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Ultraleicht Trekking

Warum eigentlich Wandern?


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  • 2 Jahre später...
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Hey, ich fand es sehr spannend zu lesen, was so deine Gedanken zum Wandern sind und was dich antreibt. Ich kann verschiedene Erlebnisse mit euch beiden teilen und kann garnicht so genau sage

Den Hang zum Masochismus kann ich definitiv bestätigen.. warum stapft man eigentlich bei kaltem Regen im Gebirge rum?  Gute Frage! Ich habe für mich herausgefunden, dass etwas so einfaches, simpl

wenn ich das alles so lese, muss ich eingestehen, dass ich eigentlich nur deshalb wandern gehe, weil ich damit südostasiatische näherinnen und unterbezahlte paketdienstler ausbeuten und sozialromantik

auf dem morgendlichen weg zum pc hab ich was zum teilen gefunden:

da geht einer extrembergsteigen mit dem mindset, mit dem ich wandere:

"SPIEGEL: Training in der Todeszone - sind Sie lebensmüde?

Kobusch: Nein, mich reizt nur der Aufbruch ins Unbekannte. Ich wähle Projekte immer so, dass sie auch scheitern können. Sonst sind sie zu einfach. Und warum sollte ich Zeit und Energie auf etwas verschwenden, was gar nicht mein Ziel ist?"

training, was für eine falsche frage. wandern hat doch für mich schon nichts mit "sport" zu tun. aber JA! satz 1, JA! satz 2.

SPIEGEL: Sie hingegen sind ganz alleine.

Kobusch: Alleine komme ich am besten in einen Flow-Zustand, das ist fast schon meditativ. Sobald ich mit anderen in die Berge gehe, trage ich Verantwortung und bin abhängig.

alleine ist für mich ja die falsche prämisse. zur alterweisheit gehört die feststellung, dass man den flow auch teilen kann. aber der flow ... JA!

SPIEGEL: Wenn Ihnen der Ruhm nicht wichtig ist, warum wollen Sie dann etwas machen, was noch nie jemand geschafft hat?

Kobusch: Ich will meine Neugierde befriedigen, sehen, was möglich ist. Wie ein kleines Kind auf dem größten Spielplatz der Welt.

schon wieder eine völlig falsche frage. aber JA!: neugier, spielen!

das freut einen selbstverständlich und macht den jost mir sehr sympathisch, wenn ich mich in ihm wiederfinden kann. soll mir noch einer sagen, ich sei "radikal", wenn ich durch die unteren alpinen etagen schlenkere. der unterschied liegt wohl in einer gewissen leistungsorientierung:  

Gleichzeitig brauche ich immer ein großes Ziel, um mich zu stabilisieren.

ach, das fiel mir mangels talents zum höheren bergsteigen leicht zu regeln.

*

wer autofrei lebt, ist an obigem mindset näher dran: "Und würde man andererseits die Natur immer noch so lieben, wenn man nicht im Regenfall blitzschnell, warm und trocken mit den Spitzenprodukten der deutschen Automobilindustrie ins Café oder nach Hause käme? Beides ist verwoben."(Minkmar, Naturfreunde auf Parkplatzsuche). wer sich mehr regen aussetzt ("die komfortzone verlässt"), hat mehr vom spiel, mehr freiheit, mehr "stabilität" (Jost Kobusch). das klingt doch auch ganz logisch: wer autofrei lebt, wandert mehr. 

mein nachhaltigkeitsproblem beim wandern ist nicht das autofahren (die parkplatzsuche), sondern die bestellerei. ich sitz hier gerade, dank forum ideen für weitere pakete gehabt, mit den neuen trailrunnern am schreibtisch, 340 gr pro schuh in 46, und werd sie wohl zurückschicken. es ist wohl das vierte oder fünfte paket in folge, das ich dem gleichen grossen bestellhandel zurückschicke und das einzig positive daran ist der gedanke, dass ich mit der zurückschickerei der wirtschaft schaden könnte. so hat wandern in der wandervorbereitung auf die relativ konsumfreie wanderzeit einen weiteren positiven aspekt. wenn das jedeR so machen würde.

man muss die welt dabei als eine sehen. beim wandern wie bei der industriellen landwirtschaft.

Bearbeitet von hans im glueck
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  • 10 Monate später...
  • 3 Monate später...

Wandern war vor langer Zeit die Hauptbeschäftigung des Menschen. Sich in der Natur frei bewegen zu können gibt uns ein unglaublich befriedigendes Gefühl und hat in der Tat was Meditatives, wie hier schon des Öfteren erwähnt wurde. Ich denke, diese Rückkehr zur Naturverbundenheit, das Schweifenlassen der Gedanken und die Beschränkung auf überlebenswichtige Instinkte (Nirgendwo runterfallen, Essen, Trinken, Ausschau halten) bringt uns etwas näher zu einem Mensch als Wesen der Tierwelt. 

