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Ultraleicht Trekking

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Beliebte Inhalte

Anzeigen von Inhalten mit der höchsten Reputation auf 05.06.2020 in allen Bereichen

  1. 6 Punkte
    Mich motiviert unter anderem an der UL-Philosophie, dass sie einem komplett neue Möglichkeiten eröffnet. Neue Strecken sind denkbar, weiter entfernte Ziele werden erreichbar, schwierige Passagen werden einfach und längere Touren werden in einem normalen Zeitfenster denkbar. Aber das sind nur oberflächliche Vorteile, es gibt noch viel mehr. Ursprünglich war meine Motivation rein pragmatisch. Ich wollte meine Ausrüstung erleichtern, um Geld zu sparen und längere Strecken autark gehen können. Mittlerweile ist das leichter werden fast schon zum Selbstzweck geworden. Und das ohne in einen Kaufrausch zu verfallen. Nur durch Wiegen und Weglassen kann man schon eine Menge bewegen - und das praktisch umsonst. Wenn man dann noch dazu bereit ist, einen niedrigen dreistelligen Betrag zu investieren, kommt man schon locker unter 4kg Basisgewicht. Ohne die unzähligen Guten Ratschläge, die man hier im Forum bekommt, wäre mein Weg in den Ultraleicht-Bereich sehr teuer und langwierig geworden. Ich will nicht wissen, wie viel Müll ich ohne eure Ratschläge gekauft hätte. Wahrscheinlich hätte ich irgendwann frustriert aufgegeben. Eigentlich war ich bei meinen Reisen schon seit Tag 1 an Minimalist, aber trotzdem immer schwer unterwegs, weil mir damals niemand vorgemacht hat, dass es auch leichter geht. Für mich war daher der Umstieg sehr einfach, da ich nie ein Camper-Typ war und selbst zum Kochen zu faul bin. Es ist schon ein tolles Gefühl, wenn man auf einmal ohne Probleme 40km wandern kann. Mit 25kg auf dem Rücken war ich nach spätestens 25km absolut fertig. Längere Strecken habe ich für unmöglich gehalten, ich dachte, dass das mit meinen "kaputten Füßen" nicht geht. Vorher habe ich immer alle 4km Pause gemacht, wenn nicht öfter. Jetzt muss ich mich zu Pausen zwingen, um zu essen und kann einfach drei Stunden am Stück gehen, ohne mir Gedanken zu machen. Scheinbar sind meine Füße komplett gesund - ein Drittel seines Körpergewichts zu tragen ist nicht gesund! Mit 25kg im Rucksack hieß es immer: "Ich gegen die Natur", natürlich unbewusst. Die Reise wurde ungewollt zu einer Belagerung. Hat man nur das Allernötigste dabei und nicht fünf Paar Kleidung, kommt man der Essenz viel näher. Wandern wird echter und das Erlebnis authentischer. Ich kann mich noch daran erinnern, wie passiv-aggressiv ich hier am Anfang war, weil ich Ultraleicht für die meisten Situationen ziemlich albern fand. Das war ziemlich engstirnig. Jetzt fange ich an, zu verstehen, was das alles mit sich bringt. Ich bin der Community hier wirklich dankbar dafür.
  2. Langstreckenwanderung Europa

    Antonia2020 und 5 andere reagierte auf Sjeanmarc für Beitrag im Thema

    6 Punkte
    Hello I will start the "Grande Traversée de la France" June 17th from the French/German border. 3 months hiking, 2500km 117km of elevation gain from Alsace to Basque Country through the five mountain ranges of France : Vosges (Grande Traversée des Vosges), Jura (Grande Traversée du Jura), Alps (north part of the GR5), Massif Central and Pyrenees (HRP). More info of my way (GPS track, information...) in english or in french
  3. Vorstellungsthread

    Marten und 4 andere reagierte auf Bird für Beitrag im Thema

    5 Punkte
    Hi! Ich habe hier schon viel gelesen und auch viel gelernt. Jetzt bin ich auch endlich angemeldet! Ich bin Melanie (42) und komme aus Kanada (Quebec). Ich wohne jetzt in Österreich (NÖ), aber mein Deutsch ist leider noch sehr limitiert...Entschuldigung im Voraus. Hiking und Ski Touring mache ich gerne seit über 20 Jahren, viel in Quebec (Mont-Groulx/Uapishka, Chic-Chocs, verschiedene Nationalparks, etc) und USA (White Mountains, Green Mountains, Adirondacks, etc). Damals überhaupt nicht UL, wegen manchmal sehr abgelegene Orten und Bergen wo man braucht relative viel für Mehrtagig selbstandig Überquerungen. UL habe ich zuerst in Österreich entdeckt, aber wo man auch nicht immer versteht warum eine Frau draußen schlafen willst und keine Angst hat. Habe ich auch entdeckt, dass die Jäger sind etwas anders als was ich kennt und dass die gefärlichste Tier im Wald ist vielleicht die kleinste (Zecken)... Bei hiking bin ich hauptsächlich alleine mit Tarp und Bivi unterwegs. Mit meinem 3 Jahre alt Sohn versuche ich heuer vielleicht auch ein Paar Bikepacking trips mit Anhanger zu probieren. Ich freue mich über viele Austausch und neue Kontakte Lg, Melanie
  4. Vorstellungsthread

    Wander Schaf und 2 andere reagierte auf st3ka für Beitrag im Thema

    3 Punkte
    Hallo zusammen, ich bin hier seit einiger Zeit stiller Mitleser und habe mir nun ein Konto angelegt um "einzusteigen". Mein Name ist Florian bin 31 Jahre jung aus Köln. In der Kindheit war ich viel auf Campingplätzen das ganze ist seitdem etwas eingeschlafen. Letztes Jahr habe ich eine Hüttentour gemacht , klassisch mit Übernachtung dort, und da hat sich der Eindruck verfestigt das "einfach mal raus" ein sehr gutes Gefühl ist. Ganz UL bin ich sicherlich noch nicht unterwegs aber ich würde gerne dieses Jahr mit ein paar kleineren Wochenendtouren per Zelt anfangen und schauen wo mich das ganze noch hinführt. Toll finde ich wieviel Know How hier vorhanden ist und auch bereitwillig geteilt wird. Liebe Grüße
  5. Haut auf Plastikmatte unter Quilt?

    Trekkerling und ein anderer reagierte auf zeank für Beitrag im Thema

    2 Punkte
    Das Nylon von Quilt hast du dann auch auf der nackten Haut. Weil ich das auch alles nicht so prickelnd finde schlafe ich idR in einer sehr dünnen Merino-Unterhose (lang) und irgendwas langärmligem oben. Ist idR nicht viel schwerer aber vielseitiger als die Lösung mit einem Inlet. Zumal das Inlet die Idee hinter einem Quilt, dass man auch mal ein Bein rausstrecken kann, wieder ab absurdum führt.
  6. Rucksack Alternative?

    schwyzi und ein anderer reagierte auf Nimrod für Beitrag im Thema

    2 Punkte
    Um das mal klarzustellen ich bin seit über 26 Jahren Angehöriger der Streitkräfte. Ich unterscheide da ziemlich genau zwischen Beruf und Menschen die sich mit teils schlechter billigkopie Ausrüstung in den Wald begeben und noch nicht mal "krieg spielen" (z. B. Paintball), sondern nur mit "ich hab das dickste Messer" sich unterhalten. Ich respektiere diese Menschen dennoch und wir haben uns ja auch nett unterhalten. Wir alle kennen diese Menschen, genauso wie wir alle auf der Arbeit den Schleimer kennen oder die klassischen Witze über Schwiegermütter, Ostfriesen oder Bayern machen. Meine Beschreibung sollte nur in Kurzform diesen Typus Mensch beschreiben. So ich hoffe damit alle Wogen geglättet und Missverständnise beseitigt zu haben.
  7. Rucksack Alternative?

