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Ultraleicht Trekking

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Anzeigen von Inhalten mit der höchsten Reputation auf 22.12.2021 in allen Bereichen

  1. Da unter anderem meine Kreationen ausschlaggebend für diese Schritte waren, will ich gerne folgendes Statement dazu beitragen. Vorher erst mal aber ein riesiges Danke an den vielen Zuspruch der hier schon kam! Ich war vor bald 10 Jahren auch Administrator eines mittelgroßen Forums und insofern wundern mich derartige Einschnitte in die Community. Da ich zudem viel meiner kostbaren Zeit in die Beiträge stecke und das bei 99% der Nutzer ja auch gut ankommt, ärgert mich dieser Post mächtig. Von der haltlosen Verwarnung/Anschuldigung, die ich erhalten habe ganz zu schweigen ... Ja, ich nähe viel und ja, ich stelle das auch auf multiplen Plattformen schön zur Schau. Aber ich habe weder vor das gewerblich zu machen, noch sonst irgendwie im großen Stil meine Projekte zu verkaufen. Auch hier im Forum gingen so maximal 'alte' Rucksäcke und Prototypen in den Verkauf. Getragen, genutzt oder getestet. Ansonsten bleibt es - trotz der vielen tollen Anfragen aus aller Welt - zumindest bei mir ein Projekt für Freunde, Familie und Bekannte. Ein Projekt in dem ich, gerade in der aktuellen Zeit, wo das normale Leben nur eingeschränkt stattfinden kann, viel Ausgleich zur tagtäglichen Arbeit mit und am Patienten finde. Und ich würde die entstandenen Kreationen gern auch weiterhin hier mit euch teilen.
    38 Punkte
  2. Moin! Ich finde diese Stellungnahme äußerst befremdlich. Als wenn sich das Ul-Forum vor Schleichwerbung und productplacement nicht retten könnte. Nach dieser Prämisse hätte es zum Beispiel keine Veröffendlichung von @FlorianHomeier genialen Tschum-Schnitten gegeben oder die super Rucksack-Entwürfe von @Andreas K. . Und wenn ich irgendwann mal ein Trapezo-mid oder ein simpel Tarp verkaufe, werden den alle meine bisherigen Inhalte gelöscht? Wenn dem so sein sollte, werde ich wohl meinen input in dieses Forum überdenken müssen. Weihnachtliche Grüße, -wilbo-
    35 Punkte
  3. Im Sommer 2021 (soweit man das Sommer nennen kann...) lief ich von Wien bis Nizza durch die Alpen. Auch wenn der Bericht vermutlich sehr lang werden wird, werde ich versuchen, zu jedem Tag ein paar Worte zu schreiben - auch um die Gelegenheit zu nutzen, mir jeden Tag nochmal in Erinnerung zu rufen. Zur Strecke: „Den“ Wanderweg von Wien bis Nizza gibt es nicht, vielmehr stellt sich jeder selbst seine eigene Route zusammen. Ich habe dabei versucht, möglichst auf bestehende Fernwanderwegen zurückzugreifen (vielen Dank nochmal für den Hinweis auf waymarkedhikingtrails aus dem Forum), weshalb sich meine Route am einfachsten anhand dieser Wege beschreiben lässt: Nordalpenweg 01 von Perchtoldsdorf bis zur Oberst-Klinke-Hütte über Rottenmann weiter entlang des Steirischen Rundwanderweges dann auf dem Salzsteigweg 09 bis Villach/Arnoldstein Karnischer Höhenweg ab dort bis Locarno folgte ich der Wegbeschreibung aus dem Rother Wanderführer Wien – Lago Maggiore von Martin Marktl von Locarno bis Domodossola entlang der Via del Mercato (soweit möglich) über Villadossola auf die gta (von Alpe della Colma bis Santuario Sant'Anna del Vinadio) über Col de la Lombarde und Col Mercière durch den Parc national du Mercantour auf den GR 52 (unterhalb des Col de Salèse) bis Saint-Dalmas de Valdeblore über den GR 5 weiter bis Nizza Auf der Karte sieht das in drei Abschnitte unterteilt (sonst wurde der gpx-Track zu groß) so aus: Wien - Villach: Villach - Locarno: Locarno - Nizza: Und hier noch ein paar Zahlen: Strecke: um die 1.900 km Höhenmeter (Aufstieg): 115.000 bis 120.000 (für den selben gpx-Track unterscheiden sich die Angaben je nach App beträchtlich) Wandertage: 75 Pausentage: 3 längste Etappe: 38 km meister Aufstieg: ~ 3.000 hm Baseweight: 6 kg gezeltet: 15 Nächte (+ 5 Nächte in Biwak o.ä.) Regentage: aufgehört zu zählen (zu deprimierend) Überraschungen am Wegesrand (aka Trail Magic): 1 hilfsbereite Menschen am Wegesrand (aka Trail Angels): unzählige Damit dieser Bericht jemals fertig wird, hoffe ich, dass ich es schaffe in den nächsten Wochen jeden Tag zu ein paar Etappen etwas zu posten. Und falls ich dann noch Energie habe (und Interesse besteht) würde ich ggf. gesondert noch etwas zu Planung/Vorbereitung und meiner Ausrüstung schreiben. Viele Grüße Berghutze
    33 Punkte
  4. Hallo Allerseits! Nutze mal diesen verregneten norddeutschen Sonntag, um euch von meinen beiden Projekten zu berichten. Nachdem ich mir vor etwa einem Jahr erfolgreich ein Tarp zusammengestümpert habe, dachte ich mir, ich probiere es einmal mit einem Rucksack. Mein alter GramXpert, den ich mir mal für den PCT zugelegt hatte, war dann doch nicht so meins und bevor ich mir wieder ein Backpack mit falscher Rückenlänge zulege, es aber zu spät merke, wollte ich lieber selbst Hand anlegen. Da Ikea ja unfreiwillig zur Bezugsquelle von so manchem Projekt wurde, dachte ich mir ich versuche mich mal an dem tollen "Tütenstoff". Da mit das Blau zu blau war, habe ich etwas in rot angefertigt. Inspiriert durch die Rucksäche von @Andreas K. habe ich nun folgendes im Schrank: Ging insgesamt dann doch recht gut, der Stoff ist mir allerdings zu flimselig und rutscht gerne mal beim Nähen weg. Die Seitentaschen sind aus Zeltboden, den ich noch übrig hatte und die Trageriemen aus doppelt gelegtem 3D-Mesh, in dem ich noch etwas Moosgumi für den Tragekomfort verbaut habe. Soweit so gut, dachte ich mir, aber ganz zufrieden bin ich dann doch nicht gewesen. Erstens ist er mir etwas zu Voluminös (Volumen: eine Bettdecke, zwei Wolldecken und zwei Sofakissen... Könnte also ein Dänisches Bettenlager damit ausrauben) und zweitens wirkt mir das Tütenmaterial mit den Nähten dann doch etwas instabil. Nach einem Besuch auf extremtextil, habe ich mich dann für ein schön graues X-Pac VX07 (165g/qm) und Ripstop (65g/qm) entschieden. Genäht habe ich mit Rasant 75. Das Ergebnis: Die Bodentasche ist aus irgendeinem Badeanzugsstoff, den ich mal lokal ergattern konnte. Genau wie der Stoff aus dem die Fronttasche besteht. Durch die schmaleren Seitentaschen braucht auch kein Bettenlager mehr zu zittern. Insgesamt bin ich super froh über das Ergebnis. Die Innennähte werde ich noch versiegeln und wenn meine neue Waage angekommen ist, kann ich auch etwas über das Gewicht erzählen. Ausgetestet wird das Ding dann in den kommenden Wochen.
    24 Punkte
  5. Auch der längste Weg beginnt mit einem ersten Schritt... Tag 0 (14.06.) Wien-Stephansdom bis Liesing, 12 km Es geht los. Ich kam pünktlich mit dem Zug in Wien an und fuhr weiter bis zum Stephansdom, den ich als Startpunkt für meine Wanderung ausgewählt hatte (ob man im Zentrum Wiens oder in Perchtoldsdorf startet, muss jeder für sich entscheiden). Um 17:12 Uhr machte ich die ersten Schritte und lief noch 12 km bis zu einem Hotel in Liesing. Die Vorstellung, dass ich mich jetzt tatsächlich auf dem Weg nach Nizza befinde, war irgendwie zu groß. Tag 1 (15.06.) Wien-Liesing bis Peilsteinhaus, 27 km Am Morgen brachte ich die letzten Kilometer durch Wien bis nach Perchtoldsdorf hinter mich, an den Rand des Wienerwaldes, wo der eigentliche Wanderweg (Nordalpenweg 01) beginnt – und so richtig nach Wanderung fühlte es sich auch erst ab hier an. Bei strahlendem Sonnenschein (genau genommen war es in den ersten Wochen wahnsinnig heiß, aber über Tage, an denen die Sonne schien, werde ich mich nicht beklagen) folgte ein gemütlicher Start durch den Wald und über Hügel, entlang von Waldwegen, Forststraßen und teilweise auch Asphalt - zum Einlaufen aber durchaus okay. Schon morgens bot sich ein erster Blick auf den Schneeberg (ganz in der Ferne), den östlichsten und nördlichsten 2.000er und mein Ziel in zwei Tagen. Gegen Mittag machte ich einen Einkehrschwung in Heiligenkreuz und füllte meine Wasservorräte für den weiteren Weg auf den Peilstein auf. Das Peilsteinhaus hatte an diesem Tag Ruhetag und leider war es mir bis zum Schluss nicht gelungen, eine zuverlässige Information dazu zu finden, ob es dort einen frei zugänglichen Wasserhahn gibt (ja, gibt es). Beim Aufstieg auf den Peilstein passierte mir dann mein erstes größeres Missgeschick: nicht nur, dass ich versehentlich irgendwelchen Trampelpfaden zu den dortigen Kletterfelsen gefolgt war, nein, eine meiner beiden Wasserflaschen stürzt ab und saust einen steilen Abhang hinunter. Mein kostbares Wasser! (zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass es am Peilsteinhaus den Wasserhahn gibt...) Als ich schon nicht mehr daran glaubte, fand ich die Flasche wieder, unbeschädigt und noch voll mit Wasser. Nach diesem Schreck entschied ich, den Wandertag zu beenden und machte um 16:45 Uhr Feierabend. Meine Beine und Füße fühlten sich kaputter an, als ich das sonst von Wanderungen kenne und außerdem war eine Blase im Anflug (ich habe noch nie auf einer Wanderung eine Blase bekommen) - keine Ahnung, was da mit meinen Beinen/Füßen los war. Am Peilsteinhaus trudelte dann noch ich einen anderen Wanderer ein, mit dem ich den Abend über quatschte und der sich ebenfalls um das Peilsteinhaus herum ein Schlafplätzchen suchte. Tag 2 (16.06.) Peilsteinhaus bis Waidmannsfeld, 28 km Auch an diesem Tag schien die Sonne. Zunächst ging es den Peilstein wieder herunter, durch Neuhaus hindurch und weiter nach Weissenbach an der Triesting, wo ich die Gelegenheit zu einem zweiten Frühstück nutzte. Schön, aber unspektakulär führte der Weg weiter bis zum Waxeneckhaus, wo ich eine ausgiebige Mittagspause einlegte. Dort traf ich nach dem Wirt in Weissenbach den nächsten sehr netten und gesprächigen Einheimischen, der mich ausgiebig über meine Wanderpläne befragte und dann zu einem Radler einludt :-). Im Verlauf des Mittags wurde es dann „wanderwegiger“ und ich war etwas überrascht, als es (im Vergleich zur bisherigen Strecke) auf einmal verhältnismäßig steil auf die Hohe Mandling hoch ging. Eine Aussicht gab es dort nicht und nach einem kurzen Päuschen, in dem ich mich ins Gras gelegt hatte, ertappte ich eine Zecke, die auf mir herumkrabbelte. So steil, wie es auf der einen Seite hochgegangen war, ging es auf der anderen Seite wieder herunter. Da ich noch nicht so recht wusste, wo ich übernachten sollte und wo ich Wasser herbekommen würde, war ich mehr als erfreut, als ich in Reichental an einem Selbstbedienungs-Biergarten mit zahlreichen Getränkeautomaten und einem Wasserhahn vorbei kam. Der Wasserhahn war zwar mit dem Hinweis „kein Trinkwasser“ versehen und das Wasser war ziemlich rostig - aber wozu hatte ich schließlich einen Wasserfilter dabei? Mit aufgefüllten Wasservorräten ging es dann weiter. Eine richtig gute Zeltmöglichkeit fand ich aber leider nicht. Umso erfreuter war ich, als ich feststelle, dass es in Waidmannsfeld, der nächsten Ortschaft, eine Pension gab und ich dort auch noch kurzfristig ein Zimmer bekam. Und die Pizzeria gegenüber war auch geöffnet. Was könnte man sich mehr wünschen? Zudem schienen meine Beine verstanden zu haben, dass jetzt laufen angesagt war und fügten sich in ihr Schicksal. Tag 3 (17.06.) Waidmannsfeld bis Fischerhütte, 21 km (1.800 hm auf) An Tag 3 war es dann vorbei mit gemütlich und es wurde alpiner. Obwohl es trotz eines frühen Starts ziemlich heiß war, war der Aufstieg auf den Plattenstein gut machbar, da der Weg fast vollständig im Wald verlief. Danach ging es weiter in der Höhe bis zum Öhlerschutzhaus, wo es Zeit für etwas Schatten und ein isotonisches Kaltgetränk wurde. Der Weg verlief weiter durch idyllische Landschaft, der Schneeberg rückte näher und es wurde allmählich bergiger. In der Edelweißhütte legte ich ein weiteres Päuschen ein. Dort war es allerdings wenig gemütlich, es wehte ein ordentlicher Wind und ein einziges Lied lief in Dauerschleife. Da sich meine Beine noch gut fühlten, entschied ich daher, noch zur Fischerhütte auf dem Schneeberg aufzusteigen. Am Schneeberg hatte ich – nach den Hügeln des Wienerwaldes - das erste Mal das Gefühl, vor einem „richtigen“ Berg zu stehen. Im Aufstieg ging es durch Felsen und es gab sogar ein paar seilversicherte Stellen. Die Aussicht von oben war fantastisch. Dass ich schon an Tag 3 meiner Wanderung einen so wunderschönen Abend in den Bergen verbringen würde, hatte ich nicht erwartet. Tag 4 (18.06.) Fischerhütte bis Karl-Ludwig-Haus, 18 km (1.600 hm auf, 1.800 hm ab) Vom Schneeberg (2.076 m) folgte ein ziemlich brutaler Abstieg zum Weichtalhaus (553 m), gefolgt von einem noch brutaleren Aufstieg über den Wachtelhüttelkamm zum Ottohaus (1.643 m). Das erste Stück des Aufstiegs war so steil, dass es von einer Leiter über die nächste nach oben ging – nichts für Leute mit Höhenangst. Vom Ottohaus ging es dann aber in Begleitung zahlreicher Freizeitwanderer über einen Panorama-Spazierweg gemütlicher weiter zum Karl-Ludwig-Haus. Etwas Sorgen bereitete mir allerdings, dass ich einen Einkaufsstopp in Neuberg an der Mürz fest eingeplant hatte – es jetzt aber so aussah, als ob ich dort an einem Samstag Mittag ankommen würde (der einzige Supermarkt dort schließt samstags um 13 Uhr). Ein einheimischer Wanderer, mit dem ich ins Gespräch kam, war skeptisch, dass ich es bis zu dieser Uhrzeit dorthin schaffen könnte. Dann legte er aber los: Zuerst telefonierte er mit den Damen vom Supermarkt, ob sie nicht meine Einkäufe für mich tätigen und im Gasthaus gegenüber deponieren könnten. Dazu waren sie grundsätzlich bereit, wollten aber nicht in Vorleistung gehen. Dann rief er die Wirtin des Gasthauses gegenüber an, ob sie bereit wäre, die Einkäufe entgegenzunehmen und das Geld dafür auszulegen – er würde bürgen. Schließlich verabredete er mit allen, dass ich am nächsten Morgen im Supermarkt anrufen und meine Einkaufsliste telefonisch durchgeben und die Sachen dann mittags im Gasthaus abholen und bezahlen würde. Hammer! Tag 5 (19.06.) Karl-Ludwig-Haus bis Neuberg an der Mürz, 18 km Trotz aller Arrangements, die für meine Einkäufe getroffen waren, startete ich am nächsten Morgen früh, da ich einen winzigen Funken Hoffnung hatte, dass ich es bis 13 Uhr nach Neuberg schaffen würde. Das war nur insofern ärgerlich, als man im Karl-Ludwig-Haus gezwungen wird, Übernachtung und Frühstück zusammen zu buchen und ich das bereits bezahlte Frühstück sausen lassen musste. Zunächst ging es über die Heukuppe (2.007 m), wo mir die ersten Gemsen begegneten. Und dann kam ein Abstieg mit zahlreichen seilversicherten Stellen (ist in manchen Karten auch als Klettersteig eingetragen), der es in sich hatte. Ich war ziemlich froh, als ich diese Kletterpartie heil überstanden hatte – um dann auf einem 4 m breiten, ebenen Fahrweg zu stolpern (vermutlich über meine eigenen Füße) und mich der Länge nach hinzulegen. Viel Zeit für eine Pause blieb aber nicht und so machte ich mich sogleich an den nächsten Aufstieg zum Schneealpenhaus und lief mit großem Bedauern an der Lurgbauernhütte vorbei, die definitiv so aussah, als ob sie eine Einkehr wert gewesen wäre. Auch am Schneelapenhaus hielt ich nur kurz an, um meine Wasservorräte aufzufüllen und stieg dann direkt über den Wanderweg 444 nach Neuberg an der Mürz ab, wo ich nach 6 ½ Stunden – und noch rechtzeitig, um im Supermarkt einzukaufen – ankam. Zwischendurch hatte ich einen tollen Blick zurück zu Heukuppe und Schneeberg. Hier ging es runter:
    22 Punkte
  6. Das Myog Forum wäre so viel ärmer ohne die Beiträge von fast-Profis oder Profis. Ob das jetzt Laufbursche im alten Forum, Wilbo, Andreas K, Florian oder andere sind. Ich hatte nie den Eindruck von Produkt Placement und ihre Beiträge sind sooo wertvoll. Sie teilen Wissen, das nur schwer zugänglichen und wertvoll ist und machen grandiosen Content für lau. Bitte liebe Mods, macht nicht das Herz der Community bei einer Hexenjagt kaputt. Sollte jemand übers Ziel hinaus schießen und offensichtlich Werbung machen, so wird sicher eine User-Beschwerde für diesen Fall kommen und man kann im Einzelfall eine Lösung finden. Ich möchte hier gern weiter von den besten lernen können, verscheucht sie nicht!
