Zum Inhalt springen
View in the app

A better way to browse. Learn more.

Ultraleicht Trekking

A full-screen app on your home screen with push notifications, badges and more.

To install this app on iOS and iPadOS
  1. Tap the Share icon in Safari
  2. Scroll the menu and tap Add to Home Screen.
  3. Tap Add in the top-right corner.
To install this app on Android
  1. Tap the 3-dot menu (⋮) in the top-right corner of the browser.
  2. Tap Add to Home screen or Install app.
  3. Confirm by tapping Install.

Rangliste

Beliebte Inhalte

Anzeigen von Inhalten mit der höchsten Reputation auf 21.11.2018 in allen Bereichen

  1. Schnäppchen

    Magic und 5 andere reagierte auf Matzo für Beitrag im Thema

    6 Punkte
    Merrell Herren Trail Glove 4 in rot bei Amazon für 47,95. ich konnte trotz der Farbe nicht widerstehen.
  2. 4 Punkte
    Und noch ein bisschen Kutaisi und zugdidi Ja, es handelt sich um eine kostenpflichtige Toilette. Stadtmarketing Woher der gute Empfang nur kommt... Georgisches Snickers und Gummibärchen (Traubenmelasse, als Riegel mit Nüssen gefüllt)
  3. SUL Comfort Packliste

    Tubus und 2 andere reagierte auf Fabian. für Beitrag im Thema

    3 Punkte
    Grüßt euch, als meine Freundin mir mitteilte, dass es ihr unangenehm ist in Deutschland wildzucampen, ich aber dennoch gerne mal die ein oder andere Tour in meinem Heimatland machen würde, da war mir klar, dass das die ideale Ausrede ist um mir ein wenig neue Ausrüstung anzuschaffen. Ziel war es von vornherein eine Packliste zu erstellen mit der ich dauerhaft unterwegs bin. Das heißt für mich: Keine Komforteinbußen, bequeme Isomatte inkl. Kissen, Kocher, Zelt mit Insektenschutz und alles was ich dabei habe, damit ich mich wohlfühle. Ach ja. Das Ganze dann auch noch bei einer Körpergröße von knapp 190cm. Als ich die Liste dann nach und nach abgearbeitet hatte und meine Wunschgegenstände bei Geargrams eingetragen waren merkte ich, dass ich schon recht nah an der 3KG-Grenze nagte. Mein Ehrgeiz war gepackt und ich dachte mir, dass ich es nun auch mal schaffe superultraleicht unterwegs zu sein. Meine Zielvorgabe führte also dahin, dass ich mir eine Packliste erstellen wollte die nicht nur für Temperaturen bis 5°C ausreicht, sondern die dabei auch noch so bequem ist, dass ich nichts ändern würde wenn ich nicht so streng auf das Gewichtslimit achten würde. Selbstdefiniertes Ziel: <2,5kg inkl. Trekkingstöcke, bzw. <2268g exkl. Trekkingstöcke Herausgekommen ist dank freundlicher Unterstützung von @Andreas K., der mir seinen SUL Rucksack günstig verkauft hat und einiger Inspirationen von @LAUFBURSCHE, so wie einiger zustimmender Worte von @khyal und @martinfarrent folgende Liste: https://www.geargrams.com/list?id=47658 Den Rucksack habe ich nur kurz mit rund 5kg getragen und empfand ihn dabei als sehr angenehm. Platz für Essen ist auch noch reichlich vorhanden (auf dem Foto befinden sich schon 2L Wasser im Rucksack): Was lässt sich dazu noch sagen? 1. Ich hätte nicht gedacht, dass es doch so einfach ist eine SUL Liste zu erstellen die dabei so viel Komfort bietet. 2. Dadurch, dass ich mMn noch sehr viele Dinge in der Liste habe, die man theoretisch nicht immer braucht (schweres Innenzelt, 2 Isomatten, Kopfkissen, Kocher) sollte es sogar durchaus auch für mich als komfortverwöhnten Städter möglich sein auf der ein oder anderen Tour XUL unterwegs zu sein. 3. Die einzige Neuanschaffung die etwas geschmerzt hat war das GWC. Alle anderen Sachen ließen sich auch für mich als Student gut stemmen. Dabei waren natürlich Dinge wie der Windhard Quilt und die Stöcke schon vorhanden. 4. Die Liste ist für mich modular nutzbar. Will heißen: Sollte es kälter als 5°C werden dann erhöht sich das Gewicht gerade mal um 1 kg um dann bis unter 0°C draußen sein zu können: - Quilt raus (-451g) - Cumulus 450 L/W rein (+780g) - MH Ghost Whisperer rein (+249g) - Lange Merinounterhose rein (+210g) - Mütze (+27g) - Handschuhe (+31g) - ggf. Fleecejacke (+232g) __________________________________ Summe: +849g/+1078g Falls ihr noch weitere Ideen habt an denen ich sparen kann, dann immer her damit. Wahrscheinlich wird beim Rucksack noch ein leichter Hüftgurt mit 15g angenäht und ggf. das Strumpfsystem von @derray für die Befestigung von kleinen Flaschen an den Schultergurten genutzt. LG Fabian
  4. Kalte Temperaturen- warme Kleidung

    DaleCooper und 2 andere reagierte auf Andreas K. für Beitrag im Thema

    3 Punkte
    Zur Ausgangsfrage:
  5. 3 Punkte
    Und der letzte Tag in den Bergen Tag 11: "Der A-soziale Abstieg" Eckpunkte: Ushguli -> Latpari pass -> Chvelpi 25,5km, 1243hm up, 2237hm down, höchster Punkt 2960m Endlich mal wieder alle Geräte über Nacht durchgeladen, fühlt sich gut an.Zumal ich noch nicht so echt weiß, wo ich eigentlich hin will heute. Da ich gut zwei Tage schneller als gedacht unterwegs war, stellt sich die Frage, was ich bis zum Rückflug noch anstelle. Die Route lässt sich kaum noch verlängern, ich bin bereits meine längste Option gelaufen. Es gäbe wohl noch die Option, aus der Svaneti Region nach Racha weiter zu laufen. Nur um dort wieder in Zivilisation mit Option auf Transport Richtung Flugplatz zu landen ist der Zeitpuffer dann auch wieder nicht ausreichend. Also doch noch man-made Sightseeing? Batumi - also Meer und Sonne und Erholung, allerdings auch eher georgisches bling bling Las Vegas für reiche Russen und Türken - oder doch noch irgendwie nach Tblisi - sicher spannend, aber halt auch gute zehn Stunden entfernt. Na erst mal Richtung lower Svaneti raus aus den Bergen. Eventuell mache ich noch auf dem Pass Station, die Bergseen klingen interessant - und ich habe ja auch wieder einen Stock, um mein Tarp aufstellen zu können. Die Nacht war auch im Zimmer bereits einigermaßen kühl, obwohl ich unter einer zentnerschweren Decke begraben lag. Im Winter muss es hier wirklich frisch werden. Ich genieße die nette Aussicht aus dem Zimmer, während ich zusammenpacke. Ich ziehe los, auf in Richtung der Bäckerei, Puri kaufen, leider von gestern, Touris galore. Dann noch ein bisschen Dorf gucken, bis ich mich gegen 8:30 dann wirklich auf mache. Die 3l Wasser wiegen, der letzte steile Pass meiner Tour wartet, die Sonne ist schon oben. Im Anstieg gen Pass irre ich tatsächlich zum ersten Mal nach zehn Tagen auf einer Wiese wirklich umher. nach etwa einer halben Stunde wird klar, ich habe mich am falschen Fluss orientiert, vermutlich hat das Wasser die Betten gewechselt. Was noch in der Karte als größerer Bach verzeichnet ist, ist jetzt ein kaum merkliches Rinnsal - und vice versa. Direkt nasse Füße vom Morgentau - na was soll's, feuchtes Schuhklima war ja gestern auch ganz angenehm. Dann kommt mir beim Aufstieg ein übereifriges deutsches Paar auf dem Rückweg entgegen. Sind um 6:30 gestartet, waren schon "oben". Ich amüsiere mich immer, wenn ich Paare treffe. Es ist doch meist nicht schwer, zu raten, wer der beiden der wanderbegeisterte und wer der kompromissbereite eher medium motivierte Beziehungsteil ist, der gute Mine zum anstrengenden Spiel macht. In dem Fall ist es auf jeden Fall der hyperaktive, männliche Teil, der in aller Frühe zum Fotos machen hinauf musste - Gesichtsausdruck und physische Verfassung der weiblichen Begleitung sprechen Bände. Was sie mit oben meinen, bleibt unklar. Ich nehme an, das erste Plateau. Der eigentliche Latpari Pass ist eher so 4-5h one way. Es gelingt mir abermals, nicht als deutscher enttarnt und fraternisiert worden zu sein - midwest accent ftw! Weiter geht der Aufstieg, bis ich das erste Plateau erreiche, von woher das Paar wohl wieder abgestiegen ist. Lagerfeuer Müllverbrennungs-Taschentücher-überall-Romantik - Jikes, nichts wie weiter. Kurz vor dem Gorvashi Pass eröffnet sich grandiose Aussicht auf die schneebedeckten Gipfel ringsum. ich halte inne, sauge das wohl letzte majestätische Panorama auf, mache Fotos. Zwei Tschechen steigen auch auf, wir treffen uns kurz darauf am Pass, als sie ihr Zelt von letzter Nacht trocknen. Vater und Sohn meinen es wohl auch ernster und suchen eher die Ruhe der höheren Erhebungen und sind froh, dem Trubel unten entflohen zu sein. Sie wollen vom Pass wieder zurück in's Gebiet, ich gebe Ihnen noch den Rat, eher gen Westen zu gehen, wo doch deutlich weniger los war und ziehe weiter. Es folgt ein toller Gratweg, inklusive der Seen, von denen ich schon gelesen hatte. Ich bin fast ein bisschen wehmütig beim Blick zurück. Die Landschaft und Leute haben doch einen bleibenden Eindruck hinterlassen - das Ende kommt irgendwie immer etwas unvorbereitet. Aber der morgendliche Gedanke, hier noch Station zu machen ist schnell verflogen der Wind zieht unerbittlich über den Grat, Zeltreste einer eher ungemütlichen Nacht am Seeufer raten davon ab, es sich hier bequem zu machen. Zumal ich bereits relativ zeitig hier oben bin und eher noch Lust zu laufen verspüre. Also geht es abermals weiter Richtung Latpari und dann Chvelpi. Unterwegs suche ich nach Guesthouses und versuche per Telefon und SMS herauszufinden, ob sie wissen, wie ich von Chvelpi Richtung Kutaisi oder Zugdidi komme. Auch hier, auf etwa 3000m abermals blendender Empfang, der aber auf der anderen Pass Seite, die in's weniger touristische Tal deutet schnell verschwinden sollte. Gen Pass ist dann tatsächlich noch etwas mehr Gekraxel angesagt, dann bin ich oben. Auf der anderen Seite wird direkt die Schotterstraße sichtbar, die sich in endlosen Serpentinen über 2000hm gen Tal schlängelt. Ab dafür, was soll's. Die Oberschenkel machen recht schnell dicht, eine ätzende Schinderei, dazu Sonne frontal. Zwei Autos kommen in meine Richtung von oben, leider habe ich diesmal kein Glück. Das eine holt nur direkt unterhalb Wasser, das andere ist voll - und nicht so wirklich daran interessiert, mich noch irgendwie hinein zu quetschen. Es nimmt kein Ende. Ein paar schattige Fleckchen, Podcasts und die ein oder andere Brombeere machen es irgendwie erträglich, aber wäre ich gläubig, müsste ich nach der ebenso endlosen Flucherei die Strecke entlang wohl reichlich abbitte leisten. Irgendwann unten angekommen geht es Richtung Guesthouse, die Marshutka fährt angeblich direkt früh um 7 und würde für mich am Guesthouse halten. Kommt mir alles noch etwas suspekt vor, zumal die Kommunikation nicht ganz einfach war - und ich ansonsten keine verlässlichen Infos über die Verbindung aus Chvelpi finde. Campoptionen im Tal gibt es eh keine, es besteht quasi aus Fluss, daneben liegender Straße (brandneu und breit, auf den ~3km wird mir nicht ein Auto begegnen) und daneben liegenden Häusern. Die Häuser hier sind alle ziemlich riesig. Vermutlich mal von mehreren Generationen bewohnt - mittlerweile zieht die Jugend weg, sobald sie kann, da ist Platz für Touristen. Viele sind auch ganz verlassen. Ich finde nach etwas Sucherei das Guesthouse und nach etwas Gefeilsche mit Proxy über die auch nicht viel mehr dem englischen mächtigen Tochter und anfänglichen Mondpreisen sind wir uns schnell handelseinig und ich ziehe im wohl ehemaligen Jugendzimmer des Sprösslings ein. Ich genieße die Dusche, staune über die Tonnen an Staub, die ich mir von der Haut und aus den Atemwegen spüle. Die Hausherrin macht sich auf in die Küche, das Abendessen herrichten, ich recherchiere inzwischen meine Optionen für die nächsten Tage. Aus Zugdidi fährt tatsächlich ein Nachtzug nach Tiblisi - unglaublich günstig ist er auch noch. Also los. von hier geht es morgen nach Latpari, von dort kommt man nach Kutaisi, von wo aus ich ja bereits schon einmal nach Zugdidi gereist bin von wo aus der Nachtzug fährt. Den Zug kann man sogar über eine mobile App buchen, die im Gegensatz zur Webseite von Georgian Railways sogar funktioniert. Dann noch ein Hostel in Tiblisi gebucht und ich bin reisefertig. Herrlich, was mittlerweile alles möglich ist mit dieser Glasplatte in der Hosentasche. Mir wird ein Mahl vorgesetzt, als würde eine ganze Tafel erwartet. Katchapuri, Bohnen, Salat, Fritten, Käse, Brot, das volle Programm. Später trifft noch ein entfernter Verwandter aus Tiblisi ein, der mit freunden ein paar Tage in seiner alten Heimat wandern möchte. Wir tauschen Tipps aus, Svaneti gegen Tiblisi und trinken reichlich großartigen georgischen Wein. Sie sind tatsächlich die bald 400km beschwerlicher Strecke getrampt - in zwei Tagen. Probleme, mitgenommen zu werden scheint es selbst zu dritt mit Gepäck und Gitarre nicht zu geben. Sie bekommen die selbe Kombo wie ich vorgesetzt - schön zu sehen, dass man hier auch nicht anders als die eigene Sippe verköstigt wird. Später werden noch ein paar Songs zum besten gegeben (Man kann ja tatsächlich Audio hochladen hier also etwas Atmo im mehrdimensionalen Reisebericht song 2.mp3), bis wir uns vernunfthalber gen Betten verabschieden, da es morgen für uns alle ein langer Tag werden sollte.
  6. Modisches Mantelqudrat

