El Chalten Mo 6.3.17
Beim Frühstück unterhalte ich mich mit einer Österreicherin und sie schenkt mir eine Wanderkarte der Gegend. Ich schenke ihr dafür die Beschreibung aus dem Wanderführer. Sie hatte die Karte doppelt, ich die Beschreibung – Win Win.
Um kurz nach 10:00 Uhr starte ich mit einer halb vollen Gaskartusche. Die sollte erst einmal reichen. Auf zum lang ersehnten Cerro Torre. Die Aussicht auf dem Trail ist schlicht atemberaubend. Ich habe Glück mit dem Wetter, kein Wölkchen trübt den Blick auf die Berge. Beim Camp Augustini mache ich kehrt und wandere weiter zum Camp Pinocient. Dort baue ich schnell mein Zelt aufgrund gehe mit dem Tagesrucksack zur Laguna de Los Tres. Sehr schön, auch wenn inzwischen der Fitz Roy in Wolken ist. Der Aufstieg (1h, recht steil) hat sich gelohnt. Einer der schönsten Wandertage überhaupt geht zu Ende!
Zurück im Camp wird gekocht und später fängt es an zu regnen. Die nächsten 3 Tage sollen regnerisch werden – mal sehen. Das Camp ist übrigens recht voll und die sanitären Einrichtungen sind eher etwas für Abgehärtete.
El Chalten Di 7.3.17
Die Nacht war feucht und ich hatte sehr viel Kondens im Zelt. Der Daunenschlafsack hat deutlich an Loft verloren, trotzdem habe ich super geschlafen.
Heute geht es gute 5h gemütlich durch Wälder und an einem Gletscher vorbei. Um 15:30 bin ich dann am Camp Piedra de Fraile. Von dort aus gehe ich dann mit dem Tagesrucksack noch zum Lago Electrico. Am Abend füllt sich dann das Camp (leider) doch noch. Auf dem Weg zum Camp gehe ich immer am Fluss entlang. Ich bin der Meinung, dass er ab der Brück auch ohne Spritzdecke paddelbar sein müsste.
El Chalten Mi 8.3.17
Regen, Regen, Regen, die ganze Nacht und den ganzen Vormittag. Nach dem 3. Kaffee lässt der Regen langsam nach und ich breche auf. Eine halbe Stunde später hört der Regen auf und ich denke wieder ans Packraften! Als ich bei der Brücke ankomme überlege ich gründlich, ob ich das Risiko eingehe den Rio Electrico zu befahren.
Contra: Der Rio Electrico fließt recht schnell und ich weiß nicht was mich erwartet. Ich habe weder Trockenanzug noch Spritzdecke und das Wasser ist eisig.
Pro: Hauptsächlich 3 Gründe: Spaß, Fun und Gaudi!
Also baue ich das Boot auf und mache mich startklar. Ich paddle - und wie! Es geht ganz schön flott voran, 2 mal kommt eine Welle über und ich sitze in einer Badewanne. Macht nichts, das Wasser wärmt sich im Boot etwas auf. Ich passiere eine Straßenbrücke und paddle weiter. Ein gutes Stück flussabwärts ist plötzlich ein Drahtzaum quer über den Fluss gespannt. Schei…! Das ist echt gefährlich und ich kann mich gerade so ins Kehrwasser retten. Was soll das? Ich überlege was ich weiter machen soll und ob noch weitere Zäune drohen. Ich wuchte meine Sachen über den Zaun und als ich weiter fahren möchte höre ich jemanden rufen. Es ist ein Ranger, der mir freundlich aber bestimmt erklärt, dass Paddeln im gesamten Nationalpark verboten ist. Also das heißt, nicht paddeln an sich ist verboten, sondern nur paddeln mit eigenem Boot. Wenn man eine Tour bucht ist alles OK. Das sehe ich aus Naturschutzgründen natürlich ein. Naja es gibt keinen Stress oder Ärger, aber das Paddeln ist leider vorbei. Also packe ich meine Sachen und trampe die letzten Kilometer zurück nach El Chalten. Ich beschließe wieder auf den Campingplatz El Relincho zu gehen und hänge ersteinmal meine Sachen zum Trocknen auf. Am Abend gibt es ein nettes und sehr leckeres Abendessen im La Cava. Empfehlenswert!
El Chalten Do 9.3.17
Es regnet wieder die ganze Nacht und der Schlafsack ist am Morgen wieder klamm, aber OK. Mittelmäßig viel Kondens im Zelt. Ich unterhalte mich mit anderen Campern und alle klagen über viel Kondens. Morgen geht es los auf den Huemul Trekk! Daher gehe ich erst einmal ins Nationalpark Center und beantrage dort mein Permit. Meine Ausrüstung wird gecheckt und mir wird das Permit verweigert, weil ich nur 2 Alu-Karabiner habe. Ich brauche entweder einen 3. Alu-Karabiner oder 1xAlu 1xStahl. Leider werde ich als Solotrecker deutlich gründlicher überprüft als Gruppen. Ich leihe mir dann im Ort einen Karabiner für 1,5€ pro Tag. Man kann aber auch die komplette Kletterausrüstung für 6€ am Tag leihen. Außerdem raten die Ranger dringend davon ab, die Runde komplett zu gehen, weil am 3. Tag sehr starker Wind angesagt ist.