    20 Punkte
  7. Tag 6 (20.06) Neuberg an der Mürz bis Turnauer Alm, 28 km Nachdem ich in Neuberg an der Mürz nicht nur eingekauft, sondern auch meine Klamotten gewaschen hatte (das wäre generell ein Tipp: in Pensionen und Gasthäusern – insbesondere in von Frauen geführten - einfach nachfragen, ob man dort waschen kann; die meisten haben meine stinkenden Klamotten direkt in die Waschmaschine geschmissen und manche wollten nicht mal Geld dafür), folgte am nächsten Tag der nächste Aufstieg, bei dem es ziemlich durchs Gemüse ging. Der Nordalpenweg macht hier einen größeren Schlenker über Krampen, dessen Schönheit sich mir nicht erschlossen hat. Das nächste Mal würde ich daher direkt über den Wanderweg 481 aus Neuberg aufsteigen und dann wieder auf den Nordalpenweg einschwenken. Oben angekommen ging es erfreulicherweise nicht gleich wieder runter, sondern ein längeres Stück mit nur mäßigem Auf und Ab in der Höhe entlang. Und da der Gipfel praktisch auf dem Weg lag, machte ich noch einen kurzen Abstecher auf die Hohe Veitsch. Von der Hohen Veitsch ging es mit schöner Aussicht am Graf Meran Haus vorbei weiter bis zur Turnauer Alm, bei der ich das Gefühl hatte, dass es für diesen Tag genug ist mit wandern. Eigentlich ist die Turnauer Alm nur von Donnerstag bis Sonntag geöffnet, aber die beiden sehr netten Pächterinnen Manuela und Ute (die am nächsten Tag auch noch einen Geburtstag zu feiern hatten), erlaubten mir netterweise, mein Zelt dort aufzustellen. Und auch die Verpflegung auf der Turnauer Alm kann ich nur wärmstens empfehlen :-). Tag 7 (21.06.) Turnaueralm bis Schiestlhaus, 22 km An Tag 7 startete ich früh, da ich mir ein größeres Stück Weg vorgenommen hatte (und außerdem wurde es eh so früh hell). Es sollte in die Hochschwabgruppe gehen und ich wollte schauen, ob ich an diesem Tag noch über den Gipfel komme. Bis Seewiesen ging es recht unspektakulär weiter. Dort hatte jemand netterweise für durstige Wanderer Getränke im Brunnen kaltgestellt, nebst eines Kässchens für den entsprechenden Obolus. Und dann ging es Richtung Hochschwab, zuerst noch relativ langgezogen durchs Tal, dann folgte ein erster Aufstieg zur Voisthaler Hütte. Unterwegs fing es leicht an zu nieseln, hörte dann aber wieder auf. Dabei hatte ich in Seewiesen extra noch kurz die Wettervorhersage gecheckt, die gutes Wetter ankündigte. Und von dort ging es weiter nach oben Richtung Schiestlhaus. Es galt zahlreiche Schneefelder zu queren und ich war froh, nicht früher im Jahr gestartet zu sein und durch noch mehr Schnee stapfen zu müssen. Dem Schmelzwasser sei Dank konnte ich dafür meine Wasserflasche nochmals auffüllen – eigentlich gibt es dort überhaupt kein Wasser (auch das Schistlhaus hat keine Quelle). Gegen 15 Uhr kam ich im Schiestlhaus (etwa 30 min vor dem Gipfel) an. Eigentlich hatte ich geplant, dort ein längeres Päuschen einzulegen und noch am selben Tag über den Hochschwab wieder auf der anderen Seite abzusteigen und zu zelten. Dann bekam ich aber eine Lektion in Sachen Unberechenbarkeit des Wetters in den Bergen erteilt. Plötzlich nahm der Wind zu, es wurde immer dunkler, erste Hagelkörner fielen, in sekundenschnelle war der Nebel da (und nach kurzer Zeit auch wieder weg), dann fing es richtig an zu hageln und zu regnen. Nichts davon hatte der Wetterbericht vorhergesagt. Ich entschied mich spontan, die Nacht im Schiestlhaus zu verbringen... Hier würde ich mir das nächste Mal übrigens überlegen, statt auf dem Nordalpenweg über die Aflenzer Staritzen zum Schiestlhaus zu laufen (habe mehrfach gehört, dass dieser Weg angepriesen wurde). An diesem Tag war ich aber froh, nicht an einer ausgesetzten Stelle in das Unwetter gekommen zu sein. Tag 8 (22.06.) Schiestlhaus bis Eisenerz, 32 km (+ 2 Bonus-km für nicht auf die Karte schauen ) Morgens ging es bei klarem Himmel und Sonnenschein (und ordentlichem Wind) die letzten Meter auf den Hochschwab (2.277 m), den bisher höchsten Gipfel mit toller Sicht. Dann folgte eine wunderschöner, langgezogener und weitgehend knieschonender Abstieg Richtung Eisenerz. Päuschen am See. Hier traf ich eine Bäurin, die auf der Suche nach zwei Kühen waren und meinte, die seien neu hier und würden sich noch nicht so gut auskennen :-). Nur durch die Klamm ging es ganz schön steil runter. Als ich am Leopoldsteiner See ankam, war ich ziemlich kaputt, legte eine längere Pause ein und kühlte meine Füße im See. Ohne auf die Karte zu schauen lief ich nach der Pause entlang des Seeufers weiter – sehr schön, aber leider die falsche Richtung :-(. Und nicht nur, dass ich umdrehen und zurücklaufen musste, nein, nach Eisenerz musste ich auch noch einen kleineren Aufstieg hinter mich bringen, aber was blieb mir anderes übrig? Die letzten Kilometer nach Eisenerz zogen sich ziemlich, dort wurde ich dafür aber mit einer wunderbaren Dusche und einem gemütlichen Bett entschädigt und meine Wäsche wurde schon zum zweiten Mal gewaschen. An diesem Tag passierte ich zudem die imaginäre 200 km Marke. Damit waren schon gute 10% des Weges geschafft. Das ging schnell!
    18 Punkte
  8. Nachdem die unteren 5 Kammern aller drei Quilts gefüllt waren (dauert bei mir einen Vormittag), werden die je 11 Längskammern aller drei Quilts zusammengenäht. Das ist besonders in dem Bereich, in dem unten Längs- und Querkammern zusammenstoßen eine diffizile Arbeit. Ich habe für die drei Quilts einen Tag gebraucht. Jetzt wechsele ich ins Bad, hänge den Quilt auf und fülle alle jeweils 11 Kammern mit den abgemessenen Quantitäten. Auch dabei geht natürlich so manches Federchen daneben. Dann klammert man die Oberkante zu... ...stellt die Stichlänge etwas kürzer ein als für die Kammern... ...und näht den Quilt zu. Dabei gehen kaum noch Daunen verloren. So sieht der Quilt von oben aus... ...und so von unten. Alle drei Quilts haben ein beachtliches Bauschmaß. Jetzt braucht man nur noch drei Aufbewahrungssäcke aus (stabilerem) Moskitonetz. Die Packsäcke für unterwegs messen 13 cm im Durchmesser und sind 26 cm lang. Beim letzten Gewichtsvergleich kann man überprüfen... ...ob man wirklich genau gearbeitet hat. Fazit: Die Frage, warum bisher noch nicht viele DIYer einen Pseudokammerquilt angefertigt haben (und kein Hersteller das jemals tun wird), fällt mir nicht schwer zu beantworten: Es lohnt sich nicht, für eine minimale Gewichtseinsparung von 11,8 g das Kammerprinzip zu opfern und statt dessen die Daunen in einen mit Ministegen versehenen kammerlosen Container zu schütten und dann nach Bedarf aufzuschütteln. Die Fertigung mit knapp 300 Einzelstegen ist auch nicht dazu angetan, den Herstellungsprozess zu erleichtern. Ich habe für meine drei Quilts vier Tage gebraucht. Das ist sicher nicht der Maßstab, an dem man sich bei der Herstellung seines ersten Quilts orientieren kann. Aber das Einfüllen von Daunen in Kammern ist kein Hexenwerk, auch nicht unter der Nähmaschine. Deshalb möchte ich alle hier ermutigen, es einfach mal auszuprobieren und sich nicht von vermeintlichen Erleichterungen, die die spätere Funktion des Quilts garantiert negativ beeinträchtigen werden, verführen zu lassen. Denkt einfach mal drüber nach.
    16 Punkte
  9. Es ist 2 Uhr nachts und ich bin dann doch ein bisschen stolz auf mich: Nach langer Planung, einigen Nächten an der Nähmaschine und ein paar beinahe Nervenzusammenbrüchen ist er fertig: Der Prototyp meines ersten selbstgenähten Rucksacks! Mir graut es ein wenig vor der Arbeit, die die "richtige" Version mich kosten wird... Das war die Idee: Ein robuster UL-Rucksack mit variablem Volumen zw. 30L und ~50L, gepolstertem Hüftgurt, Load Liftern, Rolltop mit seitlichem Verschluss, einem Innenfach für eine gefaltete Matte 30x55cm, Top Strap, flachen Stretch-Aussentaschen und einem Schnitt mit möglichst wenig Nähten am Hauptmaterial bzw möglichst zusammenhängendem Schnittmuster. Als Materialien für den Prototyp habe ich ein altes Zelt ausgeschlachtet: Hauptmaterial für den Körper ist dunkler Zeltboden, die Aussenseite der Schulter- und Hüftgurte ist lilanes beschichtetes Polyester vom Aussenzelt. Für die Innenseiten der Gurte habe ich einen leicht dehnbaren schwarzen Stoff benutzt, der mir robust genug erschien und die Aussentaschen sind aus einem Stretchmaterial das ich ebenfalls noch zuhause hatte. Die Gewichte oder Namen der Materialien habe ich dadurch leider nicht. Zusätzlich verbaut ist 5mm EVA, 8, 10 + 15mm Gurtband und diverse Schnallen dafür von extremtextil und adventurexpert. Das gute Stück wiegt 377g (Gurte noch ungekürzt) Weitere Details, Muster, Fragen, Verbesserungen etc. dann morgen... Die Gurtbefestigung mit Loadliftern Rückseite Vorderseite mit durchgehenden Aussentaschen + 8mm Gurtband als Befestigung Fest vernähter Hüftgurt Maximal- und Minimalvolumen
    15 Punkte
  10. Tag 9 (23.06.) Eisenerz bis Hartelsgraben Jagdhütte, 28 km (1.900 hm auf) Von Eisenerz führte der Weg weiter nach Radmer an der Stube. Nur total langweilige Forstwege, die Wanderwege hatte man wieder zuwachsen lassen – das war der bisher mit Abstand unattraktivste Wegabschnitt. Einzig lohnenswert war die Aussicht auf den Lugauer. Auch Radmer an der Stube fand ich nicht besonders attraktiv, so dass ich dort nur eine längere Mittagspause im Schatten einlegte (immerhin gab es einen Bach, in dem man die Füße kühlen konnte), bevor ich mich an den nächsten Aufstieg über eine Flanke des Lugauer machte. Eine völlig unzutreffende Wegbeschreibung bei outdooractive („Forststraße bis zum Schoderkreuz“) hatte mich zu der Annahme veranlasst, dass der Weg nach oben praktisch ein Spaziergang werden würde (schon ein genauerer Blick auf die Karte hätte mich eines besseren belehrt). Den Wegabschnitt, der dann kam, habe ich ziemlich verflucht, es ging nämlich über völlig zugewachsene Pfade durch Wald und Wiesen. Im untersten Abschnitt zog ich in Anbetracht zahlreicher Brennesseln und Brombeerbüsche trotz der Hitze meine Regenhose an, die mir als das kleinere Übel erschien. Oberhalb der Baumgrenze ging es dann durch Fels und Geröll weiter und stellenweise wurde es ordentlich steil. „Forststraße“, sehr witzig, kann ich da nur sagen (oder komisches Verständnis davon, was eine Forststraße ist). Als ich oben ankam, war ich ziemlich erledigt. Das war der letzte Teil der "Forststraße" (wie steil es nach oben ging ist leider nicht zu erkennen): Dort oben konnte ich aber nicht bleiben (kein Wasser, kein Zeltplatz – zumal es in den Nationalpark Gesäuse ging), so dass ich wohl oder übel den Abstieg querfeldein über eine Wiese begann. Dort legte ich, weil ich aus Erschöpfung/Unkonzentriertheit ein Loch in der Wiese übersehen hatte, meinen zweiten Sturz hin, der aber zum Glück ebenfalls keine schlimmeren Folgen hatte. Auch der weitere Wegverlauf war nicht geeignet, meine Begeisterung für diesen Wegabschnitt zu wecken. In zahlreichen Kehren ging es eine Forststraße hinunter, die man zwar laut Wanderkarte abkürzen konnte. Die Einstiege waren aber so zugewachsen, dass mir unklar war, ob dieser Wanderweg überhaupt noch existiert. Ob meiner Verfassung wählte ich lieber den sichereren (aber längereren) Weg. Aufgrund des Zustandes der Wege hatte ich irgendwie das Gefühl, dass Wanderer hier unerwünscht sind. Da ziemlich klar war, dass ich es an diesem Tag nicht mehr bis zur nächsten Hütte (das wäre die Hess-Hütte gewesen) schaffen würde, begann ich mich nach einer Übernachtungsgelegenheit umzusehen. Ich hatte dabei zwar nicht das allerbeste Gefühl, entschied mich dann aber - auch in Ermangelung besserer Optionen - bei der Hartelsgraben Jagdhütte zu bleiben. Gegenüber der Hütte gab es einen Picknicktisch mit Brunnen und in der Nähe auch einen Bach, indem man sich waschen konnte (ist das schon #glamping?). Nachdem ich mich dort längere Zeit herumgetrieben und gewaschen und gegessen hatte, ohne dass sich auch nur eine Menschenseele hatte blicken lassen, entschied ich mich, auf der überdachten Veranda der Hütte zu schlafen und mein Zelt nicht aufzubauen – einerseits war ich dazu zu faul, andererseits dachte ich, dass ich so weniger auffalle und mich schneller aus dem Staub machen kann (ich wurde unterwegs ständig gefragt, ob ich so alleine nicht Angst habe – meine größte Angst ist tatsächlich, irgendwann mal morgens, von einem Jäger mit der Flinte in der Hand geweckt zu werden ). Nachts lernte ich dann, solche Entscheidungen in Zukunft besser zu überdenken... Über die Jagdhütte zog ein nicht angekündigtes Gewitter her, geweckt wurde ich vom Regen, der unter das Verandadach geweht wurde und bei genauerer Betrachtung war ich mir nicht sicher, wie dicht das Dach wohl ist. Zum Glück regnete es nur wenig, so dass ich nochmal mit einem blauen Auge davon kam. Tag 10 (24.06.) Hartelsgraben Jagdhütte bis Oberst-Klinke-Hütte, 24 km Nach dieser wenig erholsamen Nacht lief ich morgens schon mit müden Beinen los. Es folgte ein längerer Aufstieg durch die Sulzkaralm (700 hm, die ich zu diesem Zeitpunkt als „ordentlichen Aufstieg“ bezeichnete – worüber ich zwei Monate später nur müde lächeln konnte und mich wunderte, was für ein Weichei ich zu dieser Zeit noch war ), vorbei an einer beeindruckenden Felswand, die noch im morgendlichen Nebel hing. Ich traf auf einen Senn, der erzählte, dass er gerade alles für die Kühe fertig mache, die am nächsten Wochenende auf die Alm getrieben werden sollten. Das letzte Stück bis zum Sulzkarhund ging es ordentlich steil nach oben und schon um 8:00 Uhr lief der Schweiß in Strömen. Dafür wurde ich allerdings durch eine Gruppe Gemsen, die mit ihren Jungen unterwegs war, entschädigt. Alles was ich hoch gelaufen war, ging es dann auf der anderen Seite wieder runter. Im Tal wartete allerdings erstmal eine Naturkneippanlage auf mich, bei der ich länger rastete. Der Versuchung, in Johnsbach gleich die nächste Pause einzulegen, widerstand ich und machte mich an den nächsten Aufstieg zur Mödlinger Hütte (750 hm). Die Hütte fand ich irgendwie wenig einladend. Wenn ich noch bis zur Oberst-Klinke-Hütte weiterliefe, wäre außerdem der nächste Tag, an dem es bis Rottenmann gehen sollte, schön kurz. Daher legte ich nur ein kleines Päuschen ein, das sich zudem wenig gemütlich gestaltete, da ein starker Wind aufkam und unklar war, ob das Wetter hält. So brach ich schneller als gedacht zum letzten Stück Weg (nochmal 300 hm ab und dann wieder 300 hm auf) vor beeindruckender Felskulisse (müsste der Admonter Kalbling gewesen sein) zur Oberst-Klinke-Hütte auf. Die Kässpätzle dort kann ich nur wärmstens empfehlen und nachts schlief ich wie ein Stein. Tag 11 (25.06.) Oberst-Klinke-Hütte bis Rottenmann, 16 km Richtung Rottenmann lief ich die letzten Kilometer auf dem Nordalpenweg, den ich nach gut 260 km schon wieder verließ (was sich gut traf, da der nächste Abschnitt wegen Baumfällarbeiten gesperrt war). Schon gegen 10 Uhr morgens lief ich in Rottenmann ein und hatte fast so etwas wie einen Pausentag (neudeutsch auch Nearo genannt ;-)). Ich freute mich über ein ausgiebiges zweites Frühstück und fühlte mich wie im Paradies, denn in Rottenmann gab es vier (!) Supermärkte, in denen ich meine Vorräte aufstocken konnte (dabei war mein Rucksack gerade so schön leicht). Kleines Fazit zum Nordalpenweg: Der Nordalpenweg war ein wunderbarer Start für diese Wanderung, den ich jederzeit wieder wählen würde. Einerseits fand ich es toll, an den ersten beiden Tagen gemütlich aus dem flachen Wien über die Hügel des Wienerwaldes in die Berge zu laufen, andererseits war ich überrascht, wie schnell man dann so richtig in den Alpen ist. Mit dem Aufstieg auf den Schneeberg und über die Wachthüttelklamm und dem Abstieg von der Heukuppe geht es zwar ziemlich schnell zur Sache – wenn man dieses Stück Weg hinter sich gebracht hat, kommt aber lange nichts mehr, was einem Sorgen bereiten muss. Sehr gut hat mir auch gefallen, dass gleich mehrere Gipfel (Schneeberg, Hohe Veitsch und Hochschwab) auf dem Weg liegen. Da es relativ schnell relativ hoch hinaus geht, sollte man allerdings nicht zu früh im Jahr starten.
    15 Punkte
  11. Wie hoch ist denn die bisherige Anzahl solcher Anmeldungen? Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass irgendjemand den Aufwand einer ausführlichen Dokumentation seiner Arbeit, sowie der folgenden Kommunikation mit interessierten Usern für reine Werbezwecke auf sich nimmt. (Mit dem Profil bin ich doch bei Instagram, mit viel weniger Aufwand, besser aufgestellt) Auch würde reine „Scharlatanerie“ von den interessierten Nutzern dieses Forums schnell erkannt und als solches benannt werden. Ich vermute, dass derartige werbliche Bemühungen hier einfach ins Leere laufen würden. VG. -wilbo-
    15 Punkte
  12. Karnischer Höhenweg, ich komme! Tag 21 (05.07.) Villach bis Göriacher Alm, 30 km Ursprünglich hatte ich eigentlich gedacht, dass ich in Villach einen Pausentag einlege. Aber in der Woche zuvor hatte ich so viele kurze Wandertage (plus Wellness auf der Turracher Höhe), dass ich mich eigentlich gar nicht pausenbedürftig fühlte. Und so ging es direkt weiter Richtung Arnoldstein und Karnischer Höhenweg. Nachts hatte es in Villach noch ordentlich abgeregnet, aber die Wettervorhersage für die nächsten 3 bis 4 Tage war topp. Und obwohl es sich bei dem Weg wieder „nur“ um ein Verbindungsstück zwischen Salzsteigweg und Karnischem Höhenweg handelte, war die Etappe tatsächlich ganz nett. Es ging relativ schnell aus Villach raus, durch einen schönen Wald mit unzähligen Eichhörnchen und dann ein Stück an der Gail entlang bis nach Arnoldstein. Nur die nahe Autobahn störte etwas. Unterwegs legte ich mehrfach Einkaufsstopps ein (direkt am Weg liegen mehrere Supermärkte, in denen man eigentlich alles bekommt, was das Herz begehrt) und stockte meinen Proviant auf. Dabei dachte ich vor allem an das zusätzliche Gewicht in meinem Rucksack und versuchte, es mit den Einkäufen nicht zu übertreiben. Weiter ging es nach Thörl-Maglern, dem Ausgangspunkt für den Karnischen Höhenweg. Es folgte ein ordentlicher Aufstieg mit einer, wie ich fand, interessanten Wegführung: einfach geradeaus durch den Wald den Berg hoch - so bekommt man 1.000 hm schnell zusammen :-). Gegen 16 Uhr kam ich auf der sehr netten Göriacher Alm an, wo ich eine Einheimische traf, mit der ich mich länger unterhielt und die meinte, dass es kein Problem sei, wenn ich bei einer der Hütten zelte, sie würde dem Eigentümer Bescheid geben. Da es mir dort oben wirklich gut gefiel und Kühe, Pferde und Schafe nett zu sein schienen, beendete ich den Wandertag und baute mein Zelt auf. Obwohl abends noch ein paar dunkle Wolken aufzogen, hielt das Wetter. An solchen Schildern sollte ich noch oft vorbeikommen: Tag 22 (06.07.) Göriacher Alm bis Egger Alm, 26 km Morgens wurde ich von Sonnenstrahlen geweckt. Das Wetter war wie angekündigt gut (um nicht zu sagen wahnsinnig heiß) und es ging den Tag über zwischen 1.400 und 1.800 m abwechselnd die Hügel hoch und runter über zahlreiche Almen. Immer wieder gab es eine schöne Aussicht. So ganz war ich vom Karnischen Höhenweg aber noch nicht überzeugt, da sich niemand um die Instandhaltung des Weges zu kümmern schien. Im Wald musste man ständig über umgestürzte Bäume klettern (die nicht so aussahen, als ob sie erst gestern umgefallen waren) oder sich einen Weg drumherum suchen, was mit der Zeit ziemlich nervte. Und ich musste feststellen, dass auch der Karnische Höhenweg Schotterwege und sogar ein Stück Asphalt zu bieten hat. Irgendwie hatte ich an diesem Tag außerdem zu viel Sonne abbekommen. Auf den Almen gab es keinen Schatten und unter den wenigen Bäumen mit Schatten war alles voller Kuhscheiße, so dass ich meine Mittagspause in der prallen Sonne verbrachte, was mir den Rest gab. Nachdem ich zuvor noch etwas am Egger-Alm-See herumgetrödelt und mein Zelt getrocknet hatte (wobei es nicht einfach war, eine kuhscheißefreie Fläche in der Größe meines Zeltes zu finden), beendete ich gegen 16:30 Uhr den Tag auf der Egger Alm. Dort trudelten auch drei andere Wanderer ein (ein älteres Ehepaar und ein einzelner Wanderer), die ich den Tag über überholt hatte. Zunächst freute ich mich sehr, mal wieder auf andere Wanderer zu treffen – leider handelte es sich dabei aber um die unangenehmste Gesellschaft, die ich auf der ganzen Wanderung hatte. Der ältere Mann wäre glaube ich sehr nett gewesen – kam aber leider nicht zu Wort. Seine Frau hingegen, die überzeugt war, dass die auf den Schildern angegebenen Gehzeiten nicht stimmen können und niemand den Weg in dieser Zeit gehen kann (weil sie nämlich ungefähr doppelt so lang wie angeschrieben brauchte), erzählte eine Heldengeschichten aus ihrem Wandererleben nach der anderen (inklusive der Geschichte ihrer Darmentleerung an einem großen Stein bei Obersdorf). Der Typ hingegen war völlig planlos. Er war mit dem größten Rucksack unterwegs, mit dem ich jemals jemand in den Alpen gesehen habe, mit dem er nicht durch die Kuhgatter passte und den er nur aufsetzen konnte, indem er in die Hocke ging. Als ich ihn tagsüber getroffen hatte, erzählte er noch von 4.000ern, die er bei Zermatt besteigen wolle, abends dachte er schon über einen Tourabbruch nach. Interessant fand ich auch, dass er mit einem Baumwollkapuzenpullover unterwegs war, sich dann aber ganz kundig Gedanken darüber machte, wie viel Gramm Einsparpotential Spiritus gegenüber Gas bietet. Hike your own hike, kann ich da nur sagen... (und ein bisschen ultra-heavy-bashing musste allmählich auch mal sein ;-)). Tag 23 (07.07.) Egger Alm bis Zollnerseehütte, 36 km An Tag 23 machte ich mich früh aus dem Staub und kam zunächst an der Garnitzen Alm vorbei, die sehr nett aussah. Da ich es am Tag zuvor noch gut bis dorthin geschafft hätte, bedauerte ich etwas, nicht noch weitergelaufen zu sein. Aber irgendwie war ich nicht davon ausgegangen, dass dort geöffnet ist. Weiter ging es Richtung Nassfeld – ein Skigebiet eben. Dort legte ich am See eine erste Pause ein und machte Bekanntschaft mit einer Kuh, die nicht nur neugierig, sondern auch mutig war und mir immer weiter auf die Pelle rückte, um meine Stöcke abzulecken. Ab dem Abstieg zum Rudnigbach wurde die Etappe dann sehr, sehr schön. Ich lasse einfach die Bilder für sich sprechen. Wäre natürlich toll gewesen, in dieser Biwakschachtel zu übernachten, aber bis dorthin hätte ich es am Tag zuvor nicht mehr geschafft (und ich hätte viel Wasser mit mir herumtragen müssen). Es wurde alpiner, der Weg war wirklich toll und verlief an der Flanke des Berges (Blick zurück). Allerdings wehte zeitweise ein stark böiger Wind. An der Straniger Alm legte ich nochmal eine Pause ein. Da es noch früh war und ich mich noch gut fühlte, lief ich weiter bis zur Zollnerseehütte, wo ich genau passend zum Abendessen ankam. Dort traf ich auf eine sehr nette Wandererin, die gerade erst gestartet war, aber noch bis ins Wallis laufen wollte. Die Zollnerseehütte war auch die erste Hütte, auf der es ordentlich voll war. Auf dem Karnischen Höhenweg bin ich nicht alleine unterwegs.
