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Ultraleicht Trekking
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Mamski

Unser Mosel-Camino; ein Stück Jakobsweg

Empfohlene Beiträge

Unser Mosel-Camino
oder: Die Luxus-Pilgerinnen auf dem Jakobsweg von Koblenz-Stolzenfels nach Trier
oder: Die Weich-Eier-Tour?


Vorwort:

Nach langen Vorbereitungen ist es nun soweit! Der Rucksack steht gepackt vor mir und nun soll es endlich losgehen. Es ist der 9.August 2014 und der Zug von Trier nach Koblenz fährt um 08:13 Uhr los. Ich schaue gespannt aus dem Fenster und es regnet langsam und leise vor sich hin. Na gut, die Wetteraussichten für die kommenden Tage soll nicht besser sein, es ist Regen über Regen gemeldet. Widerwillig ziehe ich meine leichte, dünne, billige, lila-farbene, auf e-bay erstandene Windjacke an und setze zum ersten mal meinen Rucksack auf die Schultern. Das Gewicht erscheint mir erträglich, habe ich doch nach wochenlangen Berechnungen und unzähligen Tipps das Rucksack-Gewicht auf etwa 10,5kg  gebracht inklusive 1,5 l Wasser und Verpflegung für etwa 3-4 Tage.
Langsam und vorsichtig steige ich die kleine Wendeltreppe hinab, die von meiner Wohnungstür hinunter in den Hof führt, ich habe Angst, auf den nassen Stufen der Treppe wieder einmal auszurutschen, bin ich doch erst vor einigen Wochen dort gut auf die Schnauze gefallen und habe mir einige blaue Flecken zugezogen. Nun mit dem Rucksack auf dem Rücken bin ich übervorsichtig und erreiche jedoch unbeschadet durch den Biergarten hindurch das Törchen, welches ich gleich zuziehen werde, um dann die ersten Schritte der bevorstehenden 8-tägigen Wanderung zu gehen.

 

Auf der Straße angekommen laufe ich nun zum Bahnhof und nach wenigen Schritten spüre ich eine durchflutende Wärme und bereue es, das Jäckchen angezogen zu haben, tröpfelt es doch nur ganz wenig vor sich hin. Nach ca. 10 Minuten Fußweg erreiche ich den Bahnhof, wo meine Freundin Angelika mich erwartet und gleich mit den Worten: "Du Weichei!" begrüßt, wegen des Winjäckchens.  Schnell noch am Automaten eine Fahrkarte dank Bahncard 25 für ca. € 16,- gelöst und auf geht es zum Bahnsteig, wo wir noch eine Zigarette rauchen, bevor auch schon der Zug eintrudelt.

 

Frohen Mutes sitzen wir also im Zug nach Koblenz und fragen uns, wie das wohl wird, 8 Tage lang auf dem Jakobsweg unterwegs zu sein... wird es viel regnen? Werden wir immer einen Zeltplatz finden? Werden wir die Tagesetappen von durchschnittlich 20km schaffen? Wird Angelikas Knie mitspielen, nach einem Kreuzbandriss und einer Knie-OP letzten Jahres? Wird mein Fuß, der in letzter Zeit beim gehen sehr häufig schmerzt, die weiten Strecken mitmachen? Werden wir uns vertragen? Werden wir oft Meinungsverschiedenheiten haben? Wird es im Zelt zu eng werden auf Dauer? Wie oft werden wir uns wohl verlaufen? (Bei unseren kleinen Probewanderungen hier in der Gegend haben ständig den Weg verloren oder erst gar nicht gefunden.) Werden wir die Anstiege, die sich im Höhenprofil der Wegbeschreibung unseres kleinen Outdoor-Wanderführers hindurchschlängeln, schaffen? Werden wir zwischendrin abbrechen müssen, weil eine oder wir beide nicht mehr können? Wie viele Blasen werden wir uns laufen? Wird mein Rücken die ungewohnte Belastung des Rucksacks ertragen?

 

Fragen über Fragen. Und nur die Zeit und die kommenden Tage werden Aufklärung bringen. Im Zug sitzt eine ältere Frau, die ziemlich besorgt ist, dass sie ihren Anschlußzug von Koblenz nach Stuttgart nicht findet und den Schaffner nach einer Umsteighilfe bittet. Dieser meint, dass niemand in Koblenz verfügbar sei, um ihr zu helfen und so ist sie sehr aufgeregt. Die älteren Damen, die vor uns in der Reihe sitzen, erklären sich dazu bereit, ihr in Koblenz zu helfen und sie auf das richtige Gleis zu begleiten, woraufhin die Frau sehr dankbar ist. Die kommenden Minuten steht sie allerdings alle naselang auf und fragt die Damen, ob sie ihr denn wirklich helfen würden, sie sei auch bereit, € 50,- zu bezahlen, woraufhin die Damen ihr immer und immer wieder erklären, dass sie sich keine Sorgen machen brauche, sie würden ihr helfen und ihr den Weg zeigen. Unentgeldlich. Dieses Spiel zieht sich bis Koblenz hin.
In Koblenz am Hauptbahnhof angekommen steigen wir aus und verlieren das Grüppchen mit den Damen aus den Augen, sind etwas überfordert mit den Menschenmassen, die sich Richtung Ausgang drängen, da an dem Abend in Koblenz "Rhein in Flammen" stattfindet und rauchen deshalb erstmal schön gemütlich noch ein Zigarettchen in dem eingekreisten Raucherfeld neben den Bahngleisen. Dann schlendern wir Richtung Ausgang und nach einer kurzen Frage am Info-Schalter und 300 Metern weiter stehen wir auch schon am Busbahnhof und suchen die Abfahrtszeit der Linie 650 Richtung Boppard. Da wir noch ca. 20 Minuten zur Verfügung haben, kaufen wir uns in der Bäckerei gegenüber ein mit Eiern belgtes Käsebrötchen und einen Kaffee und machen es uns auf den Sitzen der Bänke gemütlich. Angelika probiert das GPS an ihrem vom Ex-Freund geliehenen Handy aus und ist etwas frustriert, da es nicht so zu funktionieren scheint, wie erwartet. Wir warten nun auf den Bus, der uns nach Stolzenfels bringen soll, wo dann endlich unsere Wanderung offiziell beginnt. Es hat während der Zugfahrt geregnet und nun ist es immer noch leicht am nieseln. Und da kommt auch schon der Bus.

 

Während einer relativ kurzweiligen Busfahrt klart der Himmel etwas auf und es kommen sogar Sonnenstrahlen zu Tage. Wir haben einen ersten Blick auf die Burg Stolzenfels, die wirklich sehr stolz auf einem kleinen felsigen Hügel thront und steigen am Fuße der Burg aus. Der Busfahrer deutet uns in die Richtung des Fußweges zur Burg und endlich, endlich kann sie beginnen, unsere Wanderung. An den Stufen zum Aufstieg sehen wir das erste Muschlzeichen, gelbe Muschel auf blauem Grund, das uns von nun an täglich begleiten wird. Das erste Foto wird geschossen. Weiter geht es die Stufen hinauf und zum ersten mal kommen wir schon etwas ans japsen, da der Weg steil nach oben geht. Auf halber Höhe angekommen entscheiden wir uns, den Weg zur Aussicht zu nehmen, bevor wir ganz nach oben gehen, stellen aber nach einer kleinen Weile fest, dass uns dieser kleine Umweg zu mühselig und zeitaufwendig ist, schließlich ist es mittlerweile schon nach 11:00 Uhr und wir haben noch etwa 20km vor uns. Zurück auf dem steilen, zum Teil asphaltiertem Weg zum Schloss erreichen wir dieses und gehen nochmal zur Toilette (wann werden wir wohl die nächste antreffen?), bevor wir nach einigen Fotos unsere erste Etappe beginnen.

