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Ultraleicht Trekking

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  1. Großartiger Bericht und tolle Fotos! Bekomme sofort Lust, loszuwandern!
  2. Das dir das peinlich ist, mit der Sprache, kann ich verstehen! Ich wohne nur ca 100Km von der Holländischen Grenze und bin immer wieder peinlich berührt, das unheimlich viele Holländer ein ganz passables Deutsch sprechen und umgekehrt fast niemand meiner Mitbürger (einschließlich mir) auch nur mehr als drei Worte Holländisch spricht!
  3. 5. Im Adlergebirge (Orlické hory) 17.-19. August 90 km In der schönen Útulná blieb ich natürlich nicht alleine. Um halb acht abends pirscht ein junges Paar durch die Birken und fragt schon mal, ob ich alleine bin. Ja, bin ich. Prima, denken die sich auf tschechisch, es könnte schlimmer sein. Flugs packen sie Chips und Bier aus ihren Rucksäcken und stellen sich als Jonaš und Barbara vor. Er kann etwas Deutsch, ist Skilehrer im Krkonoše und sie studiert irgendwas mit Chemie in Prag. Jonaš versetzt mich mit einem seiner Kartentricks ins Staunen. Dann verraten sie mir Neratov als Camping Geheimtipp bzw. Hiker-Heaven gleich neben dem Kloster mit WC und Pipapo. Es liegt nicht direkt an der Via Czechia, sondern 4 km Richtung polnische Grenze, an der Stezka Čezkem. Warum nicht einen Schlenker einbauen? Mich treibt ja nix an und außerdem sind ab spätnachmittags Gewitter angesagt. Also los. In Mladko hole ich mir aus dem potraviny ein Kolatscherl, also Kuchenstück zum Frühstück, Wasser habe ich mir aus einer Quelle besorgt. Später stoße ich auf ein Schild, auf dem darauf hingewiesen wird, dass es sich um eine radioaktive Quelle handelt. Egal, abgefüllt ist abgefüllt. Und so schlendere ich weiter, viel auf Landstraße, später im Wald wieder an der Bunkerlinie entlang. So viele Waldlodges alle 100 m! Wie historisch ist dieser Landstrich. Auf dem Abzweiger nach Neratov, das in einem engen Talkessel liegt, überfällt mich ein erster Wolkenbruch. Kurz davor hatte ich mal Aussicht und vermeinte in der Ferne, einen Blick auf die Schneekoppe zu erhaschen. Kurze Zeit später ist wieder alles in Wolken gehüllt. Dann geht's ins Tal hinunter und um halb drei nach 25 km überragt die große Wallfahrtskirche von Neratov, vormals Bärnwald den engen Talkessel. Dahinter gibt's die Zeltwiese und 2 pyramidenartige Chatas, die erste wird gerade durch eine Familie mit Kindern bezogen, die zweite kann ich mir sichern. Halb drei nachmittags ist also nicht zu früh. Das dritte Pärchen stellt sogleich ein Zelt auf und ein tschechischer Mann fragt mich zugleich auf deutsch, wie lange ich in der Hütte bleibe - na, eine Nacht halt- prima, dann schlafe er heute erstmal im Auto und bezieht dann morgen nach meinem Aufbruch mein Chalet. Das Beste kommt noch: es gibt nicht nur WC, Ladesteckdosen, sondern auch eine sprcha (Dusche) mit warmen Wasser, umsonst! Mein Glück ist perfekt. Ich verbringe den Restnachmittag wie eine Glucke vor dem Chataeingang, koche Ramennudeln und Tee, während das 2. und 3. heftigere Gewitter vorüberzieht. Ganz dicht ist das Hüttchen beim starken Regen nicht, aber es gibt Schlimmeres. Das Ding ist jedenfalls für heute Abend meins. Die Nacht in der Holzpyramide war ein Traum. Ich konnte sie abends noch wild verteidigen, als eine Wanderin im Regen auch da Unterschlupf begehrte. Nun war das Ding sehr intim beengt und duster, und ich wollte nicht schon wieder eine Nacht mit unterschiedlichen Rhythmen anderer Mitübernachter über mich ergehen lassen. Ich erklärte mich dahingehend, dass ich lieber für mich alleine wäre und sie sagte, kein Problem. Am Morgen sehe ich dann, dass sie wie etliche andere an der überdachten Kirchenaußenfassade ein trockenes Schlummerplätzchen gefunden hatte und noch selig poofte, als ich schon längst aufbreche. Die Holzhütte war zum richtigen Zeitpunkt. Es kamen am Abend mindestens 3 sintflutartige Unwetter, dass sogar Wasser in das Hüttl tropfte. Am frühen Morgen geht's doch gleich über die Stezka čezkem zurück zur Via Czechia, natürlich nicht ohne Verhauer. Zuerst dachte ich, das Adlergebirge ist nicht so ansprechend. Eigentlich oft ein grüner Tunnel ohne besondere Aussicht. Aber dann wandere