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Ultraleicht Trekking

sja

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Alle erstellten Inhalte von sja

  1. In der Apotheke fragen. Wunddesinfektion gibts auch in 5(?) ml Fläschen, is dann nur nicht zum Sprühen. Oder Umfüllen in ein Mini-Kunststoff-Fläschen. Gibt glaub auch einzeln verpackte Wunddesinfektionstücher... Flipflops gehen auch als Hüttenschuhe, is zwar bissl nervig mit Socken, geht aber schon
  2. Vielleicht interssant? Tsampa - geröstetes Gersten- oder Kichererbsenmehl. Liefert wohl viel pflanzliches Protein und da geröstet, muss es nicht gekocht werden. Hab es bislang nur zu Hause als Frühstücksbrei mit Milch oder Joghurt + Datteln gegessen. Man kann wohl aber alles Mögliche damit machen. Frühstücksbrei, Polenta, Riegel etc. https://www.tsampa.ch/rezepte Im Blog gibts weitere Rezepte.
  3. Ja, klingt schon sehr vielversprechend. Freu mich drauf, mehr zu lesen!!!
  4. sja

    UL Trinkflasche

    Wie lang seid ihr mit den PET-Flaschen unterwegs? War immer etwas unsicher, ob die nicht kaputtgehen und hatte 1 PET und eine andere dabei, aber wahrscheinlich Quatsch bei 2 Wochen, oder?
  5. Danke für den tollen Bericht. Habe das Buch schon länger zu Hause liegen, da eine Kollegin in den Abruzzen war - allerdings nicht so lange nach dem Erdbeben. Sie berichtete von kaputten Wegen und schwieriger Orientierung, daher hab ichs nicht weiter verfolgt. Bericht macht aber große Lust, scheint ja wieder gut zu gehen plus Navi... vielleicht im Frühjahr... Tolle Bilder.
  6. Hm letztes Bild: Meine Etappe Sambuco - Rif. Migliorero 5 Wochen später...???? Ist das die Caserma? Könnte grob hinkommen? Sieht aber etwas anders aus bei mir die Hütte. Hab die Karte nicht zur Hand.
  7. Schade, komme da sicher irgendwann nochmal vorbei
  8. Nee, hab da zwar mittags was gegessen, aber scheinbar was verpasst???
  9. Hey cool, ich freue mich auf den Bericht!
  10. OT: Stimme dir vollkommen zu. Aber der Körper ist in der Höhe / bei Kälte / Anstrengung /wenig Schlaf... möglicherweise geschwächter, d.h. Imunsystem evtl. geschwächter, Viren u Bakterien haben ein leichteres, im Körper was anzurichten? So dachte ich zumindest?! Meine auch Höhe, so um die 4000m...
  11. Hi, ja toller Bericht und tolle Fotos. War zu einer ähnlichen Zeit dort letztes Jahr. Zur Packliste: Empfehle noch was gegen Dünnpfiff, habe viele getroffen, die darunter litten. Ich selbst hatte etwas Desinfektionsmittel dabei, weil ich mit solchen Ländern keine Erdahrung hab und beim Wandern nun wirklich kein Magen-Darm wollte. Aber das ist Geschmacksache, ich meine, ob das mit muss. Was ich auch wichtig finde ist: Sonnenschutz. Könnte schon ordentlich die Sonne brutzeln, selbst wenn man langärmlig unterwegs sein sollte, Sonnencreme fürs Gesicht mit fettem Lsf. Ausserdem: Höhe und Wind etc. haben bei mir die Haut u Schleimhäute angegriffen. Hatte ziemlich angegriffene Nase und war dankbar um ein paar Tropfen Bepanten. Geht aber auch sicher ohne. Mit kalt Duschen oder nassen Haaren wäre ich in der Höhe vorsichtig, Erkältungsgefahr ist sehr groß. Habe viele getroffen, die es erwischt hat. Thermarest brauchte ich in der Hütte hingegen nicht. Manaslu Gegend mag vielleicht etwas anders sein. Voel Spaß.
