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Ultraleicht Trekking
effwee

E1 Deutschland Thru-Hike Mai-August 2019

Empfohlene Beiträge

Tag 44

Warum auch immer bin ich früh wach und laufe um 6.30h los.

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Zwei Stunden später bin ich in Idstein. Supermarkt. Frühstückeinkaufen. Ich habe Kleingeld und kann mir einen Einkaufswagen gönnen. Während ich leicht überfordert ob der Auswahl durch die Regale irre, spricht mich mit Block auf meine Rucksack was ich denn so erwandere. Ich erzähle ihr was ich mache. „Boah, Klasse“, sie guckt auf meinen Rucksack „Und da ist alles drin?“ Ich bejahe „Boah, Klasse“. Sicherlich habe ich ein Handy mit dem ich alles organisieren könne, Unterkünfte und so... „Naja, mein Handy ist schon so Navi, Fotoapparat, Internet und was Telefone sonst noch so machen … aber schlafen tue ich Wald“. Sie guckt auf meinen Rucksack „Und da ist alles drin?“. „Ja, alles was ich dafür brauche“. „Dadrin?“kurze Pause. „Boah! Klasse!“. „Und wie machen sie das mit dem Job?“ (Da das ja etwas komplzierter ist, belasse ich es bei der ½ Wahrheit) „Den habe ich gekündigt“. „Boah, Klasse. Dann hat man ja Zeit. Die muss man ja nutzen – denn wann kommt sie wieder?“. „Ja eben“ entgegne ich. „Lassen sie mich ihr frühstück sponsoren“ sie greift in die Tasche und drückt mir 20 Euro in die Hand „Immer das machen worauf man Lust hat“ sagt sie und geht. Ich bleibe konstaniert zurück und irre verwirrt durch die Regale – war das grade Real? In der Getränkeabteilung begegnen wir uns wieder: „Das muss ich erstmal verdauen, aber vielen, vielen Dank und einen schönen Tag wünsche ich noch“ „Immer weiter machen“ sagt und geht Richtung Kasse. WOW! Ich spolier mal – das war das wirklich abgefahrenste was mir auf der ganzen Tour passiert ist.

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...alles was ich jetzt schreibe kommt selbst drei Monate später seltsam banal daher. Der Tag war aber noch nicht zu Ende. Und dieser Tag ist einer der lange noch nachhallen wird... aber weiter.

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Ich frühstücke berge von Essen und laufe durch die sehr pittoreske Altstadt von Idstein. Auffallend viele Sticker der Identitären (#Hipsternazis) stören das Stadtbild. Ich brauche also länger in Idstein um allen habhaft zu werden – wandern ist eben nicht unpolitisch, ne!!

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Immer den Feldberg im Blick geht’s in seine Richtung. Abgefahren, der Blick auf den höchsten Taunusgipfel begleitet mich nun seit mehreren Tagen und jetzt ist's greifbar...“Heute stehe ich auf dir“. Vorher aber noch etwas „Heimatkunde“: Hinterm Feldberg gibt’s ein Moor? Das Heftricher Moor. Okay. Und Hausgebirge hin oder her, erst ab Schloßborn komme ich auf Wege die ich schon einmal gelaufen bin. Es folgt ab Glashütten der knackige Aufstieg zum Pass Rotes Kreuz wo ich klatschnass und fluchend ankomme. Ein Radfahrer redet mir gut zu „Bald geschafft“. Sind noch 200 Höhenmeter.

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Auf dem Feldberg angekommen, fühlt es sich unglaublich an. Ich mag den Feldberg eigentlich nicht. Heute liebe ich ihn! Ich mache Pause blicke zurück auf den Taunus und meinen Weg, versuche Wegmarken zu erkennen. Zu diesig. Ein anderes „Problem“ wird mir gewahr. Ich wollte eigentlich nur bis zum Altkönig heute -meinem persönlichen Hausberg. Das ist aber nur ne Stunde noch zu laufen und es ist halb drei. Bis Frankfurt durch zu laufen, hieße aber noch einmal dass zu laufen, was ich heute schon gemacht habe: noch mal 30km. Summa summarum über 60km an einem Tag!?! Ich bummel weiter zum Fuchstanz, trinke Schorle. Die Idee verfestigt sich. Am ende der Schorle steht's fest. Heute geht’s noch nach Frankfurt.

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(darf ich vorstellen, der Altkönig. Ist das nicht schön...? Nach ca 1200km durch deutsche Mittelgebirge immer noch der schönste Mittelgebirgsgipfel- knapp vor dem Lippischen Velmerstot ;)  )

Ich steige auf den Altkönig- sage ihm kurz Hallo. Da der E1 neuerdings nicht mehr über den Gipfel geht sondern um den Berg läuft, verlaufe ich mich erstmal. Echt! Auf meinem Hausberg! Nehme die Abkürzung nach Oberursel, einen mittlerweile gesperrten Downhill-Trail und mache von dort auf den laaaaangen Weg durch den Frankfurter Speckgürtel. Bei Stierstadt taucht die Skyline vor mir auf, ich bin selig! Musik auf die Ohren und ich schreie vor Glück. 44 Tage und ich bin bis Frankfurt gelaufen! Noch nicht... aber es fühlt sich grade so an.

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(Blick zurück)

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Es zieht sich dann doch. Endlich die Stadtgrenze passiert. Nordweststadt. Und absurderweise führt der Weg hier durch die „Nordi“ - die Shoppingmall des Viertels.

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Römerstadt. Nidda. Hier ist die Wegführung wegen Gleisbauarbeiten doof und da ich Bilder im Kopf habe wie ich im Viertel einlaufe, bleibe ich stur auf dem Weg... die Umleitung machts länger und länger und an der Autobahn entlang... mein Körper macht nicht mehr mit, der Kopf kann nun auch nicht mehr dagegen halten, bei Km 62,irgendwas nehme ich den näxten Short-Cut. Scheiß auf die Bilder im Kopf! Ich schleppe mich nach Bockenheim und gehe Essen und trinke Bier...

Da ich ja mein WG-Zimmer untervermietet habe bin ich obdachlos und „wohne“ bei meiner Freundin, sie und ihre ganze WG sind aber alle auf einem Konzert – also warten... ich schreibe ihr ob sie Lust auf einen absacker im Hesseneck hat... kommt niks. Kommt lange niks. Gegen Halb 12 klingelt es bei mir und sie ist leicht verpennt am Telefon „Wie, was, du bist da?“ „Überraschung“... sie hatte nicht auf Mobile geschaut, ist direkt ins Bett... ich hatte mich ja auch erst für morgen angekündigt... so ist das mit diesen Überraschungen.

Ein laaaanger Tag endet in einem gemütlichen, warmen Bett!

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Aua...

 

Tag 45 und 46

Zwei Zeros... am nächsten Tag kann ich mich kaum bewegen...

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vor 17 Minuten schrieb effwee:

Zwei Zeros... am nächsten Tag kann ich mich kaum bewegen...

ist doch logisch! das ist die ganz normale strafe für 2 faule tage. :P

vielen dank für den bericht! echt klasse! 

kannst du sagen wieviel von der strecke teer, schotter, single war? zumindestens für deutschland würds mich sehr interessieren.

und ich freu mich schon auf den rest!

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OMG... Der E1 führt in Krankfurt wirklich durchs Nord-West-Einkaufszentrum?? Das ist schrecklich... :D

Ich bin schon öfter mit meinem MtB den Feldberg runtergefahren..da gibts schöne MtB-Trails.

Ansonsten vielen Dank für deine Mühe hier und die vielen Bilder... ;)

Bin auch gespannt was du hier noch so berichten wirst.

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vor 4 Stunden schrieb danobaja:

kannst du sagen wieviel von der strecke teer, schotter, single war? zumindestens für deutschland würds mich sehr interessieren.

kann ich dir nicht sagen... auf hiking.europe kannste dir die gpx ziehen u in komoot ist manchmal ziemlich genau angegeben wieviel von was... 

ich würde sagen single ist am wenigsten. dann schotter und dann teer... es gibt aber va regionale unterschiede. schwarzwald mehr schotter als schleswig- holstein... aber nur gefühlt... die teerwege bleiben anders haengen und die singletrails sind so kurzweilig weil sie sich so geil anführen...

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Tag 47

Ich laufe entspannt – weil verkatert - los. Es ist seltsam einen Trail direkt vor der Haustür zu starten, zudem ich wirklich im Günthersburgpark keine 10 Minuten später auf dem E1 bin. Es ist 11h. War spät gestern. Wird ein netter Spaziergang durch meine Stadt. Am IG-Farben-Campus geht’s zum Rothschildpark, Opernplatz in den Anlagenring Richtung Main – eine meiner Lieblingsecken in Frankfurt: Park und Hochhäuser ergeben ein minimales Central-Park-Feeling.

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Klein Nizza am Main, ich nicht über den Eisernen Steg, sondern nehme den Mainuferflöohmarkt mit und laufe durchs Brückenviertel. Am Lokalbahnhof steige ich in den Bus. Weil komme was wolle, die 2 km Südsachenhausen sind landweilig.

Der Bus bringt mich an den Waldrand. Ein Flugzeug donnert über mich hinweg – hach, Stadtwald. Ich laufe auf eine lange gerade und weitere Flugzeuge folgen... Beides kenne ich vom Stadtwald und deshalb meide ich ihn. Naherholung ist das nicht. Dennoch bin ich angenehm überrascht wie abwechslungsreich es hier ist. Kesselbruchweiher und schon bin ich in Neu-Isenburg.

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Wiesen, Bruchwald, Golfplatz, Felder, Blick zurück auf die Skyline im Westen der Stadt und schon bin ich in Dreieichenhain.

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Schöne pittoreske Altstadt, Fachwerkhäuser, Burganlage, Stadtmauer, Mittelalterfest im Aufbau/Abbau? Lecker Eis und neues Wasser. 50.Breitengrad überschritten.

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Gefällig geht’s weiter, der Himmel braut aber spektakuläres zusammen.  Zwischen dem völlig überlaufenen Steinbrücker Teich und dem Stadtrand von Darmstadt (oder dem Viviarium für Ortskundige) fängst an zu schütten. War angekündigt. Passt. Hört aber erstmal nicht auf. Hach im Regen aufbauen... es kommt aber noch eine Hütte. Ich Blicke auf die Uhr, das passt zeitlich alles...Huch. Samstag. Morgen Sonntag = Geschäfte zu! Meine Essensplanung war darauf gar nicht eingestellt (Ich habe mir nämlich kaum was mitgenommen) Ok. Also doch bis Ober-Ramstadt... am Waldrand mit Blick auf den Odenwald eine Hütte. Hütte „Odenwaldblick“.

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Maps, sagt der nexte Supermarkt ist ein Kilometer weg, eine Reiterin bestätigt das. Wenn schon denn schon, nach 44km heute, frisches zum Abendessen – mal wieder viel zu viel.

Ich befreie den Boden von Kippen und Scherben und mache es mir gemütlich. Schlafen.

Nachts werde ich von Stimmen und Licht direkt in mein Gesicht wach „Hey, da liegt einer“, „Krass, ist der tot?!“ … „Nee, der Tote schläft hier“ blinzel ich verpennt eine Gruppe Jugendlicher an. „Puh, wir dachten schon...“ „Störts dich, wenn wir hier bleiben...?“. Ich hab Ohropax. „Nee, lass den mal pennen“... sie ziehen ab... ich drehe mich um und schlafe weiter und frage mich warum ich ihnen angeboten hab zu bleiben, ich hätte keine Auge mehr zu getan...

 

Tag 48

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Das schöne an Regen ist ja, was Sonne und Wind am nächsten Tag damit machen: wunderschöne Himmel. Es ist ziemlich schwül. Ich bin gerädert. Mit Kater 44km und die kurze Unterbrechung der Nachtruhe.

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Es ist Samstag und Sonnig- es ist voll. Es stört mich nicht. Ich laufe gemütlich, das Felsenmeer runter, unten angekommen, stecke ich meine Füsse in den kleinen Bach und gucke den Menschen beim Ausflug machen zu und verarzte meine Blase.

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Ich habe mir ironischerweise während meiner Zeros, beim 2 km schieben meines Fahrrades in Frankfurt eine Blase auf dem rechten Spann zugezogen, die auch noch aufgegangen ist und vor sich hin suppt – ich laufe 1350km nach Ffm blasenfrei und 2km durch die Stadt und hole mir eine Blase? Seriously?

Weiter durch Reichenbach – hier folge ich erst mal der Gewohnheit der letzten beiden Odenwaldwanderungen und folge den bekannten Pfaden. Ist aber falsch. Und wieder zurück. Bis Birkenau macht der Odenwald, dass wofür ich ihn liebe!

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Rauf und Runter durch Wald und Flur. Manchmal öffnet er sich Richtung Rheinebene oder in die andere Richtung und lässt tief in sich hineinblicken – beides sieht grandios aus. Es ist Mahdzeit und die Hügel riechen nach frisch gemähten Gras, Greifvögel kreisen über den gemähten Wiesen, die Sonne scheint. Ein wunderbarer Tag.

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In Birkenau organisiere ich mir Wasser, verbummel einen Abzweig und stehe vor einer riesigen Hütte. Es gibt keine Zufälle. 44Km heute. Füsse dampfen.

 

Tag 49

ich verschlafe bis 9h. Danach stoplper ich etwas neben der Spur durch den Tag. Mache bei einer kurzen Pause meinen Cold Soaking Jar kaputt- na toll! Die 14km bis Wilhelmsfeld sind ne ziemliche Quälerei. Mental. An der Landschaft kann es nicht liegen, die macht da weiter wo sie gestern aufgehört hat.

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Ich freue mich auf ein ausgiebiges Mittagsessen und etwas eiskaltes zu trinken – wie der Laden hat zu? Mittagspause? Ok. Bäckerei. Mittagspause? Welch Insel arbeitnehmerischer Seeligkeit. Am Erdbeerstand, die letzte Schale Erdbeeren ergattert, an der Tanke Schokoriegel (geil, was drauf steht... ist mir gar nicht aufgefallen dato). Ich mache Pause vor den Bibliothek im Schatten.

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Aufstieg zum Schriesheimer Kopf (530m) und da noch auf den Teltschick-Turm gestiegen. Grandiose Aussicht.

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Bestmarken von einem Turmrennen hängen unten. Ich treffe auf dem Weg eine MTB'lerin. Wir schnacken eine ganze Weile sehr nett. Ist ihr freier Tag. Sie sagt nächsten Samstag sei hier, das Turmrennen, die Feuerwehr renne hier in voller Einsatzmontur hoch und es sei ein ziemliches Fest. Ich fand die Zeiten eh schon ziemlich absurd, jetzt erscheinen sie phantastisch. Respekt. Respekt gabs noch für meine Tour und meinen Rucksack- sie habe auf Hüttentouren ja mehr dabei. Tja, U!L!

Ich schlumpfe weiter bis nach Ziegelhausen- im Örtlichen Discounter kaufe ich mir ein geiles Abendessen, zerfließe im Schatten ob der Hitze und schwitze mich den Auberg hoch, hier soll ne Hütte sein, die viel verspricht – und dann doch niks hält. Keine Aussicht und viel zu klein. Ich finde ein Forsthaus mit Brunnen. Waschzeit.

Ganz bald habe ich keinen Bock mehr zu laufen. Finde eine Hütte. Alles voller Ameisen merke ich als ich beginne mich einzurichten und kein Bug-Bivi... hmm. Weiter dann doch, finde was Nettes. Fein. 28Km- nicht die Welt...

 

Tag 50

Der Fünfzigste Tag. 50Km+ zur feier des Tages...

Item of the Day: Sonnenschirm!

Food of the Day: Salzstangen und Händeweise Kirschen vom Baum.

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Ich habe den Odenwald bereits gestern mit dem Überschreiten des Neckars verlassen. Damit verließen mich auch erst einmal meine Geographiekenntnisse: Schwarzwald? Viel zu unklischeemäßig hier... Kraichgau. Gefällt mir. Eine postglaziale, sanft wogende Dünenlandschaft. Eine der wärmsten Ecken Deutschlands. Heute um 13h waren es downtown Mühlhausen 42 Grad! Die meiste Zeit laufe ich über offene Felder. Drei Meter Löß = intensive Landwirtschaft. Ich beschwer' mich nicht, ich merke an. An den Feldrändern stehen Kirschbäume und sie sind voller (über)reifer Kirschen. Gegen das Schwitzen: Salzstangen. Die Waldpassagen sind wunderbare Ab“kühlungen“...

Die Nacht war im übrigen keine Abkühlung ich schwitze meine Quilt voll und trockene ihn beim Frühstück,welches ich halbnackig einnehme - „Kühlung“ muss sein. Ich laufe los und bin keine 50 Meter gelaufen und schon läuft mir die Soße. Es ist 7.30h.

Ich laufe bis Gaiberg durch Wald, sehr angenehm. Am Ortsrand gibt es eine Quelle. Schnelles Waschen, Camel Up, Erfrischen...Am anderen Ortsrand, auch Ortsausgang genannt, entdecke ich eine „E1-Schrein“ mit einem Gästebuch.

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Bevor ich drin rumblättere, erfreue ich mich an der Idee und überfliege den Zeitungsartikel über Andreas aus Gauangelloch, der Nachbargemeinde, der den kompletten E1 gelaufen ist – in meiner Vorbereitung bin ich über ihn und seinen Blog gestolpert. Ich blätter in dem Buch und stelle fest, dass ich eines der wenigen thru-hikenden Exemplare bin – dieses Jahr sind nur zwei Jungs durchgekommen die NoBo den kompletten gehen – wir haben uns um 2 Wochen verpasst. Schade.

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Ich wandere auf asphaltieren Feldwegen durch wogende Dünenlandschaft – Roadmovie-Feeling. Die Sonne brennt. Radfahrende fragen sich was ich da mache „Sicherlischer den E1“.Breite blühende Feldrandstreifen, Weizenfelder mit Mohn und Ackerwicke durchsetzt, Obstbäume am Wegesrand. Ich esse Kirschen bis mir schlecht wird- das letzte Mal war mit 10 schlecht vom vielen Kirschen essen. Das pralle Leben. Salzstangen für den Elektolythaushalt. Mit dickem Krischbauch komme ich am Hofladen Sorg vorbei: Schattenbank, Eis und Steckdose? Klaro.

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Bestes Pistazieneis meines Lebens – gefühlt und ziemlich wahrscheinlich auch real. Noch ein Kirsch-Joghurt Eis hinterher... Weiter über Asphaltfeldwege richtung Mühlhausen. Ich werde geröstet oder besser in meinem Klamotten unter dem Schirm dampfgegahrt.

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Gut durch komme ich in Mühlhausen an. 42 Grad! Eisdiele. Affogato und direkt vor den Ventilator gesetzt. Im innerstädischen Brunnen noch abgekühlt bevor es losgeht – ich habe den Ortsausgang noch nicht erreicht und alle Flüssigkeit ist verdampft und durch Schweiß ersetzt worden.

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Vor Odenheim stolper ich über ein wunderbares Stück deutscher Geschichte: Den Siegfriedbrunnen. Mythologisch soll hier Siegfried von Hagen getötet worden sein. Real ist es eher unwahrscheinlich. Real ist auch, dass der Brunnen vom Erfinder Sigmund Odenthal – einem in die USA migrierten Odenheimer Juden, mit einem Faible für die Nibelungensage, vor 1933 in Auftrag gegeben wurde und ab 1933 von den Nazis als Wallfahrtsort für ihren germanophilen und antisemitischen Nibelungenkult verwendet wurde. Schmunzelnd stelle ich fest, dass im Brunnenabfluss geformt wie eine Elhaz-Rune, ein Viertel aufgeweichtes Fladenbrot schwimmt... Hier wasche ich mich. Odenwald ist nicht weit, dennoch das gleiche Brunnenspiel. Ich halb rein. Menschen gucken interessiert und irritiert.

Am Ortsausgang frage ich jemanden nach Wasser und bekomme meinem Wassersack voll, zwei Eiskalte 0,5 Sprudel, ich hätte noch Bier haben können, oder Radler. Mein Trail Angel fand, dass was ich da mache ziemlich geil. Ganz ehrlich: ziemlich geil! Er hat sich vor Freude gar nicht mehr eingekriegt. Kopfschüttelnd und lachend freute er sich über mein Projekt. Er erzählte mir, dass er 1980 mit 16 mit dem Mofa über die Alpen ist, auch nach Genua. Ziemlich kooles Projekt. Es ist schon späterer Nachmittag, ich muss weiter...

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In intensiv landwirtschaftlich genutzter Kulturlandschaft ist die Schlafplatzsuche schwierig. Ich finde nichts, was mir zusagt. Zudem treibt mich ein wenig an. Dass ich am nächsten Tag VOR 14 Uhr in Pforzheim sein muss: Schuhe shoppen und der einzige Store der Altras hat, macht Mittwochs um 14h zu. Ich laufe bis fast ½ 11, finde niks wirkliches und mache es mir in einem Geräteschuppen auf einem Hänger bequem. Vorher treffe ich noch einen Fuchs auf Revierstreife und Glühwürmchen flickern durch die Nacht.

 

Tag 51

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… gab es Temperaturmäßig eigentlich einen Unterschied zwischen Tag und Nacht. Klatschnass wache ich auf, es ist 4.20h. Ich habe extrem unruhig und schlecht geschlafen. Ich sammel mein Zeug ein, schnelles Frühstück und lauf los. 35 km bis Pforzheim, 8h Zeit. Easy. Ich begegne dem Fuchs wieder, an exakt der gleichen Stelle. Ich lächel, er prescht ins Unterholz.

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Ich lasse Landschaft und Orte schnell hinter mir. Fokus:neue Schuhe. Nach 1600km ist Dämpfung und Sohle ziemlich durch und seit dem Odenwald merke ich gefühlt jeden Stein. Um 12h passiere ich die Stadtgrenze.

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Für die Schuhe bekomme ich 10% Rabatt, weil ich den Verkäufer nett mit meiner Story amüsiere. Ich mache eine ausgedehnte Pause in einem Cafe: 3x Cafe con Hielo. Ich bin sehr müde. Die Hitze drückt zusätzlich. Als das Cafe um 15h zumacht, gehen ich Resupplien und bepackt mit einem großen Picknickkorb an die Nagold. Essen und Baden.

 

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Um 17Uhr stehe ich an der Goldenen Pforte: Startpunkt Westweg. Schwarzwald. Letzte Etappe E1 Deutschland. Irgendwas um die 400km noch...

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Die Wegführung verwirrt mich. Ich laufe durch das Enztal, was mir gut gefällt, meine GPXies sind ganz wo anders. In Neuenbürg sollen sich beide wieder treffen. Ich hätte nachdem ich 35 bereits gemacht habe auch nicht gedacht, dass ich bis Neuenbürg überhaupt komme. Ist aber so... extrem steile Anstiege – kurzer Umweg über den Supermarkt: APFELSCHORLE! Und Frühstück.

Oberhalb von Schwann kann ich nicht mehr . Knapp 50km heute.

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Ich finde was muckeliges im Wald – und das erste mal bereue ich, dass ich kein Bug-Bivi hab. Mein Headnet hab ich schon anch 1000km aussortiert. Ich habe die Wahl zwischen Schwitzetod und gefressen werden – ich entscheide mich alle fünf Minuten für jeweils das eine oder das andere – sehr unbefriedigend.

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Tag 52

Zum Frühstück ziehe ich mir eine Zecke, die ich gestern Nacht schon totgekratzt habe – hm. Isso. Auf nach Dobeln. Volzemer Stein. Beeindruckend.

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Ich laufe durch viel, viel Wald. Auf meine ersten Höhen und grandiosen Aussichten. Auf dem Weg zum Schweizer Kopf ziehe ich mir Schwarzwald-Zecke Nummer Zwei aus dem Schienbein. In zwei Teilen. Die wollte nicht gehen...

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Hohlomüß. Ein Moor und See und wunderschön, Auf fast 1000 Metern. Die Plankenwege sind neu gemacht worden und rochen in der Sonne angenehm harzig. Ich bin Glücklich. Aussichtsturm: Wald, Wald,Wald... so hatte ich mir das auch vorgestellt. Schön.

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Abstieg nach Forbach. Soll schön sein wurde mir gesagt. Ist's auch. Meine Kniee atmen auf, als ich Forbach ankomme. Hier esse ich zu Abend. Überquere die berühmte Forbacher Holzbrücke. Done it!

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Als aufmerksamer Zuschauer der @Soulboy Videos weiß ich das es was besseres als die Wegscheidhütte gibt... Ich laufe zur Hütte an der Schwarbachtalsperre. Besser als im Video.

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Heute wieder Marathon. Fast 43km. Füsse ins kalte Wasser.

 

Tag 53

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Zum Frühstück muss ich mich mit dem Thema der Nahrungskonkurrenz auseinandersetzten und etwas gestehen: Ich liebe auf Tour, seit letztem Jahr Avignon-Issoire, Milchbrötchen als Trailfood. Mäuse auch. Mein Foodbag ist löchrig. Die Verpackung kein Thema für Mäusezähne ¼ Brötchen weg. Die Viecher brauchen 2gr am Tag für das pralle Leben. Ein ¼ Brötchen! Ich und Hikerhunger im Supermarkt ist wahrscheinlich das gleiche.

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Durch das Seetal geht’s hoch zum Herrenwieser See. Ein Kersee, glazial. Touristisch werden sie als die blauen Augen des Schwarzwald beworben – braun passt besser finde ich. Viele Verbots- und Erklärungsschilder drumherum, ein kleiner Zaun. Stört niemanden Trampelpfade zum See. Menschen sind dumm – manchmal.

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Auf dem Badener Kopf, kann ich nicht auf den Aussichtsturm, der Blitzableiter wird erneuert. Ich ärgere mich, kann aber Gewerbekletterern bei der Arbeit zu gucken. Beidruckend. Die Badener wurde mir ja bereits, als von Stürmen geformte Landschaft angepriesen... ich bin etwas entäuscht, weil ich mir das spektakulärer und wilder vorgestellt habe – und ganz ehrlich, sie wäre mir gar nicht aufgefallen, hätte ich die Infotafel nicht gesehen.

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Hochkopf und Hornisgrinde begeistern mich, dafür. Habe ich mich geärgert. Vergessen. Fantastische Fernsichten. Rheinische Tiefebene, bis zu den Vogesen im Dunst. Tief in den Schwarzwald hinein auf der anderen Seite. Moore und Heide. Ich bin verzückt.