    eric und ein anderer reagierte auf ekorn für Beitrag im Thema

    2 Punkte
    Mein Russisch ist etwas eingerostet und sogar mit Google Translate habe ich die Anleitung nicht verstanden. Aber ich fand es trotzdem ganz nett. Hier also die russische Anleitung für ein Mantelquadrat / Mantelquilt: https://tutknow.ru/rukodelie/7392-kak-bystro-sshit-palto-kvadrat-kardigan-zhilet-krug.html das ich so noch noch nicht gesehen hatte. Ich finde auch das es ganz gut aussieht nur wie sie das mit den Ärmeln gelöst haben versteh ich nicht ganz. OT: Ich bin mir nicht sicher ob das Bild vom Original Server einbetten o.k. ist falls nicht bitte wieder entfernen bzw. drauf hinweisen. SouthWest hat diesen Beitrag moderiert: Habe das Bild mal entfernt. Ist schon besser in solchen Fällen nur den link zu posten.
  7. Einfach nur klasse. Text, Bilder - und deine Kapitelüberschriften!
  8. 2 Punkte
    Noch ein bisschen Leben Beeindruckende Wodka-Auswahl in der Kühlung, also 'to-go' It's a business! 1x wiegen 20 Tetri (Kutaisi) Trinken? Löffeln? Sonstiges? Loses Gefriergut, da können wir uns eine Scheibe abschneiden Marktleben Auch Waschmittel gibt's lose Acharuli Khachapuri (mit Ei) Der 400° Ofen, aus dem das Brot kommt (in der ältesten Bäckerei Tbilisi Der 'Knauf' der Chinkali wird nicht mitgegessen, ist bei bestecklosem Essen nur der 'Griff'. Bei Fressewttbewerben, werden die übrigen auf dem Teller gezählt I have simply no idea! Ein bisschen Söder ist vorhanden, oder? Akkurat die Laufgeschwindigkeit abgebildet, mit der man manchmal Straßen queren muss Guess the brand Deutsche Einflüsse
  9. 2 Punkte
    Ich mag ja Sowjetarchitektur ungemein noch in Kutaisi und Zugdidi Und in Tbilisi
  10. 2 Punkte
    Zahlreiche Innenhöfe laden zur Erkundung ein - die Holzarchitektur ist beeindruckend!
  11. 2 Punkte
    Unglaublich viele Hauseingänge der Gebäude laden zum Entdecken ein
  12. 2 Punkte
    viel spannender finde ich persönlich ja das unperfekte - und davon gibt es in Tbilisi durchaus noch mehr als genug - im herrlichen Architekturmix. Unglaublich viele Straßen und Gassen, die zum entdecken einladen. Zum Teil ist die Substanz allerdings derart verfallen, dass kaum noch etwas zu retten ist. Die Rekonstruktion ist zum Erhalt der Stadt also durchaus begrüßenswert, der Stil diskutabel.
  13. 2 Punkte
    Endlich wieder etwas Muße Tag 10: "Licht und Schatten" Eckpunkte hinter Chvabiani -> Aidishi -> South Karetta Pass -> Ushguli 29km, 2407hm up, 1754hm down, höchster Punkt 3000m Um 7:40 komme ich los. Da ich direkt in der Steigung hinter Chvabiani genächtigt hatte, geht es direkt wieder steil los. Kurz nach starte, kommen mir zwei Riesenköter entgegen. Erst bin ich etwas besorgt, dann wird mir klar, dass auch die beiden mich schon wieder zum Auslauf nutzen wollen. Während der kleine Vertreter von gestern wenigstens munter vorneweg lief, sind die beiden heute nicht die hellsten Kerzen auf der Torte. Der Pfad ist schmal, was sie aber nicht davon abhält, stehen zu bleiben, sich nach vorne und nach hinten wieder und wieder an mir vorbei zu drängeln. Ich bin genervt, irgendwann verschwinden sie - endlich. Ich komme an einer ungewohnt kunterbunten Schweinefamilie vorbei. Der eine Elternteil sieht eher nach Wildschein denn nach Hausschwein aus, interessant. Irgendwann komme ich über eine Kuppe - und stehe plötzlich auf einer breit planierten Fläche, die sich als brachiale Schneise einer Skipiste samt Lift entpuppt. Damit bin ich wieder auf dem offiziellen Pfad, den ich in Chvabiani verlassen hatte. Ich stapfe eine Weile hinauf, sehe an einem Abzweig etwas in der Ferne einen Spätaufsteher beim Packen, dann geht es endlich von der Piste ab. Der Weg ist flach und ausgetreten, hat eher Spaziergangscharakter. Ich komme an einem Camp einer Gruppe vorbei, die direkt am Weg auf einer offenen Wiese auf der Erhöhung das Nachtlager aufgeschlagen hat. Schöner Suizidversuch in Anbetracht des Gewitters gestern denke ich mir noch, während ich vorbei ziehe. Es geht sehr moderat weiter, ich kann endlich mal wieder tempo machen, bin aber auch etwas baff, wie wenig fordernd der Trail auf diesem Abschnitt ist, handelt es sich doch um den berühmten Mestia-Ushguli Teil. Die Taschentücher allenortens und die kleinen, allerdings geschlossenen 'Bars' (Holzverschläge am Wegrand, die Getränke verkaufen) sprechen jedoch für die Popularität. Ich lande in Aidishi, ein durchaus hübsch anzusehendes Dörfchen. Dort ist eine ganze Gruppe mit Riesenrucksäcken abreisebereit, die wohl in einem der Gueshouses genächtigt hat. Ich shoppe mir in einem Guesthouse ein Puri 'to go', verbuche das vierfache des üblichen Preises und das ausnehmend kleine Brot mal unter der vermeintlichen Abgelegenheit des Ortes - von der Wanderautobahn, die hier durch läuft mal abgesehen. Weiter geht es parallel zum Fluss, den es ein paar Kilometer nach dem Ort zu queren gilt. Auch hier komme ich an weiteren Wanderern vorbei, die auch umm 11:30 noch nicht wirklich in die Gänge gekommen sind und es scheinbar auch nicht weiter eilig haben. An der Querungsstelle herrscht hochbetrieb, hier sammeln sich die Wanderer, Pferde schleppen Wanderer Samt Gepäck hinüber. Der Gletscher, dem der Fluss entspringt ist in Sichtweite und verspricht ein durchaus kühles Nass. Die Fließgeschwindigkeit ist definitiv hoch, aber jetzt am Morgen erscheint mir ein Furten bei noch niedrigem Pegel und um diese Jahreszeit machbar. Ich gehe auf- und ab, entscheide mich irgendwann für eine Stelle etwas oberhalb. Es ist machbar, aber ohne Stöcker (R.I.P) gar nicht so ohne. Das Wasser ist wahrlich arschkalt und hat ordentlich Zug. Für ein, zwei Schritte kann ich das Zerren der Strömung gut spüren, breiter Stand, und tiefer Schwerpunkt sorgen gerade noch dafür, dass ich mich halten kann. Auf der anderen Seite muss ich erst mal raus aus den Schuhen, Sand ausspülen und in mein trockenes paar Socken steigen - brrr! Dann geht es direkt wieder hinauf Richtung Chkhunderi Pass. im unteren Teil ergibt sich ein toller Blick auf den wirklich imposanten Gletscher, ansonsten ist der Weg wie zuvor. Ausgetreten, vielbegangen und über und über markiert mit Taschentüchern. Ein Mal werde ich sogar gebeten, kurz zu warten, weil da vorne noch jemand mitten dabei war, diese zu benutzen, ich kann mir nur noch ein 'disgusting' abringen. Alles etwas abstoßend, ich freue mich schon, im nächsten Tal wieder auf weniger begangene Pfade abzubiegen. Bis zum Pass werde ich 15 Leute wieder eingesammelt haben, dort oben noch mal eine Gruppe deutscher Teenies, auf dem Weg nach unten in's Tal noch mal 15. Zwei Briten kommen mir entgegen, sichtlich erschöpft und etwas mitgenommen. Ein bisschen Laurel&Hards in Wanderklamotten, der Hardy der Beiden mit einem ordentlich verbogenen, einzelnen Wanderstock. Es stellt sich heraus, dass sie auch über den South Karetta Pass gekommen sind, den ich anpeile. Sie raten mir ab, weglos, schwierig, keine anderen Leute etc. etc. - klingt genau richtig! Beim Absteigen kann ich in der Ferne noch einen Riesenrucksack mit Beinen vor mir erspähen. Es sieht derart lustig aus, dass ich mich beeile, um mir das aus der Nähe anzusehen. Ich komme leider etwas zu spät und kann leider nur noch ein Bild der erschöpften Trägerin mit Ihrem am Boden liegenden Monstrum machen. Dann verabschiede ich mich endlich wieder vom Wanderzirkus und biege in Richtung South Karetta Pass ab, während die Wanderautobahn bis Ushguli weiter im Tal verläuft. Schlagartig ruhe, nur noch Flussgeplätscher, keine Taschentücher mehr, herrlich. So schauerig, wie der Hauptweg zwischen Mestia und Ushguli, so schön die Alternative. Der Anstieg beginnt direkt ganz ordentlich, irgendwann zwänge ich mich dazu durch dichte Rododendron? Felder. Gen pass wird es noch mal steiler, dazu etwas rutschig auf leicht feuchtem gras. Von oben kommen drei Wanderer über den Pass. Sie entpuppen sich als Tschechen, wir plaudern etwas, sie flüchten genau wie ich in die höheren Lagen, um dem Wandertrubel im Flachen zu entgehen. Auch sie haben einen Hund im Schlepptau und amüsieren sich genau wie ich darüber, zum Auslauf benutzt zu werden. Am Pass ist es leider wieder etwas wolkenverhangen, nur kurz kann ich immer wieder die weißen Gipfel ringsherum erahnen. Der Abstieg ist ebenso steil, rutschig und wenig begangen. Nur per GPS finde ich zurück auf den Weg, der nicht immer erkennbar ist. Es klart noch etwas auf, die Abendsonne gibt eine schöne Stimmung. Eigentlich war der Plan, vor Ushguli mein Lager aufzuschlagen. Jedoch sind Bäume Mangelware und die Umgebung steil. Dann komme ich im Tal an, wieder geht es parallel zum Fluss aud einer dirt road. Hier ließe sich ein Bodencamp aufbauen - unbequem, feucht und voll einsehbar zwischen Straße und Fluss. Ich entscheide, bis Ushguli zu gehen und mir dort ein Zimmer zu nehmen - und hoffentlich etwas ordentliches zu futtern. Meine Stromversorgung ist zudem auch etwas im Keller, heute war mit dem Panel bei Wolken kein Blumentopf zu gewinnen, da kann es nicht schaden, mal alles durchzuladen. Als ich in Ushguli ankomme, gibt die Abendsonne gerade noch ein paar Strahlen ab - ich laufe noch etwas herum - beeindruckend, diese Menge an Türmen vor bergige Kulisse. Aber auch gruselig touristisch. Jedes Haus ein Guesthouse, dazwischen ein paar gar nicht mal so kleine Hotelklötze. Ein harscher Kontrast zur eigentlichen Dorfstruktur. Ich werde mehrfach angesprochen, ob ich nicht in dieses oder jenes Guesthouse möchte. Vor einem kleinen Geschäft und einem Bäcker trifft sich die Dorfjugend, Bier Fließt in Mengen, Sportzigaretten werden herumgereicht. Direkt daneben steht ein Polizeiauto. Ich kaufe mir die nächste Limo - Estragon. ESTRAGON! Was für eine Entdeckung! Bis ich Georgien in ein paar Tagen verlasse, werden etliche Liter dieser Grünen Plörre in mich hinein gelaufen sein. Ich will erfragen, wann der Laden morgen öffnet, um hier morgen aufzustocken und ein Puri zum Frühstück zu besorgen. Die Besitzerin pfeift ihren Sohn vom Saufgelage heran, der übersetzen muss. Ich schätze ihn auf 18,19, spricht gutes Englisch - und ist derart stoned, dass ich staune, dass er noch nicht schwebt. Wir unterhalten uns ein Weilchen, ich erfahre unter anderem, dass Gras hier gerade erst vor ein paar Wochen legalisiert wurde (https://en.wikipedia.org/wiki/Cannabis_in_Georgia_(country)) sieh an. Ich schaue mir zwei Guesthouses an, nehmen sich alle nicht viel. Leider ist ein eigenes Bad eher die Ausnahme, aber ich bin eh der einzige Gast. Dazu ist es inzwischen bereits spät geworden, die Küche wird für mich nicht mehr angeworfen. Na gut, dann eben wieder Ramen. Dann eine genüssliche heiße Dusche und ab in's Bett. Ich schlafe passabel, wenn auch weniger gut als in der Hängematte.
  14. Meine erste Tour vor Jahren war eine Rundtour ab Grövelsjön (SE) - einmal um den Rogen herum. Ich weiß noch, wie ich an der Raststelle Reva am Nordwestzipfel des Rogen, direkt an der schwedisch-norwegischen Grenze, eines abends mit drei paddelnden Dänen am Lagerfeuer, das mir dabei helfen sollte, meine ledernen Hanwag wieder trocken zu kriegen, zusammensaß und sie zu dem mir bevorstehenden Streckenpart sagten: rocky, very rocky! Die folgende Tagesetappe hatte mir alles abverlangt - was nicht nur dem damals viel zu hohen Gewicht in und meines Deuter Rucksacks geschuldet war. Mit dem Grenzübertritt wechselte ich vom Rogen Nationalpark in den Femundsmarka Nationalpark (NO) und in meiner Erinnerung änderte sich die Landschaft abrupt. Ab jetzt war plötzlich alles anders... ja, auch rocky, very rocky! Bergwald, Seen, auch mal Sumpf, Moränenlandschaft. Die Gelände in dem ich mich bewegte, empfand ich als so ursprünglich, unwirtlich und wild, dass ich auf gar keinen Fall hier die Nacht verbringen wollte. Wenn ich irgendwo auf meiner Tour einen Bären zu Gesicht bekommen sollte, da war ich mir sicher, dann hier. Mein Ziel waren die Oasen, eine kleine Ansammlung von vom Wind verkrüppelten Bäumen an einem Bach am Fuß des Berges Stor-Svuku. Kurz bevor man den Bergwald verlässt und es den Hang hinauf geht zu den Oasen, passiert der Weg eine einsame Hütte. Ich weiß noch, wie ich mit meiner Sorge, ich könnte es evtl. nicht mehr rechtzeitig hier herausschaffen, plötzlich auf diese Hütte traf und auf einer Bank daneben saß ein alter Mann. Er würde jedes Jahr hier Urlaub machen, meinte er. Auf mich wirkte diese Szene in dieser Situation völlig surreal. Aber kurz darauf war es geschafft, ich war dem Bergwald entronnen. Ich blickte von dort oben über die Femundsmarka und war sehr, sehr froh, nicht irgendwo dort unten übernachten zu müssen. Die Schrecksekunde am folgenden Morgen verschuldete übrigens kein Bär - sondern ein Rentier, das über eine meiner Zeltleinen gestolpert war! Seit damals wollte ich immer mal wieder in die Femundsmarka zurück - diese Landschaft war einfach zu faszinierend. Und dieses Jahr sollte es soweit sein. skullmonkey hat diesen Beitrag moderiert: Karte auf Wunsch des TO entfernt. Die Eckdaten: Reisezeitraum war 17.-26.9.18. Anfahrt und Rückfahrt jeweils etwa 25 Std. Dazwischen sechs Tage wandern. Ich bin ca. 100 km (lt. Tracking alle 20 Min.) gelaufen und hatte 12,8 kg bei einem base weight von 5,2 kg dabei. Packliste siehe hier: klick. Eine Karte mit den gesetzten Trackingpunkten. Ganz oben der Start in Brekken, auf der linken Seite ist von der Bildmitte bis zum unteren Rand der Femundsee zu sehen, auf der rechten Seite knapp unterhalb der Bildmitte der Rogen. Die letzten paar Kilometer sind nicht mehr drauf. Der letzte Trackingpunkt am unteren Bildrand ist in Sylen an der Nordspitze des Sees Grövelsjön gesetzt. Da ging es dann nur noch westlich des Sees über den Berg rüber. 17.9. Anreise Ich versuche prinzipiell so wenig wie möglich zu fliegen, was hauptsächlich ökologischen Gründen geschuldet ist. Ein weiterer Grund, der ohne den anderen auch vernachlässigbar wäre, ist dass ich mich in Bodennähe einfach wohler fühle. Bislang hatte ich bei all meinen Skandinavienreisen zumindest bei einem Teil der An- oder Rückreise noch auf Luftfahrt gesetzt. Diesmal will ich es komplett ohne probieren. Noch bevor ich am Zentralen Omnibusbahnhof in Berlin in meinen Bus klettere, der erste Schadensfall. Ich bin spät dran, der Fahrer wartet schon auf mein Gepäck und hektisch und ohne Gefühl zerre ich den Riemen an meinem G4 oben fest - mit einem krack hat die Schnalle das Zeitliche gesegnet. Wie heißt es doch auf der Labu-Seite nochmal: "Du solltest sorgsam und vorsichtig mit Deinem Rucksack umgehen, damit er ein langes Wanderleben führen kann." Per Flixbus geht es auf die Fähre ab Rostock, weiter nach Kopenhagen, dann Malmö, Oslo. Viermal Passkontrolle: Ausreise D, Einreise DK, Einreise SE, Einreise NO. An diese wieder eingeführten Kontrollen muss ich mich erst noch gewöhnen. 