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Ultraleicht Trekking
Harakiri

Durchquerung Finnmark Februar/März '20

Empfohlene Beiträge

vor 10 Minuten schrieb Harakiri:

Solltet ihr noch immer sehr skeptisch sein, kann ich gerne ein Video von der ganzen bisher vorhandenen Ausrüstung machen.

Mess doch mal bitte den Loft mit und ohne Innenschlafsack.
(Dünne, leichte Pappe drauflegen und messen, ungefähr so ... :wink: )

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VG. -wilbo-

 

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Im VBL solltest Du nur noch ne dünne Base Layer Schicht tragen. Oder gar nichts. Speziell keine Daune, weil Du die Feuchtigkeit da kaum mehr rausbekommen wirst. Es wäre besser die Daunenjacke zwischen dem VBL und dem Schlafsack auszubreiten. Du musst im Notfall ja nicht nur durch die Nacht kommen, sondern evtl auch noch durch mehrere Tage und weitere Nächte.

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Realistisch gesehen ist das aber ziemlich schwierig. Das würde ständig verrutschen usw. Bei der Hose müsste es sowieso sein. Die Daunenhose brauche ich nur für's Camp und tagsüber sind auch keine zwei Daunenjacken nötig, wahrscheinlich an dem folgenden Tag nicht einmal eine. Eine Nacht, die so kalt wäre, ist sowieso auf der ganzen Tour EXTREM unwahrscheinlich! Bitte vergesst das nicht. Dafür müssten es schon mindestens -35°C sein. Und wenn es so kalt werden dürfte, würde sich das frühzeitig bemerkbar machen. 
 

Zitat

Mess doch mal bitte den Loft mit und ohne Innenschlafsack.
(Dünne, leichte Pappe drauflegen und messen, ungefähr so ... :wink: )

Okay, mache ich noch einmal und schreibe dann die Daten hier rein.

bearbeitet von Harakiri

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Am 6.1.2020 um 23:00 schrieb Harakiri:
Am 6.1.2020 um 22:05 schrieb wilbo:

Ich kann Dir viele Informationen über die Wintertouren von Andrew Skurka ans Herz legen. Hier beschreibt er beispielsweise wie lange es brauchte, bis ein VBL System endlich gut für ihn funktionierte. https://andrewskurka.com/vapor-barrier-liners-theory-application/

Das werde ich mir direkt mal durchlesen. Danke für die Anregungen! 

--> ?

vor 19 Minuten schrieb Harakiri:

Natürlich trägt man Daunenkleidung im VBL, wenn man sonst erfrieren würde. Der Tag nach der Nacht dürfte ja warm sein.

:shock:

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vor 36 Minuten schrieb Harakiri:

Ein bisschen Zeug leihe ich mir schon aus dem Bekanntenkreis, wie zum Beispiel die brillentaugliche Skibrille und die dünne Hardshelljacke. Bei Sachen wie Schneeschuhen würde ich mich damit aber sehr schwer tun. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass die Dinger richtig leiden oder sogar kaputt gehen. Je nach Schneeschuhmodell werden auf jeden Fall passende Kabelbinder eingepackt, um im Notfall noch eine Tagesdistanz mit kaputter Bindung zu schaffen. Auch die Zeltschnüre dürften dann hilfreich sein.

(Hervorhebungen von mir) Hm, das Zusammenspiel von Kabelbinder, Wechselbelastung, improvisierten Fixierstellen und Versprödung durch die Kälte würde mir Sorgen bereiten und zu eingehenden Tests Anlaß geben.... aber vielleicht könnte es Situationen gegeben haben, in denen es mal geklappt hat.

Generell, DU mußt nicht die Anderen im Vorfeld überzeugen das ihre Ratschläge falsch sind sondern DU willst (und solltest wenn du schon so fragst) aus deren Vorschlägen das Beste für dich selber herausziehen. Das du immer wieder die Prämissen änderst (z.B. Budget und Anderes, --> "moving target") macht es etwas unbefriedigend, Vorschläge zu machen.

Und überlege dir mal den Zusammenhang von Ausfall-Risiko wichtiger Komponenten (hier z.B. Schneeschuhe), der vorgesehenen Schadensbegrenzung, den Folgen einer fehlschlagenden Reparatur, unvorhergesehenen Witterungszuständen und DEINEM Risiko. Mir zumindest fehlt da das schlüsssige Konzept. Auch hier -- "moving Target" für gute Ratschläge.

Aber, es ist deine Tour, viel Spaß und komm zurück.

Ich bin draußen...

bearbeitet von kra

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@wilbo Nachdem der Schlafsack jetzt länger aus dem Beutel war, ist er im Fußbereich 21cm, an den Knien 19cm, an der Oberseite auf Brusthöhe 17,5cm und am Kopf nur 15cm hoch. Er ist also noch deutlich luftiger als auf den ersten Bildern, da kam er nämlich frisch aus dem Päckchen und war mindestens ein paar Tage lang komprimiert.
Mit dem dünnen Schlafsack im Inneren sind die Maße 23cm, 21,5cm, 22cm und 18cm. 

1860039101_WhatsAppImage2020-01-13at22_29_57.thumb.jpeg.25fa5f886f233d2af047001d8f26484d.jpeg
Beispiel der Messung mit Innenschlafsack im Fußbereich. Über 23 cm.

279272595_WhatsAppImage2020-01-13at22_28_38.thumb.jpeg.0eea9cb91b1a19640a601fb9470408f7.jpeg
Beide Schlafsäcke zusammen mit vollem Loft. 

(Als letzte Äußerung dazu: Ich lese bei Skurka nirgendwo etwas im Sinne von "if you are in severe danger of hypothermia, don't wear your one of your multiple down jackets. Rather use them as blankets above the VBL and lose a couple of toes. In Finnmark, Norway, paramedics need weeks to reach places about 30km away from the next settlement, especially when there are no clouds on the sky or winds making landing a helicopter in the mostly flat tundra impossible.)

bearbeitet von Harakiri

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Dank Dir für die Daten!

vor 37 Minuten schrieb Harakiri:

Nachdem der Schlafsack jetzt länger aus dem Beutel war, ist er im Fußbereich 21cm, an den Knien 19cm, an der Oberseite auf Brusthöhe 17,5cm und am Kopf nur 15cm hoch.

Es gibt eine Faust-Formel um die Inflationswirkung eines Schlafsacks einschätzen zu können.
Für "Kaltschläfer", wie Dich gilt die Komforttemperatur Männer: 17,5 Grad - (Loft in cm x 3,5 : 2)

Die Verarbeitungsqualität der Kammern und die Daunenverteilung kannst Du am besten bei Tageslicht beurteilen. Wenn man den Schlafsack offen gegen das Licht hält, sieht man sehr schön wie gut die Isolation verteilt ist und wo Kältebrücken auftreten können.

Meine hochgezogene Augenbraue bezog sich auf diesen Absatz:

Zitat

Effects and Benefits

The principal effect of a VBL is stopping the transmission of insensible and sensible perspiration, i.e. sweat, away from your body, effectively creating a microclimate between the VBL and your body. (Without a VBL, perspiration would move away from your body and through outer layers (if applicable), and then hopefully evaporate into the atmosphere.) This entrapment of moisture has three benefits:

First, perspiration will not reach outer layers like a windshirt, insulated parka, or sleeping bag. This is hugely important because in cold conditions your perspiration will often stay in these layers: the dew point is somewhere between your body and the outside atmosphere, and your perspiration will condense from water vapor into actual water, thus wetting the layers. This will cause down and synthetic insulations to ultimately collapse. And it will cause unwanted evaporative heat loss with other fibers like polyester, nylon, and wool.

