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Ultraleicht Trekking

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  1. Es gibt in Tschechien wunderschöne Wanderwege durch Landstriche, die wilder erscheinen als bei uns. Etwa zeitgleich um 2020 wurden 2 in weiten Teilen ähnliche Wanderwege kreiert, die das Land umrunden: die Stezka Čezkem und die Via Czechia. Es heißt, Stezka Čezkem sei noch mehr abseits der Zivilisation, und viele wanderlustige Tschechen sind eher auf diesem Trail unterwegs. Ich jedoch wählte die Via Czechia severní, also die Nordroute, und zwar von Ost nach West. Vorab, 40 Tage Primetimewandern (und An- und Abreisetag) in einem Land, das man unbedingt gerade noch als einen Geheimtipp für den natur- und landschaftsliebenden Wanderer bezeichnen darf. Für den Interessierten werde ich gerne in Etappen über die durchwanderten Regionen berichten. Und auch über bestimmte Teilaspekte wie Ausrüstung, Planung, Übernachtung, "Resupply"....
  2. 7. Krkonoše (Riesengebirge) mit versehentlicher Königsetappe über die Schneekoppe 23.-25. August 90 km Die Hotelnacht in dem 10 stöckigen Gebäude in Trutnov war super. Morgens um 6 Uhr kann man vor lauter Nebel gar nichts von der Stadt sehen. Aber ich bin ja erst mit zusammenpacken beschäftigt, den Frühstück gibt es erst um 8 Uhr am Wochenende. In der Hoffnung, schon ein Käffchen vorher zu ergattern, bin ich schon um 20 vor 8 vor dem Frühstücksraum, umsonst. Ist noch abgesperrt. Und dann sind auf einmal 30 bis 40 Frühstücksaspiranten vor der Glastür, und als aufgeschlossen wird, bin ich die 3. am Kaffeeautomaten und warte geduldig lange 5-10 Minuten, bis mein Kaffee aus der Kiste produziert wird. Es gibt heute morgen Speisen, die sonst nie um diese Zeit verzehren würde: Rührei mit Speck, Wiener Würschtl, gebratenes Gemüse und 2 Stück Kuchen mit Blaubeerjoghurt. So gestärkt geht es um 8:30 geht es los aus Trutnov. Ich habe spontan am frühen Morgen etwa 25 km weiter nochmals eine Nacht in einer Baude gebucht, da ich heute spät wegkomme und ich nicht irgendwo auf der Schneekoppe am Abend landen möchte. Keine Lust auf kalte Nacht und Rangerkontrollen. Etwas abseits von der Via Czechia lockt die Lysečinská bouda und es klappt mit der Buchung über mapy.com. So mache ich auf ganz gemütlich und schaue mir Mittags erstmal ganz ausführlich die Bunker auf dem Stachelberg an. Hitler hat Tschechien bereits weit vor dem 2. Weltkrieg gedroht, was die Tschechen frühzeitig veranlasst hat, mit dem Aufbau der Bunkerlinie zu beginnen. Nur gab es dann schon im September 1938 ein Abkommen, in dem Tschechien Gebiete abtreten musste, und so griffen sich die Nazis die Bunker. Umso verständlicher wird die radikale Vertreibung der Deutschen nach Kriegsende. Alle haben es schon vor Kriegsausbruch gewusst, wie sehr Deutschland als Kriegstreiber fungiert, aber das was uns Nachkommen vermittelt wurde, ist, dass man "ja nichts gewusst hat". Die Wege in Richtung Sniězka sind wunderschön und ich genieße die Ruhe der Landschaft. Ich komme an drei Unterständen vorbei, die sich zum Übernachten eignen, aber ich freue mich auf meine Berghütte. Die erreiche ich dann am mittleren Nachmittag und bin entzückt über das gemütliche Kammerl im 2. Stock. Als Abendessen gönne ich mir Hühnerschnitzel, wohlwissend, dass die letzten 2 Tage eher hyperkalorisch ausgefallen sind. Aber ich habe ja noch 3 Wochen zu wandern! Der Plan des heutigen Tages ist folgender: die Baudenübernachtung nutzen, um einen Frühstart hinzulegen. Es ist kein Zelt und Zeugs einzupacken. So früh wie möglich los um die 4 h bis zur Schneekoppe abzusolvieren, bevor der große Gipfelansturm kommt, und der kommt so sicher wie das Amen in der Kirche. Ich stehe um kurz vor 4 Uhr mit Stirnlampe auf der Asphaltstraße und folge ihr in der Dunkelheit bis Horní Malá Úpa. Komme dadurch rasch vorwärts. Dann geht es bereits in der Morgendämmerung den Grenzsteig entlang. Alle Wege im Riesengebirge sind mit Steinen ausgelegt, was es manchmal schwierig macht, vorwärts zu kommen. Ich muss sehr aufpassen, um nicht umzuknicken. Aber die frühmorgendliche Aussicht auf Polen ist großartig. Dann rückt sie auch endlich ins Visier, die Schneekoppe. Von ihr hat mir schon mein Großvater erzählt. Der Weg verläuft natürlich nochmals nach unten, um dann wieder anzusteigen. An der Bouda Jelenka mache ich um 7 Uhr erstmal Frühstück, um dann die restlichen 3,5 km in Angriff zu nehmen. Da fällt mir das Via Czechia Schild ins Auge, das verheißt, dass es bis zur Labská Bouda (Elbfallbaude) nur mehr 22 km weit ist. Warum dort nicht gleich einbuchen? 12 km hab ich schon, noch die 4 km bis zum Gipfel und dann den Rest, pillepalle! Gesagt, getan, gebucht, bezahlt, weil ich habe hier gerade auch Netz. Auf den letzten Metern zum Gipfelplateau hüpft mir doch prompt ein junger Baumpieper ins Sichtfeld! Allein die Aussicht schon auf dem Anstieg ist großartig, auch wenn die Sonne längst vormittäglich am Himmel steht. Dann erreiche ich den Gipfel noch vor neun Uhr, die Seilbahn baggert schon vereinzelt Leute hoch. Das Bistro hat noch zu und im Schlesierhaus am Sattel weiter unten ist noch tote Hose. Ich will dem rot-markierten Weg weiter folgen, aber halt, "Ugawa", der ist Einbahnstraße, nur für die Aufsteiger. OK, mapy.com schlägt mir eine Umgehungsschlaufe vor, denn ich bin hier heroben ohne Netz und deswegen wird mir die polnische Topokarte nicht angezeigt, die ich mir vorab nicht zum offline-Gebrauch heruntergeladen hatte. Schwerer Fehler! Und so mache ich mich auf den Weg auf einem Umweg auf der tschechischen Seite, erstmal nichts ahnend, dass der erstmal 5 km ganz weit hinunter führt und dann 5 km bis zu einem Talschluss zwar wildromantisch, aber dann verflucht steil wieder bergauf. Es ist bereits Mittag, als ich auf dem Sattel links des Schneekoppegipfels stehe. Mittlerweile werde ich von den Massen von Gipfelstürmern erschlagen. Und dann sehe ich auch noch, dass es doch eine Abkürzung auf der polnischen Rückseite der Schneekoppe gegeben hätte. Zu spät, um sich zu ärgern. Ich verlaufe mich kurz auf die polnische Seite und stolpere dann den richtigen Weg weiter bis zur Luční Bouda, wo ich dringend eine Pause brauche für Kofola, polévka, Cappuccino und koláče. Dann funktioniere ich wieder besser und stürme ein enggeschnittenes Tal hinunter. Keine Chance zum Wildcampen hier, bin ich froh um die gebuchte Baude. Eigentlich hätte ich der Via Czechia nochmals über einen Kamm mit mehreren 1400er folgen sollen. Ich merke aber, dass ich nach 38 km und 1700 hm ziemlich alle bin. Außerdem habe ich mich schon wieder verlaufen und bin einen Wasserlaufweg an der Bílý Labe (Weiße Elbe) falsch abgebogen. Wunderschön, aber falsche Richtung. Also wieder zurück. Dann suche ich mir auf der Karte einen weiter unten liegenden Weg bis zur Labská Bouda, der sich als Höhenweg mit toller Aussicht entpuppt. Zum Genießen bin ich ehrlicherweise viel zu platt. Ich muss das morgen wieder im Genussbereich machen, denn die letztlich 45 km und 2200 hm auf meinem Tagestacho sind mir auf Dauer zu viel. Die Baude ist mehr oder weniger ein Ski-Hotel aus geschätzt den 90ern, aber das ist mir heute egal. Duschen, Essen, Schlafen und morgen das Frühstück um 8 zelebrieren. Morgen wird ein kurzer Tag, versprochen. Heute lasse ich es líný angehen. Nach einer guten Nacht, ich habe zeitweise geschlafen wie ein Stein, bleibe ich bis nach 8 im Bett und trolle mich erst um halb 9 zum Frühstück, in der Hoffnung auf freien Zugang zum Kaffeeautomaten. Und das hat sich gelohnt. Ich ergattere 4x káva lungo und einen Teller voller Rührei mit Wiener Würstchen als ersten Gang. Der zweite wird Kuchen mit Sahnejoghurt-Topping. Das brauche ich auch, weil nach 3 Wochen Wandern sind meine angefutterten 2 Kilo zu viel mittlerweile fast abgeschmolzen, wie ich nach der Nacht feststellte. Um halb 10 geht's erst los für mich, es sind heute tatsächlich nur 16 km bis Harrachov, wo ich mich im Skizentrum vor den Sprungschanzen für einen schmalen Taler eingebucht habe. Ein "Nero-Day" also. Der erste Teil der Strecke besteht aus einem absoluten Panoramaweg durch den Rest des Krkonoše mit permanenter Aussicht. Am Václav Vrbrata und Bohumil Hanč Denkmal begegne ich 2 Österreichern aus dem Mühlviertel und wir kommen ganz nett ins Gespräch, so dass wir uns zum gemeinsamen Selfie entscheiden. Dann geht es aussichtsreich weiter auf der Langlaufmagistrale bis zum Bergkamm, wobei mir immer mehr Leute, überwiegend Polen, entgegen kommen. Später Vormittag/Mittag zertreten sich die Touris insbesondere im Riesengebirge, zumindest im August, das muß man wissen. Ein Stück des Weges verläuft auf polnischen Boden, die Reifträger Baude ist bereits kilometerweit zu sehen, ich aber werde einige hundert Meter davor wieder nach links in die Tschechische Republik abbiegen. Da sind dann auch etwas weniger Leute. Der zweite Teil der Strecke verläuft dann sehr idyllisch kilometerweit durch das Mumlava-Tal, zwar auf Asphalt, aber das ist mir fast lieber als die sonst so steinigen Wege. An der Mumlava Bouda mache ich nochmals Halt, damit ich nicht zu früh im Hotel einchecke. Und dann geht's auch recht schnell. An den Sprungschanzen steht das Hotel und hat Schullandheimcharakter. Ich bin in einem 5-Bettzimmer mit Etagenklo und -dusche. Das Zimmer habe ich aber für mich alleine und für 30€ mit Luxus-Frühstück darf man nicht meckern. Es ist mittlerweile bewölkt und herbstlich kalt geworden, da wäre es auf dem Campingplatz auch nicht idyllisch. Im Potraviny gegenüber hole ich mir Linseneintopf und Birell zum Abendessen und schaue mir noch die diversen Sprungschanzen an. Alles lost places mittlerweile, der tschechische Skiverband hat kein Geld mehr und die Sportstätten verfallen und sind überwuchert.
  3. 4. Hruby Jeseník (Altvatergebirge) und Rychlebske hory (Reichensteiner Gebirge): Am Praděd vorbei auf den Schneeberg 13.-16. August 110 km Ich liebe Nächte wie diese: unspektakulärer Fichtenwald, weicher Boden, Windrauschen, überwiegend eben. So geht Regeneration. Um kurz nach 7 Uhr mache ich mich auf um just nach 600 m an der Chata na Skřítků eine Ladestation zu entdecken. 10 min Handyaufladen muss jetzt auch noch sein. Dann beginnt ein langer schöner Anstieg durch den Wald, auf dem mir 15-20 Tschechen unterschiedlichen Alters mit Rucksäcken entgegen kommen. Offenbar ist der Bergkamm wieder ein Hotspot für Sonnenunter- und aufgangsanbeter. Nach einigen Höhenmeter erwartet mich schon der erste verblockte Gipfel Ztracené kameny, auf dem ein junger Tscheche sein erstes Gipfelbier um kurz nach 8 Uhr hineinschüttet. Ich gehe mal besser weiter. Und dann kommt in dieser Morgenstunde der mit Abstand schönste Trail in Richtung Praděd, dem Altvatergipfel mit fast 1500 hm. Aussichten mit 360°-Panorama auf einer riesigen Hochfläche, bei der es klar wird, warum so viele von ihrem Biwak kommen. An der Jelení studánka gibt es reichlich Quellwasser und einen großzügigen Unterstand, in dem viele Leute hineinpassen. Momentan ist hier keiner mehr. Ich bin im flow und wandere an Heidekraut vorbei mit permanenter Aussicht. Immer auch den Blick auf den Praděd voraus dreht sich der Weg an einem Lift halbkreisartig. Das vorläufige Ziel ist das Skiörtchen Ovčárna, in dessen Restaurace ich meinen Brunch mache. Langsam bekomme ich eine smažený sýr mit hranolky -Vergiftung, aber das ist das einzige Gericht, was ich am besten aussprechen kann. Das WC eignet sich für Catwash und die Dame hinter dem Tresen lässt mich mein Smartphone aufladen. Frisch gestärkt geht es auf Teerstraße zum Praděd. Es ist Mittag und eine Massenprozession bewegt sich gen Gipfel. Da lasse ich den Altvater doch lieber rechts liegen und spare mir die letzten hm. Das nächste Ziel ist eine Hütte in Švýcárna. Ich muss für mein pivo garantiert 20 min anstehen, aber mir macht das nichts. Dann folge ich dem Weg weiter, meist abwärts, dann über Bohlen, dann wieder steinig bergauf. Mit einer älteren Einheimischen komme ich auf Englisch ins Gespräch, es schaltet sich ein älterer Herr dazu, der besser Englisch kann und so fragen sie mich ein wenig aus und wünschen mir eine gute Wanderung. So macht das richtig Spaß, wenn man Kontakt zu den Leuten bekommt. Für den Abend suche ich die Vřesová studánka auf, eine Mischung aus Quelle, Kapelle und Unterstandshütte, auf dem Dachboden könnte man nächtigen, aber da ist schon eine Familie mit Kindern. Ich suche mir etwa 50 m weiter oben ein Sonnenplätzchen zwischen Heidelbeeren und Felsen. Über mir fliegen Fichtenkreuzschnäbel. Ich glaube, ich mache heute mal wieder Cowboy Camping. Der Biwakplatz war im Grunde nicht schlecht, unauffällige Lage, aber windige Exposition. Ein Biwak hat den Nachteil, viel anzuziehen und sich nicht ausbreiten können. Der Vorteil besteht in den Wachphasen, dass man direkt in einen gigantischen Sternenhimmel guckt und Sternschnuppen zählen kann. Und man versäumt den Sonnenaufgang nicht. Dieser hier ist wieder sagenhaft schön, wenn sich die neon-rosa Scheibe hinter den blauen Bergketten erhebt. Ohne Frühstück geht's auch gleich los. Auf dem ersten Gipfel des Tages, dem Keprník vrchol, einem 1400er, bin ich schon nicht mehr alleine. 2 nette Burschen lassen englisch mit sich reden, und so machen wir gegenseitig von uns Gipfelfotos. Auf dem Weiterweg nach Ramzová knurrt mir der Magen, kommt jetzt etwa der hiker-Hunger? Und so stolpere ich den sehr steinigen Weg hinab und wundere mich, dass mir immer mehr Touris um diese Zeit schon entgegen kommen. Das Rätsels Lösung ist eine Seilbahn, die alle ein paar hm nach oben schweben lässt. Am späten Vormittag bin ich in Ramzová und kaufe der Minimarket-Frau Wasser und ein paar Snacks ab. Ein gefüllter Krapfen in die Hand muss auch sofort sein. Keine 700 m weiter entdecke ich ein Hüttenresort, dessen Parkplatz mit Laternen bestückt ist, die in den Masten Steckdosen haben. Bis Mittag gibt es also für mich nochmals eine Ladepause. Dann kommt wieder ein Anstieg durch den Wald und auf schönen Trails bis zur polnischen Grenze. Ich mache einen 500 m Abstecher zu einer großen Berghütte, Horská chata Paprsek, wo ich mir Gulaschsuppe und als Nachspeise eine große Heidelbeerdampfnudel gönne. Letztere bereitet mir ein Zuckerkoma, mit dem ganzen Puderzuckertopping und der flüssigen Butter obendrauf. Und Aussicht hat man beim Essen direkt auf den Dalimilova rozhledna einige hm weiter unten, ein Aussichtsturm bzw. eine verkleinerte Replik der Sněžník-Aussichtsplattform. Zu dem Sněžník wandere ich aber erst morgen. Mit vollem Bauch schlendere ich nach langer Pause wieder an den Grenzsteig und nehme mir nochmals 10 km vor. Allerdings schwächle ich heute nach dem frühen Aufbruch und ungewohnt vollen Magen, so kommt es mir gelegen, bereits schon nach weiteren 8 km ein Waldstück zu entdecken, wo sich ein verschwiegenes Plätzchen auftut. Ich brauche heute wieder eine unspektakuläre Nacht. Die Nacht wäre ganz ok, wenn da nicht immer wieder so leichte Raschelgeräusche und ein niedliches Fiepen zu hören wäre. Wahrscheinlich sind Marderchen zu Gange. Ich stecke mir mal Ohrenstöpsel ein und rette si die frühen Morgenstunden für den Schlaf. Um 7 Uhr geht's aber auf, der Sněžník (Glatzer Schneeberg) will heute bestiegen werden, und noch mehr. So geht es erstmal die restlichen km bis zum Sattel. In dessen Chata ist um 8 Uhr erst Aufwachstimmung. Der steile Anstieg kommt erst noch nach einem flachen Gehstück. Dann geht's aber zur Sache. Die ersten Biwakierer kommen mir schon entgegen. Mit einem polnischen Männerduett komme ich sehr ausführlich ins Gespräch. Sie sprechen ausgezeichnetes Englisch, der eine, Tom, hat wohl in den USA studiert, der andere, Jan, kann Japanisch. Sie verraten mir, das kurz vor dem Gipfel eine Quelle sprudelt, somit ist mein Tag gemacht. Beide haben oben biwakiert und zeigen mir traumhafte Sonnenaufgangsfotos. Das Zelt haben sie sich nicht benutzen trauen. Wildzelten ist ähnlich wie bei uns verboten, aber Biwakieren sei eine Grauzone. Was will man denn auch schon dagegen machen, wenn z.B. auf der Schneekoppe im Riesengebirge täglich bis zu 500 Leute bei gutem Wetter dort in Schlafsäcken und Matten den Sonnenunter- und -aufgang betrachten....sagen sie. OK, d.h. hier besser durchstarten oder eben die 501. sein. Dann endlich ist sie da, die Quelle. Ich pumpe mir schon mal einen extra Liter rein und fülle alle Flaschen auf. Das sollte bis morgen reichen. Den Aussichtsturmaufstieg spare ich mir, es ist mittlerweile so oder so halb Tschechien und ein Viertel Polen hier oben. Auf dem E3 geht's wieder hinunter durch den Wald. Es kommen mehrere kleine Bäche, den ersten nutze ich gleich mal für eine ausführliche Wäsche. Dann zieht sich der Abstieg. Das Käffchen Králíky, ehemals Grulich, werde ich heute nicht ganz erreichen und hebe ich mir für morgen Vormittag auf. Dort muss ich wieder nach Wasser schauen. Ein paar km davor lädt ein Waldrand mit Aussicht auf ein Kloster zum Bleiben ein. Das Zelt werde ich wohl erst ganz spät aufstellen. Heute ist Sonntag, und da lasse ich es etwas langsamer angehen. Der Ausblick von meinem Lagerplatz auf das Kloster Hedeč Hora Matky Boží auf dem Bergerl links neben dem Örtchen Králíky wird mir heute noch genügen, denn nach gut 3 km verweile ich erstmal an dem Kircherl Panna Marie, dessen Friedhof einen funktionierenden Wasseranschluss bietet. Perfekt zum Auffüllen meiner Flaschen und zur Morgendusche, ist ja noch keiner da, um Gräber zu gießen. Eine halbe Stunde später gibt es den nächsten verlängerten Stopp. Am Besucherzentrum des Hauptbunkers aus dem 2. Weltkrieg bzw. schon aus der Zeit davor, als die Tschechen ihre Verteidigungslinie aufbauten, kann ich zum einen einen Kaffee trinken und meine Powerbank ein bisschen laden. Am Vortag fand nämlich eine militärische Übung mit sämtlichen tschechischen Organisationen statt und so konnte ich all diese Militärgrößen, die neben mir ihren Morgenkaffee gekrenzt bekommen, beobachten. Nur, dass ich halt leider kein Wort verstehe. Nach einer weiteren 3/4 h der nächste Boxenstopp, namens COOP. Der hat auch am Sonntag auf, und so kann ich wieder Proviant nachkaufen und gebe mich auf der Wiese davor einem ausgiebigen Brunch hin. Da es nun schon später Vormittag ist, spar ich mir die Schlaufe zum Kloster und zu einem Aussichtsturm. Beide Lokalitäten liegen auf einem Hügel und tja, mit vollem Rucksack und Bauch in der Mittagshitze.... Trotzdem blüht mir noch ein Anstieg auf den Suchý Vrch, der knapp unter 1000 m hoch ist. Dahinter liegt ein etwas feineres Restaurant, in dem ich Saláty mit Pute erstehe und mein Handy komplett aufladen kann. Diese 4. Pause zerschießt mein Zeitfenster zum Vorankommen. Egal, ich schalte heute einen Gang zurück und fasse die Útulná U mladkovske školky als Abendziel ins Auge. Wenn die leer sein sollte...immerhin wollte ich ja auch mal in so einer Útulná nächtigen.
