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Ultraleicht Trekking

Tarp? Tipi? Tarptipi.


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Warum ich ein neues Tarp nähen wollte

Klar, die optimale Tarpanzahl ist immer N+1 ... aber im Ernst:

Mein erstes Tarp (in dritter Fassung, mehrfach umgenäht, lange Geschichte ...) ist für langes Abwettern einfach zu klein, bei Regen ist darunter Umziehen nur für geübte Yogis durchführbar. Das endgültig gewählte Design mit Bakes hinten und vorne hat sich bei mir jedoch außerordentlich bewährt.

Wiegt ca. 322g, die Firstlinie hat so ca. 210 cm und die Kantenlängen der vertikalen Kappnähte sind vorne 100 und hinten 80 cm (man muss sich das ohne Bakes vorstellen). Schon arg hundehüttig.

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Tarp Nummer zwei ist ein umgenähtes Sonnensegel vom Discounter und war als Prototyp gedacht. Hat sich aber so bewährt, dass es dabei bleibt. Für zwei Leute geht das Gewicht auch in Ordnung, Platz ist mehr als genug vorhanden. Wiegt mit Schnüren reichlich 500g. Die Geometrie (Bakes wegdenken): First 250 cm, vertikale Kantenlänge vorne 140 cm und hintern 100 cm.  

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Okay, ich denke da sehr nähtechnisch bei den Maßen :-D

Der geübte ULer erkennt jetzt ganz klar, wo unübersehbar die Gearlücke klafft: Wo ist das 1,5-Personen-Tarp? 

Das Design

Folgende Merkmale sollte das neue Tarp haben:

  • leicht (wer hätte das gedacht)
  • Sitzhöhe im vorderen Bereich + viel Platz zum "Wirtschaften"
  • regenfest, auch bei schrägem Regen
  • windstabil (übernachte gern unvernünftigerweise auf Bergen)
  • mit einem Stock aufzubauen
  • bequemer, knieschonender Einstieg
  • innen hell (für Touren in Frühjahr und Herbst)
  • wenig Schnitteile (hier spricht der MYOGer)

Nach mehreren 1:10 Papiermodellen und zwei 1:1 Folienmodellen habe ich mit Optimieren aufgehört, das Projekt zog sich ja auch schon über mehrere Jahre. 

Herausgekommen ist ein Entwurf, der das Verflachen im hinteren Bereich so auf die Spitze treibt, dass ich nunmehr überlege, ob ein paar Zentimeter mehr vielleicht doch schlauer gewesen wären. So oder so, der oder das Bake fällt hinten weg. 

Die Specs:

  • Firstlänge 270 cm, an der Grundlinie ca. 256 cm (konstruiert)
  • die vertikale Nahtlänge vorne 150 cm
  • hinten gerade mal 45 cm
  • fetter Bake mit 60 cm Firstlänge
  • RipStop-Nylon, Zeltstoff, 20den, 36g/m², Farbe sand
  • Verstärkungen aus RS Nylon, PU-beschichtet, 68g/m², Farbe sonnengelb
  • Gewicht mit Schnüren (vorne, hinten je 3m, seitlich 6x80cm), ohne Nahtdichter, noch ohne schlaue Stockbefestigung: 303 Gramm
    (reisefertig mit 3. Schnur für die Spitze, gescheiten Heringen, Bodenplane reichlich 500 g)

Es werden garantiert einige ausrufen: Aber das ist ja das Modell ... von ... !!! Ja, ich gebe Euch allen jetzt schon recht. Da habe ich mich heftig von allen möglichen Modellen inspirieren lassen. Aber in der konkreten Umsetzung habe ich noch genügend Denkenergie investiert, und kein vorhandenes Modell nachgehäht.

Ich nenne es Tarptipi, weil es eigentlich kein Tarp mehr ist, aber auch noch kein echtes Tipi/Lavuu/Mid, oder wie man das nun nennen will.

Dann musste ich meine Wohnung umräumen, um die Schnitteile anzufertigen. Das war eigentlich der schwerste Teil des Fertigens. 

Endlich ging es mit Nähen los. Amann Corespun  und 70er Microtech im Einsatz:

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Dank Obertansport ging das sogar besser als gedacht. Zum fixieren habe ich diese kleinen Nähklammern verwendet. Zweimal ist mir eine Stofffalte unter den Nähfuß gerutscht, das merkt man bei dem dünnen Stoff gar nicht. Autsch! Hoffentlich regnet es da nicht rein ...

Natürlich musste das Tarptipi auch gleich ausprobiert werden:

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Damit es echt ist, mitten auf dem Berg. 