Boris hat das vorhin gut in knappe Worte gefasst.
https://www.ultraleicht-trekking.com/forum/topic/9206-durchquerung-finnmark-februarmärz-20/?do=findComment&comment=145069

VG. -wilbo-

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Nach der Rechnung scheint die Kombination auszureichen. Mit den beiden Daunensäcken liegt der Wert etwa bei -21°C am Torso. Rechnet man den VBL dazu und nimmt an, dass es im Zelt deutlich wärmer ist, dürfte selbst eine außergewöhnlich kalte Nacht am kältesten Teil der Strecke kein großes Problem darstellen. Eventuell friere ich etwas und kann unruhig schlafen, mehr aber auch nicht. 

Da ich ein wenig missverstanden werde, hier noch einmal als ausführliche Klarstellung:
Mir ging es einfach nur darum, dass man im absoluten Notfall möglichst viele Sachen tragen könnte, wenn alles andere zu kalt wäre. Es wäre niemals meine langfristige Strategie. Hier ging es lediglich darum, dass man noch etwas Spielraum im Schlafsack hat, um in extrem gefährlichen Situationen nicht zu sterben bzw. um keine größeren Körperteile zu verlieren. Es wäre ja absurd, dann noch darauf zu achten, was nass wird und was nicht. Eine Jacke ist wärmer, wenn man sie direkt am Körper trägt und nicht über dem Torso ausbreitet. Derartige Kälte kann sich nur bei klarem Himmel mit Windstille entwickeln und dann ist eine Bergung an praktisch jedem Ort in der Finnmark problemlos möglich. Am Denali wäre das vielleicht anders, aber nicht im Norden Norwegens. Und sollte man am Morgen merken, dass vielleicht gar keine Bergung nötig ist, kann man noch immer so lange laufen, bis man Straßen erreicht und dann die Tour abbrechen bzw. einen gut erreichbaren Punkt ansteuern, von dem man einfacher gerettet werden kann. Wenn die Nacht besonders kalt war, ist der Tag auch kalt, aber sonnig und damit auch erträglich. Mit der zweiten Daunenjacke, die selbst bei einer Pause bei -10°C alleine ohne Probleme warm hält, könnte man noch bis spät in die Nacht laufen und somit eine Rettungsaktion vermeiden. Tagsüber sind (egal bei welchem Wetter) unmöglich beide Jacken nötig, sodass man eine fehlende Jacke lange verschmerzen kann. Schließlich habe ich zwei davon dabei. Wahrscheinlich würde das sogar mehrere Tage lang gehen, wenn es nicht wieder so absurd kalt wird. Es gäbe ja in dem Fall noch immer eine zweite trockene Daunenjacke (die dickere der beiden), eine wind- und wasserdichte dünne Jacke, mehrere Oberteile, eine Softshellhose, zwei lange Unterhosen, genauso viele Socken, Schuhe usw. Nur Kleidung, die man sonst für längere Pausen bzw. nachts verwendet, wäre dann in ihrer Nutzbarkeit eingeschränkt, bis sie wieder trocken ist.
Echt krass, was ein müder Nebensatz hier für eine Kommentarflut auslösen kann. 

Die Schneeschuhe werden wohl die MSR Lightning Ascent werden. Das ist dann auch die letzte größere Anschaffung. Die Pulka aus dem Minischlitten werde ich wohl noch versuchen zu bauen, nachdem ich geklärt habe, ob ich damit ohne Probleme und hohen Aufpreis anreisen kann.

Aktuell sind alle Fragen meinerseits geklärt. Für Erfahrungen von Leuten, die länger in der Finnmark zur Winterzeit unterwegs waren, bin ich jederzeit offen. Ich bin auf jeden Fall dankbar für die Hilfe von einigen. Das hat mir wirklich weitergeholfen. 

bearbeitet von Harakiri

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vor 6 Stunden schrieb Harakiri:

Mir ging es einfach nur darum, dass man im absoluten Notfall möglichst viele Sachen tragen könnte, wenn alles andere zu kalt wäre.

Dann würde ich den VBL weglassen. Was machste mit deiner kolabierten Daunenjacke, wenn die nächsten Nächte noch kälter werden?

vor 6 Stunden schrieb Harakiri:

und nimmt an, dass es im Zelt deutlich wärmer ist,

Nur wenn du einen Zeltofen hast. Ansonsten ist es im Zelt genauso kalt wie draußen. Selbst mehrfach schon nachgemessen. Ist ja auch logisch, wo soll denn die Wärme herkommen, die einen Temperaturunterschied zu draußen herstellt? Das geht nur durch Zeltofen und beim Kochen (wenn der Kocher in der Apsis steht). Wenn du mit offenem Schlafsack im Zelt sitzt, dann erwärmst du es in der Regel auch um ein paar Grad.

Wie navigierst du eigentlich? Mit Karte oder Telefon?

 

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vor 7 Stunden schrieb Harakiri:

Aktuell sind alle Fragen meinerseits geklärt.

Sehr gut!
Dann hilft jetzt nur noch rausgehen und Erfahrungen sammeln, damit man nicht "on the Peak of Mount Stupid" sitzen bleibt. ;)

Viel Spaß und eine schöne Zeit im Norden.

-wilbo-

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vor 12 Stunden schrieb Harakiri:

Auf Weatherspark findet man allerlei interessante Daten

hm ja, varsom.no hast du schon gefunden? da würd ich mich mal relativ umfassend durchklicken, ist ganz informativ, man liest viel winterskills für norwegen und die kast-kartierung zu kennen ist auch für die "flache" ost-finnmark bestimmt nicht verkehrt.

"zelt im sturm bei -7 aufbauen ist kein problem solange ..."  --> du musstest schon von papa abgeholt werden (ok, 5 jahre her wenn du jetzt 21 bist), hast dich schon dehydrieren lassen usw. ... ich hoffe, dass du nicht in einen "taktischen" fehler nach dem anderen rennst, das ist so maximal solo und im winter schlicht sehr doof und was alle hier befürchten auch naheliegend, wanderanfänger und winteranfänger und gleich mit einem richtig grossen projekt einsteigen - verstehst du das ein bißchen? irgendwie ist es naheliegend, dass du den "richtigen" zeitpunkt ("solange") zum aufbauen verpassen und mit kalten pfoten & fertig weil zu wenig getrunken verwindete schnüre sortieren wirst, ohne handschuhe an der zeltstange festklebst, aus dem zelt nicht mehr rauskommst weil alles nass ist undoder 100 andere sachen (die nicht gegen dich sprechen). es geht nicht darum, das gegenteil zu beweisen (dass "es geht" o.s.ä., klar kann das gutgehen und man ist ja für sich selber auch immer eher sonnigen gemüts unterwegs ABER). realistischerweise wird deine tour anders als bisher von dir gedacht und trotzdem sehr schön.  "durchziehen" geht vielleicht, falls du in nem bergigen kälteloch wohnst und ab jetzt jeden tag draussen rumprobierst. positiver als @wilbo kann man es nicht formulieren. 

ja, 100 liter rucksack und schneeschuhe passen zusammen.

hast du deine route jetzt noch mal "verbessert" (mir war so, als ob da anfangs noch hütten auf dem weg gewesen wären, jetzt nur noch campings in der nähe)?

mich interessiert, welche campings da oben im winter offen haben (und ob "offen" heisst mit brötchenservice?) ich würde mich nämlich bei gelegenheit gern mit nem grossen zelt da hinstellen und tages- oder zweitagestouren von da machen (das ist so mein horizont von winteraktivität jenseits von fewo oder hütte - nb: aus diesem horizont, zu dem ziemlich viel unterwegssein im nichtwinter gehört, erklärt sich das ABER - dein plan erscheint einfach etwas drüber, weit radfahrn ist einfach).