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Der Mummelsee ist Massentouristisches Kontrastprogramm – stört mich nicht. Ich Isotonisches Hopfengetränk, Handy Steckdose.

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Bis Darmstädter Hütte Singletrail durch Totholzwald... wow! Wehmutstropfen: Schirm kaputt gegangen. Hm... Doof. geht’s ohne? Gucken wir mal. Sonne brennt. Egal. Es ist so schön hier. Schnell ists vergessen. Weiter in den Bannwald um den Wildsee. Kersee Nummer drei. Urlwald seit 1911... es ist so schön hier!

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Auf dem Schliffkopf esse ich in der sich langsam senkenden Sonne zu Abend i am in love und verbrenne mir den rechten Oberschenkel.

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Es gibt keine Hütte mehr auf den nächsten Metern... bzw. etwas weiter weg... schaff ich das bevors Dunkel wird? Um es direkt aufzulösen: Nein.

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Oberhalb von Dollenberg ists so dunkel dass ich nicht noch weiter laufen möchte. Aber hier gibt’s einen schönen Ausblick und große Bänke – geil auf ne Bank schlafen. Es ist sehr windig, aber mein innerer Wetterfrosch weiß, wenn die Luftmassen sich im laufe der Nacht einmal ihre Kalt-Warm-Umverteilung gemacht haben, flaut es ab.

 

Tag 54

...mein Wetterfrosch lag kolossal daneben. Es wehte konstant die ganze Nacht. Ist ja auch ein Paraglidingspot. - und nach genauerer begutachtung der Topographie- eine Frischluftschneise ins Rheintal... Um den Kreislauf in Schwung zu bringen lauf ich zu der Hütte und frühstücke dort.

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Bis Hark ist der Glaswaldsee einziges Highlight.

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Der Weg ist gefällig. Viellicht bin nich nach gestern auch überfressen.

In Hark mache Pause beobachte Wandernde und E-Bikende und beginne langsam Deutschland Revue passieren zu lassen. Ich laufe noch 250km durch D-land. Es geht weiter recht gefällig nach Hausach. Walderbeeren – wie schon um den Schweizer Kopf rum. Diesmal nehme ich mir mehr Zeit und setze mich wie ein Kind ins Erdbeerfeld und esse alles ins armweite errichbare und rutsche auf dem Po weiter... Ich raffe mich ob des kulinarischen und frühkindlichen Spektakels wieder auf und laufe weiter. Die Hohenlochen Hütte: Eigentlich stehe ich nur vor der Wegmarkierung und überschlage kurz wann ich in Hausach bin „Wollen Sie nicht rein kommen, es gibt Kaffee und Kuchen... Selbstgebackenen Erdebeerkuchen...“ Okay Überzeugt. Den beiden Damen vom Schwarzwaldverein ist langweilig, ausserdem werden sie ihren Kuchen nicht los – heute kommt niemand vorbei. Ich tue ihnen und mir den Gefallen.

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Zwei Stücke Kuchen, gradiose Aussicht und eine Hüttenführung.

Der Abstieg nach Hausach: Knietod! Ich fluche. Dort angekommen. Resupply und Essen auf dem Parkplatz. Ich bekomme Kirschen geschenkt, weil ich da so sitze und esse – Nachtisch und Trail Magic.

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Hausach ist, so heißt es Kernland des Schwarzwald-Klischees. Ich bin gespannt und poliere schon mal meine Klischeebrille prophylaktisch.

Aufstieg auf den Farrenkopf. Was für ein Mörderanstieg. Steil. Keine ½ Stunde brauche ich und mein Wasser ist leer und direkt in die Kleidung geschwitzt. Hm. Fehler in der Wasserplanung unterhalb vor dem Gipfel ein Abzweig zu einem Brunnen – wer hat, dem wird gegeben. Glückskind. Ich wasche mich hier und mein Hemd. Trinke mich kugelrund und gehe weiter. Zu meiner ganz großen überaschugn durch Buchenwälder!

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Die Hütte ist schön. Mir ists aber zu früh. Ich lasse bis zum Karlsstein alle weiteren Hütten liegen und habe nun ein Problem eine geeignete Stelle zum Schlafen zu finden. Ich bau mir was muckeliges zwischen jungen Tannen.

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Tag 55

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Auf der Suche nach einem Klischee... im Kernland von Bommelhüten und Kuckucksuhren wurde mir eine Landschaft aus Wald und Feld mit typischen Schwarzwaldhäusern versprochen. Dem war so. Es war wie Heimatfilm der 50er Jahre, Heintje summt und es riecht nach DIA-Abend bei Oma.

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Das noch bis heute eingespielte und vermarktete Schwarzwald-Bild ist im übrigen zur gleichen Zeit wie die Heideromantik aufgetaucht, so um 1880... Nationale Einheit und Gründerkrach. Krieg und Frieden. Wirtschaftliche Modernisierung in rasender Geschwindigkeit und Konservierung des Altbackenen im Monarchismus... Bommelhüte, tiefe Wälder, Weiden und Kühe drauf und Kuckuckusuhren helfen da. Aber was unke ich, es ist schön hier. Und auf einem Thru-Hike haben die Gedanken viel zeit frei zu flottieren – ein wenig bekommt ihr davon ab. Ist ja auch ein Deutschland Thru-Hike, also mache ich mir natürlich auch ganz viel Gedanken über dieses D-Land und was das für mich heißt hier (aka. Westdeutschland) sozialisiert worden zu sein... aber zurück zum Wandern...

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Heute begleiten mich in der ersten Hälfte des Tages Moore. Am Blindensee mache ich Pause, eine Infotafel sagt, das Wasser sei krachsauer. Als meine Sitznachbar*innen weg sind, stecke icjh meine n Finger ins Wasser. Stimmt gar nicht. Ich und mein Entdeckergeist sind etwas entäuscht.

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Irgendwo bei Martinskapelle könnte ich zur Donauquelle, hab ich dann doch keine Lust. Ich habe mir Kaffee auf dem Brend in den Kopf gesetzt. Ich merke, dass ich schon die Lahnquelle ausgelassen hab – das konnte ich noch rechtfertigen weil ich den Lahnhöhenweg noch auf meienr Bucketlist hab. Ich sehe jemanden mit einem Riesenrucksack und Zelt dran und ein jüngeres Paar mit Tourenrucksäcken – Westweg? Ich mutmaße. Aber Caffe con Hielo erstmal. Die Günterstein stehen auf einmal plötzlich vor mir. Sehr beeindruckende Gesteinsformation aus dem Boden erodiert und bizarr aufgetürmt mitten im Wald.

Das Naturfreundehaus Brend ist am Brend und nicht auf dem Brend und der Service ist sichtlich überfordert mit meiner Bestellung. Ich treffe den großen Rucksack mit Zelt und die beiden Tourenrucksäcke wieder. Auch Pause. Eine Taufe ist auch da und ein paar E-Biker, die über Akkuleistungen fachsimpeln und Biertrinken.

Ich starte wieder und habe die beiden Tourenrucksäcke schnell eingeholt und den großen Rucksack mit Zelt – ihn quatsch ich an: Ja Westweg, mit Zelt und 20kg auf dem Rücken. Respekt! Wir Unterhalten uns und laufen ein Stück gemeinsam. Aber die 20kg fordern den Tribut der Langsamkeit und alsbald trennen sich unsere Wege. Ich treffe die beiden Tourenrucksäcke – ein Londoner Pärchen, auch auf dem Westweg, aber ohne Zelt. Wir unterhalten uns und ich schaue kurz in ihre Karte.

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Dabei entdecke ich Nazihäusle. Ich zeige drauf und fange an zu lachen „OGM. I love Germany“ pruste ich. Er: „Propably they forget to rename it“ gibt er trocken zurück. Briten und ihr Humor, so das Stereotyp – hier stimmts! Wir unterhalten uns noch ein wenig und schauen auf den Feldberg der in der Ferne sichtbar ist.

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Gefällig geht’s bis Kaltenherberg. Ich mache hier länger Pause – der große Rucksack und die beiden Londoner*innen treffe ich hier wieder. Für alle drei ist hier Endstation für heute. Es ist zwar 16h als ich aufbreche, aber immer noch brüllend heiß. Der Wegweiser sagt 36km bis Feldberg...dann auf den Querweg. E1 in Deutschland nähert sich dem Ende... zunächst laufe ich aber, sehr gefällig und immer in hörweite oder direkt neben der B500. Bis Süßes Häusle, da fülle ich mir Wasser auf und laufe weiter bis zur Hütte Doldenbühl: Postkartenaussicht auf Felder und Wälder. Summer und Vogelgezwitscher. Ich richte mich häuslich ein – schmunzel darüber, wie häuslich ich es mir mache.

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Nackt bis auf die Unterhose essen ich – sehr häuslich – was einen älteren Herr, der vorbei kommt, nicht davon abhält ein Gespräch übers Wandern mit mir anzufangen... wer ist hier härter im nehmen, denke ich mir. Freue mich aber über die Abwechselung. Noch mehr freue ich mich aufs Bett und den bevorstehenden Zero. Ich bin seit Frankfurt am durchballern und Ermüdung macht sich breit. - Schluchsee ist der Plan: Hitze, See, Cool Camping beste Kombi.

 

Tag 56

Es gibt zu dem Tag eine Vorgeschichte- einer meiner Instafollower kündigte als ich Pforzheim war an, dass er am Titisee sei und Trail Magic anstehe wenn ich denn vorbei käme... ambitioniert war die Idee von uns beiden, dass mit einem persönlichen Treffen zu verbinden und es wurde in den letzten Tagen klar, dass es unschaffbar sei. Er wolle mir aber etwas dann wenigstens verstecken. Im Bach am Golfplatz – geocaching deluxe oder eben Trail Magic.

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Die Sonne knallt mir früh ins Gesicht. Es ist um 7h bereits recht heiß. Schnelles Frühstück und auf nach Titsee. Schnell sind die 10,12 km gelaufen. Vorfreude und Spannung tragen sehr gut. Ich finde eine Plastiktüte im Bach: Bier, Schwarzwälder Schinken, ein Messer, Schmerzmittel und löslichen Kaffee... GEIL!

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Ok Bier ist kalt und es ist 10 Uhr. Bier zum Frühstück? Klar, ist Montag! Und klar, eine anti-bourgeoise Punkrock-Attitude sagt,, dass Biertrinken vor einem Golfplatz die Ultimative Geste adoleszenter Rebellion sei. Bier leer und ich recht voll. Ich laufe sehr beschwingt nach Titisee sein. Zum Glück.

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Titisee ist ein Monster aus50er Jahre Heimatfilm, gerontophilem Tourismusmarketing und globalisiertem Schwarzwald-Disneyland. Ich finde heraus, dass es einen „Supermarkt“ gibt. Tourinepp für viel Geld. Egal, ich bin angetrunken und habe perverse Essensgelüste, die JETZT befriedigt werden wollen. Ich gönne mir noch einen Espresso auf einer der Seetrassen. Den drittschlechtesten der Tour und den teuersten. Es riecht nach Mottenkugeln und Tod. Ich muss noch ein wenig ausharren- meine Powerbank braucht Saft...

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So richtig kann ich mich nicht entscheiden welche Variante ich zum Feldberg nehmen so – in Titsee teilt sich der Westweg in die Ost- und Westvariante... Ich entscheide mich für freestyle. Und laufe Richtung Bärental um den Titsee. Umleitung wegen Baumarbeiten. Roadwalk. In Bärental angekommen verlässt mich die Orientierung, aber zuerst die Markierung und ich improvisiere mich auf dem Walter Wochner Steig gen Feldberg.

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Immer an der Feldbergstrasse entlang -laut. Ich betrachte es als Training für die Gotthard-Kilometer über die Alpen. Der Steig, ist abgesehen davon, dass er direkt an der Straße langläuft, schön. Ich stehe irgendwann am Feldbergpass. Die Wegführung erscheint mir seltsam. Querweg? Aber es gibt eine Markierung Richtung Schluchsee. Über den Feldberg führ die so gar nicht- auf den wollte ich aber noch... 5km. Eine Mischung aus Ehrgeiz, Sturheit und Eitelkeit auf den höchsten Berg der Tour bisher zu kraxeln,treibt mich trotz aufziehendem Gewitter, in einem wahnwitzigen Tempo auf den Berg.

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Oben komme ich zwischen Seebuck und dem Feldberggipfel an... es donnergrollt, beeindruckend bleigraues hat sich über dem Gipfel zusammengeschoben und es sieht vor allem sehr weit aus. Sturheit, Ehrgeiz und Eitelkeiten sind manchmal auch dysfunktional. Ich laufe zum Seebuck und versuche einen Blick auf die Alpen zu erhaschen- zu diesig.

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Die Sicht ist dennoch grandios.Die Seilbahn hat zu: Gewitterwarnung. Also steige ich schnell ab. Recht schnell bin ich wieder am Pass. Fülle mir im Mutter-Kind-Erholungsheim der Caritas am Pass Wasser auf und laufe durch das ausladende Tal, welches der Feldberggletscher gen Schluchsee formte.

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Dieser liegt auf einmal, groß, blau und verheißungsvoll vor mir. Ein langer Tag und vor allem viele Kilometer seit Frankfurt in etwas mehr als einer Woche liegen schwer in dem Beinen.

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Ich packe Musik auf die Ohren und lasse mich von meiner Grime-Playllist weiter ziehen bis zum Schwarzwald Camp. Hipster Camping ausm Cool Camping Führer. Ich muss beim einchecken und als ich meinen „Parzelle“ beziehe, schmunzeln, weil der einzige Unterschied zwischen meinen bisherigen Nächten und dieser ist: Es steht jemand im Wald, sagt Hallo, lädt deine Powerbank und zeigt die das fancy Goldeimer-Kompostklo und dafür zahlst du Geld – Dusche und generell alles was mit fließend Wasser und Strom zu tun hat, darf auf dem „richtigen“ Camping nebenan genutzt werden.

 

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vor 9 Minuten schrieb effwee:

Die Sonne knallt mir früh ins Gesicht. Es ist um 7h bereits recht heiß. Schnelles Frühstück und auf nach Titsee. Schnell sind die 10,12 km gelaufen. Vorfreude und Spannung tragen sehr gut. Ich finde eine Plastiktüte im Bach: Bier, Schwarzwälder Schinken, ein Messer, Schmerzmittel und löslichen Kaffee... GEIL!

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Ok Bier ist kalt und es ist 10 Uhr. Bier zum Frühstück? Klar, ist Montag! Und klar, eine anti-bourgeoise Punkrock-Attitude sagt,, dass Biertrinken vor einem Golfplatz die Ultimative Geste adoleszenter Rebellion sei. Bier leer und ich recht voll. Ich laufe sehr beschwingt nach Titisee sein. Zum Glück.

+2 ibus... xD


 

Am 20.8.2019 um 18:19 schrieb effwee:

Tag 44

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Ich frühstücke berge von Essen und laufe durch die sehr pittoreske Altstadt von Idstein. Auffallend viele Sticker der Identitären (#Hipsternazis) stören das Stadtbild. Ich brauche also länger in Idstein um allen habhaft zu werden – wandern ist eben nicht unpolitisch, ne!!

sehr gut... *thumb up*

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Tag 57

Zero.

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Ich muss feststellen, dass ich mit dem Zero nicht viel anfangen kann. Es ist deutlich kühler. Für mein empfinden so kalt, dass ich nicht ins Wasser hüpfen möchte. Alle anderen Mitcampenden, sind in einem ganz anderen Modus als ich unterwegs, ich gammel den ganzen Tag im Camp rum, alle anderen sind weg.

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Ich wasche meine Wäsche. Meine beste Freundin trennt sich von ihrem Freund. Langes Telefonat während ich meine schmutzige Wäsche wasche. Ich bin dankbar für die Abwechslung (Bitter). Ich gehe los, drehe eine Runde durch den Ort und hole Essen, eine Zeitung... und Bier und fange an um 14h Bier zu trinken. Ich laufe noch einmal los um irgendwas zu machen, meinen kaputten Schirm wegschicken. Bei der ersten Runde sah ich, dass es eine Post gibt. Ich gehe noch mehr Essen und noch mehr Bier kaufen. Ich esse, trinke und lese Zeitung. Instagram zwischendurch und mal die Wäsche umhängen, damit sie schneller trocknet.

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Ich schaffe es nicht mich wirklich still zu stellen. Ich schaffe es nicht wo wirklich zu entspannen. Ich bin ehrlich froh als ich in mein Tarp krabbel in dem Wissen das es morgen wieder auf Trail geht. Was zwei Monate mit einem anstellen können.

 

 

Tag 58

Ich laufe gemächlich los. Und ich freue mich wieder on trail zu sein. Ich umlaufe den Riesenbühl. Gefällig ist's und schnell bin ich in Lenzkirch. So richtig drin bin ich noch nicht. Es ist 12 Uhr Metzgerei, zwei Supermärkte sind direkt bei der Ortsmitte, es ist entspannt hier. Ich gönne mir ein ausladenendes zweites Frühstück auf dem Rathausplatz. Ich weiß die Markierungen nicht richtig zu deuten und entscheide mich direkt auf den Schluchtensteig einzusteigen. Ich bin sehr gespannt. Vorgestern in Titisee, sah ich schon die Wutachschlucht ausgeschildert – von der habe ich nur Gutes gehört und war etwas enttäuscht, dass meine Wegführung mich zunächst von ihr weg führte. Ich ahnte ja nicht, dass ich heute durch sie durch laufen werden.

Aus Lenzkirch raus laufe ich direkt in Tal der Haslach. Etwas ratlos stehe ich an einer Kreuzung und verusche mich zu orientieren. Zwei Jungs kommen vorbei „Hah, ich hab einen UL'er gespottet“ sagt der eine „Wir sehen ja auch alle gleich aus“ entgegne ich und muss mal wieder an John Z's Beschreibung seiner Klamotten als „typical thru-hikers uniform“ denken. Die beiden laufen den Schluchtensteig, kurzes Gespräch. Erst als die beiden weitergehen sehe ich, dass einer von den beiden einen ÜLA trägt.

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Ganz bald stehe ich vor dem Roodbach Wasserfall und dem Abzweig auf den Mühlenweg. Steil, etwas felsig und wurzelig mit dem Warnschild versehen „Betreten auf eigene Gefahr“ Ich jubiliere. Fängt gut an. Oben angelangt kurzer, feiner Singletrail zur alten Mühle. Eine ganze Wandergruppe kommt mir entgegen. Viel Hallo und Gelächter. Ich habe den Trail wieder für mich alleine, zumindest für die nächste viertel Stunde. Es ist voll heute und die Haslach-/Gutach-/Wutachschlucht ist nun mal gemacht für Tagesausflüge. Ich laufe etwas langweilig über eine breite Schotterpiste und finde den Abstieg in die Schlucht und stehe auf dem Höllochfelsen. Wow. Das fängt grandios an. Auf schmalen Pfaden geht es weiter zur Haslachklamm am Rechenfelsen.

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Ich bleibe beglückt stehen und genieße die Schönheit und Wildheit der Szeenerie.

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Ein sehr beeindruckendes Auf und Ab auf mal breiten, mal engen Wegen, mal hoch über der Wutach, mal direkt neben ihr, begleitet mich von nun an die nächsten Kilometer. Wasser gurgelt, plätschert, sickert, rinnt aus allen Ritzen, Spalten, einfach so mitten aus dem Weg... ich bin hin und weg.

Am Räuberschlössle mache ich kurz Pause. Ein beeindruckender Felsen, der früher mal eine Burg war und später von Raubritter*innen als Unterschlupf genutzt wurde.

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Die Blicke in die Schlucht sind beägstigend tief und schön. Zwei Bushcraftende UH-Wandernde machen hier auch Pause. Wir unterhalten uns kurz. Sie wollen wissen wo ich meine Gaiters her hab. Ich finde es ziemlich beeindruckend, was die beiden so tragen (können). Niks für mich.

Ich laufe weiter bis Schattenmühle. Verbummel vorher der Abzweig und packe mir noch ein paar hundert Meter auf den Tacho. An der Schattenmühle angekommen, bummeln später beide UHler*innen ein, ich unterhalte mich währenddessen mit einem anderen Querweg-Wanderer. Wir sind und schon in der Schlucht mehrfach begegnet. Ex-Gebirgsjäger, Anfang 20 vielleicht. Mit erstaunlich kleinem Gepäck. Vielleicht möchte es noch bis nach Freisingen laufen – ich finde das gut. Wir verabschieden uns.

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Ab der Schattenmühle legt die Wutaschschlucht noch eine Schippe an spektakulärem drauf. Wechselnde Gesteinsformationen, Steilhänge, sumpfige Bruchwälder, mystische Moosfelsen, breite Flussläufe mit großen Sand und Schotterbänken, Totholz und Pestwurz. Mal ausgesetzt roh in die Muschelkalk gehauen, mal auf breiten Steinplatten direkt an der Wutach entlang....

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Ich verbummel unglaublich viel Zeit hier... muss irgendwann feststellen, ich muss etwas Tempo aufnehmen um noch aus dem Naturschutzgebiet rauszukommen. An der Wutachmühle angekommen, dann doch etwas ernüchtert. Ich stehe auf dem Vorplatz eines Sägewerks. Kulturschock für die Augen. Der Weg hält nicht mehr viel aufregendes bereit, außer die Schlafplatzsuche. Bis zum Sonnenuntergang und schlussendlich bis kurz vor Blumberg laufe ich noch bis ich was gefunden habe bzw. mich mit dem begnügen muss was da ist – eine Parkbank. Diesmal schlafe ich aber auf dem Boden vor ihr.

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Tag 59

Ich laufe nach Blumberg rein und von da aus direkt zum Supermarkt – Frühstück und, da es weiterhin heiß in einer Drogerie einen neuen Billoschirm. 300 gr irgendwas. Aber nur 3.99. Und wahrscheinlich genau so haltbar.

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Aufstieg auf den Buchberg. Hier oben fällt mir auf, dass die Landschaft sich wirklich komplett geändert hat. Sanft wogenden Hügel mit viel Landwirtschaft, eher wie der Kraichgau. Brüllend heiß ist es und ich kann sehr bald meinen neuen Schirm ausprobieren – diese silberne UV-Folie ist schon besser, das Mikroklima unter dem Schirm kommt mir deutlich wärmer vor... vielleicht ist es aber auch nur ein Gefühl. Ich laufe viel an Waldrändern mit Blick auf die leicht hügelige Landschaft.

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Im Hegau sind sie gesprengselt mit eigentümlich aussehenden Bergkegeln. Alte Vulkankegel. Oberhalb von Tengen, an einem Rastplatz treffe ich einen, der in seinem Van lebt, seit 13 Jahren – lange bevor es zum hippen Insta-Hashtag wurde. Wir unterhalten uns lange. Er erzählt mir auch viel über diesen Landstrich, erst dank ihm habe ich erfahren, dass das was für mich sehr eigentümliche Berge waren, eigentlich Vulkane sind. Im Schatten sitzen ist gut, ich spiele mit seinem Hund, in der Ferne blitzt der Bodensee und meine Mitbewohnerin hat per SMS angekündigt, dass sie nach 15 Jahren aus der WG ausziehen will – was für ein Tag. Ich bin verwirrt. Es ist Anfang Juli ich habe also noch 6 Wochen Zeit – ich muss erst Mitte August wieder zurück in Frankfurt sein -, in mir rumort es, da ich mit der Gotthard-Variante nicht zufrieden bin – ich laufe doch keine 2000km, um dann für 100km langweilig an einer Autobahn entlanglaufend die Alpen zu überqueren und keine gewissheit zu haben dass die Wege in Oberitalien überhaupt begehbar sind;  das mit meiner Mitbewohnerin kam plötzlich, und irgendwie muss ich das Wochenende um meinen Geburtstag rum drehen – wo bin ich überhaupt um meiner Geburtstagsdelegation klar ansagen zu können, nach wo sie eigentlich Zugtickets buchen soll... oh und ja, meine eigentliche Tour, der E1 D-Land Section Hike geht zu ende.

Ich bin heute viel mit mir beschäftigt und nehme, das drumherum eher kursorisch wahr. Es ist aber schön hier. Ich kümmere mich zu spät um die Schlafplatzsuche bzw. verkalkuliere mich, die Ecken, die ich mir auf der Karte ausgesehen habe entpuppen sich vor Ort als schön aber als Naturschutzgebiete, da wo die Natur nicht geschütz ist, ist sie intensiv genutztes Kulturland.

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Hinter Weiterdingen, nach dem Abstieg vom Hohenstoffeln, bin ich, nachdem ich mich auch noch einmal kurz verlaufen habe, bereit mich einfach auf einen Parkplatz für Wandernde zu legen... als ich da so stehe und mir denke, es ist eine deiner letzten Nächte auf dem E1 und in Deutschland – auf einem Parkplatz. Irgendwie... mich stört die Vorstellung und obgleich es bereits sehr spät ist, laufe ich den Feldweg nach dem Parkplatz noch ein Stück weiter. Wer sagts denn? Ein Ackerrandstreifen eines Maisfeldes. Ich glaube den See sehen zu können.

Ich schiebe mich zurecht auf etwas unebenem Boden und dann dürfen die Moskitos sich über lecker angerichtetes hermachen. Nacht Nummer zwei in der ich es bitterlich bereue kein Bug-Bivi dabei zu haben.

 

Tag 60

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Mein Schlafplatz ist recht Sonnenexponiert – um kurz nach 6 bin ich wach, weil die Sonne mich brät. Ich stehe auf, packe mein Zeug und lauf zur nächsten Bank. Frühstücken. Ich telefoniere mit meiner Freundin, wg. Orga und den Plänen meiner Mitbewohnerin...

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Ich laufe durch eine schöne Landschaft, Äcker, Felder, an Flanken von Vulkankegeln entlang und alles nehme ich nur so am Rande war – im Kopf bin ich aus so langsam am Abschied nehmen, Abschied vom E1 in Deutschland, Abschied von meinem ursprünglichen Ziel – zugleich keimt die Unzufriedenheit einer Weiterführung des E1 bis ans Mittelmeer immer weiter. Immer wieder mache ich Pausen und suche im Netz nach Alpenüberquerungsvarianten... Um 9.30h stehe ich vor einem Schild: Konstanz 50km. Endgame, denke ich mir mit meinem Faible für Comic-Verfilmungen.

