen fast immer vorausgesetzt, dass der Einstieg in die UL-Welt standardmäßig aus der 'Heavy'-Welt erfolgt. Dass mit lauter paranoiden Sicherheitsvorstellungen usw. aufgeräumt werden muss. Dass es eine ganz neue 'Philosophie' zu verinnerlichen gilt.

Aber stimmt das überhaupt?

Bei mir nicht.

Ich war noch nie heavy - vielleicht, weil ich von vornherein weniger wanderte, sondern mit dem MTB unterwegs war. Da kann man sich sowieso schwerlich wie ein Esel beladen.

Ich war schon Mitte 40, als ich meine ersten Outdoor-Versuche unternahm - mal von der Tramperei als Student und vom späteren Familiencamping abgesehen, wo mein Sohn eh nicht drauf stand. Damals wollte ich einfach mit dem Bike in den Alpen keine Hütten nehmen, nicht vorbuchen müssen und mich nicht festlegen lassen. Das galt seinerzeit unter Mountainbikern noch als eine ziemlich dämliche und sehr unrealistische Träumerei. Hütten waren Pflicht. Sonst drohte der alpine Tod.

Meine ersten Versuche unternahm ich mit einem Salewa-Biwaksack und einer Sonnenschutzfolie fürs Auto als Schlafunterlage. Das Wetter spielte mit... und dann mal nicht. Also kaufte ich einen angeblich atmungsaktiven Biwaksack von Wafö, später den von der Bundeswehr. Nach rund 18 Monaten kam ein Poncho-Tarp dazu, kurz drauf nach Regenerlebnissen eine etwas größere Plane  aus Silnylon (am Bike abgespannt). Außerdem schon recht bald eine richtige Matte, selbstaufblasend von Kaikkialla. Die Schutzfolie hatte ich als Bettgestell zu hassen gelernt.

Und so weiter. Ein Tarptent erst nach vier Jahren. Mein erstes Solo-Zelt überhaupt. 

'Theorie' war am Anfang auch nicht dabei. Ratschläge holte ich mit bei Globetrotter, bis mir im Internet jenseits des großen Teichs eine langsam sichtbar werdende Bikepacking-Szene auffiel. Erst dort begann die Kommunikation mit Gleichgesinnten. Drei oder vier weitere Jahre hat's gedauert, bis die deutsche MTB-Welt das Thema Bikepacking umarmte. Aber dann ging's gleich vernünftig zur Sache. Will sagen: Keinem einzigen Einsteiger fiel ein, es mit altem schwerem Kram aus dem Keller zu versuchen. Alle pflegten von vornherein den Minimalismus, eher zu extrem als zu zaghaft. Bei mir selbst ja auch: 95% meiner Fehler und unangenehmen Nächte waren der 'Askese' geschuldet... kein einziger der Überladung.

Kommen eigentlich alle Wanderer vom Heavy-Trekking zu UL? Das glaube ich irgendwie nicht. Der spartanische Ansatz liegt ja eigentlich so nahe, dass man den Begriff 'UL' gar nicht kennen muss, um sich schon kräftig im Genre zu üben.

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Ich schon :-D, ist mir letztens noch wieder aufgefallen, mein schwerster Rucksack (Berghaus Cyclops Vulcan, halt via Bundeswehr erworben) wiegt leer fast so viel wie jetzt meine ganze Sommerausrüstung. Wobei ich von der Menge her auch immer eher minimalistisch unterwegs war, halt nur zu "bombproof".