 

bearbeitet von hans im glueck

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vor 10 Stunden schrieb Harakiri:

Die Schneeschuhe werden wohl die MSR Lightning Ascent werden. Das ist dann auch die letzte größere Anschaffung. Die Pulka aus dem Minischlitten werde ich wohl noch versuchen zu bauen, nachdem ich geklärt habe, ob ich damit ohne Probleme und hohen Aufpreis anreisen kann.

https://www.globetrotter.de/paris-pulka-the-expedition-sled-960-orange-1001058/
https://www.winterfjell.de/zuggeschirr-fuer-die-pulka/
https://www.winterfjell.de/pulka-selbstbau-mit-gestaenge-und-packsack/

... nur falls Du die noch nicht gesehen haben solltest ...

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 edit:

Am 6.1.2020 um 23:00 schrieb Harakiri:

Von Vardö bis Tana verläuft die Strecke sehr nah an der Straße. Vielleicht bleibe ich sogar am Anfang drauf, um mich an die Situation heranzutasten. Bis nach Tana wäre es auch schneller.

von vardö nach tana sind 111 (147) km küstenstrasse ("e"-strasse) [ergibt google tage nach dem lesen]. mit bus, der vielleicht zweinmal täglich kommt, was über 2 stunden. spannende radtour. zu fuss so gaga, dass .. [edit/gestrichen, ich will mich nicht übers internet aufregen]. die campings könntest du mir trotzdem noch nennen, die interessiern mich.

edit: @harakiri die beiträge von @moritz schon gelesen?

bearbeitet von hans im glueck

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Der ganze Faden hier tönt für mich nach "Junge, geh 2 Monate lang arbeiten und kauf Dir anständigeres Zeug". Das wäre wohl grundvernünftig, aber wer ist dies schon. Dann kommt aber dazu, dass Du nicht so recht weisst, ob mit Schneeschuhen, Skis, 100 Liter Rucksack oder Pulka. 

Immer wieder liest oder sieht man von Leuten die stolz berichten, vor dem AT keinen Meter weit gewandert zu sein, nie in einem Zelt übernachtet zu haben etc. Auf dem AT geht dies problemlos, OT: je nach Saison und Ort steht man sich dort auf den Füssen rum oder kann sich gepflegt bei den Trailangels überfressen, ich wäre nicht erstaunt, wenn nächstens Beauty-Behandlungen als Trailmagic angeboten würden oder jemand mit dem Spa anrückt.   

  • Leider könnte eine derartige Infrastruktur im Winter und der Finnmark nicht in so üppigem Ausmass bis eher überhaupt nicht vorhanden sein.

OT:

Auf dem AT kann man auch mal die Zähne zusammenbeissen und 10 km weit (über höchste Berge, mit gefährlichen Bären und gemeinen Schlangen, die den ganzen Tag darauf warten, armen Wandernden in die Schellen zu schnappen) in die rettende Brauerei wandern, wo dann die schwierige Entscheidung ansteht, wie man sein Steak zu sich nehmen will.

Unterwegs bleibt immer noch genügend Zeit, abenteuertriefende Videos zu filmen, in höchst lebensbedrohendem Regen, gefährlichsten Moskitos, abgerundet durch das Rauschen des Highways und so weiter. Der rührige Mike Horn (ein Umweltaktivist, der sich von Mercedes sponsert lässt) wirkt dagegen, als sei er auf einer spannenden Heizdeckenfahrt.

  • Wenn Du Dir die Abokosten für SPOT oder InReach sparen willst, gibt es günstigere Person Location Beacons. Z.b. ResQ Link. Einfach wegen dem Ländercode und der Satelliten Abdeckung schauen. Würde ich sehr empfehlen. 

Viel Spass, ich freue mich auch auf den Bericht.

OT: Statt für 100 km + Roadwalk extra nach Norwegen zu fahren, empfehle ich Zürich - Basel. Bester Asphalt-Untergrund weltweit, sehr malerische Ortschaften, trübsinnigste Rehe, gelangweilte Füchse. Ist auch 130 km, in zwei Tagen haust Du das runter. 

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Hallo Harakiri,

ich habe jetzt mal den ganzen Thread gelesen und muss sagen Mut hast du, den nötigen Willen wohl auch,
allerdings fehlt es dir an den Skills und dein Material kennst du überhaupt nur aus den Prouktbeschreibungen selbiger.

Und das halte ich nicht für eine ausreichende Vorbereitung für diese Tour.

Wenn alles so läuft wie du dir die Tour vorstellst wird es auch klappen, allerdings ist es in der Praxis immer wieder
etwas ganz anders.

Ich möchte dir die Sache nicht ausreden, würde dir aber raten, dort oben eine etwas gemäßigtere Tour zu machen.
Diese Einsicht wäre ein Skill. Du könntest danach auch dein Material besser einschätzen und hättest Erfahrungen
mit den Gegebenheiten vor Ort gesammelt.

Schließlich ist das ja wohl nicht die letzte Tour die du machen möchtest,  die Finnmark ist nächstes- oder übernächstes
Jahr immer noch da.

Auf jeden Fall wünsche ich dir alles Gute, egal das du machst.

immermüde

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vor 21 Stunden schrieb hans im glueck:

hm ja, varsom.no hast du schon gefunden? da würd ich mich mal relativ umfassend durchklicken, ist ganz informativ, man liest viel winterskills für norwegen und die kast-kartierung zu kennen ist auch für die "flache" ost-finnmark bestimmt nicht verkehrt.

Nein, danke auf jeden Fall. Habe mir dort alles durchgelesen. Auch temakart.nve.no habe ich mir angeguckt. Die Region scheint tatsächlich relativ lawinensicher zu sein, zumindest im Ostteil bis Lakselv. Ob ich den Teil danach noch laufe, bezweifele ich stark. In Stabbursdalen ist schon richtig schwierig und gefährlich, zumal das Gebiet viel weniger bekannt als Sarek und co. ist.

vor 21 Stunden schrieb hans im glueck:

realistischerweise wird deine tour anders als bisher von dir gedacht und trotzdem sehr schön.  "durchziehen" geht vielleicht, falls du in nem bergigen kälteloch wohnst und ab jetzt jeden tag draussen rumprobierst.

