Die Schlußfolgerungen, die ich aus der obigen Grafik gezogen hatte, sind übrigens diese:
- Reines Butan beginnt erst bei höheren Temperaturen als 0°C aus der Kartusche auszutreten (Druck > 1 bar). Einen ordentlichen Druck zum Kochen hat man erst ab etwa + 10°C. Ist es kälter, muß man die Kartusche unten, wo die Flüssigkeit ist, mit den Fingern wärmen oder eine im Schlafsack aufgewärmte Kartusche nutzen. Dabei muß man beachten, daß durch Verdampfen des Flüssiggases Wärme verbraucht wird. Gerade bei fast leeren Kartuschen ist das ein Problem, weil das bisschen Flüssigkeit keine große Wärmemenge speichern kann und schnell abkühlt.
- Zum Verdampfen von 19g Flüssiggas benötigt man 7 kJ (= 1,7 kcal = 1,9 Wh = 23 W über 5 Minuten).
Wärmemenge = ( Enthalpie (gasförmig) - Enthalpie (flüssig) ) * Masse
- Wenn die Energie für das Verdampfen ausschließlich aus der Wärme des Flüssiggases kommt (weil man die Kartusche dummerweise mit einer Neopren-Hülle isoliert hat), kühlt sich das Flüssiggas bei einer vollen Kartusche (230g) um 13°C ab. Der 50g-Rest in einer fast leeren Kartusche kühlt sich dagegen um 60°C ab. Da verdampft dann nichts mehr.
Temperaturdifferenz = Wärmemenge / (Masse * spezifische Wärmekapazität) spez. Wärmekapazität (Butan) = 2,3
- In der Praxis liefert natürlich auch der Stahl des Behälters und selbst das Neopren noch etwas Wärme, aber man erkennt, warum man mit fast leeren Kartuschen immer schlechter kochen kann. Da hilft nur, der Flüssigkeit am Kartuschenboden stetig Wärme zuzuführen. Anders als bei vielen Benzinkochern gelangt von der Flamme keine Wärme zum Brennstoff, weil die Kartusche aus Stahl und damit ein schlechter Wärmeleiter ist. Multi-Source Kocher lösen das Problem, indem sie das Flüssiggas an der Flamme entlangführen, aber die sind mir zu schwer und zu teuer.
- Alle Mischungen unterscheiden sich nicht viel. Das 80% Butan / 20% Propan Gemisch ist schon lange erhältlich. Die neueren Varianten mit Isobutan oder mehr Propan eignen sich für Minusgrade noch einen Tick besser. Kochen kann man damit ab -10°C.
Auf einer Stechkartusche habe ich die Angabe 8 bar als maximalen Druck gefunden. Alle Hersteller geben 50°C als obere Lagertemperatur an. Damit hält man die 8 bar fast ein.
- Man kann Stechkartuschen mit Butan auch ohne Dichtplättchen zwischen 2 Geräten wechseln (zum Beispiel um eine fast leere Kartusche in einer Lampe aufzubrauchen und den Kocher mit einer neuen auszurüsten), wenn man den Kocher vorher im Gefrierfach abgekühlt hat. Natürlich muß man beim Wechseln das Loch in der Kartusche nach oben halten, damit nichts ausfließt.
- Wiederauffüllen der Kartuschen aus einer Propangasflasche ist lebensgefährlich! Die 8 bar Grenzdruck werden schon bei 20 °C erreicht. Man trägt dann in warmen Gegenden eine Bombe mit sich herum.