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Etappe 1: Von Stolzenfelz nach Alken; ca. 20 km

 

Es geht steil nach oben von ca. 80 m über NN bis auf 350 m über über NN durch den Koblenzer Stadtwald und schon nach nur wenigen Schritten wird uns klar: Das hier wird sehr anstrengend werden! Wir keuchen uns mit unseren Rücksacken Schritt für Schritt weiter, immer weiter nach oben und können es kaum glauben, wie steil denn ein eigentlich so kleines Hügelchen, was von Bergbewohnern in den Alpen oder anderen Bergregionen bestimmt noch nicht mals wirklich als Berg bezeichnet wird, sein kann. Und es scheint kein Ende zu nehmen... weiter, immer weiter. Immer wieder bleiben wir zwischen drin stehen und verschnaufen, bevor wir wieder einen Fuß vor den anderen setzen. Zeitweise gehen wir einige Meter rückwärts, um uns so Erleichterung zu verschaffen. Das kann doch nicht wahr sein, das nimmt kein Ende und ich fange an zu zweifeln, ob wir diese Tour wirklich schaffen werden, wenn das jetzt schon so los geht? Und was? Wir sind erst 4 km gegangen, als es endlich wieder flach wird? Das kann ja heiter werden... Nun folgen wir den Schildern zum Merkurtempel, den Grundmauern einer Tempelanlage, die Merkur und seiner Gefährtin Rosmerta, der großen Muttergöttin Galliens, geweiht wurden und machen dort unsere erste kleine Rast, knabbern ein paar Snacks, während wir einen kleinen Plausch mit den Leuten einer kleinen Wandergruppe halten und sind froh, diesen Anstieg dann doch hinter uns gebracht zu haben. Und es sollen noch einige folgen...

 

Auf der Hunsrückseite der Mosel laufen wir  weiter den Muscheln nach und wieder geht es bergauf, wir passieren Waldesch, vorbei am Bruder-Tönnes-Hügel, weiter nach Naßheck und abwärts und wieder aufwärts durch Wälder und Wiesen und wieder abwärts bis zur Dreifaltigkeitskirche Bleidenberg, wo wir eine Bank vorfinden mit herrlichem Ausblick hinunter nach Alken. Wir können es kaum glauben, nur noch ein Abstieg und dann haben wir unseren ersten Tag geschafft. Es fühlt sich großartig an!

 

Aber was für ein Abstieg! Durch die Weinberge geht es steil, steiler, am steilsten bergab über Schiefersteine und Geröll, weshalb bei dieser Strecke auch ausdrücklich darauf hingewiesen wird, sie bei schlechtem Wetter wegen Sturzgefahr nicht zu nehmen. Aber da das Wetter mittlerweile schön ist, wagen wir den Abstieg und ich muss gestehen: Ich hatte ein wenig Schiss zwischendrin! Und dies ist ein Kreuzweg, ich kann mir kaum vorstellen, wie man dort bei Prozessionen mit einem Kreuz durchläuft! Zwischendurch, wenn ich mal einen Blick von meinen Füßen weg wage, gibt es eine fantastische Aussicht auf Alken mit Blick auf die Burg Thurant. Doch plötzlich beginnt mein Knie zu mucken, mit jedem Schritt wird es schlimmer und schlimmer und abermals fange ich an zu zweifeln, ob ich diese Tour überhaupt schaffen werde, wenn ich schon am ersten Tag solche Schmerzen habe. Und es ist nicht Angelikas Knie, das aufbegehrt, es ist unglaublicherweise meines. Doch weiter, immer weiter, einen schmerzhaften Schritt nach dem anderen geht es runter. Und dann endlich: Wir sind unten. Welch eine Freude!

 

In Alken angekommen lassen wir uns im Café Becker nieder und klatschen bei einem Bierchen & Radler glücklich ab! Dort soll es auch einen Pilgerstempel geben und Angelika stellt fest, dass sie ihren Pilgerausweis zu Hause hat liegen lassen. Wie ärgerlich! Ich bekomme meinen ersten Stempel in den Pass und Angelika wird von nun an ihre Stempel auf Zettelchen sammeln. Auf der Toilette füllen wir unsere Wasserflaschen wieder auf.
Wir fragen den Ober nach einer Übernachtungsmöglichkeit mit Zelt und er erklärt uns, da gäbe es eine frisch gemähte Wiese direkt an der Mosel, die einem Bauern gehöre, der es duldet, wenn dort gezeltet wird. Das würden viele, vor allem Jugendliche, da oft machen. Also machen wir uns auf die Suche nach dieser Wiese, spazieren an der Mosel entlang und irgendwie will uns diese Wiese nicht finden. Aber was wir finden ist ein großer Baumstumpf von einem abgesägten Baum, der sich ideal als Platz zum kochen anbietet. Also werden die Kochsachen ausgeräumt, Angelikas selbstgebauter Bierdosen-Spirituskocher wird angeschmissen, der Topf kommt auf die Flamme und nach wenigen Minuten haben wir heißes Wasser und schmeißen die vorgemachte Soße (scharfe Kokos-Erdnuss-Soße) zusammen mit den Nudeln hinein und lassen das ganze ca. 6 Minuten ziehen und essen unser erstes Mahl auf der Reise. Es schmeckt köstlich und bis auf einen winzig kleinen Rest vertilgen wir alles. Nachdem wir die Schüsselchen, den Topf und unsere Löffel sauber gemacht haben, machen wir uns weiter auf die Suche nach einem Zeltplatz. Etwas oberhalb fällt uns eine kleine Obstwiese ins Auge und obwohl sie ziemlich nah an der Straße steht und nicht wirklich abseits von einem Weg ist, von dem man aus uns gut sieht, beschließen wir, es trotzdem zu wagen und dort unser Quartier aufzuschlagen. Gesagt, getan, die Rettungsdecke als Groundsheet ausgebreitet steht das Zelt in kürzester Zeit und wir lassen uns noch einige Meter weiter auf einer Bank nieder, um den Tag ausklingen zu lassen, bevor wir in die Schlafsäcke kriechen. Wir sind supergut gelaunt, gickeln wie die Hühner und kriegen uns gar nicht mehr ein. Ich fülle noch ein kleines Fläschchen mit Wasser und füge Milchpulver hinzu, schüttele es gut durch, damit wir am nächsten Morgen Milch für den Kaffee und das Müsli haben. Gegen halb zehn legen wir uns hin. post-1618-0-12674900-1408461515_thumb.jp Angelika schläft ziemlich schnell ein, doch ich liege noch eine ganze Weile wach, lausche den vorbeifahrenden Autos und spüre jeden Knochen in meinem Körper. Obwohl der Tag anstrengend war, freue ich mich auf den nächsten und kann es kaum abwarten, wieder unterwegs zu sein. Ich freue mich auf's gehen. Ich schlafe ein, wache nach einer Stunde wieder auf und liege dann fast eine Stunde lang schlaflos herum. Es fällt mir schwer, wieder in den Schlaf zu finden, aber irgendwann glückt es und mein Körper kann sich erholen.

 

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Etappe 2: Von Alken nach Treis-Karden; ca. 19km (normalerweise!)

 

Ziemlich früh bin ich wieder wach. Kurioserweise hat sich mein Knie im Schlaf wieder vollständig regeneriert, ich spüre keinen Schmerz mehr. Sehr gut! Ich bemerke, dass das Zelt ziemlich nass ist, auch innen. Ich sehe einige Schnecken, die sich außen am Innenzelt hinaufschleimen und schnippse ein paar mit dem Finger weg. Kurz darauf wird auch Angelika wach und wir stehen auf. An der Bank wird der Kocher wieder angeworfen und ein Kaffee gekocht. Ein abgeschnittenes Damensöckchen aus Nylon dient als Siebchen, aber der Kaffee ist etwas zu dünn geraten, weshalb ich noch ein Päckchen Instant-Espresso in beide Becher verteile. Das Milchpulver hat sich hervorragend im Wasser aufgelöst und ich kann also wie gewohnt Milchkaffee mit Zucker am Morgen genießen. Dann noch ein Schüsselchen Müsli einverleiben und los geht es ans einpacken. Das Zelt ist ziemlich nass, vielleicht waren wir doch noch zu nah am Wasser, ich nehme mein "Handtuch", welches aus 2 zusammengenähten dünnen Aldi-Spüllappen besteht und trockne damit das Zelt innen und außen ab. Dabei versaue ich mir das Handtuch mit Schneckenschleim und sonstigem komisch aussehendem Zeug. Egal. Kurz mit Wasser ausgespült und gut ist. Ich stecke das Außenzelt in die Mesh-Tasche von meinem Rucksack, Angelika das Innenzelt in ihre und nachdem wir unsere 7-Sachen zusammengeräumt haben, machen wir uns weiter auf den Weg. Bis auf das plattgedrückte Gras kann man nicht mehr erkennen, das hier jemand die Nacht verbracht hat. Das Wetter sieht eigentlich ganz okay aus.

