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Ultraleicht Trekking

fool

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  1. … und ich lass mal ein paar Grüße vom nördlichen Abschnitt der GTA da
  2. Auf Wunsch schreibe ich nun noch was zur Ausrüstung, mit der ich unterwegs war (Packliste: https://lighterpack.com/r/j3l6di). Dazu ist Folgendes vielleicht relevant: Ich war anschließend noch weiter in den Pyrenäen unterwegs, ursprünglich wollte ich noch bis Mitte/ Ende September Zeit dort verbringen (terminbedingt musste ich dann aber doch schon Anfang September zurück) und hatte deswegen entsprechende Kältereserven dabei, die rein für diese Tour so sicher nicht notwendig gewesen wären... Schlafen: Ich war mit nem Solomid XL (älteres Modell) unterwegs. Ich hab` ansonsten noch ein GWC (die neue Version), hab mich aber für das Solomid entschieden, da bodennäher abspannbar und Material nicht so flimsy. Habe die Entscheidung nicht bereut, so war ich doch flexibler und entspannter bei der Zeltplatzwahl. Gleichwohl ich insgesamt doch deutlich häufiger auf Campingplätzen geschlafen hab, als ich das vorher so gedacht hätte. Es gab einfach so viele und häufig hat dann einfach die Bequemlichkeit gesiegt, wenn ich nachmittags/ abends durch einen Ort kam und dort noch was eingekauft habe – dann auch gerne was Frisches (Obst und Gemüse!) und entsprechend schwer. Schlafsystem bestand aus 8 Teilen Z-Lite plus 4mm Eva-Matte obendrauf – für mich die perfekte Schlafunterlage. Ich hab zwar auch ne X-Lite, bin aber absoluter Freund von Schaummatten. Und die Kombi aus Z-Lite mit dünner Eva-Matte obendrauf finde ich (trotz Seitenschläfertum) unfassbar bequem. Ohne die Eva wird’s mir bei kühleren Temperaturen von unten her doch schnell zu frisch, ebenso bei weniger als 8 Teilen Z-Lite an den Oberschenkeln, ich bin aber vor allem nachts auch `ne echte Frostbeule. So war ich auch mit 450er Quilt unterwegs. (Zur Orientierung: Bei den -1 Grad, die als Comfort-Temperatur angegeben werden, habe ich zusätzlich zur langen Unterwäsche zusätzlich schon noch ´nen Fleece oder ´ne Puffy an, um nicht zu frieren). In vielen Nächten (gerade in tieferen Lagen) war der Quilt natürlich Overkill, ich hatte aber auch echt kalte Nächte, schätzungsweise knapp über/ um den Gefrierpunkt, da hätte ich nicht weniger haben wollen. Klamotten: An den Füßen war ich mit Altra Lone Peaks und Injinji Zehensocken unterwegs. Keine einzige Blase, habe aber auch penibel darauf geachtet, gerade am Anfang sehr regelmäßig die Füße/ Schuhe in Pausen auszulüften und zu trocknen und bekannte Problemstellen an den Füßen präventiv mit Leukoplast zu tapen. Die Strategie funzt bei mir hervorragend. Ansonsten Laufshorts und KuFa-Longsleeve. Windbekleidung und Regenhose MYOG, als Regenjacke hatte ich ne OR Helium dabei. Ich gehöre zu der Fraktion, die Wind- und Regenbekleidung für nicht austauschbar empfindet, würde also wieder beides mitnehmen. Isolationstechnisch hatte ich mehr als nötig dabei (Fleece UND Puffy), hatte mich mit Blick auf Ende September dafür entschieden. So konnte ich jedoch auch in höheren Lagen abends noch entspannt draußen sitzen, das war somit Luxus. Bester Gegenstand der Tour: Sonnenhut! Rucksack: HMG Southwest 2400 – hatte ich mir extra für die Tour geleistet und nicht bereut. Sonst meist mit MYOG-Pack, der ca. halb soviel wiegt, wollte aber was mit Tragesystem, da ich doch schwerer unterwegs war als sonst und war sehr froh darüber. Top Rucksack, der zwar weder der Allerleichteste noch der Günstigste ist, aber ich war und bin absolut glücklich damit. Kochen/ Essen: Ich war mit Gas unterwegs, Schraubkartuschen gab es in Briancon (Decathlon und Intersport). Würde ich den Weg nochmal gehen, würde ich no cook gehen. Die Versorgungslage ist super easy (alle 2-3 Tage hat man Nachschub-Möglichkeiten, nur am Ende sind es eher 3-4 Tage) und warme Küche ist mir nicht so wichtig. Also hab ich den Kocher eher als Luxus-Gegenstand empfunden. Elektronik: Navigiert (und Fotos gemacht) hab ich mit dem Handy (iPhone 12 mini), wobei der Weg so gut markiert ist, dass ich da wenig drauf schauen musste. Stromversorgung über billo-Solarpanel und ne Powerbank (Nitecore 10000mAh). Hatte das Handy die ganze Tour über kein einziges Mal an der Steckdose, ne kleinere Powerbank hätte es sicher auch getan, besitze ich aber nicht. Zudem