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Irgendwann, irgendwo ist es klar: Ich gehe über den E5, der geht in Konstanz los. Ich bin auf einer Strecke, die bahnmäßig für die Rückfahrt an allen möglichen Exitpunkten gut angebunden ist, da „Alpenüberquerung“ und „E5“ bei der google Suche das gleiche sind, ist die Informationslage sehr gut - zumindest von Oberstdorf bis Meran. Wie zu Ersterem komme, muss ich dann im Finetuning herausfinden. Es fühlt sich erleichtert an. Ich weiß jetzt wie es weiter geht, dass es weiter geht stand nie zur Disposition. Warum auch? Verrückt eigentlich. Fast 2000km nach etwas 60 Tagen und immer noch Lust auf mehr? I am hooked.

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Der Mindelsee ist vielleicht, der erste Ort den ich wieder bewusster Wahrnehme. Er ist schön. Der Weg zur Badestelle ist mir aber zu weit weg und laut meiner Karte und meinem Infosheet gibt es später eine Hütte am See – ich sehe mich schon im kühlen Nass plantschen.

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Umleitungen und Wegsperrungen verhageln mir den Plan. Ich laufe weiträumig um den Erstkontakt mit dem Bodensee durch Wälder, die nicht sonderlich ansehnlich sind, die sehr nah an der Straße sind und voller Moskitos. Ich versuche vor Wallhausen noch einmal freestyle näher an den See zu kommen, schaffe es aber nicht und laufe einiger maßen frustriert weiter. Es ist schon spät. Es ist immer noch drückend heiß. Kurz vor Wallhausen soll eine Hütte sein, die Wiese davor gefällt mir besser. Ausblick auf Überlingen, einigermaßen Ruhig. Ich finde die Bodenseeregion ziemlich zersiedelt. 13Km vor Konstanz! Morgen bin ich mit dem E1 fertig! Morgen habe ich nach fast 2000km (oder ein bisschen mehr, wer weiß) Deutschland von Norden nach Süden durchwandert! Ich schaue der Sonne beim untergehen zu, gucke auf Überlingen und die angehenden Lichter dort. Und baue mir im Halbdunkeln mein Camp auf... Nacht drei in der ich mir sehnlichst ein Bug Bivi gewünscht habe. Dazu ist es so heiß, dass ich mich nicht im Schlafsack verkriechen kann. Dampfgaren heißt dass. Es dauert lange bis die richtige Balance gefunden habe – also wieviel ich mich selber zum Fraß offeriere und wie sehr ich überhitzen möchte. Wahrscheinlich kämpfe ich mich so in den Schlaf, ich kann mich nicht erinnert eine Balance gefunden zu haben. Morgen in Konstanz frage ich mal nach sowas wie einem Bug Bivi – obwohl... für die Alpen? Aber Oberitalien... ich habe ja 13km Zeit morgen mir Gedanken zu machen...

 

Tag 61

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Was ich auf diesen 13 Kilometern dann gemacht habe, außer sie zu laufen...? Ich bin total gerädert, zerfressen und klatschnass wachgeworden. Mein denken kreist primär um Koffein, dass es in Konstanz geben... und Internet, damit ich genauer gucken kann wie es wirklich weiter geht... und ach ja btw einen 2000km Deutschland Thru-hike beenden... Der Weg ist nicht spannend. Eines meiner Konstanz-Highlights kommt unspektakulär mitten im Wald. Die Uni Konstanz! Aha. Mein Staatstheorieprof, der Staatstheorieprof bei dem ich lernen durfte startete da seine akademische Karriere. Toll. Ich mache ein Foto. Hundetraining ist auf dem Parkplatz und ich denke mir wie wäre es einfach wenn alle Hunde Sitz gemacht haben, Hundekuche in die Meute zu werfen.

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Ich laufe nach Konstanz rein. Und es zieht zieht sich erstaunlich. Ich bin etwas aufgeregt. Ich weiß aber auch, dass es keinen Trailhead gibt, sondern dass einfach die Beschilderung aufhört. Ich habe mir gedacht, dass ich den Hafen für ein finish gut finde – es ist einfach scheiße wenn es keine Trailheads gibt – dann fehlen die Rituale und die ikonographischen Fotos. Endlich Wasser. Brücke, Altstadt... Hafen. Das Schild des Querweges zeigt hier nur noch in eine Richtung, nach Westen. Ist es das? Ich laufe noch einmal um das Schild. Sorge für lächeln und lachen in einer Hochzeitsgesellschaft die sich hier trifft. Ja, es ist mein Trailhead.

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Ich bin fertig. Ich bin wirklich fertig. Ich habe den E1 gelaufen, ich bin 2000km, oder fast oder doch etwas mehr gelaufen. Von Krusau bis hierher! Die Sitzplätze um das Schild sind mit Tourist*innen besetzt, die Hochzeitsgesellschaft, es ist voll, es ist heiß, ich bin überfordert, ich bin müde... ich brauche tewas ikonographisches!. Ich setzte mich an das Zeppelin Denkmal gucke auf die Imperia. Laufe ein paar Schritte in den Bodensee. Instastory. Tief durchatmen... Ich brauche einen neuen Schirm, ich will ein Bug-Bivi, ich will einen Kaffee, ich muss einkaufen... es ist 11 Uhr. Ok let's go.

Und Ach ja... wirklich an gekommen, dass ich so eben Deutschland auf den E1 durchwandert habe ist es bei mir nicht, bzw. es ist im Orgadiesdas für den nächsten Abschnitt untergegangen... das ist mir aber auch erst später – unter Mithilfe von außen aufgefallen.

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OT: und ab jetzt müssen wir den Thread umbenennen: Thruhike E1/E5 Flensburg-Konstanz-Verona 2020 ;)  Wenn die Admins das machen könnten wäre das ganz großartig! merci

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Ich mache Pause in irgendeinen hippen Cafe, es gibt Cola Kracher for free. Soja Cappuchino und einen riesen Brownie. Ein wenig Recherche. Und relativ schnell ist klar auf dem E5 steige ich erst in Bregenz ein, ich laufe über das deutsche Bodenseeufer. Ich habe über die Schweizer Seite nicht die besten reviews gefunden. Über die deutsche keine, dass heißt nicht, dass sie gut ist, aber es hat sich noch niemand beschwert... tolle Logik. Ausserdem kann ich so besser auf die Alpen gucken, muss kein Roaming bezahlen und es ist dann doch etwas billiger, als der Schweizer Lifestyle... Den Schirm den ich wollte gabs nicht, also wieder einen UL-Knirps, kein leichtes Bug-Bivi. Für die Alpen? Die zwei Tage am Bodensee hälste auch so noch aus... oder? Resupply. Noch und los zu Fähre – also mit dem Bus nach Stadt und dann Autofähre nach Meersburg.

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Schöne Aussichten auf den See, die Berge können erahnt werden, es ist bleigrau und diesig auf der schweizer Seite. Meersburg ist ziemlich Touristisch, aber schön mittelalterlich. Ich Irre etwas durch die Gegend und finde sowas wie meine Trailmarkierung. Zumindest finde ich ein Schild auf dem Hagnau steht, da muss ich hin. Passt. Über Sanfte Hügel voller Weinreben und grandioser Aussicht über den See laufe ich also gen Hagnau. Hagnau ist ganz schön. Ich kaufe mir an einem Obststand Bodensee Aprikosen -ein Traum.

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Es frischt auf- das was da grau auf der anderen Seite hängt kommts rüber oder sind das die Reste von dem was da drüben passiert. Ein paar dicken Tropfen kommen noch so runter. Zum Glück bleibe ich aber von dem richtigen Regen verschont. Bei Immerstaat sind aber die Kite-Surfer*innen happy. Das Gewitter auf der Schweizer Seite hat den Dnst aus der Luft gewaschen. Berge! Kitende vor Bergpanorama. Absurd schön!

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Der Kaiser Wilhelm II. Uferweg ist wegen Hochwasser gesperrt – na ma gucken, so viel ist es nicht... ich komme sehr weit ohne nasse Füsse. Zu weit um umzukehren. Also weiter mit nassen Füssen. UUUh. Abenteuer!

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Und schon bin ich dann doch in Friedrichshafen. Da ich alles was ich Konstanz gekauft habe schon aufgefuttert habe, kaufe ich mein Abendessen in Friedrichshafen, setz mich an die Promenade und esse zu abend.

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Mich treibt so langsam rum wo ich schlafen soll. Das Bodenseeufer ist entweder zu gebaut oder Naturschutzgebiet oder Kulturlandschaft – da bin ich nicht vorgesehen. Ich habe aber die Hoffnung noch nicht aufgeben – das Eriskirchener Ried... ich laufe gut gesättigt los. Erfreue mich an der Bauhaus-Ästhetik des Zeppelinmuseums und als cih die Rotach-Mündung erreiche erblicke ich ihn verheißungsvoll: den Campingplatz Rotach. Ich überlege kurz. Yoh! Morgen dann wieder draußen.

Einchecken. Aufbauen. Ich checke meine Nachbar*innen mit nem Landi an- die haben eine Kabelrolle, ich kann mein Handy laden. Kurzer Schnack. Er guckt in mein Tarp. „Guck mal, Schatz, der ist seit zwei Monate mit so wenig unterwegs“. Sie: „Ich sag ja, dass das geht“. Die Frau weiß bescheid – aber mitm Landi von Stuttgart an den Bodensee. Die Moskitos sind moderat heute... Bewohner*innen der Bodenseeregion teilen mir aber mit, dass es dieses Jahr so schlimm wie schon lange nicht mehr ist...

 

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vor 18 Stunden schrieb J_P:

Ahh...Schwarzwaldbilder! Ich freue mich auf Mitte September, dann werde ich endlich den Westweg beenden, den ich Anfang Mai abbrechen musste. Danke für die Eindrücke! Bin gespannt wie es weitergeht.. ;) 

ich entsinne mich- schön dass du die tour weitermachst. wo steigts du nochmal ein?

 

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vor 2 Stunden schrieb effwee:

ich entsinne mich- schön dass du die tour weitermachst. wo steigts du nochmal ein?

 

OT: Bin eigentlich bis zum Titisee gekommen, aber da ich noch Zeit und Lust auf wandern habe, werd ich nochmal in Forbach starten...

bearbeitet von J_P

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Der Reisebericht ist klasse und dann noch die ganzen Bilder dazu.. Danke für deine Mühe.

Eine gute Art Deutschland mal von einer anderen Seite kennenzulernnen.. und trotzdem ein großes Abenteuer!

Jedenfalls irgendwie cooler als wie alle anderen in den Staaten einen der großen drei Trails zu gehen..

Zeit müsste man haben.. :-/

bearbeitet von J_P

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vor 47 Minuten schrieb J_P:

 

OT: Bin eigentlich bis zum Titisee gekommen, aber da ich noch Zeit und Lust auf wandern habe, werd ich nochmal in Forbach starten...

Aufstieg zum Feldberg und dann über den Belchen zum Blauen bis Kandern war für mich das Highlight des Westwegs. Viel Spaß!

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Tag 62

Das Thema mit den Wetterseiten und dem Tarpaufbau hatte ich schon einmal – und es stellt sich immer, dann wenn es nicht sonderlich wünschenswert ist – zum Beispiel um 5 Uhr morgens. Das Gewitter gestern hat keine Entlastung gebracht. Böig frischte es auf, daraus wurden relativ schnell sturmartige Böen und dann kamen noch schneller dicke Regentropfen dazu... Die vorherrschenden Winde am Bodensee sind von West nach Ost... mein Tarp hatte seine offene Seite gen Westen. Ergo: Nacht vorbei. Hastig packe ich mein Zeug zusammen und rette mich und mein Zeug unter das Vordach noch bevor es richtig runterkommt...Immerhin. Es gießt. DerWetterbericht, sagt dass das bis 10h so bleiben soll. Ab ca. 8h wird es so wenig und der Himmel klart auf, ich riskiere das loslaufen. Das rumsitzen und warten macht mürbe.

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Eriskircher Ried. Es ist drückend kaltschwül und Mosikots geherrschen den Luftraum. Bewegung minimiert ihre Chancen auf Futter. Es ist unerträglich. Ich kann nicht mal pinkeln, direkt habe ich 2,3 von den Viechern auf ...naja... also Einhalten.

Unter dem bleigrauen Himmel sieht, das Ried bedrückend und beeindruckend aus. Ersteres ist vornehmlich meiner Stimmung geschuldet - müde, schlecht gelaunt und E1-Kater. Ich habe gestern einen Thru-Hike abgeschlossen... schon gemerkt? Nee, noch nicht, aber eine latente Unzufriedenheit, die ich nicht greifen kann.

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In Langenargen Schloss Montfon wird schön angeleuchtet von der druchbrechenden Sonne, der Himmel bleigrau und schwer, die Alpengipfel begrenzen in scharfgeschnittenen Kanten den Horizont, der Wind wühlt es See auf... es ist beeindruckend , diesen Morgen...dann doch auch. In Langenargen verliere ich den Weg, finde dafür Kirschen.

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Finde den Weg wieder, werde vom See in Obstanbau geführt und erreiche gegen Mittag den mondänen Teil Lindaus, etwas später den Touristischen und es gibt Espresso, noch einen... nach einer längeren Pause, in der ich meine Einkaufsspot für die österreichische Etappe plane schlumpfe ich weiter. Fancy Eísdiele: Rote Beete mit Schokosplittern – Abgefahren! Und Superlecker!.

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Ich laufe aus Lindau raus und komme zum Verladebahnhof – es kommt nochmal richtig runter. Mein Lustlosigkeit, wünscht sich, dass ich hier unter dem muckeligen Vordach bleiben kann – mit all den anderen gestrandeten. Es hört nach einer Stunde oder etwas mehr auf. Es ist schon späterer Nachmittag. Ich checke Wetter. Die Nacht soll es noch einmal ordentlich runterkommen. Hostel in Bregenz? Camping an der Grenze? Stealth irgendwo? Ich laufe erstmal zurück und hole Wasser für eine etwaige Nacht. Und laufe los gen Grenze.

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In Zech (aslo 4 km hinter Lindau) habe ich ein Einsehen mit meiner Lustlosigkeit und geht auf den Camping. Suche mir einen Platz mit dem ich ein etwaig hereinziehendes Gewitter überstehen kann. Kaufe mir zwei Bier, bestelle Brötchen für den Nächsten Tag und habe einen netten Schnack mit einer Radwanderin. Den Regen verpenne ich...

 

Tag 63

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Rührig fragen mich meine Nachbar*innen ob, ich die Nacht ob des Regens gut überstanden hätte. Ja habe ich. Meine Laune ist auch spürbar besser. Klar: Snickers-Brötchen mit Nutella. Gute-Laune- Garant! Und das Wissen den Gewalten der Natur gestrotzt zu haben... ich glaub ich habe einfach nur gut und ausreichend geschlafen und schlechte Laune hat jeder mal.

Immer am Ufer entlang geht’s Richtung Bregenz. Hier mache ich einen kurzen Schlenker in die Stadt rein – Voralpenresupply: Viel viel Schokolade gegen die (Ver)Hunger-Panik beim Höhenmeter machen. Um es vorweg zunehmen: 2600km und ich hab's nicht raus bekommen und immer zu viel Essen mit mir rumgetragen. Also in Bregenz btw zweites Frühstück – Polster anlegen. Meine GPX sagen ich soll auf den Bregenzer Hausberg, den Pfänder. Irgendwo hier soll auch die „ganz offizielle“ 2000km Trail-Kilometer liegen – ich habe sie hier mal pie mal Daumen gesetzt, wahrscheinlich war sie schon deutlich früher... Die Markierungen sagen niks über einen E5 aber über Wegmarken die ich kenne, also Orte die durchqueren soll. Ich treffe einen Barfusswanderer, der mir einen netteren Aufstieg empfiehlt. Kool. Steil, wurzelig und felsig. Ich klatschnass geschwitzt, keine Aussicht weil Wald... aber der Gipfel ruft.

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Irgendwie komme ich zwischen dem Hauptgipfel und dem Südgipfel an – Pfänderdohle. Meinen Weg und auch alle Markeirungen waren zwischenzeitlich nur halb aussagekräftig. Meine 2000er Marke habe ich somit verpasst und setzte sie abermals willkürlich hier oben. Foto. Pflichtübung. Kein Tamtam.

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Ich laufe immer auch auf der Suche nach dem Weg und mit beständigem Blick aufs Telefon aka Navi Richtung Dreiländerblick. Ich muss mich weiter mit Ortsnamen durchhangeln, weil eine E5 Markierung gibt es nicht, oder meine GPXies erzählen Blödsinn. Es gibt ja Menschen, die sowas abenteuerlich finden. Ich finde es kolossal nervig. Ich bin Streckenwanderer. Ich will die Wege laufen und nicht suchen. Laune im Eimer. Der Himmel sieht spektakulär und bedrohlich aus. Immer mal deutet er an was er bedeuten könnte: Regen.

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Wetter, Gemüt und unklare Schlafplatzoptionen lassen mich einfach weiterlaufen. Manche Dinge lösen sich ja von alleine, mache auch nicht, aber ich habe Strecke gemacht und kann am Ende sagen, wenigstens weit gekommen... in Lingenau, komme ich an die Grenzen dieser Haltung und beginne nach Pensionen und Gästezimmern zu suchen. Am Marktplatz ist eine Touri-Infotafel und ich finde einen Camping. Umweg zwar nach Hittisau. Ich hab ja eh keine Markierungen oder ich laufe die ganze Zeit eh freestyle und irgendwie ist es eh die Richtung so ungefähr, also was ist der Unterschied? Ich laufe also zum Camping Feurstein.

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Absurder Spot. Er erscheint mir wie die dörfliche Dauercamper-Variante von Jörg Fausers Kurzgeschichten. Eine Mischung aus familiärem Wohnzimmer, Dorftreffpunkt und Dauercamper-Kneipe, Holzvertäfelung, charmant Chaotisch. Die Besitzerin führt den Laden seit über 30 Jahren. Ich komme mir irgendwie deplatziert und genau richtig vor. Ich unterhalte mich mit einem Typen, der wirklich total durchgeknallt ist, er hat in einer -achtung Wortwitz: - in einer dreibändigen Trilogie seinen eigenen Schöpfungsmythos geschrieben, sucht einen Verlag und preist ungefragt allen sein Buch als Antwort auf alle Fragen an und freut sich seinen Wodka nicht mehr alleine trinken zu müssen und endlich mit jemand zu sprechen, der auf einem ähnlichem intellektuellen Niveau unterwegs ist, wie er. Meine Qualifikation: Ich habe fallen lassen, dass ich Studiert bin und ich bin bereit zuzuhören... ich steige aber sehr bald aus, weil in diese Sphären in denen er unterwegs ist, in die möchte ich nicht vordringen. Aber am Ende bin ich recht betrunken...

 

Tag 64

Ich schlafe lange und frühstücke ausgiebig. Ich erfrage noch einmal einen Blick in die Karte um meine Weg Situation zu klären – meinen GPXies traue ich nicht. Sie sagt sie kann mich nahc Hittisau fahren, falls ich noch was einkaufen müsste, was ich verneine, dann würde sie mich bis ins Lecknertal fahren, der Weg bis dahin sei eh nicht so schön und da gehe es auf jedenfall auf den E5... ich gucke auf die Uhr. 10. Ich bin leicht verkatert und für mein dafür halten recht spät dran. Ich sage ja und denke mir das das eine gute Rechnung ist. Trotzdem um 10 am kooleren Teil des Trails und 5km Roadwalks gespart um irgendwie wieder auf Trail zu kommen. Wir unterhalten uns sehr nett über Landleben in Österreich und warum für das Landleben eine relative kommunale Eigenständigkeit wichtig sei...

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Sie lässt mich 500 Meter vor der Mautstation raus mit den Worten „Damit Österreich in guter Erinnerung bleibt“ - hat sie sich als Botschafterin verstanden eines Landes verstanden, dass dato eher mit den Vega Boys assoziiert wird, und etwas Werbung braucht, schmunzel ich ihn mich hinein... „Das tue ich“ und laufe los. Direkt an dem Flüsschen entlang, auf kleinen Pfaden. War aber nur ein shortcut... Roadwalks stehen erstmal an. Das Tal ist voller Hofläden. Kühlschränke voll mit Milchleckereien... hmja, bin noch satt von Snickers Brötchen... und mein Rucksack ist ziemlich voll mit Futterpanik... Ich schaue mir wechselnd Auslage, Wolken und Berge an. Ich mag ja an Bergwanderungen, den Aufstieg durch das Tal – es hat für mich eine wunderbare Spannung. Die Berge werden immer größer, das Tal immer enger, irgendwann kommst du an den Punkt an dem es steil bergan geht und dann vielleicht weißt du, wo genau dein Pass ist über den es heute rüber geht... diese sich aufbauende Spannung, die Erschöpfung des Anstieges, die Rückblickende Versicherung was alles geschafft wurde macht für mich die Passquerung erst zu dem erhabenen Moment, der sie nun mal ist. Also laufe ich weiter auf der Straße, folge den Schildern Richtung Hochgrat. Kurz vor dem Leckner See stehe ich an einer Kreuzung, ich könnte entweder Gradeaus auf Wegen zur Hochgrathütte oder auf Steigen. Beides dauert ungefähr gleich lange. Ich entscheide mich für Letzters. Hadere beim Aufstig, weil die Markierung recht mau ist und weil die Serpentinen doch ersteinmal recht ausladend wieder in der Tendenz zurück Richtung Hittisau zu führen scheinen. An der Rohnealp kommt dann auch der Steig, vorher Wirtschaftswege.

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Die Aussicht ist, trotz oder gerade wegen der Wolken grandios. Es wird steil im Anstieg. Knackige 200 Höhenmeter und dann... Menschen, Menschen, Menschen... ich bin auf der Nagelfluhkette, auf einem Premiumwanderweg (mit dem Namen „Luftiger Grat“ und wieder in Deutschland. Huch, das ging aber schnell.

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Der Name des Weges ist Programm: Gratwanderung. Wunderschön. Die Wolken, der Nebel, der Wind verwandeln die Szenerie im Sekundentakt: Von einem White-Nothing mit 100 Metern Sicht, hin zu Wolkenfetzen die vom Wind über den Grat getrieben werden... nur blauen Himmel gibt’s erstmal nicht. Aber Grautöne sind auch was sehr schönes.

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Das Staufner Haus lasse ich liegen – zu faul für den fünfminütigen Abstieg und laufe direkt zum Hochgrathaus. Heißer Kakao. Pause. Es ist erstaunlich frisch und sehr windig. Dennoch bin ich nassgeschwitzt ob des immerwährenden auf und ab's... Das soll heute auch Thema des Tages sein.

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Weiter geht’s zum Hochgrat – 1834m, höchster Punkt meiner Reise bisher. Sicht gleich Null. Trotzdem sind viele Menschen hier. Ich laufe weiter Richtung Rindalphorn. Es wird leerer. Ich bin wieder für mich alleine. Sehr angenehm. Die Menschenmassen kamen doch recht unvermittelt. Es gibt keine Fernsicht. Es stört mich nicht. Der Nebel gibt der Stille etwas mystisches – unterbrochen freilich von Kuhglockengebimmel.

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Der Rindalphorn wird umlaufen – also erstmal runter. Der Weg ist stark erodiert und rutschig. Mir ziehts einmal die Beine weg. Das hat ziemlich wehgetan. Kurzer Schreck. Der Weg ist steil, aber nicht exponiert. Also nur der Schreck, aber sonst keine Gefahr. Meine Hand tut ziemlich weh – gibt n ziemlich fetten blauen Fleck. Und dann geht’s wieder hoch. Burralpkopf.

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Irgendwo zwischen hier und dem Sedererstuiben setzt sich die Sonne gegen die Wolken durch und den Aufsteig zum Stuiben mache ich in strahlender Sonne mit grandiosen Fernsichten. Vesicherte Stellen dürfen auch nicht fehlen.

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Den Steineberg umlaufe ich an seiner Nordflanke (das war das Appetizer Foto ;)) Ein letztes Mal Aussicht genießen. Dann beginnt der Abstieg. Bei der Vorderen Krumbachalp gucke ich kurz beim Käsen zu und laufe gefällig und bisweilen knieunfreundlich bis nach Gunzesried.

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Hier löse ich mal dan ganzen Orgakram vvom Bodensee auf: Ich habe demnächst Geburtstag, meine Freundin kommt vorbei. Da das Wetter aber nicht freundlich vohergesagt ist, haben wir uns entschlossen ein paar Tage in München zu machen. Also ich kann mir jetzt die Zeit totschlagen und noch weiter bist Oberstdorf morgen laufen oder es auch sein lassen und schon heute nach München fahren (meine Mutter wohnt auch da und sie besuchen – wir haben uns auch schon länger nicht mehr gesehen). Also ruf ich meine Mutter an. Passt. Ich checke ob ich einen Zug nach München krieg. Ok. 5Km und in einer Stunde fährt der Zug. Challenge accepted. Nach 10 Minuten sind wegen einer Baustelle sämliche Trailmarkierungen weg. Ist auch eine willkommenen Ausrede. Ich halte den Daumen raus. Erstes Auto Lucky Me!

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Eine Frau, die mir umständlich erklärt, dass sie das erstmal Tramper mitnimmt und ich ihr doch bestimmt nichts tue – ich gucke sie verwundert an. „Hallo, das einzige gefährliche an mir ist, dass ich seit ein paar Tagen nicht geduscht habe und ich stinke, ansonsten bin ich sehr harmlos“ gebe ich zurück und dann erzähle ich viel über meine Mutter, meine Tochter und meine Freundin – das beruhigt. Natürlich komme ich nicht umhin zu erklären, warum ich so lange ungeduscht bin. Auch das tue ich. Sie bringt mich zwar nicht bis zum Bahnhof aber nah genug dran, dass ich entspannt hinlaufen kann. Als ich beim Aussteigen frage wie ich am besten hinkomme, merke ich, dass sie immer noch total aufgeregt ist und mir wirklich sehr wirr und umständlich erklärt wie zu laufen habe – manche Abenteuer fangen für manche dort an wo sie zum ersten Mal einen Tramper mit nehmen, denke ich mir. Zum Glück gibt’s Google Maps, mit ihrer Beschreibung hätte ich den Zug sicherlich verpasst... Musik auf die Ohren und auf gen München.