 

 

Wir überqueren gut gelaunt die Moselbrücke nach Löf auf die Eifelseite und an einem Hotel angekommen fragen wir, ob wir mal die Toiletten benutzen dürfen, da wir ja wieder unsere Wasserflaschen auffüllen müssen. Der Mann ist sehr freundlich und erlaubt es uns. Weiter geht es auf einem Spazierweg entlang von Gleisschienen und wir entdecken jede Menge reifer Brombeeren, die wir genießen. Flach geht es weiter nach Hatzenport, wo wir an der Mosel eine kurze Rast machen, da gerade die Sonne so schön scheint. Wir entdecken eine Bank, ich breite das Zelt auf einem Poller aus, um es trocknen zu lassen und wir schauen einigen Enten zu, trinken etwas Wasser und knabbern schon wieder an unseren Snack-Tüten. Weiter geht es eine sehr steile asphaltierte Straße nach oben, Richtung Lasserg. Der Anstieg ist mal wieder sehr anstrengend und oben angekommen, erhalte ich einen Anruf von einem Bekannten, der nur einige Kilometer entfernt wohnt und uns zum Frühstück einladen möchte. Nach kurzer Überlegung willigen wir ein, wir sind schließlich schon fast 8 km gewandert, und das am frühen Morgen :wink: und innerhalb von 15 Minuten ist Sascha auch schon da. Wir fahren nach Moselsürsch zu seinem unglaublich schönen alten Bauernhof und genießen dort im Hof einen Kaffee, Nutella- und Salamibrote, ein gekochtes Ei. Lecker!

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Es ist so superschön und gemütlich dort. Und dann fängt es an zu gießen, immer mehr und immer mehr! Wir verziehen uns nach rein und bekommen Schoko-Küsse. Nachdem wir dort noch bestimmt eine Stunde gesessen und geratscht haben, hört es doch tatsächlich wieder auf zu regnen und wir werden bis zur Burg Eltz gefahren und haben somit etwa 5 km und einen steilen Abstieg "gespart", bzw. geschummelt.

 

Am Fußweg zur Burg angekommen, machen wir uns sogleich auf die Socken und der Himmel verdüstert sich wieder, als wir inmitten von Menschenmassen durch den Wald auf die Burg Eltz zulaufen. Als wir, bzw. ich sie endlich erblicke, die wie ich finde schönste und besterhaltenste Burg weit und breit, fängt es an wie aus Eimern zu schütten. Schnell nehmen wir unsere Regenklamotten heraus und ziehen sie an, wobei Angelika währenddessen ganz vergißt, sich auch die Burg anzusehen.

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Nun geht es ziemlich bergauf in strömendem Regen durch einen entzückenden kleinen Trampelpfad mitten durch den Wald, den ich aber nicht so wirklich genießen kann, wie ich es will, weil es so matschig und rutschig ist, dass ich ständig auf den Weg achten muss. Es regnet und regnet und ich schwitze wie ein Schweinchen in den Regenklamotten. Alles ist pätschnass, Schuhe, Klamotten, alles. Der Regen läuft nur so über mein Gesicht und es will und will gar nicht mehr aufhören und es geht stetig nach oben, nach oben, nach oben. Mitten im Wald höre ich ein Geräusch und kann es kaum glauben, als uns urplötzlich 2 Mountainbiker entgegen kommen, die durch diesen Regen, durch diesen Matsch in einem Affenzahn den schmalen Pfad hinunterdüsen. Ihre Gesichter sind von dem ganzen hochspritzenden Schlamm völlig verdreckt. Verdutzt machen wir uns weiter. Als wir die Anhöhe endlich erreichen, post-1618-0-51362300-1408461928_thumb.jp

gehen wir einen recht ebenen Feldweg entlang, wo der Wind pfeift, was aber gut tut, weil mir sooo heiß ist.

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Weiter geht es ein kleines Stück an der Straße entlang, dann wieder in den Wald hinein

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und wir gelangen an die Schutzhütte Kompeskopf, wo man einen unglaublich schönen Blick nach unten auf Treis-Karden hat. Bei der Hütte angekommen, ziehen wir unsere nassen Klamotten aus, um nicht abzukühlen und machen eine Rast. Nun hört es auch endlich auf zu regnen, doch der Himmel wirkt immer noch düster und bedrohlich. Nach einer guten Weile ziehen wir die trockenen Klamotten wieder aus und schlüpfen wieder in die nassen, damit wir uns nicht auch noch die anderen Klamotten durchnässen. Ich wage einen kleinen Blick nach unten, auf den Weg des Abstiegs und bekomme es etwas mit der Angst zu tun, wieder ein ganz steiler Weg, mit viel rutschigem Gestein und Matsch und ich habe Schiss, dass meine Schuhe nicht genügend Grip haben werden. Doch da kommt ein Großvater mit seinen 2 Enkelkindern anspaziert, alle in Gummistiefeln, die sich auch sogleich an den Abstieg machen und da denke ich mir, dass ich das auch schaffen werde. Also, auf gehts! Die Regenklamotten kommen in die Mesh-Tasche im Rucksack und es wird die lila Windjacke angezogen.

 

Wieder abwärts, nach unten, unten, unten, und ja, man muss aufpassen, dass man sich nicht vertritt oder auf den Steinen ausrutscht oder im Schlamm, aber was ist das für ein entzückender, wunderwunderschöner, verschlungener Pfad! Es sieht aus wie in einem Märchenwald! Ich komme aus dem Staunen nicht heraus, der Weg gefällt mir sehr!

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Unten im Ort angekommen, fängt es wieder an zu regnen und einstimmig, ohne groß darüber zu diskutieren beschließen wir, diese Nacht nicht wie angepeilt auf dem Campingplatz, sondern schön trocken und gemütlich in einem Hotelzimmer zu verbringen. Wir suchen auch nicht lange und kommen im Hotel "Zum Stiftstor" in Karden unter. €35,- pro Person mit Frühstück. Kaum im Zimmer angekommen, werden auf jedem freien Fleck unsere nassen Sachen verteilt, Einlagen aus den Schuhen raus, Zelt auf den Boden, Isomatte aufgerollt, weil die noch etwas klamm vom Vorabend ist, Schlafsack aus dem Kompressionssack raus und erstmal unter die heiße, heiße Dusche. Mein T-Shirt, die Socken, die Unterhose und das schneckenschleimverschmierte Handtuch kommen mit unter die Dusche und werden einer ausgiebigen Wäsche unterzogen und danach zum trocknen im Zimmer verteilt. Ich glaube, wenn jemand vom Personal ins Zimmer geschaut hätte, hätten die einen Schlag bekommen und uns hochkant wieder rausgeschmissen! Aber keiner kommt gucken! Gott sei Dank!

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Nachdem wir wieder trockene Sachen anhaben, begeben wir uns nach unten, um bei Bier, Radler und Bratkartoffeln unseren Abend ausklingen zu lassen und wieder einmal froh, glücklich & müde abklatschen zu können. Als wir später im weichen, trockenen, gemütlichen Bettchen liegen, hören wir, wie der Regen herunterpeitscht und es donnert und sind froh, nicht im Zelt zu liegen! Wir quatschen noch ein Weilchen, gickeln wieder wie die Hühner, und lassen uns glücksselig in den Schlaf fallen. Ich schlafe schnell ein und wie ein Stein, freue mich jedoch wieder auf den nächsten Tag und hoffe auf besseres Wetter.

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Etappe 3; von Treis-Karden nach Bullay; ca. 29 km (normalerweise!)

 

Gegen 7 Uhr wachen wir auf und der erste Blick geht aus dem Fenster. Es hat aufgehört zu regnen, es ist zwar noch etwas zugezogen, aber eigentlich sieht es okay aus, besser als erwartet. Langsam fangen wir an, das Chaos im Zimmer zu beseitigen und nach und nach macht der Raum wieder einen ansehnlichen Eindruck. Es sieht fast so aus, als wäre rein gar nichts gewesen. Um 8 Uhr gehen wir in den Frühstücksraum und genießen fürstlich das Buffet.

 

Als wir noch draußen bei einer Tasse Kaffee eine Zigarette rauchen, kommt der Besitzer des Hotels und fragt, ob wir noch einen Pilgerstempel möchten. Was für ein Zufall, sind wir doch tatsächlich genau in dem Hotel abgestiegen, wo es den Stempel gibt. Super! Einen Abdruck in meinem Pilgerausweis, ein Zettelchen für Angelika.