Leider nicht, aber ich trainiere sehr regelmäßig an meinem "Hausberg" nahe der Eifel. Von der Kondition her wird das auf jeden Fall kein Problem sein. Bisher bin ich nur bei Tageswanderungen in den Alpen ausdauertechnisch an meine Grenzen bekommen, bei längeren Touren noch nie. Die Füße oder generelle Müdigkeit setzen mir in flachen Gegenden eher Grenzen, bei dieser Tour wird das Licht außerdem anfangs alles sehr einschränken.
Das Training, was du meinst, kann man hier leider nicht durchführen. Es ist zu warm dafür, um auch nur mit einer Daunenjacke zu wandern oder die Schuhe einzulaufen. In den Alpen werde ich exzessiv üben, den Schuhen 80km gönnen und dort ein paar Nächte auf +2500m im Zelt mit dem Kocher verbringen. Die wichtigsten Techniken kann man dort definitiv ausprobieren.

vor 22 Stunden schrieb hans im glueck:

hast du deine route jetzt noch mal "verbessert" (mir war so, als ob da anfangs noch hütten auf dem weg gewesen wären, jetzt nur noch campings in der nähe)?

mich interessiert, welche campings da oben im winter offen haben (und ob "offen" heisst mit brötchenservice?) 

Hütten sind im Osten nirgendwo. Eine gibt es südlich von Lakselv und dann kurz vor Alta mehrere. Die Gegend südlich von Lakselv wollte ich allerdings meiden, weil zwischen Lakselv und Porsangermoen ein großer Militärstützpunkt liegt und die Hütte blöderweise ziemlich nah dran ist.
Direkt in der Mitte des Varanger-Nationalparks sind wohl ein paar Unterschlüpfe, aber die liegen recht weit von der Route entfernt und ob man sich darauf im Winter verlassen kann, weiß ich auch nicht. Anfangs halte ich mich sowieso an die Straße. Das ist sicherer und stellt sozusagen einen "sanften Einstieg" dar.

In Kunes, Tana, Lakselv und Alta haben Campingplätze offen. Wobei ich in Tana nicht drauf wetten würde. OT: Service kann man dann gar nicht erwarten. In Schweden war ich die meiste Zeit vor der Saison unterwegs und oft werden dann Bauarbeiten dort durchgeführt oder es ist noch gar kein richtiges Personal anwesend. An einem Campingplatz waren die Duschen eine Baustelle, ich war dort der erste Besucher des Jahres. An einem anderen musste man die Betreiber erst anrufen, zu dem Zeitpunkt hat war nur ein Angestellter vor Ort und hat gegärtnert. Bei Sorsele in Schweden hatte ich das ganze Gebäude der Jugendherberge für mich, 200m² für 30€ pro Nacht oder so. Einer der Besitzer spricht fließend Deutsch und war verdammt sympatisch. Er wollte mir am Ende noch UL-Gear an mich verticken, aber in der Tundra sind Hängematten nicht so toll. Zu einem so guten Preis habe ich noch nie irgendwo übernachtet.
In der Hütte eines anderen Campingplatzes war ich auch der erste Besucher der Saison und dort gab es einige Probleme mit dem Strom (somit auch der Heizung) und die Sanitäreinrichtungen wurden vorher extra für mich gereinigt. Als guten Service würde ich das nicht beschreiben, aber vielleicht ist das Ansichtssache. Ruhe hat man dort auf jeden Fall, wenn man in der Nebensaison kommt.
Gegen Ende Juni beginnt langsam die Saison. Nach meiner Anfangszeit habe ich auf der Wanderung für bestimmt 500km keinen Campingplatz besucht und war dann regelrecht von der zu einem Drittel gefüllten Jugendherberge in Jokkmokk geschockt. Da will man sich bei der Halbzeit am Polarkreis etwas gönnen und redet am Ende bis spät in die Nacht mit Historikern aus Slovenien, Studenten aus Holland und einer Bankerin aus New York. Der Service war dort top, aber Entspannen ist schon nicht mehr möglich, wenn man nicht die hohen Aufpreise für Einzelzimmer zahlen will.
Während der Hochsaison im Juli/August sind die Campingplätze dort oben ein Albtraum. Komplett überfüllt und vermüllt, obwohl oft permanent (!) Leute den Müll vom Platz transportieren. Allerdings kann man auch echt viele Leute dort treffen, die Outdoor unterwegs sind. Vor allem Radfahrer. Wenn man darauf steht, ist das auf jeden Fall interessant.

 

vor 21 Stunden schrieb momper:

Die Paris-Pulka ist mir viel zu groß. Der kleine Schlitten war schon viel geeigneter. An die Anleitung für den Bau des Zuggeschirrs würde ich mich grob halten, einfach aus Interesse. Experimentieren wollte ich da auf jeden Fall, wobei eine Pulka bei meiner Tourplanung wahrscheinlich nicht so viel Sinn macht.
Mein Rucksack ist sehr leicht und damit bin ich deutlich flexibler. Der sieht mit den 100l zwar groß aus, aber ist für eine Tour der Länge in den Breitengraden verdammt leicht. Fast schon ultraleicht. Habe ihn final gefüllt, da bis auf die Daunenhose und die Schneeschuhe alle großen Gegenstände da sind und komme mit dem Gewicht super klar. Bestimmt könnte man mit mehr Geldeinsatz noch bis zu 3kg sparen. 
Das bei einer reinrassigen Expedition in der Tundra eine Pulka (und Ski) besser sind, mag ich gar nicht bestreiten. Bei der Route, die ich angedacht habe, ist mindestens 1/6 der Strecke auf asphaltiertem Untergrund mit einem langen Stück am Anfang und immer wieder ein paar Kilometern zwischendurch an den Ortschaften.

 

vor 19 Stunden schrieb Mars:

Der ganze Faden hier tönt für mich nach "Junge, geh 2 Monate lang arbeiten und kauf Dir anständigeres Zeug". Das wäre wohl grundvernünftig, aber wer ist dies schon.

Vor meinem Studium habe ich beim Bodenleger gearbeitet und die Arbeit war deutlich leichter als das Zeug im Studium, weil man auch mal frei hatte...

vor 19 Stunden schrieb Mars:

Leider könnte eine derartige Infrastruktur im Winter und der Finnmark nicht in so üppigem Ausmass bis eher überhaupt nicht vorhanden sein. [...]

[Den Teil danach habe ich aus dem Zitat gekürzt, weil er sehr lang war.]
Habe bisher in meinem Leben kein bisschen "Trail Magic" erlebt, weil ich nie auf einem hochfrequentierten Wanderweg gelaufen bin. Das ich durch den ganzen Norden Schwedens gekommen bin, lag also nicht daran, dass mich dort Einheimische mit Tunnbröd gemästet haben. 
Den Norden Skandinaviens zu durchwandern ist eben etwas ziemlich anderes als hunderten Touristen auf einem geführten Wanderweg bis zum nächsten Shelter hinterherzulatschen, nur um sich dann bei kaputtem Gear im 5km entfernten Ort Ersatz zu besorgen. Als meine Stiefel bei Varpsjö versagt haben, durfte ich sie bis Jokkmokk mitschleppen. Du kannst ja mal gucken, wie weit das ist... Dürfte schon ein kleiner Unterschied zu einem Fernwanderweg sein, bei dem man die Teile einfach in die nächstbeste Box hätte werfen können.

Danke, dass mir hier trotz der negativen Kommentare einige Leute Glück wünschen. Wird wohl nötig sein.

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vor 2 Stunden schrieb Harakiri:

Danke, dass mir hier trotz der negativen Kommentare einige Leute Glück wünschen. Wird wohl nötig sein.

Die „negativen“ Kommentare sind nicht negativ. Sie sind kritisch und hinterfragen Dein geplantes Unterfangen. Niemand will Dir hier etwas Böses - das Gegenteil dürfte eher der Fall sein. 
Und wenn für das Gelingen der Tour Glück von Nöten ist, scheinen die Kommentare auch nicht völlig  aus der Luft gegriffen zu sein. 
 