  12. Yep Danke. Mal sehen. Irgendwie wirds bestimmt weitergehen mit der GTA!!!
  13. Zum Schluss: Ich komme nach Hause und habe wieder das Gefühl, viel erlebt zu haben. Die Landschaft war toll und ich mag die Mischung aus Berghütten, aber auch weiter unten zu schlafen und von den Leuten vor Ort was mitzubekommen. Ich überlege beim Alpenverein mal einen Grundkurs "Alpines Bergwandern" zu machen, um vielleicht etwas weniger schnell mental gestresst zu sein Aber vielleicht braucht es auch einfach Erfahrung. Mit der nächsten Tour könnte ich schon bis ans Meer kommen, aber mir fehlt natürlich noch der ganze Norden! Da gibts jedoch Etappen, die mit "schwer" gekennzeichnet sind: am Griespass liegt wohl Mitte Juli noch viel Schnee, in die Gondoschlucht gehts steil und ausgesetzt, auf einer anderen Etappe sind Stellen mit Ketten gesichert, abgerutschte Stellen bei einer Querung... Höre zwar ganz häufig, dass es eigentlich auch nicht doller sein soll, als im Süden, aber mal sehen...
  14. Sonntag 29.07.2018 Heute geht es mit dem Zug über Turin nach Mailand, drücke mich da noch zwei oder drei Stunden in der Stadt rum. Am Flughafen wird es nochmal etwas nervig, weil mein Flug überbucht ist. Es sieht so aus, als könne ich erst am nächsten Morgen fliegen. Darf dann aber doch noch in der Bussiness Class sitzen und komme gut zu Hause an.
  15. Samstag 28.07.2018 Ich frühstücke nochmal mit den Geschwistern, gehe auf den Markt in Entracque und dann geht's mit dem Bus nach Cuneo. Die Wirtin des Albergos zeigt mir, wo die Bushaltestelle ist, ich frage dort nochmal eine ältere Dame, ob ich richtig bin. Kurz vor Abfahrt frage ich nochmal jemand - und siehe da, Samstags fährt er wegen des Marktes nur am Ortseingang ab. Es ist aber noch so viel Zeit, dass ich da hinlaufen kann. Wahrscheinlich hat mich der Taxihinweis von Andreas "falls der Bus nicht kommt" aufmerksam werden lassen Cuneo ist ein wirklich nettes Städtchen, für einen sanften Ausklang sehr zu empfehlen. Und gefühlt waren 90% der Osterien/Trattorien "Slow Food" oder zumindest machten sie einen sehr attraktiven Eindruck...
  16. Freitag 27.07.2018 Rifugio Genova Figari - Entracque (490+200/1290+200 Hm) Heute ist mein letzter Wandertag. Ich habe mich unter anderem auf einen Tipp hin entschieden, direkt nach Entracque durchzulaufen und nicht im Posto Tappa San Giacomo zu übernachten. Entracque soll ein nettes Bergdörfchen sein, in dem man abends noch nett durch den Ort schlendern kann. Es wird zwar ein sehr langer Abstieg, aber ich kann früh los, da es im Rifugio Genova schon ab 6:30h Frühstück gibt. Falls es doch zu viel wird, kann ich immer noch in San Giacomo nach einem Bett fragen, oder ab da ein Taxi ordern. Das Albergo in Entracque kann ich leider nicht reservieren, da das Telefon nicht recht funktioniert. Werde es aber darauf ankommen lassen, da es nett wäre, dort nochmal mit den Geschwistern Basel/Friedrichshafen abends zu essen. Ich komme gut los, das Wetter is wieder prima. Werfe nochmal einen Blick zurück auf das Rifugio. Der Aufstieg zum Pass Fenestrelle (2463m) klappt gut. Zwar muss ich wieder kleine Schneefelder überqueren, aber sie sind flach und gespurt. Ich laufe zügig durch bis San Giacomo, denn nachmittags ist wieder Gewitter vorher gesagt und meine Etappe ist netto auf 7h angesetzt. Nach dem Pass ist der Weg auch gut zu gehen. In Sant Giacomo angekommen, freue ich mich aber auf eine Pause. In der Bar/Restaurant gönne ich mir eine kalte Cola (wer hätte das