Und weil die wahren Abenteur ja bekanntlich im Reisen mit dem öffentlichen Personennahverkehr zu finden sind – sei noch diese Episode erzählt: Schienenersatzverkehr. Ich steige in den Bus, der Busfahrer zeigt rechts an meinem Kopf vorbei und sagt „Vorsicht“. Ich sehe ungemach, in Form eines stechenden Insekts oder etwas an dem ich mir den Kopf stoßen könnte, drehe mich, sehe nichts. Er noch mal „Vorsicht“ mit dem gleichen Fingerzeig. Ich gucke ihn irritiert an, bewege mich aber nochmal wegduckend eine imaginäre Wespe abwehrend... die sind ja aber auch verdammt schnell, manchmal „Was,Wo?“ Frage ich. „Pass auf, dass du mit deinen Stöcken hier keine Kratzer machst“... Ich hatte ich für ein paar Minuten vergessen, dass ich in Bayern bin. Ja, danke auch.

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Ein paar Bieren, folgen ein paar Zeros... es gibt einen Geburtstag zu feiern, es gibt Wiedersehen zu feiern, meine Schuhe aus Pforzheim sind schon durch und ich muss in München neue organisieren, es gibt eine Alpenüberquerung zu planen, es gilt es nach 2100km etwas auszuruhen, es gilt einfach die Zeit off Trail zu genießen... am Ende waren es acht Tage off. Und dann startet als Sahnhäubchen noch ne Alpenüberquerung, oder für die Zahlennerds 480km. 21000 Hm hoch, und 20000 runter...

bearbeitet von effwee

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here we go again...

 

8 Zeros waren es dann schlussendlich... damit hat sich so ein wenig das Gefühl eingestellt, dass mein E1E5 Thru-Hike zwei separate Trail waren, die zwischen Konstanz und Sonthofen locker verbunden sind, der starke landschaftliche Kontrast und die Trail-Charakteristik haben das ganze noch bestärkt... aber es ist okay. ich mein ich weiß ja was ih gemacht habe ;)

 

 

Tag 72

Ich komme sehr spät in Sonthofen mit dem Zug an. Viel steht nicht heute an. Soweit wie möglich Richtung Oberstdorf. Beim Supermarkt kaufe ich mir nochmal Wasser, das ich während der Fahrt getrunken und habe und schlendere langsam aus Sonthofen auf den Illerdam. Die Alpen werden schön rötlich illuminiert und werden mit jedem Schritt etwas größer – ich mag es einfach. Ich mache mir an der Iller etwas zu Abend – auf dem Damm ist viel los.

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Es gibt bei Fischen ein paar Teiche und einen Wald – so der Plan. Passt. Finde was nettes. Heute 3,4 Kilometer und ungefähr null Höhenmeter.

 

Tag 73

 

Ich laufe gen Oberstdorf, werde umgeleitet und verlaufe mich erstmal. Die Iller in Oberstdorf ist eine Großbaustelle, nicht nett anzusehen, Ursprung meines Verlaufens und eine gute Vorbeireitung auf Oberstdorf. Es ist häßlich. Eine beliebige Ansammlung von alpin bis outdoor Nippes, schlechter Kaffee und unfreundlicher Service... ich weiß gar nicht mehr genau warum ich reingelaufen bin, irgendwas wollte ich in einer Drogerie kaufen – habe eh keine gefunden. Also nur Kaffee...

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Ich laufe los Richtung Spielmannsau, Tags zuvor hatte ich in @Martin von Dannen's Insta Account gelesen, das 40 Mio Menschen in D-land sich als Wandernd bezeichnen bzw. gelegentlich wandern gehen... er traf keine, klar die waren alle bei mir. Ich mache Tempo. An der Spielmannsau trennt sich das Publikum dann merklich. Tageswandernde bleiben hier und je größer der Rucksack umso deutlicher erkennbar, hier sind jene am Start, die das laufen was alle unter dem E5 verstehen Oberstdorf-Meran... Und ich mitten drin, in Turnschuhen und mit Daypack (in relation).

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Auf dem Weg treffe ich Stefan und Steffi aus Münster. Ich laufe ihm in seine GoPro aufnahme und kommentiere die auch noch, bester Start für eine gute Freundschaft. Wir laufen tatsächlich gemeinsam bis zu Kemptener Hütte, unterhalten uns viel über alles mögliche und ich flimmere jetzt irgendwo in Münster durch irgendwelche Wohnzimmer, wenn die beiden videogestützt von ihren Abenteuer erzählen. Viel „aaaah“ und „ooooh“ auf dem Aufstieg.

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Es gibt einige sehr matschige Schneefelder und einige sehr weiße zu queren, der Weg ist schön – gefällig im Vergleich zu dem was noch kommen wird, das hindert mich nicht schon jetzt begeistert zu sein. Am meisten begeister mich eine SchneefeldUNTERquerung! Ich hatte bei solchen ausgewaschenen Tunneln mich immer gefragt wie es sei durchzulaufen – jetzt weiß ich es. Nass und beeidruckend!

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Entspannte 3 Stunden später sind wir auf der Hütte. Brechend voll. Ein gemeinsamer Snack. Beide checken ein, ich laufIMG_5375.JPG.ec26af32c875daf2fe786f8b9365cacd.JPGe weiter.

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Aufstieg zu Mädelejoch.Es ist deutlich ruhiger hier. Klar, alle hängen in der Hütte, und NoBo's kommen mir grade nicht entgegen. Am ikonographischen Grenzschild noch schnell n Foto. Aussicht genießen. Der Abstieg ins Tal der Simms ist wild und beinah Menschenleer, hier kommen mir ein paar NoBo's entgegen.

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Ich entscheide mich für de Simmswasserfall, statt für die Hängebrücke auf dem Weg nach Holzgau. Als ich unter ihr herlaufe, weiß ich warum.

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In Holzgau, ergänze ich mein Abendessen um irgendwas auf, dass ich Lust habe, frische Tomate in dem Fall. Und laufe weiter die Lech entlang. Asphalt. Isso. Bin schon öder Asphalt gelaufen. An einer Quelle finde ich einen Pennspot. Ich weiß nicht was und wie es passiert ist. Aber ich habe mich kaum Bettfertig gemacht und gemütlich auf die Matte gefläzt merke ich wie der komfort immer weniger wird, erst mein Steiß und langsam der Rest des Körpers auf den Boden sinkt. Ein Loch1 Na toll. Also mache ich mich auf die Suche. Ich finde es. Geil. Also schnell noch flicken. Done. Good night. Doch nicht ganz. Es geht jetzt nur langsamer, aber ein Loch ist immer noch da... Ok. Nachpusten des nächtens, kennste ja und morgen weiter suchen.

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Waschen? :D

Tag 74

Die Nacht war... so lala, lalala... okay sag ich mal. Ich habe die Nacht mit dem Fussende meies Quilts eine weitere Nacktschnecke ins Jenseits befördert, wie gestern schon. An der Quelle mache ich mich auf die Such nach dem weiteren Loch. Found it. Direkt auf der Rückseite des anderen Lochs- echt? Wie. Klar. Ich habe gestern schon versucht, die Matte von trockenem Schneckeschleim zu reinigen, in einem Moment der Unachtsamkeit bin ich wohl auf den Teil der Matte getreten, der auf dem Boden lag und dort lag sie nunmal auf einem spitzeren Stein. Egal Loch geflickt. Frühstück! Hier treffe ich den Berliner mit dem 25kg Rucksackmonster von gestern wieder. Er hat die Nacht in Holzgau im Hotel gemacht, weil er keinen Pennplatz mehr gefunden hat. Wir schnacken kurz, er zieht weiter, ich frühstücke weiter.

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Die Madausschlucht schenken sich viele E5 Wander*innen und lassen sich mit dem Taxi zum Traileinstieg shutteln, ich verstehe es nicht. Der weg ist gefällig, manchmal spektakulär und und wird auf den letzten Metern immer wilder. In der zwischenzeit haben mich drei Busladungen E5er überholt (wirklich, zwei Sprinter und ein T5, also viele Menschen). Wandernd treffe ich nur den Berliner wieder. Wir laufen ein Stück gemeinsam.

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Ich komme alleine am Traileinstieg an -wobei ich ja die ganze Zeit on trail bin – und mit mir kommt eine ganze Sprinterladung geführte E5er an. Puh. Also. Es soll jetzt knackig hoch gehen, ich mach erst mal Pause und schiebe mir ein paar Schokokalorien in Erwartung der Höhenmeter rein. Eine Frau fragt mich ob ich auch, darauf warte meinen Rucksack mit der Seilbahn hoch zu schicken. Entgeistert gucke ich sie an: „Äh..nein.“ Ich weiß a gar nicht, dass das geht, kenne nur den Taxi-Service erkläre ich mich, sie wiederum erklärt sich, dass sie ja ohne Rucksack viel schneller seinen – verstehe ich. Es sei ja auch schon 12 Uhr und so spät, nicht, dass es da oben keinen Platz mehr gebe usw. usf. Ich esse weiter Schokolade und merke das ich ihre Frage wirklich als Affront gesehen habe... ich schleppe meinen Pack doch nicht 2100 Kilometer hierher um ihn dann wie ein profaner E5-Massentourist in eine Seilbahn zu packen. Egal.

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Ich laufe los, der Weg ist voll mit den ersten beiden Busladungen, ich überhole alle. Auf den letzten Metern kann ich mir meine klammheimliche Freude nicht nehmen lassen und fragte einen den ich gestern auf der Kemptener Hütte getroffen hatte, in welchem Bus er saß – dem ersten. Yes! Billig ich weiß, aber es sind manchmal die kleinen Biestigkeiten, die auch Spass machen. Auf der Hütte laufe ich mit einer Sympathischen Mutter mit ihrem 16 jährigen Sohn ein. Die Hütte ist fast leer. Ich habe für den Aufstieg keine zwei Stunden gebraucht. Trail legs galore! Ich setzte mich hin genieße die Grandiose Aussicht, bestelle mir eine Suppe und sehe nach und nach die Massen einlaufen. Mit einigen die ich gestern schon gesehen habe unterhalte ich mich etwas. Irgendwann, ist es mir zu voll und ich gehe weiter. Aufstieg zur Seescharte.

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Ich komme an Unteren Seewisee vorbei, direkt an der Hütte, schön. Ich weiter auf, durch etwas ruppigere Pfade und Schneefelder und komme an den Mittleren Seewisee. Ein Traum aus Eis und Schnee.

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Ich bin fast versucht hier mein Tarp aufzuschlagen und mich weiter satt zu sehen. Es ist mir aber mit frühem Nachmittag viel zu früh und viele Kilometer waren das auch nicht. Also weiter – nach langem hadern zugegeben. Der Aufstieg zur Seescharte führt durch fieses Geröll. Es ist anstrengend. Oben angekommen...WOW!

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Ausblick Richtung Zamer Loch, die Silbernadel, Schweinrücken... wunderschön und es ist menschenleer. Ich steige langsam ab. Kurz unterhalb des Abzweigs zur Württemberger Hütte finde ich einen Spot, der gerade, flach, groß genug für ein Tarp ist und eine Bombenaussicht hat!

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Etwas früh. Aber hey bin ich in den Alpen um in Tälern zu schlafen? Nein. Wetter ist stabil und solls auch bleiben. Also... scheiß auf das runterreißen von Kilometern... ich bleibe hier. Wunderschön ist. Und langweilig ists auch nicht, ich muss weil der Wind immer wieder dreht, mein Tarp zwei mal Umbauen, am Schluss als tiefabgespanntes A-Frame, eng aber ok. Als ich das mache höre ich ein „Mahlzeit!“ ich fahre vor Schreck zusammen. Es ist schon fast Dunkel. Krass. Was? Ach der Berliner mit dem Monsterrucksack. Der hat direkt auf einer anderen Stufe was gefunden.

 

Tag 75

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Um 4.15 Uhr treiben mich Harndrang, Kondenskälte, Wind und innere Uhr aus dem Bett... Sonnenaufgang. Wunder-, wunderschön. Eiskalt, aber wunder,-wunderschön. Ich schlottere gefühlte 100 Fotos runter, packe mein Zeug und schnacke nochmal kurz mit meinem Nachbar. Auch alles Nass und kalt, aber grandiose Aussicht.

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Es kommen 1000 HM abwärts durch fieses Geröll. Unten im Lochbachtal angekommen, Klamottenwechsel, bin warm gelaufen, Zähneputzen, die haben zu sehr geschlottert da oben. Das Lochbachtal ist wild und menschenleer. Ich treffe zwei Jäger und frage sie was sie alles so jagen „alles was vier haxn hat“ -klar... aber was hat hier alles so zwei haxn?... Das Lochbachtal ist wild und gefällt mir sehr, zudem die Morgensonne es wunderbar in Szene setzt.

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Das Tal verengt sich zum Zamer Loch und wird und glaublich spekatakulär. Leider ist das Licht extrem blöde um Fotos zu machen – aber es bleiben ja die Erinnerungen. Ich treffe beim Abstieg Björn und Nils. Beide machen gut Tempo, wir sind eigentlich recht gleich schnell unterwegs. Statt PingPong im Überholwechsel zu spielen laufen, bzw. rennen wir einfach zusammen das Zamer Loch runter. Dabei kommen wir auch dazu uns etwas zu unterhalten. Die beiden wollen die Kaunergrat-Variante laufen, mehr Überstiege und weniger Menschenmassen – letzteres hört sich sexy an. Wir laufen weiter bis nach Zams. Dort checke ich in deren Rother, die Variante, fotografiere alle relevanten Infos und wir verabschieden uns. Ich habe keine Ahnung wie weit das ist, die Infrastruktur sieht mau aus, also gehe ich viel viel essen einkaufen. Lade noch einmal ausgiebig mein Handy und die Power-Bank in einem Cafe und stetz mich dann in die Venet-Bahn und lasse mich und viele andere hochgondeln. In der Seilbahn ist eine junge Frau mit Höhenangst, auf der halben Strecke ist sie in Tränen aufgelöst an die Brust ihrer Mutter gedrückt – sie tut mir leid.

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Oben angekommen schnell von den Massen trennen, nochmal 300 HM auf die Glanderspitze, diesmal zu Fuß. Oben ist die Hölle los. Also weiter, auf auf dem Grat Richtung Kreuzjoch. Die Aussichten sind grandios. In meinem Rücken braut sich jedoch was zusammen... hm. Regen nur, Gewitter? Und Wann und Wo zieht es eigentlich hin? Ab jetzt immer den Blick Richtung Himmel und in die Landschaft, wenn ich nicht gerade auf den Trail gucke, der ist an manchen Stellen ziemlich ausgesetzt. Am Kreuzjoch stehe ich vor dem Schild gehe ich durch das Pitztal, 35 Km an der Straße entlang oder wie alle im Bus? Oder gehe ich die Kaunergrat Variante? Ich habe für letzteres schon eingekauft, das war doch eine Entscheidung. Ich steige ab nach Piller. Nochmal 1000 oder mehr HM runter – aaaaauuuuuaaaaa! Verdammt, es tut weh! Ich gehe sehr langsam. Ich hätte in so nem komischen Anflug von männlicher Pimmel-Soli mit Björn und Nils das Zamer Loch runterrennen sollen, das ist toxische Männlichkeit und deshalb ist sie gefährlich. Macht auch Kniee kaputt... ist jetzt so. Jurz vor Piller finde ich was zum Ablegen und knall mich für eine Pause erstmal hin, ich bin müde ich bin siet über 12h wach, meine Knie schmerzen und zur Aifneralm, meinem heutigen Ziel sollen es nochmal 700,800 Hm hoch gehen. Ich döse tatsächlich für ne dreiviertel Stunde weg.

In Piller finde ich erstmal keinen Weg und mein Wasser ist bis auf eine psychologischen Restschluck aufgebraucht. Ich laufe dennoch gen Aifneralm, Wasser kommt schon. Der Weg ist gefunden, es fängt an zu regnen. Kein Donnergrollen. Nur Regen. Sehr Gut. Ich finde Wasser an einer kleinen Quelle, der Aufstieg ist immer wieder von Schauern begleitet... in die sich so langsam ein Donnergrollen mischt und es dazu noch anfängt böig aufzufrischen. Gewitter und ich bin im Aufstieg. Aber im Wald. Kartencheck. Aifneralm unterhalb der Baumgrenze. Exponiertes meiden, sofern geht, und so trocken wie möglich zur Alm kommen – Masterplan. Hagel und Gewittersturm zwingt mich zu zwei ausgedehnteren Pausen.

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Schlussendlich komme ich doch recht trocken auf der Alm an. Schlafen kann ich hier nicht, sie bieten mir aber ein Stück Wiese an, dass Wind und Gewitter geschützt sei, die Nacht soll es nämlich nochma runterkommen. Ich wärme mich in der Stube auf, ich trinke zwei Bier für die Bettschwere und unterhalte mich mit den Gästen ein wenig.

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Schlafenszeit. Ich finde einen nicen Spot und baue auf und verkrieche mich in meine warmen Schlafsack. Ich bin ziemlich fertig...

 

 

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Tag 75

Ich werde in der Frühe wach mit einem grummeln, ziehen und latenten Druck in der Magengegend. Ich wälze mich mich von A nach B um Positionen zu finden in den es sich weniger elend anfühlt. Embryonal geht ganz gut. Zwei mal stehe ich auf , weil es sich kurz vor übergeben anfühlt. Es ist 4 Uhr irgendwas. Und leicht nass geregnet bin ich auch noch, weil es wie angekündigt die Nacht noch geregnet hat und ich dann doch es mir recht am Rand des Tarps bequem gemacht habe. Ich döse zwischen Magenkrampf und Nieselregen noch ein wenig Zeit weg immer auch in der Hoffnung dass sich an meinem Zustand etwas verbessert- Übergeben vielleicht als Spannungsabbau... Tut es nicht. In einer Regenpause, stehe ich endgültig auf und packe meinen Kram zusammen, versuche mich an Salzstangen zum Frühstück – geht gar nicht und laufe auf nüchternen Magen und wahrscheinlich bleich wie der Nebel der mich umgibt los.

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Die Kühe werden nach dem Morgenmelken wieder auf die Weide getrieben, es ist kühl als ich gegen 6 Uhr aufbreche, im Kaunertal hängen Wolkenfetzen und ich bin nach wenigen Metern kaltschweißig nass, jeder Schritt fühl sich schwer an... geht aber so lange es keine Steigung gibt. Der Panoramaweg tut mir erst mal den Gefallen. In meinem Elend grübel ich über zwei Dinge wo's herkommt und was mache ich wenn's nicht mehr geht... Als Grund habe ich Quellwasser in Verdacht. Und was wenn's nicht mehr geht? Falkaunsalm, das sind 1,5h. Vielleicht kann ich dann da bleiben und wenn nicht, irgendwer fährt vielleicht ins Tal und kann mich mitnehmen... da werde ich erst mal Tee und Brühe ausprobieren und schauen was das mir mir macht. Im ersten Anstieg stelle ich mir die Frage ob ich das wirklich bis dahin schaffe. Ich mobilisiere ein paar Reste Selbstachtung und mentales Irgendwas, das mir mein nöhliges Elend und die Lust am Leiden gelassen haben und zwinge mich Schritt für Schritt mich meinem Ziel zu nähern und wenn es den ganzen Tag dauert... (mal abgesehen davon, es hat sich wirklich hundeelend angefühlt, körperliche Reaktionen wie auf eine leichte Vergiftungserscheinung – Kaltschweiß, Bauch hart gespannt, schwach...- und was mach ich? Ich geh wandern).

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Der Panaromaweg ist eigentlich wunderschön, die ganze Szenerie ist Wolken und Nebelverhangen, wunderschön, zumindest wenn ich es bewusst wahrnehme in den lichten Momenten aus denen ich auch meiner Innenwelt den Blick nach aussen richte. Nach 1,5 Stunden erreiche ich ein Schild auf dem steht, dass es noch eine halbe Stunde bis zur Falkaunalm sind. Ich heule fast. Hilft nichts. Also weiter. Die letzten Meter führen durch einen Wald, dieser öffnet sich unvermittelt, ich stehe auf einer Almwiese, die Falkaunsalm in Sichtweite, das Kaunertal, die Berge, Wolkenfetzen... zwei Stunden Höllentrip durch eine einsame Schönheit der Alpen.

Ich trinke einen Pfefferminztee, die Küche ist noch nicht auf. Gut. Das Internet ist leidlich. Ich eruiere meine Optionen, frage nochmal nach Übernachtungsmöglichkeiten im Tal – hier oben geht nicht. Pfefferminztee Nummer Zwei. Besser. Okay Step by Step: An der Galruttalm gibt es auch noch eine Abstiegsmöglichkeit. Mit den beiden Tee's im Bauch fühle ich mich so, als dass ich probieren möchte, wie es sich anfühlt weiter zu gehen. Gesagt getan. Hier gehe ich auf den Dr. Angerer Höhenweg. Ähnlich dem Panoramaweg. Schmaler Pfad in die Wiesen oder in den Fels gehauen, teilweise ausgesetzt. Neu ist er ist ziemlich aufgeweicht vom Regen, matschig, rutschig, teilweise sind kleine Stücke wegerodiert bzw. machen Anstalten dies demnächst zu tun.

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Das Wetter spielt ein faszinierendes Wolkenspiel. Alle fünf Minuten was anderes. Teilweise kann ich keine 20 Meter weit sehen um von jetzt auf gleich wieder Wolkenfetzen die steilen Hänge hochtreiben, manchmal jagen zu sehen. Es ist unglaublich. Mir geht es besser. Gut ist es nicht, aber das elend ist weg. Ob der Tee psychologisch oder real geholfen hat- Pfefferminz bei Magen geht ja immer weiß ich- die Mischung macht's. Ich will nicht drüber grübeln. In mir reift die Vorstellung, dass es heute bis zur Verpeilhütte geht und ich da eine Nero machen kann. Mich pflegen, meine Matte, die heute morgen zu allem Überfluss nach einem ruckartigen rumdrehen von mir anfing wieder Luft zu verlieren... Ich bin von diesen Luma's langsam genervt.

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Ich erreiche die Galruttalm , hier kommen mir das erste und das einzige Mal heute Menschen entgegen. Ich horche kurz in mich rein. Geht bis Verpeilhütte. Mehr aber auch nicht.

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Der Galruttbach fällt wild und spektakulär ins Tal, die Aussichten sind grandios. Es regnet, ich ziehe den Poncho an, es ist etwas schwieriger die Tritte zu sehen, geht aber. Es regnet mehr, ich finde einen Felsüberhang und stelle mich unter. Tja. Warten. Kann es eigentlich sein, dass das Wetter in den Alpen bisher schlechter war, als auf all meinen 2100 Kilometern bisher? Vor allem Nasser. Alpen.

Es wird weniger, ich laufe weiter. Bis zum Bodenbach. Ich stehe vor einem Schneefeld das dick und fett über dem kompletten Taleinschnitt des Bachs liegt. Okay. Niks besonderes, kenne ich. Der Weg sollte versichert über den Bach führen, da türmt sich jetzt zwei Meter dick Altschnee. So weit so gut. Es gibt aber auch keinen Weg drumherum und noch seltsamer keinen Weg drüber. Kein Trampelpfad, nicht mal ausgewaschene Tritte im Schnee, die darauf hinweisen, dass mal irgendwer drüber ist. Echt jetzt? Ich betrachte mir das Ganze noch einmal. Okay. Musste Drüber. Ich mache zwei Schritte auf das Feld, es ist schmierig geregnet, verharscht und sehr, sehr steil, 30% Gefälle vielleicht. Es hat sich weitere 100 Meter runter ins Bachbett geschoben – das wäre also meine Talfahrt. Mit Volldampf in ein felsiges Bachbett. Wenn's schiefgeht. Widerstand. Ich steige nörgelnd vom Schneefeld „Och nööö!“ Ich bin 1,5 Stunden hierher gelaufen.

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Ich eruiere noch einmal die Lage. Es gibt kein Verbotsschild, dass mich davon Abhält drüber zu gehen. Es gibt keinen Trapelpfad auf dem Schneefeld. Ich kann es nicht umlaufen, ich kann nicht drunter. Ich muss drüber. Ich weiß wie das geht. Ist nicht mein erstes. Ist auch nicht mein erstes kniffeliges. Ich atme tief durch. In einem Moment kontemplativer Selbstvergewisserung packe ich meine Stöcke aus, der eine lang der der andere kurz , während dessen betrachte ich das Schneefeld und suche mir eine Idealline. Ich atme tief durch und erinnere mich daran: jeder Schritt muss sitzen. Jeder Fehler kann hier tödlich sein. Ich mache meinen ersten Schritt auf den Schnee...

...ich weiß nicht wie lange ich im Schneefeld war, gefühlt eine halbe Ewigkeit. Es waren nur 10-15 Schritte. Ich habe unterwegs im letzten Viertel meine Linie etwas verzogen und kam zu weit oben raus... eine kurze Verzweiflung wallte auf... auf der anderen Seite angekommen guckte ich mir noch einmal an was ich da gemacht habe, zitterte die Restangst weg und begann wieder den Berg hoch zu kraxeln. Der Weg war aufgeweicht, Felstritte wackelig im nassen Erdreich, rutschig. Eigentlich ist der Weg unpassierbar dachte ich, warum gibt es keine Wegsperrung. Oben gab es eine Jagdstand. Ich setzte mich hin und ließ, die letzten halbe Stunde noch einmal ablaufen- aber es war ein sehr schwummriger Film, nicht greifbar. Ich esse Belohnungs- und Stressschokolade (-und mir wird nicht schlecht).

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Ich laufe Richtung Gsallbachtal, dass sich als wunderschöner Talkessel umrahmt von schwarzen Bergen präsentiert. Mordor denke ich schmunzelnd, während mal wieder Wolkenfetzen durchs Tal jagen und ich ganz alleine durch ein Blockschotterfeld balanciere, das schön mit Flechten überzogen ist und auch sehr rutschig.

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Ein Warnschild weist mich darauf hin, dass bei Regen und Schnee es gefährlich sei – ach ja. 2 Stunden noch bis Verpeilalm.

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Ich steige wieder hoch. Blicke zurück in den Talkessel. Mache einen kurzen Augenblickpause und genieße die Aussicht: Was du da gemacht hast chargiert irgendwo zwischen tiefsten Urvertrauen in dich und wahnsinniger Todesverachtung. Ich liebäugel damit es in Richtung des Ersteren aufzulösen, weil es mein Lebensthema ist und weil mir letzteres zu morbide ist. Ich laufe schön spektakulär weiter, die letzten Meter sind jedoch gefällig und doof zu laufen. Verpeilalm und des Rätels Lösung. Das entsprechende Warnschild, dass auf meiner Seite nicht da war.

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Die Almwirtin sagte sie wunderte sich schon warum niemand über den Weg heute käme und es so unglaublich ruhig heute auf der Alm sei.

