sirm3rl1n Geschrieben Montag um 07:59 Geschrieben Montag um 07:59 0 Einleitung Hallo an die Community, ich möchte euch heute eine knapp 190 Kilometer lange Trekkingtour vorstellen, welche ich selbst ausgearbeitet habe und im Oktober 2025 Solo in dieser Form innerhalb von 8,5 Tagen mutmaßlich „erstbegangen“ bin. Ich hoffe, dass dieser Bericht den ein oder anderen hier anspricht und dazu inspiriert, auch mal solch ein (Planungs-)Abenteuer oder vielleicht meine Route zu wagen. Ich entschuldige mich vorab schonmal für die Länge der Posts, neben dem Wandern ist mein zweitliebstes Hobby das Schreiben. Ich teile diesen Routenvorschlag so ausführlich, weil es mich selbst bei meinen Recherchen oft extrem nervt, wenn man sich alle Infos aus gefühlt 349 verschiedenen Quellen ziehen muss und dann doch nicht weiß, ob die Reise nachher aufgeht. Daher hier eine hoffentlich ganzheitliche Zusammenfassung für jeden, der das auch mal machen möchte. Ich hoffe, euch ein wenig Fernweh machen zu können und würde mich dabei über jede Art der Rückmeldung freuen. Den zugehörigen GPX-Track habe ich bei Outdooractive unter folgendem Link veröffentlicht: https://www.outdooractive.com/de/track/lemnos-inseltrekking/334117623/ 1 Schnelle Infos - Ziel: Lemnos, nördliche Ägäis, Griechenland - Stil: Inseltrekking von Küste zu Küste - Routenlänge: ca. 190 Kilometer, davon 180 per GPS geplant plus ungefähr 10 Serpentinen- und Kamerastativ-Aufschlag - Dauer: 8,5 Tage - Durchschnittliche Tageskilometerlänge: ca. 22km, letzte Rauslaufetappe allerdings nur 10km - Gelaufene positive Höhenmeter: ca. 4.500 nach GPS-Tracking, 800 mehr als per Tool berechnet - Planung: Per Hand und Luftbildkarte, als Quellen lediglich WikiVoyage und ein Computerspiel - Navigation und Tracking: Garmin Epix 2 am Handgelenk, Garmin Explore App auf dem Telefon und inReach mini am Rucksack, allesamt bespielt mit OSM-Kartenmaterial Ziel: Meine Wanderung führte mich auf die achtgrößte griechische Insel namens Lemnos, welche in der nördlichen Ägäis vor der türkischen Küste und der Einfahrt zu den Dardanellen liegt. Falls sie überhaupt jemand kennt, dürfte einigen von euch diese genauso wie mir lediglich aus einem böhmischen Computerspiel aus dem Jahr 2013 bekannt sein, wo sie in einer um den Faktor 25 verkleinerten Version namens Altis komplett digital 1 zu 1 nachgebaut und für einen zukunftsfiktiven Militärkonflikt missbraucht wurde. Kurzer sprachlicher Einschub: Die deutsche Schreibweise ist Limnos, da man aber direkt nach dem ersten Tag vor Ort selbst nur noch die griechische Schreibweise Lemnos benutzen wird, bleibe ich auch hier im Reisebericht dabei. Die echte Lemnos ist knapp 500 Quadratkilometer groß und misst in ihren Ausmaßen knapp 30 x 35 Kilometer, wobei die Insel aufgrund ihres bereits sehr weit erodierten Vulkancharakters eine sehr differenzierte Landschaftsform mit etlichen Stränden, tief eingeschnittenen Buchten und einem relativ weich gezeichnetem Hügelrelief besitzt. In der Vergangenheit wurde das Aussehen der Insel als „im ägäischen Meer schlafender Schmetterling, der seinen Kopf unter Wasser hält“ beschrieben – wer auf die Karte schaut wird merken, dass diese Beschreibung recht passend ist. Warum die Wanderung auch bei entspannt geschwungener Oberfläche – der höchste Berg Vigla ist lediglich 430 Meter hoch – anspruchsvoll und herausfordernd bleibt, die Insel aus meiner Sicht gerade für Individualtrekker ein Paradies ist, man während der Wanderung mit Blick auf die Landschaft manchmal Vergleiche mit Schottland, Südafrika, Jordanien und den Falkland-Inseln zieht, man fast jeden Abend im Meer baden kann, man von der wunderbaren Tierwelt und der ältesten Besiedlungsgeschichte Europas im Hinblick auf die zahlreichen archäologischen Stätten begeistert sein und als Weitwanderer quasi von allen Einwohnern herzlich empfangen wird – und manchmal auch umarmt – das erkläre ich im Weiteren. Und wie unfassbar gut wilder Thymian duften kann. 2 Hinweise zur Schwierigkeit, den persönlichen Anforderungen und Rechtliches zum Wege- und Campingrecht Vorab: Es handelt sich ausdrücklich NICHT um eine existente, NICHT um eine offizielle und erst recht NICHT um eine ausgeschilderte Route! Den von mir gelaufenen Trail gibt es so nur in meiner GPS-Version! Verlauf und Markierungen: Es gibt auf Lemnos keinen markierten Weitwanderweg – überhaupt gibt es so gut wie keine markierten Wege auf der Insel! Insgesamt bin ich nur an zwei Touristen-Hotspots auf zusammengenommen vielleicht 800 Metern über sowas wie markierte Routen gelaufen, die dabei über sehr ausgesetzten Felsen verliefen und nur deshalb markiert wurden. Ich habe diese Route tatsächlich relativ spontan innerhalb von einer Woche per Luftbild und GPS-Routentool geplant, mehr dazu unter Punkt 8. Die Route ist in dieser Version also ausdrücklich nur mit GPS ablaufbar. Wegbeschaffenheit: Ich habe so wenig Teerstraße wie möglich verplant. Viele Abschnitte führen über Schotterstraßen, welche auch mit Abstand den größten Teil des Straßen- und Wegenetzes der Insel darstellen. Ein weiterer Teil führt lediglich über inoffizielle Wege und teilweise vorbei an oder sogar über Privatgelände wie zum Beispiel Weizenfelder oder Schafwiesen und in drei Fällen auch unmittelbar über Bauernhöfe. Und einige Kilometer sind tatsächlich lediglich Durschlageübungen querfeldein, welche größtenteils aus vorgetretenen Trails von Ziegen und Schafen bestehen, in kurzen Abschnitten aber tatsächlich nur durch das zugewucherte Buschwerk führen! Ich habe es mal grob ohne Berücksichtigung von Serpentinen überschlagen, dabei teilen sich die 180 Kilometer der GPS-Route auf in ca.: - 50% Schotterstraßen und Feldwege, - 15% Asphalt- oder Betonstraßen sowie gepflasterte Wege in und um Ortschaften, - 35% Querfeldein-Abschnitte, auf denen größtenteils die genannten Trampelpfade der Ziegen genutzt werden können und damit problemlos ein Single-Trail-Eindruck entsteht – wenngleich es auch einige kurze Abschnitte ohne jeden Weg durch die Botanik gibt, mehr dazu im zweiten Post mit den Etappenbeschreibungen. Schwierigkeit: Wegbeschaffenheit: Einfach Gesamtschwierigkeit: Eher schwer. Warum das? Zu zwei Dritteln sind die Wegbeschaffenheit und die Höhenmeter wie oben beschrieben eher einfach bis mittelschwer und technisch leicht einzuordnen. Nichtsdestotrotz würde ich die Gesamtschwierigkeit als eher schwer bezeichnen, da: 1. Der Trek in dieser Form nur als GPS-Route existiert, 2. die genannten Querfeldein-Abschnitte steil bergauf und -ab, über ausgesetzte Felspassagen, über Sanddünen und über stacheliges Buschwerk führen, und 3. Erfahrungen im Management mit Wasser und Nahrungsmitteln, also das Rucksackgewicht betreffend, aufgrund des Fehlens von Nachschubquellen unerlässlich sind. Trinkwasser und Nahrungsnachschub: Pumpfilter ist Pflicht! Nahrungsnachkauf ist bei einem teilweise recht eingeschränkten Sortiment und unsicheren Öffnungszeiten möglich. Weiteres unter Punkt 9 bzw. im zweiten Post. Unterkünfte: Es handelt sich ausdrücklich um eine reine Zeltroute! Es gibt praktisch keine buchbaren Schlafmöglichkeiten auf der Route. Jedermannsrecht: Es gibt in Griechenland kein Jedermannsrecht, im Gegenteil, die Freiheiten im Hinblick auf Camping und Zelten sind in den letzten Jahren immer mehr eingeschränkt worden. Dies gilt aus meiner Erfahrung allerdings nur für das Festland und nicht für Lemnos. Beinah die ganze Insel wird als Weidefläche für Schafe und Ziegen genutzt, weshalb es etliche Weidezäune aus lediglich aufrecht gestellten Stahlmatten gibt, die sich kilometerweit über die gesamte Insel ziehen. Fast alle Sehenswürdigkeiten der Insel lassen sich jedoch nur erreichen, wenn man diese Zäune an Toren bzw. offenen Stellen durchschreitet oder die Zäune einfach übersteigt. Daher gibt es so etwas wie ein erweitertes Wegerecht, was durch jeden Anwohner toleriert wird. Ich habe auf der Wanderung ca. 60 Zäune überstiegen und mindestens genauso viele offene oder verschlossene Tore überwunden, häufig wurden mir diese auch durch Schäfer auf deren Höfe geöffnet, welche ich teilweise über deren Privatgrund und Ackerflächen begangen habe. Dies hat nie ein Problem dargestellt, im Gegenteil, ich wurde stets freundlich empfangen und es schien, als sei dies einfach normal bei ihnen. Wichtig ist hierbei nur, den Zaun so zu hinterlassen, wie man ihn vorgefunden hat. Militäranlagen: Die Route verläuft teilweise unmittelbar an geschützten Militäranlagen vorbei, welche in Griechenland zur kritischen Infrastruktur gehören und an denen besondere Regeln gelten, insbesondere im Hinblick auf das Fotografieren und Filmen derselben. Ich hatte dort absolut keine Probleme, habe meine Routenwahl aber daran angepasst. Näheres siehe unter 13 und im zweiten Post. In der Gesamtschau aller Punkte kann ich die Route daher nur Wanderern empfehlen, die nicht davor scheuen, einen Trek lediglich querfeldein per GPS abzulaufen, die bereits Erfahrungen in eher wasserarmen Regionen haben, die kein Problem darin sehen, vom Rucksackgewicht ohne Nachkauf gegen sich zu gehen und die damit klarkommen, auch mal Privatgrund sowie Zäune überschreiten zu müssen und daher auch zwingend mit Einheimischen in Kontakt kommen werden! Mein Vergleich: Wer in seiner Trekkingkarriere bislang nur ausgeschilderte Pilgerpfade mit Tagesrucksack und allabendlicher Unterbringung in einem Hotel mit Vollverpflegung beschritten hat, sollte diesen Trek besser sein lassen. Wer schonmal den Arctic Circle Trail in Eigenverantwortung gelaufen ist: Feuer frei! 3 Warum Lemnos? Als ich dieses Computerspiel damals spielte, hatte ich direkt den Drang, irgendwann mal das echte Vorbild zu besuchen und mir einen Eindruck davon zu machen, ob die Landschaft eben nicht nur als Bühnenbild für einen fiktiven militärischen Konflikt in mittelfristiger Zukunft herhalten kann, sondern vielleicht auch als erfüllendes Wanderziel dienen könnte. Nachdem ich jetzt selbst da war, habe ich den unweigerlichen Eindruck, dass Lemnos aus meiner Sicht das perfekte Reiseziel für Individualtrekker ist. Warum? 