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Ultraleicht Trekking
BitPoet

Über die Alpen vom Königssee nach Tolmin - Juni/Juli 2019

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vor 2 Stunden schrieb hans im glueck:

la porticina find ich nicht auf alpenkarte eu (da guck ich gern auf die schnelle), ist das der übergang über ponza di mezzo?

Nein, La Porticina ist ein gutes Stück nördlicher, etwas unterhalb der Ponza Piccola. Der genau Punkt ist hier. Ich habe aber noch keine Karte (digital oder analog) gesehen, die die Wege dort vollständig und richtig eingezeichnet hat. Da gibt es eine ganze Menge ausgeschilderter Wege, die fast nirgens verzeichnet sind, und umgekehrt werden eingezeichnete Wege teilweise schon seit 10 Jahren und mehr nicht mehr in Stand gehalten, geschweige denn beschildert. Der Bereich an der Grenze dort scheint irgendwie ein wegetechnisches Niemandsland zu sein.

 

 

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Tag 17 - Pogačnikov dom na Kriških podih - Koča na Doliču

Heute geht es am Fuß des höchsten Berges Sloweniens hoch, dem namensgebenden Triglav. Mein Ham & Eggs fällt arg mager aus, aber ich will nicht noch mehr Zeit vergeuden, denn jede Minute morgendlicher Kühle ist unbezahlbar. So laufe ich als einer der ersten los, steige ein paar Meter ab und dann gleich wieder 150m auf einem gut gepflegten Steig hinauf zur Dovška Vratca.

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Kurz blicke ich noch einmal zurück zur Hütte, dann muss ich mich auf die Schneefelder konzentrieren, von denen es auch hier noch so einige gibt.

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Nach der Scharte geht es steil hinunter. Noch bin ich gut im Zeitplan, aber hier ist wieder dieses trockene, feine Geröll unter meinen Füßen und es ist steil. Teilweise rutschen auch bei einem vorsichtigen Schritt gleich Schubkarrenladungen an Untergrund weg, und dazu brennt die Sonne direkt auf mich drauf. Die 700m Abstieg dauern so gute zwei Stunden. Etwas weiter oben sehe ich die jungen Belgier genauso kämpfen.

Endlich habe ich es dann geschafft, und verbringe fast 10 Minuten damit, den richtigen Abzweig zu finden. Der Weg ist von losem Geröll bedeckt und kaum von den Wildpfaden zu unterscheiden. Ich warte, bis die beiden aufgeschlossen haben, und zu dritt gehen wir dann in Richtung des kleinen Wäldchens, hinter dem das Bivako Pod Luknjo mit hoffentlich etwas Schatten wartet.

Das Bivako liegt mitten in einem wilden Wald mit dichtem Unterholz und ist eine richtige kleine Hütte. Der Winterraum ist durchgehend geöffnet, der Rest versperrt, Brennholz ist trocken unter das Vordach geschichtet und es gibt einen großen Regenwassertank, der dekorativ eingemauert ist. Wir machen auf der Bank im Schatten eine halbe Stunde Pause, aber dann müssen wir weiter und wieder hinaus in die Hitze. Schon kurz darauf verlassen wir den Wald wieder, und zumindest für ein paar Minuten wandern wir durch Gras.

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Dann geht es wieder über Geröll und kleine Schneereste hoch zur nächsten Scharte. Es hat gefühlte 50°C hier, denn kein Lüftchen findet seinen Weg in die enger werdende Rinne. Es beruhigt mich immerhin, dass ich nicht der einzige bin, der unter der Hitze so leidet.