Ich trinke noch einen Tee und laufe gemütlich zur Verpeilhütte hoch – nachdem ich mich versichert habe, dass der Weg begehbar sei.

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Immer am wild tosenden Verpeilbach entlang, 200 Höhenmeter noch einmal. Ich bin da. Es ist 14.30. Neroday. Suppe mit Nudeln. Einchecken. Matte flicken. Tee trinken. rumgammeln. Ich bekomme einen scheußlichen Wurzelschnaps von der Hüttenwirtin, weil hilft und Magen-Darm wollen sie hier oben nicht. Hilft und schmeckt ...scheiße.

Björn aus dem Zamer Loch kommt noch. Sein Bruder hat mit Magen Darm abgebrochen. Wir schnacken kurz. Das Madatschjoch ist wegen Geröllabgabg gesperrt. Es soll aber begehbar sein, es sind schon Leute drüber. Über das Verpeiljoch, soll nicht so schön sein und 3 Stunden länger. Es gibt zwei Fraktionen: die einen werden Versuchen drüber zu gehen, die anderen wollen umlaufen. Ich bin unentschieden. Würde aber mit einem Paar aus Memmingen es versuchen drüber zu gehen.

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Der Rest ist Hütten Diesdas. Ich gehe früh ins Bett...

 

Tag 76

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… ich frühstücke gut und viel, gestern habe ich mich weiter auf Suppen- und Tee-Diät gehalten. Ich breche mit dem Memminger-Pärchen auf. Jeweils 15 Kilo auf dem Rücken - für eine Hüttentour! - und 10 Jahre Altersunterschied (wobei ich eher dazu neigen würde ersteres stärker zu gewichten – als UL-Klugscheißer), unsere Wege trennen sich schnell. Psychologisch finde ich es dennoch gut. Björn ist schon um 6 Uhr aufgebrochen. Ich habe die Gewissheit wenn ihm was passiert finde ich ihn und ich weiß wenn mir was passiert finden die beiden aus Memmingen mich – nur ihnen darf nichts passieren, aber sie sind zu zweit. Wir sind eine Seilschaft, irgendwie.

Der Weg ist atemberaubend schön. Ich blickte auf die Madatschtürme, die Sonne scheint, der Blick zurück ins Kaunertal ist grandios. Und ich bin der einzige hier oben (klar wer ist auch so wahnsinnig und wagt sich auf einen gesperrten Weg). Es führt manchmal beinah weglos erscheinend in einen langgezogenen Talkessel flankiert von den Madatschtürmen und dem Schwabenkopf auf den Plagerosskopf und das Apres Madatschjoch zu...

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Die ersten Schneefelder, manchmal erkenne ich Björn Tritte manchmal nicht. Ich komme mir vor wie in diesen Trapperfilmen (gerne mit Charles Bronson) die ich als Kind geliebt habe... je weiter ich Aufsteige überkommt mich auch die Unsicherheit, was ist wenn ich nicht rüberkomme... ich laufe weiter.

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(Blick zurück)

Auf der Höhe der Vergletscherung fängt es an tricky zu werden, ihr ist eine wilde Mischung aus Geröll und Erdreich runtergekommen, kein Weg mehr, keine Trampelpfade jener die schon hier durch sind zu erkennen. Der Abgang ist aufgeweicht und hat sich noch nicht zusammengerüttelt, Jeden Schritt machen ich zwei Mal, manchmal rutsch mir der der Tritt um eine ganze Beinlänge weg und ich mache Spagat im Steilhang, ich krabbel mehr als dass ich laufe. Blödsinnige Idee! Ich finde wieder sowas wie ein Weg bzw. eine versicherte Stelle. Der Einstieg in sie ist weggerutscht. Erster „sicherer“ Tritt in 1,20 Meter Höhe oder eine improvisierte mit Seilen versicherte Umgehung mit besserem Einsteig, dafür gemein rutschiger Schotter und nasses Erdreich – ich nehme letzter Variante. Ab hier ist das schlimmste Überstanden. Ich kraxel hoch aufs Joch.

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Antistressschoki. Geschafft. Geil. Schöne Aussicht. Wo geht’s eigentlich runter? Versichert. Ausgesetzt. Steil. Roh in den Felsen, Stahlseile und schmale Tritte. Okay. Tief durchatmen. Der Boden ist da wo er nicht Fels ist weiches Erdreich und Geröll -rutschig, schwer zu gehen. Aber geht. Ich kraxel auf eine Abbruchkante zu und denke mir und jetzt? Ich sehe einen Leitereinsteig „Och nööö“ Ich mah ja Leitern gar nicht. Fokus-Modus an. Ich gucke gar nicht was mich alles erwartet sondern, step by step gehe auf die Leiter, anderen Ende stehe ich in Stahlstiegen mit Seilen versichert in einer 5, 10, gefühlt 50, 100, 1000Meter abfallenden Felswand, die ich absteigend in einer leichten eliptischen Kurve quasi traversiere. Ich bin nicht gesichert.

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Und bei aller Ruhe und meinem Mantra „Hart, aber isso“ (Danke Denyo für den großartigen Song) merkt mein Körper ob des ganzen Adrenalins, das ihn durchflutet auf den letzten drei Stiegen, dass hier irgendwas nicht stimmt und der Kopf ihm was vorgaukelt was nicht stimmt. „Hart, aber isso“ ist Synonym für Gefahr in der ich bin! Panikreaktion meines Körpers. Meine Oberschenkelmuskeln versagen und fangen an zu krampfen. Ich rolle mit den Augen. Hier! Am Abgrund! Sowas! Echt jetzt?! Ich gehe in ein Zwiegespräch mit meinen beiden Musculi Vastus Lateralis (-die beiden stressen am meisten) und versprechen ihnen Schokolade, Abzittern, Dehnung, Massage und alles mögliche, nur dass sie mich jetzt hier nicht hängen lassen, weil 2 Meter über festem Boden ungesichert in einer Felswand stehend, dass macht die Gesamtsituation nicht besser. Es wirkt semi-gut. Ich Habe aber das Gefühl, mental wieder Gewalt über meinen Körper zu haben und mache meine letzten 3 Schritte noch mal 3 für den stabilen Stand. Durchatmen, Abzittern, nach oben gucken... ich hasse die Alpen. Das war mentale Schwerstarbeit. Meine Oberschenkel brennen wie Hölle.

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Ich laufe Richtung Kaunergrathütte. Die Ausblicke sind grandios. Ich laufe noch durch eine geführt Gruppe, der Bergführer hält einen Vortrag über Alpenwetter und mustert mich von oben bis unten: Turnschuhe, kurze Hose; Hemd, Daypack – personifizierte Hybris am Berg, deute ich seinen Blick.

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Auf der Hütte treffe ich Björn wieder. Er ist am frühstücken und genießt die Aussicht. Zurecht. Niemand sonst ist auf der Hütte es ist herrlich still.

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Wir steigen gemeinsam ab und wechseln auf den Cottbuser Höhenweg. Es ist wunderschön. Der Blick ins Pitztal und die gegenüberliegenden 3000er (fasst alle irgendwas mit -kogel), die Rüsselsheimer Hütte und die Ahnung des Mainzer Höhenweges. Wir unterhalten uns über alles mögliche persönliches, belangloses, intimes, berufliches... es ist gut mal wieder Gespräche zu führen, die über Touren, Ausrüstung und Wetter hinausgehen. Nach einer längeren Pause oberhalb von Plangeross unterhalb des Steinkogels trennen sich unsere Wege. Ich muss nach Mandarfen Geld holen, er macht weiter Pause. Er gibt mir aber noch mit, dass später noch ein „feiner versciherter Steig“ kommt. Aha, das hätte ich nicht wissen müssen. Auf dem Weg merke ich,dass sich Angst und Unsicherheit ausbreitet. Das geht zu schnell. Ich verfluche die Alpen. Ich merke auch ein trotziges ich habe keine Bock mehr aufwallen. Ich bin froh wenn die Alpen vorbei sind.

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(jaah, das ist ein Weg und ich meine nicht den kleinen braunen flitzel links unten in der Ecke...)

Ich stehe vor dem versicherten Steig. Wo geht’s hier den runter, ich sehe gar nichts. Ich steh vor einer 20 Meter tiefen schartenartigen Einkerbung steil abfallend an einer Felskante. Okay. Ich sehe auf der anderen Seite wo der weg weitergeht und versuche herauszufinden was mich hier erwartet. Ich weiß es nur so ungefähr als die ersten Schritte nach vorne mache. Ich laufe erst mal parallel zum einer steil abfallenden Felsplatte die mich zum Scheitelpunkt oder einfach bis zu einer steilaufragenden und abfallenden Felswand führt – ihr sehe ich Stahlstiegen 10-15 Meter abwärts in den Fels gehauen. Über die Stiegen sickert Wasser. Sie sind schmierig rutschig, dass Sicherungsstahlseil ist so eng an den Feld gedübelt, dass ich es kaum umfassen kann. Ich fluche still in mich hinein. Der Fluch verhallt in der gefassten Ruhen meiner selbst in der ich Schritt für Schritt abwärts steige. Aufgerissene Finger und ausglitschen auf den Stiegen ignorierden. „Isso!“ Unten angekommen, renne ich die gegenseite quasi auf allen Vieren hoch „Use your Hate!“ Hoch mag ich das auch einfach lieber. Bis zum Rifflsee fluche ich ob der Alpen vor mich hin 3x in etwas 26 Stunden mein Leben zu riskieren ist doch kein wandern mehr. Fickt euch, Alpen! Ich bin froh wenn, ich hier mit Euch fertig bin. Nach Meran und aller spätestens nach Bozen wird alles besser usw.usf. … Der Rifflsee sieht von hier oben aus wie ein nachcoloriertes Alpenidyll auf den Postkarten meiner Oma.

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Kaum bin ich an der Bergstation der Rifflsee-Bahn holt mich die Realität des alpinen Tourismus wieder ein. Laute Musik, Menschenmassen. Ich fahre nach Mandarfen, in einen heißen Glutofen und einer Vorhölle aus Menschen, Alpennippes, Busladungen voller Tagestouristen, für die klassischen E5er bin ich zu spät, die sind schon auf dem Weg zur Braunschweiger Hütte bzw. haben sich schon die ersten Biere wahrscheinlich rein gestellt. Nichts desto trotz gönne ich mir Eis, kalten koffeinhaltigen Softdrink und was zu Essen. Es ist späterer Nachmittag und ich überlege ob ich noch bis zur Braunschweiger Hütte laufen soll. Zeitlich würde es passen und ich käme pünktlich zum Abendessen... oder entspannt und ich suche mir einen Biwakplatz auf dem Weg. Ich schlender Richtung Mittelberg und folge dem sich rasch verengenden Pitzetal... kurz vor der Gletscherhütte... ach komm' ich bleibe hier. Bett ist noch frei. Heiße Dusche! Klamotten waschen. Das erste Mal seit Sonthofen... Björn kommt später noch eingetrudelt. Bier. Schnack. Wie geht’s weiter. Er will am nächsten morgen früh raus und direkt nach Meran durchballern. Why not? Wir verabschieden uns schon einmal – vielleicht sehen wir uns nicht wieder.

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Tag 77

Wie verabredet weckt mich Björn um 6. Erläuft los, ich steh auf. Pack mein Gerödel. Frühstücke etwas und mache mich los. Ich wähle die Stanni-Route über den Wasserfall. Jägersteig – nur für geübte.

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Nee, hatte genug alpines Abenteurertum. Der Aufstieg zur Hütte ist um dem tosenden Wasserfall schön, nicht spektakulär. Schön eben. Ich steh dann auf einmal auf einer riesigen breiten Schotterpiste, die sich steil und in Serpentinen den Berg hochzieht. Nicht schön, aber irgendwie doch mit einem eigenen Charme beame ich mich weg und stelle mir vor ganz wo anders zu sein. Könnte es so nicht auch im Kaukasus aussehen? Es kommt wieder der Einstieg in den Singletrail Aufstieg, die ersten kommen mir entgegen. In anderthalb Stunden bin ich oben auf der Hütte.

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...Hier wird gerade das Chaos des Frühstücks beseitigt. Es riecht nach deutscher Jugendherberge. Björn sitzt drinnen an einem Tisch und trinkt Tee. „Ach Mensch...“ wir schnacken kurz. Das Rettenbachjoch ist zu. Vereisungen auf der anderen Seite. Pitztaljoch, versicherter Steig und so viel schöner. Versicherter Steig? Come on. Wir reden mit der Hüttenwirtin, sie sagt der Rettenbachabstieg sei auf 300 Metern komplett vereist und kaum passierbar. Das sei aber eh nicht so schön. Versichert, was heißt dass denn? Ausgesetzt? Stahlseile, Leitern das volle Programm? Genau informationen bekomme ich nicht. Björn meint aber es sei nicht so wild, das hatte er aber auch schon über den am Cottbuser Höhenweg gesagt... Er geht auf jeden Fall übers Pitztaljoch. Er schenkt mir seinen letzten Rest Teewasser und macht sich los. Wir verabschieden uns und einem rührseeligen Moment erzähle ich ihm, dass er auf all den 2300 Kilometern bis her der einzige sei der mich nun mehrere Tage am Stück quasi begleitet und das ich das was sehr besonderes finde. Hugs. Tschüss, zum zweiten Mal.

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Ich trinke Tee und schwanke zwischen „Isso“-Pragmatismus und Selbstmitleid. Ich frage noch mal die Almwirtin, sie sagt mir nochmal das gleiche. Was erwarte ich auch. Trotzig laufe ich los. Mache den Aufstieg schnell. Keine Zeit lassen zum denken, der Angst keine Zeit lassen – ich bin schneller, weil schlauer.Ich laufe die Flanke des Karleskopf entlang und auf den Grat zwischen ihm und dem Pitztaler Jochköpfle. Er wird enger, aufgesetzter. Versicherung direkt in der Felswand. Ich bin bin schon oben – das ging schnell. Befreidigt stelle ich fest. Es war nicht so schlimm und es hat die Wellen von Ängsten glatt gebügelt- gut für die Seele. Gut für die Psyche.

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Auf dem Joch genieße ich die Aussicht. Sehe die Bergschulen geführten E5er auf einer Perlenkette aufgereiht im Schneefeld, langsam absteigen. Ich unterhalte mich etwas mit einem Ehepaar aus dem Schwarzwald, sie wollten dass ich ein Foto von ihnen mache. Ob der Menschenmassen im Schneefeld nutzen wir die Zeit und schnacken etwas ausgiebiger. Die beiden laufen den E5 selbstorganisiert, bis Bozen. Von Oberstdorf aus. Und wo willst Du noch hin? Verona. Ah, den Ganzen E5. Und wo bist du gestartet. Ich druckse. Wie immer. Ähm, in Flensburg. Große Augen. Wow. Das ist ja großartig... was folgt sind, dann immer die gleichen Fragen: Wie lange unterwegs, ist das wirklich alles in deinem Rucksack usw. Es streichelt meinen Narzißmus. Die Gruppen haben genügend Vorsprung. Ich wage den Einstieg ins Schneefeld. Rutschig. Sehr rutschig. Moment. Ich setzte ich auf den Po und rutsche das Ding auf meinem Hintern runter. Geiler Scheiß!! Es macht einen riesen Spass. Ich juchze und schreie vor Freude. Ich schiebe an einem Vater mit seiner Tochter vorbei und strahle ihn an Das erstmal Schnee in der Unterhose seit über 30 Jahren – wie geil ist das denn!?!. Er guckt mich an: Ähm ja, nee vielleicht wenn man danach in eine Hütte einkehrt und seine Sachen trocknen kann. Boah! Erwachsen-Sein kann sooo langweilig sein! Ich rutsche weiter runter.

Unten angekommen treffe ich... Björn. Diesmal Abschied for good. Er lässt sich mit dem Bus durch den Tunnel kutschen um nach Vent zu laufen. Ich mache mich auch mit dem Bus weiter Richtung Mautstation und schenke mir das Rettenbachtal. Warum eigentlich frage ich mich im Bus? Aber da ist es schon zu spät gewesen...

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Ich muss noch auf meinen Bus warten. 15 Minuten. Ich setze ich also zwischen die Schulklassen (!) und geführten Alpenüberquerer*innen und warte. An den Tisch sitzen zwei ältere Frauen, ein Mann mit Topfenstrudel kommt dazu und fragt ob jemand etwas möchte. Ja ich sage ich lachend. Ich habe eher die beiden Damen gemeint, entgegnet er. Die beiden Damen verneinen. Und er schiebt mir ein Stück Strudel rüber. Danke. Und das Gespräch ist eröffnet. Was macht ihr so? E5 Oberstdorf – Meran. geführt. Was steht heute noch auf dem Programm? Keine Ahnung, wir laufen nur hinterher. Lachen. Du so auch bis Meran? Nee, Verona. Boah, das sind ja noch 200, 300 Kilometer. Ja, so 300. Und bist Du auch in Oberstdorf losgelaufen. Schulterzucken. Nee, Flensburg. Und schiebe mir diesmal recht gleichgültig ein Stück Strudel in den Mund (Ich hatte auf dem Joch schon üben können). Ich blicke in drei offene Münder, einer noch voll mit grob zerkautem Strudel. Kommentallos schiebt der Mann mir ein weiteres Stück Strudel auf meinen Teller: Das brauchst du mehr als wir! Auch sie können nicht glauben, dass in diesem Rucksack sogar sowas wie ein Zelt, Schlafsack, Isomatte usw. drin ist und dass das Ganze nur 2,7kg wiegt. Der Mann verschluckt sich an seinem Strudel. Mein Bus kommt. Tschüss. Viel Spass und Erfolg noch. Und Ne gute Zeit.

...Im Bus fällt mir auf das der Tag unglaublich dicht gepackt ist, es ist 10.30 als an der Mautstation aussteige. Irgendwie ging das jetzt ganz schön schnell. Zu schnell vielleicht.

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Ich steige auf dem Batiges Bödele Trail wieder ein. Es ist heiß. Beinah mediterran. Alpenröschen blühen. Es ist voll. Ich bin oberhalb von Sölden. Je weiter ich laufe, desto ruhiger wird es. Ab der Tiroler Stube habe ich den Trail wieder für mich alleine.

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Gaislachalm, Abstieg. Gaislach. Meine Knie meckern ob des steilen Trails. In Zwieselstein angekommen ist es brüllend heiß und gute deutsche Mittagsessenszeit. Ich kehre ein und gönne mir eine extraportion Eiweiß- Omelette mit Pfifferlingen. Wie geht’s weiter? Dann wohl heute noch übers Timmelsjoch. Überschaubar. Auf acht Kilometer verteilte 1000 Höhenmeter. Sieht topographisch entspannt aus. Da oben sehen wir dann weiter.

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Der Aufstieg zum Timmelsjoch ziiiiieeeeht sich. Er ist bisweilen steiler als gedacht, vor allem die letzten 400 Höhenmeter habens knackigerweise in sich. Ich fluche. Das Tal an scih ist eigentümlich schön. Weitläufig. Der Timmelsbach und die Timmelsjoch Hochalpenstraße mäandern mit dem Wanderweg durch das Tal hinauf gen Joch. Ein wenig ist es wie eine Zeitreise und ich stelle mir meine Großeltern mit ihrem Wohnwagen und ihrem ersten bescheidenen Wirtschaftswunder-Reichtum gen Italien zuckeln.

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Gänzlich unnostaligisch, sondern klatschnass geschwitzt komme ich oben an. Schmeiße meine Stöcke theatralisch hin. ITALIEN! 75 Tage, 4 Länder, 2300irgendwas Kilometer! Oh Mann! Yäy! Und Krass! Wie geil ist das denn? Es fühlt sich besser an als in Konstanz anzukommen. Aber das war ja auch eine Achtsamkeits-Übung für die nächsten Kilometer. Die Feste feiern. Also Pommes und ne große kalte Cola.

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Ich laufe bergab -aua – durch das ausladenende Tal des Timmelsjochbachs. Die Sonne steht tief und es sieht einfach nur schön aus.

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Als sich das Timmelsjochbachtal sich ins Passertal öffnet habe ich so langsam keinen Bock mehr – genug für heute. Ich mache mch auf die Suche nach einem Pennplatz, da ich aber bereits im Naturpark Texelgruppe bin, ist mir das wilde Pennen untersagt. Ich komme an der Alm Rabensetin vorbei, da steht ein Auto mit deutschen Kennzeichen. Kombiniere. Möglicherweise Gastgewerbe. Nein. Freundin zu Besuch. Ich bekomme trotzdem ein schönes Stück Wiese gezeigt mit grandioser Aussicht, wo ich mich hinhauen kann. Schön. Buona Notte!