Danach genieße ich meinen Pausentag, kaufe Proviant, koche Kaffee, esse und lese. Am Abend lerne ich Oliver aus UK kennen, der auch morgen auf den Huemul Trekk gehen will. Auch ihm wurde von der kompletten Runde abgeraten. 2 weitere Wanderer aus der Schweiz wollen definitiv am 2. Tag auf dem Pass umkehren und die Runde nicht beenden. Ich überlege mit Oliver, ob wir die Runde nicht gemeinsam komplett gehen. Alleine ist uns beiden etwas mulmig.
Am Abend gibt es eine Pizza im Patagonicus, angeblich die beste Pizza im Ort - und tatsächlich die Pizza mit Lamm ist super!
El Chalten Fr 10.3.17
Es regnet wieder die ganze Nacht, aber morgens trocknet es glücklicher Weise ab. Olli und ich gehen um 9:00 los. Vorher noch Baguette als Proviant für den ersten Tag gekauft. Die Wanderung am ersten Tag ist ganz nett, aber nicht spektakulär. Um ca. 16:00 kommen wir im Camp an, das sich recht schnell füllt. Ich habe genügend Zeit um meine Jacke zu reparieren. Später kochen und essen wir gemeinsam: 1 schweizer Pärchen, 2 französische Pärchen, Olli und ich.
El Chalten Sa 11.3.17
Nachts regnet es wieder sehr stark und ich werde von Mäusen überfallen, die meine Vorräte anknabbern. Morgen wollen Olli und ich entscheiden, ob wir am Pass umkehren oder die Runde komplett gehen. Am Sonntag sind laut Windguru Böen bis 100 km/h gemeldet!
Wir starten um kurz nach 9:00 Uhr und gehen zu 8 los. Olli und ich lassen uns viel Zeit zum Fotografieren. Bei der Seilbrücke treffen wir die anderen wieder. Wow, die Brücke überspannt eine Schlucht mit einer Tiefe von 10 bis 15m! Gut, dass ich den Klettergurt doch einen MYOG-Gurt mitgenommen habe. Die Aussicht auf die Berge und auf die umliegenden Gletscher ist schlicht der Hammer! Als wir gerade am Paso del Viento ankommen sehe ich ca. 100m über dem Berg einen Condor kreisen. Innerhalb kürzester Zeit macht er mehrere Hundert Höhenmeter in der Thermik.
Das ist definitiv einer der besten Trekkingtage in meinem Leben – unvergesslich! Um 17:00 kommen wir am Lago de Refugio an. Dort sind schon 3 Zelte aufgebaut und wir werden von einigen Franzosen und einem Engländer freundlich begrüßt. Es wird gemeinsam im Shelter gekocht und gegessen. So lassen wir den Tag langsam ausklingen.
El Chalten So 12.3.17
Wir stehen um 7:00 auf, weil ab 15:00 Sturm gemeldet ist und wir bis dahin die ausgesetzten Stellen auf dem Weg zum Paso Huemul hinter uns haben wollen. Bei Sturm sind die Stellen wirklich gefährlich und ich kann die Warnung der Ranger verstehen. Ansonsten ist die Wanderung entlang des patagonischen Innlandeises sehr schön und ohne Schwierigkeiten. Der Abstieg vom Huemul Pass ist sehr steil und bei Regen sicherlich sehr rutschig und dann auch sicherlich nicht ganz unproblematisch. Auch hier sehen wir einen Condor in der Thermik kreisen. Nachdem wir den Abstieg hinter uns haben, suchen wir den offiziellen Biwakplatz, der aber dem Wind komplett ausgesetzt ist. Um Punkt 15:05 setzt der Sturm ein und es ist klar, dass weder das Hilleberg Enan von Olli noch mein MYOG Zelt die Nacht bei diesem Sturm, überstehen werden. Für mich wäre nicht einmal das Aufbauen des Zelts möglich. Also gehen wir weiter und finden am Waldrand ein wunderbar geschütztes Plätzchen. Olli macht ein Lagerfeuer (natürlich nicht erlaubt!) und wir verbringen den Rest des Nachmittags und den Abend am Lagerfeuer. Später stößt dann noch Johannes aus Hamburg zu uns, der den Circuit anders herum wandert und den Rauch des Feuers schon von weitem gesehen hat. Olli hat übrigens ca. 15m vom Camp entfernt ein totes Rind entdeckt. Daher taufen wir das Camp „Dead Cow Camp“.