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Ich komme auch von ultra heavy. Klassischer Anfängerfehler. Ohne jede Recherche einfach mal n Haufen Kram zusammen geschmissen und dann aber relativ schnell gemerkt, dass 30kg auf dem Rücken den Spaß am unterwegs zu sein etwas trüben. Also hab ich angefangen zu recherchieren und bin relativ zügig bei Gear Videos über PCT und co. auf Youtube fündig geworden. Nach etwas googeln bin ich dann über dieses Forum gestolpert und war angefixt :-D 

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In der MTB-Welt geisterte damals eine 7 - 8 Kilogrenze für den Rucksack beim Alpencross (per Hütte) rum. Daran habe ich mir dann die Zähne bei der Ausrüstungssuche ausgebissen, weil ich ja zusätzlich zum ganzen Rest die Behausung usw. mitnehmen wollte. Ich verlor dabei natürlich nicht allzu viele Zähne, weil ich schnell merkte, dass sich die meisten Alpencrosser mit Hüttenausstattung keine große Mühe gaben, wirklich leichte Ausrüstung zu finden. Schon an Regenzeug und Kamera waren so viele Gramm einsparbar, dass glatt der Biwaksack dabei heraussprang.

Ungefähr so ging ich vor.

@schrenz: Der goldene Standard für Hütten-Alpencrosser mit dem MTB war seinerzeit der Deuter Trans Alpine in der 35l-Version. Ich weiß nicht mehr genau, was er vor so langer Zeit wog - aber es waren rund 1,3 kg. Ich fand einen ähnlich aussehenden und unterteilten, tief sitzenden Tennis-Rucksack von Head - 850g. Seither sind meine Bikepacking-Rucksäcke nur leichter geworden... bis zuletzt vor anderthalb Jahren die erste Gewichtszunahme (um 30g) erfolgte, weil ich den Ortlieb Lite Pack Pro auf dem Bike so überzeugend fand.

bearbeitet von martinfarrent

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Ich wollte, ohne den Begriff zu kennen, leicht unterwegs sein, aber es fehlte mir an den richtigen Ideen. Also wurde ich erst mal schwerer (45L, 10kg), um nun wieder zurückzugehen auf die Anfänge (20L, 3kg): Quartiertouren, Tagesrucksack, Kleidung, die auch für abends taugt, Wechselshirt, Wärmesachen, kleines Hygienepack, Halbschuhe.

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vor 53 Minuten schrieb martinfarrent:

[...]

@schrenz: Der goldene Standard für Hütten-Alpencrosser mit dem MTB war seinerzeit der Deuter Trans Alpine in der 35l-Version. Ich weiß nicht mehr genau, was er vor so langer Zeit wog - aber es waren rund 1,3 kg. Ich fand einen ähnlich aussehenden und unterteilten, tief sitzenden Tennis-Rucksack von Head - 850g. Seither sind meine Bikepacking-Rucksäcke nur leichter geworden... bis zuletzt vor anderthalb Jahren die erste Gewichtszunahme (um 30g) erfolgte, weil ich den Ortlieb Lite Pack Pro auf dem Bike so überzeugend fand.

Alles schon UL :-D , der Vulcan liegt mit Seitentaschen (die ich allerdings zivil nie genutzt habe) um die 3.5 Kilo

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In der Umfrage fehlt meine Kategorie. Ich war immer betont leicht unterwegs (zB 18 kg Gesamtgewicht für 10 Trekkingtage auf Tasmanien), aber mit normalem Zelt (zB Hilleberg Akto) und so, weil ich einfach noch nicht wusste wie man sowas ultraleicht machen könnte. Diese "skills" kamen dann erst später, zB durch dieses Forum.

bearbeitet von SouthWest

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vor einer Stunde schrieb SouthWest:

Ich war immer betont leicht unterwegs ... aber mit normalem Zelt (zB Hilleberg Akto) ...

Schwerere Zelte habe ich erst seit ganz kurzem, für die Fälle wo (meines Erachtens) UL-Behausung nicht ideal wäre.

vor einer Stunde schrieb notenblog:

Ich wollte, ohne den Begriff zu kennen, leicht unterwegs sein, aber es fehlte mir an den richtigen Ideen. 