  4. Nízký Jeseník, "Niederes Gesenke", 10.-12. August, 90 km Um kurz nach sechs habe ich alles eingepackt und es geht los im Pullover, denn es hat nur 10° C am Morgen. Kaum vorstellbar, dass es in kurzer Zeit wieder unerträglich heiß sein wird. Der grobschottrige Weg rechts des Flüßchens Budišovká wechselt auch mal in schönere Beläge. Ich wandere vorbei an vielen kleinen Zeltlager, aus denen fröhliche Kinderstimmen zu hören sind. Ich biege vor lauter Begeisterung über die tschechische Mentalität, mit wenig Bespassungsmodalitäten vollkommen zufrieden zu sein, fälschlicherweise in ein anderes Tälchen ab, merke es aber noch rechtzeitig und drehe um. Dann führt der Weg hinauf in die mährische Agrar-Landschaft, die durch weitläufige Wiesen mit Heuballen und glücklich grasenden Tieren geprägt ist. In Podlesí hat eine Hospoda geöffnet, an der ich mir ein kaltes Birell - mein neues Kultgetränk - gönne. Dann entlang durch weitere weite Wiesen mit einer immer bombastisch werdender Aussicht. Der kleine Abstecher auf den Červená Hora beschert mir eine gigantische Aussicht bis zum fernen Altvatergebirge, das nächste Ziel in einigen Tagen. Mittlerweile wird die Hitze durch kräftigen Wind etwas erträglicher, wie wenn jemand einen riesigen Fön angestellt hat. Vorbei an der Kapelle Sv. Jan Nepomucký bestaune ich zugleich die Cesta Česko-německého porozumění, die tschechisch-deutsche Verständnisstrasse, ein Projekt, bei dem immer noch mit dem Land besonders Verbundene ihre eingravierten Granitplatten hinterlegen können. Dann führt der Weg durch eine Windparkanlage mit Siemensrotoren, eine davon scheppert metallisch, was man dann noch kilometerweise hören kann. Ein junger Fuchs quert auf der Suche nach etwas für ihn Interessantem die Straße und bemerkt mich erst gar nicht. Ich biege nach links ab und mache noch 2 km über lange Wiesenwege, bevor ich in einer kleinen Schneise im höheren Gras einen geeigneten, weil versteckten Lagerplatz entdecke. In meinem Zeltlager ist es so kuschelig, dass ich gar nicht so recht aufstehen mag. Ich ködere mich innerlich mit der Vorstellung auf ein Frühstück mit frischen Lebensmitteln in der gut 5 km entfernten Stadt Moravský Beroun, die ich ja schon gestern erreicht haben wollte. Aber das zündet auch nicht so richtig, da ich keinen Kohldampf habe. Also bleibt es beim gemächlichen Aufstehen und Zusammenpacken. Das Städtchen kommt nur langsam näher. Um 8:30 dann taucht der grüne "Tempo potraviny" Markt auf, in dem ich erstmal ausgiebig schauen muss, weil der so gut sortiert ist. Natürlich habe ich wieder mal zu viel im Einkaufskorb, mein Rucksack platzt eh schon bald. Auf dem großen Marktplatz breite ich meine frisch erstandenen Schätze auf einer schattigen Bank aus, und verleibe mir Salami auf Mehrkornsemmel, rote Paprika, Tomaten, Kefir und ein Birell ein. Der Rest wird irgendwie in und an den Rucksack gestopft. Das mit dem Wasser muss noch warten, denn ich komme in weiteren 2 km direkt an der Mineralwasserfabrik Ondrášovka vorbei, wo eine frei zugängliche Quelle sprudelt. Ab da ist der Rucksack wieder maximal schwer und das heißt, ich werde stündlich eine Rückenpause brauchen. Der muckt schon seit dem Vortag. Der Weiterweg führt an der Bystřice entlang, die nur sehr wenig Wasser führt. An geeigneter Stelle gibt es für mich die nächste Pause zum ausgiebigen Waschen und Zähneputzen. Das tut gut. Mittags habe ich dann meine knapp 15 km auf dem Tacho, und die nächste verlängerte Mittagspause steht an. Ich liebe es, in einer mährischen Wiese im Schatten zu fläzen und nur den Wind, das Fliegengesumse und die Grillen im Hintergrund zu hören. Nach der Pause führt mich der Weg kilometerweise durch einen noch sehr jungen Mischwald, offenbar ein Wiederaufforstungsprojekt. In der Senke liegt das Dörfchen Husová. Dessen Kirche ist zwar veschlossen, da hier jedoch eine Sanierung durchgeführt wird, die aktuell aber ruht, bin ich entzückt über den Stromkasten, über den ich mein Smartphone wieder zu 90% aufladen kann. Das übernächste Dörfchen ist Sovinec, in dem eine Burg thront. Mich interessiert nur das WC für eine schnelle Wäsche. Dann geht es ziemlich lang hinunter in ein Tal, um dann wieder steil durch Buchenhänge aufzusteigen. Nach bereits 30 km halte ich Ausschau und finde prompt eine versteckte ebene Fläche im Wald, ideal zum Übernachten. Die Nacht in meinem Buchenwald verläuft schleppend, ich wache oft auf durch das Rascheln der Bäume. Ständig fällt etwas von den Bäumen und im Laub raschelt es öfters. Die Abhilfe kommt durch meine kleinen Ohrenstöpsel. Und am morgen mag ich gar nicht gleich in die Pötte kommen. Ich verzichte wieder auf Frühstück und stapfe als um Viertel nach 7 durchs Laub auf den Wanderweg zurück. Ein paar km noch auf dem Bergkamm, dann ist dieses Řešov erreicht. Von da ab geht ein Weg direkt in eine Schlucht. Es ist erst 8:15, und so nutze ich die Morgenstunde bei nächstbester Gelegenheit für einen Catwash. Ein paar Minuten später käme ich nicht mehr dazu, da sich schon die ersten tschechischen Urlauber nach unten bewegen. Denn da wartet das erste Highlight des Tages: Rešovské vodopády, der Wasserfall der Huntava. Steil über Holztreppen und Steinblöcken führt der Weg weiter an der Huntava entlang, um sich dann später in einen Weg mit geschnitzten Märchenfiguren am Rande fortzusetzen. Es kommen noch ein paar tschechische Dörfer, in denen männliche Einzelpersonen versteckt misstrauisch ein dobrý murmeln. Tschechische Frauen sind vergleichsweise mir gegenüber offener. Nach einem Asphaltstück, das an einem leider nicht mehr in Betrieb genommenen Stromkasten mit Steckdosen entlang geht, biege ich dann links ab und nehme die Höhenmeter zum Rabštejn in Angriff. Dort befinden sich eine Burg, Kletterfelsen und das Beste: ein Restaurace, an dem ich mir ein Huhngericht und 2 Birell genehmige. Eigentlich könnte ich dort für einen schmalen Taler bei den Kletterern zelten, es ist aber erst 14 Uhr, und ein paar km möchte ich noch machen. Das nächste Highlight kommt mit den kleinen Felsengipfeln Černé Kamený und Bílý kámen, knapp unter 1000 hm, aber eine fantastische Aussicht zum Altvatergebirge und in der Ferne vermeine ich auch die Schneekoppe zu sehen, ist sie aber noch lange nicht. Erst kommt der "Schneeberg"! Dann stellt sich die Frage nach einem geeigneten Platz für die Nacht. Ab Skřítek am Sattel würden dann die ganzen hm noch gemacht werden wollen und dann ist man in der absoluten Kernzone. Die einzige Möglichkeit wäre die Útulná Jeleny studánka, die ist zum einen noch ziemlich weit weg und kann dann später am Abend bereits voll belegt sein. Außerdem liegt die auf 1300 hm an einem Aussichtspunkt. Das ist mir zu riskant. Ich bleibe heute einsam in dem ebenen unspektakulären Wald auf 850 hm und nutze die Zeit für eine kleine Näharbeit an meiner Wanderhose.
  5. Mährisch-Schlesische Beskiden, 4.-8. August, ca. 115 km Beginn natürlich in der Gluthitze der Mittagszeit. Der Anfang oder auch Endpunkt der Strecke liegt idyllisch in einem kleinen Waldstück. Weiter unten daneben plätschert ein Bach. Das geht es wirklich los über steile Wiesen und Landsträßchen. Bergauf heißt schweißgebadet und vergleichsweise langsam. Eine Útulná mit Schlafdachboden kommt viel zu früh. 4-5 l Wasser werden heute verkonsumiert. Da kommen funktionierende Quellen gerade recht. Auf dem Höhenweg suche ich mir ein ruhiges Plätzchen im Wald für die erste Nacht, nicht ganz einfach zu finden, aber es gelingt. Auch am 2. Tag eine schwierige Strecke mit viel hm in einer Gluthitze, auch in den Höhenlagen. Die Beskiden sind mit ihren tiefen Tälern und vergleichsweise hohen hm-Differenzen bekannt. Wunderschöne Abschnitte, die an den Bayerischen Wald erinnern. Ein Teil der Strecke verläuft an der Grenze Tschechien/Slowakei. Ich komme an einem Brunnen vorbei, an dem viele Tschechen Wildcampen. Die Krönung ist ein brutaler Anstieg am Nachmittag auf den Lysá hora, den Kahlberg. Da lerne ich Micha mit ihrer Hündin Myja kennen. Wir stützen uns mental gegenseitig bei der Bewältigung der ganzen Höhenmeter. Das soll der Grundstein für einen super Abend an der dortigen Hütte werden. Wir verständigen uns in Englisch. Auf der Hüttenterasse wird man mit einer herrlichen Aussicht belohnt und kann ausgiebig Durst und Hunger stillen. Ich zeige Micha Fichtenkreuzschnäbel und sie übt das Wort in Deutsch auszusprechen, bis sie es perfekt kann. Die dahinter liegende Biwakwiese ist am Abend brechend voll. In Tschechien ist es ein Hype, an schönen Ferientagen Cowboy Camping zu betreiben, um die Sonnenuntergänge und -aufgänge zu bewundern. Micha biwakiert und ich stelle meine Amiplaste auf. Ohrenstöpsel rein und dann eine gute Nacht! Dobrou noc! Zig Tschechen kommen flashmobartig auf den Lysá Hora zum Cowboy Camping um den 2 minütigen Sonnenaufgang zu bestaunen. Der ist aber auch sowas von schön. Ich nutze den frühen Morgen und mache mich auf den Abstieg zum Trinkwasserspeicher, um dann wieder zum Smrk, den zweithöchsten Gipfel der Beskiden, aufzusteigen. In der Bullenhitze wieder eine Herausforderung. Ein Ranger begegnet mir und bedeutet mir auf tschechisch, dass ich hier nicht zelten darf. Habe ich eh nicht vor. Ich stibitze mir ein paar Heidelbeeren von den unzähligen Sträuchern und schlendere nach einer Mittagspause weiter. Mein Wasserverbrauch liegt wieder über 4 l, nur gut, dass gelegentlich eine Quelle noch sprudelt. Noch ein Nachmittagsaufstieg und dann finde ich außerhalb vom Nationalpark einen verschwiegenen Platz, unter dem mind. eine Stunde wahrscheinlich eine Wildsau trabselt und raschelt. Es zieht ein Gewitter auf. In der Nacht gab es Gewitter und regnete bis zum Morgen. In einer Regenpause wird das Zelt verstaut. Auf wunderschönen Trails geht es nach Pustelvni, einem Skiort, an dem ich an einem Kiosk einen Cappuccino erstehe. Mittlerweile gießt es aus allen Eimern von oben. Das schöne Hotel Radegast liegt leider vollkommen im Nebel. Die Kapelle Cyril a Metoděj ist zum einen sehenswert und zum anderen eine super Ladestelle für mein Smartphone. Ich werfe dafür ein paar Kronen in den Opferstock. Der Abstieg nach Rožnov zieht sich, dafür kommt die Sonne raus. Am Ortseingang leiste ich mir beim erstbesten Kiosk Fastfood, die hranolky werden sofort verspeist, der Doppelhamburger soll als Abendessen herhalten. Der Durchmarsch durch die Stadt zieht sich ziemlich, dafür ist der Stadtpark sehenswert. Und dann geht's wieder bergauf in die für mich letzte Bergkette der Beskiden. Ähnliche Gegend wie der Bayerische Wald, vielleicht noch fernere Aussichten. An einer fast versiegten Quelle finde ich meinen Nachtplatz auf 700 m Höhe.
  6. Servus Moravskoslezské Beskydy, ahoj Moravská brána a Podbeskydská pahorkatina (Mährisches Tor) 8.-9. August, 59 km Heute heißt es Abschied nehmen von den Beskiden, der herrliche Kammweg führt hinab nach Hodslavice. Am Bahnhof leiste ich mir 2 Birell und salzige Chips, mir war danach bei literweise Quellwasser. Dann geht es durch mehrere tschechische Käffer, viel auf Straße, allerdings wartet schon das nächste Highlight mit dem Svinec als Aussichtsberg in alle Richtungen. Ein sehnsüchtiger Blick zurück in die Berge der Beskiden, ganz weit hinten kann man den Lysá Hora ausmachen. Vor mir Starý Jičín und die gleichnamige Burg (Hrad) auf dem Bergerl daneben. Ich spar mir den Aufstieg und wandere rechts des Burgberges über's Land. Eine Storchengruppe grast ein Feld nach etwas Essbaren ab. In Bernatice nad odra lädt ein Restaurant zum 3. Birell des Tages und zum Aufladen des Smartphones ein. Anschließend geht es ein paar wunderschöne Kilometer durch die Oderauen. Am Ende der Auen angelangt suche ich mir in einem verschwiegenen Waldstück ein weiches Plätzchen. Heute ist Cowboy Camping angesagt. Die Cowboy Camping Nacht war nicht ganz so flowig, wie gedacht. Die anrauschenden Züge von und in den nicht allzuweit liegenden Bahnhof von Suchdol können erfolgreich mittels Ohrenstöpsel gedämpft werden. Mehr zu schaffen macht mir die nächtliche Kriechfeuchte, die sich auf alles legt, was ich ausgebreitet habe, inkl. Schlafsäcke. Trotz fehlendem Zeltabbau komme ich erst nach 7 Uhr los, um exakt in einem guten km im großartigen Bahnhofsgebäude von Suchdol zu landen. Und das ist feudal. Mit 10 Kč bekomme ich alles fürs Hikerglück: ungestörten Klogang, Kurzwäsche mit warmen Wasser, Wasser zum Mitnehmen, Seife, eine Haarwäsche und Papierhandtücher. Perfekte Einrichtung. Der weitere Hadsch wird ein Asphalthadsch durch das tschechische Örtchen, ein Coop hätte sogar offen, ich brauche noch nix. Dann geht es über abgemähte Wiesen beschaulich durchs mährische Land. Ich nutze die mittlerweile 10 Uhr Sonne zum Frühstück mit Klobása und zum Schlafsacktrocknen. Um 11 Uhr ist Fulnek erreicht. Das hat eine große Dreifaltigkeitskirche, die mir eine Zwichenaufladung von Handy und Powerbank ermöglicht. Ich bestaune als einzige Besucherin zwischenzeitlich die Fresken und bedanke mich mit einem kleinen Kronenobulus. Am Marktplatz hat ein Vietnamesen-potraviny offen, wo ich mir 2 Dosen Birell und Cracker besorge. Die Dosen werden sofort auf einer Bank am Marktplatz geleert. Dann kommt für mich die anstrengendste Tageszeit. Temperaturen bis 28°C. Es überwiegt das Agrarland und die Feldwege gehen gefühlt meist bergauf und haben groben Schotter. Kein Kindergeburtstag. Die Zwischensnacks aus Minipflaumen schmecken, aber Hunger habe ich in der Hitze keinen. Dafür gibt's grandiose Aussichten zurück nach Fulnek auf das Kloster und dahinter die Beskidenbergkette. Komischerweise kommen mir mind. 4 Motorräder auf dem Wanderweg entgegen, mit den Straßenmaschinen ist es schon fast eine Kunst, die Teile hinunter zu manövrieren. Eine Horde Kühe ist am obersten Punkt hier Zuhause. Deren Fliegenmakrobiom wechselt die Besitzer und begleitet mich fortan kilometerweise als sirrende Wolke bis zum nächsten Wald. Dann gibt's noch paar Straßenkilometer, bis ich mich dazu entschließe, mal auf einem der wenigen auf dem Weg liegenden Camping Plätze nieder zu lassen. Es sind natürlich Ferien und der Platz ist zu 2/3 gefüllt mit Schülergruppen unterschiedlichen Alters. Mir heute egal, ich habe Ohrenstöpsel und gebe mir heute Abend die Powerbombe aus Syr, hranolky und pivo .
  7. Tag 3 Endspurt. Zum Glück mit weniger Höhenmetern als die Tage davor, jedoch merkte ich schon beim ersten kleinen Berg, das meine Beine einfach keine Kraft mehr haben. Also irgendwie über zwei Hügel und einem Ort nach Bödefeld geschleppt. Für so einen kleinen Ort wie Brabecke finde ich diesen gut gepflegten Bücherschrank sehr bemerkenswert. Gedanklich war ich hier schon am überlegen, ob ich mir nicht einfach ein Taxi rufe, das mich zum Auto fährt, auf noch mehr bergauf hatte ich einfach keinen Bock und keine Kraft mehr. Bödefeld ist ganz hübsch, es war Samstag Mittag und es schien ein bissl was los zu sein im Ort, der anscheinend auch viel Tourismus hat. Mitten im Ort gab es ein hübsches kleines Kaffee, das Tismes, das angenehm besucht und betriebsam war. Bei Zuckerteilchen und Kaffee überlegte ich mir dann, ob es zu Fuß über den Berg oder mit dem Taxi weiter gehen sollte. Tja, ist so eine Sache mit dem Ehrgeiz. Bin eigentlich nicht so der Typ dafür. Jedoch hat hier mein Ehrgeiz entschieden:“Steh auf und wandle! ÜBER den BERG!“. Also, dafür gebetet, dass mich Koffein + Zuckerschock wenigstens ein paar Höhenmeter hochbringen. Spoileralarm: der Koffein + Zuckerschock ist nie gekommen. Genauso isses! Hinter Bödefeld ging es ganz nett hoch zum Beginn des Kreuzweges des Dorfes. Am Startpunkt gibt es mehrere Heiligenschreine und eine kleine Kapelle. Sehr nett gemacht und Ort einer längeren Pause für mich. Danach ging es dann den Berg hoch entlang des Kreuzweges. Direkt und steil, 200 Höhenmeter am Stück. Bänke beim Startpunkt mit Blick auf Bödefeld Einer von vielen Schreinen Der Kreuzweg: 200 Höhenmeter steil den Berg rauf! An der 5. Station „Simon von Zyrene hilft Jesus das Kreuz zu tragen“ hätte ich mir auch einen Simon gewünscht, der meinen Rucksack trägt. An der 8. Station „Jesus begegnet den weinenden Frauen“ hätte ich auch gern geweint. Und an der 9. Station „Jesus fällt zum dritten Mal unter dem Kreuz“ bin auch ich zum dritten mal unter dem Gewicht meines Rucksack zusammen gebrochen. Insgesamt habe ich da mit Pausen für den einen Kilometer eine Stunde gebraucht. Oben an der Kreuzkapelle erst einmal eine weitere lange Pause. Auch wenn es mörderisch anstrengend war, die Kapelle auf dem Berg mit dem Ausblick war für mich schon ein besonderer Ort und ich war froh, dass ich dorthin gelaufen bin. Kapelle oben auf dem Berg Blick ins Tal Ab jetzt gab es laut Navi nur noch kleinere Steigungen. Und tatsächlich, der Rest des Weges hat sogar wieder Spaß gemacht. An der nassen Wiese vorbei ging es flotten Schrittes weiter auf die Hunau. Nasse Wiese Der Gipfel ist jedoch komplett im Wald, also direkt weiter gelaufen. Kurze Zeit später kam dann das Skigebiet Hunau, und hier gab es die schöne Aussicht, plus Panoramaliege. Skigebiet HunauBlick auf den Fernsehturm Also lange geruht, was Warmes zu essen gemacht und den Endspurt angetreten. Mit Musik aus dem MP3-Player ging es dann noch langsam wieder zurück ins Tal und nach Holthausen. Und von dort die letzten Meter bis zum Auto, geschafft! Ein letzter Weitblick über die Berge und Täler des Sauerlandes Die Lehren der Tour… ...zu viele Höhenmeter machen mir keinen Spaß ...CoMaps als Navi-App ist viel einfacher zu bedienen als OsmAnd, wird jetzt meine neue Standart-Navi-App ...auf die OSM Karten ist nicht immer verlass, die nächste Tour plane ich nur auf Strecken von offiziellen Wanderwegen ...im Sauerland gibt es echt viele Heiligenschreine, Kapellen und Kreuze ...September ist Pilze Zeit ...das Tarptent Rainbow ist mir mit Kondens zu nass und mein Rucksack passt dank Rahmen einfach nicht mit ins Zelt ...die Zenbivy Flex Air Mattress in Wide XL ist zwar weder leicht noch preiswert, jedoch das bequemste, was ich bis jetzt als Matte hatte zum zelten
  8. 9. Lučice hory und České Švýcarsko bis Děčín 29.-31. August 88 km Die Regennacht war gar nicht so übel wie befürchtet. Das Gewitter blieb aus, der Sturm war nicht wild und gegen das Pladdern der Regentropfen auf mein Zelt halfen Ohrenstöpsel. Kein Wunder, dass es um 6 Uhr morgens im Schlafsack am gemütlichsten ist. Es hilft nix, ich möchte nicht zu spät los, sonst bin ich wieder in einem Trödelmodus, der den ganzen Tag her hält. Schon gleich nach 700 m des Weges begeistert mich eine Felsenformation mit Aussicht: Vraní skály, lt. Tafel ein Kletterfels. Dann kommt man durch die Ortschaft Petrovice, die keinerlei Einkaufsmöglichkeiten anbietet. Am Ortsrand esse ich auf einer Wiese meine letzten Reste Käse und Wurst und überlege mir eine Versorgungsstrategie. Die nächste Möglichkeit zum Resupply wäre in Hřensko, das ca. 75 km entfernt ist, also 2-3 Tagesmärsche. Hřensko will ich aber eventuell abschneiden, da die Strecke bis dahin seit der Brände 2022 zum Teil umgeleitet wird und ich die Gegend von vor 2022 kenne. Da fällt mir ein, dass ich was von einem quasi 24/7 Selbstbedienungs-Supermarkt in Oybin gelesen habe und so lasse ich die Hochwaldbaude aus und gehe schnurstracks nach Oybin hinunter. Der Weg ist gar nicht schlecht und führt an den sehenswerten Kelchsteinen und anderen Felsriesen vorbei. In dem Tante-M-Laden bekomme ich eigentlich alles, was ich so brauche. Prima, da leiste ich mir doch gleich ein Magnum und ein Radler. Nach der Mittagspause gehe ich zurück bis nach Hain, dem Grenzübergang und genieße die Felsenstadt bei Jonsdorf, die ich eigentlich schon kenne, da dort der Oberlausitzer Bergweg entlang führt. Ich mache Mittagspause auf einem Aussichtsfelsen mit gleichzeitiger Sicht auf Ještěd und Hochwald/Hovzd. Für den Abend ist die Lausche mein Ziel. Der letzte Anstieg zum Gipfel vergeht schnell und die Mühen haben sich gelohnt. Ein fantastischer Rundumblick! In der Ferne sehe ich das Isergebirge, von wo ich hergekommen bin, den Turm des Ještěd, viele Pyramidenkegel, deren Namen ich nicht weiß, bis auf den Jedlová und Studenec, auf die mein Weg hinführen müssten. Und ganz in der Ferne sieht man den Fernsehturm von Děcin, den Ort, wo ich gerne einen Zeroday einlegen möchte. Der ist aber noch ganz schön weit weg. 2 km hinter der Lausche finde ich in einer wilden Wiese ein Kuhle, in der ich mein Zelt platziere. Die Unebenheiten werden mit Packsäcken ausgepolstert. Wird schon gehen für die Nacht. Es gibt schönere Plätze, aber man muss zugreifen, wenn sich etwas einigermaßen Passables ergibt. Gerade als ich morgens aufstehen möchte, fängt es das regnen an. Na super, nasses Zelt einpacken. Doch dann geht's im Trockenen los. Nach nicht mal 5 km vor dem steilen Aufstieg zum Tolštejn schon wieder Pause an einem Getränkeautomaten. Dort versorge ich mich mit einem Birell und einer Schokowaffel. Vor dem letzten Aufstieg zum Tolštejn mache ich in der Sonne erstmal Frühstückspause und trockne die Schlafsäcke. Schon überlege ich mir, die letzten Höhenmeter auf den Gipfel zu sparen, sehe aber einen einwandfreien Aussichtsturm. So verstecke ich meine Habe und mache mich ohne Rucksack auf den Weg zum Gipfelchen. An dem Tolštejn-Restaurace bekommt man noch umgerechnet 1,80 € für das Drehkreuz zur Aufstiegsleiter abgeknöpft. Das ist mir jetzt auch egal, das sonnige Wetter verspricht eine geniale Sicht. Und so ist es, der Wow-Effekt stellt sich prompt ein. 15 min später stelle ich fest, dass die Besteigung eine gute Idee war, da der weitere Weg nicht auf den benachbarten Jedlová führt. Vorbei an unzähligen Bunkern kommen die Basaltsäulen des Zlatý vrch immer näher. Das ist bereits das dritte Mal, wo ich dort bin und immer wieder bin ich beeindruckt von den Steinformationen. Dann aber heißt es nochmals ranhalten, der Aufstieg zum Studenec ist schweißtreibend, aber auch lohnend. Und der Aufstieg auf den Aussichtsturm kostet nichts. Es folgt ein elend langer Abstieg nach Studený. Das anvisierte Restaurant ist geschlossen, aber der Imbiss 500 m weiter hat alles, auf was ich Lust habe: gegrilltes Hermelin mit Toast und Pivo. Es schleichen sich etliche Stezka čezkem -Wanderer aus der anderen Richtung vorbei, nicht ohne einen Drink oder ein Softeis zu kaufen. Mit dem Ehemann der Imbissbetreiberin komme ich ganz nett ins Gespräch. Er heißt Petr und hatte Verwandtschaft aus meiner Geburtsstadt und der Oberpfalz-Ecke, die ich auch meine nähere Heimat nenne. Ihm gefällt es in Tschechien nicht so gut, tja, die Regierung....ich frage, ob wir zu dritt ein Selfie machen können, ja, machen wir. Seine Frau heißt Jana. So gestärkt geht es die letzten Kilometer durch die Kamnitz Schlucht. Die kenne ich auch, aber vor 6-7 Jahren lagen da keine abgestorbenen Bäume an den Seiten. Da ich am späten Nachmittag unterwegs bin, ist kein Mensch dort. Das nutze ich aus und steige splitterfasernackt in die Kamnitz für ein kurzes Erfrischungsbad. Es ist wunderschön dort, aber halt Reservace und so steht fest, dass ich den Campingplatz in dem unaussprechlichen Jetřichovice ansteuere. Der ist für tschechische Verhältnisse teuer, aber fest in ostdeutscher Hand von der Kundschaft her. Obwohl, die umgerechnet 15€ inkl. Duschmarke sind gut investiert. Endlich mal wieder mit warmen Wasser Haare waschen, welch ein Luxus. Und morgen nehme ich Kurs nach Děcin, da möchte ich meinen ersten und wahrscheinlich letzten Zeroday machen. Der Campingplatz ist im Prinzip empfehlenswert, ein sauberer Platz mit gepflegten Anlagen. Ich schlafe mit meinen Ohrenstöpsel ganz gut. Das Problem ist die Lage an der Kamnitz, das Zelt ist morgens auch ohne Regen vollkommen nass. Einmal durch die Wiese gehen und das Fußbad ist garantiert. Ich bin die erste, die zusammen packt. In einer Stunde gibt's für 2 Stunden Starkregen, ein Regengebiet zieht durch. Also ist der Verlängerungsplan über Mezní Louka hinfällig, ich mag nicht im Regen durch die Felsenstadt der Böhmischen Schweiz die Stiegen auf und ab stapfen und suche mir einen direkteren Weg nach Děcin. Dort habe ich für 2 Nächte so ein "Bungalow" auf dem Campingplatz gebucht. Es soll jetzt mal einen Pausentag für mich geben, evtl. neue Schuhe, eine neue Gaskartusche, eine neue Speicherkarte... Durch Zufall stoße ich auf eine große Höhle und durch Zufall fängt es genau da zum Schütten an. Ich mache eine ausgedehnte Frühstückspause und bin fast am Einnicken, als der Regen durch ist. Also geht es wieder auf, der Weg verläuft über die Bunkerlinie und führt am alten Friedhof von Schemmel vorbei. Den erkenne ich wieder, da war ich schon mal auf meiner Kammtour vor 7 Jahren und ärgerte mich damals, dass es kein Wasser gab. Wie so oft auf tschechischen Hřbitovs. Später geht es steil eine Klamm hinauf und irgendwann stehe ich vor der Entscheidung, den Gipfel des Růžovský vrch, des Rosenbergs, mitzunehmen. Der hat aber keine Aussicht und so lasse ich es und steige lieber auf den viel niedrigeren Pastevní Vrch, der hat wenigstens eine klasse Aussicht ins Elbsandsteingebirge. Beim Abstieg komme ich nach Rusová und dort ist ein Restaurant geöffnet. Ich esse gegrilltes Gemüse und einen Salat. Das erste Mal auf der Reise komme ich auf meine 500 g Gemüse. Dann zieht sich der Weg auf dem E3 ziemlich bis Děčín, hat aber doch noch wunderschöne Highlights zu bieten, ein toller Wegverlauf mit immer wieder Aussichten auf die Labe/Elbe. Die letzten 2-3 Kilometer durch Děcin sind verkehrsreich und laut und die Lage des dortigen Campingplatzes auch. Obendrüber verlaufen Bahnlinien und ein Autobahnkreuz und die Bungalows sind alle belegt, an meinem tapsen ständig deutsch sprechende junge Damen vorbei. Ich sehe schon, ohne Ohrenstöpsel finde ich da keine Ruhe. Die erste Phase der Pflichten hat schon begonnen: Meine Schlafsäcke und mein Zelt trocknen bereits und die ersten Klamotten sind durchgewaschen. Morgen geht's zum Einkaufen, gegoogelt hab ich schonmal. Wenigstens ist das Bett bequem.