ich kilometerlang auf einem wunderschönen Pfad. Über mir fliegen Scharen von Kreuzschnäbeln, und kurz vermeine ich auch, die weißgefleckten Flügel von Wiedehopfen auszumachen. Hier in der Gegend? Und tatsächlich weist eine Tafel darauf hin, dass es welche gibt. An einem Kreuzungspunkt steht die erste Hütte des Weges, dessen Kiosk wohl nur am Wochenende offen ist. Eine Familie hat den Vorbau als Übernachtungsplatz benutzt und ein Lagerfeuer ist am ausglühen. Ob ich Hermelin will, der sei noch übrig. Jetzt weiß ich endlich, das die Tschechen mit Hermelin einen Camembert meinen. Ich freue mich riesig und verspeise sogleich den ersten der beiden. Später komme ich mit einem älteren Herrn ins Gespräch. Er erzählt mir mit ein paar Brocken Deutsch, dass er schon in Bozen gearbeitet habe. Wir verabschieden uns mit Handschlag. Keine halbe Stunde später stoße ich auf eine herzliche Frauenpartie aus pensionierten Freundinnen. Eine war Lehrerin, eine Physiotherapeutin, eine gynäkologische Krankenschwester. Die Stimmung ist so prima, dass wir ein Selfie machen. Auch der zweite Kiosk des Weges hat geschlossen, und versäumt ein Riesengeschäft, da sich mittlerweile zig Wanderer und Radfahrer wegen des nahen Aussichtsturm versammelt haben. Ich gehe weiter und gerate zur highnoon Zeit an eine große Baude mit Restaurace. Für mein Kofola muss ich mindestens 20 min warten, werde aber dann sehr freundlich vom deutschsprechenden Kellner versorgt. Woher ich denn käme? Die Bayern haben gutes Bier, meint er anerkennend. Ich bin fast peinlich berührt, dass so viele Tschechen ein paar Sätze Deutsch können und wir Deutschen kaum oder gar kein Tschechisch sprechen. Dann geht es über einen letzten Aussichtsturm mit unzähligen Kindergruppen so langsam bergab. Ich verlasse allmählich die Orlické hory, kaufe nochmals ein Ramensüppchen in dem potraviny der kleinen Ortschaft und finde zumindest am Rand einer Wiese an einem plätschernden Bächchen einen leidlich ebenen Platz für mein Zelt. Heute Nacht soll es wieder regnen. Die Nacht auf der polnischen Wiese in meiner Plastikbaude war trotz Regen ganz famos. Natürlich komme ich dann morgens nicht ganz so schnell in die Pötte, wenn noch alles Nasse von den Bäumen auf das Zeltdach tropft. Dann kurz vor acht stapfe ich über nasses Gras die paar Meter nach Tschechien zurück und wandere wieder auf Asphalt. Tatsächlich kommt mir doch am frühen Morgen eine festere Gestalt entgegen, die sich bei näherem Hinschauen als eine einzelne Wanderin mit dickem Rucksack herausstellt. Nach etwa 5 km erreiche ich den ersten Aussichtsturm des Tages auf dem Šibenik. Da gibt's zwar null Aussicht, aber eine Steckdose und Mülleimer. In Nový Hradec um halb 10 gibt's Frühstück aus dem potraviny für mich: ein leckeres süßes Teilchen und einen halben Liter Buttermilch. Später geht es in eine Schlucht mit traumhaften Trails. Am Ende angelangt, stapfen Leute mit Trockenanzug und Kescher durch's Dickicht. Ich erfahre, dass es sich um einen Trupp Biologen handelt, die die kleinen Fische im Waldbach erst per Elektroschock betäuben, um sie zählen zu können. Hier heroben sei noch alles ok, aber weiter unten in der Ebene macht sich die Trockenheit schon bemerkbar. Am Ende der Schlucht befindet sich ein netter tschechischer Biergarten, wo ich mir für umgerechnet 1,60 € ein "Bernard" gönne. Wär ich mal lieber alkoholfrei geblieben, denn der folgende Anstieg hat es in sich. Und der Weg bis nach Náchod zieht sich ziemlich. Das Städtchen ist größer als gedacht. Den LIDL lasse ich links liegen und verspeise auf einer profanen Bank direkt an einer Kreuzung mein 2. von gestern geschenktes Hermelin. So gestärkt gehe ich die 9 km bis nach Hronov, nicht ohne noch den 2. Aussichtsturm des Tages, dieses Mal mit Aussicht, zu besteigen. In Hronov leiste ich mir einen kühlen Liter Milch und eine neue Flasche Mineralwasser. Auf dem dortigen öffentlichen WC kann ich nochmal schön die Hände waschen, bevor ich mich hinter dem Friedhof des Ortes auf einer Anhöhe im dichtesten Dickicht ein verschwiegenes Plätzchen ausspähe. Das ist auch gut so, denn im Wald fahren in den Abendstunden noch allerlei motorisierte Vehikel umher. Heute Nacht soll es wieder regnen, stürmen und gewittern.
