Ich möchte auch noch kurz (Edit: wird doch länger) von meiner Jämtland-Tour berichten:
Das Wetter war recht durchwachsen, es hat jeden Tag geschneit, mal nur kurz, mal den ganzen Tag. Bei den entsprechenden Sichtverhältnissen habe ich mich dann einmal entschieden, ein wegloses Stück nicht zu gehen und stattdessen dem Weg zu folgen und ein anderes Mal einen halben Tag zu warten. Am nächsten Tag musste ich dann trotzdem vier Stunden lang nur nach GPS gehen durch ein Tal irren ...
Bei einer geplant zweitägigen weglosen Tour (durch ein Tal nach Süden auf die andere Seite des Bergmassivs, am nächsten Tag durch ein weiteres Tal wieder nach Norden) wurde es am Abend recht windig, war aber Rückenwind und Sonnenschein, deshalb habe ich das evtl etwas unterschätzt (die Riemen des Rucksacks peitschten schon ordentlich). Ich habe dann zwischen zwei ca. 4 m hohen Hügeln Windschutz gesucht und dort mein Zelt aufgestellt. Am späten Abend und über Nacht wurde der Wind immer heftiger und ich konnte aufgrund der Geräuschkulisse die ganze Nacht nicht schlafen. Da der Wind von Norden kam, war mir bald klar, dass mein Plan für den nächsten Tag nicht durchführbar ist und ich deshalb auf der falschen Seite absteigen muss, um zumindest in den Schutz von Bäumen zu kommen. Leider hatte ich den unteren Zeltrand nur an zwei Seiten, aus denen der Wind kam, abgedichtet, was über Nacht zu ca. 50 cm hohen Schneewällen zwischen Inner und Fly führte und meinen Platz zunehmend einengte und zu Feuchtigkeit führte. Beim ersten Licht schaute ich raus und sah - nichts, bis auf dichten Nebel. Ich entschied, mit dem Abstieg zu warten. Als dann eine der Zeltleinen, die am Ski (als Hering) befestigt war, riss, wurde mir die Entscheidung abgenommen und ich packte meine Sachen zusammen. Ich wusste vom Vortag und durch die Windrichtung, wo ich hinmuss, gesehen habe ich nichts. Außerhalb des Windschutzes der Hügel waren die Ski vollkommen unkontrollierbar, ich wurde teilweise auf Steinfelder geweht und habe sehr lange gebraucht, um gegen den Wind aufstehen zu können. Ich war dann recht froh, als der Wind mich zu den ersten Bäumen geblasen hatte, ich fand sogar einen markierten Scooterweg, folgte dem vier Stunden lang und war nach einer Fahrt per Anhalter in einer Jugendherberge, wo ich erst mal mein Zeug getrocknet habe. Das hat meinen Zeitplan für die restlichen Tage durcheinandergebracht und der Rest der Tour musste dann zwangsläufig etwas gemütlicher werden. Da hatte ich aber auch nicht allzu viel gegen.
Im Tal sprach man von Windgeschwindigkeiten zwischen 110 und 140 km/h und der Sturm hielt insgesamt zweieinhalb Tage an. In der kommenden Nacht hat sich eine Achtergruppe (800m von einer Hütte entfernt) retten lassen, und am Kebnekaise ist wohl eine Gruppe Franzosen verschwunden (und dann in einer Windschutzhütte wieder aufgetaucht).
So, das war die Action, jetzt die Langeweile: Ich habe ca. jede zweite Nacht neben einer Hütte gezeltet, weil sich mein Schlafsack morgens immer leicht feucht angefühlt hat und ich den trocknen wollte. Ich glaube, ich habe das Problem deutlich überschätzt, der Schlafsack hätte wohl immer noch einige Nächte durchgehalten. Ideal ist das trotzdem nicht. Hauptlösungsversuch wird sein, den Schlafsack morgens (und evtl. noch mal abends und mittags beim Schneeschmelzen) auslüften zu lassen. Das könnte schon reichen.
Dazu hat mein Handy (wie schon auf der ersten Tour, ab jetzt im Winter nur noch mit rausnehmbarem Akku) gesponnen und ich habe die Hütten genutzt, um mir von anderen Gästen Handys zu schnorren, um die Liebste daheim zu kontaktieren.
So, jetzt der interessante Teil: Ausrüstung.
Hier noch mal meine Packliste von diesem Jahr.
Und so werde ich voraussichtlich nächstes Jahr losziehen.
Mir ging es bei den Änderungen vor allem um Vereinfachung in der Handhabung, weniger Teile und Behebung des Feuchtigkeitsproblems. Auf ein paar Punkte gehe ich mal ein:
Isomatte: Das Aufblasen bzw. Ablassen kostet zu viel Zeit. Ist mir zu nervig gewesen, auch wenn es bitter ist, für mehr Gewicht weniger R-Wert zu haben. Durch die geringere Liegehöhe erhoffe ich mir auch weniger Kondens in meiner kleinen Pyramide bzw. weniger Abstreifen von Kondens.
Packsack für Schlafsack: beim Einpacken in einen mülltütenartigen Liner kriegt man schneller Schnee an den Schlafsack, der dann schmilzt. Durch den Packsack hoffe ich ihn bei Pausen auch mal schneller rausholen zu können.
Drittes Paar Handschuhe: Dazu muss ich sagen, dass 90 Prozent meiner Klamme-Finger-Momente mit Zigarettenkonsum zu tun hatten, und meiner Nikotinsucht werde ich nächstes Mal wohl durch Snus fröhnen. Ich halte ein extradünnes Paar für filigranere Tätigkeiten trotzdem für eine gute Idee. Beim Zeltabbau am Morgen haben die Finger teilweise auch gefroren, da machen dann auch zwei Paar Fingerhandschuhe Sinn.
Jacke mit Kapuze: Die Balaclava verrutscht zu häufig und muss umständlich aus dem Rucksack herausgeholt werden, was man dann am Ende halt nicht macht. Die Cumulus-Kapuze soll auch die Gesichtsmaske überflüssig machen.
Die Zeltschnüre, die an die Ski kommen, werden dicker. Außerdem werde ich auf die noch die eine oder andere Schaufel Schnee packen, um so die "Sägebewegung" an der Skikante zu verhindern.
So weit meine Erfahrungen und meine neuen Erkenntnisse. Für die zweite Wintertour überhaupt und die Tatsache, dass man für UL-Winterwandern nur auf wenige Informationen und Erfahrungen anderer zurückgreifen kann, bin ich zufrieden mit meinen Fortschritten und glaube mich auf einem guten Weg. Von Perfektion war es dieses Jahr aber noch ein gutes Stück entfernt, und ich kann bestätigen, was @milkmonsta oben schon mal schrieb: Die Erfahrungen aus 3-Jahreszeiten-Touren gelten beim Winterzelten nur begrenzt, Schnee und Wind verändern vieles, was einem vorher nicht unbedingt klar ist, und es macht Sinn, an Wintertouren mit einer gewissen Demut heranzugehen. Auch wenn @mawi mir da vielleicht widersprechen mag
Bei Fragen: fragen!