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    • Von einar46
      Idee
      Anfang Mai 2019 habe ich mein Wanderprojekt Deutsche Langstreckenwanderungen (DLW) in meinem Blog veröffentlicht. Das Wanderprojekt besteht aktuell aus 5 unterschiedlich langen Wandertouren. Zusätzlich gibt es noch 2 weitere Wandertouren-Vorschläge auf der Warteliste, die User des Forums www.ultraleicht-trekking.com gemacht haben. Da gibt es also einige Kilometer zu bewältigen, wenn ich all diese Wandertouren hinter mich bringen will.
      Alle Wandertouren sollen frei geplante Wandertouren sein. Das bedeutet, dass ich mir bei der Planung der Wandertouren meinen Weg selbst suchen muss. Vorhandene Tracks, die es vielleicht gibt, verwende ich nicht.
      Eine Wandertour des Wanderprojekts ist der Deutsche Küstenweg (DKW). Es hat mich schon immer gereizt an der Ost- und Nordseeküste zu wandern. Mein Plan war es diese Wandertour als ThruHike zu schaffen, d.h. die ganze Strecke in einem Stück zu wandern.
      Planung
      Bei der Planung der Wandertour gab es nur 2 Vorgaben. Einmal sind das die beiden Endpunkte, der Campingplatz Nandalee am Schmollensee bei Sellin auf der Halbinsel Usedom (östlicher Punkt) und der Bahnhof in Emden (westlicher Punkt). Zusätzlich wollte ich mich möglichst in der Nähe der Ostseeküste und der Nordseeküste aufhalten.
      Um eine Vorstellung zu erhalten, wie lang die Wandertour ungefähr sein wird, habe ich in meiner Routenplanungssoftware BaseCamp in unregelmäßigen Abständen (30-50 km) Routenpunkte an den Küsten gesetzt. Diese Routenpunkte habe ich dann mit einer Geraden verbunden (Luftlinien-Routing). Herausgekommen ist eine Länge von ca. 1200 km.
      Bei der Feinplanung, so meine Erfahrung bei der Planung anderer Wandertouren, kommt mindestens nochmal 20% der Länge der Grobplanung hinzu. Also musste ich mit einer Streckenlänge von ca. 1400-1500 km rechnen.
      Insgesamt haben sich bei der Feinplanung 40 Tagesetappen von 13 km bis 41 km ergeben. Die starken Unterschiede in den Längen der einzelnen Tagesetappen ergeben sich aus dem Umstand, dass ich die Tagesetappen immer an einem Campingplatz beenden wollte. Es gibt Küstenabschnitte an Ostsee und Nordsee, wo es nicht so viele Campingplätze gibt. Campingplätze bieten den Vorteil, dass man dort duschen und nach Bedarf Wäsche waschen kann. Zusätzlich bieten viele Campingplätze diverse Einkaufsmöglichkeiten.
      Dann musste ich die Entscheidung treffen, in welche Richtung ich laufen wollte, westwärts oder ostwärts. Diese Entscheidung ist sehr schnell gefallen. Westwärts (engl.: westbound, WeBo) wollte ich laufen, vom Campingplatz Nandalee bis zum Bahnhof in Emden. Zuerst also immer an der Ostsee entlang bis nach Flensburg, dann an der dänischen Grenze rüber bis zur Nordsee und dann an der Nordsee entlang bis nach Emden.
      Die Feinplanung hat eine Streckenlänge von 1183 km ergeben, wobei ich die Insel Rügen ausgelassen habe. Das habe ich getan, weil ich wegen eines familiären Termins Mitte Juli nur eine begrenzte Zahl von Wandertagen zur Verfügung hatte.
      Die Anreise sollte am 21.Mai erfolgen. Der geplante Start zur ersten Tagesetappe war für den 22.Mai vorgesehen. Bei 40 Tagesetappen war das Ende für den 30.Juni geplant. Mit 5-7 Tagen Puffer, um auf unvorhergesehene Ereignisse (Zwangspausen wegen Verletzungen usw) reagieren zu können, war der grobe zeitliche Rahmen für die Bewältigung des Deutschen Küstenweges (DKW) vom 21.Mai bis zum 7.Juli vorgegeben.
      Vorbereitung
      Wegen der schlechten Erfahrungen auf dem 2.Teil des Jakobsweges Via de la Plata in Spanien mit einer Verletzung (Sehnenentzündung) wegen Überlastung, wollte ich mich diesmal besser auf die bevorstehende Wandertour vorbereiten.
      Ca. 4 Wochen vor dem Start der Wandertour habe ich begonnen mich vorzubereiten. Im Umkreis meines Wohnortes habe ich fast jeden Tag auf Kurzstrecken (5-12 km) trainiert. Dabei war ich immer ohne Rucksack und in hohem Tempo unterwegs, um halbwegs eine ordentliche Belastung zu simulieren.
      Meine Ausrüstung ist schon seit einiger Zeit, bis auf Kleinigkeiten, unverändert. Ich bin jetzt mit meinem Basisgewicht von 5,268 kg in einen Bereich vorgestoßen, wo ich genau überlegen muss, wo ich noch etwas Gewicht einsparen kann. Mich reizt zwar die 5 kg-Grenze, aber Sicherheit und Komfort haben auf jeden Fall Vorrang.
      Anreise
      Am 21.Mai bin ich dann mit Bus und Bahn bis zum Bahnhof in Bansin auf der Insel Usedom gefahren. Nach einer kleinen Wandereinheit von 3,6 km bin ich dann so gegen 16 Uhr auf dem Campingplatz Nandalee angekommen. Dort habe ich mir erstmal ein Radler und ein schönes Essen gegönnt. Nach dem Aufbau meines Tarps habe ich den restlichen Tag vollkommen entspannt in Erwartung des nächsten Tages verbracht.
      Strecke/Wanderung
      Am 22.Mai bin ich dann zu meiner Wandertour aufgebrochen. Ich war gespannt, was mich auf den nächsten 1200 km erwarten würde. Den Streckenteil vom Campingplatz Nandalee bis zum Campingplatz Zingst (ca. 180 km) bin ich im Sommer 2016 schon einmal mit meiner Frau gewandert. Damals haben wir für diesen Abschnitt 10 Tage benötigt. Wir haben es also ruhig angehen lassen. Diesmal habe ich diesen Abschnitt in 5 Tagen geschafft.
      Wenn ich allein unterwegs bin, starte ich meine Tagesetappen immer sehr zeitig. Der frühe Vogel fängt den Wurm, so heißt es wohl in einem Sprichwort. Sobald es hell wird, werde ich unruhig und verlasse meine Unterkunft (Tarp/Zelt). Auf den Campingplätzen schlafen dann noch alle. Lediglich Tiere, wie zB Kaninchen, tummeln sich dann auf dem Campingplatz. Ich wundere mich immer wieder und denke darüber nach, wo sich diese Tiere tagsüber aufhalten. Dann stopfe ich meinen Quilt in einen Beutel, weil er sich dort besser komprimieren lässt. Der Beutel mit dem Quilt ist vom Packmaß der größte Ausrüstungsgegenstand und kommt ganz unten in den Rucksack. Ob das von der Gewichtsverteilung günstig ist, kann ich nicht sagen. Meine Ausrüstung habe ich komplett in Netzbeutel bzw. Cuben-Beutel verstaut, sortiert nach Kategorien, wie zB Hygiene, Ersatzkleidung, Medizin usw. Diese Netze und Beutel erlauben mir den schnellen Zugriff auf einen benötigten Ausrüstungsgegenstand. Die oft benötigten Ausrüstungsgegenstände liegen dann oben. Mittlerweile hat sich in meinem Rucksack über die Jahre hinweg ein gewisses System ergeben. Ich weiß in welchem Netz/Beutel ein bestimmter Ausrüstungsgegenstand ist und wo das Netz bzw. der Beutel im Rucksack vergraben ist.
      Der letzte Ausrüstungsgegenstand, der verpackt wird, ist die Unterkunft (Zelt/Tarp). Die kommt in einen wasserdichten Cuben-Beutel und wird immer außen (quer, weit unten) befestigt. Außen deshalb, weil ich bei Regen die Unterkunft möglichst schnell aufbauen muss. Da wird die Unterkunft aus dem Beutel genommen, ausgebreitet und sofort wird der Rucksack in die Unterkunft gepackt und ist so erstmal vor der Nässe geschützt. Das passiert mittlerweile innerhalb von wenigen Sekunden. Dann erfolgt der weitere Aufbau der Unterkunft. Mein aktueller Rucksack (zpacks Arc Haul, 680 g) hat außen ausreichende Befestigungsmöglichen, die ich teilweise selber nachgerüstet habe. Mein neuer Rucksack, den ich auf zukünftigen Wandertouren verwenden will, ist der zpacks Nero (305 g). Der hat außen ganz wenige Befestigungsmöglichkeiten. Seitlich, aufrecht stehend, möchte ich den Beutel mit der Unterkunft auch nicht am Rucksack anbringen. Diesen Platz benötige ich für Getränke und  Nahrung, auf die ich schnell Zugriff haben will. Jedenfalls ist das ein Problem, das ich noch lösen muss.
      Nach 15-20 Minuten bin ich dann abmarschbereit. Ein Frühstück gibt es nicht wirklich. Wenn ich Bananen habe, esse ich eine davon. Habe ich sogar noch ein belegtes Brötchen vom Vortag übrig, ist das mein Frühstück. Dann werden noch die Wasservorräte aufgefüllt und los geht es.
      Wenn ich großes Glück habe und ich komme am zeitigen Morgen an einem offenen „echten“ Bäckergeschäft oder einem „unechten“ Bäckergeschäft (ab 7 Uhr bei einigen Discountern) vorbei, dann nehme ich mir die Zeit und gönne mir einen Kaffee und esse etwas. Dann fülle ich auch sofort meinen Vorrat an belegten Brötchen (2 mit Käse und Wurst) auf.
      Auf meinen Tagesetappen mache ich keine großen Pausen. Wenn ich zur Mittagszeit doch mal was essen will, sind das meistens Imbissbuden, die ein Essen relativ schnell zubereiten können. In richtige Gaststätten gehe ich kaum, da mir die Essenzubereitung zu lange dauert.
      Ich mache viele kurze Pausen, die teilweise nur wenige Minuten dauen. In diesen kurzen Pausen esse und trinke ich oder schaue mir etwas an. Dann geht es schon weiter. Lange Strecken ohne Pausen, zB 2 Stunden hintereinander weg, gibt es so gut wie nicht bei mir. Ich bin sozusagen ein „Intervallwanderer“. Eine kurze Strecke gehen, eine kurze Pause machen.
      In der Nachbetrachtung komme ich trotz meines eigentümlichen „Wanderverhaltens“ auf einen Schnitt von 4-5 km in der Stunde, Pausen eingerechnet. Bei 40-km-Tagesetappen, insgesamt hat es da 3 auf dieser Wandertour gegeben, starte ich in der Regel um 6 Uhr, spätestens aber gegen 7 Uhr, so wie es das Tageslicht entsprechend der Jahreszeit zulässt. Bei diesem Gehtempo bin ich dann trotzdem relativ zeitig mit meinem Tagespensum fertig, also so zwischen 16-17 Uhr. Das hat mir immer ausreichend Zeit für die Regeneration verschafft. Rein rechnerisch hätte ich noch 3 Stunden gehen können und wäre so auf ca. 50 km gekommen. Um 19-20 Uhr ist es immer noch hell. Aber das Problem ist der nächste oder übernächste Tag. Irgendwann muss man für diesen einen sehr langen und erfolgreichen Tag körperlich „bezahlen“.
      Trotz einer sehr sorgfältigen Planung meiner Wandertour gab es immer wieder Situationen, wo ich vor Ort entscheiden musste, was ich tue. Auf meinen ersten Wandertouren haben mich solche Situationen nervös gemacht. Mittlerweile weiß ich, dass auch bei einer sehr sorgfältigen Planung solche Situationen nicht vollkommen ausgeschlossen werden können.
      Auf meiner Wanderung entlang der Ostseeküste bin ich auch oft sehr nahe an den Strand gekommen. Einmal sollte mich der geplante Weg über eine Sanddüne führen. Erstmal habe ich mich gewundert, dass mich meine Routenplanungssoftware über eine Sanddüne in Strandnähe führt. Im allgemeinen sind Sanddünen sehr geschützte Bereiche und dürfen nicht betreten werden. An den Spuren auf dem Dünenweg war aber zu erkennen, dass da Leute gelaufen sind. Also musste ich da richtig sein. Ein Blick auf mein Navi sagte mir eine Strecke von ca. 4 km auf diesem Dünenweg voraus. Umgehen wollte ich den Dünenweg auch nicht. Dafür hätte ich ca. 1 km zurücklaufen müssen. „Vorwärts immer, Rückwärts nimmer“, so lautet ein bekannter Spruch. Woran erinnert mich dieser Spruch nur? Also vorwärts, ich hatte mir das ja bei der Planung der Tagesetappen so ausgesucht, ohne zu wissen, was mich auf den einzelnen Tagesetappen tatsächlich erwarten würde. Nach enorm mühseligen 100 Metern durch knöcheltiefen Sand und kniehohes Dünengras bin ich stehen geblieben und habe mein weiteres Vorgehen überdacht. Wenn ich jetzt auf dem Dünenweg bleibe, benötige ich nicht nur ca. 1 Stunde für die 4 km, sondern 2 Stunden und mehr. An die Erschöpfung nach diesem „Dünentrip“ durch den Sand wollte ich erstmal nicht denken. Und ich war so ziemlich am Anfang meiner Tagesetappe. Also bin ich vom Dünenweg runter und an die Wasserkante gegangen. An der Wasserkante gibt es einen Bereich von ca. 0,5 bis 1 Meter, wo der Sand durch die ständigen Wellen sehr verdichtet wird. Auf diesem Bereich sind auch oft „Strandjogger“ unterwegs, die da gut laufen können. An der Wasserkante konnte ich wesentlich entspannter gehen. Aber es gab ein anderes Problem. Das waren die Wellen, die diesen schmalen Bereich des Strandes im „Wellentakt“ heimgesucht haben. Am Anfang bin ich diesen Wellen noch hüpfend und springend gekonnt ausgewichen. Mit ca. 8 kg auf dem Rücken ist das aber nicht so leicht. Wenn mich da jemand beobachtet hat, der wird sich sicherlich seinen Teil gedacht haben. Zum Glück habe ich auf diesem „Strandgang“ keinen einzigen Menschen getroffen. Es dauerte aber nicht lange, dann hatte mich die erste Welle erwischt. Meine Schuhe und Strümpfe waren vollkommen durchnässt. Schließlich habe ich es aufgegeben den Wellen hüpfend und springend auszuweichen und ich habe mich meinem Schicksal ergeben. Ich habe keine Probleme mit nassen Schuhen und Strümpfen. Den ganzen Tag könnte ich so gehen. So schnell, wie meine ALTRA-Trailrunner nass werden, so schnell trocknen sie auch wieder. Ich musste nur aufpassen, dass mit dem Wasser nicht auch noch Sand in die Schuhe gespült wird. Sand und Wasser, das ist ein gefährliche Kombination und da sind Blasen nicht weit entfernt. Aber da haben mir die Gamaschen von Dirty Girl Gaiters sehr gute Dienste geleistet. Nach meinem „Strandgang“ habe ich die Socken gewechselt und die Schuhe überprüft. Kein Sand war in den Schuhen. Alles war im grünen Bereich.
      Nun wird sich mancher fragen, warum ich diesen Wegabschnitt nicht barfuß bewältigt habe. Das wollte ich wegen der vielen kleinen Steine und der scharfkantigen Muscheln aber nicht tun. Eine Schnittverletzung an den Füßen konnte ich auf meiner Wanderung überhaupt nicht gebrauchen.
      Im Verlauf meiner Wanderung an der Ostsee sollte ich noch mehrmals solche Passagen antreffen. Wenn ich das frühzeitig erkannt habe, konnte ich eine Umgehung einplanen. Wenn das nur mit großen Umwegen realisiert werden konnte, musste ich in den sauren Apfel beißen und einen „Strandgang“ einlegen.
      Auf den Tagesetappen an der Ostsee gab es immer wieder Passagen auf schmalen Trampelpfaden dicht an der Steilküste entlang. Für mich waren das die schönsten Abschnitte an der Ostsee. Überrascht war ich von den vielen Abbrüchen an den Steilküsten. Auf Trampelpfaden werden diese Abbrüche einfach umgangen. Trotzdem hat mich manchmal ein ungutes Gefühl beschlichen, wenn ich diese Abbrüche umgehen musste.
      Meine Tagesetappen versehe ich bei der Planung immer mit einem sprechenden Namen. Das erleichtert mir die Auffindung der benötigten Tagesetappen auf meinen Navigationsgeräten (Garmin oder Handy) ungemein. Wer genau wissen will, wie ich die Bezeichnung für meine Tagesetappen bilde, kann sich das im Menüpunkt Planung meines Blogs ansehen. Als Ansporn brauche ich solche festen Tagesziele. An den deutschen Küsten hat es sich angeboten für die Tagesziele Campingplätze zu verwenden. Für alle Tagesetappen konnte ich passende Campingplätze finden, mit einer einzigen Ausnahme.
      An der östlichen Ostsee (Usedom bis Lübeck) ist der Netz der Campingplätze gut, aber nicht so dicht wie an der westlichen Ostsee. In manchen Bereichen an der östlichen Ostsee hatte ich Schwierigkeiten Campingplätze in einem angemessenen Abstand von ca. 30 km zu finden.
      An der westlichen Ostsee (Lübeck bis Flensburg) ist das Netz der Campingplätze wesentlich dichter. Es gibt Streckenabschnitte an der westlichen Ostsee, wo sich ein Campingplatz an den anderen reiht. Für meine Begriffe eignet sich die westliche Ostsee auch sehr gut für Mehrtageswanderungen mit Familie oder Freunden, wo nicht so übermäßig lange Tagesetappen zurückgelegt werden, um von einem Campingplatz zum nächsten Campingplatz zu kommen. Schließlich gibt es auch noch massig Ferienzimmer, Ferienwohnungen, Hotels und die eine oder andere Jugendherberge. Für jeden „Streckentyp“ ist da was zu finden.
      Begeistert war ich auch von den Campingplätzen selbst. Viele besitzen Einkaufsmöglichkeiten und Gaststätten, so dass die Versorgung auch kein Problem darstellt. An der westlichen Ostsee musste ich für die Nahrungsversorgung selten von meiner geplanten Route abweichen.
      Die sanitären Einrichtungen auf den Campingplätzen der westlichen Ostsee sind noch um eine Klasse besser als die an der östlichen Ostsee. Groß, sauber, alles vom Feinsten. Ich war begeistert.
      Einer der größten Campingplätze an der westlichen Ostsee ist der Campingplatz in Waabs. 1000 Stellplätze für Dauercamper gibt es dort. Durch Zufall habe ich die Preisliste für Dauercamper (April bis Oktober) gesehen. Für den genannten Zeitraum müssen die Dauercamper rund 1000 € berappen. Das macht 1 Mio Euro Umsatz nur durch die Dauercamper. Am Männertag wollte ich da übernachten. Der Leser wird ahnen, was dort passiert ist. Auch nach einer langen Diskussion habe ich keinen Platz für mein 1-Mann-Zelt bekommen, alles sei belegt, so die Aussage in der Anmeldung, auch die Notplätze. Zum Glück war in unmittelbarer Nachbarschaft zu dem Riesen-Campingplatz ein kleiner privater Campingplatz. Dort habe ich dann einen sehr schönen Platz für mein Zelt erhalten.
      Bei meinen nächsten Übernachtungen auf Campingplätzen habe ich von meinem negativen Erlebnis auf dem Campingplatz in Waabs berichtet. Die einhellige Meinung der anderen Campingplatzbesitzer war die, das sie niemals einen Wanderer oder Radfahrer abweisen würden. Ein kleines Plätzchen für ein 1-Mann-Zelt findet sich immer.
      Das Netz der Campingplätze an der Nordsee ist nicht so dicht, wie an der westlichen Ostsee. Viele Tagesetappen über 30 km, auch die über 40 km, wovon es 3 gegeben hat, habe ich an der Nordsee bewältigt.
      Von der Qualität haben die Campingplätze an der Nordsee ein ähnliches Niveau, wie die Campingplätze an der westlichen Ostsee.
      Beeindruckt war ich von den Campingplätzen auf der Wasserseite der Deiche. Als Beispiel mag hier der Campingplatz in Bensersiel dienen. Dieser Campingplatz ist von April bis Oktober in Betrieb. Dann muss der Campingplatz komplett geräumt werden, weil dann die Sturmsaison beginnt und der Campingplatz überschwemmt werden könnte. Auch die Dauercamper müssen ihre riesigen „fahrbaren Bungalows“ wegbringen. Einzig die festen Gebäude, wie Sanitärgebäude und die Anmeldung, bleiben stehen. Im Frühjahr wird der Campingplatz dann wieder in Betrieb genommen. Notfalls müssen die festen Gebäude renoviert werden.  
      Bei der Planung der Wandertour habe ich Ortschaften (Städte und Dörfer) nur insofern in den Wegeverlauf einbezogen, wenn es nicht anders möglich war. Große Städte, wie Greifswald, Stralsund, Warnemünde, Wismar, Lübeck, Kiel und Eckernförde, habe ich ohne wesentlichen Halt auf den kürzest denkbaren Wegen durchquert. Oft habe ich dafür geeignete Brücken und Fähren benutzt.
      Auf einem Kulturtrip war ich eindeutig nicht unterwegs. Mich haben vielmehr sportliche Ziele vorangetrieben.
      Nur wenn ich mich mit Nahrungsmitteln versorgen musste, habe ich einen Abstecher in Ortschaften gemacht, wenn ich da nichts am Wegesrand vorgefunden habe. Für die Versorgung habe ich meistens kleine Ortschaften genutzt, weil da der Umweg nicht so groß war. Überrascht war ich von der Dichte der Versorgungsmöglichkeiten an der Ostsee und der Nordsee. Gefühlt gibt es an den deutschen Küsten wesentlich mehr Geschäfte, wo man sich mit Nahrungsmitteln versorgen kann, als in meinem Heimatlandkreis Saalekreis (Sachsen-Anhalt). Fast in jedem noch so kleinen Ort gibt es einen Discounter, einen Bäcker und massenweise Imbissbuden. Spätestens daran merkt man, dass die deutschen Küsten eine beliebte Urlaubsregion sind.
      Beeindruckt war ich von den teilweise kilometerlangen Strandpromenaden an der westlichen Ostsee. Fast jeder noch so kleine Ort besitzt eine solche Strandpromenade. Ein Geschäft reiht sich an das andere Geschäft. Die beeindruckendste Strandpromenade gab es am Timmendorfer Strand. Die bekannten Urlaubsorte an der östlichen Ostsee können da noch nicht mithalten. Dort wirkt vieles noch natürlicher, was ich aber sehr gut finde.
      An der westlichen Ostsee muss für den Strandzugang bezahlt werden. Deshalb waren dort auch relativ wenig Leute am Strand zu sehen, obwohl die Strandpromenaden teilweise überfüllt waren. Leute waren genug da, aber sie gehen wegen der üppigen Kosten nicht unbedingt zum Strand. An der östlichen Ostsee habe ich keinen Strandzugang gefunden, für den bezahlt werden musste. Hoffentlich bleibt das so. Der Nachteil ist der, dass in den Sommermonaten die Strände hoffnungslos überfüllt sind. Die Zukunft muss zeigen, welches Konzept besser für die Menschen und die Natur ist.
      An der Ostsee war die Überquerung von Buchten und Flussmündungen kein Problem. Diese sind bei weitem nicht so groß, wie die Flussmündungen von Elbe und Weser an der Nordsee. Einzig die Bucht bei Eckernförde bin ich komplett „abgelaufen“. Das war aber kein Problem, weil die Bucht nicht übermäßig groß ist. Sonst gibt es an den „passenden“ Stellen immer eine Brücke oder Fähre. An der Ostsee ist das für meine Begriffe vorbildlich gelöst wurden.
      Maßlos enttäuscht war ich von den Überquerungsmöglichkeiten an Elbe und Weser. An der Elbemündung gibt es nur 2 (in Worten: Zwei!!!) Überquerungsmöglichkeiten bis Hamburg. Das ist einmal die hoffnungslos überforderte Fähre von Glückstadt nach Wischhafen und dann der Elbtunnel bei Hamburg. Jetzt ist mir langsam klar, warum der Elbtunnel bei Hamburg das Verkehrsnadelöhr in Deutschland ist. An der Fähre von Glückstadt nach Wischhafen bilden sich in den Sommermonaten auf beiden Seiten kilometerlange Staus. Fahrzeuge müssen teilweise stundenlang für eine Überquerung warten oder eben den Umweg über den Elbtunnel bei Hamburg nehmen, mit dem bekannten Ergebnis: Stau und nervenaufreibendes stundenlanges Warten. Leute, die in Wischhafen arbeiten, kommen mit ihren Fahrzeugen nicht in den Ort zur Arbeit. Weit vor dem Ort müssen die Fahrzeuge abgestellt werden. Nur mit dem Fahrrad kommen die Leute dann zur Arbeit nach Wischhafen, so wurde mir berichtet. Verkehrs- und strukturpolitisch ist das für mich ein Desaster. Warum das so ist, konnte ich nicht herausfinden. Ob das von den rot-grünen Stadt-Bundesländern Hamburg und Bremen und von Niedersachsen politisch so gewollt ist, kann ich ebenfalls nicht beurteilen. An der Weser war die Situation nicht ganz so dramatisch, wie an der Elbe, aber auch nicht optimal.
      Wegen Baumaßnahmen an den Deichen der Nordsee musste ich mehrmals zum Teil riesige Umwege gehen. Solche Baumaßnahmen können bei der Planung der Wanderroute einfach nicht einkalkuliert werden. Da muss man sich von den örtlichen Gegebenheiten leiten lassen und hoffen, dass Umleitungen für Wanderer und Radfahrer frühzeitig und ausreichend gut ausgeschildert sind.
      Gerade in den Sommermonaten muss man an den Deichen der Nordsee vermehrt mit solchen Baumaßnahmen rechnen.
      Was es für Probleme gibt, wenn das mit der Beschilderung von Umleitungen bei Baumaßnahmen nicht richtig funktioniert, konnte ich am eigenen Leib verspüren. Ich bin geplant von einer Straße in einen Schotterweg eingebogen. In der Ferne konnte ich erkennen, dass an meinem vermutlichen Weg neue Windräder aufgestellt werden. An der Straße war nur ein Durchfahrtsverbotsschild (rund, weiß, mit roten Rand) zu sehen, sonst nur Hinweise für LKW-Fahrer, die da auf dem Schotterweg in Scharen unterwegs waren. Für Fußgänger und Radfahrer waren keine beschilderten Einschränkungen zu sehen. Nach ca. 2 km hat mich Sicherheitspersonal darauf aufmerksam gemacht, dass ich hier wegen der Baumaßnahmen nicht durchgehen kann. Nach einer heftigen Diskussion und mit der Androhung die Polizei zu rufen, musste ich den Rückweg antreten. Nebenbei erwähnte das Sicherheitspersonal, dass 500 Meter weiter von der Firma enercon eine neue Umleitung eingerichtet wurde. Weil ich mir nicht ganz sicher war, ob ich nicht doch ein Schild übersehen hatte, habe ich zähneknirschend und fluchend den Rückweg angetreten. Am Beginn des Schotterweges angelangt, habe ich alle Hinweisschilder genau überprüft. Ich konnte kein Verbot für Fußgänger oder Radfahrer und keinen Hinweis auf die 500 Meter entfernte Umleitung finden. Diese miserable Ausschilderung der Firma enercon hat mich 4 km Zusatzweg (ca. 1 zusätzliche Stunde) gekostet. Den ganzen Tag habe ich mich maßlos darüber geärgert.   
      Von Flensburg kommend, bin ich entlang der dänischen Grenze, bei Dagebüll auf die Küste der Nordsee gestoßen. In Dagebüll habe ich dann auf einem kleinen Campingplatz übernachtet. Am anderen Tag, auf dem Weg nach Schobüll, wollte ich unbedingt am Deich entlang das Wattenmeer sehen und genießen. Schon nach den ersten Metern auf der Wasserseite der Deiche habe ich festgestellt, dass der asphaltierte Weg eine leichte Neigung hat.
      Dazu muss man wissen, dass die Deiche nach einem bestimmten Verhältnis aufgebaut sind. Auf der Wasserseite ist das Verhältnis 1:6, auf der Landseite 1:3. Wie ist das zu verstehen? Die Höhe der Deiche schwankt so zwischen 7 und 8 Metern, je nach Örtlichkeit. Das bedeutet, dass auf der Wasserseite, bei einer Höhe von 8 Metern, die Deichkrone 48 Meter vom Wasser entfernt ist. Mit etwas Mathematik (Satz des Pythagoras) kann sich jeder selbst ausrechnen, wie lang die Schräge auf der Wasserseite ist und wie der Deich auf der Wasserseite geneigt ist (Steigungsprozente). Analog kann man diese Berechnung auch für die Landseite durchführen.
      Von früheren Besuchen an der Nordsee wusste ich, dass auch an anderen Orten die Wege auf der Wasserseite der Deiche diese Neigung besitzen. Trotzdem habe ich gehofft, dass die Neigung irgendwann verschwinden würde. Da hatte ich aber die Rechnung ohne die Erbauer der Deiche gemacht. Nach 5 Stunden Wandern auf der Wasserseite der Deiche, immer mit einer leichten Neigung, habe ich entnervt die Deichseite gewechselt. Von nun an habe ich mich ausschließlich auf der Landseite der Deiche bewegt. Dort gibt es normale kleine Straßen, die für die Unterhaltung der Deiche angelegt wurden. Bei Pausen habe ich dann die Deichkrone erklommen und dort habe ich mir dann das Wattenmeer in seinen verschiedenen Ausprägungen angesehen. Ich habe jedenfalls keinen Weg auf der Wasserseite der Deiche gefunden, der keine Neigung aufgewiesen hat.
      Radfahrer kommen mit dieser Neigung problemlos klar. Aber ich als Wanderer hatte auf die Dauer große Probleme mit der Neigung der Wege auf der Wasserseite der Deiche.
      Mitte Juni gab es dann an der Nordsee auch einige sehr heiße Tage hintereinander. In diesen Tagen wäre ich sehr gerne auf der Wasserseite der Deiche gelaufen, weil dort auch in der größten Hitze immer ein sehr leichter kühlender Wind weht. Auf der Landseite der Deiche ist dieser leichte Wind kaum noch zu spüren. Aber aus den zuvor genannten Gründen musste ich diese Tage auf der Landseite der Deiche bewältigen. Das waren teilweise hammerharte Horrortrips, wegen der Hitze, wegen der fehlenden Schattenmöglichkeiten und wegen der endlosen schnurgeraden flimmernden Asphaltstraßen.
      Insgesamt war ich an der Nordseeküste 509 km unterwegs.
      Wollt ihr wissen, wieviele Kilometer davon kein Asphalt und kein Pflaster waren?
      Über den Daumen gepeilt, also geschätzt, waren das ca. 9-10 km. Der Rest war nur Asphalt und Pflaster in all seinen Ausprägungen.
      Habe ich an der Nordseeküste zur besten Wanderzeit im Mai/Juni andere Wanderer getroffen, wo zu erkennen war, dass sie wegen ihrer Ausrüstung auf einer längeren Wanderung unterwegs waren?
      Keinen einzigen solchen Wanderer habe ich an der Nordseeküste getroffen.
      Wetter
      Wettermäßig war alles dabei, was man sich nur vorstellen kann.
      An der Ostsee, für die ich bis Flensburg 21 Tage benötigt habe, herrschten meistens angenehme Temperaturen von 12°C bis maximal 25°C. Das ist optimales Wanderwetter. Da war es nicht so entscheidend, ob die Sonne geschienen hat, ob es geregnet hat oder ob es einfach nur einen bedeckten Himmel gegeben hat. Für mich sind allein die Temperaturen entscheidend.
      Das sollte sich an der Nordsee teilweise grundlegend ändern. Ab Mitte Juni wurde es dort deutlich wärmer. Der Höhepunkt einer kleinen Hitzewelle war der 35.Wandertag, wo es tagsüber erdrückende Temperaturen von 33°C gegeben hat. Die Wandertage davor waren temperaturmäßig von ähnlichem Format. Erschwerend kam hinzu, dass es im Deichbereich der Nordsee so gut wie keine Bäume gibt, die etwas Schatten hätten spenden können. Das waren hammerharte Tagesetappen, nicht nur von der Streckenlänge, sondern auch von den Temperaturen. Einziger Lichtblick an diesen extremen Tagen war der leichte Wind, der an der Küste eigentlich immer weht.
      Ausrüstung
      Bei einer Wandertour über 1200 km werden alle Ausrüstungsgegenstände automatisch einem Härtetest unterzogen und auf ihre Langstreckentauglichkeit geprüft. Die Ergebnisse dieses Tests führen dann evtl. zur Erneuerung von bestimmten Ausrüstungsgegenständen. Das ist der Lebenszyklus von manchen Ausrüstungsgegenständen. Eben noch verwendet, kurze Zeit später aussortiert und durch andere Ausrüstungsgegenstände ersetzt.
      So habe ich erstmals die Übernachtung im Tarp getestet. Mein Tarp von Lightwave (Starlight 2 Cuben (109 g), mit Abspannschnüren (268 g)) ist zwar ein 2-Mann-Tarp, wie die Bezeichnung sagt, aber das Platzangebot war trotzdem nicht berauschend. Es hat einige Zeit gedauert, bis ich herausgefunden habe, wie das Tarp optimal abgespannt wird. Für mich ist das aktuelle Tarp keine Übernachtungslösung für den Zeitraum Frühjahr, Sommer und Herbst.
      Trotzdem will ich die Übernachtung im Tarp nicht vollständig verbannen, aber ich weiß jetzt worauf ich zukünftig bei einem Tarp achten muss. Das ist einmal die leichte Aufbaumöglichkeit mit einem oder zwei Trekkingstöcken. Dann ist das Platzangebot sehr wichtig und das Material spielt auch eine große Rolle. Für mich muss es aus Cuben bestehen, womit die teurere Preiskategorie schon vorgegeben ist. Außerdem muss ein Rundumschutz möglich sein. Die genannten Bedingungen muss mein zukünftiges Tarp erfüllen.
      Nach 5 Übernachtungen im Tarp bin ich auf mein Zelt (Tarptent ProTrail (700 g)) umgestiegen. Das 1-Mann-Zelt hat mir vom Platzangebot wesentlich besser gefallen. Das Tarptent ProTrail ist für meine Begriffe ein Zwischending zwischen Tarp und Zelt. Die Bodenwanne des Zeltes, die eine Höhe von ca. 10 cm hat, ist ringsum durch ein Netzgewebe mit dem Dach des Zeltes verbunden. Durch diese Bauweise ist man komplett von außen abgeschirmt, aber gleichzeitig ist eine sehr gute Luftzirkulation, analog einem Tarp, möglich. Der Aufbau des Zeltes erfolgt mit 2 Trekkingstöcken. Bei starken Winden, was an der Küste nicht selten ist, hatte ich am Anfang große Probleme mein Zelt aufzubauen. Unter dem Zelt benutze ich eine Unterlage aus Cuben, die den Zeltboden vor Beschädigungen schützen soll. Bei starken Winden ist diese Unterlage regelmäßig weggeflogen. Erst nach einigen Tagen hatte ich mir eine Vorgehensweise für den Zeltaufbau zurechtgelegt, die mir den schnellen Aufbau des Zeltes auch bei den widrigsten Wetterbedingungen erlaubt hat. Beim Zeltaufbau wird man ja schon mal von den anderen Campern, meistens Wohnmobil-Camper, neugierig beobachtet. Als sie gesehen haben mit welcher affenartigen Geschwindigkeit ein Zelt unter stürmischen Wetterbedingungen aufgebaut werden kann, gab es schon das eine oder andere Mal anerkennenden Applaus.