1. Optimales Wetter mit angenehmen Tages- und Nachttemperaturen insbesondere auch in der Nebensaison. 2. Ein ausreichend hohes, aber sehr differenziertes Relief - man sieht von fast jedem hohen Punkt auf der Wanderung, wo man schon war oder wo es noch hingeht. 3. Geringe Reisekosten in Bezug auf so gut wie alle Posten: An- und Abreise, Unterkünfte, Herumkommen, Essen und Trinken, Eintrittspreise und Mietwagen. 4. Große Dichte an antiken Sehenswürdigkeiten im Kontext der griechischen und europäischen Geschichte. 5. Reiche Artendiversität insbesondere bei der Fauna, mit hoher Wahrscheinlichkeit, auch eher seltene Arten in direkter Nähe zu sehen. 6. Trekkingtechnisch absolute Abgeschiedenheit mit Wildnis-Charakter bei durchaus ausreichender Versorgungsstruktur – sofern dies gemäß Individualurlaub-Ethos gelebt wird. 4 Warum kennt man Lemnos nicht? Und warum sollte man das ändern? Gute Frage. Warum kennen die meisten Westeuropäer (meiner 90er-Generation) Lemnos nur aus einem Computerspiel? Weil die Insel touristisch bislang vollkommen am Leben vorbeigelaufen ist. Lemnos wird in den wenigen Reiseführern, die sie thematisieren, als verschlafene griechische Perle beschrieben. Trotz ihrer Größe hat die Insel nur knapp 16.000 Einwohner, aber ungefähr fünfmal so viele Schafe und Ziegen. Große, ausgebaute Ferienkomplexe für Pauschalurlaube gibt es überhaupt nicht, sondern nur einige kleine, aber mit hohem Standard geführte Familienhotels. Die meisten Urlauber sind selbst Griechen, welche Lemnos aufgrund ihrer über 200 Sandstrände in den Sommermonaten zur griechischen Ferienzeit besuchen und die Zeit mit Baden und Partys an den etlichen kleinen Strandbars verbringen. Dazu gesellt sich eine kleinere Anzahl von Touristen aus Osteuropa sowie per Fähre übergesetzte Camper – tatsächlich auch aus Deutschland! – welche die hier im Vergleich sehr günstigen Preise schätzen. Denn auf Lemnos läuft das Leben tatsächlich noch so ab, wie es sich in den ländlichen griechischen Regionen in den letzten 150 Jahren eingependelt hat. Die meisten Einheimischen leben entweder vom Fischfang, der Viehhaltung oder dem Anbau von Hartweizen. Die Vulkanerde auf Lemnos hat nämlich nicht nur eine in den Sagen über Odysseus überlieferte heilende Wirkungen, sondern sorgt auch für eine große landwirtschaftliche Fruchtbarkeit, welche sich dem Urlauber vor allem durch den charakteristischen zitrusartigen Geschmack des auf Lemnos gekelterten Weines erschließen dürfte. Ich bin froh, Lemnos kennengelernt zu haben. Und das bei mir ausnahmsweise mal nicht nur wandertechnisch, sondern auch in dieser sehr charmant verschlafenen, griechischen Glückseligkeit, die das Einfach-so-vor-sich-hinplätschern mit sich bringt. Wer nach der Wanderung alles in Myrina gesehen hat und bei einem Tag ohne Programm einfach mal bei einem oder mehreren Gläsern Lemnoswein 3 Stunden lang am Strand in den beginnenden Sonnenuntergang glotzt, wird verstehen, was ich damit meine. 5 Warum teile ich diese Route? Ich habe tatsächlich etwas länger überlegt, ob ich diesen Trek wirklich teilen soll, da ich von dem einzigartig verschlafenen Charakter der Insel bei der gleichzeitig grandiosen Landschaft einfach begeistert war. Dieser Umstand rührt vermutlich nur genau daher, weil kaum jemand diese Insel kennt und dort wandern geht. Und genau deswegen hat mich der Spirit dort auch so sehr abgeholt. Ich habe bei meiner Internetrecherche im Voraus überhaupt keinen Bericht darüber gefunden, dass jemand dort schonmal auf diese Art wandern war. Falls das irgendwer liest und das in der Vergangenheit schonmal gemacht hat: Meldet euch bitte hier! Der Umstand der vermeintlichen Erstbegehung hat mich in meiner Planung und Umsetzung auf jeden Fall nochmal mehr motiviert. Im ausgelegten Feedback-Buch im Amphitheater haben Menschen aus etlichen Ländern dieser Erde bescheinigt, dass Lemnos der vermutlich friedlichste Ort auf diesem Planeten ist, dass jemand dort wandern war, hat aber niemand verewigt. Zum Teilen der Route hier habe ich mich aufgrund der vielen positiven Rückmeldungen der einheimischen Bevölkerung während meiner Wanderung entschieden. Der ein oder andere wird diese Gefühle kennen, wenn man als Trekker Länder bereist, in denen irgendwie alle ehrlich froh sind, dass man in ihrem Land wandern geht. Den häufigsten Kontakt hatte ich aufgrund der Abgeschiedenheit der Route mit lokalen Bauern, die selbst größtenteils noch in alten Steinhäusern leben und von denen kaum jemand Englisch spricht. Per Übersetzungs-App und mit Händen und Füßen habe ich aber ausnahmslos positive Rückmeldungen zu meinem Projekt erhalten. Irgendwie waren alle Menschen, die ich dort getroffen haben, wirklich glücklich darüber, dass es Menschen wie uns Wanderer gibt, welche ihre Heimat und ihre Lebensweise auf die grundlegendste aller Arten kennenlernen wollen. Bei meiner stinkenden, aber glückseligen Rückkehr nach 9 Tagen Wanderung in mein erstes Hotel in Myrina hat mich meine Hotelmama trotz der Umstände umarmt und ich musste ihr vor dem Duschen erstmal eine halbe Stunde lang Fotos von der Wanderung auf meinem Mobiltelefon präsentieren, wobei sie sich teilweise gefreut hat wie ein kleines Kind, weil sie seit Jahren nicht mehr an den tollen Orten gewesen ist, die ich auf dieser Wanderung sehen durfte. Ohne mein Zutun sagte sie von selbst, dass ich das irgendwo in Deutschland veröffentlichen solle, damit mehr Menschen die Schönheit ihrer Heimat kennen lernen können. Was soll ich sagen, den Bericht lest ihr jetzt gerade. Daher kurzer Einschub: Ich empfehle das Arxontiko Hotel in Myrina! Gute Preise, wunderbare Inhaberin! 6 Anforderungen an mein Ziel und den Routenverlauf Die Ideen für diesen Urlaub: - Routenlänge zwischen 150 und 200 Kilometern - machbar in zwei Wochen, wobei Puffertage für organisatorische und genusstechnische Erlebnisse vor und danach möglich sein müssen - An- und Abreise per vergleichbar günstigem Flug - möglichst homogener Verlauf durch alle wichtigen Naturregionen, wobei man im besten Fall alle wichtigen touristischen Highlights mitnimmt Dieses Jahr war ich planungsfaul und hatte mir lange Zeit keine Gedanken zu meinem Herbsttrekking gemacht. Alle meine bisherigen Wanderpartner waren in anderen Verpflichtungen gebunden, womit eine Solo-Tour anstand, deren Planung mich nur für mich selbst verantwortlich machte und meine Motivation nochmal schmälerte. Vier Wochen vor dem Urlaub musste dann irgendein Ziel her, weshalb ich mir Lemnos von der Löffelliste gefischt habe und siehe da, die Flüge waren vergleichsweise günstig. Daher habe ich, ohne groß über die Konsequenz nachzudenken, die An- und Abreise vor der Planung gebucht, was mich in den nötigen Zugzwang versetzte. Die Planung gestaltete sich dann aufgrund fehlender Quellen tatsächlich recht schwierig, ich habe lange gesucht, aber einfach nichts zu Trekkingreisen auf Lemnos gefunden. Ich habe daher etwas gemacht, was ich zuvor noch nie getan habe, nämlich mir die spannendsten Sehenswürdigkeiten der Insel aus der englischen WikiVoyage rausgesucht und per Hand über eine GPX-Anwendung eine vermeintliche Route in einem Luftbild zusammengestrickt. Erstaunlicherweise kam ich auf die ungefähr gewünschte Routenlänge, die im GPX-Trek 180 Kilometer lang war. Da ich hierbei keinen Serpentinenzuschlag oder das Zurücklaufen von Kamerastativen mit eingerechnet habe, konnte ich aus Erfahrung von knapp 3 bis 8% zusätzlicher Strecke ausgehen. Dies ist auch so aufgegangen, am Ende hatte ich getrackte 190 Kilometer auf dem Tacho. Die von mir vorgeplante Route nimmt die aus meiner Sicht sechs wichtigsten und höchsten Berge, alle eingerichteten Naturschutzgebiete sowie alle geologisch und archäologisch interessantesten Sehenswürdigkeiten mit, wobei sie so verläuft, dass man bis auf zwei Ausnahmen eigentlich jeden Abend im Meer schwimmen kann. Zusätzlich habe ich versucht, nach Möglichkeit besondere Zeltplätze in die Route einzuweben. Was für mich am Erstaunlichsten ist: Obwohl die Route nur per Luftbild geplant war, ist sie fast ohne Abweichungen genauso und damit gefühlt perfekt aufgegangen. Ich habe sie vor Ort lediglich in Abschnitten angepasst, wenn bestimmte Relieflinien oder Felder einfacher zu begehen gewesen sind. Was auf der Route fehlt: Die mutmaßlich interessanten Zentralbereiche rund um den alten Vulkankegel von Vouni bei Katalakko sowie die grünen Hügel von Agios Dimitrios. Die haben schlicht und ergreifend nicht in die Routenvoraussetzungen gepasst. Man kann sie auf der fünften Etappe von den Höhen sehen, wer sie aber wirklich erleben will, dem empfehle ich den Besuch nach der Wanderung per Mietwagen. 