    14 Punkte
  13. Tag 24 (08.07.) Zollnerseehütte bis Wolayerseehütte, 24 km (1.980 hm auf) Morgens startete ich gemütlich. Dann kam allerdings bald ein sehr, sehr langgezogener Aufstieg, gefolgt von einem sehr, sehr langgezogenen Abstieg über einen Weg, der nicht der allerschönste war. Diesen Hang galt es einmal komplett von unten nach oben und von links nach rechts zu queren, bevor es übers Grat ging: Leider war das Wetter an diesem Tag auch nicht das beste. Zwischendurch hatte ich das Gefühl, auf eine schwarze Wand zuzulaufen. Von der Scharte (Bild unten) war nichts mehr zu sehen. Ich hatte aber Glück im Unglück: als mich die erste Regenfront erreichte, hatte ich meine Regensachen schon an und war gerade auf der oberen Spielbodenalm, bei der ich mich unterstellen konnte. Der Regen kam derart schnell und heftig, dass man sonst bis auf die Unterhose durchweicht gewesen wäre, bevor man auch nur die Chance gehabt hätte, seine Regensachen anzuziehen. Bei durchwachsenem Wetter ging es weiter zur Unteren Valentinalm, bei der ich eine Pause einlegte. Dann folgte ein weiterer Aufstieg Richtung Wolayerseehütte. Dort gab es ungefähr unendlich viele Murmeltiere. Ich war im Glück . Bei Sonnenschein hätte man bestimmt noch mehr Murmeltiere gesehen, die faul auf den Steinen gelegen und sich gesonnt hätten. Irgendwann kam dann im Aufstieg ein Wegstück, an dem etwa drei Wochen zuvor eine Gerölllawine heruntergegangen war (in der Scharte von dem Bild oben). Der Abschnitt war aber zum Glück schon wieder freigegeben – einen Weg gab es dort aber nicht mehr wirklich. Man kam den Hang aber wunderbar über Schneefelder hoch, die sehr gut zu gehen waren, da überall auf dem Schnee Steine und Schutt lagen, die einem einen guten Halt gaben. Kurz bevor ich an der Wolayerseehütte ankam, fing es wieder an zu nieseln. Ich rannte das letzte Schneefeld herunter und um den halben See herum zur Hütte und schaffte es anzukommen, ohne richtig nass geworden zu sein – und sehr viel mehr konnte man an diesem Tag auch nicht verlangen. Tag 25 (09.07.) Wolayerseehütte bis Biwak Malga Campobon, 38 km Abends/nachts war noch ein ordentlicher Sturm über die Hütte hinweggezogen, wie ich ihn hoffentlich nie in einem Zelt erleben werde. Davon war aber am nächsten Morgen nichts mehr zu sehen und es herrschte eitel Sonnenschein. Zunächst stieg ich von der Wolayersee Hütte in einen schönen Almboden ab, wo merkwürdigerweise ein Fohlen zielstrebig auf mich zukam (die sind ja sonst eher Schisser). Ein zweites Fohlen wurde dann auch mutiger und kam dazu. Vermutlich hofften sie auf Salz. Es folgte ein erster Aufstieg über einen Hang, der stellenweise total abgerutscht und ziemlich nervig zu gehen war. Irgendjemand schien der Meinung gewesen zu sein, dass es genügt, Steine rot-weiß anzumalen, um einen Weg anzulegen. Obwohl ich mir fest vorgenommen hatte, besser auf den Weg zu achten, lief ich morgens auch mal wieder eine extra-mile (und extra 200 hm). Aber sonst wäre ich nie zu diesem schönen See gekommen... Auch der weitere Weg gefiel mir gut. Es kam wieder ein längerer Aufstieg und ging an beeindruckenden Felsen vorbei. Mittags traf ich dann leider eine Entscheidung, die mir erstmals auf dieser Wanderung schlechte Laune bescherte: Seit Tag zwei auf dem Karnischen Höhenweg war ich auf die Route des Rother Wanderführers „Wien – Lago Maggiore“ eingeschwenkt, der ich - in der Annahme und Hoffnung, dass sich der Autor bei der Routenführung etwas gedacht hat - bis Locarno folgen wollte. Der Empfehlung des Wanderführers folgend verließ ich den Karnischen Höhenweg und bog, statt in Richtung Hochweißsteinhaus weiterzugehen, auf die italienische Seite Richtung Rifugio Pier Fortunato Calvi ab. Zuerst erschien mir das auch noch eine gute Idee, da ich eine wunderschöne Aussicht hatte. An der Quelle des Piave kam ich auch noch vorbei. Dann wurde der Weg aber stinklangweilig. Nach einem kurzen Abstieg ging es auf immer der selben Höhe mit der selben Aussicht einen Fahrweg entlang und ich war sehr unglücklich darüber, den Karnischen Höhenweg verlassen zu haben, da ich glaube ich eine schöne Etappe verpasste. In dem Wanderführer stand was von einsam – ja, einsam war es, weil niemand sonst so blöd ist, diesen Weg zu gehen . Die einzige Erklärung, die ich mir für diese Wegführung zusammenreimen konnte, ist, dass das Hochweißsteinhaus ausgebucht war und der Autor des Wanderführers deshalb eine Alternative benötigte und auf die italienische Seite auswich. Das einzig positive, was ich dieser Route abgewinnen konnte, war, dass die Etappenaufteilung auf der österreichischen Seite ziemlich blöd geworden wäre, da ich schon am frühen Mittag beim Hochweißsteinhaus angekommen wäre, es aber am selben Tag nicht mehr bis zur nächsten Hütte geschafft hätte (und unter Umständen hätte ich auch das Problem gehabt, dass das Hochweißsteinhaus ausgebucht ist – das ist die kleinste Hütte auf dem Karnischen Höhenweg, die wohl ständig voll ist). Um diesen bisherigen Tiefpunkt meiner Wanderung möglichst schnell hinter mir zu lassen, entschied ich, einen Gewaltmarsch einzulegen und so weit zu laufen, wie ich nur kann, nämlich bis zur Malga Campobon, einem sehr hässlichen Biwak (das aber immerhin nichts kostete). Etwa 20 min bevor ich dort endlich ankam, stellte sich mir allerdings mein bisher größtes Hindernis in den Weg. Ich musste an einer riesigen Schafherde vorbei, die von einem Herdenschutzhund (weiß) bewacht wurde, der bellend auf mich zukam. Außerdem waren auch noch mehrere schwarze Hunde da, die mich ebenfalls anbellten. Ich wich ein Stück zurück und hoffte auf Hilfe von dem Hirten, der gerade bei der Herde war. Dann brach aber das ganz große Chaos aus. Bei den Schafen war auch eine Gruppe Pferde, die auf einmal in Panik geriet und über die Weide losgaloppierte. Dabei rannten sie den kompletten Weidezaun um, der Stange für Stange ausriß. Die schwarzen Hunde rannten alle den Pferden nach und ich entschied mich, erstmal abzuwarten, wie sich die Situation entwickelt. Der weiße Hund hatte sich in der Zwischenzeit neben den Weg gelegt und machte eigentlich einen ganz netten Eindruck. Mit vorsichtigen Schritten tastete ich mich voran und er ließ mich tatsächlich passieren, so dass ich diesen Wandertag gegen 19:30 Uhr endlich beenden konnte. Von dem Biwak aus hatte ich immerhin noch einmal einen schönen Blick in die Dolomiten. Tag 26 (10.07.) Biwak Malga Campobon bis Silianer Hütte, 26 km Nach einem kurzen Aufstieg ging es morgens über den Grat zurück auf die österreichische Seite auf den Karnischen Höhenweg und vorbei an der Porzehütte. Weiter ging es runter durch ein Tal und auf der anderen Seite wieder hoch. Dabei merkte ich, dass ich an den drei Tagen zuvor fast 100 km gelaufen war (plus den einen oder anderen Höhenmeter), denn meine Beine waren ziemlich müde und brauchten ständig Pausen. Ausgerechnet an diesem Tag wurde es dann recht alpin und die Wege eher anstrengend zu gehen, da es auch einige Zeit durch Geröll und Blockgelände ging. Unter anderem ging es vorbei am Großen Kinigat. Fast alle anderen, die unterwegs waren, gingen über den Klettersteig. Ich war kurz auch versucht, diesem Weg zu folgen, nahm dann aber weicheimäßig (bzw. vernünftig) den Wanderweg, was an diesem Tag die richtige Entscheidung für mich war. Der Weg führte in ständigem Auf und Ab über einige Gipfel, u.a. die Pfannspitze, mit 2.678 m der höchste Punkt auf dem Karnischen Höhenweg (immerhin den hatte ich nicht verpasst). Bei gutem Wetter hätte man von dort eine fantastische Sicht in die Dolomiten. Leider hatten sich zwischenzeitlich ziemlich dunkle, graue, tiefhängende Wolken gebildet – und das war es dann auch für lange, lange Zeit mit gutem Wetter und Sonnenschein. An der Obstansersee-Hütte (mit einer interessanten Getränkekarte) machte ich ein Päuschen, auch um mich aufzuwärmen, da es ziemlich frisch geworden war. Ich raffte mich dann allerdings nochmal auf und machte mich auf den weiteren Weg zur Silianer Hütte. Es ging wieder Auf und Ab, durch mehr Fels und Geröll. Immer wieder sah ich Reste von Stellungen und Schützengräben und es ging auch an einem kleinen Friedhof vorbei. Als ich endlich an der Silianer Hütte ankam, war ich ziemlich froh, kaputt und erledigt. Blick von der Silianer Hütte:
    13 Punkte
  14. Tag 17 (01.07.) Flattnitz bis Turracher Höhe, 19 km Auch für diesen Tag war Regen angesagt, so etwa ab 14 Uhr, und ich startete wieder früh. Irgendwie fühlte ich mich leider immer noch ein bisschen schlapp. Der Weg führte erst sehr einfach durch den Wald und dann über ein paar Hügel. Dort hatte ich auf einmal, womit ich überhaupt nicht gerechnet hatte, eine ganz unglaubliche Fernsicht auf die Karawanken, die plötzlich vor mir standen. Dann passierte ich eine Schafherde, die sich formierte und geschlossen auf mich zukam - mir war zunächst nicht klar, ob in friedlicher Absicht oder um mich von der Weide zu schubsen. Zum Glück waren die Schafe aber sehr freundlich und wollten nur ein bisschen an mir schnuppern (und manche auch knabbern). Da ich wohl nicht ihren Geschmack traf zogen sie bald wieder von dannen. Das Wetter zog allmählich zu, leider schon bevor ich an der Lattersteighöhe den Kammweg erreichte. In der dortigen Schutzhütte machte ich windgeschützt noch ein kurzes Päuschen und hoffte, von dem angekündigten Regen noch ein Weilchen verschont zu bleiben. Der setzte dann aber bedauerlicherweise schon deutlich früher ein als vorhergesagt und es wurde zum ersten Mal Zeit, meine Regenjacke anzuziehen. Windig und neblig wurde es auch noch. Ich trottete im Tran weiter und dann passierte mir etwas echt Blödes: ich stieg von der Gruft in die falsche Richtung ab. Nach ungefähr 400 hm fiel mir mein Missgeschick auf. Der eine oder andere kennt vielleicht das Gefühl, wenn man nach längerer Zeit mal wieder auf GPS/Handy schaut und feststellt, dass der eigene Standort ganz wo anders ist, als die geplante Route . Aber ich hatte nochmal Glück im Unglück. Da ich mich mitten in einem Wandergebiet mit total vielen Wegen befand, führte zum Glück ein Schotterweg mehr oder weniger auf meiner Höhe um den Berg herum zur Turracher Höhe, so dass ich nur mit 20 bis 30 min extra Fußmarsch bezahlen und nicht wieder alles aufsteigen musste. Dies verstand ich als ultimatives Zeichen, dass ich auch an diesem Tag keine neuen Streckenrekorde aufstellen sollte, sondern mietete mich auf der Turracher Höhe in einem sehr netten Hotel (Nockalm) ein und sattelte auf Wellness-Urlaub um. Nach zwei Saunagängen fühlte ich mich wie neugeboren. Tag 18 (02.07.) Turracher Höhe bis Wiedweg, 26 km Da auf der Nockalm gut gekocht wird, wollte ich mir das Frühstücksbuffet auf keinen Fall entgehen lassen – das allerdings erst um 8:00 Uhr losging und so legte ich den spätesten Wanderstart aller Zeiten hin. Bei gutem Wetter ging es durch die Nockberge, durch wunderschöne Hänge mit Alpenröschen und auch mal ein kurzes Stück an der Straße entlang (war aber noch okay). Nach einiger Zeit begegnete ich der ersten unfreundlichen Kuh, die, kaum dass ich einen Fuß auf ihre Weide gesetzt hatte, aufstand und mir schnaubend entgegen kam. Da mir das Ganze nicht nach einem freundlichen Empfang aussah, wollte ich die Kühe in einem Bogen umgehen. Leider durchschaute die Herde (darunter auch ein einjähriger Stier) meine Absicht und wollte mir den Weg abschneiden. Ich machte daher einen noch größeren Bogen und stieg durch Büsche und Steine etwas weiter nach oben auf - und entweder betrachteten die Kühe diesen Teil nicht mehr als ihr Territorium oder sie waren zu faul mir zu folgen, jedenfalls kam ich so unbeschadet weiter. Ich machte mich auf die Suche nach meinem Weg und folgte dem langgezogenen Aufstieg auf den Falkert, von dem aus man eine tolle Sicht auf die Nockberge hatte. Der Weg nach oben war zwar ganz nett, aber auch ein bisschen langweilig. Nockberge: Blick Richtung Großglockner oder Ankogel(?): Vom Falkert ging es weiter auf den Rödresnock, dann folgte ein strammer Abstieg Richtung Wiedweg, mehr oder weniger geradeaus den Berg runter. Im Wald wurde der Abstieg irgendwann ziemlich ätzend, da der Weg von schweren Waldarbeitermaschinen vollkommen zerstört war. Blick zurück zum Falkert: Als ich in Wiedweg ankam war es aufgrund meines späten Starts schon fast 18 Uhr. Eigentlich hätte ich an dem Tag gerne mal wieder gezeltet, aber dafür hätte ich noch einen ziemlich ordentlichen Aufstieg hinter mich bringen müssen, weshalb ich mich notgedrungen im einzigen Gasthaus vor Ort einquartieren wollte. Dort klappte mir fast die Kinnlade herunter: das Gasthaus war allen Ernstes ausgebucht! Ich war sonst meist der einzige Gast und musste gelegentlich erst den Rost aus den Rohren laufen lassen, weil schon so lange keiner da gewesen war. Ich hatte den Eindruck, dass auch die Wirtin nicht so recht wusste, wie ihr geschah. Aber die Österreicher sind einfach ein nettes Völkchen. Auf meine Frage, ob es irgendwo einen Bauern gibt, den ich fragen kann, ob ich bei ihm auf der Wiese mein Zelt aufstellen darf, schlug mir die Wirtin vor, einfach bei ihr im Garten zu zelten . Tag 19 (03.07.) Wiedweg bis Steinwender Hütte, 34 km Da ich gerne aus dem Garten verschwunden sein wollte, bevor die anderen Gäste aufstehen, ging es früh los und nach gut drei Stunden Aufstieg stand ich zunächst auf der Kaiserburg und dann auf dem Wöllaner Nock. Die Karawanken waren nun schon deutlich näher, allerdings war die Sicht nicht mehr ganz so gut. Großglockner? Ankogel? Über zielführende Hinweise wäre ich dankbar. Jedenfalls aber eine schöne Aussicht: Vom Wöllaner Nock stieg ich zügig nach Arriach ab. Dort kam ich gerade noch rechtzeitig an, bevor der Supermarkt zur Mittagszeit schloss – immer eine hervorragende Motivation für mich. Ich legte eine längere Pause ein und vertilgte mein frisch erstandenes Essen. Rund 24 km hatte ich schon auf dem Tacho, um den Tag schon zu beenden war es aber etwas früh. Ich lief daher drauf los, ohne genau zu wissen, wo ich einen Zeltplatz und Wasser finden würde, aber der Tag war ja noch lang. Der weitere Weg hinter Arriach war dann aber leider alles andere als ein Vergnügen. Zuerst ging es eine Stunde auf Asphalt und dann eine Stunde auf Schotterwegen den Berg hoch. Es gab zwar ein paar Plätze, auf denen man ganz gut hätte zelten können, aber kein Wasser. Mittlerweile war ich doch so ein bisschen kaputt und meine Motivation zu zelten war auch gesunken, da es nach Regen aussah. Dann fügte sich aber wieder mal alles ganz wunderbar. Ich kam zur Steinwender Hütte, über die ich kurz zuvor noch im Internet gelesen hatte, dass die Hütte nicht mehr bewirtschaftet sei. Mittlerweile hat die Hütte aber einen neuen Pächter, der zwar eigentlich noch nicht auf Übernachtungsgäste eingerichtet war, mir aber kurzfristig ein Zimmer herrichtete (mir hätte ja schon eine Ecke genügt, in die ich meine Isomatte legen kann) und auch erlaubte, die Dusche von ihm und dem Koch zu benutzen. Einfach Wahnsinn, wie vielen netten, hilfsbereiten Menschen ich auf meinem Weg begegnet bin! Tag 20 (04.07.) Steinwender Hütte bis Villach, 15 km Im Nieselregen ging es die letzten Kilometer bis Villach. Leider lief ich dort ausgerechnet an einem Sonntag ein, an dem natürlich alle Geschäfte geschlossen hatten. Trotzdem wollte ich mich aber lieber in Villach einquartieren, als direkt nach Arnoldstein weiterzulaufen. Ich freue mich auf solchen Wanderungen immer, zwischendurch mal wieder Stadtluft zu schnuppern (so lange die Stadt nicht zu groß ist) und futterte mich durch Villach. Zum Salzsteigweg: Dieser Abschnitt des Weges war – landschaftlich und von der Wegführung her - sicher nicht der schönste auf der ganzen Strecke (außer natürlich den wunderbaren Kammwegen um die Planneralm herum), aber abgesehen von dem Abschnitt durch das Sölktal, der mir als absolut ätzend im Gedächtnis geblieben ist, fand ich den Salzsteigweg okay zu gehen. Wer allerdings, sobald er nur einen Forstweg sieht, Ausschlag bekommt, der sollte sich vielleicht nach Alternativen umsehen. Man kann auf einer Fernwanderung mitten durch Europa und die Alpen (die eben keine Wildnis, sondern eine verhältnismäßig dicht besiedelte Kulturlandschaft sind) meines Erachtens aber auch nicht erwarten, dass man jeden Kilometer auf feinsten Wanderwegen läuft. Zudem gibt es in den Ostalpen nur wenige Fernwanderwege, die in Nord-Süd-Richtung verlaufen, so dass die Vorbereitung deutlich aufwendiger wird, wenn man jede Etappe mit der Landkarte in der Hand selbst planen möchte.
    13 Punkte
  15. ThomasK

    Impressionen von Touren

    Etwas spät im Jahr hat meine Skitourensession gestartet. 3 geniale Sonnentage am Riedberghorn 1100hm, Kampenwand 1200hm und Nebelhorn 1500hm. Nur die 2 Nächte waren grausig kalt bei -12 Grad.