Dann geht es wieder etwas moderater hinunter, und wir stoßen wieder einmal auf Hinterlassenschaften des ersten Weltkriegs. Eine schmale ehemalige Fahrstraße windet sich den Berg hoch, fast die ganzen 700 Höhenmeter bis zur Hütte, und der Weg zieht sich. Jetzt geht jeder sein eigenes Tempo und macht seine eigenen kurzen Pausen in den einzelnen kleinen Schattenflecken. Die Luft bewegt sich immer noch kein Bisschen. Das richtig gemeine ist, dass es trotzdem alles richtig, richtig schön ist. Sonst könnte ich einfach umdrehen und mir einen Weg durchs Tal suchen.

Die letzten hundert Meter ist dann kaum noch etwas von der Straße übrig, und es liegt wieder vermehrt Schnee. Zwei Stellen sind etwas haarig, weil nur noch dünne Schneebrücken übrig sind, aber es direkt daneben fast senkrecht hinunter geht.

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Nach genauer Erkundung schaffen wir es mit mutigen Sprüngen über die Knackstellen, und dann sind es nur noch ein paar Kehren bis zur Hütte. Ich trinke meinen letzten Schluck Wasser als ich schon das Knattern der beiden Windräder von der Hütte höre und mich über die wieder einmal geniale Lage freue. Und dann, ja dann, heißt es nur noch Rucksack runter, Schuhe aus, rein und ein kaltes Radler kaufen.

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Heute gibt es besonderen Luxus. Ich sitze kaum richtig, da stellt der Hüttenwirt einen Blecheimer mit Schnee auf den Tisch, steckt meine Dose hinein und meint, heute sähen alle so aus als bräuchten sie es extra kühl. In ganz gutem Deutsch.

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Das Radler habe ich in Slowenien übrigens nur in der Grapefruit-Variante bekommen, und ich muss gestehen, es ist besser als viele "klassische" Versionen.

Der Wirt hat heute einen harten Arbeitstag. Es hat seit dem Winter nicht geregnet, für die nächsten 14 Tage ist auch nur eine geringe Wahrscheinlichkeit vorhergesagt, und die Reste der Schneeschmelze, die noch in den Zisternen sind, reichen nirgendwo mehr hin. Die Waschbecken sind außer Betrieb, und so füllt er jetzt Schnee vom letzten größeren Feld neben der Hütte in die Zisternen und in große Kunststofffässer, auch wenn es ein paar Tage dauern kann, bis genug geschmolzen ist, um wieder etwas Brauchwasser in die Leitungen zu bekommen.

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Das Personal hier ist total freundlich, der Hüttenwirt ganz besonders, und ich ratsche ein paar Mal mit ihm wenn er eine Pause macht. Ein Teil der Hütte wurde vor ein paar Jahren von einer Lawine weggerissen, lerne ich, und am noch stehenden Teil musste die Fassade komplett neu gemacht werden. Da die Hubschrauberflüge so teuer sind wurden die Holzschindeln für die Fassade von Trägern aus der Umgebung hochgebracht, immer 50 Kilo auf einmal. Respekt!

Es gibt eine Sitzgruppe neben der Hütte, die steht genau neben einem der Windräder. Es ist ganz witzig mit anzusehen, wie die Neuankömmlinge an der Hütte den Tisch anschauen, sich freudig dorthin aufmachen, sich hinsetzen, dann stutzen, hoch schauen und eine Minute später an einem der Biertische direkt vor der Hütte sitzen.

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Für den nächsten Nachmittag sind für den Triglav lokale aber sehr heftige Hitzegewitter vorhergesagt, deshalb plane ich, bei Sonnenaufgang los zu laufen. Als ich dann offiziell einchecke und sage, dass ich kein Frühstück brauche, weil ich früh los will, bekomme ich den "Fluchtplatz" im Lager zugeteilt, direkt neben der Tür, was super ist. Ein Fester ist auch gleich in der Nähe, was ganz gut ist, denn das Lager füllt sich und wir sind direkt unter dem Dach.

