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Ultraleicht Trekking

HW7 / Querweg Bodensee - Freiburg


Empfohlene Beiträge

Nach meinem Packlistenthread nun der entsprechende Reisebericht. Es ist mein erster, Kritik und Anregungen sind erwünscht!

Edit: Das wollte ich noch erwähnen, alle Fotos sind von mir.

 

Tag 1, 26.7. 39km, Anstieg 944hm, Abstieg 529hm

 

Um 4.30 Uhr klingelt mich der Wecker nach einer definitiv zu kurzen Nacht aus dem Bett. Eine letzte Dusche, im Kühlschrank meiner Eltern finden sich einige Landjäger, die ich kurzerhand zum Frühstück verzehre. Zur Bushaltestelle sind es 15 Minuten, der Bus ist pünktlich. Während der Fahrt wird es hell, blauer Himmel. Ein Glück, gestern im Thüringer Wald hat es geregnet. Auf der Busfahrt schlafe ich ein. In Lorch steige ich am Bahnhof aus und bemerke, dass sich das gute Wetter offensichtlich noch nicht bis ins Remstal herumgesprochen hat. Ich suche kurz den Weg zum Kloster, er ist gut markiert und ausgeschildert und laufe los, in bestem Bewusstsein, in spätestens 30 Minuten wieder hier am Bahnhof zu sein. Am Kloster suche ich kurz nach einem offiziellen Startpunkt, finde aber nur einen Wegweiser. Ich bin enttäuscht, habe aber keine Lust, noch weiter zu suchen, also laufe ich nun sozusagen offiziell los. Wenige Minuten später stehe ich wieder am Bahnhof und finde doch noch ein größeres Schild, da hier mehrere Hauptwanderwege zusammentreffen.

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In Städten verlaufe ich mich ja gerne mal (wie ich heute auch noch unter Beweis stellen werde), aber der Weg ist auch weiterhin gut markiert und ausgeschildert und so komme ich schnell aus Lorch raus. Es geht direkt bergauf und schnell bin ich über dem Nebel und genieße die strahlende Sonne, den blauen Himmel und den sich auflösenden Nebel im Tal.

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Weiter geht es und bald komme ich am Wäscherschloss an, Erinnerungen ans letzte Jahrtausend werden wach, hier fanden die Abschlussfeste vom Kindergarten statt. Es ist sehr lange her, dass ich hier war und ich stelle fest, dass entweder ich gewachsen oder das Schloss geschrumpft ist... Ich schüttele den Anflug von Nostalgie ab und laufe weiter. Ich komme gut vorwärts und bald bin ich schon in Maitis und beginne den Anstieg auf den Hohenstaufen. Auch den hatte ich irgendwie steiler in Erinnerung, aber lieber so als andersrum und deutlich früher als geplant bin ich oben und genieße die herrliche Aussicht.

 

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Hinten ist schon der Albtrauf im Blick, das ist das heutige Ziel. Der Weg vom Hohenstaufen nach Göppingen sollte ein Kinderspiel sein, wie oft bin ich den schon gelaufen und so schaue ich nicht auf die Karte, merke aber bald, dass es nicht so einfach ist, wenn man einen Weg plötzlich rückwärts läuft. Aber ich weiß, hier im Wald führen alle Wege nach Göppingen, also laufe ich immer der Nase nach und bin tatsächlich nach gut fünf Stunden wieder dort wo ich losgelaufen bin, nämlich bei meinen Eltern. Meine Mutter ist zuhause und schneidet eine Wassermelone auf, und ich gönne mir die erste längere Pause. Mit wieder voller Wasserflaschen laufe ich weiter durch Göppingen und kann endlich die Wegweiser nutzen, die mir im Alltag immer wieder aufgefallen sind. Nichtsdestotrotz schaffe ich es ausgerechnet in meiner Heimatstadt, mich zu verlaufen. Ich schiebe es auf die – wirklich seltsam angebrachten – Markierungen und Wegweiser. Irgendwann bin ich dann aber tatsächlich wieder auf dem Weg und mache mich auf Richtung Boll. Es geht meistens über Asphalt durch die Felder, aber ich komme auch hier wieder gut vorwärts und erreiche zügig Boll. Kurz hinter Boll habe ich mir einen Friedhof markiert, dort fülle ich meine Wasserflaschen und mache erneut Pause, bevor es noch die wenigen Kilometer weiter nach Eckwälden geht, am Fuß des Aufstiegs zum Bossler und damit der Schwäbischen Alb. Dort ist die erste Übernachtung geplant. Am Friedhof in Eckwälden hole ich wieder Wasser und finde in der Nähe eine Bank, auf der ich das erste Abendessen koche. Es ist noch recht früh, ich bin deutlich schneller unterwegs als geplant und fühle mich noch fit, daher beschließe ich, heute doch noch auf den Bossler hochzulaufen und oben nach einem Zeltplatz zu schauen. Oben angekommen bin ich im Flow und beschließe erneut, einfach weiterzulaufen. Etwa eine Stunde später habe ich keine Lust mehr und finde am Waldrand einen Platz fürs Zelt. Während ich auf einem Baumstamm sitze und warte, bis es noch etwas dunkler wird, bevor ich das Zelt aufbaue, kommt ein Reh bis auf wenige Meter zu mir her ohne mich zu bemerken. Es frisst ein paar Zweige am Waldrand und dreht sich nach einer Weile um und läuft gemütlich weg. Zufrieden mit meiner Tagesleistung baue ich das Zelt auf und krieche in den Schlafsack. Erholsamer Schlaf ist mir leider nur bedingt gegönnt, Rehe können doch erstaunlich laut sein.

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Tag 2, 27.7., 36,5km, Aufstieg 454hm, Abstieg 445hm

Gut gelaunt stehe ich um 5.30 Uhr auf, packe zusammen und finde wenige Meter weiter eine Bank mit schönem Ausblick, auf welcher ich mein Frühstück einnehme. Der nächste Wegpunkt ist Wiesensteig, den habe ich bald erreicht und laufe direkt weiter bis zur Filsquelle. Im Gegensatz zum weiteren Verlauf der Fils sind die ersten paar Kilometer wirklich schön!