hatte ich ein inreach mini dabei, war Wunsch/ Bedingung meiner Partnerin. Nett war da zudem die Möglichkeit, auch bei fehlendem Netz (max. 2 Tage glaub ich) ne Nachricht zu senden oder das Wetter zu checken. Wasser: Im Norden kein Thema, hatte am Anfang immer viel zuviel dabei mit 1,5l, da hat eigentlich immer ein halber bis max. ein Liter (und der dann dicke) gereicht. Im Süden wurde es dann schon schwieriger, am Ende bin ich ich dann auch mal mit 3l gestartet. Als Wasserfilter hatte ich nen Sawyer Squeeze dabei, ein Befree hätte es ebenso getan. Sonstiges: Trekkingstöcke waren von Helinox, mit 486g nicht gerade leicht, dafür mit 145cm passend, um das Solomid aufzustellen. Hygiene: Neben dem Üblichen wie Zahnbürste und Co.: Azz-Blaster fürs Geschäft, Packtowl als Handtuch, Erste Hilfe, Notfallmedis wegen Allergie, Dittybag, Impfpass und all so n Gerödel... achso und die Grödel, die ich zwar nicht brauchte, aber dann ja zum Glück doch nochmal irgendwann wieder los geworden bin ...
  3. Tag 28 - Mittwoch 18.8.: Sospel - Menton Das ist er nun also, der letzte Tag auf dem GR5. Ich stehe früh auf, ich will wieder einen möglichst großen Teil der Strecke - und vor allem des letzten Aufstiegs - vor dem Einsetzen der Hitze absolvieren. Als ich aus dem Zelt komme, stehen da nochmal drei neue Zelte, die beim Einschlafen gestern noch nicht da standen. Ist ja richtig was los hier! Erstmal raus aus Sospel. Es geht hoch über waldige Pfade und kurz nach dem Col du Razet gibt es den ersten Ausblick aufs Mittelmeer. Unterwegs denke ich viel nach über die letzten Wochen und ziehe Fazit für mich, denke über das Wandern im Allgemeinen wie im Speziellen nach und lasse nochmal das ein oder andere Ereignis der letzten Tage und Wochen Revue passieren. Es fühlt sich schon ein bisschen nach Abschied nehmen an irgendwie, obwohl es für mich ja noch in den Pyrenäen weitergeht. Aber das Mittelmeer als Ziel hat schon irgendwie was Besonderes. Daraufhin geht es erst einmal etwas abwärts, bis auf dem Weg zum Colla Bassa nochmal ein paar positive Höhenmeter gesammelt werden können. Mediterran ist es hier auf jeden Fall! Unterwegs begegne ich einem super sympathischen Pärchen aus der Schweiz, wir unterhalten uns bei einer Pause noch länger. Sie sind das letzte Stück des GR5 ab St. Etienne de Tinnée gegangen und sind neugierig, etwas über den Rest des Weges zu erfahren. Beim letzten langen Abstieg in Richtung Menton begegnen wir uns immer mal wieder. Je tiefer ich steige, desto unerträglicher wird auch die Hitze. Irgendwann begegnet mir ein Franzose mit UL-Pack, der den Aufstieg von Nizza aus wohl (fas)t ohne Wasser gestartet ist, und mich fragt, wo die nächste Wasserstelle kommt. In der sengenden Mittagshitze in einer sehr trockenen Gegend einen Aufstieg ohne Wasser zu starten, scheint mir vorsichtig ausgedrückt semi ideal.... eher Kategorie stupid light. Ich hab noch genug und gebe ihm was ab. Schließlich erreiche ich um 14h das Ende des GR5. Hallo Mittelmeer, da bin ich! Eigentlich wollte ich symbolisch die Füße ins Meer tauchen, so zum Ankommen und weil wegen Symbolik eben - aber irgendwie verpasse ich den richtigen Zugang zum Strand und gehe in die falsche Richtung. Dort sind die Zugänge zum Strand entweder durch Restaurants verbaut, durch die man quasi durch muss, um an den Strand zu gelangen, oder es liegen die Leute wie die Sardinen aneinander gereiht in der Sonne. Beides schreckt mich derart ab, dass ich meinen Plan verwerfe - so wichtig ist mir das mit der Symbolik dann doch nicht. Stattdessen besorge ich mir erstmal ne Cola und nen Orangensaft im Supermarkt. Dort treffe ich dann auch die Schweizer wieder und wir stoßen mit O-Saft gemeinsam auf das Ende dieser Reise an. Anschließend laufe ich in Richtung Menton-„City“, unterwegs finde ich dann doch noch eine Stelle, wo ich zumindest etwas näher ans Wasser ran komme, wenn auch nicht mit Füßen drin. Nach einem letzten Auffüllen der Nahrungsmittel für den Abend geht es dann schließlich zum Campingplatz. Dort trifft wenig später auch der Franzose von gestern ein. Wir genehmigen uns Orangina und Bier und lassen es uns gut gehen. Am Camp gibt es riesige Kakteen und ein bisschen Ausblick aufs Meer und ich genieße in netter Gesellschaft diesen letzten Abend des GR5 und damit das Ende dieses wundervollen Abschnitts meiner Tour im Sommer 2021.
