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Ultraleicht Trekking

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Geschrieben

Hallo,

kurze Fragen: Ich plane im Sommer 2027 den Nordkalottleden von Norden nach Süden zu wandern. Meine beruflichen Termine liegen teilweise viele Monate im Voraus, so dass ich jetzt langsam mit der Planung beginnen muss. Ich bitte um Unterstützung zur Frage, welcher Zeitraum wohl am sinnvollsten ist. 

Ich wandere vergleichsweise langsam, aber sehr ausdauernd und laufe so im üblichen Gelände (Bay. Wald, Fischerweg, Eifelsteig) und mit nicht ganz soviel Ausrüstung so zwischen 28 und 35 km am Tag, im Schnitt waren immer über 30. Wenn ich jetzt mal konservativ mit 23 km am Tag auf die 800 Gesamtkilometer rechne, komme ich auf 35 Tage. Plus 6 Ruhetage, plus 3 Tage Unvorhergesehenes wären dann 44 Tage insgesamt. Ist das realistisch?

Wenn möglich würde ich gerne eher spät im Jahr gehen. Ich lese davon, dass bestimmte Brücken ab Mitte September abgebaut werden (und auch Hütten irgendwann schließen). Gibt es da genauere Informationen zu den Brücken? Ist das ein konkretes Datum? Wenn ich jetzt vom 15.09.2027 ausginge, müsste ich am 04.08.2027 die Wanderung beginnen. Liege ich da grob richtig? Ginge auch ein späteres Datum?

Eigentlich verstehe ich den Nordkalottleden schon als festgelegten Wanderweg (was mir eigentlich sympathisch ist, weil ich dazu neige, mir keine großen Gedanken über den Weg machen zu wollen). Ich lese aber, dass Wanderer "Varianten" gehen? Gibt es da offizielle bzw. wo finde ich diese? Bzw. gibt es Ratschläge trotz meiner Vorliebe für "fertige" Wege lieber Teile der Wanderung auf anderen Wegen zu gehen (und müsste ich dann meine Zeitplanung wesentlich ändern)?

Hintergrund, wen es interessiert: Seit einigen Jahren gehe ich wieder länger Wandern, was mir wieder sehr viel Spaß macht. Meine Kinder sind aus dem Haus, was mir neue Freiheiten beschert. Auf meinen bisherigen längeren Wanderungen (WHW, Fischerweg, Eifelsteig) war mir die Zeit aber immer viel zu kurz. Heißt: Wenn ich gerade eingelaufen war, war die Wanderung schon vorbei. Jetzt bin ich noch recht fit, merke aber, dass mein Körper abbaut, gerade was die Gelenke angeht. Daher wollte ich jetzt, wo es noch geht, nochmal etwas machen, das eine echte Herausforderung für mich darstellt. Eigentlich wollte ich als nächstes, wegen der Landschaft, den Kungsleden gehen. In Portugal habe ich auf einem Campingplatz aber einen netten jungen Mann getroffen, der mir empfohlen hat, ich solle mir doch mal den Nordkalottleden anschauen. Das hat mich irgendwie nicht mehr losgelassen (nichts passiert ohne Grund :) ...) und je mehr ich mich damit beschäftigte, desto mehr bin ich überzeugt, dass das eine gute Idee für mich ist. Gerade die Herausforderungen mit Wetter, Einsamkeit, Nässe, Kälte, Mücken, Versorgung etc. reizen mich dabei ebenso sehr wie die Aussicht auf tolle Landschaften.

Wenn ich mal die groben Daten geklärt habe, melde ich mich später bestimmt nochmal zu einzelnen Ausrüstungsfragen...

THX,

Gerd

Geschrieben

Hallo 

Ich kann dir ein paar Tipps geben, aber in Nordkanal bin ich vor ungefähr 20 Jahre das letzte Mal gelaufen

Wann die Hütten schließen, findest du auf der STF Homepage. Wenn die Hütten geschlossen sind, sind meistens auch die Brücken weg. 
Ich bin der nördlichen Teil des Nordkalottleden gegangen, also von Riksgänsen nach Süden.