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der kleine FilsursprungP1090410.thumb.JPG.4405d587c906e82cd4bd2cbb0b9fda63.JPG

und der große Filsursprung

 

Am großen Filsursprung mache ich Pause, habe aber nur sehr kurz meine Ruhe, da etwa 30 Zweitklässler auftauchen. Der Fußball landet innerhalb von Sekunden im Wasser und ich biete an, meine wasserdichten Schuhe zu nutzen um ihn zu holen. Nach nichtmal 30 Sekunden liegt er erneut im Wasser, aber da haben die ersten Schüler schon die Schuhe aus und sind schon drin. Die Lehrer machen das gut, nämlich nichts und lassen die Kinder einfach machen, das gefällt mir. Nachdem ich das ganze eine Weile amüsiert beobachtet habe, muss ich aber doch weiter. Es geht etwas nach oben, aber immer durch den Wald, an mehreren kleinen Höhlen vorbei. Ein schöner Weg. Schließlich erreiche ich Westerheim und freue mich schon auf ein Radler. Tatsächlich findet sich eine Gaststätte, bei der ich nicht nur zwei Radler, sondern auch ein Eis bekomme. Während der Pause schaue ich nochmal auf meine Wegplanung und stelle fest, dass ich noch rund 17 Kilometer bis zur Sontheimer Höhle habe, welche als letzte Wasserquelle für diesen Tag eingeplant ist. Ich schaue mal vorsichtshalber im Internet nach und stelle fest, dass ich noch 4,5 Stunden habe, bis ich dort sein muss. Bei meinem bisherigen Tempo ist das zwar machbar, allerdings ohne Pause. Aber es hilft ja alles nix. Ich laufe also durch und schaffe es tatsächlich, 15 Minuten vor Schließung dort zu sein. In Laichingen hatte ich noch Glück, der Donner war schon deutlich zu vernehmen, aber das Gewitter verzieht sich dann netterweise doch noch in die andere Richtung, nichtmal ein paar Regentropfen bekomme ich ab. An der Sontheimer Höhle gibt es dann Abendessen, bevor ich dann die letzten paar Kilometer bis zum angepeilten Schlafplatz kurz vor Justingen laufe.

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Tag 3, 28.7., 33,5km, Aufstieg 393hm, Abstieg 503hm

Auch heute laufe ich gut gelaunt los, erst nach Justingen, wo ich auf dem Friedhof meine Wasserflaschen auffülle. Weiter geht es nach Hütten, ein steiler Abstieg ins Dorf rein und kurz dahinter treffe ich auf den HW2 und habe damit wohl offiziell die Schwäbische Alb überquert.

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Nun bin ich in Oberschwaben. Weiter durch den Wald nach oben, durch Felder steil runter, bevor es nochmal kurz nach oben nach Weilersteusslingen, wo es Wasser und Pause geben soll. Unten im Tal laufe ich an der geschlossenen Albvereinshütte Farrenstall vorbei und bemerke einen Kühlschrank mit Getränken! Trail Magic existiert auch in Deutschland. Kurzerhand wird die Pause vorverlegt und der Kühlschrank ausgiebig benutzt. Leider liegt die Hütte nicht sehr schön direkt an der Landstraße, und so laufe ich recht bald weiter. Das Stück bis Altsteusslingen zieht sich ziemlich, das erste Mal, dass es nicht gut vorwärts geht auf dieser Tour. Normalerweise ist das immer der zweite Tag, an dem es nicht so will, dieses Mal scheint es der dritte zu sein. Und leider geht es auch so weiter... Eigentlich will ich erst in Altsteusslingen wieder Pause machen, aber ein paar Kilometer vorher kommt ein Brunnen, eine Bank und eine wunderschöne Stelle, und auch hier wird die Pause wieder vorverlegt. Dann geht es recht schnell und ich bin in Altsteusslingen. Ich folge der Markierung, die bisher ausgezeichnet war, und komme in einen Wald. Nach kurzer Zeit bringen ich die Markierung nicht mehr mit der Karte überein und krame das Handy aus dem Rucksack. Tatsächlich! Ich bin nicht mehr auf dem Track, den ich wenige Tage vorher von der Website des Albvereins runtergeladen hatte, obwohl ich direkt neben einer Markierung stehe. Der eigentliche Weg ist laut GPS nur etwa 100 Meter entfernt. Ich laufe dorthin und finde auch dort eine Markierung. Ich schaue ein letztes Mal aufs Handy, nun scheint alles zu stimmen. Ich folge also weiter der Markierung, bis mir nur wenig später das gleiche wieder passiert! Auch hier schaue ich aufs Handy, gleiches Problem wie beim letzten Mal! Mir ist das völlig rätselhaft, meine Laune schwindet rapide, weil es durch die ständigen Orientierungsprobleme einfach nicht vorwärts geht. Zudem ist es heiß und meine Wasservorräte schwinden. Ich will und muss zügig nach Mundingen kommen. Auf halber Strecke, und nachdem ich der Markierung folgend so weit vom Track abgekommen bin, dass ich gar nicht erst versuche, wieder zurückzulaufen, begreife ich: Offensichtlich wurde der Wegverlauf auf der kompletten Strecke zwischen Altsteusslingen und Mundingen, etwa 10km, geändert, allerdings nur die Markierung und nicht die Karte und der Track. Stinksauer laufe ich in Höchsttempo nach Mundingen. Dort gibt es eine längere Pause. Das für heute angedachte Tagesziel Rechtenstein scheint außer Reichweite, und ich beschließe, nur noch bis zum Hochberg oberhalb von Obermarchtal zu laufen. Durch das heute schon zweite Bärental geht es also weiter, vor dem Aufstieg wird noch abend gegessen und endlich bin ich oben. Ein wunderschöner Ausblick auf Ober- und Untermarchtal, die Donau und Oberschwaben erwartet mich. Das Wetter ist wie schon die ganze Woche heiß und sonnig, und ich beschließe, dass ich heute das Zelt nicht aufbauen werde. Durch den wirklich schönen Weg über die letzten Kilometer und den wirklich fantastischen Schlafplatz findet der Tag nun doch ein versöhnliches Ende.

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Tag 4, 29.7., 30km, Aufstieg 416hm, Abstieg 454hm

 

Ich stehe mit der Sonne auf, der Zeltabbau entfällt heute, hat auch was. Es geht recht steil runter bis kurz vor Obermarchtal, wo ich zum ersten Mal die Donau überquere und plötzlich vor dem Schloss stehe. Sofort überquere ich die Donau zum zweiten Mal, da ich nämlich feststelle, dass ich falsch abgebogen bin, zum Glück muss ich nur etwa 200 Meter zurücklaufen. Der Grund meines Fehlers ist ganz banal, dass hier der HW5 kreuzt, der die gleiche Markierung hat, roter Strich auf weißem Grund. Zwar steht jeweils die Nummer dabei, aber im morgendlichen Halbschlaf kann man das schon mal übersehen... Naja, nun bin ich wach und laufe weiter Richtung Rechtenstein. P1090472.thumb.JPG.261fcd75d81f979ec47f7899401e7150.JPG

Hier der Grund meiner Verwirrung, an diesem Wegweiser treffen sich HW5 und 7.