  9. 8 Punkte
    Hallo zusammen, ich möchte gerne eine Tour kurz vorstellen, die ich Ende August/Anfang September gegangen bin und die mir außerordentlich gut gefallen hat. Für Bergbegeisterte, die das Hochalpine mögen und steiles Gelände nicht scheuen (kein Klettern, nur wenige versicherte Passagen). Die ‚Tour of the Giants‘ ist eine Kombination aus den beiden Höhenwegen ‚Alta Via Valle d’Aosta 1+2‘, auch bekannt als ‚Giro dei Giganti‘ oder ‚Tor des Geants‘. Sie bildet eine Runde um das italienischen Aosta-Tal und verläuft meist zwischen 1.500 um 3.000m Seehöhe, wobei man am ‚Col de Loson‘ 3.299m erreicht. Auf 365km Strecke überschreitet man 25 Pässe über 2.000m und bewältigt ca. 28.000 Höhenmeter. Vom Weg aus sieht man Mont Blanc, Gran Paradiso, Monte Rosa und das Matterhorn und diese ‚Riesen‘ sind für den Weg namensgebend. Weil ab dem 13. September das Ultra-Rennen ‚Tor des Geants‘ stattfand (ca. 1.000 Teilnehmer*innen), habe ich meine Wanderung zeitlich so gelegt, dass ich sie vor dem Rennstart beenden konnte. AnreiseStart und Ziel waren für mich in Courmayeur, das ich von Westösterreich aus mit Flix-Bussen erreicht habe (Umstieg in Genf). ResupplyIch bin gegen den Uhrzeigersinn gegangen und habe mir in folgenden Orten Lebensmittel gekauft, die jeweils kleinere Lebensmittelgeschäfte mit guter Auswahl und teils etwas höheren Preisen hatten. km0 Courmayeur km32 La Thuile km117 Cogne km175 Donnas km235 Gressoney km268 Valtournenche km365 Courmayeur ÜbernachtungenMan kann in Berghütten, auf Campingplätzen oder in Unterkünften im Tal oder in Bivaccos übernachten. Natürlich kann man auch wild campieren, was auf über 2.500m sogar erlaubt ist. Eine Ausnahme bildet der Gran Paradiso Nationalpark, in dem wild Campen streng verboten ist. Hier hat man Berghütten oder Campingplätze/Unterkünfte im Tal zur Auswahl. WegbeschaffenheitDie Wege sind außerordentlich gut instand gehalten und ausgezeichnet markiert. Allerdings sind sie meist sehr steil und steinig (Geröll). Kaum Flachpassagen und, wie schon erwähnt, sehr viele Höhenmeter. Man geht fast ausschließlich auf Wanderwegen und höchst selten auf Asphalt oder Forststraßen. TiereMan begegnet immer wieder Kuhherden, auch im Hochgebirge. Diese werden manchmal von Hirten mit Hunden begleitet. Ich hatte einige unangenehme Begegnungen mit Hunden und habe dann versucht, auszuweichen. Sehr schön waren die vielen Begegnungen mit Steinböcken, von denen ich die Meisten im Gran Paradiso Nationalpark gesehen habe. Einige Gämsen, mehrere Steinadler und ein Bartgeier waren auch zu sehen. Ich hoffe, ich konnte ein wenig Interesse für eine wirklich tolle und herausfordernde Tour wecken und schließe mit einigen Bildern ab. Tour of the Giants.odt
  10. Handel ich hier erstmal die Anreise und Abreise ab: Hinfahrt am 3. August mit 2 Flixbusse, erst bis Prag, dann bis Ostrava. Mit der Tram zum Bahnhof (hatte dann in der Hitze einen technischen Defekt), also noch 1,5 km zum Bahnhof laufen. Dann mit dem Zug (Verspätung, aber Info über die App "mju Vlak") nach Navsi (bei Jablunkov), dann 3,5 km zum gebuchten Hotel in Jablunkov. Am nächsten Morgen weiter mit dem Bus die letzten 9 km, dann 3,5 km hin wandern zum eigentlichen Start im äußersten Osten. Start am 4.8. Heimfahrt: easy für mich, vom äußersten Westen 6 km zu Fuß nach Rehau und mit dem Bayern-Ticket nach Hause.
  11. Zur Planung: Man braucht sich nicht das Hirn zermartern. Erster Schritt ist die Festlegung auf das Projekt mit Auswahl der Jahreszeit und des Zeitrahmens. Natürlich gibt's wunderbare (auf tschechisch) Bildbände von Jan Hocek, die einem die Vorfreude potenzieren. Es gibt auch Papierkarten über den gesamten Trail. Das Entscheidende aber ist die richtige gute App Mapy.com, in der man sich die Regionen vorab runterlädt und die Einzeletappen darauf legt. Dort ist alles zu finden, von Quelle bis Útulná (Unterstandshütte), Unterkünfte sind teils mit booking.com vernüpft, jedes Potraviny (Lebensmittelgeschäft) mit Öffnungszeiten, so auch die Restaurants oder Imbisse. Eigentlich muss man nicht viel planen. Vielleicht gelegentlich vorher checken, wann die Abschnitte kommen, wo es mal für eine knappe Woche keine potravinys gibt. Selbst Unterkünfte buchen ist spontan ein Kinderspiel und ist für einzelne Regionen, in denen Wildcampen ein No-Go ist, wie z.B. im Riesengebirge, wichtig. Ich entschied mich für August bis Mitte September, wohl wissend, das in Tschechien und Polen Ferienzeit ist und stellte mich für August auf die Höhe Besucherfrequenz in den Mittelgebirgen ein. D.h. aber auch, auf die schönen Útulnás kann man nicht zählen, die sind immer belegt. Wildcampen ist genauso wie bei uns formal nicht erlaubt, was aber toleriert wird ist Cowboy Camping. An warmen Sommerabenden erscheinen zig bis Hunderte Tschechen flashmobartig auf den namhaften Gipfeln und Biwakieren, um die paar Minuten Sonnenunter- und -aufgang zu zelebrieren. So auch ich. Ein paar Campingplätze liegen günstig, und auch die nutzte ich gelegentlich, um warm zu duschen und Powerbank aufzuladen, auch wenn im Sommer viele Jugendgruppen anzutreffen sind. Einen Zeroday gönnte ich mir nach 4 Wochen in Děcin in einer Campingplatzhütte, um paar Sachen zu erledigen, aber auch da kam ich vor lauter Sightseeing auf 10 km. Ansonsten taten es zur Erholung 3-4 "Uzwa's", unter 20 km, zum Schürfwunden pflegen oder wegen eines leichten grippalen Infekts. Nach einem einzigen Gewaltritt mit 45 km und 2200 hm über die Schneekoppe merkte ich schnell, das mein Genusstagespensum so bei 27-32 km im Schnitt liegt. Da fehlt sich nix. Die Tour insgesamt ist kein Spaziergang. Ich kam auf 1100 km (kleine Abwandlungen der Strecke waren auch mal drin) und 32000 hm. Dessen soll man sich bewusst sein. Und die dicken hm hatte ich speziell in den ersten 2/3. Die Temperaturen lagen zwischen 38° bis weit in den einstelligen Bereich hinein. Ich hatte eine Mischung aus ultraleicht und mini-Luxus, z.b. die Kombi Sommerschlafsack mit Sommerquilt (sehr gute Kombi), leichte Daunenjacke, 3 Powerbanks (eine zuviel, obwohl die große 20000er mal versagte), den Agilität von Weitläufer (eigentlich ein toller Rucksack, der mir aber bis zum Schluss "Rücken" bescherte und das Plex Solo Lite von Zpacks, eine schöne Behausung. Meine Trailerinnungsschuhe von La Sportiva haben die 1100 km ausgehalten, ein Regenschirm war Gold wert, die Regenhose habe ich nicht gebraucht (weiß man's vorher?) und die lange Montura-Hose war im Riesengebirge angenehm. Kocher mit dem Rocket von Msr bissi schwer, dafür sparsam im Gasverbrauch. Kartuschen Nachkauf erst nach 4 Wochen. Nun, die TR NXT mit Pumpsack, eine 0,3 mm Evazote, das Ultralightbivi von Cumulus. Das sind so die wichtigsten Eckdaten. Anfangs war der Rucksack knallschwer, weil ich bei der Hitze bis zu 3 l mit schleppte. Im September war das Wassergewicht kein Problem. Essen muß man je nach Gelegenheit. Ramensuppen in Hülle und Fülle. Ich nahm immer Käse und Wurst (Hermelin und Klobása) und diese tschechischen Brötchen mit, hatte unzählige Waffelsnacks und Nescafé 3 in 1 dabei. Und natürlich futtern und trinken, was sich unterwegs so bietet, smažený sýr mit hranolky, Klobása, Hamburger, Birell, Kefir, Milch oder ein Pivo vom Fass. Alles viel günstiger als bei uns daheim.
  12. Hallo zusammen! Da ich neu im Forum bin und gramfex sicher einige noch nicht kennen möchte ich mich und meine Firma kurz vorstellen. Seit knapp 10 Jahren gehe ich leidenschaftlich gerne wandern und biken und dabei genieße ich es besonders auch die Nächte in der Natur und in den Bergen zu verbringen. Dabei habe ich lange nur kürzere Mehrtages-Touren von so 2-5 Tagen gemacht. Eine "richtige" Weitwanderung hatte ich aber schon länger auf meiner Wunschliste und da ich mich beruflich sowieso neu orientieren wollte, hat sich dann letztes Jahr die Chance ergeben. So bin ich kurzer Hand ( okay zugegeben so kurzfristig wars dann auch nicht, braucht ja doch einiges an Vorbereitung ) nach Neuseeland und habe einen Großteil des Te Araroa auf der Südinsel gemacht. Das war wirklich eine traumhaft schöne Erfahrung! Da ich von der Ausbildung her zumindest teilweise einen technischen Background habe und motiviert durch das knappe Budget als Student, hat mich dann relativ schnell auch das Thema MYOG interessiert. Angefangen habe ich dabei mit einem synthetischen Quilt. Während Covid kam dann mit einem Duplex-Clon das erste große Projekt, gut Zeit hatte ich ja genug. 😅 Über die Jahre sind dann noch einige weitere Projekte gefolgt, wie dieses A-Frame Tarp-Tent: und z.B. ein Biwaksack zum Schutz gegen Spritzwasser und Moskitos und co: Nach Neuseeland ist aus dieser Leidenschaft fürs (Weit-)Wandern und dem Wunsch, eigene Ideen umzusetzen sowie das Angebot an Ultraleicht-Ausrüstung in Europa zu bereichern, gramfex entstand. Ein kleines Unternehmen mit Sitz in Graz, das es sich zum Ziel gesetzt hat hochwertige Ultraleicht-Outdoor-Ausrüstung fürs Wandern, Radfahren und Campen zu entwickeln und selbst zu fertigen: https://gramfex.eu (gewerbliche Seite) Aktuell bieten wir folgende drei Produktlinien an: Ultralight Carbon Heringe: Mit 2 g (Länge: 13,5 cm) und 4 g (Länge: 15 cm) gehören sie zu den leichtesten vollwertigen Heringen auf dem Markt und bieten ein unübertroffenes Gewichts-zu-Haltekraft-Verhältnis. In meinen Tests hat die 4g-Version einer Zugkraft von bis zu 14 kg Stand gehalten, nur knapp weniger als die 15 kg der MSR Mini Groundhogs, die 2,5 Mal so viel wiegen! Firefly Ultralight Herings-Kappen: Sie machen es leichter die Heringe mit der Hand in den Boden zu drücken und helfen dabei, Verletzungen durch unabsichtliches drauf steigen zu vermeiden. So bleiben Hände, Füße und Heringe heil. Sowohl die Firefly UL Herings-Kappen als auch die UL Carbon Heringe leuchten im Dunkeln für bessere Sichtbarkeit: Ultralight Rocket Stand: Das Set besteht aus 4 Teilen, wiegt insgesamt weniger als 10 g und hat zwei nützliche Funktionen: 1. Standfuß für Gaskartuschen und 2. Verschluss für Topfdeckel. Sie passen dabei auf die meisten handelsüblichen Gaskartuschen (100 g, 230 g, 445 g) und viele UL-Töpfe, wie z.B. die 750 ml Titan-Töpfe von Toaks, Lixada und BESTARGOT. Ich freue mich auf den Austausch unter Gleichgesinnten und bin immer für neue Ideen, Wünsche, Anregungen und auch konstruktive Kritik dankbar! In diesem Sinne frohes Trekking und schöne Grüße aus Graz! Anian
  13. 6. Im Felsenlabyrinth der Broumovské stěny (Braunauer Bergland) 20.-22.August, 73 km Der scheinbar unidyllische Lagerplatz im Dickicht oberhalb des Friedhofes von Hronov konnte nicht besser gewählt sein. Es kamen in der Nacht gleich 2 Unwetter, und mein Zelt lag war somit nicht exponiert. Der Wind kam gar nicht richtig durch. Und das Gewitter knallte nicht direkt über meinen Übernachtungsplatz. Etwas zögerlich komme ich morgens im Nassen los. Aber der Tag ist von vornherein so sonnig, das es gleich wieder Spaß macht, auszuschreiten. Nach 1 Stunde mache ich an einer Hütte halt und lege die klammen Schlafsäcke und das Zelt zum trocknen in die Sonne. Nach weiteren 3 km ist das Dorf Machov erreicht, das neben einer Skisprungschanze einen Trinkbrunnen und ein potraviny hat, in letzterem kaufe ich mir mein Frühstück ein. Da sich meine große Powerbank scheinbar einfach so komplett entladen hat, schaue ich mich nach Lademöglichkeiten um und steuere einen Parkplatz mit angeblich WC an, in der Hoffnung, eine Steckdose zu finden. Das WC findet sich nicht, dafür komme ich an einem Van aus Passau vorbei und ich komme mit dem Pärchen sogleich ins Gespräch. Sie hängen derweil mein Handy und die kleine Powerbank an ihre Batterie und nach 15 min gehe ich mit 80% Ladung wieder meinen Weg weiter. Ich komme in das Felsenlabyrinth der Broumovské stěny und durch das stete auf und ab komme ich an diesem Tag fast auf 1000 hm. Nach knapp 25 Tageskilometer geht mir heute die Puste aus, ich steige vorzeitig ins Tal hinunter, da auch für den Abend wieder Gewitter gemeldet sind. An einem Bachlauf finde ich schöne ebene Flächen unter Buchen neben einer alten Feuerstelle. 2 Jungs, die spät mit ihren Rucksäcken anrücken, trollen sich wieder, als sie mich sehen. Morgen werde ich bis Adršpach kommen und für übermorgen habe ich in Trutnov, die größere Stadt am Fuße des Riesengebirges, meine erste Übernachtung während dieser Wanderung in einem Hotel gebucht und bezahlt. Mein Lagerplatz mit eigenem "Badezimmer" war super. Ich blieb die Nacht allein und es regnete nicht. Beim Zusammenpacken erkenne ich schon den blauen Himmel und die Morgensonne. Und so geht es frisch über Land, um dann wieder zu den Felsen aufzusteigen. Die Teplické skály und später die Adršpacher Felsen liegen heute auf dem Weg. Ein Restaurace würde sich in der Mittagszeit zwar anbieten, ich habe es aber eilig, um noch vor dem angesagten Dauerregen bis morgen früh zu einem Campingplatz in Adršpach zu kommen. Angeblich 28 km und dann noch Felsenlabyrinthe, das wird sportlich. Die Teplické skály gefallen mir gut und ich kann sie genießen, da hier noch nicht so viele Leute unterwegs sind. Anders ist es dann in der Adršpacher Gegend. Dort sind zwar die Felstürme nochmals mehr beeindruckend, aber gerade in dem Bezahlbereich, durch den die Via Czechia führt, laufen Massen von Polen und etwas weniger Tschechen die engen Stiegen auf und ab. Es hilft nichts, ich muss mich gedulden wie auf einem Klettersteig. Ich glaube eher, ich bin in der Enge des Labyrinths eine unfassbare Zumutung, nach fast 3 Wochen Wildnis müsste doch mein hiker-stink hier alle ins Koma befördern.... Irgendwie nehm ich dann eine blau gestrichelte Route und kürze wahrscheinlich ein oder 2 km ab. Der Rest der Strecke ist dann wieder kongruent mit dem Bezahlweg. Ich habe Glück, weil es kontrolliert auch keiner. Der Weg wäre auch nicht sein Eintrittsgeld wert, da die Massen einen daran hindern, die Felstürme zu bewundern. Nur raus aus dem Pulk, heißt die Devise, und es fängt auch noch das Tröpfeln an. Dann endlich der grüne Streifenweg nach links, der mich auch direkt zu dem Campingplatz hinleitet. Wahrscheinlich habe ich hier mir nochmals 2 km gespart. So erreiche ich am mittleren Nachmittag mein Ende des Tages. Die Campingplatzbesitzerin ist eine süße alte Lady namens Eva, nimmt umgerechnet 6 €, um mir gleich wieder ein 20 Kronenstück für die Dusche zu schenken. Wahrscheinlich mache ich wirklich so einen erbarmungswürdigen abgeranzten Eindruck. Nachdem mein Zeltchen steht, genieße ich sofort das warme Wasser und spüle mir sämtlichen Wanderstaub aus meinen Poren. Die potraviny-Möglichkeiten liegen beide 3 km weg, da verzichte ich gerne auf einen Einkauf und lebe heute Abend von dem, was mein Fressbeutel noch so hergibt. In der Nacht hatte meine Plastikbaude zwei große Belastungstests zu überstehen: zum Einen fiel das Gewitter heftiger aus, als ich mir das so vorgestellt hatte, nämlich mit heftigen Sturmböen und Starkregen sowie gefühlt stundenlangen Gewitterblitzen mit sogar Rotstich über der Adrspacher Felsenlandschaft. Zum anderen näherte sich ein Dieb und dank meines seichten Schlafes bemerkte ich sofort, dass sich mein Proviantbeutel aus dem Zelt bewegen möchte. Reflektorisch hielt ich im Halbschlaf meinen Fresspouch (mit der duftintensiven Klobása) fest, dann riß irgendwas an der Zeltfront und meine Taschenlampe offenbarte nicht etwa einen tschechischen Geist oder vielleicht einen Waschbären, sondern einen eigentlich putzigen Fuchswelpen, der sich durch mein Zischen endgültig trollte. Das Taschenlampenlicht offenbarte aber auch die Misere: Der Moskitonetzeingang hat jetzt einen gut 10 cm langen Querriß, den ich im nächtlichen Regen gleich fummelig mit einem TPU-Tape notdürftig abklebe. Das dürfte halten. Mein Müllbeutel mit der Käseverpackung ist am Morgen verschwunden und als ich in den naheliegenden Wald in Richtung Kletterfelsen ein bisschen schaue, sehe ich eine zumindest einen leeren Plastiksack, der meiner gewesen sein könnte. Noch scheint die Sonne in Adršpach am Morgen und die Felsen schauen sehr schön aus. Nachdem ich meinen Zelt mit dem Lappen abgewischt habe, beginne ich, meine Sachen zusammen zu packen und auch die tschechischen Jungs aus der Übernachtungsbaude oberhalb sind schon munter. Wir begrüßen uns gegenseitig mit "Dobré ráno" und fragen uns gegenseitig aus, wie die Nacht denn so war, weil das Gewitter war schon heftig. Ich erzähle ihnen von der lustigen Fuchsbegegnung und zeige den Riss im Moskitonetz. In Zukunft verstaue ich meinen nach guter Wurst riechenden Fressbeutel vollständig in meinen Rucksack. Nach herzlichem Nashledanou geht's für mich schon los. Ich möchte am frühen Nachmittag nach Trutnov kommen, damit ich etwas von gebuchten Hotelzimmer habe. Weil einen Zeroday möchte ich nicht einlegen. Lieber dann nur 23 bis 25 Schlenderkilometer, die mir mittlerweile sehr leicht fallen. Die erste Stunde wandere ich noch in der Sonne aber dann sehe ich, dass sich die dunkle Wolkenwand immer mehr nähert. Auf meinem weiteren Weg begegne ich vielen einzelnen Wanderinnen und Wanderer, aber auch so lustige Figuren, wie zum Beispiel einen älteren Herren in einer quietschroten Laufshorts mit blauem T-Shirt, das ich viel zu dürftig bei den kühleren Temperaturen finde. Dann kommt ein weiterer dürrer zahnlückenbehafteter älterer Herr in einer weißen Basketballhose und Regenjacke entgegen. Er fragt mich, ob die Baude, die ich gerade passiert habe, offen hätte und ist glücklich als ich ja gesagt habe. Ich weiß es tatsächlich nicht sicher, er wird schon sehen. Dann begegne ich einen etwas festeren jüngeren Mann mit einem feschen Fußballtrikot, der eine Kinderhandtasche mit Comicmuster mit sich trägt, aber so fröhlich sein "dobrý den" singt, dass ich unbesorgt weitergehe. In einem winzigen Laden kaufe ich ein und wundere mich, dass mich die Verkäuferin auf Deutsch anspricht ohne den sonst üblichen tschechischen Akzent. Sie erzählt mir, sie sei Nachfahre von da gebliebenen Sudetendeutschen. Ich kaufe ihr ein großes Stück Käse und einen Liter Milch ab. Letzteren trinke ich gleich vor dem Geschäft komplett als Frühstück. Das Wetter bleibt so bewölkt und wird regnerisch und deswegen bin ich ganz froh dass ich um die Mittagszeit nur mehr 10 km bis Trutnov habe und ich dort ab 15 Uhr einchecken kann. Dann sind so die nötigen Dinge angesagt wie Wäschewaschen, Duschen, Powerbanks laden, Zelt und anderes trocknen. Weil ich zu früh zum Einchecken dran bin, leiste ich mir in einer Vorstadthospoda ein schönes Schnitzel mit Kraut und Knödel. Eine Kombination, die ich so nicht kenne, aber sie schmeckt hervorragend für umgerechnet 10€. Ein unschlagbares Preis-Leistungsverhältnis, in Deutschland ist man mindestens um das doppelte ärmer. Im Hotel bin ich tatsächlich Punkt 15 Uhr. Kann herrlich entspannt meine Klamotten waschen, die auf dem aussichtsreichen Balkon in Wind und Sonne trocknen. Von dort sehe ich schon auf die Schneekoppe!
  14. Gäuhex ist korrekt 🤗 Ja, kommt alles noch. Ich werde euch aber nicht jeden Tag Tagebucheintrag präsentieren, da lest ihr euch einen Wolf, sondern versuchen, die Tour in Regionen zusammen zu fassen. Also kleines bissi Arbeit😂