  4. 2 Punkte
    Hallo zusammen, ich möchte gerne eine Tour kurz vorstellen, die ich Ende August/Anfang September gegangen bin und die mir außerordentlich gut gefallen hat. Für Bergbegeisterte, die das Hochalpine mögen und steiles Gelände nicht scheuen (kein Klettern, nur wenige versicherte Passagen). Die ‚Tour of the Giants‘ ist eine Kombination aus den beiden Höhenwegen ‚Alta Via Valle d’Aosta 1+2‘, auch bekannt als ‚Giro dei Giganti‘ oder ‚Tor des Geants‘. Sie bildet eine Runde um das italienischen Aosta-Tal und verläuft meist zwischen 1.500 um 3.000m Seehöhe, wobei man am ‚Col de Loson‘ 3.299m erreicht. Auf 365km Strecke überschreitet man 25 Pässe über 2.000m und bewältigt ca. 28.000 Höhenmeter. Vom Weg aus sieht man Mont Blanc, Gran Paradiso, Monte Rosa und das Matterhorn und diese ‚Riesen‘ sind für den Weg namensgebend. Weil ab dem 13. September das Ultra-Rennen ‚Tor des Geants‘ stattfand (ca. 1.000 Teilnehmer*innen), habe ich meine Wanderung zeitlich so gelegt, dass ich sie vor dem Rennstart beenden konnte. AnreiseStart und Ziel waren für mich in Courmayeur, das ich von Westösterreich aus mit Flix-Bussen erreicht habe (Umstieg in Genf). ResupplyIch bin gegen den Uhrzeigersinn gegangen und habe mir in folgenden Orten Lebensmittel gekauft, die jeweils kleinere Lebensmittelgeschäfte mit guter Auswahl und teils etwas höheren Preisen hatten. km0 Courmayeur km32 La Thuile km117 Cogne km175 Donnas km235 Gressoney km268 Valtournenche km365 Courmayeur ÜbernachtungenMan kann in Berghütten, auf Campingplätzen oder in Unterkünften im Tal oder in Bivaccos übernachten. Natürlich kann man auch wild campieren, was auf über 2.500m sogar erlaubt ist. Eine Ausnahme bildet der Gran Paradiso Nationalpark, in dem wild Campen streng verboten ist. Hier hat man Berghütten oder Campingplätze/Unterkünfte im Tal zur Auswahl. WegbeschaffenheitDie Wege sind außerordentlich gut instand gehalten und ausgezeichnet markiert. Allerdings sind sie meist sehr steil und steinig (Geröll). Kaum Flachpassagen und, wie schon erwähnt, sehr viele Höhenmeter. Man geht fast ausschließlich auf Wanderwegen und höchst selten auf Asphalt oder Forststraßen. TiereMan begegnet immer wieder Kuhherden, auch im Hochgebirge. Diese werden manchmal von Hirten mit Hunden begleitet. Ich hatte einige unangenehme Begegnungen mit Hunden und habe dann versucht, auszuweichen. Sehr schön waren die vielen Begegnungen mit Steinböcken, von denen ich die Meisten im Gran Paradiso Nationalpark gesehen habe. Einige Gämsen, mehrere Steinadler und ein Bartgeier waren auch zu sehen. Ich hoffe, ich konnte ein wenig Interesse für eine wirklich tolle und herausfordernde Tour wecken und schließe mit einigen Bildern ab. Tour of the Giants.odt
  5. @Old School Was solls, ist ja positiv gemeint!
  6. unprofessionell ... nee, da geh ich nicht mit ...