gedacht, dass ich da nochmal drauf stehe...) dann geht's weiter in den nächsten Ort. Zuerst an einem Campingplatz vorbei, dann an einem sehr schönen Weg am Bach entlang. Immer wieder etwas Auf und Ab. Irgendwann, wenn man nicht über den Pass nach Trinita will, kommt man über eine Brücke, dann am Stausee entlang (hier ein Stück Strässchen) nach Entracque. Das Problem nur: Die Brücke gibt es nicht mehr. Als ich nach knapp 1,5h an der Stelle ankomme, fehlt das Mittelteil. Ich zweifle wieder an meiner eigenen Kompetenz, vergewissere mich mit allen mir zu Verfügung stehenden Mitteln der Orientierung. Nein, da is keine andere Brücke. Ich überlege ganz kurz, ob man auch irgendwie anders über den Bach kommt. Glaube aber nicht, dass das Sinn macht. Der Bach hat Schmackes. Steine oder Untergrund sind bestimmt sehr rutschig und sehe mich schon mit allem Drum und Dran drin liegen und von der Strömung erfasst. Aber wie haben die Geschwister das gemacht? Sie sind vor mir losgegangen. Sind die gleich die Straße gegangen? Getrampt? Hilft nix, muss zurück und mir am Campingplatz ein Taxi rufen lassen. Trampen und nochmal 1 1/2h Straße ist mir zu anstrengend. Also im Auf und Ab wieder zurück. Es wird wieder dunkler am Himmel und ich will so schnell wie möglich am Campingplatz sein. Keine Lust nochmal ein Gewitter zu erleben. So quäle ich mich zurück, es ist sehr heiss, ich befinde mich ja im Tal. Halte immer mal Ausschau nach ner weiteren Brücke. Es gibt sogar eine provisorische Holzbrücke auf halben Weg, aber da ist ein fettes Schild: "STOP - Pericoloso!" Auch hier entscheide ich mich dagegen. An der Bar frage ich das sehr sympathische Pärchen, das den Campingplatz betreibt, ob sie mir ein Taxi rufen. Ich erkläre meine Situation und die Frau bietet mir sofort an, rumzufragen, ob jemand sowieso ins Dorf will. Eine ältere Frau will mit ihrem Mann und Camper 30min später abreisen und mich mitnehmen. Ich freue mich ziemlich und habe nichts dagegen, erstmal bei einem Kaltgetränk etwas runterzukommen. Der Campingplatz ist klein, ganz entspannt, familiär und super charmant. Solltet ihr mal mi Zelt in der Gegend sein... Die Fahrt mit dem Camper ist auch supernett, der Mann spricht ein wenig deutsch, ich ein wenig Italienisch und ich freue mich, dass aus solch einer Situation eine so nette Begegnung wird. Kurz vor dem Ort lassen die Beiden mich raus und es ist nicht mehr weit ins Albergo Pagari. Dort hängen die älteren Herrschaften in der Bar vor dem Fernseher. Tour de France? Als ich nach einem Zimmer frage, bin ich mir nicht sicher, ob sie sich wirklich vom Fernseher wegbewegen wollen ;-), aber ich bekomme eins. Sehr nett, typisch einfach, altmodisch. Gefällt mir aber sehr gut. Sogar mit Balkon. Als ich später durch das schöne Dorf schlendere, trotz müder Knochen, erfahre ich von den Geschwistern, dass es ein Schild gab, wo auf das Brückenproblem hingewiesen wird, es gab wohl ganz am Anfang eine intakte Brücke, aber man musste quasi Straße gehe. Das Schild habe ich nicht gesehen, weil ich einfach durch den Zeltplatz gelaufen bin und an der Stelle nicht ganz genau den offiziellen Weg geachtet habe. Aber - es hat sich alles trotzdem gelohnt, ich hatte nette Begegnungen und einen schönen Abend mit den Geschwistern. Auch Wirt und Wirtin sind wieder zum Schmunzeln. Die Wirtin pfeift beim Bedienen immer wieder vor sich hin, bestens gelaunt, der Wirt ist in seiner Erscheinung auch irgendwie ein Original, ohne das weiter ausführen zu wollen...