 

Ich freue mich, wieder ans laufen zu kommen. Es macht einfach Spaß! Frisch gestärkt mit gefüllten Wasserflaschen machen wir uns auf den Weg und die Sonne kommt sogar hervor. Welch ein Glück wir doch haben! Bestens gelaunt geht es durch Karden, über die Moselbrücke post-1618-0-97779600-1408462347_thumb.jp

wieder auf die Hunsrückseite, wieder hinein in den Wald und wie sollte es anders sein? Wieder anspruchsvoll stetig bergauf über einen Höhenrücken. Auf dem Weg nach oben halten wir vergebens Ausschau nach einer Steintafel zur Erinnerung an den letzten 1945 im Flaumbach gefangenen Lachs. Hm. Nichts gesehen. Für den heutigen Abend haben wir auch schon eine Übernachtung, bei meiner Patentante in Pünderich, nicht weit von unserem Etappenziel Bullay entfernt. Ganz genau wissen wir noch nicht, wie wir es an diesem Tag machen sollen, da im Wanderführer angegeben ist, dass der letzte Teil der Strecke, ich zitiere: "der mit Abstand unangenehmste Teil des Mosel-Caminos ist" weshab er Freunden empfiehlt, in Beilstein mit der Fähre überzusetzen und von dort aus den Bus nach Bullay zu nehmen. Wir wissen es noch nicht, was wir tun werden, wir möchten erstmal in Beilstein ankommen und von dort aus dann weiterentscheiden, ob wir den greulichen Weg entlang der stark frequentierten Land/Kreisstraße gehen, oder doch den Bus nehmen. Am liebsten wäre uns ja eine kleine Schifffahrt gewesen, aber Montags hat die Personenschifffahrt leider Ruhetag. Also gehen wir nun erstmal weiter Richtung Kloster Maria Engelport, nun wieder abwärts, aber angenehm zu gehen.

 

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Beim Kloster legen wir eine Rast ein und essen unsere Brötchen, die wir noch vom Hotelbuffet mitgenommen haben. Angelika macht sich Blasenpflaster an die Füße, da ihre Schuhe noch nass sind und einige Druckstellen andeuten, dass sich dort eventuell Blasen bilden könnten. Einen Stock zum gehen hat sie mittlerweile auch gefunden und ist mehr als froh darum, ihr Knie damit entlasten zu können. Vom Kloster aus gehen wir an einer Grotte vorbei und dann wieder in den Wald hinein auf einen schmalen, urigen, kleinen Waldpfad, auf dem einige Bäume umgeknickt sind und wir darüber hinwegsteigen oder drunter durch klettern müssen. Wieder geht es nach oben.

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Das Wetter ist schön, es ist warm, wird wärmer und durch das gehen wird es auch mal heiß. Nun geht es wieder abwärts und auf halber Höhe hat man einen traumhaften Blick auf das idyllische, malerische Örtchen Beilstein mit Blick auf die Burg Metternich.

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Dort angekommen gönnen wir uns bei strahlendem Sonnenschein ein Bierchen & ein Radler im Klostercafé mit einem famosen Ausblick auf das Moseltal. Weiter nach unten geht es über eine steile Treppe in den Ort hinein. Beilstein ist wirklich ganz entzückend!

 

 

Im Klostercafé beschließen wir, dass es für heute genug ist und wir nehmen tatsächlich die Fähre auf die andere Moselseite,

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dann den Bus nach Bullay und anschließend den Zug nach Reil, wo uns meine Patentante am Bahnhof abholt.

 

Bei ihr zu Hause angekommen bekommen wir erstmal ein kühles Bier, ein Koblenzer, was wirklich sehr lecker schmeckt. Ihr Mann Klaus trinkt mit uns und zum Abendessen gibt es ein köstliches halbes Hähnchen mit Tomatensalat mit Feta, Gurkensalat und Zwiebelbaguette. Köstlich! Wir sitzen noch sehr lange auf der Terrasse und erzählen und erzählen und verbringen dort einen supergemütlichen und erholsamen Abend. Danke an die zwei, das war wirklich sehr, sehr schön! Wir schauen uns noch etwas die Wanderkarte von Klaus an, da wir ja nun vom Weg etwas abgekommen sind und er bietet sich an, uns am nächsten Morgen zum Bummkopf zu fahren, womit wir wieder einen gruseligen steilen Anstieg und einige Kilometer geschummelt haben. Wir sagen einfach ja! In der Nacht schlafe ich sehr gut und fühle mich pudelwohl!

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Etappe 4: Von Bullay nach Traben-Trarbach; ca. 24km (eigentlich!)

(für uns vom Bummkopf bis Traben-Trarbach)

 

Gut erholt wache ich am nächsten Morgen auf. Nichts schmerzt großartig, das schon etwas weniger gewordene Gewicht durch die verbrauchten Lebensmittel spüre ich kaum auf dem Rücken, keine Blasen an den Füßen, alles ist bestens. Ich freue mich wieder mal auf das Laufen, heute sogar noch mehr als gestern! Ich freue mich auf Traben-Trarbach, weil ich dort geboren bin, dort mal kurz gelebt habe und mein Vater da aufgewachsen ist. Es gibt ein leckeres Frühstück bei meiner Tante und nachdem wir uns noch jeder zwei Brote geschmiert haben, geht es nach einer kurzen Autofahrt zum Bummkopf auch schon wieder weiter.

 

Der Himmel ist erst etwas bewölkt, doch nach einer Weile klart es wieder auf und es wird auch wieder warm. Wir laufen eine Weile über einen steinigen Weg und erreichen recht schnell einen sehr schönen Aussichtspunkt, den 5-Täler-Blick genannt.

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Dort verweilen wir ein bisschen, weil es so schön ist und machen uns dann weiter auf den Weg bergab durch die Weinberge nach Enkirch. Auch Enkirch ist ein hübsches kleines Moselörtchen mit vielen uralten Häusern. Dort geht es dann steil, teilweise über Treppen führend,

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bergauf, weiter, immer weiter, über kleine Pfade, durch lichten Wald

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bis man in das 250 m über der Mosel gelegene Starkenburg ankommt. Hier gibt es einen hübschen Rastplatz hinter einer ganz kleinen evangelischen Kirche, wo wir den Kocher auspacken und uns einen köstlichen Kaffee kochen.

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Der Kuchen dazu, ein Stück Donauwelle, kommt aus dem 2 Häuser daneben liegenden Kaffee und war mit Abstand der trockenste Kuchen, den ich jemals gegessen habe! In der total süßen Kirche kann man sich seinen Pilgerstempel selber stempeln und es steht dort ein kleines Regal mit Körbchen, in denen Pilger Sachen ablegen können, die sie nicht mehr benötigen oder nicht mehr mitschleppen möchten. Dort liegen Bonbons, Zuckertütchen, Tempos, ein paar Radfahrhandschuhe, eine Dose Espresso, diverse Büchlein und allerlei Sonstiges. Angelika findet ein Tuch, dass sie sich anstelle ihres Gürtels um die Hüften binden kann, weil der Gürtel gedrückt hat. Ich lege noch 2 Instant-Espresso-Tütchen und eine heiße Zitrone in Pulverform dazu, mehr habe ich leider nicht zum abgeben.

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Und weiter geht es, teilweise verläuft der Mosel-Camino gleich mit dem Moselsteig, immer wieder begegnen uns neben der Muschel auch Schilder für den Moselsteig oder den Moselhöhenweg. Dieser Weg von Enkirch nach Traben-Trarbach hat mir am allerbesten gefallen und obwohl es ständig bergauf geht, kommt mir der Weg nicht ganz so anstrengend vor, weil man immer wieder mit grandiosen Ausblicken auf das Moseltal belohnt wird, einer nach dem nächsten.

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Und es gibt eine ganz entzückende Stelle, an der ein kleiner Kräutergarten angelegt ist mit einer kleinen Schutzhütte dabei. Ganz goldig!

 

Ein kleines Stückchen geht es nun flach über Felder mit Pferden vorbei,

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bevor es an den Abstieg geht, der auf halber Höhe wieder nach einer Rast schreit, da sich dort die Ruine der Grevenburg mit einer Burgschänke befindet, wo wir abermals Bier trinken.

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Angelika trinkt ein Bier vom Kloster Machern und ich ein Radler aus der Flasche, in die auch just eine Wespe hineinfliegt. Ich gehe mit der Flasche in die Schänke und frage nach einem Glas, woraufhin die Wirtin meint: "Sie sind bestimmt eine Pilgerin! Hab ich endlich mal eine erwischt!" und lacht. Sie kommt dann ein wenig später an unseren Tisch und bringt ein Gästebuch zum eintragen mit und stempelt meinen Ausweis ab. Angelika bekommt ein weiteres Zettelchen. Als wir so dort oben bei starkem Wind, aber sonnigem Wetter sitzen, denke ich an meinen Vater und beschließe, ihn mal anzurufen. Als er hört wo wir sind, beschließt er spontan, heute Abend nach der Arbeit nach Traben-Trarbach zu kommen, um uns zum essen einzuladen. Okay, dazu sagen wir nicht nein. Auch für den heutigen Abend haben wir schon eine Unterkunft im Auge, wir möchten in die alte Lateinschule, eine, wie ich hörte, ganz bezaubernde Pilgerherberge. Wir wissen zwar nicht, ob dort noch Platz ist, wollen aber einfach mal vorbeischauen. Wenn nicht, haben wir ja immer noch unser Zelt. Also machen wir uns weiter an den Abstieg und erreichen recht schnell Traben-Trarbach.