  4. Ich hatte ´nen Gaskocher dabei. Schraubkartuschen gab es auf jeden Fall in Briancon (Decathlon und Intersport hatten welche).
  5. Tag 27 - Dienstag 17.8.: Refuge de Merveilles - Sospel Heute will ich bis nach Sospel laufen und somit meine vorletzte Etappe auf dem GR antreten. Doch erst einmal gibt es an meinem traumhaften Zeltplatz einen wundervollen Sonnenaufgang zu bestaunen. Ein absolutes Highlight der gesamten Wanderung! Ich packe zusammen und mache mich auf in Richtung des letzten Passes über 2000m auf diesem Weg, dem Pas de Diable. Ich komme noch an einigen Zelten vorbei, die etwas weiter entfernt von meinem in der Aire de Bivouac stehen. Dann geht es aufwärts und vorbei an einigen (Stau-) Seen. An einem kleinen Wasserlauf fülle ich mein Wasser auf, 3l nehme ich mit, habe irgendwo gelesen, dass es bis Sospel - bis auf in Camp d‘ Argent, das ich vorhabe zu umgehen, um stattdessen dem alten Verlauf des GR 52 zu folgen - trotz einiger in der Karte verzeichneter Wasserläufe vermutlich trocken sein wird. Richtige Entscheidung, wie sich im Laufe des Tages herausstellen wird. Angesichts dessen, dass ich nur noch für den Tag Essen im Rucksack habe, tragen sich dann aber auch die 3l Wasser ganz gut. Blick zurück vom Pas de Diable: Nach dem Pas de Diable verändert sich die Landschaft enorm. Die hohen Berge sind vorüber, das merkt man, es wird grasig, manchmal fast steppenartig und trocken. Der Weg zieht sich entlang bzw. verläuft meist nur wenig unterhalb des Grats. Die Ausblicke sind fantastisch! Es folgt der Abstieg in Richtung Sospel, das man hier schon sehen kann. Dort ist es natürlich wieder entsprechend warm, was unbedingt der Gegenmaßnahmen in Form von Eis bedarf!! Dann noch einkaufen für die letzte Etappe morgen und ab zum Campingplatz ... der sich mal wieder als Geistercamp entpuppt. Keiner da am Empfang, scheint offiziell geschlossen, jedoch gibt es Wasser und Strom und eine Toilette ist auch offen. Ein paar Camper stehen auch da und ein Typ mit Zelt erklärt mir, es sei keiner hier, also Übernachtung gratis. Ok- nix dagegen! In den kommenden Stunden treffen noch einige weitere Wanderer ein, einigen von ihnen bin ich unterwegs auch schon mal begegnet. Ich unterhalte mich etwas mit einem Franzosen, an dessen Bonfus Duos ich am Morgen am Refuge de Merveilles schonmal vorbei gegangen bin. Kurz vor dem Schlafengehen beginnt auf dem benachbarten Parkplatz, der scheinbar zu einem Sportstudio gehört, eine Aerobic Gruppe zu lauter Techno Mucke zu trainieren. Völliger Kulturschock irgendwie. Zum Glück wird es ruhig, als es dann so langsam beginnt dunkel zu werden. Morgen steht dann also der letzte Tag auf dem GR5 bevor. Was für ein seltsamer Gedanke...
