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Ultraleicht Trekking
Wanderfisch

Der grüne Tunnel oder 5 Tage auf dem Saar-Hunsrück-Steig

Empfohlene Beiträge

Gelaufen: 27.4. bis 1.5.19

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Etappe 1: Perl bis Orscholz - ca. 25 km
Am Dreiländereck führt der Pfad hinauf in den Wald. Es stürmt und regnet, eine Aussicht hat es nicht, dafür schillert der Mischwald in sattem Grün. Eine Handvoll Wanderer biegt auf den Moselsteig ab, und so bin ich ganz allein auf dem S-H-Steig unterwegs, das wird sich in den kommenden fünf Tagen auch kaum ändern. Als ich an der rekonstruierten Villa Borg vorbei komme, geht ein Graupelschauer nieder.

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Kurz danach: blauer Himmel. Echtes April-Wetter eben. Am Meditationscenter komme ich an einem kleinen Wasserfall vorbei, der einzige auf diesem Weg. Steigungen und Höhenunterschiede gibt es nicht viele und so laufe ich entspannt bis Orscholz an der Saarschleife weiter. Am ersten Tag habe ich immer Anlaufprobleme, meine Füße tun weh, ich brauche Pension.

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Etappe 2: Orscholz bis Losheim am See - ca. 31 km
Das Cloef-Atrium mit Touri-Info ist so früh am Morgen noch geschlossen. Kein Mensch weit und breit, als ich das Highlight dieses Wanderwegs erreiche: die Wolken verhangene Saarschleife. Auf dem Weg hinunter nach Mettlach eröffnen sich schöne Blicke ins Flusstal.

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Man durchquert den Ort und hat Gelegenheit für eine Pause oder einen Versorgungseinkauf bevor man sich wieder in die Höhe schraubt. Eine Weile geht es dann über Felder und Wiesen bis man im Saarhölzbachtal dem gleichnamigen Wasserlauf folgt. Historische Grenzsteine sind Zeugen aus einer Zeit, als das Saarland nicht zu Deutschland gehörte.

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Die Wegführung verläuft abwechselnd über Wiesen, dann wieder an Bächen und Weihern vorbei. Bei Losheim empfangen mich dröhnende Bässe, das Hexentanz-Festival ist voll im Gange. Hier geht was ab. Der Campingplatz ist rappelvoll. Die Mucke gefällt mir und ich bleibe. Der Himmel reist auf und präsentiert mir einen Sonnenuntergang und das Versprechen auf Wetterbesserung.

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Etappe 3: Losheim bis Weiskirchen - ca. 20 km
Während die Metaller und Goths noch ihren Zaubertrank ausschlafen, bin ich schon wieder unterwegs. Die Sonne scheint, aber es ist noch frisch.

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Die Wegweiser verweisen auf einen Umweg, ich höre keine Sägen oder Maschinen und laufe munter den originalen Pfad weiter. Es geht hinauf nach Scheiden, dem höchstgelegensten Dorf des Saarlandes. Hier gilt es, ein paar Felsen zu bewältigen, einmal hilft ein Seil beim Anstieg. Dann war’s das auch schon wieder mit sichtbaren geologischen Besonderheiten.

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Höhepunkt des Tages ist das Wisent-Gehege, denn der Chef-Wisent war gerade zuhause und bereit, für einen Schnappschuss zu posieren. In Weiskirchen befindet sich eine Jugendherberge für den preisbewussten Wanderer sowie ein Supermarkt für den Re-Supply.

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Etappe 4: Weiskirchen bis Reinsfeld - ca. 27 km
Die heutige Tour steht im Zeichen des Wassers, Bäche sind stetige Begleiter und ein Ohrenschmaus, wie sie mal leise murmelnd, mal munter plätschernd den Wanderer auf verschlungenen Pfaden begleiten, welche dank ausgewaschenem Wurzelwerk mit hohem Stolper-Potential versehen sind.