18.9. Anreise / Tourbeginn ab Brekken Ankunft in Oslo 6:20. Zwei Std. später Weiterreise per Zug, Umstieg in Hamar, ab Røros per Bus bis nach Brekken. Ankunft dort 14:30. Im Eingangsbereich des Coop an der Endhaltestelle in Brekken begrüßt mich ein ausgestopfter Bär. Hier lasse ich mir noch mein SJ-Ticket für den Teil der Rückfahrt von Grövelsjön bis Linköping ausdrucken. Die Internetgeschwindigkeit als langsam zu bezeichnen wäre beschönigend. Schwierigkeiten auf der norwegischen Tastatur bereitet die inflationäre Verwendung von Umlauten in meinem Email-Passwort, aber der nette und engagierte Mitarbeiter gibt sich größte Mühe, die passenden Tastenkombinationen herauszufinden. Noch eine Postkarte an meine Liebsten, dann den Rucksack geschultert und los gehts. Die Hauptstrasse entlang in Richtung Westen, aus dem Ort hinaus. Irgendwann zweigt rechts ein kleiner Wirtschaftsweg ab und verläuft parallel. Gerade eingebogen, an einer Übersichtskarte, stelle ich meinen Rucksack auf der Bank davor ab und ruckle noch ein paar Sachen zurecht. Später fällt mir auf, dass ich bei dieser Aktion einen kleinen S-Biner verliere. Parallel zum Wirtschaftsweg verläuft der Fluss Bora. An der Stelle, an der auf der Karte ein Pfad eingezeichnet ist, der auf der anderen Seite den Berg hinaufführt, gibt es eine Brücke. Allerdings nur eine halbe. Die zweite Flusshälfte sieht zwar nicht besonders tief aus, aber ich habe noch keine Lust auf nasse Füße. Ich laufe den Wirtschaftsweg etwas zurück, schlage mich wieder zum Fluss durch und stoße auf einen Flussabschnitt, an dem ich hoffe, fündig zu werden. Nach etwas Hin- und Hergesuche entscheide ich mich dafür, hier eine geeignete Stelle zu finden. Ein erster beherzter Sprung auf einen größeren Felsen bringt mich dem anderen Ufer ein klein wenig näher. Zwei weitere Sprünge braucht es noch und ich bin drüben. Ich gehe am Flussufer entlang, um an der Stelle mit der halben Brücke wieder auf meinen Pfad zu treffen. Die ganze Aktion hat mich 45-60 Min gekostet und als ich mir den Teil, den ich hätte furten müssen, von dieser Seite nochmal anschaue, komme ich zu dem Schluss, dass Furten ganz klar das kleinere Übel gewesen wäre. Nasse Füße zu bekommen wiegt das, was bei den drei beherzten Hopsern schief gehen hätte können, locker auf. Ich folge dem Pfad, der von hier in Richtung Johaugahøgda geht, dessen Hang ich nach oben möchte und tauche sogleich in eine wunderbare, herbstliche Fjälllandschaft ein. Es geht bald bergan, zuerst gemächlich, dann steiler. Ich lasse die Baumgrenze hinter mir und mich umweht ein scharfer, kalter Wind. Jetzt würde es immer nur noch höher gehen und ich glaube nicht, dass ich weiter oben noch eine geeignete Campstelle finde. Ich steige wieder etwas tiefer und tue mich schwer, ein passendes Plätzchen zu finden. In einem lichten Wäldchen werde ich schließlich fündig. Hier hoffe ich, etwas windgeschützt zu sein. Der Aufbau gestaltet sich schwierig - es mangelt an Routine. Irgendwann steht mein Zelt, aber es windet ganz schön und als es schon dunkel ist, bin ich so unzufrieden mit dem Aufbau, dass ich nochmal rausgehe, um Steine für das Beschweren der Heringe zu suchen. Der Schein meiner Stirnlampe ist viel zu schwach, meine Suche bleibt erfolglos und ich belasse es dabei, die Heringe neu zu setzen. Irgendwann regnet es eine Weile leicht und ich schlafe mäßig gut. 19.9. Tourtag 1 Nach der Morgendämmerung wälze ich mich noch etwas hin und her und krabbel um 7:30 ins Freie. Jetzt, bei Helligkeit, sehe ich, dass ich mir meine Steinesuche bei Dunkelheit auch sparen hätte können - es gibt hier schlicht keine geeigneten Exemplare. Vermutlich war der nächtliche Wind auch schwächer, als es mir das stetige Rascheln des Spinnaker meines Spinnshelters glauben gemacht hat. Das Zeug raschelt einfach ohne Ende. Ich lasse mir Zeit und komme erst gegen 10 Uhr los - blauer Himmel, Sonnenschein und ein kräftiger Wind. Pass zwischen dem Viglpiken und einem Vorgipfel. Es geht immer weiter den Berg hoch, irgendwann überquere ich den flachen Pass zwischen dem Viglpiken und einem Vorgipfel. Kurz danach nehme ich in einiger Entfernung, etwas oberhalb von mir einen Wanderer wahr. Ich muss gestehen, dass es mir dabei in der Vergangenheit immer wie @mawi ging (klick) und wie er es auch in seinem Sarek-Winter-Tourbericht beschreibt: Oh, nein, andere Menschen!!! Aber diesmal fühlt es sich irgendwie anders an - zum Glück, denn bei dieser Tour kommt es auch zu mehreren Begegnungen. Allerdings nimmt mich besagter Wanderer überhaupt nicht wahr. Oder er will nicht Kurz darauf schon die nächste Begegnung. Ein Jäger, sein Gewehr war... wie sagt man, geöffnet, aufgeklappt, entsichert? Was er jage, frage ich. Vögel, antwortet er. Ob ich welche gesehen hätte, will er wissen. Ich verneine und jeder geht wieder seines Weges. Bald ist auch schon der Bergsee Vigltjønna zu sehen, an dessen Ufer zwei Hütten liegen. Eine der Hütten ist verschlossen. Die zweite ist von der Statskog und offen. Hier lege ich eine Rast ein. Dort treffe ich auf einen älteren Herrn, der in neongelber Signalweste im Auftrag von Statskog durch die Berge streift, um Jäger zu kontrollieren und hier ebenfalls seine Mittagspause verbringt. Zu der Zeit werden in dieser Gegend Vögel gejagt. Wie die bejagten Vögel auf Englisch heißen, weiß er nicht und die Jäger, die ich treffe, vergesse ich zu fragen. Ich gehe bald weiter den Berg hinauf. Ich möchte heute unbedingt noch zwischen dem Tverrviglen und dem Støvelbekkhøgda hindurch, die Grenze zum Nationalpark Femundsmarka überqueren und dann schauen, wie weit ich noch komme. Vier bis fünf Mal auf dem Weg dort hoch fallen Schüsse, einmal auf meiner einen Seite, dann auf meiner anderen. Etwas gewöhnungsbedürftig. Ich muss an den Kontrolleur mit der neongelben Signalweste denken und daran, dass ich in dieser Situation meine schwarzen Klamotten gerne gegen etwas Buntes eingetauscht hätte. Mich irritiert auch, wie groß so ein Gewehr ist, das es zur Vogeljagd braucht. Davor, dass einen Tag nach dem Ende meiner Tour im Nationalpark die Elchjagd beginnt, hatte mich die Nationalparkverwaltung im Vorfeld gewarnt. Ich darf gar nicht darüber nachdenken, wie groß die Schusswaffen sind, die dafür eingesetzt werden... Irgendwann bin ich oben und kreuze den markierten, in Richtung Osten einen Schlenker über die schwedische Grenze machenden, Pfad zwischen Vauldalen und Ljøsnåvollen, sowie die Grenze zum Nationalpark Femundsmarka. Ich überquere den Ljøsnåa, lasse ihn rechts liegen und halte mich links am Hang. Bloß nicht zu weit runterkommen, denke ich mir. Das muss ich nachher nur alles wieder hoch. Der Weg ist mühsam und zieht und zieht und zieht sich und irgendwie weiß ich gar nicht mehr so recht, wie weit ich eigentlich schon gelaufen bin. Ich bin mir aber sicher, dass ich noch ein gutes Stück weiter den Hang entlang muss, bevor ich in die Ebene hinabsteige, wo das Vorwärtskommen aufgrund von Steinen, Sümpfen und Seen noch mühsamer werden wird. So langsam wird es aber Zeit, nach einem Plätzchen für die Nacht Ausschau zu halten und um etwas windgeschütztes zu finden, steige ich dafür dann doch tiefer. Ich werde einigermaßen schnell fündig, nur geht der Zeltaufbau noch immer alles andere als routiniert vonstatten. Aber am Ende steht das Teil gut abgespannt, was mir bei einer 50 km/h Windgeschwindigkeit und "heavy rain" beinhaltenden Wettervorhersage ganz lieb ist. 20.9. Tourtag 2 Die Nacht empfinde ich als ungemütlich (viel Wind, gegen 1:00 ein paar einzelne Regentröpfchen - von wegen "heavy rain"), aber das Spinnshelter steht auch am Morgen noch stramm da. Nach der Dämmerung bleibe ich noch etwas liegen, quäle mich um 8:00 nach draußen und lasse mir wieder Zeit und erst als die Sonne über den Bergrücken kommt, kehren die Lebensgeister zurück. Um 10:00 breche ich auf. Vor dem Loslaufen versuche ich noch, mich zu orientieren, damit ich weiß, wie lange ich noch so am Hang entlanglaufen muss, aber was ich sehe, bekomme ich mit meinen spärlichen Kartenausschnitten nicht gedeckt. Ich bin mir sicher, dass ich noch weiter muss und laufe erstmal weiter und fotografiere und bin ganz geflasht von dem weiten Blick, der sich mir über die Ebene der Femundsmarka bietet. Immer wieder nehme ich flüchtig meine Kartenausschnitte zur Hand und versuche erfolglos die markanten Punkte einzuordnen. Das Ganze beunruhigt mich zunehmend und irgendwann setze ich mich, bereite sämtliche Kartenausschnitte vor mir aus und bewahre sie mit so viel Steinen vorm davon fliegen, dass von Karte kaum mehr etwas zu sehen ist. Ich sitze da und überlege und überlege und komme nicht weiter. Ein Stück weiter sehe ich einen Rentierzaun. Das könnte die Grenze zu Schweden sein, denke ich mir. Also dort hin und dann von da nochmal gucken. Erste Gedanken kommen auf, wie ich weiter vorgehe, sollte ich die Frage der Orientierung nicht auf die Reihe kriegen. Am Rentierzaun angekommen wieder das gleiche Spiel: Kartenausschnitte ausbreiten und haufenweise Steine drauf, damit der heftig wehende Wind nicht alles hinfort weht. Ich sitze lange da und gucke, probiere, überlege und ringe mit mir. Meine Enttäuschung ist riesig, als ich mir eingestehe, dass das so nichts werden wird. Aber die Kartenausschnitte alleine reichen einfach nicht aus, um sie in das Große Ganze einzuordnen. Mit den mir zur Verfügung stehenden Mitteln kann ich auf gar keinen Fall weglos durch die Femundsmarka laufen. Ich ärgere mich über mich selbst und darüber, dass ich nicht mehr Kartenausschnitte oder sogar eine richtige Karte dabei habe. Die paar Gramm zu sparen hat sich mal so richtig gelohnt Neuer Plan: Zurück bis zu dem gestern gekreuzten markierten Pfad, diesem nach Ljøsnåvollen folgen und von da einen weiteren markierten Pfad in Richtung Süden. Südlich des markierten Pfades zwischen Reva und Svukuriset, den ich, wie eingangs beschrieben, vor Jahren gegangen bin, sollte ich mich aufgrund markanterer Berge wieder besser orientieren können. Ich hoffe darauf, dort wieder zu weglos wechseln zu können. Der oben am Hang stetig wehende Wind ist kalt und unangenehm. Ich wechsle daher nach unten in die Ebene - auch, weil ich Lust auf etwas anderes habe, wo ich nun schon wieder zurück muss. Das Umlaufen der Sümpfe und Moräne rauf, Moräne runter ist zwar anstrengender, dass sich die Abwechslung durch den Landschaftswechsel positiv auf meine Stimmung auswirkt wiegt aber deutlich schwerer. Ich finde irgendwo ein schönes Plätzchen für mein Zelt, mit weichem, ebenen Untergrund. Der Sonnenuntergang ist herrlich. Die Nacht wird kalt (das Thermometer zeigt irgendwann 1 Grad an) und ich ziehe so gut wie alles an, was ich an Klamotten zur Verfügung habe. Zwar rüttelt der Wind auch in dieser Nacht wieder an meinem Zelt, dennoch wird es die beste der ganzen Tour und ich schlafe richtig gut! 21.9. Tourtag 3 Ich wache um 6:00 auf, bleibe noch bis 7:00 liegen und komme um 9:30 los. Bald stoße ich auf einen Wildwechsel. Ich wundere mich noch, wie ausgeprägt dieser doch ist, da wird mir klar, dass ich auf einen Pfad gestoßen bin. Auch wenn ich wegloses Gehen gerne mag, nehme ich jetzt die Gelegenheit dankbar an - zumindest, solange der Pfad in die Richtung führt, in die ich will. Zwischenzeitlich hat es angefangen zu regnen. In einem Wäldchen treffe ich auf zwei Jäger mit Hund, ebenfalls auf Vogeljagd. Die beiden bestätigen mir, dass dieser Pfad irgendwann auf den markierten Pfad trifft, den ich suche. Kurze Zeit später tauchen Häuser auf, ich bin in Ljøsnåvollen gelandet. Hier gibt es eine große Tafel mit Informationen zum Nationalpark sowie einer Karte mit den markierten Pfaden. Diese fotografiere ich ab, womit sich mein Orientierungsproblem erstmal erledigt hat. Als ich gerade aufbrechen möchte, kommt ein aufgeweckter Hund zu mir her gerannt, um mich zu beschnuppern. Eine Gruppe von vier bis fünf Jägern mit weiteren Hunden marschiert grüßend an mir vorbei ins Dorf hinein. Ich mache mich auf in Richtung Muggsjølia. Der Pfad verläuft über eine spärlich bewachsene Hochebene und Wind und Regen peitschen mir ins Gesicht. Schuhe und Socken sind schon längst durchnässt. "Wind, Regen, nass, kalt, bäh" schreibe ich an dieser Stelle in mein Tourbuch. Plötzlich suppt ein Schwall Wasser in meinen Überhandschuh und mein dünner Fleeceliner darin ist sofort patschnass. Mir fällt ein Zitat von Simon ein, der mit dem Buch Norwegen der Länge nach. In irgend einem Tourbericht auf ODS schrieb er mal: "Manchmal muss man dem Wetter eine Chance geben." Mir wird klar, weshalb mich das Gehen auf markierten Pfaden unter anderem oftmals nervt: Die Wege sind so ausgelatscht, dass man nur noch über Steine geht. Das ist häufig wesentlich anstrengender, als der weiche Untergrund beim Querfeldeingehen. Wegen der auf den Pfaden freiliegenden Steinen muss man bei jedem Schritt achtsam sein. Beim weglosen Gehen sind die Steine oftmals überwachsen und dieser weichere Untergrund verzeiht auch mal zwei, drei unachtsame Schritte. Ich finde, man sieht so mehr von der Landschaft. Zu guter Letzt kann der festgetretene Untergrund auf Pfaden nicht viel Wasser aufnehmen, so dass sich bei Regen hier als erstes Pfützen bilden. Ach ja: Hab ich schon erwähnt, dass ich gerne weglos gehe? Endlich eine Hütte, alles verschlossen. Daneben vier weitere Hütten. Eine davon mit Vordach. Eigentlich will ich hier nur eine Rast einlegen. Muggsjølia lese ich auf einem Schild über dem Eingang. Die Tür ist offen, auch dies ist eine offene Hütte der Statskog. Jeder ist eingeladen, hier Rast zu machen oder zu nächtigen. Nach längstens einer Nacht muss man weiterziehen. Der Service ist kostenlos, Spenden per Überweisung sind gerne gesehen. Eine trockene Hütte, ein Kamin in der Ecke, vorbereitetes Feuerholz daneben. Meine Füße und Hände sind nass, die Nässe ist auch ein Stück meine lange Unterhose und die Ärmel meines Longsleeves und meines Microfleeces hochgezogen. Es ist erst 14:00, ich könnte noch bis Røvollen weiter laufen. Ratter, ratter, ratter. Weiter laufen oder bleiben? Bleiben oder weiter laufen? Mir ist kalt. Ich bleibe! Feuer anmachen, Sachen zum Trocknen aufhängen, einkuscheln. Das Thermometer zeigt irgendwann 18 Grad. Die beste Entscheidung ever! Es regnet den ganzen Tag durch, teilweise schüttet es. Meinen Fensterplatz gebe ich heute nicht mehr auf. Am Abend will sich der Tag noch mit einem alles rot färbenden Sonnenuntergang einschmeicheln. Lieber Simon, mir wäre lieber gewesen, das Wetter hätte seine Chance eher genutzt! Die Holzpritsche ist etwas hart. Aber hey: 18 Grad! 22.9. Tourtag 4 Ab 6:00 kann ich nicht mehr schlafen. Die Temperatur ist auf 13 Grad gesunken. Ich brauche neues Anzündholz und gehe rüber in die Nachbarhütte, wo die als Feuerholz vorgesehenen Stämme lagern und Axt und Säge bereit liegen. Ich erinnere mich daran, dass drüben in der Hütte in einer Infomappe darum gebeten wird, Holz zu sparen. Na gut, dann eben nicht. Und so fange ich um 6:30 an zu Sägen und Holz zu Spalten, um das für die nächsten Gäste aufzufüllen, was ich verbraucht habe. Eins steht fest: Hätte ich mich neben den Ofen gesetzt, wäre mir nicht so schnell warm geworden! Bevor ich losgehe, schreibe ich noch ins Hüttenbuch. Kerstin und Frank (Namen von der Redaktion geändert; die Red. bin ich ) aus einer deutschen Großstadt (na gut, es war Hamburg; die Red. ), waren auch da. Sie schreiben eine ganze Seite voll und malen am Rand Pilze, Blätter, Zweige und auch ein Rentier. Sie schreiben über ihre gelungene Tour und wie schön sie diesen Ort doch finden. Für ihr PS brauchen sie noch einen Teil der nächsten Seite. Sie hätten die Hütte sauberer hinterlassen, als vorgefunden (sie sei aber schon sehr sauber gewesen), hätten mehr Feuerholz vorbereitet, als bereit lag und hätte noch den Müll von anderen Leuten mitgenommen. Und sie hätten auch versucht, den Besen zu reparieren (was aber nicht geklappt hat; die Red. ). Und sie würden sich freuen, wenn das jeder so machen würde, damit dieser Ort so wunderbar bleibt, wie er ist. Ausrufezeichen! Herzchen! Um 9:00 gehe ich trocken, ausgeruht und frohen Mutes los. Vom gestrigen Regentag zeugen zahlreiche Pfützen und ich achte peinlichst darauf, dass meine Schuhe und Füße vorerst trocken bleiben. Um Sümpfe zu umgehen, nehme ich gerne kleinere Umwege in Kauf. Irgendwann stehe ich vor einem Sumpf, den ich nur durch einen großen, zeitaufwändigen Umweg umgehen könnte. Na gut, denke ich mir, dann geht es jetzt eben nicht anders. Aber Schadenminimierung muss schon sein: Lange Unterhose und Regenhose ziehe ich weit hoch. Wie wäre es mit Socken ausziehen, damit nur die Schuhe nass werden? Dann die Erleuchtung: Ich geh einfach barfuß durch! Gesagt, getan und auf der anderen Seite trockenen Fußes weiter. Kurz danach eine Furt mit blauem Seil zum dran entlang hangeln. Also wieder Schuhe und Socken aus. Ups, das ist kalt! Auf der anderen Seite gerade wieder in die trockenen Socken und Schuhe geschlüpft, treffe ich nach kurzer Wegstrecke auf zwei weitere Furten direkt hintereinander. Also erneut Socken und Schuhe aus, am blauen Seil entlang gehangelt und drüben die eiskalten Füße schnell wieder eingekleidet. Ein paar Meter weiter auf einem Hügel hat sich ein Schwede mit seinem Mid platziert. An dieser Stelle treffen drei Wege aufeinander und er hilft mir dabei, meinen zu finden. Sein Englisch sei nicht so gut, meint er, was ich so nicht bestätigen kann. Nicht nur deshalb wundert mich seine Bemerkung, dachte ich doch, Englisch sei in Skandinavien quasi zweite Muttersprache. Der Weg führt erneut durch offenes Fjäll. Ich verlasse den Pfad und steige auf eine der höchsten Erhebungen der Umgebung. Wie erhofft, habe ich oben mit dem Handy Empfang und kann kurz zuhause anrufen. Querfeldein geht es weiter, um etwas später wieder auf meinen markierten Pfad zu stoßen. Dabei stoße ich auf einen See in Herzform. Ich beeile mich nicht, sauge die Eindrücke in mich auf und fotografiere. Mir kommt in den Sinn, was die Norweger über diesen Nationalpark sagen: Gott schuf die Femundsmarka im Zorn. Und als er sah, was er da angerichtet hatte, füllte er die meisten Löcher mit Wasser. Erst gegen 17:00 erreiche ich den Abzweig nahe Røvollen (ich meine, das sei ebenfalls eine offene Hütte). Gestern in Muggsjølia hatte ich mir um 14 Uhr noch überlegt, ob ich es bis hierher schaffen könnte und dafür ca. 5 Std. veranschlagt. Trotz des guten Wetters heute habe ich 9 Std. gebraucht! Gut, dass ich mich gestern entschieden habe, wie ich mich entschieden habe. Heute habe ich Lust wieder draußen zu schlafen. Ich nehme am Abzweig den Weg in Richtung Svukuriset, überquere noch den Fluss Røa und wandere am Südufer des Sees Nedre Roasten entlang. Ich hatte auf wegloses Gehen gehofft, aber da hier ein Pfad lang führt, nehme ich diesen. Wie immer gegen 18:00 suche ich mir ein Plätzchen für die Nacht. Die Gegend ist eine beliebte Paddelgegend und so trifft man hier an vielen Stellen auf ehemalige Lagerplätze mit Feuerstellen. Ich überlege an einigen, ob ich bleiben soll und sammle dabei zurück gelassenen Müll ein. Irgendwann lasse ich mich an einer nieder. Hier treffe ich auf eine Mücke (die einzige auf der ganzen Tour), die so unmotiviert ist, dass sie sich mit einem Handstreich vertreiben lässt. In der Nacht fröstle ich etwas an den Füßen und an den Beinen. 