Huemul Circuit, trocken und sonnig aber stürmisch Mo, 13.3.17
Wir brechen früh auf, zum einen, weil der Wind vermutlich noch zunehmen wird, zum Anderen weil Olli Geburtstag hat und wir in El Chalten noch Steaks braten wollen.
Der Wind ist so stark, dass wir öfter das Gleichgewicht verlieren und wie betrunkene Matrosen dahinstolpern. Die Tirolesa (Seilbrücke) am Rio Tunnel funktioniert leider nicht weil sich das Seil verklemmt hat und wir die Rolle nicht zu uns können. Ich versuche den Fluss zu furten um dann das Seil zu lösen. Bei der Hälfte gebe ich auf. Das Wasser geht mir bis zum Bauchnabel und fließt zu schnell. Ich würde sofort den Halt verlieren, sobald das Wasser auch nur etwas tiefer wird. Na ja kein Wunder, es ist kurz nach Mittag. Furten geht vermutlich nur früh morgens, weil der Fluss aus den Gletschern gespeist wird. Olli klettert dann am Seil entlang und kann die Rolle lösen, so dass die Seilbrücke wieder funktioniert. Akrobatik!
Weiter geht es zum Hafen, wo wir leider kein Taxi rufen können (kein Mobilnetz) und 2,5h auf den Bus warten müssten. Also beschließen wir die restlichen 8km zu wandern. Der Blick auf den Cerro Torre und Fitz Roy ist bei diesem wolkenlosem Himmel überwältigend. Um 15:00 kommen wir nach einer gut 25km Etappe in El Chalten an und wir gönnen uns ein fürstliches Mittagessen. Abends feiern wir noch im Assador Nando und lassen uns das Lamm vom Grill schmecken – Sehr fein!
El Chalten, Regen, nachmittags trocken bis sonnig Di 14.3.17
Pausentag: Ich mache nichts außer Kaffeetrinken, lesen und plaudern. Übrigens gibt es seit diesem Jahr WiFi / Internet in El Chalten. Stabil funktioniert es noch nicht, aber immerhin…
El Chalten, nachts Regen, morgens 3°C Mi 15.3.17
Den Vormittag verbringe ich mit Packen, Brote schmieren und Geld ziehen. Um 13:00 sitze ich im Bus nach El Calafate. Um 19:15 geht dann der Flug nach Buenos Aires. Die empfindlichen Dinge (Paddel, Elektronik und Topf mit Hobo) nehme ich lieber ins Handgepäck. Die Sicht auf den Fitz Roy und Cerro Torre ist vom Flugzeug aus fantastisch! Wir fliegen über den Lago Argentino und Viedma Gletscher und ich genieße den tollen Blick.
In Buenos Aires angekommen nehme ich ein Taxi zum Hostel. Das Hostel ist echt witzig: Eigentlich eine Altbau-Privatwohnung, mit 4m hohen Decken. Teilweise wurde eine Zwischendecke eingezogen um ein zusätzliches Zimmer zu schaffen. Der Aufzug sieht mit seinen Scherengittern aus wie man es aus französischen Filmen kennt.
Buenos Aires, sonnig Do 16.3.17
Das Hostel liegt super und ich kann die Stadt gut zu Fuß erkunden. Ich spaziere durch die Stadt, schaue mir das Regierungsgebäude mit dem Museum (200 Jahre Argentinien – sehr empfehlenswert!) an. Flaniere durch San Telmo und durch die „Hafencity“. Abends gönne ich mir ein Essen im Assador Estancia.
Buenos Aires, sonnig Fr 17.3.17
Auch heute mache ich einen ausgedehnten Spaziergang durch die Stad. Dabei orientiere ich mich an meinen Reiseführer und fotografiere viel. In San Telmo gibt es eine schöne Markthalle in der mal von Restaurants, Gemüse- und Fischhändlern bis hin zu skurrilen Antiquitätenhändlern alles findet. Nach La Boca schaffe ich es allerdings nicht zu Fuß und auf Taxi oder Bus habe ich keine Lust. Da ich mir irgendwie den Magen verrenkt habe, gehe ich den Tag ruhiger an, gönne mir am Abend aber wieder eine „Schlachtplatte des Hauses“ in der Estancia.
Buenos Aires, sonnig Sa 18.3.17
Um 7:00 morgens winke ich mir ein Taxi herbei und los geht es zum Flughafen. Leider kann ich auf dem Rückflug kaum schlafen und ich komme ziemlich gerädert nach 27h zu Hause an. Die letzten 5km übrigens mit dem Fahrrad
Fazit: Tolle Reise, tolle Landschaften, tolle Menschen. Unser Alpen brauchen sich da allerdings nicht verstecken!