Ich fand, als ich solo im Internet und bei Globi unterwegs war, auch nicht immer die idealen Lösungen. Aber einer ungefähren Fünf-Kilo-Grenze (ausgenommen Werkzeug und Ersatzteile fürs Rad) näherte ich mich ziemlich schnell... zunächst meist durch deutliche Komfortlücken. Richtige Meilensteine waren für mich Entwicklungen wie die NeoAir - plötzlich eine bequeme Nacht und Gewichtsverlust noch dazu.

Immer ganz vorne im Kopf war der Gedanke: Zu viel Gewicht verdirbt das Fahrerlebnis auf dem MTB, diktiert die (dann langweilige) Route, verhindert Downhill-Spaß in technischem Gelände. Da war die Sportart wohl sowieso auf auf UL-Seite.

P.S. Eine kleine Rolle spielt vielleicht auch, dass ich gebürtig aus England stamme und ohnehin immer schon viel im englischsprachigen Netz herum stöberte. Da wurden ja schon etwas früher bestimmte Konzepte und Ausrüstungsgegenstände diskutiert.

bearbeitet von martinfarrent

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Ich bin ja noch im letzten Jahrtausend zu zu Radtouren, Trekking, Paddeln und Segeln gekommen und hab halt gekauft, was es damals in Kaufhäusern und bei Globetrotter gab. Vor allem beim Zelt (Kaufhaus-Zelt 3,5kg) und Kocher (Trangia-Kochset 1200g) und Rucksack (Lowe 2500g) hatte ich von Anfang an das Gefühl, dass das Einsparpontential über 50% liegen sollte. Dann habe ich angefangen, bei Globetrotter die Gewichtsangaben zu studieren, die damals noch oft krass falsch waren, und leichtere Ausrüstung auszuprobieren. Das war aber ein mühsamer Prozess. Erst das Internet machte die Sache einfacher: besserer Zugriff auf Produktdaten, Produkttests und Kundenrezensionen, Kontakt zu anderen Nutzern und Herstellern. Inzwischen bin ich beim Zelt bei 800g, Kochset 120g und Rucksack 400g. Je nach Tour (z.B. beim Radfahren, Paddeln, Winter, Kurzstrecken) nehme ich manchmal auch etwas schwerere Sachen mit. Aber ich bin endlich nicht mehr "gezwungen" das ultraschwere Zeug zu schleppen.

bearbeitet von ALF

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Sehr schöner Faden!

Ich vermute ich passe eher in die zweite Kategorie, da meine UH Erfahrungen sich eigentlich auf einen Overnighter reduzieren:
Zu Schulzeiten wollte ich mal den E5 gehen (damals wirkte das wie ein atemberaubendes, lange Abenteuer auf mich) und hatte schon ein wenig Ausrüstung gekauft - 65L Rucksack, Hanwag Stiefel, Baumwoll Hüttenschlafsack, eine Softshelljacke etc.
Die Tour fand jedoch nie statt, da der Freund der mit wollte kurzfristig abgesprungen war und ich mich damals nicht allein getraut hatte. Zwei oder drei Jahre lang verstaube der Kram mehr oder minder, bis ich eine einwöchige Tour im Berliner Umland zu machen versuchte. Dass leichter besser ist als schwerer war mir zum Glück damals irgendwie schon klar, mein Baseweight betrug etwa 10kg, doch ich hatte die Rechnung nicht mit meiner damaligen Freundin gemacht, die unbedingt mit wollte, aber auf absolut nichts verzichten konnte. So stiefelten wir mit je 25kg los - und mussten die Tour an Tag zwei abbrechen, weil ihr alles weh tat. Am Tag darauf saß ich ein wenig angesäuert am Rechner, googelte nach leichter Ausrüstung und fand die amerikanischen Fernwanderwege, der Grundstein war gelegt und der Rest ist Geschichte.
Den E5 holte ich 2015 dann noch nach, mit etwa 4kg im Rucksack, Ende August diesen Jahres war ich nochmal dort unterwegs mit etwas über 2kg :D

Die kurze UH Tour war im Nachhinein ein Segen, da ich ohne diese Erfahrung vermutlich immer nur mit mittelmäßigem Gewicht weitergegangen wäre und nie zum UL-Trekking gefunden hätte (oder zumindest nicht so schnell).

