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Ultraleicht Trekking

iggyriggy

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    iggyriggy reagierte auf Harakiri in Varangerhalbinsel und Kungsleden im Winter   
    Hallo zusammen! 
    Da sich die Tour ungewöhnlich in die Länge gezogen hat, gibt es ziemlich viel zu erzählen. Lange habe ich es aufgeschoben, mich an den Bericht zu setzen, doch weil ich es euch schuldig bin, veröffentliche ich ihn nun stückweise hier. Vorab könnt ihr bereits eine Testversion des Reisevideos sehen, die allerdings noch nicht ordentlich vertont ist. 
     
    [Im Video sieht man nur den Teil aus Norwegen. Dass die Welt ein weiteres Video von der Strecke Abisko-Nikkaluokta braucht, bezweifele ich. Da ich meine Zweifel daran habe, kommt es nur, wenn ich in der Stimmung dazu bin.]



    Teil 1: Anreise
    Ach, wäre die Rückreise nur so einfach gewesen! Leider verlaufen die Geschichten, die das Leben schreibt, selten so gradlinig.

    25. Februar 2020: Nachdem ich morgens die letzten Wegpunkte ins Navi eintrug, die letzten Karten ausdruckte und meine Sachen für den Flieger packte, ging es am Nachmittag im Auto Richtung Flughafen Düsseldorf. 
    Erstaunt über mein Vorhaben entschied sich das Personal dazu, meinen Rucksack zum Sondergepäck zu verfrachten. Nachdem ich penibel kontrolliert wurde, machte ich mich mit der dicken EVA-Matte im Handgepäck auf zum Terminal. Sich durch das Gedränge wühlen zu müssen ging mir ordentlich auf die Nerven. Immerhin war das Gate leer. Ich war früh dran. Und der Flieger hatte Verspätung. So saß ich also mit Plastiktüten an den Füßen am Düsseldorfer Flughafen und schrieb gelangweilt den ersten Absatz im Tagebuch.

    In Oslo angekommen hastete ich eilig durch den Flughafen, um noch rechtzeitig die Maschine nach Tromsø zu erreichen, Zum Glück war auch dieser Flieger spät dran und konnte erst gegen Mitternacht beladen werden. Leider wurde ich diesmal wie eine Sardine zwischen zwei großen, übel riechenden Männern eingequetscht, die während des Fluges fürchterlich schnarchten. Ich versuchte vergeblich, einzuschlafen und starrte stattdessen mit müden Augen auf die Sitzreihe vor mir, in der Hoffnung, der unrasierte Mann neben mir würde wenigstens seine überdimensionierte Daunenjacke ausziehen. Rückblickend ist es vielleicht doch ganz erfreulich gewesen, dass er die Jacke anließ. Schließlich hatte ich keine Nasenklammer im Handgepäck und wollte mir meine erste MYOG-Erfahrung für einen besseren Zeitpunkt aufheben!

    Zu meiner Überraschung wurde die Meute, zu der ich mich in Tromsø gesellte, nicht aus dem Flughafen geworfen. In jede Ecke kuschelte sich irgendein Gast, der dazu verdonnert war, hier die Nacht zu verbringen. Unter einer Treppe lag eine größere Gruppe, die es sich neben ihren Ski gemütlich gemacht hatte. Ein Pariser Schlitten lag nahe der Gepäckannahme herum. Wach war kaum jemand. Sogar die Leute, die sich auf den Gepäckbändern ein Plätzchen gesucht haben, schienen Schlaf gefunden zu haben. Obwohl ich eine Matte dabei hatte, brauchte ich sehr lange dafür und wechselte mehrfach mein Plätzchen.




    Von Tromsø aus ging es dann in einem kleinen Flieger in den richtig hohen Norden. In der Maschine hätte man nicht einmal eine Schulklasse unterbringen können. Wir hatten freie Platzwahl. Ich guckte den ganzen Morgen lang aus dem Fenster und verfolgte mit den Augen die Sonne, die schüchtern am Horizont ihre Bahnen zog. Hinter Hammerfest wurde es dann richtig hell und beim Anflug von Berlevåg konnte ich bereits mein Ziel aus der Vogelperspektive betrachten. Die Insel war ein einziges weißes Schild, das sich erhaben aus dem von Eisschollen übersäten Beringmeer hervorhob.




    Die kleine Dash 8-100 erreichte nur geringe Höhe zwischen den Stopps. Unter mir sah ich zwei dicke Wale, die nach Luft schnappten. Wenig später erreichten wir meinen Startort, Vardø. Der Flieger schlitterte über die eisige Landebahn und wir liefen in das kleine Häuschen, in dem auf vielleicht 50m² alles von Check-In bis Gepäckannahme erledigt wurde. Wir bekamen unser Gepäck direkt aus dem Bauch des Flugzeuges gebracht. Als letzte Person verließ ich das Gebäude und verstaute in der kleinen angebauten Laube, die als unbeheizten Verschlag für Raucher diente, mein Gepäck im Rucksack. Draußen wartete die Sonne auf mich. Ich schnallte die Spikes unter meine Stiefel und machte mich auf zum Unterseetunnel, den ich durchqueren musste, um in den Ort zu gelangen. Er war der älteste Tunnel seiner Art in Norwegen und etwa drei Kilometer lang.

    Nachdem ich etwa einen Kilometer über die vereiste Straße schleppte, spannte ich meine orange Daunenjacke auf den Rucksack, um im nasskalten Tunnel gut sichtbar zu sein, und stapfte gemächlich in die Tiefe. Was anfangs noch wenig störend war, wurde mit zunehmender Tiefe immer unangenehmer. Ich erreichte den tiefsten Punkt des Tunnels und begann den Aufstieg.
    Nach einigen Metern hielt neben mir ein alter Geländewagen an. Die alte Frau gestikulierte unmissverständlich und ich verfrachtete meinen Rucksack neben ihrem Hund, bevor ich auf dem Beifahrersitz Platz nahm. Tommen (?) fuhr sprach nur Finnisch und Norwegisch. Sie setzte mich direkt am Dorfladen ab und verabschiedete sich von mir. 

    Da ich keinen brauchbaren Brennstoff im Laden fand, zapfte ich etwa zwei Liter Benzin an der Tankstelle ab und füllte großzügig meine Brennstoffflaschen. Immerhin gab es eine Menge kalorienreiches Futter, mit dem ich meinen Rucksack vollstopfen konnte.




    Ich erkundete etwas den verschneiten Fischerort, besichtigte die Insel mit ihren Sehenswürdigkeiten und näherte mich erneut dem Tunnel. Diesmal durchschritt ich ihn komplett. Nun lag nur noch verschneite Tundra zwischen mir und meinem Ziel! Ich schnallte mir die Schneeschuhe unter die Füße und lief in Richtung meines ersten Wegpunktes. Die Sonne blendete. Alles war weiß, der Himmel war strahlend blau. Eine frische Brise fegte über die verschneite Landschaft. 