  6. Tag 26 - Montag 16.8.: Refuge de Nice - Refuge de Merveilles Zwar steht heute nur ein sehr kurzer Tag bevor, aber ich will trotzdem früh los, um vor der Mittagshitze über die Pässe zu sein. Wie gestern auch schon ist es auch heute wieder geröllig. Und Markierungen suchen ist angesagt. Es geht hoch zum Baisse de Basto mit 2693m. Der Abstieg ist halb so wild, es folgt nach einem Tal noch ein zweiter Pass und dann der Abstieg ins Tal de Merveilles. Das ist bekannt, weil hier archäologische Funde aus der Bronzezeit gemacht wurden. Gravuren in den Felsen und so. Man darf deswegen den Weg nicht verlassen und keine Wanderstöcke benutzen. Eine Menge Menschen sind unterwegs. Den Schafen ist die Bronzezeit sichtlich wurscht, sie suchen dafür Schatten, es ist nämlich schon wieder Mittag und die Sonne knallt entsprechend runter. Immerhin gibt es ein bisschen Wind, der macht das ganze erträglich. Ich gehe so langsam es geht durch das Tal und schauen mir alles an. Schließlich soll hier am Refuge heute Schluss sein, weil wegen zuviel Zeit bis Weiterreise und so ... ich erwähnte es bereits.... Also heißt es heute einmal mehr Zeit lassen und die Gegend sowie die Ausblicke genießen. Nahe dem Refuge gibt es eine Aire de Bivouac - wegen der Ausgrabungen etc. darf man in der Gegend nur dort biwakieren. Am Refuge gönne ich mir heute eine assiète de fromage, also verschiedene Käse aus der Region, und einen Apfelsaft (seit drei Tagen bei mir hoch im Kurs, wie vielleicht schon aufgefallen sein könnte). Der Käse schmeckt fantastisch, kommt mit ordentlich Brot und ist mit 8€ auch echt sehr fair bepreist, finde ich. Anschließend erkunde ich die Aire de Bivouac oberhalb des Refuge, hier ist ein großes Gelände mit ausreichend Möglichkeiten zu biwakieren. Ich streife umher und halte schonmal nach einem halbwegs windgeschützten Plätzchen Ausschau. Das ist dann auch bald gefunden. Top Aussicht in Richtung Italien inklusive. Abends kann ich dann noch den Schafen bei ihrer Wanderung ins Tal zuschauen.
  7. Tag 25 - Sonntag 15.8.: Lac de Trecolpas - Refuge de Nice Als ich morgens den Kopf aus dem Zelt stecke, spielen an den Hängen der Berge schon ein paar Gämsen Fangen. Ich bin immer wieder aufs Neue beeindruckt, was die für ein Tempo drauf haben und mit was für einer Sicherheit sie die steilsten Hängen entlang flitzen! Auch ansonsten ist es wunderschön morgens am See, noch ganz ruhig. Es folgt dann der Aufstieg zum Pas de Ladres. Blicke zurück zum See: Der Abstieg zur Madone de Fenestre ist entspannt, aber es wird langsam schon wieder ziemlich heiß. Dort gibt es mal wieder eine Wegsperrung wegen des Sturms aus 2020, der auch hier scheinbar eine Brücke weggerissen hat. Nach den ersten 30min Aufstieg mache ich eine Pause im Schatten, danach soll heute Geröllkletterei folgen, sagt das Guidebook. Leider hab ich dann doch zu viel gegessen. Das macht den Aufstieg nicht leichter so mit vollem Bauch… Nun also das angekündigte Boulderhopping, es ist brutal heiß und anstrengend, aber vor allem ziemlich spaßig. Angekommen am Pas de Mont Colomb – ziemlich steil - folgt der Abstieg über Geröllfelder in Richtung des Refuge de Nice. Der Abstieg geht übel auf die Knie, am Ende rutsche ich halb auf´m Allerwertesten runter. Aber geschafft. Hier der Blick zurück zum Pass. Und hier geht es weiter bergab: Das Refuge de Nice liegt am Lac de la Fous. Dort sind schon eine Menge Leute unterwegs und hängen am See in der Sonne rum. Mit ist ja so gar nicht nach in der Sonne liegen – Schatten wäre mir lieber. Es ist aber keiner in Sicht - also steige ich erstmal zum Refuge hoch, das etwas oberhalb des Sees liegt. Dort gönne ich mir einen Apfelsaft und einen Schattenplatz. Aber am Refuge, das ist irgendwie nicht so meine Welt, es ist dort meist laut, es sind ne Menge Leute da und irgendwie fühle ich mich immer fehl am Platz. Von oben schaue ich schonmal auf das Gelände am See, wo womöglich ein geeigneter Platz für das Biwak später sein könnte. Der ist auch schnell geortet - sogar inklusive Windschutzmauer. Gegen Abend kommt Wind auf und ein paar Wolken ziehen durch. Ich wasche mein Shirt im Bach und mich gleich mit und vertreibe mir die Zeit, bis ich um 19h das Zelt aufbauen darf, mit Rumlaufen, Fotos machen, Chillen und Co. Als ich nach dem Aufbau des Zeltes und dem Abendessen dann gegen 20.30h im Zelt liege, fängt es etwas an zu nieseln. Perfektes Timing - und so schlafe ich bei gleichmäßigem Tröpfeln auf meinem Zelt ein.