 

schöne Grüße
Micha

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vor 10 Stunden schrieb ALF:

Vor allem beim Zelt (Kaufhaus-Zelt 3,5kg) und Kocher (Trangia-Kochset 1200g) und Rucksack (Lowe 2500g) hatte ich von Anfang an, dass Gefühl, dass das Einsparpontential über 50% liegen sollte. Dann habe ich angefangen, bei Globetrotter die Gewichtsangaben zu studieren, die damals noch oft krass falsch waren, und leichtere Ausrüstung auszuprobieren. Das war aber ein mühsamer Prozess. 

Mir fehlte ja viel bei meinem Autodidakten-UL, anfangs sogar der Kocher. Ich kam aber immer sozusagen 'von unten' - wenn ich mir also etwas bis dahin bitter Vermisstes zulegte, überlegte ich zugleich, wie das gewichtsneutral geschehen konnte. Ich wollte die bestehende Leichtigkeit nie aufgeben. So kam's beispielsweise erst zum Kocher, als der Schlafsack per besserer Daune abspeckte... und zugleich wärmer wurde. Vielleicht bin ich deshalb heute noch ein bisschen Gear-fixiert. Jede komfortsteigernde Veränderung der Konfiguration fand gleich auf zwei Ebenen statt: Abnehmen und Zunehmen zugleich. Beides natürlich Käufe, weil der Verzicht schon von Anfang an ziemlich ausgereizt war.

bearbeitet von martinfarrent

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mehr als 25 kg hab ich nie getragen aber das äusserst unwillig. seitdem werde ich langsam wieder leichter. das forum hat den prozess nicht sehr beschleunigt, aber das liegt nicht am forum (ich müsste weniger schreiben und mehr zu treffen denk ich. eigentlich müsste ich überhaupt mehr raus! den ersten beschluss unseres betriebsgründungsplenums: 6 wochen urlaub im jahr sind pflicht - hat nie jemand geschafft. der beschluss ist 2 jahrzehnte alt). das ältere "leichter" war letzten endes alles ahnungsloser punk, aber trotzdem sehr spassig, nix gegen stupid light (solange man von der idee her zivilisationsnah bleibt).

als kind der zeit ("neue soziale bewegungen", "grüne" im entstehen) landete ich in der rennradclique. das war eine mischung aus kindern reicher eltern und meines eher hedonistisch orientierten freundeskreises, aus dem ein vater den job geschmissen und einen kleinen rennradladen eröffnet hatte. die einen fuhren koga, besassen fotoapparate und stereoanlagen. die, die fürs fahrrad mal arbeiten gingen, cilo swiss. die cilo-gang besass ein stoffzelt, wir hatten isomatten aus schaum, schlafsäcke, bei denen schaumstoff auf nylon geklebt war (man lag im schaumstoff), radhosen und jedeR ne trinkflasche. gekocht wurde nix, feuergekokelt immer. wasserfeste und windfeste klamotten? pah. man wird mal nass und man kann auch in ner telefonzelle übernachten oder in ner kneipe, wenn mans drauf anlegt, findet sich immer was.

meine erste wanderung war von oberstdorf weit in die schweiz zu unbekannten verwandten. lederschuhe mit fester sohle und etwas profil, die ich meinem opa abgeluchst hatte, schlafsack (s.o.), roter rucksack (extra angeschafft, ohne irgendein gestell glaub ich, auch kein deckelfach, also leicht), normale windjacke, kurze hose, war ja sommer. zur orientierung ein ausriss ausm autoatlas meines vaters. nach ankunft sollte ich anrufen. über die naivität und ahnungslosigkeit sowohl meiner eltern als auch von mir kann ich mich noch heute freuen. ist nix passiert, habe, wie vorgestellt, tatsächlich auch mal bei bauern übernachtet und war wohl eher leicht unterwegs.