    hansichen und ein anderer reagierte auf grmbl für Beitrag im Thema

    2 Punkte
    OT: Hä? Was genau nervt dich jetzt? Die Toleranz, die scheinbar beide Gruppen füreinander aufbringen konnten? So jedenfall verstehe ich das hier.
  8. 1 Punkt
    Ich hatte wieder Mal einen Tag frei und konnte so ein neues Pyramidenzelt realisieren. Nach dem Piton ist es dieses mal aus knapp fünf Metern Stoff, allerdings passen auch zwei Personen rein. Für den catenary cut habe ich 3 cm Durchhang gewählt, es könnte ruhig noch ein cm mehr sein. Wobei die Kante vorn im Bild so faltig steht da ich beim Zuschnitt einen Fehler gemacht habe. Die anderen Kanten sind faltenfreier. Im Gegensatz zum Piton ist der Fadenverlauf der einzelnen Stoffbahnen sehr klassisch und entspricht dem der meisten kommerziell hergestellten Pyramidenzelte- parallel zur Unterkante und senkrecht nach oben. Verschnitt gibt es bei knapp 5m Stoff so gut wie keinen, als einziges Zugeständniss deswegen gibt es eine mittige Naht zusätzlich auf einer der Schmalseiten. Die Abmessungen dürften in etwa dem alten Duomid von MLD entsprechen. Zwei Personen kommen gerade noch so unter. Es ist dann ein ein Zelt zum Schlafen, nicht unbedingt um tagelang Schlechtwetter abzuwettern. Für eine Person ist es ein Palast. LG, Christian
  9. 1 Punkt
    OT: Naja man kann sich ja auch einfach danach richten. Ruckizucki ist irgendwo wieder ein Cluster. Freuen wir uns doch, dass überhaupt was geht.
  10. Haut auf Plastikmatte unter Quilt?

    zeank reagierte auf Firehawk für Beitrag im Thema

    1 Punkt
    Ich nutze seit ca 20 Jahren diese Strandtücher. Irgendwann mal auf den Balearen gekauft / geschenkt bekommen. 1 Tuch davon kommt immer noch mit. Das Gewicht von ca 180g, bei 120 x 160 cm, rechnet sich nur durch Multi-Use als: Strandtuch Kleid / Wickelrock Sonnensegel (zwischen Wanderstöcken aufgespannt, mit Fransen anknoten) Halstuch Kopftuch / Sonnenschutz Handtuch (Notfalls. Sonst Bettlaken nass ) Matratzenbezug Kühlung ( in nasses Tuch einwickeln, Menschen oder Getränke) Kopfkissenhülle Einkaufstasche für leichte - mittelschwere Einkäufe. Einfach Enden zusammen knoten zu einem Beutel Als Verband und Armschlinge musste es auch schon mal herhalten Ursprünglich habe ich das Strandtuch nur als Bettlaken eingepackt, aus dem selben Grund wie @RiRa, auf einer mehrtägigen Wanderung auf Korsika. Die damals leichte Therm a rest mit gelochtem Schaumkern war mir zum so drauf schlafen zu, mhh, unbequem, rau, ungewohnt,... Ich schlief damals in T-Shirt und Unterhose im geöffnetem Schlafsack. Die Dinger waren mir schon immer zu eng. Also so eine Art Vorgänger-Quilt. Auf dieser Wanderung habe ich die vielen Einsatzzwecke des Tuches entdeckt und besonders den Sonnenschutz lieben gelernt. Bin aber auch ein Schattenkrabbler. Sobald ich krabbeln konnte, ab in den Schatten. Vielleicht gibt es eine ähnliche, leichtere Variante für dich, bis du dich an den Stoff der Matte gewöhnt hast. Kannst du dein Handtuch nutzen, für die Stücke, wo deine nackte Haut mit der Matte in Kontakt kommt? Oder ein T-Shirt drüber ziehen? Nur so, als Denkanstoss....
  11. Jakobsweg Camino de Levante...