  8. @kurzhosenhiker: Wie cool, freut mich sehr, wenn ich mit dem Bericht dazu inspirieren konnte. Der Weg ist wirklich toll und ich wünsch dir viel Spaß und eine gute Zeit!
  9. Tag 24 - Samstag 14.8.: St Dalmas - Lac de Trecolpas Die Nacht war nicht nur warm, sondern auch laut, wegen Party im Dorf. Entsprechend schlecht hab ich geschlafen. Also nicht die besten Startbedingungen für einen langen Wandertag. Aber nützt ja nix. Der erste Aufstieg steht an. Im Wald höre ich ca. 50m entfernt von mir plötzlich ein lautes Grunzen, dann stürmt eine Horde Wildschweine davon. Blick zurück Richtung Tal: Im weiteren Aufstieg quere ich mehrfach eine Straße - und es stehen überall Camper und Vans in den Haltebuchten. Und nicht nur dort ... Hier haben es sich welche gleich auf dem Wanderweg gemütlich gemacht. Warm ist es schon wieder. Dann kommt auch schon wieder der Bremer angewetzt. Ein ulkiger Typ irgendwie. Er heißt übrigens Walter, erzählt er mir heute, oder „Voltaire“, wie ihn die Franzosen nennen :-D Der Pass des Tages heute heißt Col du Barn. Blicke zurück: Und voraus... Der Abstieg ist zum Glück halbwegs schattig. Es sind eine Menge Auswirkungen eines Sturms aus dem Herbst 2020 zu sehen, der hier einiges verwüstet und zerstört hat. Ganze Berghänge sind runtergerutscht und Brücken wurden zerstört. Meine Stimmung sinkt irgendwie, mag daran liegen, dass die Nacht doof war. Oder der Weg gerade recht langweilig, weil entlang der Straße. Ich mache Pause an der Gite d‘ Etape in Le Boreon, das sind ein paar Häuser an gleichnamigem See. Bald treffen auch der Bremer und seine Freunde, wie er immer sie immer nennt, ein Pärchen aus der Schweiz, ein. Sie sind scheinbar jeden Tag in der gleichen Unterkunft und treffen sich dort dann immer. Ich gönne mir in der Gite einen Apfelsaft, regionales Produkt, wie es heißt (und sehr lecker), und will ein paar Wegnews erfragen. Wegen des Sturms sind nämlich einige Teile des Weges gesperrt und es gibt Umleitungen, allerdings ist nicht immer ganz klar, wann und wo. Mein Ziel des Tages heißt Lac de Trecolpas. Der Herr an der Gite bestätigt mir, dass ich eine Umgehung nehmen muss und nach einer Stunde Pause und nem halben Liter Apfelsaft ist auch meine Laune wieder ganz ausgezeichnet. Auf dem Weg häufen sich dann auch noch Hinweise auf Käseverkauf ganz in der Nähe - das muss ich mir natürlich genauer ansehen. Tatsächlich, direkt von einer kleinen Käserei wird hier verkauft- ich nehme natürlich was mit. Es folgen die letzten zwei Stunden Aufstieg, die Tagestouristen kommen gerade alle vom Berg runter, also ist wieder mal Bonjour-Marathon angesagt. Es scheint nett da oben. Es stellt sich heraus, nett ist stark untertrieben. Es ist traumhaft schön!! Es sind einige Leute da, viele scheinen einfach den Tag am See zu verbringen und abends dann einfach da zu zelten (auch hier ist das Biwakieren nur von 19-9h erlaubt). Ich finde einen Platz mit super Blick auf den See und chille noch die Zeit bis 19h. Dann geht es ans aufbauen, kochen, essen und bald auch schon schlafen.