    Nach etwa 5km stelle ich mein Zelt auf, als ich das erste Hochplateau erreichte. Die Sonne blinzelte verlegen hinter den Schneefeldern. Ihre Strahlen wärmten kaum noch. So legte ich mich also am frühen Nachmittag hin. Nun konnte ich endlich den Schlaf nachholen, den ich in der vorherigen Nacht vermisste.
    Trotz -10°C schlummerte ich wie ein Baby. Genauer gesagt wurde ich ständig wach und musste immer wieder dem Ruf der Natur folgen. Der Schlafsack war ziemlich warm und ich öffnete ihn ein Stück weit. Beim nächtlichen Blick aus dem Zelt staunte ich nicht schlecht. Grüne Lichter flackerten schwach am Himmel. Leider war die Aurora Borealis wenig fotogen. Trotzdem war das Schauspiel unvergesslich.
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    iggyriggy reagierte auf Mars in Ausflug auf den Westweg im Winter   
    Meine Assets drehen ins Plus, ich habe erst am Montag wieder einen Termin. Die Bahn braucht 3,5 Stunden nach Pforzheim.
    Auch sollte man nicht nur hier in diesem Forum ‘s Maul aufreissen und flapsige Sprüche klopfen, hin und wieder sollten auch echte Trails besucht und diese tatsächlich erwandert werden. Es besteht immerhin eine klitzekleine Chance, den ganzen Trail bis am Montag zu schaffen. 70 km wären dafür am Tag notwendig. Technisch gesehen ist es jedoch Winter. Wie sehr mich der Schnee bremsen wird, werden wir schnell herausfinden. 
    Ich hätte gerne neue Schuhe. In einem Laden werde ich geholfen - ich besuche die örtliche Vivo Barefoot Verkaufsstelle. Der Laden ist sogar parfümiert, die Verkäuferin nett. Sie empfiehlt mir den “Primus Trail Firm”, der “Trail Soft” nutze sich zu schnell ab. Natürlich erst, als ich ihr gesagt hatte, ich suche Trailrunner zum Wandern. Dieser Schuh scheint leider wie Blei im Regal zu liegen, eigentliche Trekking Schuhe in wasserdicht und gefüttert sind hingegen fast ausverkauft. 
    Es gibt Sportgeschäfte, die empfehlen ernsthaft, die Schuhe vor einer Marathondistanz vorsichtig einzutragen. Die Zeit zerrinnt mir zwischen den Fingern, sorry, ich werte halt die ersten 20 km als Eintragen.

    Um sechs Uhr morgens sitze ich im Zug, schüchterne Schweizer Damen fragen, ob dies die zweite Klasse im ICE sei. Sieht halt schöner aus, als in den Schweizer Zügen die Erste. Mit den Beschwerden über die Deutsche Bahn könnte man ein separates Forum füllen, aber ich komme pünktlich in Pforzheim an. 
    In Pforzheim wandere ich durch die Stadt und komme an einem “Platz des 23. Februars” vorbei. 18’000 Tote, die Stadt sieht ziemlich gesichtslos aus, alles ist neuer. Kurzer Blick auf Wikipedia sagt, die Stadt sei eigentlich zu römischen Zeiten gegründet worden, aber im 1945 sei die Innenstadt dem Erdboden gleichgemacht worden. Krieg muss offenbar eine ganz tolle Sache sein. Ich habe die Memoiren von einem gewissen Winston Leonard Spencer-Churchill gelesen, dennoch deprimieren mich Städte wie eben Pforzheim oder Warschau.
    Der Grund, weshalb ich am Montag wieder in meiner Residenzstadt sein muss, ist übrigens pazifistischer Natur. Vor ein paar Jahren haben Freunde und ich die Beschaffung neuer Kampfjets in der Schweiz verhindert. Die tapfere Schweizer Luftwaffe besitzt derzeit keine “Erdkampffähigkeit”, d.h. sie können keinerlei Bomben abwerfen (und dies seit 1994). Sehr zum Bedauern unserer hohen Militärs, die Wiedererlangung dieser Fähigkeit steht hoch oben auf ihrer Wunschliste. Und neue Jets wollen sie auch schon wieder, wir halt nicht. 

    Nachdem ich die Stadt durchquert habe, stehe ich vor dem ersten Tor des Westwegs, der goldenen Pforte. Das Tor hat nur einen kleinen Fehler: Es führt nirgendwo hin, der eigentliche Westweg startet daneben. 
    Der Westweg wurde vom Schwarzwaldverein vor über 100 Jahren eingerichtet, Ortsgruppen unterhalten auch Hütten und ganze Türme entlang dem Weg. Leider hat der Schwarzwaldverein offenbar Angst vor dem Wolf und dadurch ausbleibenden Touristen. Nach meiner streng objektiven Erfahrung erscheinen die Touristen aber nicht trotzt dem Wolf, sondern wegen ihm. Natürlich geht es auch um Viehhaltung, es gibt sogenannte “Grinde”, d.h. beweidete Hochmore, die dauerhaft vor Verwaldung geschützt werden sollen. 
    Der Sturm Sabine hat ganze Arbeit geleistet, der Weg ist mit Tannenästen bedeckt, abgesehen davon aber vorerst nicht spektakulär. Mit herkömmlichen Trailrunnern könnte ich jetzt ziemlich schnell vorwärts gehen, meine Barfussschuhe verlangen aber nach einem wohl überlegten Schreiten. Der Vorderfussbereich ist mindestens so breit wie beim Altra Timp. Der Schuh ist schwerer als der Salomon Sense Ride. Dies liegt wohl vor allem an der Sohle. Die ist zwar dünn, hat aber etwas von einem Gummistiefel. Die Sohle ist auch superflexibel, man spürt jedes noch so kleines Ästchen auf dem Weg. 

    Immerhin ist die Innensohle perforiert.
    Legendäre Ultraleicht-Experten wie der Herr Stromfahrer empfehlen solche Innensohlen für einen schnellen Feuchtigkeitsabtransport, man steht so weniger im Wasser, falls der Schuh nass geworden sein sollte. Herr Stromfahrer nutzt derartige Sohlen eines Drittanbieters, es ist natürlich praktischer, wenn diese bereits mit den Schuhen geliefert werden. Ich trage darn tough Wollsocken, habe aber zwei Paar Sealskinz im Rucksack. 
    Meine Zeltstangen habe ich in einem Leki Beutel getarnt, leider verrät eine dicke Rolle mit der Matte meine wahren Absichten. Ausserdem trage ich engere Hosen. Diese sind mit Gore Windstopper ausgestattet und für kühleres Wetter ideal.
    Es dauert nicht lange und ein älterer Herr spricht mich an: “Sie wollen aber nicht nach Basel?”. Ich antworte “Doch”. “Haben sie ausklappbare Skier dabei für den Schnee?”. Nun ja, mit dem Winter ist es eben so eine Sache. Ich bin in der Lage, auf Webcams die Schneehöhe einzuschätzen. Angeblich war der Januar der wärmste seit Messbeginn. Die Temperaturen sprechen nicht für sehr viel Schnee, eher für viel Wasser infolge des Tauens des Schnees.