23.9. Tourtag 5 Ich stehe um 7:30 auf und komme nach dem Morgenprozedere um 10:00 los. Ehrlich gesagt ist mir unerklärlich, weshalb das immer alles so lange dauert. Aber eigentlich ist das auch egal, ich habe ja keine Eile. Ich bin schon eine Weile gelaufen, habe soeben eine am See Øvre Roasten gelegene, private Hütte passiert, da stoße ich auf einen Fluss, an dem ich nicht mehr weiter komme. Es muss einer der Zuflüsse aus dem Grøtadalen sein. Ich folge ihm flussaufwärts und finde aber keine geeignete Furtstelle. Bei diesen Temperaturen und hüfthohem Wasserstand furten - das will ich mir nicht antun. Noch dazu bei dieser Strömung. Ich weiß, dass es hier mehrere Zuflüsse gibt. Selbst wenn ich also diese erste Hürde geschafft habe, stehe ich evtl. schon bald vor dem nächsten Zufluss. Meine Kartenausschnitte helfen mir diesmal insofern weiter, als dass sie einen unmarkierten Pfad von der letzten Hütte in Richtung Süden ausweisen. Und dieser Pfad stößt irgendwann auf den markierten zwischen Reva und den Oasen, den ich bei meiner ersten Tour hier bereits entlang gegangen bin. Gesagt, getan und nach vielleicht 45 Min. erreiche ich dann auch besagten markierten Pfad. Ein zwischenzeitlicher Plan sah vor, ihm ein kleines Stück in Richtung Osten zu folgen (und dabei die vier bis fünf dort installierten Brücken über die Zuflüsse aus dem Grøtadalen zu nutzen), dann aber weglos um den Kratlvola herum zu gehen und auf der Ostseite des Grøtåas das Grøtådalen zu durchwandern und irgendwann auf seine Westseite zu wechseln. Allerdings ist es schon Nachmittag und ich muss morgen Abend an der Fjällstation in Grövelsjön sein. Das könnte für weglose Experimente und unbekannte Furten etwas knapp sein. Ich entscheide mich kurzerhand erneut um und folge dem markierten Pfad bis zu den Oasen, um von da den unmarkierten durch's Grøtadalen zu nehmen. Ich passiere schon bald die Hütte, an der ich damals den alten Mann sitzen sah und verlasse den Bergwald. Auf dem Weg hinauf zu den Oasen kommen mir noch zwei schwer bepackte Angler entgegen. Die letzten 200 m bis zu den Oasen gehe ich mal wieder querfeldein, der ausgelatschte und extrem steinige Pfad nervt in diesem ohnehin sehr steinigen Gelände. Oben angekommen bläst mit der kalte Wind mit voller Wucht entgegen. Ich blicke wie bei meinem ersten Mal über die durchquerte Femundsmarka. Interessanterweise ist das Gefühl diesmal ein völlig anderes. Was für eine wunderbare Landschaft, denke ich mir. Nur schade, dass es mit der weglosen Durchquerung nicht geklappt hat. Aber ich komme wieder, besser vorbereitet und dann schaffe ich das! In der Ferne braut sich etwas zusammen. Sieht nach Schnee aus. Schon bald sind Teile des Nationalparks in Schneewolken gehüllt. Hier oben bin ich völlig ungeschützt und ohnehin muss ich bis morgen Abend in Grövelsjön sein und bis dahin noch das ganze Grøtadalen durchlaufen. Ich packe mich gut ein, zurre alles fest und gehe los, mich immer wieder etwas nervös umblickend und das Wetter beobachtend. Zwischenzeitlich braut sich sowohl östlich als auch westlich von mir etwas zusammen und ein scharfer Nordsüdwind trägt die Wolken in meine Richtung. Doch sie ziehen beidseitig an mir vorbei. Dazwischen - genau über mir - ein Streifen blauer Himmel. Der Pfad ist nur kurz gut zu erkennen, dann finden sich mit Glück immer wieder Steinmännchen und schon bald verliere ich mich in der hier vorherrschenden Steinwüste. Aber die Richtung ist klar: immer geradeaus zwischen den Bergen auf meiner rechten Seite und dem sich am Boden des Tals entlang schlängelnden Grøtåas. Noch immer schaue ich mich regelmäßig um. Die stetig näher kommenden Schneewolken machen einen bedrohlichen Eindruck und ich möchte hier nicht von Schneegestöber überrascht werden. Ich will nochmals einen Blick auf meinen Kartenausschnitt werfen und stelle fest, dass ich meine Zip-Hülle mitsamt der Kartenkopien für heute und einen guten Teil des morgigen Weges verloren habe. Ich habe mir bei meinen Touren angewöhnt, meine Karten-Zip-Hülle unter meinen Brustgurt zu klemmen und schon immer denke ich mir, dass diese Lösung insofern nicht ideal ist, als dass Hülle samt Inhalt so mal verloren gehen könnten - insbesondere bei starkem Wind. Kurz überlege ich, ob ich meine Tour überhaupt wie geplant zu Ende gehen kann, oder im schlimmsten Fall umkehren und über markierte Pfade über den Umweg Svukuriset nach Grövelsjön gehen muss. Schnell beantworte ich mir diese Frage aber mit einem klaren Ja und ich mache mich auf, ein einigermaßen geschütztes Plätzchen für die Nacht zu finden. Ich treffe wieder auf einen deutlich sichtbaren Pfad, bei dem es sich nur um meinen verloren gegangenen handeln kann. Dieser führt mich alsbald an einen See mit ein paar Bäumchen drumrum. Eine Seite des Sees liegt hinter einem Wall und ich treffe eilig die Entscheidung, in dessen Windschatten schleunigst mein Zelt aufzubauen. Denn zwischenzeitlich hat sich der blaue Streifen Himmel über mir geschlossen und der Wind hat nochmal deutlich angezogen. Als ich mein Zelt ausrolle und es mit ersten Heringen dagegen sichere, es meinen Kartenausschnitten nachzutun, beginnt es zu graupeln. Mein etwas routinierteres, zumindest überlegteres, Vorgehen führt dazu, dass das Zelt bald steht und ich trage noch schnell Steine zusammen und schließe damit auf den windzugewandten Seiten den Spalt zwischen Zeltwänden und Boden. Bald schon bin ich für die Nacht gewappnet. Währenddessen ist der Graupelschauer weiter gezogen und bis ich alles für die Nacht vorbereitet und gegessen habe, reißt der Himmel auf und alles macht wieder einen heiteren Eindruck. Es ist 18:30 und so wie es jetzt aussieht, hätte ich auch noch 1 1/2 Std. weiter wandern können. Aber es hätte auch anders kommen und das Schneegestöber hätte länger andauern können. Im schlimmsten Fall bis in die Nacht hinein - und dann in dieser steinigen Gegend einen geeigneten Zeltplatz zu finden, hätte mich vermutlich für große Schwierigkeiten gestellt. Vorzusorgen war in diesem Fall sicherlich die bessere Option! Mir fällt auf, dass ich außer meinen Kartenausschnitten auch noch die Hülle für meine Windjacke sowie mein Taschentuch verloren habe. Ich ärgere mich - vor allen Dinge darüber, dass mein Müll jetzt hier zurückbleibt. Ich schaue mich noch etwas um und fotografiere. Um 20:00 zeigt das Thermometer bereits 2 Grad an und ich verziehe mich ins Zelt und mummle mich so dick ein wie möglich, noch bevor die Nacht das Rot der untergehenden Sonne vollständig verschluckt hat. 24.9. Tourtag 6 Dass diese Nacht bequemer hätte sein können, ist einer unscheinbaren Mulde geschuldet, die mir beim hektischen Aufbau gestern nicht aufgefallen ist. Ich lupfe den Zeltrand ein wenig hoch und sehe, dass um mein Zelt herum Schnee liegt. Mit diesem minimalen Eindruck gebe ich mich vorerst zufrieden und frühstücke - erstmalig auf der Tour - noch im Quilt liegend. Ohne einen weiteren Blick nach draußen zu werfen, bereite ich alles für den Abmarsch vor und zusammen und erst dann schlüpfe ich aus dem Zelt und nehme beruhigt wahr, dass die Landschaft um mich herum nicht komplett mit Schnee bedeckt ist. Um 7:48 setze ich meinen ersten Trackingpunkt. Obwohl ich weiß, dass ich heute ein straffes Programm vor mir habe, gehe ich es etwas langsamer an. Die das Tal flankierenden Gipfel sind von Schnee bedeckt und teilweise von Wolken verhüllt und es liegt noch immer Schnee in der Luft. Es ist nahezu windstill. Die vorherrschende Stimmung fasziniert mich. Ich gucke, fotografiere und genieße. Ein paar Mal gehe ich das kurze Stück zum Grøtåa, um mir einen Überblick darüber zu verschaffen, ob ich hier furten hätte können, wenn ich meinen gestern verworfenen Plan, den Kratlvola zu umgehen, umgesetzt hätte. Mein Eindruck ist positiv. Bei einem nächsten Mal würde ich es probieren. Erst zuhause sehe ich, dass auf der Karte sogar zwei unmarkierte Pfade vermerkt sind, die den Fluss kreuzen. Ich nehme an, dass es sich dabei um einfache Furten handelt. Ich komme an einer verschlossenen Hütte vorbei, von der ein unmarkierter Weg in Richtung Westen, zwischen dem Stor-Svuku und dem Litl-Svuku hindurch führt. Eigentlich bis nach Svukuriset, aber ich könnte ihn auf halber Strecke verlassen und zum See Ronsjøen und dort auf dem markierten Weg von Svukuriset nach Stylen weitergehen, wie ich es auf meiner ersten Tour hier gemacht habe. An dem See habe ich damals meine letzte Nacht auf Tour verbracht. Dieser Weg sollte etwas kürzer sein und wäre vermutlich die vernünftigere Wahl. Das Grøtadalen kenne ich aber noch nicht und es reizt mich daher mehr. Und so nehme ich einen der von der Hütte abgehenden Wege, den ich für den richtigen halte, und laufe weiter. Eben diese Hütten-Situationen haben sich auf dieser Tour als potentielle Fehlerquelle herausgestellt: Von einer solchen Hütte gehen oftmals zig Wege ab. Auf jeden Fall der Weg, den man kommt und der weiter führende Weg. Und über die anderen kann ich nur spekulieren: ein Weg zu einem nahe liegenden See oder Fluss, ein weiterer, auf dem der Hüttenbesitzer seine Hütte von wo auch immer erreichen kann und ggf. noch weitere. Jedenfalls ergeht es mir zigmal so, dass ich einem Weg folge und irgendwann den Eindruck habe, dass einer der anderen wohl besser gewesen wäre. Wirklich falsch war ich aber nie und die grobe Richtung hat immer gestimmt. Das Grøtadalen gefällt mir. Dem unmarkierten Weg zu folgen ist nicht ganz einfach. Er ist oft nicht als Pfad erkennbar und nur sporadisch mit Steinmännchen markiert. Immer wieder verliere ich ihn oder ich möchte ihm nicht folgen (z.B. durch einen Sumpf) und halte eine andere Route für die bessere Wahl. Ich komme nicht schnell voran und so langsam fühle ich mich doch unter Zeitdruck. Immer wieder schaue ich zurück und überlege, ob ich nicht umdrehen und doch dem Weg von der vorhin passierten Hütte in Richtung Westen folgen soll. Ach was, denke ich mir, das wird schon, und folge weiter dem Grøtadalen. Ich gehe mal unten im Tal, mal weiter oben am Hang, mal ist es unten sumpfig und oben steinig und mal ist es genau anders herum. Zwischenzeitlich bin ich nur noch weglos unterwegs - also genau das, worauf ich eigentlich Lust habe! Als ich mal wieder unten entlang gehe, vernehme ich ein seltsames Geräusch. Eine Art Schnauben. Sollte das jetzt meine erste Begegnung mit einem Bären in freier Wildbahn sein? Verhalten rufe ich ein "Heh" vor mich hin und schaue konzentriert in Richtung Grøtåa, aus der das Geräusch kommt. Nochmals ein Schnauben. Ich rufe abermals, etwas lauter und energischer. Und plötzlich sehe ich einen Elch in ca. 30 m Entfernung, wie er sich schnell durchs Unterholz davon macht. Ich bin hin- und hergerissen zwischen den Gefühlen "puh, also nur ein Elch" und "schade, dass das jetzt kein Bär war". Aber der ausgestopfte Bär im Coop in Brekken soll der einzige sein, den ich auf meiner Tour sehe und auch sonst bin ich auf keinerlei Bärenspuren gestoßen. Keine 10 Min. später treffe ich erneut auf einen Elch. Wir sehen einander von weitem, aber noch bevor ich meine Kamera zücken, geschweige denn ihm zurufen kann, er möge sich ab morgen, wenn hier die Elchjagd beginnt, in acht nehmen, ist er auch schon verschwunden An einer Stelle, an der die Bäume wieder etwas dichter stehen, entdecke ich in 20-30 m Entfernung etwas leuchtend Blaues. Zuerst denke ich an einen Lagerplatz von einem anderen Wanderer. Aber als ich näher komme, stellt es sich nur als großer blauer Müllsack heraus. In Stücke unterschiedlicher Größe zerrissen und in der näheren Umgebung vom Wind verteilt. Ich widerstehe dem ersten Reflex, dass es mir jetzt zu doof ist, das alles einzusammeln und beginne mit dem Einsammeln. Es kommt einiges dabei zusammen und es ist ein Vielfaches von dem, was ich durch meine dämlichen Verluste in der Natur zurückgelassen habe. Unweigerlich kommen mir Kerstin und Frank aus Hamburg aus der Muggsjølia Hütte wieder in den Sinn. Und hätte es hier einen Besen mit zerbrochenem Stiel gegeben, hätte ich selbstverständlich versucht, diesen zu reparieren Das letzte Stück bis nach Sylen zieht sich dann doch noch ganz schön. Weil ich keine Karte mehr habe (mein Foto von der Infotafel in Ljøsnåvollen zeigt die unmarkierten Wege nicht), weiß ich nicht, wo der unmarkierte Pfad entlangführt. Ich nehme an, wesentlich weiter unten im Tal. Weil ich nicht aber nicht runter will, nur um den Pfad dann evtl. nicht zu finden und festzustellen, alles wieder hoch zu müssen, weil ich davon ausgehe, dass ich den Fluss Røa hier oben pfadlos besser queren kann, bleibe ich lieber oben. Das bringt mir etwas Rumsucherei ein, bis ich einen darüber liegenden Baumstamm finde. Wieder zuhause auf der Karte sehe ich, dass die Flussquerung im Tal völlig unproblematisch gewesen wäre - mittels Brücke. Danach durchquere ich noch einen lichten, fast märchenhaften Wald, in dem alles mit Moos bewachsen ist. Ich steige hinab ins Tal und kurz vor Sylen treffe ich auf den von Svukuriset kommenden markierten Weg, den ich schon bei meiner ersten Tour hier langgelaufen bin. Etwa zehn Personen mit angelegten Schwimmwesten und Monsterrucksäcken mit Paddeln quälen sich den Berg hinauf an mir vorbei. Ich vermute, dass es sich um Packrafter handelt, frage aber nicht nach. Schade, da ich mir überhaupt nicht vorstellen kann, was sie hier genau vorhaben. Von da an kenne ich den Weg schon. Gespannt bin ich noch auf den Aufstieg vom See Grøvelsjøen hinauf über den Pass zwischen Salsfjellet und Sjøhøgda. Den hatte ich von meiner ersten Tour als sehr quälende Angelegenheit in Erinnerung. Mal sehen, wie es sich diesmal, mit einigen Kilos weniger, angeht. Das Ergebnis ist wie erwartet: Zwar geht es auch diesmal steil nach oben, allerdings ist das ganze wesentlich weniger anstrengend. Fast-UL sei dank! Ich habe den letzten Pass beinahe erreicht, als der Wind nochmals deutlich anzieht und mir von hinten Schnee und Graupel hinterher schleudert. Bis zu diesem Moment spiele ich noch mit dem Gedanken, die kommende Nacht in Grövelsjön neben der Fjällstation im Zelt zu verbringen - ab sofort freue ich mich auf ein warmes Zimmer mit Bett. Etwa an dieser Stelle entscheide ich mich, die nächste Nacht in einem Zimmer mit Bett zu verbringen. Ich komme um 17:30 an der Fjällstation an. Rezeption, Zimmer beziehen, Einkaufen im Shop, dann muss ich auch schon zum Essen, das ab 19:00 reserviert wird. Keine freie Platzwahl. Der Saal ist zwar sehr spärlich besetzt, ich werde aber visavis eines einzelnen Mannes um die fünfzig platziert. Mir ist eigentlich nach gemächlicher Zivilisationsannäherung und ich hatte auf einen einsamen Platz irgendwo in der Ecke gehofft, mit genügend Raum, meinen Erlebnissen und Gedanken nachzuhängen und Postkarten für meine Lieben zuhause zu schreiben. Ich bin daher etwas zerknirscht und hoffe, dass ich um eine Unterhaltung herum komme. Aber da eröffnet mein Tischnachbar auch schon das Gespräch. Mein Antworten sind zunächst stockend, doch dann komme ich schneller in Gang, als erwartet. Ein Schwede aus dem Süden des Landes, für eine 4-Tages-Tour mit Zelt hier hochgekommen und die Unterhaltung erweist sich als unerwartet unterhaltsam. Anstatt meinen Fleischhunger befriedigen zu können, muss ich mit einem fleischlosen Büffet vornehmen - dafür mit Fisch. Den Vorspeisenteller mit einem Minihäufchen Etwas (Esslöffelvolumen), garniert mit zwei kleinen getrockneten Blättern, schaue ich zuerst ungläubig an. So ein Schickimicki-Essen ist so gar nicht das, was ich mir nach einer Woche Enthaltsamkeit vorgestellt habe! Irgendwann ringe ich mich durch, die Vorspeise hinter mich zu bringen und dabei bleiben mir doch tatsächlich die trockenen Blättchen im Halse stecken. Ich ringe nach Luft und rette mich, indem ich mein Wasserglas in einem Zug leere. Bei einem Büffet, so denke ich mir, muss es sich um einen Einheitspreis handeln. Eigentlich bin ich nach dem zweiten Nachschlag bereits satt, hole mir aber ob des Einheitspreises noch einen dritten. Als ich später meine Rechnung bezahle, stelle ich irritiert fest, dass die Servicekräfte genauestens registriert haben, von welchem Büffetbestandteil ich wie oft nachgeschlagen habe und dass das auch alles einzeln abgerechnet wird. Die Nacht verläuft unspektakulär. 25.9. Rückreise ab Grövelsjön Mein Schlaf ist nur mäßig gut, was bei mir nicht ungewöhnlich ist, wenn mein Wecker am nächsten Morgen schon um 5:45 klingelt. Dafür ist es hier drin warm. Bei der Rückfahrt nach Berlin wird es nochmal unerwartet spannend: Per Bus ab Grövelsjön um 6:50, die schwedische Bahn sollte mich dann von Mora aus mit zweimal Umsteigen nach Linköping bringen. Von dort hätte ich nach 45 Min. Aufenthalt den Flixbus nach Berlin genommen. Leider hat ein Umstieg wegen verspäteter Ankunft nicht geklappt und ich wäre eine Std. später in Linköping angekommen. Zu spät für meinen Bus. Die Schaffnerin lässt mich kostenlos nach Stockholm weiterfahren, damit ich dort mit dem Kundenservice meine Möglichkeiten klären kann. Das dortige "we can help you" leitet eine allumfassende, kostenlose und bei der Deutschen Bahn so nicht vorstellbare Rettungsmaßnahme ein: die Nutzung der Lounge am Stockholmer Hbf mit Getränken und Häppchen und eine 1. Klasse Fahrt nach Malmö, wo ich meine Busverbindung einhole und nunmehr entspannt um 22:15 zusteigen kann. Generell sind bei Flixbus frühere oder spätere Ein- und Ausstiege nicht gestattet, weshalb es zuvor vonnöten war, das alte Ticket (Linköping-Berlin) zu stornieren und ein neues (Malmö-Berlin) zu kaufen. 26.9. Rückreise / Ankunft in Berlin Bei allem Stress am Vortag erreiche ich aber doch das Wichtigste: Zum geplanten Zeitpunkt um 8:15 in Berlin anzukommen! Fazit und Gear-Review folgen...
  15. München - Venedig 2018