7 Reisezeit und Wetter Meine persönlichen Präferenzen sind entspannte Tagestemperaturen ohne großartiges Geschwitze bei moderaten Nachttemperaturen, welche eine leichte Ausrüstung ermöglichen. Aufgrund meiner beruflich vorgeplanten Urlaubszeit hatte ich keine andere Wahl als den Zeitraum in den letzten beiden Oktoberwochen. Auf der Insel wurde mir von allen Einheimischen tatsächlich die Haupturlaubszeit zwischen August und September empfohlen – ich sollte dann nochmal wieder kommen, weil dann so richtig was los sei auf der Insel. Spätsommerliche Temperaturen über 30 Grad und überfüllte Strände brauche ich aber nicht, der Osram von oben hat mir auch so schon gereicht. In meinen zwei Wochen Ende Oktober hatte ich entspannte Tagestemperaturen von 22 Grad, welche sich in der Nacht auf minimal 13 Grad abkühlten. Bei neun Tagen Wanderung hat mittags viermal die Sonne ohne Wolken auf mich runtergebrannt – da habe ich insbesondere in den Aufstiegen gut geschwitzt und dementsprechend viel aus der Trinkblase getrunken. Weitere vier Tage hatte ich eine dankbare Wolkendecke. Auf der siebten Etappe hatte ich kurzfristig für knapp eine Stunde richtig Platzregen am Strand von Keros, wobei dann wirklich regentechnisch einmalig die Welt untergegangen ist. Denn ab Ende Oktober beginnt die Regenzeit auf Lemnos. Der kurzzeitige Starkregen an Tag 7 war der Einzige während der Wanderung, wobei es in weiteren drei Nächten leichten Nieselregen während der Nachtstunden gab, allerdings immer erst spät, als ich schon im Zelt lag. Davon hat man aber tagsüber nichts mehr wahrgenommen, das Zelt war beim Aufstehen immer trocken. Wichtiger Hinweis: Trotzdem wird die von mir vorgeplante GPS-Route so nur vom Beginn des Sommers im Juli bis zum dauerhaften Eintritt der Regenzeit Anfang November funktionieren. Das liegt daran, dass ich einige Abschnitte verplant habe, in denen man entweder a) nur in der Trockenzeit durch Bachtäler schreiten kann oder b) über so spät im Jahr nicht mehr bestellte Felder laufen muss. 8 Hin- und herumkommen Schnelle Preisliste: - Flug von und nach Deutschland: ca. 350 Euro - Taxifahrten: Flughafen nach Myrina ca. 28 Euro, Fahrt über die komplette Insel von Plaka nach Myrina ca. 55 Euro - Mietwagen: Je nach Saison 20 bis 40 Euro pro Tag (deutscher Kartenführerschein in Verbindung mit Personalausweis reicht aus, Umschreibung auf EU-Führerschein ist nicht nötig) Flüge: Direktflüge aus Deutschland gibt es nicht. Da ich in der Nebensaison da war, gab es auch nicht so viele Tagesflüge vom griechischen Festland wie sonst. Ich bin ab Frankfurt mittags mit Lufthansa nach Athen und von dort zwei Stunden später mit Olympic nach Limnos geflogen, Ankunft dort war um 20:45 Uhr Ortszeit. Durch die späten Rückflüge hatte ich auf der Rückreise eine Nacht von 22 Uhr bis 6:45 Uhr Stopover am Flughafen Athen. Der Flugpreis betrug inklusive 23kg Aufgabegepäck für Hin- und Rückflug insgesamt 350 Euro, in der Hauptsaison dann vermutlich dementsprechend teurer. Busfahrplan: Ein zusammenhängendes Bussystem mit Linien gibt es auf der Insel nicht. Oft fährt ein Bus morgens früh mit den Schulkindern aus dem jeweiligen Dorf in die Hauptstadt Myrina und von dort am Nachmittag wieder zurück. Ich habe keinen davon genommen und mir wurde bei meinen Rückfragen in den Ortskernen auch immer mitgeteilt, dass es eigentlich keinen festen Fahrplan gibt, sondern man mal so, und dann auch mal so fährt. Taxis: Besser klappt es mit den Taxis. Es gibt ein offizielles System per Taxameter, wobei man erwartungsgemäß zu Fahrtbeginn vom Fahrer immer nach einem schwarzen Festpreis gefragt wird. Für die erste Nachtfahrt vom Flughafen nach Myrina habe ich den Festpreis von 30 Euro genommen, bei meiner Rückfahrt mit Taxameter von Plaka hätte die Strecke vom Flughafen dann 28,50 Euro gekostet. Hab allerdings bei der zweiten Fahrt die Anfahrt nach Plaka nicht berechnet bekommen, da ich den gleichen Taxifahrer angerufen habe… Muss jeder für sich selbst entscheiden. 9 Details zu Nachschub und Quellen Wasser: Lemnos verfügt nur über eine Handvoll natürlicher Süßwasserquellen, welche insbesondere außerhalb der Regensaison häufig in nicht erreichbaren Lagen entspringen und nur selten am Ende das Meer auch erreichen. Als Erstbegeher der Route ohne genaue Kenntnisse über Quellen oder Bachläufe ergab sich daher für mich die Besonderheit, immer mit dem Unbekannten und damit mit Wasserknappheit rechnen zu müssen. Ich bin leider jemand, der durch Transpiration sehr viel Wasser verliert und dementsprechend intensiv ist mein Durst und damit Wasserverbrauch. Daher habe ich zu Beginn jedes zweiten Tages die Wassermenge von zwei Tagen geschleppt, das waren in der Regel so zwischen 5 und 6 Litern. Nach dem Trek kann ich sagen: Wer einen gescheiten Wasserfilter mitführt, kann fast an jedem Tag irgendwo Wasser zapfen oder kaufen! Fast. Ausnahmen: Lediglich für Etappe 2 (Fako-Halbinsel) und Etappe 8 (Überführung vom Salzsee Richtung Plaka) sollte man für zwei Tage Wasser mitschleppen. Die genauen Details zu den jeweiligen Wasserquellen sind den Etappenbeschreibungen im nachfolgenden Post zu entnehmen. Ich möchte nicht unerwähnt lassen, dass das Leitungswasser in Myrina ausdrücklich nicht zum Trinken geeignet ist, da es aufgrund der alten Leitungen mit Chlor versetzt wird. Alle anderen Ortschaften auf dem Trek nutzen eigens angebohrte Grundwasserreservoirs, weshalb die Wasseraufnahme an den jeweiligen Hähnen auch ohne Filter kein Problem darstellt. Ich habe auch an den Tiertränken – sofern das Wasser nicht mit Kot verunreinigt sein konnte und frei floss! – teilweise ohne Filter getankt und hatte keinerlei Probleme, näheres siehe im zweiten Post. Nahrung: In Bezug auf den Nahrungsnachschub sieht der Trek leider relativ mau aus. Da ich in der Nebensaison gelaufen bin, hatten eigentlich alle Strandbars und die außerhalb gelegenen Restaurants bereits geschlossen. Ein zielführender Nahrungsmittelnachkauf während des Treks ergab sich bei mir daher nur auf folgenden Etappen an folgenden Stellen: - Etappe 3 in Kontias: Im Ortskern gibt es die Sariklis-Bäckerei. Der Inhaber Teo war einer der wenigen Kontakte auf der Wanderung, der perfektes Englisch sprach und mir, nachdem ich ihm von meinem Projekt erzählt habe, die komplette Getränkerechnung erlassen hat… Neben allerlei superleckeren griechischen Backwaren – unbedingt die gefüllten Blätterteigrollen mit Philadelphia-Frischkäse mitnehmen! – gibt es auch ein kleines Supermarktsortiment mit allerlei Säften, Bieren, Sprudeln, Nüssen, Keksen, Knabbersachen und sogar Tiefkühlware. Die Öffnungszeiten haben sich mir nicht so ganz erschlossen, er hat mir aber seine Mailadresse gegeben – fragt also im Zweifel unter teosariklis@gmail.com nach, ob er offen hat bzw. falls nicht, für euren Ankunftstag ein Carepaket bereithalten kann. - Etappe 4 an der Hauptstraße hinter Therma: Hier könnte man zum Trinkwasser- und Nahrungsmittelkauf ein paar hundert Meter auf der Hauptstraße Richtung Myrina laufen, dort befinden sich mehrere Tankstellen und ein Supermarkt, wobei man dann über Umwege wieder (auf eigener Routenfindung!) auf den Trek gelangen müsste. - Etappe 6: Am Ziel in Moudros, der zweitgrößten Stadt auf der Insel, gibt es eine Handvoll Supermärkte und Bäckereien, wo sich eigentlich so gut wie alles kaufen lässt. Abseits davon gibt es keine Einkaufsmöglichkeiten. Da ich seit jeher mit Tütennahrung arbeite, hatte ich keine grundsätzlichen Probleme, habe mich aber an jeder verfügbaren Bäckerei mit Backwaren eingedeckt. Ich bin selbst noch nie nahrungstechnisch komplett „blank“ gewandert, glaube aber, dass Hardcore-Ultralightpacker auch mit dem kleinen Sortiment in diesen Läden klarkommen werden. Blöd wäre nur, wenn die zuhaben… Ruft also besser vorher an bzw. schreibt eine Mail. Und daher ebenfalls nice to know: Die Öffnungszeiten der Geschäfte sind an die Entspanntheit auf der Insel angepasst. Die meisten Läden öffnen morgens um 9 Uhr und schließen zwischen 12:30 Uhr und 14:30 Uhr wieder, um dann gegen Abend um 18 Uhr nochmal bis ca. 21 Uhr zu öffnen. In der Zwischenzeit haben nur die großen Supermärkte in Myrina (LIDL, etc.) oder die wirklich kleinen Kioske, in denen man nur Getränke oder Süßigkeiten bekommt, offen. 10 Gaskartusche, Kartenmaterial und Ausrüstung Gaskartusche: Egal ob zum Stechen oder Schrauben, diese bekommt man direkt in Myrina tatsächlich relativ einfach. Fast jeder kleine Mini-Markt in der Altstadt führt ein großes Sortiment. Ich habe zwar am ersten Morgen etwas suchen müssen, werde euch aber auf der folgenden Karte zwei Märkte markieren, die definitiv beide Typen in verschiedenen Größen führen. Der Preis für meine 500 Gramm Schraubgaskartusche lag bei 4,80 Euro. Markt Nr. 1 liegt unmittelbar neben dem kleinen Marktplatz im griechischen (nördlichen) Altstadtviertel, Markt Nr. 2 am Ende der einspurigen Ampelregelung im türkischen (südlichen) Altstadtviertel. Kartenmaterial: Ich habe insgesamt vier ausprobiert und kann nun ausnahmslos die Karte vom Verlag Anavasi aus Athen empfehlen, diese lässt sich auch in Deutschland bestellen. Mal abgesehen vom schönen Werbslogan „Waterproof & Tearproof“ ist dies die aktuellste Karte, Stand bei mir war Ende 2024. Außerdem lässt sich diese wohl in einer App nutzen, die ich allerdings selbst nicht getestet habe. Hinweis: Trotzdem enthält die Karte nur alle offiziellen Straßen und Wege, die Querfeldeinabschnitte sind wie erwähnt nur per GPS machbar. Ausrüstung: Auf die persönliche Ausrüstung möchte ich nicht intensiv eingehen, jeder hat da seine eigenen Präferenzen. Ich habe aufgrund der Wettervorhersage eine Basisausrüstung im Komfortbereich von 10 Grad Schlaftemperatur ausgewählt, damit bin ich sehr gut gefahren. Ich hatte einmalig an Tag 7 eine Stunde tagsüber richtig starken Regen, wo mir die Regenjacke gute Dienste geleistet hat. Nachts hat es mehrfach geregnet, weshalb die Mitnahme des Außenzeltes die richtige Entscheidung gewesen ist. Aufgrund der Bodenbotanik empfehle ich allerdings dringend vernünftige Wanderschuhe mit Schaft sowie das Mitführen eines Wanderstocks für die steilen Abschnitte. Und leichte Aquaschuhe haben mir beim Baden sehr gute Dienste erwiesen, insbesondere im Hinblick auf die vorhandenen Seeigel. Zu beidem mehr im Post mit den Etappenbeschreibungen. 