Für die Tour wünsche ich, aufrichtig, viel Erfolg und freue mich, ebenfalls aufrichtig, über einen Bericht!

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@Harakiri anders als beim radfahren ist beim wandern "kondition" ziemlich egal. mit rumprobiern meinte ich: unter ähnlichen bedingungen in sichererem environment dich mit deinem zeug so ausprobieren, dass routine & bauchvariante funzen; man braucht ne vorstellung von "vorsicht". & "austauschen im internet" und "nur-lesen" reicht nicht, partnergespräch live ist auch nicht unwichtig.

wenns daran fehlt, geht so ne tour nicht, insbesondere weil du noch nicht gelernt hast, den äusseren bedingungen zu folgen (man lässt sich gehen...). vielleicht geht sie auch zufällig-glücklich gut weil du trotz alledem sensibel & vorausschauend genug bist und glueck hast. A B E R .... (alles schon von vielen geschrieben) ..es fehlt an allen ecken und enden schon am verständnis.

PS: hostel auf soroya (akarfjord)  - 10 euro die nacht (chefin spricht dt und ist gut bewandert). und ne kostenlose hütte -stand vor 5 jahren, heizbarkeit k.a.- um die ecke, örtlicher dnt)

bearbeitet von hans im glueck

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vor 4 Stunden schrieb Harakiri:

 Den Norden Skandinaviens zu durchwandern ist eben etwas ziemlich anderes als hunderten Touristen auf einem geführten Wanderweg bis zum nächsten Shelter hinterherzulatschen, nur um sich dann bei kaputtem Gear im 5km entfernten Ort Ersatz zu besorgen. 

OT: Ein Big Lake Youth Camp alle 200 Meilen auf dem PCT wäre schon nicht schlecht, aber nur wenn die neuen Regeln knallhart angewendet werden. :D

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      In Oslo angekommen hastete ich eilig durch den Flughafen, um noch rechtzeitig die Maschine nach Tromsø zu erreichen, Zum Glück war auch dieser Flieger spät dran und konnte erst gegen Mitternacht beladen werden. Leider wurde ich diesmal wie eine Sardine zwischen zwei großen, übel riechenden Männern eingequetscht, die während des Fluges fürchterlich schnarchten. Ich versuchte vergeblich, einzuschlafen und starrte stattdessen mit müden Augen auf die Sitzreihe vor mir, in der Hoffnung, der unrasierte Mann neben mir würde wenigstens seine überdimensionierte Daunenjacke ausziehen. Rückblickend ist es vielleicht doch ganz erfreulich gewesen, dass er die Jacke anließ. Schließlich hatte ich keine Nasenklammer im Handgepäck und wollte mir meine erste MYOG-Erfahrung für einen besseren Zeitpunkt aufheben!

      Zu meiner Überraschung wurde die Meute, zu der ich mich in Tromsø gesellte, nicht aus dem Flughafen geworfen. In jede Ecke kuschelte sich irgendein Gast, der dazu verdonnert war, hier die Nacht zu verbringen. Unter einer Treppe lag eine größere Gruppe, die es sich neben ihren Ski gemütlich gemacht hatte. Ein Pariser Schlitten lag nahe der Gepäckannahme herum. Wach war kaum jemand. Sogar die Leute, die sich auf den Gepäckbändern ein Plätzchen gesucht haben, schienen Schlaf gefunden zu haben. Obwohl ich eine Matte dabei hatte, brauchte ich sehr lange dafür und wechselte mehrfach mein Plätzchen.




      Von Tromsø aus ging es dann in einem kleinen Flieger in den richtig hohen Norden. In der Maschine hätte man nicht einmal eine Schulklasse unterbringen können. Wir hatten freie Platzwahl. Ich guckte den ganzen Morgen lang aus dem Fenster und verfolgte mit den Augen die Sonne, die schüchtern am Horizont ihre Bahnen zog. Hinter Hammerfest wurde es dann richtig hell und beim Anflug von Berlevåg konnte ich bereits mein Ziel aus der Vogelperspektive betrachten. Die Insel war ein einziges weißes Schild, das sich erhaben aus dem von Eisschollen übersäten Beringmeer hervorhob.




      Die kleine Dash 8-100 erreichte nur geringe Höhe zwischen den Stopps. Unter mir sah ich zwei dicke Wale, die nach Luft schnappten. Wenig später erreichten wir meinen Startort, Vardø. Der Flieger schlitterte über die eisige Landebahn und wir liefen in das kleine Häuschen, in dem auf vielleicht 50m² alles von Check-In bis Gepäckannahme erledigt wurde. Wir bekamen unser Gepäck direkt aus dem Bauch des Flugzeuges gebracht. Als letzte Person verließ ich das Gebäude und verstaute in der kleinen angebauten Laube, die als unbeheizten Verschlag für Raucher diente, mein Gepäck im Rucksack. Draußen wartete die Sonne auf mich. Ich schnallte die Spikes unter meine Stiefel und machte mich auf zum Unterseetunnel, den ich durchqueren musste, um in den Ort zu gelangen. Er war der älteste Tunnel seiner Art in Norwegen und etwa drei Kilometer lang.

      Nachdem ich etwa einen Kilometer über die vereiste Straße schleppte, spannte ich meine orange Daunenjacke auf den Rucksack, um im nasskalten Tunnel gut sichtbar zu sein, und stapfte gemächlich in die Tiefe. Was anfangs noch wenig störend war, wurde mit zunehmender Tiefe immer unangenehmer. Ich erreichte den tiefsten Punkt des Tunnels und begann den Aufstieg.
      Nach einigen Metern hielt neben mir ein alter Geländewagen an. Die alte Frau gestikulierte unmissverständlich und ich verfrachtete meinen Rucksack neben ihrem Hund, bevor ich auf dem Beifahrersitz Platz nahm. Tommen (?) fuhr sprach nur Finnisch und Norwegisch. Sie setzte mich direkt am Dorfladen ab und verabschiedete sich von mir. 

      Da ich keinen brauchbaren Brennstoff im Laden fand, zapfte ich etwa zwei Liter Benzin an der Tankstelle ab und füllte großzügig meine Brennstoffflaschen. Immerhin gab es eine Menge kalorienreiches Futter, mit dem ich meinen Rucksack vollstopfen konnte.




      Ich erkundete etwas den verschneiten Fischerort, besichtigte die Insel mit ihren Sehenswürdigkeiten und näherte mich erneut dem Tunnel. Diesmal durchschritt ich ihn komplett. Nun lag nur noch verschneite Tundra zwischen mir und meinem Ziel! Ich schnallte mir die Schneeschuhe unter die Füße und lief in Richtung meines ersten Wegpunktes. Die Sonne blendete. Alles war weiß, der Himmel war strahlend blau. Eine frische Brise fegte über die verschneite Landschaft. 