    Das Wetter ist nicht sehr angenehm, es regnet eigentlich immer. Ein offenes Dach bietet sich als Rastplatz an, es gibt sogar eine kleine Bibliothek darunter. Bald bedeckt eine dünne Schneeschicht den Weg. Ich treffe einen Mann, der fröhlich vor sich hin plaudert, er habe jetzt seine Scheune kontrollieren müssen, sein Schwager sei gerade in Australien, er sei auch bei der Feuerwehr, der Sturm und so weiter.
    An einem weiteren Rastplatz erklärt er mir, es sei geplant das Dach dieses Rastplatzes als Dach eines noch zu erstellenden Turmes zu verwenden. Es muss ein massiver Turm werden, das Dach ist riesig. In der Schweiz haben wir zwar keine so monströsen Dächer auf den Aussichtstürmen, dafür stehen diese halt seit Jahr und Tag. Besser den Spatz im Teller als den Schwan auf Grundeis oder so ähnlich.

    Das Wetter wird nicht besser, es zieht ungemein und es schneit.
    Durch die malerische Ortschaft Dobel hindurch erreiche ich wieder den Wald. Zur allgemeinen Erheiterung beginnt es zu hageln. Meine Hosen werden nass. Normalerweise trocknen sie nach einem Schauer schnell wieder, der Wind bläst jedoch den Regen dagegen. Es stürmt. Ein kleiner Aussichtspavilon kommt nun wie gerufen - es ist die Weithäuslehütte. Ich rüste auf mit Regenhosen und Sealskinzsocken. Von Aussicht kann keine Rede sein. Kaum laufe ich wieder los, geschieht ein kleines Wunder - es klart auf. 
    Meine Handschuhe sind nass. Um ein Haar wäre dies problematisch geworden. Zwar wärmen sie auch in nassem Zustand, aber ich muss sie regelmässig auswringen. Wasserdichte Handschuhe stehen zuoberst auf meiner persönlichen Wunschliste, jedoch aus ästhetischen Gründen keine Bauhandschuhe, wie sie von Herr Skurka vorgeschlagen und von Frau Dixie bereits erfolgreich getestet wurden.
    Schliesslich gehe ich weiter bis nach Kaltenbronn. Gaia GPS sagt, es seien 50 km, dies kann jedoch gar nicht sein. Gaia oder mein iPhone haben grosse Probleme, die Position zu bestimmen. In Kaltenbronn hüpft die Position wild umher und sammelt virtuelle Kilometer. Bis nach Forbach wären es 48 km, jedoch müsste dazu noch ein Hügel mehr überquert werden. Nächstes Mal nehme ich wieder den Garmin Mini mit, der sieht ohnehin richtig abenteuertriefend aus und darauf kommts ja wohl an. Er zeigt aber auch die gelaufenen Km oder Meilen vernünftig an.  
    Das Hotel Saarbacher ist ein gemütliches Haus. Am Nachbartisch geht es hoch zu, Einheimische haben sich zum Dorfklatsch zusammengefunden. Der Mitarbeiter der örtlichen Sparkasse war schon zum zweiten Mal im Vaterschaftsurlaub. Ich kann mir ein Grinsen nicht verkneifen. “Das verstehen wir hier nicht” sagt eine Dame in meine Richtung. In der Schweiz haben Rechtskonservative das Referendum gegen die Gesetzesvorlage ergriffen, irgendwann wird es eine Volksabstimmung dazu geben.
    Dann ist Vodafone an der Reihe. Die wollen offenbar 680’000 Euro, um Kaltenbronn mit Glasfaser zu versorgen. Dann die Scheiss-EU, die Idee der Bonpflicht käme von dort. Es gibt wenig gefreutes, sie lassen sich auch über die Gäste des Hotels aus, was ich jedoch gut nachvollziehen kann.
    An den Wänden hängen kapitale Hirschgeweihe. Ein Förster erklärt, weshalb umgefallene Tannen mühsam von Hand gesägt werden müssen und diese nicht einfach mit dem Vollernter zusammengepackt werden können. Der Dreck verschleisse die Ketten. Diese würden nur noch dreimal neu geschliffen, dann wandern sie auf den Müll. Eine neue Kette koste 16 Euro, früher waren die teurer. 
    Die Ausstattung des Zimmers ist schon älter, ich mag es so aber viel besser, als wenn Hotels mit Ikea-Möbel ausgestattet werden, die mitten in der ersten Saison entsorgt werden müssen. Es ist unglaublich, an was man nach einem Tag im Regen alles denken muss: Sämtliche Kleider müssen irgendwo aufgehängt werden, in einem Hotel muss man jeweils alles elektronische laden. Am nächsten Tag sollte man fairerweise das Zimmer in einem akzeptablen Zustand hinterlassen usw.

    Am nächsten Tag geht es zunächst nach Forbach. Der Wald von Kaltenbronn nach Forbach ist wilder und alpiner als der bisherige. Der Wald hier ist wirklich sehr schön, ungefähr wie der Stazerwald in St. Moritz, nur viel weitläufiger. 
    Bald komme ich an einem massiven Turm vorbei. In der Hütte darunter sind Menschen. Sie sind mit dem Wagen hier hoch gefahren. Vielleicht handelt es sich um Mitglieder dieses Forums, welche die neusten Unterdruck-Schlafsäcke getestet haben, in dem Fall vielen Dank.

    Umgestürzter Hochsitz, wohl aufgrund einer Kommandoaktion der Hirschianischen Selbstverteidigungsarmee.
    Nach Forbach geht es ein wenig weit hinunter, dies hat den Nachteil, dass es auf der anderen Seite eben wieder hochgeht, ca. 700 Meter. Forbach ist die grösste Waldgemeinde der Region und ausserdem gibt es eine Holzbrücke, die im 1954 originalgetreu nach einem Bau aus dem 17. Jahrhundert neu errichtet wurde. 
    Nach Forbach steigt der Weg die ganze Zeit, bis zur badischen Höhe hinauf.

    Ungefähr der John Muir des Westwegs. 
    Der Weg ist schneebedeckt, hier hat es nun so viel Schnee, dass die Steine darunter nicht mehr sichtbar sind und unter dem Schnee hat es oftmals Pfützen. Schön ist anders, aber was will man machen. Ich wandere eigentlich den ganzen Tag im Schnee.