  15. Einführung In diesem Bericht fassen wir Erfahrungen zusammen, die wir während unserer diesjährigen Wanderung auf dem GR5/GTA gesammelt haben und stellen nützliche Informationen bereit, die bei der Planung einer ähnlichen Tour unterstützen können. Mit „wir“ meinen wir uns, zwei Wandersmenschen aus Aachen, die im Sommer 2026 auf dem GR5, auch als „Grande Traversée des Alpes“ (kurz GTA) bezeichnet, vom Genfer See nach Menton gewandert sind. Unser Anspruch ist es, euch die Informationen möglichst kompakt und übersichtlich aufzubereiten. Ob uns das gelungen ist…das dürft ihr am Ende bewerten. Aber seid gnädig, es ist unser erster Beitrag im Forum 😀 Nach einer kurzen Aufführung der Key-Facts unserer Reise schreiben wir über die Vorbereitung, den genutzten Wanderführer, die Navigation, die erlebte Flora und Fauna, das Wetter, unsere Ausrüstung, Unterkünfte, über die Verpflegung auf Tour und abschließend noch kurz über ein paar Sicherheitsaspekte. Ach ja, zwischendurch gibt es natürlich auch ein paar Fotoimpressionen 😊 Genug Vorgeplänkel, jetzt rein in die Wanderschuhe und los geht’s! Unsere Reise Die Idee, den GR5 in den französischen Alpen zu wandern, verfolgt uns schon längere Zeit, die Entscheidung, dieses Abenteuer im Sommer 2026 zu beschreiten treffen wir im Frühjahr und beginnen somit einige Monate vorher mit der Vorbereitung. Dazu mehr im entsprechenden Kapitel. Jetzt schreiben wir diesen Erfahrungsbericht im September rund einen Monat nach der Rückkehr vom Mittelmeer. Hier einige Randdaten zu unserer Tour: Start: St. Gingolph (Anreise per Bahn über Lausanne und St-Maurice) Ziel: Menton (Abreise per Bahn über Ventimiglia und Mailand) Hauptroute: GR5/GTA (im Folgenden GTA genannt) Abweichungen von der Hauptroute: Höher gelegene offizielle Alternativroute am Mont Blanc GR55 von Val Claret bis Modane GR52 von Saint-Dalmas-Valdeblore bis Menton Zurückgelegte Strecke: ca. 590 km Gesamter Anstieg: ca. 34.700 hm Unterkünfte: Zelt (Wildcamping, Campingplatz und Biwakplatz) Wanderzeitraum: 22.07.2026 Nachmittag – 17.08.2026 Vormittag (26 Wandertage, keine Pausentage) Jetzt noch ein paar kurze Infos zu uns. Wir sind 25 und 29 Jahre alt, haben ein solides Fitnesslevel und ein bisschen Bergerfahrung (1. Person: zwei kleinere Hüttentouren von 3-5 Tagen und 2. Person: mehrere kleine Hüttentouren und ein anderer Fernwanderweg - GR11, Pyrenäen im Juni 2023). Wir würden uns demnach niemals als Bergprofis oder Ähnliches bezeichnen. Wir waren halt einfach schon mal in den Bergen unterwegs. Mit dem Schlafen im Zelt waren wir beide schon aus früheren Touren vertraut. Insgesamt ist der GTA ein toller Fernwanderweg durch die französischen Alpen. Die Wege sind gut ausgebaut bzw. ausgetreten, angenehm zu laufen und es gibt wenig anspruchsvolle Stellen. Trotzdem verliert man nicht das Gefühl, im Gebirge unterwegs zu sein und kann an jeder Ecke Blicke auf wunderschöne Landschaft erhaschen, Tiere beobachten und die Pflanzenvielfalt bestaunen. Das Besondere an so einem Fernwanderweg sind ja auch die Veränderungen im Landschaftsbild und in Flora und Fauna, die sich über die vielen Kilometer ergeben. Ein kurzer Hinweis noch: Auf dem GTA bewegt man sich nicht über mehrere Wochen mehr oder weniger allein durch unberührte Natur, die Alpen sind in Frankreich sehr gut erschlossen. Der Weg führt durch beliebte Urlaubsgebiete, bekannte Nationalparks, passiert zahlreiche Ortschaften, kleine und mittelgroße Städte und quert (im Sommer) verwaiste Skigebiete. Auf den ersten beiden Dritteln des GTA, insbesondere rund um den Mont Blanc, ist recht viel los und man teilt sich die Wege mit Tagesausflügler*innen, Hüttentourmenschen und geführten Wandergruppen. Das erwähnen wir nicht, um den GTA unschmackhaft zu machen, sondern um euch eine realistische Vorstellung zu geben. Im Vergleich zum GR11 in den Pyrenäen war auf dem GTA deutlich mehr los. Dazu muss man aber auch bedenken, dass unsere Wanderzeit auf dem GTA in der absoluten Hochsaison lag. Nichtsdestotrotz bot uns der GTA an allen Tagen auch ruhigere Stunden, in weniger frequentierten Abschnitten, auch Tage mit nur sehr wenigen Menschenbegegnungen und zahlreiche einsame Nächte in den Bergen. Insbesondere in den weniger gut angebundenen höheren Gebieten, bei nicht so gutem Wetter und morgens und abends war es meist ruhig. Vorbereitung Manchmal aufwendig und nervig, aber ein bisschen Vorbereitung sollte vor einer solch großen Tour erfolgen. Und fangt nicht zu spät damit an, sondern nehmt euch Zeit. Wir haben unsere Reise über mindestens 4 Monate geplant. Angefangen mit der Festlegung des Reisezeitraums, über das Buchen von Zugtickets bis zur finalen Auswahl unserer Ausrüstung, worauf wir später noch genauer zu sprechen kommen. Der Wahl des Reisezeitraums kommt bei der Buchung der Tickets natürlich eine besondere Bedeutung zu. Aber woher soll man vor der Tour wissen, wie lange man braucht? Wir haben uns durch verschiedene Blogs gelesen und herauskristallisiert hat sich eine Wanderdauer von ca. 25-35 Tagen. Da wir vermuteten, dass wir durchschnittlich schnelle Wandersmenschen sind, sind wir von einer Wanderzeit von ca. 30 Tagen ausgegangen. Wir wollten noch mindestens 2-3 Tage am Mittelmeer verbringen, haben uns einen kleinen Puffer von ebenfalls 2-3 Tagen für Pausentage, Krankheit oder sonstige ungeplante Zwischenstopps eingeplant und somit die Rückreise für den 25.08.2026 angesetzt. So hatten wir insgesamt 35 Tage Zeit. Tatsächlich haben wir keine Pausentage gemacht, haben uns nicht ernsthaft verletzt, sind nicht krank geworden und haben 26 Wandertage benötigt. An den meisten Tagen sind wir zwischen 9-11 Stunden unterwegs gewesen, inklusive 1,5-3 Stunden Pause für Frühstück, Mittagessen, Einkauf oder auch einfach mal zum Verschnaufen und Ausblick genießen. Außerdem ist für die Festsetzung der Reisedauer gut zu wissen, dass die Route einige Möglichkeiten der Abkürzung oder Verlängerung bietet. Wer z.B. nach Nizza (GR5) und nicht nach Menton (GR52) geht, spart gut 2-3 Tage ein oder rund um den Vanoise Nationalpark gibt es den GR55 (höher und kürzer) oder den GR5E (flacher und länger) als Alternativen, die ebenfalls 1-2 Tage abkürzen können. Wenn nun also ein paar Tage Krankheit dazwischenkommen, kann einfach spontan eine kürzere Route genutzt werden oder auch ein kurzer Bustransfer sinnvoll sein. Wer nicht mal schnell einen Monat frei machen kann oder möchte, kann den GTA auch in Teilen laufen. Wir haben ein bisschen diskutieren müssen, weil der Weg wirklich viele schöne Abschnitte hat, aber wenn wir jetzt nur eine Woche Zeit gehabt hätte, wären wir das Teilstück zwischen Landry und Briancon durch den Vanoise Nationalpark auf dem GR5 und GR55 gelaufen. Vielleicht noch zwei Hinweise für die Anreise nach St. Gingolph und die Abreise aus Nizza bzw. Menton. Wir haben, weil der Weg ja am GENFER See startet, den dummen Fehler gemacht und auch unsere Zugtickets bis nach Genf gebucht. Wenn ihr von St. Gingolph starten wollt, dann bucht auch eure Tickets auf jeden Fall direkt bis dorthin. Der Zug fährt dann nämlich auf der Ostseite des Sees entlang. Genf liegt an der Westseite. Die Abreise vom Mittelmeer kann insbesondere zur Hauptsaison schnell zu einer teuren Angelegenheit werden, wenn nicht 4-6 Monate im Voraus gebucht wird. Wir sind mehr durch Zufall auf eine sehr komfortable und recht günstige Verbindung gestoßen, die wir 4 Monate vor Fahrdatum gebucht haben. Und zwar fährt diese nicht durch Frankreich, sondern durch Italien. Von Nizza bzw. Menton kann mit einem Regionalzug entspannt nach Ventimiglia (Italien) gefahren werden. Von dort über Genua nach Mailand. Aus Mailand gibt es einen Eurocity nach Frankfurt und schon seid ihr innerhalb eines halben Tages mitten in Deutschland. Weitere Sinnvolle ToDos für die Vorbereitung nun stichpunktartig: Ausrüstung zusammenstellen/kaufen/ausleihen und testen (siehe Kapitel) Je nach Fitnessstatus etwas trainieren (haben wir allerdings kaum gemacht) Navigation planen und Offline-Karten beschaffen (siehe Kapitel) Wanderführer beschaffen oder über Lebensmittelläden/Unterkünfte/ Wasserstellen/Höhenprofil informieren (siehe Kapitel und pdf-Anhang) An- und Abreise planen Wanderführer Für eine Fernwanderung kann es sich lohnen, sich einen Wanderführer zuzulegen. Weniger für die Beschreibung des Weges oder der Landschaft, sondern insbesondere für Informationen über Schlaf- und Einkaufsmöglichkeiten, Wasserbrunnen oder Besonderheiten bei den Campingregeln. So muss man nicht im Vorhinein alles akribisch recherchiert und notiert haben, sondern kann einfach immer die Wegbeschreibungen der nächsten Tage lesen und dementsprechend planen. So ist es beim Einkaufen z.B. überaus praktisch zu wissen, wann man das nächste Mal wieder einkaufen kann, um nicht zu viel und nicht zu wenig mitschleppen. Auch wenn man beim Trinkwasser im Sommer wirklich nicht sparen sollte, kann sich auch hier lohnen, die Wassermenge zu beschränken, wenn in nächster Zeit noch weitere Wasserstellen kommen. Für die Tour auf dem GR11 vor drei Jahren ist der entsprechende Wanderführer vom Cicerone Verlag zum Einsatz gekommen und waren damit sehr zufrieden. Jetzt haben wir wieder den Wanderführer dieses Verlags gekauft, in der Hoffnung auf ähnlich sinnvolle Informationen. Leider stellte sich der Wanderführer zum GTA „GR5 Trail“, erschienen 2025, eher als Wanderführer für Menschen ohne Zelt heraus. Es wurde zwar auf die meisten Biwakplätze und offiziellen Campingplätze hingewiesen, aber ein Großteil der Wasserstellen und mögliche Orte fürs Wildcampen wurden nicht beschrieben. Die Wegbeschreibungen waren dafür sehr ausführlich. Das Ärgerlichste war jedoch, dass jegliche Einkaufsmöglichkeiten für Lebensmittel als „Shop“ beschrieben waren. Sowohl der riesige Supermarkt als auch die Campingplatzrezeption, an der drei Packungen Nudeln viel zu überteuert erworben werden können. Mehr zur Verpflegung dann im entsprechenden Abschnitt. Soweit wir wissen, gibt es noch zwei Wanderführer auf Deutsch, die ggf. besser geeignet sind. Wir sind aber trotzdem sehr glücklich, dass wir den Wanderführer hatten und würden ihn jederzeit wieder kaufen, wenn die Alternative wäre, keinen zu haben. An dieser Stelle können wir auch wärmstens empfehlen, den Wanderführer als E-Book zu kaufen, um ihn auf einem E-Reader oder auf dem Handy lesen zu können. Das spart noch mal einiges an Gewicht. Und auf einem E-Reader können während der Tour noch weitere Bücher gelesen werden 😊 Wegführung, Markierung und Navigation Der GTA führt einmal über die französischen Alpen – durch zahlreiche Täler und über viele Bergketten. Dabei nimmt der Weg nahezu keine Gipfel mit, sondern überschreitet die Berge immer an Pässen. Die Wege sind sehr gut zu gehen und es gibt nur wenigen Passagen, in denen man die Hände am Fels zur Hilfe nehmen sollte. Nichtsdestotrotz sind die An- und Abstiege teilweise recht steil und lang, erfordern eine gute Krafteinteilung und insbesondere beim Abstieg knieschonendes Gehen – Wanderstöcke empfohlen. Der schwierigste Abschnitt war auf dem GR52, wo man für mehrere Stunden über Geröllfelder den Berg hochkraxeln musste, und später wieder runter. Der GTA ist durchweg gut markiert. Einerseits gibt es die gewohnten weiß-roten GR-Markierungen und andererseits sind die Zwischenziele meist auf Wanderschildern mit der ungefähren Wanderzeit ausgewiesen. Ein GPS-Gerät zur ständigen Navigation wird demnach nicht benötigt. Es ist jedoch sinnvoll den Track als Backup auch digital dabei zu haben, wenn man den Weg dann doch einmal verlieren sollte. Es gab nur wenige Stellen mit ungenauer Markierung. Da im Gebirge nur sporadisch Internetempfang ist, lohnt es sich die Wanderroute in einer Offline-Karte herunterzuladen z.B. über Komoot. Wir haben uns den .gpx Track (z.B.: hier) heruntergeladen und in die Karten-App „OsmAnd“ importiert. In OsmAnd kann man sich Wanderkarten offline herunterladen und Wasserstellen sind größtenteils eingezeichnet. Diese App ist wirklich sehr empfehlenswert! Zusätzlich hatten wir die Wegbeschreibung und das Höhenprofil des Wanderführers auf dem E-Reader immer schnell parat. Flora und Fauna (ein laienhafter Einblick) Die Botaniker*innen und Ornitholog*innen unter euch müssen wir leider enttäuschen: Wir können euch wirklich nicht sagen, wie all die die Pflanzen, Vögel und sonstigen Lebewesen bezeichnet werden, die wir auf dem GTA beobachtet haben. Was wir euch aber sagen können, es waren einige! Die prominentesten Tiere sind sicherlich Gämsen, Murmeltiere und Steinböcke. Plus natürlich die Kühe und Unmengen an Schafen. Auch einige Geier konnten wir erspähen. Von den Pflanzen her bietet der GTA eine große Vielfalt. Mit jedem Tag der Wanderung gibt es neue Pflanzen zu entdecken und andere Pflanzen verschwinden aus der Landschaft. Von sattgrünen Laubwäldern über moosige Nadelwälder bis zu sandigen Pinienwäldern im stark mediterranen Einfluss war alles dabei. Was uns ganz besonders erstaunt hat, waren die großen Mengen an wilden Himbeeren und an manchen Tagen auch wilden Johannisbeeren und Brombeeren, die teilweise kilometerweit am Wegesrand zu finden waren. Aber bevor wir hier in rechtliche Schwierigkeiten kommen: Das ist keine Verzehrempfehlung für jegliche Beeren, informiert euch besser selbst noch mal, bevor ihr zugreift 😊 Wetter Der vielleicht kritischste Aspekt, sowohl für die Auswahl der Ausrüstung als auch für das Wohlbefinden und die Stimmung während der Tour: Das Wetter. Grundsätzlich kann man während 3-4 Wochen Wanderung mit jeder Wetterlage konfrontiert werden: Regen, Hagel, Sturm, Hitze, Gewitter, Schnee. Bis auf den Schnee haben wir auch alles erlebt. Insgesamt hatten wir aber Glück mit dem Wetter. In den ersten 2,5 Wochen der Tour hatten wir nur an 2-3 Tagen mal kurz oder wenige Stunden unsere Regenkleidung an. Das änderte sich jedoch schlagartig beim Erreichen des Nationalpark Mercantour. Landschaftlich und von der Tier- und Pflanzenwelt ist der Nationalpark wirklich toll. Tiere, die wir die letzten Wochen wenn überhaupt nur hin und wieder aus der Ferne beobachten konnten, kamen plötzlich bis auf wenige Meter an uns heran und waren deutlich häufiger zu sehen: Gämsen, Murmeltiere, Steinböcke, sogar ein paar große Greifvögel haben wir bestaunt. Was das Wetter anging, präsentierte sich das Mercantour zwar vorhersehbar, aber auch nass. Das lief folgendermaßen: Jeden Morgen sagten wir uns „Wow, so tolles Wetter, so wenig Wolken, heute regnet es niemals“. Am Mittag war es dann ein „Naja, es zieht schon zu…“ und nachmittags dann „Kannste mir die Regenhülle drübermachen?“ und „Eins, zwei, drei, …. ,zehn, elf [Buuuuumm]. Das Gewitter ist noch 4 Kilometer entfernt!“. Zum Glück waren die Abende und Nächte dann immer wieder trocken und ruhig. Der viele Regen über dem Mercantour rührt daher, dass die feuchte Meeresluft über dem Gebirge des Nationalparks aufsteigt und sich dann abregnet. Also auf eine Art doch auch motivierend, weil das Meer immer näher kommt. Je näher man dem Meer kommt, desto früher am Tag regnet es übrigens. Wenig Regen in den ersten 2,5 Wochen heißt aber nicht, dass das Wetter optimal war…es war viel zu heiß!!! Wir wussten gar nicht, an wie vielen Körperstellen man schwitzen kann und wo der Schweiß einem überall runterlaufen kann. Insbesondere im Tal und in den Städten hat sich der Hitzesommer mit bis zu 40°C von seiner intensivsten Seite gezeigt. Aber gut, wir haben uns ja auch Südfrankreich und nicht Skandinavien als Ziel ausgesucht… Wir konnten auf dem GTA die allermeiste Zeit entspannt in kurzer Hose und T-Shirt wandern. Abends ohne Bewegung und in der Höhe mit ggf. noch Wind und Regen wurde es aber auch schnell frisch. Daher sind eine Isolationsschicht, z.B. ein Fleece, und eine Wind-/Regenjacke auf jeden Fall Pflicht. Ausrüstung Empfehlungen für sinnvolle Ausrüstung findet man im Internet wie Sand am Meer, jede und jeder hat eine andere Meinung dazu. Daher versuchen wir es hier allgemein zu halten und kurz darauf einzugehen, was für uns gut funktioniert hat. Grundsätzlich gilt aber: Nimm das mit, womit du gut klarkommst und dich wohl fühlst. Was man auf jeden Fall empfehlen kann, ist auf das Gewicht der Ausrüstung zu achten. Ein Kilo mehr oder weniger macht sich auf über 500 km früher oder später bemerkbar. Zur Gewichtsreduktion gibt es dann zwei Möglichkeiten: Einzelne Gegenstände durch eine leichtere Variante ersetzen oder sie ganz weglassen. Manchmal braucht es auch beim Wandern den berühmten Mut zur Lücke 😉 Solange das nicht auf Kosten der eigenen Sicherheit geht… Im PDF im Anhang findet ihr eine Liste mit den wichtigsten Gegenständen unseres Equipments, mit denen wir überaus glücklich waren. Die Liste ist ausdrücklich nicht vollständig. Und ja, wir wissen, dass die ca. 2,5 kg Kameraausrüstung alles andere als zwingend nötig gewesen wären, aber so sind für jede Person eben andere Gegenstände für so eine Reise wichtig. Insgesamt sind wir auf rund 13 kg Rucksack-Startgewicht pro Person inklusive 3 kg Wasser und 3 Tage Essen gekommen. Die am Körper getragene Kleidung haben wir nicht mitgewogen. Das Durchschnittsgewicht auf dem Weg war aber deutlich niedriger, da das Wasser nicht immer voll war und weniger Essen mitgeschleppt wurde. Bevor es mit der großen Reise losgeht, kann es sich lohnen, neue Ausrüstung vorher zu testen. Insbesondere sollten Schuhe eingelaufen sein, vor allem falls es sich um dicke Wanderschuhe handelt. Bei leichten Trailrunningschuhen, die wir für den GTA empfehlen können, ist das sicherlich nicht ganz so wichtig. Aber auch in unseren Altra Olympus haben sich Blasen und Druckstellen gebildet. Da konnten uns nur noch gute Blasenpflaster retten. Unterkünfte und Camping Wir haben auf dem GTA jede Nacht im Zelt geschlafen. Den Großteil der Nächte haben wir dabei „bivouak“ gemacht. In den französischen Alpen heißt biwakieren, dass man für nur eine Nacht an einem Ort schläft, das Zelt erst abends aufbaut und es morgens wieder abbaut. So ist das Schlafen im Zelt auf dem GTA an den meisten Orten geduldet, weshalb z.B. an den schönen Bergseen abends meist mehrere Zelte stehen. Es gibt jedoch ein paar Ausnahmen – rund um den Mont Blanc gibt es Sonderregelungen und auch in den Nationalparks ist das Biwakieren teilweise eingeschränkt. Zum Glück haben einige Berghütten Biwakplätze neben der Hütte, wodurch das Schlafen im Zelt auch in Nationalparks möglich wird. Außerdem gibt es in manchen Gegenden, in denen das Biwakieren verboten ist, trotzdem buchbare Biwakplätze, diese sind kostenlos. Der QR-Code zu der Buchungswebsite ist dann oft auf Schildern ausgewiesen. Es lohnt sich also, sich im Vorhinein zu informieren, wie die Campingregeln in den Nationalparks sind und an welchen Hütten biwakiert werden kann. Das Zelten neben den Hütten kostet meist nur wenige Euro pro Person und beinhaltet die Nutzung von Toilette und Dusche. Im PDF im Anhang findet ihr eine Liste mit allen Hütten, an denen das Biwakieren möglich ist. Insgesamt gibt es noch deutlich mehr Hütten zum drinnen Übernachten. Hierfür lohnt es sich zusätzlich zum normalen Schlafsack evtl. noch einen Hüttenschlafsack mitzunehmen. Ein Großteil der freien Grasflächen in den Alpen ist in Privatbesitz und durch Schaf- oder Kuhherden besetzt. Die Landwirt*innen finden es meist nicht so toll, wenn Zelte auf den Flächen stehen, so unsere Erfahrung. Einmal mussten wir das Zelt um 21 Uhr wieder abbauen und weiterstapfen, weil ein wütender Schafshirte uns partout nicht auf seiner anscheinend privaten Skipiste zelten lassen wollte… Neben den Berghütten gibt es in diversen Städten und Ortschaften auf dem Weg Unterkünfte und Campingplätze. Den GTA auch ohne Zelt zu wandern ist demnach kein Problem, erfordert nur etwas mehr Geld und Organisationaufwand, insbesondere in der begehrten Sommerzeit, in der frühzeitig gebucht werden sollte. Und noch ein kleiner Hinweis zu Unterkünften am Mittelmeer. Es ist teuer, sehr teuer. Der Wunsch nach Entspannung in einer kleinen Wohnung schlägt im Sommer für zwei Personen gut und gerne mit 150-200 € pro Nacht zu Buche. Deutlich günstiger, zumindest in Menton, ist der Campingplatz, welcher sich etwas oberhalb der Stadt befindet. Hier kostet die Nacht nur rund 30 €. Runter in die Innenstadt und zum Strand dauert es zu Fuß nur 10 Minuten und rauf vielleicht 15 Minuten. Laut Internet können nur 3 Nächte am Stück gebucht werden. Wenn man anruft oder direkt vorbeigeht, sind aber auch einzelne Nächte möglich. Verpflegung und Kochen Das lang ersehnte Abendessen nach einem harten Wandertag, der kleine Snack nach einem schweißtreibenden Aufstieg oder der wohlverdiente Zwischenstopp auf der Berghütte. Neben Schlafen, Pinkeln und Kacken ist die Verpflegung auf Tour wohl eines der wichtigsten Bedürfnisse. „Ohne Mampf kein Kampf“ heißt es doch…wobei wir hoffen, dass das Wandern weder kämpferisch noch quälend empfunden wird 😊 Der GR5 bietet in puncto Essensversorgung super viele Möglichkeiten. Lebensmittelläden oder kleine Supermärkte werden meist jeden zweiten Tag erreicht. Bis zum Abzweig auf den GR52 mussten wir für maximal 2-2,5 Tage Essen mitnehmen, also wirklich machbar. Der GR52 hat da andere Ansprüche, dazu gleich mehr. Mit Lebensmittelläden sind Läden gemeint, die einen Großteil der Dinge für den täglichen Wanderbedarf anbieten, aber nicht so groß sind wie der typische Supermarkt in z.B. Deutschland. Wobei es diese Supermärkte auf der Strecke auch hin und wieder in den größeren Städten gibt. Dass die Preise in den Alpen und insbesondere in den abgelegenen Bergläden merklich höher sind als im Tal oder in der Großstadt, hat uns erst etwas erschreckt, es führt aber kein Weg daran vorbei. Wir sind ja glücklich, dass es die Läden überhaupt gibt! Übrigens bieten die Lebensmittelläden teilweise auch Campingbedarf an, wie z.B. Gaskartuschen. Die meisten Läden haben sonntags am Vormittag geöffnet und manche machen an Werktagen eine Mittagspause. Das lohnt sich im Hinterkopf zu behalten. Im PDF im Anhang findet ihr eine Liste mit allen Lebensmittel-Einkaufsmöglichkeiten. Wir haben versucht, die Läden auch grob nach ihrem Angebot zu kategorisieren. Zusätzlich zu den Einkaufsmöglichkeiten gibt es, wie in Frankreich üblich, viele Restaurants in den Ortschaften und Städten. Wenn man gerade nicht im Tal unterwegs ist, kommt man auf dem Weg zusätzlich sehr regelmäßig an Hütten vorbei, die ebenfalls warmes Essen und Snacks anbieten. Es ist also auch möglich, nur wenig Essen mitzuschleppen und dafür häufiger mal auf Hütten einzukehren. So lässt sich das Rucksackgewicht steuern. Wir haben unser Essen aber immer getragen und nicht in Hütten gegessen, was unserer veganen Ernährung geschuldet ist, auf die die Hütten und Restaurants leider nicht verlässlich eingestellt sind. Insbesondere in