    BitPoet reagierte auf Matzo für Beitrag im Thema

    1 Punkt
    Heute habe ich mich hier angemeldet, obwohl ich schon seit über einem Jahr heimlich mitlese. Mit dem Ergebnis, daß ich im August 2018 erfolgreich von München nach Venedig gewandert bin. Neben Anregung und Inspiration von Alex´ Bergreif Blog war und ist das Ultraleicht Trekking Forum und seine aktiven Mitglieder ein unerschöpflicher Quell an Ideen und Optimierungen. Dafür will ich hier mal meinen Dank aussprechen! Dem schönen Bericht von lobo kann ich nur Zustimmen (außer zur Rother-App, die für mich überwiegend sehr gut funktioniert hat). Im Vorfeld der Tour habe ich sogar das bloggen begonnen. Da ich nicht so der Schreiber vor dem Herrn bin, gibt es dort hauptsächlich Fotos. Einige Hintergrundinformationen, Vorbereitungstouren und zukünftige Sachen werde ich dort aber noch anfügen. Hier der Link zu meinem Blog (welches Blog-üblich mit dem neuesten Post beginnt. Wenn ich es schaffe, einen "neuere Posts" Link zu generieren kann man auch besser navigieren): 20000hm.de Und abschließend hier auch ein paar Fotos der Tour:
  16. Georgien Svaneti - auf und nieder, immer wieder.