 

Im Ort übersehen wir eine Muschel und laufen etwas zu weit eine Straße hinauf, doch ein netter Mann erklärt uns den Weg zur Herberge. Da ruft auch schon mein Vater an und wir bleiben einfach, wo wir sind und warten auf ihn, weil er uns in die Unterkunft begleiten möchte. Gemeinsam machen wir uns dann auf den kurzen Weg dort hin und sind begeistert, als wir bei der alten Lateinschule ankommen.

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Ein schmucker kleiner Garten erwartet uns und wir bekommen erstmal Wasser, Kaffee oder Tee von der Herbergsmutter angeboten und ja, sie hat noch Platz für uns. Wir werden in das Mehrbettzimmer geführt und es ist echt schön dort, ganz gemütlich und liebevoll eingerichtet und eine winzig kleine Treppe nach oben ist eine Empore mit einem Doppelbett, welches wir belegen dürfen. Wir bekommen Bettzeug und Handtücher, richten uns ein, machen uns frisch und dann führt uns mein Vater aus in die Zunftscheune, eine urige Straußwirtschaft mit hervorragendem Essen. Später gesellen sich noch 2 Bekannte von Angelika dazu, die ganz in der Nähe, in Enkirch, wohnen und wieder verbringen wir einen lustigen Abend. Mein Vater ist so witzig, macht sich lustig über unsere Tour, weil wir ja hier und da etwas mit dem Weg geschummelt haben und nennt uns Luxus-Pilger.  Wir lachen sehr viel. Mein Vater bietet uns an, die nächste Nacht bei ihm schlafen zu können, weil er nicht so sehr weit von unserem nächsten Etappenziel entfernt wohnt und es den nächsten Abend wieder regnen soll. Wir sagen zu und so haben wir auch für morgen eine Unterkunft.

 

Zurück in der Herberge sitzen Angelika und ich noch ein bisschen vor der Kirche und gickeln wieder herum, bevor sie schlafen geht. Ich setze mich noch etwas in den Garten und erzähle mit der Herbergsmutter Fr. Böcking, eine sehr liebe und angenehme Frau. Etwa eine Stunde später haue auch ich mich in die Falle und liege direkt an einem kleinen Fensterchen mit idyllischem Blick auf die beleuchtete Stadt. So schlafe ich dann zufrieden ein.

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Etappe 5: Von Traben-Trarbach nach Monzel;  ca. 22 km

 

Mit großem Appetit wache ich am nächsten Morgen auf. Angelika wird auch gleich wach und wir gehen hinunter und bekommen direkt einen Kaffee und sitzen zum richtig wach werden noch etwas im Gärtchen herum. Das Wetter sieht nicht so berauschend aus, völlig bewölkt, wolkenverhangen. Als wir dann zum essen hineingehen, bin ich überrascht von dem tollen Frühstückstisch: Alles, was das Herz begehrt! Brötchen, verschiedene Wurst- und Käsesorten, Tomaten-Mozzarella mit Basillikum, frisch aufgeschnittene Avocado, Melone, selbstgemachte Marmeladen, Ei, Müsli und so weiter und so fort. Das beste Frühstück! Ich kann gar nicht so viel essen, wie dort aufgetischt wird. Da hätte ich stundenlang sitzen und vor mich hin essen können. Lecker, lecker, lecker!

 

Nach dem Frühstück wollen wir auch direkt weiter, ich bekomme meinen Pilgerstempel, Angelika ihr,... na was wohl? Zettelchen. Wir bezahlen (€ 21 pro Person mit Frühstück) und werden noch abgelichtet. Und weiter gehts. Ab durch die Weinberge wieder nach oben und bevor wir in den Wald gehen, hat man nochmals einen schönen Blick auf die alte Lateinschule.

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Vor dem heutigen Anstieg habe ich großen Respekt, das Höhenprofil in unserem Reiseführer macht einen langen, ziemlichen Strich nach oben und ich bin mir sicher, dies wird der schlimmste Anstieg der ganzen Tour werden. Es geht auf einem steilen Weg durch die Weinberge in den Wald auf die Hunsrückhöhen. Mitten im Wald meint Angelika, sie rieche Maggi und wir sehen auch tatsächlich überall Spuren von Wildschweinen, aufgewühlte Erde und die Abdrücke der Schweinefüßchen. Aber letztendlich begegnen wir keinem Wildschwein. Von ca. 100 m über NN geht es bis auf 410 m über NN und ich weiß nicht, ob es daran liegt, dass wir nun etwas geübter und eingelaufener sind, aber wir meistern den Anstieg spielend und ich bin überrascht, wie einfach wir nach oben gelangen. Wir erreichen einen Parkplatz in Nähe der Graacher Schanzen, aber die Schanzen selber sehen wir nicht, dafür einen ziemlich hässlichen Betonklotz mitten auf einer Wiese und wir wissen nicht, was das sein soll.

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Einer der angeblich schlimmsten Anstiege der Tour ist nun geschafft und es ist beileibe nicht so schlimm gewesen, wie befürchtet. Beschwingt geht es nun weiter durch die Weinbergswege, zum Teil auf Asphalt und schon von Weitem kann man Bernkastel-Kues sehen.

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Als wir dieses erreichen, verdunkelt sich der Himmel wieder und wir trinken gemütlich einen Milchkaffee im Märchenhotel von Bernkastel, das einer Freundin von mir und ihrem Mann gehört und ich plane, sie zu überraschen. Doch unglücklicherweise hat sie genau heute ihren freien Tag und deshalb geht es nach einem kurzen Telefonat mit ihr auch schon weiter. In einem kleinen Lebensmittelladen decken wir uns mit Schokolade ein und ziehen weiter durch die historische Stadt mit ihrem schönen Marktplatz. An der Tourist-Information erhalten wir unsere Stempel und laufen über die Moselbrücke auf die Kueser Seite, erreichen eine kleine Treppe, die hinunter zu den Moselanlagen führt und gehen vorbei am Geburtshaus von Nikolaus von Kues.

 

Nun folgen ziemlich unspektakuläre, langweilige, asphaltierte Kilometer auf dem Moselradweg. Trotz allen Höhen und Auf- und Abstiegen die fürchterlichste Strecke, immer flach und eben auf dem Radweg an der Mosel entlang, wobei mir schon nach ca. 1 km der Fuß beginnt weh zu tun. Und es beginnt zu tröpfeln. Wir halten kurz, um uns die Regenklamotten überzustülpen und der Regen wird immer mehr. Bis wir Lieser erreichen, ist der Regen stärker geworden, wir laufen noch ein Stückchen Landstraße, um dann in einen kleinen Wald zu gelangen. Es geht wieder die Serpentinen hoch in die Weinberge in Richtung Monzel und wir fügen uns dem Wetter. Irgendwo auf dem Weg begegnen uns zwei junge Männer, die ähnlich wie wir bepackt und in die entgegengesetze Richtung unterwegs sind. Bestimmt unterwegs auf dem Moselsteig, dessen Schilder wir wieder oft sehen. Wir kommen an einer Schutzhütte an, wo wir halten, unsere Snack-Tüten und die Schokolade auspacken und erstmal was essen. Der Regen will nicht aufhören und wir sind wieder sehr, sehr nass.