  17. Donnerstag 26.07.2018 Terme du Valdieri - Rifugio Genova Figari (1290/640 Hm) Heute ist viel passiert. Komme erst spät los. Um 9h bin ich beim Etappeneinstieg. Anfangs geht es gemütlich durch einen Buchenwald nach oben, irgendwann öffnet sich das Tal. Man hat Sicht auf die beiden Argentera Gipfel. Es geht später durch Blockgestein. An einer Stelle weiß ich nicht sofort, wo es weitergeht. Da hinter mir zwei Schweizer sind, die ich eh überholen lassen will, kann ich denen hinterher gehen. Später kurz vor dem Pass passiert mir das nochmal, da kommt von oben ein älterer super fitter Italiener vom Pass gehüpft, und zeigt mir, wo es lang geht. Aber es war eigentlich ein gut markierter Weg. Ich bin froh, als ich am Rifugio Morelli Buzzi ankomme und Pause machen kann. Das Rifugio, liegt kurz vor dem Pass sehr schön am Berg. Bislang war das Wetter super, ziemlich heiß sogar auf 2300m. Ich freue mich auf mein Panino und ein Kaltgetränk. Ich halte noch einen kurzen Schnack mit den 4 Norddeutschen, die grade aufbrechen. Nach meiner Pause breche ich glücklich und bestens gelaunt wieder auf. Ich sehe weiße Wölkchen kommen und will möglichst am Pass noch eine gute Aussicht haben. Am Colle del Chiapous (2526m) angekommen, sehe ich, dass dunkle Wolken am Himmel aufziehen. Hatte ich diese Woche schon mal, ohne dass was passiert ist, aber will trotzdem nach paar Minuten absteigen. Und ich werde nach kurzem immer schneller. Die dunklen Wolken werden so schwarz, dass mir langsam Bange wird und ich nicht mehr an den Himmel gucken mag. Im Laufschritt, so schnell es geht, springe ich den Berg hinunter. Die Wege sind ganz gut, aber ich weiß, ich muss trotzdem aufpassen. Mittlerweile grollt und donnert es auch mal, aber kein Blitz. Jetzt wird mir doch echt anders. Ich weiß, der Abstieg sollte nicht zu lang sein. 1-2h? Irgendwann fängt es an zu schütten und zu hageln, aber noch keine Blitze und kaum Donner. Ich laufe weiter. Über mir kreist immer wieder ein Heli. Irgendwann stoße ich auf die vier Norddeutschen, die unter einem Schirm stehen und warten. Sie haben die Ruhe weg. Wollen aber auch gerade wieder los. Verstehe nicht, warum sie gewartet haben, würde jeden Meter mitnehmen, um weiter unten zu sein - weg vom offenen vegetationslosen Berg. Unten muss ich über die Staumauer. Wieder ein Blitz, unter mir der Stausee. Fange an zu rennen, denke aber die Straßenlaternen, die wären sicher ein Blitzableiter. Auf der anderen Seite steht einer der Bremer, der auch nicht warten wollte. Es gibt da vom Wasserkradtwerk einen sicheren Unterstand. Wir warten eine Weile, denn Richtung Hütte, die schon zu sehen ist, sieht es nicht gut aus am Himmel. Aber so mit nassen Füßen habe ich ein ausgeprägtes Bedürfnis weiterzugehen. In dem sehr schönen Rifugio, das am Lago di Chiotas auf 2010m liegt, ist ordentlich was los. Nach einer heißen Dusche verbringe ich mit sehr netten Leuten einen sehr schönen Abend auf dieser Hütte.
