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Ultraleicht Trekking

4 Tage auf dem Rheinsteig in Hessen


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Ein paar kurzweilige Absätze über vier Tageswanderungen am Rheinsteig im letzten Jahr. Ganz in low-effort Manier von anderer Stelle hier rein kopiert. Also verzeiht dass es keine serielle Erzählung ist. Sprünge in Zeit und Raum inklusive (was Schienen alles möglich machen).  Der Weg an sich ist ja bekannt. 

 

3. Rüdesheim -> Lorch

Um 10 Uhr am Rüdesheimer Bahnhof angekommen. Noch ist die Kofferdichte höher als die der Rucksäcke. Nach einer Extrarunde durch die Weinberge den Weg gefunden, erster Photostop: Abtei St. Hildegard. Weiter geht es durch die Reben zum Niederwalddenkmal, passend zum diesjährigen 150sten Jahr seit Beginn des dt. fran. Krieges. Nett anzuschauen, aber viel martialische Geschichtsklitterung zur Reichsgründung. Dé­jà-vu, auf der anderen Rheinseite verläuft parallel zum Rheinsteig die erste (oder letzte) Etappe des Soonwaldsteigs.
Überwiegend ist der Pfad gekiest, teilweise asphaltiert, aber auch öfters naturbelassen. Weinberg und Wald wechseln sich ab, was man in der Mittagssonne zu schätzen weiß. 
Eine Waffel Eis zum Abkühlen bleibt mir verwehrt, aufgrund von fehlenden bargeldlosen Zahlungsmöglichkeiten. Schnell auf Maps nachgeschaut was kulinarisch in Lorch geht. Gute Nachricht es gibt einen Bäcker, die schlechte: Der macht um 16.30 zu. Hunger motiviert zum Endspurt  und um 16.28 ist mein unfreiwilliges Fasten (Ich vergaß die Snacks) zu Ende. 
Nach etwa 27km bin ich nun am Bahnhof.  Für die Strecke Lorch-Rüdesheim braucht der Zug 10 Minuten statt meiner  7 Stunden. Gehen ändert eben Perspektiven.

 

1. Wiesbaden -> Hattenheim

Um 9 Uhr in Wiesbaden-Schierstein losgegangen. Kurze Euphorie, 5 Minuten vom Bahnhof weg geht  der Steig schon in Singletrail über, allerdings nur solange bis man aus dem Dickicht  an Schrebergärten hindurch ist. Weiter gehts durch einen Weinberg, vorbei am Denkmal eines Dichters, dem man wohl nirgends entfliehen kann, und auf dem Aussichtsturm Frauenstein  werfe ich einen letzten Blick auf den Rhein, bevor es in den grünen Tunnel des Rheingaus geht. Fast 10, Zeit für das zweite Frühstück. Anstelle von Lembas gibt es Müsliriegel. Die Zeit verfliegt und ich mache kaum Photos bis ich zum Kiedricher Wingert komme. Nicht dass der Trail langweilig gewesen wäre, im Gegenteil, manchmal ist man einfach zu sehr im Flow um ständig das Handy rauszukramen. Der Burgturm ist leider geschlossen, aber auch so hat man einen guten Blick auf den Ort unterhalb. Halbzeit, im Schatten der Kirche mache ich Pause bis die Glocken mich aufschrecken. Weiter geht es nicht entlang der Reben, sondern wieder durch Wald und Wiesen bis ich am Kloster Eberbach ankomme. Ein Ort der stillen Einkehr ist es nicht, dafür sind zu viele NRW Touris unterwegs. Hier verlasse ich den Steig und suche mir einen Weg nach Hattenheim. Immer bergab geht es über einen etwas dornenbewehrten Zubringerweg. Ein letzter Blick Richtung Erbacher Kopf und schon geht es wieder an den Rhein. Erstes Wiedersehen nach 7 Stunden Trennung. 

 

4. Lorch -> St. Goar

Wandern im Regen hat schon was. Nichts als eine papierdünne Schicht Polypropylen, die mich vor der Nässe bewahrt, Rutschpartien über Singletrails auf blankem Schieferfels  und das Ende der Mangelerfahrung, wenn pünktlich zum Ende des Hikes mal die Sonne scheint, lässt mich erst die Bahnhofspommes wirklich genießen. In Kaub passiere ich Burg Gütenfels und ein Denk/Mahn/Ehrenmal (???) zum dt.fran. Krieg. Immerhin ist es in 150 Jahren mittlerweile gelungen eine territoriale Einigung Deutschlands friedlich zu vollziehen (Da war Tag der deutschen Einheit)
Noch schnell ein Photo am Spitznack gemacht. Eigentlich prädestiniert für walghalsige am-Abgrund-stehend-Photoops, zieht der Ausblick, aufgrund fehlendem Geotag, hoffentlich nicht zu viele suizidal veranlagte Photohungrige an. Im Gegensatz dazu scheint die Loreley dort alle in ihren Bann gezogen zu haben. Der Parkplatz vor dem dortigen Mittelaltermarkt würde eher zu manchem Festival passen, aber im Covidherbst ist das wohl das Nächstbeste. Ich übe mich im Socialdistancing und mache einen Bogen um Drehleier und Dudelsacktöne. Clemens Brentanos Fanfiction über eine Nixe, deren Schönheit und Gesang arme Menners ins Verderben stürzt, scheint dereinst ein reges Eigenleben entwickelt zu haben, zumindest kommt in St. Goarshausen kaum eine Straße, Platz, Kunstwerk oder Bank ohne Loreleybezug aus.
Deutsche Romantiker und markante Felsen auf die sie frivole Frauen hindichten, sowieso eine Sache für sich. 

 

2. Hattenheim -> Lorch

Dunkle Wolken hingen am Mittag über dem Rheingau. Statt eines erneuten  #rainydayhike blieb es bei einem halbherzigen Schauer und die Sonne kam raus. Ich folge dem typischen Wechselspiel aus Wald und Reben. 
Um 4 komme ich am Kloster Marienthal vorbei, pünktlich zum Outdoorgottesdienst. Wichtigste Erkenntnis: Das Feiern (nicht nur der Eucharistie) mit anderen Menschen gibt uns auch immer einen Vorgeschmack aufs Paradies. Bis zum Wein bleib ich dann doch nicht, ohne Bewegung wird es kalt. Ist das dieses Pilgern, was so in ist? Weiter geht‘s nach Rüdesheim, wo ich nach 6 Stunden mit den vorletzten Sonnenstrahlen ankomme. Damit bin ich auch mit dem Rheinsteig in Hessen ferdisch.

Bearbeitet von Taswell21
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