 

Nach der Rast, es nützt ja nichts, geht es wieder hinaus in den Regen und wir laufen nun wieder abwärts und erreichen Monzel. Die Muschel führt uns zum Aparthotel Panorama, schön geschmückt mit einer Muschel und dem Hinweis, dass es hier einen Pilgerstempel gibt und wo ich noch schöne Grüße an die Besitzer, die Familie Brösch, ausrichten soll, doch dort ist alles geschlossen. Wie bedripste Hunde stehen wir herum und wissen erstmal gar nicht, was wir tun sollen. Da sehen wir ein Auto mit der Telefonnummer des Hotels bedruckt und beschließen, einfach anzurufen. Die freundliche Frau am Telefon erklärt mir, dass das zum Hotel dazugehörige Restaurant erst um 18:00 Uhr öffnet. Es ist kurz vor 16:00 Uhr und deshalb frage ich, ob es denn möglich sei, einen Stempel zu bekommen und die Frau kommt sogleich herunter. Netterweise schließt sie uns dann das Café auf und meint, wir können uns dort aufwärmen und warten. Wir treten gerade ein, als hinter uns eine holländische Familie mit 3 Kindern und Hund ankommt, ebenso mit Rucksäcken bepackt und genauso nass wie wir. Auch sie treten ein und bestellen sich heißen Kakao mit Sahne, nicht wie wir, erstmal ein Bier. Der Vater erzählt uns, dass sie auf dem Moselsteig unterwegs sind und sich völlig mit der Strecke und der Zeit verkalkuliert haben und nun nicht mehr wissen, wie sie noch zum angepeilten Ziel, wo sie schon Übernachtung gebucht haben, weiterkommen sollen. Währenddessen meldet sich mein Vater per Handy und fragt nach der Adresse, wo er uns abholen kommen soll. Was haben wir es gut! Die Familie überlegt sich, ein Taxi kommen zu lassen, doch bei den Anfahrtskosten von € 16,50 überlegen sie es sich anders und ziehen wieder weiter, wollen noch den nächsten Ort erreichen, von wo aus ein Bus sie zu ihrem Tagesziel bringen soll. Wir wünschen ihnen noch viel Glück auf ihrem Weg und bestellen uns noch ein Bier, bis mein Vater auch schon eintrudelt. Nun fahren wir mit dem Auto also den Weg wieder zurück, den wir gekommen sind und es fühlt sich schon etwas frustrierend an, wenn man innerhalb von 15 Minuten in Bernkastel ist, wofür wir wesentlich länger gebraucht haben.

 

Wir fahren nun also nach Veldenz, wo mein Papa uns Hamburger brät und erneut verbringen wir einen supergemütlichen, saulustigen Abend. Wir lachen viel und fallen Abends erschöpft ins Bett. Angelikas Knie schmerzt sehr und ist etwas geschwollen. Trotzdem freuen wir uns auf den nächsten Tag, auf's Laufen, auf's Gehen. Danke, Papa, für den wunderschönen Abend!

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Etappe 6; von Monzel nach Klüsserath; ca. 19 km

An diesem Morgen fühle ich mich sehr lädiert. Ich habe zwar supergut und fest geschlafen, trotzdem fühlt sich mein Körper schlaff und ausgepowert an. Beim wieder mal leckeren Frühstück sehe ich aus dem Fenster und der Tag sieht nicht sehr freundlich aus. Es ist auch wieder Regen gemeldet, weswegen wir beschließen, dass wir es zumindest bis nach Klausen, ungefähr die Hälfte des Weges, schaffen wollen, wo es wieder eine Pilgerherberge gibt. Weiterhin treffen wir die Entscheidung, unseren Rucksack zu erleichtern. Nicht, dass das Gewicht nicht zu schaffen wäre, ich komme wesentlich besser damit zurecht, als ich angenommen habe, dennoch trennen wir uns von Zelt und Kochsachen, da wir einfach aufgrund des Wetters überhaupt keine Lust zum zelten haben. Also raus mit dem Zeug und wow... mein Rucksack wiegt fast... nix mehr!

 

Zurück in Monzel, wo uns mein Vater abgeliefert hat, finden wir erst nicht die Muschel wieder, laufen etwas oberhalb durch den Ort, fragen 2 mal nach dem Weg, bis wir das vertraute, mittlerweile liebgewonnene Zeichen auch wieder entdecken. Der Weg ist übrigens so gut ausgeschildert, dass sich nur ein kompletter Depp verlaufen kann. Wieder geht es, wie könnte es auch anders sein, nach oben und obwohl mir an diesem Tag der Einstieg ins Gehen schwer fällt, komme ich doch so langsam Schritt für Schritt wieder in den Rhythmus. Und die Anstiege fallen von Tag zu Tag auch leichter. Irgendwie kommt es mir seltsam vor, nun fast 2 kg weniger Gewicht zu haben, mein Rucksack fühlt sich so federleicht an, dass ich nicht sicher bin, ob es sich noch angenehm anfühlt? Am Monzeler Hüttenkopf erreichen wir abermals die Eifelhöhen und nach ca. 5 km die Minheimer Schutzhütte (431 m über NN), wo wir eine kleine Rast einlegen, die Salamibrote von Papa uns schmecken lassen und uns ins Gästebuch der Hütte eintragen. Das Wetter sieht sehr bescheiden aus, wir erwarten jeden Moment Regen, doch er kommt nicht. Es geht wieder mal abwärts und nach nur 4 km kommen wir im Wallfahrtsort Klausen an, wo wir schon von Weitem die Kirche sehen können. Hier vereinigen sich der Mosel- und der Eifel-Camino. Im Lädchen der Eberhardsklause, wo auch die Pilgerherberge ist, bekommen wir einen weiteren Stempel und setzen uns dann gegenüber in den Hof eines Restaurants. Wir sitzen noch keine 5 Minuten, da kommt der Regen herunter. Wir verziehen uns nach innen und freuen uns wie die Könige über das Glück, dass wir es noch trocken bis nach Klausen geschafft haben. Nach ca. einer Stunde hört der Regen auf und wir beschließen, dass wir einfach weitergehen werden, es ist erst 14:00 Uhr und wir fühlen uns noch fit und irgendwie noch nicht fertig genug mit Laufen, um schon jetzt damit aufzuhören. Also geht es weiter.

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Es geht durch den Ortsteil Krames wieder hoch zum Kramserberg und wir kommen zu einer Waldkapelle am Hansenberg. Dort setzen wir uns ein bisschen in die winzig kleine, aber dennoch schöne Kapelle und mir laufen einige Tränchen über die Backen. Warum, weiß ich nicht. Ich  bin froh, auf dem Weg zu sein, ich bin dankbar, dass alles so unkompliziert abläuft, ich empfinde so eine Freude beim gehen, irgendwie bin ich gerade etwas überwältigt. Als wir die Kapelle wieder verlassen, sehen wir ein älteres Ehepärchen, die uns fragen, ob sie uns mit runter nach Klüsserath nehmen sollen. Wir verneinen und der sehr nette Herr erzählt uns, dass wir bei ihm im Lebensmittellädchen am nächsten Morgen einen Stempel bekommen würden. Es windet sehr und ich erwarte jeden Moment wieder Tropfen vom Himmel, aber er ist gnädig mit uns. Die Sonne kommt noch einmal hervor und auf dem Weg nach unten ins Dorf durch die Weinberge tauchen die Sonnenstrahlen die Weinberge in goldenes Licht und lässt die Stämme der Klüsserather Bruderschaft in schönstem Glanz erscheinen. Sehr schön! Im Wanderführer ist die Adresse einer Pension angegeben, die wir in der Tourist-Information, die zufällig genau nur am heutigen Tag geöffnet hat, erfragen. Die Frau telefoniert kurz, um anzufragen, ob denn noch ein Zimmer für uns frei sei und nach Bestätigung gehen wir zur Pension von Familie Lex, die auch an einem Nistkasten und am Insektenhotel vor ihrer Haustür ein Muschelschild haben. Etwas müssen wir noch warten, dann kommt auch schon Fr. Lex und nach einem kurzen Plausch bekommen wir ein Bier und den Schlüssel von unserem Zimmer. Einfach, sauber, nett und freundlich! Wir fühlen uns gleich wohl. Im Flur steht ein Körbchen mit liegengelassenen Sachen, wovon man sich bedienen darf mit Shampoo, Fußcreme, Deo und Allerlei. Nachdem wir uns etwas frischgemacht haben, gehen wir nicht, wie empfohlen, zum Campingplatz essen, sondern entscheiden uns für eine kleine Pizzeria, die von einer indischen Familie geführt wird und nur Tische draußen hat. Da wir eh lieber draußen sitzen, paßt das. Es gibt Pizza und Pasta und die Pizza schmeckt sehr gut, die Nudeln sind etwas zu fettig. Ein wenig bereuen wir es, unser Zelt nicht mitgenommen zu haben, doch kaum haben wir unser Essen vertilgt, fängt es wieder in dicken Tropfen an zu regnen. Zurück in der Pension gibt es eine heiße Dusche und danach sitzen wir noch etwas im überdachten Hof. Frau Lex hat noch Kegelabend mit ihren Freundinnen und so gesellt sich nach einer Weile Herr Lex zu uns und wir unterhalten uns sehr nett. Angelika verabschiedet sich etwas früher für ins Bett und ich bleibe mit Herrn Lex unten und höre mir seine Geschichtchen an. Es ist schon sehr dunkel und relativ spät, als ich auch ins Bett gehe. Nur noch 2 Tage, und dann ist die Wanderung zu Ende. Wehmut überkommt mich, ich habe gar keine Lust, anzukommen und aufzuhören mit dem Laufen.