    Die Strassen sind nun durch umgeknickte Bäume gesperrt, kurz nach der Talsperre hat sich ein Telefonkabel gelöst. Der Weg ist bisweilen sehr steinig, mein Ziel von 70 km kann ich vergessen. Wer schwache Bänder hat, benötigt hier massive Stabilitätsschuhe, sonst ist schnell Schluss mit lustig. Hin und wieder gibt es einige Abschnitte auf Naturstrassen. Ich komme in Sand vorbei, das Naturfreundehaus zuvor hat geschlossen. 
    Im Restaurant Sand bestelle ich mir ein fettes Schnitzel und ein Paulaner. Am Nebentisch eine Geburtstagsgesellschaft, alle deutlich angeheitert, sie saufen wie die Löcher. Ein Mann spricht mich an, woher ich komme, wohin ich gehe. Ich erkläre ihnen, ich könne überall übernachten, nur nicht auf Schnee. Wiederholt werde ich eingeladen, mit ihnen zu kommen, sie hätten eine Hütte in der Nähe, zu trinken gäbe es auch.
    Ein Mann steht auf und unterhält sich mit mir, es gäbe Wölfe hier, sein Schwager habe vor zwei Wochen einen Wolf mit fünf Welpen gesehen. Komisch, denke ich, andere sehen weisse Elefanten, wenn sie hinreichend getrunken haben. Erst vor ein paar Wochen hätten sie zwei Wanderer gefunden, die wohl im letzten Jahr erfroren sein müssen. Luchse habe er auch schon gesehen und gerade eben habe er den Auerhahn rufen gehört.
    Auch erzählt er wilde Dinge von der Bergwacht. “Wie entspannt muss man wohl sein, um aus der Schweiz in den Schwarzwald zu reisen und alleine so weit zu wandern” entfährt es einem andern. Immer wieder weisen sie auf die bald einbrechende Dunkelheit hin. Danke, aber es wurde auch gestern schon Dunkel, sehr wahrscheinlich auch morgen wieder. 
    Sorry liebe Leute, aber saufen kann ich auch zu Hause ausreichend, mein Mitbewohner hat immer ein paar edle Tropfen an Lager. Einer der munteren Truppe sagt tatsächlich immer wieder “Deutschland erwache” und er versucht, dies möglichst eindeutig zu betonen. Na dann Prost, es ist immer wieder schön zu sehen, was reichlich Alkohol mit erwachsenen Männern anstellt. Das mit dem Erwachen würde ich mir ernsthaft überlegen, am besten in nüchternem Zustand. In Pforzheim hat das letzte Erwachen gemäss Wikipedia den Tod von 31.4 % der Stadt-Bevölkerung herbeigeführt. Ein solches Erwachen mag ich niemandem wünschen. 

    Hier wäre eine sanfte Pinselrenovation nötig - wahrscheinlich geschlossenes Hotel in Sand. 
    Für mich geht es jetzt weiter auf die Hornisgrinde. Bis 1999 Sperrgebiet der französischen Luftwaffe, die Deutschen durften den Standort aber später im Rahmen der NATO mitnutzen. Die Windmühlen kann ich nur erahnen, ebenso den Mummelsee. Ein schickes Hotel haben die dort, ich muss aber weiter. Die Darmstädter Hütte hat abends um halb Elf schon zu, ich bin jedoch bald wieder im Nationalpark. In Ruhestein sind die Strassen spiegelglatt gefroren. Der weitere Weg ist nichts für schwache Nerven. Er besteht zu dieser Jahreszeit vor allem aus Tümpeln und umgeknickten Tannen.
    Mein Ziel ist ein Ort, der Ettlinger Hütte heisst. Vielleicht ist es wegen der Nacht, aber ich finde nur einen Wegweiser. Die Hütte gibt es zwar, sie liegt aber tief im Wald, wie mir Google Maps nachträglich sagt. Und dann wäre nicht mal sicher, dass die Hütte offen gewesen wäre.
    Gaia GPS meldet einen kleinen Holzverhau bei einer weiteren Hütte, schaue ich mir mal an. Leider ist er so klein, dass ich darin keinen Platz hätte. Ausserdem müsste ich das Holz umschichten, wozu ich nun wirklich keine Lust habe. 

    Aus legalen Erwägungen muss dieser Bericht nun ein wenig unklar werden.
    Kurz nach Forbach hatte ich eine ideale Hütte gesehen: Zweistöckig, das Schlafquartier oben und winddicht. Natürlich schwebt mir eine solche Hütte auch jetzt vor. Die Nacht ist kalt, mein Schlafsack wird für Temperaturen bis +5 Grad empfohlen. Am nächsten Morgen sehe ich auch eine kleine Plakette, Lagern und Übernachten eher nicht erwünscht.
    Dumm gelaufen. Der ökologische Mehrwert eines Kiesbodens in einer Hütte ist aber bestimmt nicht der Grund für das Bestehen eines Nationalparks. Der Park wurde im 2014 gegründet und erfreut sich mässiger Unterstützung durch die Bewohnenden der umliegenden Dörfer. Es ist wohl vor allem eine Marketing-Frage. Zum Wald Sorge getragen wurde schon vorher.  
    Ich stellte mein Zelt in einer Hütte auf. Niemand stört mich und ich bin sicher, dass ich niemand gestört habe. Weder schlurft ein missmutiger Hirsch vorbei, noch werde ich von aggressiven Auerhähnen aus dem Schlaf gerissen. Von der Kälte hingegen schon. Ich weiss, dass meine Ausrüstung nicht ideal ist. Vorsichtshalber habe ich viele Kleider dabei. Eine ausreichend dicke Matte wäre auch kein Blödsinn, meine vier mm dicke Schaumstoffmatte hält die Kälte nur dann ab, wenn ich sie vierfach zusammenfalte. Dann ist sie jedoch zu kurz. Ich bin zu faul, um aus dem Zelt zu steigen, meinen Rucksack zu leeren und ihn unter die Füsse zu klemmen. Immerhin habe ich am zweiten Tag 67 km zurückgelegt, fast ausnahmslos im Schnee und mit doch eher speziellen Schuhen.

    Sie bieten endlosen Grip, aber auf Natur- und festen Strassen muss man wirklich aufpassen. Sonst knallen die Schuhe auf dem Asphalt. Mit bequemem Rollen ist da nix, die Schuhe verhalten sich wie ein Brett. Ich habe keine Ahnung, wie sich das auf meine Knie auswirken wird - ich muss meine gesamte Lauftechnik umstellen. Meine Füsse reagieren und schwellen ziemlich an. Aber es ist gerade das Ziel dieser Schuhe, den gesamten Fuss zu aktivieren und nichts wegzudämpfen. Auf lange Sicht sollte sich das lohnen. Durch das endlose Wasser werden meine Füsse trotz Sealskinz Socken nass und dadurch folgen Blasen.  
    Das Schnürsystem der Schuhe ist wenig durchdacht. Die harten Schnürsenkel drücken auf mein Rist. Wenigstens rutsche ich in den Schuhen nicht umher, sonst wäre bald Feierabend gewesen. Das Gehen mit diesen Schuhen ist einfach anders als alles bisherige.

    Glücklicherweise gab es einen Weg weiter unten. 
    Dass Schnee liegt, ist Fluch und Segen zugleich. Natürlich rutscht man im Schnee, aber er dämpft eben auch. Dies hat wahrscheinlich meine Wanderung gerettet. Dennoch breche ich am folgenden Tag ab: Es ist zu viel Wasser in den Wegen und ich ertappe mich dabei, wie ich neben dem Weg gehe. Dies sollte man tunlichst vermeiden.
    Gerne lasse ich auch den Forstbetrieben den Vortritt, damit diese die umgestürzten Tannen beseitigen können. Ich werde bald zur Alexanderschanze zurückkehren und den Rest des Weges in Angriff nehmen. Von der Alexanderschanze gehe ich nach Freudenstadt.  
    Insgesamt hat mir der Schwarzwald sehr gut gefallen. Die Leute waren nett, die Landschaft ist grandios. Die Aussicht war wetterbedingt alles andere als grossartig, aber ich konnte die Vogesen ein paar Male sehen.