      Trotzdem werde ich technische Veränderungen am Zelt Tarptent ProTrail vornehmen. Zuerst werde ich mir eine Unterlage aus Cuben anfertigen, die die genauen Maße der Bodenwanne des Zeltes hat. Dann werde ich die Cuben-Unterlage mit den 4 Ecken der Bodenwanne mit Knopflochgummi und Knebelknöpfen verbinden. Dadurch ist sichergestellt, dass die Cuben-Unterlage nicht unter dem Zelt hervorsteht und bei Regen zu einer Wanne wird, die das Regenwasser auffängt. Gleichzeit wird durch diese variable Verbindung, die jederzeit gelöst werden kann, der Aufbau des Zeltes wesentlich erleichtert. Die Cuben-Unterlage kann bei starken Winden nicht mehr wegfliegen.
      Der Beifall der anderen Camper ist mir in jedem Fall gewiss.
      Auch im Bereich der Isomatten habe ich auf dieser Wandertour ein neues Modell, die Therm-a-Rest NeoAir UberLite (Small, 164 g), getestet. Dabei spricht das Gewicht für sich. Diese Isomatte ist eine der leichtesten aufblasbaren Isomatten am Markt. Als Seitenschläfer reicht mir die Small-Ausführung, die überraschenderweise 120 cm lang ist. Andere Small-Ausführungen kommen zB nur auf eine Länge von 90 cm. Aufgeblasen ist diese Isomatte ca. 5 cm stark. Ich konnte auf dieser Isomatte sehr gut schlafen, auch wenn die Füße manchmal nicht auf der Isomatte lagen. Für mich war das kein Problem.
      Ein anderes Problem hat mich viel mehr gestört. Bei jeder Bewegung rutscht die Isomatte auf dem Zeltboden. Da hat es auch nicht geholfen, dass ich auf dem Zeltboden vor der Wandertour in regelmäßigen Abständen Silikonstreifen aufgebracht habe. Auf der neuen Isomatte wollte ich die Silikonstreifen nicht sofort anbringen. Vielleicht werde ich das noch auf der Isomatte nachholen.
      Als Kopfkissen hatte ich diesmal den „Beutel“ von HMG (Cuben Stuff Sack Pillow, Large, 42 g) im Einsatz. Dieser Beutel hat einen 2-seitigen wasserdichten Reißverschluss. Auf der Außenseite besteht der Beutel aus Cuben, die Innenseite besitzt ein weiches Vlies. In dem Beutel habe ich meine wenigen Ersatzsachen aufbewahrt. Wenn ich den Beutel als Kopfkissen verwenden wollte, habe ich die Vliesseite nach außen gekehrt und die Ersatzsachen wieder in den Beutel gesteckt. Als Seitenschläfer ist es wichtig für mich, dass das Kopfkissen immer etwas höher ist als die Isomatte. Erreicht habe ich das, indem ich noch zusätzliche Kleidungsstücke, so zB meinen Klimapullover von Cumulus, in den Beutel gesteckt habe. Das Kopfkissen hat noch einen weiteren großen Vorteil. Es muss nicht aufgeblasen werden und die Gefahr, dass das Kopfkissen die Luft nicht mehr halten kann, besteht überhaupt nicht.
      Da ist sie wieder, die oft genannte Mehrfachverwendbarkeit von Ausrüstungsgegenständen. Einmal Aufbewahrungsbeutel, dann Kopfkissen.
      Mit den Einzelkomponenten, wie Kopfkissen, Isomatte und Quilt, war ich sehr zufrieden. Die Kombination aus Kopfkissen, Isomatte und Quilt hat aber beim Schlafen große Probleme bereitet. Einmal ist die Isomatte, wie bereits oben beschrieben, bei jeder Bewegung im Schlaf auf dem Zeltboden hin und her gerutscht. Dann hat sich ständig das Kopfkissen verschoben. Zusätzlich war der Quilt oft nicht dort, wo er beim Schlafen eigentlich sein sollte.
      Um dieses Dilemma zu beheben, habe ich mir eine Lösung überlegt, die ich in einem Ultraleicht-Forum durch Zufall entdeckt habe. Andere Wanderer hatten offenbar identische Probleme mit der genannten Kombination. Kopfkissen, Isomatte und Quilt werde ich durch Knopflochgummi und Knebelknöpfe variabel miteinander verbinden. So bleibt jedes Einzelteil an seinem vorbestimmten Platz. Wenn die Isomatte verrutschen sollte, dann rutscht die ganze Kombination und nicht nur das eine oder andere Einzelteil.
      Auf Langstreckenwanderungen benötigt man ständig Strom für die unterschiedlichen Geräte (Navigationsgerät, Handy, Fotoapparat). Entweder versorgt man sich an einer Steckdose, durch eine Powerbank oder durch Batterien. Dafür ist es aber erforderlich die Wandertour so zu planen, dass man in regelmäßigen Abständen die Geräte an einer Steckdose aufladen bzw. neue Batterien nachkaufen kann. Für mich persönlich war das immer eine Einschränkung der Planungsfreiheit. Wegen Lebensmitteln muss man irgendwann doch in die Zivilisation, aber wegen Strom wollte ich das nicht unbedingt tun müssen. Mich hat es jedenfalls immer genervt, wenn ich Leute fragen musste, ob ich mal kurz meine Geräte aufladen kann. Deshalb habe ich schon lange die Versorgung mit Strom mit Hilfe eines Solarpanels im Visier. In einem Ultraleicht-Forum habe ich deshalb mit großem Interesse die Diskussion über selbstgebaute Solarpanel-Lösungen verfolgt. Dort bin ich auch auf die Firma SunnyBAG aufmerksam geworden. Schließlich habe ich mir das SunnyBAG Solarpanel Leaf+ mit 10000 mAh-Powerbank (390 g) gekauft. Die Powerbank habe ich mit Klettband an der Rückseite des Solarpanels befestigt. Zusätzlich habe ich das Solarpanel mit einer variablen Aufhängung aus elastischer Kordelschnur versehen, so dass ich das Solarpanel auf dem Rucksack befestigen konnte. Im häuslichen Umfeld habe ich das Solarpanel über einen Zeitraum von 6 Wochen getestet. Das hat hervorragend geklappt. Schließlich habe ich mich dazu entschlossen, das Solarpanel als einzige Stromquelle für meine Geräte zu nutzen.
      Tagsüber habe ich durch das Solarpanel bei jedem Wetter (außer bei Regen) Strom „geerntet“. Tagsüber musste ich mein Handy nie laden. Abends bzw. über Nacht habe ich meine Geräte (Handy) dann aufgeladen.
      Die Solarpanel-Lösung war ein voller Erfolg. In den 38 Tagen meiner Wandertour war ich nur zweimal an den beiden Ruhetagen an der Steckdose, sonst habe ich mich ausschließlich über das Solarpanel mit Strom versorgt.
      Es gibt zwar wesentlich leichtere Selbstbau-Lösungen, die weniger als 200 g wiegen, aber ich wollte so kurz vor einer Wandertour über 1200 km kein Risiko eingehen und an meinem Solarpanel „herumbasteln“. Trotzdem werde ich in Zukunft den Markt der stark aufkommenden Solarpanel-Lösungen weiter aufmerksam verfolgen.
      Das Solarpanel wird ab sofort immer zu meiner Ausrüstung gehören und garantiert mir eine weitgehende Unabhängigkeit vom Stromnetz.
      Auf meinen Wandertouren verwende ich immer ein Navigationsgerät, unabhängig davon, ob die Wanderwege gut markiert sind oder nicht. Ich gehe nie ohne ein solches Navigationsgerät aus dem Haus. In den letzten Jahren war mein bevorzugtes Navigationsgerät ein Garmin GPSMap 64st. Es hat mich zuverlässig auf allen meinen Wandertouren begleitet. Im Internet, speziell in Ultraleicht-Foren, habe ich mitbekommen, dass viele Wanderer ausschließlich mit dem Handy und den unterschiedlichsten Apps navigieren. Das wollte ich auch einmal ausprobieren.
      Auf dieser Wandertour habe ich deshalb mein heiß geliebtes Garmin-Navigationsgerät daheim gelassen und ausschließlich mit dem Handy (iPhoneSE mit wasserdichter Hülle von iThrough, 157 g) navigiert. Als App habe ich mich für Topo GPS entschieden.
      Meine Wandertouren, damit die Tagesetappen, plane ich auf dem Laptop mit der Routenplanungssoftware BaseCamp. Anschließend importiere ich die Tracks in die App auf dem Handy. In der App habe ich die wichtigsten europäischen Länder als Offline-Karten gespeichert. Das erlaubt mir unterwegs den Betrieb des Handys im stromsparenden Flugmodus. Im Flugmodus ist das GPS immer noch aktiv. Und nur das benötige ich für eine erfolgreiche Navigation.
      Im Verbund mit der Stromversorgung über das Solarpanel hat mich die Handy-Navigation nie im Stich gelassen. Bei keinem Wetter und bei keiner Temperatur. Auch auf meinen nächsten Wandertouren werde ich erstmal ausschließlich auf die Handy-Navigation setzen.
      Aber auch für andere Navigationslösungen bin ich offen. Den Markt der aufkommenden GPS-Uhren werde ich ganz genau beobachten. Im Moment sind die GPS-Uhren für mich wegen des extrem hohen Preises keine Option.
      Mein aktueller Rucksack ist der zpacks Arc Haul (680 g) und der Rucksack begeistert mich immer wieder. Da gibt es nicht viel zu meckern, da passt einfach alles. Robust und zuverlässig. Einzig eine kleine Tasche aus Netzgewebe an der Seite, die ich zusätzlich angebracht habe, hatte ein kleines Loch. Wie das Loch entstanden sein könnte, kann ich mir nicht erklären, weil das Netzgewebe einen sehr stabilen Eindruck macht.
      Seit dem Herbst 2017 bin ich mit den Trailrunnern von ALTRA LonePeak (halbhoch (736 g) oder halb (576 g)) unterwegs. Den ersten Teil der Wandertour habe ich mit den halbhohen ALTRA-Schuhen bestritten. Nach ca. 500 km hat sich ein kleines Loch in der Mesh-Oberfläche der halbhohen Schuhe gebildet. Wie das entstanden ist, kann ich nicht sagen. In Dagebüll (nach ca. 700 km) an der Nordsee-Küste, habe ich dann die halbhohen Schuhe geplant gegen die Halbschuhe ausgetauscht. Bei der Betrachtung der Sohlen der halbhohen Schuhe habe ich festgestellt, dass die halbhohen Schuhe wahrscheinlich noch weitere 200-300 km ausgehalten hätten, also insgesamt ca. 900-1000 km. Das ist nicht schlecht für einen so leicht konstruierten Trailrunner-Schuh.
      Die Temperaturunterschiede zwischen meiner Heimatregion, dem Raum Halle in Mitteldeutschland, und den deutschen Küsten habe ich etwas unterschätzt. Für die Übernachtungen im Tarp und Zelt habe ich einen AsTucas Quilt (Apex 133, Komforttemperatur +5°C) verwendet. Meistens schlafe ich in der Unterhose und im T-Shirt. Aber es hat Nächte im Mai und Anfang Juni gegeben, wo ich wegen der kühlen Nachttemperaturen zusätzlich Strümpfe, eine Legging und meinen langärmligen Pullover von Cumulus anziehen musste. Für die Zukunft werde ich mir überlegen, ob ich nicht generell den etwas dickeren AsTucas Quilt (Apex 200, Komforttemperatur -5°C) in den Rucksack packe. Sollte es dann im Sommer zu heiß werden, kann ich ja ohne Quilt schlafen. Das ist ja gerade einer der Vorteile eines Quilts gegenüber einem Schlafsack, dass der Quilt wie eine ganz normale Decke genutzt werden kann.
      Übernachtungen
      Eigentlich wollte ich nur im Tarp übernachten. So war es zumindest geplant. Als Endziel für die Tagesetappen habe ich mir bei der Planung immer Campingplätze gesucht. Deshalb sind auch die großen Differenzen in den Längen der einzelnen Tagesetappen entstanden. Es gibt Abschnitte an Ost- und Nordsee, wo es nicht so viele Campingplätze gibt.
      Am Anreisetag und in den 4 folgenden Nächten habe ich dann im Tarp übernachtet. Aber das Platzangebot in meinem Tarp hat mich nicht überzeugt und ich bin für die weiteren Übernachtungen in mein 1-Mann-Zelt (Tarptent ProTrail) ausgewichen. Trotzdem werde ich die Übernachtung in einem Tarp nicht aus dem Auge verlieren. Mein Tarp habe ich mit einem Paket nach hause geschickt.
      Nur einmal habe ich, weil es sich streckenmäßig angeboten hat, in einer Schutzhütte übernachtet. Dort habe ich mit Isomatte und Quilt auf einem gepflasterten Steinboden die Nacht verbracht.
      An den beiden Ruhetagen habe ich mich in Wismar (nach dem 10.Wandertag) und in Flensburg (nach dem 20.Wandertag) in Jugendherbergen einquartiert. Den Ruhetag in Wismar habe ich genutzt, um eine aufkommende Sehnenentzündung am linken Bein auszukurieren. Zusätzlich war ich noch in Barth und Born in Jugendherbergen.
      Am 22.Wandertag habe ich, von Flensburg kommend, kurzfristig die geplante Tagesetappe stark geändert und bin „querfeldein“ in Richtung Dagebüll (Nordsee) gelaufen. Nach knapp 40 km habe ich mir nach einer hammerharten Straßenetappe in Ladelund wegen fehlender anderer Möglichkeiten eine Ferienwohnung gesucht.
      Alle übrigen Übernachtungen, 25 an der Zahl, haben im Zelt stattgefunden.
      Am 29.Wandertag, ich hatte mein Zelt auf einem Wohnmobil-Parkplatz in Wischhafen aufgebaut, hat es ein heftiges Unwetter gegeben. Ich war gerade in einer Gaststätte, als am Horizont in kürzester Zeit sehr tiefliegende grauschwarze Wolken aufgezogen sind. Solche Wolkenformationen habe ich in meinem Leben noch nicht oft gesehen. Eine Kellnerin aus der Gaststätte hat mir angeboten das Unwetter in der Gaststätte abzuwarten. Ich wollte aber unbedingt zu meinem Zelt, weil ich Schlimmes befürchten musste. Im straffen Lauftempo bin ich zu meinem ca. 500 Meter entfernten Zelt gelaufen. Ich wollte prüfen, ob die Abspannleinen alle ordentlich gespannt sind und ob die Heringe tief genug sitzen. Gerade als ich das getan hatte und in mein Zelt gekrochen bin, fing das Unwetter an. Auf dem Rücken liegend, alle Sinne aufs äußerste gespannt, habe ich das Unwetter in meinem Zelt abgewartet. Innerhalb von 15 Minuten hat es gestürmt und geregnet, wie ich es lange nicht erlebt habe. Mein Zelt hat diese harte Bewährungsprobe mit Bravour bestanden. Die Heringe haben dem starken Sturm getrotzt und das Innere des Zeltes ist trocken geblieben. Mehr kann man von einem so leicht konstruierten 1-Mann-Zelt nicht erwarten.
      Alle kommenden Regentage, die ich in diesem Zelt übernachte, werde ich mit einem Gefühl von großer Gelassenheit und Geborgenheit genießen. Schlimmer kann es nicht kommen, wie an diesem späten Nachmittag in Wischhafen.
      Versorgung
      Während der Planungsphase war mir nicht unbedingt klar, wie das mit der Versorgung klappen würde. Deshalb habe ich mich vor dem Start ausreichend mit Lebensmitteln eingedeckt, so dass ich mindestens ein paar Tage überstehen würde. In der Nachbetrachtung hat sich das als vollkommen überflüssig erwiesen. Fast jeden Tag hat es Möglichkeiten gegeben sich mit Lebensmittel zu versorgen. Zusätzlich gab es fast jeden Tag Gaststätten und Imbissbuden, die auf Urlauber, speziell auf Radfahrer und Wanderer, eingestellt waren.
      Was habe ich gegessen bzw. was hatte ich an Lebensmitteln in meinem Rucksack?
      Wenn möglich, habe ich immer 2 Bananen und 2 Äpfel dabei. Das reicht für 2 Tage. Gleich nach dem Aufstehen habe ich eine Banane gegessen, im Laufe des Vormittags einen Apfel. Nach Bedarf habe ich tagsüber auch den einen oder anderen Obstriegel gegessen, die ich wenige Wochen vor dem Start der Wandertour bei Edeka entdeckt habe. Diese Obstriegel gefallen mir vom Geschmack wesentlich besser als die zu süßen Müsliriegel. Die Müsliriegel schmelzen bei hohen Temperaturen und machen dabei keinen schönen optischen Eindruck. Die Obstriegel sind dagegen sehr temperaturbeständig und schmecken köstlich.
      Nüsse, speziell Studentenfutter, habe ich immer griffbereit in einer Gürteltasche meines Rucksacks. Das bedeutet, dass ich fast ständig etwas esse, auch wenn es nur Nüsse sind.
      Ein beliebtes Ziel für die Versorgung waren auch Bäcker-Geschäfte. Ich war überrascht, dass fast jeder noch so kleine Ort an den Küsten einen Bäcker hat. Manchmal waren das auch nur Verkaufsstände bei Lebensmittel-Discountern. Dort habe ich dann am Morgen einen Kaffee getrunken und etwas gegessen. Zusätzlich habe ich mich mit 2 belegten Brötchen eingedeckt. Ein belegtes Brötchen habe ich dann am Mittag gegessen, das andere am Nachmittag.
      Bin ich tagsüber, speziell um die Mittagszeit, an einem Imbiss oder an einer Gaststätte vorbeigekommen, habe ich mir oft ein richtiges Mittagessen gegönnt und in alle Ruhe gegessen. Die belegten Brötchen sind dann im Rucksack geblieben.
      An nicht so heißen Tagen bin ich mit 1 Liter Wasser ausgekommen. Zusätzlich habe ich mich unterwegs mit Zusatzgetränken (Apfelschorle) versorgt. Im Rucksack habe ich immer eine Apfelschorle (0,3 l) und eine Cola (0,3 l) dabei.
      An besonders heißen Tagen (über 30°C) hatte ich 2 Liter Wasser im Rucksack. Wenn immer möglich habe ich das Wasser nachgefüllt.
      Wenn man das einmal gewichtsmäßig im Kopf überrechnet, hatte ich, bedingt durch die Lebensmittel (Essen und Getränke), doch einiges an Zusatzgewicht im Rucksack. Manch einer mag mit weniger Lebensmittel auskommen, aber für mich war das auf dieser Wandertour das richtige Maß.
      Am Abend habe ich oft eine Gaststätte oder Imbiss aufgesucht, wo ich zum Abschluss des Wandertages einen Radler getrunken und ein leichtes Essen, meistens einen Salat, gegessen habe. Das war dann der krönende Abschluss der meisten Wandertage.
      Verletzungen
      Im Oktober/November 2018 habe ich auf dem Jakobsweg Via de la Plata in Spanien mein persönliches Waterloo erlebt. Durch eine ungenügende Vorbereitung und durch Überlastung (zu hohes Tempo beim Wandern) habe ich mir nach 4 Tagen eine Sehnenentzündung zugezogen, die nach 7 Tagen so schmerzhaft war, dass ich die Wandertour abbrechen wollte. Durch Zufall habe ich in einer Herberge eine Pilgerin getroffen, die mir medizinische Hilfe angeboten hat. So konnte ich den Jakobsweg nach 19 Tagen erfolgreich beenden.
      Eingedenk der gemachten Erfahrungen habe ich mich vor dieser Wandertour wesentlich besser vorbereitet. Auf den einzelnen Tagesetappen habe ich sehr genau in meinen Körper „hineingehört“. Nach der 8.Tagesetappe hatte ich aber plötzlich wieder Probleme am unteren Bereich des linken Schienbeins, genau dort, wo ich im Oktober/November 2018 die Sehnenentzündung hatte. Meine Sinne waren aufs Höchste angespannt.
      Sollte sich da wieder eine Sehnenentzündung anbahnen?
      Die nächsten beiden Tagesetappen habe ich mit einem langsameren Wandertempo bewältigt. Es wurde nicht besser, aber auch nicht wesentlich schlechter. Mir war klar, dass ich da etwas unternehmen musste. Nach 10 Wandertagen habe ich notgedrungen in Wismar einen Ruhetag eingelegt und zweimal in der Jugendherberge übernachtet. Vor der ersten Nacht in der Jugendherberge habe ich mein linkes Schienbein mit einem Zinkleimverband mit pflanzlichen Extrakten von Aktimed SPORT umwickelt. Um diesen Zinkleimverband habe ich dann noch einen elastischen Schutzverband gelegt. Ich war gespannt, wie es mir am nächsten Tag gehen würde. Am nächsten Morgen war ich überrascht. Ich hatte fast keine Schmerzen mehr. Den Ruhetag habe ich für die Regeneration genutzt. Trotzdem bin auch einige Kilometer gelaufen, weil ich die Stadt Wismar besichtigen wollte und weil die Jugendherberge am Stadtrand von Wismar liegt. Nach dem Ruhetag habe ich meine Wandertour fortgesetzt. Was soll ich sagen, es wurde von Tag zu Tag besser. Nach wenigen Tagen hatte ich keine Schmerzen mehr und ich konnte wieder mein geplantes Wandertempo gehen. Nach 7 Tagen habe ich den Verband entfernt.
      Der Zinkleimverband von Aktimed SPORT gehört ab sofort zu einem festen Bestandteil meiner medizinischen Ausrüstung.
      Ab dem 30.Wandertag wurde es jeden Tag um einige Grad wärmer. Der Höhepunkt war der 35.Wandertag, eine Tagesetappe von lediglich 33 km, aber mit Temperaturen von 33°C. Ich hatte mich mit vielen Getränken eingedeckt. 2 Liter Wasser, eine Apfelschorle (0,3 l) und eine Cola (0,3l). Unterwegs habe ich überall getrunken, wo das möglich war. Auch gegessen habe ich nach meiner Meinung sehr gut. Weil es auf den Tagesetappen entlang der Nordseedeiche kaum Bäume gibt, habe ich ordentlich in der Sonne gelitten. Meine Kleidung hatte überall weiße Ränder vom Schwitzen. Das hätte das erste Alarmzeichen sein müssen. Dann stellte sich ca. 3 km vor dem Ende der Tagesetappe ein leichter Krampf in der linken Wade ein. Das hätte das zweite Alarmzeichen sein müssen. Mit deutlich langsameren Tempo habe ich dann die Tagesetappe beendet. Meine Kleidung war vollkommen durchgeschwitzt und hat die typischen weißen Ränder gezeigt. Am Abend habe ich dann auf einem Campingplatz (Bensersiel) meine Wanderkleidung komplett gewaschen.
      Am nächsten Tag habe ich meine Wandertour fortgesetzt. Die Temperatur war über Nacht um über 15 Grad gesunken. Früh waren es noch 17°C. Das ist ideales Wanderwetter. Meine Sachen waren frisch gewaschen. Überraschenderweise hatte ich unterwegs immer noch diese leichten Krämpfe in der linke Wade. Aber über das Gehtempo konnte ich das einigermaßen regulieren. Am Nachmittag habe ich dann 2 Radfahrer getroffen. Sie fragten mich, ob ich derjenige bin, der Deutschland an den Grenzen umrunden will. Diese Wandertour (Deutscher Grenzweg (DGW)) gehört ebenfalls zu meinem DLW-Wanderprojekt. Das habe ich verneint und ihnen erklärt auf welcher Wandertour ich unterwegs bin. Nach einer kurzen Unterhaltung stellte sich heraus, dass die beiden Radfahrer auf dem selben Campingplatz übernachten würden. Auf dem Campingplatz haben wir uns dann sehr intensiv unterhalten. Die beiden sind Ultraläufer und bewältigen extreme Distanzen an einem Stück. Zufällig haben wir auch über meine leichten Wadenkrämpfe gesprochen und dass die schon seit 2 Tagen auftreten. Sie erklärten mir, dass die weißen Ränder an meiner Kleidung Salzausscheidungen meines Körpers waren. Sofort war mir klar, was am vorigen Tag passiert war. Ich hatte durch die extreme Hitze und durch die große Belastung übermäßig viel Salz ausgeschieden. Durch die Getränke und die Ernährung habe ich dieses Salz-Defizit an diesem Tag nicht ausgleichen können. Wenn ich nicht langsamer gelaufen wäre, hätte mich das gleiche Schicksal ereilt, wie beim Wandermarathon 2016 in Kulmbach. Dort musste ich nach 25 km wegen schwerer Wadenkrämpfe den Wandermarathon beenden und mit dem Besenwagen ins Ziel fahren. Ursache für den Abbruch war damals eine falsche Ernährung und ein zu hohes Gehtempo. Die beiden Ultraläufer haben mir dann noch genau erklärt, was da in einem Körper unter solch extremen Belastungen passiert und was man dagegen als Sofortmaßnahmen ergreifen kann. Ein Mittel sind Salztabletten, die sie mir dann auch gegeben haben. Scherzhaft meinten sie dann noch, wenn Salztabletten köstlich schmecken, ist es bereits zu spät und der Salzverlust zu groß. Auch Bananen sind gut. Unglücklicherweise habe ich gerade an diesen beiden Tagen keine Bananen kaufen können.
      Jedenfalls bin ich jetzt vorgewarnt und weiß worauf ich in Zukunft bei solchen extremen Tagen achten muss. Ab sofort gehören auch Salztabletten zu meiner medizinischen Ausrüstung.
      Menschen
      Auf der ganzen Wandertour habe ich insgesamt 2 Wanderer, alle an der Ostsee, mit großen Rucksäcken getroffen, von denen ich wegen der Größe der Rucksäcke annehmen konnte, dass sie auf einer längeren Wandertour unterwegs waren.
      In einer Bushaltestelle habe ich eine ca. 50jährige Frau getroffen, die dort einen Regenschauer abgewartet hat. Erst wollte ich nicht anhalten, aber als ich den riesengroßen Rucksack gesehen habe, hat es mich förmlich in die Bushaltestelle gezogen. Die Frau hat mich erst mürrisch gemustert, aber dann hatten wir noch ein sehr nettes Gespräch. Ich habe lange überlegt, ob ich etwas wegen ihrem Rucksack sagen sollte. Dann habe ich mich doch zurückgehalten und sie hat selber angefangen zu erklären, dass sie bisher alles gebraucht hat, was im Rucksack verstaut ist. Als der Regen vorbei war, haben sich unsere Wege getrennt. Ich konnte beobachten, dass sie neben dem Rucksack zusätzlich in der einen Hand eine große Isomattenrolle und in der anderen Hand das Zelt getragen hat. Sprachlos habe ich ihr hinterhergeschaut. Ich konnte nicht begreifen, wie man so wandern kann.
      Bei meiner einzigen Übernachtung in einer Schutzhütte war ich nicht allein. Ein Wanderer, auch mit einem riesigen Pfadfinder-Rucksack, hatte die Absicht das Grüne Band zu bewältigen. Da diese Wandertour ebenfalls zu meinem DLW-Wanderprojekt gehört, haben wir uns den ganzen Abend ausgiebig über diesen Wanderweg unterhalten. Was seinen riesengroßen Rucksack betrifft, habe ich mich wieder zurückgehalten meine Meinung zu äußern. Vor einigen Jahren war ich ja selbst mit einem „übergewichtigen“ Rucksack unterwegs. Dabei denke ich daran, wie ich reagiert hätte, wenn mir jemand etwas von seiner ultraleichten Ausrüstung vorschwärmen würde. Wenn das dann noch im „falschen“ Ton erfolgt, ist das für den anderen Wanderer weniger schön. Erst wenn ich ausdrücklich nach meiner Ausrüstung gefragt werde, gebe ich gerne eine Auskunft.
      An der Nordseeküste habe ich einen italienischen Radfahrer getroffen, den Guiseppe aus dem Ruhrgebiet. Er war auf dem Weg von Deutschland nach Island. Dort wollte er die Insel umrunden und dann wieder zurück nach Deutschland fahren. Wir hatten ein sehr nettes Gespräch in perfektem Deutsch. Dabei hat er meine leichte Wanderausrüstung bestaunt. Im Gegenzug bat er mich sein Fahrrad anzuheben. Vorher hatte ich schon bemerkt, dass er mit einem sehr alten und offenbar sehr schweren Fahrrad unterwegs war. Nur mit sehr großen Schwierigkeiten gelang es mir sein Fahrrad anzuheben. Ich habe das Gewicht auf ca. 30-35 kg geschätzt. Unglaublich, dass man mit einem solchen Fahrrad überhaupt vorwärts kommen kann. Ich war sprachlos. Dann habe ich zum Abschluss noch ein paar Fotos gemacht. Guiseppe hat dann noch ein kleines Video mit seinem Handy von uns gedreht. Dann sagte er mir noch, dass er seine Videos auf YouTube stellt, wo ich es unter den Stichpunkten „Guiseppe, Mit dem Fahrrad von Deutschland nach Island“ finden könnte.
      Über eine ganz besondere Spezies von Menschen muss ich noch ein paar Worte verlieren. Das sind die eBike-fahrenden älteren Urlauber bzw. Rentner. Gefühlt 95% aller Radfahrer an der Ost- und Nordsee sind mit dem eBike unterwegs.
      An der Nordsee ist das kein Problem. Dort sind die Wege breit genug, so dass sich Wanderer und Radfahrer aus dem Weg gehen können. Ich habe schon bemerkt, das ich von den Radfahrern an der Nordsee mitleidig wie ein vom aussterben bedrohtes seltenes Tier betrachtet wurde.
      An der Ostsee verhält sich das etwas anders. Speziell auf den schmalen Trampelpfaden an der Steilküste ist es mir nicht nur einmal passiert, dass ich mich nur durch einen gewagten Sprung in die Büsche neben dem Trampelpfad vor heranstürmenden älteren eBike-Fahrern retten konnte. Kaum hatte ich mich von dem Schreck erholt, waren sie auch schon ohne sich umzudrehen in hohem Tempo verschwunden. Wahnsinn, was da manchmal abgegangen ist.
      Radfahrer, mit denen ich mich auf Campingplätzen unterhalten habe und die sich noch mit eigener Muskelkraft fortbewegen, waren auf die älteren eBike-Fahrer überhaupt nicht gut zu sprechen. Manche haben wahre Schimpfkanonaden auf die älteren eBike-Fahrer losgelassen.
      Abreise
      Die Abreise hat sich einfach gestaltet. Nach dem Erreichen des Wandertour-Ziels, dem Bahnhof in Emden, wo ich nach einer Tagesetappe von 23,2 km so gegen 11 Uhr angekommen bin, habe ich mein Bahnticket gebucht und bin mit dem IC nach Magdeburg gefahren. Dort ging es dann weiter mit dem RegionalExpress nach Halle. In Halle hat mich dann meine Frau mit dem Auto abgeholt.
      Alles ist ohne nennenswerte Verspätungen abgelaufen.
      Statistik
      Die Planung dieser Wandertour hat insgesamt 40 Tagesetappen unterschiedlicher Länge ergeben. Tatsächlich habe ich die Wandertour in 36 Wander-Tagesetappen bewältigt.
      Nachfolgend sind hier einige statistische Daten zu dieser Wandertour.
      Streckenlänge …
      …Grobplanung                                           1200 km (mit Insel Rügen)
      …Feinplanung                                            1183 km (ohne Insel Rügen)
      …tatsächlich gelaufen                             1189 km
      …Ostsee                                                       620 km
      …Überführung Ostsee zur Nordsee           60 km
      …Nordsee                                                    509 km
      Tage gesamt…                                              38
      …davon Wandertage                                   36
      …davon Ruhetage (Zero-Days)                    2
      …davon an der Ostsee                                21
      …davon an der dänischen Grenze               2
      …davon an der Nordsee                             15
      Tagesetappen gesamt…                            36
      …davon <   15        km (Nero-Days)            0
      …davon      15 - 19 km                                  0
      …davon      20 - 29 km                               13
      …davon      30 - 39 km                               20
      …davon >= 40        km                                  3
      Längste Tagesetappe…                            45,5 km
      Kürzeste Tagesetappe…                           20,7 km               
      Tagesdurchschnitt …
      …mit    Ruhetagen                                      31,3 km/Tag
      …ohne Ruhetage                                        33,0 km/Tag
      Übernachtungen…                                     38
      …davon im Tarp                                           5
      …davon im Zelt                                          25
      …davon in Schutzhütte                               1
      …davon in FeWo                                          1
      …davon in Jugendherbergen                    6  
      Wetter…                                                      38
      …davon Sonnentage                                21
      …davon bedeckte Tage                             9
      …davon Regentage                                    8
      Tracks, Wegpunkte und Bilder
      Bei der Beschreibung meines Wanderprojektes Deutsche Langstreckenwanderungen (DLW) habe ich darauf hingewiesen, dass ich vorerst meine Tracks nicht veröffentlichen werde. Das Wanderprojekt soll aus frei geplanten Wandertouren bestehen, wo sich jeder selbst seinen Weg suchen soll.
      Aber darüber ist noch nicht das letzte Wort gesprochen. Vielleicht überlege ich mir das noch und veröffentliche meine Tracks.
      Bilder von meiner Wandertour an den deutschen Küsten stelle ich sehr gerne zur Verfügung. Der nachfolgende Link (hoffentlich funktioniet der Link) verzweigt in ein GoogleFotos-Verzeichnis. Zu jedem Bild habe ich einen kurzen Kommentar hinzugefügt.
           WT008_DE_DKW_Deutscher_Kuestenweg
      Fazit
      Alles ist in den vorherigen Punkten gesagt wurden. Deshalb fällt das Fazit zu dieser Wandertour kurz, knapp und auch hart aus.
      Die Ostseeküste ist ein Paradies für Wanderer und Radfahrer.
      Die Nordseeküste ist nur ein Paradies für Radfahrer.
       