  10. Tag 23 - Freitag 13.8.: St Sauveur de Tinnée - St Dalmas Valdeblore Heute geht es nur ganz entspannt St Dalmas. Ich liege mehr als gut in meinem großzügig veranschlagten Zeitplan und will die Zeit bis zur Weiterreise in die Pyrenäen lieber in den Bergen verbringen als sie dann in Nizza totzuschlagen. In St. Dalmas Valderblore teilt sich der GR 5. Entweder man geht innerhalb von 2 Tagen recht unspektakulär (sagt jedenfalls das Guidebook) direkt nach Nizza, oder man nimmt die Variante (GR52) durch den Nationalpark Mercantour und geht nach Menton, dafür werden nochmal so 4-5 Tage veranschlagt und das Ganze soll ein Highlight sein (sagt auch das Guidebook). Die Entscheidung ist also klar.… Aber erstmal geht es raus aus St Sauveur. Es ist wirklich beeindruckend, wie sehr sich die Landschaft seit Beginn der Wanderung verändert hat. Erst Heidi Atmosphäre, nun ist es zunehmend mediterran. Es geht nach Rimplas, auch so ein nettes Bergdorf und schon kommt die Sonne über den Berg und es wird sofort unfassbar heiß. Mir läuft schon wieder die Brühe überall runter. Ich fülle nochmal mein Wasser auf. Ich mache eine kurze Pause in La Bolline. bevor es dann weiter nach St Dalmas geht. Die letzten Meter gehen an der Straße entlang. Am Supermarkt in St Dalmas treffe ich den Bremer wieder. Wir schnacken kurz, er wirkt schon wieder gestresst und hetzt los zu einer Gite. Ich kaufe Essen für die nächsten Tage auf dem GR 52. Dann ab zum Camping, mit 8€ günstig, duschen ist umsonst und ich finde sogar einen Platz im Schatten. Wäsche waschen ist auch mal wieder drin.
  11. Tag 22 - Donnerstag 12.8.: Roya - St Sauveur de Tinée Heute soll es dann nun über den Col der Crousette gehen. Der Wecker klingelt früh, es ist noch dunkel und drüben in der Gite ist auch noch alles ruhig. Ich packe leise zusammen. Vor der Gite liegt ein großer weißer Hund, der sich gestern schon dort rumgetrieben hatte. Irgendwie wusste keiner, wo er hingehört, wenn ich das aus der Entfernung richtig mitbekommen habe, aber die Kinder dort haben dann den ganzen Abend mit ihm gespielt und er hat noch ein paar Reste vom Essen aus dem Restaurant abgegriffen. Als ich losgehe, begrüßt er mich schwanzwedelnd. Die Gite am Morgen: Ich gehe raus aus Roya, der Anstieg beginnt sogleich. Nach ca. 10min überholt mich der Hund von der Gite, bleibt stehen und wedelt mit dem Schwanz. Ich erkläre ihm, dass er mich leider nicht begleiten kann. Außerdem sind wir hier schon wieder innerhalb der Grenzen des Nationalpark Mercantour und er darf eigentlich gar nicht hier sein. Natürlich versteht er nicht und läuft weiter vor mir her, bleibt immer mal stehen und wartet wieder auf mich. Er ist ja schon ein Toller. Und das sag ich, obwohl ich eher Hunde-Schisser bin. Und gegen ein wenig Begleitung hätte ich auch nichts einzuwenden. Aber geht ja nicht. Also sage ich zu ihm „reste là“, was er dann auch tut. Als er wieder los will, um mir zu folgen, sage ich „non“. Etwas weiter blicke ich zurück, er ist mir ein kleines Stück gefolgt und schaut um die Kurve des Weges. Ich rufe nochmal „non“ und „reste là“. Schließlich bin ich wieder allein. Und bin ein bisschen traurig. Ich komme an ein paar Zelten vorbei, wo gerade Leute am Aufstehen sind. Hier wäre es auch nett gewesen. Aber gestern war ich einfach zu fertig, um