    questor reagierte auf sja für Beitrag im Thema

    1 Punkt
    Es war ein ganz großes Vergnügen. Freue mich schon auf den nächsten Bericht
  17. 1 Punkt
    Die folgenden 1,5 Tage bestanden aus Stadterkundung und Fresserei, ich gehe mal von Chronologie auf Kategorie über: Da wäre: Beeindruckende, alte Architektur verschiedenster Einflüsse. Tbilisi wurde so ziemlich von jeder Nation mal erobert, zerstört, geplündert, wieder aufgebaut, multi-kulti ist in der DNA der Stadt fest verwurzelt. Die einzige Moschee, in der Schiiten und Suniten gemeinsam beten steht in...Tbilisi. Neben Synagogen und orthodoxen Kirchen. Auffällig inzwischen: Der zunehmende, instandgesetzte Teil. Es werden mittlerweile von staatlicher Seite ganze Straßenzüge kernsaniert. Allerdings derart perfekt, dass keinerlei Patina und Charakter erhalten bleibt und ein leichter Disneyland-Charme entsteht.
  18. 1 Punkt
    Ab nach Tbilisi: Die Marshrutka (danke @Mittagsfrost) kam tatsächlich pünktlich morgens um 7 und sammelte mich am Straßenrand ein. Von da aus ging es nach Lentheki - und von dort nach Kutaisi und dann nach Zugdidi weiter. In Kutaisi hatte ich mir für die letzte nach vor dem Flug bei Anreise bereits ein Zimmer gebucht, da ich noch nicht sicher war, wie sich das so mit Empfang in den Bergen verhält und wie knapp ich eigentlich wieder zurück sein würde. Dort schlug ich kurz auf, um einen Teil meiner Ausrüstung zu deponieren, die ich nicht mit nach Tiflis schleppen wollte und zog weiter nach Zugdidi. Der Nachtzug fuhr erst am späten Abend, ich schlug mir also noch einen halben Tag in einem eher übersichtlichen Städchen um die Ohren. Aber der Nachholbedarf an allerhand Fresserei und die üblichen Podcasts ließen die Zeit irgendwie verstreichen. Ich hatte im Guesthouse die Nacht zuvor eine Restaurantempfehlung bekommen, wo ich mich die letzten Stunden noch herumschlug und ein paar französische Radreisende traf, die auch auf den Nachtzug warteten, was die Zeit verkürzte. Wir teilten uns verschiedene Spezialitäten (baje, eine Soße aus Walnuss ist eine spannende Entdeckung) und tauschten Reiseerlebnisse aus. Der Nachtzug in der 2. Klasse, die 1. war entweder ausgebucht oder auf dieser Strecke gar nicht vorhanden, bestand aus 4 gepolsterten Pritschen. Preislich lag die Fahrt über Nacht bei unter 5€. Ich hatte noch irgendetwas für einen Lari dazugebucht, ohne verstanden zu haben, was es war - es entpuppte sich als Einweg-Bettwäsche - gott sei Dank, ansonsten wäre nichts dabei gewesen. Ich teilte mir das Abteil mit drei älteren einheimischen, viel Kommunikation war nicht möglich und ich legte mich bald hin. Es war verdammt heiß im Abteil (das Wetter im Flachen war tagsüber noch um und bei 30°), die Nacht war eine ziemliche Schwitzpartie. Ich bin in Europa ab und an mal Nachtzug gefahren, hatte das seichte Geschaukel genossen und freute mich schon auf die Fahrt. Nun ja - Georgien ist Bergig, die Schienen anscheinen nicht mehr die Neuesten - die Fahrt war mehr Bremserei als Schaukelei, Genuss ist anders. Tbilisi: Im frühen Morgengrauen angekommen, begrüßte uns der Hauptbahnhof im grauen Charme Mein Hostel lag einen längeren Fußmarsch entfernt, ich machte mich auf den Weg und sog einen ersten Eindruck der Stadt in mich auf. Mein Hostel, ich hatte irgendwo mal einen Tipp aufgeschnappt, entpuppte sich als Hipsterhölle erster Güte. Eine alte Nähmaschinenfabrik aus Sowjetzeiten, die zum Vergnügungsareal mit Bars, Restaurants und Geschäften ausgebaut wurde - eieiei. Da ich noch nicht einchecken durfte, ohne den Anteil des laufenden Tages on top zu zahlen, machte ich mich auf den Weg, die Stadt zu erkunden. Da ich nicht vor hatte, man-made sightseeing zu betreiben, und mich noch in irgendwelche Städte zu begeben, bin ich abgerissen, wie ich aus den Bergen kam in Tbilisi gelandet - eine interessante Erfahrung, mit Odor und Look eines latent obdachlosen durch die Stadt zu irren.
  19. Kalte Temperaturen- warme Kleidung

    sknie reagierte auf AlphaRay für Beitrag im Thema

    1 Punkt
    Das ist einfache Abtönfarbe. Denke mal auf Acrylbasis. Die hatte ich ca. 50/50 mit Wasser verdünnt mit einem normalen Küchenschwamm auf dem Stoff in zwei Lagen verteilt. Ja sowas habe ich noch in planung. Da aber eher ein "echtes" winddichtes Innenzelt + eng anliegendes Außenzelt, damit es null Kondensation gibt. Aufbau wie beim normalen 2-lagigen Zelt. Das aber irgendwann erst für Frühjahr. Ein Zelt für den Winter steht noch an..demnächst hoffentlich endlich Zeit zum nähen. Auf der Tour war kein Regen vorhergesagt, weshalb ich offen und ohne Tarp übernachten konnte. Die meisten Übernachtungen mit dem Bivitent in Schutzhütten gehabt. Aktueller Plan ist erstmal den Bivitent zu vergrößern. 10 cm höher und oben breiter. Allgem ein etwas schmaler, dafür höher und Tick länger, da ich mit der Isomatte hinten immer am Stoff liege, was man in kühleren Nächten doch schon gut gemerkt hat im Quilt. Gerade mal ca. 0,5 m² mehr Stoff als jetzt = ca. 25 Gramm schwerer.
  20. Walker's Haute Route Charmonix -> Zermatt

    Fuchs reagierte auf JanF für Beitrag im Thema

    1 Punkt
    Ob das notwendig ist, hängt ja von den Temperaturen und deinem Quilt ab. Ich finde es sehr angenehm, abends eine lange Unterhose anziehen zu können, auch weil meine Hosenbeine oft genug dreckig oder feucht sind. Eine 280 g schwere Hose sollte eigentlich winddicht genug sein. Um Nachkommastellen ging es mir nicht, ob ein Artikel nun 16 oder 20 g wiegt, finde ich in diesem Forum aber schon relevant. Sein Zelt aufbauen kann man damit, einen Zeltplatz suchen auf keinen Fall. Das würde ich in den Alpen aber auch mit deinen anderen Lampenoptionen tunlichst vermeiden wollen. Ich nutze die 0,5l-Wasserflaschen von Netto, die sind noch mal 2 g leichter als die der Konkurrenz. Sind gerade beim Abfüllen aus einem flachen Bach deutlich angenehmer als Faltflaschen. Wenn du willst, kannst du auch mal in meine Liste von der Sierra High Route schauen, die ich diesen August so genutzt habe: https://www.geargrams.com/list?id=45894
  21. Suche UL Zelt, 1 Person, 4 seasons von Aliexpress

    cergol reagierte auf hims für Beitrag im Thema

    1 Punkt
    Das wird eine enge Nummer, könnte sich aber ausgehen. Ich bin 183cm, habe aber eine 196cm Luftmatratze. Die Innenlänge ist schon 210cm. Wenn du auf die Bilder bei Aliexpress schaust, dann sieht man, dass das Gestänge im unteren Bereich eine "Ausbuchtung" hervorbringt. Schwer zu beschreiben, aber ich denke, du verstehst was gemeint ist. Das funktioniert auch auf meiner Iso noch gut. Jedenfalls liegt man natürlich auch nicht mit dem Kopf direkt am Innenzelt, sprich bei mir berührt der Schlafsack schon das Mesh (Habe sowohl 3Season als auch 4Season-Innenzelt). Im Sommer kein Problem und wirst du nicht merken. Der Punkt ist, bei meiner Körpergröße kann ich es beim 4Season-Zelt noch verhindern. Bei deiner Körpergröße vielleicht nicht mehr. @Zafas: Naturhike ist neben 3F die große Marke für Chinazelte, wobei ich die 3F-Qualität als sehr gut und die von Naturehike als gut einschätzen würde. Ich habe das Lanshan1 und das besprochene, aber auch ein Naturehike Cloudup 3. Auch ein top Zelt, allerdings ist Naturehike in allen Produkten immer einen Tick zu schwer Aber ja, fliegste nicht leichter mit weg als mit dem Original.
  22. Kalte Temperaturen- warme Kleidung

    sknie reagierte auf AlphaRay für Beitrag im Thema

    1 Punkt
    Cool! Willkommen im Club Ich habe seit über nem Jahr einen Bivitent - den ich vor kurzem noch ein wenig ausgebaut habe (die weißen Stellen..das grün = Abtönfarbe). Tyvek bringt erfahrungsgemäß 3-4 Grad mehr gegenüber Außentemperatur, da er im Gegensatz zu normalen Zeltstoffen ein wenig Isoliert und die warme Luft drinnen etwas höher temperiert hält. Das ist auch ein Grund, weshalb ich die die Wintertouren einigermaßen gut überstanden hatte Es ist große genug zum leicht gebückt sitzen und auch nen Teelicht laufen lassen... Wird aber für den Winter auf 40 cm breite Decke statt einer Spitze ausgebaut, dass man sich drinnen endlich auch im sitzen umziehen kann und auch mal überhaupt normal sitzen kann. Gewicht aktuell: ~360g , da ich noch recht schweren 80er oder 90er Silpoly-Boden habe, welcher durch 60er Silnylon ersetzt wird. Hier sogar recht aktuelle Fotos von vor zwei Wochen im Harz:
  23. UL Stammtisch Frankfurt a.M. / Rhein Main?

    effwee reagierte auf micha90 für Beitrag im Thema

    1 Punkt
    @Dean @Norweger @Gunnar @effwee @Luftikus tragt euch doch auch mal ins doodle ein
  24. UL Stammtisch Frankfurt a.M. / Rhein Main?