    Vom Schliffkopf aus sieht man gar unsere schönen Schweizer Alpen.
    Vom Jura aus sieht man immer wieder in den Schwarzwald und ich fragte mich seit ca. 30 Jahren wie es dort wohl aussehen würde. Nun habe ich einen ersten Eindruck davon. 
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    iggyriggy reagierte auf Donau in Buch Empfelung   
    Die Weisheit der Wildnis
    https://www.buecher.de/shop/buecher/die-weisheit-der-wildnis/coleman-mark/products_products/detail/prod_id/36793022/
    weil: Natur unterwegs und Meditation zwei Bereiche sind die mir entsprechen
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    iggyriggy hat eine Reaktion von einar46 erhalten in TEAR me up, baby!   
    Ja, ich komm auch mit. Wann dann? Ich schlagge 2021 vor,dieses Jahr schon zuviel unterwegs, aber es soll ein Thru werden,gell!
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    iggyriggy hat eine Reaktion von roli erhalten in TEAR me up, baby!   
    Ja, ich komm auch mit. Wann dann? Ich schlagge 2021 vor,dieses Jahr schon zuviel unterwegs, aber es soll ein Thru werden,gell!
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    iggyriggy hat eine Reaktion von zeank erhalten in TEAR me up, baby!   
    Ja, ich komm auch mit. Wann dann? Ich schlagge 2021 vor,dieses Jahr schon zuviel unterwegs, aber es soll ein Thru werden,gell!
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    iggyriggy reagierte auf Schwefelfell in [Suche] Papierkarte West Highland Way + Info´s   
    Scheint es zu geben, es gibt den Gepäcktransport jedenfalls andersrum und der Reiseführer erwähnt die Möglichkeit am Rande.
    Du hast halt die Sonne immer im Gesicht und im März steht die noch tief. (Bzw. wenn du Glück hast sogar ohne lachenden Smiley.)
    Die Strecke von Milngavie bis Balmaha soll relativ flach und mäßig abwechslungsreich sein. Daher wird die eher zum "Einwandern" genutzt und in die Highlands hineingelaufen, sodass der Abschluss schön ist. Habe ich gelesen.
    Hast du einen Reiseführer? Ich habe mir den von Hartmut Engel, Schottland: West Highland Way gekauft, da steht viel Wissenswertes drin, Höhenprofile und Strecken. Was natürlich nicht drinsteht ist, wo man gut wild zelten kann und wie man die Strecke im März am besten läuft.
    Wettertechnisch kann dich halt viel erwarten.
    Hier gibt es eine gute Seite. Du kannst nicht nur Durchschnittswerte anschauen, sondern auch wie viele Tage mit Frost es z.B. gab. (Frost wird 2 m über dem Boden gemessen, Bodenfrost gibt es also noch häufiger...)
    https://www.meteoblue.com/de/wetter/historyclimate/climatemodelled/fort-william_vereinigtes-königreich_2649169
    Aber natürlich sind das Mittelwerte und es kann auch anders aussehen.
     
    LG Schwefelfell
  8. Witzig!
    iggyriggy hat eine Reaktion von Heino erhalten in PCT 2020   
    https://www.halfwayanywhere.com/trails/pacific-crest-trail/pct-thru-hiker-survey-2019/
    Viel spass
     
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    iggyriggy reagierte auf cico in mal wieder eine Zeltfrage   
    Bei der Zeltfrage ist deine Körpergröße und auch deine bevorzugte Mattenhöhe wichtig.
    Das Lunar Solo Der Link führt zu meinem beendeten Gebot. hatte ich in der 2018er Version aus Silpoly mit dem Schnitt für Silnylon. Inzwischen wurde der Schnitt laut der Beschreibung bei TLS angepasst und der Preis um ca. 15€ erhöht. Als ich es gekauft habe, waren 235€ normal, inzwischen kostet es 250€. Das Raumgefühl war bei einem perfekten Aufbau in Ordnung, bis ich das Zelt in der nicht perfekten Natur einigermaßen aufgebaut hatte, verging für meinen Geschmack zu viel Zeit. Beim Lunar Solo (wenn du die Suchfunktion nutzt, auch nach "Luna Solo" suchen) ist die Verarbeitung eher als einfach zu beschreiben. Kontakt mit dem Fly waren in der Praxis eher die Regel aus die Ausnahme, ich lag aber auch auf einer glatten TAR xLite. Ich bin froh, dass ich keinen Sturm im Lunar erlebt habe, dann hätte die Liegelänge für mich definitiv nicht mehr gereicht.
    Zu den 810g ( Skyscape Trekker) bzw. 700g (Lunar Solo) kommen noch 6 Heringe dazu, bei mir wären das MSR Groundhogs mit einem Gewicht von 6x14,8g =88,8g. Ich behaupte, dass du die ca. 260-280€ (250€ für ein Lunar Solo / 270€ für ein  Skyscape Trekker + 10 € für SilNet) für ca. 120-220g besser in andere Gegenstände investierst, vor allem, wenn du mit deinem Zelt, welches für mich ein akzeptables Gewicht hat, zufrieden bist.  Wenn du ansonsten schon gute und leichte Ausrüstung hast, kannst du das Geld natürlich auch in Urlaub o.ä. investieren
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    iggyriggy reagierte auf Wallfahrer in Finden Kids UL Trekking cool?   
    Hallo
    ....wenn ich von mir ausgehe....habe ich es immer gehasst mit meinen Eltern Wandern zu fahren....
    Immer wenn Ferien waren ging es in eine Jugendherberge....dort kam die "Sportgruppe" zusammen... alles alte Leute...also so alt wie meine Eltern... und dann ging es durch den Wald.......
    Ich musste also als Jugendlicher im Sommer Zelten , im Herbst und Frühjahr Wandern und im Winter Ski fahren ....und ich habe es gehasst
    ich wollte mit meinen  Klassenkameraden(Kumpel) eigentlich  irgendwo abhängen....
    Wenn ich dass jetzt mit knapp 60 betrachte hatte ich im Gegensatz zu anderen, eine wunderbare Jugend....
     
