Gaeubodenhex
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Ach herrje😆
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Danke! Schauen wir mal, ob das ein Spaß wird🤭
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Übergang Böhmische Schweiz in das Osterzgebirge mit Zeroday in Děcin 1.-3. September 54 km Nun sitze ich auf meiner Veranda auf dem Kemp in Děcin in der Morgensonne, umhüllt von Autobahnlärm, und genieße meine letzten Nescafé zum Frühstück. Natürlich beobachte ich die deutschen Nachbarinnen gegenüber, offensichtlich deutsche Lehrerinnen mit einer pubertierenden Schulkasse, deren Mitglieder alle ein Gesicht ziehen, wie wenn der 3. Weltkrieg ausgebrochen ist und durch gelangweilte Ignoranz hervorstechen. Ich habe das auf meiner bisherigen Wanderreise auch anders erlebt. Offener, freundlicher, zugänglicher. Die Dinge zur Vorbereitung auf den letzten Abschnitt meiner Via Czechia stehen an: Einkaufen. Ob ich mir neue Schuhe leiste, weiß ich noch nicht. Erst 4 Wochen getragen und schon sind unter den Vorfüssen die meisten Stollen seitlich völlig abgelatscht. Gestern hat es mich auf einer glatten Waldrampe hingesetzt. Eigentlich ein Argument für neue Treter. Ich mach's vom Angebot abhängig. Ein Hudy-Sport oder Decathlon gibt's hier nicht. Eigentlich schaut's noch nicht so schlimm aus, die knappen 2 Wochen Erzgebirge werden sie bestimmt noch herhalten. (Spoiler: sie sind mittlerweile zu meinen routinemässigen Gravelbike- und MTB-Schuhen mutiert). Der Einkauf mit Speicherkarte, Gaskartusche und frischen Fressalien ist ruckzuck erledigt. Ein Einkaufszentrum liegt 10 Gehminuten entfernt. Der Weg dorthin ist abenteuerlich über Treppentürme an der Stadtautobahn entlang, dafür hat man eine passable Aussicht. Ich koche mir erstmal Vollkornspaghetti mit Pesto und Parmesan, dazu ein alkoholfreies Radler und ein anschließend Verdauungschillerchen. Über Mapy.com habe ich mir einen Děcin-Rundgang über die Stationen, die ich sehen will, zurechtgelegt. 5 km, na, das werde ich heute wohl noch schaffen. Und es werden weit mehr als 5. Eine begeisternden Runde führt mich erst in den Zoo am Berg, dann ergattere ich noch einen Platz im Ausflugslokal mit unschlagbarer Aussicht auf Elbe und Stadt. Dann schlendere ich in den Burghof und begrüße die dort ansässige Pfauenfamilie und zum Schluss schreite ich über eine frühgotische Steinbrücke. Es gibt dann wieder Abendessen bei mir auf meiner Veranda, richtig, Vollkornspaghetti mit Pesto und Parmesan. Das war ein richtig schöner Chillingday für mich. Morgen gibt's dann den Rest der Böhmischen Schweiz, und dann kommt das Erzgebirge! Ein sonniger Tag beginnt. Ich mag gar nicht gleich aufstehen, wo ich doch zuletzt gut schlummerte. Das war ja gestern Abend noch gar nicht so klar. Erst heulte Musik und ein Sprecher über den Campingplatz, also irgendeine kleine Veranstaltung, dann mischte sich plötzlich um 21 Uhr ein rhythmischer Presslufthammer in das bunte Geräusche-Potpourri nebst der üblichen Autobahnlärmkulisse. Und tatsächlich, da hat man eine Umleitung mit Leuchtpfeilen etabliert und saniert am späten Abend ein Teilstück der Autobahn! Sachen gibt's. Das hat immerhin zur Folge, dass die Musik nicht mehr Spaß macht und die Leute, die zur Veranstaltung gehören, das Kemp verlassen. Also kommen meine bewährten Ohropax in die Ohren und die ganzen Autobahnreparaturen sind mir schnuppe. In Tschechien gibt es nichts, was es nicht gibt. Am Morgen wird zusammengepackt, der Container abgeschlossen und los geht's aus dem schönen morgendlichen Děčín über die "Schäferwand" auf zugleich dem E3 in Richtung Schneeberg. Auch die Böhmische Schweiz hat einen solchen, aber als Tafelberg gerade mal 730 m hoch. Der Weg verläuft leicht ansteigend durch den Wald und so dauert es nicht lange und an einer Útulná trifft man auf den Stezka les, dem guten alten "Forststeig", das Wandereldorado für jeden Fernwanderbeginner/in. So auch für mich vor gut 7 Jahren. Es steilt sich der Weg steinig auf bis man das langgezogene Gipfelplateau erreicht. Die Aussichten bilden ein Highlight nach dem anderen. Ich mache mit Absicht auf einem Felsplateau meine Mittagspause, hole mir dann etwas zu trinken aus dem Gipfelrestaurant. Am daneben liegendem Bistro muss man für eine Turmbesichtigung 3€ löhnen und die Besitzerin geizt ein wenig mit ihrem Charme bzw. kennt diesen gar nicht. Der Obulus ist aber eine gute Investition, wie ich finde, denn die Rundumsicht ist einzigartig. Beim Abstieg vom Schneeberg bin ich unkonzentriert, bleibe mit dem Vorfuß hängen und knalle frontal mit Knie und Handfläche auf den abschüssigen steinigen Weg. Die Schürfwunden bluten ziemlich und nach der Notversorgung mit Wasser, Alkoholtupfer und den letzten beiden Pflastern ist mir erstmal blümerant und so bleibe ich 5 min sitzen. Das Knie scheint nicht ernsthaft geprellt zu sein, aber ich nehme mir erstmal vor, den Campingplatz in Ostrov oder 1 km weiter den in Tisá in Anspruch zu nehmen. In Ostrov bin ich allerdings viel zu früh, also wandle ich staunend durch die tolle Felsenstadt von Tisá und peile den dortigen Campingplatz an. Dieser enttäuscht in ganzer Linie, ziemlich klein, voll von deutschen Vans mit Rentnern, die sicher keine Kletterer sind. Keine Idylle zum Bleiben. Ich fülle mir noch meine Flasche mit Wasser auf und schließe wieder an die Via Czechia an. Bei Rájec, fern der ganzen Felsenlandschaften, schaue ich mich auf einer weitläufigen Hangwiese um und finde dann in einem sonnigen Birkenwäldchen einen einigermaßen ebenen Platz, den man nicht einsehen kann. Da bleibe ich. Da hab ich sogar bissi Aussicht. Um 22 Uhr fängt meine Wunde an der Handfläche das schmerzen an. Das ist kein gutes Zeichen. Ich bin hellwach und überlege im Schein der Stirnlampe, was mit meinen begrenzten Möglichkeiten zu tun ist. Ich schnappe mir den vorletzten Alkoholtupfer, öffne das Pflaster ein wenig und säubere mit dem Tupfer die Umgebung und die aufgerissenen Hautteile. Danach verschließe ich den Verband wieder und klebe noch 2 Streifen Tape darüber. Ich brauche morgen unbedingt neues Verbandsmaterial, sonst kann die Tour noch voll in die Hose gehen. Licht aus und das Pochen der Hand hat aufgehört. OK, hat was gebracht. Gegen morgen trabselt etwas an mein Zelt ganz nah und schnüffelt. Eine Wildsau ist es nicht, und ein Reh schleicht auch ganz anders. Wieder ein Fuchs? Gottseidank habe ich meinen Fressialienbeutel fest verschlossen und mitten im Zelt. Später höre ich nichts mehr. Am frühen Morgen könnte ich noch weiter schlummern. Seit September ist, zieht es mich morgens nicht mehr so aus dem Zelt, obwohl die Nässe in dem Einwandzelt auch ohne Regen jetzt zunimmt. Der Hochsommer ist vorbei. Ich komme erst um kurz nach 8 Uhr los und wandere durch Wiesengelände nach Petrovice. Im ersten Vietnamesenshop lässt man mich unfreundlich abblitzen, "was will die Frau mit Hut?" Im dutyfree-Shop gibt es auch Lebensmittel. Ich kaufe gleich etwas für ein Frühstück ein und erfahre von der tschechischen Verkäuferin, dass es weiter hinten an der Hauptstraße eine Lékárna gibt. Bingo, eine Apotheke, und in der auch noch deutsch gesprochen wird und die gerade aufgemacht hat. Einfacher geht's kaum und so bin ich mit Pflaster und Desinfektionsmittel eingedeckt, was mich gerade mal 8€ gekostet hat. Am Flugzeugrestaurant verspeise ich in der Sonne mein Frühstück und die Bedienstete des originellen Restaurants lässt mich mein Handy aufladen. Dann kommt ein sehr schöner Wiesenwegabschnitt zum Wandern in Richtung Adolfov. Nur 2 Motorradrowdies stören mich insgesamt 3x, ihre Nummernschilder sind hinten mit Lappen abgedeckt, da kennt man sich aus. Ich nehme ihr den Aufstieg zum Špičák vor, da es eine Aussicht auf den weiteren Verlauf gibt. Noch ist mir nicht klar, in welche Richtung ich muss. Nach Unterquerung der Dresdner Autobahn geht es kilometerlang weiter auf schönen Wiesenwegen. Es kommt mit ein Wanderpärchen entgegen, er ganz zünftig mit einem Wanderrock. Vor lauter Staunen verpasse ich den Abzweig und muss dann 2 km auf der Straße nach Adolfov. Die letzten 200 m stapfe ich auf der Wiese nebenan und ziehe die Aufmerksamkeit zweier Radlerinnen auf sich. Henriette und Gisela aus Pirna haben extra gewartet, um mich auszufragen, von woher ich komme und ich erzähle ihnen meine Story. Sie können es kaum glauben, erst seit dem 4. August unterwegs..... Später auf dem Mückenberg an der Kapelle lese ich es dann rot auf weiß auf einem der seltenen Via Czechia Schilder: 231 km sind übrig, 827 sind absolviert, tatsächlich habe ich noch mehr auf dem Tacho. Ich nehme mir vor, den Rest zu zelebrieren und nicht schon wieder in einer Woche durchzuhetzen. Und so suche ich mir schon bei km 28 des heutigen Tages ein Plätzchen und finde prompt eine versteckte Stelle unter Vogelbeerenbäumchen auf einem ehemaligen Bergbaugelände. Hach, wie idyllisch. P.S.: Ich mache eine Schreibpause, weil ich den Oktober in Südschweden zum Wandern und Packraften unterwegs sein werde. Der Rest der Via Czechia severní kommt im November, versprochen!