11 Kontakt mit den Einheimischen – Mobilfunkempfang - Naturschutzgebiete Kontakt mit Einheimischen: Auf dieser Route wird man aufgrund der örtlichen Begebenheiten unweigerlich insbesondere mit den örtlichen Bauern in Kontakt kommen. Ich habe, wie bereits teilweise beschrieben, ausnahmslos positive Erfahrungen gemacht. Mir wurden alle Tore geöffnet und immer wurde gefragt, was ich mache und warum es ausgerechnet ihre Heimat Lemnos zum Wandern geworden ist. Oft wurde lachend mit dem Kopf geschüttelt, mehr als einmal hat man mich als Helden bezeichnet oder mich umarmt. Am ersten Abend habe ich mich tatsächlich kurz etwas unwohl gefühlt, weil zwei Jäger – die Vogeljagd ist auf der Insel noch weit verbreitet – vor der Dämmerung mit ihren Flinten und ihren Jagdhunden im Bereich meines Zeltes unterwegs waren und diese mich auch definitiv gesehen haben mussten. Sie kamen gegen ca. 19 Uhr Ortszeit, also bereits im Dunklen, zurück und leuchteten erneut mit einem großen Scheinwerfer ihres Pickups die Brackwasserlagune ab. Einen direkten Kontakt gab es nicht, mein Unwohlsein war im Nachhinein unbegründet. Im Gegenteil hatte ich keinerlei negative Erfahrungen. Mehrfach bin ich direkt über Höfe und privates Besitztum gelatscht, aber das gehört wie erwähnt bei der lokalen Bevölkerung einfach dazu. Man hat mich dabei sogar mehrmals gefragt, ob man mich mitnehmen oder mir anderweitig helfen könne. Die Hilfsbereitschaft hat mich ehrlich begeistert. Verständigung: Außerhalb von Myrina kann auf Lemnos eigentlich niemand Englisch sprechen. Daher empfehle ich, vorab die griechischen Sprachpakete einer Übersetzungsapp auf das eigene Telefon zu laden, um immer kommunizieren zu können. Mobilfunkempfang: Der ist grundsätzlich fast überall vorhanden, aber eben nur fast. Auf der Fako-Halbinsel und dem kompletten nordwestlichen Inselbereich gibt es einige blinde Flecken, in denen man keinerlei Verbindung hat. Ich habe standardmäßig ein InReach-Gerät mitgeführt und würde dieses zumindest für Solobegehungen insbesondere für etwaige Notfälle in diesen Bereichen empfehlen. Ansonsten findet man ein Mobilfunknetz ohne Probleme jederzeit innerhalb einer Halbtagesetappe. Naturschutz: Die Halbinsel von Fako, Teile rund um den höchsten Berg Vigla, die Dünen und der geologische Park an der Nordküste und auch die Salzseen an der Ostküste sind teilweise als Naturschutzgebiete gemäß den Habitat-Richtlinien „Natura 2000“ der europäischen Union ausgewiesen. Das sieht man auf etlichen, auch aktuellen Wanderkarten wie von Anavasi leider nicht. Zur Erklärung: Diese EU-Naturschutzgebiete werden zwar als für Vögel und Flora besonders schützenswert ausgewiesen, unterscheiden sich aber in ihrer Beschaffenheit extrem, oft ist ein generelles Betreten durch den Menschen erlaubt, auch querfeldein. Eine gemeinsame Nutzung von Natur und Mensch schließt sich also nicht grundsätzlich aus, Betretungsverbote sind eher die Ausnahme. So ist es auch auf Lemnos. Die genannten Orte sind zwar als Naturschutzgebiete ausgewiesen, werden hier aber sehr intensiv mit Ziegen und Schafen beweidet und daher auch mit deren Trails belaufen. Jeder sollte das für sich selbst entscheiden, wie er mit der Natur umgeht. Die von mir hier bereitgestellte Tour führt durch den Lebensraum von seltenen Pflanzen, Tieren, durch Dünenlandschaften und über einen der letzten Salzseen Europas. Ich selbst folge dem Eindrücke-Fußspuren-Kodex und hatte damit auf dieser Wanderung wunderbare Begegnungen mit der heimischen Tier- und Pflanzenwelt – mit griechischen Landschildkröten, Gottesanbeterinnen, Fledermäusen, der ein oder anderen Schlange und mehreren Scheltopusiken (ja, den kannte ich vorher auch noch nicht, sucht selbst nach dem Begriff, mehr dazu unter Punkt 14). Und von dem Duft des wilden Thymians will ich gar nicht sprechen – wer aber damit Probleme hat, durch den Lebensraum dieser Tiere und Pflanzen zu laufen, sollte die Route vielleicht besser bleiben lassen. Es besteht übrigens auf jeder Etappe die Möglichkeit, den selbst verursachten und mitgetragenen Müll in Sammelbehältern zu entsorgen. Es gibt nämlich an den Straßen stehende Sammelmülltonnen, die in regelmäßigen Abständen geleert werden. 12 Militäranlagen Aufgrund ihrer Lage nahe der türkischen Küste verfügt Lemnos über mehrere militärische Anlagen und Stützpunkte, welche insbesondere eine Infrastruktur für die griechische Luftwaffe bereitstellen. Es ist in Griechenland unter Strafe verboten, Fotos von militärischen Anlagen zu machen oder diese im umzäunten Sicherheitsbereich zu betreten. Im Gespräch mit der örtlichen Polizei wurde mir bestätigt, dass insbesondere von Touristen angefertigte unberechtigte Fotos alle Jubeljahre mal vorkommen, die Strafen reichen dabei von Geld- bis hin zu tatsächlichen Gefängnisstrafen. Die Polizei und auch die Wachsoldaten sind berechtigt, bei der Kontrolle von Personen die mitgeführten Mobiltelefone und sonstigen Kameras anzusehen und diese auf unberechtigte Fotos zu durchsuchen. Nach meiner Recherche wurde das in der Vergangenheit auch tatsächlich gemacht. Auf Etappe 1 (Stützpunkt unmittelbar hinter dem Ortsausgang von Myrina), Etappe 4 (Überschreitung des höchsten Berges Vigla), Etappe 5 (Stützpunkt vor Moudros) und Etappe 9 (Nordostkap) hat man auf dieser Route unweigerlich Berührungspunkte mit dem Militär. An allen Stützpunkten sind bereits ca. 200 Meter vorher große Schilder aufgestellt, die Fotos und Drohnenflüge untersagen. Aus meiner Sicht am kritischsten ist hierbei die Überschreitung des höchsten Berges Vigla bei Etappe 4, da auf diesem die Radardome für die Luftraumüberwachung der nördlichen Ägäis liegen und der eigentliche Gipfelbereich damit hinter dem Zaun militärisches Sperrgebiet ist. Zusätzlich erreicht man den Gipfel querfeldein und läuft unmittelbar an der Straße bzw. dem Einfahrtstor zum Stützpunkt vorbei, wo normalerweise niemals ein Tourist einen Fuß hin verliert. Ich bin da ehrlich gesagt einfach dran vorbei gelatscht, bis auf drei zivile Autos innerhalb der Umzäunung habe ich keinerlei Aktivitäten geschweige denn Wachsoldaten gesehen. Von mir hat auch trotz der dort installierten Kameras offensichtlich niemand Notiz genommen, wie auch auf dem Rest der Wanderung nicht. Im Gespräch mit der örtlichen Polizei wurde mir gesagt, dass man sich im Falle einer Kontrolle einfach kooperativ verhalten und seine Wanderabsichten äußern soll. Im Zweifel soll man das Mobiltelefon oder die Kamera vorzeigen und beweisen, dass man keine direkten Aufnahmen der Anlagen gemacht hat. Ich hatte keinerlei Kontakt mit Wachsoldaten, habe mich aber an die Regeln gehalten und niemals direkte Aufnahmen der Militäranlagen gemacht. In der Gesamtschau war dieser Punkt sehr entspannt. Nichtsdestotrotz möchte ich dies erwähnen, da ich nach meiner vorhergehenden Internetrecherche etwas Bammel hatte, der im Nachhinein aber völlig unbegründet gewesen ist. Macht euch also nicht unnötig Stress mit den Gedanken darüber. Und dazu noch historisches Nice-to-know: Unabhängig davon hat Lemnos militärisch gesehen eine sehr lange und aus meiner Sicht interessante Geschichte durch ihre besondere Lage vor den Dardanellen. Man sieht auf der Wanderung immer wieder Bunkeranlagen und Küstenbefestigungen aus den beiden Weltkriegen, teilweise nebeneinanderstehend sowohl aus dem britischen Gallipoli-Feldzug im ersten als auch von der Besatzung durch Nazi-Deutschland im zweiten Weltkrieg. Ein oder zwei meiner Zeltplätze liegen auch unmittelbar an alten Küstenbunkern oder Strandbatterien. 13 Was euch vom Trek abhalten könnte Kurz und schmerzvoll: 1. Dornige Birbanelle und andere Stachelpflanzen: Die komplette Insel ist in den Querfeldeinabschnitten von diesem kleinen, äußerst stacheligen Busch und anderem Kraut überwuchert, welches durch das konsequente Wachstum von Stacheln versucht, dass wenig vorhandene Wasser gegen Fressfeinde zu verteidigen. Obwohl ich die Büsche nicht verzehren möchte, gelangen die Stacheln ohne zu fragen problemlos durch jede Hose, sodass ich bereits nach zwei Tagen den Kampf aufgegeben und einfach mit kurzen Beinen weitergelaufen bin. Die Schienbeine sahen jeden Abend aus, als hätte man ein Jugend-forscht-Projekt im Hauptfach Akupunktur an mir durchgeführt. Die Stacheln nerven, tun aber nicht wirklich stark weh. Ich empfehle, vernünftige Schaftschuhe auf der Wanderung anzuziehen, damit man die Büsche in den Bereichen platttreten kann, in denen man die Ziegentrails verliert. 2. Der Geruch von Schaf- und Ziegenexkrementen: Die gesamte Insel wird intensiv für die Beweidung mit den genannten Tieren genutzt, welche dementsprechend häufig ihre Köttel in die Landschaft ablassen. Mich persönlich hat das nicht gestört, aus Erfahrung mit unserer damaligen Jordanien-Planung weiß ich aber, dass es Wanderer gibt, die sich explizit daran stören. 14 Was euch für den Trek motivieren könnte 1. Das Einlassen auf das Abenteuer. Mal wirklich ein ganzheitliches Abenteuer ohne bestehende Route. Was aber trotzdem wunderbar klappen wird. 2. Völlige Abgeschiedenheit auf einem Wanderweg, den es so nicht gibt. Niemand geht einem auf den Senkel, man kann tun und lassen, was die persönliche Auseinandersetzung mit der Natur hergibt. 3. Intensive Begegnungen mit der örtlichen Fauna. Man fängt plötzlich völlig sinnbefreit an, mit Schildkröten zu sprechen und fragt sich dauerhaft, was sich die Evolution bei der Entwicklung von Scheltopusiken da eigentlich so gedacht hat. Der Moment, wenn die Gottesanbeterin mit ihren beiden Fangarmen in deine Richtung argumentiert und sich offensichtlich darüber beschwert, dass du ihr die Sonne genommen hast. Und der Moment, wenn am Ende von Tag 5 bei Faraklos beim Abendessen tatsächlich Delfine in der Bucht herumhüpfen. 4. Der Genuss einer wunderbaren Landschaft, die einen als Beobachter in Ruhe lässt. Einer Landschaft, die eigentlich völlig flach und gleichzeitig ziemlich anstrengend ist. Und bei der einem aber trotzdem ständig die Kinnlade runterfällt, wenn man doch mal in die Ferne schaut. 5 Die für mich neue Möglichkeit, beinahe jeden Abend im Meer schwimmen gehen zu können. Gegen diese Form des Waschens kommt keine auch noch so intensive Deo-Dusche an. 5. Die ehrliche Dankbarkeit der auf Lemnos lebenden Bevölkerung. Das kann ich nicht beschreiben, dass muss man vor Ort selbst erleben. dermuthige, khyal, Gibbon und 2 Weitere reagierten darauf 5 Die größte Herausforderung besteht darin, überhaupt aufzubrechen, vermeintliche Sicherheiten hinter sich zu lassen und stattdessen der Ungewissheit des Weges zu begegnen. Der Weg entsteht dann wie von selbst.