 

Ich merke schon jetzt, das die Luft ein bisschen raus ist, die Hitze und die für meine Verhältnisse doch recht langen Etappen machen sich wohl bemerkbar. Rechtenstein entpuppt sich als verschlafenes Kaff mit einer imposanten Burg und Kirche oben auf dem Fels, aber zum Hochgehen fehlt mir die Motivation und so ziehe ich weiter.

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Die Kilometer bis Zwiefaltendorf ziehen sich, und ich mache in Emmeringen schon die erste längere Pause. Der Weg ab Rechtenstein ist einige Kilometer sehr schön, ein Pfad direkt an der Donau entlang, allerdings biegt der Weg schon vor Emmeringen wieder von der Donau ab und ich laufe erneut auf Asphalt, wie schon so häufig, seit ich von der Alb runter bin. Angekommen in Zwiefaltendorf gibt es noch eine Pause, dann überquere ich die Donau heute zum dritten Mal, dieses Mal endgültig. Dafür umso unspektakulärer.

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Hinter der Brücke geht der Weg rechts nach oben, nun bin ich wieder auf einem Pfad, allerdings nur kurz, bald wechseln sich wieder Forststraßen mit Asphalt ab. Es wird heute noch heißer als die Tage davor, es gibt kaum Wald, ich laufe die meiste Zeit auf Wirtschaftsstraßen zwischen den Feldern. Irgendwann erreiche ich Möhringen und stelle fest, dass der Berg mit der Kirche drauf, den ich schon seit gestern immer wieder sehe, tatsächlich der Bussen ist. Obwohl es eigentlich nur etwa 200 Höhenmeter sind, will der Anstieg kaum enden. Irgendwann ists aber doch vollbracht und ich stehe pünktlich zur Mittagspause auf dem Heiligen Berg Oberschwabens.Der Lohn ist ein traumhafter Ausblick in alle Richtungen über das ganze Hinterland.

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Ich quäle mich tatsächlich noch den Bergfried hoch bevor ich mich auf eine Bank lege und Mittagspause mache. Meine Motivation ist immer noch ein bisschen am unteren Ende der Skala, und nach einem ausgedehnten Blick auf die Karte beschließe ich, heute einen gemütlichen Tag einzulegen und hier oben etwas länger zu verweilen. Es werden am Ende rund drei Stunden gemütlicher Pause, das hat gut getan. Da ich die ganze Zeit im Schatten gesessen bin, trifft mich aber die Hitze wie ein Hammerschlag auf den „Meggl“ (Kopf), wie man hier so schön sagt. Wie auf den Fotos zu sehen, geht es weiter nur selten durch Wald, die meiste Zeit läuft der Weg auf Asphalt zwischen den Feldern entlang. Einzig die hohen Maisfelder bringen manchmal etwas Schatten. Ich erreiche Möhringen und koche dort, bevor ich noch die letzten paar Kilometer bis zum nächsten Waldstück laufe, wo ich nach längerer Suche ein Plätzchen für mein Zelt finde.

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Tag 5, 30.7., 36km, Anstieg 310hm, Abstieg 289hm

 

Ich schlafe schlecht, einige hundert Meter entfernt ist ein kleiner Garten, Hof o.ä., den ich beim Vorbeilaufen schon bemerkt habe und wo offensichtlich eine Party stattfindet. Normalerweise mit einem äußerst guten Schlaf gesegnet, hält mich das Wummern der Bässe doch eine Weile wach. Viel zu früh klingelt der Wecker, ich packe ein, werfe ein paar Nüsse ein und laufe los. Über einen Steg führt der Weg durch ein großes Moorgebiet nach Bad Buchau. Dort marschieren meine Füße ungefragt in den erstbesten Bäcker rein und ich kaufe zwei Butterbrezeln. Am Ortsausgang ist der Friedhof, dort gibt es Wasser, eine Toilette und Frühstück. Der Tag kann beginnen, ich fühle mich schon viel besser. Direkt hinter dem Ortsausgang sehe ich zum ersten Mal große Rucksäcke vor mir! Eine lustige Dreiergruppe läuft zwar nicht den HW7, sondern auf einem selbst gebastelten Weg von Reutlingen bis Wangen im Allgäu, mit einem eigentlich sehr sympathisch klingenden Plan: drei Tage wandern, drei Tage Therme in Bad Buchau, nochmal drei Tage wandern. Ich frage mich, warum ich das nicht auch so mache. Unser gemeinsames Tagesziel ist Altshausen, und so laufen wir erstmal gemeinsam weiter. Mit Erstaunen wird festgestellt, dass ich mit Zelt unterwegs bin, dafür sei mein Rucksack ganz schön „putzig“. Ich bin stolz. Tatsächlich habe ich den kleinsten Rucksack. Nach ein paar Stunden trennen sich unsere Wege, der HW7 macht einen Schlenker über Bad Saulgau, die anderen drei laufen einfach geradeaus bis Altshausen. Es wird wieder heißer, die letzten Kilometer nach Bad Saulgau ziehen sich, und im Ort angekommen steuere ich die erste Wirtschaft an und trinke zwei Radler. Bevor ich Mittagspause mache, habe ich aber noch eine gute Stunde zu laufen bis Sießen. Dort gibt es direkt vor dem Ort einen wunderschönen kleinen Friedhof, auf dem ich unter einer Linde eine ausgedehnte Mittagspause mache.

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Weiter geht es, es ist heiß, zum Glück gibt es auf den nächsten Kilometern recht viel Wald. Meine Fußsohlen schmerzen immer mehr vom Asphalt. Gegen Abend erreiche ich Altshausen, der Friedhof ist ein bisschen ab vom Schuss, aber der Rewe ist nur 300 Meter vom Weg entfernt und ich brauche ohnehin eine neue Spiritusflasche, meine ist undicht geworden. Zum Glück nur ein bisschen am Deckel, der Verlust hält sich in Grenzen. Ich kaufe Wasser und ein Spezi und beschließe einfach auf dem Parkplatz zu kochen. Gerade bin ich fertig mit essen, da höre ich von der anderen Straßenseite „Achtung, dass dich kein Straßenpanzer umfährt!“. Ich blicke auf und sehe die drei von heute morgen auf der anderen Straßenseite, schon geduscht, gesättigt und mit Most versorgt, der mir sehr empfohlen wurde. Leider habe ich noch 5km bis zum nächsten Waldstück zu gehen, und so mache ich mich auf.