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vor 14 Stunden schrieb dennisdraussen:

Ja, ich finds aber auch cool das man runterfallen könnte, so als Selbsttest...

Seine eigenen Grenzen austesten hat natürlich auch seinen Reiz, da stimme ich dir zu. :) Das ist dann genau wieder die Eigenheit des Menschen, die uns ausmacht. Wir wollten immer schon höher, schneller, weiter.... Deshalb sind wir als Spezies wohl auch da, wo wir heute stehen... 

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  • 1 Monat später...

Schönes Thema, danke für den Anstoß! Mir geht es ganz ähnlich wie euch. Das Wandern gibt Freiheit – besonders in diesen schwierigen, eingeschränkten Zeiten ist es für mich einer der wenigen Wege, mal aus dem eingeschränkten Alltags- und Berufsleben rauszukommen und gleichzeitig niemand anders zu gefährden. Mal an nichts anderes denken, ganz im Jetzt sein. 

Toll finde ich auch das Gefühl der Selbstwirksamkeit: Meine Füße tragen mich und alles, was ich brauche, Schritt für Schritt. Ein paar Stunden später schaue ich von einem Aussichtspunkt zurück auf die Strecke und bin jedes mal wieder erstaunt, wie weit man kommt. Und Gehen ist genau das richtige Tempo, um seine Umgebung und ihre Veränderungen bewusst wahrzunehmen. Potenziell kann man mit jeder Person, der man begegnet, ein paar freundliche Worte austauschen. In der Stadt ist man nur anonyme Masse.

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vor 2 Stunden schrieb Toni:

...Potenziell kann man mit jeder Person, der man begegnet, ein paar freundliche Worte austauschen...

Das ist ein interessanter Ansatz. Meistens bleibt es ja nur beim HALLO. Aber wie soll man sonst in Kontakt kommen, wenn nicht durch anlabern. Manchmal spreche ich die Leute an - werde selbst nur sehr selten angesprochen. Was sich gelegentlich ergibt ist das Thema Wetter, also z. B. Umstände wie Schlamm auf den Wegen. Hundehalter sind ja im Vorteil. Wie macht ihr das beim wandern in eher unspektakulären Gegenden? Was sind da eure Themen?

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vor 22 Stunden schrieb trekkman:

Wie macht ihr das beim wandern in eher unspektakulären Gegenden? Was sind da eure Themen?

Die meisten Gespräche ergeben sich bei mir, wenn ich Pause mache. Da geht es dann aber meist über die klassischen Themen: Was gibt's zu Essen/Trinken? Mit Blick auf die Ausrüstung kommt man evtl. ins Fachsimpeln und erzählt vielleicht von Wanderungen, die man schon gemacht hat. Es gibt aber auch Genossen (m/w/d), die außer "Mahlzeit", kein Wort herausbringen. Diese Spezies sollte man dann auch in Ruhe lassen. :wink:

Am 9.8.2020 um 22:50 schrieb stoner:

Weil selbst Radwandern mir manchmal "zu schnell" ist

Das ist auch einer meiner Gründe: Ich komme vom Motorradfahren, bin dann auf Radreisen umgestiegen und laufe jetzt fast nur noch. Bei mir kommt aber auch noch der gesundheitliche Aspekt hinzu: Wandern geht noch... denn bei vielen anderen Sportarten habe ich Hüfte oder Knie :-D

Bearbeitet von Wanderfisch
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Am 28.3.2017 um 23:54 schrieb Exocet:

Unabhängig davon, dass der erkenntnisbringende Gehalt dieses Zitats genauso Gehaltvoll ist wie die Aussage "Gemüsehändler haben meistens keine Zeit zum Wandern" sollte man Wandern nicht zur Optimierung seiner Arbeitskraft (egal ob Uni Mitarbeiterin oder Baumarktangestellter) missbrauchen, sondern (vom sportlichen Effekt und der Neugierde und Sehnsucht abgesehen) als eine von keiner Intentionalität getrübten Bewegung ansehen. Dann zumindest hat Wandern einen ontologischen Mehrwert.

Ich würde hier Großteils zustimmen, allerdings möchte ich zu den "guten" Intentionen, die du genannt hast (sportlicher Effekt, Neugierde, Sehnsucht), noch den psychischen Effekt hinzufügen. Neben den positiven Auswirkungen für den Körper hat man positive Auswirkungen auf die Psyche im Sinne von Stressreduktion, Zeit für sich selbst, Freizeit von Handy, Fernseher, Nachrichten, etc. Auch das sehe ich als sinnvolle Intention und Begründung für das Wandern.