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9. Lučice hory und České Švýcarsko bis Děčín 29.-31. August 88 km Die Regennacht war gar nicht so übel wie befürchtet. Das Gewitter blieb aus, der Sturm war nicht wild und gegen das Pladdern der Regentropfen auf mein Zelt halfen Ohrenstöpsel. Kein Wunder, dass es um 6 Uhr morgens im Schlafsack am gemütlichsten ist. Es hilft nix, ich möchte nicht zu spät los, sonst bin ich wieder in einem Trödelmodus, der den ganzen Tag her hält. Schon gleich nach 700 m des Weges begeistert mich eine Felsenformation mit Aussicht: Vraní skály, lt. Tafel ein Kletterfels. Dann kommt man durch die Ortschaft Petrovice, die keinerlei Einkaufsmöglichkeiten anbietet. Am Ortsrand esse ich auf einer Wiese meine letzten Reste Käse und Wurst und überlege mir eine Versorgungsstrategie. Die nächste Möglichkeit zum Resupply wäre in Hřensko, das ca. 75 km entfernt ist, also 2-3 Tagesmärsche. Hřensko will ich aber eventuell abschneiden, da die Strecke bis dahin seit der Brände 2022 zum Teil umgeleitet wird und ich die Gegend von vor 2022 kenne. Da fällt mir ein, dass ich was von einem quasi 24/7 Selbstbedienungs-Supermarkt in Oybin gelesen habe und so lasse ich die Hochwaldbaude aus und gehe schnurstracks nach Oybin hinunter. Der Weg ist gar nicht schlecht und führt an den sehenswerten Kelchsteinen und anderen Felsriesen vorbei. In dem Tante-M-Laden bekomme ich eigentlich alles, was ich so brauche. Prima, da leiste ich mir doch gleich ein Magnum und ein Radler. Nach der Mittagspause gehe ich zurück bis nach Hain, dem Grenzübergang und genieße die Felsenstadt bei Jonsdorf, die ich eigentlich schon kenne, da dort der Oberlausitzer Bergweg entlang führt. Ich mache Mittagspause auf einem Aussichtsfelsen mit gleichzeitiger Sicht auf Ještěd und Hochwald/Hovzd. Für den Abend ist die Lausche mein Ziel. Der letzte Anstieg zum Gipfel vergeht schnell und die Mühen haben sich gelohnt. Ein fantastischer Rundumblick! In der Ferne sehe ich das Isergebirge, von wo ich hergekommen bin, den Turm des Ještěd, viele Pyramidenkegel, deren Namen ich nicht weiß, bis auf den Jedlová und Studenec, auf die mein Weg hinführen müssten. Und ganz in der Ferne sieht man den Fernsehturm von Děcin, den Ort, wo ich gerne einen Zeroday einlegen möchte. Der ist aber noch ganz schön weit weg. 2 km hinter der Lausche finde ich in einer wilden Wiese ein Kuhle, in der ich mein Zelt platziere. Die Unebenheiten werden mit Packsäcken ausgepolstert. Wird schon gehen für die Nacht. Es gibt schönere Plätze, aber man muss zugreifen, wenn sich etwas einigermaßen Passables ergibt. Gerade als ich morgens aufstehen möchte, fängt es das regnen an. Na super, nasses Zelt einpacken. Doch dann geht's im Trockenen los. Nach nicht mal 5 km vor dem steilen Aufstieg zum Tolštejn schon wieder Pause an einem Getränkeautomaten. Dort versorge ich mich mit einem Birell und einer Schokowaffel. Vor dem letzten Aufstieg zum Tolštejn mache ich in der Sonne erstmal Frühstückspause und trockne die Schlafsäcke. Schon überlege ich mir, die letzten Höhenmeter auf den Gipfel zu sparen, sehe aber einen einwandfreien Aussichtsturm. So verstecke ich meine Habe und mache mich ohne Rucksack auf den Weg zum Gipfelchen. An dem Tolštejn-Restaurace bekommt man noch umgerechnet 1,80 € für das Drehkreuz zur Aufstiegsleiter abgeknöpft. Das ist mir jetzt auch egal, das sonnige Wetter verspricht eine geniale Sicht. Und so ist es, der Wow-Effekt stellt sich prompt ein. 15 min später stelle ich fest, dass die Besteigung eine gute Idee war, da der weitere Weg nicht auf den benachbarten Jedlová führt. Vorbei an unzähligen Bunkern kommen die Basaltsäulen des Zlatý vrch immer näher. Das ist bereits das dritte Mal, wo ich dort bin und immer wieder bin ich beeindruckt von den Steinformationen. Dann aber heißt es nochmals ranhalten, der Aufstieg zum Studenec ist schweißtreibend, aber auch lohnend. Und der Aufstieg auf den Aussichtsturm kostet nichts. Es folgt ein elend langer Abstieg nach Studený. Das anvisierte Restaurant ist geschlossen, aber der Imbiss 500 m weiter hat alles, auf was ich Lust habe: gegrilltes Hermelin mit Toast und Pivo. Es schleichen sich etliche Stezka čezkem -Wanderer aus der anderen Richtung vorbei, nicht ohne einen Drink oder ein Softeis zu kaufen. Mit dem Ehemann der Imbissbetreiberin komme ich ganz nett ins Gespräch. Er heißt Petr und hatte Verwandtschaft aus meiner Geburtsstadt und der Oberpfalz-Ecke, die ich auch meine nähere Heimat nenne. Ihm gefällt es in Tschechien nicht so gut, tja, die Regierung....ich frage, ob wir zu dritt ein Selfie machen können, ja, machen wir. Seine Frau heißt Jana. So gestärkt geht es die letzten Kilometer durch die Kamnitz Schlucht. Die kenne ich auch, aber vor 6-7 Jahren lagen da keine abgestorbenen Bäume an den Seiten. Da ich am späten Nachmittag unterwegs bin, ist kein Mensch dort. Das nutze ich aus und steige splitterfasernackt in die Kamnitz für ein kurzes Erfrischungsbad. Es ist wunderschön dort, aber halt Reservace und so steht fest, dass ich den Campingplatz in dem unaussprechlichen Jetřichovice ansteuere. Der ist für tschechische Verhältnisse teuer, aber fest in ostdeutscher Hand von der Kundschaft her. Obwohl, die umgerechnet 15€ inkl. Duschmarke sind gut investiert. Endlich mal wieder mit warmen Wasser Haare waschen, welch ein Luxus. Und morgen nehme ich Kurs nach Děcin, da möchte ich meinen ersten und wahrscheinlich letzten Zeroday machen. Der Campingplatz ist im Prinzip empfehlenswert, ein sauberer Platz mit gepflegten Anlagen. Ich schlafe mit meinen Ohrenstöpsel ganz gut. Das Problem ist die Lage an der Kamnitz, das Zelt ist morgens auch ohne Regen vollkommen nass. Einmal durch die Wiese gehen und das Fußbad ist garantiert. Ich bin die erste, die zusammen packt. In einer Stunde gibt's für 2 Stunden Starkregen, ein Regengebiet zieht durch. Also ist der Verlängerungsplan über Mezní Louka hinfällig, ich mag nicht im Regen durch die Felsenstadt der Böhmischen Schweiz die Stiegen auf und ab stapfen und suche mir einen direkteren Weg nach Děcin. Dort habe ich für 2 Nächte so ein "Bungalow" auf dem Campingplatz gebucht. Es soll jetzt mal einen Pausentag für mich geben, evtl. neue Schuhe, eine neue Gaskartusche, eine neue Speicherkarte... Durch Zufall stoße ich auf eine große Höhle und durch Zufall fängt es genau da zum Schütten an. Ich mache eine ausgedehnte Frühstückspause und bin fast am Einnicken, als der Regen durch ist. Also geht es wieder auf, der Weg verläuft über die Bunkerlinie und führt am alten Friedhof von Schemmel vorbei. Den erkenne ich wieder, da war ich schon mal auf meiner Kammtour vor 7 Jahren und ärgerte mich damals, dass es kein Wasser gab. Wie so oft auf tschechischen Hřbitovs. Später geht es steil eine Klamm hinauf und irgendwann stehe ich vor der Entscheidung, den Gipfel des Růžovský vrch, des Rosenbergs, mitzunehmen. Der hat aber keine Aussicht und so lasse ich es und steige lieber auf den viel niedrigeren Pastevní Vrch, der hat wenigstens eine klasse Aussicht ins Elbsandsteingebirge. Beim Abstieg komme ich nach Rusová und dort ist ein Restaurant geöffnet. Ich esse gegrilltes Gemüse und einen Salat. Das erste Mal auf der Reise komme ich auf meine 500 g Gemüse. Dann zieht sich der Weg auf dem E3 ziemlich bis Děčín, hat aber doch noch wunderschöne Highlights zu bieten, ein toller Wegverlauf mit immer wieder Aussichten auf die Labe/Elbe. Die letzten 2-3 Kilometer durch Děcin sind verkehrsreich und laut und die Lage des dortigen Campingplatzes auch. Obendrüber verlaufen Bahnlinien und ein Autobahnkreuz und die Bungalows sind alle belegt, an meinem tapsen ständig deutsch sprechende junge Damen vorbei. Ich sehe schon, ohne Ohrenstöpsel finde ich da keine Ruhe. Die erste Phase der Pflichten hat schon begonnen: Meine Schlafsäcke und mein Zelt trocknen bereits und die ersten Klamotten sind durchgewaschen. Morgen geht's zum Einkaufen, gegoogelt hab ich schonmal. Wenigstens ist das Bett bequem.