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Leider gibt’s keine Erfrischung für den durstigen Pilger, denn der Grimburger Hof unterhalb der gleichnamigen Burg ist geschlossen, aber es gibt einen Brunnen in der Nähe. Auf dem Rest der Etappe durch das Wadrilltal sind kaum noch Höhenmeter zu bewältigen. Beim Abholpunkt “Frau Holle” angekommen, organisiere ich mir eine Übernachtungsmöglichkeit.

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Etappe 5: Reinsfeld bis Nonnweiler Stausee - ca. 25 km
Die letzte Etappe führt bei strahlendem Sonnenschein auf die Höhen an Gusenburg und Hermeskeil vorbei. Es stehen keine besonderen Herausforderung bevor, nur ein sanftes Auf und Ab. Hinweisschilder am Wegesrand verweisen auf die Entdeckung ehemaliger Hügelgräber, ich kann allerdings außer unspektakulären Erdwällen im Gelände nichts erkennen und muss den Informationstafeln glauben.

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Noch einmal erklimme ich einen kleinen Hügel, dann geht es nur noch hinab bis zum Fuß der Talsperre in Nonnweiler. Im Endspurt steige (ok: keuche) ich die Staumauer hinauf. Oben wartet bereits mein Trailmanager mit eiskalter Limo und leckerem Imbiss.

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Fazit: Naturbelassen, viele Single-Trails, außergewöhnlich gute Wegmarkierung, hier ein großes Lob an die Wege-Scouts des S-H-Steigs. Orte werden oft umgangen, daher sind Einkehrmöglichkeiten gering und Selbstversorger im Vorteil. Brunnen oder andere Wasserquellen sind selten, daher in der heißen Jahreszeit eher zu viel Wasser mitführen, als durstig bleiben.

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Übernachtungsmöglichkeiten sind im ersten Abschnitt dürftig, da entweder ausgesetzt oder extrem feucht, auch Schutzhütten fehlten, das bessert sich aber ab Etappe 2. Der Trail war so einsam, dass man direkt auf dem Weg hätte campen können. Auf der gesamten Wanderung sind mir nur zwei Pärchen entgegen gekommen. In meiner Richtung sind auch nur eine Handvoll Wanderer der Deuter-Fraktion unterwegs gewesen.

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Besondere Höhepunkte für den kulturbewussten Wanderer gibt es eher wenige, dafür aber ganz viel Grün auf schmalen Pfaden, Blätterrauschen, Vogelgezwitscher und Bachgeplätscher gratis dazu, sowie Sichtungen von Rehen, Hasen, Waldmäusen und Wildschweinen. Einheimischen begegnet man durch die naturnahe Wegführung fast gar nicht. Die wenigen, denen man über den Weg läuft sind eher wortkarg.

Beurteilung meiner Ausrüstung:

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Rucksack:
Der Hyberg Attila Baujahr 2018 bleibt im Rennen, auch wenn er nicht perfekt ist: Zu breite Riemen, ungünstige Position der Hüfttaschen, schlechter Zugriff zur Wasserflasche in den Seitentaschen. Trotzdem: lieber werde ich anpassen als neu kaufen. Am Rücken sitzt er perfekt und bleibt trotz Dauerregen innen fast ganz trocken (ein Liner kann aber nicht schaden).
Biwak:
Die OR Biwaktüte hat bei mir den letzten Einsatz erlebt, ich brauche mehr Platz. Dann lieber nur noch Tarp (bisher Yuedge). Die TaR Z lite ist trotz ihres Packvolumens eins meiner Lieblingsstücke, da sie auch tagsüber als spontane Sitz- oder Liegegelegenheit dienen konnte. Der Nordisk +4 war ausreichend, ist aber mit 900g ziemlich schwer.
Ausrüstung:
Die faltbaren Black Diamond Trekkingstöcke waren auf dem S-H Steig kein Muss, aber für mich wegen gelegentlicher Knieprobleme unerlässlich. Wahrscheinlich hätte einer gereicht, denn ein “Steig” war das nicht wirklich.
Schuhwerk + Socken:
Meine Lowa Inox mit Smartwool Socken haben meine Füße bei dem nasskalten Wetter prima trocken gehalten und mir den nötigen Grip gegeben, wurden aber bei Sonnenschein schnell zur Qual. Beim nächsten Trip kommen die neuen Altra Lone Peak 4.0 Trailrunner zum Einsatz. Zur Entspannung trug ich abends erstmalig die Xero Amuri Cloud Sandalen mit Injiji Socken. Geile Teile. Nachts zog ich wetterbedingt für draußen wasserdichte Sealskinz Socken über die ollen aber dollen handgestrickten Wollsocken.
Kochen, Essen, Trinken:
Trotz weniger Einkehrmöglichkeiten habe ich meinen Kocher (MSR und Esbit Titantopf) gerade einmal für ein Essen hervorgeholt. Lieber esse ich “richtig”, d.h. kaufe Snacks, Joghurt, Aufschnitt, Brötchen zum Vespern ein. Das Kochset bleibt also das nächste Mal zuhause. Von einer 1,5l Plastikflasche aus dem Supermarkt für Wasser habe ich zur besseren Lastenverteilung auf 2x 0,75l gewechselt. Da manche Brunnenzuläufe oberirdisch verlaufen, kam mein Sawyer Filter zum Einsatz. Sicher ist sicher. Die Deuce #2 hat sich - Ihr wisst schon wofür - bewährt.
Kleidung:
Die OR Helium II Regenjacke mit Üla Rock haben sich bei Regen-, Hagel- und Graupelschauer zum Wind- und Wetterschutz wieder mal als perfekt erwiesen. Die gute alte Jack Wolfskin Wanderhose hat sich bei der Witterung auch wieder bewährt. Dazu gab’s im Schichtprinzip ein Icebreaker T-Shirt, darunter ein Ex Officio Langarmshirt, dazu Panties der gleichen Marke. Alternativ habe ich eine Craft Boxer ausprobiert, deren Nähte aber nach einiger Zeit unangenehm an empfindlichen Stellen gescheuert haben. Die ebenfalls zum Test mitgenommene Icebreaker Boxer hat sich hingegen als angenehm erwiesen. Als Schlafset waren Icebreaker Longjohns und ein weiteres T-Shirt dieser Marke zum Einsatz, darüber ein weiteres echtes Lieblingsstück: die Enlightened Equipment Climashield Jacke, sowie ein Beanie und der unerlässliche Buff.

Was ich vermisst habe, bzw. ändern werde:
Nächstes Mal kommt wieder mein Schweizer Messer mit, das Mini-Messer aus dem Viktorinox Maniküreset ist einfach zu klein. Wegen der gemischten Witterung hätte ich gern einen Kufa Schlafsack (gern auch leichter als 900g). Ich liebäugle bereits mit dem EE Convert Apex Custom. Als Shelter steht nun ein Zpacks Plexamid V oder ein TT Aeon Li hoch auf der Wunschliste. Dazu werde ich mal die Diskussion hier im Forum weiter verfolgen. Bis dahin tut es mein Tarp.

Vielen Dank für’s Lesen. Tips oder weitere Hinweise hierzu nehme ich gern entgegen.

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bearbeitet von Wanderfisch

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Deinen erfrischenden Bericht und die schönen Bilder anzuschauen, das macht total Spaß. Die Tour kommt auf jeden Fall mit auf die Liste. 

Vielen Dank für die tollen Eindrücke, die Du hier mit uns teilst. :)

Gruß

rentoo

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Sieht nach einer schönen und wirklich grünen Tour aus! Mal eine doofe Anfängerinnenfrage: Wie ist das mit der Z lite außen am Rucksack bei Regen? Wird sie nass und "stört" das? 