    effwee reagierte auf Variatio für Beitrag im Thema

    1 Punkt
    Merci! Hab' mich mal eingetragen
  25. 1 Punkt
    Also zurück und seitlich runter zum Abstieg nach Lakhiri. Es ist steil, größtenteils weglos, teilweise über alte, kaum noch erkennbare trails. Der Grat teilt sich mehrmals, ohne den GPS Track wäre ich nicht nur ein Mal sonstwo gelandet. Die Füße leiden abermals, rutschen in den Schuhen auf bereits seit ein paar Tagen nicht mehr wirklich angenehme Sohlenstellen. Die Wiese ist in voller Blüte - und alles möchte in meine Schuhe und mitgetragen werden. Dafür gibt es Blaubeeren ohne Ende. Am Auslauf des Grats wird es waldiger, erste Blicke auf Lakhiri ergeben sich. Nach insgesamt 7h bin ich in Lakhiri. Was für ein Kontrast zu Mestia. Ein gottvergessenes Dorf, nur wenige Meter von der Wanderautobahn zwischen Mestia und Ushguli. Zahlreiche Türme, null Touristen, nur alte, gebückte Muttchen. Habe ich eigentlich schon von den ungewohnt anzuschauenden Kühen berichtet? Da wird einem erst mal klar, mit was für eindimensionalen Züchtungen wir es zu tun haben. Tiger gefällig? Oder lieber grau und zottelig? Für jeden was dabei! Dann treffe ich auch schon auf besagte Wanderautobahn im Tal. Jedes Haus ein Guesthouse, Bars, Shops. In den Vorgärten erholen sich die Teilzeitwanderer von den Flachlandstrapazen des Vormittags. Ich mache nur kurz Pause an einem Dorfbrunnen zum Wasser auffüllen und ziehe mir in der Bar daneben die nächsten spannenden Geschmacksrichtungen der Ostblocklimo, dann mache ich weiter. Bisheriger Favorit: Birne! Immer wieder quatscht mich jemand voll, gerne auch nicht mehr ganz zurechnungsfähig: Wasser kaufen, hier schlafen, da Essen, dort Taxi - neee, madloba. Bedenklich, wie gewandelt die Leute hier sind. Von freudigem winken und irgendwie kommunizieren und etwas erfahren wollen weiter im Westen zu anstrengenden und auch noch schlechten Salesversuchen hier in der Gegend. Ich laufe schon wieder eine halbe Ewigkeit auf der ekelhaft staubigen aber optisch mit betürmten Dörfern durchaus hübschen Strecke im Tal, da trabt auf ein Mal der Köter wieder neben mir, guckt hoch, grinst wieder - als wäre nichts gewesen. OK, jetzt bin ich echt baff. Mich auf dem Grat wiederzufinden, OK. Aber Nach Stunden über den weglosen Seitengrat sightseeing aka Türme anschauen kreuz und quer durch's Dorf und dann noch mal ein paar Stunden im Tal? Abgefahren, was für ein Stalker! Nun läuft er wieder vor und hinter mir, als wäre er nicht weg gewesen, komisches Tier! In den Dörfern kläffen andere Hunde den Fremdling auf vier Beinen an, laufen ihm nach, er interessiert sich nicht groß für sie. Ich peile langsam an, ein Nachtlager zu suchen. Es zieht sich etwas zu, der Regen, der für Nachmittag angesagt war, wird wohl am Abend kommen. Wie sich der Köter das wohl vorstellt? Ich - oder besser wir laufen durch Chvabiani langsam wieder bergauf, weg von der Autobahn, ich ziele auf ein Fleckchen größerer Kiefern auf einem Hügel, die Hängepotential haben dürften. Da kommt uns ein Minivan entgegen - das bekannte, neuere, asiatische Fabrikat, rechtsgelenkt, verstrahlt? Der Van hält, der auch nicht mehr ganz klare Beifahrer quatscht mich an. Ich erwarte den nächsten Sales pitch. Da geht die Schiebetür auf, Einsatz millennial Mädel: "Du ju spiek inglischhh? Hav Ju siehn tzree tschörmanz?" Ich bin von der Brilianz der Frage fast sprachlos: "Do they carry a flag? This area is full of Germans!" "No, wis a gitar on zhe back" "No girl, wrong film, sorry." Ich gehe weiter. Der Van rollt den Hügel hinunter, ich sehe ihn noch am nächsten Guesthouse stoppen und höre sie Namen rufen. Der Köter fand den Van wohl spannender als mich, jedenfalls trabt er lieber ihm in die entgegengesetzte Richtung hinterher. Komisches Tier, es sollte unsere letzte Begegnung sein. Herje, ganz Georgien ist ein deutscher Teenie Selbstfindungstrip! Ganz Gallien Georgien? Nein. Ganz einfach höher steigen. Dahin, wo sich das Verhältnis Schweiß zu Instastory Likes der 24/7 Foto- und Videodokumentation des grandiosen Abenteuers nicht mehr rechnet. Da ist man ganz schnell allein - und zwar völlig. Der Fleck Kiefern passt, Blick auf das Tal in Abendsonne ist auch vorhanden. Ich baue den Tarpbunker auf und wappne mich für Regen und mehr. Dann kochen, etwas Körperpflege, es dunkelt - und tröpfelt auch schon just im Moment, in dem ich mattenfertig bin. Also ab unters Tarp, dem Unwetter lauschen. Ein paar Mal blitzt und donnert es recht unmittelbar und auch später weiter weg sind die Blitze in der Dunkelheit und die Donner in der Stille nicht zu ignorieren. Zu Anfang bin ich noch etwas besorgt, ob auch alles hält, kräftige Böen Drücken und zerren hier und da. Doch es macht alles einen passablen Eindruck und so halte ich noch die Gedanken des Tages fest, sehe mir die nächsten Tage an und schlafe relativ früh. Nachts werde ich immer mal von Böen wach, es hat aufgehört zu regnen - ich beschließe, der Eigenkonstruktion zu trauen und freue mich, dass das Tarp gleich wieder trocken gepustet wird und nickere immer wieder direkt weg.
  26. 1 Punkt
    Endlich komme ich mal wieder dazu - war inzwischen schon auf der nächsten Tour, da wäre eigentlich schon der nächste Bericht fällig, aber wir wollen ja hier nicht schleifen lassen, den schreibt dann @DasBaum Tag 9: "Stalking am Höhepunkt!" Eckpunkte Ruine hinter Mestia -> Chkhuti Ridge -> Lakhiri -> hinter Chvabiani 19km, 1800hm up, 1700hm down, höchster Punkt 3160m Die Wolken sind vorüber und geben einen schönen Blick auf Mestia frei. Ich schaue auf's Telefon und kann meinen Dusel kaum fassen. Jozef hat geantwortet, es existiert tatsächlich ein GPS Track für den seitlichen Abstieg vom Chkhuti Grat! Ich feiere den ganzen morgen über und komme voller Tatendrang um viertel vor Acht los. Zu beginn geht es noch seicht hinauf, die Blicke in's Tal werden sogar noch besser. Ich bewundere besonders den Flughafen im tiefen, schmalen Tal - das muss ein wahrlich spannender Anflug sein. Habe ich eigentlich schon erwähnt, dass es nichts besseres als ein Hosentaschenvorgewärmtes Snickers an einem kühlen Morgen gibt, nachdem man ein Weilchen gegangen ist? Nun denn - Mahlzeit. Ich laufe und kaue so vor mich hin, da trabt plötzlich ein Köter wie selbstverständlich neben mir her, guckt dabei hoch, die Lefzen scheinen zu grinsen. Im ersten Moment denke ich noch an einen anderen Wanderer, dem die Töle zuzuordnen ist, schaue mich um, doch nichts. Habe ich schon erwähnt, dass ich Hunde nicht sonderlich leiden kann? Na was soll's. Bisher müffelt es nicht, er läuft mir nicht vor die Füße, reibt sich weder an mir, noch wird die nasse Nase in Hautkontakt gebracht oder Lärm gemacht, ich lasse ihn gewähren, finde die Kuriosität doch auch etwas unterhaltsam. Der Anstieg wird deutlich steiler, gut, dass das Snickers schon Intus ist und Wumms liefert. Ich habe ein Weilchen überlegt, wie man wohl anschaulich dokumentieren kann, was jeweils steil bedeutet, nachdem es mir fotografisch einfach nicht gelingen will, das Ganze adäquat abzubilden. Am ehesten fasst es in diesem Fall wohl die Kategorie 'Fersen-nicht-mehr auf-den-Boden-steil'. 'Wir' kommen auf ein größeres Wiesenplateau. Als es durchschritten ist, kann ich am anderen Ende andere Menschen erkennen - mit Hund. Das bleibt auch von meinem aufgenötigten Begleiter nicht unbemerkt, da kann ich natürlich nicht mithalten und er trabt wieder zurück in Richtung des anderen Vierbeiners. Fast bin ich etwas Egogekränkt, mag es mir kaum eingestehen, schließlich mag ich doch keine Hunde! Nun geht es rauf auf den eigentlichen Anstieg des Grats. Im Angebot: Aussicht, Stille, Sonne, Blaubeeren. Die zunehmende Höhe und der schmale Grat ermöglichen mehr und mehr Rundumblick, ein wirklich großartiger Aufstieg. So geht es wohl gut 1-1,5 Stunden Bergauf. Als ich wieder mal innehalte, um mich nach üppigen Blaubeeren zu bücken, da plötzlich die Töle wieder lefzen ziehend-grinsend neben mir, läuft etwas vor und legt sich auf den Pfad in den Schatten. Zunächst bin ic etwas erstaunt, dass er mich wieder gefunden hat, allerdings, wenn ich so überlege - Meine Fährte nach 9 Tagen Geschufte ist wahrscheinlich für eine Hundenase in etwa so dezent wie ne Frittenbude in der Bahnhofsunterführung. Aber das Erfolgserlebnis, mich wiedergefunden zu haben scheint ihm dann auch schon genug zu sein, er bleibt liegen, ich ziehe weiter. Weiter bergauf, lande irgendwann recht deutlich rechts des Grats. GPS Kontrolle - der Track liegt links. Super, also Steilhang bergauf auf allen Vieren. Auf einem Grat vom Weg abkommen ist auch eine Leistung, muss man erst mal schaffen - gratuliere! Langsam ist mir nach Pause, aber der Grat ist derart schmal und ungeschützt, dass sich weder ein breiteres Plätzchen, geschweige denn etwas Schatten auf absehbare Zeit finden lässt. Die Sonne brutzelt ordentlich - das vielerorts erprobte Beduinenoutfit leistet auch hier wieder einmal exzellente Arbeit - und sieht wahrscheinlich wie immer zum Brüllen aus. Irgendwann lege ich mich einfach für einen Moment in die Schräge bergab, schnaufe etwas durch und genieße den Blick gen Himmel, ehe es den nächsten Höcker zu erklimmen gilt. Irgendwas zwickt da - ich liege mit einem Bein zielsicher quer über eine Ameisenstraße - mal schön was für die Durchblutung getan *frown Es geht weiter hoch, so langsam zeichnet sich der Höhepunkt des Grats ab. Drei etwa mannshohe Steintürme, ikonisch in die karge Landschaft gestapelt geben einen tollen Fixpunkt dort oben. Ich halte inne, lege auch noch einen Stein drauf, mache ein paar Bilder, gehe noch etwas höher um die 3100m voll zu machen. Dahinter wird der Weg weniger begangen und scheint in Richtung eines kleinen Eisfelds zu führen. Ich habe wenig Lust auf erneute Geröllfelder und Eis, zumal der Abzweig für den Abstieg über den Seitlichen Grat schon eine Weile zurück liegt.
  27. 1 Punkt
    Tag 7: "Waterloo!" Eckpunkte hinter Mazeri Richtung Ushba -> Ushba Gletscher -> Mazeri -> Guli 33,3km, 1982hm up, 1448hm down, höchster Punkt 2780m Rekord - ich komme tatsächlich kurz vor 8 los. Dass ich dafür den Wecker um 6 gestellt habe - und um 6:30 endlich die Augen aufbekomme - geschenkt. Fast 8 Stunden Schlaf haben unglaublich gut getan. Ich bin scheinbar tatsächlich als erster am georgischen Grenzposten vor dem Gletscher, von dem ich bereits gelesen hatte. Ein Köter, neben dem ein ausgewachsener Bär niedlich wirken würde, und mich ohne seine Kette am liebsten in einem Stück fressen würde macht das Empfangskomitee. Ein Grenzer wäscht sich gerade müde das Gesicht, stoppt mich dann aber doch noch mit ein wenig Aktionismus. Woher? Wohin? Alleine? Auch wieder zurück? Der Blick auf meinen augenscheinlichen Tagesrucksack verschafft scheinbar Glaubwürdigkeit und so darf ich ohne weitere Prüfung, ob ich mich nicht doch über die 4000er nach Russland absetzen will passieren. Es geht direkt bergauf, ständige Spinnweben im Gesicht bestätigen, dass ich wohl tatsächlich der erste heute morgen bin - sehr schön - die zu erwartende Ruhe auf der Strecke und am Gletscher - nicht die Spinnweben *ugh Bis zum Wasserfall bleibt die Steigung entspannt. Die Blicke in's Tal, das mehr und mehr von der Sonne erfasst wird belohnen. Nach dem Wasserfall gen Gletscher wird es ordentlich steil, dazu staubig-geröllig-rutschig, 'freue' mich schon auf Rückweg - NOT. Erstaunlich - derart anspruchsvolles Terrain hatte ich bei der Popularität als Ausflugsziel gar nicht erwartet. Aber wahrscheinlich strecken wirklich die meisten schon beim Wasserfall die Waffen und gehen gar nicht weiter. Es folgt die Querung des Gletscherausflusses, so früh mit einem lässigen Satz zu überbrücken. Dann, etwas weiter oben stehe ich plötzlich vor einem großen Brocken - behangen mit allerlei Bergsteigergedöns - und übersäht mit Plaketten derjenigen, die das Zeug weiter oben wohl eher weniger erfolgreich eingesetzt haben - huiui! Etwas mulmig wird mir ja beim Anblick - gepaart mit einem Blick die eigenen Beine runter - in Shorts und Trailrunnern endend. Unter dem Brocken befindet sich noch allerlei vermeintlich für andere zurück gelassenes - Gas en Masse, Essen - und natürlich Müll. Ein paar russische Instantnudeln sehen noch ok aus, das Haltbarkeitsdatum ist das Einzige, was ich entziffern kann. Also eingepackt, die Versorgung mit dererlei erscheint mir ja hier weiterhin zweifelhaft, kann nicht schaden. Es geht hinauf, ab in's Geröllfeld. Am Punkt, auf dem der Beginn der Gletscherzunge auf meiner Karte verzeichnet ist, ist noch weit und breit nichts zu sehen, muss die Jahreszeit sein. Also weiter rein - und weiter - und weiter. Ich begegne Gruppe auf dem Abstieg, die weiter oben kampiert hat. Volle Gletscherausrüctung, merklich kurz angebunden und reserviert. Hat da jemand einen Egoknick in Anbetracht des vermeintlichen Spaziergängers in Shorts und Turnschuhen, der da einfach so rein latscht? Ich laufe weiter und weiter. Die Umgebung wird immer abweisender, geradezu bedrückend, ja beklemmend. Nichts lebendes, graue Felsbrocken, in der Ferne braungraues Eis, immer mal ein knacken, rutschen, rollen. Dazu Gluckern und Rauschen. Ich balanciere weiter auf den Steinbrocken das Geröllfeld nach oben, mal mehr, mal weniger fest verkeilt. Es wird mehr und mehr Eis unter dem Geröll sichtbar und irgendwann bekomme ich den Gletscher zu sehen, Mehr grau als weiß, ein trauriger Anblick. So gar nicht weiß, prächtig und majestätisch, wie ich ihn mir ausgemalt habe. Ich entscheide mich dagegen, noch weiter zu gehen. So ganz wohl fühle ich mich in der Umgebung nicht, zumal mich der lange und länger werdende Weg zurück und bisher mäßig spannende Blick auf den Gletscher wenig motiviert. Also balanciere ich die Felsbrocken zurück nach unten. Ich ärgere mich etwas, hierfür unter'm Strich fast einen Tag drauf gegeben zu haben. Irgendwann, ich kann gar nicht sagen, wie, ich meine beim nachziehen des Beins, detsche ich mit dem Schienbein etwas gegen einen Stein, etwas dumpfer Schmerz, angestoßen halt. Als ich schaue, klafft da ernsthaft ein Löchlein im Schienbein, die dickflüssige, rote Suppe läuft herunter - wtf? Es tut nicht einmal groß weh, aber der Stein muss herrlich scharfkantig gewesen sein. Ich halte inne, hole das medikit heraus, der Brennstoff aus der Apotheke kommt auch gelegen. Sogar ein paar Steinsplitter muss ich noch heraus pulen - traumhaft, irgendwo mitten im Geröllfeld. Ich pappe ein Pflaster gegen Schmutz drauf, dann kann ich wenigstens auch sehen, wenn es stärker weiter suppt. Ein bisschen baff mäandere ich weiter hinab, gefühlt hat mir die Hexe Ushba einen kleinen Achtungshieb verpasst. Heraus aus dem Gletscherfeld, in den rutschigen Abstieg, der schon beim Anstieg keine Freude war. Immer wieder rutsche ich leicht weg fange mich, muss Gewicht unangenehm auf den geschundenen Knöchel, der eigentlich langsam besser wurde verlagern. Dann passiert es - ich rutsche schwungvoll rückwärts weg, die Stöcker landen wie ein Hebel über einem Stein, ich merke direkt, wie der Linke nachgibt - fuck! Noch beim Fallen bin ich Gedanklich bei den Konsequenzen. Hier ohne Stöcker bergab rutschen - OK, noch einer für den dicken Knöchel - Halbpyramide geht damit auch noch - Dackelgarage vielleicht mit dem Stumpf. Da sammele ich mich auf dem Boden, schaue zum zweiten, rechten Stock - auch halbiert! Nee, ne? Beide Mittelsegment, direkt unterhalb der Klemmung. Scharfkantig und zu kurz, um das gebrochene Stück ohne Weiteres aus der Klemmung gedreht zu bekommen. Ein Unterteil kann ich noch auflesen, das Zweite ist nicht mal mehr auffindbar, muss in's Dickicht wegkatapultiert worden sein. Ich schnalle die Überreste an den Rucksack und rutsche langsam weiter bergab. Irgendwann begegnen mir die ersten Tagestouristen. Ich komme mir vor, wie ein gerupftes Huhn, das gebeutelt und mitgenommen bergab zieht Bei den wenigen Begegnungen der letzten Tage war doch zumindest immer ein bisschen Austausch angesagt, sobald man mal auf jemanden traf. Aber in der eher touristischen Gegend scheint das eh auszufallen, mir nur recht Ich bin wenig in Gesprächslaune. Auf das georgische Hallo, das ich zumindest anstandshalber hervorbringe reagiert eh keiner, zwei Mal ernte ich ein lautstarkes "HÄÄH?". Die große Mehrzahl ist Deutsch - und macht daraus schon beim Gruß keinen Hehl. In Gedanken kopfschüttelnd geht es weiter runter. Auch der 10er Truppe, die die Russen gestern kurz vor mir getroffen hatten, begegne ich vermutlich - traumhaft. Dann der Fluss vom Gletscher, über den ich morgens noch mit einem leichten Hüpfer gekommen bin, mittlerweile mächtig angeschwollen. Beidseitig Menschentrauben, die sich nicht sicher sind, ob oder wie sie es wagen sollen. Einige furten, das Wasser hat ordentlich Kraft. Ich laufe etwas auf und ab, studiere die Lage, verspüre wenig Lust, in's Wasser zu steigen - mit den kauputten Stöckern am Rucksack. Eine stelle erscheint mir geeignet, wenn auch knapp. Aber kann's heute noch schlimmer werden? Fuck it! Rucksack strammer angezogen, Kurzer Anlauf, Absprung - Tap auf leicht überflossenem Stein in der Flussmitte - Satz - Landung - Auslaufschritte - drüben. Wenigstens ein Fünkchen Badass bewahrt und ab durch die Mitte aus der Masse der Leute raus. Ab hier wird es wieder leichter aber ich spüre, dass die Rutschpartie bei feuchtem Schuhklima den Fußsohlen nicht gut getan hat, am nächsten Morgen werde ich eine 20ct große Blase entdecken - traumhaft! Am Kontrollposten sitze ich etwas, lasse Luft an die Füße. Ich bin etwas wie bekommen ob dieser unerwarteten Tour, die ich vorab unter Ausflug verbucht hatte, nehme mien Umfeld nicht wirklich wahr. Irgendwann geht es weiter. Auch jetzt zieht sich das Gelatsche auf wenig spannendem Forstweg bis ins Dorf, in diesem Fall Mazeri ,wieder ewig. Noch immer kommen mir Touristen entgegen, je später, desto weniger für den Anstieg geeignet oder ausgerüstet. Wahnsinn, was hier rauf gelassen wird ohne Warnung! Ich schaue immer wieder zurück, wie ein gehässiges Meme blickt mit der Ushba nach, ich recke den Mittelfinger entgegen. In Mazeri fülle ich Wasser auf, entdecke einen neuen Shop, von dem bisher noch nichts zu hören war und den ich bei der Planung nicht auf dem Radar hatte. Essen habe ich genug, aber für eine Limo bin ich zu haben. Ostblocklimo ist einfach grandios. Hier werden auch die Fizans in die Tonne gekloppt. Die Mittelsegmente hätte man sicher erneuern können, aber mir fehlte ja auch ein Unterteil. Und beim Gedanken, die scharfkantigen Reste als ständigen Reminder Dieser Fail-Episode noch gut eine Woche mit mir rumzuschleppen werde ich sie mit Freuden los. Ein Problem weniger mit dem Handgepäck denke ich mir und muss erstmals etwas schmunzeln. Zu Hause wird mir auffallen, dass ich ja noch zwei fast neuwertige Mittelsegmente auf Halde zu liegen hatte - schon blöd, wenn man zu viel Scheiß hat und den Überblick verliert. Nach der Limo und dem Befreiungsakt von den Fizans habe ich mich wieder etwas Gefangen, verbuche das ganze als Learning: Gletscher sind optisch eher langweilig, hochalpines Umfeld reizt mich nicht allzu sehr. In den unerwartetsten Momenten kann es plötzlich dicke kommen und den selben Weg wieder zurück zu gehen hasse ich doch tatsächlich noch mehr als ich so schon in Erinnerung hatte. Es kann nur besser werden. Also raus aus dem Dorf, etwas weiter Richtung Pass soll ein verlassenes Dorf liegen, ich spekuliere auf alte Kulturbäume zum Hängen. Der Weg ist wie immer ausgeschlagen, staubig, steinig, es latscht sich zäh und zieht sich. Auch hier lukt der Ushba über die nähergelegenen Hügel, verfolgt mich auf Schritt und Tritt. Im Guli Dorf angekommen treffe ich auf die sieben Slowaken von vor ein paar Tagen, die die selbe Route liefen aber direkt aus Iskari kommen. Über einen ganzen Tag hatte ich also raus gelaufen, wieder Balsam für das geschundene Ego. Dann zwei traumhafte alte Bäume mit einem Bänckchen davor und Fernblick in's Tal und mit voller Abendsonne bestrahlt - was für eine Versöhnung für diesem verkorksten aber lehrreichen Tag. Ich baue auf, wasche mich ausgiebig an einer quelle, lasse die schwitzigen Sachen in der Restsonne mal gut durchtrocknen. Irgendwann kommt die georgische Variante des alte John Wayne zu Pferd vorbei. er landet erst bei den Slowaken, ich höre etwas Gelächter. Ich denke an einen alten, neugierigen Mann, der sich etwas für die Fremden interessiert und Unterhaltung sucht wie die Tage zuvor, wenn ich in den abgelegenen Dörfern ma auf Bewohner stieß. Dann kommt er in meine Richtung. Ich werfe ihm ein freundliches gamarjoba entgegen. Er macht ziemlich direkt klar, was ihn hertreibt - Geld. Mit Händen und Füßen deutet er Besitz an der Umgebung an, fordert 20 Lari. Ich pruste los. Ja klar, der Dorfbesitzer - und 20 Lari - das ist ein durchschnittliches Hotelbett in den größeren Städten hier! Er geht direkt runter auf zehn. Wenn ich irgendetwas heute so gar nicht bin, dann in der Stimmung, mich für dumm verkaufen zu lassen. Ich schaue kurz bei den Slowaken vorbei, die hinter einer Ruine Lager bezogen haben. Sie sind ebenso eher etwas belustigt säuerlich, haben ihm auch zehn gegeben - für alle sieben! Ich komme etwas angepisst zurück, John ist offenbar klar, dass die Karten schlecht steht und schon sind wir bei fünf Lari. Ich habe noch zwei in Münzen, die ich eh nicht tragen möchte, wir handeln etwas hin und her, ich deute an, dass ich gerne auch noch weiter ziehe und er sich die fünf Lari an den Hut stecken kann. Nichts liegt mir im Moment ferner, aber offensichtlich habe ich heute ein anständiges Pokerface. Er lenkt missmutig ein und transportiert mein Hartgeld widerwillig ab. Eine etwas unangenehme Begegnung, ein etwas durchaus unangenehmer Zeitgenosse. Alleine hier oben wäre ich wohl nicht so brüsk aufgetreten, aber die Genugtuung, hier nicht übers Ohr gehauen worden zu sein tut gut. Dann noch Mal unters Pflaster geschaut, wie erwartet etwas suppig. Reinigen, mit der UL-Machete aka Swisscard Brieföffner noch ein paar Steinreste raus geholt und frisches Pflaster - für den Rambo für Arme fehlt nur noch der Angelhaken zum Nähen, aber der ist natürlich aus Gewichtsgründen nicht im Gepäck. Dann kochen, Blick genießen, den nächsten Tag planen. Irgendwann fällt mir der Sternenhimmel auf - und was für einer! Milchstraße inklusive, wow! Ich sinniere noch etwas auf meiner Bank und genieße den Himmel, setze das Ganze irgendwann mit Blick aus Hängematte fort und schlafe einigermaßen versöhnt mit dem Tag ein.
  28. 1 Punkt
    *hust - nein, hast Du nicht. Aber wer weiß, wenn ich endlich mal mein Datenchaos verräumt habe und mit Georgien hier durch bin - vielleicht sind ja noch ein paar Erinnerungen übrig zum niederschreiben. @all - danke für die Blumen! Freut mich, dass mein Geschreibsel hier auf Interesse stößt. Hatte eher Sorge, dass ich von unterwegs mit entsprechend frischer Erinnerung eher zu kleinteilig und langatmig geworden bin. Kommen wir zu Tag 6: "Erstkontakt mit der Hexe" Eckpunkte kurz vor Iskari -> hinter Mazeri Richtung Ushba 21,5km, 1710hm up, 1235hm down, höchster Punkt 1455m Um kurz nach 7 schäle ich mich aus der Matte, brauche lange, um mich zu überwinden. Plaudere vorher noch kurz aus dem Schlafgemach online, morgens und abends sind die mit Zeitverschiebung die besten Momente, die bessere Hälfte weilt gerade in Japan. Durch die frisch geschnittene Wiese wurde alles recht feucht - und das in Hängemattenhöhe. Als Bodenbrüter wäre es jetzt wohl richtig unangenehm. Ich genieße beim Abbau den Ausblick auf die langsam gold angestrahlten Bergzipfel, langsam frisst sich die Sonne weiter nach unten. Die Bauern kommen samt Heuschlitten wieder auf's Feld - auf einen neuen Tag im Heu. Der Knöchel hat einen beachtlichen Umfang erreicht - vielleicht übe ich mich doch mal in Mäßigung. Kurz nach 8 Aufbruch nach Iskari. Preisfrage - was verbrennt man in diesem beachtlichen Ofen? In Iskari gibt es im Hammer Guesthouse einen Store für den Resupply - und auch dem Frühstück für 10 Lari kann ich nicht widerstehen. Es gibt Rührei, Brot, Käse, Joghurt, Marmelade, Butter. Dazu kaufe ich mir noch einen Liter ukrainischen Orangensaft - aber die Enttäuschung ist groß, Fanta hätte wohl mehr Fruchtgehalt gehabt. Beim Frühstück studiere ich die kommenden Tage für resupply und Wetter. Für Freitag kündigt sich wirklich olles Wetter an. Passt - wenn ich Gas gebe, kann ich da schon in Mestia abwettern, der größte Ort, es gibt sogar ein Museum. Resupply für 3 Tage 12 Lari. Obwohl es einer der besser sortierten Läden sein soll, ist die Auswahl an leichtem, klein portioniertem, gerade zum Kochen eher schwierig. Wenn man keine Familienpackung Nudeln braucht, halbliter Konserven oder Gläser hat man es wortwörtlich schwer. Ich lande bei den einzigen Instant Nudeln, die es gibt, winzige Portionen russischer Herkunft - na zwei bis drei sollten wohl gestreckt mit Erbseneiweiß, das ich noch über habe ein Essen hergeben. Es ist dreiviertel zehn als ich endlich aufbreche. Dann die große Enttäuschung - die Quellen im oberen Ortsteil sind versiegt, also noch mal Retour Richtung Guesthouse und darüber hinaus, wo es im unteren Ortsteil eine funktionierende Quelle gibt und wieder hinauf - frisst Zeit ohne Ende, es ist zehn vor 11, - so wird das nichts mit Gas geben. Immerhin gibt es ein paar Türme zu sehen. Beleuchtete Quelle - IP69? Man Beachte die myog 'Hängerkupplung' Ich fresse vor Frust den Anstieg in mich rein, da bemerke ich erst spät die zwei Deuterbesitzer dort oben am durchatmen. Ich versuche es noch mit gamarjoba, damit halten sie sich nicht auf, brabbeln direkt auf Deutsch drauf los. OK, ich ergebe mich. Ein Paar mittleren Alters, die im Guesthouse übernachtet hatten und über Nacht direkt Spaß im Darmtrakt nach Genuss einer zweifelhaften Wasserquelle hatten - too much information! Ich erzähle von meinem Pech mit den versiegten Quellen und dass es ja bis hinter dem Pass keine weitere Quelle geben soll, da werde ich belehrt, dass es doch kurz vorn Pass noch eine gäbe, sie selbst hätten deshalb nur ganz wenig dabei. Ich bin erstaunt, weder meine Karte, noch der GPS Track Von Caucasus trekking, Der sonst oft Quellen markiert, spricht davon. Ganz im Gegenteil, auf der Seite rät der georgische Autor wegen viel Weidevieh ab, beim Anstieg aus den Bächen Wasser zu entnehmen. "Aber der Rother Wanderführer wird das doch wohl geprüft haben..." Man hält mir die markierte Stelle vor, als beriefe man sich aufs Grundgesetz. Na gut, reisende soll man nicht aufhalten. Ich wünsche viel Erfolg und mache mich vom Acker. Der Anstieg ist gemäßigt, ich noch immer etwas angefressen über den vergeudeten Vormittag, da läuft es sich gut. Etwas weiter oben komme ich an ein paar Hirtenhütten vorbei, derzeit unbewohnt. Ein Bächlein eignet sich zumindest, um Mütze und Armilinge zu tauchen - die Sonne brutzelt mal wieder ordentlich. Am Wegesrand werden heute der Abwechslung halber Himbeeren kredenzt, aber in etwas mauer Frequenz - Beschwerde bei der Reiseleitung folgt. Der Anstieg wird etwas steiler, da wird mir klar, dass dieses unscheinbare etwas wohl schon der Pass sein muss. Eine Quelle kurz zuvor habe ich nicht gesehen - eieiei - Skandal bei Rother denke ich mir noch und schmunzele in mich rein. Am Pass kann ich gerade noch ein grünes Männchen ausmachen, das just über die Kante verschwindet. Das war weniger Geacker und kürzer als gedacht. Auf dem Pass sehe ich erstmals den Ushba in voller Pracht. Er thront schon wirklich wehrhaft - faszinierend. Als ich den Blick schweifen lasse, sehe ich auch die Beiden, die vor mir angekommen sind beim Vespern.Ich Frage, ob sie eine Quelle gesehen hätten - nein, auch nicht. Es ist ein junges Dresdner paar - auch mit Erkennungsmerkmal Deuter im Großformat. Sie sind mit dem Auto her gefahren, reisen hier nun noch etwas rum, um es dann hier zu verkaufen und zurück zu fliegen - spannend! Wir plaudern recht lange über Pläne, Routen und die Gegend. Als ich weiter ziehe, ist selbst beim Blick zurück den Pass hinunter von den beiden anderen Deutschen nichts zu sehen - hoffentlich nicht ausgedörrt umgekehrt, im Kopf schon den Beschwerdebrief an Rother verfassend. Ab jetzt geht es gerade bis bergab, recht gefällig mit schönem Blick auf den Ushba, der eine morbide Faszination auf mich ausstrahlt. So abweisend - und doch so anziehend. Bald folgt ein hübscher, lichter Birkenwald, alle herrlich von Wind und Wetter in die abstrusesten Winkel gebogen - hier könnte man in den grandiosesten Kombinationen hängen, aber es ist einfach noch viel zu früh. Selbst in Blickweite des Weges lassen sich Birkenpilze ausfindig machen - ein paar frische knackige packe ich mir ein - wer weiß, was das Geschmackstütchen der russischen Instantnudeln hergibt. Es folgt ein hübsches, lichtes Plateau mit tollem Rundumblick. Die alpine Variante der Kornkreise? Da sag noch mal einer, Kühe wären nicht wählerisch. Ich komme zu einer weiteren nicht wirklich als solche erkennbaren Kirche. Kurz dahinter winkt mich eine Familie beim Picknick zu sich. Sie entpuppen sich als Russen, die hier leben. Wir verständigen uns mal wieder eher nonverbal. Sofort bieten sie mir ihr Picknick an drücken mir Essen in die Hand. Witzig, dieser Unterschied - ob das jemals bei einem Treffen unter Deutschen passieren würde? Wieder kommt schnell eine Recht große schon beachtlich geleerte Flasche vergorenen irgendwas zum Vorschein - wieder kann ich mich erfolgreich drücken. Dann zeigen sie mir noch das Gruppenfoto mit 10 Deutschen, die hier wohl gerade erst durch sind. Ach du sch... Dann mache ich wohl mal langsam bergab. Muss ich ohnehin, der rechte Fuß mag trotz ibo600 am letzten Abend Abstiege nicht mehr so sehr - ich fange viel mit den Stöcken ab. Der Rest des Abstiegs ist bedeutungslos, lediglich der Ushba, die Hexe, scheint sich hinter jeder Kurve erneut zu verstecken und mir aufzulauern. Irgendwann geht der Weg wieder in eine Latschstrecke über, Mazeri rückt näher, es ist gerade mal 16 Uhr. Ich überlege, ob ich nicht schon etwas Richtung Ushba gehe, um den Ausflug morgen etwas zu verkürzen. Das immer gleiche Spiel mit mir selbst am frühen Abend: da geht doch noch was - bis dann irgendwann nichts mehr geht und ich mich mal wieder ärgere, bis fast in die Dunkelheit gelaufen zu sein. So auch diesmal, Lerneffekt nicht vorhanden. Es findet sich ewig keine passable Campstelle, ich laufe weiter und weiter. Der Weg ist ausgetreten, mir kommen noch zahlreiche Tageswanderer entgegen. Morgen also früh raus und den Vorsprung nutzen - hoffentlich. Aber erst mal muss ja ein Lager gefunden werden. Rechts ist direkt der reißende Fluss, der den Gletscherausfluss gen Tal trägt. Links steigt es steil an. Die Brücke, um zu einem auf der Karte verzeichneten, vermeintlichen Campingplatz zu kommen gibt es nicht mehr. Immer mal wieder gibt es Abzweige, die auch nichts hergeben, Trampelpfade zu den Seiten entpuppen sich als Tempo Entsorgungsstellen im großen Stil. Mehrmals Fluche ich innerlich - zwei Bäume, einfach nur zwei verdammte Bäume verdammt! Alles ist eher niedrig mit strauchartigen Bäumen bewachsen, dazu enges Dickicht. Irgendwann finde ich endlich einen Abzweig, der weiter oben in eine ausgewachsenere Waldzone führt. Der Bewuchs ist weniger dicht und letztendlich nächtige ich hängend im lichten Wald mit Blick auf den Ushba, der noch in der blue hour nachleuchtet - zufrieden. Auch die russischen Instantnudeln sind genießbar, aber ich hätte tatsächlich mindestens drei Packungen pro Portion kalkulieren können - Trotz gefundener Birkenpilze und Erbseneiweis. Gegen 10 bin ich nach etwas Journaling in der Falle. Eigentlich ein entspannter Tag, zum Schluss hatte es aber doch etwas weniger sein dürfen, so wird der Fuß garantiert nicht besser. Die Powerbank macht mir etwas Sorgen, Trotz Voller Sonne, wenn auch oft nicht exakt von hinten, hat sie nicht viel geladen. Jetzt am Abend zeigt die Skala sogar weniger als tagsüber an - suspekt das Ganze.
  29. Georgien Svaneti - auf und nieder, immer wieder.