  7. Sehr schön, das du so ausführlich berichtest! Ich liebe „unprofessionelle“, von Usern, für User geschriebene Reiseberichte!
  8. 4. Hruby Jeseník (Altvatergebirge) und Rychlebske hory (Reichensteiner Gebirge): Am Praděd vorbei auf den Schneeberg 13.-16. August 110 km Ich liebe Nächte wie diese: unspektakulärer Fichtenwald, weicher Boden, Windrauschen, überwiegend eben. So geht Regeneration. Um kurz nach 7 Uhr mache ich mich auf um just nach 600 m an der Chata na Skřítků eine Ladestation zu entdecken. 10 min Handyaufladen muss jetzt auch noch sein. Dann beginnt ein langer schöner Anstieg durch den Wald, auf dem mir 15-20 Tschechen unterschiedlichen Alters mit Rucksäcken entgegen kommen. Offenbar ist der Bergkamm wieder ein Hotspot für Sonnenunter- und aufgangsanbeter. Nach einigen Höhenmeter erwartet mich schon der erste verblockte Gipfel Ztracené kameny, auf dem ein junger Tscheche sein erstes Gipfelbier um kurz nach 8 Uhr hineinschüttet. Ich gehe mal besser weiter. Und dann kommt in dieser Morgenstunde der mit Abstand schönste Trail in Richtung Praděd, dem Altvatergipfel mit fast 1500 hm. Aussichten mit 360°-Panorama auf einer riesigen Hochfläche, bei der es klar wird, warum so viele von ihrem Biwak kommen. An der Jelení studánka gibt es reichlich Quellwasser und einen großzügigen Unterstand, in dem viele Leute hineinpassen. Momentan ist hier keiner mehr. Ich bin im flow und wandere an Heidekraut vorbei mit permanenter Aussicht. Immer auch den Blick auf den Praděd voraus dreht sich der Weg an einem Lift halbkreisartig. Das vorläufige Ziel ist das Skiörtchen Ovčárna, in dessen Restaurace ich meinen Brunch mache. Langsam bekomme ich eine smažený sýr mit hranolky -Vergiftung, aber das ist das einzige Gericht, was ich am besten aussprechen kann. Das WC eignet sich für Catwash und die Dame hinter dem Tresen lässt mich mein Smartphone aufladen. Frisch gestärkt geht es auf Teerstraße zum Praděd. Es ist Mittag und eine Massenprozession bewegt sich gen Gipfel. Da lasse ich den Altvater doch lieber rechts liegen und spare mir die letzten hm. Das nächste Ziel ist eine Hütte in Švýcárna. Ich muss für mein pivo garantiert 20 min anstehen, aber mir macht das nichts. Dann folge ich dem Weg weiter, meist abwärts, dann über Bohlen, dann wieder steinig bergauf. Mit einer älteren Einheimischen komme ich auf Englisch ins Gespräch, es schaltet sich ein älterer Herr dazu, der besser Englisch kann und so fragen sie mich ein wenig aus und wünschen mir eine gute Wanderung. So macht das richtig Spaß, wenn man Kontakt zu den Leuten bekommt. Für den Abend suche ich die Vřesová studánka auf, eine Mischung aus Quelle, Kapelle und Unterstandshütte, auf dem Dachboden könnte man nächtigen, aber da ist schon eine Familie mit Kindern. Ich suche mir etwa 50 m weiter oben ein Sonnenplätzchen zwischen Heidelbeeren und Felsen. Über mir fliegen Fichtenkreuzschnäbel. Ich glaube, ich mache heute mal wieder Cowboy Camping. Der Biwakplatz war im Grunde nicht schlecht, unauffällige Lage, aber windige Exposition. Ein Biwak hat den Nachteil, viel anzuziehen und sich nicht ausbreiten können. Der Vorteil besteht in den Wachphasen, dass man direkt in einen gigantischen Sternenhimmel guckt und Sternschnuppen zählen kann. Und man versäumt den Sonnenaufgang nicht. Dieser hier ist wieder sagenhaft schön, wenn sich die neon-rosa Scheibe hinter den blauen Bergketten erhebt. Ohne Frühstück geht's auch gleich los. Auf dem ersten Gipfel des Tages, dem Keprník vrchol, einem 1400er, bin ich schon nicht mehr alleine. 