    13 Punkte
  16. Tag 36 (20.07.) Meran bis GH Giggelberg, 20 km Meran hätte sich natürlich für einen Pausentag angeboten, aber irgendwie war mir mehr nach weiterwandern. Ein gemütliches Frühstück musste allerdings drin sein und so startete ich erst spät. Mit Schrecken stellte ich dann fest, dass Meran auf nur 340 m liegt und mir ein ordentlicher Aufstieg bevorstand. Nichtsdestotrotz verzichtete ich als eine der wenigen auf Bus und Seilbahn und machte mich zu Fuß auf den Weg. Der Aufstieg war ganz okay, vor allem verglichen mit dem schrecklichen, schrecklichen Abstieg vom Vortag. Ich kam allerdings ziemlich ins Schwitzen, denn das Wetter, das seit dem vorletzten Tag auf dem Karnischen Höhenweg ziemlich durchwachsen und in den Dolomiten eigentlich durchgehend schlecht gewesen war, zeigte sich von seiner besten Seite und es schien endlich mal wieder die Sonne. Das sollte die nächsten drei Tage auch so bleiben. Danach stand mir eine ziemlich üble Schlechtwetterperiode bevor – das wusste ich zu diesem Zeitpunkt zum Glück aber noch nicht. Etwa 10 min vor Erreichen der Seilbahn-Station (Hochmuth) hatte jemand dann ein wunderbar kühles und total leckeres Melissen-Getränk gegen eine Spende bereit gestellt. Bester Aufstieg aller Zeiten! Weiter ging es auf den Meraner Höhenweg. Die ersten 10 Minuten war Gänsemarsch angesagt, dann kam die erste Einkehrmöglichkeit. Es wurde zwar nicht einsam, aber von Alm zu Alm leerte sich der Weg immer mehr. Auf dem Höhenweg ging es gemächlich auf und ab, trotzdem war ich irgendwie total müde und beendete den Tag an dem wunderschön gelegenen Gasthaus Giggelberg. Von hier, wie auch von verschiedenen Aussichtspunkten auf dem Weg, hatte man einen wunderbaren Blick ins Tal, zurück nach Meran und auch in Richtung der Ortler-Gruppe, auf die es in den nächsten Tagen weiter zu gehen sollte. Einzig möglicher Kritikpunkt war, dass es in der Sonne etwas zu warm und im Schatten etwas zu kühl war. Am Gasthaus Giggelberg traf ich auf eine Gruppe E5-Wanderer, die lautstark von ihrer heldenhaften Alpenüberquerung berichtete. Darüber konnte ich nur müde lächeln – aber das behielt ich für mich . Tag 37 (21.07.) GH Giggelberg bis Goldrain, 29 km An Tag 37 fühlte ich mich wieder fit. Auf dem Programm stand das (für mich) letzte Stück Meraner Höhenweg und dann der Vinschgauer Höhenweg. Zuerst ging es durch die Schlucht der 1.000 Stufen (hört sich spektakulärer an, als es tatsächlich war). Dann folgte der Abstieg nach Naturns, da es zwischen Meraner und Vinschgauer Höhenweg leider keine direkte Verbindung gibt. Naturns verfügt über einen gut sortierten Supermarkt, weshalb ich dort meine Zuckerspeicher mit Eis, Schokolade und Tiramisu wieder auffüllte. Ein kurzes Stück ging es an einer ziemlich viel befahrenen Straße entlang, dann kam ich an einem sehr ansprechenden Bauernladen vorbei. Dort wäre es bestimmt gesünder gewesen, aber ich wollte nicht gleich den nächsten Fressstopp einlegen. In der größten Hitze machte ich mich an den Wiederaufstieg. Unterhalb von Schloss Juval ging es nach oben - Reinhold Messner traf ich aber nicht. Schon nach 200 oder 300 hm wurde es aber wieder gemütlich, da es einen Waalweg entlang ging (Waale: Bewässerungsanlagen im trockenen Vinschgau). Apropos Vinschgau: Falls irgendjemand nicht ganz klar ist, wo die Äpfel im Supermarkt eigentlich herkommen... So sieht das ganze Tal aus. Es ging kontinuierlich weiter nach oben. Unterwegs legte ich nochmals eine Rast an einer sehr netten Hofschenke ein, wo es außer eigenem Wein auch eigene Säfte gab. Der Tag war nicht spektakulär, aber irgendwie trotzdem schön – was nicht ganz unmaßgeblich an dem guten Wetter gelegen haben dürfte. Der Ortler rückte auch immer näher: Das gute Wetter wollte ich außerdem nutzen, endlich mal wieder zu zelten und hatte geplant, mir bei einer Ruine (Zuckbichl) ein schönes Plätzchen zu suchen. Und nachdem ich gegen 16:30 Uhr endlich alle Aufstiegs-Höhenmeter hinter mich gebracht und gerade nochmal 2 l Wasser extra zugeladen hatte, stieß ich auf dieses Schild: Ein Blick auf die Karte verriet, dass mir nur der Abstieg um rund 1.000 hm ins Tal blieb. Ich war ziemlich unglücklich und kurz davor die Gondel zu nehmen. Stattdessen nahm ich mir eine kleine Auszeit und telefonierte ein Weilchen mit einer Freundin, die mich zurecht darauf hinwies, dass ich mich später vermutlich ärgern würde, wenn ich jetzt die Gondel nehme. Schon wieder aufgemuntert und besser gelaunt stieg ich also nach Goldrain ab. Dort war alles ausgebucht oder sauteuer. Gegen 19:20 Uhr lief ich schließlich auf dem dortigen Campingplatz ein. Zum Glück traf ich noch den Platzwart an (eigentlich schließt die Rezeption um 19 Uhr), der zwar nicht sehr nett war, mir aber noch ein Plätzchen gab - wofür er mir 20 EUR abknöpfte, für einen wirklich nicht besonders tollen Campingplatz. Etwa eine Stunde, nachdem ich angekommen war und mein Zelt aufgebaut hatte, ging nebenan (Apfelplantage - was sonst) die Bewässerungsanlage an. Bis 2:30 Uhr. Bewässerungsanlagen können sehr laut sein. Ich weiß wirklich nicht, warum Leute auf Campingplätzen zelten. Man hat alle Nachteile, die mit Zelten verbunden sind, aber keinen der Vorteile. Irgendwie hatte ich mir das Ende dieses Tages anders vorgestellt. Tag 38 (22.07.) Goldrain bis Stilfs, 27 km Ich war wenig motiviert, gefühlt zum dritten Mal den selben Hang aufzusteigen (nach dem Aufstieg aus Meran und aus Naturns). Und so entschied ich, statt auf dem Vinschgauer Höhenweg (eigentlich wäre es dort nochmal eine ordentliche Tagesetappe lang gegangen) durchs Tal nach Prad zu laufen. Um nicht in der größten Hitze durchs Tal stiefeln zu müssen, startete ich früh. Zunächst wollte ich dem (laut Routenplaner) kürzesten Weg folgen, wurde dann aber mitten durch Apfelplantagen geschickt. Dort fühlte ich mich nicht so wohl, da ich Zweifel hatte, ob das im Sinne der Südtiroler Apfelbauern war und entschied mich für den Fahrradweg. Das stellte sich als ziemlich zäh heraus. Mit einem Podcast schaffte ich es aber bis Laas (~ 10 km). Zur Aufrechterhaltung der Moral legte ich dort eine Pause ein mit Stopps bei Bäcker 1 (Donauwelle, Cappuccino und frisch gepresster Orangensaft), Supermarkt (Schokolade und Limonade), Bäcker 2 (Schokocroissant, nicht lecker) und in einem Café (Cappuccino und gemütlich sitzen). Der Effekt von Koffein und Zucker war faszinierend. Das nächste Stück bis Prad (~ 10 km) liefen meine Beine in ordentlichen Tempo praktisch von allein . Es ging vorbei an Apfelbäumen, Apfelbäumen und Apfelbäumen. Ich bitte zur Kenntnis zu nehmen, dass ich versucht habe, diese möglichst abwechslungsreich zu fotografieren :-). Zwischendurch ging es immerhin auch mal ein Stück an der Etsch entlang, die hier erfreulicherweise nicht begradigt war. Da sich in Prad der letzte Supermarkt für die nächsten 90 km befand, stockte ich dort meine Vorräte auf (und das vor dem Aufstieg aufs Stilfser Joch...). Als ich gerade mein ebenfalls im Supermarkt erstandenes Mittagessen mampfte (und darüber philosophierte, dass die Anzahl der konsumierten Kalorien umgekehrt proportional ist zur effektiven Gehzeit), zog ein ordentlicher Platzregen durch Prad, aber ich konnte mich zum Glück unterstellen. Danach war es ziemlich schwül, aber ich machte mich dennoch auf den Weg nach Stilfs und brachte damit die ersten knapp 400 hm des Aufstiegs zum Stilfser Joch hinter mich. Hier quartierte ich mich - quasi zur Entschädigung für die Wegsperrung und den blöden Weg durchs Tal - in einem sehr netten Hotel ein, das zwar nicht ganz günstig, aber sein Geld definitiv wert war. Unterwegs bekam ich nochmal ein paar Tropfen ab, aber das Wetter hielt. Als ich dann schon im Hotel war, zog nochmal ein Gewitter durch, aber ich war dem Regen den ganzen Tag entkommen :-). Tag 39 (23.07.) Stilfs bis Lago di Cancano, 33 km Tag 39 war ein wunderbarer Wandertag, bei dem ich aus dem Strahlen nicht herauskam. Nach einem fantastischen Frühstück (ich hätte gerne noch mehr gegessen, aber dann wäre ich den Berg nicht mehr hochgekommen) ging es spät los. Die noch fehlenden 1.500 hm zum Stilfser Joch (bzw. für Wanderer zur Dreisprachenspitze auf 2.843 m) lief ich dann in einem Rutsch durch mit nur kurzen Fotostopps. Das Wetter war super, die Sicht auf den Ortler wurde immer besser und als Bonus gab es ein paar Murmeltiere. Irgendwann kam auch die Passstraße in Sicht, von der zum Glück nicht allzu viel zu hören war. Der Trubel am Stilfser Joch war unfassbar: Würstchenbuden, Souvenir-Stände und unendlich viele Motorrad- und Fahrradfahrer. Irgendwie war dieses Spektakel aber auch faszinierend und ich stieg die paar Höhenmeter von der Dreisprachenspitze zum Stilfser Joch ab, um die Veranstaltung aus der Nähe betrachten zu können. Auf der anderen Seite ging es dann – wieder in Ruhe und Einsamkeit – in ungefähr unendlich vielen Serpentinen für eine gute halbe Stunde durch die Schweiz weiter zum Umbrail-Pass und dann ein Stück hoch zur Furka-Scharte (Italien). Dort traf ich auf einen Schweizer, der die komplette rote Via Alpina wandern will und im Mai in Monaco gestartet war. Danach ging es nur noch abwärts Richtung Lago di Cancano, einem Stausee, der eine tolle Farbe hat. Dort kam ich ziemlich erledigt an, an diesem Tag hatte ich mal wieder zu viel Sonne abbekommen.
    12 Punkte
  17. Tag 12 (26.06.) Rottenmann bis Michelirlingalm, 32 km (1.900 hm auf) Erholt und mit frischen Beinen ging es aus Rottenmann raus. An den Tag hatte ich keine allzu hohen Erwartungen, da ich die Etappe im Wesentlichen als kurze und schnelle Verbindung zwischen Nordalpenweg und Salzsteigweg geplant hatte. Die ersten 2 ½ Stunden ging es dann auch wenig ansprechend entlang von Straßen den Berg hoch und es wurde Zeit für den ersten Podcast. Entlang der Straße wurden mir mehrfach Mitfahrgelegenheiten angeboten und es wäre bestimmt kein Problem, zumindest ein Stück des Weges per Anhalter zu fahren – ich wollte ja aber von Wien bis Nizza laufen (und zwar jeden Meter). Dann entwickelte sich der Tag aber zu einem der schönsten Wandertage, an die ich mich erinnern kann und die 2 ½ Stunden an der Straße schrumpelten in meiner Erinnerung zu einer unbedeutenden Randnotiz zusammen. Zuerst führte der Wanderweg zu einem Bergsee (Riednersee), an dem ich eine erste Pause einlegte. Danach ging es weiter auf die Seekoppe mit toller Aussicht, u.a. auf den Dachstein. Am Abend zuvor hatte es geregnet und nachdem es zuvor meist ziemlich diesig war, hatte ich an diesem Tag eine wunderbare Fernsicht. Von dort ging es wunderschön am Kamm entlang auf den Hochrettelstein. Der war dann eigentlich auch schon wieder eine Pause wert, ebenfalls mit toller Aussicht. Weiter ging es am Kamm entlang und zwar zum nächsten sehr lohnenden Blick auf Plannersee und Planneralm (gestört nur durch zwei nervige Instagramer mit Drohne, die vor den letzten kleinen Schneefeldern posierten). Am Plannersee schwenkte ich dann auf den Salzsteigweg 09 ein. Da der Tag so schön war und ich auch unbedingt mal wieder zelten wollte, ging ich von der Planneralm weiter, fand im selben Tal aber keine Stelle, die meinen hohen Ansprüchen an einen Zeltplatz genügte ;-). Daher ging es über die Karlspitze übers Grat weiter auf die andere Seite, wo ich erfreulicherweise einen Senn antraf, der gerade die erste Woche mit den Kühen auf der Alm war und Besuch von der Familie hatte. Den fragte ich, ob ich auf einem flachen Stück Rasen vor der Scheune mein Zelt aufbauen könne und wurde erstmal zu einem Bier eingeladen. Mein Vorhaben, von Wien bis Nizza zu wandern, wurde mit einer Mischung aus Kopfschütteln, Unverständnis und Bewunderung zur Kenntnis genommen. Zur Stärkung bekam ich Kuchen und Brot geschenkt . Ich weiß nicht, ob man sagen kann, dass den Kühen auf der Alm langweilig ist. Aber ich hatte durchaus den Eindruck, dass sie sich über Abwechslung freuen. Jedenfalls kamen die Kühe sehr neugierig zum Zaun, als ich mein Zelt aufbaute. Der einzige Wermutstropfen an diesem Tag war leider, dass nachts schon wieder ein Gewitter über mich herzog. Nach der Erfahrung am Hochschwab war ich allerdings so beschäftigt zu hoffen, dass es nicht hagelt (was es zum Glück nicht tat), dass ich gar nicht auf die Idee kam, mich vor dem Gewitter und den Blitzen um mich herum zu fürchten. Tag 13 (27.06.) Michelirlingalm bis Erzherzog-Johann-Hütte, 28 km Wenig erholt startete ich in den nächsten Tag und fand irgendwie den ganzen Tag über keinen ordentlichen Laufrythmus. Zudem war ich von diesem Wegabschnitt auch nicht besonders angetan. Zuerst ging es durch ziemlich zugewachsene Wege, die natürlich total nass waren und mir feuchte Füße bescherten, den Berg hinunter. Dann ging es einen Forstweg und die Straße entlang Richtung Donnersbachwald. Auch den nächsten Aufstieg fand ich wenig ansprechend, muss allerdings einräumen, dass der darauffolgende Abstieg ganz nett war. Aber dann kam das eigentliche Elend: in der größten Mittagshitze ging es wieder Forstwege und dann sogar um die 6 km an der Landstraße entlang und zwar durch das ziemlich viel befahrene Sölktal. Diese Wegführung empfand ich wirklich als Unverschämtheit. Das Tal wäre ohne die Straße bestimmt schön - ich würde allerdings empfehlen, das Sölktal nur motorisiert zu durchqueren. Immerhin kam ich abends zu einer sehr netten Hütte mit leckerem Essen (Erzherzog Johann Hütte), wo ich übernachten durfte, obwohl am nächsten Tag Ruhetag war. Tag 14 (28.06.) Erzherzog-Johann-Hütte bis St. Peter am Kammersberg, 20 km Ich ging den Tag relativ entspannt an, da ich als Ziel nur St. Peter/Kbg anpeilte. Zu diesem Zeitpunkt erschien es mir zu ambitioniert, bis Murau durchzulaufen. Wer seine Etappen anders aufteilen kann oder ein stärkerer Läufer ist, dem würde ich allerdings unbedingt empfehlen, es irgendwie bis Murau zu schaffen. St. Peter/Kbg ist (abgesehen vom dortigen Supermarkt) definitiv keine Reise wert. Direkt hinter der Erzherzog-Johann-Hütte begann der Aufstieg zur Haseneckscharte. Dort legte ich bereits eine erste Pause ein und unterhielt mich ausgiebig mit einem Wanderer, der mir beim Abstieg entgegenkam. In beide Täler hatte man vom Grat eine wunderschöne Sicht. Es ging weiter durch idyllische Landschaft und endlich blühten auch die Alpenröschen . Außerdem begegnete ich mehr neugierigen Kühen. Nach dieser vielen Zeit in den Alpen meine ich, durchaus Mentalitätsunterschiede zwischen österreichischen, schweizerischen und italienischen Kühen festgestellt zu haben . Man wurde dann aber leider wieder gnadenlos entlang von Schotterwegen, asphaltierten Wegen und Straßen geschickt. Ausgerechnet an so einer blöden Straße bog ich dann auch noch irgendwo falsch ab und drehte eine Ehrenrunde. In Sankt Peter/Kbg hatte ich dann aber schon wieder großes Glück und traf auf eine sehr nette Wirtin, die mich trotz Ruhetags in ihrem Gasthof (dem einzigen in St. Peter/Kbg verbliebenen, die anderen Unterkünfte, die ich zuvor im Internet gefunden zu haben meinte, waren geschlossen) übernachten ließ – und dazu noch meine Wäsche wusch (habe mich ja kaum getraut zu fragen, aber mein Odeur sprach wohl für sich ;-)). Tag 15 (29.06.) St. Peter/Kbg bis Troghütte, 27 km Mein erstes Etappenziel von St. Peter/Kbg aus war Murau, ein wirklich nettes Städtchen, mit schönen Cafés, großen Supermärkten, Bäckerei und sogar einem dm! Der Weg dorthin führte über die Storzalpe, relativ lange an Forststraßen entlang, über die Kuppe dann aber irgendwann auch über Wanderwege. Als ich beim Abstieg am Landeskrankenhaus vorbeikam hatte ich das Gefühl, fast schon in Murau zu sein, das letzte Stück dorthin zog sich aber ewig. In Murau legte ich eine längere Pause ein und bedauerte sehr, hier nicht übernachtet zu haben. Da es bis zur Murauer Hütte (die an diesem Tag aber ohnehin geschlossen hatte – Ruhetag) zu kurz, nach Flattnitz aber zu weit war, verließ ich Murau mit dem Ziel, mal wieder zu zelten. Leider hatte ich zuvor nur wenige zuverlässige Informationen zu Wasserquellen gefunden. Da es ziemlich heiß war, war mein Wasserbedarf allerdings enorm. So machte ich mich von Murau aus an den Aufstieg zur Frauenalpe, füllte am Bach meine Wasservorräte auf und trank so viel ich nur konnte. Vor der Murauer Hütte traf ich dann auf einen frei zugänglichen Brunnen, wo ich noch mehr Wasser in mich hinein schüttete. Im weiteren Verlauf des Weges, ein Stück nachdem der Weg zum Gipfel der Frauenalpe abgezweigt war (der Salzsteigweg führt am Gipfel vorbei), stieß ich dann auf eine Quelle, von der ich zuvor zwar gelesen hatte, bei der mir aber bis zum Schluss nicht ganz klar geworden war, wo sich diese Quelle befand. Hier trank ich natürlich noch mehr und lief – allmählich mit einem ziemlichen Wasserbauch – weiter. Nicht allzu weit vom Weg entfernt stieß ich nach einiger Zeit auf die Troghütte, eine (jedenfalls im Sommer) verlassene Skihütte, von der mir ein Einheimischer, den ich beim Arnika sammeln getroffen hatte, berichtet hatte, die aber auf meinen Karten nicht eingezeichnet war (die Hütte ist mehr oder weniger in der Nähe der Trogscharte und, wie gesagt, vom Weg aus zu sehen). Vor der Hütte gab es einen Brunnen, die ganze Wassertrinkerei und -schlepperei hätte ich mir also sparen können. Eigentlich wäre ich gerne noch ein Stück weitergegangen. Da ich mein Glück was die Zeltplatzsuche anging aber nicht überstrapazieren wollte, entschied ich bei der Hütte zu bleiben. Tag 16 (30.06.) Troghütte bis Flattnitz, 24 km Da für diesen Tag ab etwa 11 Uhr Regen und Gewitter angesagt war, startete ich früh und lief zügig, um über den höchsten Punkt drüber zu sein, bevor das schlechte Wetter kommt. Zuerst ging es durch von Alpenröschen gesäumte Wege, dann einen Bergrücken entlang, auf dem man nicht in ein Gewitter kommen möchte. Sehr unschön fand ich an dieser Gegend, dass die Weiden wohl früher mit Stacheldraht abgezäunt worden waren, der nun verrostet in den hohen Wiesen lag und kaum zu erkennen war – bis man drauf trat und sich die Beine verkratzte. Als ich gegen 9:30 Uhr am höchsten Punkt, der Prankerhöhe, ankam, sah es schon ziemlich düster aus. Ich stieg zügig ab und dann passierte – nichts, kein Regen, kein Gewitter. Irgendwie fühlte ich mich aber auf einmal total müde und schlapp. Ich stieg durch einen schönen, lichten Wald ab und hätte mich zwischendurch am liebsten ins Moos gelegt und geschlafen. Es erschien mir aber vernünftiger, zügig zur nächsten Ortschaft (Flattnitz) zu laufen, dort ein Zimmer zu suchen und einen ordentlichen Mittagsschlaf zu machen. Da der Salzsteigweg wirklich äußerst einfach zu gehen ist und ich in der Zwischenzeit auch einigermaßen eingelaufen war, hatte ich eigentlich gedacht, dass ich dort mal ein paar Tage einlege, an denen ich ein bisschen mehr Strecke mache – aber irgendwie sollte es nicht sein. Und ich hatte ja auch noch so viel Weg vor mir, dass ich es lieber nicht übertreiben und auf meinen Körper hören wollte.