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Vielen Dank 😘 Angesichts deiner "Anamnese" möchte ich dich dennoch ermutigen, die Situation nicht verfrüht pessimistisch einzuschätzen. Mit ein paar angepassten Wegen, also nicht zu weit und nicht zu steil oder vielleicht gleich hinein in ein Kajak/Packraft, lassen sich auch mit KHK, VHF und COPD wundervolle Outdoorerlebnisse kreieren❤️das wünsche ich dir jedenfalls!
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Beim Wandern weiter Wege gelten andere Regeln: trotz Völlerei keine Wohlstandsverwahrlosung 👻alles gut😋
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Nach der Kilometerzahl würde ich auch nicht gehen. Z.B. ist man in den felsigen Regionen langsamer unterwegs und bekommt auf kürzere Strecken vergleichsweise mehr hm zusammen. Hauptsache man ist immer in der persönlichen Genusszone unterwegs. Für die höheren Mittelgebirgsregionen würde ich auch die Wetterprognose in den Entscheidungsprozess mit einbinden. Schneekoppe mit Aussicht ist großartig, in Nebel gehüllt, nass und kalt braucht es eine besondere Wanderresilienz, um das noch toll zu finden 😉
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Äh, natürlich 8. Isergebirge....
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9. Jizerský hory (Isergebirge) 26.-28. August 85 km Ich weiß nicht, was mich am Vorabend geritten hat, aber ich wollte unbedingt ins Kloster.... Auf der Karte entdeckte ich 2 Etappen weiter den Ort Hajnice mit einem Klášter, schön gelegen im Isergebirge. Der Haken dabei, die Entfernung auf der Via Czechia mit allerdings vielen Schlaufen würde wieder auf knapp 50 km kommen. Und es regnet heute. Also lasse ich mir von Mapy.com eine direktere Route kreieren und die App spuckt mir so ungefähr 29 km aus. Das ist doch ein starker Plan, die wichtigsten Abschnitte mit drin, die Luxusschlaufen weg, und ich bin heute Abend glücklich und zufrieden im Trockenen. Genüsslich lasse ich mir das überreichliche Hotelfrühstück schmecken, das Beste an der ganzen Unterkunft. Und so esse ich Dinge am Morgen, die ich sonst nie essen würde. Um halb neun geht es dann im Regen los. Harrachov ist eine ziemlich unidyllische Ski-Stadt und genau die Deutschen zieht es da hin. Es dauert 4 km, bis ich aus Harrachovs Dunstkreis komme und lande schließlich im Tal der Jizera, die zugleich die Grenze zwischen Tschechien und Polen darstellt. Ziemlich einsam spule ich mit Regenschirm bewaffnet die Kilometer herunter. Die Hochfläche des Ortes Jizerka begeistert trotz des schlechten Wetters. Einem älteren Paar, Stenjek und Helena, biete ich an, von den beiden ein Foto zu machen, natürlich sind sie auch bereit für ein Selfie zu dritt. Diese netten Begegnungen sind das Salz in der Suppe. Mein Weg zieht nach rechts in die Wälder, um am Kamm ein Felsenlabyrinth mitzunehmen. Es herbstelt ein wenig. Dann kommt ein einsamer Abstieg zwischen zwei Waldbächen. Letztlich lande ich in Bílý Potok, einem ziemlich herunter gekommenen tschechischen Ort mit Messi-Häusen oder gar zerfallenen Gebäuden. Danach kommt dieses Hajnice mit meinem Klášter...nach endlich 31 km betrete ich die Kirche und bestaune die Fresken. 2 Betschwestern murmeln lautstark irgendwelche Gebietsmonotonien auf tschechisch herunter. Also lieber gleich zur Rezeption und erste Begutachtung meiner Zelle 217. Der Hunger treibt mich ins Klosterrestaurant und dort erwartet mich ein Abendbuffet mit Schlemmereien ohne Ende. Es werden 2 große Gänge mit Fisch, Hühnchen, Kichererbsen, Bohnen, Kartoffeln und Hranolky....naja, wer weiß, was mich wieder die nächsten Tage erwartet. Das Wetter wird nämlich besser und mein Zelt will wieder mal Frischluft tanken. Wenn mich was nervt, dann sind es Trampeltiere in Unterkünften. Nun müsste man meinen, ein Kloster hat so dicke Mauern, daß da gar nichts Akustisches durch dringt, weit gefehlt. Die Kirchenglocken gingen ja noch, aber das Getrappel von gehbehinderten Schwergewichten, die ich schon im Klosterrestaurant begutachten konnte, zwingt mich zum Einsatz meiner Ohrenstöpsel. Vielleicht hatte ich auch deswegen nicht die allerbeste Nacht, weil ich nach dem günstigsten Abendbuffet mit zwei großen Tellern voller Leckereien überkalorisch versorgt mit vollem Bauch im Bett lag. Das Schlemmen geht morgens weiter und so komme ich erst um Viertel vor Neun aus dem Kloster raus. Kurz nach Hejnice beginnt sogleich der Anstieg auf den Poledník und ich komme partout nicht vorwärts, da ich trödele und dann auch noch mit einer fröhlichen Jugendgruppe ein Selfie mache. Der Weg wird nach einer Straßenquerung mit einem noch geschlossenen Gasthaus noch anspruchsvoller, weil sich ein wunderschönes Felsenlabyrinth zum Durchschreiten anbietet. Lange schweißtreibende Stiegen führen letztlich auf den Špičák, von wo man endlich auch in der Ferne den Ještěd mit seinem futuristischen Turm ausmachen kann. Die Via Czechia führt da leider nicht hoch, dafür kann man ihn in Folge aus verschiedenen Perspektiven betrachten. Ein längeres Asphaltstück führt dann aussichtsreich über Land, man könnte hier keinesfalls Wildzelten, da alle Wiesen mit Elektrozaun umgeben sind. Nur einmal führt der Wanderweg direkt über eine Kuhweide. Mir wird schon ganz anders, weil ein paar von denen sind ganz schön gehörnt. Außer dass ich in einen frischen Kuhfladen versehentlich trete, passiert aber nichts. Später bergab in Richtung Chrastava geht es wieder auf Asphalt entlang, viele Obstbäume flankieren den Weg und so mancher Tscheche oder Tschechin rüttelt und bückt sich, um die Zwetschgen einzusammeln. In Chrastava hole ich mir aus einem Potraviny Mineralwasser, Chips und süße Waffeln. 3 km später im Zelt liegend deucht es mir, dass das wohl für mehrere Tage die letzte Einkaufsmöglichkeit war. Nun denn, dann muß halt mal wieder ein Gasthaus besucht werden, falls eines zum richtigen Zeitpunkt offen hat. Bin ja schon froh, um Wassernachschub. Und wie am Beginn meiner Reise, gut 3l Wasser schleppen, mache ich nicht mehr. Es wird sich schon was auftun unterwegs. Der Morgen im Wald beginnt schon etwas verschlafen, ich war ab 6 Uhr morgens nochmals eingenickt und träumte irgendetwas blödes. Und so trödele ich schon beim Zusammenpacken. Keine Hochstimmung heute morgen, es ist schwül und ich studiere zum x-ten Mal die kommende Wegstrecke nach potravinys, Quellen und Hospodas. Erstere tauchen erst in gut 100 km wieder auf (Hřensko), mittlere sind wenige und mind. zu 75 % ausgetrocknet und letztere gibt es zwar, haben aber Öffnungszeiten, bei denen mehr als 50% wieder ausfallen. Jammer, wo ich doch durch meine Übernachtungsserie in Unterkünften nun vollkommen verwöhnt bin. Jetzt soll ich wieder in den survival-Modus, meine Nescafé Beutel abzählen, die snack-Rationen halbieren und Wasser vorsorglich etwas mehr schleppen.... Das erste Highlight des Tages ist nach wenigen km eine Gondelselbstzuganlage über das Flüsschen Lužická Nisa. Dann geht es ca. 3 km an der Straße