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Tag 6, 1.8., 35km, Aufstieg 668hm, Abstieg 686hm

 

Ohne größere Vorkommnisse laufe ich bis Wilhelmsdorf, wie üblich meist über Asphalt, meine Füße beginnen schon wieder zu schmerzen, aber kurz vor Wilhelmsdorf wird es doch noch ein bisschen schöner zu gehen.

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Sehr unterhaltsam: Kirche auf dem Kreisverkehr!

Auf dem Friedhof hole ich Wasser, halte mich aber nicht lang auf und laufe über den „Buggl“ (Hügel) nach Ilmensee. Am Strandbad werde ich kurz schwach, aber da ich nichts dabei habe, was sich als Badehose benutzen ließe und die Corona-bedingte Schlange durchaus eine gewisse Länge hat, laufe ich zum Friedhof und mache Mittagspause. Es bleibt heiß, wird aber immer schwüler, es fühlt sich nach Gewitter an. Von Ilmensee geht es den Hügel halb hoch, dann um den Hügel drumrum, wieder runter ins Tal und auf den nächsten Hügel hoch nach Bettenbrunn. Der Anstieg, obwohl nur 200hm, ist mörderisch, es ist kurz vor dem Gewitter, es ist heiß, weder Luft noch Shirt kann meinen Schweiß noch aufnehmen, ich überhitze immer weiter. Oben angekommen sehe ich zum ersten Mal den Bodensee! Kaum bin ich in Bettenbrunn, geht das Gewitter los, glücklicherweise nicht über mir sondern zwei Hügel weiter in Ilmensee, ich bekomme nur ein paar wenige Regentropfen ab und, viel entscheidender, den Temperatursturz. Ich koche etwas, und laufe noch ein paar Kilometer bis zu einem Waldstück vor Untersiggingen, wo ich in einer Fichtenschonung einen Platz für mein Zelt finde. Kurz vor Bettenbrunn begann noch ein Ärgernis, dass mich noch einige Nerven kosten sollte: Die Markierung ändert sich abrupt von einem roten Balken auf weißem Grund zu einer gelben Raute auf weißem Grund. Anscheinend, so habe ich das aus Wegweisern erschlossen, führt hier der „Bodensee Jubiläumsweg“ auf dem HW7, allerdings nicht immer, manchmal biegt er ab und trifft später wieder dazu. Das führt dazu, dass man konsequent mehrere Markierungen im Blick haben muss, vor allem auf Wegweisern ist das äußerst uneinheitlich und verwirrend gehandhabt.

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Es ist nicht mehr so heiß wie die letzten Tage, das Wetter ist bewölkt, es könnte noch regnen. Ein Glück, dass ich heute nicht mehr so lang habe und für die Nacht bei der Verwandtschaft ein festes Dach über dem Kopf haben werde. Am Gehrenbergturm oberhalb von Markdorf mache ich noch eine längere Pause, genieße die Aussicht, die mir trotz des Wetters gut gefällt, bevor ich mich zum Endspurt aufmache.

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Nach Markdorf geht’s ziemlich steil bergab, dann bin ich unten. Aber auch hier zieht es sich wieder, auch hier wieder alles Asphalt durch die Obst- und Getreidefelder, es will nicht und will nicht, auch heute melden sich die Fußsohlen wieder deutlich vernehmbar, aber irgendwann ist es doch geschafft, und ich erreiche in Seemoos drei Kilometer vor dem Ziel den See. Auf der Karte sah es so aus, als ob der Weg direkt am See entlang führt, aber das ist eine herbe Enttäuschung: Auf einem kleinen Fußgängerweg geht es zwischen den Seegrundstücken und den Grundstücken der zweiten Reihe zwischen hohen Hecken, bis die Promenade in Friedrichshafen erreicht ist. Kaum am See, beginnt es zu nieseln, ich beschließe, die Regenjacke im Rucksack zu lassen. Die letzten 500 Meter führen entlang der Seepromenade und ich beginne, den Endpunkt zu suchen, meine Karte und das GPS sind sich da nicht einig. Laut Karte endet der Weg auf Höhe des Stadtbahnhofs, dort finde ich einen Wegweiser, an dem die Hauptwege 4, 7 und 9 aufeinandertreffen, und ich beschließe, dass hier ein guter Punkt für ein Zielfoto ist.

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Kaum ist das Foto gemacht, geht der Wolkenbruch los. Es sind nur noch fünf Minuten bis zum Hafen, der laut GPS der Endpunkt ist, und so ziehe ich meine Regenjacke an und laufe los. Ich komme mir ziemlich bescheuert vor, wie ich in Regenjacke, Lederhut, stinkend und schwitzend, mit Wanderstöcken da entlang laufe, links dichtgedränkt die Touristen unter den Arkaden, rechts in den Cafés unter den Schirmen, was die sich wohl denken, aber ich habe nicht die geringste Lust, wegen fünf Gehminuten noch 20 Minuten zu warten, zumal ich ja weiss, dass ich demnächst unter Dach und Fach bin und alles trocknen kann. Außerdem will die neue Regenjacke mal getestet werden... Am Hafen angekommen finde ich keinerlei Anzeichen, warum der GPS Track bis hierher führt, rufe also bei der Verwandtschaft an und werde abgeholt. Somit endet der erste Teil meiner Sommertour. Am nächsten Tag fahre ich mit der Fähre nach Konstanz und laufe auf dem Querweg los, der Bericht wird fortgesetzt.