    hansichen reagierte auf einar46 für Beitrag im Thema

    1 Punkt
    Der Bericht über meine Wanderung auf dem Jakobsweg Camino de Levante ist endlich fertig. Lange genug hat es gedauert. Wer sich sofort erstmal einige Bilder ansehen will, kann in den nachfolgenden Link verzweigen, wo man in einem GoogleDrive-Verzeichnis landet. Bilder Jakobsweg Camino de Levante Die Karte zeigt in unterschiedlichen Farben die einzelnen Jakobswege, die ich bei dieser Wandertour komplett oder teilweise gelaufen bin: Camino de Levante (violett, komplett von Valencia bis Zamora gelaufen) Via de la Plata (blau, Teilstück von Zamora bis Astorga gelaufen) Camino Frances (rot, Teilstück von Astorga bis Santiago de Compostela gelaufen) Camino Finisterre (grün, von Santiago de Compostela bis zum Kap Finisterre, nicht gelaufen) Idee In meinem Wanderprojekt SJW Spanische Jakobswege, das ich im August 2019 in meinem Blog vorgestellt habe, spielt auch der Jakobsweg Camino de Levante eine Rolle. Dieser Jakobsweg ist einer der weniger bekannten Jakobswege. In vielen Veröffentlichen zu spanischen Jakobswegen wird er oft nicht erwähnt. Statistische Daten, wie die Anzahl der Wanderer, die diesen Jakobsweg in Angriff nehmen, sind schwer zu finden. Ich glaube gelesen zu haben, dass 200-300 Wanderer diesen Jakobsweg jedes Jahr gehen. Auf dem bekanntesten Jakobsweg, dem Camino Frances, sind jedes Jahr ca. 200000 Wanderer unterwegs. Das ist ein gewaltiger Unterschied. Genau dieser Unterschied hat den Jakobsweg für mich so interessant gemacht. Zusätzlich habe ich mich wieder für den Zeitraum Oktober/November entschieden. In diesem Zeitraum sind wegen der Jahreszeit und der zu erwartenden Wetterbedingungen weitaus weniger Wanderer anzutreffen. Planung Auch diesmal habe ich mich nach einem geeigneten Wanderführer umgesehen. Mit der OUTDOOR-Reihe des Conrad-Stein-Verlags habe ich auf einigen Langstreckenwanderungen gute Erfahrungen gemacht. Der Verlag bietet auch für den Jakobsweg Camino de Levante einen Wanderführer an (Spanien: Jakobsweg Camino de Levante, Von Valencia nach Zamora, Band 271, Autorin: Ulrike Bruckmeier, 1.Auflage 2010). Ein Wanderführer, der bereits 9 Jahre auf dem Buckel hat, da wird nicht mehr alles aktuell sein. Trotzdem habe ich mir den Wanderführer zugelegt. Den Wanderführer habe ich vor allem für einen Grobüberblick über die Tagesetappen genutzt. Weitere Informationen, wie Tracks und Unterkünfte in den einzelnen Ortschaften, waren nicht leicht zu finden. Dazu musste ich das Internet intensiv durchforsten. Mit einiger Mühe habe ich dann alles gefunden, wonach ich gesucht habe. Die Tracks aus dem Internet waren von sehr schlechter Qualität. Offenbar stammen diese Tracks von Aufzeichnungen, die dann ohne Nachbearbeitung ins Internet gestellt wurden. Mit Hilfe der Tracks aus dem Internet habe ich dann manuell 52 Tagesetappen (mit Camino Finisterre) erarbeitet. Zusätzlich habe ich für 8 Tagesetappen nach Wegevarianten gesucht. Diese Wegevarianten habe ich entweder aus dem Wanderführer entnommen oder selbst geplant. Selbst geplante Wegevarianten verwende ich nur, wenn die geplanten Tagesetappen zu überlangen Tagesetappen mit mehr als 40 km geführt hätten. Für solche Tagesetappen habe ich dann nach einer Alternativroute gesucht, die ich dann auch meistens gefunden habe. Diesmal habe ich meine Tagesetappen immer an einer Unterkunft (Wegpunkt) beginnen und enden lassen. Zusätzlich habe ich weitere Unterkünfte entlang der Tagesetappen als Wegpunkte hinzugefügt. Dadurch konnte ich mir die Länge der Tagesetappen tagesaktuell einteilen und sogar von meinen geplanten Tagesetappen abweichen. Das hat mir einen sehr großen Handlungsspielraum verschafft, speziell bei der Suche nach Unterkünften. Zusätzlich konnte ich durch die gute Verteilung der Unterkünfte entlang fast aller Tagesetappen sehr gut auf wetterbedingte Besonderheiten (Regen, Schneefall und Kälte) reagieren. Ruhetage habe ich nicht speziell nach einer bestimmten Anzahl von Wandertagen oder in einem bestimmten Ort geplant. Das wollte ich situationsbedingt und auch wetterbedingt entscheiden. Die Planung der Tagesetappen hat eine Gesamtlänge von 1301 km (mit Camino Finisterre) ergeben. Damit hat sich in der Planungsphase sofort ein Problem aufgetan. Auf meiner letzten Langstreckenwanderung (Deutscher Küstenweg, entlang an der Ost- und Nordsee über 1189 km) habe ich nach ca. 700 km meine halbhohen ALTRA-Trailrunner gegen neue Schuhe ausgetauscht. Die neuen Schuhe habe ich per Post vorausschicken lassen. Diesmal wollte ich das ebenfalls so machen. Dafür hatte ich mir die Stadt Zamora ausgesucht. Die Stadt Zamora ist das Ende des Jakobsweg Camino de Levante und liegt ca. 800 km vom Startort, der Stadt Valencia, entfernt. Das schien mir eine vertretbare Strecke für meine Schuhe zu sein. Solange mussten die Schuhe durchhalten. Dann habe ich Kontakt mit der Pilgerherberge in Zamora aufgenommen und wollte mich erkundigen, ob ich meine Schuhe in die Pilgerherberge vorausschicken kann. Aber ich habe keine richtige Antwort erhalten. Dann habe ich mich daran erinnert, dass ich im Jahr 2018 auf dem Jakobsweg Via de la Plata schon einmal in der Pilgerherberge in Zamora übernachtet habe. Dort habe ich eine kanadische Wanderfreundin getroffen, die da für einige Wochen als „Hospitalero“ (Herbergsbetreuerin) gearbeitet hat und von der ich noch die Kontaktdaten hatte. Nach einem intensiven Mail-Verkehr hat sie mir eine zuverlässige private Adresse mitgeteilt, wo ich meine neuen Schuhe hinschicken könnte. Das Problem war, dass diese Adresse ca. 950 km vom Startort Valencia entfernt war. Meine Schuhe mussten also nicht nur 700 km halten, sonder sogar kapp 1000 km. Nach kurzer Überlegung bin ich das Risiko eingegangen und habe ein Paket mit den neuen Schuhen und der Adresse in Spanien vorbereitet. Meine Frau musste dann nur noch das Paket zu einem bestimmten Zeitpunkt zur Post bringen. Den Zeitpunkt wollte ich ihr dann per Telefon mitteilen. Der Zeitpunkt sollte nicht zu früh und nicht zu spät sein. Ich war gespannt, wie das ausgehen würde. Bei dieser Aktion durfte nichts schief gehen. Meine speziellen Schuhe sind für mich unverzichtbar. In spanischen Sportgeschäften kann ich diese Schuhe nicht käuflich erwerben, da bin ich mir ziemlich sicher. Insgesamt hat die Planung 52 Tagesetappen (mit Camino Finisterre) ganz unterschiedlicher Länge (15 - 40 km) ergeben. Dabei war mir schon bei der Planung klar, dass ich da einige Tagesetappen zu einer Tagesetappe zusammenfassen konnte. Das wollte ich aber tagesaktuell entscheiden und von den unterschiedlichsten Faktoren (Wetter, Fitnesszustand, Lust und Laune usw) abhängig machen. Die eine oder andere kurze Tagesetappe wollte ich auch als Nero-Day nutzen, wo ich schon kurz vor Mittag mein Tagesziel erreichen wollte. Die verbleibende Zeit solcher Nero-Days konnte ich dann für die Regeneration nutzen. Das sollte mir einige Zero-Days (Ruhetage) ersparen. Damit war auch der grobe zeitliche Rahmen meiner Wandertour vorbestimmt. So war der Zeitplan: Anreise mit Bus und Bahn am 7.Oktober zum Flughafen Berlin-Schönefeld, Übernachtung in der Nähe des Flughafens, Direktflug am 8.Oktober gegen 6 Uhr nach Valencia, Übernachtung in der Jugendherberge in Valencia, Start der Wandertour am 9.Oktober, Ende November wollte ich mit der Wandertour fertig sein. Den Rückflug von Santiago de Compostela wollte ich erst wenige Tage vor dem Endziel buchen, also Anfang Dezember. Bei der groben Zeitplanung hatte ich auch immer im Blickpunkt, dass sich durch die Zusammenlegung von Tagesetappen das Ende der Wandertour um einige Tage nach vorne verschieben könnte. Vorbereitung Mit der Vorbereitung auf meine Langstreckenwanderung über den Jakobsweg Camino