den heißen Monaten ist die Versorgung mit Wasser sehr bedeutend. Wie oben schon geschrieben, hatten wir in den ersten Wochen fast jeden Tag über 30 Grad, haben uns über jede Minute Schatten gefreut und so viel geschwitzt wie nie zuvor. Über die 3 Liter Wasserkapazität pro Person waren wir äußerst glücklich. Wir haben meist Wasser aus öffentlichen Wasserstellen z.B. an Hütten oder in Ortschaften genommen. Oft stand „Eau potable“ (Trinkwasser) dran, manchmal stand aber auch nichts oder „Eau non controlée“ (Nicht überwachtes Wasser) an den Zapfsäulen. All diese Varianten haben wir getrunken, ohne jegliche Beschwerden zu haben. Wenn ausdrücklich „Eau non potable“ (Kein Trinkwasser) ausgeschildert war, dann haben wir die Münder davongelassen. Wasserstellen gab es an so gut wie jeder Hütte und in jeder Ortschaft. Ansonsten hilft es auch mal in einem Restaurant oder bei Privatmenschen nach Wasser zu fragen, uns hat das noch niemand ausgeschlagen. Wenn nun keine Wasserstelle verfügbar ist, dann bieten Bergbäche eine weitere gute Möglichkeit für Wasser. Wir haben das Wasser dann jedoch gefiltert. Einmal haben wir auch aus einem kristallblauen Bergsee Wasser genommen und zusätzlich zum Filtern noch Micropur Forte Chlortabletten genutzt, um auch Viren aus dem nicht-fließenden Gewässer zu eliminieren. Jetzt aber zum GR52 – der Kür der Tour, der letzten Prüfung vor dem Ziel. Die Alternativroute nach Menton ist nicht nur vom Wandern und vom Wetter her anspruchsvoller als die Hauptroute nach Nizza, sondern auch was die Lebensmittelversorgung angeht. (Nicht falsch verstehen, wir würden immer wieder den GR52 nehmen, weil er landschaftlich einfach toll ist!) Zwischen dem Trennungsort Saint-Dalmas-Valdeblore und der Stadt Sospel (letzte Etappe vor Menton) gibt es keine Einkaufsmöglichkeit. Das sind 85 km oder rund 4-5 Tage zu gehen. Wer sich hier selbst versorgen möchte und nicht auf Essen in Hütten zurückgreifen möchte, sollte sich in Saint-Dalmas-Valdeblore gut überlegen, wie viel Essen benötigt wird. Wir haben aus Versehen sogar für 6 Tage Essen gekauft, weil wir den Supermarkt in Sospel nicht auf dem Schirm hatten und unser Reiseführer noch einen Tag länger eingeplant hatte, als wir am Ende gebraucht haben. Da sind unsere Rucksäcke kapazitätsmäßig auf jeden Fall an ihre Grenze gekommen. Zwischen Sospel und Menton haben wir übrigens nur eine Möglichkeit zum Wasser nachzufüllen gefunden, und zwar an einem super süßen Picknick-Ort, den liebe Menschen für Wandersleute geschaffen haben. Dort gibt es Wasser, Sirup und ein Gästebuch. Wo Trinken und Essen rein geht, muss es auch wieder raus. Unserer Beobachtung nach gab es sehr viele öffentliche Toiletten, auch in mittelgroßen Dörfern. Diese sind ausgeschildert oder mit der oben genannten „OsmAnd“-App auffindbar 😊 Insgesamt kann man sagen, dass die Versorgung mit Essen und Wasser auf dem GTA gut ist, aber auf dem letzten Drittel der Tour etwas mehr Organisation erfordert als in den ersten Wochen. Insbesondere was das Wasser angeht, sind wir Richtung Ende in den Modus „immer alles vollmachen“ übergegangen. Kurzer Zusatz: Wir haben uns als vegan lebende Personen auch auf unserer GTA-Tour vegan ernährt. Wir sind immer wieder erstaunt gewesen, wie wenig das französische Lebensmittelangebot die pflanzliche Ernährung im Blick hat und wie stark der Fokus auf tierischen Lebensmitteln liegt. Dementsprechend schrumpft das Angebot. Andererseits wird man so auch von sehr verlockenden, aber natürlich ungesunden Keksen und Supermarkt-Backwaren ferngehalten. Überall muss ja bekanntlich noch ein bisschen Süßmolkenpulver und nen gutes Stück Butter rein! Nichtsdestotrotz gab es genug vegane Auswahl, um leckere Abendessen zu zaubern und mittags war es dann häufig das Hummus-Baguette mit Oliven… Mobiles Netz und Sicherheit: In diesem kurzen Kapitel möchten wir noch kurz auf die Sicherheit in den Bergen und die Netzsituation eingehen. Da wir zu zweit unterwegs waren, haben wir dem Thema Sicherheit nicht sonderlich viel Aufmerksamkeit gewidmet, vielleicht naiv? Wir hatten beide je ein Handy dabei. Zusätzliche Satellitenkommunikation wirkte auf uns etwas Overpowered für die doch recht gut angebundenen Alpen. Trotzdem muss man sich im Klaren sein, dass man auch mal einige Stunden oder nahezu ganze Tage kein mobiles Netz hat. Meistens hatten wir zum Akku sparen ein Handy im Flugmodus und das andere ausgeschaltet. Dabei kann es sinnvoll sein, zwischen den Wandernden die SIM-PINs und normalen PINs der Handys auszutauschen. Da der GTA zumindest im Sommer gut besucht ist, muss man im Regelfall nicht lange suchen, um andere Wandernde zu finden, die im Notfall unterstützen können. Und noch eine Empfehlung für alle, die ihre Reise mit Familie und Freunden teilen wollen. Wir haben gute Erfahrungen mit „FindPenguins“ gemacht. In der App kann man z.B. für jeden Tag einen sogenannten „Footprint“ anlegen mit der Position des Schlaf-/Zeltplatzes, Bilder des Tages hochladen und einen kleinen Tagesbericht schreiben. Den Link zur Reise können dann andere Menschen öffnen und die Reise mit verfolgen. Die App ist kostenfrei und für die anschauenden Menschen sind kein App-Download oder eine Anmeldung nötig. Fazit Wow, das waren ganz schön viele Informationen auf einmal. Wer bis hier gelesen hat, verdient unseren Respekt! Hoffentlich haben euch die Hinweise und Erfahrungen geholfen. Wenn ihr weitergehende Fragen habt, zögert nicht sie zu stellen 😊 Jetzt noch unser Fazit zum GTA: Eine Fernwanderung, die auch als erste Fernwanderung gut geeignet ist. Etwas Bergerfahrung ist sicherlich sinnvoll, aber nicht zwingend erforderlich. Die Versorgungssituation mit Essen und Wasser ist relativ entspannt und bedarf auf den meisten Abschnitten keiner großen Planung. Der Weg ist super markiert, eine digitale Offline-Karte ist aber trotzdem empfehlenswert. Es ist unkompliziert möglich, über den gesamten Weg im Zelt zu übernachten, solange man aufmerksam ist und regionale Sonderregelungen beachtet. Übernachten in Unterkünften ist ebenfalls gut möglich. Je nach Fitnesslevel und Ambition sollten 25-35 Tage eingeplant werden. Wer nicht so viel Zeit hat, kann die Route auch ganz bequem auf mehrere Urlaube aufteilen. Die von uns gewählte Route (GR5, GR55, GR52) hat uns sehr gut gefallen! Die anstrengenden Anstiege wurden mit tollen Aussichten belohnt, wir haben nette Menschen kennenlernen dürfen, haben an traumhaften Zeltplätzen übernachtet und ganz nebenbei einen Monat am Stück Sport gemacht. Der Körper dankt. Der einzige Aspekt, den wir uns auch anders hätten vorstellen können, war die Anzahl an Menschen auf manchen Teilabschnitten. Insbesondere rund um den Mont Blanc wurde es recht voll. Aber als Zeltmenschen hatten wir ja zumindest morgens und abends meist die Natur ganz für uns, also alles halb so schlimm. Abschließend können wir in fester Überzeugung sagen: Die Erfahrungen dieses Wanderabenteuers werden wir niemals vergessen! GTA_Ausruestung_Biwakplaetze_Einkauf.pdf
  16. Trekkingplatz Siedlinghausen Für den Trekkingplatz gibt es beide Daumen hoch. Direkt am Weg, doch etwas geschützt durch die Büsche. Saubere neue Toilette, sogar eine Panorama-liege, die sich drehen kann. Einzig und allein ein überdachter Bereich fehlt, dank gutem Wetter ist mir das jedoch egal. Ich hole mein Zelt heraus, breite es aus und muss dann an einen Foreneintrag hier im Forum denken, wo ich meinte, dass ein Zeltaufbau auf den Plattformen easy ist für nicht selbstehende Zelte, mit extra Schnüren oder Plattformheringen geht das schon. An dieser Stelle fällt mir auf, dass ich weder Plattformheringe noch extra Schnüre dabei habe...hm, clever von mir. Zum Glück hat das Tartptent Rainbow so was wie einen selbststehenden Modus mittels Trekkingstöcken (mehr schlecht als recht) und ich hab noch die Windschnürre dran. Klappt irgendwie. Nach dem Aufbau bleibt ein Mountainbiker, ein Mittfünziger stehen, und ruft mir ein freundliches „Weiß das Forstamt, was sie da machen!?!“ zu, ganz in Blockwart Manier. Jedoch ist die Situation schnell entspannt, als ich ihm erkläre, dass man das hier ganz legal buchen kann. Daraus entwickelt sich ein nettes Gespräch und zehn Minuten und eine Lebensgeschichte später wünscht er mir noch eine angenehme Nacht auf der Plattform. Essen, nach Hause telefonieren, noch vor neun Uhr bin ich eingeschlafen. Nachts regnet es dann längere Zeit, ich bleib jedoch trocken. Bis zum nächsten Morgen. Das Rainbow kann sich zu einer wahren Tropfsteinhöhle entwickeln und genau das hat es getan. Bis ich aus dem Zelt raus bin, habe ich schon eine gratis Kondenswasserdusche bekommen. Der Morgen ist windig und bewölkt, jedoch soll es heute trocken bleiben. Ich bin schon früh unterwegs, denn heute steht die härteste Etappe an, rauf auf den Ohlenberg. Nicht direkt sichtbar, der TrekkingplatzAusblick Super sauberes Kompostklo Am nächsten Morgen nach dem Regen
  17. 9. Jizerský hory (Isergebirge) 26.-28. August 85 km Ich weiß nicht, was mich am Vorabend geritten hat, aber ich wollte unbedingt ins Kloster.... Auf der Karte entdeckte ich 2 Etappen weiter den Ort Hajnice mit einem Klášter, schön gelegen im Isergebirge. Der Haken dabei, die Entfernung auf der Via Czechia mit allerdings vielen Schlaufen würde wieder auf knapp 50 km kommen. Und es regnet heute. Also lasse ich mir von Mapy.com eine direktere Route kreieren und die App spuckt mir so ungefähr 29 km aus. Das ist doch ein starker Plan, die wichtigsten Abschnitte mit drin, die Luxusschlaufen weg, und ich bin heute Abend glücklich und zufrieden im Trockenen. Genüsslich lasse ich mir das überreichliche Hotelfrühstück schmecken, das Beste an der ganzen Unterkunft. Und so esse ich Dinge am Morgen, die ich sonst nie essen würde. Um halb neun geht es dann im Regen los. Harrachov ist eine ziemlich unidyllische Ski-Stadt und genau die Deutschen zieht es da hin. Es dauert 4 km, bis ich aus Harrachovs Dunstkreis komme und lande schließlich im Tal der Jizera, die zugleich die Grenze zwischen Tschechien und Polen darstellt. Ziemlich einsam spule ich mit Regenschirm bewaffnet die Kilometer herunter. Die Hochfläche des Ortes Jizerka begeistert trotz des schlechten Wetters. Einem älteren Paar, Stenjek und Helena, biete ich an, von den beiden ein Foto zu machen, natürlich sind sie auch bereit für ein Selfie zu dritt. Diese netten Begegnungen sind das Salz in der Suppe. Mein Weg zieht nach rechts in die Wälder, um am Kamm ein Felsenlabyrinth mitzunehmen. Es herbstelt ein wenig. Dann kommt ein einsamer Abstieg zwischen zwei Waldbächen. Letztlich lande ich in Bílý Potok, einem ziemlich herunter gekommenen tschechischen Ort mit Messi-Häusen oder gar zerfallenen Gebäuden. Danach kommt dieses Hajnice mit meinem Klášter...nach endlich 31 km betrete ich die Kirche und bestaune die Fresken. 2 Betschwestern murmeln lautstark irgendwelche Gebietsmonotonien auf tschechisch herunter. Also lieber gleich zur Rezeption und erste Begutachtung meiner Zelle 217. Der Hunger treibt mich ins Klosterrestaurant und dort erwartet mich ein Abendbuffet mit Schlemmereien ohne Ende. Es werden 2 große Gänge mit Fisch, Hühnchen, Kichererbsen, Bohnen, Kartoffeln und Hranolky....naja, wer weiß, was mich wieder die nächsten Tage erwartet. Das Wetter wird nämlich besser und mein Zelt will wieder mal Frischluft tanken. Wenn mich was nervt, dann sind es Trampeltiere in Unterkünften. Nun müsste man meinen, ein Kloster hat so dicke Mauern, daß da gar nichts Akustisches durch dringt, weit gefehlt. Die Kirchenglocken gingen ja noch, aber das Getrappel von gehbehinderten Schwergewichten, die ich schon im Klosterrestaurant begutachten konnte, zwingt mich zum Einsatz meiner Ohrenstöpsel. Vielleicht hatte ich auch deswegen nicht die allerbeste Nacht, weil ich nach dem günstigsten Abendbuffet mit zwei großen Tellern voller Leckereien überkalorisch versorgt mit vollem Bauch im Bett lag. Das Schlemmen geht morgens weiter und so komme ich erst um Viertel vor Neun aus dem Kloster raus. Kurz nach Hejnice beginnt sogleich der Anstieg auf den Poledník und ich komme partout nicht vorwärts, da ich trödele und dann auch noch mit einer fröhlichen Jugendgruppe ein Selfie mache. Der Weg wird nach einer Straßenquerung mit einem noch geschlossenen Gasthaus noch anspruchsvoller, weil sich ein wunderschönes Felsenlabyrinth zum Durchschreiten anbietet. Lange schweißtreibende Stiegen führen letztlich auf den Špičák, von wo man endlich auch in der Ferne den Ještěd mit seinem futuristischen Turm ausmachen kann. Die Via Czechia führt da leider nicht hoch, dafür kann man ihn in Folge aus verschiedenen Perspektiven betrachten. Ein längeres Asphaltstück führt dann aussichtsreich über Land, man könnte hier keinesfalls Wildzelten, da alle Wiesen mit Elektrozaun umgeben sind. Nur einmal führt der Wanderweg direkt über eine Kuhweide. Mir wird schon ganz anders, weil ein paar von denen sind ganz schön gehörnt. Außer dass ich in einen frischen Kuhfladen versehentlich trete, passiert aber nichts. Später bergab in Richtung Chrastava geht es wieder auf Asphalt entlang, viele Obstbäume flankieren den Weg und so mancher Tscheche oder Tschechin rüttelt und bückt sich, um die Zwetschgen einzusammeln. In Chrastava hole ich mir aus einem Potraviny Mineralwasser, Chips und süße Waffeln. 3 km später im Zelt liegend deucht es mir, dass das wohl für mehrere Tage die letzte Einkaufsmöglichkeit war. Nun denn, dann muß halt mal wieder ein Gasthaus besucht werden, falls eines zum richtigen Zeitpunkt offen hat. Bin ja schon froh, um Wassernachschub. Und wie am Beginn meiner Reise, gut 3l Wasser schleppen, mache ich nicht mehr. Es wird sich schon was auftun unterwegs. Der Morgen im Wald beginnt schon etwas verschlafen, ich war ab 6 Uhr morgens nochmals eingenickt und träumte irgendetwas blödes. Und so trödele ich schon beim Zusammenpacken. Keine Hochstimmung heute morgen, es ist schwül und ich studiere zum x-ten Mal die kommende Wegstrecke nach potravinys, Quellen und Hospodas. Erstere tauchen erst in gut 100 km wieder auf (Hřensko), mittlere sind wenige und mind. zu 75 % ausgetrocknet und letztere gibt es zwar, haben aber Öffnungszeiten, bei denen mehr als 50% wieder ausfallen. Jammer, wo ich doch durch meine Übernachtungsserie in Unterkünften nun vollkommen verwöhnt bin. Jetzt soll ich wieder in den survival-Modus, meine Nescafé Beutel abzählen, die snack-Rationen halbieren und Wasser vorsorglich etwas mehr schleppen.... Das erste Highlight des Tages ist nach wenigen km eine Gondelselbstzuganlage über das Flüsschen Lužická Nisa. Dann geht es ca. 3 km an der Straße entlang. Kryštovofo údolí ist so ein langgezogenes Örtchen mit überwiegend Sommerfrischehäuschen der gut betuchten Tschechen. In Krystovofo údolí überwinde ich mich und spreche 2 Männer zum Auffüllen der Wasserflaschen an. Prima, klappt doch. Und dann kommt prompt 1,5 km später eine munter sprudelnde Quelle mit Unterstand. Beides nutze ich für einen großen Pott Nescafé und esse meine halbe Brotzeit mit Wurst, Käse und altem Brot, muss eh weg. Eine junge Drossel schaut mich bei meiner Pause bedröppelt an. Der weitere Weg verläuft auf dem Kammweg, den ich genau vor 7 Jahren gegangen bin. Markante Kreuzungsstellen erkenne ich wieder, aber das war's dann schon auch. Im Gegensatz zu damals sind lange Strecken des Weges durch Holzarbeiten übelst zu gehen und ich komme nur sehr langsam vorwärts. Auf 10 km kommen schon 500 hm zusammen und die Schwüle tut ihr übriges. Ein paar Zwetschgenbäume am Wegesrand sorgen für die gesunden Snacks. Um halb drei habe ich endlich dieses Örtchen Jítrava erreicht. Ich lasse mich im der erstbesten Imbiss nieder und verzehre eine große Klobása zusammen mit einem pivo, einer Kofola und zur Nachspeise gibt es Mango-Softeis. Dinge, die ich sonst nie verzehren würde... Der Ernegieschub bleibt aus. Zwar nehme ich mir noch eine Strecke von 9 km vor, aber als ich die elefantenähnlichen Felsen Bíle kamení passiere, deucht mir schon, dass heute echt nicht mehr viel geht. Ich schleppe mich noch ein paar schöne Kletterfelsen entlang und bleibe dann bei einem kleinen alten Bunker endgültig hängen. Wollte ich nicht schon immer mal an so einem historischen Ort einen Overnighter machen? Gesagt, getan, ich säubere hinter der Betonhütte einen Platz und steige dem Bunker auf's Dach für's Chillen und Lage checken, ob da überhaupt jemand vorbei kommt. Es kommt keiner vorbei. Prima, dann wird das für die vorausgesagte verregnete Nacht mein Lagerplatz.
  18. Eigentlich will ich für so etwas einen extra Bereich schaffen, der kommt auch, aber das dauert noch etwas, zuerst arbeite ich mit Hilfe der neuen OS-Version die alten Versäumnisse ab, da bin ich schon sehr weit 😎 dann muß ich dringend viele neue User aus der Auto-Moderation befreien usw Der Beitrag widerspricht so Einigem, was eigentlich Regeln im Forum sind, aber auf der anderen Seite finde ich es zum Kotz**, daß durch bestimmte EU-Regeln / Gesetze (will jetzt nicht (zu) politisch werden) die kleinen Shops / entsprechende selbst produzierende Hersteller in D und angrenzenden Nachbarländern platt gemacht werden, momentan geben ja (fast) jeden Monat welche auf oder schrappen hart an der Insolvenz, woran natürlich dreiste China-Clones und steuervermeidende Großketten einen nicht unbeträchtlichlichen Anteil haben. Ich denke da kann das Forum für kleine, gute, faire Shops oder selbstproduzierenden kleinen Herstellern in D oder direkten Nachbarn etwas Support leisten... Deswegen habe ich nun den Beitrag schon mal freigeschaltet, @gramfex sorry für die Wartezeit...aber irgendwie war immer zuviel, um mir Gedanken um eine gute Lösung zu machen... Falls Andere glauben, daß sie auch unter diese Beschreibung fallen und gerne etwas zu ihren Produkten schreiben würden -> bitte PN Bitte in diesem Thread keine Grundsatzdiskussionen o.A., sondern höchtens etwas zu gramfex-Produkten.
  19. Einleitung: Im Sommer war ich mit der Familie in Fort Fun, einem Vergnügungspark im tiefsten Sauerland. Vom Riesenrad aus hat man einen wunderschönen Blick auf die umgebenden Hügel und Berge, da dacht ich mir, hier will ich wandern gehen. Da es keinen existierenden Wanderweg gab, der alle meine gewünschten Ziele ansteuert, hab ich letztendlich Freestyle mit Garmin Base Camp selber eine Route erstellt. Bei den Höhenmetern dachte ich mir, ganz gemäß dem Motto unser Altkanzlerin Merkel, „Wir schaffen das“, gehst halt ein paar Kilometer weniger in der Weite. Das sollte ich noch bereuen... Jetzt Mitte September war es dann soweit, Überstunden abbauen und los gings von Donnerstag bis Samstag auf eine Drei-Tages-Tour durch das wilde Sauerland. Gesamte Tour: ca. 63.5 km bergauf: 2500m bergab: 2500m Tag 1: Wanderparkplatz Holthausen – Skulpturenpark Waldemai – Sorpetal – Großes Bildchen – Himmelskrone -Bergsee - Siedlinghausen Netto – Trekkingplattform Siedlinghausen Distanz: ca. 22 km bergauf: 900m bergab: 700m Empfehlung: Teilweise – Das Sorpetal mit dem Skulpturenpark ist schön, der Weg nach Siedliengshausen danach war nichts besonderes. Der Trekkingplatz Siedlinghausen ist eine klare Empfehlung! Tag 2: Trekkingplattform Siedlinghausen – Brunskappel – Birkegge – Ohlenberg – Plästerlegge/Wasserfall – Campingplatz Valmetal Distanz: ca. 22 km bergauf: 900m bergab: 1200m Empfehlung: Nein, mit Ausnahme des Campingplatz Valmetal. Der Weg auf den Ohlenberg geht zum größten Teil nur über breite geschotterte Waldege unter Windrädern lang. Der Gipfel ist nett, entschädigt jedoch nicht für den harten Anstieg. Der Wasserfall Plästerlegge ist schön, der Weg dahin nicht. Beide Daumen hoch für den Campingplatz Valmetal. Tag 3: Campingplatz Valmetal – Trekkingplatz Sauerland – Brabecke – Bödefeld – Kreuzweg - Kreuzweg Kapelle - Nasse Wiese – Hunau (818m) – Skigebiet Hunau – Holthausen - Wanderparkplatz Holthausen Distanz: ca. 19.5 km bergauf: 700m bergab: 600m Empfehlung: Ja! Bödefeld ist ganz hübsch, der Weg über den Kreuzweg, die Kapelle zur Hunau und dem Skigebiet sind meiner Meinung nach lohnenswert. Tag 1 Anfahrt mit dem Auto zum Wanderparkplatz Holthausen. Das Wetter war besser als erwartet, blauer Himmel mit Wolken und Sonne, jedoch nicht zu warm. Schon die Anfahrt durchs Sauerland machte Lust auf die Tour. Der Wanderparkplatz ist mit Karten-Tafel, Tischen und sogar einem Mülleimer ausgestattet, was will man mehr. Also Schuhe gewechselt, Rucksack auf und los Richtung Sorpetal. Die Maria in diesem Bildstock hat irgendwie einen beunruhigenden Gesichtsausdruck. Auf dem ersten Berg dann ein unerwartetes Hindernis. Ein geschlossenes Tor mit Zaun soweit das Auge reicht. Konnte man zum Glück einfach selber öffnen und hindurch, die Aufklärung gab es etwas später: Die Schweinepest. Welche Seite jetzt „drin“ bzw. „draußen“ war, konnte ich nicht feststellen. Jedoch nehmen die Sauerländer es sehr Ernst mit der Schweinepest, der Wald ist Kilometerlang eingezäunt. Oben auf dem Berg dann der erste Blick ins Sorpetal und den Skulpturenpark Waldemai. Ich freue mich schon auf diesen Abschnitt. Als ich noch jung war, sind wir hier öfters durchgefahren um Diskotheken bzw. Konzerte zu besuchen. Wenn man im Dunkeln von Schmallenberg ins Sorpetal abbog, hatte man immer das Gefühl, man verlässt die Zivilisation. Der Skulpturenpark ragte dann immer als großes, gut beleuchtetes Anwesen aus der Dunkelheit hervor, ich habe es damals immer das „James-Bond-Anwesen“ genannt, weil es der perfekte Wohnsitz für einen der Bond-Bösewichte gewesen wäre. Unten im Tal vor dem Skulpturenpark dann ein kleiner Dämpfer. Der Park ist aus Altersgründen geschlossen, der Weg durch den Park ist nur noch für Wanderer offen (zum Glück bin ich einer). Über Kunst kann man streiten und es muss nicht jedem alles Gefallen. Jedoch sieht man an dem Skulpturenpark deutlich, das dieser Park das gesamte Lebenswerk eines Künstlers ist. In diesem Sinne ist dies ein besonderer Ort. Blick ins SorpetalSkulpturenpark Waldemai