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Der Satz "Geistes- und Sozialwissenschaftler haben meistens keine Zeit zum Wandern" hat im Kontext der Website, von der er stammt, einen ironischen Unterton, und der Kontextsinn ist der folgende:

Da die meisten Geistes- und Sozialwissenschaftler im Zuge ihrer Karriere kaum noch Zeit für eigene leibliche Naturerfahrung haben, behelfen sie sich (wie bei vielen anderen Themen auch) mit "Diskursen", mit Bibliotheksinhalten, zum Beispiel mit Äußerungen verstorbener Philosophen und Schriftsteller, die man nachplappern und analysieren kann. Interessanter wäre aber die Reflexion von Erfahrungen, die man selbst gemacht hat.

Und zwar ohne dabei in bloß gemeinschaftsbildende Schemata zu verfallen. Dass man wandert, um sich zu beweisen, mit wie wenig man auskommt, ist ja zum Beispiel auch eine Behauptung, die schon oft wiederholt worden ist; Christine Thürmer hat das bestimmt auch schon hundertmal öffentlich gesagt. In Wirklichkeit ist das aber kein Grund, ausgerechnet zu gehen. Man müsste ja sozusagen erklären (wenn man überhaupt irgendetwas erklären will, was man natürlich nicht muss), welcher "Thrill" denn im Gehen selbst liegt.

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    • Von derschorsch
      Wir reden oft über „Skills“ – über erlernbare Fertigkeiten. Geschickter Umgang mit Gelände, Schlafplatz, Equipment usw. Solche Dinge kann man in der Tat auf die eine oder andere Weise angehen und sich dabei weiter entwickeln.

      Was uns oft daran hindert, sind Ängste und Glaubenssätze, die wir selbst kaum wahrnehmen und erst recht nicht in Frage stellen. Das führt zu Aussagen wie „das könnte ich freilich lernen, aber ich will ja gar nicht“. Übertrieben gesagt in etwa vergleichbar mit dem Drogenabhängigen, der sagt: „ich könnte ja aufhören, aber ich will ja gar nicht“.
      Ängste, Irrglauben, Dogmen
      Einige frei gegriffene Beispiele solcher Glaubenssätze könnten sein:
      Mit nassen Füßen bekommt man Blasen Ohne Zelt kommen Krabbelviecher in den Schlafsack Ohne Wechselunterwäsche stinkt man Es ist gefährlich, unbehandeltes Wasser zu trinken Ohne Frühstück kann ich nicht aufbrechen In ein offenes Tarp regnet es herein Wie sehe ich denn mit solchen Klamotten aus? Mit Holz kochen ist umständlich und gefährlich Ohne Planung geht die Tour schief Gut geplant ist langweilig Ich muss unbedingt reichlich zu Essen dabei haben Titan ist cool, Plastik ist doof usw. ...  
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      Ich bin davon überzeugt, dass (auch) im Ultraleichttrekking ein Abwerfen von Ballast-Glaubenssätzen die größte Erleichterung (nicht nur, aber auch in Form von Gewichtsreduktion) bringt. Die Komfortzone erweitern heißt persönlichen Handlungsspielraum gewinnen. Weniger bestimmt zu werden von Randbedingungen. Weniger zu leiden unter Dingen, die nicht so laufen, wie ich mir das vorstelle. Ein Konzept übrigens, das weit über das Thema UL-Trekking hinaus weist.
      Hintern hoch! Komfortzone erweitern!
      Die Schritte aus der Komfortzone heraus können ganz klein sein. Kalkuliertes Risiko. Und diese kleinen Schritte werden trotzdem unmittelbar mit dem Erfolgsgefühl belohnt: „Ich habe was ganz neues geschafft“. Das nächste Mal ein Stückchen weiter.
      Daher mein Aufruf:
      Hintern hoch! Komfortzone erweitern! (Und zwar die eigene, nicht die von anderen!) Das geht nur durch SELBST TUN!
      Mal einen Sonntagsspaziergang mit nassen Füßen machen Sich ab und zu abends in den Wald setzen und schauen, was da krabbelt Mit einer billig-Gewebeplane mal nachts ein Tarp improvisieren (200m entfernt vom Auto) Mal auf einer Wochenend-Tour etwas weniger Proviant einpacken Usw. usw. Die obigen Beispiele sind leicht einsichtig und gelten vielleicht besonders für Einsteiger in unser UL-Thema. Aber auch „Alte Hasen“ haben sicherlich ihre blinden Flecken.
      "Komfortzone erweitern" kann dabei individuell sehr unterschiedlich aussehen. Jeder hat andere Grenzen. Für den einen kann es bedeuten, seinen Leistungsanspruch nach oben zu schrauben. Für den nächsten genau im Gegenteil, eine Tour mit geringem Leistungsanspruch trotzdem als gelungen erleben können. Für den einen bedeutet es ein Wagnis, sich tatsächlich mal bei einer Solo-Tour sich selbst auszusetzen. Für den anderen wäre es eine wertvolle persönliche Entwicklungschance, sich auf einen ganz neuen Tour Partner einzulassen.

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