      Nach etwa 5km stelle ich mein Zelt auf, als ich das erste Hochplateau erreichte. Die Sonne blinzelte verlegen hinter den Schneefeldern. Ihre Strahlen wärmten kaum noch. So legte ich mich also am frühen Nachmittag hin. Nun konnte ich endlich den Schlaf nachholen, den ich in der vorherigen Nacht vermisste.
      Trotz -10°C schlummerte ich wie ein Baby. Genauer gesagt wurde ich ständig wach und musste immer wieder dem Ruf der Natur folgen. Der Schlafsack war ziemlich warm und ich öffnete ihn ein Stück weit. Beim nächtlichen Blick aus dem Zelt staunte ich nicht schlecht. Grüne Lichter flackerten schwach am Himmel. Leider war die Aurora Borealis wenig fotogen. Trotzdem war das Schauspiel unvergesslich.
    • Von Mars
      Meine Assets drehen ins Plus, ich habe erst am Montag wieder einen Termin. Die Bahn braucht 3,5 Stunden nach Pforzheim.
      Auch sollte man nicht nur hier in diesem Forum ‘s Maul aufreissen und flapsige Sprüche klopfen, hin und wieder sollten auch echte Trails besucht und diese tatsächlich erwandert werden. Es besteht immerhin eine klitzekleine Chance, den ganzen Trail bis am Montag zu schaffen. 70 km wären dafür am Tag notwendig. Technisch gesehen ist es jedoch Winter. Wie sehr mich der Schnee bremsen wird, werden wir schnell herausfinden. 
      Ich hätte gerne neue Schuhe. In einem Laden werde ich geholfen - ich besuche die örtliche Vivo Barefoot Verkaufsstelle. Der Laden ist sogar parfümiert, die Verkäuferin nett. Sie empfiehlt mir den “Primus Trail Firm”, der “Trail Soft” nutze sich zu schnell ab. Natürlich erst, als ich ihr gesagt hatte, ich suche Trailrunner zum Wandern. Dieser Schuh scheint leider wie Blei im Regal zu liegen, eigentliche Trekking Schuhe in wasserdicht und gefüttert sind hingegen fast ausverkauft. 
      Es gibt Sportgeschäfte, die empfehlen ernsthaft, die Schuhe vor einer Marathondistanz vorsichtig einzutragen. Die Zeit zerrinnt mir zwischen den Fingern, sorry, ich werte halt die ersten 20 km als Eintragen.

      Um sechs Uhr morgens sitze ich im Zug, schüchterne Schweizer Damen fragen, ob dies die zweite Klasse im ICE sei. Sieht halt schöner aus, als in den Schweizer Zügen die Erste. Mit den Beschwerden über die Deutsche Bahn könnte man ein separates Forum füllen, aber ich komme pünktlich in Pforzheim an. 
      In Pforzheim wandere ich durch die Stadt und komme an einem “Platz des 23. Februars” vorbei. 18’000 Tote, die Stadt sieht ziemlich gesichtslos aus, alles ist neuer. Kurzer Blick auf Wikipedia sagt, die Stadt sei eigentlich zu römischen Zeiten gegründet worden, aber im 1945 sei die Innenstadt dem Erdboden gleichgemacht worden. Krieg muss offenbar eine ganz tolle Sache sein. Ich habe die Memoiren von einem gewissen Winston Leonard Spencer-Churchill gelesen, dennoch deprimieren mich Städte wie eben Pforzheim oder Warschau.
      Der Grund, weshalb ich am Montag wieder in meiner Residenzstadt sein muss, ist übrigens pazifistischer Natur. Vor ein paar Jahren haben Freunde und ich die Beschaffung neuer Kampfjets in der Schweiz verhindert. Die tapfere Schweizer Luftwaffe besitzt derzeit keine “Erdkampffähigkeit”, d.h. sie können keinerlei Bomben abwerfen (und dies seit 1994). Sehr zum Bedauern unserer hohen Militärs, die Wiedererlangung dieser Fähigkeit steht hoch oben auf ihrer Wunschliste. Und neue Jets wollen sie auch schon wieder, wir halt nicht. 

      Nachdem ich die Stadt durchquert habe, stehe ich vor dem ersten Tor des Westwegs, der goldenen Pforte. Das Tor hat nur einen kleinen Fehler: Es führt nirgendwo hin, der eigentliche Westweg startet daneben. 
      Der Westweg wurde vom Schwarzwaldverein vor über 100 Jahren eingerichtet, Ortsgruppen unterhalten auch Hütten und ganze Türme entlang dem Weg. Leider hat der Schwarzwaldverein offenbar Angst vor dem Wolf und dadurch ausbleibenden Touristen. Nach meiner streng objektiven Erfahrung erscheinen die Touristen aber nicht trotzt dem Wolf, sondern wegen ihm. Natürlich geht es auch um Viehhaltung, es gibt sogenannte “Grinde”, d.h. beweidete Hochmore, die dauerhaft vor Verwaldung geschützt werden sollen. 
      Der Sturm Sabine hat ganze Arbeit geleistet, der Weg ist mit Tannenästen bedeckt, abgesehen davon aber vorerst nicht spektakulär. Mit herkömmlichen Trailrunnern könnte ich jetzt ziemlich schnell vorwärts gehen, meine Barfussschuhe verlangen aber nach einem wohl überlegten Schreiten. Der Vorderfussbereich ist mindestens so breit wie beim Altra Timp. Der Schuh ist schwerer als der Salomon Sense Ride. Dies liegt wohl vor allem an der Sohle. Die ist zwar dünn, hat aber etwas von einem Gummistiefel. Die Sohle ist auch superflexibel, man spürt jedes noch so kleines Ästchen auf dem Weg. 

      Immerhin ist die Innensohle perforiert.
      Legendäre Ultraleicht-Experten wie der Herr Stromfahrer empfehlen solche Innensohlen für einen schnellen Feuchtigkeitsabtransport, man steht so weniger im Wasser, falls der Schuh nass geworden sein sollte. Herr Stromfahrer nutzt derartige Sohlen eines Drittanbieters, es ist natürlich praktischer, wenn diese bereits mit den Schuhen geliefert werden. Ich trage darn tough Wollsocken, habe aber zwei Paar Sealskinz im Rucksack. 
      Meine Zeltstangen habe ich in einem Leki Beutel getarnt, leider verrät eine dicke Rolle mit der Matte meine wahren Absichten. Ausserdem trage ich engere Hosen. Diese sind mit Gore Windstopper ausgestattet und für kühleres Wetter ideal.
      Es dauert nicht lange und ein älterer Herr spricht mich an: “Sie wollen aber nicht nach Basel?”. Ich antworte “Doch”. “Haben sie ausklappbare Skier dabei für den Schnee?”. Nun ja, mit dem Winter ist es eben so eine Sache. Ich bin in der Lage, auf Webcams die Schneehöhe einzuschätzen. Angeblich war der Januar der wärmste seit Messbeginn. Die Temperaturen sprechen nicht für sehr viel Schnee, eher für viel Wasser infolge des Tauens des Schnees.

      Das Wetter ist nicht sehr angenehm, es regnet eigentlich immer. Ein offenes Dach bietet sich als Rastplatz an, es gibt sogar eine kleine Bibliothek darunter. Bald bedeckt eine dünne Schneeschicht den Weg. Ich treffe einen Mann, der fröhlich vor sich hin plaudert, er habe jetzt seine Scheune kontrollieren müssen, sein Schwager sei gerade in Australien, er sei auch bei der Feuerwehr, der Sturm und so weiter.
      An einem weiteren Rastplatz erklärt er mir, es sei geplant das Dach dieses Rastplatzes als Dach eines noch zu erstellenden Turmes zu verwenden. Es muss ein massiver Turm werden, das Dach ist riesig. In der Schweiz haben wir zwar keine so monströsen Dächer auf den Aussichtstürmen, dafür stehen diese halt seit Jahr und Tag. Besser den Spatz im Teller als den Schwan auf Grundeis oder so ähnlich.