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ein kleines Fazit zum HW7: Es ist mit Sicherheit nicht der landschaftlich spektakulärste aller Wanderwege, aber er hat doch seine Momente, grade auf der Alb, aber auch im Hinterland von Oberschwaben gibt es wirklich tolle Gegenden, Ausblicke und Wege. Für mich war er aus persönlichen Gründen spannend zu gehen, ich bin im Filstal aufgewachsen und habe um Friedrichshafen herum viel Verwandtschaft, aber das ganze Gebiet dazwischen, vor allem der südliche Teil der Alb um Laichingen herum und der nördliche Teil von Oberschwaben, also die Gegend um Obermarchtal z.B. waren mir nur von der Karte bekannt, dadurch konnte ich so einige Lücken schließen. Es ist kein sehr begangener Weg, ich habe bis auf die drei erwähnten Wanderer keinen einzigen Fernwanderer getroffen, ich kann mich - außer auf dem Hohenstaufen - nichtmal an Tageswanderer erinnern. Auch sonst ist es ein eher einsamer Weg, man kommt zwar doch recht regelmäßig durch Dörfer, aber die sind meist wirklich klein und man trifft dort nicht oft auf Leute. Größere Städte hat es wenig, Göppingen natürlich, aber als größere Orte eigentlich erst wieder Bad Buchau, Bad Saulgau und Altshausen, die aber innerhalb einer Tagesetappe liegen. Wasser ist kein Problem, ist habe fast nie mehr als einen Liter getragen, obwohl ich aufgrund der Hitze bis zu 7 Liter getrunken habe. Ein großes Manko des Weges ist, dass er in Oberschwaben fast komplett über Asphalt führt, was bei mir in Verbindung mit der Hitze zu ordentlich schmerzenden Fußsohlen geführt hat. Das fand ich sehr lästig, da ich oft konditionell das Gefühl hatte, noch eine Weile laufen zu können, aber die Fußsohlen dringend eine Pause gebraucht haben. 

Insgesamt hat sich der Weg für mich gelohnt, das positive überwiegt für mich, aber nochmal muss ich den nicht laufen.

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  • 2 Monate später...

So, besser spät als nie... hier endlich der Bericht vom zweiten Teil meiner Sommertour, dem Querweg Bodensee-Freiburg.

 

Tag 8, 3.8., 12,5km, Anstieg 183hm, Abstieg 100hm


 

Am nächsten Morgen gibt es erstmal ein gemütliches Frühstück beinder Verwandtschaft, während wir den Regen abwarten. Nachts hats geschüttet wie aus Eimern, das war genau die richtige Nacht, um unter einem festen Dach zu schlafen... Am späten Vormittag siehts so langsam etwas besser aus, ich werde mach Friedrichshafen gefahren, auf dem Weg bringe ich noch mein Paket mit überflüssiger Ausrüstung, Zivilklamotten u.ä. zur Post, und um 11 Uhr nehme ich den Katamaran nach Konstanz. P1090553.thumb.JPG.9f7a35f2f55d4ffde859b77c498b3825.JPG

Eine knappe Stunde später gehe ich in Konstanz an Land. Dort suche ich zuerst einen dm auf, da ich meine Spiritusvorräte auffüllen muss, anschließend beschließe ich noch etwas zu essen und stelle mich an den Stehtisch vor einer Metzgerei. Dem Mann, der sich dazu stellt, schenke ich den übrigen dreiviertel Liter Spiritus, anschließend suche ich den ersten Wegweiser, mache ein Startfoto und ziehe los.P1090555.thumb.JPG.a95c15860c7921af0468d459d0d4422a.JPG

Auch hier gibt’s kein richtiges Schild...

 

Erstmal aus Konstanz raus, das dauert ein bisschen, das Wetter wird nicht besser, im Gegenteil, es sieht immer mehr danach aus, als ob heute noch was runterkommt. Zum Glück ist der Weg in der Stadt gut markiert. Nach einer Weile bin ich endlich wieder draußen. Der Weg führt nicht direkt am See entlang, sondern oben auf der Höhe, meist zwischen Feldern. Einerseits schade, dass man nicht am See entlang läuft, andererseits ist es eigentlich ziemlich schön hier oben.P1090560.thumb.JPG.da0a3cfd980832cbc1ecbcfcb86872ec.JPG

Es hat angefangen zu nieseln und es wird immer stärker. Ich überlege ziemlich lange, ob ich die Regenjacke anziehen soll, es ist nicht besonders kalt. Aber irgendwann ist der Regen doch so stark, dass ich mir denke, durch das Schwitzen in der Jacke weniger nass zu werden. Der Regen wird aber immer noch stärker, es sieht nicht so aus, als ob es heute noch aufhört, und so langsam wird alles nass und ungemütlich. Ich überlege, ob ich das Zelt heute schon früher aufbaue und einen noch kürzeren Tag einlege als eingeplant, da laufe ich um eine Ecke und stehe plötzlich vor einer ziemlich großen Schutzhütte, vor der auch noch ein Trinkwasserbrunnen ist. Ich beschließe, hier zumindest einmal Pause zu machen und zu kochen und dabei die Wetterlage abzuwarten. Außer mir sind noch zwei andere Leute in der Hütte und grillen, obwohl die Hütte in der Mitte eine große Feuerstelle hat, haben sie ihren eigenen Grill mitgebracht. Ich koche und esse, der Regen wird eher immer stärker. Es wird nun doch kühl, kurz bereue ich, meine Fleecejacke im letzen Moment doch nicht mitgenommen zu haben. Ratet mal, woher mir das empfohlen wurde :D Ich überlege, ein Feuer zu machen, aber das hieße, dass ich heute hier bleibe. Andererseits ist das vielleicht nicht die schlechteste Idee, der Wetterbericht sagt, dass es bis zum nächsten Morgen in dieser Stärke weiterregnen soll. Also sammle ich ein paar trockene Äste, in der Feuerstelle sind noch ein paar große Blöcke und zünde ein Feuer an. Die zwei Leute mit dem Grill sind grade mit dem Auto weggefahren, da kommt ein Wanderer im Poncho angelaufen, in meinem Alter, und steuert zielsicher auf die Hütte zu. Wir kommen ins Gespräch und es stellt sich heraus, dass F. den europäischen Fernwanderweg E1 von Rom bis zum Nordkap läuft. Letztes Jahr hat er den italienischen, schweizer und norddeutschen Teil gemacht, dieses Jahr solls von Konstanz bis ca. Frankfurt gehen. Da der E1 bis kurz vor Freiburg auf dem Querweg läuft, werden wir uns die nächsten Tage vielleicht noch ein paar Mal über den Weg laufen. Da wir uns beide für Fernwanderungen mit ultraleichter Ausrüstung begeistern, ist auch an Gesprächsthemen kein Mangel. Kurz nach uns trifft noch ein Pärchen samt Grill ein, und wiederum kurze Zeit danach steht ein etwas älterer Mann in der Hütte und fragt nach Wolfgang. Wolfgang trifft kurze Zeit später mit noch ein paar anderen Leuten, inkl. einiger kleiner Kinder, außerdem einem Kofferraum voll Holz, Grillgut, Bier, Radler, zwei Klampfen und einigen Liederbüchern ein. Kurz danach brennt ein Riesenfeuer, F. und ich haben ein Radler abbekommen, die Klampfen sind ausgepackt, das Pärchen versorgt uns noch mit Fleisch und Salaten, und es wird ein wirklich netter und gemütlicher Abend. Gegen 23 Uhr verziehen sich alle, und wir richten uns für die Nacht ein. Der Wetterbericht sagt, dass es zwischen 9 und 10 Uhr mit regnen aufhören soll, also wird morgen nicht wie bisher um 5.30 Uhr aufgestanden.