  20. Tag 2 - Fortsetzung Blick vom Ohlenberg - links am Bildrand von den Bäumen verdeckt befindet sich Fort Fun Dann kam das zweitschönste nach bergauf. Ich musste den gleichen steilen Weg bergab. Hurra, ohne Trekkingstöcke wären meine Knie wahrscheinlich auseinander gefallen. Angekommen an der Waldautobahn von vorher Blick auf die Navi App. Und wieder Freude über die OSM Karten. Nicht nur, dass ich weiter genau so steil den Berg herunter musste. Zudem hatten Harvester das gesamte Gebiet platt gemacht und der Weg war nicht existent. Kurz nach einer Alternative geschaut, jedoch hätte ich da mehrere Extra-Kilometer laufen müssen. Also, Embrace the Suck, und die hundert Meter einmal durch Harvestergebiet abgestiegen auf die nächste Waldautobahn. Da die Überraschung, der OSM Weg war tatsächlich noch da, wenn auch sehr versteckt. Endlich angekommen Tal mit schmerzenden Knien, ging es ca. 200m durch die Ebene, dann hieß es wieder bergauf. Hier soll ein OSM-Weg hergehen Der Weg Wann hier wohl das letzte mal ein Mensch durch ist? Auf zum Wasserfall. Theoretisch läuft dieser Weg an Fort Fun vorbei. Praktisch läuft man Kilometer weit über einen Schotterweg im Wald und sieht nichts außer Wald. Nicht so schön, da es oft bergauf geht. An dem Punkt war ich schon jenseits meiner Leistungsgrenze. Dann eine Gabelung: Ein Weg nach oben in den Ort Wasserfall, der andere Bergab zum richtigen Wasserfall. Kurzer Blick in die NaviApp: Ich muss also Bergab und wieder bergauf um zum Wasserfall zu kommen? Und weil das eine Sackgasse ist, wieder zurück?! Fast hätte ich den Wasserfall links liegen lassen. Fast. Dann wieder der Ehrgeiz und der Gedanke, „die Route führt hierher wegen genau dem Wasserfall“. Also doch den Umweg gemacht. Der Platz ist schön, eine kleine Schlucht. Leider war der Wasserfall (der größte natürliche in NRW), genau wie die Quelle am morgen, nahezu trocken. Naja, immerhin war ich jetzt mal da gewesen. Suchbild: Wo ist der Wasserfall? Weiter ging es mit letzter Kraft den Berg hinauf in den Ort Wasserfall und von da aus dann die letzten Kilometer humpelnd und absolut fertig zu meinem nächsten Ziel, dem Campingplatz Valmetal. Letzter Blick zurück, der Gipfel im Bild ist der Ohlenberg, ganz schön weit weg sieht der aus.
  21. Tag 2 Heute war der schwierigste Tag mit den meisten Höhenmeter, 900 rauf und 1200 wieder runter. Dazu hatte ich ein Zeitlimit, da ich vor 18 Uhr auf dem Campingplatz sein sollte zum einchecken. Daher früh gestartet. Zuerst wollte ich mein Wasser auffüllen an einer Quelle, die auf den Karten in der Nähe des Trekkingplatzes eingezeichnet war. Vor Ort war da jedoch kein sprudelndes Wasser, noch nicht einmal Pfützen. Da hätte man höchstens die Feuchtigkeit von den Steinen lecken können. Das brachte meine Wasserplanung etwas durcheinander, meine Hoffnung lagen daher auf dem nächsten Ort. Die Sonne schien und es ging nicht bergauf eine ganze Weile, so gings dann sehr beschwingt einen sehr schönen Weg entlang nach Brunskappel. Der Weg ins Tal Brunskappel selber ist klein, jedoch sehr gepflegt und verfügt sogar über ein kleines Schloss (in privater Hand). Hinter der Kirche gab es einen Zapfhahn für Wasser für den angrenzenden Friedhof, also Flaschen alle aufgefüllt und zur Sicherheit noch überall ne Micropur Forte rein geworfen. Hinter Brunskappel ging es dann erst einmal laaange bergauf. Der Vortag steckte mir noch in den Knochen, ich habe um jeden Höhenmeter gekämpft. Tretbecken im Fluß Das Schloß in Brunskappel Nettes Plätzchen beim verlassen des Dorfes über den Kaiser-Otto-Weg Ab einem bestimmten Punkt ging es Kilometer lang nur über Schotterstrassen unter neu gebauten Windrädern her. Nicht schön. Windräder soweit das Auge reicht Super! Bin eher Typ Angsthase/Hypohonder. Ich freue mich immer, wenn ich neue Gründe für neue Ängste finde... Kleiner Lichtblick war dann nach einiger Wanderzeit der erste kleine Gipfel, Birkegge, wo ich dann auch länger Pause gemacht hab. Als ich mich den Ohlenberg Gipfel näherte, fiel mir auf, dass die Waldautobahn auf der ich unterwegs war, irgendwie viel zu weit unten war. Tja, meine Freestyle Route führte dann von diesem Weg aus sehr steil den Berg zwischen Büschen hindurch. An der Stelle habe ich zehn Minuten lang überlegt, ob ich den Gipfel sausen lasse, weil ich einfach fertig war und keinen Bock mehr hatte auf bergauf. Dann jedoch doch hoch gegangen, weil für den Gipfel war ich ja hier. Was habe ich den Abschnitt gehasst. Der Gipfel selber ist ganz hübsch + schöne Aussicht und genügend Bänken für Pause, die ich dann auch brauchte. Da gehts vorm Waldrand rechts steil den Berg hoch zum Gipfel Der Weg Der Gipfel
  22. Übergang Böhmische Schweiz in das Osterzgebirge mit Zeroday in Děcin 1.-3. September 54 km Nun sitze ich auf meiner Veranda auf dem Kemp in Děcin in der Morgensonne, umhüllt von Autobahnlärm, und genieße meine letzten Nescafé zum Frühstück. Natürlich beobachte ich die deutschen Nachbarinnen gegenüber, offensichtlich deutsche Lehrerinnen mit einer pubertierenden Schulkasse, deren Mitglieder alle ein Gesicht ziehen, wie wenn der 3. Weltkrieg ausgebrochen ist und durch gelangweilte Ignoranz hervorstechen. Ich habe das auf meiner bisherigen Wanderreise auch anders erlebt. Offener, freundlicher, zugänglicher. Die Dinge zur Vorbereitung auf den letzten Abschnitt meiner Via Czechia stehen an: Einkaufen. Ob ich mir neue Schuhe leiste, weiß ich noch nicht. Erst 4 Wochen getragen und schon sind unter den Vorfüssen die meisten Stollen seitlich völlig abgelatscht. Gestern hat es mich auf einer glatten Waldrampe hingesetzt. Eigentlich ein Argument für neue Treter. Ich mach's vom Angebot abhängig. Ein Hudy-Sport oder Decathlon gibt's hier nicht. Eigentlich schaut's noch nicht so schlimm aus, die knappen 2 Wochen Erzgebirge werden sie bestimmt noch herhalten. (Spoiler: sie sind mittlerweile zu meinen routinemässigen Gravelbike- und MTB-Schuhen mutiert). Der Einkauf mit Speicherkarte, Gaskartusche und frischen Fressalien ist ruckzuck erledigt. Ein Einkaufszentrum liegt 10 Gehminuten entfernt. Der Weg dorthin ist abenteuerlich über Treppentürme an der Stadtautobahn entlang, dafür hat man eine passable Aussicht. Ich koche mir erstmal Vollkornspaghetti mit Pesto und Parmesan, dazu ein alkoholfreies Radler und ein anschließend Verdauungschillerchen. Über Mapy.com habe ich mir einen Děcin-Rundgang über die Stationen, die ich sehen will, zurechtgelegt. 5 km, na, das werde ich heute wohl noch schaffen. Und es werden weit mehr als 5. Eine begeisternden Runde führt mich erst in den Zoo am Berg, dann ergattere ich noch einen Platz im Ausflugslokal mit unschlagbarer Aussicht auf Elbe und Stadt. Dann schlendere ich in den Burghof und begrüße die dort ansässige Pfauenfamilie und zum Schluss schreite ich über eine frühgotische Steinbrücke. Es gibt dann wieder Abendessen bei mir auf meiner Veranda, richtig, Vollkornspaghetti mit Pesto und Parmesan. Das war ein richtig schöner Chillingday für mich. Morgen gibt's dann den Rest der Böhmischen Schweiz, und dann kommt das Erzgebirge! Ein sonniger Tag beginnt. Ich mag gar nicht gleich aufstehen, wo ich doch zuletzt gut schlummerte. Das war ja gestern Abend noch gar nicht so klar. Erst heulte Musik und ein Sprecher über den Campingplatz, also irgendeine kleine Veranstaltung, dann mischte sich plötzlich um 21 Uhr ein rhythmischer Presslufthammer in das bunte Geräusche-Potpourri nebst der üblichen Autobahnlärmkulisse. Und tatsächlich, da hat man eine Umleitung mit Leuchtpfeilen etabliert und saniert am späten Abend ein Teilstück der Autobahn! Sachen gibt's. Das hat immerhin zur Folge, dass die Musik nicht mehr Spaß macht und die Leute, die zur Veranstaltung gehören, das Kemp verlassen. Also kommen meine bewährten Ohropax in die Ohren und die ganzen Autobahnreparaturen sind mir schnuppe. In Tschechien gibt es nichts, was es nicht gibt. Am Morgen wird zusammengepackt, der Container abgeschlossen und los geht's aus dem schönen morgendlichen Děčín über die "Schäferwand" auf zugleich dem E3 in Richtung Schneeberg. Auch die Böhmische Schweiz hat einen solchen, aber als Tafelberg gerade mal 730 m hoch. Der Weg verläuft leicht ansteigend durch den Wald und so dauert es nicht lange und an einer Útulná trifft man auf den Stezka les, dem guten alten "Forststeig", das Wandereldorado für jeden Fernwanderbeginner/in. So auch für mich vor gut 7 Jahren. Es steilt sich der Weg steinig auf bis man das langgezogene Gipfelplateau erreicht. Die Aussichten bilden ein Highlight nach dem anderen. Ich mache mit Absicht auf einem Felsplateau meine Mittagspause, hole mir dann etwas zu trinken aus dem Gipfelrestaurant. Am daneben liegendem Bistro muss man für eine Turmbesichtigung 3€ löhnen und die Besitzerin geizt ein wenig mit ihrem Charme bzw. kennt diesen gar nicht. Der Obulus ist aber eine gute Investition, wie ich finde, denn die Rundumsicht ist einzigartig. Beim Abstieg vom Schneeberg bin ich unkonzentriert, bleibe mit dem Vorfuß hängen und knalle frontal mit Knie und Handfläche auf den abschüssigen steinigen Weg. Die Schürfwunden bluten ziemlich und nach der Notversorgung mit Wasser, Alkoholtupfer und den letzten beiden Pflastern ist mir erstmal blümerant und so bleibe ich 5 min sitzen. Das Knie scheint nicht ernsthaft geprellt zu sein, aber ich nehme mir erstmal vor, den Campingplatz in Ostrov oder 1 km weiter den in Tisá in Anspruch zu nehmen. In Ostrov bin ich allerdings viel zu früh, also wandle ich staunend durch die tolle Felsenstadt von Tisá und peile den dortigen Campingplatz an. Dieser enttäuscht in ganzer Linie, ziemlich klein, voll von deutschen Vans mit Rentnern, die sicher keine Kletterer sind. Keine Idylle zum Bleiben. Ich fülle mir noch meine Flasche mit Wasser auf und schließe wieder an die Via Czechia an. Bei Rájec, fern der ganzen Felsenlandschaften, schaue ich mich auf einer weitläufigen Hangwiese um und finde dann in einem sonnigen Birkenwäldchen einen einigermaßen ebenen Platz, den man nicht einsehen kann. Da bleibe ich. Da hab ich sogar bissi Aussicht. Um 22 Uhr fängt meine Wunde an der Handfläche das schmerzen an. Das ist kein gutes Zeichen. Ich bin hellwach und überlege im Schein der Stirnlampe, was mit meinen begrenzten Möglichkeiten zu tun ist. Ich schnappe mir den vorletzten Alkoholtupfer, öffne das Pflaster ein wenig und säubere mit dem Tupfer die Umgebung und die aufgerissenen Hautteile. Danach verschließe ich den Verband wieder und klebe noch 2 Streifen Tape darüber. Ich brauche morgen unbedingt neues Verbandsmaterial, sonst kann die Tour noch voll in die Hose gehen. Licht aus und das Pochen der Hand hat aufgehört. OK, hat was gebracht. Gegen morgen trabselt etwas an mein Zelt ganz nah und schnüffelt. Eine Wildsau ist es nicht, und ein Reh schleicht auch ganz anders. Wieder ein Fuchs? Gottseidank habe ich meinen Fressialienbeutel fest verschlossen und mitten im Zelt. Später höre ich nichts mehr. Am frühen Morgen könnte ich noch weiter schlummern. Seit September ist, zieht es mich morgens nicht mehr so aus dem Zelt, obwohl die Nässe in dem Einwandzelt auch ohne Regen jetzt zunimmt. Der Hochsommer ist vorbei. Ich komme erst um kurz nach 8 Uhr los und wandere durch Wiesengelände nach Petrovice. Im ersten Vietnamesenshop lässt man mich unfreundlich abblitzen, "was will die Frau mit Hut?" Im dutyfree-Shop gibt es auch Lebensmittel. Ich kaufe gleich etwas für ein Frühstück ein und erfahre von der tschechischen Verkäuferin, dass es weiter hinten an der Hauptstraße eine Lékárna gibt. Bingo, eine Apotheke, und in der auch noch deutsch gesprochen wird und die gerade aufgemacht hat. Einfacher geht's kaum und so bin ich mit Pflaster und Desinfektionsmittel eingedeckt, was mich gerade mal 8€ gekostet hat. Am Flugzeugrestaurant verspeise ich in der Sonne mein Frühstück und die Bedienstete des originellen Restaurants lässt mich mein Handy aufladen. Dann kommt ein sehr schöner Wiesenwegabschnitt zum Wandern in Richtung Adolfov. Nur 2 Motorradrowdies stören mich insgesamt 3x, ihre Nummernschilder sind hinten mit Lappen abgedeckt, da kennt man sich aus. Ich nehme ihr den Aufstieg zum Špičák vor, da es eine Aussicht auf den weiteren Verlauf gibt. Noch ist mir nicht klar, in welche Richtung ich muss. Nach Unterquerung der Dresdner Autobahn geht es kilometerlang weiter auf schönen Wiesenwegen. Es kommt mit ein Wanderpärchen entgegen, er ganz zünftig mit einem Wanderrock. Vor lauter Staunen verpasse ich den Abzweig und muss dann 2 km auf der Straße nach Adolfov. Die letzten 200 m stapfe ich auf der Wiese nebenan und ziehe die Aufmerksamkeit zweier Radlerinnen auf sich. Henriette und Gisela aus Pirna haben extra gewartet, um mich auszufragen, von woher ich komme und ich erzähle ihnen meine Story. Sie können es kaum glauben, erst seit dem 4. August unterwegs..... Später auf dem Mückenberg an der Kapelle lese ich es dann rot auf weiß auf einem der seltenen Via Czechia Schilder: 231 km sind übrig, 827 sind absolviert, tatsächlich habe ich noch mehr auf dem Tacho. Ich nehme mir vor, den Rest zu zelebrieren und nicht schon wieder in einer Woche durchzuhetzen. Und so suche ich mir schon bei km 28 des heutigen Tages ein Plätzchen und finde prompt eine versteckte Stelle unter Vogelbeerenbäumchen auf einem ehemaligen Bergbaugelände. Hach, wie idyllisch. P.S.: Ich mache eine Schreibpause, weil ich den Oktober in Südschweden zum Wandern und Packraften unterwegs sein werde. Der Rest der Via Czechia severní kommt im November, versprochen!
  23. 5. Im Adlergebirge (Orlické hory) 17.-19. August 90 km In der schönen Útulná blieb ich natürlich nicht alleine. Um halb acht abends pirscht ein junges Paar durch die Birken und fragt schon mal, ob ich alleine bin. Ja, bin ich. Prima, denken die sich auf tschechisch, es könnte schlimmer sein. Flugs packen sie Chips und Bier aus ihren Rucksäcken und stellen sich als Jonaš und Barbara vor. Er kann etwas Deutsch, ist Skilehrer im Krkonoše und sie studiert irgendwas mit Chemie in Prag. Jonaš versetzt mich mit einem seiner Kartentricks ins Staunen. Dann verraten sie mir Neratov als Camping Geheimtipp bzw. Hiker-Heaven gleich neben dem Kloster mit WC und Pipapo. Es liegt nicht direkt an der Via Czechia, sondern 4 km Richtung polnische Grenze, an der Stezka Čezkem. Warum nicht einen Schlenker einbauen? Mich treibt ja nix an und außerdem sind ab spätnachmittags Gewitter angesagt. Also los. In Mladko hole ich mir aus dem potraviny ein Kolatscherl, also Kuchenstück zum Frühstück, Wasser habe ich mir aus einer Quelle besorgt. Später stoße ich auf ein Schild, auf dem darauf hingewiesen wird, dass es sich um eine radioaktive Quelle handelt. Egal, abgefüllt ist abgefüllt. Und so schlendere ich weiter, viel auf Landstraße, später im Wald wieder an der Bunkerlinie entlang. So viele Waldlodges alle 100 m! Wie historisch ist dieser Landstrich. Auf dem Abzweiger nach Neratov, das in einem engen Talkessel liegt, überfällt mich ein erster Wolkenbruch. Kurz davor hatte ich mal Aussicht und vermeinte in der Ferne, einen Blick auf die Schneekoppe zu erhaschen. Kurze Zeit später ist wieder alles in Wolken gehüllt. Dann geht's ins Tal hinunter und um halb drei nach 25 km überragt die große Wallfahrtskirche von Neratov, vormals Bärnwald den engen Talkessel. Dahinter gibt's die Zeltwiese und 2 pyramidenartige Chatas, die erste wird gerade durch eine Familie mit Kindern bezogen, die zweite kann ich mir sichern. Halb drei nachmittags ist also nicht zu früh. Das dritte Pärchen stellt sogleich ein Zelt auf und ein tschechischer Mann fragt mich zugleich auf deutsch, wie lange ich in der Hütte bleibe - na, eine Nacht halt- prima, dann schlafe er heute erstmal im Auto und bezieht dann morgen nach meinem Aufbruch mein Chalet. Das Beste kommt noch: es gibt nicht nur WC, Ladesteckdosen, sondern auch eine sprcha (Dusche) mit warmen Wasser, umsonst! Mein Glück ist perfekt. Ich verbringe den Restnachmittag wie eine Glucke vor dem Chataeingang, koche Ramennudeln und Tee, während das 2. und 3. heftigere Gewitter vorüberzieht. Ganz dicht ist das Hüttchen beim starken Regen nicht, aber es gibt Schlimmeres. Das Ding ist jedenfalls für heute Abend meins. Die Nacht in der Holzpyramide war ein Traum. Ich konnte sie abends noch wild verteidigen, als eine Wanderin im Regen auch da Unterschlupf begehrte. Nun war das Ding sehr intim beengt und duster, und ich wollte nicht schon wieder eine Nacht mit unterschiedlichen Rhythmen anderer Mitübernachter über mich ergehen lassen. Ich erklärte mich dahingehend, dass ich lieber für mich alleine wäre und sie sagte, kein Problem. Am Morgen sehe ich dann, dass sie wie etliche andere an der überdachten Kirchenaußenfassade ein trockenes Schlummerplätzchen gefunden hatte und noch selig poofte, als ich schon längst aufbreche. Die Holzhütte war zum richtigen Zeitpunkt. Es kamen am Abend mindestens 3 sintflutartige Unwetter, dass sogar Wasser in das Hüttl tropfte. Am frühen Morgen geht's doch gleich über die Stezka čezkem zurück zur Via Czechia, natürlich nicht ohne Verhauer. Zuerst dachte ich, das Adlergebirge ist nicht so ansprechend. Eigentlich oft ein grüner Tunnel ohne besondere Aussicht. Aber dann wandere ich kilometerlang auf einem wunderschönen Pfad. Über mir fliegen Scharen von Kreuzschnäbeln, und kurz vermeine ich auch, die weißgefleckten Flügel von Wiedehopfen auszumachen. Hier in der Gegend? Und tatsächlich weist eine Tafel darauf hin, dass es welche gibt. An einem Kreuzungspunkt steht die erste Hütte des Weges, dessen Kiosk wohl nur am Wochenende offen ist. Eine Familie hat den Vorbau als Übernachtungsplatz benutzt und ein Lagerfeuer ist am ausglühen. Ob ich Hermelin will, der sei noch übrig. Jetzt weiß ich endlich, das die Tschechen mit Hermelin einen Camembert meinen. Ich freue mich riesig und verspeise sogleich den ersten der beiden. Später komme ich mit einem älteren Herrn ins Gespräch. Er erzählt mir mit ein paar Brocken Deutsch, dass er schon in Bozen gearbeitet habe. Wir verabschieden uns mit Handschlag. Keine halbe Stunde später stoße ich auf eine herzliche Frauenpartie aus pensionierten Freundinnen. Eine war Lehrerin, eine Physiotherapeutin, eine gynäkologische Krankenschwester. Die Stimmung ist so prima, dass wir ein Selfie machen. Auch der zweite Kiosk des Weges hat geschlossen, und versäumt ein Riesengeschäft, da sich mittlerweile zig Wanderer und Radfahrer wegen des nahen Aussichtsturm versammelt haben. Ich gehe weiter und gerate zur highnoon Zeit an eine große Baude mit Restaurace. Für mein Kofola muss ich mindestens 20 min warten, werde aber dann sehr freundlich vom deutschsprechenden Kellner versorgt. Woher ich denn käme? Die Bayern haben gutes Bier, meint er anerkennend. Ich bin fast peinlich berührt, dass so viele Tschechen ein paar Sätze Deutsch können und wir Deutschen kaum oder gar kein Tschechisch sprechen. Dann geht es über einen letzten Aussichtsturm mit unzähligen Kindergruppen so langsam bergab. Ich verlasse allmählich die Orlické hory, kaufe nochmals ein Ramensüppchen in dem potraviny der kleinen Ortschaft und finde zumindest am Rand einer Wiese an einem plätschernden Bächchen einen leidlich ebenen Platz für mein Zelt. Heute Nacht soll es wieder regnen. Die Nacht auf der polnischen Wiese in meiner Plastikbaude war trotz Regen ganz famos. Natürlich komme ich dann morgens nicht ganz so schnell in die Pötte, wenn noch alles Nasse von den Bäumen auf das Zeltdach tropft. Dann kurz vor acht stapfe ich über nasses Gras die paar Meter nach Tschechien zurück und wandere wieder auf Asphalt. Tatsächlich kommt mir doch am frühen Morgen eine festere Gestalt entgegen, die sich bei näherem Hinschauen als eine einzelne Wanderin mit dickem Rucksack herausstellt. Nach etwa 5 km erreiche ich den ersten Aussichtsturm des Tages auf dem Šibenik. Da gibt's zwar null Aussicht, aber eine Steckdose und Mülleimer. In Nový Hradec um halb 10 gibt's Frühstück aus dem potraviny für mich: ein leckeres süßes Teilchen und einen halben Liter Buttermilch. Später geht es in eine Schlucht mit traumhaften Trails. Am Ende angelangt, stapfen Leute mit Trockenanzug und Kescher durch's Dickicht. Ich erfahre, dass es sich um einen Trupp Biologen handelt, die die kleinen Fische im Waldbach erst per Elektroschock betäuben, um sie zählen zu können. Hier heroben sei noch alles ok, aber weiter unten in der Ebene macht sich die Trockenheit schon bemerkbar. Am Ende der Schlucht befindet sich ein netter tschechischer Biergarten, wo ich mir für umgerechnet 1,60 € ein "Bernard" gönne. Wär ich mal lieber alkoholfrei geblieben, denn der folgende Anstieg hat es in sich. Und der Weg bis nach Náchod zieht sich ziemlich. Das Städtchen ist größer als gedacht. Den LIDL lasse ich links liegen und verspeise auf einer profanen Bank direkt an einer Kreuzung mein 2. von gestern geschenktes Hermelin. So gestärkt gehe ich die 9 km bis nach Hronov, nicht ohne noch den 2. Aussichtsturm des Tages, dieses Mal mit Aussicht, zu besteigen. In Hronov leiste ich mir einen kühlen Liter Milch und eine neue Flasche Mineralwasser. Auf dem dortigen öffentlichen WC kann ich nochmal schön die Hände waschen, bevor ich mich hinter dem Friedhof des Ortes auf einer Anhöhe im dichtesten Dickicht ein verschwiegenes Plätzchen ausspähe. Das ist auch gut so, denn im Wald fahren in den Abendstunden noch allerlei motorisierte Vehikel umher. Heute Nacht soll es wieder regnen, stürmen und gewittern.
  24. Vorstellungsthread