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Danke für den schönen Bericht und die Vorstellung Deines Equipments. Früher hatte ich die Icebreaker-Sachen auch sehr gerne. Mittlerweile bin ich auf andere Marken umgestiegen, da die Teile leider wahnsinnig schnell kaputt gehen. 

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vor einer Stunde schrieb Wanderfisch:

@Idgie Nehme diesbezüglich gern Empfehlungen an. 

Das Schöne an den Sachen von Icebreaker war für mich vor allem die Nachvollziehbarkeit der Herkunft, sprich das Achten das Tierwohls.  Ich bin jedoch nicht bereit, 70 € oder mehr für ein T-Shirt auszugeben, dass nur ein halbes Jahr hält. Mittlerweile habe ich, glaube ich fast jeden Hersteller von Merino-Sachen durch.

Für mich haben sich die Sachen von Decathlon bewährt,  ein Longsleeve und ein T-Shirt, besitze und trage ich seit mittlerweile zwei Jahren (häufig) und da ist noch kein einziges Loch drin. Einzig die Herkunft, und bei dem Preis glaube ich nicht daran, dass auf‘s Tierwohl geachtet wird, ist ein riesiger Nachteil.

 

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vor 4 Minuten schrieb Idgie:

ein T-Shirt auszugeben, dass nur ein halbes Jahr hält.

:shock: Das kann ich überhaupt nicht nachvollziehen. Bei mir halten die über Jahre und ich hab sie auch viel im Alltag an. Aber vielleicht hat sich an der Qualität etwas geändert? Finde halt auch gut, dass man sie so gut waschen kann und sie die Form behalten. Kein Einlaufen etc.

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Ein icebreaker Shirt habe ich vor 3 Jahren gekauft. Ein anderes vor 8 Jahren. Beide sind mehrfach ausgebessert, meist da, wo der Gürtel sitzt. Ansonsten immer noch gut. Werden wohl von mir getragen, bis sie von selbst abfallen. :D

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Meine Merinowolle-Shirts sind auch immer im Bereich des Gürtels defekt gewesen. Anfangs habe ich nicht "geschnallt", warum das so ist. Dann ist mir aber ein Licht aufgegangen und ich habe nach einer Lösung gesucht. Ich hoffe auf dem Bild ist zu erkennen, was ich seit zwei Jahren immer dabei habe...

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Nochmal das "Schnallen"-Thema...

Die Schnalle des Hüftgurtes des Rucksacks, die gelegentlich Löcher in Shirts reißt, führt bei Wanderern, die einen Hosengürtel mit Schnalle an ihren Wanderhosen tragen, zu einem weiteren Problem.

Vor einigen Jahren hat mir mal ein erfahrener Wandersmann, als er gesehen hat, wie ich mich mit meinem ersten 20 kg-Rucksack abgeplagt habe, einen Tipp gegeben, wie man Rucksäcke mit einem solchen Gewicht einigermaßen effektiv tragen kann.

Sein Tipp: Der Hüftgurt des Rucksacks muss ganz fest angezogen werden, so dass die Hauptlast des Rucksacks auf der Hüfte sitzt. Die Schultergurte, so meinte er schmunzelnd, sollen nur verhindern, dass der Rucksack nicht nach hinten wegklappt.

Das führt aber dazu, dass sich manchmal die Schnallen von Hosengürtel und Rucksack gegenseitig behindern. Eine Schnalle drückt immer, egal welche. Mich hat das maßlos gestört und ich habe nach eine Lösung gesucht. Ein Hosengürtel ohne Schnalle? Geht das?

Ja das geht. Nach intensiver Recherche im Internet habe ich die Lösung gefunden. Eine Frau hat da ein Patent für einen Hosengürtel ohne Schnalle angemeldet (Shop). Ich trage nur noch diese Gürtel, auch im Privat- und Berufsleben.

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