Hallo @Mia im Zelt
über dieses Problem habe ich auch schon viel nachgedacht.
Ich denke, dass man zunächst die grundlegende Entscheidung treffen muss, ob man ein "normales" Leben mit Vollzeitjob wählt und versucht, sich darin so viele Freiheiten wie möglich zu schaffen oder ob man dem Reisen/Trekking Vorrang einräumt und lediglich arbeitet, um das nötige Kleingeld dafür zusammen zu bekommen. Die wenigsten werden über die finanzielle Freiheit verfügen, ihr Leben aus Ersparnissen bestreiten zu können
Ich habe mich (derzeit) für die erste Alternative entschieden, da ich eigentlich gerne arbeite und meinen Job (und meine Kollegen) auch mag. Ich denke, wenn man mal ein paar Jährchen arbeitet und während dessen nicht in Saus und Braus lebt, kann man auch das zum Reisen erforderliche Geld ansparen (ich hoffe, ich trete mit dieser Aussage niemand auf die Füße). Für längere Reisen habe ich bislang folgende Möglichkeiten gefunden: Meinen ersten Job habe ich einfach gekündigt, ohne schon was Neues zu haben und bin dann erstmal mehrere Monate gereist. Ich wundere mich immer noch, warum sich so wenige Leute trauen, das zu tun. Meinen zweiten Job habe ich immer noch (selber Arbeitgeber), habe aber mehrfach die Stelle gewechselt. Solche Stellenwechsel habe ich genutzt, um davor größere Urlaube (einmal 5 Wochen, einmal 6 Wochen und einmal sogar 8 Wochen) zu machen. Das setzt natürlich voraus, dass man so viel Urlaub überhaupt ansparen kann und dass man einen netten Chef hat, der das auch genehmigt. Ansonsten gibt es natürlich die bereits angesprochenen Möglichkeiten eines Freistellungsjahrs (bei mir 2021 ), das ich derzeit in einem Teilzeitmodell anspare (ich arbeite 2 Jahre Vollzeit und bekomme nur 2/3 meines Gehaltes, das 3. Jahr arbeite ich nicht und bekomme auch 2/3 meines Gehalts) oder einfach auch die Möglichkeit, sich ohne Bezahlung freistellen zu lassen (ist natürlich was die Krankenversicherung angeht nachteilig).
Das optimale Modell wäre für mich eigentlich jedes Jahr 8 bis 9 Monate zu arbeiten und 3 bis 4 Monate frei zu haben. Das ist theoretisch als Teilzeitmodell, bei dem der Ausgleich nicht wie üblich unterwöchig, sondern unterjährig stattfindet oder mit einem Arbeitszeitkonto möglich. Bei meinem Arbeitgeber gibt es das derzeit nicht, aber wenn ich von meinem Sabbatical zurück bin, werde ich einfach mal nachfragen - mehr als nein sagen kann er ja nicht.
Da Du schreibst, dass Du frisch verbeamtet bist, vielleicht folgende Hinweise: Alle sehen bei der Verbeamtung auf Lebenszeit nur, dass Du praktisch unkündbar bist. Was meistens übersehen wird: man muss in der Regel bereit sein, einige finanzielle Einbußen (die umso größer werden, je länger man schon verbeamtet ist) hinzunehmen, um wieder aus dem Beamtenverhältnis auszuscheiden. In den meisten Bundesländern wird man, wenn man aus dem Beamtenverhältnis ausscheidet, zur Rentenversicherung nachversichert - und zwar aus dem popeligen Brutto-Beamtengehalt, d.h. man verliert die Pensionsansprüche, die man eigentlich schon erdient hat und bekommt sehr viel niedrigere Rentenansprüche. In einigen Bundesländern hat sich das allerdings geändert und man bekommt dann bei Erreichen des Renteneintrittsalters sogenanntes Altersgeld, das der Pension entspricht, die man bis zu seinem Ausscheiden schon erdient hat. Und wenn man aus dem Beamtenverhältnis ausscheidet, verliert man selbstverständlich auch den Beihilfeanspruch, der sonst ja bis über die Pensionierung hinaus bestehen würde. Das kann man sich glaube ich nur leisten, wenn man danach äußerst gut verdient oder eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung aufnimmt und unterhalb der Beitragsbemessungsgrenze verdient - dann kann man wieder in die gesetzliche Krankenversicherung wechseln, aber nur bis 55.
Was ich damit sagen will: Falls Du in Erwägung ziehst, irgendwann aus dem Beamtenverhältnis auszuscheiden, um das Reisen zum Beruf zu machen, dann mach das lieber früher als später, da Du sonst enorme finanzielle Einbußen hast.
Im Übrigen bin ich für weitere sachdienliche Hinweise, wie man den Freizeitfaktor bei der Arbeit erhöhen kann, ebenfalls sehr dankbar!