Ich esse ein paar undefinierbare Würste mit Sauerkraut und bin früh im Bett, der Rucksack griffbereit und der Vibrationswecker meiner Uhr auf 4:00 Uhr gestellt. Zum Glück habe ich meine Ohrstöpsel dabei, denn die einheimische Gruppe, die gleich neben mir im Lager ist, poltert herum wie wild. Sobald sich der Schaumstoff in meinem Ohr ausdehnt herrscht aber herrliche Stille, und ich gleite problemlos ins Reich der Träume.

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Tag 18 - Koča na Doliču  - Dom na Komni

Punkt 4:00 Uhr schleiche ich mich aus dem Lager, die Stirnlampe auf Rot um niemanden aufzuwecken, und tapse vorsichtig schlaftrunken die Treppe hinunter. Die Daunenjacke lag schon ganz oben im Rucksack und wird schnell übergestreift. Der "Proviantsack" kommt auf den Tisch, der Hüttenschlafsack wird mehr schlecht als recht in seine Hülle gestopft, und dann wird schnell der Kocher aufgebaut und Wasser aufgesetzt. Es gibt Loaker-Waffeln zum Frühstück.

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Bis ich dann wach genug bin, um alles richtig im Rucksack zu verstauen, dauert es ein wenig. Das verschlafene Selfie, das ich mache, ist nicht wirklich teilenswürdig. Kaum stapfe ich los, schon fängt es an zu dämmern, und dann geht es auch ganz schnell. Ich bin keine hundert Meter gekommen, und schon kann ich die Lampe verstauen kann.

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Ja, es wartet wieder einiges an Schnee auf mich, hier über 2000m. Die Schneefelder sind zwar nicht mehr dick, aber durch das dauernde Schmelzen und wieder gefrieren teilweise tückisch rutschig. Ich laufe in einem langen Bogen rechts um den Kanjavec herum und umklettere im Geröll ein paar kleine Schneefelder, die jederzeit zum Surfbrett werden können. Dann geht es kurz durch eine kleine Senke und dann hinauf zum Hribarice-Sattel auf 2368m. Kurz vor dem Sattel spitzelt dann auch die Sonne über die Berge und malt ein kleines Farbenspiel auf Fels und Himmel, das zu schön ist um es nicht ausgiebig zu genießen.

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Von ganz oben am Geröllhang gegenüber beäugt mich eine Herde Steinböcke. Die jungen springen voller Übermut immer wieder wild im Kreis herum.

Am Sattel betrete ich eine riesige Karstfläche mit tiefen Furchen in den Felsen. Alles leuchtet noch leicht rot und orange, und ich fühle mich wie auf einem anderen Planeten. Der Weg hier ist markiert, aber alte und neue Markierungen buhlen um meine Gunst, es geht auf und ab, hin und her, über große Felsen und durch enge Spalten, und natürlich immer wieder über Schnee.

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Es macht riesigen Spaß, und kurz überlege ich, ob ich nicht einfach einen Tag hier oben verbringen und nach herzenslust diese Steinwüste erforschen. Aber langsam wird die Zeit schon knapp, und schweren Herzens laufe ich weiter talwärts. Es dauert auch gar nicht mehr so lang, und ich komme an einem der sieben Seen, die wie eine Perlenkette in diesem Tal aufgereiht sind, an.

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Als ich am Koča pri Triglavskih Jezerih, dem "Haus am Triglav-See", ankomme, sind wohl gerade die Übernachtungsgäste aufgebrochen und das Personal macht eine Pause. Ich lasse mir Zeit und warte, bis sie ihren Kaffee geschlürft haben. Dann bin ich richtig glücklich als ich zu meinem Cappuccino auch noch ein Tiramisu bekomme. Nicht ganz das Original-Rezept, aber genauso süß und fettig und mit viel Kakao.

Auf dem Weiterweg mache ich noch einen Abstecher direkt zum See an der Hütte. Ein Teil davon ist durch die lange regenfreie Zeit ausgetrocknet, und der Boden ist dicht mit allen möglichen Kräutern überwuchert. Ich erkenne mindestens 10 verschiedene Gartenkräuter, deren Samen wohl mal vom kleinen Garten der Hütte hier hinein gewaschen wurden und nach einer Ewigkeit auf dem Seegrund jetzt perfekte Bedingungen zum Wachsen haben.