 

 

Bearbeitet von lampenschirm
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Tag 9, 4.8., 30km, Anstieg 483hm, Abstieg 529hm


 

Wir schlafen etwas länger, bleiben dann noch im Schlafsack liegen, draußen regnets unverdrossen weiter. Wie angekündigt lässt es gegen 8 Uhr so langsam nach, es sieht so aus, als ob der Wetterbericht recht hätte. Um 8.30 Uhr steht plötzlich eine Frau in der Hütte und kündigt an, dass in 15 Minuten 29 Kinder hier einfallen, Schülerferienprogramm. Das ist für uns ein hinreichender Grund, blitzschnell den Schlafsack zu verlassen und unser Zeugs zusammenzupacken. Bis wir zusammengepackt und gefrühstückt haben, hat es aufgehört zu regnen und so laufen wir los. Inzwischen haben wir beschlossen, zumindest heute mal zusammen zu laufen, da wir mit etwa 30km die gleichen Etappenlängen planen und wir uns auf Anhieb gut verstanden haben. Der Weg führt durch einen Wald, nicht weit vom See weg, rechts biegt ein Pfad ab, der mit einem Bauzaun und einem Schild „Lebensgefahr“ abgesperrt ist. Ein paar hundert Meter später realisieren wir, dass genau das unser Weg ist. Wir beschließen, uns das mal anzuschauen, wir können ja immer noch umdrehen. Der Weg stellt sich als nicht lebensgefährlich, dafür umso schöner heraus, er führt durch das Mariental, später dann immer wieder direkt oberhalb vom See entlang. Nur die gelegentlichen Holzbrücken sind sehr rutschig, einmal liege ich schneller auf dem Rücken als ich „Hurasoich“ sagen kann. Zum Glück ist der Rucksack weich. P1090570.thumb.JPG.4e171f2083799e884f0c25aa0a6f3279.JPG

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Der Weg führt uns nun unspektakulär, aber gemütlich durch einen Wald, dann durch drei Dörfer, im dritten, Stahringen, kaufen wir beim Bäcker etwas zum Mittagessen und ich bringe F., der aus Norddeutschland kommt, das Konzept einer Butterbrezel und der Seele nahe. Hinter Stahringen geht’s dann hoch zur Homburg, wo wir einen letzten Blick auf den See und einen ersten Blick auf die Hegauer Berge genießen.

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Anschließend geht es über Forststraßen und -wege weiter, öfter durch Wald. Im letzten größeren Waldstück treffen wir zwei Wanderer, die sich vor dem wieder einsetzenden Regen unter einen Baum gestellt haben. Auf den ersten Blick ersehe ich, dass die beiden auch ultraleicht unterwegs sind (nicht weiter schwer zu erkennen, der Mann hat die gleiche Regenjacke wie ich...). Wir kommen ins Gespräch, die beiden sind ähnlich alt wie wir, ein Paar aus Offenburg, die wie F. den E1 laufen, allerdings andersrum. Sie sind in Frankfurt losgezogen und wollen noch bis Italien laufen, bis die Semesterferien zu Ende sind. Wir quatschen eine gute Stunde über Wandern, den E1 und Ausrüstung, bis der Regen aufhört und wir weiterlaufen. Wenig später sind wir in Singen, wo wir direkt am Stadtrand einen netten Platz für unsere Zelte finden.


 

 

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Tag 10, 5.8., 29km, Anstieg 914hm, Abstieg 747hm


 

Am nächsten Tag wollten wir eigentlich getrennt weiter, da ich eigentlich meinen Rhythmus, mit Tagesanbruch um 5.30 Uhr aufzustehen, nur wegen des Wetters unterbrochen hatte und diesen nun wieder aufnehmen wollte, während F. normalerweise eher gemütlich ausschläft. Allerdings erwies sich mein Schlafsack als so gemütlich, dass wir beide erst gegen 8 Uhr aufstanden. Nach dem Frühstück gings erstmal einige Kilometer durch Singen durch, und dann hoch nach Hohentwiel. Der Blick auf die Karte hatte mir bei der Planung ein kurzes Rätsel aufgegeben, weil der Weg ja weiter nach Engen führt, dies allerdings mit einigen größeren Schlaufen. Ein genauer Blick und spätestens die Situation vor Ort brachte die Erklärung: Der Weg führt einmal über alle Hegauer Berge. Der erste ist direkt hinter Singen, nämlich Hohentwiel mit der Burgruine. Die nächsten Stunden verbrachten wir bei perfektem Wanderwetter, ca. 25°C und blauer Himmel, damit, einen Berg nach dem anderen erst hoch- und dann wieder runterzulaufen. Es ist ein bisschen eine Sisyphos-Arbeit, auch wenn der Stein durch einen (ultraleichten) Rucksack ersetzt wird, dafür wird man mit sehr schönen Aussichten belohnt. Und irgendwann muss man ja auch mal ein paar Höhenmeter machen.

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Auf einer Wiese direkt vor Weiterdingen machten wir Mittagspause, mit dem schlechtesten Timing dieser Wanderung: Am Ortsausgang von Weiterdingen, etwa 200 Meter von unserem Rastplatz entfernt, steht ein Wurstautomat. Aus Protest habe ich trotzdem zwei Paar Landjäger gekauft, die wurden dann am nächsten Tag verspeist.