entlang. Kryštovofo údolí ist so ein langgezogenes Örtchen mit überwiegend Sommerfrischehäuschen der gut betuchten Tschechen. In Krystovofo údolí überwinde ich mich und spreche 2 Männer zum Auffüllen der Wasserflaschen an. Prima, klappt doch. Und dann kommt prompt 1,5 km später eine munter sprudelnde Quelle mit Unterstand. Beides nutze ich für einen großen Pott Nescafé und esse meine halbe Brotzeit mit Wurst, Käse und altem Brot, muss eh weg. Eine junge Drossel schaut mich bei meiner Pause bedröppelt an. Der weitere Weg verläuft auf dem Kammweg, den ich genau vor 7 Jahren gegangen bin. Markante Kreuzungsstellen erkenne ich wieder, aber das war's dann schon auch. Im Gegensatz zu damals sind lange Strecken des Weges durch Holzarbeiten übelst zu gehen und ich komme nur sehr langsam vorwärts. Auf 10 km kommen schon 500 hm zusammen und die Schwüle tut ihr übriges. Ein paar Zwetschgenbäume am Wegesrand sorgen für die gesunden Snacks. Um halb drei habe ich endlich dieses Örtchen Jítrava erreicht. Ich lasse mich im der erstbesten Imbiss nieder und verzehre eine große Klobása zusammen mit einem pivo, einer Kofola und zur Nachspeise gibt es Mango-Softeis. Dinge, die ich sonst nie verzehren würde... Der Ernegieschub bleibt aus. Zwar nehme ich mir noch eine Strecke von 9 km vor, aber als ich die elefantenähnlichen Felsen Bíle kamení passiere, deucht mir schon, dass heute echt nicht mehr viel geht. Ich schleppe mich noch ein paar schöne Kletterfelsen entlang und bleibe dann bei einem kleinen alten Bunker endgültig hängen. Wollte ich nicht schon immer mal an so einem historischen Ort einen Overnighter machen? Gesagt, getan, ich säubere hinter der Betonhütte einen Platz und steige dem Bunker auf's Dach für's Chillen und Lage checken, ob da überhaupt jemand vorbei kommt. Es kommt keiner vorbei. Prima, dann wird das für die vorausgesagte verregnete Nacht mein Lagerplatz.
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7. Krkonoše (Riesengebirge) mit versehentlicher Königsetappe über die Schneekoppe 23.-25. August 90 km Die Hotelnacht in dem 10 stöckigen Gebäude in Trutnov war super. Morgens um 6 Uhr kann man vor lauter Nebel gar nichts von der Stadt sehen. Aber ich bin ja erst mit zusammenpacken beschäftigt, den Frühstück gibt es erst um 8 Uhr am Wochenende. In der Hoffnung, schon ein Käffchen vorher zu ergattern, bin ich schon um 20 vor 8 vor dem Frühstücksraum, umsonst. Ist noch abgesperrt. Und dann sind auf einmal 30 bis 40 Frühstücksaspiranten vor der Glastür, und als aufgeschlossen wird, bin ich die 3. am Kaffeeautomaten und warte geduldig lange 5-10 Minuten, bis mein Kaffee aus der Kiste produziert wird. Es gibt heute morgen Speisen, die sonst nie um diese Zeit verzehren würde: Rührei mit Speck, Wiener Würschtl, gebratenes Gemüse und 2 Stück Kuchen mit Blaubeerjoghurt. So gestärkt geht es um 8:30 geht es los aus Trutnov. Ich habe spontan am frühen Morgen etwa 25 km weiter nochmals eine Nacht in einer Baude gebucht, da ich heute spät wegkomme und ich nicht irgendwo auf der Schneekoppe am Abend landen möchte. Keine Lust auf kalte Nacht und Rangerkontrollen. Etwas abseits von der Via Czechia lockt die Lysečinská bouda und es klappt mit der Buchung über mapy.com. So mache ich auf ganz gemütlich und schaue mir Mittags erstmal ganz ausführlich die Bunker auf dem Stachelberg an. Hitler hat Tschechien bereits weit vor dem 2. Weltkrieg gedroht, was die Tschechen frühzeitig veranlasst hat, mit dem Aufbau der Bunkerlinie zu beginnen. Nur gab es dann schon im September 1938 ein Abkommen, in dem Tschechien Gebiete abtreten musste, und so griffen sich die Nazis die Bunker. Umso verständlicher wird die radikale Vertreibung der Deutschen nach Kriegsende. Alle haben es schon vor Kriegsausbruch gewusst, wie sehr Deutschland als Kriegstreiber fungiert, aber das was uns Nachkommen vermittelt wurde, ist, dass man "ja nichts gewusst hat". Die Wege in Richtung Sniězka sind wunderschön und ich genieße die Ruhe der Landschaft. Ich komme an drei Unterständen vorbei, die sich zum Übernachten eignen, aber ich freue mich auf meine Berghütte. Die erreiche ich dann am mittleren Nachmittag und bin entzückt über das gemütliche Kammerl im 2. Stock. Als Abendessen gönne ich mir Hühnerschnitzel, wohlwissend, dass die letzten 2 Tage eher hyperkalorisch ausgefallen sind. Aber ich habe ja noch 3 Wochen zu wandern! Der Plan des heutigen Tages ist folgender: die Baudenübernachtung nutzen, um einen Frühstart hinzulegen. Es ist kein Zelt und Zeugs einzupacken. So früh wie möglich los um die 4 h bis zur Schneekoppe abzusolvieren, bevor der große Gipfelansturm kommt, und der kommt so sicher wie das Amen in der Kirche. Ich stehe um kurz vor 4 Uhr mit Stirnlampe auf der Asphaltstraße und folge ihr in der Dunkelheit bis Horní Malá Úpa. Komme dadurch rasch vorwärts. Dann geht es bereits in der Morgendämmerung den Grenzsteig entlang. Alle Wege im Riesengebirge sind mit Steinen ausgelegt, was es manchmal schwierig macht, vorwärts zu kommen. Ich muss sehr aufpassen, um nicht umzuknicken. Aber die frühmorgendliche Aussicht auf Polen ist großartig. Dann rückt sie auch endlich ins Visier, die Schneekoppe. Von ihr hat mir schon mein Großvater erzählt. Der Weg verläuft natürlich nochmals nach unten, um dann wieder anzusteigen. An der Bouda Jelenka mache ich um 7 Uhr erstmal Frühstück, um dann die restlichen 3,5 km in Angriff zu nehmen. Da fällt mir das Via Czechia Schild ins Auge, das verheißt, dass es bis zur Labská Bouda (Elbfallbaude) nur mehr 22 km weit ist. Warum dort nicht gleich einbuchen? 12 km hab ich schon, noch die 4 km bis zum Gipfel und dann den Rest, pillepalle! Gesagt, getan, gebucht, bezahlt, weil ich habe hier gerade auch Netz. Auf den letzten Metern zum Gipfelplateau hüpft mir doch prompt ein junger Baumpieper ins Sichtfeld! Allein die Aussicht schon auf dem Anstieg ist großartig, auch wenn die Sonne längst vormittäglich am Himmel steht. Dann erreiche ich den Gipfel noch vor neun Uhr, die Seilbahn baggert schon vereinzelt Leute hoch. Das Bistro hat noch zu und im Schlesierhaus am Sattel weiter unten ist noch tote Hose. Ich will dem rot-markierten Weg weiter folgen, aber halt, "Ugawa", der ist Einbahnstraße, nur für die Aufsteiger. OK, mapy.com schlägt mir eine Umgehungsschlaufe vor, denn ich bin hier heroben ohne Netz und deswegen wird mir die polnische Topokarte nicht angezeigt, die ich mir vorab nicht zum offline-Gebrauch heruntergeladen hatte. Schwerer Fehler! Und so mache ich mich auf den Weg auf einem Umweg auf der tschechischen Seite, erstmal nichts ahnend, dass der erstmal 5 km ganz weit hinunter führt und dann 5 km bis zu einem Talschluss zwar wildromantisch, aber dann verflucht steil wieder bergauf. Es ist bereits Mittag, als ich auf dem Sattel links des Schneekoppegipfels stehe. Mittlerweile werde ich von den Massen von Gipfelstürmern erschlagen. Und dann sehe ich auch noch, dass es doch eine Abkürzung auf der polnischen Rückseite der