    Wallfahrer
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    iggyriggy reagierte auf Roiber in Durchquerung Finnmark Februar/März '20   
    Es könnte interessant für Dich sein, Dir @mawis Reisebericht Grüße aus der Schneehöhle! 2 Wochen Sarek im März (2018) sowie den vorhergehenden umfangreichen Vorbereitungsthread durchzulesen: klick.
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    iggyriggy reagierte auf moritz in Durchquerung Finnmark Februar/März '20   
    Vorweg: ich habe selber auch noch keine mehrtägige Wintertourerfahrung in Nordskandinavien, aber habe mich eingehend damit beschäftigt und durfte lang genug in der Ecke leben, um zu wissen, wie der Winter in Nordnorwegen aussehen kann. Deshalb mach' mit meinen Anmerkungen was Du willst, aber wenn Du die Tour durchziehst würden wir uns sicher alle über einen Bericht freuen 
    Den Schlafsack nicht trocken zu halten können, wird bei mehreren Tagen schnell gefährlich; erst recht wenn es kein Backup durch Hütten o.ä. gibt. Und bei -6 Grad kam der nasse Schlafsack bestimmt nicht mehr durch ein undichtes Zelt, sondern durch Kondenswasser. Und verlass', Dich nicht zu sehr auf die Straße als Notausstieg - denn ein Notausstieg geschieht selten bei Prachtwetter und guten Bedingungen, sondern meistens dann wenn es richtig ungemütlich wird und keine Sau auf den Straßen unterwegs ist, wenn diese nicht ohnehin gesperrt sind oder nur Kolonnekjøring angesagt ist
    Das Problem wird zudem nicht sein, in Bewegung warm zu bleiben - auch bei knackigen Minusgraden wird einem dabei recht schnell warm. Erst recht mit Schneeschuhen (die Finnmark ist jetzt zwar nicht für ihren Schneereichtum bekannt, aber wenn Du Strecke machen willst, wären Ski dennoch die gängigere Wahl). Das Ziel sollte eher sein, bei Bewegung übermäßiges Schwitzen zu minimieren, weil Du sonst in Pausen und am Abend zu schnell auskühlst und die nassgeschwitzten Sachen zum Brett frieren. Was die Temperaturen angeht, kuck' mal z.B. hier: Letztes Jahr im März eine Durchschnittstemperatur von -10 Grad - allerdings auch bei einer Spanne von +5 bis -35 Grad.
    Ich kann Deinen Wunsch sehr gut nachvollziehen, aber vielleicht wäre ja für die erste Wintertour etwas "gemäßigteres" in den Skanden doch genau das Richtige - ja, da werden womöglich mehr Menschen unterwegs sein als in der Finnmark, aber es muss ja auch nicht die letzte Wintertour bleiben.
    EDIT: Hier habe ich noch einen Tourenbericht von Februar/März letzten Jahres gefunden; vielleicht hilft das ja etwas weiter.
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    iggyriggy reagierte auf Maarten in PCT SOBO 2018 - Meine Erfahrungen/Tipps   
    Kurz zur Vorstellung: Ich bin 2018 den PCT SOBO gewandert und bin am 7.Juli gestartet und habe meine Wanderung am 18ten November am südlichen Terminus des PCT beendet. Ich hatte keine Wandererfahrung und habe den Trail direkt nach meinem Abitur im Alter von 19 Jahren gestartet. Vorab: Ich schreibe hier über meine Erfahrungen. Das heißt nicht, dass sie für euch gleich sein werden. Jede Wanderung ist unterschiedlich.
    SOBO Vor-/Nachteile
    Die Vorteile eines SOBO Hikes im Gegensatz eines NOBO Hikes liegen für mich nun klar auf der Hand. Vor meiner Wanderung habe ich stark an meinem SOBO attempt gezweifelt, da NOBO einfach um einiges populärer ist. Diesen Punkt kann ich jetzt absolut nicht mehr verstehen.
    Vorteile
    Das Wetter. Ich habe 2 Tage wirklichen Regen gehabt und der Rest lässt sich auf 10 Minuten Nieselregen oder extreme Luftfeuchtigkeit begrenzen, die ab und zu sogar wilkommenen waren. Während man als NOBO Hiker Washington so gegen Ende August/September antrifft, wandert man Washington als SOBO im Juli/Anfang August. Daraus folgt, dass die Chancen auf gutes Wetter um einiges höher sind und man die Aussichten vollends genießen kann aufgrund des klaren Himmels. Dagegen stehen für NOBOs jeden 2ten Tag Regen, bewölkter Himmel und falls man wirklich Pech hat, Schnee an der Tagesordnung. Desweiteren ist Südkalifornien bereits ein wenig abgekühlt, wenn ihr es im Oktober/November durchquert. Das Permit. Ein SOBO-Permit für den PCT ist einfach um einiges einfacher zu bekommen als ein NOBO permit. Ich habe mein Permit gegen Ende des Januars beantragt und hatte freie Wahl an welchem Tag ich starten möchte. Weniger Menschen. Ich habe dieses Jahr wohl ein hoch-frequentiertes SOBO Jahr erwischt und ich war volkommen zufrieden. Man traf eine angenehme Zahl von Menschen in Trailtowns, die nicht volkommen überlaufen waren. Man hatte die Möglichkeit alleine zu wandern, aber es war auch durchaus möglich in einer Gruppe zu wandern, wie ich es auf der 2ten hälfte des Trails getan habe. Außerdem kommt es mir so vor als wären die Bindungen zu den Trail Bekanntschaften enger, da es eben nicht so viele Wanderer gibt und man sich besser kennen lernt. Ein weiterer Vorteil ist, dass man sich so gut wie immer seine Camping Plätze aussuchen kann, außer wenn man die NOBO Bubble in Oregon passiert. Mücken. In Washington kann man als SOBO schon ganz schöne Probleme bekommen, aber meiner Meinung nach kann man das einfach nicht damit vergleichen, was NOBOs durchmachen müssen. Oregon kann zur Qual werden und vorallendingen in den Sierras scheint es wohl eine Menge Mücken gegeben zu haben. Ich war allerdings auch etwas spät dran als SOBO und könnte somit immer genau nach der Mücken-Saison besagte Gebiete durchquert haben. The Sierras. Die Sierras scheinen um einiges entspannter zu sein als SOBO. Ich hatte eine "Flussdurchquerung" (Das Wasser reichte mir bis zu den Fußknöcheln....), während NOBOs sich in acht nehmen müssen, da manche Überquerungen nicht ohne gewesen zu scheinen. Desweiteren hatte ich absolut keinen Schnee in den Sierras. Einzig und allein auf Glen Pass hatte ich etwas Eis. Das könnte aber auch wieder an meinem späten Timing liegen. Nachteile
    Einen engeren Zeitplan. Als NOBO sollte man seine Wanderung spätestens gegen Anfang Oktober beenden, allerdings fängt ein NOBO im Optimalfall auch bereits im April seine Wanderung an. Ein SOBO hingegen kann erst in der Cascade Range Washingtons beginnen sobald der Schnee geschmolzen ist, was in der Regel anfang Juli der Fall ist. Gleichzeitig sollte man Forester Pass (Der höchste Punkt des PCTs) vor dem 1.Oktober passieren. Das erfordert, dass man von Anfang an fit ist. Man hat weniger Zeit die Meilen progessiv aufzubauen wie es ein NOBO tuen kann. Ohne Zeroes müsstet ihr mit dem Startdatum des ersten Juli ungefähr 21 Meilen pro Tag laufen, was nicht zu unterschätzen ist. Weniger Trail Magic. Für mich persönlich war das kein Problem, aber man erfährt aufgrund der geringeren Popularität einer SOBO Wanderung weniger Trail Magic. Ich habe aber in Trailtowns soviel Hilfe bekommen und es scheint mir auch so als ob man mehr mit Locals in Kontakt kommt, da anstelle von 40 NOBOs nur 5 SOBOs in der Stadt sind. Conclusio: Die Vorteile wiegen meiner Meinung nach deutlich schwerer als die Nachteile. Letztenendes habe ich Forester Pass erst am 18.Oktober passiert und habe es trotzdem geschafft. Da war allerdings eine Menge Portion Glück bei und das heißt nicht, dass es bei euch funktioniert. Es war schon ziemlich kalt und ich habe einen Sturm miterlebt.
    Zum nördlichen Terminus gelangen
    Es ist als SOBO um einiges schwerer zum Startpunkt des Trails zu gelangen, als es das als NOBO ist. Ihr werdet am Harts pass starten müssen und von dort aus 30 Meilen Richtung Norden laufen um an den nördlichen Terminus zu gelangen. Dann fangt ihr eure SOBO Wanderung sozusagen "richtig" an. Ich würde es jederzeit wieder zu machen und empfehle nicht diese Meilen zu skippen. Einerseits machen 30 Meilen bei 2650 Meilen auch nicht mehr viel aus, andererseits bestärkt man dadurch das Gefühl, dass man tatsächlich den ganzen Trail gewandert ist und nichts geskippt hat. Es gestaltet sich schwierig mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Harts Pass zu kommen, aber ich habe Leute getroffen, die es gemacht haben. Das funktioniert allerdings nicht ohne Trampen. Ich bin der PCT SOBO 2018 Facebook Gruppe beigetreten und hatte mir extra dafür einen Facebook Account erstellt. Ich habe Ausschau nach Fahrten zu Harts Pass gehalten und habe dann auch Trail Angel gefunden, die mich zum Harts Pass mit anderen gebracht haben. Achja, warum könnt ihr nicht einfach an der amerikanisch/kanadischen Grenze starten? Es ist illegal die Grenze auf diesem Wege zu passieren.
    Resupply
    Auch der Resupply gestaltet sich anfänglich etwas schwieriger im Gegensatz zu einer NOBO Wanderung. Washington ist nicht stark besiedelt und sehr entlegen. Ich habe von Seattle aus Boxen nach Stehekin, Skykomisch, Snoqualmie Pass, White Pass Kracker Barrel und Trout Lake gesendet. Das ist am Anfang erstmal ein ganz schöner Aufwand, aber ich würde immer noch sagen, dass es für diese Trail towns leider nötig war. Die Preise waren entweder exorbitant hoch oder die Auswahl ließ zu wünschen übrig oder beides. Die Einkaufsläden ähnelten Tankstellen, die aber durchaus auf Wanderer eingestellt waren. Meiner Meinung nach kauft man sich vorallendingen in Washington durch die Boxen erstmal Zeit. Es wäre vielleicht möglich ohne die Boxen, aber ihr müsstet zu einer weiter entfernten Stadt hitchen usw...
    Als ich dann die Washinton/Oregon Grenze erreicht habe, habe ich aus Cascade Locks Boxen nach Oregon gesendet. Alternativ könntet ihr aus Portland Boxen senden, was aber weiter weg liegt als Cascade Locks. Ich habe Boxen zu Big Lake Youth Camp, Shelter Cove und Crater Lake National Park gesendet und würde es wieder so machen. Nach Oregon habe ich Boxen zu Nordkalifornien versandt. Das würde ich auf keinen Fall wieder tuen. Meiner Meinung nach kommt ihr in Kalifornien komplett ohne Boxen aus.
    Seid euch im klaren was ihr gerne esst, sodass ihr euch auf euer Paket freuty, bringt Abwechslung rein und weniger ist mehr...
    Ich belasse es einfach mal hierbei, damit das ganze nicht zu lang wird. Bei Fragen einfach nachfragen.
    Meine Gear Liste
    Für Fotos einfach mal auf meinem Instagram-Account vorbeischauen, ihr dürftet auch keinen Account brauchen.
  14. Danke!
    iggyriggy reagierte auf hrXXLight in HUCKEPACKS IST ONLINE .......YEEEES   
    Von mir auch die allerbesten Weihnachtswünsche.
    So gut , dass du den langen harten weg geschafft hast und mit neuer Energie und Ideen zurück bist.
    Auf ein erfolgreicher Jahr 2020.
    PS
    Neben den schönen Packs im Shop gibt es noch allerhand cooles Zeug.
    Mateusz hat nämlich exklusiv die Bushbuddys. Einen der besten Kocher.
  15. Danke!
    iggyriggy reagierte auf HUCKEPACKS in HUCKEPACKS IST ONLINE .......YEEEES   
    Liebe Freunde und ultraleicht Enthusiasten,
    Wir bedanken uns für Euer Interesse, Eure Unterstützung und für Euer Vertrauen, welches Ihr unserer Manufaktur im letzten Jahr entgegengebracht habt.
    Wir wünschen Euch ein gesegnetes Fest, einen guten Rutsch und ein erfolgreiches und schönes neues Jahr mit vielen tollen Reisen!
    Mit den besten Grüßen,
    Mateusz und das HUCKEPACKS Team
     