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  18. Im 2019 habe ich diesen Trail gewandert, jedoch ohne Wüste. Die Wüste gilt als schönster Teil dieses Trails. Unbedingt mitnehmen würde ich: Sawyer S3 Wasserfilter. Du wirst grösstenteils durch Landwirtschaftsland laufen, wo es immer mal wieder nach Chemikalien müffelt. Es gibt auch überall Warnschilder. Mit dem S3 würde ich einfach alles Wasser filtern, dass ich nicht an Tankstellen etc. kaufen würde. Es gibt immer wieder Picknick-Plätze mit Wasser, aber wo das herkommt, ist manchmal nicht so klar. Baustellenhandschuhe, schnittsicher. Damit kannst Du Scherben, alte Dosen etc. von deinen Schlafplätzen gefahrlos beiseite räumen (was Du leider tun werden musst). Groundsheet ungefähr aus Kevlar und eine fette Schaumstoffmatte. Sonst halt deine AirMat x 3. Der Boden kann Ende Sommer steinhart sein. Ein paar Gramm mehr an Heringen zu investieren lohnt sich sehr. Auf keinen Fall würde ich Carbon/UL-Sammler:innenheringe mitbringen, es sei denn, Du hast wirklich zu viel davon und kannst dir erhebliche Verluste bequem leisten (eher unsinnig wegen LNT). Beduinenhut mit Nacken- und Ohrenschutz. Wegen Sonne. Tragen da auch alle Bauarbeiter:innen, Gärtner:innen etc. Sonnenhandschuhe Unbedingt lange und feste Hosen aus der tiefsten Bushcrafter-Abteilung. Sonst siehst Du nach wenigen km aus wie ein Junkie. Es gibt sehr dornige Büsche, europäische Brombeeren sind ein Witz dagegen. Im 2019 war der Trail teilweise überwachsen. Ich würde auch eher ein festeres Hemd anziehen als ein leichtes. Mit löchrigen Hosen zu starten empfiehlt sich sehr, sonst sind sie halt danach löchrig. Für die Strände: Badekleid/Bikini. Du wirst stundenlang durch Badende/Sonnende wandern. Es gibt wirklich für jeden erdenklichen Geschmack sehr viel zu sehen, Du kannst auch nicht zur Seite sehen, sonst rammst Du unweigerlich jemanden oder kriegst einen Ball ins Gesicht. Der Wasserlinie folgen, dort ist der Sand meist härter. Für den Besuch im Kibbutz und ähnlichem: Trekkingstöcke schlagbereit halten, es gibt immer mal wieder freilaufende Wachhunde. Den besten Ohrenschutz, den Du dir leisten kannst, idealerweise wohl jenen für Arbeiten im Steinbruch/Sprengen/mit dem Abbauhammer. Oder Du folgst einfach dem Sound bis zum nächsten Fest/Rave/Autostereoanlagen-Test und feierst mit. Eher ungünstig, wenn Du von der Wanderei müde bist und auch mal schlafen möchtest. Es kommt schon mal vor, dass an einem Campingplatz gemäss Guide eine grosse Party gefeiert wird. Oder kaum hast Du dein Camp eingerichtet, muss dein Nachbar doch noch seine Autostereoanlage einem Belastungstest unterziehen. Vorsicht vor allerlei Zäunen. Die Durchgänge durch die Kuhzäune sind viel enger als in Europa, da bleibt man schon mal hängen. Und natürlich würde ich niemals einen Zaun zu einem Dorf/Kibbutz etc übersteigen, auch nicht wenn der Weg bis zum Eingang lange ist. LNT: In Israel war im September das Graben von Katzenlöchern schlicht unmöglich. Entweder war der Boden sowieso felsig oder eben steinhart, weil trocken. Wenn Du dich streng an LNT halten willst, musst Du entweder auf die Verwendung von Klopapier verzichten (mittels Bidet/Wasser) oder Du trägst es raus. Falls es immer noch so ist wie im 2019 wirst Du dir dabei aber wie ein Idiot vorkommen. Andere lassen es auch einfach liegen. D.h. einfach alle und überall. Die gute Nachricht: Es ist so trocken/heiss, dass auch Kuhfladen etc. sofort austrocknen und nicht riechen. Wandern in der Nacht: Sehr wohl möglich, habe ich auch immer wieder gemacht. Mittlerweile gibt es sehr leichte rote Rücklichter zum Fahrradfahren, würde ich mir an die Rückseite des Rucksacks klemmen. Und natürlich die Kufia/Shemag zu Hause lassen. Mein Rucksack hatte orange Aussentaschen, hat wohl auch nicht geschadet. Je nach persönlich/politischen/religiösen An- und Einsichten: kleine Garten/Zweigschere. Damit kannst Du Bewuchs vor Gedenksteinen zurück schneiden. Für mich eine Frage des Respekts, es gibt beispielsweise einen Gedenkstein für Simon Wiesenthal. Da fühlte ich mich bemüssigt, das Gestrüpp davor mit blossen Händen auszureisen. Es wird empfohlen, in der Wüste Wasser zu cachen. Jedoch handelt es sich hier wohl eher um Folklore oder Geschäftemacherei, es gibt mehrere Leute, die gut durch die Wüste gekommen sind, ohne Wasser cachen zu lassen oder selbst gecached zu haben. Mir haben damals alle gesagt, es gäbe in der Wüste Ranger, die einen in der Nacht stoppen würden. Im September war dies aber die einzige Variante, um schnell durch die Wüste zu kommen. Die Webseite von Christian Seebauer kannst Du dir grad schenken. Zwar wird dort nicht direkt gelogen, aber es wird idealisiert, dass sich die Balken rollen, nicht bloss biegen. Meiner persönlichen Ansicht nach ist es eine Zumutung, die nahöstliche Gastfreundschaft gnadenlos auszunutzen, indem man ohne Geld wandert (Seebauer hat dies gemacht). Schon die Tatsache, dass ich mir einen mehrwöchigen Urlaub inkl. Flug leisten kann, verbietet es mir, andere Menschen um Nahrung oder Obdach für Lau anzugehen. Besonders in Arabischen/Palästinensischen Dörfern (aber nicht nur) sind die Menschen teilweise sehr arm und sie verdienen ihr Geld mit harter körperlicher Arbeit. Ich habe mein Geld dort eher grosszügig ausgegeben. Für Menschen aus dem arabischen Kulturraum ist es Pflicht, Fremde möglichst fürstlich zu bedienen, auch wenn sie anschliessend eine Woche lang nur noch sehr dünnen Tee trinken können. Ich habe erlebt, wie uns ein Familienvater alle Decken seines Haushaltes in die Hand gedrückt hat, seine Kinder hatten aber anschliessend gar keine Decken mehr (im Winter). Sowas geht einfach gar nicht. Natürlich wurde ich auch mehrmals in Kibbutz bewirtet, bis ich den Leuten fast Prügel androhen musste, weil ich einfach nichts mehr in mich reinstopfen konnte und sie wollten mir dann immer soviel essen mitgeben, dass ich einen 100 Liter Rucksack benötigt hätte. Seebauer schreibt nun auch, dass dieser Trail Dinge leisten kann, die der Camino nicht mehr bieten könne. Ruhe und innere Einkehr. Es empfiehlt sich durchaus, die Gedanken gegen innen zu drehen, möglicherweise regt man sich sonst zu sehr auf. Und nein, es geht nicht um politische Fragestellungen, sondern um den Müll in der Landschaft. Wenigstens liegt dieser einfach überall (egal wer in welchem Dorf wohnt) aber eben zu viel. Es gibt einen Energy Drink in Dosen, ähnlich RedBull, ich habe mich dabei ertappt, wie ich den selber gekauft habe, nachdem ich jeden Tag an hunderten dieser Dosen vorbei gekommen bin. Persönlich würde ich aber auch nicht auf einem Trail Selbstfindung betreiben wollen. Meiner Ansicht nach ist es vorteilhafter, die Energie gerade auf dem INT für Dinge wie ausgewogene Ernährung, genügend Flüssigkeitsaufnahme etc. zu verwenden und auf seine Umgebung zu achten. Dies ist auch deswegen notwendig, weil die Israelis den Trail gerne mit allerlei fahrbaren Untersätzen befahren (Motorräder etc). Der Trail führt manchmal über 4 x 4 Pisten. Israelische Wandernde praktizieren meist Cowboycamping, dies ist aufgrund der Temperaturen dort sehr angenehm - und man kann die Wildschweine so besser beobachten. Die Sicherheit auf dem Trail ist wohl beispiellos (zumindest wenn man daran glaubt, dass Waffen Sicherheit schaffen können). Leitungspersonen von Gruppen, Tageswandernde etc. sind alle bewaffnet, im Zweifelsfall eher grosszügig.
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  19. Tut mir leid, dass ich als derjenige, dessen Beitrag den Anlass für diesen Vorstoß der Moderatoren geliefert hat, mich erst jetzt melde. Das liegt nicht zuletzt daran, dass man zwar so frei war, mich fast wörtlich zu zitieren, es aber auf der anderen Seite nicht für nötig befand, mir davon auch Kenntnis zu geben. Um es kurz zu machen: mir bleibt der Mund offen stehen, wenn ich auf diese Weise den kaum verhohlenen und doch verdrucksten Vorwurf heraushöre, ich würde Schleichwerbung betreiben. Dieser Vorwurf ist meiner Meinung nach absurd, @wilbo, @Capere und etliche Andere haben aber alles Relevante dazu schon gesagt. Meiner Meinung nach gibt es hier im Forum ein massives Problem mit dem Messen mit zweierlei Maß, das in Zukunft dringend gelöst werden sollte! Beispiel: Vor etwa einem halben Jahr wurde hier ganz beiläufig gefragt: "Kennt jemand eine Naeherei in Deutschland die einen Auftrag von ca 100 Baumwoll-Tarps fertigen koennte ?" Nach Einschätzung von jemand, der es wissen muss -@FlorianHomeier- handelt es sich dabei um einen Auftrag im Umfang von etwa 60 000 €. Und ein solches Geschäft, das den Jahresumsatz einer kleinen Cottage um ein Mehrfaches übersteigt, wird hier so ganz "leicht und seicht" nachgefragt, ohne dass jemand der Moderatoren-Kollegen einschreitet? Und zugleich überzieht man diejenigen, die dieses Forum mit ihren Projekten mit Leben erfüllen mit haarspalterischen Vorwürfen? Das verstehe wer will! Ich verstehe es jedenfalls nicht und mache jetzt hier erst mal eine Pause. Es gibt zum Glück noch andere Foren.
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  20. Ich bin durch´s OCJ auf den Link gestossen, ich denke, gerade User, die auf Wasser unterwegs sind, wo das Wasser auch bademaessig genutzt wird, sollten das mal durchgelesen haben...
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  21. Da hänge ich mich mal dran: Es ist wichtig, dass der Hintergrund solcher Restriktionen erläutert wird. Sonst entsteht schnell der unangenehme Beigeschmack von Willkür.
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  22. Das ist unverständlich und genauso übers Ziel hinausgeschossen, wie zeitweise die ein oder andere Moderation. Vielleicht auch zwischendurch mal an die eigene Nase packen und fünfe gerade sein lassen, wie man im Rheinland so schön sagt...
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  23. Kürzlich habe ich für Freunde mal wieder drei Daunenquilts hergestellt und nehme das zum Anlass, die Erfahrungen dabei hier etwas ausführlicher mitzuteilen. Ich tue das nicht zuletzt, weil es im Forum vor einiger Zeit eine sehr angeregte Diskussion um ein neuartiges Kammersystem mit lückenhaften Kammerwänden gegeben hat, mit dem ich mich ebenfalls (wenn auch zu spät, um im dazugehörigen Faden noch teilzunehmen) auseinandergesetzt habe. Vorwegschicken möchte ich, dass ich absolute Hochachtung vor dem handwerklichen Geschick und Erfindergeist von @Caperehabe, aber aus Gründen, die ich hier mitteilen werde, nicht empfehlen kann, dieses Partial-Baffle-System anzuwenden. Der Grund für die Herstellung von Kammerwänden in daunenisolierten Ausrüstungsgegenständen ist jedem Nutzer eines klassischen Federbetts bekannt: Obwohl reichlich Isolationsmaterial vorhanden ist, wird man doch nicht richtig warmgehalten, weil die Federn, der Schwerkraft folgend, an den Seiten herunterrutschen und auf dem Rumpf, den man eigentlich warmhalten möchte, nur noch die leeren Stoffschichten zu liegen kommen. Dem sucht man beim klassischen kammergenähten Daunenschlafsack durch (von Kopf nach Fuß betrachtet) horizontale Kammern zu begegnen, in denen die Daunen festgehalten werden. Diese Isolation funktioniert im Beinbereich sehr gut, weil dadurch die Daunen im Fußraum konzentriert werden können. Weniger effektiv ist Querkammer allerdings im Oberkörperbereich, weil hier die Daunen immer noch seitlich herunterrutschen können und damit dort landen, wo man sie nicht braucht: neben dem Körper. Ambitionierte Quilthersteller sind deshalb in jüngerer Zeit dazu übergegangen, die Kammern ab dem Oberschenkelbereich wieder vertikal anzuordnen. Dadurch ist es perfekt möglich, die Daunen auf dem Oberkörper zu halten und ein seitliches Herunterrutschen zu verhindern. Ein Schema auf der Seite von Nunatak verdeutlicht das Problem - und zugleich die Lösung. Vor diesem Hintergrund kann ich nur schwer verstehen, wie man auf die Idee kommen kann, unterbrochene Kammern einzusetzen, die zwar durchgesteppte Nähte vermeiden, aber zugleich das Kammerprinzip insgesamt aufgeben und somit den Daunen gestatten, aus den dunkelroten in die hellroten und weißen Bereiche zu wandern. Und das wird passieren! Und zwar nicht als pessimistisch entworfenes Worst-Case-Szenario, sondern als absolut unvermeidliche Normalität im Umgang mit einem Pseudokammerquilt. Jeder Quilt ohne Kammern unterscheidet sich letztlich nur graduell vom oben genannten Federbett und muss ständig aufgeschüttelt und in Form gebracht werden, damit er seine optimale Isolationsleistung erbringen kann. Als Argumente für die Pseudokammern werden angeführt: 1. viel leichter durch eingespartes Kammermaterial 2. einfacheres Befüllen weil ohne Kammern Beide Argumente möchte ich hier jetzt entkräften, bzw. relativieren. Laut Schmusebaerchen aus dem ODS spart man rechnerisch 30 Gramm Kammermaterial, @Caperegeht von einer massiven Ersparnis aus. Für meine 1,90 m langen Quilts waren 15 Streifen Kammerwände à 5 cm nötig, die wogen 23 Gramm. Nach dem Abschneiden auf die richtige Länge gingen davon noch einmal 5 Gramm weg, sodass das gesamte Bafflematerial nur 18 Gramm wiegt. Davon kann man mit dem Pseudokammersystem effektiv etwas weniger als 12 Gramm einsparen, handelt sich aber einen Fertigungsaufwand ein, den ich mir nicht ausmalen möchte. Immerhin müssen etwa 250-300 Streifen im richtigen 5-cm-Abstand angenäht werden. Ob sich das - rein unter Fertigungsaspekten lohnt - muss jeder für sich beantworten. Unter dem Gesichtspunkt der späteren Nutzung, also der Notwendigkeit des regelmäßigen Aufschüttelns, lohnt sich diese Gewichtsersparnis wohl eher nicht. Der Pseudokammerquilt gehört vielmehr in eine Rubrik, die hier im Forum üblicherweise unter dem Label "Stupid Light" abgehandelt wird. Ich habe auf konventionelle Weise drei Quilts an einem Tag mit Baffles vorbereitet für die Daunenbefüllung. Jeder unbefüllte Quilt wiegt 118 g. Bevor ich zum Prozedere der Befüllung komme, noch ein Wort zum Material. Es mag sein, dass Argon 49 aktuell das leichteste Material ist. Im Unterschied zu seinen großen Brüdern Argon 67 und Argon 90, die ich beide schon häufig verarbeitet habe, ist das aber kein Ripstop-Material, was mich skeptisch macht. Ich habe mich deshalb für das etwas teurere 0.56 oz Membrane entschieden; einerseits weil das das aktuell leichteste Ripstop-Material ist. Andererseits weiß ich um die Haltbarkeit dieses Stöffchens, weil ich daraus vor zweieinhalb Jahren schon einmal zwei Quilts genäht habe, die bis heute tadellos ihren Dienst tun. Die Ripstop-Karos machen den Stoff zwar minimal schwerer, tragen aber auch zu höherer Festigkeit bei. Zum Befüllen habe ich insgesamt knapp 600 g weiße 95% Gänsedaune von Aliexpress verwendet (für 3 Quilts), mit der ich sehr gute Erfahrungen gemacht habe. Dann habe ich mir ausgerechnet, wie ich die Daune auf die insgesamt 16 Kammern je Quilt verteilen will. Der Akt der Befüllung ging bei mir ein zwei Schritten vor sich. Zuerst werden die unteren vier Kammern plus die Fußkammer befüllt, wie ich das schon früher mal beschrieben habe. Die Schwierigkeit liegt hier darin, dass man unter der Maschine Daunen in die jeweils 10 cm offen gelassenen Kammern einfüllen muss, die anschließend zugenäht werden. Dafür wiegt man die gesamte Daune... ...zieht dann den jeweiligen Betrag ab, den man per Hand entnimmt... ...und einfüllt. Dann wird die Kammer zugenäht. Klar, dabei gehen jeweils paar Daunen daneben, aber das ist kein Grund zur Panik, denn alle Daunen landen nach kurzer Zeit auf dem Fußboden und können dort nach Abschluss der Näherei aufgesaugt werden. Fortsetzung folgt.