sirm3rl1n Geschrieben Montag um 08:02 Autor Geschrieben Montag um 08:02 Etappendetails Erläuterungen zur besseren Planbarkeit für Wasser: (Q1/6, KM 7,0) = Quelle 1 von insgesamt 6 auf der jeweiligen Etappe, Kilometer 7,0 der jeweiligen Etappe. Eigennamen sind kursiv geschrieben – die Bezeichnungen und Schreibweisen beziehen sich größtenteils auf die Begriffe der Karte vom Anbieter Anavasi. Etappe 1 - 20 Kilometer vom Castro Myrina zur Steno-Bucht – Bademöglichkeit vorhanden: Wir starten an der markantesten Stelle in Myrina, der alten Burg auf dem vorgelagerten Felsen, unter den Blicken des hier freilebenden Damwildes. Ich kann nur dringend empfehlen, sich nach der Wanderung noch einen kompletten Tag zur Erkundung der Festung zu nehmen – wer den Eingang zu den Katakomben findet, eine Kopflampe mitführt und sehr vorsichtig ist, kann schlafende Fledermäuse an der Höhlendecke beobachten! Die Route beginnt am eher unbekannteren Nordtor und führt einmal an den wichtigsten Stellen der Festung vorbei – auch über die höchsten mauern und über teilweise ausgesetzte Treppen. Wer das nicht machen möchte, lässt diese einfach rechts liegen und läuft direkt aus dem Haupttor heraus. Danach geht es in die ehemals türkische Altstadt von Myrina. Nach dem Auftanken von Wasser (Q1/1, KM 1,7) beim letzten Kiosk am Jachthafen verlässt man die Stadt und biegt nach rechts in Richtung Südwestspitze ab. Vorbei am ersten Militärstützpunkt geht es zur ersten Stranderfahrung. Danach werden um den Berg Vigla herum die Klippen des südwestlichen Kap Tigani erreicht, von denen man in südlicher Richtung am Horizont die Insel Agios Efstratios erblicken kann. Über ausgesetzte Ziegenpfade an der Steilküste erreichen wir mit tollen Weitblicken die Bucht und den Strand von Thanos. Nach dem Durchschreiten des trockenen Sumpfes geht man rechts am Weidezaun über die Klippen und macht stetig bergauf die ersten Erfahrungen mit der stacheligen Botanik der Bodenschicht. Auf der Höhe begegnen wir erneut einem prächtigen Damhirsch, der hier nicht mit Touristen rechnet und daher lange stehenbleibt und uns neugierig mustert – also mich zumindest, ich hoffe, ihr dürft das auch so nah erleben. Nach dem Abstieg kann man kurz vor der Straße im besten Fall rechts über den Bauernhof abkürzen, wenn dort aber wie bei mir eine riesige Herde Schafe steht, nimmt man den Umweg nach links. Man verlässt die Straße nach dem Hotelneubau nach rechts in Richtung Küste über einige Felder, um zum Strand von Zematas zu gelangen, welchem man die komplette Länge bis zu den Klippen folgt. Hier ist ganz am Ende des Strandes der Zaun niedergedrückt, sodass man hier über den letzten Hügelkamm die Bucht von Stenos erreichen. Am Strand gibt es eine tolle Sitzgruppe, kurz dahinter am Gegenhang ein brach liegendes Haus, was über eine umzäunte und ebene Wiese für ein Zelt verfügt. Etappe 2 – 22 Kilometer von der Stenos-Bucht bis zum alten Leuchtturm von Fako – Bademöglichkeit vorhanden: Nach 700 Metern besteht die einzige Möglichkeit bis zum morgigen Mittag, per Pumpfilter Wasser (Q 1/1, KM 0,7) an der langsam fließenden Tiertränke nachzutanken. Eine Verunreinigung durch Tierexkremente oder ähnliches bestand bei mir nicht. Über den Kamm, einen kurzen Schotterabschnitt und in der Fogle die Teerstraße geht es zur Bucht von Kontias, wo sich der Strand von Diapori mit Blick auf die Fischerboote für das Frühstück anbietet. Wir überschreiten den schmalen Isthmus zur Halbinsel von Fako und folgen dem Schotterweg stetig bergauf, wobei uns der Anblick der Hügel an Schottland erinnert und wir uns fragen, wo wir da jetzt eigentlich gleich hochkraxeln sollen. Nach der kleinen Kapelle steigt man dann auf den Kamm auf, womit sich der atemberaubende Blick auf den Rest von Lemnos eröffnet. Wir haben mit nun knapp 320 Metern den ersten von sechs wirklich hohen Bergen namens Skopos auf unserer Wanderung erklommen. Auf den Kammwegen in Richtung des Golfes von Moudros laufen die Ziegen vor einem weg und zeigen so unproblematisch die besten Single-Trails zum Wandern an. Von der Höhe erblickt man in östlicher Richtung den Leuchtturm am südlich-östlichen Kap Koubi. Der Abstieg ist steil und mit komischen grünen Büschen durchsetzt – tritt man auf diese, explodiert kurze Zeit später die eigene Nase in einem der aromatischten Düfte der ganzen Wanderung. Es handelt sich um wilden Thymian, leckerer kann es hier eigentlich nicht riechen! An der Ostküste biegt man wieder nach Norden ab und vorbei an der Vulkansteilküste, welche den Blick auf rotgelb-gebräunte Erdschichten aus Tausenden von Jahren geologischer Aktivität freigeben, nähert man sich dem Golf von Moudros. Am Ende der letzten Landzunge steht das Betonfundament des alten Leuchtturms, dessen untere Ebene sich hervorragend zum exklusiven Aufstellen des (Einmann-)Zeltes eignet. Beim Baden in den Felsen unbedingt mit den Füßen auf die hier in großer Zahl heimischen schwarzen Seeigel achten! Etappe 3 – 22 Kilometer von Kontias auf die zwei heiligen Berge der Insel – Bademöglichkeit NICHT vorhanden: Die erste Hälfte bis Kontias besteht aus einer klassischen Überführungsetappe – man muss erstmal wieder auf die Hauptinsel kommen. Über etliche Agrarflächen mit wieder extrem freundlichen Bauern – beim Verlassen der Fako-Halbinsel wurde ich umarmt und mit selbstgemachtem Ziegenkäse beschenkt – und der längsten Einzelgeraden der Wanderung gelangt man nach Kontias. Bei der Bäckerei Sariklis im Ortskern kann der Wasserstand (Q1/2, KM 9,1) wieder aufgefüllt werden, die leckeren Backwaren sind nur zu empfehlen! Nach dem Erkunden der wunderbar verwinkelten Gassen stehen am Ortsausgang die restaurierten Windmühlen, welche wir links liegen lassen und den erstaunlich begrünten Ort über einen Trampelpfad in Richtung Westen verlassen. Hier liegt der einzige Bauernhof, bei welchem ich Pech hatte, da augenscheinlich kein Zweibeiner zuhause war und die Hunde richtig Stress geschoben haben – Wer verbellt, ist der Held. Daher führt die Route in einem kleinen Bogen nördlich um den Hof herum. Nach Überschreiten der nächsten Anhöhe ist man fast wieder am letzten Strand von Tag 1, biegt aber vorher rechts in Richtung des kleinen Stausees ab. Kurz hinter der Kapelle ist der See bei Tageskilometer 13,7 zwar leer, davor gibt es aber einen laufenden Wasserhahn, an dem nochmal Wasser (Q 2/2, KM 13,6) nachgetankt werden kann. Im Anschluss beginnt der steile Anstieg in die Felsen des Kakavos, bei welchem man sich beim Umdrehen und in die Ferne schauen nicht in Griechenland, sondern aufgrund der Gesteinsformationen auf den Falkland-Inseln oder vielleicht auch direkt auf dem Mond wähnt. Der verwinkelte Weg ist tatsächlich auf kurzer Strecke mit einem so winzig kleinen einzelnen roten Punkt markiert, dass man ihn leicht mit einer besonderen Flechtenart verwechseln könnte. Oben angekommen wartet eines der Highlights der Insel auf uns: Panagia Kakaviotissa, der Rückzugsort der Mönche. Da die Insel im Mittelalter häufig Piratenangriffen ausgesetzt war, hat der Mönchsorden hier in einer natürlichen Höhle hoch im Felsen zu Beginn des 15. Jahrhunderts eine Fliehburg in den Stein gebaut. Ich hoffe, dass ihr die Kapelle wie ich für euch alleine bei tollem Wetter genießen und vielleicht die ein oder andere Gottesanbeterin beim Sonnenbaden auf den Steinen beobachten könnt! Auf dem offiziellen, recht gut ausgebauten Weg zum Wanderparkplatz ergeben sich tolle Blicke auf die umgebenden Berge. Nach Verlassen des Wanderparkplatzes und des Abbiegens nach links nimmt man von den drei verfügbaren Wegen den mittleren und hält sich eng an der Felswand in östlicher Richtung, wobei man kurz nach dem Hof aufgrund der mit dem Zaun verwachsenen Botanik eine ganz kleine Klettereinlage einlegen muss. Auf dem folgenden moderaten Anstieg, der wegen der ausgetretenen Ziegenpfade eigentlich recht erträglich ist, brechen wir aufgrund der Sonneneinstrahlung trotzdem hinter dem einzig dort stehenden Mini-Bäumchen direkt auf dem Weg im Schatten zusammen und ziehen beim Blick zurück auf die Felsformationen des Kakavos in Verbindung mit der gut bratenden Hitze auf einmal neue Vergleiche mit der Geologie von Südafrika. Nach der kurzen Pause und der folgenden leichten Kuppe erblickt man das Tagesziel: Die Kapelle Profitis Ilias auf dem gleichnamigen, 355 Meter hohen Berg. Die letzten 300 Meter sind mit den riesigsten weißen Wegmarkierungen bekleckert, die ich in 11 Jahren Trekkingerfahrung jemals gesehen habe. Gibt es den ein oder anderen brauchbaren Zeltplatz schon vor dem eigentlichen Gipfel, hämmern wir das Zelt aus purer Euphorie direkt auf den kleinen Vorplatz unmittelbar unterhalb des Gipfels und der kleinen Kapelle. Der Dank ist der vermutlich beste Blick auf die komplette Insel und einer der schönsten Sonnenuntergänge, die wir bislang erleben durften. Kapelle und auch die zwei „Langhäuser“ sind offen, allerdings so gut wie nicht möbliert. Etappe 4 – 23 Kilometer mit der Athanasios-Überschreitung und Westküstenflair bis zum Kap von Mourtzerflos – Bademöglichkeit vorhanden: Beim Zeltabbau morgens um 7 Uhr erreicht eine offensichtlich lebensältere Einwohnerin der Insel den Gipfel, welche überrascht fragt, ob wir hier oben genächtigt haben. Nach kurzer Erläuterung des Projektes lacht sie herzlich und teilt mit, dass sie seit fast 20 Jahren mindestens einmal die Woche morgens hier hoch pilgert, um den Sonnenaufgang zu erleben und hier oben zu beten. Dass jemand hier oben gezeltet hat, hat sie in dieser Zeit noch nie erlebt. Sie ist begeistert und spendet mir vor ihrem Abstieg ihren Segen für die weitere Reise. Ich bin sprachlos und starte mit einem guten Gefühl in den Wandertag. Geplant war hier eine Überschreitung des Ilias, die mir aufgrund des ausgesetzten Felscharakters auf der Nordseite aber zu gefährlich erschien. Daher erfolgt der Abstieg auf dem gleichen Weg wie der gestrige Aufstieg. In nördlicher Richtung erreicht man daher auf Schotterwegen die Gemarkung Therma. Das offizielle Bad ist geschlossen, aber rechts der Route befindet sich ein großer Brunnen mit Wasserhähnen, in dem man sich das (nachgewiesen!) trinkbare Thermalwasser (Q 1/7, KM 3) abfüllen kann – es hat allerdings beim Abfüllen tatsächlich Badewannentemperatur. 