    • Von Idgie
      Guten Morgen,
      ich plane den kompletten August unterwegs zu sein und möchte gerne 500 - 600 Kilometer fortlaufend unterwegs sein. Angedacht ist im Moment München - Venedig, allerdings in einer etwas abgeschwächten Variante.
      Da ich Höhenangst habe, traue ich mir Stellen wie die Friesenbergscharte (der Part wo der Weg schmal ist und es daneben abwärts geht) derzeit nicht zu,ohne einzufrieren  
      Es gibt da ein Büchlein, aus dem Outdoor-Verlag, das eine Variante für "Schisser" wie mich anbietet. Im Moment plane ich noch daraufhin, möchte aber auch über mögliche Alternativen nachdenken.
      Habt Ihr Vorschläge für mich?


       
    • Von effwee
      ahoi
      ziemlich "spontan" werde ich von Mai bis August den E1 von Flensburg nach Konstanz laufen. 
       
      Rahmen:
      Geplant ist draußen pennen (Tarp/ Schutzhütte/ Cowboy*Camp) - alle naselang mal Camping (Dusche diesdas) oder gar ab und an mal Bett (wenn's mich überkommt).
      Resupply versteht sich von selbst - vor Ort. Navi mit Fon. Nach etwas 2/3 der tour lauf ich eh durch Ffm da kann ich für die letzten km noch was umpacken oder mir zur Not was zuschicken lassen .  Meine aktuellen Schuhe gehen wahrscheinlich noch bis HH (ca. 450km), da würde ich neue kaufen (Laden ist schon ausgecheckt). Die bis Ffm totlatschen (ca 850km) - hier hab noch frische.
      90 Tage all in halte ich für realistisch. Tagespensum 30km + mit Luft nach oben über die Zeit (natürlich auch mal weniger). Nord nach Süd: Weil landschaftlich spektakulärer und erstmal im Flachland einlaufen für die späteren Höhenmeter (die jezze auch nicht dramatisch erscheinen - auf dem Papier zumindest). 
       
      Guckt mal in die Packliste => https://lighterpack.com/r/c12k52
       
      Erklärung:
      Rote Sterne: unklar = muss ich das mitnehmen?
      Powerbank. Ersetze ich durch eine Anker 5000amp? ich bin noch am überlegen... ich traue meiner Powerbank nicht soviel zu (1 Ladung vielleicht für das iPhone 6) dafür ist sie echt leicht und ich hab sie ist aber ein peripheres Problem.
      Wirklich eine Taschenlampe im Sommer? Hab ich bisher nie bei Sommertouren eingepackt - "nur" weils jetzt mehr Km sind, will ich eine einpacken...? eigentlich nicht.
      Gelbe Stern: kümmer ich mich noch drum
      Tarp guyline: Befestigung mit T-Stopper ist theoretisch ne gute Idee. praktisch würde ich das gerne mal austesten (damit das ständige geknote nicht ist) 
      Quilt Kabelage wollte ich mir eine leichtere basteln - muss noch
      Überlegung war: einen 44er Tyvek Bivak zu bauen der im Idealfall leichter als meine TLD folie und mein Cumulus Bivi ist, dann kämen beide letztgenannten raus - muss ich aber noch bauen.
      Die Socken muss ich einfach noch kaufen (danke für den hint aus dem Forum!)
      Der Schirm!! Tja, will ich einen oder brauch ich einen? Ich weiß nicht was obsiegt. Aber als Sonnenschutz, Regenschutz und Tarp Beak… und bei Regen Tarp aufbauen ohne nass zu werden.... wenn ja muss ich noch einen kaufen (welcher es werden soll, steht schon in der liste. bessere Ideen?)
       
      Der Rest ist eigentlich selbsterklärend. Wenn nicht, hier noch ein paar Anmerkungen. Ansonsten skippen...
       
       
      Schlafsetup:
      passt so für einen deutschen Sommer für mich. Ist mit den Klamotten boostbar. Für mich Komfy bis 5 Grad (naja eher etwas wärmer so 8-10, das andere hab ich auch schon gemacht - ungeil, aber geht)
      Küche:
      Könnte auch stoveless gehen... hab ich aber keinen Bock drauf. Messer ist Muss zum schnibbeln von Frischem - das ist einer der Wege zum genussvollen Wandern 
      Hydration:
      Sawyer: hm. weiß nicht. Würde sicherlich auch ohne gehen... mal schauen.../ Kombi Platy-Sack und 0,75fl funzt seit 2 Jahren… wenn länger keine Auffüllmöglichkeiten, zweite Flasche kaufen
      1st Aid:
      Hab nochma down gesized, das ist das mit dem ich für mich gut klar komme, alles andere ist eh Tourabbruch und/oder Ärztin . Tigerbalm (ich hab da son immer-wieder-zipperlein in der Ferse, das geht  mit sowas ganz gut zu behandeln).
      Reperaturkit:
      Nadel und Faden...? Warum jetzt auf einmal (Treibt mich manchmal um). Ansonsten alles drin (vllt sind gar die Tear Aid Zuviel 5 Stripes?) aber hey...echt 1gr?
      Hygiene:
      Nagelknipser. Jawohl! Ich kann mit Schere nicht. Der Rest reicht. Seife kann ich in Pröbchen ggf. für den unmittelbaren Bedarf kaufen, ansonsten immer da waschen wo geht... Mini-Sonnencreme nur für die Nase reicht (ansonsten Hut,  Schirm -ich ja brauche den Schirm- und Hemd - kein Sonnencremefan). (Ich kann ja kaufen: die drei größten Städte SHS's auf den ersten 350km)
      Klamotten:
      Stanni dt. Sommersetup. kann ab 5-8grad alles. Ich könnte die Tights noch rausschmeissen gegen ne 3/4 tight von Decathlon die kratzt (- 84gr) oder ne 3/4 Kufa von Odlo (- 67gr). Daunen Jacke hab ich eh nur ne schwere (316gr) statt Fleece und Weste. Mit letzterem Setup bin ich flexibler. und bisher immer gut gefahren (Yo ich könnte das Mammut gegen den Montane Allez Hoodie tauschen, dann hätte ich ne Kapuze aber weniger Fleece... momentan fühlt sich es eher nach dicker und kuscheliger an, mal schauen wie der Frühling so startet...)
      Diesdas und Elektro:
      So ist das nun mal. Passt. 
      Brille hab ich meine geliebte Oakley Holbrook eh verloren, eine neue Brille muss her, organisier ich mir was auf Tour oder gucke mich mal um...
       
       
      So. Fragen, Anmerkungen, Kritiken zur Packliste nur her damit!
      Praktische Tipps, Anregungen... auch sehr willkommen!
      Gut zureden, moralische Unterstützung... immer!
       
      Schönen Abend noch
      *f
    • Von Maarten
      Kurz zur Vorstellung: Ich bin 2018 den PCT SOBO gewandert und bin am 7.Juli gestartet und habe meine Wanderung am 18ten November am südlichen Terminus des PCT beendet. Ich hatte keine Wandererfahrung und habe den Trail direkt nach meinem Abitur im Alter von 19 Jahren gestartet. Vorab: Ich schreibe hier über meine Erfahrungen. Das heißt nicht, dass sie für euch gleich sein werden. Jede Wanderung ist unterschiedlich.
      SOBO Vor-/Nachteile
      Die Vorteile eines SOBO Hikes im Gegensatz eines NOBO Hikes liegen für mich nun klar auf der Hand. Vor meiner Wanderung habe ich stark an meinem SOBO attempt gezweifelt, da NOBO einfach um einiges populärer ist. Diesen Punkt kann ich jetzt absolut nicht mehr verstehen.
      Vorteile
      Das Wetter. Ich habe 2 Tage wirklichen Regen gehabt und der Rest lässt sich auf 10 Minuten Nieselregen oder extreme Luftfeuchtigkeit begrenzen, die ab und zu sogar wilkommenen waren. Während man als NOBO Hiker Washington so gegen Ende August/September antrifft, wandert man Washington als SOBO im Juli/Anfang August. Daraus folgt, dass die Chancen auf gutes Wetter um einiges höher sind und man die Aussichten vollends genießen kann aufgrund des klaren Himmels. Dagegen stehen für NOBOs jeden 2ten Tag Regen, bewölkter Himmel und falls man wirklich Pech hat, Schnee an der Tagesordnung. Desweiteren ist Südkalifornien bereits ein wenig abgekühlt, wenn ihr es im Oktober/November durchquert. Das Permit. Ein SOBO-Permit für den PCT ist einfach um einiges einfacher zu bekommen als ein NOBO permit. Ich habe mein Permit gegen Ende des Januars beantragt und hatte freie Wahl an welchem Tag ich starten möchte. Weniger Menschen. Ich habe dieses Jahr wohl ein hoch-frequentiertes SOBO Jahr erwischt und ich war volkommen zufrieden. Man traf eine angenehme Zahl von Menschen in Trailtowns, die nicht volkommen überlaufen waren. Man hatte die Möglichkeit alleine zu wandern, aber es war auch durchaus möglich in einer Gruppe zu wandern, wie ich es auf der 2ten hälfte des Trails getan habe. Außerdem kommt es mir so vor als wären die Bindungen zu den Trail Bekanntschaften enger, da es eben nicht so viele Wanderer gibt und man sich besser kennen lernt. Ein weiterer Vorteil ist, dass man sich so gut wie immer seine Camping Plätze aussuchen kann, außer wenn man die NOBO Bubble in Oregon passiert. Mücken. In Washington kann man als SOBO schon ganz schöne Probleme bekommen, aber meiner Meinung nach kann man das einfach nicht damit vergleichen, was NOBOs durchmachen müssen. Oregon kann zur Qual werden und vorallendingen in den Sierras scheint es wohl eine Menge Mücken gegeben zu haben. Ich war allerdings auch etwas spät dran als SOBO und könnte somit immer genau nach der Mücken-Saison besagte Gebiete durchquert haben. The Sierras. Die Sierras scheinen um einiges entspannter zu sein als SOBO. Ich hatte eine "Flussdurchquerung" (Das Wasser reichte mir bis zu den Fußknöcheln....), während NOBOs sich in acht nehmen müssen, da manche Überquerungen nicht ohne gewesen zu scheinen. Desweiteren hatte ich absolut keinen Schnee in den Sierras. Einzig und allein auf Glen Pass hatte ich etwas Eis. Das könnte aber auch wieder an meinem späten Timing liegen. Nachteile
      Einen engeren Zeitplan. Als NOBO sollte man seine Wanderung spätestens gegen Anfang Oktober beenden, allerdings fängt ein NOBO im Optimalfall auch bereits im April seine Wanderung an. Ein SOBO hingegen kann erst in der Cascade Range Washingtons beginnen sobald der Schnee geschmolzen ist, was in der Regel anfang Juli der Fall ist. Gleichzeitig sollte man Forester Pass (Der höchste Punkt des PCTs) vor dem 1.Oktober passieren. Das erfordert, dass man von Anfang an fit ist. Man hat weniger Zeit die Meilen progessiv aufzubauen wie es ein NOBO tuen kann. Ohne Zeroes müsstet ihr mit dem Startdatum des ersten Juli ungefähr 21 Meilen pro Tag laufen, was nicht zu unterschätzen ist. Weniger Trail Magic. Für mich persönlich war das kein Problem, aber man erfährt aufgrund der geringeren Popularität einer SOBO Wanderung weniger Trail Magic. Ich habe aber in Trailtowns soviel Hilfe bekommen und es scheint mir auch so als ob man mehr mit Locals in Kontakt kommt, da anstelle von 40 NOBOs nur 5 SOBOs in der Stadt sind. Conclusio: Die Vorteile wiegen meiner Meinung nach deutlich schwerer als die Nachteile. Letztenendes habe ich Forester Pass erst am 18.Oktober passiert und habe es trotzdem geschafft. Da war allerdings eine Menge Portion Glück bei und das heißt nicht, dass es bei euch funktioniert. Es war schon ziemlich kalt und ich habe einen Sturm miterlebt.
      Zum nördlichen Terminus gelangen
      Es ist als SOBO um einiges schwerer zum Startpunkt des Trails zu gelangen, als es das als NOBO ist. Ihr werdet am Harts pass starten müssen und von dort aus 30 Meilen Richtung Norden laufen um an den nördlichen Terminus zu gelangen. Dann fangt ihr eure SOBO Wanderung sozusagen "richtig" an. Ich würde es jederzeit wieder zu machen und empfehle nicht diese Meilen zu skippen. Einerseits machen 30 Meilen bei 2650 Meilen auch nicht mehr viel aus, andererseits bestärkt man dadurch das Gefühl, dass man tatsächlich den ganzen Trail gewandert ist und nichts geskippt hat. Es gestaltet sich schwierig mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Harts Pass zu kommen, aber ich habe Leute getroffen, die es gemacht haben. Das funktioniert allerdings nicht ohne Trampen. Ich bin der PCT SOBO 2018 Facebook Gruppe beigetreten und hatte mir extra dafür einen Facebook Account erstellt. Ich habe Ausschau nach Fahrten zu Harts Pass gehalten und habe dann auch Trail Angel gefunden, die mich zum Harts Pass mit anderen gebracht haben. Achja, warum könnt ihr nicht einfach an der amerikanisch/kanadischen Grenze starten? Es ist illegal die Grenze auf diesem Wege zu passieren.
      Resupply
      Auch der Resupply gestaltet sich anfänglich etwas schwieriger im Gegensatz zu einer NOBO Wanderung. Washington ist nicht stark besiedelt und sehr entlegen. Ich habe von Seattle aus Boxen nach Stehekin, Skykomisch, Snoqualmie Pass, White Pass Kracker Barrel und Trout Lake gesendet. Das ist am Anfang erstmal ein ganz schöner Aufwand, aber ich würde immer noch sagen, dass es für diese Trail towns leider nötig war. Die Preise waren entweder exorbitant hoch oder die Auswahl ließ zu wünschen übrig oder beides. Die Einkaufsläden ähnelten Tankstellen, die aber durchaus auf Wanderer eingestellt waren. Meiner Meinung nach kauft man sich vorallendingen in Washington durch die Boxen erstmal Zeit. Es wäre vielleicht möglich ohne die Boxen, aber ihr müsstet zu einer weiter entfernten Stadt hitchen usw...
      Als ich dann die Washinton/Oregon Grenze erreicht habe, habe ich aus Cascade Locks Boxen nach Oregon gesendet. Alternativ könntet ihr aus Portland Boxen senden, was aber weiter weg liegt als Cascade Locks. Ich habe Boxen zu Big Lake Youth Camp, Shelter Cove und Crater Lake National Park gesendet und würde es wieder so machen. Nach Oregon habe ich Boxen zu Nordkalifornien versandt. Das würde ich auf keinen Fall wieder tuen. Meiner Meinung nach kommt ihr in Kalifornien komplett ohne Boxen aus.
      Seid euch im klaren was ihr gerne esst, sodass ihr euch auf euer Paket freuty, bringt Abwechslung rein und weniger ist mehr...
      Ich belasse es einfach mal hierbei, damit das ganze nicht zu lang wird. Bei Fragen einfach nachfragen.
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      Für Fotos einfach mal auf meinem Instagram-Account vorbeischauen, ihr dürftet auch keinen Account brauchen.
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