Durch grüne Wiesen, kleine Wälder, über steinerne Platten und kurze Kiesabschnitte geht es weiter zum Dom na Komni. Das letzte Stück führt durch dichten Wald, so dass ich die Hütte erst im letzten Moment zu Gesicht bekomme. Ich bin noch passend zum Mitagessen gekommen, gönne mir eine Pilzsuppe und ein Cola, und dann zieht plötzlich das vorhergesagte Gewitter wie ein D-Zug über uns. Mit einem lauten Donnerhall fängt es zu gießen an und alle flüchten nach drinnen.

Ein wenig erinnert der Speiseraum an eine Jugendherberge, schmal und lang, mit Durchreiche zur Küche. Die aufgeregte Jugendgruppe verstärkt den Eindruck noch.

Ich schreibe meine Notizen, sortiere die ganz misslungenen Fotos aus, trinke Kaffee und warte das Gewitter ab. Langsam kommen noch mehr Wanderer an, aber es ist noch lange nicht voll.

Nach dem Abendessen sitze ich an einem wirklich internationalen Tisch. Wir sind sieben Wanderer aus sechs Ländern und spielen Karten während wir über unsere liebsten Berge und Touren quatschen und Geschichten über unsere Missgeschicke zum Besten geben. Langsam werde ich ein wenig schwermütig, denn morgen ist schon die letzte Etappe meiner Tour. Einmal noch hoch, und dann geht es lange, lange immer abwärts. Aber das ist erst morgen. Um 22:00 Uhr werden wir mit Nachdruck ins Bett gescheucht. Der Speiseraum ist eigentlich ab 21:00 Uhr geschlossen, was aber nur auf Slowenisch angeschrieben ist und deshalb keiner von uns verstanden hat.

 

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Tag 19 - Dom na Komni - Most na Soči

Jetzt ist er angebrochen, der letzte Tag. Wieder sind Gewitter gemeldet, aber ich mag heute nicht hetzen. Luis, ein Franzose, der die Via Alpina läuft, dagegen hat heute noch eine längere Etappe vor sich und baut um 6:00 Uhr seinen Kocher im offenen Vorraum auf. Solidarisch mache ich das selbe und wir stoßen mit Kaffee auf einen schönen Wandertag an. Wir ratschen noch ein wenig, dann macht er sich auf den Weg. Ich schaue mir nostalgisch die alten Ski an der Wand an während ich warte, dass es sieben wird und Frühstück gibt.

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Heute gibt es Müsli zum Frühstück. Was in deutschen Hütten einzelne Bestandteile eines Frühstücks sind, ist hier entweder-oder. Brot mit Wurst oder Brot mit Käse oder Brot mit Ei oder Müsli. Egal. Genau um 7:30 trete ich hinaus und laufe los. Der erste Teil ist wirklich schön, ein schmaler Pfad durch den Wald, teilweise überwachsen. Es hat aber kurz vor Sonnenaufgang noch geregnet, und so sind die Felsen schmierig und alles triefnass. Bei jedem Schritt streife ich die Büsche, die ihr ganzes gesammeltes Wasser über mir auskippen. Ganz oft gezielt in den Nacken. Für die Kapuze ist es aber zu warm, und so zucke ich nur mit den Achseln - was oben rein läuft, kommt auch unten wieder raus - und laufe weiter.

Dann geht es mit traumhafter Aussicht an der Flanke eines Berges hinauf zum Globoko Pass. Alle fünf Minuten muss ich stehen bleiben und diese letzten fantastischen Eindrücke in mich aufsagen. Die Luft ist noch kühl und klar, die Sonne scheint, und meine Füße könnten laufen, laufen, laufen.