Gegen Abend erreichten wir Engen, wo wir kurz einkauften und dann auf einem Grillplatz direkt hinter Engen unsere Zelte aufbauten. Nachts erhielten wir noch Besuch: Ein Auto bog auf den Grillplatz ab und leuchtete direkt in mein offenes Zelt hinein. Zwei Leute stiegen aus und unterhielten sich leise etwas verwirrt darüber, dass hier zwei Zelte standen. Nach einiger Zeit weckten sie mich mit ihrer Taschenlampe vollends auf und erklärten mir, dass sie vom Ordnungsamt seien und wollten wissen, was wir hier machen. Mit meiner Erklärung, dass wir Wanderer seien, heute aus Singen hergelaufen seien und morgen früh spurlos verschwinden würden, waren sie zufrieden, wünschten eine gute Nacht und fuhren ab.

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Tag 11, 6.8., 32km, Anstieg 663hm, Abstieg 726hm


 

Als wir am nächsten Tag abbauten, kamen zwei Arbeiter zum Mülleimer leeren und Müll aufsammeln. Mit dem einen kamen wir etwas ins Gespräch, er erzählte, dass in den letzten Jahren regelmäßig Grillplätze um Engen herum beschädigt worden seien, bis hin zu ganzen Tischen und Stühlen, die ins Feuer geschmissen worden wären, daher würde das Ordnungsamt öfter mal nachts vorbeischauen.

Wir laufen los, der Weg führt uns recht zielstrebig nach Westen, ziemlich oben auf der Höhe, meist am Waldrand, dadurch haben wir nochmal ein paar wunderschöne Aussichten aufs Hegau, während sich im Westen schon der Schwarzwald abzeichnet. Das Wetter wird wieder heißer, aber es ist deutlich erträglicher als in der Woche zuvor.

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Mittags überlegen wir uns, einzukehren, und tatsächlich zeigt uns das GPS ein Gasthaus im nächsten Ort an. Um 13.55 Uhr erreichen wir die Wirtschaft, nur um festzustellen, das ab 14 Uhr Mittagspause ist. Dabei hatte ich mich schon so auf einen Wurstsalat gefreut! Immerhin bekommen wir noch ein Radler.P1090644.thumb.JPG.9e91587c3550fbc0fd03cd2d06ffa755.JPG

Gegen Abend erreichen wir Blumberg. Wir sind schon seit einiger Zeit am Überlegen, wo wir heute abend zelten können, auf der Karte bietet sich nichts so richtig an, wir müssen einerseits vor der Wutachschluch zelten, da diese Naturschutzgebiet ist, andererseits wollen wir so nah wie möglich rankommen, damit wir am nächsten Tag möglichst früh die Wutachschlucht durchqueren können, um den Tagesausflüglermassen aus dem Weg zu gehen. Als wir gerade in Blumberg am Friedhof Wasser holen, treffen wir eine ältere Dame, die uns von einem kleinen Wohnmobilstellplatz mit einer Ecke für Zelte erzählt, nur wenige Kilometer weiter und direkt an unserem Weg. Das klingt gut! Kurze Zeit später sind wir dort, es gibt noch etwas Verwirrung, weil der GPS Track nicht mit der Karte übereinstimmt, aber schließlich landen wir doch an dem Stellplatz. Es ist tatsächlich recht nett, wir treffen noch zwei Holländerinnen in unserem Alter, die den Schluchtensteig laufen, welcher sich ab hier für eine Weile mit dem Querweg überschneidet. Wir holen im Dorf noch Wasser, leider gibt es am Stellplatz keines, kochen gemütlich, und legen uns dann hin.


 

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Tag 12, 7.8., 30km, Anstieg 902hm, Abstieg 327hm


 

Am nächsten Morgen stehen wir zeitig auf, um unseren Plan in die Tat umzusetzen, den Tagesausflüglern aus dem Weg zu gehen. Wir haben noch ein paar Kilometer, bis wir die Wutachschlucht erreichen, diese sind schnell zurückgelegt. Ich habe mich schon seit der Planungsphase sehr auf die Wutachschlucht gefreut, da diese sehr schön sein soll. Eigentlich war ich dort auch schonmal, wir sind dort mit der Männerwanderung durchgelaufen, allerdings hat es da dermaßen geschüttet, dass ich überhaupt nichts von der Schlucht mitbekommen habe. Das soll also nachgeholt werden. Bei bestem, wenn auch heißen Wetter, laufen wir also durch die Wutachschlucht und treffen tatsächlich nur vereinzelt auf andere Wanderer. Es macht wirklich Spaß, hier zu laufen, endlich mal keine Forstwege, sondern Wanderpfade, es geht mal direkt an der Wutach entlang, dann mal wieder oberhalb. Sehr schön!


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Auf den letzten wenigen Kilometern vor der Schattenmühle wird’s dann aber doch noch ziemlich voll, es herrscht starker Gegenverkehr, was auf Dauer etwas lästig wird, da der Pfad oft nicht breit genug für zwei Richtungen ist. Das geht dann zulasten unseres bis dahin ziemlich ordentlichen Tempos. Aber irgendwann ist es geschafft und wir erreichen die Schattenmühle. Dort will ich den überfälligen Wurstsalat einnehmen, allerdings wird uns mitgeteilt, dass der Chef noch beim Einkaufen sei und niemand wüsste, wie lang das genau dauert. Immerhin gibt’s schon Apfelstrudel, das ist auch lecker. Wir versacken etwas, was den Vorteil hat, dass uns die Nachricht erreicht, der Chef sei vom Einkaufen zurück und es gäbe jetzt Essen. Kurze Zeit später befindet sich der Wurstsalat erst vor mir auf dem Tisch und dann in meinem Magen. F. kannte das Konzept „Wurstsalat“ nicht und ist etwas erstaunt darüber, dass das einfach nur ein Haufen Wurst mit ein paar Zwiebeln und Essiggurken ist. Meine große Begeisterung ist ihm nicht so recht nachvollziehbar.