noch weiterzugehen. Dann höre ich leises Bellen in der Ferne oberhalb von mir. Oh, das klingt nach Patous, die die Schafe zusammen treiben. Heute gibt es die volle Packung Hunde, schätze ich. Die Sonne kommt auch raus und es wird warm. Letztlich kommt nur ein gutmütiger Patou angetrottet und beschnüffelt meine Hand, dann geht er schon weiter und ich kann passieren. Es geht hoch zum Col, die Blicke sind mal wieder toll. Hinter mir tauchen nun auch ein paar andere Leute auf. Einer überholt mich, ein Mann mit kleinem Rucksack ruft im Vorbeigehen „Guten Tag, Bonjour“. Ich antworte mit „Moin“. Wir unterhalten uns kurz, er kommt aus Bremen und läuft auch den GR5, allerdings ohne Zelt, sondern von Hütte zu Hütte. Dann geht er weiter. „Bis später“, ruft er noch. Nach dem Col geht es noch etwas höher hinaus, der höchste Punkt für heute mit fantastischen Aussichten. Der Bremer ist auch schon da, wir schnacken kurz, dann hastet er auch schon weiter. Er wirkt irgendwie gehetzt. Ich mache erstmal Frühstückspause. Dann geht es an den Abstieg, der ist schön langgezogen und entspannt. Nur heiß ist es. Nach ein paar Stunden finde ich in einem Tal an einem Bach ein schönes schattiges Plätzchen für eine Pause. Als ich so langsam zusammenpacken will, sehe ich, dass gerade ein paar Wolken aufziehen. Oh, ist ja ganz angenehm, freue ich mich noch. Dann denke ich: „Hm, die sind ganz schön schnell und angesagt war das irgendwie auch nicht. Und da hinten wird es irgendwie auch ziemlich dunkel“. Ich beeile mich und gehe los. Es donnert in der Ferne. Hm, unschön. Es donnert immer mehr und über mir wird es ziemlich dunkel. Hm, soll ich umdrehen? Aber es sieht aus, als würde es an mir vorbei ziehen. Also weiter. Es zieht dann auch an mir vorbei und ich gehe oberhalb eines hübschen Tals entlang. Der letzte Aufstieg steht an. Ich schaue Richtung Himmel. Ups, wieder dunkel da hinten. Ich schätze die Zeit, die ich für den Aufstieg brauche. Ca. eine halbe Stunde, dann eine Stunde laut Guidebook bis zum Ende des folgenden Tals und zur Baumgrenze. Ich gebe also Gas und komme völlig verschwitzt oben an. Nun schnell das Tal entlang. Dort chillen Kühe. Na, solange die hier noch chillen ... Es donnert noch etwas weiter und regnet leicht vor sich hin, aber alles zieht weiter. Nun folgt ein langer Abstieg. Ca. 1500hm muss ich noch hinab bis St Sauveur, dort ist laut Guidebook eine Campsite. Oder vorher einen geeigneten Biwakplatz finden. Aber es ist alles steil und nix geeignetes ist zu finden. Ich komme nach Roure, ein uriges Dorf, quasi in die Felsen gebaut. Nur weiterhin keine geeigneten Biwakplätze. Dann eben doch runter bis St Sauveur. Mapy.cz zeigt keinen Campingplatz, also erstmal zum Supermarkt, was einkaufen und dort nach dem Camping fragen. Das sei geschlossen, aus Sicherheitsgründen, weil bei einem Sturm auf einem Teil des Campings etwas vom Hang in den Fluss gebrochen sei. Aber der vordere Teil sei in Ordnung, da könne man zelten, da seien jeden Tag Leute und das würde von offizieller Seite auch geduldet. Klo und Wasser seien auch vorhanden. Perfekt! Auf dem Camping (eine Wiese hinter einem Sportplatz) sind dann schließlich auch noch drei andere Zelte und ich mache es mir gemütlich und schlafe nach einem dann doch langen und ereignisreichen Tag fix ein.