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Dann überschreite ich den Sattel und kann schon den kleinen, spitzen Hügel sehen, an dessen Fuß sich Tolmin schmiegt. Ich weiß noch nicht genau, wo ich heute schlafen werde. Vielleicht in Tolmin, oder, wenn meine Füße noch Lust haben, vielleicht auch in Most na Soči, wo der nächste Bahnhof ist.

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Nach dem Sattel geht es in vielen langen Kehren über steile Wiesen 400m hinab. Dann biegt der Weg kurz in einen Wald, in dem ich plötzlich Auge in Auge mit einer Kuh stehe, die sich zwischen jungen Bäumen hindurch quetscht. Anscheinend haben die Kühe hier besondere Vorlieben, denn sie sind alle im Wäldchen verteilt. Von rund herum bimmeln ihre Glocken.

Ich laufe an der Koča na planini Razor vorbei, einer bewirtschafteten Hütte die aber irgendwie ziemlich uneinladend wirkt, um die Kurve passiere ich einen Bauernhof mit einer Kuhtränke, und dann laufe ich zwei Kilometer die Straße entlang bis ich feststelle, dass ich auf der falschen Seite des Tals unterwegs bin. Dabei ging das doch so gut!

Also umgedreht, die zwei Kilometer zurück und bei der Kuhtränke über die Weide abgebogen, dann bin ich wieder auf dem richtigen Weg. Die nächsten fünf Kilometer sind schön, es abwechslungsreich durch den Wald, ich hüpfe flott den Hang entlang, übersehe einen unter dem Laub versteckten flachen Fels und schlage einen spektakulären Rückwärtssalto. Dann liege ich erst mal wie ein Käfer auf dem Boden und mache Bestandsaufnahme. Es tut nichts weh. Ich kann Arme, Beine und den Kopf bewegen. Langsam stehe ich auf, und tatsächlich, ich bin perfekt auf dem Rucksack gelandet und es ist nichts passiert und nichts kaputt. Außer dieses Gefühl der Unbesiegbarkeit, das hat gerade einen Dämpfer bekommen :mrgreen:

Immerhin, kurz darauf mündet mein Weg in eine Kiesstraße und ich komme an eine Quelle, die tatsächlich noch Wasser hat und kann meine fast aufgebrauchten Vorräte auffüllen. Ich mache eine ausgiebige Pause.

Kurz darauf ist es auch erst mal vorbei mit dem Schatten. Ich laufe auf einer Teerstraße ganz sachte abfallend in Richtung Tolmin. Ab und an komme ich an verlassenen Höfen vorbei und sehe verrostete alte Autos herumstehen aus Zeiten, als das hier noch Jugoslawien war.

Ab dem Eingang zur Tolminer Klamm bin ich plötzlich mitten im Tourismus. Ich schenke mir den Abstecher in die Menschenmassen und laufe auf der Straße hoch oben darüber, wandere durch einen kurzen Tunnel und erreiche dann eine halbe Stunde später Tolmin.

In einem Café tanke ich Wasser und Koffein auf.

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Ich finde online einen Gasthof, der auch Plätze in einem Mehrbettlager anbietet und reserviere eines der  Betten. Die Chefin spricht deutsch, was das ganze einfach macht. Um 15:15 laufe ich wieder los. Es sind noch 7 Kilometer bis zum Gasthof, es ist brütend heiß und langsam werden die Wolken wieder dicht und schwer.

Ich laufe auf der Straße aus Tolmin hinaus und komme an das Ufer der Soča. Dort gibt es einen langen Abschnitt mit Sand und Kies, normalerweise das Naturbad, aber gerade wird für ein Musikfestival am Wochenende aufgebaut. Ich verpasse die Brücke und muss ein Stück zurück laufen.