de Levante habe ich es so gehalten, wie es sich schon vor meiner Langstreckenwanderung auf dem Deutschen Küstenweg, entlang der Ost- und Nordsee über 1200 km, bewährt hat. Vier Wochen vor Beginn der Wandertour habe ich mit intensiven Training begonnen. Dabei bin ich ausschließlich auf Kurzstrecken (5-12 km) im Umkreis meines Wohnortes unterwegs gewesen. Immer ohne Gepäck und mit höchstem Tempo, um eine ordentliche Belastung zu simulieren. Ich wollte möglichst fit an den Start meiner Wandertour gehen. Die Eingewöhnungsphase von 6-8 Tagen nach dem Start, die ich bei meinen anderen Langstreckenwanderungen immer gebraucht habe, wollte ich vor den Start der Wandertour verlegen. Das ist mir auch diesmal sehr gut gelungen. Meine Ausrüstung ist schon seit einiger Zeit relativ konstant und für die drei Jahreszeiten Frühjahr, Sommer und Herbst ausgelegt. Kleidungsmäßig habe ich trotzdem etwas aufgerüstet, weil ich im Oktober/November 2018 auf dem Jakobsweg Via de la Plata Temperaturen um den Gefrierpunkt hatte. Darauf wollte ich vorbereitet sein und habe zusätzlich einige Kleidungsstücke eingepackt. Diese „Aufrüstung“ sollte sich als Glücksgriff erweisen. Anreise Die Anreise mit Bus und Bahn am 7.Oktober zum Flughafen Berlin-Schönefeld verlief problemlos. Ich hatte auch keinen Zeitdruck, weil ich erst am nächsten Morgen per Direktflug nach Valencia fliegen wollte. Da ich schon um 4 Uhr am Flughafen sein musste, der Flieger ging gegen 6 Uhr, wollte ich in der Nähe des Flughafens übernachten. Zuerst habe ich mit einer Übernachtung im Zelt in der Nähe des Flughafens geliebäugelt. Aber über GoogleMaps habe ich keine geeignete Übernachtungsstelle (Sichtschutz, nicht zu weit vom Flughafen entfernt) für mein Zelt gefunden. Dann habe ich diesen Gedanken aber verworfen und mich um eine Pension bemüht. Das hat wunderbar geklappt. Früh hatte ich nur einen Fußweg von ca. 10 Minuten zum Flughafen. Der Direktflug am 8.Oktober nach Valencia verlief ohne Probleme. Zeitdruck hatte ich auch hier nicht, weil ich in Valencia in einer Jugendherberge übernachten wollte. Den Nachmittag habe ich für eine ausgiebige Besichtigung der Stadt Valencia genutzt. Dabei habe ich den Startpunkt des Jakobsweges Camino de Levante und die ersten Wegmarkierungen gesucht. Lange habe ich nicht richtig finden können, wo der Jakobsweg beginnt und mit den Wegmarkierungen hatte ich auch Schwierigkeiten. Dann habe ich endlich die ersten Wegmarkierungen gefunden, eingelassen in die Fußwege und nicht leicht zu finden, wenn der Blick nur nach oben gerichtet ist, auf der Suche nach Schildern und nach Markierungen an Häusern. Strecke/Wanderung Der Jakobsweg Camino de Levante ist ein selten begangener Jakobsweg in Spanien. Deshalb hatte ich mich darauf eingestellt, dass die Wegmarkierungen nicht so gut sein würden, wie auf den bekannteren Jakobswegen. Aber da wurde ich positiv überrascht. Die Markierungen mit dem gelben Pfeil waren vorbildlich. Auch in den meisten Ortschaften, ob groß oder klein. Zusätzlich war vor und nach jeder noch so kleinen Ortschaft ein Hinweisschild aufgestellt. Das Hinweisschild enthielt die Information, wie weit es noch bis zur nächsten Ortschaft ist und wie lange man dafür braucht. Die Zeitdauer bis zur nächsten Ortschaft wurde dabei mit einem Stundendurchschnitt von 4 km berechnet. Für mich war das immer ein sehr guter Anhaltspunkt, weil ich mich von der Durchschnittsgeschwindigkeit her genau in diesem Bereich bewegt habe. Von den anderen Jakobswegen, die ich bereits gegangen bin, kenne ich diese Art der Beschilderung nicht. Für mich ist das vorbildlich gelöst. Im Großraum Valencia konkurriert der Camino de Levante oft mit örtlichen Jakobswegen (zB dem eher unbekannten Camino del Cid). Teilweise sind Streckenverläufe identisch, dann trennen sich die Wege wieder. Bei den Markierungen dominieren dann die Markierungen für die örtlichen Jakobswege. Man darf sich da nicht durcheinanderbringen lassen. In solchen nicht eindeutigen Wegeverläufen habe ich mich ausschließlich auf mein Navi verlassen. Diese Aussage trifft auch auf den Camino de Sureste zu, der immer wieder den Camino de Levante kreuzt oder identische Wegstrecken mit ihm hat. Man muss da höllisch aufpassen, damit man nicht plötzlich in eine ganz andere Richtung läuft. Bei der Planung dieser Wandertour habe ich wegen der vermuteten schlechten Markierungen besonderes Augenmerk auf meine Tagesetappen gelegt. Alle Tagesetappen habe ich an einer Herberge beginnen und enden lassen. Das hat mir bei der Herbergssuche oft geholfen, nicht immer, aber ich hatte erstmal einen Anlaufpunkt. Wegen der Schlüsselsuche für die Herbergen habe ich mir für viele Orte zusätzliche Wegpunkte für Touristeninformationen, Verwaltungsämter und Polizeistationen angelegt. Diese Informationen habe ich mir aus dem Internet besorgt und mit GoogleMaps abgeglichen. Das war ein zeitaufwändiger Prozess für jede Tagesetappe, aber der Aufwand hat sich gelohnt. Trotzdem gab es bei der Herbergssuche auch immer wieder Probleme, die ich in den Punkten (siehe weiter unten) Übernachtungen und Menschen näher beschrieben habe. Bei der Planung bin ich manchmal bewusst von den markierten Wanderwegen abgewichen. Das habe ich gemacht, weil ich zu große Umwege vermeiden wollte. Geplant habe ich diese Wandertour im Winter 2018, begangen habe ich sie im Oktober/November 2019. Das ist fast ein Jahr Differenz. Diese Zeitdifferenz hat während der Wandertour ein „kleines“ Problem zum Vorschein gebracht, was ich bei der Planung nicht genau durchdacht hatte. Immer, wenn ich auf solchen geplanten „Abweichungen“ des tatsächlichen Wanderweges unterwegs war, wurde ich von Einheimischen darauf hingewiesen, dass ich nicht mehr auf dem markierten Wanderweg laufe. Das war freundlich gemeint, hat mich aber am Anfang etwas irritiert. Wenn ich dann mein Navi befragt habe, konnte ich sehen, dass ich durchaus auf meiner geplanten Wanderroute war. Nach fast einem Jahr wusste ich aber nicht mehr genau, ob das Absicht war oder nicht. Zusätzlich haben auf solchen Abweichungsabschnitten die gelben Pfeile gefehlt und ich musste öfters das Navi benutzen als sonst. Um dieses kleine Problem der Verunsicherung zu vermeiden, werde ich in Zukunft an den Stellen, wo ich geplant von den markierten Wanderwegen abweiche, zusätzliche Wegpunkte, sogenannte Abweichungspunkte, anlegen. Das reicht mir als zusätzliche Information für geplante Abweichungen von den markierten Wanderwegen. Auf der 5.Tagesetappe von La Font de la Figuera nach Almansa habe ich mir sozusagen selbst „ein Bein“ gestellt. Bei der Planung der Tagesetappen will ich manchmal schlauer sein als die Routenplanungssoftware BaseCamp. Die Software hatte mir auf dieser Tagesetappe im Bereich einer Autobahn einen Wegeverlauf vorgeschlagen. Bei genauerer Betrachtung habe ich für diesen Bereich eine viel kürzere Variante über die Autobahn gefunden. Diese führte über eine Brücke. Kurzerhand habe ich die Tagesetappe manuell geändert und über die „vermeintliche“ Brücke geführt. Als ich dann bei der Wandertour an den entscheidenden Punkt gekommen bin, wo sich die Software-Variante und meine Variante getrennt haben, musste ich kurz anhalten und überlegen. Die Markierungen haben eindeutig auf die Software-Variante verwiesen. Stur, wie ich bin, habe ich aber meine eigene Variante über die Brücke verfolgt. Das war ja so geplant. In der Ferne war eine Brücke zu sehen, also vorwärts zur Brücke. Nach ca. 2 km war ich an der Brücke angelangt, die aber nur zur Hälfte über die Autobahn führte. Der Rest war noch nicht gebaut und das war aus der Ferne nicht eindeutig zu erkennen. 