    Hans-Jürgen und 4 andere reagierte auf Ragna für Beitrag im Thema

    5 Punkte
    Nach einiger Zeit des stillen Mies na habe ich mich jetzt endlich angemeldet. Bin 37 Jahre alt, wohne am Rande des Schwarzwalds und bin da auch hauptsächlich unterwegs. Bevor ich Mutter wurde habe ich gerne längere Trekkingtouren gemacht (7-10 Tage, Alpen, Balkan). Mit zwei Kindern (2, 6) muss ich mich jetzt erst wieder rantasten, da ja doch einiges anders wird, wenn man nicht nur an sich denken muss. Bislang daher Tagestouren oder auch mit Übernachtung nur mit dem Großen, diesem Sommer endlich wieder eine Tour in den Alpen (Hüttentour). Es bleibt spannend und ich freue mich auf Input von hier aber auch auf den Austausch.
  25. Trekking mit Kleinkind: Windeln

    plumpudding_pi und 4 andere reagierte auf Ragna für Beitrag im Thema

    5 Punkte
    Da ich im Forum wenig dazu gefunden habe: wir waren bis letzte Woche im Maira-Tal wandern mit zwei Kindern (2, 6), der Kleine noch nicht sicher trocken. Um nicht Unmengen Wegwerfwindeln transportieren zu müssen, ganz es eine "Pipi-Flasche" (PET mit weiter Öffnung) um das risiko verpinkelter Kleidung zu reduzieren (bei jeder Pause würde gefragt, ob Bedarf nach der Pipi-Flasche besteht), außerdem hatten wir 2 PUL-Überhosen und 4 Mullwindeln dabei (2 als Reserve, die eigentlich als Handtücher gedacht waren und auch nur als solche genutzt wurden). Wir haben Windelpapier eingelegt für das große Geschäft (wird leider oder nicht verbal angemeldet) und hatten Hundekottüten für benutztes Windelpapier. Die benutzten Windeln wurden abends (oder auch unterwegs mit der Wasserflasche in ausreichend Abstand zur Wasserquelle) ausgewaschen und waren spätestens am nächsten Morgen trocken. Wir kamen gut zurecht, hatten keine Engpässe und mussten am Anfang nicht kalkulieren, wieviele Wegwerfwindeln pro Tag minimal gebraucht werden. (Übernachtung in Herbergen)
  26. Servus Capere, ich habe Dich auch reddit angeschrieben die Tage Vielen Dank für deine tolle Arbeit und teilen der Dateien. Mit FreeCAD und MCP Addon konnte ich mal in einer Feierabendsession deine Originaldatei etwas auf meine wünsche Anpassen. Ich bin 180 Groß und würde gerne auf einer regular wide schlagen mit Kopfkissen. Dann wird von Haus aus alles etwas größer und leider auch schwerer... ich hab mal ein PDF erstellen lassen wo claude zumindest behauptet das ich ca. bei 283g rauskommen würde (keine Ahnung wie plausibel das ist). Anbei noch ein paar Bilder ohne Garantie auch Richtigkeit oder sonst was das war nur mal eine Spielerei an einem freien Abend. Vielen Dank nochmal für deine Pionierarbeit... falls daraus jemals was werden sollte gibts echte Bilder und die natürlich die Spende v1tent_V3_Zeichnungen.pdf
  27. Campingplatz Valmetal Beide Daumen hoch für den Campingplatz Valmetal. Nach dem mörderisch anstrengenden Tag war die Aussicht auf eine heiße Dusche das, was mich die letzten Meter weiter getrieben hat. Bis zur Deadline, 18:00 Uhr, hatte ich sogar noch eine Stunde Puffer. Empfang war sehr freundlich, außer dem Schlüssel zum Sanitärgebäude wurde mir direkt ein Hammer für den Zeltplatz angeboten. Das nenne ich aufmerksam. Duschmarken habe ich direkt mehrere mitgenommen, alle die übrig waren, konnte ich am nächsten Tag zurück geben. Auch das sehr vorbildlich für einen Campingplatz. Fürs Zelten hatte ich eine ganze Terrasse für mich allein. Das Beste: Die Hütte. Für Zeltgäste steht dort eine kleine Gartenhütte zu Verfügung. Die Einrichtung ist zwar spartanisch (Sitzen, Tisch und Licht), jedoch wäre das bei schlechtem Wetter ein echter Game Changer gewesen. Aufrecht im trockenen Essen, lesen, etc. zu können ist schon Luxus. Der Campingplatz ist fest in der Hand von Dauercampern, von denen jedoch so gut wie keine da waren. Insgesamt habe ich nur eine Handvoll Gäste gesehen. Die sanitären Anlagen sind sauber und in Ordnung, die warme Dusche habe ich ausgiebig genossen. Danach Essen, nach Hause telefonieren und dann fielen mir schon die Äuglein zu. Am nächsten Morgen wurde ich im Zelt vom allmorgendlichen Tropfen des Kondenswassers begrüßt. Schnell noch eine warme Dusche und dann ging es wieder in die inzwischen stinkigen und schwitzigen Wanderklamotten (mal wieder: „Embrace the Suck“). Bezahlt habe ich übrigens für den Campingplatz inklusive Duschmarken weniger als auf dem Trekkingplatz. Die Zelt-Terasse Die Hütte
  28. Tag 1 - Fortsetzung Weiter geht es durch das Sorpetal, der Rothaarspur folgend. Bei einer Pause mit Blick auf meine Navi-App wird mir klar, dass ich vor einem halben Kilometer schon den Berg hoch gemusst hätte. Also neue Route auf den Berg gesucht und weiter gehts. Im Nachhinein habe ich mich geärgert, dass ich auf dem Höhenkamm gelaufen bin. Der ist leider komplett bewaldet mit Null Sicht. Hier empfehle ich jedem Wanderer im Sorpetal unten zu bleiben bis zum großen Bild. Jesus-Schrein neben einem Elfen-Aufhänger an einem Schuppen im Wald, wieso nicht. Einziger Lichtblick auf dem Höhenkamm, das kleine Bildchen: Jesus-Bildstock, mehrere Sitzbänke, ein schöner Ausblick, Kühe mit Kälbern direkt nebenan auf der Weide und eine respektable Schutzhütte. Hier habe ich nur zu gerne Pause gemacht. Der kleine Bildstock Später im Wald kommt mir dann der erste Mensch seit Beginn der Tour entgegen, eine ältere Dame die spazieren geht. Bis jetzt war ich über 3 Stunden unterwegs, ohne einen Menschen gesehen zu haben. Das war wohl auch ihr Gedanke, nach einem freundlichen Hallo spricht sie mich direkt an und meint „Sie sind der erste Mensch den ich hier sehe!“. Das kann ich nur bestätigen, man quatscht kurz ganz nett und wünscht sich einen schönen weiteren Weg. Nach dem Parkplatz direkt an der Hauptrasse und dem großen Bildchen geht es in den Wald hinein. Nach einiger Zeit jedoch sehe ich, das meine Freestyle Strecke auf ein mir schon bekanntes OSM-Karten-Problem trifft: Es gibt Wege, die sind in OSM markiert, in der Realität jedoch kaum noch existent. So auch hier. Vor mir ist ein zugewachsener Waldwirtschaftsweg, der schon seit Jahren nicht mehr befahren wurde. Aus der Erfahrung früherer Touren heißt das meistens, Sträucher, die fast brusthoch sind und zum Teil voll mit Zecken sind, oder Gräser, zwischen denen fiese Spinnen ihre Netze Spinnen (Ja, Spinnen sind nützlich, und zuhause werden sie auch mit dem Glas nach Hause gebracht, ekeln tue ich mich trotzdem). Kurzer Blick auf die Karte zeigt mir, dass das der einzige direkte Weg ist, also durch in der Hoffnung, das der Weg besser wird. Wird er nicht. Nach einem Kilometer durchs hohe Gräser und Sträucher ist der Weg so gut wie weg. Keine Ahnung ob ich einem Wildwechsel oder einem Trampelpfad folge, nur ein Salzblock auf einem Baumstamm verrät, dass hier schon mal Menschen waren. Etwas entnervt und erschöpft gelange ich dann wieder auf einen Waldwirtschaftsweg. Ganz recht, hier geht laut OSM-Karte ein Weg durch! Etwas später höre ich dann auf dem Waldweg ein Auto hinter. Ich bleibe stehen und gucke, das Auto bleibt auch stehen, sobald mich der Fahrer sieht. Okay…? Ich laufe einfach mal weiter. Ein paar Minuten später überholt mich das Auto. Irgendein Pickup, komplett in mattfarben Armee Grün, sieht auch aus wie ein Armee-Fahrzeug. Jedoch mit Niederländischem Kennzeichen und niederländischen Flagge drauf. Okay…? Na gut, die Niederländer sind ein nettes Völkchen, also lächeln und dem Fahrer freundlich zunicken. Und ja, der nette junge Mann in seinem Armee-Tarnanzug hinterm Steuer lächelt zurück und nickt mir zu. Inzwischen wird es schon was später und die Strecke und die Höhenmeter spüre ich ganz schön in meinen Knochen. Jedoch ist der nächste Berg der Anstieg zum Bergsee. Die Fotos auf Google Maps waren sehr vielversprechend. Vor Ort dann die Ernüchterung: Der ganze See ist rundherum von steilen Klippen umgeben und die sind mit Meter hohen Bäumen zugewachsen. Null Sicht! Selbst der offizielle Aussichtspunkt lässt den See nur erahnen. Kurz der Gedanke, ob ich an den Klippen entlang laufe, um einen guten Photospot zu finden – jedoch lieber nicht. Laut einer Statistik einer weltweiten Versicherung über Todesfälle bei Selfies, sind die Hauptgruppe der Todeskandidaten Männer (Geschlecht männlich - check), die bei einem Selfie zu Tode stürzen (hohe Klippen – check). Also spare ich mir lieber ein „Killfie“ und laufe dem letzten großen Höhepunkt des heutigen Tages entgegen: Dem Netto in Siedlinghausen. Blick auf den Bergsee In den Ort zu laufen unter Menschen ist nach Stunden der Einsamkeit erst einmal etwas komisch. Der Netto kann jedoch sämtliche meiner kulinarischen Bedürfnisse erfüllen (Wasser Refill, kalter Kaffee, Chips, etc.). Jetzt muss ich das Zeug nur noch bis zur Trekkingplattform schleppen. Inzwischen habe ich keinen Lust mehr, auch nur einen Höhenmeter zu gehen und will nur noch ankommen, Zelt aufbauen, essen und umfallen. Jedoch weiß ich, dass ich nochmal 200 m Aufstieg habe. Wird wohl nicht so schlimm werden...denkste. Im Wald geht der weg auf einmal steil gerade den Berg hoch. Sehr steil. Es gibt garantiert Klettersteige in den Alpen, die nicht so steil sind. Das ist das erste mal, dass ich die Routenwahl so richtig verfluche. Ich brauche ewig den Berg hoch und muss alle paar Meter Pause machen. Oben auf dem Berg mach ich eine lange Pause auf einer Bank, obwohl es nur noch 10 Minuten bis zum Ziel sind. Hier kommen mir auch ein paar Mountainbiker auf ihrer Abendrunde entgegen. Weiter gings und endlich das Tagesziel, der Trekkingplatz Siedlinghausen! Grandioser Abendausblick auf der letzten Bank vorm Trekkingplatz
  29. Impressionen von Touren