Dann geht es ein langes Stück über die Landstraße. Immer wenn mir einer der großen Lastwägen entgegenkommt, klettere ich über die Leitplanke, denn viel Platz zum Ausweichen ist hier nicht wenn auch noch Gegenverkehr kommt. Es gibt schöneres, obwohl auch immer wieder die Soča tiefblau zu mir herauf blitzt. Ich sehe Dutzende von Kajak-Anlegestellen ausgeschildert und viele Stand-Up-Paddler, die gerade ihre Ausrüstung wieder auf ihre Autos schnallen. Das letzte Stück laufe ich dann auf einem geteerten Fußweg um den Soča-See herum, der nach einem kurzen Test mit den Füßen viel wärmer aussieht, als er ist.

Noch 1km, dann laufe ich in einem ruhigen Moment über die Brücke und biege gleich darauf zum Gasthof ein. Ich checke ein, packe meine Sachen aus, Dusche in einer richtig noblen, sauberen, modernen Dusche die so auch in einem Spa stehen könnte und komme rechtzeitig auf die Terrasse, als das Gewitter da ist.

Es ist noch nicht das letzte mal heute, dass es blitzt, donnert und regnet, aber nie lange, und es wird nicht kalt. Ich esse ein wunderbares Menü mit Blick auf die Soča, buche mein Bahnticket und bin viel zu ausgefüllt, um traurig zu sein, dass die Tour vorbei ist. Die Abendsonne zaubert Lichtfontänen in den Gewitterdunst, und mit gutem, slowenischen Rotwein genieße ich meine wunderschöne Umgebung.

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bearbeitet von BitPoet
Da hatte sich ein Bild doppelt eingeschlichen

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Am 20.8.2019 um 20:17 schrieb BitPoet:

[...]Jetzt beginnt der Abschnitt, den Christof im Buch als "überwiegend weglos" beschreibt und für den er dem Leser ein GPS sehr ans Herz legt. Und tatsächlich, schon bald trete ich aus dem engen, teilweise überwachsenen Pfad in einen Geröllhang. Ein oder zwei Steinmännchen weisen mir hier noch den Weg, aber dann beginnen Latschenfelder und Sträucher mir die Sicht zu nehmen. Ich verbringe einige Zeit, bis ich den richtigen Ansatz finde, denn vieles was wie ein Pfad aussieht ist nur ein Wildwechsel, der ins Nirgendwo führt. Immer öfter krame ich das GPS heraus und prüfe, ob ich höher oder tiefer gehen muss, um mich nicht komplett zu verfransen.[...]

 

An der Stelle haben wir auch länger gekämpft :mrgreen: und später dann den eigentlichen Weg in die Tonne gekloppt und einen fast trockenen Wasserfall runtergeklettert. Hab ich später auch mal Christoph geschrieben, dass die Stelle m.E. etwas grenzwertig ist.

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Gerade eben schrieb schrenz:

An der Stelle haben wir auch länger gekämpft :mrgreen: und später dann den eigentlichen Weg in die Tonne gekloppt und einen fast trockenen Wasserfall runtergeklettert. Hab ich später auch mal Christoph geschrieben, dass die Stelle m.E. etwas grenzwertig ist.

Ja, die Formulierung habe ich auch so verwendet. Mal schaun, ob er da in der nächsten Ausgabe eine andere Variante drin hat. Der Abstieg von der Klettersteigvariante soll nach dem was ich in der Tamarju gehört habe ja auch nicht viel besser sein.

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Tag 20 - Nach Hause und ein Resümee

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Nach einem richtig guten, üppigen Frühstück laufe ich die 2 Kilometer zum Bahnhof, und um halb neun sitze ich im Zug. um 15:30 bin ich zu hause und es ist irgendwie unwirklich. Als ich meine Sachen auspacke und die Waschmaschine bestücke, realisiere ich richtig, dass ich morgen keine 20 Kilometer laufen werden, keine Sättel und Scharten auf mich warten, ich nicht aufpassen muss, schon früh zu viel Wasser zu trinken, sondern mir ein Glas voll holen kann so oft ich will. Und eigentlich will ich gerade nichts mehr als weiter laufen, neues sehen, vor riesigen Felswänden stehen und mich selbst für verrückt halten, wenn ich glaube, dass ich in wenigen Stunden da oben stehen werde.