Schneekoppe gegeben hätte. Zu spät, um sich zu ärgern. Ich verlaufe mich kurz auf die polnische Seite und stolpere dann den richtigen Weg weiter bis zur Luční Bouda, wo ich dringend eine Pause brauche für Kofola, polévka, Cappuccino und koláče. Dann funktioniere ich wieder besser und stürme ein enggeschnittenes Tal hinunter. Keine Chance zum Wildcampen hier, bin ich froh um die gebuchte Baude. Eigentlich hätte ich der Via Czechia nochmals über einen Kamm mit mehreren 1400er folgen sollen. Ich merke aber, dass ich nach 38 km und 1700 hm ziemlich alle bin. Außerdem habe ich mich schon wieder verlaufen und bin einen Wasserlaufweg an der Bílý Labe (Weiße Elbe) falsch abgebogen. Wunderschön, aber falsche Richtung. Also wieder zurück. Dann suche ich mir auf der Karte einen weiter unten liegenden Weg bis zur Labská Bouda, der sich als Höhenweg mit toller Aussicht entpuppt. Zum Genießen bin ich ehrlicherweise viel zu platt. Ich muss das morgen wieder im Genussbereich machen, denn die letztlich 45 km und 2200 hm auf meinem Tagestacho sind mir auf Dauer zu viel. Die Baude ist mehr oder weniger ein Ski-Hotel aus geschätzt den 90ern, aber das ist mir heute egal. Duschen, Essen, Schlafen und morgen das Frühstück um 8 zelebrieren. Morgen wird ein kurzer Tag, versprochen. Heute lasse ich es líný angehen. Nach einer guten Nacht, ich habe zeitweise geschlafen wie ein Stein, bleibe ich bis nach 8 im Bett und trolle mich erst um halb 9 zum Frühstück, in der Hoffnung auf freien Zugang zum Kaffeeautomaten. Und das hat sich gelohnt. Ich ergattere 4x káva lungo und einen Teller voller Rührei mit Wiener Würstchen als ersten Gang. Der zweite wird Kuchen mit Sahnejoghurt-Topping. Das brauche ich auch, weil nach 3 Wochen Wandern sind meine angefutterten 2 Kilo zu viel mittlerweile fast abgeschmolzen, wie ich nach der Nacht feststellte. Um halb 10 geht's erst los für mich, es sind heute tatsächlich nur 16 km bis Harrachov, wo ich mich im Skizentrum vor den Sprungschanzen für einen schmalen Taler eingebucht habe. Ein "Nero-Day" also. Der erste Teil der Strecke besteht aus einem absoluten Panoramaweg durch den Rest des Krkonoše mit permanenter Aussicht. Am Václav Vrbrata und Bohumil Hanč Denkmal begegne ich 2 Österreichern aus dem Mühlviertel und wir kommen ganz nett ins Gespräch, so dass wir uns zum gemeinsamen Selfie entscheiden. Dann geht es aussichtsreich weiter auf der Langlaufmagistrale bis zum Bergkamm, wobei mir immer mehr Leute, überwiegend Polen, entgegen kommen. Später Vormittag/Mittag zertreten sich die Touris insbesondere im Riesengebirge, zumindest im August, das muß man wissen. Ein Stück des Weges verläuft auf polnischen Boden, die Reifträger Baude ist bereits kilometerweit zu sehen, ich aber werde einige hundert Meter davor wieder nach links in die Tschechische Republik abbiegen. Da sind dann auch etwas weniger Leute. Der zweite Teil der Strecke verläuft dann sehr idyllisch kilometerweit durch das Mumlava-Tal, zwar auf Asphalt, aber das ist mir fast lieber als die sonst so steinigen Wege. An der Mumlava Bouda mache ich nochmals Halt, damit ich nicht zu früh im Hotel einchecke. Und dann geht's auch recht schnell. An den Sprungschanzen steht das Hotel und hat Schullandheimcharakter. Ich bin in einem 5-Bettzimmer mit Etagenklo und -dusche. Das Zimmer habe ich aber für mich alleine und für 30€ mit Luxus-Frühstück darf man nicht meckern. Es ist mittlerweile bewölkt und herbstlich kalt geworden, da wäre es auf dem Campingplatz auch nicht idyllisch. Im Potraviny gegenüber hole ich mir Linseneintopf und Birell zum Abendessen und schaue mir noch die diversen Sprungschanzen an. Alles lost places mittlerweile, der tschechische Skiverband hat kein Geld mehr und die Sportstätten verfallen und sind überwuchert.
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Den halben Sommer in Tschechien: Via Czechia severní (Nordtrail)
Die Kombination Broumovské stěny - Riesengebirge - Isergebirge bis in die Lausitz ist für den Felsliebhaber sehr interessant. Ein Highlight jagt das nächste. Da ist man bis zu 10 Tagen beschäftigt. Das Riesengebirge unterscheidet sich - bis auf das Erzgebirge, das auch schon wieder einen eigenen Charakter hat - von den anderen Mittelgebirgen, wie Beskiden, Altvater, Adlergebirge. Das Riesengebirge ist semialpin mit abgeflachten Bergen, aber auch lawinösen Abbrüchen und Schluchten. Erzgebirge alleine zieht sich auch, da ist man so ca. eine knappe Woche unterwegs. Ich persönlich hatte da ein kleines bisschen meine "Anpassungsschwierigkeiten", kilometerweise dichteste Nadelwälder mit hügeligen Waldböden, fast unmöglich flache Lagerplätze zu finden. Hochtäler mit großen Wiesen- und Torfflächen, die für Rinder per Elektrozäune abgesperrt sind, sind für das Auge schon reizvolle Landschaften, aber wie gesagt, lagerunfreundlich...ich mag Mischwälder lieber. Oder aber Böhmische Schweiz ab Děčín (also von West nach Ost) mit der Lausitz kombinieren. Ein weiteres Filetstück des tschechischen Nordrands. Beskiden bis Altvatergebirge fand ich persönlich auch sehr ansprechend, dazwischen halt Agrar-Landschaft im Mährischen Tor, nicht jeder mag das, ich schon, da die Aussichten reichlich waren. Kurzum, man kann eigentlich nicht viel falsch machen, es ist eigentlich alles am Nordrand ansprechend...
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Den halben Sommer in Tschechien: Via Czechia severní (Nordtrail)
6. Im Felsenlabyrinth der Broumovské stěny (Braunauer Bergland) 20.-22.August, 73 km Der scheinbar unidyllische Lagerplatz im Dickicht oberhalb des Friedhofes von Hronov konnte nicht besser gewählt sein. Es kamen in der Nacht gleich 2 Unwetter, und mein Zelt lag war somit nicht exponiert. Der Wind kam gar nicht richtig durch. Und das Gewitter knallte nicht direkt über meinen Übernachtungsplatz. Etwas zögerlich komme ich morgens im Nassen los. Aber der Tag ist von vornherein so sonnig, das es gleich wieder Spaß macht, auszuschreiten. Nach 1 Stunde mache ich an einer Hütte halt und lege die klammen Schlafsäcke und das Zelt zum trocknen in die Sonne. Nach weiteren 3 km ist das Dorf Machov erreicht, das neben einer Skisprungschanze einen Trinkbrunnen und ein potraviny hat, in letzterem kaufe ich mir mein Frühstück ein. Da sich meine große Powerbank scheinbar einfach so komplett entladen hat, schaue ich mich nach Lademöglichkeiten um und steuere einen Parkplatz mit angeblich WC an, in der Hoffnung, eine Steckdose zu finden. Das WC findet sich nicht, dafür komme ich an einem Van aus Passau vorbei und ich komme mit dem Pärchen sogleich ins Gespräch. Sie hängen derweil mein Handy und die kleine Powerbank an ihre Batterie und nach 15 min gehe ich mit 80% Ladung wieder meinen Weg weiter. Ich komme in das Felsenlabyrinth der Broumovské stěny und durch das stete auf und ab komme ich an diesem Tag fast auf 1000 hm. Nach knapp 25 Tageskilometer geht mir heute die Puste aus, ich steige vorzeitig ins Tal hinunter, da auch für den Abend wieder Gewitter gemeldet sind. An einem Bachlauf finde ich schöne ebene Flächen unter Buchen neben einer alten Feuerstelle. 