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  24. Auch wenn ich bisher weder die Zeit noch die Muße hatte so viel MYOG zu betreiben sehe ich die halb-proffessionellen (eigentlich schon fast ein Beleidigung für die hohe Qualität) Beiträge als besonders wertvoll an, da sie Input für jeden Anfänger liefern und aufzeigen wovon man träumen kann/was man erreichen kann wenn man sich intensiv damit beschäftigt/sauber arbeitet. Wenn jemand annähernd zum Materialpreis verkauft (=selbst keinen Profit aus der Sache schlagen kann) dann soll er den Kram hier auch gerne verkaufen solange es sich um Einzelstücke handelt. Wieso nicht?? Mir ist noch nie aufgefallen, dass hier jemand geschrieben hat: nähe gerade rucksäcke, jeder der einen für xy euro haben möchte meldet euch.... Vorallem wo liegt da das Problem? Das fachsimpeln auf höchstem niveau bereichert das Forum/die Gemeinschaft ungemein. Wo würde das Forum ohne die entsprechenden User stehen? Die Produktwerbung/beschreibung von großen Herstellen kann ich mir auch bei globi und co durchlesen. Würde mich mal interessieren aus welcher Richtung die Diskussion angestoßen wurde. In meinen augen hatte das Forum bisher kein Problem damit
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  25. Tag 45 (29.07.) Juf bis Isola, 38 km Das Wetter war wie angekündigt wirklich besser. Genau genommen war es richtig gut. Darüber freute nicht nur ich mich, sondern auch ganze Murmeltierfamilien, die vor ihrem Bau saßen und sich sonnten. Ausgerechnet an diesem Tag ging es für mich aber das Averstal hinunter – in den Bergen hätte man morgens bestimmt eine super Fernsicht gehabt. Aber ich will mich nicht beschweren. Die Wegführung war schön und folgte dem alten Handelsweg durch eine beeindruckende (aber schwer zu fotografierende) Schlucht. Unterwegs traf ich auf zwei Rote-Via-Alpina-Wanderer, die aber beide nicht sehr gesprächig waren – die wurden dann halt ohne ein Schwätzchen zu halten überholt . Ab Innerferrera ging es wieder in Richtung Italien, zuerst einige steile Serpentinen durch den Wald und dann sehr gemächlich über Almen zum Passo di Emet (2.280 m). Vom Pass ging es vorbei am Lago di Emet und einmal halb um einen Talkessel herum, dann folgte der Abstieg zum Lago di Montespluga. Eigentlich hatte ich am See Feierabend machen wollen. Das Rifugio dort war allerdings maximal unattraktiv unterhalb der Staumauer gelegen, so dass ich mich entschloss, in den nächsten Ort weiterzulaufen. Ich schwenkte daher auf die alte, wunderschöne Via Spluga ein und lief noch weiter nach Isola. Das war ein ziemlich langer Tag, aber trotzdem war ich froh über meine Entscheidung, da ich in Insola in einem sehr netten Hotel unterkam (Locanda Cardinello, wenn ich mich recht erinnere). Tag 46 (30.07.) Isola bis Lostallo, 29 km An diesem Tag sollte es über den vorerst letzten Pass wieder zurück in die Schweiz gehen (war zwischendurch gar nicht so einfach, den Überblick zu behalten, wo man gerade eigentlich ist ), bevor ich auf die Zielgerade zum Lago Maggiore einschwenkte. Beim Aufstieg traf ich eine sehr nette amerikanische Familie, mit der ich mich auf dem Weg nach oben ausgiebig unterhielt und so war ich fast schon am Pass, bevor meine Beine überhaupt wussten, wie ihnen geschah. Leider war das Wetter schon wieder ziemlich trüb. Kurz nach mir kam einer der Jungs aus der amerikanischen Familie am Pass an (ich war schon weitergegangen). Und auf einmal rannten ALLE Ziegen, die oberhalb des Passes gegrast hatten, den Hang runter und auf den armen Kerl zu – warum auch immer. Ihm war ersichtlich (und nachvollziehbar) unwohl. Die Ziegen taten ihm aber zum Glück nichts. Nach dem Passo di Balniscio (2.353 m) kam – wie ich der Karte jetzt entnommen habe – ein weiterer Pass (Passo della Serraglia, 2.279 m), den ich unterwegs gar nicht als solchen wahrgenommen habe. Die Staatsgrenze befindet sich erst am zweiten Pass. Zwischen dem ersten und dem zweiten Pass hatten es die Italiener aber irgendwie nicht mehr für nötig gehalten, den Weg zu markieren. Auf der Schweizer Seite ging es dann zwar gut markiert, aber trotzdem anspruchsvoll weiter durch eine sehr rauhe, aber schöne Hochebene. Dort war ich längere Zeit auf der Suche, nach der richtigen Stelle, um den Bach zu überqueren. Das war die Kür, dann folgte leider noch die Pflicht. Ab Erreichen der Baumgrenze wurde es schrecklich, denn es ging einfach nur noch sehr, sehr steil nach unten. Das einzig gute, was ich dem Weg abgewinnen konnte, war, dass er eindeutig zu erkennen war. Unten angekommen waren meine Beine ziemlich kaputt. Ab da ging es dann weiter talabwärts Richtung Locarno – hier war nicht der Weg, sondern Ankommen das Ziel. Zuerst ging es ein Stück an der Autobahn entlang, dann aber etwas schöner an einer alten Bahnstrecke. Ich schaltete auf Autopilot und kam durch ein Dorf nach dem anderen, immer mehr oder weniger an der Moesa entlang. Zum Glück bemerkte ich gerade noch rechtzeitig die bisher größte Schlange, die sich einmal quer über den Weg gelegt hatte. Ich war fest entschlossen, in dieser Nacht wild zu campen, da es weit und breit keine bezahlbaren Unterkünfte gab. Eigentlich hatte ich gedacht, dass ich mir ein Plätzchen am Fluss suche und dort auch noch bade. Allerdings war dort alles ziemlich exponiert. Und gerade als das Wetter, das sich bis dahin gehalten hatte, immer düsterer wurde und erstes Donnergrollen zu hören war, führte der Weg in Lostallo am Dorfrand über einen kleinen Hügel an einer Kirche vorbei. Dahinter waren lauter grasbewachsene Terrassenstufen, die so aussahen, als ob dort nie ein Mensch vorbeikommt. Perfekter Zeltplatz. Ich hatte gerade mein Zelt aufgebaut als es anfing zu regnen. Glück gehabt! Tag 47 (31.07.) Lostallo bis Bellinzona, 25 km Obwohl ich wild gezeltet hatte, ging ich den Tag gemütlich an, da es keinen Grund gab, sich zu beeilen und wie vermutet kein Mensch an meinem Zeltplatz vorbeigekommen war. Wenn ich die noch fehlenden 48 km nach Locarno alle an diesem Tag gewandert wäre, dann wäre ich zur Belohnung Samstag abends in Locarno eingelaufen – und das ist das einzige, was noch blöder ist, als sonntags in eine Stadt zu kommen. Und in zwei Tagen wiederum lassen sich 48 km durchs Tal ziemlich entspannt laufen. Als ich wieder am Fluss war und sah, wie dort der Morgentau hing, war ich ziemlich froh, nicht dort gezeltet zu haben. Es ging weiter durch die Dörfer und in der ersten größeren Stadt (Roveredo) legte ich einen Fressstopp ein. Es war tierisch schwül und alles klebte. Als ich an einer kleinen Badestelle vorbeikam, war die Vorstellung, sich – wenn auch nur für 10 Minuten – frisch und sauber zu fühlen einfach überwältigend und ich machte eine kurze Badepause an der Moesa. Weiter ging es ins schweizerische Kanton Tessin, wo ich in Bellinzona den Ort aufsuchte, der immer kostenloses W-LAN hat. Dort stellte ich fest, dass meine Optionen für diese Nacht relativ beschränkt waren. Eigentlich hatte ich noch weiterwandern wollen, aber ab Bellinzona war die Gegend ziemlich dicht besiedelt (wild campen also eher schlecht) und der nächste Campingplatz noch 20 km entfernt. Außerdem war schon wieder das nächste Gewitter im Anmarsch. So entschied ich mich, in Bellinzona zu bleiben und bekam erfreulicherweise noch ein Zimmer in der Jugendherberge (die mit einer Münz-Waschmaschine ausgestattet ist!). Tag 48 (01.08.) Bellinzona bis Locarno, 23 km Wandertechnisch gibt es von diesem Tag eigentlich nichts zu berichten (es ging ewig lang geradeaus, dann einmal rechts und einmal links), außer dass ich in Locarno am Lago Maggiore angekommen bin - gerade noch so im Trockenen, bevor schon wieder der nächste Regen einsetzte. Mehr als 1.200 km sind geschafft! Tag 49 (02.08.) Pausentag
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  26. Die nächsten vier Tage sollte es durch die Dolomiten gehen, weitgehend entlang des Dolomitenhöhenwegs Nr. 9. Dieser Weg führt über den vorerst höchsten Gipfel auf dem Weg, die Piz Boè mit 3.152 m. Leider sah die Wettervorhersage für die nächsten Tage alles andere als gut aus: Ich wollte deshalb nicht gleich die ganze Routenplanung über den Haufen werfen, dachte aber, dass es vermutlich sinnvoll wäre, mal ein bisschen vorauszuplanen. Meine Überlegungen führten zu dem Ergebnis, dass es wahrscheinlich gut wäre, die Piz Boè möglichst früh morgens zu überqueren, wenn das Gewitterrisiko typischerweise am niedrigsten ist und am Tag zuvor dementsprechend auf der letzten Hütte vor der Piz Boè, dem Rifugio Kostner, zu nächtigen. Für einen Tag erschien mir der Weg dorthin etwas viel (38 km, 2.600 hm Aufstieg). Für zwei Tage hingegen ziemlich wenig – ich bin kein so Fan von Halbtagswanderungen, aber was will man machen... Tag 30 (14.07.) Cortina d'Ampezzo bis Rifugio Passo Valparola, 22 km Ich lief ziemlich früh in Cortina d'Ampezzo los, da war das Wetter noch am besten. Es ging in großem Bogen aus der Stadt raus, an zwei schönen Seen vorbei. Und dann wurde man allen Ernstes eine ziemlich steile Skipiste hochgeschickt – wtf? Hat total Spaß gemacht, das zu laufen . Weiter ging es unterhalb einem der Tofane entlang (eigentlich hätte der Astaldi Klettersteig auf dem Programm gestanden, den ich aber aufgrund der hohen Regenwahrscheinlichkeit cancelte). Und dann über ein schroffes Hochplateau. Das Wetter war durchwachsen, mal blitzte die Sonne durch, mal war es neblig und eine Regenwolke zog auch über mich hinweg. Außerdem hatte es ziemlich abgekühlt. Ich freute mich, wenn ich zwischendurch eine Sicht hatte und fotografierte, was es dann zu sehen gab. Das letzte Stück vor dem Rifugio Passo Valparola (unschön an einer Straße gelegen) ging es über viele Serpentinen ordentlich den Berg runter. Auf der Hütte kam ich schon ziemlich früh an, aber so ein Mittagsschlaf hat ja auch noch niemand geschadet. Nachdrücklich in Erinnerung geblieben ist mir auch das Menü auf der Hütte. Die Portionen waren derart reichlich, dass ich es nur mit Mühe schaffte, alles aufzuessen und das will was heißen . Tag 31 (15.07.) Rifugio Passo Valparola bis Rifugio Franz Kostner, 16 km An Tag 31 startete ich erstmals im Regen, der für die nächsten zwei Stunden anhalten sollte. Als es schon wieder aufgehört hatte zu regnen, ging es leider ein längeres Stück durch eine nasse Wiese mit hohem Gras - das war es dann auch mit trockenen Füßen. Außerdem hatte es ziemlich abgekühlt. Zwischendurch kam zwar sogar mal kurz die Sonne durch, mit toller Sicht war es allerdings leider nichts. Nebel kann ja aber auch stimmungsvoll sein... Aus Gewichtsersparnisgründen hatte ich die wasserdichten Überhandschuhe zu Hause gelassen. Durch die Kombination aus Kälte und Nässe waren meine Hände aber irgendwann derart durchgefroren, dass ich kein Gefühl und leider auch überhaupt keine Kraft mehr in den Fingern hatte, weshalb es mir bei einem kurzen Päuschen zunächst nicht gelang, den Hüftgurt meines Rucksacks zu öffnen und meinen Rucksack abzusetzen. Um mich aufzuwärmen machte ich auf einer Hütte nochmal einen kurzen Einkehrschwung, bevor ich den Aufstieg zur Franz-Kostner-Hütte begann (das erste Stück durch ein Skigebiet). Dort kam ich schon gegen 14 Uhr und damit für meinen Geschmack viel zu früh an. Am nächsten Tag soll es dann über die Piz Boè gehen und dann wird wieder mehr gewandert! Tag 32 (16.07.) Rifugio Franz Kostner bis Tierser-Alpl-Hütte, 24 km Bei einem Blick aus dem Fenster sah das Wetter am nächsten Morgen etwas freundlicher aus. Allerdings hatte ich Sorge, dass ich das Zeitfenster mit gutem Wetter beim Frühstück (das übrigens sehr gut war) verpulvere und machte mich bald auf den Weg Richtung Piz Boè. Die ersten 300 hm des Aufstiegs waren ziemlich stramm, da es dabei durch so ein hässliches Geröllfeld hochging, bei dem einem bei jedem Schritt die Steine unter den Füßen wegrieseln (eigentlich müsste man da einen Aufschlag von 30% auf die gelaufenen Höhenmeter machen). Aber während des Aufstiegs gab es eine Sicht! Das könnte möglicherweise ein Blick auf die Marmolata sein: Irgendwo so bei 2.800 m war dann aber Schluss mit Sicht und es ging in die Wolken/den Nebel. Auch auf der Piz Boè konnte man nur ein paar Meter weit sehen. Oben hatte es in der Nacht zuvor sogar geschneit. Zum Glück waren auf der Seite, auf der ich abstieg, schon andere Leute vor mir unterwegs. Das erleichterte die Wegfindung deutlich. Ab etwa 2.800 m wurde es erfreulicherweise auch auf der anderen Seite wieder heller. Durchs Geröll ging es nach unten. Leider ging es auch in sonstiger Hinsicht abwärts: Zuerst fing es an zu regnen (hörte aber auch wieder auf), dann ging es zum Sellapass an der Straße entlang, dort war dann für etwa 30 min Völkerwanderung angesagt (weiter entfernen Italiener sich offensichtlich nicht von ihrem Auto) und dann wurde der Weg ziemlich übel. In meinen Wanderführer stand was von einfach. Allerdings hatte das Wetter der vergangenen Woche die oberen 2 bis 3 cm des Weges in eine schlidderige Matschschicht verwandelt, die alles andere als einfach zu gehen war. Wenn man ausgerutscht wäre, wäre man zwar nicht in den Tod gestürzt, aber in diese Matsche wollte ich mich trotzdem nicht gerne setzen. Am Sellajoch bestand kurzzeitig die Hoffnung auf gutes Wetter: Besagter Matschweg: Die Frisur sitzt nicht: An einer Weggabelung hatte ich im Regen außerdem zwei Mädels getroffen, die ebenfalls von Wien nach Nizza wandern wollten und bereits am 04.06. gestartet waren. Da der Ort und das Wetter nicht das beste für eine längere Unterhaltung war, tauschten wir uns nur kurz aus und sahen uns dann leider nie wieder. Ich hätte gerne gewusst, wie es den zwei ergangen ist. Nach etwa einer Stunde durch die Matsche wurde der Weg wieder besser. Den nächsten Regenguss saß ich dann auf der Plattkofelhütte aus, bevor es weiter Richtung Tierser-Alpl-Hütte ging. Auf dem letzten Stück zogen dann leider wieder tief hängende dunkle Wolken rein und es fing an zu regnen und hörte auch nicht so bald wieder auf. Ich war ziemlich froh, auf einer Hütte übernachten zu können, auch wenn ich mich fast schon nicht mehr erinnern kann, wann ich das letzte Mal gezeltet habe. Tag 33 (17.07.) Tierser-Alpl-Hütte bis Bad Siess, 28 km An diesem Tag ging es schon das letzte Stück durch die Dolomiten. Morgens war es etwas heller und die Wolken hingen etwas weniger tief, dafür wehte aber ein total krasser, kalter Wind mit Böen, die das Potential hatten, einen aus dem Gleichgewicht zu bringen und bei dem es keinen Spaß machte zu laufen. Es ging vorbei am Rosengarten. Dann folgte ein ordentlich steiler Abstieg nach Völs am Schlern, wo ich eine Mittagspause einlegte. Dort gibt es einen gut ausgestatteten Supermarkt und direkt daneben auch einen kleinen Park mit Brunnen, in dem man sehr gut eine Rast einlegen kann. Für alle, die des Kartenlesens mächtig sind, das war der erste Teil des Abstiegs: Dann machte ich mich auf den Weg nach Meran. Damit verbundenen war eine Überquerung des Eisack auf 347 m (am Tag zuvor war ich noch auf 3.152 m gewesen ) sowie eine Unterquerung der Brennerautobahn. Dieser Wegabschnitt gewinnt bestimmt keinen Schönheitspreis und unten im Tal war es tierisch schwül. Schon bald kam ich aber an Weinbergen vorbei und ein nettes älteres Bauernehepaar schenkte mir Marillen. Beim Wiederaufstieg konnte ich ziemlich gut sehen, wo ich den morgen über abgestiegen war (bei dem Pfeil ging der Schäufelesteig runter, Eisack und Brennerautobahn bleiben dem Blick gnädig verborgen). Es ging weiter nach oben und ich kam an den Rittner Erdpyramiden vorbei. Eigentlich hatte ich noch bis Pemmern weiterlaufen wollen, aber dort war alles ausgebucht, so dass ich mich in Bad Siess einquartierte. Von dort hatte ich nochmal eine schöne Sicht Richtung Rosengarten in Abendstimmung:
    10 Punkte
  27. Hier werden mal wieder Probleme gelöst die keine sind... *Kopf gegen die Wandschlag-Smilie*
    10 Punkte
  28. Irgendwie schießt ihr hier mit euren Regulierungen - nicht nur bei diesem Thema - in letzter Zeit übers Ziel hinaus...
    10 Punkte
  29. zweirad

    Impressionen von Touren

    Dann liefere ich mal den Schnee. Ich habe die lange Schönwetterphase und meine Überstunden genutzt und verbrachte 3.5 Tage im Unterwallis. Bin mit meiner Winter-Packliste (6 kg Basisgewicht) und dem nigelnagelneuen AeonLi (mein Weihnachtsgeschenk an mich) von Visp nach Martigny gelaufen. Temperaturmässig bewegte ich mich zwischen -5°C und +5°C. Das schlimmste war jeweils das Aufstehen am Morgen. Leider musste ich dann 17 km vor meinem eigentlichen Ziel aufgeben da die Blase am Fuss (verdammter neuer Peregrine. Mit dem alten Peregrine war alles besser und problemloser) und den damit verbundenen Schmerzen einfach zu viel wurde und echt keinen Spass mehr machte. War ein tolles Erlebnis. Aber was soll ich gross quatschen. Anbei die Bilder welche für sich sprechen.
    10 Punkte
  30. Inspiriert durch dein Hoody habe ich mir die Tage nun auch einen geschneidert. 2m Alpha von Extremtextil haben für den Hoody und noch eine Art Weste ohne Kapuze und Ärmel gereicht. Der Hoody (ca. L) wiegt 129g und die Weste 56g. Ist super angenehmes und warmes Material. Ich bin nur noch etwas wegen der Belastbarkeit besorgt. Ich schätze Rucksackriemen scheuern ohne eine Verstärkung schnell durch. Mal sehen wie viele km er auf dem PCT im April durchhält. Ich habe meinen alten dünnen Fleece Pullover von Decathlon an den Nähten aufgeschnitten und die Teile dann einfach mit Nahtzugabe ausgeschnitten. Dann mit so Klammern aneinenander gesteckt und am Körper entspreched meinen Maßen angepasst. War als mein erstes Kleidungsstück insgesamt recht einfach aber trotzdem sehr zeitintensiv. Die Kapuze hätte ich vielleicht noch ein bisschen weiter machen können.