*****

Lieben gelernt habe ich meine Trailrunner. Was hatte ich in früheren Jahren oft schwere Füße und protestierende Außenbänder an den Knien. Dieses Jahr hatte ich nichts davon. Meine Carbon-Stöcke haben jetzt die zweite Alpenüberquerung hinter sich und sich auch in schwierigem Gelände wieder tadellos geschlagen. Als Regenjacke hatte ich die OMM Halo dabei, die mir voll und ganz gereicht hat. Die kurze Hose von Decathlon hat zum Ende hin begonnen, auf den Taschen Flusen abzuwerfen, aber sie hält sicher noch einmal so viele Kilometer bis sie richtig hässlich wird.

Der ÜLA CDT, wie schon geschrieben, passt mir einfach nicht richtig. Mit einem Rucksack, der an der Hüfte nicht rutscht, wäre ich noch eine ganze Nummer entspannter unterwegs gewesen. Außerdem brauche ich mehr Taschen. Es gibt einfach zu viel Kleinzeug und Elektronik, die griffbereit sein sollten, und die beiden Hüfttaschen am CDT sind einfach zu mickrig.

Die Tour was in der Summe ganz anders, als ich erwartet hatte. Zum Teil lag es wohl am Schnee und der Hitze, die manche Etappen körperlich unheimlich viel fordernder machten als zahlenmäßig vergleichbare Etappen, die ich auf der München-Venedig-Route oder anderen Bergtouren gelaufen bin. Die beiden "Schlüsseletappen", die Überquerung des Alpenhauptkamms und der weglose Abschnitt vom Rifugio Zacchi zum Dom v Tamarju, waren zudem auch für den Kopf richtig intensiv. Die Hütten sind hier zum Teil viel einfacher. Gerade in Slowenien ist vieles noch nicht so entwickelt wie hier, und manche "Modernisierung" auf den Hütten ist eher Umstandskramerei, aber die Phase gab es bei uns auch. Auf höfliche Fragen und Wünsche bekommt man aber immer eine freundliche und hilfsbereite Antwort.

Im Vergleich zu München-Venedig sind auch Landschaft und Wege anders. Vieles ist ursprünglicher, manches mal ist man aber auch gefühlt näher an der Zivilisation, und es ist deutlich mehr Teer unter den Füßen und man schläft öfter im Tal.

Trotzdem kommt man mit so vielen tollen Eindrücken zurück, dass einem noch lange immer wieder neue Details einfallen, die man beinah vergessen hätte, und beim Durchsehen der Fotos kann man immer wieder die Zeit aus den Augen verlieren. Von der schwarz-weißen Schneewanderung über das Steinerne Meer über den bombastischen Sonnenuntergang am Hundsstein, von der langen Tour über die Fraganter Scharte mit ihren wunderbaren Blicken auf scharf gezeichnete 3000er bis zu der Mondlandschaft hoch oben im Triglav bis zu den schmalen Pfaden durch kleine Urwälder und den romantischen Seen mit ihren Spiegelungen, jeder Tag hatte andere Töne in einer atemlosen Komposition.

*ENDE*

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Was ein schöner Bericht..

Ich habe die "post-trail depression" lange für einen Mythos gehalten. Seit meinem Erleben kann ich nachfühlen.

Ich kann jedem nur raten das Hamsterrad zu verlassen und sich auf eine Weitwanderung einzulassen.Als Großstadtmensch

vernachlässigte Sinne rücken plötzlich in den Vordergrund und bereiten Eindrücke die einen lange nicht mehr los lassen.

Lebt Freunde, zieht in die Fremde und kehrt bereichert wieder

 

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