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    iggyriggy reagierte auf berghutze in Packliste: Weltreise - 1 Jahr   
    Ich kann vor allem zu Südamerika was beitragen:
    Ob Du eine wärmere Jacke brauchst, hängt vor allem davon ab, was Du machen möchtest. In Südamerika kann man relativ hoch hinaus und so ab 4.000 m kann es ziemlich frisch werden (und Heizungen werden dort auch heute noch nicht Standard sein). Wenn Du also z.B. in den Salar de Uyuni möchtest oder von Huaráz aus zum Trekking würde ich eine Daunenjacke (oder Synthetikjacke, jedenfalls noch eine Isolationsschicht) einpacken.
      Auf die ganze Region gesehen ist Südamerika kein Outdoor-Shopping-Paradies. In La Paz gibt es aber einige Outdoor-Läden, die gefälschte Sachen verkaufen, die zum Teil ganz ordentliche Qualität haben. In Huaráz findet sich bestimmt auch was und da die Argentinier alle selbst wahnsinnig viel zelten, müsste es dort eigentlich auch Läden geben (Doite ist dort sehr angesagt - das ist, glaube ich, eine chilenische Marke). Dort könnte man also - vor allem, wenn es Dich erst nach Südostasien verschlägt - auch noch Sachen kaufen.
      Falls es Dich Richtung Patagonien zieht aber unbedingt alles vorher kaufen - dort ist es ziemlich teuer.
      3 T-Shirts und 2 Longsleeves brauchst Du jedenfalls für Südamerika nicht, 2 T-Shirts und 1 Longsleeve reichen. Wenn Du in der Zivilisation bist, kannst Du im Hostel eigentlich immer Sachen zum Waschen geben und wenn Du nicht in der Zivilisation bist, ist es gerade egal.
      Statt oder als Alltagsschuhe würde ich ein paar Flipflops mitnehmen. Südamerika kann auch ziemlich warm sein... Zum Duschen in Hostels finde ich Flipflops auch keinen Fehler.
      Tagesrucksack: https://www.decathlon.de/p/rucksack-travel-ultrakompakt-10-liter/_/R-p-123342?mc=8492587&c=BRAUN_BORDEAUX
      Grundsätzlich müsstest Du Dir halt vorher sehr genau überlegen, wie groß der Trekking-Anteil an Deiner Reise sein soll und wie sehr es Dich stressen würde, erst noch (fremde und qualitativ vielleicht nicht so hochwertige) Ausrüstung zu besorgen/auszuleihen. 1 Jahr lang Trekkingstöcke mit mir rumzuschleppen, stelle ich mir aber auch einigermaßen nervig vor. Daher wäre es aus meiner Sicht eine Überlegung wert, insofern einen UL-Ansatz zu wählen, als Du versuchen könntest, mit einem 30-35 l Rucksack, den Du als Handgepäck mit ins Flugzeug/den Bus nehmen kannst, loszuziehen und Trekking-Ausrüstung dann immer vor Ort auszuleihen.
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    iggyriggy reagierte auf JynSM in Garmin inReach Explorer+ Alternative   
    Also ich habe den explorer+ und bin happy mit der Navigation. Wer in Berlin lebt und das Gerät gerne mal ausprobieren möchte, schreibe mir einfach eine PM, dann ist das kein Problem- aktiviert ist er in 2 Min und ich brauche ihn nicht vor meiner nächsten Tour im Februar.
    Alles Gute Jyn 
  18. Danke!
    iggyriggy reagierte auf Genuss in Frohe Weihnachten!   
    Genüssliche Weihnachten 2019!
  19. Gefällt mir!
    iggyriggy reagierte auf SouthWest in Welche Mittel helfen wandernden Veganern gegen Nährstoffmangel? Habt ihr Erfahrungen mit Mischungen?   
    OT:
    Das ist doch aber total normal! Jemand setzt sich intensiv mit einem Thema auseinander, dann hat er halt auch was zu erzählen.
    Jemand der sich nicht mit Ernährung beschäftigt und einfach alles in sich hineinstopft wundert sich dann vielleicht oder ist gleich genervt.
    Wenn man ein Argument für eine bestimmte Sache darlegt, dann will man den anderen unter Umständen nicht gleich bekehren, sondern einfach nur über das Thema diskutieren. Wenn der Gesprächspartner zu einer solchen Abstraktion nicht fähig ist und alles gleich auf sich selber bezieht, dann funktioniert das leider nicht besonders gut.
  20. Witzig!
    iggyriggy reagierte auf JanF in Welche Mittel helfen wandernden Veganern gegen Nährstoffmangel? Habt ihr Erfahrungen mit Mischungen?   
    OT:
    Na ja, das ist so wohl nicht richtig, bzw. könnte man genauso gut behaupten, dass Fruchtkonsum zu nichtalkoholischer Fettleber führt.
     