    9 Punkte
  31. Tag 40 (24.07.) Lago di Cancano bis Bivacco Pian del Lago, 35 km Die Wettervorhersage war mäßig und ich wanderte in ziemlich trübem Wetter los. Es war gleichzeitig diesig und neblig und vor allem hing irgendwie ein Schleier. Das Wetter färbte auf mein Lauftempo ab und ich war ziemlich lahmarschig unterwegs. Die ersten ~ 10 km war zudem weder der Weg, noch die Aussicht besonders toll. Etwas Abwechslung boten diese beiden Wachtürme, zwischen denen der Wanderweg hinunterging. Ab Arnoga wurde der Weg besser und es folgte ein Aufstieg durch das Val Verva, dessen Schönheit wetterbedingt nicht ganz zur Geltung kam. Kurz vor Erreichen des nicht allzu hohen Passes setzte Regen ein und ich dachte schon, dass ich den Tag in Eita beende, da ich auf dem nächsten Pass (Vermolera, 2.732 m) auf keinen Fall in schlechtes Wetter kommen wollte, da der Weg dort ziemlich ausgesetzt ist. Es hörte dann aber recht schnell wieder auf zu regnen und wurde etwas heller, so dass ich in Eita nur eine kurze Pause einlegte und mich doch noch an den Vermolera-Pass machte. Der Weg führte an mehreren Bergseen vorbei, die bei Sonne bestimmt wunderschön gewesen wären. Außerdem gab es zahlreiche Gebirgsbäche und viel unberührte Natur zu sehen und sogar noch ein paar Alpenröschen (die meisten sind schon verblüht). Das letzte Stück ging es durchs Geröll ordentlich steil nach oben. Zum Glück war der Abstieg auf der anderen Seite angenehmer zu gehen. Übernachtet habe ich dann im Bivaccco Pian del Lago, einer Schutzhütte, die immer offen steht und die ich zum Glück für mich allein hatte. Einen kleinen Schreck bekam ich, als plötzlich jemand mit Motorrad auftauchte. Das war zum Glück aber nur ein Bauer aus der Umgebung, der nach seinen Ziegen sehen wollte. Tag 40 war ausserdem der Tag, an dem ich meinen 1.000sten Kilometer zurücklegte. Mehr als die Hälfte ist geschafft! (erst/schon?) Tag 41 (25.07.) Bivacco Pian del Lago bis Poschiavo, 17 km Tag 41 war mal wieder einer dieser Tage, an denen es nur die Wahl zwischen einem sehr kurzen (über einen Pass bis in die Schweiz nach Poschiavo) oder einem sehr, sehr langen (auch noch über den nächsten Pass wieder aus der Schweiz raus nach Italien) Wandertag gab. Da sich in Poschiavo ein Supermarkt befindet, den ich fest eingeplant hatte (der Hungertod drohte noch nicht, aber Schokolade und Müsli wurden knapp), ich aber mal wieder an einem Sonntag in eine Stadt einlief und da ich außerdem an den Tagen zuvor viel gelaufen war, hatte ich eine gewisse Tendenz, in Poschiavo zu bleiben. Aber wie meistens dachte ich, ich laufe halt mal los und schaue, was passiert. Nachdem ich etwa 45 Minuten den Berg herunter gestiefelt war, kam ich in ein kleines Bergdorf namens Malghera, wo ich mich nach einem Kaffee umschauen wollte. Dort gab es auch ein Rifugio, in dem gerade das Frühstück in vollem Gange war - und da es nur 5 EUR kostete, entschied ich mich spontan für ein zweites Frühstück (und damit war die Entscheidung für Poschiavo eigentlich auch fast schon getroffen). Danach ging es dann über den Malghera-Pass (2.550 m) in die Schweiz. Das Wetter war leider wieder ziemlich trüb. Auf der italienischen Seite führte der Weg an einem weiteren Bergsee vorbei, auf der Schweizer Seite zog sich der Abstieg dann ziemlich. Unten im Tal ist Poschiavo, auf der anderen Seite sollte es dann am nächsten Tag wieder hoch gehen: Zwischendurch zeigte sich die Sonne kurz, da verspürte ich gleich neue Wanderslust. Aber dann wurde es wieder grau und dunkel und ich entschied mich endgültig, in Poschiavo zu bleiben – ausgerechnet in der Schweiz, um die sonst alle einen Bogen machen. Ich fand allerdings ein Hotel, in dem mir die Wirtin einen äußerst anständigen Preis machte (70 Franken für Übernachtung und Frühstück – und zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, was mich da für ein fantastisches Frühstück erwartete). Nur das Wetter fing allmählich an, etwas zu nerven. Irgendwie schien es auf dieser Wanderung nur zwei Arten von Wetter zu geben: total krasser Sonnenschein, bei dem ständig Hitzegewitter drohen oder trübes Wetter mit grauen Wolken und ohne Sicht, bei dem man nie weiß, ob es hält. Ein stabiles Hochdruckgebiet mit gelegentlichen Schönwetterwolken – das wäre mal was! Tag 42 (26.07.) Poschiavo bis Rifugio Zoia, 18 km Schon bevor ich losgewandert war, hatte ich mich gefragt, wann wohl mein erster Tiefpunkt kommen würde und hatte vollkommen zutreffend vermutet, dass dies wohl nicht zuletzt vom Wetter abhängen würde. An Tag 42 war es dann so weit... Dabei war der Start in den Tag eigentlich nicht schlecht. Das Frühstück im Hotel war das beste, das ich auf der ganzen Wanderung hatte (eine riesige Käseplatte, nach Wunsch frisch zubereitete Eierspeisen, Obstspieße, ...). Und der Supermarkt, in dem ich morgens noch einkaufen war, hatte eine super Auswahl, es gab sogar Milchpulver. Allerdings lief ich dadurch effektiv auch erst um 9 Uhr los. Nachdem es nachts noch ziemlich gewittert hatte, war die Sicht zu dieser Zeit besser als erwartet. Allerdings stand ein ordentlicher Aufstieg mit 1.600 hm auf den Campagneda-Pass (2.628 m) bevor, es sollte wieder nach Italien gehen. Zwischendurch ging es über die schöne Alp Cancian – da möchte man Kuh sein (außer es ist Gewitter). Als ich am Pass ankam war nichts mehr mit guter Sicht. Vom Piz Bernina (einziger 4.000er in den Ostalpen) bekam ich jedenfalls nichts zu sehen. Rechts: Schweiz und schweizer Wegweiser, links: Italien und italienischer Wegweiser Ich machte mich an den Abstieg, vorbei an weiteren Bergseen, an denen es bei Sonnenschein bestimmt wunderschön gewesen wäre, in denen sich an diesem Tag aber nur der trübe Himmel spiegelte: Gegen 15 Uhr fing es an stärker zu regnen, dann auch zu donnern und es wurde neblig. Da ich gerade in der Nähe des Rifugio Zoia war, kehrte ich dort ein und wollte erstmal abwarten, wie sich das Wetter entwickelt, eigentlich hatte ich noch 2 oder 3 Stunden weiterlaufen wollen. Nach einer halben Stunde strömendem Regen und Nebel entschied ich dann, dort zu bleiben. 15 Minuten später wurde es wieder heller und der Regen hörte auf, aber da hatte ich mich schon auf einem Zimmer einquartiert... Ich fühlte mich vom Wetter, das allmählich ziemlich nervte, etwas verarscht. Außerdem bedauerte ich sehr, ausgerechnet auf diesem Wegstück so schlechtes Wetter zu haben, da ich von der Planung natürlich auch Fotos kannte, wie es dort bei gutem Wetter aussieht – das war für mich aber leider nicht im Angebot. Zum Glück hatte ich auf der Hütte sehr nette Gesellschaft von zwei Schweizern, die mich von meiner schlechten Laune ablenkten und wieder aufheiterten. Tag 43 (27.07.) Rifugio Zoia bis Chiareggio, 18 km Zu diesem Tag gibt es eigentlich nicht viel zu sagen, außer: Regen. Die ganze Zeit Regen. Das war der Tag mit dem bis dahin mit Abstand schlechtesten Wetter (da hatte ich ja aber auch Tag 44 noch nicht erlebt). Ich lief in Regen und Nebel los und ich kam im Regen an, mal regnete es etwas mehr, mal etwas weniger – da hätte ich auch am Tag vorher weiterwandern können. Zwischendurch blitze und donnerte es auch noch. Kleine Rinnsäle, die über Wege fließen und sonst vermutlich mit einem Schritt überquert werden können, hatten sich in knöcheltiefe, ernstzunehmende Bäche verwandelt, die es zu durchwaten galt. Daher entschied ich mich, in Chiareggio, dem letzten kleinen Bergdorf auf italienischer Seite, zu bleiben und lief schon wieder nur eine kurze Etappe. Sonst hätte ich 1. noch über den nächsten Pass (2.628 m) müssen und hätte dann 2. folgende Übernachtungsalternativen gehabt a) Hotel in Maloja für 160 Franken aufwärts oder b) zelten. Da ich mir nach der Durchquerung des Baches über nasse Füße keine Gedanken mehr machen musste, erschien mir nichts davon besonders attraktiv. Nur den Name des Alimentari gegenüber meiner Unterkunft in Chiareggio fand ich ganz unterhaltsam. Tag 44 (28.07.) Chiareggio bis Juf, 31 km (2.350 hm Aufstieg) In Chiareggio hatte ich mir in Anbetracht des Wetters Gedanken über meine Optionen gemacht, die da lauteten a) auf besseres Wetter warten (unrealistisch, wenn man dem Wetterbericht Glauben schenken durfte, der zwar für den nächsten Tag besseres, dann aber wieder schlechteres Wetter vorhersagte), b) abbrechen (offensichtlich keine Option), c) weiterlaufen. So entschloss ich mich also, künftig keine Rücksicht mehr auf das Wetter zu nehmen und weiterzulaufen, egal was da kommt (außer natürlich, dass mit dem Wetter Gefahren verbunden gewesen wären). Bei schönem Wetter wandern kann schließlich jeder! So wanderte ich also um 6:30 Uhr in Chiareggio im Nieselregen los und machte mich auf den Weg zum Murettopass (2.562 m) nach Maloja, wieder in die Schweiz. Erfreulicherweise hörte es nach einem Weilchen auf zu regnen und ich kam trocken über den Pass. Kurzzeitig riss sogar der Nebel etwas auf. Blick zurück Richtung Chiareggio: Der Abstieg Richtung Maloja war dann sehr hässlich (steil, Geröll) und leider fing es auch wieder an zu regnen. Nach Maloja ging es dann wieder in den Nebel hinunter, vom Lägh da Cavloc bekam ich praktisch nichts zu sehen. Nasse Wanderer, die gerne ein Päuschen machen, was trinken und sich aufwärmen wollen, waren in Maloja leider nicht willkommen. Auch sonst gefiel es mir dort nicht, so machte ich mich (immer noch im Regen) auf den Weg zum nächsten Pass. Zwischendurch war es so neblig, dass man kaum über die Straße schauen konnte, aber dann klarte es etwas auf und hörte wieder auf zu regnen. Die Wege hatten sich mittlerweile allerdings in Bäche verwandelt. Sobald man einmal nasse Füße hatte, musste man aber immerhin nicht mehr so sehr darauf achten, ob man durch eine Pfütze watet oder nicht und selten bin ich mit so sauberen Schuhen, durch die das Wasser praktisch hindurchfloß, gewandert. Es ging am Lägh dal Lunghin vorbei, einem der wenigen Augenblicke mit etwas Sicht (das Foto vermittelt einen viel zu guten Eindruck vom Wetter). Dann kam ich über den Pass Lunghin mit einer dreigeteilten Wasserscheide. Weiter ging es rund 300 hm runter durch ein Hochtal, wo ich den Septimerpass querte, bevor es wieder 400 hm zum letzten Pass des Tages, dem Forcellina-Pass (2.671 m) hochging. Da holte mich auch der Regen wieder ein. Zuletzt folgte der Abstieg nach Juf, dem höchsten ganzjährig bewohnten Dorf Europas. In Juf quartierte ich mich in einer für Schweizer Verhältnisse günstigen Pension mit einem Lager ein, das den Charme einer sibirischen Arbeiterunterkunft hatte. Aber ich bekam Zeitungspapier für meine nassen Schuhe und die Heizung wurde angestellt, damit ich meine Sachen trocknen kann - und was will man mehr? Gegen 19 Uhr kam dann die Sonne heraus und der Himmel war blau. Das Wetter will mich wohl wirklich verarschen .
    9 Punkte
  32. Tag 34 (18.07.) Bad Siess bis Stoanerne Mandl, 30 km Es ging weiter durch die Sarntaler Alpen und das letzte Stück hoch auf das Rittner Horn. Leider blies wieder ein sehr kalter Wind. Als ich oben ankam waren die Dolomiten noch in dunkle Wolken gehüllt, die der Wind aber bald wegwehte. Das Wetter besserte sich im Vergleich zu den Vortagen etwas und zwischendurch hatte man eine tolle Fernsicht. Das im Hintergrund müsste die Ortler-Gruppe sein: Vom Rittner Horn folgte ein langer Abstieg nach Bundschen und von dort ein langer Aufstieg zur Hauserberg Alm. Beides war nicht allzu spektakulär, aber an die Etappen von Völs am Schlern bis nach Meran hatte ich auch keine großen Erwartungen, da es im wesentlichen darum ging, von den Dolomiten ins Vinschgau zu kommen. Auf der Hauserberg Alm kehrte ich nochmal ein und machte in netter Gesellschaft ein Päuschen. Da ich am nächsten Tag möglichst früh in Meran ankommen wollte, versuchte ich an dem Tag möglichst viel Strecke zu machen, füllte an der Alm meine Wasservorräte auf und lief weiter mit dem Ziel, mal wieder zu zelten. Der starke Wind bereitete mir etwas Sorgen, aber kurz vor den Stoanerne Mandl fand ich ein wunderbar windgeschütztes Plätzchen, an dem weder Kuh noch Pferd aufkreuzten. Tag 35 (19.07.) Stoanerne Mandl bis Meran, 18 km Ich startete früh, machte noch ein paar Fotos von den Stoanernen Mandl und war ratzfatz in Falzeben, wo der letzte Abstieg nach Meran auf mich wartete. Etwa 1.000 hm sollte es durch einen Wald nach unten gehen. Den gpx-Track für den Weg hatte ich dem Rother-Wanderführer entnommen (der allerdings vorschlägt, die Gondel zu nehmen und auf eine Wegbeschreibung verzichtet). Außerdem hatte ich den Weg auch in mehreren Karten gefunden. Allerdings hatte ich schon Schwierigkeiten den Einstieg in den Weg zu finden, was mir ohne GPS wahrscheinlich auch gar nicht gelungen wäre. Der Weg war ziemlich zugewachsen und die Markierungen waren verbleicht. Eine echte Alternative zu dem Weg sah ich aber von Falzeben aus nicht (außerdem wollte ich ja ankommen) und so stiefelte ich los. Nach einiger Zeit verlor ich in einem sehr steilen Stück den Weg und dann tat ich etwas sehr, sehr Dummes (wovon ich mir fest vorgenommen hatte, es nicht zu tun): Ich ging trotzdem weiter, irgendwo lang, wo ich glaubte, einen Weg oder eine Markierung zu erkennen. Vermutlich folgte ich zwischendurch Wildwechseln und kam irgendwann an einen Abhang, den vielleicht Gemsen herunterkommen, ich aber nicht. Etwa 4 bis 5 m schlitterte ich den Abhang hinunter, als mir der Boden unter den Füßen wegrutschte und holte mir ein paar ordentliche Schrammen an den Beinen. Zum Glück passierte nichts Schlimmeres. Um umzukehren war es jedenfalls jetzt zu spät. Ich ging weiter, zwischendurch quer durch Brennnesseln, was ich als gerechte Strafe und Denkzettel für meine Dummheit betrachtete. Wie durch ein Wunder fand ich irgendwann die rudimentären Reste des Weges wieder, was ich bei einem zugewachsenen Weg im Wald für praktisch unmöglich gehalten hatte und kam heil im Tal an. Über dieses Stück Weg sprechen wir übrigens: Während ich unterwegs war, dachte ich, dass ich jedem kategorisch davon abrate, diesen Weg zu gehen. Zwischenzeitlich dachte ich dann, dass ich, als ich den Weg verlor, viel gründlicher hätte suchen müssen, wo der Weg weiter verläuft, statt fröhlich drauflos zu spazieren. Jetzt, nachdem ich mir für diesen Bericht die Karte nochmal angeschaut habe, kann ich ergänzen, dass zumindest in mapy.cz der Weg mit dem Hinweis „way overgrown“ versehen wurde. Das kann ich nur bestätigen. Sollte ich nochmal in meinem Leben in die Verlegenheit kommen, nach Meran absteigen zu wollen, würde ich auf jeden Fall einen anderen Weg wählen. Das war mit Abstand die potentiell gefährlichste Situation, in die ich mich auf der ganzen Wanderung manövriert habe. Auch jetzt kann ich nur den Kopf schütteln und tief durchatmen und bin immer noch froh, dass alles gut ausgegangen ist. Die Narben an den Beinen sind dann hoffentlich nächsten Sommer wieder verschwunden... In Meran ging ich nach diesem Schreck erstmal was ordentliches essen. Dann erledigte ich meine Einkäufe. In Meran gibt es so ziemlich alles, was man sich wünschen kann. Neben dem üblichen Proviant erstand ich auch ein neues paar Schuhe. Die Hälfte des Weges hatte ich zwar noch nicht geschafft, aber ich habe unterwegs überhaupt keine Lust auf Logistik (wie z.B. Schuhe online bestellen und dann irgendwo abholen) und wollte daher die Gelegenheit nutzen, einfach in eines der zahlreichen Outdoor-Geschäfte zu latschen und die Schuhe zu kaufen.
    9 Punkte
  33. Tag 27 (11.07.) Sillianer Hütte bis Rifugio Fonda Savio, 29 km Auf der Sillianer Hütte gab es ein tolles Frühstücksbuffet, das (wenn ich mich recht erinnere) schon um 5:30 Uhr startete. Es gab wunderbares, selbst gebackenes Brot, dem ich auf dem weiteren Weg in Italien noch oft hinterher trauern sollte. Frisch gestärkt stieg ich zügig ins Tal nach Sexten ab und war damit schon am Ende des Karnischen Höhenwegs angekommen (eigentlich steigt man auf die österreichische Seite nach Sillian ab). Zu diesem Zeitpunkt gab es zumindest noch ein bisschen Sicht: Leider kam ich schon wieder an einem Sonntag in einen Ort, so dass Supermarkt und Bäcker geschlossen waren. Da es bis Cortina d'Ampezzo aber nicht weit war und ich davon ausging, dass man in den Dolomiten nicht verhungert, beschloss ich, ohne frischen Proviant weiterzugehen. Auf in die Dolomiten! Von Sexten aus machte ich mich auf den Weg in Richtung der Drei Zinnen, erst durchs Tal, dann den Berg hoch. Unterwegs wurde das Wetter immer schlechter, es fing an zu regnen, die Wolken hingen immer tiefer, der Nebel stieg immer höher aus dem Tal auf. Als ich am Fuß der Drei Zinnen ankam regnete es zwar nicht mehr, ich hatte aber mit Abstand die schlechteste Sicht, die ich auf der bisherigen Wanderung gehabt hatte. Von den Drei Zinnen sah ich nämlich ganz genau gar nichts. Ich blieb etwa eine halbe Stunde vor der Drei-Zinnen-Hütte, die auf Massenbetrieb ausgelegt und wenig einladend war, sitzen. Mehr als das bekam ich von der Nordseite der Drei Zinnen nicht zu sehen: Über einen breiten Spazierweg, auf dem Volkswandertag herrschte, lief ich an den Drei Zinnen und dann erst an einer (Lavaredo) und dann der nächsten Hütte (Auronzo) vorbei. Dort wurde mir auch klar, warum an den Drei Zinnen so ein Betrieb herrscht: bis zur Auronzohütte kann man mit dem Auto fahren und dann fast ohne Höhendifferenz zu den Drei Zinnen spazieren. Eigentlich hatte ich bei der Auronzohütte bleiben wollen, aber der Trubel dort war mir zu viel. Ich fühlte mich irgendwie deplatziert und ausserdem war es erst 14 Uhr, so dass ich entschied weiterlaufen. Es ging auf den Bonacossa-Weg, der eher anspruchsvoll sein sollte (ausgesetzt, mit vielen seilversicherten Stellen). Daher hatte ich eigentlich geplant, den Weg erst am nächsten Morgen mit ausgeruhten Beinen zu gehen. Mit angemessenem Respekt (man könnte auch sagen, mit vollen Hosen) wanderte ich weiter. Kaum war ich von der Auronzohütte in Richtung Bonacossa-Weg und Fonda-Savio-Hütte abgebogen, herrschte wieder Ruhe und ich hatte die Berge fast für mich alleine. Der Weg schlängelte sich an den Felsen entlang bzw. war teilweise in den Fels gehauen und hatte es tatsächlich auch in sich. Bei Nässe würde ich den Weg unter keinen Umständen gehen (jedenfalls nicht ohne Klettersteigset). Über zahlreiche seilversicherte Stellen und Leitern ging es in eine Rinne. Mir wurde immer schleierhafter, wo die Fonda-Savio-Hütte sein sollte, die laut Karte nicht mehr weit war. Irgendwann traf ich auf drei Belgier, die mir einen Tipp gaben (oben, an dem rechten Felsen sieht man eine Fahne wehen...). Es ging nochmal durch ein Schneefeld und dann durch seilversicherte Stellen ordentlich den Fels hinauf. Irgendwann kam ich tatsächlich an. Das war – jedenfalls von dieser Seite – der abgefahrenste Hüttenzustieg, den ich je hatte. Auf der sehr netten, kleinen Hütte, stellte mich die durchaus sympathische, aber äußerst resolute Hüttenwirtin erstmal in den Senkel, weil ich nicht reserviert hatte (ich hatte auch tatsächlich gelesen, dass die Hütte häufig sehr voll ist, aber an diesem Abend hatte ich das Lager für mich). Das war übrigens das Lager: Von dem Bonacossa-Weg war ich ziemlich geflasht. Der Weg hatte für mich von der Schwierigkeit her genau das richtige Maß, ich war durchaus gefordert, aber nicht überfordert (so was ist ja aber höchst individuell). Als ich auf der Hütte ankam, war ich voller Adrenalin und Endorphine. Die fehlende Sicht auf die Drei Zinnen war vollkommen vergessen. Zudem zog das Wetter wieder auf und ich konnte mit einer netten Truppe aus Österreich noch vor der Hütte in der Sonne sitzen und die Aussicht genießen. Dort bekam ich die Drei Zinnen dann immerhin noch von der Südseite zu sehen. Tag 28 (12.07.) Rifugio Fonda Savio bis Cortina d'Ampezzo, 18 km Tag 28 sollte mal wieder ein kurzer Tag werden, an dem ich nur bis Cortina d'Ampezzo laufen wollte. Zwar hatte ich mich am Tag zuvor vor lauter Euphorie total gut gefühlt, aber eine echte Erholung hatte der Tag nicht gebracht, da am Ende doch fast 30 km zusammen gekommen waren. Morgens ging es am Lago Misurina vorbei. Dann folgte ein kurzer, zum Glück nicht allzu anstrengender Aufstieg und dann der lange Abstieg nach Cortina d'Ampezzo mit Blick auf die Tofanes. Punkt 12 lief ich in Cortina d'Ampezzo ein und schaffte es, noch vor Beginn der Siesta um 13 Uhr (da macht wirklich alles dicht) neue Meindl-Einlegesohlen für meine La Sportiva-Schuhe und neue Leki-Spitzen für meine Black Diamond-Stöcke zu kaufen, da das Material in der Zwischenzeit doch etwas gelitten hatte. Dann suchte ich mir ein Hotel. Für den Mittag stand noch essen, schlafen, neuen Proviant kaufen und Wäsche waschen auf dem Programm. Irgendwie war ich nach den letzten Wochen aber doch etwas müde und hatte das Gefühl, dass ich mehr Erholung brauchte. Damit war die Zeit für den ersten Pausentag gekommen. Dass die Wettervorhersage für den nächsten Tag nicht besonders toll war, erleichterte die Entscheidung. Mit Cortina d'Ampezzo hatte ich mir zwar nicht gerade den günstigsten Ort für eine Pause ausgesucht, aber meine Beine haben eben einen exklusiven Geschmack. Tag 29 (13.07.) Pausentag
    9 Punkte
  34. ... und wenn ich sie schon jetzt ausspreche, geht hoffentlich keiner davon aus, dass dieser Haufen über die Feiertage moderationsfrei agieren kann. Ich bin nicht weg, und es gibt ja sowieso noch mehr Moderatoren im Team! Alle 'Forumsstraftaten' über die Feiertage werden doppelt unerbittlich geahndet, schwere Fälle an das Bundesinnenministerium weitergeleitet. Als kleines Geschenk füge ich diesem Beitrag einen Link hinzu, der allerdings auf Facebook beheimatet ist. Er ist Ausdruck meiner erfahrungsgeprägten Empathie mit allen, die im Dezember auch Geburtstag haben: https://www.facebook.com/bbcsesh/videos/1040475526427095 Liebe Grüße an alle! Martin
    9 Punkte
  35. Einverstanden. Das Problem ist die Quantifizierbarkeit. Ein paar Beispiele: eine Biogasanlage ersetzt eine konventionelle Anlage in einem Entwicklungsland. Natürlich ist damit eine Emissionsreduktion verbunden, was eine gute Sache ist. Bloss, über welchen realistischen Zeitraum rechnet man sich diese Reduktion an? Wäre diese Anlage nicht vielleicht eh in ein paar Jahren realisiert worden? Das ist heute kaum zu beziffern, da der Wandel extrem schnell verläuft, auch bei uns (ein schönes und ermutigendes Beispiel ist Abb. 7.2a auf Seite 57 von http://wedocs.unep.org/bitstream/handle/20.500.11822/26895/EGR2018_FullReport_EN.pdf) Irgendwo wird Wald aufgeforstet. Idealerweise bindet dieser Wald CO2. Aber für wie lange? Und was passiert, wenn dieser Wald zum Beispiel abbrennt? Verliert man dann die Klimakompensation? Und wie im Beispiel vorhin: Wäre die Aufforstung vielleicht auch ohne mein Investment erfolgt? Richtig pervers wird die Situation, wenn Credits für Schutzmassnahmen vergeben werden. Wenn ich also z.B. ein Stück Regenwald "kaufe", um es vor der Abholzung zu schützen, bleibt ja genau genommen alles beim Alten. Die positive Wirkung wird dann nur gegenüber dem Szenario der Zerstörung sichtbar. In anderen Worten: Durch die Androhung einer Zerstörung wurde ein Wert geschaffen, der verkauft werden kann (die Kompensation). Das alles soll nicht heissen, dass diese Massnahmen nicht sinnvoll sind. Allerdings habe ich meine Zweifel, dass mit diesen auf ehrliche Weise die Emissionen z.B. eines Flugs kompensiert werden können. Ausserdem ist da auch noch der Aspekt des Ablasshandels und eine Art "Gewissenskolonialismus", da häufig das Entwicklungsgefälle ausgenutzt wird, um günstig zu "kompensieren". Aber das ist ein anderes Thema. (persönlich würde ich trotzdem fliegen, aber möglichst selten, und durchaus Geld in Umweltschutz investieren, mich aber nicht der Illusion hingeben, damit die Auswirkungen meines Tuns zu kompensieren)
    8 Punkte
  36. Ich habe mich jetzt auch vom Fanny-Pack-Fieber anstecken lassen, und während der Feiertage DxG-Reststücke verarbeitet. Ziel war ein Fanny-Pack, welches gross genug ist, um beim Langlaufen bei Bedarf zusätzliche Kleider aufnehmen zu können. Mein jetziges war bei grossen Temperaturschwankungen während des Tages immer etwas zu knapp. Ausserdem wollte ich eine Möglichkeit ausprobieren, das Volumen variabel zu gestalten. Wichtig war mir auch, dass das Pack stabil am Körper "sitzt" und beim Skaten nicht stört. Ich habe ohne genau Pläne drauflosgenäht. Prototypen mache ich selten, da häufig bereits beim ersten Mal etwas Brauchbares entsteht, und ich dann nicht alles nochmals nähen möchte. Herausgekommen ist dies: Gut sichtbar ist das Netzfach in der Mitte, und die Stabilisierungsriemen, die links und rechts davon eingenäht sind. Von diesen geht ein 20mm-Gurtband zum Hüftgurt (40mm Gurtband). Hier ist das besser sichtbar: und die Stabilisierungsriemen im Einsatz: Jetzt zum "Experiment" mit dem variablen Volumen. Dazu habe ich unten einen weiteren RV eingenäht, der den Boden um 6cm erweitert. Im Wesentlichen ist dies eine Falte, die durch den RV zugezogen werden kann. Auf den Seiten ist diese keilförmig zusammengenäht, so dass der RV-Schieber in den Endpositionen nicht unter Zug steht. Hier die Ansicht von unten auf die geöffnete Erweiterung: Innen drin habe ich ausser einem simplen RV-Fach für Schlüssel und andere Kleinteile, die nicht verloren gehen sollen, keine Unterteilung. Insgesamt bin ich mit dem Endprodukt sehr zufrieden. Die Stabilisierung funktioniert super (habe ich auch am meinem jetzigen, kleineren Pack abgeguckt). Was würde ich beim nächsten Exemplar ändern? Bei der grossen Packhöhe würde ich den Hüftgurt und die Stabilisierungsflossen ca. 2cm nach unten schieben. Die Volumenerweiterung funktioniert zwar, ist aber doch recht aufwendig bezogen auf den Volumengewinn. Ich würde neu eher 2cm in der Tiefe draufschlagen (und falls nötig Kompressionsriemchen vorsehen). Wobei die Kompression beim Tragen durch die Flossen zustande kommt. Zum "Schnittmuster": Ich habe die Seitenteile mit den RVs einfach auf die vorbereiteten Front- und Rückseiten aufgenäht. Netz und Flossen sind in eine Falte der Rückseite eingenäht, so dass das auch von innen sauber aussieht. Beim Aufnähren der Seiten (mit den RVs) muss in den kleinen Rundungen in den Ecken die Nahtzugabe bis nahe an die Naht eingeschnitten werden.