2 km zurücklaufen und damit 4 km wegen Sturheit zusätzlich laufen? Erstmal wollte ich mich nicht geschlagen geben. Dann habe ich die mannshohe Unterführung ca. 50 Meter neben der Brücke gesehen. Diese Unterführungen dienen der Ableitung von Oberflächenwasser von der Autobahn. Wenn auf dieser Seite der Autobahn ein Zugang existiert, dann muss auch auf der anderen Seite der Autobahn ein Zugang sein. Dann bin ich in die Unterführung gestiegen und unter die Autobahn gegangen. Schon auf halber Strecke konnte ich erkennen, dass der Zugang auf der anderen Seite anders war. Er war nicht so flach und leicht zugänglich, wie auf der Seite wo ich eingestiegen war. Als ich das andere Ende des Tunnels erreicht hatte, stand ich in einem Betonschacht. Der war an 3 Seiten ca. 2,5 Meter hoch, an der vierten Seite lediglich ca. 2,20 Meter hoch. Diese 4.Seite war offensichtlich der Zulauf für das Wasser. Der Schacht hatte eine quadratische Grundfläche von ca. 1,5 Metern. Aus diesem Betonschacht würde ich ohne Hilfsmittel niemals rauskommen, das war mir sofort klar. An den glatten Betonwänden würde ich nicht hochkommen, weil ich auch nicht die kleinste Unebenheit an den Betonwänden erkennen konnte. Dann habe ich meinen Ausweg gesehen, der mir im ersten Ärger wegen meiner Sturheit entgangen war. An der nicht so hohen Betonwand stand schräg angelehnt ein Brett, ca. 1 Meter hoch, 10 cm breit und vielleicht 15 mm dick. Das Brett war schon leicht angebrochen. Wenn das Brett durch das Wasser in den Schacht gekommen wäre, würde es auf dem Boden des Schachtes liegen und nicht schräg an der Betonwand stehen. Hier ist schon vor mir ein „superschlauer“ Wanderer auf die Idee gekommen die Tagesetappe abzukürzen. Wie ich, ist er in dem Betonschacht gelandet und hat nach einem Ausweg gesucht. Dann muss ihm das auf dem Boden liegende Brett aufgefallen sein. Ich hatte folgende Idee. Meinen Rucksack musste ich vorher aus dem Betonschacht werfen. Dann wollte ich mich mit einem kurzen Anlauf mit der rechten Fußspitze auf das schräg angelehnte Brett stellen, so dass ich mich mit den Unterarmen auf der Oberkante des Betonschachtes abstützen konnte. Wenn die Unterarme irgendwo aufliegen, kann man sich sehr leicht hochziehen und dem Betonschacht entkommen. Weil das Brett schon angebrochen war, hatte ich nur einen Versuch. In Gedanken habe ich den Bewegungsablauf mehrmals durchgespielt. Dann ging es los. Kurz Schwung geholt, soweit es der Platz in dem Betonschacht zugelassen hat, die rechte Fußspitze auf das Brett gesetzt, die Unterarme auf die Oberkante des Betonschachtes gelegt und Sekunden später war ich aus dem Betonschacht raus. Vollkommen dreckig wegen des vielen Staubs, aber ich war raus. Nach einer kurzen Säuberung konnte ich meinen Weg wie geplant fortsetzen. Auf der 15.Tagesetappe von Tembleque nach Mora hatte ich zwei Wegevarianten ausgearbeitet. Tagesaktuell habe ich mich dann für die Variante entschieden, wo auf halber Strecke eine kleine Ortschaft war, die ich gegen die Mittagszeit erreichen würde. In dieser Ortschaft habe ich eine Bar vermutet und der Kaffeeduft stieg mir beim Start schon in die Nase. In der Nacht hatte es heftig geregnet. Für Schotterpisten und Straßen ist das in der Regel kein Problem. Die schlucken den Regen. Aber an diesem Tag war ich ausgerechnet auf einem richtigen Feldweg unterwegs. Der war abgrundtief schlammig. Nach 2 km habe ich entnervt aufgegeben, weil meine Sachen vollkommen verschlammt waren. Einen Ausweg konnte ich nicht finden, so dass ich die 2 km zurücklaufen musste. Ich hatte ja noch die 2.Variante. Kurze Zeit später hat sich herausgestellt, dass auch die 2.Variante eine „Schlammvariante“ werden würde. Ein Blick auf das Navi hat gezeigt, dass die 2.Variante immer entlang einer Straße bis nach Mora führt. Dann bin ich über ein abgeerntetes Getreidefeld zur Straße gelaufen. Dort habe ich mich in einer Pfütze am Straßenrand grob von den Schlammresten gereinigt. Die Tagesetappe war dann ein Gewaltmarsch über 28 km bei leichtem Regen immer am Straßenrand entlang. In Spanien sind die Seitenstreifen an den Straßen meistens viel breiter als zB in Deutschland. Deshalb konnte ich dort bequem und schnell auf der linken Seite gehen, ohne besonders auf den Verkehr achten zu müssen. Meinen ersten und einzigen Ruhetag habe ich nach 16 anstrengenden Wandertagen eingelegt. Für den Ruhetag hatte ich mir die Stadt Toledo ausgesucht. Die Stadt Toledo war mal einige Jahre der Sitz der spanischen Könige und ist heute noch berühmt wegen seiner Schwertschmiedekunst. Gefühlt 50 Geschäfte habe ich gesehen, die Schwerter aller Zeitepochen verkaufen. Jeder zweite Laden war eine "Schwerter-Laden". Natürlich habe ich mir einen Schwerter-Laden näher angesehen. Dabei habe ich die unterschiedlichen Schwerter (Wikinger-Schwert, Kreuzritter-Schwert, Sarazenen-Schwert, Samurai-Schwert usw) in die Hand genommen und "ausprobiert". Der Ladenbesitzer hat mir zu jedem Schwert interessante Informationen über die Herstellung, die Zeitepoche und die Verwendung geliefert. Überrascht war ich über das Gewicht der Schwerter. Im Fernsehen sieht das immer so leicht aus. Aber alle ausprobierten Schwerten hatten ein unglaubliches Gewicht. Wie man mit diesen Schwertern stundenlang kämpfen konnte, bleibt mir nach diesem Besuch im Schwerter-Laden ein Rätsel. Meinen uneingeschränkten Respekt haben die Schwertkämpfer der unterschiedlichen Zeitepochen nach diesem Besuch im Schwerter-Laden auf jeden Fall. Wandertechnisch sind die spanischen Jakobswege, speziell der Camino de Levante, keine besonders große Herausforderung. Spezielle Umstände (wie Wegeverhältnisse, Wetterunbilden) machen manche Tagesetappen trotzdem zu einem unvergesslichen Abenteuererlebnis. Wetter Im Zeitraum Oktober/November kann man alle Wetterbedingungen antreffen. Darauf muss man sich kleidungsmäßig unbedingt einstellen. Meine Kleiderordnung nach dem Zwiebelprinzip hat sich wieder ausgezeichnet bewährt. Mittlerweile habe ich ein Gespür dafür entwickelt, wann ich Kleidungsschichten aus- und anziehen kann. Oberste Prämisse bei der „Umziehorgie“ auf manchen Tagesetappen war das Ziel nicht zu frieren und nicht zu schwitzen. Das ist eine Gratwanderung. Pullover an, Pullover aus, Regenjacke (=Windjacke) an, Regenjacke aus, Zipperbeine an, Zipperbeine ab. Oft habe ich das auf offener Strecke tun müssen. Die Wechselsachen habe ich deshalb immer außen am Rucksack. Das hat mir einen schnellen Zugriff erlaubt, wenn sich die Witterungsbedingungen plötzlich geändert haben. Auf den Tagesetappen von Arevalo nach Zamora hat es an 4 aufeinanderfolgenden Tagen einen heftigen und stürmischen Gegenwind aus nordwestlicher Richtung gegeben. Das ist ungefähr die Hauptrichtung in der ich mich bewegt habe. Also kam der Wind in der meisten Zeit seitlich von links oder von vorn. Manchmal war der Wind so stark, dass ich mich nur mit weit nach vorn gebeugtem Oberkörper vorwärts bewegen konnte. Weitere Begleiterscheinungen dieser Windtage war ein leicht bewölkter Himmel, Sonnenschein und Temperaturen von 10°C bis 15°C. Unter normalen Bedingungen ist das ideales Wanderwetter. Aber in Kombination mit den stürmischen Winden waren das hammerharte Tagesetappen. Geht es noch schlimmer? Ja, es geht noch schlimmer. Fast in jedem noch so kleinen Ort gibt es eine oder sogar mehrere Bars. Diese Bars sind entlang der Jakobswege auf die Pilger eingestellt und haben tagsüber meistens durchgehend geöffnet. Diese Bars waren einer meiner Anlaufpunkte für die Versorgung mit Lebensmitteln. In diesen Bars läuft ständig ein Fernsehgerät, bei größeren Bars sogar mehrere Fernsehgeräte gleichzeitig. Weil ich die spanische Sprache nicht beherrsche, waren die laufenden Fernsehgeräte für mich weniger interessant. Eine Ausnahme gab es jedoch. Das waren die Wetterberichte. Anhand der bildlichen Darstellung auf den Wetterkarten