2 nette Burschen lassen englisch mit sich reden, und so machen wir gegenseitig von uns Gipfelfotos. Auf dem Weiterweg nach Ramzová knurrt mir der Magen, kommt jetzt etwa der hiker-Hunger? Und so stolpere ich den sehr steinigen Weg hinab und wundere mich, dass mir immer mehr Touris um diese Zeit schon entgegen kommen. Das Rätsels Lösung ist eine Seilbahn, die alle ein paar hm nach oben schweben lässt. Am späten Vormittag bin ich in Ramzová und kaufe der Minimarket-Frau Wasser und ein paar Snacks ab. Ein gefüllter Krapfen in die Hand muss auch sofort sein. Keine 700 m weiter entdecke ich ein Hüttenresort, dessen Parkplatz mit Laternen bestückt ist, die in den Masten Steckdosen haben. Bis Mittag gibt es also für mich nochmals eine Ladepause. Dann kommt wieder ein Anstieg durch den Wald und auf schönen Trails bis zur polnischen Grenze. Ich mache einen 500 m Abstecher zu einer großen Berghütte, Horská chata Paprsek, wo ich mir Gulaschsuppe und als Nachspeise eine große Heidelbeerdampfnudel gönne. Letztere bereitet mir ein Zuckerkoma, mit dem ganzen Puderzuckertopping und der flüssigen Butter obendrauf. Und Aussicht hat man beim Essen direkt auf den Dalimilova rozhledna einige hm weiter unten, ein Aussichtsturm bzw. eine verkleinerte Replik der Sněžník-Aussichtsplattform. Zu dem Sněžník wandere ich aber erst morgen. Mit vollem Bauch schlendere ich nach langer Pause wieder an den Grenzsteig und nehme mir nochmals 10 km vor. Allerdings schwächle ich heute nach dem frühen Aufbruch und ungewohnt vollen Magen, so kommt es mir gelegen, bereits schon nach weiteren 8 km ein Waldstück zu entdecken, wo sich ein verschwiegenes Plätzchen auftut. Ich brauche heute wieder eine unspektakuläre Nacht. Die Nacht wäre ganz ok, wenn da nicht immer wieder so leichte Raschelgeräusche und ein niedliches Fiepen zu hören wäre. Wahrscheinlich sind Marderchen zu Gange. Ich stecke mir mal Ohrenstöpsel ein und rette si die frühen Morgenstunden für den Schlaf. Um 7 Uhr geht's aber auf, der Sněžník (Glatzer Schneeberg) will heute bestiegen werden, und noch mehr. So geht es erstmal die restlichen km bis zum Sattel. In dessen Chata ist um 8 Uhr erst Aufwachstimmung. Der steile Anstieg kommt erst noch nach einem flachen Gehstück. Dann geht's aber zur Sache. Die ersten Biwakierer kommen mir schon entgegen. Mit einem polnischen Männerduett komme ich sehr ausführlich ins Gespräch. Sie sprechen ausgezeichnetes Englisch, der eine, Tom, hat wohl in den USA studiert, der andere, Jan, kann Japanisch. Sie verraten mir, das kurz vor dem Gipfel eine Quelle sprudelt, somit ist mein Tag gemacht. Beide haben oben biwakiert und zeigen mir traumhafte Sonnenaufgangsfotos. Das Zelt haben sie sich nicht benutzen trauen. Wildzelten ist ähnlich wie bei uns verboten, aber Biwakieren sei eine Grauzone. Was will man denn auch schon dagegen machen, wenn z.B. auf der Schneekoppe im Riesengebirge täglich bis zu 500 Leute bei gutem Wetter dort in Schlafsäcken und Matten den Sonnenunter- und -aufgang betrachten....sagen sie. OK, d.h. hier besser durchstarten oder eben die 501. sein. Dann endlich ist sie da, die Quelle. Ich pumpe mir schon mal einen extra Liter rein und fülle alle Flaschen auf. Das sollte bis morgen reichen. Den Aussichtsturmaufstieg spare ich mir, es ist mittlerweile so oder so halb Tschechien und ein Viertel Polen hier oben. Auf dem E3 geht's wieder hinunter durch den Wald. Es kommen mehrere kleine Bäche, den ersten nutze ich gleich mal für eine ausführliche Wäsche. Dann zieht sich der Abstieg. Das Käffchen Králíky, ehemals Grulich, werde ich heute nicht ganz erreichen und hebe ich mir für morgen Vormittag auf. Dort muss ich wieder nach Wasser schauen. Ein paar km davor lädt ein Waldrand mit Aussicht auf ein Kloster zum Bleiben ein. Das Zelt werde ich wohl erst ganz spät aufstellen. Heute ist Sonntag, und da lasse ich es etwas langsamer angehen. Der Ausblick von meinem