Hallo,
hier nur ein kurzer Abriss der Wanderung mit ein paar konkreten Tipps von mir. Berichte gibt es ja sonst schon genug....
An- und Abfahrt:
Hin: Flug von München nach Lissabon um 6:00 Uhr, dann S-Bahn vom Flughaften zur Station Oriente, dann Flixbus nach Sines, dann ein Bolt-Taxi (8 €) zum Startpunkt am Strand. Um 13:00 Uhr war ich am Wandern. Das hat alles wunderbar geklappt.
Zurück: Rede Express-Bus von Sagres nach Lissabon um 8:45 Uhr, habe mir Lissabon angesehen und einmal übernachtet, dann Rückflug am nächsten Tag. Würde ich so aber nicht wieder machen, weil nach einer Woche auf dem Trail hat mich das Treiben in Lissabon wirklich extrem genervt (kleiner Anflug von Trail-Depression).
Zum Trail:
Ich bin vom 16.03. bis zum 22.03. von Sines nach Sagres gewandert und bin dabei immer auf dem eigentlichen Fischerweg geblieben. Der Trail ist insgesamt sehr schön, tolle Landschaft, viele Single-Trails, wenig Straßen (auch die "unschönen" Etappen waren für meinen Geschmack durchaus ok, kein Grund diese zu skippen). Ich war das erste Mal am Meer wandern, das hat mir sehr gefallen. Das Wetter war eher schlecht (viel Regen, viel starker Wind, teilweise Sturm), dafür waren die Wellen wohl recht stark, was den teilweise schon gewaltigen Eindruck der Küste noch verbessert hat. Kann ich wirklich empfehlen!
Wegen starker Regenfälle in den Wochen und Monaten davor waren ein paar Brücken/Übergänge in Mitleidenschaft gezogen. Gelegentlich musste man deshalb durch ins Meer fließende Bäche waten, die wegen der aktuellen Regenfälle in einem Fall auch mal ca. 1 m tief waren. Sonst ist der Trail aber m. E. recht einfach und auch für Einsteiger gut wanderbar.
Ich habe allgemein gewisse Knieprobleme, hier aber keine Probleme, weil der ständige Wechsel zwischen Auf und Ab deutlich besser für meine Knie ist als 4 Stunden hoch und dann 4 Stunden runter. Auch der weiche Sand war mit den Stöcken kein Problem. Ich war aber einer der wenigen, die Stöcke dabei hatten.
Ich habe wild gecampt, was sehr schön war und im Wesentlichen auch gut möglich (schwierig vielleicht nur im Abschnitt Vila do Bispro - Sagres, da dort nur offene Landschaft). Das hatte auch den Vorteil, dass wenn ich jeweils hinter den typischen Abschnitts-Ortschaften übernachtet habe und entsprechend früh losgelaufen bin, manchmal über Stunden keine anderen Wanderer getroffen habe. Wenn ich das anders gemacht habe, also vor den jeweiligen Ortschaften übernachtet und dann morgens mit den anderen Wanderern so um 9 oder 10 Uhr hinter den Orten zusammen getroffen bin, war schon deutlich mehr los. Insgesamt ging es aber zu dieser Jahreszeit, es war nicht wirklich überlaufen. Ich hatte den Eindruck dass die allermeisten Wanderer jeweils die offiziellen Etappen-Tagestouren gehen, weshalb der Trail dann am Nachmittag auch zunehmend leer war.
Versorgung ist alle 10 bis 15 km durch kleine Ortschaften mit Minimarkt problemlos möglich.
Ausrüstungstipps:
Wie gesagt, das Wetter war eher schlecht. Ich hatte nur einen Regenschirm dabei, sonst kein Regenzeug. Das war ein Fehler, Regenschirm bei starkem Wind ist für den A.... Bin also regelmäßig ziemlich nass geworden, einmal auch pitschpatschnass (bei Tagesniederschlagsmenge von 28 mm), so dass ich dann doch mal auf einen Campingplatz gegangen bin, für Waschmaschine und Trockner. Das nächste mal also wieder normales Regenzeug. Ansonsten hatte ich einem 250-er Daunen-Quilt, das war völlig ausreichend, könnte man ggf. auch was leichteres mitnehmen. Kritisch waren die Heringe, ich hatte Swiss Piranhas dabei (weil ich gemeint habe ich komme mit anderen nicht durch die Handgepäck-Kontrolle), habe aber nicht berücksichtigt, dass dort alles praktisch ausschließlich äußerst leichter Sandboden ist. In Kombination mit dem Wind (eine Nacht gab es offizielle Sturmwarnung) waren die Heringe dann im Wesentlichen untauglich und ich musste mir mit eingegrabenem Strandmüll abhelfen, bevor ich dann in einem Ort in so einem Chinesen-Allroundladen massive Stahlheringe (das waren die einzigen, die sie hatten) gekauft habe. Nix mehr mit Ultraleicht ab dann. Empfehlung: Sandheringe mitnehmen!
In diesem Zusammenhang ein Tipp: Bin ja ein Sparfux und buche daher allgemein eigentlich nur Handgepäck, habe dann aber immer das Problem, dass ich nicht weiß, ob ich mit meinen Wanderstöcken durch die Sicherheitskontrolle durchkomme und wie es mit Heringen ist. Jetzt hatte ich kurz vor dem Abflug ein SMS der Fluggesellschaft bekommen, man möge doch bitte sein Handgepäck aufgeben, weil der Flug recht voll sei. Die Dame bei der Gepäckaufgabe meinte zu mir, dass man bei den allermeisten Fluggesellschaften immer sein Handgepäck auch kostenlos als normales Gepäck aufgeben könne. Somit entfällt dann der Ganze Stress mit Wanderstücken, Heringen, Messer das man sich vor Ort erst noch wieder kaufen muss.
Der Weg ist exzessiv beschildert. Ich hatte mir noch eine Karte auf Osmand heruntergeladen, damit ich ohne Internet immer eine gute Übersicht hatte, das war völlig ausreichend. Ich hatte zum Testen auch eine Smartwatch mit Navigation dabei (Amazfit Active Max, kurz vorher gekauft) und hatte mir dafür von irgendsoeiner schwindligen Seite die gpx-Datei heruntergeladen, ohne die genauer vorher angesehen zu haben. Offenbar sind die dafür häufiger auf anderen Wegen des Wegenetztes gewandert, jedenfalls nicht auf dem original Fischerweg, weshalb das dann nicht wirklich geklappt hat. Hatte aber auch keine Not das noch zu ändern, weil der Wege ja ohnehin super ausgeschildert war.
Fazit: Hat mir sehr gefallen, kann ich wirklich weiterempfehlen!
Gerd