konnte ich erahnen, was mich langfristig in den nächsten Wochen wettermäßig erwarten sollte. Soweit war alles ok. Ab der 30.Tagesetappe zeichnete sich in Galizien im Nordwesten von Spanien ein gravierender Wetterumschwung ab. Zu diesem Zeitpunkt war ich noch ca. 1 Woche von diesem Gebiet entfernt. Ursache dieser tiefgreifenden Wetteränderung war ein Tiefdruckkeil, der sich von Skandinavien bis nach Südeuropa (Norditalien, Südfrankreich und Nordspanien) vorgeschoben hatte. Dieser spezielle weit nach Süden reichende skandinavische Tiefdruckkeil hat in der Vergangenheit schon für große Unwetter (Überschwemmungen) in den betroffen Gebieten Südeuropas gesorgt. Ich hatte gehofft, dass das eine Woche später schon wieder anders aussieht. Aber da hatte ich mich gewaltig geirrt. Auf der 37.Tagesetappe, von Trabadelo nach Hospital da Condega, führte mich mein Weg über den O Cebreiro, einen Berg, der ca. 1300 Meter hoch ist. Das ist eigentlich kein Problem. Zum Problem wurde diese Tagesetappe, weil der anfängliche starke Regen im Tal in ein heftiges Schneetreiben beim Aufstieg auf den O Cebreiro übergegangen ist. 20 cm Neuschnee, leichte Minusgrade und das kombiniert mit einem so starken Sturm, dass der Schnee waagerecht durch die Gegend gepeitscht wurde. In der Herberge in Trabadelo habe ich eine kleine Wandergruppe, bestehend aus zwei deutschen Wanderern und einer kroatischen Wanderin getroffen. Den Aufstieg auf den O Cebreiro haben wir gemeinsam in Angriff genommen. Bei sich abzeichnenden komplizierten Bedingungen, hervorgerufen durch die Wegstrecke oder Wetterbedingungen, finden sich die Wanderer gern in Gruppen zusammen. Die Gruppendynamik erleichtert bei solchen Bedingungen die Bewältigung komplizierter Wegstrecken. Dieses Phänomen habe ich in der Vergangenheit schon mehrfach beobachten können. Vollkommen durchnässt, frierend und erschöpft haben wir uns zur Herberge im Zielort durchgekämpft. Vor der Herberge mussten wir noch eine Wegstrecke von ca. 50 Metern durch 50 cm hohe Schneewehen bewältigen, die durch den starken Wind und den Schnee entstanden waren. In der Herberge gab es eine Heizung, wo wir unsere Sachen trocknen konnten. Eine heiße Dusche hat dann die Lebensgeister wieder erweckt. Auch am Folgetag, der 38.Tagesetappe, gab es wegen des Schnees große Probleme. Einen Großteil dieser Tagesetappe mussten wir auf der Straße bewältigen, weil der Jakobsweg total zugeweht war. Erst zur Mittagszeit konnten wir wieder auf dem Jakobsweg entlanggehen. Ausrüstung Auf einer Langstreckenwanderung werden alle Ausrüstungsgegenstände automatisch einem Härtetest unterzogen. Das liegt vor allem auch an der Dauer einer Langstreckenwanderung. In einer Nachbetrachtung entscheide ich dann, ob abgenutzte und verbrauchte Ausrüstungsgegenstände durch neue ersetzt werden. Oft ersetze ich Ausrüstungsgegenstände, wo ich mit bestimmten Details nicht zufrieden war, durch vollkommen andere Ausrüstungsgegenstände. Meine ALTRA-Schuhe (576 g) haben auch diesmal den Härtetest auf den Schotterwegen der spanischen Jakobswege mit Bravour bestanden. Nach ca. 1000 km habe ich die abgelaufenen Schuhe durch neue Schuhe ersetzt, die meine Frau an eine bestimmte Adresse auf dem Camino Frances vorausgeschickt hat. Die Schuhe waren schon stark abgelaufen und hätten sicherlich noch die restlichen 200 km bis Santiago de Compostela durchgehalten, aber für den Aufstieg zum O Cebreiro mit ca. 20 cm Neuschnee wollte ich Schuhe mit einem vernünftigen Profil verwenden. Deshalb sind die alten Schuhe mit einem Seufzer und Dankesworten in die Tonne gewandert. Mit „Zero Drop“ (Ferse und Ballen haben den gleichen Abstand zum Boden, d.h. die Schuhe sind dem Barfußgehen nachempfunden) habe ich von Anfang an keine Probleme gehabt. Auch das „schwammige“ Laufverhalten, hervorgerufen durch die weiche Dämpfung, was von manchen Benutzern kritisiert wurde, empfand ich eher als positive Eigenschaft der Schuhe. Außerdem spricht das Gewicht der Schuhe auch eindeutig für den Ultraleicht-Gedanken. Für mich gibt es im Moment keine besseren Schuhe für Langstreckenwanderungen Acht Wochen vor dem Beginn meiner Wandertour habe ich noch meinen neuen Rucksack zpacks Nero (303 g in der Auslieferungsversion) erhalten. Von dem Rucksack habe ich erstmal das Rückenpolster, die Verschnürung für das Rückenpolster und alle anderen Schnüre entfernt, so dass ich auf ein Ausgangsgewicht von 275 g gekommen bin. Das ist nicht schlecht für einen Rucksack. Mit einer Regenhülle (zpacks, Cuben, 44 g), zwei Hüftgurttaschen (zpacks, 42 g), zwei Netztaschen (zpacks, 28 g), einer Schultergurttasche (zpacks, 14 g), einer Trekkingstockhalterung (zpacks, 12 g) und zusätzlichen Schnüren und Lochösen (12 g) habe ich den Rucksack meinen Bedürfnissen angepasst. Das ergab ein Gewicht von 427 g. Warum habe ich den Rucksack so stark „umgerüstet“? Wenn ich einen „normalen“ Wandertag erlebe, will ich meinen Rucksack möglichst nur zweimal öffnen. Das ist am Morgen, wenn ich meinen Rucksack packe. Und das ist am Abend, wenn ich an meinem Tagesziel angekommen bin. Das bedeutet andererseits, dass alle wesentlichen Dinge, die ich tagsüber benötigen könnte, außen am Rucksack verstaut sein müssen. Die zwei Wasserflaschen stecken in den Seitentaschen. Nahrung, die ich tagsüber benötige, steckt in den beiden Netztaschen über den Seitentaschen. Zelt/Tarp, Heringe und Isomatte sind außen quer in einem Cuben-Beutel angebracht. Alle Regensachen sind ebenfalls außen quer über dem anderen Cuben-Beutel in einem separaten Cuben-Beutel verstaut. In der großen Rückentasche des Rucksacks steckt der Rest (Regenhülle für den Rucksack, Wechselsachen (für Wetterumschwung, zB Pullover usw), Wanderführer (wenn vorhanden), Wasserfilter, Notsender, Toilettenpapier). Oben auf dem Rucksack ist das Solarpanel mit einer elastischen Kordel befestigt. Die entfalteten Trekkingstöcke, wenn sie nicht benutzt werden, hängen unter dem linken Arm in einer speziellen Trekkingstockhalterung. Wenn ich meinen Rucksack so packe, muss ich den Rucksack tagsüber äußerst selten öffnen. Wichtige Dinge sind sofort griffbereit. Der Aufbau des Zeltes/Tarps im Regen ist auch kein Problem, weil der Rucksack in der Regenhülle bleiben kann und nicht geöffnet werden muss. Lediglich den Cuben-Beutel mit dem Zelt/Tarp muss ich unter der Regenhülle hervorholen. Im Auslieferungszustand besitzt der zpacks Nero zu wenig Außentaschen. Was ich als noch gravierender empfand, sind die wenigen Befestigungslaschen, wo man zusätzlich etwas anbringen kann (zB Netztaschen). Diese kleinen Laschen habe ich ebenfalls nachgerüstet, damit ich an der Seite über den Seitentaschen meine zwei Netztaschen anbinden konnte. Ich kann nicht verstehen, warum die Hersteller von Rucksäcken solche Laschen, die in ihrer Gesamtheit nur wenige Gramm wiegen, nicht von Anfang an vorsehen. Fehlende Laschen setzen der Erweiterbarkeit von Rucksäcken sehr enge Grenzen. Beim Rucksack zpacks Arc Haul ist das mit den Laschen übrigens vorbildlich gelöst. Dort gibt es viele zusätzliche Laschen, wo etwas angebunden werden kann. Auf Langstreckenwanderungen werde ich daher in Zukunft wieder auf meinen Rucksack zpacks Arc Haul zurückgreifen. Dadurch erhöht sich zwar mein Basisgewicht um ca. 300 g, aber das ist es mir wert. Wie immer plane ich bei meinen Wandertouren die Übernachtungen im Zelt/Tarp. Aber die preiswerten Herbergen an den spanischen Jakobswegen sind einfach zu verlockend. Im Zeitraum Oktober/November sind, außer im Großraum Valencia, schon mal in der Nacht Temperaturen um den Gefrierpunkt anzutreffen. Obwohl mir das vom Jahr 2018, wo ich zum gleichen Zeitpunkt in Spanien unterwegs war, bekannt war, hat mich dass doch wieder überrascht. Meine Ausrüstung ist für solche