    8 Punkte
  37. Moin @Trinolho Weil du sagst, dass du nun schon ein paar Wochen dabei bist: Ich kann deinen Entscheidungsprozess gut nachfühlen. Und es macht sicher Sinn die Erfahrungswerte und das technisches Wissen des Forums einzubeziehen. Am Ende ist eine Sache aber glaube ich wichtig zu erwähnen: Es gibt nicht die eine perfekte Behausung. Auch nach mehrwöchiger Recherche nicht. Und weitere Wochen Recherche werden dich deinem Ziel womöglich auch nicht mehr näher bringen – aber Spaß kann es natürlich durchaus machen Jede Variante hat ihre Für und Wider. Manche kann man sich theoretisch erschließen. Am Ende wirst du vermutlich wohl oder übel deine eigenen Erfahrungen mit verschiedenen Zeltformen bei verschiedenen Tourtypen machen müssen, um das für dich für die jeweilige Tour beste Konzept zu wählen. Und selbst dann werden dich gewisse Aspekte wieder über die Alternativen nachdenken lassen. Ich glaube, sehr viele hier haben bereits diverse Standardformen von Tarp über Firstzelt zu shaped Tarp zu Mid zu leichtem Zelt zu schwerem Zelt irgendwann einmal besessen und auf irgendwelchen Touren benutzt. Das Zelt, welches du dir jetzt kaufst, wird höchstwahrscheinlich nicht dein letztes sein. Also würd ich sagen: Leg einfach los, sammle Erfahrungen draußen. Schau wie du die jeweiligen Für und Wider bei verschiedenen Touren FÜR DICH bewertest. Und bleib dann dabei – oder tausch es nach einem Jahr gegen ein anderes Du kannst 90% aller hier diskutierten Touren mit allen Zeltformen bestreiten. Und wie alle Foren neigen wir natürlich auch hier zum stundenlangen Debattieren über Aspekte, die am Ende nur 1% Unterschied machen. Weil's Spaß macht.
    8 Punkte
  38. Ich hab da mal eine andere Frage...warum darf ich jetzt den zitierten Post im Eingangsbeitrag nicht mehr lesen? Ehrlich, ich hab keine Werbung gemacht, will nix verkaufen und hab keine "Du weißt schon welche"- Wörter gebraucht... Trotzdem hab ich jetzt"keine Erlaubnis" Wusste nicht, dass ich jetzt die Erlaubnis der Forenmods brauche, wenn ich was nochmal lesen will... Mir erscheint dieses Forum seit einiger Zeit schon arg übermoderiert - und das in meinen Augen auch mit einer gewissen Weltanschauung verbunden. Wenn's gegen Amazon, Ali und Co. geht, beispielsweise... Aber jetzt - Erlaubnis...wie bekomme ich die bloß?
    8 Punkte
  39. Cyco2

    Neue Ultraleicht-Ausrüstung

    Neues 395g leichtes Zelt von Zpacks: https://zpacks.com/products/plexsolo-tent
    7 Punkte
  40. Tag 1 (7. Juni 2021.) München-Königsdorf, 55 km Da ich den ersten Tag gemütlich beginnen wollte, habe ich erst mal ausgeschlafen, gegen Mittag ging es dann gut ausgeruht vom Marienplatz in München los. Erst ein kurzes Stück durch die Innenstadt und dann immer an der Isar entlang. Die Strecke war ein guter Mix aus kleinen Straßen und ausgedehnten Schotterabschnitten durch Waldlandschaften. Das Wetter war sehr wechselhaft, dunkle Regenwolken wechselten sich regelmäßig mit strahlendem Sonnenschein ab. Bei Wolfratshausen machte ich einen Abstecher auf einen par Single Trails, es waren überwiegend schlammige Waldwege direkt am Flussufer. Am Nachmittag fand ich bei Königsdorf einen kleinen Campingplatz der noch reichlich Platz direkt an einem Seeufer hatte.
    7 Punkte
  41. Ausser dem hohen Preis und dem damit verbundenen Rolls-Royce Faktor gibt es wohl eher wenig ansprechendes an diesen Zelten. Falls Du an solchen Prestigedingen interessiert bist, rät das Forum hier zu Gucci. Wollte ich mir natürlich holen, aber dann hat jemand geschrieben, das hätten sich jetzt wohl schon alle fürs nächste Treffen geholt, also liess ich es bleiben. Zu dem Preis kriegst Du auch ein Aeon Li von Tarptent. Da hast Du dann den Rolls-Royce Faktor und die Funktionalität, wenn Du mehr Platz brauchst, gibt es Dinge wie das Double Rainbow oder Stratospire. 700 Euro für ein 1.5 kg Zelt (Halland)? Da ist es dann bis zu meinem Lieblingsver******sprodukt nicht mehr weit (Die lesen offenbar hier mit, die Beschreibung wurde angepasst, das mit den 700er Daunen wurde nun besser versteckt). Kostet zu viel, kann aber viel zu wenig. Zu einem wesentlich günstigeren Preis kannst Du jemandem in Michigan ein e-Mail schicken, der setzt sich dann hinter die Nähmaschine und näht dir etwas sehr anständiges im Schlafbereich. Kostet und wiegt ungefähr die Hälfte, dafür hast Du mehr Wärme. Keinesfalls würde ich ein günstiges "Einsteiger"-Zelt kaufen. Grund: Ob Einsteiger oder nicht, es geht doch meistens um den Genussfaktor und Freizeit (von Ausnahmen abgesehen, es soll Leute geben, die von Februar bis November wandern...). Ein anständiges Zelt wirst Du ausserdem schnell wieder zu einem fairen Preis los, ein Billig-Zelt kannst Du allenfalls spenden oder die Fernwärme damit unterstützen. Mit den Rucksäcken ist es noch krasser: Mittlerweile kannst Du im Outdoorhandel für gewisse Rucksäcke 500 Euro und mehr auf den Tisch legen, wirst dabei meiner Meinung nach halt auch über diesen gezogen. Es gibt ganz wenige Ausnahmen, z.B. wenn bei Schuhgrösse 55 Unsicherheiten bei einem Zelt etc. bestehen. Gestern ging mir eine Sendung aus England zu. Die mutmassliche Vizechefin eines netten Unternehmens hat nach meinen Wünschen einen EcoPak Rucksack zusammen genäht. Wenn Du es noch ausgefeilter magst, gibt es in Köln eine entsprechende Manufaktur. Selbst dort kostet ein Rucksack gerade mal 330 Euro. Einziger Nachteil: Die Rucksäcke sind zum Tragen mittlerweile fast zu schade, sollte ich mal einen an Land ziehen können, stelle ich ihn für 1000 Euro auf Ebay. Die Hälfte des Gewinnes schicke ich dann zurück an die Unternehmung, man ist ja kein Monster. Unter keinen Umständen würde ich im "Fachhandel" einen "Brand"-Rucksack kaufen. Grund: Du bezahlst zu viel und kriegst viel zu wenig. Osprey, Gregory oder sogar Arc'teryx und wie sie alle heissen, werden irgendwo von Leuten produziert, die sich selber keinen solchen Rucksack leisten können, trotzdem steckt in diesen Rucksäcken kaum Geld. Der Fachhandel zieht schon mal mindestens 40 % des Preises selber ein. Ladenmiete, Löhne, Lager etc kostet alles. Der "Brand" muss aber zusätzlich noch Werbung veranstalten damit die Leute wissen, dass es ihn überhaupt gibt und dass er natürlich besser sei als alle andern. Dies führt dann zu Auswüchsen wie "Deine Performance Outdoormarke". Für die Produktion des eigentlichen Rucksacks stehen aber dann noch ca. 20 Euro zur Verfügung. Dies wird meist in allerlei Plastik oder Tragesysteme investiert, die aber bei täglichem Tragen so um die zehn Stunden wirklich nur nerven. Soviel günstiger als handgefertigte Rucksäcke sind sie dann auch nicht - oder eben noch teurer.
    7 Punkte
  42. Silberdistel

    Vorstellungsthread

    Hallo miteinander, schon seit längerem bin ich stille Mitleserin, nun habe ich mich im Forum angemeldet und möchte mich gerne vorstellen. Ich bin bereits vor einigen Jahren auf dieses Forum gestoßen, als ich mich - vorher ohne große Erfahrung - auf meine erste Pilgerwanderung vorbereitet habe. Dabei habe ich schnell gemerkt, dass ein leichter Rucksack wohl erheblich zum Erfolg der Unternehmung beitragen würde. So habe ich dann begonnen, meine Ausrüstung zu optimieren - und siehe da, die erste Tour hat gut geklappt. Seitdem zieht es mich immer wieder auf Pilgerwege/Fernwanderwege, seit ein paar Jahren auch gerne mal mit Zelt… Im Laufe der Zeit habe ich etwa den Franziskusweg von Assisi bis Rom, den Camino Primitivo, den Lechweg, den Olavsweg von Oslo nach Trondheim, den Altmühltalpanoramaweg und den Romediusweg (ein neuerer Pilgerweg über die Alpen), immer mit Begleitung, begangen. Mein persönliches Highlight war neben den Etappen übers Dovrefjäll auf dem Olavsweg noch meine Solotour auf dem West Highland Way. Außerdem bin ich seit dem 1. Corona-Sommer stolze Besitzerin eines Packrafts und gehe gerne auf Zahmwasser damit auf Tagestour. Mein ZIel für die nächsten Jahre wäre es, zu Fuß eine Nordlandtour zu machen, dabei interessiere ich mich zum Einstieg für den Kungsleden. Und mit dem Packraft vielleicht mal eine Mehrtagestour in Deutschland… Meine Trips müssen sich aber leider auf meine Urlaubszeit beschränken, mehr als zwei Wochen am Stück sind praktisch nicht drin… Den Ultraleichtgedanken finde ich als eine spezielle Art von Minimalismus sehr ansprechend. Ich sehe ihn aber auch als Mittel zum Erfolg - schließlich zähle ich schon zur Generation 50+, da trägt ein leichter Rucksack enorm zum Komfortgewinn bei:-) Ich freue mich auf den Gedankenaustausch im Forum!
    7 Punkte
  43. +++Update+++ Die Nähte des Rucksacks sind versiegelt und heut Abend wir ausprobiert ob auch alles hält und wasserdicht ist. Wie gesagt, hochprofessionelle, gerade Nähte. Und da @MBo danach fragte, hier noch einmal von innen: Außerdem ist meine Waage angekommen: 360.5 Gramm. :)
    7 Punkte
  44. Vielleicht sollte das präziser formuliert werden. (Allein der Gedanke, mit dem Stundenschnitt von Entwurf, Fertigung und Aufbereitung der Dokumentation irgendeinen Profit zu generieren ist vollkommen absurd. Vorm Finanzamt würde eine solche Unternehmung jedenfalls nach drei Jahren als „Liebhaberei“ deklariert werden.) VG. -wilbo-
    7 Punkte
  45. Mir ist jetzt nie "Schleichwerbung" aufgefallen, aber vielleicht bin ich ja auf diese reingefallen. Ich denke, wenn ich (hypothetisches Szenario) was für Freunde mit Hobbymitteln nähe, selbst wenn das gegen Materialkosten und einen Kasten Bier oder dgl. "Entgelt" geschieht, ist das klar nicht-kommerziell. Und wenn dann hier darüber berichtet wird, profitieren doch am Ende alle von der Erfahrung, oder? Etwas anderes wäre wenn hier Dienstleistungen direkt angepriesen würden... Aber selbst wenn jemand mal aufgrund einer PM etwas für jemand anderen anfertigen würde, wäre das ja nicht das Ende der Welt.
    7 Punkte
  46. Dieses Forum bedeutet mir viel. Auch wenn ich nicht viel schreibe, ist es mir doch eine Wohltat, hier ab und zu reinzuschauen. Es hat was ungemein Entspqnntes an sich, was sicher auch der super Moderation zu verdanken ist. Danke dafür und an alle, die auf so nette respektvolle Art ihr Wissen und ihre Erfahrungen teilen. Und natürlich: Frohes Fest!
    7 Punkte
  47. Die Frage ist eigentlich, wer hat nicht gerade die Preise um 20 bis 30 % erhöht. Ach ja doch, mein Chef beim Gehalt.
    6 Punkte
  48. Das Projekt Hermannsweg Section Hike 2022 hat begonnen. Gefällt ganz gut soweit... Am 3. Januar Nachts 10 Grad... nicht normal.
    6 Punkte
  49. Das können wir im Mod-Team mal besprechen, ist eine gute Idee. Wir haben schon kurz über eine andere Alternative gesprochen, mal schauen was es wird (und wir haben vor die Community miteinzubeziehen - es wird also keine Top-Down Entscheidung. Zur Erinnerung: Das hier im Forum wenig Werbung ist beruht auf dem Wunsch der Community ).
    6 Punkte
  50. Ich weiß nicht warum, aber irgendwie scheint dich diese Thematik augenscheinlich persönlich aufzureiben? Jedenfalls will ich hier weder etwas schönreden, sondern spreche einfach von meinen eigenen Erfahrungen, Überlegungen und Beobachtungen. In keiner Weise will ich deswegen jetzt jeden zu partiellen Kammern konvertieren, sondern liste einfach nur auf warum es mir persönlich damit einfacher und vor allem angenehmer von der Hand geht einen Quilt zu machen. Meine Formulierung im Ausgangsthema war deshalb ja z.B. auch "Warum hat das noch keiner gemacht?" und nicht etwa "So sollte ab heute jeder Quilt produziert werden!"... Zu den Punkten: Es bedurfte lediglich einer Akkuladung für beide Quilts bzw. meinen Winterquilt - vielleicht hätte ich auch mit einer alle drei geschafft, aber rein routinemäßig lade ich meine Sachen nach Nutzung immer für den nächsten Einsatz vor. Zeitlich war das Füllen für beide Säcke vielleicht ein halber Tag? Ich sah keine Notwendigkeit darin die Zeit zu stoppen, denn von Grund auf ging es schneller als der Erste, welchen ich eben noch "von Hand gestopft" habe... Der Unterschied in der Daunenmenge ist mir bewusst - nicht umsonst sind deshalb ja die Kammerwände in der Höhe für die diversen Füllmengen variiert (Sommer = 3cm, 3-Season = 5cm und Winter = 7cm; je inkl. Nahtzugaben). Natürlich kann ich diesbezüglich jetzt noch keine 10 Jahresdaten präsentieren (wie auch...), aber ich bin persönlich mit meiner Kreation in vielen Punkten zufriedener als mit meinem Custom Cumulus oder z.B. auch einem EE Sack, den ich aber "nur" zum Begutachten in der Hand hatte. Für meinen ersten Quilt habe ich die Kammerschnipsel auch noch von Hand zugeschnitten - ja das war nervig, aber kein Hexenwerk wenn man eine simple Schneidematte und einen Rollcutter hat. Nähaufwand für mich subjektiv wie gesagt nicht viel größer, als wenn ich die Perimeter-Meshstreifen bei meinem Zelt angenäht habe. Nähen-auflegen-drübernähen-auflegen etc. keine große Sache. Genauso das Anzeichnen - klar dauerte es erst mal länger, weil ich einmal alles vernünftig Messen + Aufzeichnen musste & wollte. Dies wäre aber prinzipiell auch mit durchgehenden Wänden der Fall gewesen, denn auch die hätte ich mir bei dem zugrunde gelegten Nunatak Layout komplett korrekt darstellen wollen - vom zusätzlich integrierten partiellen Differentialschnitt gar nicht zu sprechen. Nennen wir es beim Thema Nachfüllen gerne "hypothethisch", denn das waren schlicht meine Überlegungen (bzw. der Vergleich mit dem Nachfüllen bei einem Billig-Naturehike Daunensack mit durchgesteppten Kammern - nach lediglich 1,5 Jahren sporadischer Nutzung): Sack leicht auftrennen und an einer Stelle neue Daune einblasen und wieder (ja, zeitaufwendig) verteilen. Ich verbiete deshalb doch niemanden Membrane .56 zu nutzen - ist sicher ein guter Stoff. Genauso kann Argon 49 aber ja doch auch ein guter Stoff sein oder? Das oben erwähnte Cottage LocoLibreGear stellt übrigens auch "serienmäßig" einen Dragonsbreath Quilt her - mit partiell offenen Kammerwänden... Soweit ich weiß hatte zudem auch ZPacks & EE mal einen KaroStep Quilt im Programm. Genau dies. Für mich persönlich ist der Pseudokammerquilt, wie du ihn so schön nennst, die bislang optimale Lösung. Ob das deswegen für jeden oder in 10-20 Jahren noch gilt? Keine Ahnung - ich denke aber, dass es sicher noch mehr verrückte wie mich in diesem Zusammenhang gibt, die gerne mal außerhalb des Gewohnten experimentieren...
    6 Punkte
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