2 Jungs, die spät mit ihren Rucksäcken anrücken, trollen sich wieder, als sie mich sehen. Morgen werde ich bis Adršpach kommen und für übermorgen habe ich in Trutnov, die größere Stadt am Fuße des Riesengebirges, meine erste Übernachtung während dieser Wanderung in einem Hotel gebucht und bezahlt. Mein Lagerplatz mit eigenem "Badezimmer" war super. Ich blieb die Nacht allein und es regnete nicht. Beim Zusammenpacken erkenne ich schon den blauen Himmel und die Morgensonne. Und so geht es frisch über Land, um dann wieder zu den Felsen aufzusteigen. Die Teplické skály und später die Adršpacher Felsen liegen heute auf dem Weg. Ein Restaurace würde sich in der Mittagszeit zwar anbieten, ich habe es aber eilig, um noch vor dem angesagten Dauerregen bis morgen früh zu einem Campingplatz in Adršpach zu kommen. Angeblich 28 km und dann noch Felsenlabyrinthe, das wird sportlich. Die Teplické skály gefallen mir gut und ich kann sie genießen, da hier noch nicht so viele Leute unterwegs sind. Anders ist es dann in der Adršpacher Gegend. Dort sind zwar die Felstürme nochmals mehr beeindruckend, aber gerade in dem Bezahlbereich, durch den die Via Czechia führt, laufen Massen von Polen und etwas weniger Tschechen die engen Stiegen auf und ab. Es hilft nichts, ich muss mich gedulden wie auf einem Klettersteig. Ich glaube eher, ich bin in der Enge des Labyrinths eine unfassbare Zumutung, nach fast 3 Wochen Wildnis müsste doch mein hiker-stink hier alle ins Koma befördern.... Irgendwie nehm ich dann eine blau gestrichelte Route und kürze wahrscheinlich ein oder 2 km ab. Der Rest der Strecke ist dann wieder kongruent mit dem Bezahlweg. Ich habe Glück, weil es kontrolliert auch keiner. Der Weg wäre auch nicht sein Eintrittsgeld wert, da die Massen einen daran hindern, die Felstürme zu bewundern. Nur raus aus dem Pulk, heißt die Devise, und es fängt auch noch das Tröpfeln an. Dann endlich der grüne Streifenweg nach links, der mich auch direkt zu dem Campingplatz hinleitet. Wahrscheinlich habe ich hier mir nochmals 2 km gespart. So erreiche ich am mittleren Nachmittag mein Ende des Tages. Die Campingplatzbesitzerin ist eine süße alte Lady namens Eva, nimmt umgerechnet 6 €, um mir gleich wieder ein 20 Kronenstück für die Dusche zu schenken. Wahrscheinlich mache ich wirklich so einen erbarmungswürdigen abgeranzten Eindruck. Nachdem mein Zeltchen steht, genieße ich sofort das warme Wasser und spüle mir sämtlichen Wanderstaub aus meinen Poren. Die potraviny-Möglichkeiten liegen beide 3 km weg, da verzichte ich gerne auf einen Einkauf und lebe heute Abend von dem, was mein Fressbeutel noch so hergibt. In der Nacht hatte meine Plastikbaude zwei große Belastungstests zu überstehen: zum Einen fiel das Gewitter heftiger aus, als ich mir das so vorgestellt hatte, nämlich mit heftigen Sturmböen und Starkregen sowie gefühlt stundenlangen Gewitterblitzen mit sogar Rotstich über der Adrspacher Felsenlandschaft. Zum anderen näherte sich ein Dieb und dank meines seichten Schlafes bemerkte ich sofort, dass sich mein Proviantbeutel aus dem Zelt bewegen möchte. Reflektorisch hielt ich im Halbschlaf meinen Fresspouch (mit der duftintensiven Klobása) fest, dann riß irgendwas an der Zeltfront und meine Taschenlampe offenbarte nicht etwa einen tschechischen Geist oder vielleicht einen Waschbären, sondern einen eigentlich putzigen Fuchswelpen, der sich durch mein Zischen endgültig trollte. Das Taschenlampenlicht offenbarte aber auch die Misere: Der Moskitonetzeingang hat jetzt einen gut 10 cm langen Querriß, den ich im nächtlichen Regen gleich fummelig mit einem TPU-Tape notdürftig abklebe. Das dürfte halten. Mein Müllbeutel mit der Käseverpackung ist am Morgen verschwunden und als ich in den naheliegenden Wald in Richtung Kletterfelsen ein bisschen schaue, sehe ich eine zumindest einen leeren Plastiksack, der meiner gewesen sein könnte. Noch scheint die Sonne in Adršpach am Morgen und die Felsen schauen sehr schön aus. Nachdem ich meinen Zelt mit dem Lappen abgewischt habe, beginne ich, meine Sachen zusammen zu packen und auch die tschechischen Jungs aus der Übernachtungsbaude oberhalb sind schon munter. Wir begrüßen uns gegenseitig mit "Dobré ráno" und fragen uns gegenseitig aus, wie die Nacht denn so war, weil das Gewitter war schon heftig. Ich erzähle ihnen von der lustigen Fuchsbegegnung und zeige den Riss im Moskitonetz. In Zukunft verstaue ich meinen nach guter Wurst riechenden Fressbeutel vollständig in meinen Rucksack. Nach herzlichem Nashledanou geht's für mich schon los. Ich möchte am frühen Nachmittag nach Trutnov kommen, damit ich etwas von gebuchten Hotelzimmer habe. Weil einen Zeroday möchte ich nicht einlegen. Lieber dann nur 23 bis 25 Schlenderkilometer, die mir mittlerweile sehr leicht fallen. Die erste Stunde wandere ich noch in der Sonne aber dann sehe ich, dass sich die dunkle Wolkenwand immer mehr nähert. Auf meinem weiteren Weg begegne ich vielen einzelnen Wanderinnen und Wanderer, aber auch so lustige Figuren, wie zum Beispiel einen älteren Herren in einer quietschroten Laufshorts mit blauem T-Shirt, das ich viel zu dürftig bei den kühleren Temperaturen finde. Dann kommt ein weiterer dürrer zahnlückenbehafteter älterer Herr in einer weißen Basketballhose und Regenjacke entgegen. Er fragt mich, ob die Baude, die ich gerade passiert habe, offen hätte und ist glücklich als ich ja gesagt habe. Ich weiß es tatsächlich nicht sicher, er wird schon sehen. Dann begegne ich einen etwas festeren jüngeren Mann mit einem feschen Fußballtrikot, der eine Kinderhandtasche mit Comicmuster mit sich trägt, aber so fröhlich sein "dobrý den" singt, dass ich unbesorgt weitergehe. In einem winzigen Laden kaufe ich ein und wundere mich, dass mich die Verkäuferin auf Deutsch anspricht ohne den sonst üblichen tschechischen Akzent. Sie erzählt mir, sie sei Nachfahre von da gebliebenen Sudetendeutschen. Ich kaufe ihr ein großes Stück Käse und einen Liter Milch ab. Letzteren trinke ich gleich vor dem Geschäft komplett als Frühstück. Das Wetter bleibt so bewölkt und wird regnerisch und deswegen bin ich ganz froh dass ich um die Mittagszeit nur mehr 10 km bis Trutnov habe und ich dort ab 15 Uhr einchecken kann. Dann sind so die nötigen Dinge angesagt wie Wäschewaschen, Duschen, Powerbanks laden, Zelt und anderes trocknen. Weil ich zu früh zum Einchecken dran bin, leiste ich mir in einer Vorstadthospoda ein schönes Schnitzel mit Kraut und Knödel. Eine Kombination, die ich so nicht kenne, aber sie schmeckt hervorragend für umgerechnet 10€. Ein unschlagbares Preis-Leistungsverhältnis, in Deutschland ist man mindestens um das doppelte ärmer. Im Hotel bin ich tatsächlich Punkt 15 Uhr. Kann herrlich entspannt meine Klamotten waschen, die auf dem aussichtsreichen Balkon in Wind und Sonne trocknen. Von dort sehe ich schon auf die Schneekoppe!
