@cluster Ich bin 15 Jahre mit Wanderstiefeln und 2 Jahre mit Trailrunnern und massgefertigten orthopädischen Einlagen (Spreiz-Senkfuss und mehr) unterwegs gewesen. (Seit diesem Jahr komme ich ohne Einlagen zurecht.) Ich kann dir für diese Jahre keine Erfahrungen mit Mehrtagestouren bieten. Jedoch z.B. zwei mal je 7 Tage in Osttirol mit Tagestouren 15-25 km und 1000-1500 Hm letztes Jahr (mit Einlagen und in Altra Timps 1.5). Außerhalb des Urlaubs geht sich leider nur eine Tour pro Woche aus. Die ist meist mit Kraxlstellen, Geröll, unwegsam, ordentlich Höhenmeter und Strecke. Schuhe und Füße werden also ordentlich strapaziert.
Was hat mir geholfen, bzw. habe ich mit der Zeit gelernt:
Schuhe immer mit den orthopädischen Einlagen anprobieren. Schuh und Einlagen passen nicht immer gut zusammen. Vielleicht bist du zu hoch im Schuh, gerade mit flachen Füßen fällt das gar nicht auf am Rist. Aber daher kann auch ein schwammiges, wackeliges Gefühl kommen. Ich fand es immer sehr zielführend in einem Laden zu kaufen: a) man schickt nicht über Wochen Pakete hin und her bis etwas passendes dabei ist b) man kann Schuhe gegeneinander testen c) man bekommt vielleicht Schuhe empfohlen, die man gar nicht auf dem Schirm hat, wenn man dem Verkäufer von den persönlichen Problemzonen erzählt und d) man bekommt auf dieser Mini Teststrecke mit bergauf-bergab und verschiedenen Untergründen schon mal ein gutes Gefühl ob das System stabil ist.
Für die Schuhe, in denen du wirklich viel unterwegs bist, lohnt sich meiner Erfahrung nach zwei speziell dafür passgenaue Einlagen machen zu lassen, bzw. vorhandene können manchmal auch angepasst werden. Denn wenn die Einlage nicht gut aufliegt im Schuh, oder Bewegungsspielraum hat, dann kann es auch sein, dass man sich nicht trittsicher fühlt. Bei mir waren es manchmal nur ein Hauch von nichts, den der Orthopädiemechaniker abgeschliffen hat.
Zwei Einlagen, zum täglichen Wechsel. Damit sich die Einlegesohlen vom Druck erholen können. Ich fand es hat wirklich einen Unterschied gemacht.
Neue Einlagen stundenweise eintragen. Denn manchmal merkt man da tut sich was im Fuß, dann langsam am Berg einführen. Die Füße müssen dann erst die Adaptionsarbeit leisten. Quasi Krafttraining für die Füße, da sollte man nicht überbelasten. Alternativ, die alten Einlagen mitnehmen und wechseln, wenn es anfänglich zu viel wird.
Such dir einen Orthopädiemechaniker, der etwas von Bergen, wandern oder zumindest laufen versteht. Die Lektion habe ich recht spät gelernt. Hat aber einen Wahnsinns Unterschied gemacht. Wenn ich dem erzählt habe in welchen Situationen ich wackelig im Schuh war, hat der sofort Abhilfe gewusst.
Scheue dich nicht mehrmals nachbessern / anpassen zu lassen. Ein verständiger Orthopädiemechaniker arbeitet mit dir zusammen bis es passt.
Ansonsten: viel massieren und ausrollen. Sowohl zu Einlagenzeiten als auch jetzt noch. In Pausen ziehe ich die Schuhe aus und massiere die Sohle bis alle Schmerzpunkte und Verspannungen sich aufgelöst haben. Abends rolle ich. Faszienball eher zur Entspannung. Golfball um in die Zwischenräume der einzelnen Zehenstränge zu kommen. Erst Qual und Tränen, danach herrlich entspannte Füße.
Mit Schnürungen experimentieren. Ich hab da auf einer Laufsportseite mal Bilder mit verschiedenen Schnürungen für verschiedene Problemzonen gesehen und das hat mir die Anregeung gegeben damit zu experimentieren. So kann man Fuß und Schuh noch besser anpassen. Bei meinen Hanwag Zustiegschuhen habe ich sogar für bergab und bergauf umgeöst für besseren Halt und weniger Zehenquetschung.
Du schreibst von "Problemen". was sind das für Probleme? Unsicherheit? Instabilität? >>> Krafttraining unter der Woche kann helfen den Bewegungsapparat neu aufeinander abzustimmen und Stabilität reinzubringen. Hast du Schmerzen? Schmerzen sind erst einmal nichts schlimmes. Du musst leider selber ausloten, wo die Grenze zwischen Adaptionsschmerzen (Anpassung an neue Situation) oder Überlastungsschmerzen (Gefahr von chronischen Schmerzen) ist. Nicht die mentale und physiologische Anpassungsleistung des Körpers vergessen. Also Rücksicht auf die Tagesform ist auch wichtig. Ausreichend und gut geschlafen? Trägt man Stress mit sich herum? Fühlt man sich mit der Begleitung wohl? Passt das Wetter? Die Kleidung? Ausreichend gegessen, getrunken? Alles was man sonst als selbstverständlich hinnimmt oder gut wegstecken kann, kann der letzte Tropfen im vollen Fass sein, wenn der Körper gerade mit diesen Adaptionsprozessen ( Stiefel zu Trailrunner oder neue Einlagen) beschäftigt ist. Hier hilft üben und Geduld bis der Körper sich angepasst hat.
Zu guter letzt, falls du Bock darauf hast: sich damit beschäftigen, was die eigene Fehlstellung wirklich bedeutet. Wie funktioniert so ein Fuß um uns die Berge hoch und herunter zu tragen. Was machen Knochen, Muskeln, Sehnen, Faszien überhaupt. Welche Rolle spielen Knie und Hüfte in der Stabilisation? Daraus in langen Talhatschern Erkenntnisse ziehen, was dein Fuß wirklich braucht, bzw. welche Meisterleistung da gerade vollbracht wird. Das lobende Klopfen auf die eigene Schulter nicht vergessen.
Anekdotisches: Ich habe 5 Monate gebraucht um nach Jahren in Stiefeln mit meinen Altra Timps von wenigen Schritten in der Wohnung bis 10 km im Voralpenland muskelkaterfrei gehen zu können. Das lag nicht an meiner allgemeinen Fitness. Zum selben Zeitpunkt konnte ich locker 20 km Touren im Karwendel in meinen Hanwag Bergstiefeln machen. Das lag daran, dass ich das abrollen lernen musste, das belasten des Fuß in der Abrollbewegung etc. Mein Sprunggelenk wusste gar nicht, dass es sich in all diese Richtungen bewegen kann.
PS: Ich kann mit Trailrunnern keinen festen Hüftgurt mehr tragen. Es schmerzt die Hüfte (was sie sonst nie tut) und ich bin sehr unsicher im Tritt, sobald die Muskeln etwas müder sind. Vielleicht sind es auch bei dir nicht (oder nicht nur) die Einlagen, die deine Stabilität durcheinander bringen.
PS 2: ich habe noch keinen Orthopäden kennengelernt, der etwas von Füßen, Biomechanik und Belastung verstanden hat und mir weiterhelfen konnten. Meinen Fuß-Helden sind die Orthopädiemechaniker.