Ich habe das auf dem Trail nicht, aber im Vorwege werde ich manchmal unruhig und denke evt. zu viel nach, auch, weil ich immer (gewollt) allein unterwegs bin. In eine Notlage zu geraten ist dann doppelt ungünstig. Ich plane deswegen meine Etappen genau und schaue, wo ich was bekommen kann. Das allerdings hilft mir, dann auf dem Trail selbst entspannt zu sein, da ich die Infos im Hinterkopf habe und sie abrufen kann, falls ich sie benötige. WENN ich doch mal über den nächsten Tag nachdenken muss, mache ich das abends im Zelt. Infos im Kopf aufgefrischt, Entspannung setzt wieder ein.
Ich kann mir allerdings vorstellen, dass alles umständlicher wird, wenn man z.B. unter den von dir erwähnten Nahrungsunverträglichkeiten leidet, das ist im Alltag ja schon manchmal schwierig.
Wenn du zum Grübeln neigst und dich das belastet, kann ich dir auch einfache Meditationsmethoden ans Herz legen. Da gibt es online viele Anleitungen. Gedanken erkennen, anerkennen, ziehen lassen (kann man sich z.B. so vorstellen, dass man auf einer Brücke steht und die Gedanken Blätter sind, die vorbeischwimmen).
Oder den Gedanken annehmen, ziehen lassen und dann auf den nächsten Gedanken warten.
Muss man nicht machen, aber ich mache es im Alltag, wenn der Arbeitsstress überhand nimmt und ich abends im Bett den Kopf nicht abschalten kann. Es hilft mir sehr gut.
Es ist zwar ärgerlich, eine Tour abzubrechen, aber wenn man über Tage hinweg keine Freude verspürt, ist es eben auch kein Urlaub, sondern Arbeit. Dass man zwischendurch mal einen schlechten Tag, an dem man am liebsten abbiegen und nach Hause möchte, hat, ist hier und da normal, aber etliche Tage hintereinander bei kürzeren Trails (bei mehrmonatigen Wegen ist es evt. noch etwas anderes) machen die Wanderung wirklich schwer und dann ist ein Abbruch evt. die einzige Lösung.
Wenn wir von Theorie sprechen: Ich würde auch ein paar Tage versuchen, mich durchzuboxen, vielleicht ist es tatsächlich nur ein "Phase" und ich habe etwas zu verarbeiten, aber wenn die unangenehme Stimmung bleibt, würde ich auch abbrechen.
Ich hatte zumindest etwas ähnlichs bei einer 5-tägigen Wanderung in D, bei der sich ein Infekt anmeldete und irgendwie alles drumherum schief lief. Ab Minute 1 war eigentlich alles bescheiden. Am 2. Tag abends habe ich mir gesagt, wenn ich morgen aufwache und die Kopfschmerzen noch da sind, fahre ich nach Hause, ich habe hier null Spaß, obwohl ich mich so darauf gefreut habe. So kam es dann auch, ich hätte 3 weitere Tage durchhalten können, ich weiß das. Aber wozu? 15 Stunden hin (statt 5), insgesamt 10 Stunden gewandert, 13 Stunden zurück (statt 5), 240 Euro Mehrkosten. War super 🫣.
Es ist aber auch toll, sich durch solche Tiefs durchzukämpfen. Wie die Amis so schön sagen: "Embrace the suck!" Ich glaube, man muss sich schon gut kennen, um zu erkennen, wo man da gerade steht und welche Lösung Sinn macht. Evt. ist das auch eine Art von Training.
Wie hier schon von anderen erwähnt, zieht es mich auch gerne in die französischen Alpen, einfach weil ich dort meistens irgendwo zelten darf und nicht noch Bedenken haben muss, gleich von irgendwelchen Rangern aus dem Zelt gezerrt zu werden.
OT: Und wo wir beim aus dem Zelt zerren sind: Mir versuchen immer irgendwelche dahergelaufenen Menschen einzureden, dass es ja so gefährlich wäre, allein zu zelten. Da denke ich, die Wahrscheinlichkeit in der Stadt vom Auto erfasst zu werden ist weitaus höher, als dass da nun gerade genau zu der Zeit irgendein Typ, der sein kommendes Schicksal schwer unterschätzt, versucht, sich an mir zu vergreifen.