    Wolfwalkerin und 3 andere reagierte auf Lugovoi für Beitrag im Thema

    4 Punkte
    Einblicke vom High Scardus Trail, 10 Tage Anfang September gelaufen. Vom Start in Staro Selo nach Strezimir/Berg Korab. Kleiner Infokommentar von mir zu verschiedenen Punkten findet sich im Thread Reisevorbereitungen. Liebe Grüße
  30. Schön auch Tourenbeschreibungen aus der Nähe zu haben, ich mußte ja erstmal lange Zeit in GR, Kanaren, Marokko, GB usw wandern, bis ich mitbekam, daß ich mit Eifelsteig, SHS, Eifel generell usw geile Wandergebiete "direkt" vor der Tür habe. Häufig wandere ich auch freestyle, aber eher jeweils abends im Zelt mit Papierkarte entschieden, wo es am nächsten Tag hergehen soll.
  31. Hahahahaha, sei froh, dass du ein Rainbow hast. Ich hatte die Tage, auf der ersten Etappe Hünenweg, das Problem, das ich mit dem Nordisk Lofoten unterwegs war und es eine extrem feuchte Nacht war. Das ist zwar ein doppelwandiges Zelt, aber ein winzig kleines. Da hatte ich sogar Kondens im Innenzelt, in dem man, der „Größe“ geschuldet, quasi auf zwei drittel der Körperlänge, mit dem Quilt die Außenwand berührt. Mein Quilt war echt nass und den Rest des 2. Tages hätte die Witterung auch nicht erlaubt, ihn oder das Zelt, irgendwie zu trocknen. Also Abbruch der Tour, ich wohne nur ne gute Stunde von da weg und habe die Nacht in Bramsche geschlafen, wo es sogar einen Bahnhof gibt. Das Zelt ist eigentlich Spitze, aber nicht für Herbst oder Frühjahr! Was Einwandzelte angeht, bin ich begeisterter User des Tarptent Protrail Li, auch ne kleine Hundehütte, aber immer noch so geräumig, das ich nirgendwo anstoße. Ich hatte mich echt geärgert, das ich nicht, wie ich ursprünglich vor hatte, irgendwo im Wald gezeltet habe, denn unter und zwischen Bäumen, ist es nie so feucht, wie auf Rasen oder Wiesen. Ich hatte aber über 1nitetent, bei einem lieben Ehepaar in Bramsche eine Nacht „gebucht“!
  32. Hallo Khyal, vielen Dank für das Freischalten!☺️ Ich verstehe natürlich absolut, dass es nicht erwünscht ist, dass das Forum von Werbe-Beträgen überflutet wird. Gerade als ganz kleine Firma ist es aber doch eine der besten Möglichkeiten direkt mit der Zielgruppe in den Austausch zu kommen. Neben der Bewerbung sind da besonders auch das Feedback und neue Inputs sehr wertvoll, um die bestehenden Produkte zu verbessern und ggf. neue zu entwickeln. Deshalb freue ich mich sehr über die Entscheidung und ich werde mein bestes geben, auch ganz unabhängig von gramfex einen Beitrag im Forum zu leisten! 😉 Danke! Genau, ist ein sehr ähnlicher Aufbau, nur eben mit Kordel/Schnur. Das dürfte den Großteil das "Mehrgewichts"^^ ausmachen. Unsere 2g Version wiegt ohne Schnur ~2,1 g. Allerdings sind mir von Pachallama keine Gewichtsangaben in Gramm auf die Nachkommastelle bekannt. Zugegeben, ist auch selbst im SUL Bereich nicht wirklich nötig, aber wenn wir schon mal dabei sind. 😅
  33. Das dir das peinlich ist, mit der Sprache, kann ich verstehen! Ich wohne nur ca 100Km von der Holländischen Grenze und bin immer wieder peinlich berührt, das unheimlich viele Holländer ein ganz passables Deutsch sprechen und umgekehrt fast niemand meiner Mitbürger (einschließlich mir) auch nur mehr als drei Worte Holländisch spricht!
  34. Zeltkauf: Erfahrungen von euch?

    Gibbon und 2 andere reagierte auf Anne für Beitrag im Thema

    3 Punkte
    Hallo lu, ich nutze das Tarptent Moment normal mit 6 Heringen, drei jeweils am Ende. An zwei Abspannpunkten habe ich zusätzlich Leinen angebracht,die ich aber mit Steinen,aber micht so großen wie bei Epiphanie , sichere. So steht es sehr gut, war allerdings noch nicht in Skandinavien damit, aber Gewitterstürme in den Alpen sind auch nicht ohne.
  35. Ausrüstungskauf in Japan

    KaZee und 2 andere reagierte auf AndreasFreiburg für Beitrag im Thema

    3 Punkte
    Wenn in Tokyo, würde ich den Besuch bei MoonlightGear empfehlen. Das ist quasi ein Pendant zu GGG aus den USA. Sehr gut sortiert mit zum Teil Prototyp-mäßigen UL Produkten. Es gibt 3 Läden davon in Japan. In 2 davon war ich. ^^
  36. 3 Punkte
    OK, hier kommt mein nordafrikanisches Kamera-Desaster: Im Spätsommer 1989 reiste ich nach Marokko, um im hohen Atlas zu wandern. Auf dieser Reise wurde ich beschenkt, bedrängt, bekotzt (!), betrogen, öffentlich mit Mord bedroht und konnte doch eigentlich immer angstfrei reisen. Hätte es damals schon dieses Forum gegeben, die Reise wäre sicher einen Bericht Wert gewesen. Natürlich wollte ich auch auf den Jbel Toubkal (4167 m) steigen, den höchsten Berg des Hohen Atlas. Denn ich hatte damals ein spezielles Hobby: Ich ließ auf den (möglichst höchsten) Berggipfeln des jeweiligen Gebirges einen selbst konstruierten Parafoil-Drachen steigen, an dessen Leine sich meine Kamera befand, eine Minox 35 GT, für die auch ich diverse Vorsatzlinsen und Filter besaß. Kameratechnisch war ich also damals schon „UL“. Das besondere an dem Drachen war sein überzogenes Profil, dass ihm eine enorme Steigleistung bei steilem Anstellwinkel bescherte. Damit war es mir möglich, binnen 10 Sekunden Selbstauslöserzeit den Drachen samt Last zunächst 20 bis 30 Meter von der Rolle zu lassen und anschließend noch vier bis fünf Sekunden ausschwingen zu lassen. Den winkelverstellbaren Kameraträger hatte ich mir aus Acryl und einigen aufgebogenen Schlauchschellen selbst gebaut. Dazu eine gepolsterte Spezialhülle genäht. Nicht ganz UL, dafür stabil. Mein damaliges Foto-Setup: 150 Meter ummantelte Kevlar-Leine, Drachen, verstellbarer Kamerahalter, Minox. Das Prinzip hatte ich anfangs auf dem Feldberg im Schwarzwald getestet und später auch auf höheren Gipfeln (Mont Blanc, Großglockner) erfolgreich eingesetzt. Die generelle Schwierigkeit bei solchen Standorten ist der ausgeprägte Leewirbel, dem man auf engen Gipfeln mit dem Drachen kaum ausweichen kann. Dementsprechend aufmerksam und schnell mussten mitunter die Reaktionen ausfallen. Ich hatte mir also angewöhnt, die Leine mit einer Handschlaufe zu sichern und ich trug Fahrradhandschuhe, um immer blind zugreifen zu können. Jetzt also der Jbel Toubkal in Marokko. Ich trampte mit einem in der Schweiz verheirateten Spanier nach Malaga. Der hatte sich die kürzeste Entfernung als Route ausgeguckt, was im Spanien der ausgehenden 80er Jahre nicht gleichbedeutend mit „schnellste Route“ war. Während an der Küste Hotelkapazitäten und Autobahn ausgebaut wurden, waren die Verhältnisse in Zentralspanien ziemlich durchwachsen. Zumindest war Miguels Routenwahl eines SUVs würdig. Wir fuhren allerdings einen R4. Nach einigen Tagen setzte ich von Algeciras nach Tanger über und reiste mit dem Zug weiter nach Marrakesch. Von dort ging es mit dem Bus in die Berge und schließlich zu Fuß weiter. Der Tag, an dem ich den Jbel Toubkal bestieg, war sonnig, aber dennoch hing ein gelber Schleier südlich des Hohen Atlas in der Luft. Der Sand der Sahara wird dort gegen das Gebirge nach oben getrieben bzw. von der warmen Luft getragen. Auf dem pyramidenförmigen Gipfel machte ich routinemäßig eine Steigprobe. Der Drachen flutschte binnen Sekunden planmäßig fast senkrecht nach oben, über den Leewirbel, bevor er in ausufernde seitliche Bewegungen überging – ein deutliches Warnsignal, denn er stand sonst wie eine Eins. Aber ich war ja nicht hierher gereist, um wieder einzupacken. Also schlaufte ich den Kameraträger in die Leine, justierte den Winkel anhand der bei der Steigprobe gewonnenen Einschätzung und riskierte es. Der Rest ist Geschichte. Der Drachen stieg, jedoch lies ich ihn länger steigen, damit er oberhalb des Leewirbels stand. Der Preis dafür war, dass die Kamera nicht ausschwingen konnte und das Bild vorhersehbar verwackelt war. Der weitaus höhere Preis war, dass ich beim Aufnehmen der vielen Leine nicht schnell genug war und der Drachen beim Erreichen des Leewirbels schlagartig zur Seite weggerissen wurde – wenige Meter, bevor ich die Kamera wieder in den Händen gehalten hätte. Der Drachen stürzte auf der anderen Seite des Gipfels in die Felsen – nicht ohne die Kamera vorher aufschlagen zu lassen und über den steinigen Hang zu schleifen. Nach einiger Kletterei hatte ich beides geborgen. Der Drachen war erwartungsgemäß unbeschädigt. Die Minox hingegen ließ das Objektiv mit beschädigter Frontlinse hängen und sich nicht mehr zuklappen. Aber, immerhin: Das Filmfach war noch dicht. Also spulte ich sofort den Film zurück in die Kapsel und voila, hier ist es: Das letzte Bild meiner Minox 35 GT: Die Minox trat die Heimreise dann in der Box an (Foto mit Originalteilen nachgestellt), in der mein 6-Wochen-Vorrat ESBIT zuvor residiert hatte. Daheim ließ ich sie übrigens für 150 D-Mark reparieren und sie hat mich noch auf vielen Touren begleitet. Was habe ich daraus gelernt? Nun, ich würde es wieder riskieren! Allerdings habe ich danach das Prinzip geändert: Bei späteren Einsätzen habe ich den Drachen viel höher, in gleichmäßigere Winde steigen lassen (150 Meter Leine) und den Kameraträger statt 10 bis 15 Meter erst 50 und mehr Meter unter dem Drachen eingehängt. Hätte ich auch früher drauf kommen können. Übrigens: Der auf den Bildern sichtbare FR-Hut ist so ziemlich der einzige Ausrüstungsgegenstand, der seit damals unverändert dabei ist.
  37. Fast wie Wildcampen: campu.eu

    wechsel-wild und ein anderer reagierte auf 6feet10 für Beitrag im Thema

    2 Punkte
    Plattformen führen leider langfristig immer zu teuren Preisen. AirBNB hat auch mit sehr moderaten Preisen angefangen. Das war zu Beginn eher ein Anteil an den tatsächlichen (Miet-)Kosten. So wie ein transparenter Markt da ist, sehen die Anbieter, was andere verlangen können und dabei noch gute Bewertungen bekommen. In den Markt steigen weitere ein mit klarer Gewinnabsicht und investieren in ihre Angebote um noch bessere Bewertungen zu erhalten. Die Qualität steigt, zugleich aber auch die Preise. Wer jetzt das urtümliche, authentische der jeweiligen Region sucht, wird auf Plattformen nicht mehr fündig. Ohne Plattformen und ohne Internet, nehmen die Betreiber halt einen kostendeckenden Preis und passen den über Jahre auch nicht an. Ohne den Hype von Insta und co, war früher in entlegenen Gegenden einfach nichts los. Jetzt muss man sich vor Ort auskennen, telefonieren und viel rumfragen. Hotels haben teils noch nicht sanierte Zimmer, die nicht auf der Webseite aufgeführt sind, aber auf Anfrage vermietet werden. Und zu nachhaltigem, verantwortungsvollen Tourismus heißt es immer, man solle möglichst das Geld vor Ort ausgeben und die lokale Wirtschaft stärken, mit Plattformen wie AirBNB und Bookin.com fließt etwa 1/3 des Geldes direkt nach Amerika. Langfristig ist das wie gesagt alles Mist, aber kurzfristig, können wir durchaus eine schöne Zeit mit den Plattformen haben, Hatte früher mit couchsurfing.com auch viele nette Begegnungen.
  38. Wow, danke für die positiven Kommentare :) Ich denke, du meintest den GR52 und nicht den GR55... Der GR55 war eine Alternativroute durch den Vanoise Nationalpark und landschaftlich und von der Tierwelt einfach traumhaft! Die letzten Tage vor dem Mittelmeer sind war auf den GR52 gewechselt, weil dieser in den meisten Tourenberichten als besonderer und lohnenswerter beschrieben wurde als die letzten 2-3 Tage auf dem GR5 bis Nizza. Ohne den Weg nach Nizza zu kennen, würde ich immer wieder den GR52 durch den Mercantour Nationalpark gehen, weil er noch einmal ganz neue Landschaftsbilder zeigt, tolle Ausblicke bietet und dabei abwechlungsreich ist. Allein die letzte Nacht auf dem GR52 mit Blick aufs Meer und auf die Cote d'Azur (siehe letztes Foto) war toll! Danke für das Feedback!!! Zu 1: Wir haben nicht so einen großen Fokus aufs Aufladen gelegt, da wir strommäßig wenig Bedarf hatten und recht gut hingekommen sind. Geladen werden konnte an den Hütten (wo wir manchmal auf Biwakplätzen übernachtet haben), auf Campingplätzen, außerdem teilweise in Tourist*inneninfomationen, auf öffentlichen Toiletten oder im Einkaufsladen. Wer mehr Strom braucht, muss dem wahrscheinlich ein bisschen mehr Aufmerksamkeit zukommen lassen und im Zweifel auch mal Privatmenschen fragen, ob man mal 30 Minuten laden kann. Ein Schnellladegerät mit kompatiblen Kabeln und Geräten und mehreren USB-Ausgängen war hilfreich :) Wenn Strom benötigt wird, würde ich versuchen für einen Ort wo eine Steckdose vermutet wird eine Pause einzuplanen und direkt zu Beginn der Pause die Geräte anschließen. Zu 2: Wir haben eine Person kurz gegen Ende des Trails getroffen, die den Weg ohne Kocher gemacht hat. Es scheint also zu funtkionieren :D Wir selbst haben keine Erfahrung mit Cold Soaking. Couscous gibt es in so gut wie jedem Laden. Außerdem gibts häufig Fertigsalate: Couscous Oriental, Linsensalat, Gurkensalat. Natürlich gabs auch Dosengerichte, Bohnen aus der Dose, Kichererbsen und so etwas. Ist dann halt etwas schwerer, aber wenn es nur ein paar Stunden getragen werden muss, sicherlich vertretbar. Manchmal haben wir auch so Reispakate mit verschiedenen Gewürzrichtungen gesehen, die man auch easy kalt essen konnte. Wraps gabs auch fast überall. Und es gibt natürlich super viel Käse und Wurst und Baguette. Hoffentlich hat euch das geholfen :)
  39. GR222 im November 2026

    Mia im Zelt und ein anderer reagierte auf Lolaine für Beitrag im Thema

    2 Punkte
    Es gibt hier irgendwo einen Faden im Forum bzgl. Stöcke im Handgepäck. Ich fliege 1-2 mal im Jahr mit Klappstöcken im Handgepäck, mir wurden die noch nie aussortiert. Logisch ist, dass diese kleiner zusammengeklappt werden müssen als die vorgeschriebene Länge des Handgepäcks. Wenn die rausstehen, werden die schon am Schalter abgenommen (schon gesehen). Gut ist auch, die Spitzen entweder abzunehmen oder einen Aufsteckaufsatz auch Gummi zu verwenden. Ich meine, da sehen es alle lockerer.
  40. Impressionen von Touren

    Steintanz und ein anderer reagierte auf khyal für Beitrag im Thema

    2 Punkte
    Vor ein paar Tagen nachts auf dem Isselmeer
  41. Vielen Dank 😘 Angesichts deiner "Anamnese" möchte ich dich dennoch ermutigen, die Situation nicht verfrüht pessimistisch einzuschätzen. Mit ein paar angepassten Wegen, also nicht zu weit und nicht zu steil oder vielleicht gleich hinein in ein Kajak/Packraft, lassen sich auch mit KHK, VHF und COPD wundervolle Outdoorerlebnisse kreieren❤️das wünsche ich dir jedenfalls!
  42. Ich hab mich ja noch nicht zu Wort gemeldet - aber ich feier' den Reisebericht mega ab! Hab mir die Seite "gemerkt", damit ich ja nix verpasse. Das ist eine toll zu lesende Berichterstattung, macht richtig toll Spaß! ♥️ Danke dafür! Ich fiebere wirklich mit! Ein bisschen traurig bin ich dabei auch - mit koronarer Herzerkrankung, mittlerweile drei Stents, dazu fröhliches Vorhofflimmern und , wie kürzlich festgestellt, COPD, ist sowas für mich leider nicht mehr drin. Nichtsdestotrotz freu' ich mich, zu lesen, wie es anderen so richtig cooler geht. (Alles hat halt seine Zeit. Und meine war schon😁)
  43. @Gaeubodenhex keine wohlstandsverwahrlosung? ähm, njaaa 😂
  44. Plastik - oder auch Plaste

    davethewanderer und ein anderer reagierte auf Ameisenigel für Beitrag im Thema

    2 Punkte
    Wir verwenden Tüten als Liner und für Anderes. Zur Optimierung habe ich etwas recherchiert. Einen Regenrock mit 14,2g habe ich gemacht aus: https://www.avivamed.de/casa/haushalt/muellbeutel/pely-zugband-muellbeutel-extra-breit-60-liter-11-st Als Wäschebeutel und als Liner für den Schlafsack mit 2,6g pro Stück: https://www.csj-emballages.com/produit/sac-de-prelevement-liasse-10-microns-35-x-50-cm-par-1000/ Bei 1.000 Stück kann ich offensichtlich auch ein paar verschicken. Wer möchte: 5 Stück im Briefumschlag für € 1,50 Versand via PayPal. Sie sind dehnbar und aus meiner Sicht für den Zweck ok - aber noch nicht im Einsatz getestet. Wenn einmal beschädigt, dann reissen sie allerdings schnell weiter.
  45. Toller Bericht, den ich erst jetzt entdeckt habe. Ich freue mich schon auf den nächsten Teil!
  46. Die Kombination Broumovské stěny - Riesengebirge - Isergebirge bis in die Lausitz ist für den Felsliebhaber sehr interessant. Ein Highlight jagt das nächste. Da ist man bis zu 10 Tagen beschäftigt. Das Riesengebirge unterscheidet sich - bis auf das Erzgebirge, das auch schon wieder einen eigenen Charakter hat - von den anderen Mittelgebirgen, wie Beskiden, Altvater, Adlergebirge. Das Riesengebirge ist semialpin mit abgeflachten Bergen, aber auch lawinösen Abbrüchen und Schluchten. Erzgebirge alleine zieht sich auch, da ist man so ca. eine knappe Woche unterwegs. Ich persönlich hatte da ein kleines bisschen meine "Anpassungsschwierigkeiten", kilometerweise dichteste Nadelwälder mit hügeligen Waldböden, fast unmöglich flache Lagerplätze zu finden. Hochtäler mit großen Wiesen- und Torfflächen, die für Rinder per Elektrozäune abgesperrt sind, sind für das Auge schon reizvolle Landschaften, aber wie gesagt, lagerunfreundlich...ich mag Mischwälder lieber. Oder aber Böhmische Schweiz ab Děčín (also von West nach Ost) mit der Lausitz kombinieren. Ein weiteres Filetstück des tschechischen Nordrands. Beskiden bis Altvatergebirge fand ich persönlich auch sehr ansprechend, dazwischen halt Agrar-Landschaft im Mährischen Tor, nicht jeder mag das, ich schon, da die Aussichten reichlich waren. Kurzum, man kann eigentlich nicht viel falsch machen, es ist eigentlich alles am Nordrand ansprechend...
  47. Großartiger Bericht und tolle Fotos! Bekomme sofort Lust, loszuwandern!
  48. Sehr schön, das du so ausführlich berichtest! Ich liebe „unprofessionelle“, von Usern, für User geschriebene Reiseberichte!
  49. Kleine Korrektur: der 1. Abschnitt (Beskiden) war vom 4.- 7. 8. (nicht 8.8.), nur so als Größenordnung für diejenigen, die vielleicht für eine eigene Tour nachrecherchieren möchten. Es waren in den 3,5 Tagen gleich mal 4500 Auftakt-hm🫣🥵
  50. Ausrüstungskauf in Japan

    schwyzi und ein anderer reagierte auf KaZee für Beitrag im Thema

    2 Punkte
    So, der Ausrüstungskauf ist erledigt. Ich bin überrascht davon, dass hier in Tokio in vielen großen Outdoor Läden und -ketten standardmäßig UL-Gear verkauft wird. In Deutschland muss man viel eher online bestellen oder wenn man in der Nähe der tollen UL-Geschäfte lebt dorthin einen Ausflug machen. Besucht habe ich folgende Läden: Moonlight Gear Yellowknife (ca 2 h von Tokio weg mit der Bahn, aber ein wirklich tolles Geschäft!) Art Sports ODBOX 2x Montbell L-Breath Ochanomizu Super Sports Xebio Ishii Sports Tozan Sports Wear Alpen (im "Run boys! Run girls!" war meine besser Hälfte) Es war alles in allem ein tolles Erlebnis hier nach Gear zu suchen! Morgen Abend geht es los in Richtung Hachinohe mit dem Nachtbus und übermorgen starten wir dann auf dem Michinoku Coastal Trail. Danke für alle Tipps!!
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