dann kam punk und dominierte meine outdoorinteressen bis in die zweite hälfte der 90er. längere radtouren mit wenig gepäck und eigentlich keiner ausrüstung, verreisen mit kumpels, man landete zufällig in den bergen bei bekannten von bekannten und teile der kumpels hatten schon seilzeug dort und machten waghalsige sachen, während andere (ich) mal so rumwanderten. häufig wurde nach UK getrampt, in london musste irgendeine kneipe dringend besichtigt werden und zwei tage später war man für ne woche auf hoy und schlammte sich dann noch ne woche woanders durch die schottische natur bis zu nem tollen konzert in vorzugsweise wieder london. der outdoorladen in westberlin war mir ein graus (bannat). das erste outdoorkaufhaus auch (der vorläufer von globetrottel), schien nur riesige plastiktonnen und son zeug zu verkaufen, mit dem ich nix anfangen konnte. das gepäck blieb also eher zufällig klein bzw. wenig und deshalb leicht. weiter weg fuhr nur die nica-brigade, ich fand kühle gegenden besser.

mit dem späten übergang in die arbeitswelt plötzlich die feststellung, dass mich der outdoorteil am reisen am meisten interessiert. die haltung: warum brauch ich eine "wanderhose" (=extra hose zum wandern) ging nach zwei pyrenäentouren in jeans und lederjacke dann doch verloren, das gepäck wurde mehr und mehr teile und die touren trekkiger (und in den alpen alpiner). mit anti-yuppie schwerpunkt, immer zu einer bösen bemerkung für leute in teuren zelten oder, später, in arcteryx-klamotten, bereit. grosse freude, wenn ganz hinten im hüttensaal jemand in lederjacke und halstuch allein beim bier sass: sicher bekannter von bekannten.

mit den mehr gegenständen musste der rucksack immer stabiler werden und das gepäck, über das ich mir fast zwei jahrzehnte nicht gerade viele gedanken gemacht hatte, wurde zur last. die irgendwieoutdoor-orientierung der peer-group und damit die peer-group-orientierung war in der zwischenzeit genauso weggefallen wie die hemmung gegenüber dem "marken"markt und ich wurde ein opfer der outdoorkaufhäuser, "irgendwie leicht und bequem und zuverlässig" führte zum gepäckgewichtshöhepunkt. im garten finden z.b. die wandergummistiefel, die man zusätzlich zu wanderstiefeln mitnehmen kann, jetzt gelegentlich eine sinnvolle verwendung.

bearbeitet von wanderrentner

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@wanderrentner:

OT: Danke für die Erinnerungen! Wie viel doch früher der jeweiligen Subkultur geschuldet war - bei mir die Langhaarfraktion. Die 'Uniform' legte man ja echt ungern ab. Schon eine Badehose am Strand nivellierte viel zu sehr. :-) 

@ALF:

Ich mache zwischen Radreisen und Bikepacking einen Unterschied. Bikepacking ist per MTB und ultraleicht. Auf der Straße mit dem Reiserad nehme ich Gepäckträgertaschen und manchmal auch mehr Komfort mit... bleibe dennoch vergleichsweise leicht, weil die meiste Ausrüstung aus meinem UL-Schrank kommt.

bearbeitet von martinfarrent

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Ist ja fast nochmal wie der Vorstellungsthread :-). Kurz umrissen mein Weg zu UL:

Gegen Ende der 80er erste eigene Outdoor-Ausrüstung in den Sportgeschäften vor Ort gekauft.
Daunenschlafsack 1,8kg (800g Daune) und Kuppelzelt von Northland, Fleece- und Gore-Tex-Jacke von Salewa (damals Neuheiten), 45l Trekkingrucksack, kleiner Campingaz-Kocher, Alu-Geschirr. Aber z.B. auch eine einfache Daunenjacke aus dem Baumarkt, usw.