    Kay reagierte auf questor für Beitrag im Thema

    1 Punkt
    Tag 5: "Latschstreckendoping" Eckpunkte kurz vor Nakra -> kurz vor Iskari 21km, 1668hm up, 1610hm down, höchster Punkt 1900m, ~2km per Anhalter Tag 5 vor Nakra - vor iskari Ich stehe erst gegen 8 auf, spekuliere auf etwas zu Essen, einen Markt oder ein Geschäft im Dorf und will deshalb nicht zu früh dort ankommen - und ein bisschen längerer Schlaf tut gut. Ich packe zusammen und wie meist geht es etwa eine Stunde später los. Noch ein kurzes Stück der Latschstrecke bergab in's Dorf, was ein Glück, dass das Stück geschafft ist! Das Dorf ist eine hübsche Idylle. Holzhäuser, die Gärten voller Obstbäume, die über und über behangen sind. von Tourismus keine Spur - bis auf einen Wegweiser mit Distanzen und einer Wanderkarte, die die Route nach Iskari ein Wenig beschreibt. Auf den ersten Blick kann ich nichts Geschäft-artiges entdecken, frage mich durch. Es scheint etwas zu geben, ein Dorfbewohner begleitet mich zu einem Wohnhaus, klopft...und klopft...und klopft...und ruft...und - es wird mir etwas unangenehm, ich winke ab. Auch um halb 10 gelingt es noch nicht, den Besitzer zu wecken. Der hilfsbereite Dorfbewohner macht einen etwas verärgerten Eindruck, als würde der Ladenbesitzer dem Ruf des Dorfes ein wenig schaden. So sehr ich mich auch auf etwas abwechslungsreiches und endlich mal lokales zu Essen gefreut hätte - eigentlich habe ich ja noch genug für heute. Dann eben nur Wasser auftanken und weiter. Die Mineralquelle entpuppt sich als stehendes Wasserloch mit zweifelhafter Färbung in ausgehöhltem Baumstamm neben Fluss. Ich lasse widerwillig einen Liter durch den sawyer, habe noch etwas Reserve vom Vortag und hoffe, damit durch zu kommen, ohne die zweifelhafte Brühe anzurühren. Fast Forward: Als ich die Flasche später dann doch anbrechen muss, und noch immer mäßiges erwarte, bin ich begeistert - leichtes Sprudel und - mann könnte fast meinen etwas süßlich - ich ärgere mich über meine Skepsis und dass ich nicht mehr abgefüllt habe. Memo: nächstes Mal wenigstens erst mal probieren. Aber zurück nach Nakra. Wenigstens meinen Müll werde ich in einer grünern? Tonne am Fußballplatz los. Auf den Weg zurück kurz vor dem vermeintlichen Geschäft kommt mir jemand mit einer Tüte Brot entgegen. Ich deute auf die Tüte, Frage nach, ob er aus dem Geschäft kommt, was er bejaht. Ich schöpfe Hoffnung, freue mich schon auf etwas zu stippen zur Ramen Suppe später, aber auch mein Klopfen und Rufen bleibt unbeantwortet, schade! Am Dorfende kann ich zumindest noch einen Apfel über den Zaun hängend ergattern, ehe ich mich wieder hinauf Schraube aus dem Dorf heraus - der nächste ausgeschlagene Forstweg durch Wald wartet - es nervt. Bei den am Weg gelegenen Häusern fällt mir erneut auf, was mich die letzten Tage auch immer Mal irritiert hat - bei vielen Häusern brennt auch tagsüber das Verandalicht. Bei einem denkt man an Zufall, bei zwei, drei vier an laissez faire, bei mehr - an lokal übliche Praktik. Vielleicht ein Zeichen von Wohlstand? Oder eher Vertreiben von Geistern, Bären oder Wanderern? Ergründen konnte ich den Umstand nicht weiter - dubios. Etwa 7km lang geht es völlig ereignislos bergauf. Podcasts sorgen abermals dafür, nicht fluchend im Rumpelstilzchen-Modus hinauf zu stapfen. In etwa zeitgleich mit dem Übergang des Anstiegs in gemäßigt bis flache Wegführung wird ein Fahrzeug hörbar. Na tolles Timing denke ich mir - noch ganzkörpernass vom drögen Geschufte bergauf. Bedarf mitzufahren habe ich nun eigentlich nicht mehr, aber der große Militärtransporter mit Ladefläche, der auch hier wieder das Transportmittel der Wahl für die heftigen Steigungen und den zerklüfteten Weg ist, hält wie die anderen Fahrzeuge zuvor im Laufe der Tage ohne, dass ich den Daumen raus halte. Ich bin jedes Mal so beeindruckt von der Selbstverständlichkeit einem Unbekannten gegenüber, dass ich nicht ablehnen kann, sondern - zumindest einen Moment lang mitfahre. Was für ein Traum wäre es gewesen, sich den nervigen, den ganzen Vormittag gefressenen Anstieg sparen zu können. Etwa zwei Kilometer fahre ich noch mit. Ein wenig weiter hätte ich wohl noch mit fahren können, aber die Wandertafel in Nakra hatte Tavari empfohlen, ein verlassenes Dorf mit Kirche und Türmen, also Absprung am Abzweig. Es geht wieder ein Stück bergab, der rechte Spann meldet noch immer Schmerz. Als ich mich endlich dem Dorf nähere, bin ich eher underwhelmed. Die Kirche ist kaum als solche erkennbar. Sin kleines Steinhäuschen, verschlossen. Lediglich das Schloss auf der Tür gib und verschlossen, Auch die Türme sind nur noch Rumpf und das Dorf verlassen - na super, wäre ich mal weiter mit gefahren, scheint nur etwas für Kirchengeeks zu sein. Da höre ich Stimmen aus einem Haus und dann auch direkt zwei Männer. Man winkt mich sofort mit großem Bohei ran. Generell ist in der Gegend die Freude, wenn ich gesehen werde groß. Selbst ein kurzes Hand zum Gruß heben auf der Ferne löst auf den Feldern euphorisches , weit ausholendes winken aus. Wo war ich doch gleich? Ach ja. Ich stehe also auf der Veranda des Hauses, da wird mir auch schon die Bank zum sitzen und Erholen angeboten. Ich setze mich einen Moment, wir betreiben das übliche Hände und Füße, mal wieder gibt es ein paar Brocken Deutsch. Ich genieße die Sonne und die Pause. Man bietet mir sogar das Bett zum Ausruhen an. Ich werfe erst jetzt einen Blick durch die Tür in die zwei Zimmer, es verschlägt mir ob der spartanischen Behausung die eh nicht vorhandene Sprache. Als ich langsam weiter will, machen mit die beiden klar, dass ich zum Essen bleiben soll. Es ist mir eher unangenehm, allerdings wird darauf beharrt, das Essen ist fast fertig. Aus dem Nichts wird eine kleine, bescheidene Tafel gezaubert, man könnte fast von einem bescheidenen Menü sprechen. Dass selbst diese karge Portion selbstverständlich und mit Freude geteilt wird - Wahnsinn! Ich muss daran denken, was für ein luxuriöses Verhältnis von Brot zu Geschmacksträger wir uns in unserer Überflussgesellschaft angewöhnt haben. Das essen ist einfach wie lecker, aber ich halte mich zurück, habe doch ein etwas schlechtes gewissen, hier noch etwas abzuknapsen Als der 10l wasserkanister mit vergoren riechendem und dem Kommentar 'Schnaps' auftaucht, kann ich mich noch erwehren. Als dann zum Nachtisch auf den Bergwiesen selbst angebautes Dessert vom Heuboden geholt wird, kann ich nicht nein sagen - vielleicht hilft's ja dem Fuß und legal ist's auch seit neuestem, wie ich später lernen werde. Ich versuche etwas mehr über die Lebensumstände in Erfahrung zu bringen. 4-5 Monate verbringen sie im Jahr hier - ich meinte zuerst, nicht richtig verstanden zu haben - um Heu zu machen - mit der Sense! Wahnsinn. Wenn ich mir überlege, welchen Wert wir einer derart kleinen Menge Heu beimessen würden - wie viel Arbeits- und Lebenszeit das hier oben bedeutet. Ich bin mal wieder mit meiner abgebrühten Weltsicht konfrontiert und muss nicht nur das Essen verdauen. Die Zeit fliegt, ich mental auch ein wenig. Dabei habe ich noch einiges an Strecke vor mir. Ich eise mich langsam los und bedanke mich mit allem, was Vokabular und Gestik hergeben. Hätte ich doch die Couchsurfing-Schokolade nicht schon gefuttert, um etwas zurückgeben zu können - aber sie war so schwer! Auf dem Weg, der nun den Blick in's Tal freigibt, sehe ich nun noch viele kleine Grasflächen, auf denen Heu aufgetürmt ist - tatsache - die kleinen Wiesenflächen werden noch bewirtschaftet. Heute gibt es übrigens Mirabellen am Wegesrand. Ich bin kein großer Fan, die Brombeeren sind auch schwer zu schlagen, aber wer wird sich schon beklagen. Und der unerklärliche Appetit, den ich seit dem Dessert habe treibt es rein Ich komme durch noch ein paar Dörfer, alle eher halb verlassen oder saisonal bewohnt. Ich bin beeindruckt von den zum Teil ehemals äußerst stattlichen Häusern und Frage mich, was diesen vergleichsweisen Wohlstand hervorgebracht und was wieder zunichte gemacht hat. Ein paar Dörfer weiter sind bereits deutlich besser per PKW zu erreichen, hier sieht es deutlich besser aus. Hier und da gibt es sogar erste vereinzelte guesthouses. Es bewölkt etwas, auch eher gräulich als weiß, es windet und ich meine sogar, Donner vernommen zu haben. Ich spiele trotzdem mit dem Gedanken, ob ich nicht doch wieder durchziehe, um im guesthouse in Iskari nicht nur für resupply morgen zu landen, sondern vielleicht doch auch die Nacht dort zu bleiben. Beim Gedanken an deftige lokale Küche fließt Speichel, das überraschende Mittagessen hat mich angefixt. So botte ich weiter, wieder relativ viel - ja wie nennt man es - Straße? Feldweg? Waldweg? Schneise befahrbarer Breite - auf jeden Fall eher unspektakulärer Weg und das übliche Gelatsche. Der Himmel wird nicht wirklich ungemütlicher sondern klart sogar wieder auf. Da komme ich nach dem letzten, recht amtlichen Anstieg vor Iskari an einer weiteren Heuwiese vorbei, die in Abendsonne getaucht ist, während dort noch Heu gemacht wird. Die Wiese ist oberhalb mit Bäumen gesäumt, Blick auf's Bergpanorama. Leckeres Abendessen hin oder her - gegen dieses Nachtlager stinkt doch jedes Guesthouse unbesehen ab. Ich Frage, ob ich hier mein Lager aufschlagen darf - natürlich darf ich. Wir smaltalken etwas, so weit es die Gestik hergibt. Ich bekomme heraus, dass die Beiden für diese Fläche zu zweit bereits drei Tage gebraucht haben - und wenn ich den Rest so sehe wohl morgen noch einen Vierten. Wahnsinn - ich bin abermals platt über den Wert und des Heus und dem damit verbundenen Zeiteinsatz. Ich genieße die Restsonne, hänge das Solarpanel noch mal zum Laden auf, baue auf - gewissenhafter als die letzten Tage, falls da doch noch etwas runterkommt über Nacht. Als die Sonne untergeht, werden die zwei Bullen, die die ganze Zeit im Schatten gedöst haben vor den Heuschlitten [sic!] gespannt und der Heuberg bewegt sich von dannen und hinterlässt mich - wie so vieles - sprachlos. Über die Arbeitsweise hier oben, über meine eigene Lebensweise, über Sinn von Arbeit - eieiei. Nach Essen und ein paar Fotos (leider alle nicht so dolle) lande ich gegen 10 in der Matte und freue mich, dass ich mir diese Gelegenheit nicht habe entgehen lassen. Noch etwas Internet - wie immer bester Empfang, etwas Route für morgen studieren und notwendigen Resupply planen und dann werden die Augenlieder auch schon schwer.
  30. Georgien Svaneti - auf und nieder, immer wieder.

    Kay reagierte auf questor für Beitrag im Thema

    1 Punkt
    Anreise - willkommen in der Zukunft, Kartoffel! Morgens geht es los. Ich fröstele etwas, schiele zum apex Pulli, der eigentlich aus der Liste geflogen ist, das UL-teufelchen zischt "Mensch, Du fliegst in die Georgischen Berge, bist Du denn bekloppt?" ich gehorche, greife den Pulli und los geht es. Selten früh bin ich am Flughafen - da ich schon ein bisschen mental darauf vorbereitet bin, meine fizans doch noch irgendwo im nicht vorhandenen umliegenden Unterholz deponieren zu müssen. Aber - die Stöcker gehen anstandslos durch, niemand interessiert sich für den Rucksack mit den vielen merkwürdigen Dingen - yay! Beim Anstehen zur Passkontrolle (der ULer freut sich über die mögliche Einreise mit Personalausweis) steht vor mir ein offensichtlicher anderer Wanderer, erkennbar an den Mondbestätigungsstiefeln. Er besucht allerdings erst jemanden, will dann noch lose wandern, noch nichts konkretes. Wir unterhalten und nett, der ist feuer und Flamme, wie zum Teufel es möglich sein soll, mit derart wenig Gewicht los zu ziehen, notiert sich diverses - ist inzwischen vielleicht sogar schon hier im Forum? Es geht los, das Handgepäck darf mit an Bord, auch bei wizzair keine Selbstverständlichkeit. Der Flug ist relativ leer, ich kann noch auf einen guten Platz tauschen, werde dann aber doch noch ein Weilchen von meinem Nachbarn besmaltalkt, bis ich meine Schlafabsicht überdeutlich kenntlich mache. Wir landen, es wird noch applaudiert - lange nicht mehr gehabt. Es erwartet uns ein überraschend moderner Mini-Flughafen, geradezu futuristisch - ich hatte eher mit sovietischem Provinzmilitärcharme gerechnet. Es sieht wolkig aus, entpuppt sich bei Ausstieg aber als wesentlich wärmer als optisch erwartet. Kein Gepäck, wie immer spät eingecheckt und guten Platz vorne bekommen, der eigentlich verkauft werden sollte = der erste an der Passkontrolle. Geld gezogen, dann Shuttle Ticket gekauft (5GEL) und ab zum Bus. Allerdings muss ich trotzdem auf Gepäck warten, denn der Bus fährt entsprechend der Ankünfte, nicht etwa alle X Minuten. Satte 1,5h warten wir, bis auch der letzte Trottel den Weg zum Bus gefunden hat. Alles für eime lächerlich kurze Strecke in die Stadt. Bei Betrachtung der Reifen bin ich allerdings nicht undankbar, mit dem Seelenverkäufer nur kurz unterwegs zu sein. Später lerne ich, dass ich mich auch direkt mit dem Daumen an die Hauptstraße hatte stellen können, auch marshutkas fahren dort nach Kutaisi, aber da hatte ich das blöde Ticket ja schon. Aber gut, angekommen bewege ich mich zu magti, dem Mobilfunk Anbieter, der das Beste Netz haben soll. Den Shop hatte ich mir bereits raus gesucht. Nach endloser warterei im Laden stellt sich raus - ich bin bei beetel gelandet, magti ist nebenan. So ist das also, wenn man nicht einmal Markennamen entziffern kann. Die georgische Schrift sieht faszinierend aus, wird aber auch bis zuletzt ein Rätsel bleiben. Die Sim bekomme ich überraschend problemlos. Nachdem ich zuletzt in Indien fast eine Woche gebraucht habe und kurz davor war, Mitarbeiter über den Tresen zu zerren, kann ich mein Glück kaum fassen. Sie ist sogar direkt aktiv, ich kann per eigener App auf Englisch und Kreditkarte nachladen und völlig ist das ganze auch noch. 22Gel für Karte, 6GB und ein paar Minuten Telefon und SMS Guthaben - Welcome to the future, Kartoffel! Ich hatte mich im Vorfeld bei couchsurfing bei einem kutaissianer? angemeldet, es schien mir eine gute Idee, vielleicht etwas lokalen Anknüpfungspunkt zu haben, um ein bisschen über Land und Leute zu lernen. Tja, nur ist der gute nicht erreichbar. Was nun? Ich erledige noch weitere todos - Spiritus, Magen füllen, Wasser kaufen - noch immer nichts. Ich überlege kurz, ob ich mir hier ein Zimmer nehme. Da fällt mir ein, dass ich eigentlich auch schon einen Ort weiter könnte, um am nächsten Morgen etwas Zeit zu sparen. Gesagt, getan - auf zum Busbahnhof, auf nach Zugdidi. Ich lerne, der 'reguläre' Bus würde nicht mehr fahren, da keine anderen Mitfahrer mehr kämen (es ist etwa 19 Uhr inzwischen). Die Fahrer sprechen kein Englisch, man bietet mir an, mich für 70GEL auch alleine zu fahren. Kommt mir schräg bis fischig vor, ich sehe mich doch in kutaisi bleiben, ein Bett kostet etwa 20GEL. Ich quatsche einen Jungen an, der bei den Fahrern abhängt und mir im englischsprachigen Alter erscheint. Er blüht förmlich stolz auf, übersetzt für mich und gibt mir dann den Tipp, es an einer Straßenecke zu versuchen, da hier ggf. noch Busse aus anderen Städten durch fahren. Keine 10 Minuten später habe ich tatsächlich Glück, Verabschiedung läuft mit 1x Wangenkuss, wieder etwas gelernt. Den Bus fährt der Teufel persönlich - wie übrigens jeden in Georgien. Sicherheitshalber behangen mit allerlei kirchengedöns in der Fahrerkabine. Im Heck sind zwei Reihen mit Altglas blockiert. So gesehen bin ich auch wieder dankbar, dass ihm die Existenz der Bremse unbekannt scheint, eine Vollbremsung im Glashaus möchte ich mir nicht ausmalen. 7GEL und etwa zwei Stunden später bin ich in Zugdidi. Ein ziemlich kleines Kaff, wie sich herausstellt. Unterwegs hatte ich mir eine Unterkunft herausgesucht - 4G auf der kompletten Strecke durchs nirgendwo - willkommen in der Zukunft, Kartoffel Ich komme noch an einem kleinen 24h Supermarkt vorbei, einige Obststände seien auch 24h offen, wie ich später lerne - willkommen in der Zukunft, Kartoffel! Kekse kauft man lose - schmecken Dank zu viel Natron aber eher nach Waschmittel denn nach Essbarem. Hostel cosy home ist alles außer Cody, aber sauber und ich einziger Gast. Der Host, ein 'Polizeiermittler', der das Haus seiner Großeltern zum guesthouse umfunktioniert hat, freut sich, sein eigentlich nicht mehr vorhandenes Schuldeutsch zu üben. Er sitzt im Dorm vor der Glotze, Fenster offen, alles hell erleuchtet, es sind noch immer 25°C um 22 Uhr, drinnen eher mehr. Draußen stehen Palmen, Feigen, Granatäpfel - wow! Ich denke noch, das wird eine mückige Nacht - scheint aber keine zu geben, wie auch in den kommenden zwei Wochen nicht. Irgendwann kommt noch ein Russe mit seiner Mutter, die bereits schon ein paar Tagestouren gemacht haben, wir plaudern etwas, ich streiche früh die Segel, bin kaputt vom langen Tag, meine marshutka fährt morgen um 7:30. Ich Stelle etwas Durchzug her, es ist noch immer unglaublich warme und mit dem Erstaunen, wie laut es doch in einem kleiden Städtchen sein kann, wenn scheinbar jeder einen kläffenden Köter sein Eigen nennt, dämmere ich irgendwann weg.
  31. Suche leichten GPS-Logger

    Tie_Fish reagierte auf mawi für Beitrag im Thema

    1 Punkt
    Schau mal hier, etwas spitzes und Feingefühl reichen wohl schon: http://www.naviuser.at/forum/showthread.php?t=5436
  32. 1 Punkt
    Hier noch einige Bilder zur Apsis-Modifikation. Ziel der Modifikation war es, die Apsis nach Belieben einseitig oder beidseitig schließen zu können. Das hat im Sarek sehr gut funktioniert, auch bei starkem Wind hielt alles. In der Praxis habe ich aber nie beide Seiten geschlossen, die Offenheit des Zeltes ist sein größter Vorteil. An beiden Seiten der Apsis habe ich je einen Tanka auf der Naht eingenäht. An der Unterkante je einen Ring mit Entlastungsdreiecken. Die Seiten schließe ich, indem ich das lose Ende der Eckleine des Zeltkörpers in den Tankfädele und spanne. Die Vorderkante der geschlossenen Apsis spanne ich, indem ich die an den Ecken der Apsis montierten Langleinen, die nun herumliegen, zum Ring führe, einschlage und dann zu den Außenheringen spanne. Auf diese Weise steht das Zelt nach wie vor mit drei Heringen (bei Starkwind zwei weitere für die Seitenabspannung). Unter der (im Bild halbseitig) geschlossenen Apsis ist massig Platz. Auf der windabgewandten Seite lasse ich offen, so ist das Zelt weiterhin gut zugänglich und man kann hat auch auf der benutzen Seite noch den seitlichen Schutz den breiten Vordachs. Wie gesagt, wann immer es geht (eigentlich immer), baue ich das Zelt mit dem Fuß zum Wind auf und lasse die Seiten der Apsis offen. Aber bei starkem Seitenwind und/oder -regen ist diese Option sehr praktisch. Vor allem aber genügen unter Normalbedingungen weiterhin 3 Heringe.
  33. 247g 1P Tarp aus Gleitschirmnylon

    waldradler reagierte auf micha90 für Beitrag im Thema

    1 Punkt
    Seitenansicht 3.) Die Halbpyramide: Der Cat Cut stört hier absolut nicht! Ursprünglich garnicht dafür vorgesehen, eignen sich die Flächenspanner hervorragend um bei dieser Aufbauform ein klein wenig mehr Raum zu schaffen - mit nur einem Hering. Bei der "vorderen" Naht habe ich den Catenary Cut in zwei Kurven geteilt. Das macht vorallem den Aufbau als A-Frame einfacher, aber funktioniert auch hier wunderbar um die Seite zu fixieren. 4.) Diamond Pitch: Einfach eine Ecke abstecken und die gegenüberliegende Ecke hochziehen. Diese Aufbauform eignet sich prima bei leichtem Regen ohne Wind, bietet viel Platz und braucht nur 4 Heringe. Am besten ist es, wenn man statt Trekkingstock einen Baum nutzt! Viel Liegefläche Hier ist der Cat Cut tatsächlich ein wenig unpraktisch und sorgt für ein paar mehr Falten als üblich. Praktisch macht es aber nicht wirklich einen Unterschied.. Tarps zu nähen ist wirklich einfach (zumindest rechteckige) und ich kann es auch Anfängern empfehlen. Bei der Verarbeitung macht es absolut keinen Unterschied, ob man die Nähte gerade lässt oder in Kettenlinienform, lediglich das Anzeichnen dauert natürlich einiges länger.. Ich hoffe euch gefällt es! Edit: Fast das wichtigste vergessen: Tarp alleine: 210g Tarp incl Abspannleinen + Linelocs 247g Beutel: 5g Gesamt: 252g Die Leinen sind übrigens 1,5mm Dyneema Schnur von ExTex, mit 1,25mm Schnur könnte man nochmal etwa 10g sparen. schöne Grüße Micha
Diese Rangliste ist auf Berlin/GMT+01:00 eingestellt

Account

Navigation

Suche

Suche

Configure browser push notifications

Chrome (Android)
  1. Tap the lock icon next to the address bar.
  2. Tap Permissions → Notifications.
  3. Adjust your preference.
Chrome (Desktop)
  1. Click the padlock icon in the address bar.
  2. Select Site settings.
  3. Find Notifications and adjust your preference.