Zufrieden und gesättigt laufen wir den zweiten Teil der Wutachschlucht weiter, hier ist deutlich weniger los, es ist aber mindestens genauso schön. Nach einiger Zeit erreichen wir die Haslachmündung, ab hier heißt die Wutach nun Gutach. Wir folgen also der Gutach, bis wir irgenwann rechts ab müssen und dann geht’s nochmal ordentlich hoch, bis wir Kappel erreichen. In Kappel finden wir einen Brunnen, an dem wir uns waschen können und unsere Wasserflaschen wieder auffüllen können, bevor wir die letzten Kilometer zu unserem anvisierten Schlafplatz kurz vor dem Hochfirst laufen. Dort hat es eine Schutzhütte und laut meinen Recherchen einen Brunnen. Als wir dort angekommen sind, stellen wir dummerweise fest, dass der Brunnen ausgetrocknet ist. Zum Glück haben wir in Kappel getrunken und unsere Flaschen einigermaßen aufgefüllt, es reicht noch, um etwas zu kochen und für den nächsten Morgen bis zur nächsten Möglichkeit, Wasser aufzufüllen. Außerdem ist unser Zeltplatz genau der Platz, an dem sich unsere Wege trennen: Der E1 biegt hier Richtung Lenzkirch und dann weiter Richtung Schluchsee und Feldberg ab, bevor er im Bogen zum Titisee und weiter nach Hinterzarten führt, während der Querweg direkt über den Hochfirst zum Titisee und weiter nach Hinterzarten führt. P1090671.thumb.JPG.7bb3618c804e76d80fd1808bcdcf2ffb.JPG

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Tag 13, 8.8., 37km, Anstieg 592hm, Abstieg 1330hm


 

Am nächsten Morgen verabschieden wir uns also und ich laufe alleine weiter. Kurze Zeit später erreiche ich den Hochfirst und genieße den morgendlichen Blick auf den Titisee.P1090682.thumb.JPG.6569e547810dcf8d2a29908a0dceb905.JPG

Der Abstieg zieht sich, es sind doch einige Höhenmeter nach unten, aber bald erreiche ich den See. Der Weg führt angenehmerweise nicht durch Titisee-Neustadt durch, sondern auf der anderen Seeseite entlang. Dort gibt es einige Zeltplätze, bei einem darf ich meine Wasserflaschen wieder auffüllen. Kurze Zeit später ist Hinterzarten erreicht, genau richtig für eine Mittagspause, es findet sich sogar ein Leberkäswecken. In Hinterzarten ist ziemlich was los, es sind Sommerferien. Als ich aus Hinterzarten rauslaufe, stelle ich überrascht fest, dass es nochmal recht ordentlich nach oben geht. Ich hatte mir diesen Teil des Wegs auf der Karte nur grob angeschaut, da ich in meiner Freiburger Zeit öfter in dieser Ecke unterwegs war, stelle aber fest, dass ich diese Variante gar nicht kenne. Der Querweg führt ganz oben auf der Höhe über dem Höllental entlang, was sich als äußerst schön herausstellt. P1090691.thumb.JPG.c0b2e6751b21f334437d691f73082f7a.JPG

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Aber irgendwann muss es ja auch wieder nach unten gehen, Freiburg liegt schließlich im Tal. Also laufe ich einen den heute schon zweiten elend langen Abstieg hinunter und lande in Buchenbach. Dort koche ich und mache mir genauere Gedanken zu meiner restlichen Tagesplanung. Das beschäftigt mich schon seit gestern, das Problem ist, dass ich heute schon rund 27km gelaufen bin und es schon später Nachmittag ist, der nächste halbwegs vernünftige Zeltplatz, den ich auf der Karte ausfindig machen kann, aber nochmal gute zehn Kilometer entfernt ist. Bis dahin führt der Weg durch das Dreisamtal, kein Wald, kein Gebüsch, nichts, nur Felder und alle paar Kilometer ein Dorf. Die einzige Alternative wäre, kurz hinter Buchenbach in den Wald abzubiegen, aber was mache ich dann mit dem restlichen Tag? Ich beschließe also, heute nochmal einen langen Tag einzulegen und laufe die zehn Kilometer, bis ich wieder im Wald bin. Dort schlage ich neben einer Schutzhütte ein Zelt auf und freue mich, dass mich für die letzten acht Kilometer am nächsten Tag eine Freudin aus Studienzeiten begleiten wird.


 

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Tag 14, 9.8., 8km, Anstieg 220hm, Abstieg 291hm


 

Gegen 7 Uhr kommt die Freundin zu meinem Zeltplatz, wir laufen los. Eigentlich ist man hier schon praktisch an der Stadtgrenze von Freiburg, bzw. Ebnet, aber statt die letzten Kilometer durch die Stadt zu führen, macht der Querweg noch einen kleinen Schlenker über St. Ottilien und von dort aus weiter oberhalb von Freiburg entlang bis zum Schlossberg. Um kurz vor 9 Uhr ist es schließlich geschafft, wir erreichen das Schwabentor und damit den Endpunkt meiner Wanderung. P1090699.thumb.JPG.d65bdf8187b5b70b0c394db67b7635f5.JPG

In 14 Tagen bin ich 408 Kilometer mit jeweils rund 7400 Höhenmeter im Auf- und Abstieg gelaufen. Es war eine richtig schöne Tour, mit dem Wetter hatte ich viel Glück, es gab reichlich schöne Landschaften und interessante Begegnungen. Ich habe einige Teile von Baden-Württemberg kennengelernt, die mir noch völlig unbekannt waren, und habe (ungefähr) meine Heimatstadt mit meinem ehemaligen Studienort verbunden. In jeglicher Hinsicht also eine gelungene Wanderung. Mal schauen, was als nächstes kommt. P1090701.thumb.JPG.a8ed7e26d796f26b89e08371642cbd80.JPG

 

 

edit: Hier noch meine Packliste: https://lighterpack.com/r/pic4xo

Bearbeitet von lampenschirm
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hallo lampenschirm,

ich bin der :ph34r:danobaja von den "graveyardhoppers anonymous". wir haben jeden mittwoch ein treffen bei dem du gerne mal vorbeischauen kannst.

Am 2.9.2020 um 00:39 schrieb lampenschirm:

Kurz hinter Boll habe ich mir einen Friedhof markiert, dort fülle ich meine Wasserflaschen und mache erneut Pause,

Am 2.9.2020 um 23:43 schrieb lampenschirm:

einen wunderschönen kleinen Friedhof, auf dem ich unter einer Linde eine ausgedehnte Mittagspause mache.

 

Am 2.9.2020 um 23:43 schrieb lampenschirm:

der Friedhof ist ein bisschen ab vom Schuss,

 

Am 2.9.2020 um 23:44 schrieb lampenschirm:

Auf dem Friedhof hole ich Wasser

 

vor 10 Stunden schrieb lampenschirm:

in Blumberg am Friedhof Wasser holen

besonders wenn du wieder einmal schwach wirst bekommst du bei uns immer hilfe...

vor 10 Stunden schrieb lampenschirm:

Zeltplätze, bei einem darf ich meine Wasserflaschen wieder auffüllen.

vielen dank für den schönen bericht!:wub:

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