  18. OT: Zwischendurch ein Rezept meiner unglaublich leckeren, selbstgemachten Riegel. Nicht pappsüss, liefern aber trotzdem Energie: 90 g Datteln (gut sind etwas subschige, sehr klein schneiden - evtl. geht das auch mit einer sehr guten Küchenmaschine?) 50 g gehackte geröstete Mandeln) 20 g gemahlene Mandeln oder Erdmandelflocken 10 g Amaranthpops 5 g Sesam 25 g Kokosraspel 1 EL Kokosöl Alles zu einem Teig verkneten. Das dauert recht lang. Man denkt erstmal, das hält nie zusammen, aber irgendwann dann doch! Zu einem Quader formen und in den Kühlschrank legen. Dort wird er dann fest. Anschließend kann man den Quader in mehrere Riegel schneiden.
  19. Mittwoch 25.07.2018 Pausentag in Terme di Valdieri Heute wandere ich nur vom Posto Tappa in das Albergo Tourismo und mache einen Pausentag. Ich hatte zwar ein unglaublich leckeres 4-Gänge-Dinner im Posto Tappa, aber ich war der einzige Gast. Das Albergo sah sehr nett aus und ich wohne gerne in so kleinen, etwas altmodischen Familienbetrieben. Der Wirt ist total nett, ich kann auch schon um 9h das Zimmer beziehen. Ich vertiefe mich eine Weile in eine Mappe mit sehr vielen interessanten Informationen über das Hotel, Geschichte, der Gegend, Fauna und Flora. Die Familie, die das Albergo betreibt, kommt 1930 nach Terme, wegen eines Jobs als Aufseher in dem alten Thermalbad "Royal Terme Reali di Valdieri". Nachdem es im Krieg zerstört wurde, musste was neues her, erst in Kooperation mit dem Alpenverein, dann eine eigene Pension. Ich mache mich auf, zu einem in der Mappe beschriebenen Spatziergang in ein Seitental. Ich merke, dass ich heute wirklich keine Lust auf Höhenmeter habe, aber ich kann ja auch nicht den ganzen Tag lesen. Nach einem Café in der Bar gehe ich noch in den Botanischen Garten "Valderia", betrieben vom Naturpark Seealpen, auf dem Gelände des "Englischen Gartens" aus dem 19. Jahrhundert. Darin befindet sich eine Sammlung vieler für die Region repräsentativen Pflanzenarten, aber so ganz ohne Infos zu den Pflanzen bin ich schnell durch. Ich frage noch nach einer Pflanze (The ancient king, "Saxifraga florulenta"), von der ich im Albergo gelesen habe. Sie wächst extrem langsam und blüht mit einer einzigen Blüte nur einmal in ihrem Leben, und das erst nach 30 oder 40 Jahren. Die Rangerin zeigt sie mir und erzählt noch ein bissl was dazu. Sie sieht recht unspektakulär aus, die Blüte ist recht groß, an einen langen Stiel im Verhältnis zur Pflanze, denn in den Bergen stehen die Blumen in starker Konkurenz zueinander und müssen sehr attraktiv für die Insekten sein. Ich hoffe, ich habe das alles richtig verstanden.., Dann widme ich mich auf der Terrasse des Albergos meinem Buch und warte aufs Essen. Ich bin der erste Gast im Speisesaal und es ist herrlich, die nach und nach eintrudelnden Gäste zu beobachten. Keine Weitwanderer, zwei ältere alleinreisende Damen, zwei oder drei Paae und ein größere Familie Alles ItalienerInnen glaub ich. Die Nacht wird unterbrochen von einem ungewöhnlichen Besuch. Ich wache von einem Rascheln auf und erschrecke mich als ich sehe, dass ein Eichhörnchen durch meine Zimmer flitzt, genauer gesagt, durch meine Ziplocks. Ich nehme an, es ist auf der Suche nach etwas Essbarem.