Das Gelände ist sehr steinig und hochalpin. Da er weiter westlich liegt als Kungsleden ist er oft auch etwas feuchter

Einsamkeit findest du deutlich mehr, der Kunhsleden  ist schon irgendwie überlaufen. 
wie weit du kommst pro Tag kann ich dir leider nicht sagen.

Deine Daten, an denen du reisen willst, scheinen schon realistisch zu sein. Du musst nur wissen, dass es im September ordentlich kalt werden kann oder schön und warm. 
 

In manchen schwedischen Hütten kann man Proviant kaufen. Ich glaube, in den norwegischen Lappland gibt es keine Einkaufsmöglichkeit.

Geschrieben

Kurze Nachfrage: Ich habe jetzt für diverse Hütten geschaut, wann die schließen. Teilweise schließen die schon am 30.08., jedenfalls für 2026, z. B. Pieskehaure Fjällstuga, Vaimok Fjällstuga. Andere am 06.09., z.B. Tarrekaise Fjällstuga, Njunjes Fjällstuga. Jetzt stören mich geschlossene Hütten wenig, fehlende Brücken aber sehr. Muss ich mich wirklich auf den 30.08. bezüglich der abgebauten Brücken einrichten? Hat jemand vielleicht genauere Informationen oder weiß, wo ich diese recherchieren kann?

Danke,
Gerd

Geschrieben (bearbeitet)

Hallo Gerd,

 

ich bin den Nordkalottleden Solo teilweise von Kilpisjärvi bis Abisko, also den Mittelteil, in den ersten beiden Septemberwochen 2024 gelaufen. Ich bin nach Tromsö geflogen und von dort mit dem Bus nach Finnland gefahren, die Rückreise erfolgte dann per Zug ab Abisko.

Auf diesem Abschnitt gibt es 7 eingerichtete Brücken, die auch jeweils notwendig sind. Diese waren bei mir alle noch installiert und problemlos begehbar. Dazu gesellen sich einige flache Flussquerungen, für die man dringend brauchbare Watschuhe mitführen sollte - zwischen der Daerta- und der Dividalshytta quert man beispielsweise ein sehr weitläufiges Sumpfgebiet zwischen zwei Seen und danach den knapp 50 Meter breiten Skaktarelva-Fluss. Und auch sonst gibt es einige Stellen auf dem Trek, wo man die Wanderschuhe zum Durchwaten unweigerlich ausziehen muss.

Bis auf die am Anfang hinter der schwedischen Grenze liegende Pältsastugan- und die am Altevatnet gelegene Altevasshytta hatten alle anderen Versorgungshütten Anfang September bereits geschlossen bzw. die unbewirtschafteten Hütten wären wie bekannt nur mit dem jeweiligen Schlüssel begehbar gewesen. Da ich mit Zelt und in kompletter Selbstversorgung unterwegs war, hat mich das nicht tangiert.

Wettertechnisch hatte ich alle denkbaren Aggregatszustände zwischen bratender Sonne, Dauerregen, leichtem Schneefall und Sturmböen. Aber immerhin wird man so spät im Jahr nicht mehr von Mücken zerfressen, da die Nachttemperaturen teilweise stark anziehen. Ich hatte eine Basisausrüstung mit Komforttemperatur von 0 Grad dabei und bin damit sehr gut gefahren.

Da ich eher entspannt unterwegs bin, hatte ich in der Regel Etappenlängen zwischen 22 bis 27km. Zusammen mit Wind und Wetter hat mir das aber auch gereicht, da mir allabendliche Erholung, der Blick auf die Nordlichter und das ein oder andere Lagerfeuer schon wichtig gewesen sind.