300 Meter die Straße runter befindet sich auf der linken Seite ein Wasserhahn (Q2/7, KM 3,3) mit nun fließendem, kaltem Süßwasser. Weiterhin würde am nächsten Abzweig die Möglichkeit bestehen, nach links auf die Hauptstraße abzubiegen und dieser ein paar hundert Meter bis zu einer Tankstelle zu folgen (Q 3/7, KM 4). Die geplante Route führt hingegen durch die Weinfelder bis zum Fuße des Athanasios. Am Bauernhof vor dem Aufstieg biegt man links auf einen kleinen Nebenweg ab und folgt diversen Ziegenpfaden bis zum Sattel des Vorhügels, wo man nach dem Feld über den Zaun steigt und der Aufstieg beginnt. Immer auf der rechten Seite des Zaunes geht es im Zickzack den relativ steilen Berg hinauf, wobei man so gut wie möglich den Ziegenpfaden folgt. Auf dem knapp 330 Meter hohen Einzelgipfel Athanasios ergibt sich ein wunderbarer Blick in südlicher Richtung auf Myrina. Die Militäranlagen hier oben sind gänzlich verlassen, lediglich die Sendeanlage wird noch automatisiert betrieben. Über die Schotterstraße und eine kleine Abkürzung baut man auf der anderen Seite genauso schnell Höhenmeter ab, wie man sie im Aufstieg aufgestiegen ist. Um Strecke zu sparen, erfolgt die zweite Abkürzung über ähnlich steiles Gelände – hat bei mir gut geklappt, wer sich das nicht zutraut, muss ein paar Serpentinen mehr machen. Unten folgt man der Teerstraße in Richtung Agios Ioannis. Um hier ebenfalls Strecke zu sparen, erfolgt eine weitere Abkürzung an der Neubauvilla links vorbei über ein Feld, wo man nach dem Übersteigen des Weidezauns wieder auf offizielle Straßen gelangt. Entlang der wunderbaren Küstenstraße von Agios Ioannis erreicht man die markante Kapelle auf dem von den Gezeiten durchlöcherten Felsen. Unmittelbar, bevor die Straße den Felsen umrundet, befindet sich rechts die Toilettenanlage der Strandbar. Die Metalltür rechts war bei mir nicht verschlossen, Wasser (Q 4/7, KM 12,5) aus dem Hahn lief ohne Probleme. Das Dorf nutzt einen gebohrten Tiefbrunnen als Frischwasserquelle für die Leitungen, ich habe hier komplett wieder aufgefüllt. Nachdem die Teerstraße sich wieder in einen Schotterweg verwandelt hat, gibt es vor dem letzten Hof erneut einen eingefassten Hahn mit Tränke, wo ich allerdings kein fließendes Wasser festgestellt habe. 100 Meter danach überquert man einen der wenigen Bachläufe, in dem Wasser (Q 5/7, KM 15,2) fließt – man müsste zur Wasseraufnahme hier allerdings eine mutmaßlich kritische Klettereinlage in den Graben einlegen. Nach dem Ende der Straße überquert man den Hof und steigt über eine mutmaßlich alten, teilweise gepflasterten Viehweg über die Felsen auf den Hangrücken der Skalosies auf, wobei man in nördlicher Richtung einen tollen Blick auf die Küste hat. Bei moderatem Anstieg wird der Kamm in Richtung Norden abgefrühstückt. Um nach links in Richtung des Gegenhangs von Neroviglia zu kommen, hält man sich über den erstaunlich gut ausgetreten Ziegenpfad, der wirklich mehr an einen guten Trekkingwanderweg erinnert, immer links am Hang. Bei Tageskilometer 18 bietet sich ein durch eine elektrische Pumpe gefüllter Tränkenteich zum letzten Aufstocken der Wasservorräte (Q 6/7, KM 18,2) des Tages an. Gibbon, khyal, zoppotrump und 1 Weiterer reagierten darauf 4 Die größte Herausforderung besteht darin, überhaupt aufzubrechen, vermeintliche Sicherheiten hinter sich zu lassen und stattdessen der Ungewissheit des Weges zu begegnen. Der Weg entsteht dann wie von selbst.
sirm3rl1n Geschrieben Montag um 08:04 Autor Geschrieben Montag um 08:04 Nach dem Abstieg ins Tal überschreiten wir einen kleinen Bachlauf mit sehr langsam fließendem Wasser (Q 7/7, KM 19) – diesen Bach führe ich der Vollständigkeit halber mal auf, er war an besagter Stelle aber deutlich mit Schafexkrementen verunreinigt und mit nicht definierbarem, schleimigem Grünzeug durchwachsen, also nur eher was für den absoluten Notfall. Auf der anderen Seite steigen wir auf den letzten Kamm des Tages auf. Mit etwas Glück liegen hier die ersten griechischen Landschildkröten entspannt auf dem Weg, die uns kurz mustern, sich dann aber wieder dem frischen Grün widmen. Nach Erreichen des Schotterwegs steigt man unter steigenden Fußschmerzen ob der langen Etappe in Richtung Mourtzerflos ab. Über den schmalen Isthmus aus Kiesstrand erreicht man zum Schluss die kleine Kapelle, welche nicht nur über eine kleine Wiese für das Zelt verfügt, sondern auch über Sitzgelegenheiten außen, eine kleine Küche innen und sogar elektrisches Licht für fortgeschrittene Abendstunden - Sicherungskasten ist im Gebetsraum rechts oben neben dem kleinen Schrank, einfach die rechte Sicherung reinmachen, schon hat man Licht in der Küche! Baden ist direkt neben der Kapelle möglich, hier wieder auf Seeigel achten. Etappe 5 – 21 Kilometer über den höchsten Berg, entlang an der Nordküste und durch die nördlichsten Wüstendünen Europas – Bademöglichkeit vorhanden: Über die Landzunge geht es zurück auf die Hauptinsel. Nach einem kurzen Querfeldein-Aufstieg zum Metersparen beginnt im nächsten Tal die endgültige und bis zur Etappenmitte notwendige Querfeldein-Durchschlageübung, da man nun zum höchsten Berg der Insel aufsteigt und es dafür lediglich Ziegenpfade gibt. Es geht stetig steil bergauf, während man sich unentwegt durch die Birbanellen schlägt und versucht, so viele der Ziegentrails wie möglich mitzunehmen. Den ersten Vorhügel des Abelitis unterschreiten wir leicht südlich über einem Moränenabgang, um dann immer dem Kamm folgend zum Vigla aufzusteigen. Durch die ein oder andere Ruine folgt man stetig aufsteigend dem Kamm, bis fast auf der Höhe die Militärstraße erreicht wird. Rechts ist ein kleiner Fahrzeugstützpunkt, man folgt aber der Straße weiter in östlicher Richtung zum Gipfel. Wachsoldaten sehen wir absolut nicht, lediglich ein paar Privatautos hinter dem Zaun weisen darauf hin, dass hier irgendwo auch Personal arbeiten muss. Kurz vor dem Stützpunkttor erreicht man den mit knapp 410 Metern höchsten Punkt der Wanderung. Das Tor lässt man allerdings links liegen und wandert weiter über den Kamm. Hier ergeben sich einige wunderbare Blicke auf den Rest der Insel. Es folgt ein steiler, aber machbarer Abstieg in Richtung Ammotines. Um einen guten Überblick über die nördlichsten Sanddünen Europas zu haben, führt die Route auf den letzten Vorhügel hinauf, von welchem sich tolle Fotos auf den sandigen Gegenhang anbieten. Nach einem erneuten unschönen Birbanellen-Abstieg steht man dann unten im Tal mit den Dünen im Hintergrund vor einer schier undurchdringlichen grünen Wand aus Hartholz, wobei die gut ausschlagende Botanik dabei auch Hinweise auf möglicherweise vorhandenes Wasser bieten. Ich habe den gröbsten Weg durch diesen Wirrwarr schon freigeschlagen, aber ihr werdet euch vermutlich so wie ich im Kriechgang vorwärtsbewegen müssen. Unmittelbar vor den Dünen befindet sich im Talgrund eines der kleinsten Süßwasserrinnsale, aus denen ich jemals Wasser getankt habe, was mich aber sofort an meine Erfahrungen in Jordanien erinnert hat. Direkt auf der Route befindet sich eine badewannengroße Senke, aus der man mit Filter perfekt Wasser mitnehmen kann (Q 1/1 KM 9,4). Trinkt euch hier nochmal sitt, da die folgende Dünenüberschreitung absolut fordernd, wenn auch wunderschön ist. Bei drei Schritten nach oben rutscht man gefühlt wieder zwei nach unten… Vom Wanderparkplatz geht es dann in Richtung Küste durch die Dünen. Nach der Strandüberschreitung kann man bei der Kapelle von Panagia eine Pause machen, tolle Bilder des zugewachsenen Ruderbootes über der Bucht inklusive. Nach der letzten Kiesstrandüberquerung in der nächsten Bucht biegt man auf der Kuppe nach links in ein Tal voller Felder ab, dass euch hoffentlich wie mich an eine Wanderung in der Provence erinnern wird: Tausende von strahlenden und duftenden gelben und lilafarbenen Blumen säumen diesen Weg, sodass die Kinnlade während des Wanderns erneut in tiefst möglicher Stellung einrastet und die Glückseligkeit alle Begeisterung übernimmt. Der Rest der Route in Richtung des geologischen Parks ist über Schotterstraßen einfach erklärt: Runterlaufen, Kilometer sparen, am Ende auch durch Abkürzen über ein Feld. Gezeltet habe ich hier in der Bucht vor der Kapelle Agios Nikolaos, an deren nördlichem Ende sich wieder neben einigen Küstenbunkern ein paar geschützte Zeltplätze zwischen den hier schon beginnenden Sandsteinformationen finden lassen. Gibbon, zoppotrump, khyal und 1 Weiterer reagierten darauf 4 Die größte Herausforderung besteht darin, überhaupt aufzubrechen, vermeintliche Sicherheiten hinter sich zu lassen und stattdessen der Ungewissheit des Weges zu begegnen. Der Weg entsteht dann wie von selbst.