  20. Montag, 23.07.2018 Sant' Anna du Vinadio - Rifugio Malinvern (810/1000 Hm) Zum Montagmorgen gehört eigentlich noch der Sonntagabend. Der Grund, weshalb ich schlecht aus den Federn komme ist, dass ich am vorabend viel zu lange im Internet rumdaddle und mich etwas verrückt mache. Ich lese in einem Reisebericht von 2014, dass da auf der morgigen Etappe mehrere Schneefelder waren. Das letzte musste sogar umklettert werden - auch Ende Juli. Da ich gehört habe, dass es im Mon Viso Gebiet dieses Jahr im Juli (?) auch Schneefelder gab, bin ich leicht panisch. Ich habe noch nie ein Schneefeld überquert, naja bis auf vorgestern, was semi erfolgreich war. Schneefeld umklettern? Never ever. Lieber lasse ich die Etappe ausfallen, denke ich. Das hieße aber auch, dass ich morgen nicht nach Malinvern laufen kann/muss. Denn von dort geht es nur weiter oder zurück. Dann kann ich gleich von hier den Bus nach Terme di Valdieri nehmen. Aber das will ich ja aber eigentlich auch nicht. Ich erinnere mich, dass bei "Outdoorseiten.de" ein Typ geschrieben hat, dass er kurz vor mir, eine ähnliche Strecke geht. Ich schreibe ihm schnell (und sicherheitshalber gleich auch noch der Hüttenwirtin von Malinvern) und frage nach. Zu meiner großen Freude und Erleichterung habe ich nach dem Aufwachen eine Antwort im digitalen Briefkasten. Er schreibt, es kein Problem, ich solle mir die Etappe nicht entgehen lassen. Schnee gibt es, ist aber er ist nicht schwer zu begehen und auch gespurt. Puh. Auch Katy von der Hütte schreibt, kein Problem. Das beruhigt mich wirklich. Also gehe ich an dem Tag los, wegen dem gemaile etwas später als sonst, aber das Wetter soll ja gut sein. Die heutige Etappe ist zum einen geprägt durch den Weg auf dem Grenzkamm. Linker Hand Italien, rechter Hand Frankreich, permanent ein unglaubliches Bergpanorama. Später lese ich bei Bätzing von einem "Grat"auf 2300m. Wenn ich das so vorher gelesen hätte, hätte ich mich sicher wieder angestellt. "Grenzkamm" klingt irgendwie nicht so schlimm. War total easy und der Ausblick wunderschön. Dann komme ich zum Colle della Lombarda (2350m). Hier treffe ich auf viele Rennradfahrer, die auf den Pass schnaufen. Ich laufe ein Stück auf der Straße, die so wirkt, als wäre sie nur für die "cicliste" gebaut worden. Schmal, kaum Autoverkehr. Ich steige rechts in Serpentinen einen relativ steilen, steinigen Berg hinauf. Ziel ist der Passo d'Orgials (2600m). Beim Abstieg gibt es eine kurze, aber steile, rutschige Stelle, als es um die Kurve geht - und das sage nicht nur ich hinterher...! Auch vor dem Pass finde ich es schon ganz schön alpin, was gleichzusetzen ist, mit "mental etwas angespannt", aber alles durchaus noch im Rahmen. Auf der anderen Seite dieses hübschen Steinhaufens kommt man an den Laghi della Vallettta vorbei. Die Aussicht bleibt toll. Durch einen Lärchenwald gehe ich zum wunderschön gelegenen Rifugio Malinvern. Die Kinder, die hier ein Zeltcamp machen, läuten die Glocke, die vor dem Rifugio hängt. Dies soll vermutlich die Ankunft neuer Gäste ankündigen. Zu bemerken bleibt noch, dass das Rifugio von Katy, einer sehr netten Wirtin betrieben wird. Katy zaubert uns zum Abendessen ein vorzügliches Polenta mit Gorgonzolasauce. Außerdem kommen 4 neue GTAler aus Brenen an. Sie waren auch schon mehrmals auf der GTA unterwegs und werden am nächsten Tag auf einer anderen Hütte übernachten, aber vielleicht sehe ich sie noch mal wieder?