Lagerplatz auf das Kloster Hedeč Hora Matky Boží auf dem Bergerl links neben dem Örtchen Králíky wird mir heute noch genügen, denn nach gut 3 km verweile ich erstmal an dem Kircherl Panna Marie, dessen Friedhof einen funktionierenden Wasseranschluss bietet. Perfekt zum Auffüllen meiner Flaschen und zur Morgendusche, ist ja noch keiner da, um Gräber zu gießen. Eine halbe Stunde später gibt es den nächsten verlängerten Stopp. Am Besucherzentrum des Hauptbunkers aus dem 2. Weltkrieg bzw. schon aus der Zeit davor, als die Tschechen ihre Verteidigungslinie aufbauten, kann ich zum einen einen Kaffee trinken und meine Powerbank ein bisschen laden. Am Vortag fand nämlich eine militärische Übung mit sämtlichen tschechischen Organisationen statt und so konnte ich all diese Militärgrößen, die neben mir ihren Morgenkaffee gekrenzt bekommen, beobachten. Nur, dass ich halt leider kein Wort verstehe. Nach einer weiteren 3/4 h der nächste Boxenstopp, namens COOP. Der hat auch am Sonntag auf, und so kann ich wieder Proviant nachkaufen und gebe mich auf der Wiese davor einem ausgiebigen Brunch hin. Da es nun schon später Vormittag ist, spar ich mir die Schlaufe zum Kloster und zu einem Aussichtsturm. Beide Lokalitäten liegen auf einem Hügel und tja, mit vollem Rucksack und Bauch in der Mittagshitze.... Trotzdem blüht mir noch ein Anstieg auf den Suchý Vrch, der knapp unter 1000 m hoch ist. Dahinter liegt ein etwas feineres Restaurant, in dem ich Saláty mit Pute erstehe und mein Handy komplett aufladen kann. Diese 4. Pause zerschießt mein Zeitfenster zum Vorankommen. Egal, ich schalte heute einen Gang zurück und fasse die Útulná U mladkovske školky als Abendziel ins Auge. Wenn die leer sein sollte...immerhin wollte ich ja auch mal in so einer Útulná nächtigen.
  9. Mährisch-Schlesische Beskiden, 4.-8. August, ca. 115 km Beginn natürlich in der Gluthitze der Mittagszeit. Der Anfang oder auch Endpunkt der Strecke liegt idyllisch in einem kleinen Waldstück. Weiter unten daneben plätschert ein Bach. Das geht es wirklich los über steile Wiesen und Landsträßchen. Bergauf heißt schweißgebadet und vergleichsweise langsam. Eine Útulná mit Schlafdachboden kommt viel zu früh. 4-5 l Wasser werden heute verkonsumiert. Da kommen funktionierende Quellen gerade recht. Auf dem Höhenweg suche ich mir ein ruhiges Plätzchen im Wald für die erste Nacht, nicht ganz einfach zu finden, aber es gelingt. Auch am 2. Tag eine schwierige Strecke mit viel hm in einer Gluthitze, auch in den Höhenlagen. Die Beskiden sind mit ihren tiefen Tälern und vergleichsweise hohen hm-Differenzen bekannt. Wunderschöne Abschnitte, die an den Bayerischen Wald erinnern. Ein Teil der Strecke verläuft an der Grenze Tschechien/Slowakei. Ich komme an einem Brunnen vorbei, an dem viele Tschechen Wildcampen. Die Krönung ist ein brutaler Anstieg am Nachmittag auf den Lysá hora, den Kahlberg. Da lerne ich Micha mit ihrer Hündin Myja kennen. Wir stützen uns mental gegenseitig bei der Bewältigung der ganzen Höhenmeter. Das soll der Grundstein für einen super Abend an der dortigen Hütte werden. Wir verständigen uns in Englisch. Auf der Hüttenterasse wird man mit einer herrlichen Aussicht belohnt und kann ausgiebig Durst und Hunger stillen. Ich zeige Micha Fichtenkreuzschnäbel und sie übt das Wort in Deutsch auszusprechen, bis sie es perfekt kann. Die dahinter liegende Biwakwiese ist am Abend brechend voll. In Tschechien ist es ein Hype, an schönen Ferientagen Cowboy Camping zu betreiben, um die Sonnenuntergänge und -aufgänge zu bewundern. Micha biwakiert und ich stelle meine Amiplaste auf. Ohrenstöpsel rein und dann eine gute Nacht! Dobrou noc! Zig Tschechen kommen flashmobartig auf den Lysá Hora zum Cowboy Camping um den 