Das meiste eigentlich ganz schlicht und ohne viel Schnickschnack - irgendwie minimalistisch. Gar nicht so UH. Stand der Technik halt, oder zumindest was ich damals so kannte. Aber 10kg und mehr kamen trotzdem schnell zusammen.

Am Berg bewunderte ich immer die Gämsen: Schau, wie sie leichtfüßig und elegant und ohne jegliches Gepäck herumspringen.

Meine Ausrüstung hat mir lange gereicht, für Wochenend-Bergtouren, Rucksackreisen, Motorradreisen, Alpenüberquerung, ...

Später glaubte ich, einen größeren 65l Rucksack zu benötigen - eine Fehlinvestition. Er schränkte meine Bewegungsfreiheit ein, und ich konnte ihn vollbeladen fast nicht mehr tragen. Ich denke, das war UH. Nicht das Richtige für mich.

Viele Jahre widmete ich mich dann dem Sport.
Beim Berglaufen, nur mit einer kleinen Hüfttasche, merkte ich: Endlich kann ich frei und leichtfüßig (wie die Gämsen) über den Berg laufen.
Die Bewegung mit minimaler Ausrüstung gewohnt, gab es nun kein Zurück mehr zu schwerem Gepäck.

Vor etwa zwei Jahren auf die UL-Prinzipien gekommen, ist mir nun klar: Sowohl der Stand der Technik hat sich geändert, als auch meine Einstellung. Einmal UL verinnerlicht, kann und will es in immer mehr Bereichen angewendet werden.

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 Im Jahre 1896 gründete sich am Steglitzer Gymnasium der Wandervogel.

Anfängliche Tagesausflüge entwickelten sich innerhalb kürzester Zeit zu mehrwöchigen Wanderreisen bei denen sehr bald eine zweckmäßige Reiseausrüstung mit geführt wurde, die in aller Regel aus Rucksack, Militärfeldflasche, Fahrtenmesser, Streichhölzern, Wechselwäsche, Ersatzstrümpfen und Wolldecke oder Mantel bestand. Übernachtet wurde dabei zunächst ausschließlich in Scheunen, später kamen kleine quadratische Zeltbahnen aus Militärbeständen dazu, die man als Regenumhang verwenden konnte oder  zu verschieden großen Zelten zusammen knöpfen konnte.

Die anfänglich als praktisch betrachteten Spirituskocher wurden bald als völlig unsinniger Ballast erkannt und verschwanden samt dazugehöriger kleiner Töpfchen wieder. Sie wurden durch für die Benutzung von zwei Personen  geeignete Militärkochgeschirre abgelöst, mit denen man über offenem Holzfeuer kochen konnte. 

Neben einem selbst geschnitzten Holzlöffel oder einem gewöhnlichen Metalllöffel auch noch eine Gabel mit zu führen galt als unzünftig.

 

Badebekleidung wurde nicht mit geführt, sich als eine der Frei Körper Kultur und dem Vegetarismus verwandt fühlende, bewusste Reformbewegung verstehend, badete der Wandervogel auch in geschlechtlich gemischten Gruppen für gewöhnlich nackt.

Außerdem wurden auf diesen Wanderungen im Berliner Umland gerne Geigen und kleine Gitarren mit geführt, denn in den Gruppen wurde viel gesungen und musiziert.

Die Gewichte für mehr Wöchige Wanderungen gepackter Rucksäcke lagen damals bei etwa 5 bis 6 Kilogramm. Man Wanderte und schlief in Kleidung aus Wolle und Leinen. Zeltbahnen und Rucksäcke bestanden aus leichten Nessel- und Leinentuchen. Außerdem hatte meist jeder einen oder zwei kurze Stricke aus Hanf dabei.

Weitere Ausrüstung zum Lagerbau wurde der Natur entnommen und mit dem Fahrtenmesser jeden Abend vor Ort hergestellt.

