Prinzipiell hat @Chris2901 natürlich recht mit seiner Kritik.
Beim oben genannten Buch liegen die Dinge m.E. allerdings tatsächlich anders. Macfarlane bereist zwar abgelegene Ort und verfolgt im Laufe des Buches das Ziel, seine eigene Karte der Wildnis zu erstellen. Allerdings kommt er zu dem Ergebnis, dass es all dieser Reisen eigentlich überhaupt nicht bedurft hätte. Am Ende nimmt er in der nahe gelegenen Natur Dinge wahr, die er vor seinem Projekt nicht wahrgenommen hat: im Park, auf der Wiese hinter'm Haus, im kleinen Wäldchen am Ortsrand. Denn Wildnis, so seine Schlussfolgerung, gibt es nicht nur an abgelegenen Orten, sondern überall da, wo Natur ist. Man muss nur immer wieder genau und aufmerksam hinschauen.
Macfarlanes Art zu schreiben, sein Blick auf die einfachsten Dinge, die man selbst schon zigmal gesehen hat, zwischenzeitlich aber nicht mehr wahrnimmt, fand ich sehr ansprechend und haben bei mir die Lust darauf, noch mehr Zeit in der Natur zu verbringen, noch vergrößert.
Wer Wolfgang Büschers "Berlin - Moskau: Eine Reise zu Fuß" oder Bruce Chatwins "In Patagonien: Reise in ein fernes Land" mochte, den könnte auch dieses Buch ansprechen. Auch wer gerne Bücher über Natur und draußen sein im Allgemeinen liest, die nicht zu wissenschaftlich, sondern eher literarisch geschrieben sind, sollte in das Buch sowie Macfarlanes weitere Werke (der Titel ist Teil einer Trilogie) mal reinlesen. In der Naturkunden-Reihe von Matthes & Seitz, wo die deutsche Erstausgabe erschienen ist, finden sich noch weitere Schätze.