2 minütigen Sonnenaufgang zu bestaunen. Der ist aber auch sowas von schön. Ich nutze den frühen Morgen und mache mich auf den Abstieg zum Trinkwasserspeicher, um dann wieder zum Smrk, den zweithöchsten Gipfel der Beskiden, aufzusteigen. In der Bullenhitze wieder eine Herausforderung. Ein Ranger begegnet mir und bedeutet mir auf tschechisch, dass ich hier nicht zelten darf. Habe ich eh nicht vor. Ich stibitze mir ein paar Heidelbeeren von den unzähligen Sträuchern und schlendere nach einer Mittagspause weiter. Mein Wasserverbrauch liegt wieder über 4 l, nur gut, dass gelegentlich eine Quelle noch sprudelt. Noch ein Nachmittagsaufstieg und dann finde ich außerhalb vom Nationalpark einen verschwiegenen Platz, unter dem mind. eine Stunde wahrscheinlich eine Wildsau trabselt und raschelt. Es zieht ein Gewitter auf. In der Nacht gab es Gewitter und regnete bis zum Morgen. In einer Regenpause wird das Zelt verstaut. Auf wunderschönen Trails geht es nach Pustelvni, einem Skiort, an dem ich an einem Kiosk einen Cappuccino erstehe. Mittlerweile gießt es aus allen Eimern von oben. Das schöne Hotel Radegast liegt leider vollkommen im Nebel. Die Kapelle Cyril a Metoděj ist zum einen sehenswert und zum anderen eine super Ladestelle für mein Smartphone. Ich werfe dafür ein paar Kronen in den Opferstock. Der Abstieg nach Rožnov zieht sich, dafür kommt die Sonne raus. Am Ortseingang leiste ich mir beim erstbesten Kiosk Fastfood, die hranolky werden sofort verspeist, der Doppelhamburger soll als Abendessen herhalten. Der Durchmarsch durch die Stadt zieht sich ziemlich, dafür ist der Stadtpark sehenswert. Und dann geht's wieder bergauf in die für mich letzte Bergkette der Beskiden. Ähnliche Gegend wie der Bayerische Wald, vielleicht noch fernere Aussichten. An einer fast versiegten Quelle finde ich meinen Nachtplatz auf 700 m Höhe.
  10. Gäuhex ist korrekt 🤗 Ja, kommt alles noch. Ich werde euch aber nicht jeden Tag Tagebucheintrag präsentieren, da lest ihr euch einen Wolf, sondern versuchen, die Tour in Regionen zusammen zu fassen. Also kleines bissi Arbeit😂
  11. Zur Planung: Man braucht sich nicht das Hirn zermartern. Erster Schritt ist die Festlegung auf das Projekt mit Auswahl der Jahreszeit und des Zeitrahmens. Natürlich gibt's wunderbare (auf tschechisch) Bildbände von Jan Hocek, die einem die Vorfreude potenzieren. Es gibt auch Papierkarten über den gesamten Trail. Das Entscheidende aber ist die richtige gute App Mapy.com, in der man sich die Regionen vorab runterlädt und die Einzeletappen darauf legt. Dort ist alles zu finden, von Quelle bis Útulná (Unterstandshütte), Unterkünfte sind teils mit booking.com vernüpft, jedes Potraviny (Lebensmittelgeschäft) mit Öffnungszeiten, so auch die Restaurants oder Imbisse. Eigentlich muss man nicht viel planen. Vielleicht gelegentlich vorher checken, wann die Abschnitte kommen, wo es mal für eine knappe Woche keine potravinys gibt. Selbst Unterkünfte buchen ist spontan ein Kinderspiel und ist für einzelne Regionen, in denen Wildcampen ein No-Go ist, wie z.B. im Riesengebirge, wichtig. Ich entschied mich für August bis Mitte September, wohl wissend, das in Tschechien und Polen Ferienzeit ist und stellte mich für August auf die Höhe Besucherfrequenz in den Mittelgebirgen ein. D.h. aber auch, auf die schönen Útulnás kann man nicht zählen, die sind immer belegt. Wildcampen ist genauso wie bei uns formal nicht erlaubt, was aber toleriert wird ist Cowboy Camping. An warmen Sommerabenden erscheinen zig bis Hunderte Tschechen flashmobartig auf den namhaften Gipfeln und Biwakieren, um die paar Minuten Sonnenunter- und -aufgang zu zelebrieren. So auch ich. Ein paar Campingplätze liegen günstig, und auch die nutzte ich