    Dein Vergleich der menschlichen Physiologie mit der von Fleischfressern ist insofern irreführend, als wohl niemand behauptet, der Mensch sei ein Fleischfresser. Es geht ja darum, dass der Mensch ein Allesfresser ist, und gerade das Gebiss ist nun mal ein "Allesfressergebiss".
  21. Danke!
    iggyriggy reagierte auf kra in Welche Mittel helfen wandernden Veganern gegen Nährstoffmangel? Habt ihr Erfahrungen mit Mischungen?   
    Mit den beiden Aussagen bist du auf ziemlich dünnem Eis....
    1. Das mit dem Makro- und Mikro-Nährstoffen ist sehr angreifbat. Zu Ende gedacht hieße es, das man sich von Luft, Erde, Wasser und Licht ernähren könnte. Natürlich bilden auch tierische Organmismen Makro- und Mikronährstoffe (was auch immer darunter fällt) wie es auch Pflanzen tun. Wrum du Wachstumshormone, Antibiotika, Mikroplastik als genuin für nicht-vegane Ernährung betrachtest erschließt sich mir nicht, es ist direkt eine Folge  der industiellen Landwritschaft und Nahrungsmittel-Verarbeitung. Schwermetalle kannst du sehr wohl auch mit veganer Ernährung aufnehmen, von anderen Gitstoffen und schädlich- bis tödlichen Bakerienbelastungen ganz zu schweigen.
    2. Der Menschliche Verdauungstrakt ist nicht auf irgendeine spezielle Nahrungszusammensetzung ausselektiert sondern auf eine gemischte Kost aus pflanzlicher und tierischen Nahrung ausgerichtet! Da ist deine Aussage "Menschen sind einfach nicht dafür gebaut tierische Produkte zu essen" einfach falsch.
    Das zeigt dir bereits unser Verdauungssystem - bei Spezialisierung auf eine der beiden Ernährungsformen hätten wir entweder einen deutlich ausdifferenziertes Magensystem wie die Boviden oder andere Veganer (zum aufschließem von zellulosehaltiger Nahrung) oder einen kürzeren Darm und ein besseres Ausscheidungssystem für Harnsäure (für rein tierische Nahrung).
    Vegetarismus oder Veganismus ist völlig ok (eigene Entscheidung von jedem selber), aber bitte nicht mit falschen Argumenten missionieren wollen!
    PS. Viele Anzeichen in der Evolution des Menschen deuten darauf hin, das der Fleischkonsum mit der verbesserten Energiezufuhr die menschlichen Spezies eine evolutionsbiologische Schwelle zur Weiterentwicklung überschreiten ließ, weil er durch die verbesserte Energiezufuhr einen soziale Evolution einleiten konnte. Nur so war es ihm möglich, Zeit für eine kulturelle Weiterentwicklung zu gewinnen, die schlußendlich (bzw. aktuell)  in diesem Forum gipfelt
  22. Danke!
    iggyriggy hat eine Reaktion von Eva erhalten in [Erledigt][Suche] SMD Gatewood Cape   
    Ich kann dir eins anbieten, 8 tagen genutzt, 3 monaten alt,seamseald ab "werk" .
    PM?
  23. Gefällt mir!
    iggyriggy reagierte auf Puffin in Laugavegur & Fimmvörðuháls trek   
    Am nächsten Tag ging es zunächst über ein Schneefeld. Anschließend begann der erste abstieg und auch der Erste Blick auf einen Gletscher. Anschließend ging es über ein Hochpateau.



  24. Danke!
    iggyriggy hat eine Reaktion von Sandy erhalten in PCT 2020   
    https://www.halfwayanywhere.com/trails/pacific-crest-trail/pct-thru-hiker-survey-2019/
    Viel spass
     
  25. Gefällt mir!
    iggyriggy hat eine Reaktion von zeank erhalten in PCT 2020   
    https://www.halfwayanywhere.com/trails/pacific-crest-trail/pct-thru-hiker-survey-2019/
    Viel spass
     
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