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Den halben Sommer in Tschechien: Via Czechia severní (Nordtrail)
5. Im Adlergebirge (Orlické hory) 17.-19. August 90 km In der schönen Útulná blieb ich natürlich nicht alleine. Um halb acht abends pirscht ein junges Paar durch die Birken und fragt schon mal, ob ich alleine bin. Ja, bin ich. Prima, denken die sich auf tschechisch, es könnte schlimmer sein. Flugs packen sie Chips und Bier aus ihren Rucksäcken und stellen sich als Jonaš und Barbara vor. Er kann etwas Deutsch, ist Skilehrer im Krkonoše und sie studiert irgendwas mit Chemie in Prag. Jonaš versetzt mich mit einem seiner Kartentricks ins Staunen. Dann verraten sie mir Neratov als Camping Geheimtipp bzw. Hiker-Heaven gleich neben dem Kloster mit WC und Pipapo. Es liegt nicht direkt an der Via Czechia, sondern 4 km Richtung polnische Grenze, an der Stezka Čezkem. Warum nicht einen Schlenker einbauen? Mich treibt ja nix an und außerdem sind ab spätnachmittags Gewitter angesagt. Also los. In Mladko hole ich mir aus dem potraviny ein Kolatscherl, also Kuchenstück zum Frühstück, Wasser habe ich mir aus einer Quelle besorgt. Später stoße ich auf ein Schild, auf dem darauf hingewiesen wird, dass es sich um eine radioaktive Quelle handelt. Egal, abgefüllt ist abgefüllt. Und so schlendere ich weiter, viel auf Landstraße, später im Wald wieder an der Bunkerlinie entlang. So viele Waldlodges alle 100 m! Wie historisch ist dieser Landstrich. Auf dem Abzweiger nach Neratov, das in einem engen Talkessel liegt, überfällt mich ein erster Wolkenbruch. Kurz davor hatte ich mal Aussicht und vermeinte in der Ferne, einen Blick auf die Schneekoppe zu erhaschen. Kurze Zeit später ist wieder alles in Wolken gehüllt. Dann geht's ins Tal hinunter und um halb drei nach 25 km überragt die große Wallfahrtskirche von Neratov, vormals Bärnwald den engen Talkessel. Dahinter gibt's die Zeltwiese und 2 pyramidenartige Chatas, die erste wird gerade durch eine Familie mit Kindern bezogen, die zweite kann ich mir sichern. Halb drei nachmittags ist also nicht zu früh. Das dritte Pärchen stellt sogleich ein Zelt auf und ein tschechischer Mann fragt mich zugleich auf deutsch, wie lange ich in der Hütte bleibe - na, eine Nacht halt- prima, dann schlafe er heute erstmal im Auto und bezieht dann morgen nach meinem Aufbruch mein Chalet. Das Beste kommt noch: es gibt nicht nur WC, Ladesteckdosen, sondern auch eine sprcha (Dusche) mit warmen Wasser, umsonst! Mein Glück ist perfekt. Ich verbringe den Restnachmittag wie eine Glucke vor dem Chataeingang, koche Ramennudeln und Tee, während das 2. und 3. heftigere Gewitter vorüberzieht. Ganz dicht ist das Hüttchen beim starken Regen nicht, aber es gibt Schlimmeres. Das Ding ist jedenfalls für heute Abend meins. Die Nacht in der Holzpyramide war ein Traum. Ich konnte sie abends noch wild verteidigen, als eine Wanderin im Regen auch da Unterschlupf begehrte. Nun war das Ding sehr intim beengt und duster, und ich wollte nicht schon wieder eine Nacht mit unterschiedlichen Rhythmen anderer Mitübernachter über mich ergehen lassen. Ich erklärte mich dahingehend, dass ich lieber für mich alleine wäre und sie sagte, kein Problem. Am Morgen sehe ich dann, dass sie wie etliche andere an der überdachten Kirchenaußenfassade ein trockenes Schlummerplätzchen gefunden hatte und noch selig poofte, als ich schon längst aufbreche. Die Holzhütte war zum richtigen Zeitpunkt. Es kamen am Abend mindestens 3 sintflutartige Unwetter, dass sogar Wasser in das Hüttl tropfte. Am frühen Morgen geht's doch gleich über die Stezka čezkem zurück zur Via Czechia, natürlich nicht ohne Verhauer. Zuerst dachte ich, das Adlergebirge ist nicht so ansprechend. Eigentlich oft ein grüner Tunnel ohne besondere Aussicht. Aber dann wandere ich kilometerlang auf einem wunderschönen Pfad. Über mir fliegen Scharen von Kreuzschnäbeln, und kurz vermeine ich auch, die weißgefleckten Flügel von Wiedehopfen auszumachen. Hier in der Gegend? Und tatsächlich weist eine Tafel darauf hin, dass es welche gibt. An einem Kreuzungspunkt steht die erste Hütte des Weges, dessen Kiosk wohl nur am Wochenende offen ist. Eine Familie hat den Vorbau als Übernachtungsplatz benutzt und ein Lagerfeuer ist am ausglühen. Ob ich Hermelin will, der sei noch übrig. Jetzt weiß ich endlich, das die Tschechen mit Hermelin einen Camembert meinen. Ich freue mich riesig und verspeise sogleich den ersten der beiden. Später komme ich mit einem älteren Herrn ins Gespräch. Er erzählt mir mit ein paar Brocken Deutsch, dass er schon in Bozen gearbeitet habe. Wir verabschieden uns mit Handschlag. Keine halbe Stunde später stoße ich auf eine herzliche Frauenpartie aus pensionierten Freundinnen. Eine war Lehrerin, eine Physiotherapeutin, eine gynäkologische Krankenschwester. Die Stimmung ist so prima, dass wir ein Selfie machen. Auch der zweite Kiosk des Weges hat geschlossen, und versäumt ein Riesengeschäft, da sich mittlerweile zig Wanderer und Radfahrer wegen des nahen Aussichtsturm versammelt haben. Ich gehe weiter und gerate zur highnoon Zeit an eine große Baude mit Restaurace. Für mein Kofola muss ich mindestens 20 min warten, werde aber dann sehr freundlich vom deutschsprechenden Kellner versorgt. Woher ich denn käme? Die Bayern haben gutes Bier, meint er anerkennend. Ich bin fast peinlich berührt, dass so viele Tschechen ein paar Sätze Deutsch können und wir Deutschen kaum oder gar kein Tschechisch sprechen. Dann geht es über einen letzten Aussichtsturm mit unzähligen Kindergruppen so langsam bergab. Ich verlasse allmählich die Orlické hory, kaufe nochmals ein Ramensüppchen in dem potraviny der kleinen Ortschaft und finde zumindest am Rand einer Wiese an einem plätschernden Bächchen einen leidlich ebenen Platz für mein Zelt. Heute Nacht soll es wieder regnen. Die Nacht auf der polnischen Wiese in meiner Plastikbaude war trotz Regen ganz famos. Natürlich komme ich dann morgens nicht ganz so schnell in die Pötte, wenn noch alles Nasse von den Bäumen auf das Zeltdach tropft. Dann kurz vor acht stapfe ich über nasses Gras die paar Meter nach Tschechien zurück und wandere wieder auf Asphalt. Tatsächlich kommt mir doch am frühen Morgen eine festere Gestalt entgegen, die sich bei näherem Hinschauen als eine einzelne Wanderin mit dickem Rucksack herausstellt. Nach etwa 5 km erreiche ich den ersten Aussichtsturm des Tages auf dem Šibenik. Da gibt's zwar null Aussicht, aber eine Steckdose und Mülleimer. In Nový Hradec um halb 10 gibt's Frühstück aus dem potraviny für mich: ein leckeres süßes Teilchen und einen halben Liter Buttermilch. Später geht es in eine Schlucht mit traumhaften Trails. Am Ende angelangt, stapfen Leute mit Trockenanzug und Kescher durch's Dickicht. Ich erfahre, dass es sich um einen Trupp Biologen handelt, die die kleinen Fische im Waldbach erst per Elektroschock betäuben, um sie zählen zu können. Hier heroben sei noch alles ok, aber weiter unten in der Ebene macht sich die Trockenheit schon bemerkbar. Am Ende der Schlucht befindet sich ein netter tschechischer Biergarten, wo ich mir für umgerechnet 1,60 € ein "Bernard" gönne. Wär ich mal lieber alkoholfrei geblieben, denn der folgende Anstieg hat es in sich. Und der Weg bis nach Náchod zieht sich ziemlich. Das Städtchen ist größer als gedacht. Den LIDL lasse ich links liegen und verspeise auf einer profanen Bank direkt an einer Kreuzung mein 2. von gestern geschenktes Hermelin. So gestärkt gehe ich die 9 km bis nach Hronov, nicht ohne noch den 2. Aussichtsturm des Tages, dieses Mal mit Aussicht, zu besteigen. In Hronov leiste ich mir einen kühlen Liter Milch und eine neue Flasche Mineralwasser. Auf dem dortigen öffentlichen WC kann ich nochmal schön die Hände waschen, bevor ich mich hinter dem Friedhof des Ortes auf einer Anhöhe im dichtesten Dickicht ein verschwiegenes Plätzchen ausspähe. Das ist auch gut so, denn im Wald fahren in den Abendstunden noch allerlei motorisierte Vehikel umher. Heute Nacht soll es wieder regnen, stürmen und gewittern.
