Donnerstag 26.07.2018
Terme du Valdieri - Rifugio Genova Figari (1290/640 Hm)
Heute ist viel passiert.
Komme erst spät los. Um 9h bin ich beim Etappeneinstieg.
Anfangs geht es gemütlich durch einen Buchenwald nach oben, irgendwann öffnet sich das Tal. Man hat Sicht auf die beiden Argentera Gipfel. Es geht später durch Blockgestein. An einer Stelle weiß ich nicht sofort, wo es weitergeht. Da hinter mir zwei Schweizer sind, die ich eh überholen lassen will, kann ich denen hinterher gehen.
Später kurz vor dem Pass passiert mir das nochmal, da kommt von oben ein älterer super fitter Italiener vom Pass gehüpft, und zeigt mir, wo es lang geht. Aber es war eigentlich ein gut markierter Weg.
Ich bin froh, als ich am Rifugio Morelli Buzzi ankomme und Pause machen kann. Das Rifugio, liegt kurz vor dem Pass sehr schön am Berg. Bislang war das Wetter super, ziemlich heiß sogar auf 2300m. Ich freue mich auf mein Panino und ein Kaltgetränk.
Ich halte noch einen kurzen Schnack mit den 4 Norddeutschen, die grade aufbrechen. Nach meiner Pause breche ich glücklich und bestens gelaunt wieder auf. Ich sehe weiße Wölkchen kommen und will möglichst am Pass noch eine gute Aussicht haben.
Am Colle del Chiapous (2526m) angekommen, sehe ich, dass dunkle Wolken am Himmel aufziehen. Hatte ich diese Woche schon mal, ohne dass was passiert ist, aber will trotzdem nach paar Minuten absteigen. Und ich werde nach kurzem immer schneller. Die dunklen Wolken werden so schwarz, dass mir langsam Bange wird und ich nicht mehr an den Himmel gucken mag. Im Laufschritt, so schnell es geht, springe ich den Berg hinunter. Die Wege sind ganz gut, aber ich weiß, ich muss trotzdem aufpassen. Mittlerweile grollt und donnert es auch mal, aber kein Blitz. Jetzt wird mir doch echt anders. Ich weiß, der Abstieg sollte nicht zu lang sein. 1-2h? Irgendwann fängt es an zu schütten und zu hageln, aber noch keine Blitze und kaum Donner. Ich laufe weiter. Über mir kreist immer wieder ein Heli. Irgendwann stoße ich auf die vier Norddeutschen, die unter einem Schirm stehen und warten.
Sie haben die Ruhe weg. Wollen aber auch gerade wieder los. Verstehe nicht, warum sie gewartet haben, würde jeden Meter mitnehmen, um weiter unten zu sein - weg vom offenen vegetationslosen Berg. Unten muss ich über die Staumauer. Wieder ein Blitz, unter mir der Stausee. Fange an zu rennen, denke aber die Straßenlaternen, die wären sicher ein Blitzableiter. Auf der anderen Seite steht einer der Bremer, der auch nicht warten wollte. Es gibt da vom Wasserkradtwerk einen sicheren Unterstand.
Wir warten eine Weile, denn Richtung Hütte, die schon zu sehen ist, sieht es nicht gut aus am Himmel. Aber so mit nassen Füßen habe ich ein ausgeprägtes Bedürfnis weiterzugehen.
In dem sehr schönen Rifugio, das am Lago di Chiotas auf 2010m liegt, ist ordentlich was los. Nach einer heißen Dusche verbringe ich mit sehr netten Leuten einen sehr schönen Abend auf dieser Hütte.