sirm3rl1n Geschrieben Montag um 08:06 Autor Geschrieben Montag um 08:06 Etappe 6 – 21,5 Kilometer Überführungsetappe nach Moudros – Bademöglichkeit vorhanden: Es handelt sich um eine relativ entspannte Etappe, welche lediglich dazu dient, auf die östliche Inselhälfte zu gelangen. Ab hier flacht das Relief bis zum Ende des Treks sowieso stark ab, sodass man in Verbindung mit den Schotter- und teilweise Teerstraßen gut Strecke machen kann. Das Highlight der Etappe findet sich direkt kurz nach dem Start: Die Sandsteinfelsen des Faraklo-Geologieparks unmittelbar an der Küste lassen optisch nachvollziehen, wie die vulkanische Entstehung der Insel vor vielen tausend Jahren stattgefunden haben muss. Die erste Hälfte der Etappe führt nach einigen Querfeldein-Einlagen an der Küste über schnurgerade Schotterstraßen bis zur Bucht von Kotsinas, wo auf dem Hügel der heutigen Kapelle einst eine der drei Festungen der Insel gestanden hat, welche damals von einem venezianischen Herzog errichtet worden ist. Davon sind nur noch ein paar Grundmauern zu erahnen, allerdings findet sich hier die Statue von Maroula, welche sich 1478 der Legende nach im Alter von 18 Jahren bei einem Angriff der Türken zur lemnotischen Jeanne d´Arc mauserte, als sie durch ihren Mut den Verteidigern zu einem großen Sieg verhalf. Hier gibt es die vermutlich spektakulärste Möglichkeit auf dem Trek, Wasser nachzutanken (Q 1/4, KM 10,3): Direkt am Eingang der Kapelle kommt man über ziemlich viele Treppenstufen (ich habe irgendwas zwischen 60 und 70 gezählt) durch einen kleinen steinernen Gang in einer Katakombe, welche scheinbar mal Teil der Burg war, ziemlich tief liegt und echt modrig riecht… Hier lässt sich mittels eines Eimers Grundwasser hinaufschöpfen! Nach Kotsinas erreicht man die Ortschaft Repanidi, in welcher man nach dem Ortsschild an einer kleinen Infotafel die damalig in Griechenland einzigartige Methode zum Traubenstampfen kennenlernen kann. So wurden per Hand ca. brusthohe Kavernen in den Vulkanboden geschlagen, in welche man dann die Trauben füllte und direkt im Boden den Most freistampfte. In Repanidi selbst gibt es wieder die Möglichkeit, Wasser (Q 2/4, KM 13,4) nachzutanken: Rund um den Dorfplatz finden sich eine Kneipe und eine Mini-Markt. Der folgende Abschnitt nach Romanou ist der längste und nervigste reine Straßenabschnitt der Route, da er auf der Hauptstraße und über mehrere Kilometer führt. Die Routenwahl erfolgte, weil es nordöstlich von Romanou einen weiteren Militärstützpunkt gibt und ich nicht sicher war, ob man diesen an der westlichen Seite umgehen kann. Ich glaube, dass dies generell nicht möglich ist, da zur Zeit meiner Passage dort der komplette Garnisonszaun neu gemacht wurde und insbesondere an der nordwestlichen Seite sehr viel Arbeiten in dem Bereich am Gange waren, den ich für eine Route in Betracht gezogen hatte. Da ich abends in Moudros sein und Kilometer sparen wollte, erschien mir der Umweg über Lychna als unsinnig. In Romanou findet sich am Dorfplatz wieder eine kleine Kneipe für Wasser (Q 3/4, KM 15,9). Über viele Felder erreicht man schließlich Moudros. Wer nicht wie ich in der Stadt übernachten möchte – einzige Hotelnacht des Treks – kann für Wasser (Q 4/4, KM 20,8) nach der Ankunft im Ort vor dem Abknicken der Route nach Süden kurz 300 Meter Richtung Norden gehen, dort findet sich an der Ecke zur Hauptstraße der größte Supermarkt der Stadt. In Modrous selbst gibt es mehrere Hotels und insbesondere am Hafen einige gute Restaurants. Ich kann hier das Hotel To Kyma empfehlen: Als Zwei-Sterne-Hotel geführt, bat es mir für 43 Euro einen Komfort, für den man in Deutschland vermutlich eher 143 Euro in einem 3-Sterne-Plus-Hotel zahlen würde. Etappe 7 – 22 Kilometer über den letzten Berg der Route und durch die älteste Großstadt Europas – Bademöglichkeiten vorhanden: Nach dem letzten Besuch im in Etappe 6 beschriebenem Supermarkt zum Nachfüllen des Trinkwassers (Q 1/2, KM 0,4) verlässt man Moudros in südöstlicher Richtung, um zum letzten der sechs geplanten „höheren“ Berge zu gelangen. Der Kamm des sogenannten Paradisi teilt die südliche Halbinsel in der Mitte, wobei der eigentliche Aufstieg nach der kleinen südwestlichen Bergab-Episode nach einem Bauernhof beginnt. Der Aufstieg an sich verspricht leider kein Paradies, ich hatte sehr tiefhängende Wolken und mal wieder nervig mit der niederen Botanik zu kämpfen. Die Erosion des Hügels schreitet fort und mehr als einmal brach geschichtetes Gestein unter meinen Füßen in dem sehr steilen Aufstieg ab – es war eine Erfahrung, ja, es war der letzte Berg, ja, es war meine geplante Route und ich wollte den unbedingt mitnehmen, ja, aber ich hatte keinerlei Aussicht oben, da die Suppe so tief über der Kuppe hing, dazu kamen die Birbanzellen und der echt nervige Wind. Was ich sagen will: bei Tageskilometer 3,8 könnte man einfach weiter ostwärts gehen und den Berg komplett rechts liegen lassen, wenn das jemand machen möchte. Der Abstieg ist zum Glück wesentlich entspannter, da anfangs sehr seicht und über Ziegenpfade verlaufend. Bei dem eingeschnittenen Seitental bei Kilometer 7 hält man sich auf jeden Fall in Richtung des Geröllfeldes, auch wenn das bei der Annäherung optisch eher viel zu steil aussieht - denn auch hier haben die Ziegen gute Vorarbeit geleistet, man kann fast auf einer Treppe auf die andere Seite gelangen. Danach folgt ein straffer, serpentinenartiger Abstieg zur kleinen Kapelle. Ab hier folgt man den Schotterwegen in Richtung der östlichen Küste. Dort erreicht man die Ruinen von Poliochni. Ein von mir geplanter Einstieg am südlichen Ende ist wie bei den anderen offiziellen archäologischen Stätten auf der morgigen Etappe nicht möglich, da es nur jeweils einen zentralen Eingang gibt. Poliochni ist - je nach Forschungsstand bzw. Interpretation - die älteste Stadt Europas, welche mutmaßlich aus östlicher Richtung von der türkischen Küste besiedelt wurde und aufgrund ihrer besonderen Lage eine lukrative geografische Stellung als Handelsplatz zwischen großen antiken Weltmächten einnahm. Ob dies wirklich wahr ist, vermag man ich nicht zu beurteilen. Was aber auf jeden Fall beindruckt, ist der Umstand, was die in mehreren Ausgrabungen freigeschaufelten Grundmauern darüber vermitteln, was vor mindestens 5.000, vielleicht auch bis zu 7.000 Jahren hier an Leben stattgefunden haben muss. Der Eintritt beträgt wie an den anderen Stätten 5 Euro – das Angebot wird durch einen interaktiven Ausstellungsraum abgerundet, in dem man allerlei interessante Dinge über die Stätte, ihre Erforschung und ihren Erhalt erfährt. Meinen Rucksack durfte ich hier völlig unproblematisch bei dem netten Herrn im Ticketschalter abstellen. Nach der Überschreitung der Landzunge von Vroskopos folgt man sehr lange dem Strand an der Bucht von Roussopouli, wo sich die ein oder andere selbstgeschusterte Strandlounge zur Pause anbietet. Danach folgt hinter dem Kap Kavalaris einer der schönsten Strände der Insel – auf der linken Seite liegt der Salzsee von Chartarou, während uns rechter Hand der Strand der Keros-Bucht begleitet. Hier hatte ich leider meine einzige Regenstunde der Wanderung, ich hoffe, ihr könnt das alles bei Sonne genießen. Die Bars waren nicht nur zu, sondern sind augenscheinlich auch alle bereits dauerhaft geschlossen. Dafür gibt es ab dem Ende der Bucht wieder ein paar zusammenhängende Kiefernhaine – in einem dieser nahe Livadeli, welcher augenscheinlich auch häufiger von Einheimischen für Grillabende genutzt wird, fand ich meinen Zeltplatz für die Nacht. Etappe 8 – 24 Kilometer mit Salzseen, griechischen Odysseen und malerischen Kapellen – Bademöglichkeiten vorhanden. Zum Start der Etappe geht es zurück auf die Schotterstraße zurück und um den Hügel herum in Richtung Norden. Denn als erster Tipp: Eine wie von mir durchgeführte Durchschlageübung von den Kiefern direkt nordwärts durch die Sumpfgräser ist absolut nicht zu empfehlen. Vorbei am kleinen Aussichtshügel für die Vogelbeobachtung – wer später in der Regenzeit da ist, sieht mit etwas Glück hier überwinternde Flamingos! – erreicht man das erste Highlight der Etappe: Den Salzsee Aliki. Meine Route führt ab hier in einem weiten Bogen nordwärts unmittelbar über die Pfanne des Salzsees. Daher der zweite und vielleicht wichtigste Tipp der Wanderung: Sollte es regnen oder in den letzten Tagen geregnet haben, dann geht auf keinen Fall weiter über den Salzsee! Folgt lieber den westlich gelegenen Wegen Richtung Norden. Unter der Salzkruste liegt nämlich extrem feine Vulkanerde, die in Verbindung mit Wasser nicht nur mineralisch-interessant(-penetrant) in der Nase liegt, sondern sich auch in eine Wattwanderungserfahrung unter den Wanderschuhen entwickeln wird. Die Bilder sprechen für sich. Die Wanderung war durch das Einsinken maximal anstrengend und mehr als einmal habe ich überlegt, auf direktem Wege zum Ufer zurückzukehren. An ein Stehenbleiben zum Verschnaufen war mit dem schweren Rucksack durch das unkontrollierte Einsinken im Schlick nicht zu denken. Nach Verlassen des Sees habe ich dann konditionstechnisch relativ zerstört eine halbe Stunde lang an den Schuhen herumgekratzt, um sie einigermaßen vom Schlamm frei und damit wieder laufbar zu bekommen. Nach Verlassen des Sees geht es über weniger schlammige Schotterstraßen vorbei an einer eingefassten, aber bei mir nicht mehr vorhandenen Wasseraufnahmemöglichkeit hinauf auf die Halbinsel von Paleopoli. Und damit mitten hinein in die antike griechische Geschichte der Insel. Der bekanntesten Version der antiken griechischen Sage nach schleuderte Hera, die Gattin des Göttervaters Zeus, ihren zu klein gewachsenen und hässlichen Sohn namens Hephaistos vom Olymp herunter, welcher sodann auf Lemnos landete und im Volksglauben durch die dortigen vulkanischen Aktivitäten als Gottheit des Feuers und der Schmiedekunst identifiziert wurde. Unter Ausnutzung des Feuers soll er hier die tollsten griechischen Götterrüstungen und -waffen geschmiedet haben. Gibbon, khyal, RaulDuke und 1 Weiterer reagierten darauf 4 Die größte Herausforderung besteht darin, überhaupt aufzubrechen, vermeintliche Sicherheiten hinter sich zu lassen und stattdessen der Ungewissheit des Weges zu begegnen. Der Weg entsteht dann wie von selbst.