      Das Wetter wird nicht besser, es zieht ungemein und es schneit.
      Durch die malerische Ortschaft Dobel hindurch erreiche ich wieder den Wald. Zur allgemeinen Erheiterung beginnt es zu hageln. Meine Hosen werden nass. Normalerweise trocknen sie nach einem Schauer schnell wieder, der Wind bläst jedoch den Regen dagegen. Es stürmt. Ein kleiner Aussichtspavilon kommt nun wie gerufen - es ist die Weithäuslehütte. Ich rüste auf mit Regenhosen und Sealskinzsocken. Von Aussicht kann keine Rede sein. Kaum laufe ich wieder los, geschieht ein kleines Wunder - es klart auf. 
      Meine Handschuhe sind nass. Um ein Haar wäre dies problematisch geworden. Zwar wärmen sie auch in nassem Zustand, aber ich muss sie regelmässig auswringen. Wasserdichte Handschuhe stehen zuoberst auf meiner persönlichen Wunschliste, jedoch aus ästhetischen Gründen keine Bauhandschuhe, wie sie von Herr Skurka vorgeschlagen und von Frau Dixie bereits erfolgreich getestet wurden.
      Schliesslich gehe ich weiter bis nach Kaltenbronn. Gaia GPS sagt, es seien 50 km, dies kann jedoch gar nicht sein. Gaia oder mein iPhone haben grosse Probleme, die Position zu bestimmen. In Kaltenbronn hüpft die Position wild umher und sammelt virtuelle Kilometer. Bis nach Forbach wären es 48 km, jedoch müsste dazu noch ein Hügel mehr überquert werden. Nächstes Mal nehme ich wieder den Garmin Mini mit, der sieht ohnehin richtig abenteuertriefend aus und darauf kommts ja wohl an. Er zeigt aber auch die gelaufenen Km oder Meilen vernünftig an.  
      Das Hotel Saarbacher ist ein gemütliches Haus. Am Nachbartisch geht es hoch zu, Einheimische haben sich zum Dorfklatsch zusammengefunden. Der Mitarbeiter der örtlichen Sparkasse war schon zum zweiten Mal im Vaterschaftsurlaub. Ich kann mir ein Grinsen nicht verkneifen. “Das verstehen wir hier nicht” sagt eine Dame in meine Richtung. In der Schweiz haben Rechtskonservative das Referendum gegen die Gesetzesvorlage ergriffen, irgendwann wird es eine Volksabstimmung dazu geben.
      Dann ist Vodafone an der Reihe. Die wollen offenbar 680’000 Euro, um Kaltenbronn mit Glasfaser zu versorgen. Dann die Scheiss-EU, die Idee der Bonpflicht käme von dort. Es gibt wenig gefreutes, sie lassen sich auch über die Gäste des Hotels aus, was ich jedoch gut nachvollziehen kann.
      An den Wänden hängen kapitale Hirschgeweihe. Ein Förster erklärt, weshalb umgefallene Tannen mühsam von Hand gesägt werden müssen und diese nicht einfach mit dem Vollernter zusammengepackt werden können. Der Dreck verschleisse die Ketten. Diese würden nur noch dreimal neu geschliffen, dann wandern sie auf den Müll. Eine neue Kette koste 16 Euro, früher waren die teurer. 
      Die Ausstattung des Zimmers ist schon älter, ich mag es so aber viel besser, als wenn Hotels mit Ikea-Möbel ausgestattet werden, die mitten in der ersten Saison entsorgt werden müssen. Es ist unglaublich, an was man nach einem Tag im Regen alles denken muss: Sämtliche Kleider müssen irgendwo aufgehängt werden, in einem Hotel muss man jeweils alles elektronische laden. Am nächsten Tag sollte man fairerweise das Zimmer in einem akzeptablen Zustand hinterlassen usw.

      Am nächsten Tag geht es zunächst nach Forbach. Der Wald von Kaltenbronn nach Forbach ist wilder und alpiner als der bisherige. Der Wald hier ist wirklich sehr schön, ungefähr wie der Stazerwald in St. Moritz, nur viel weitläufiger. 
      Bald komme ich an einem massiven Turm vorbei. In der Hütte darunter sind Menschen. Sie sind mit dem Wagen hier hoch gefahren. Vielleicht handelt es sich um Mitglieder dieses Forums, welche die neusten Unterdruck-Schlafsäcke getestet haben, in dem Fall vielen Dank.

      Umgestürzter Hochsitz, wohl aufgrund einer Kommandoaktion der Hirschianischen Selbstverteidigungsarmee.
      Nach Forbach geht es ein wenig weit hinunter, dies hat den Nachteil, dass es auf der anderen Seite eben wieder hochgeht, ca. 700 Meter. Forbach ist die grösste Waldgemeinde der Region und ausserdem gibt es eine Holzbrücke, die im 1954 originalgetreu nach einem Bau aus dem 17. Jahrhundert neu errichtet wurde. 
      Nach Forbach steigt der Weg die ganze Zeit, bis zur badischen Höhe hinauf.

      Ungefähr der John Muir des Westwegs. 
      Der Weg ist schneebedeckt, hier hat es nun so viel Schnee, dass die Steine darunter nicht mehr sichtbar sind und unter dem Schnee hat es oftmals Pfützen. Schön ist anders, aber was will man machen. Ich wandere eigentlich den ganzen Tag im Schnee.

      Die Strassen sind nun durch umgeknickte Bäume gesperrt, kurz nach der Talsperre hat sich ein Telefonkabel gelöst. Der Weg ist bisweilen sehr steinig, mein Ziel von 70 km kann ich vergessen. Wer schwache Bänder hat, benötigt hier massive Stabilitätsschuhe, sonst ist schnell Schluss mit lustig. Hin und wieder gibt es einige Abschnitte auf Naturstrassen. Ich komme in Sand vorbei, das Naturfreundehaus zuvor hat geschlossen. 
      Im Restaurant Sand bestelle ich mir ein fettes Schnitzel und ein Paulaner. Am Nebentisch eine Geburtstagsgesellschaft, alle deutlich angeheitert, sie saufen wie die Löcher. Ein Mann spricht mich an, woher ich komme, wohin ich gehe. Ich erkläre ihnen, ich könne überall übernachten, nur nicht auf Schnee. Wiederholt werde ich eingeladen, mit ihnen zu kommen, sie hätten eine Hütte in der Nähe, zu trinken gäbe es auch.
      Ein Mann steht auf und unterhält sich mit mir, es gäbe Wölfe hier, sein Schwager habe vor zwei Wochen einen Wolf mit fünf Welpen gesehen. Komisch, denke ich, andere sehen weisse Elefanten, wenn sie hinreichend getrunken haben. Erst vor ein paar Wochen hätten sie zwei Wanderer gefunden, die wohl im letzten Jahr erfroren sein müssen. Luchse habe er auch schon gesehen und gerade eben habe er den Auerhahn rufen gehört.
      Auch erzählt er wilde Dinge von der Bergwacht. “Wie entspannt muss man wohl sein, um aus der Schweiz in den Schwarzwald zu reisen und alleine so weit zu wandern” entfährt es einem andern. Immer wieder weisen sie auf die bald einbrechende Dunkelheit hin. Danke, aber es wurde auch gestern schon Dunkel, sehr wahrscheinlich auch morgen wieder. 
      Sorry liebe Leute, aber saufen kann ich auch zu Hause ausreichend, mein Mitbewohner hat immer ein paar edle Tropfen an Lager. Einer der munteren Truppe sagt tatsächlich immer wieder “Deutschland erwache” und er versucht, dies möglichst eindeutig zu betonen. Na dann Prost, es ist immer wieder schön zu sehen, was reichlich Alkohol mit erwachsenen Männern anstellt. Das mit dem Erwachen würde ich mir ernsthaft überlegen, am besten in nüchternem Zustand. In Pforzheim hat das letzte Erwachen gemäss Wikipedia den Tod von 31.4 % der Stadt-Bevölkerung herbeigeführt. Ein solches Erwachen mag ich niemandem wünschen. 