  21. @SouthWest Freut mich. Ja, die Etappe war wirklich sehr schön. Eigentlich finde ich den italienischen Ausflugsrummel auch ganz lustig. Aber an dem Tag war ich etwas kopfschmerzgeplagt. Über die Kellner beim Abendessen konnte ich allerdings durchaus schmunzeln. Und der Pfarrer war eigentlich auch ganz nett.
  22. Sonntag, 22.07.2018 Strepeis - Sant' Anna di Vinadio (1180/430Hm) Gestern Abend habe ich mich wohl bei der Hüttenwirtin vom Albergo Strepeis unbeliebt gemacht. Ich habe Frühstück für 7h erbeten, das fand sie gar nicht gut. Immerhin auf 7:30h hat sie sich eingelassen. Hätte es ja auch ausfallen lassen, aber das wollte sie auch nicht. Letztendlich saßen noch 2 italienische Mountainbiker um 7:30h beim Frühstück... 8:15h gehts dann los. Heute nehme ich nicht die "Original GTA-Etappe", die durch das Insciauda-Seitental führt, sondern gehe durch das Tessina-Tal und über den Passo Tessina (2400m). Ich gehe die San Bernolfo-Straße talaufwärts. Nach 45min gehts links zur Grange Marina ab, einem schönen Wasserfall. Der Weg durch den Wald ist hier nicht sonderlich ausgeprägt, aber ich kriege es hin. Lange gehts dann am Bach entlang. Ich stapfe durch den Weg der dicht bewachsen ist, bevor sich das enge Tal weitet und eine sehr schöne Bergkulisse bietet. Nach einem kurzen Steilstück erreicht man eine Hochterasse mit Moorbiotop und See. Hoch gehts zum Passo Tessina. Von dort ist es nicht mehr weit zum Kloster Sant' Anna, zu dem auch eine Straße führt.. Das - und die Tatsache, dass Sonntag ist, führen dazu, dass es da oben vorbei ist mit der Ruhe. Italienische Großfamilien tummeln sich lautstark am Pass, auf der nachfolgenden Militärpiste und an den beiden Bergseen. Noch krasser wird es beim Kloster selbst. Absoluter Ausflugsrummel. Picknick auf dem Parkplatz, Schlangen an der Bar. Ich trinke in der Bar trotzdem eine heisse Schockolade. Tatsächlich enthält die so viel Schockolade, dass der Löffel fast stecken bleibt. Ich verschwinde aber wenig später in meine Zelle, da mir der Lautstärkepegel eindeutig zu stressig wird. Einen kurzen Besuch statte ich noch der Kapelle ab. Interessant finde ich, dass die Wände voller kleiner selbstgemalter oder selbstgezeichneter, fotografierter Bilder hängen. Ganz häufig ist ein Auto drauf zu sehen, das einen Unfall nicht gut überstanden hat oder Babies, bzw. andere Alltagssituationen. Es scheinen irgendwie Bilder zu sein, die eine Art Danksagung ausdrücken. Sie sind mit den Worten "Grazie Santuario" unterschrieben. Das Abendessen findet in einem nüchternen Speisesaal statt. Es wird immer wieder von einem unangenehmen Ton unterbrochen. Ich denke, es sind Rückkopplungen der Lautsprecheranlage... Beim dritten Mal schaue ich den Kellner fragend an und deute auf meine Ohren, er fragt mich tatsächlich, ob ich Ohrenschmerzen hätte. Als ich ihn auf das unangenehme Pfeifen aufmerksam mache, erklärt er mir, das sei das Zeichen, dass im Backofen irgendwas fertig sei. Nun gut. Kurz darauf zieht er mir mein noch nicht ganz leeres Weinglas unter der Nase weg. Tja wieder mal Feierabend. Aber - der Pfarrer hat uns noch nett begrüßt und gefragt, woher wir Schäfchen denn kommen. Ich würde sagen, da hatten wir noch Glück, habe von anderen Wanderern gehört, die intensivst nach ihrem Glauben befragt wurden...
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