sirm3rl1n Geschrieben Montag um 08:07 Autor Geschrieben Montag um 08:07 Sinnigerweise wurde die hier in der antike gegründete Siedlung nach ihm benannt, welche den zweiten Höhepunkt der heutigen Etappe darstellt. In Hephaistos gelangen wir an den wohl freundlichsten und lebensältesten Mitarbeiter des Altertumsministeriums und besuchen im Anschluss das gut erhaltene Amphitheater. Man bekommt einen Eindruck davon, was hier vor Jahrhunderten einmal für eine Siedlung auf der Halbinsel existiert haben muss. Und wir lesen beim Verlassen der Stätte die wunderbarsten Einträge im ausgelegten Besuchertagebuch. Hier besteht in der Toilette die Möglichkeit, dass aus einer Zisterne per Schlauch herangeführte Trinkwasser aus dem Waschbeckenhahn zu zapfen (Q 1/2, KM 9,7). Ich habe das ohne Filter gemacht, das gab keine Probleme. Nach dem kurzen Rückweg auf gleicher Strecke folgt der Abzweig nach links, wobei man dem malerischen Naturhafen von Hephaistos in Richtung der Bucht von Tigani folgt. Die andauernde Versandung des genannten Hafens ist übrigens der Grund, warum die Siedlung schließlich aufgegeben wurde. Vorbei an der kleinsten und süßesten Kapelle der ganzen Wanderung erreicht man die Bucht von Tigani. Nach einer sich anschließenden moderaten Querfeldeinpassage und einer ebenso kurzen Teerstraße, bei welcher man auf der linken Seite die Überreste eines der wenigen, groß geplanten, aber gescheiterten Ferienresorts bestaunen kann, gelangen wir dann zum dritten Highlight der Etappe: Der Tempel von Kavirion. Hephaistos gab der Legende nach das von ihm perfektionierte Wissen über die Schmiedekunst an seine Kinder mit der Nymphe Kabeiro weiter, welche allesamt selbst Gottheiten gewesen sein sollen. Die Einwohner auf Lemnos verehrten sie an diesem eigens dafür gebauten Tempel, welcher bereits im 7. Jahrhundert vor Christus erbaut wurde. Die freigelegten Reste des Tempels sind imposant, der Besuch lohnt sich allerdings vor allem für den Blick in die unmittelbar an den Küstenklippen gelegenen Höhle des Philoktetes. Dieser wurde von Odysseus auf dem Weg zu den trojanischen Kriegen hier zurückgelassen, um sich nach einem Schlangenbiss zu erholen – der Überlieferung nach geschah dies durch die besondere Heilwirkung der Vulkanerde, weshalb diese insbesondere bei den Römern ein medizinischer Exportschlager wurde. Ergänzung zu den archäologischen Stätten: An diesem Dienstag gab es in Griechenland einen gesetzlichen Feiertag – daher habe ich für Hephaistos als auch für Kavirion an diesem Tag keine fünf Euro Eintritt zahlen müssen, der Eintritt an Sonn- und Feiertagen ist umsonst. Allerdings haben alle Stätten an allen Wochentagen nur bis 15:30 Uhr geöffnet. Ich war relativ spät und hatte daher nur 20 Minuten zu Besichtigung von Kavirion – das hat mir persönlich aber auch tatsächlich ausgereicht. Der Wasseranschluss hier in Kavirion war nicht in Betrieb. Da die Stätte erneut eingezäunt ist, verlässt man diese wieder durch den Haupteingang und schreitet um den Zaun herum. Vorbei an einer weiteren Kapelle erreicht man nach kurzem Querfeldeinabschnitt die Dünen und den Strand von Neftina. Der Rest der Etappe ist ab hier ein schlichtes Kilometermachen auf Schotterstraßen, wobei die Route ein oder zweimal über Felder abkürzt. Bei einem nicht mehr bewohnten, aber noch bewirtschafteten Bauernhof befinden sich große Wasserbehälter, aus denen man theoretisch nochmal Wasser nachfüllen kann, sofern man einen passenden Behälter dabeihat, in die man das Wasser zunächst zum Abpumpen einfüllen kann (Q 2/2, KM 20,4) – die abgehenden Schläuche und Ventile sind nämlich sehr groß und das Wasser schießt wie aus einem Regenabflussrohr. Die Etappe endet an der Kapelle am Strand von Axa. Unmittelbar daneben bietet sich eine ebene Grasfläche für den Zeltaufbau an, in der sehr aufgeräumten Kapelle befindet sich ein Tisch mit Sitzgelegenheiten. Der Strand liegt unmittelbar daneben. Etappe 9 – 11 Kilometer zur Nordspitze und zum Abschluss nach Plaka – Bademöglichkeit vorhanden: Diese sehr kurze Etappe entstand in der Planung wie bereits erwähnt aus dem Umstand, dass ich die Rückreise gerne ohne Stress halbtags erledigen möchte. Von der Kapelle folgt die Route auf dem ersten Kilometer querfeldein der Küstenlinie. Ab da geht es über Schotterstraßen weiter in Richtung des nordöstlichen Kap Plaka. Wer am Ende von Etappe 8 schon direkt in Plaka enden möchte, biegt hier nach ca. 2 Kilometern nach rechts ab, sobald das Dorf rechterhand sichtbar ist. Die Route an sich ist bis auf den sehr fotogenen weißen Leuchtturm an der Landspitze quasi komplett unspektakulär. Dieser ist allerdings wieder militärisches Sperrgebiet mit den bereits erwähnten großen Verbotsschildern. Man kann bis zum nicht mehr besetzten Wachhäuschen kurz vor dem Leuchtturm gehen, um einen guten Blick auf die beiden Inseln Samothraki und Gökceada sowie die Dardanelleneinfahrt zu haben. Ich wurde zwar aus der Ferne kritisch von den Soldaten beäugt, man hat aber keine Anstalten gemacht, mich anzusprechen oder gar zu verscheuchen. Fotos habe ich hier aber auch nicht gemacht. Eine Landzunge weiter südlich besteht die Möglichkeit, für ein „Geschafft!-Foto“ mit dem Leuchtturm kurz bis zur Küste zu laufen. Kurz vor dem Hafen von Plaka wird aus Schotter dann für die restlichen Kilometer wieder Teer – hier am Hafen besteht am Strand nochmal eine Bademöglichkeit. Die Route endet an der Kirche von Plaka. Läuft man an dieser links vorbei und hält sich geradeaus, befindet sich im ersten Haus links wieder ein Minimarkt. Der Inhaber hat mir hier sehr freundlich ein Taxi gerufen, was mich an der Kirche abgeholt und wieder zurück nach Myrina gebracht hat. khyal, Gibbon, Lolaine und 3 Weitere reagierten darauf 5 1 Die größte Herausforderung besteht darin, überhaupt aufzubrechen, vermeintliche Sicherheiten hinter sich zu lassen und stattdessen der Ungewissheit des Weges zu begegnen. Der Weg entsteht dann wie von selbst.
RaulDuke Geschrieben vor 20 Stunden Geschrieben vor 20 Stunden Einer der schönsten Wanderberichte, die ich bisher hier gelesen habe! Danke fürs Mitnehmen !
RaulDuke Geschrieben vor 20 Stunden Geschrieben vor 20 Stunden Es sei aber angemerkt, das die Größe deines Rucksacks darauf schließen lässt, das du noch einiges an Gewicht und Volumen „abspecken“ könntest!
zoppotrump Geschrieben vor 12 Stunden Geschrieben vor 12 Stunden (bearbeitet) vor 7 Stunden schrieb RaulDuke: Es sei aber angemerkt, das die Größe deines Rucksacks darauf schließen lässt, das du noch einiges an Gewicht und Volumen „abspecken“ könntest! Naja, bei bis zu 6 Litern Wasser und Essen für die ganze Tour ziehe ich auch nicht mit meinem kleinsten Rucksack los. 😉 Bearbeitet vor 12 Stunden von zoppotrump
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