gelegentlich, um warm zu duschen und Powerbank aufzuladen, auch wenn im Sommer viele Jugendgruppen anzutreffen sind. Einen Zeroday gönnte ich mir nach 4 Wochen in Děcin in einer Campingplatzhütte, um paar Sachen zu erledigen, aber auch da kam ich vor lauter Sightseeing auf 10 km. Ansonsten taten es zur Erholung 3-4 "Uzwa's", unter 20 km, zum Schürfwunden pflegen oder wegen eines leichten grippalen Infekts. Nach einem einzigen Gewaltritt mit 45 km und 2200 hm über die Schneekoppe merkte ich schnell, das mein Genusstagespensum so bei 27-32 km im Schnitt liegt. Da fehlt sich nix. Die Tour insgesamt ist kein Spaziergang. Ich kam auf 1100 km (kleine Abwandlungen der Strecke waren auch mal drin) und 32000 hm. Dessen soll man sich bewusst sein. Und die dicken hm hatte ich speziell in den ersten 2/3. Die Temperaturen lagen zwischen 38° bis weit in den einstelligen Bereich hinein. Ich hatte eine Mischung aus ultraleicht und mini-Luxus, z.b. die Kombi Sommerschlafsack mit Sommerquilt (sehr gute Kombi), leichte Daunenjacke, 3 Powerbanks (eine zuviel, obwohl die große 20000er mal versagte), den Agilität von Weitläufer (eigentlich ein toller Rucksack, der mir aber bis zum Schluss "Rücken" bescherte und das Plex Solo Lite von Zpacks, eine schöne Behausung. Meine Trailerinnungsschuhe von La Sportiva haben die 1100 km ausgehalten, ein Regenschirm war Gold wert, die Regenhose habe ich nicht gebraucht (weiß man's vorher?) und die lange Montura-Hose war im Riesengebirge angenehm. Kocher mit dem Rocket von Msr bissi schwer, dafür sparsam im Gasverbrauch. Kartuschen Nachkauf erst nach 4 Wochen. Nun, die TR NXT mit Pumpsack, eine 0,3 mm Evazote, das Ultralightbivi von Cumulus. Das sind so die wichtigsten Eckdaten. Anfangs war der Rucksack knallschwer, weil ich bei der Hitze bis zu 3 l mit schleppte. Im September war das Wassergewicht kein Problem. Essen muß man je nach Gelegenheit. Ramensuppen in Hülle und Fülle. Ich nahm immer Käse und Wurst (Hermelin und Klobása) und diese tschechischen Brötchen mit, hatte unzählige Waffelsnacks und Nescafé 3 in 1 dabei. Und natürlich futtern und trinken, was sich unterwegs so bietet, smažený sýr mit hranolky, Klobása, Hamburger, Birell, Kefir, Milch oder ein Pivo vom Fass. Alles viel günstiger als bei uns daheim.
  12. Trekking mit Kleinkind: Windeln

    plumpudding_pi reagierte auf Ragna für Beitrag im Thema

    1 Punkt
    Da ich im Forum wenig dazu gefunden habe: wir waren bis letzte Woche im Maira-Tal wandern mit zwei Kindern (2, 6), der Kleine noch nicht sicher trocken. Um nicht Unmengen Wegwerfwindeln transportieren zu müssen, ganz es eine "Pipi-Flasche" (PET mit weiter Öffnung) um das risiko verpinkelter Kleidung zu reduzieren (bei jeder Pause würde gefragt, ob Bedarf nach der Pipi-Flasche besteht), außerdem hatten wir 2 PUL-Überhosen und 4 Mullwindeln dabei (2 als Reserve, die eigentlich als Handtücher gedacht waren und auch nur als solche genutzt wurden). Wir haben Windelpapier eingelegt für das große Geschäft (wird leider oder nicht verbal angemeldet) und hatten Hundekottüten für benutztes Windelpapier. Die benutzten Windeln wurden abends (oder auch unterwegs mit der Wasserflasche in ausreichend Abstand zur Wasserquelle) ausgewaschen und waren spätestens am nächsten Morgen trocken. Wir kamen gut zurecht, hatten keine Engpässe und mussten am Anfang nicht kalkulieren, wieviele Wegwerfwindeln pro Tag minimal gebraucht werden. (Übernachtung in Herbergen)
  13. Sammelthread - myog kleine Basteleien

    Steintanz reagierte auf schwyzi für Beitrag im Thema

    1 Punkt
    Danke für das Angebot, @Genusswanderer! Aber beim "drunter" bevorzuge ich andere Farben als Wehrmachtsgrau
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