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Etappe 7: Von Klüsserath nach Schweich; ca. 18 km

 

Erfrischt und hungrig werden wir wach. Fr. Lex hat uns ein reichhaltiges Frühstück gezaubert, es fehlt an nichts. Besonders ist die selbstgemachte Marmelade, die ich mir auf mein Brötchen mit Quark schmiere. Angelika ist am überlegen, ob wir den Weg irgendwie abkürzen können, weil sie keine Lust hat, noch eine Nacht in Schweich zu verbringen, weil wir dann ja quasi fast schon zu Hause sind und es doch Quatsch sei, für die eine Nacht nochmal Geld zu bezahlen, so nah an der Haustür. Das trübt ein wenig meine Laune, würde ich doch gerne weiter den Jakobsweg gehen. Fr. Lex erklärt verschiedene Wege, die alle auf direktem Weg nach Schweich führen und nicht auf Umwegen, wie der Mosel-Camino verläuft. Von Schweich aus könnte man in ca. 2 Stunden in Trier sein, wenn man den Moselradweg benutzen würde. Hm.post-1618-0-28208800-1408464301_thumb.jp

 

Nachdem wir das Zimmer bezahlt haben (€ 24,- pro Person mit Frühstück) machen wir uns nach einer herzlichen Verabschiedung auf den Weg ins Lebensmittellädchen, wo wir noch etwas Schokolade kaufen und einen Stempel bekommen. Es erwartet uns wieder ein Anstieg vorbei an der Marienkapelle zum Aussichtspunkt Thörnicher Ritsch. post-1618-0-97036800-1408464324_thumb.jpSchon auf dem Weg wird klar, dass wir keine Abkürzung nehmen, sondern weiterhin den Muscheln folgen werden. Mittlerweile fällt das Gehen so leicht, wir kommen gut voran und als wir nach dem Kahlbachtal einen winzigen Anstieg laufen, bemerken wir den kaum, auch nicht den Anstieg zum Zitronenkrämerkreuz, wo 1687 der italienische Zitronenkrämer Ambrosius Carove ermordet wurde und zu dessen Gedenken sein Sohn dieses Kreuz hat aufstellen lassen. post-1618-0-66748200-1408464265_thumb.jpWeiter geht es zu einer unglaublich weitläufigen Wiese, wo wir zum ersten Mal etwas ratlos inmitten in dieser herumstehen, weil wir keine Muschel mehr finden. post-1618-0-14756600-1408464281_thumb.jpGerade als wir uns entschließen, einfach stehen zu bleiben um eine zu rauchen, entdecke ich ein Stück weiter weg etwas, was aus der Ferne wie eine Bank direkt unter einer großen Kastanie ausschaut. Wir gehen darauf zu und tatsächlich, es ist eine kleine, uralte Holzbank, davor steht ein kleines Steinkreuz, das Bekonder Landwehrkreuz, dessen Inschrift so verwittert ist, dass ich sie nicht mehr entziffern kann. Und dort steht ein Schild, welches uns den Weg weist. Nach einer kleinen Rast geht es weiter durch den Schweicher Stadtwald, wo wir anfangen, die Autobahn zu hören. Es geht vorbei an der Grillhütte Rupperoth, bergab mit Blick auf das Ungetüm der Autobahn hinunter durch eine Autobahnunterführung, die etwas gruselig ist, hinein in den Ort Schweich. Die Sonne scheint. In einer Eisdiele gönnen wir uns einen Kaffee und wechseln dann gegenüber in ein Gasthaus, um unser täglich Bier zu trinken. Das Bier ist etwa halb leer, als es wieder anfängt wie aus Eimern zu schütten. Was für ein Glück wir doch haben! Und was für ein Glück ich doch habe, lässt sich Angelika doch tatsächlich dazu breitschlagen die Nacht in Schweich zu verbringen, um morgen die letzte Etappe nach Trier anzugehen. Ich bin sehr glücklich! Wir machen uns auf, um zur im Wanderführer angegebenen Adresse zu marschieren, das Weingut und die Pension Schiff. Wir gehen noch ein kleines Stückchen wieder aus dem Ort heraus und bekommen auch tatsächlich eins der letzten Zimmer, da sie viele Zimmer an Ballonfahrer vermietet hat, die am nächsten Tag in Föhren Ballonfest feiern. Es kostet € 28,- pro Person mit Frühstück. Das Zimmer hat einen Balkon mit wunderschönem Blick auf Felder mit kleinen Bergen im Hintergrund und... dem nervigen Geräusch der Autobahn. Bäh! Heute gönnen wir uns statt Abendessen eine Flasche Wein und sitzen auf dem Balkon. Nach einer herrlichen Dusche mit tollem Wasserdruck liegen wir im Bett und ich schaue noch etwas Fernsehen, "Good Will Hunting" in Gedenken an Robin Williams. "Was für eine Luxus-Tour" denke ich mir noch, bevor ich einschlafe.

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Etappe 8: Von Schweich nach Trier; ca. 22 km

 

Mit Wehmut werde ich wach, wird dies doch unsere letzte Etappe sein und ich fühle mich noch nicht bereit, zuhause anzukommen. Nach einem Blick nach draußen sehe ich, dass das Wetter meiner Stimmung angepaßt scheint, es ist wolkenverhangen. Da wir noch eine Stunde Zeit bis zum Frühstück haben, räumen wir also zum letzten mal das Zimmer auf und packen unsere liebgewonnenen Rucksäcke.

 

Im Frühstücksraum angekommen stehen schon Brot & Brötchen bereit, es gibt sogleich einen Kaffee und Wurst und Käse werden aufgetischt, wobei ich sagen muss, dass dies mit Abstand das liebloseste Frühstück der ganzen Tour ist. Es schmeckt auch nicht so wirklich und das Brötchen zum mitnehmen packe ich auch nur widerwillig ein. Trotzallem bin ich froh, noch einen Tag laufen vor mir zu haben. Frau Schiff fragt uns, ob wir einen Pilgerstempel möchten und überrascht, dort einen zu bekommen, sagen wir ja. Als sie mir dann den Abdruck in den Ausweis stempelt, bin ich enttäuscht! Dieser Stempel ist der Makel in meinem Pilgerausweis, ist es einfach der Firmenstempel des Weinguts mit Umsatzsteueridentifikationsnummer. Na ja, wir lachen herzlich darüber.

 

Heute morgen ist es richtig kalt, zum ersten mal habe ich fast alle Sachen an, die ich dabei habe. Nachdem wir bezahlen, machen wir uns gleich auf die Socken und laufen durch den Ort, bis wir eine Straße überqueren müssen, wo es dann wieder zu regnen beginnt. Schnell packen wir die Regensachen aus und weiter geht's vorbei an zwei Kühen, wobei die eine uns so dermaßen vorwurfsvoll anschaut, dass ich ein schlechtes Gewissen bekomme, wenn ich daran denke, dass ich Fleisch esse. Ab geht's durch den Meulenwald Richtung Quint und als wir dort an einem Wanderparkplatz ankommen, machen wir direkt wieder Halt an einer schönen rustikalen Bank, weil der Regen aufgehört hat und uns in den Plastikklamotten zu heiß geworden ist. Es geht wieder einmal aufwärts, doch längst meistern wir diese Anstiege mittlerweile ohne Probleme und wir passieren einen schnuckeligen Ortsteil mit Namen "Obere Heide", wo wir dann im Wald an der Heidekapelle vorbei kommen. Es geht wieder bergab und nochmals bergauf, bis wir entlang des Kreuzweges Ehrang, einen Vor-Ort von Trier erreichen. Dort gönnen wir uns einen Kaffee aus einer Eisdiele und sitzen an der Straße, machen unsere Snack-Tüten auf und schauen dem Treiben auf der Straße zu. Mittlerweile haben wir auch wieder unsere Regensachen an. Doch das Wetter hat Erbarmen, nachdem wir weitergehen, fängt die Sonne an zu scheinen und es wird wieder warm. Sogleich entledigen wir uns abermals unseren Regenklamotten, latschen entlang einer asphaltierten Straße, dann wieder in den Wald in den letzten Anstieg der Tour hinein und landen auf der Bausch, einem Höhenstadtteil von Trier. Nun gehen wir eine schwer zu begehende Treppe hinunter in den Stadtteil Biewer und von dort aus geht es nur noch schnurstracks gerade aus auf dem Moselradweg nach Trier. Völlig unspektakulär  erreichen wir die Kaiser-Wilhelm-Brücke und wundern uns, warum der Weg nicht durch den schönen Weißhaus-Wald führt, von wo aus man einen atemberaubenden Blick auf Trier hat und auch den Dom sehen kann. In strahlendem Sonnenschein überqueren wir die Brücke und lassen uns am Zurlaubener Ufer nieder, wo viele kleine Restaurants sind und bestellen uns wie üblich, wenn wir angekommen sind, ein Bier und ein Radler. Dazu gibt es einen Teller "Teerdich", Sauerkraut mit Kartoffelpüree gemischt und Speckstückchen. Wir sind angekommen, wir haben es tatsächlich geschafft! Und ja, wir sind stolz auf uns! Und eigentlich... würden wir am liebsten weiter, immer weiter.