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Den halben Sommer in Tschechien: Via Czechia severní (Nordtrail)
4. Hruby Jeseník (Altvatergebirge) und Rychlebske hory (Reichensteiner Gebirge): Am Praděd vorbei auf den Schneeberg 13.-16. August 110 km Ich liebe Nächte wie diese: unspektakulärer Fichtenwald, weicher Boden, Windrauschen, überwiegend eben. So geht Regeneration. Um kurz nach 7 Uhr mache ich mich auf um just nach 600 m an der Chata na Skřítků eine Ladestation zu entdecken. 10 min Handyaufladen muss jetzt auch noch sein. Dann beginnt ein langer schöner Anstieg durch den Wald, auf dem mir 15-20 Tschechen unterschiedlichen Alters mit Rucksäcken entgegen kommen. Offenbar ist der Bergkamm wieder ein Hotspot für Sonnenunter- und aufgangsanbeter. Nach einigen Höhenmeter erwartet mich schon der erste verblockte Gipfel Ztracené kameny, auf dem ein junger Tscheche sein erstes Gipfelbier um kurz nach 8 Uhr hineinschüttet. Ich gehe mal besser weiter. Und dann kommt in dieser Morgenstunde der mit Abstand schönste Trail in Richtung Praděd, dem Altvatergipfel mit fast 1500 hm. Aussichten mit 360°-Panorama auf einer riesigen Hochfläche, bei der es klar wird, warum so viele von ihrem Biwak kommen. An der Jelení studánka gibt es reichlich Quellwasser und einen großzügigen Unterstand, in dem viele Leute hineinpassen. Momentan ist hier keiner mehr. Ich bin im flow und wandere an Heidekraut vorbei mit permanenter Aussicht. Immer auch den Blick auf den Praděd voraus dreht sich der Weg an einem Lift halbkreisartig. Das vorläufige Ziel ist das Skiörtchen Ovčárna, in dessen Restaurace ich meinen Brunch mache. Langsam bekomme ich eine smažený sýr mit hranolky -Vergiftung, aber das ist das einzige Gericht, was ich am besten aussprechen kann. Das WC eignet sich für Catwash und die Dame hinter dem Tresen lässt mich mein Smartphone aufladen. Frisch gestärkt geht es auf Teerstraße zum Praděd. Es ist Mittag und eine Massenprozession bewegt sich gen Gipfel. Da lasse ich den Altvater doch lieber rechts liegen und spare mir die letzten hm. Das nächste Ziel ist eine Hütte in Švýcárna. Ich muss für mein pivo garantiert 20 min anstehen, aber mir macht das nichts. Dann folge ich dem Weg weiter, meist abwärts, dann über Bohlen, dann wieder steinig bergauf. Mit einer älteren Einheimischen komme ich auf Englisch ins Gespräch, es schaltet sich ein älterer Herr dazu, der besser Englisch kann und so fragen sie mich ein wenig aus und wünschen mir eine gute Wanderung. So macht das richtig Spaß, wenn man Kontakt zu den Leuten bekommt. Für den Abend suche ich die Vřesová studánka auf, eine Mischung aus Quelle, Kapelle und Unterstandshütte, auf dem Dachboden könnte man nächtigen, aber da ist schon eine Familie mit Kindern. Ich suche mir etwa 50 m weiter oben ein Sonnenplätzchen zwischen Heidelbeeren und Felsen. Über mir fliegen Fichtenkreuzschnäbel. Ich glaube, ich mache heute mal wieder Cowboy Camping. Der Biwakplatz war im Grunde nicht schlecht, unauffällige Lage, aber windige Exposition. Ein Biwak hat den Nachteil, viel anzuziehen und sich nicht ausbreiten können. Der Vorteil besteht in den Wachphasen, dass man direkt in einen gigantischen Sternenhimmel guckt und Sternschnuppen zählen kann. Und man versäumt den Sonnenaufgang nicht. Dieser hier ist wieder sagenhaft schön, wenn sich die neon-rosa Scheibe hinter den blauen Bergketten erhebt. Ohne Frühstück geht's auch gleich los. Auf dem ersten Gipfel des Tages, dem Keprník vrchol, einem 1400er, bin ich schon nicht mehr alleine. 2 nette Burschen lassen englisch mit sich reden, und so machen wir gegenseitig von uns Gipfelfotos. Auf dem Weiterweg nach Ramzová knurrt mir der Magen, kommt jetzt etwa der hiker-Hunger? Und so stolpere ich den sehr steinigen Weg hinab und wundere mich, dass mir immer mehr Touris um diese Zeit schon entgegen kommen. Das Rätsels Lösung ist eine Seilbahn, die alle ein paar hm nach oben schweben lässt. Am späten Vormittag bin ich in Ramzová und kaufe der Minimarket-Frau Wasser und ein paar Snacks ab. Ein gefüllter Krapfen in die Hand muss auch sofort sein. Keine 700 m weiter entdecke ich ein Hüttenresort, dessen Parkplatz mit Laternen bestückt ist, die in den Masten Steckdosen haben. Bis Mittag gibt es also für mich nochmals eine Ladepause. Dann kommt wieder ein Anstieg durch den Wald und auf schönen Trails bis zur polnischen Grenze. Ich mache einen 500 m Abstecher zu einer großen Berghütte, Horská chata Paprsek, wo ich mir Gulaschsuppe und als Nachspeise eine große Heidelbeerdampfnudel gönne. Letztere bereitet mir ein Zuckerkoma, mit dem ganzen Puderzuckertopping und der flüssigen Butter obendrauf. Und Aussicht hat man beim Essen direkt auf den Dalimilova rozhledna einige hm weiter unten, ein Aussichtsturm bzw. eine verkleinerte Replik der Sněžník-Aussichtsplattform. Zu dem Sněžník wandere ich aber erst morgen. Mit vollem Bauch schlendere ich nach langer Pause wieder an den Grenzsteig und nehme mir nochmals 10 km vor. Allerdings schwächle ich heute nach dem frühen Aufbruch und ungewohnt vollen Magen, so kommt es mir gelegen, bereits schon nach weiteren 8 km ein Waldstück zu entdecken, wo sich ein verschwiegenes Plätzchen auftut. Ich brauche heute wieder eine unspektakuläre Nacht. Die Nacht wäre ganz ok, wenn da nicht immer wieder so leichte Raschelgeräusche und ein niedliches Fiepen zu hören wäre. Wahrscheinlich sind Marderchen zu Gange. Ich stecke mir mal Ohrenstöpsel ein und rette si die frühen Morgenstunden für den Schlaf. Um 7 Uhr geht's aber auf, der Sněžník (Glatzer Schneeberg) will heute bestiegen werden, und noch mehr. So geht es erstmal die restlichen km bis zum Sattel. In dessen Chata ist um 8 Uhr erst Aufwachstimmung. Der steile Anstieg kommt erst noch nach einem flachen Gehstück. Dann geht's aber zur Sache. Die ersten Biwakierer kommen mir schon entgegen. Mit einem polnischen Männerduett komme ich sehr ausführlich ins Gespräch. Sie sprechen ausgezeichnetes Englisch, der eine, Tom, hat wohl in den USA studiert, der andere, Jan, kann Japanisch. Sie verraten mir, das kurz vor dem Gipfel eine Quelle sprudelt, somit ist mein Tag gemacht. Beide haben oben biwakiert und zeigen mir traumhafte Sonnenaufgangsfotos. Das Zelt haben sie sich nicht benutzen trauen. Wildzelten ist ähnlich wie bei uns verboten, aber Biwakieren sei eine Grauzone. Was will man denn auch schon dagegen machen, wenn z.B. auf der Schneekoppe im Riesengebirge täglich bis zu 500 Leute bei gutem Wetter dort in Schlafsäcken und Matten den Sonnenunter- und -aufgang betrachten....sagen sie. OK, d.h. hier besser durchstarten oder eben die 501. sein. Dann endlich ist sie da, die Quelle. Ich pumpe mir schon mal einen extra Liter rein und fülle alle Flaschen auf. Das sollte bis morgen reichen. Den Aussichtsturmaufstieg spare ich mir, es ist mittlerweile so oder so halb Tschechien und ein Viertel Polen hier oben. Auf dem E3 geht's wieder hinunter durch den Wald. Es kommen mehrere kleine Bäche, den ersten nutze ich gleich mal für eine ausführliche Wäsche. Dann zieht sich der Abstieg. Das Käffchen Králíky, ehemals Grulich, werde ich heute nicht ganz erreichen und hebe ich mir für morgen Vormittag auf. Dort muss ich wieder nach Wasser schauen. Ein paar km davor lädt ein Waldrand mit Aussicht auf ein Kloster zum Bleiben ein. Das Zelt werde ich wohl erst ganz spät aufstellen. Heute ist Sonntag, und da lasse ich es etwas langsamer angehen. Der Ausblick von meinem Lagerplatz auf das Kloster Hedeč Hora Matky Boží auf dem Bergerl links neben dem Örtchen Králíky wird mir heute noch genügen, denn nach gut 3 km verweile ich erstmal an dem Kircherl Panna Marie, dessen Friedhof einen funktionierenden Wasseranschluss bietet. Perfekt zum Auffüllen meiner Flaschen und zur Morgendusche, ist ja noch keiner da, um Gräber zu gießen. Eine halbe Stunde später gibt es den nächsten verlängerten Stopp. Am Besucherzentrum des Hauptbunkers aus dem 2. Weltkrieg bzw. schon aus der Zeit davor, als die Tschechen ihre Verteidigungslinie aufbauten, kann ich zum einen einen Kaffee trinken und meine Powerbank ein bisschen laden. Am Vortag fand nämlich eine militärische Übung mit sämtlichen tschechischen Organisationen statt und so konnte ich all diese Militärgrößen, die neben mir ihren Morgenkaffee gekrenzt bekommen, beobachten. Nur, dass ich halt leider kein Wort verstehe. Nach einer weiteren 3/4 h der nächste Boxenstopp, namens COOP. Der hat auch am Sonntag auf, und so kann ich wieder Proviant nachkaufen und gebe mich auf der Wiese davor einem ausgiebigen Brunch hin. Da es nun schon später Vormittag ist, spar ich mir die Schlaufe zum Kloster und zu einem Aussichtsturm. Beide Lokalitäten liegen auf einem Hügel und tja, mit vollem Rucksack und Bauch in der Mittagshitze.... Trotzdem blüht mir noch ein Anstieg auf den Suchý Vrch, der knapp unter 1000 m hoch ist. Dahinter liegt ein etwas feineres Restaurant, in dem ich Saláty mit Pute erstehe und mein Handy komplett aufladen kann. Diese 4. Pause zerschießt mein Zeitfenster zum Vorankommen. Egal, ich schalte heute einen Gang zurück und fasse die Útulná U mladkovske školky als Abendziel ins Auge. Wenn die leer sein sollte...immerhin wollte ich ja auch mal in so einer Útulná nächtigen.
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Den halben Sommer in Tschechien: Via Czechia severní (Nordtrail)
Kleine Korrektur: der 1. Abschnitt (Beskiden) war vom 4.- 7. 8. (nicht 8.8.), nur so als Größenordnung für diejenigen, die vielleicht für eine eigene Tour nachrecherchieren möchten. Es waren in den 3,5 Tagen gleich mal 4500 Auftakt-hm🫣🥵