Temperaturen einfach noch nicht optimal ausgelegt. Da gibt es eindeutig noch Nachholbedarf. Nachdem ich festgestellt habe, dass die Dichte der Herbergen auf dem einsamen Camino de Levante nicht so schlecht ist, habe ich nach dem 8.Wandertag in Albacete mein Zelt mit der Post nach Hause geschickt. Als Notunterkunft habe ich meine Isomatte und meinen Biwaksack behalten. Den Quilt habe ich ebenfalls behalten, weil ich den in manchen Herbergen, wo es keine Decken gab, benutzen musste. Gab es Decken in den Herbergen, was meistens der Fall war, habe ich in einem leichten Hüttenschlafsack (142 g) geschlafen. Dadurch musste ich nicht meinen Quilt aus dem Rucksack auspacken, der wegen dem großen Packmaß immer im Rucksack ganz unten liegt. Die Breite des Hüttenschlafsacks von 80 cm ist für mich als Seitenschläfer (angewinkelte Beine) nicht ausreichend. Deshalb denke ich darüber nach mir einen eigenen Hüttenschlafsack aus Seide zu nähen. Die angestrebte Breite ist 100 cm. Meine nächste Wanderung auf einem Jakobsweg werde ich wieder für den Zeitraum Februar/März oder Oktober/November planen. Für mich ist das einfach ein ideales Zeitfenster. Damit ich in Zukunft bei Übernachtungen im Zelt/Tarp besser auf Temperaturen um den Gefrierpunkt vorbereitet bin, taste ich mich im Augenblick an das Winter-Camping heran. Mein Ziel ist es meine Ausrüstung (Zelt/Tarp, Isomatte, Quilt ua) so zu optimieren, dass ich ohne Komfortverlust im Zelt/Tarp in den genannten Zeiträumen übernachten kann. Meine Regenjacke von zpacks (Vertice Rain Jacket, 196 g) scheint nicht mehr richtig wasserdicht zu sein. Den Verdacht hatte ich schon auf meiner Küstenwanderung an der Ost- und Nordsee im Mai/Juni 2019. Auf dieser Wandertour hat sich dieser Verdacht bestätigt. Am Ruhetag in Toledo habe ich mir deshalb eine billige und leichte Regenjacke aus dem örtlichen Decathlon-Geschäft gekauft. Beide Regenjacken habe ich je nach Wetterlage einzeln getragen oder sogar zusammen. Während ich diesen Bericht schreibe, überlege ich fieberhaft, was ich mit meiner Regenjacke mache. Die Regenjacke ist einer meiner wichtigsten Ausrüstungsgegenstände und muss zu 100% funktionieren. Der erste Versuch war eine Imprägnierung nach Vorschrift, wie sie auf der Internet-Seite von zpacks empfohlen wird. Nach ersten Tests im häuslichen Umfeld war das Ergebnis nicht befriedigend. Offenbar hat die Regenjacke ihren Leistungszenit überschritten. Jetzt überlege ich gerade, ob ich mir nicht selbst eine Regenjacke aus atmungsaktivem Cuben herstelle. Das muss ich aber bald machen, denn in wenigen Wochen beginnt wieder die neue Wandersaison. Meine Ausrüstung ist für die 3 Jahreszeiten Frühjahr, Sommer und Herbst ausgelegt. Für den speziellen Zeitraum Oktober/November habe ich meinen Kleiderbeutel etwas aufgemotzt. Eine dickere Legging (250 g), dickere Socken (zpacks, PossumDown Bushman’s Friend Socks, 71 g) für den Abend, einen Schlauchschal (36 g), eine Fleecemütze (zpacks, Micro-Fleece Hat, 27 g) und dünne Fleecehandschuhe (Liod, Linerhandschuhe, 24 g) habe ich zusätzlich eingepackt. Tatsächlich benutzt habe ich nur die Legging und den Schlauchschal. Die dicken Socken, die Fleecemütze und die Fleecehandschuhe sind im Kleiderbeutel geblieben, trotz Schneetreiben, 20 cm Neuschnee und -2°C auf dem O Cebreiro. Was nützen mir dünne Fleecehandschuhe im Schneetreiben, wenn ich sie nicht vor Nässe schützen kann. Deshalb werde ich auf zukünftigen Wandertouren in diesen Zeiträumen dünne wasserdichte Wegwerfhandschuhe von der Tankstelle als Nässeschutz verwenden. Für ein oder zwei Tage, wo ich Handschuhe verwenden könnte, reicht das vollkommen aus. Meine Stromversorgung für das Handy habe ich ausschließlich über das Solarpanel Sunnybag Leaf+ (402 g mit 10000 mAh-Powerbank) realisiert, obwohl ich nur in Herbergen übernachtet habe. Das war einfach ein gewollter weiterer Test über einen längeren Zeitraum. Diesmal hatte ich viele bedeckte und regnerische Tage, trotzdem hat das Solarpanel mein Handy immer zuverlässig geladen. Von mir erhält das Solarpanel eine ganz klare Empfehlung. Einzig das Gewicht stört mich ein wenig. Es gibt leichtere Selbstbaulösungen, die gewichtsmäßig bereits unter 200 g liegen. Ich war zwar auf markierten Wanderwegen unterwegs, aber es gab auf fast jeder Tagesetappe Situationen, wo ich einfach mein Navigationsgerät, ein iPhone SE mit der Navigations-App Topo GPS, über den weiteren Wegverlauf befragen musste. Mein Handy hat mich bei der Navigation nie in Stich gelassen. Alles hat wunderbar funktioniert. Während der Tagesetappen habe ich das Handy im Flugmodus und mit Offline-Karten betrieben. Eine Ersatz-Navigation hatte ich diesmal nicht dabei. Trotzdem werde ich bei zukünftigen Langstreckenwanderungen darauf achten, dass ich eine Ersatz-Navigation in meinem Rucksack habe. Ich denke dabei an das Garmin GPSmap 66i. Das Gerät erlaubt mir die Navigation und besitzt zusätzlich auch eine Notruf-Funktion. Für den Notfall habe ich schon seit Jahren den Notsender Spot Gen 3 (137 g) in meinem Rucksack. Die SOS-Funktion musste ich noch nie auslösen. Ein schöner Nebeneffekt des Notsenders ist die OK-Funktion. Mit der OK-Funktion habe ich jeden Abend meine Familienangehörige über meine aktuelle Position informiert. Mit GoogleMaps bzw. mit Hilfe einer speziellen App konnten sich die Familienangehörigen über meine genaue Position informieren. Irgendwann habe ich gemerkt, dass die OK-Nachrichten nicht immer korrekt übertragen werden. Anfangs habe ich mir darüber keine Gedanken gemacht. Aber als ich im Internet durch Zufall gelesen habe, dass andere Benutzer des Gerätes von den gleichen Problemen berichteten, bin ich hellhörig geworden. In einem Notfall kann ein nicht korrekt übertragener SOS-Notruf tödlich sein. Deshalb denke ich aktuell über eine Alternative für den Notsender nach. Das Navigationsgerät Garmin GPSmap 66i ist daher in meinen Fokus gerückt. Das Gerät kann ich zur Navigation und für den Notruf verwenden. Das wäre eine Mehrfachnutzung und ganz im Sinne des Ultraleicht-Gedankens. Bei der Übernachtung in Herbergen hat mich ein Detail maßlos gestört. Ich hatte in meinem Rucksack keine Zweitschuhe dabei oder zumindest etwas, was dafür genutzt werden konnte. Die Wanderschuhe mussten in den meisten Herbergen immer am Eingang abgestellt werden. Da ich keine Zweitschuhe dabei hatte, musste ich mich entweder in meinen Wandersocken oder sogar barfuß in den Herbergen bewegen. Das geht ja noch, aber in den Waschräumen und den Toiletten war das äußerst unangenehm. Ich habe mir keine Krankheit an die Füße geholt, aber ich habe mir in solchen Situationen geschworen, dass ich niemals wieder ohne Zweitschuhe oder etwas ähnliches unterwegs sein würde. Als Zweitschuhe habe ich mir deshalb die Sandalen von Xero Shoes (Z-Trail, 306 g) für zukünftige Wandertouren ausgesucht. Mit diesen Sandalen kann ich auch längere Strecken wandern, wenn ich einmal Probleme mit meinen Füßen haben sollte. Die Überquerung von Wasserläufen ist ebenfalls möglich. Meine eigentlichen Wanderschuhe bleiben dann trocken. Und in Herbergen muss ich nicht mehr in Strümpfen oder barfuß herumlaufen. Abends im Camp kann ich dann in die bequemen Sandalen schlüpfen und etwas Luft an die Füße lassen. Einen weiteren kleinen unscheinbaren Ausrüstungsgegenstand will ich auf meinen Wandertouren nicht mehr missen. Das ist ein kleines Handtuch (Pearl, Microfaser, 70 g), womit ich mich immer notdürftig abtrocknen kann. Wer schon einmal im Oktober/November in den heizungslosen ausgekühlten spanischen Herbergen geduscht hat, wird wissen wovon ich rede. Meine Trekkingstöcke (Leki Micro RCM, 348 g) sind lebenswichtig für mich. Ich benutze die Trekkingstöcke sehr intensiv. Auf dieser Wandertour hat nach 