      Hier wäre eine sanfte Pinselrenovation nötig - wahrscheinlich geschlossenes Hotel in Sand. 
      Für mich geht es jetzt weiter auf die Hornisgrinde. Bis 1999 Sperrgebiet der französischen Luftwaffe, die Deutschen durften den Standort aber später im Rahmen der NATO mitnutzen. Die Windmühlen kann ich nur erahnen, ebenso den Mummelsee. Ein schickes Hotel haben die dort, ich muss aber weiter. Die Darmstädter Hütte hat abends um halb Elf schon zu, ich bin jedoch bald wieder im Nationalpark. In Ruhestein sind die Strassen spiegelglatt gefroren. Der weitere Weg ist nichts für schwache Nerven. Er besteht zu dieser Jahreszeit vor allem aus Tümpeln und umgeknickten Tannen.
      Mein Ziel ist ein Ort, der Ettlinger Hütte heisst. Vielleicht ist es wegen der Nacht, aber ich finde nur einen Wegweiser. Die Hütte gibt es zwar, sie liegt aber tief im Wald, wie mir Google Maps nachträglich sagt. Und dann wäre nicht mal sicher, dass die Hütte offen gewesen wäre.
      Gaia GPS meldet einen kleinen Holzverhau bei einer weiteren Hütte, schaue ich mir mal an. Leider ist er so klein, dass ich darin keinen Platz hätte. Ausserdem müsste ich das Holz umschichten, wozu ich nun wirklich keine Lust habe. 

      Aus legalen Erwägungen muss dieser Bericht nun ein wenig unklar werden.
      Kurz nach Forbach hatte ich eine ideale Hütte gesehen: Zweistöckig, das Schlafquartier oben und winddicht. Natürlich schwebt mir eine solche Hütte auch jetzt vor. Die Nacht ist kalt, mein Schlafsack wird für Temperaturen bis +5 Grad empfohlen. Am nächsten Morgen sehe ich auch eine kleine Plakette, Lagern und Übernachten eher nicht erwünscht.
      Dumm gelaufen. Der ökologische Mehrwert eines Kiesbodens in einer Hütte ist aber bestimmt nicht der Grund für das Bestehen eines Nationalparks. Der Park wurde im 2014 gegründet und erfreut sich mässiger Unterstützung durch die Bewohnenden der umliegenden Dörfer. Es ist wohl vor allem eine Marketing-Frage. Zum Wald Sorge getragen wurde schon vorher.  
      Ich stellte mein Zelt in einer Hütte auf. Niemand stört mich und ich bin sicher, dass ich niemand gestört habe. Weder schlurft ein missmutiger Hirsch vorbei, noch werde ich von aggressiven Auerhähnen aus dem Schlaf gerissen. Von der Kälte hingegen schon. Ich weiss, dass meine Ausrüstung nicht ideal ist. Vorsichtshalber habe ich viele Kleider dabei. Eine ausreichend dicke Matte wäre auch kein Blödsinn, meine vier mm dicke Schaumstoffmatte hält die Kälte nur dann ab, wenn ich sie vierfach zusammenfalte. Dann ist sie jedoch zu kurz. Ich bin zu faul, um aus dem Zelt zu steigen, meinen Rucksack zu leeren und ihn unter die Füsse zu klemmen. Immerhin habe ich am zweiten Tag 67 km zurückgelegt, fast ausnahmslos im Schnee und mit doch eher speziellen Schuhen.

      Sie bieten endlosen Grip, aber auf Natur- und festen Strassen muss man wirklich aufpassen. Sonst knallen die Schuhe auf dem Asphalt. Mit bequemem Rollen ist da nix, die Schuhe verhalten sich wie ein Brett. Ich habe keine Ahnung, wie sich das auf meine Knie auswirken wird - ich muss meine gesamte Lauftechnik umstellen. Meine Füsse reagieren und schwellen ziemlich an. Aber es ist gerade das Ziel dieser Schuhe, den gesamten Fuss zu aktivieren und nichts wegzudämpfen. Auf lange Sicht sollte sich das lohnen. Durch das endlose Wasser werden meine Füsse trotz Sealskinz Socken nass und dadurch folgen Blasen.  
      Das Schnürsystem der Schuhe ist wenig durchdacht. Die harten Schnürsenkel drücken auf mein Rist. Wenigstens rutsche ich in den Schuhen nicht umher, sonst wäre bald Feierabend gewesen. Das Gehen mit diesen Schuhen ist einfach anders als alles bisherige.

      Glücklicherweise gab es einen Weg weiter unten. 
      Dass Schnee liegt, ist Fluch und Segen zugleich. Natürlich rutscht man im Schnee, aber er dämpft eben auch. Dies hat wahrscheinlich meine Wanderung gerettet. Dennoch breche ich am folgenden Tag ab: Es ist zu viel Wasser in den Wegen und ich ertappe mich dabei, wie ich neben dem Weg gehe. Dies sollte man tunlichst vermeiden.
      Gerne lasse ich auch den Forstbetrieben den Vortritt, damit diese die umgestürzten Tannen beseitigen können. Ich werde bald zur Alexanderschanze zurückkehren und den Rest des Weges in Angriff nehmen. Von der Alexanderschanze gehe ich nach Freudenstadt.  
      Insgesamt hat mir der Schwarzwald sehr gut gefallen. Die Leute waren nett, die Landschaft ist grandios. Die Aussicht war wetterbedingt alles andere als grossartig, aber ich konnte die Vogesen ein paar Male sehen.

      Vom Schliffkopf aus sieht man gar unsere schönen Schweizer Alpen.
      Vom Jura aus sieht man immer wieder in den Schwarzwald und ich fragte mich seit ca. 30 Jahren wie es dort wohl aussehen würde. Nun habe ich einen ersten Eindruck davon. 
    • Von hans im glueck
      lws 4, am gurglbach rauf soweit es ging




      und den nächsten tag viel weiter runter.
      (obendrüber ist der loreakopf.)
       









       
       
       
       
       


       
      blaues lamm gabs



       
       
    • Von nah.tour
      Hallo liebe Community,
      ich beschäftige mich zur Zeit mit der Urlaubsplanung zwischen Weihnachten Neujahr und der ersten Januarwoche. Natürlich würde ich gerne wandern aber aufgrund der zu dieser Zeit vorherrschenden Witterungsbedingungen und aus Rücksicht auf meine Partnerin auf zelten verzichten Nun die Frage: Kennt jemand Touren in Deutschland oder Zugnahe bei der es erschwingliche Unterkünfte am Wegesrand gibt? Bei den meisten Touren wird man da ja leider arm bei. 
      Alternativ Vorschläge sind auch willkommen.
      Vielen Dank für eure Hilfe
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