 

Nach der Einkehr im Restaurant gehen wir zum Dom, wo wir uns den letzten Stempel geben lassen und kaufen uns Bücher für die nächsten Strecken: Trier - Vezelay und den Camino Francais, weil nun sind wir infiziert! Wir wollen bis nach Finisterre, ans Ende der Welt!

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Fazit:

Der Mosel-Camino von Koblenz-Stolzenfels nach Trier ist ein wunderschöner, sehr abwechslungsreicher Weg. Es geht durch Wälder auf Forstwegen, kleinen Trampelpfaden, verschlungenen Pfädchen, Asphaltstraßen, man durchquert Wege gesäumt von Feldern mit Kühen und Pferden, man läuft durch Weinbergswege, teils aspaltiert, teils geröllig und steinig, passiert viele Ortschaften. Es geht ständig bergauf, um dann wieder bergab zu gehen, die ebenen Strecken waren die Ausnahmen. Es sind ca. 170 km zu bewältigen und, wie ich irgendwo gelesen habe, nahezu 4600 Höhenmeter zu überwinden. Man läuft auch auf Asphalt, allerdings nicht annähernd so viel, wie ich es vermutet hatte. Die Markierungen sind ausgezeichnet, man kann sich wirklich nicht verlaufen, selbst ganz ohne Wanderführer oder Karte. Es führen einen nicht nur die Muschelzeichen, sondern auch gelbe Pfeile, die an Nistkästen angebracht sind. Auch gibt es viele Fledermausquartiere und Insektenhotels, die einem immer wieder auf dem Weg begegnen. Daumen hoch an die Menschen, die sich um den Weg und die Markierungen kümmern, ein großes Lob!

 

Die schönste und auch anstrengendste Strecke für mich war von Enkirch nach Traben-Trarbach, die doofste von Bernkastel-Kues nach Lieser, am langweiligsten von Biewer nach Trier. Wir haben 8 Tage gebraucht und ca. 25 bis 30 km geschummelt und eingespart, wir waren relativ langsam unterwegs und haben viele, viele kleine Pausen gemacht, dadurch den Weg aber sehr genießen können. Nie wollte ich abbrechen, die Zweifel des ersten Tages waren bald verflogen und irgendwann war mein Spruch beim Blick auf das Höhenprofil und den Weg immer: "Das schaffen wir!". Dies war unsere erste Mehrtagestour und im Nachhinein betrachtet würde ich die ausgelassenen Kilometer nicht wieder schummeln, da uns nun der Ehrgeiz gepackt hat und wir gerne gewußt hätten, ob wir diese Kilometer auch geschafft hätten.

 

Es war anstrengend, es war lustig, es hat immer Spaß gemacht, es war nass, sehr nass, es war kalt, es war windig, es war warm, es gab viele Highlights, atemberaubende Aussichten. Der Weg war großartig! Unsere erste Tour war ein voller Erfolg, von dem ich noch lange zehren werde. Ich kann es kaum erwarten, wieder unterwegs zu sein! Vielleicht waren wir Weich-Eier, weil wir das mit dem Zelten nicht durchgezogen haben, aber es wird definitiv noch mehr Touren geben.

 

Diesen Weg kann ich nur empfehlen, auch wenn er nicht so ganz anspruchslos ist und es ständig hoch und runter, auch mal auf Asphalt, geht. Der Mosel-Camino, ein Stück Jakobsweg von Stolzenfels nach Trier, ein unvergessliches Erlebnis!

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etwas Gear-Talk:

Vermisst habe ich bei meiner Ausrüstung nur eines: Einen Fettstift für die Lippen, da diese an einigen Tagen sehr rauh aund aufgesprungen waren. Wir hatten immer zu viel Wasser bei uns, wobei ich glaube, dass wir zu wenig getrunken haben. Möglichkeiten zum Auffüllen der Wasserflaschen gab es zuhauf, Wasserfilter war völlig unnötig. Kaputt gegangen sind ein paar Wandersocken, wo beim Zeh ein Loch aufgetaucht ist. Schuhe waren topp, zwar schnell nass dadurch, dass sie aus Mesh sind, aber auch wieder ruckzuck trocken, auf glitschigen Steinen hat mir ein wenig der Grip gefehlt aber ich bezweifle, dass mir das bei anderen Schuhen anders ergangen wäre. Am besten bewährt hat sich das dünne lila Fahrradjäckchen von e-bay für € 9,95, welches ständig zum Einsatz kam. Zwar nicht wirklich winddicht, was aber im Gegenteil sehr gut getan hat, da es wärmte, man aber trotzdem nicht darin schwitzte. Die Regenklamotten waren eine Katastrophe, wobei die Jacke schlimmer war, als die Hose. Die Hose vom Decathlon war eigentlich okay, aber die Jacke war von innen fast genauso nass, wie von außen, wobei ich mir nicht sicher bin, ob sie nicht wasserdicht oder es einfach ein Kondensproblem war. Da werde ich mich nach etwas Atmungsaktivem umsehen. Mein Rucksack war, nachdem wir uns des Zelts und der Kochsachen entledigt haben, zu groß, da wäre ich mit weitaus weniger Volumen besser zurecht gekommen. Zum Cumulus-Schlafsack kann ich nicht viel sagen, da ich ihn nur eine Nacht im Zelt benutzt habe, aber in der Nacht hat er mehr als ausreichend gewärmt, ich konnte nur in kurzer Unterwäsche muckelig schlafen. Am Morgen war er etwas klamm.

Bei einer nächsten Tour würde ich an der Ausrüstung nicht sehr viel ändern, es reichen tatsächlich 2 Unterhosen und 2 paar Socken, vielleicht würde ich mir ein Unterhemdchen aus Merino zulegen. 1. Hilfe-Set habe ich komplett nicht angerührt, vom Messer habe ich einmal die kleine Schere benutzt. Alle Klamotten kamen zum Einsatz, wenngleich ich den Fleece-Pulli nur 2 mal gebraucht habe, ich glaube, den hätte ich auch weglassen können. Vielleicht wäre das anders gewesen, wenn wir mehr im Zelt geschlafen hätten.

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Wow! Was für ein toller Bericht! Ich freue mich schon, von deinen nächste Touren zu lesen, da bekommt man ja richtig Lust, mitzugehen ^_^

Ich bin letztes Jahr auch den Jakobsweg gegangen - allerdings, in Spanien da war weniger der Regen, sondern eher die Hitze und die überfüllten Herbergen das Problem -  und konnte beim Lesen gerade so richtig mitfühlen!

 

Ultreija!

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Schöner Bericht! Die Gegend ist von mir aus auch quasi "fußläufig" zu erreichen. Aber irgendwie hab ich die nie so in Betracht gezogen, da ich mich meist auf den Geltungsbereich meines NRW-Tickets beschränkt habe. Sollte ich wohl mal drüber nachdenken...

Zwei Anregungen/ Tips hätte ich noch für Dich. Wenn es nicht in Strömen regnet, hilft es schon oft, wenn man die Türen vom Zelt offen lässt um Kondes zu reduzieren. Gerade bei zwei Schläfern hilft diese bessere Belüftung. (Wobei natürlich auch die Standortwahl meist die größte Rolle spielt)

Bei dem Bild mit deinem Kocher hatte ich keinen Windschutz gesehen? Fehlt der auf dem Bild oder hattet ihr keinen genutzt. Dafür reicht ja schon was gefaltete Alufolie. Selbst bei absoluter Windstille bzw. in einer windgeschützten Ecke merkt man den Unterschied deutlich! Der Windschutz funktioniert dabei nämlich auch als Hitzereflektor und die vom Kocher abgegebene Wärme kann sich quasi unter dem Topf stauen. Das verringert nicht nur die Kochzeit sondern vor allem auch den Brennstoffbedarf enorm.

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Schöner Bericht mit einigen guten Hinweisen ab Klausen für den Eifel-Camino. Dafür habe ich einen Pilgerführer geschrieben und kann nun einiges für die Neuauflage verwerten.

Falls ihr Tipps für den Weg von Trier nach Vézelay benötigt, einfach nachfragen oder unter www.jakobsweg-in-deutschland.de nachschauen.

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