  12. Tag 21 - Mittwoch 11.8.: St. Etienne de Tinnée - Roya Ich bin früh wach und packe meine Sachen zusammen. Heute steht wieder ein langer Tag auf dem Programm. Bis Freitag, so mein Plan, will ich in St Dalmas sein (ein anderes als das von gestern). Also mache ich mich auf die Socken in Richtung Auron, dort muss ich noch ein bisschen was zu essen für die kommenden Tage einkaufen. Die Top-Form, die meine Beine und Füße gestern Morgen noch hatten, ist wie weggeblasen. Ich merke deutlich den langen und heißen Tag von gestern. Und ein paar mehr Pausen hätte ich wohl auch machen können. Naja, was soll’s- erstmal laufen und schauen, was der Tag so bringt. Schon bald steht dann auch die Sonne wieder unerbittlich am Himmel. Es ist erst 8h und schon heiß…. In Auron kaufe ich ein, frühstücke was und mach mich schnell vom Acker, weil sehr hässlicher Ski-Touri-Ort. Hier im Rückblick. Es geht, zum Glück so halbwegs im Schatten, zum nächsten Col. Und dann der Abstieg nach Roya. In der sengenden Mittagshitze. Die Beine sind schwer, die Füße tun weh, und ich schwitze wie Sau, fühle mich übermüdet und die Hitze macht den Kopf und das Denken auch irgendwie nicht besser. Eigentlich wollte ich heute noch über den Col de Crousette. Doch das würde nochmal 4h Aufstieg in der vollen Mittagshitze bedeuten. Nä, das ist heute echt nicht drin. Das wäre eine pure Quälerei. Und dafür bin ich nun echt nicht hier. In Roya soll es eine Gite d‘ Etape geben. Vielleicht ja auch eine Aire de Bivouac? Auf jeden Fall gibt es erstmal Wasser dort. Ich krieche also den Berg hinunter und komme schließlich in Roya (auch nur eine winzige Siedlung im Tal) an. Fülle Wasser auf und frage in der Gite nach einer Aire de Bivouac. Sie selber haben sowas nicht, aber, sagt mir der Herr und deutet ein paar Meter weiter auf eine Wiese, dort sei „bivouac autorisée“. Bingo!! Hier bleib ich!! Ich packe mich in den einzigen Schatten auf der Wiese unter einen kleinen Baum und bin so fertig, dass ich erstmal einpenne. Dann esse ich. Dann schlafe ich wieder. Puh, nach der doch oft eher kühlen Zeit in den Tagen und Wochen zuvor macht mir die Hitze ziemlich zu schaffen. So verbringe ich den Nachmittag im Schatten des bzw. der kleinen Bäume auf der Wiese, und wandere je nach Sonnenstand dem Schatten hinterher. Abends schaue ich der Sonne dann beim Untergehen zu, baue mein Zelt auf und koch mir ein paar Nudeln.
  13. Tag 20 - Dienstag 10.8.: Larche- St. Etienne de Tinnée Morgens geh` ich gespannt los, ca. 1h Fußweg nach Larche beginnt der Nationalpark Mercantour. Den habe ich dann bald auch erreicht. Es ist wenig los und es warten tolle Aussichten auf dem Weg zum Pas de Cavale. Den Beinen hat der kurze Tag gestern sichtlich gut getan. Ich bin den Zeitangaben im Guidebook weit voraus und es läuft sich hervorragend. Es sind überall Murmeltiere unterwegs - es pfeift quasi aus allen Löchern. Schließlich erreiche ich den Lac de Lauzanier. Dort baut gerade noch einer sein Zelt ab... auf jeden Fall ein Traum-Platz. Der letzte Anstieg zum Pas de Cavale ist geröllig. Dann bin ich oben und habe den Pass sowie die Aussicht für mich allein. In dieses Tal muss bzw. darf ich nachher absteigen. Ich frühstücke gemütlich und als dann so langsam mehr Leute an den Pass kommen, mache ich mich an den Abstieg. Ich gehe an den ersten ausgetrockneten Bachbetten entlang. Aha, so langsam wird also Wasser ein Thema werden und man kann sich scheinbar nicht mehr so ganz darauf verlassen, Wasser zu finden, wenn ein Wasserlauf in der Karte verzeichnet ist. Blicke zurück zum Pass. Es wird heiß. Und zwar richtig krass heiß. Die Sonne knallt brutal und ich steige hoch zum nächsten Col. Dort gibt es mal wieder alte Militärbunker. Und dahinter eine halb verfallene Siedlung. Von der aus steige ich ab nach Bousieyas. Das besteht aus nur einer Handvoll Häusern. Hier zu sehen im Rückblick auf dem Weg zum nächsten Col. In der Hitze geht es jetzt nämlich zum Col de la Colombière. Auch hier gibt es wieder tolle Blicke zurück auf die Berge, über die ich heute Morgen gekommen bin. Der Abstieg nach St Dalmas de Selvage in der Nachmittagshitze ist heftig. Inzwischen hat sich die ganze Landschaft echt verändert. Es wachsen Lavendel und Disteln, die Erde ist oft rötlich gefärbt und alles ist sehr trocken und sandig. St Dalmas de Selvage ist ein süßes kleines Dorf. Puh, die Hitze schafft mich. Aber ich will noch weiter heute. Abends hab ich schließlich 40km auf der Uhr und Beine sowie Füße bedanken sich. Ich schlafe schnell ein.
  14. @RaulDuke und @Bergschlumpf: Danke euch für die nette Rückmeldung - das freut mich wirklich sehr, dass ich euch so ein Stück mitnehmen kann!
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