Ich weiß, ich löse hier vermutlich eine Grundsatzdiskussion aus, die es in der ein oder anderen Form schon mal gab, aber die SuFu spuckt kein befriedigendes Ergebnis aus. Ich finde immer nur "Schuh XY oder Schuh YZ für Trail ABC, wo dann schnell über die spezifischen Unterschiede zw. den Herstellen usw. gefachsimpelt wird.
Deshalb versuche ich mal, einen Thema zu eröffnen, das kommenden Fragestellern eindeutige, möglichst allgemeinegültige Antworten bietet.
Also:
Es heißt ja, mann soll sein Schuhwerk den jeweiligen Umständen anpassen...
Dem würde ich, und die meisten anderen wahrscheinlich auch, in gewissem Maße zustimmen. Aber in wie weit?
Dass Trailrunner oder Trekkingsandalen fürs Schnnegestöber und Bergstiefel für den Flachland-Pilgerweg recht suboptimal wären erschließt sich von selbst, aber...
...BRAUCHT man Bergstiefel fürs Bergwanden, Trailrunner zum Trail-runnen und Trekking- /Wander-/ Leichtwanderschuhe oder -stiefel in Low, Mid und High fürs Trekking, Wandern, Leichtwandern auf Kurzstrecken, Langstrecken, Mittelkurz-Flachland-Asphalt-mit-zwischenzeitlich-mal-Hügeln-und-Wald-Strecken usw.?
Oder ist es reine Marketingstrategie? (EINSPRUCH!! SUGESTIVFRAGE!!)
Letztendlich ist es ja so: Man betritt einen Outdoorladen, schildert kurz sein Vorhaben, und sobald der Begriff "Berg" fällt, zaubert der freundliche Fachverkäufer einige Paare der obligatorischen Meindl, Lowa, Hanwag etc. Bergstiefel hinter seinem Rücken hervor und beteuert, dass man ohne B/C-Klasse Schuhen auch gleich vom Felsen springen kann. Sobald man nach den Leichtwanderstiefeln, Trailrunnern usw. schielt erntet man ein augenrollenbegleitetes Seufzen. (Ausnahmen bestätigen die Regel)
Die FAA´s (frequentlichst geantwortete Antworten ) diesbezüglich :
"Hauptsache die passen und du fühlst dich wohl drinne."
... sowohl Bergstiefel, wie auch Flipflops können passen und ein Wohlgefühl erzeugen. Aber keiner will mit Bergstiefeln am Strand sitzen und mit Flipflops den Berg rauf.
"Isch lauf alles mit Trailrunnern, war sogar auf dat Mount Everest und so damit, is alles gut gegangen immer, jo. Jeder der was anderes trägt ist ein medienverseuchtes Konsumkind, jo! Eigentlich is Barfuß am geilsten, aber da fehlen die duften Streifen anne Seite!" vs. "Ein Bekannter war mal umme Ecke spazieren, da is dem n Steinchen in den tiefen Schaft gefallen, jetzt isser tot. Seitdem tragich nurnoch Meindl Borneo. Aber die ohne GTX, Synthetik ist der Teufel! Ausser bei meinen Aktiv-Shirts und den Plastikflaschen, die sind jeil!"
... das berühmte Nebengebiete-Nazitum: "Einmal hatte ich Erfahrung X mit Person/ Artikel Y. Seitdem nie wieder! Wo ist meine Blitzkrieg-Kurzanleitung verdammt!!??"
"Nasse Füße ist natürlich, jeder der keine nassen Füße haben kann ist der Natur unwürdig!" vs "Nasse Füße? Das verursacht alles Böse auf der Welt! Weisste wer NIEMALS nasse Füße hatte? JESUS!"
...selbsterklärend?!
Also zu den (meines Erachtens) konkreten Fragepunkten bezüglich dieses Themas:
Halt: Haben die Profile von Schuhart XY tatsächlich grundsätzlich mehr Halt als die von Schuhart YZ, oder ist nicht einfach nur das Profil der Sohle entscheidend?
Steifigkeit: Ist die Sohle ab einem gewissen Steifigkeitsgrad nicht steif genug für 90% aller Unternehmungen? Entscheidet ab diesem Punkt nicht einfach die Balance und die persönliche Trittfertigkeit über diese Auswahl?
Umknicken: Passiert das wirklich so oft, so vielen Leuten? Wäre ein gezieltes Bein- und Fußmuskulaturtraining keine bessere Präventionsaßnahme, als einfach nur einen hohen Schaft? Warum gibt es keine empirische Studie zum Umknickverhalten der Menschen)
Vollleder, GTX etc.: Gibt es eindeutige Belege für die Typischen "Mythen"? Ich hab drei verschiedene Schuhe mit GTX, in den einen schwitze ich grundsätzlich nach einer halben Stunde, die anderen riechen nach nem Tag wie neu. Ich hab drei verschiedene Volllederschuhe, die einen sind ungewachst seit Ewigkeiten wasserfest und atmungsaktiv, die anderen nur gewachst wetterfest, die dritten kann man nur bei milden Klima und trockenem Wetter tragen, egal was man damit anstellt.
Schuhwahl: Gilt auch hier das "Die Kette ist nur so stark wie das schwächste Glied"-Prinzip und man sollte den Schuh nach dem maximalen Gefahrenpotenzial der Tour auswählen? Wenn ja, hat man nicht beinahe auf jeder Tour hin und wieder mal anspruchsvollere Stellen, für die man sich dementsprechend beschuhen müsste?
Spielt die ganze Schuhvielfaltsthematik nicht ab einem gewissen Punkt einfach nur mit der Urangst den "Boden unter den Füßen zu verlieren" und nicht mehr die uneingeschränkte Macht über unseren eigenen Körper zu haben? Ich meine dabei nicht die unteren und oberen Extrempunkte. Dass man mit schweren Schuhen im Flachland unnötig Kraft vergeudet und ordentliches Equipment fürs Bergsteigen braucht ist klar. Aber ist der Bereich dazwischen nicht einfach nur "Geschmackssache" ?