Platz ist da wirklich mehr als reichlich für eine Person. Der Wanderstock war auf 125 cm eingestellt (Herstellerangabe). Am Fußende wird es schon sehr eng, aber passt noch. Rein und raus geht wirklich geschmeidig, die Regenfestigkeit konnte ich noch nicht testen (sowohl konstruktiv als auch material/verarbeitungstechnisch).
Überrascht war ich über die Windfestigkeit, da werden ich auf Lifter verzichten. Als zusätzlichen Schutz im Eingangsbereich habe ich meinen Regenschirm verwendet, welcher auch zugleich den Kocher abschirmt. 

Anzumerken ist, das bei freistehendem Aufbau in der Länge sehr viel Platz sein muss. Man benötigt jedesmal die vollen drei Meter Länge der langen Zeltschnüre, und selbst da ist die Kante am Eingang nicht sehr straff gespannt. Da sollte ich schauen, wenigsten für vorne einen passenden Baum zu finden und hinten könnte ein kleiner Ast als Stütze auch nicht schaden.

Konstruktive Probleme

Ja, die gibt es. Auch wenn es an der Funktion nichts ändert, ärgert es mich doch ein wenig optisch. 

Es geht um den Fadenlauf. Zwangsweise hat man Säume und Nähte schräg zum Fadenlauf:

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Am Hohlsaum habe ich unten ich noch eine zweite Naht angebracht, aber das hilft nicht viel.

Der Gedanke war, dass auf dem First am meisten Zug lastet, so dass ich dort den Fadenlauf parallel zur Naht habe.

Was hätte ich da machen können? Das einzige, was mir auffiel: Die kommerziellen Hersteller verwenden oft Einfass- bzw. Schrägband. Die haben aber auch spezielle Schrägbandfüße dafür. Ideen?

Eine Verstärkung an der Spitze fehlt auch noch, und eventuell etwas zum Wanderstock fixieren. Da überlege ich noch. Vielleicht reicht auch eine ausreichende Menge an Nahtdichter in dem Bereich, um den Stock am Verrutschen zu hindern.

Frustecke

Am meisten gefrustet war ich beim Beutel nähen! Kein Witz! Der gelbe, stabilere Stoff ist offensichtlich der kleine Bruder der Edelstahlfolie.

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Ich habe beim Boden Annähen zwei (!) Nadeln zerschossen und bin immer noch nicht zufrieden. Hmgrmmpf, ich werden den Boden irgendwann mal komplett neu PER HAND annähen.

Ja, ihr seht richtig, jetzt habe ich mir auch so Label machen lassen (mit Finger imaginäres Staubkorn vom Maßanzug wegschnipp):

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 Aber eine Manufaktur werde ich ja nicht gründen, am Ende muss ich Mausschubser noch richtig arbeiten :sad:

Bearbeitet von icefreak
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vor 14 Stunden schrieb icefreak:

Ich habe beim Boden Annähen zwei (!) Nadeln zerschossen und bin immer noch nicht zufrieden...

Hm, Böden in Stoffsäcke zu nähen ist aber ganz schön 90er Jahre:-). Guckst du.

Ansonsten, schönes Tarp, wäre mir aber wahrscheinlich im Fußraum zu klein.8-)

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  • 2 Wochen später...

Das Tarptipi wurde noch etwas angepasst: Die Fixierung des Wanderstocks wurde so gestaltet, dass ich noch eine weitere Verstärkung aus PU-beschichtetem RS-Nylon angenäht habe. Dann wurden innen die Nähte und große Teile der Fläche mit Seamsealer beschichtet. Durch die dadurch erzielte Haftreibung bleibt der Wanderstock an Ort und Stelle. 

Ansicht von Innen:

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Die kleine Schlaufe dient der Aufnahme eines Zeltlichts und ggf. einer Fixierung des Griffes vom Wanderstock.

Ansicht von Aussen:

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Das LineLoc wird genutzt, wenn ich einen Fixpunkt zum Tarptipiaufbau nutzen kann.

Wetterfestigkeit:

Bis auf die eben gezeigte "Spitze" habe ich keinen Nahtdichter verwendet. Ich wollte erstmal sehen, wo es denn tatsächlich tropft.

Zum Glück hat es Montag früh ein paar Stunden geregnet, und siehe da, mitten in der Firstnaht haben ein paar Tropfen den Weg durch die Naht gefunden. Da hatte ich mich vernäht und dadurch doppelt an der Stelle genäht. Also werde ich die Firstnaht versiegeln, ansonsten ist es nicht weiter nötig. Wenn man wirklich nur einmal drüber näht, funktioniert die Sache mit dem CoreSpun-Garn recht gut. Ansonsten hat sich das Zelt erstmal als recht regensicher erwiesen, wobei jedoch kaum Wind wehte. 

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