Die Wanderungen, die in diesen Gruppen "Fahrt" oder "Tippel" genannt wurden, obwohl eigentlich allenfalls mit der Eisenbahn ins Zielgebiet gefahren wurde und zum Schluss wieder nach Haus, nahmen bald immer verwegenere Ausmaße an und führten bereits in den Zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts nach Lappland,Griechenland, Frankreich und China.

Teile der deutschen Pfadfinder vermischten sich mit Teilen des Wandervogels und spalteten sich in eine Unzahl leicht unterschiedlicher Gruppen auf, die es bald im gesamten deutsch sprachigen Raum gab. Man bezeichnet sie als Deutsche Jugendbewegung.

Es gibt diese Gruppen auch heute noch.

An ihrer spartanischen Ausrüstung und der Gewohnheit, Lagereinrichtungen all abendlich mit dem Fahrtenmesser und anderem Werkzeug aus Naturmaterial her zu stellen und ausschließlich über offenem Feuer zu kochen hat sich bis heute fast nichts geändert und damit auch nichts am Rucksack Gewicht.

In der Regel wird in diesen Gruppen fast täglich eingekauft und teils auch zu erheblichen Teilen auf Wildpflanzen, Pilze und am Wegesrand aufgelesenes Obst zurück gegriffen.

Ich selbst entstamme nicht nur familiär aus diesem Hintergrund sondern gehöre seit frühester Jugend dieser Bewegung an.

Deshalb wäre es mir niemals in den Sinn gekommen, soviel unsinniges Zeug in den Rucksack zu schmeißen, dass die Schultern weh tun und man nicht mehr vernünftig laufen kann.

Zu meiner Erziehung gehörte das Wissen, wie man einen leichten Wanderrucksack packt.

Das war 1986 so einfach wie 1896 oder heute.

Da das moderne Material heute sehr viel luxuriöser und leichter geworden ist, nehme ich heute oft weit mehr Zeug mit, als vor 30 Jahren.

Auf einigen längeren Reisen hatte ich schon vor 25 Jahren im Rucksack nur Baumwollzeltbahn, Wasserflasche, Zahnbürste, Klopapier, Streichhölzer, Taschenmesser und eine Tagesration Proviant mit.

Da ich das Europäische Wildgemüse kenne und über das alte Waldläuferwissen verfüge und die Bushcrafttechniken seit frühester Jugend beherrsche kann ich problemlos so reisen. 

Ich stopfe aber heute von Zeit zu Zeit etwas Outdoor- Spielzeug in den Rucksack, um rein Interesse halber damit herum zu spielen. Brauchen tue ich aber außer Streichhölzern,  Taschenmesser, Poncho und Wanderkarte oder Wasserflasche eigentlich nichts auf wochen langen Wanderreisen. Ich weiß ja, wie es richtig geht. Der Rucksack könnte bei Temperaturn bis 0*C also eigentlich zu Hause bleiben. Das habe ich vor 25 Jahren ja bereits alles gemacht. In meinem Rucksack ist heute also genau genommen nichts als Spielzeug.

 

 

 

 

bearbeitet von Erbswurst

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Beruflich durfte ich die ersten 15 Jahre sehr genau verinnerlichen wie unschön es sich mit 20kg+++ "wandert". Dann vom Radsport auf ultraleicht geprägt habe ich zwar bei meinem ersten zivilen Trekkingausflug versucht leicht unterwegs zu sein, was mir jedoch nur in Teilen gelungen ist. 

Mit 4L Wasser, schwerer DSLR + Stativ, Essen und Sachen für den Hund hatte ich trotzdem 13 - 14kg auf dem Buckel. 

Das BW der reinen Trekkingausrüstung wird so bei 7kg(?) gelegen haben, also eigentlich nicht sooooo schwer (Er hat Jehova gesagt :-D). Allerdings summierte sich das restliche Zeug ganz schnell.

