Ich laufe für mein Leben gern alleine. Meine Geschwindigkeit, nichts absprechen müssen, schlafen, wo ich will, meine Gedanken, etwas beobachten, so lange ich will, ..., diese Zeit ist nur für mich. Ich war letztes Jahr das erste Mal zu zweit auf einem Trail, und obwohl wir uns gut verstanden haben, hat es mir viel Freude vom Wandern weggenommen, einfach weil ich nicht das machen konnte, was mich auf den Trails so glücklich macht und warum ich eigentlich wandere.
Ich bin allerdings überhaupt kein Hütten-Fan, eben weil da noch so viele andere Leute sind. Ich glaube, das liegt daran, dass ich mich im Alltag so viel mit anderen beschäftigen und auf deren Bedürfnisse eingehen muss, so dass ich wirklich diese Auszeit von den Menschen brauche. Ich liebe mein Zelt, das ist mein kleines Zuhause, das ich mit mir herumtrage, das mich Teil der Natur sein lässt. Ich bin immer traurig, wenn ich aufgrund der Umstände doch mal in etwas befestigten schlafen muss, es sei denn, ich plane z.B. einen Pausentag ein, an dem ich mich mal grundreinigen will, das dann gerne im Hotel.
Ich finde es aber trotzdem nett, wenn ich z.B. an einer Hütte esse und man da ins Gespräch kommt oder doch einen Teil zusammen läuft. Aber eben nicht den gesamten Trail. Nett ist es aber auch, wenn man abends wieder auf die trifft, mit denen man am Abend zuvor auch gecampt hat. Will sagen, ich bin nicht abgeneigt, soziale Kontakte zu haben, aber ich bin auch gerne alleine.
Nachdem meine Familie mich mal 3 Tage nicht erreichen konnte, weil ich einfach in einem Funkloch gewandert bin, trage ich jetzt auch ein Garmin inReach. Ich selbst würde mich am liebsten die 1-2 Wochen gar nicht zuhause melden, aber ich verstehe, dass man sich Sorgen macht und melde mich nun immer mit "Bin gut angekommen." und "Guten Morgen, es geht weiter." per Garmin und zuhause kann man beoachten, wie ich mich bewege. So sind alle beruhigt.
Ich mag es abends im Zelt zu liegen und den Geräuschen zuzuhören, oder die Aussicht zu genießen, den Tag revue passieren zu lassen, gemütlich zu essen, sobald es dunkel wird, werde ich auch müde. Ansonsten höre ich unterwegs keine Musik o.ä., weil ich die Natur will. Ich habe höchstens ein Hörbuch dabei, das ich höre, wenn ich irgendwo campe, wo noch andere sind, die sich z. B. unterhalten. Buch nehme ich auch nicht mit. Ich langweile mich nicht. Wenn's ganz hart auf hart kommt, lese ich die Zutatenliste meines Essens. 😂
Und wenn ich laufe und es gerade eine nicht so schöne Strecke ist, fange ich häufig an über irgendwas zu singen. Was gerade passiert, was ich sehe, über den bellenden Hund, "Die kleine Moyashi geht diesen Weg, der Weg ist sehr schräg, heute Abend im Zelt esse ich die Bohnen mit Soja, Chili sin Carne genannt, ich hoffe es schmeckt, ich bin echt gespannt, ..."
Ich arbeite noch daran, dass ich auch mal länger wandern gehen kann, ich würde sehr gerne mal 4 Wochen am Stück raus, aber das geht leider aufgrund meiner Lebenslage nicht. Wäre allerdings interessant zu sehen, ob ich dann nach 4 Wochen auch immer noch gern allein bin.
PS: Darf ich dir auf Komoot folgen? @DaNilz