Wie bereits erwähnt ist der Trek sehr einsam, ich habe selten mehr als ein oder zwei andere Trekker pro Tag gesehen. Der Hauptanteil sind eher Tageswanderer, welche an den größeren Selbstversorgerhütten mit Straßenanbindung kleinere Wanderungen durchführen - so fand zB. an der Rostahytta noch ein größeres Jugendzeltcamp statt.

Zu den möglichen Wegvarianten kann ich nichts beitragen, da diese insbesondere im südlichen Teil entscheiden, wo du enden willst! Auf meinem Abschnitt gab es nur den Hauptweg und dem bin ich gefolgt, da meine Rückreise ab Abisko erfolgte.

Nichtsdestotrotz kann ich dich aus meiner Erfahrung darin bestärken, dass du dir einen der vermutlich schönsten, da einsamsten Wanderwege in Nordeuropa ausgesucht hast - ich habe die wundervollen Weitblicke auf die Berge und Gletscher, die unzähligen, nicht scheuen Rentierherden und den wenigen, aber herzlichen Kontakt mit den Einheimischen sehr genossen. Und die Einsamkeit. Und die Blicke auf die Nordlichter. Und die Lagerfeuer an den Seen.

 

Falls du fragen zu diesem speziellen Abschnitt hast, egal ob zu Kartenmaterial, speziell zu den Brücken oder was auch immer, dann melde dich gerne!

Das Bild zeigt das Rostadalen kurz vor der Rostahytta mit Blick in westlicher Richtung auf den kleinen Gletscher unterhalb des Hoglikka. Allein für dieses kurze Erlebnis lohnt es sich, den Weg auf sich zu nehmen...

 

Liebe Grüße

Hannes

IMG_20240829_101124.jpg

Bearbeitet von sirm3rl1n

Die größte Herausforderung besteht darin, überhaupt aufzubrechen, vermeintliche Sicherheiten hinter sich zu lassen und stattdessen der Ungewissheit des Weges zu begegnen. Der Weg entsteht dann wie von selbst.

Geschrieben

Hannes @sirm3rl1n hat alles gesagt. Das ist ein tolles Stück Lappland, haben wir mit 3 Kindern vor Jahren von Kilpisjärvi bis Riksgrensen gemacht und werden es 2027 von Süd nach Nord noch einmal machen. Ja, die Watstellen sind teilweise anspruchsvoll, die Hütten in Norwegen sind abgeschlossen und du hast entweder den Schlüssel oder Pech, wenn keiner mit Schlüssel drin ist.

Wir haben damals mit Kindern (13, 15, 16) 13 km pro Tag geschafft und haben den gesamten Proviant mitgenommen. Sehr viel ist in meinem Rucksack gelandet. Ich finde Etappen über 20 km auf den Wegen da oben immer noch anspruchsvoll und plane das für mich nicht ein. Der Weg ist überwiegend deutlich. Rechne aber auch damit, dass du ohne Sicht bei aufliegenden Wolken navigieren musst.

Proviantgewicht, Länge der Tagesetappen und Zugang zu den Hütten oder Zelt mitnehmen sind größere Fragen als die Brücken. Die Sommer Brücken werden abgebaut, bevor ernsthaft Schnee fällt. Die Sommerbrücken sind nett aber meistens nicht kritisch. Kritische Brücken über tosenden Schluchten sind Hängebrücken und die bleiben da. Der Skatarelva bleibt die hässlichste Watstelle, große, wackelige, glatte, runde Brocken, viel Strömung. Es hilft ein ordentlicher Stock, 170 cm, den du mit beiden Händen halten und schräg in die Strömung stellen kannst.

@Gerd1890, du erwähnst keine Nordland Erfahrungen. Ich empfehle als erste Tour im Norden Kungsleden oder Sylarna/Jämtland Triangel. Mache den Nordkalottleden zum Projekt für 2028.

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