Dann bin ich hier über das Forum gestolpert und die Rucksäcke wurden insgesamt immer leichter. :) 

2P Kuppelzelt wurde gegen Tarpten, dann gegen Tarp getauscht, Küche reduziert und der Rest nach und nach ausgetauscht. Im Laufe der nächsten kürzeren Touren wurde aber erst mal das Fotoequipment über ne spiegellose, dann ne RX100 bis zu jetzt nem IPhone immer weiter reduziert. Jetzt gehe ich auch endlich wandern und nicht mehr im Schwerpunkt fotografieren. :) 

 

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Am 3.11.2017 um 18:28 schrieb martinfarrent:

Wie viel doch früher der jeweiligen Subkultur geschuldet war - bei mir die Langhaarfraktion.

OT: ja und nein. ja: irgendwann wurde "die jugend" entdeckt und forderte, wie die kunst, "autonomie" ein (der frühe wandervogel bis sommer 1914 u.a.). nein: punk war voraussetzungsloser, schönere projektionsfläche. edit: aber "früher" ist gut!

Am 4.11.2017 um 04:43 schrieb Erbswurst:

Man bezeichnet sie als Deutsche Jugendbewegung.

sorry, da muss ich gleich eine grosstüte flips aufstossen. für autonomie bedarf es keines lebensbundes, keines führerprinzipes und keines nationalismus und, auch das noch, keines "pädagogischen eros". da gabs (und gips, ziemlich marginal) solche und solche, linke und rechte (und welche, die alles auf einmal waren, auch ganz falsch). welche, die nach frankreich fahren weil der erste krieg gewonnen wurde, auf ihren messern schlafen (bestimmt da gelernt), im liegen ausm biwaksack pinkeln und statt auf degenhardt auf kosaken stehn, sind mir noch gar nich untergekommen.

Am 4.11.2017 um 04:43 schrieb Erbswurst:

die in aller Regel aus Rucksack, Militärfeldflasche, Fahrtenmesser, Streichhölzern, Wechselwäsche, Ersatzstrümpfen und Wolldecke oder Mantel bestand. Übernachtet wurde dabei zunächst ausschließlich in Scheunen, später kamen kleine quadratische Zeltbahnen

 

Am 4.11.2017 um 04:43 schrieb Erbswurst:

Die Gewichte für mehr Wöchige Wanderungen gepackter Rucksäcke lagen damals bei etwa 5 bis 6 Kilogramm.

kannste beides weiter ausführen (ggf. in nem eigenen thread und ich laber bestimmt was dazu!)? vielleicht war im "affen" nich viel drin, aber draussen dran bestimmt, schlafwurst usw.. das baseweight dürfte wesentlich höher gewesen sein. "kleine quadratische zeltbahnen"? die dreieckigen formen haben sich erst später durchgesetzt?

gruesse ausm antinationalen jugendbewegungsarchiv.

bearbeitet von wanderrentner

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mein schlüsselerlebnis hatte ich im sommer 2002. war eine drei-wöchige schweiz-querung von nord nach süd.

detail's an die ich mich noch schwach erinnere:

  • an den füssen tonnenschwere militärstiefel
  • auf dem rücken ein vollfetter 60L+ trekkingrucksack mit 25kg der feinsten ausrüstung, die mir der typ im outdoorladen aufschwatzen konnte (u.a. eine kerzenlaterne im zugehörigen neoprenetui!!!) und die ich nie gebraucht habe, plus verpflegung und wasser
  • im aufstieg zum nufenenpass litt ich teufelsqualen an der prallen sonne

nach meiner rückkehr las ich per zufall von einem gewissen ray jardine ...

***

ps: der rucksack plus das meiste der UH-ausrüstung lag danach noch jahrelang unbenutzt bei mir im keller rum, bevor ich's irgendwann einer brockenstube (schweizer-deutsch für second-hand-shop) schenkte.

bearbeitet von dani

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vor 52 Minuten schrieb dani:

eine kerzenlaterne im zugehörigen neoprenetui

Eine Kerzenlaterne von Northern Lights (aus den 90ern) habe ich auch noch herumliegen.
Cooles Teil irgendwie (leider ziemlich schwer)!

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