10 Tagen einer der Trekkingstöcke den Geist aufgegeben. Was ist passiert? Meine Trekkingstöcke sind aus Gewichtsgründen keine Teleskopstöcke, sondern nur faltbar. Gleich unterhalb des Griffs ragt ein Stift aus dem Trekkingstock, der, wenn er ordnungsgemäß herausspringt, den Trekkingstock spannt. An einem meiner Trekkingstöcke sprang der Stift eben nicht mehr heraus. Offenbar war die Feder nicht mehr stark genug, um den Stift herauszudrücken oder die Feder war sogar gebrochen. Dadurch ist ein Teil des Trekkingstocks bei der Benutzung in den Griff gerutscht, der Trekkingstock hat sich entspannt und ist in sich zusammengefallen und war damit nicht mehr benutzbar. Was tun? Das, was vorher der Stift getan hat, zu verhindern, dass ein Teil des Trekkingstocks im Griff verschwindet, musste ich nun irgendwie auf andere Weise bewerkstelligen. In meiner Not habe ich die Stelle direkt unter dem Griff mit einigen Lagen Panzerband umwickelt. Was soll ich sagen, das Panzerband hat allein durch seine Klebekraft verhindert, dass der obere Teil des Trekkingstocks in den Griff rutscht. Ich benutze meine Trekkingstöcke nicht wie Spazierstöcke, wie ich das bei vielen anderen Wanderern beobachten konnte, sondern ramme sie bei jedem Schritt leicht nach hinten versetzt in den Boden. An der mit Panzerband „behandelten“ Stelle müssen dann enorme Kräfte wirken. Trotzdem hat der „notreparierte“ Trekkingstock bis zum Ende der Wandertour durchgehalten. Nur einmal habe ich den „Panzerband-Notverband“ erneuert. Einen kleinen Vorrat an Panzerband habe ich immer in meinem Rucksack. Nur diesmal habe ich keine komplette Rolle mitgenommen. Aus Gewichtsgründen habe ich etwa 1 Meter von der Rolle abgewickelt und wieder auf einen dafür geeigneten Gegenstand aufgewickelt. So konnte ich das Gewicht von ursprünglich 100 g auf 30 g drücken. Durch die zweimalige Reparatur des defekten Trekkingstocks mit dem Panzerband war nicht mehr viel von dem Panzerband übrig. Dann habe ich noch einem anderen Wanderer bei der Reparatur seines Ponchos ausgeholfen. So ist mein Vorrat langsam dahingeschmolzen. In dieser Situation habe ich mir geschworen in Zukunft immer eine komplette Rolle Panzerband einzupacken. Das sind ca. 70 g mehr an Gewicht, aber man kann nie wissen, wie dumm einige „Sachen“ laufen können. Meine Ausrüstung hat sich im Wesentlichen bewährt. Bis auf wenige Ausnahmen, wo ich aus Gewichtsgründen (zB zpacks Nero statt zpacks Arc Haul, keine Zweitschuhe, Panzerband reduziert) unüberlegte Einsparungen vorgenommen habe, bin ich sehr zufrieden. Trotzdem suche ich weiter nach Einsparpotential. Bei der Gramm-Suche muss ich aber darauf achten, dass der Komfort nicht zu sehr leidet und das „unvorhergesehene Dinge“ (zB Notreparaturen) auch noch zufriedenstellend gelöst werden können. Übernachtungen Ich habe ausschließlich in Herbergen übernachtet. Geplant war, dass ich im Zelt/Tarp übernachten würde. Aber die spanischen Herbergen sind, bis auf wenige Ausnahmen, unschlagbar preisgünstig, so dass ich meine Planungen über den Haufen geworfen habe. Das ist mir jetzt schon zweimal passiert. Aber im Zeitraum Oktober/November, bei Regen und Temperaturen um den Gefrierpunkt, ist das eben nicht so leicht im Zelt zu schlafen. Die Herbergen auf dem Camino de Levante von Valencia nach Zamora und auf dem Via de la Plata von Zamora nach Astorga sind generell geschlossen und nicht mit Personal besetzt. Einzige Ausnahme ist die sehr schöne Herberge in Zamora. Bei der Suche nach den Herbergen habe ich ungemein von der guten Vorbereitung meiner Wandertour profitieren können. Meine Tagesetappen habe ich immer an einer Herberge beginnen und enden lassen. Trotzdem war die Herbergssuche manchmal ungemein schwierig. Auch der 9 Jahre alte Wanderführer war da selten hilfreich. Meistens habe ich nach den öffentlichen (=Municipal) Herbergen gesucht. Wenn ich die Herbergen dann endlich gefunden hatte, was manchmal bis zu 2 Stunden gedauert hat, stand ich vor dem nächsten Problem. Wie komme ich an den Schlüssel für die Herberge? Für den Schlüssel gibt es mehrere Anlaufpunkte. Das sind, je nach Größe des Ortes, -Touristeninformationen (vor allem in größeren Städten) -Polizeistationen -Verwaltungsämter (Bürgermeisterämter) -Bars (vor allem in kleinen Orten) -kirchliche Einrichtungen (vor allem für kirchliche Herbergen) Wenn man Glück hat, steht an der Tür eine Telefonnummer, mit der man Kontakt aufnehmen kann. Für die telefonische Kontaktaufnahme hatte ich mir einige Sätze in Spanisch zurechtgelegt, so dass ich mein Anliegen einigermaßen verständlich vortragen konnte. An Wochenenden sind auch in Spanien die Verwaltungsämter spärlich oder überhaupt nicht besetzt. Das hat die Schlüsselbeschaffung manchmal sehr schwierig gemacht. Deshalb war es für mich wichtig, dass ich meine Tagesetappen, auch wenn sie lang waren, möglichst zeitig beenden konnte. So hatte ich einen genügend großen zeitlichen Spielraum für die Herbergs- und Schlüsselsuche. Und diesen Spielraum habe ich öfters benötigt, als mir lieb war. Das Extrembeispiel für eine sehr komplizierte und zeitaufwändige Herbergs- und Schlüsselsuche war die Tagesetappe von Torrijos nach Escalona (siehe Unterpunkt Menschen). Ohne die Hilfe von zwei Frauen hätte ich erstmals in der freien Natur im Biwak übernachten müssen. Manche Orte (zB Tembleque) haben keine öffentlichen und privaten Herbergen. Dann muss man auf Hotels (Hostals) ausweichen. Mit Hotels habe ich sehr gute (=preiswert und sauber), aber auch sehr schlechte (=überteuert und dreckig) Erfahrungen gemacht. Als Extrembeispiel im negativen Sinn mag hier der zuvor genannte Ort Tembleque dienen. Dort gibt es keine privaten und öffentlichen Herbergen. Also bin ich auf ein Hotel ausgewichen. Ich will hier niemand zu nahe treten, aber wegen des arabischen Hotelnamens hätte ich vorgewarnt sein müssen. 40 Euro für ein dreckiges Zimmer, das war die blanke Abzocke. Aber bei strömenden Regen hatte ich kaum eine andere Alternative. Das wusste der arabische Hotelbesitzer. In manchen Orten habe ich für weniger als den halben Preis (also unter 20 Euro) ein bestens ausgestattetes Zimmer erhalten. Auf den letzten 9 Tagesetappen war ich auf dem Camino Frances unterwegs. Dort ist die Herbergssuche kein Problem. Das Herbergsnetz ist unglaublich dicht. Auch zu dieser Jahreszeit sind die meisten Herbergen noch geöffnet. Fast alle Herbergen sind mit Personal besetzt. Je näher man Santiago de Compostela kommt, desto größer werden die Herbergen. Teilweise haben sie gewaltige Ausmaße, was die Bettenzahl (mehr als 100 ist keine Seltenheit) angeht. Das Problem in solch riesigen privaten und öffentlichen Herbergen ist der Schlafkomfort. Bis spät in die Nacht herrscht in solchen Herbergen eine rege Betriebsamkeit. Ich wollte spätestens ab 20 Uhr schlafen, oft sogar früher, aber das war nur mit Ohrenstöpseln möglich. Dafür habe ich mir bei einem bekannten Hörgeräte-Spezialisten passgerechte Ohrenstöpsel anfertigen lassen. Die Kosten (ca. 100 Euro!!!) für diese Ohrenstöpsel haben sich auf alle Fälle als eine sehr lohnenswerte Investition erwiesen. Ohne Ohrenstöpsel hätte ich in solch riesigen Herbergen nicht ausreichend und erholsam schlafen können. Viele Herbergen haben Decken, so dass ich in diesen Herbergen in meinem Hüttenschlafsack, darüber eine Decke, gut schlafen konnte. In den großen Herbergen auf dem Camino Frances gab es, bis auf wenige Ausnahmen, keine Decken. Dann habe ich in meinem Kunstfaser-Quilt geschlafen. Das war kein Problem. Mein Quilt ist der Ausrüstungsgegenstand mit dem größten Packmaß (=Volumen). Deshalb ist der Quilt in meinem Rucksack immer ganz unten verstaut. Wenn ich meinen Quilt in den Herbergen benutzen wollte, musste ich immer meinen ganzen Rucksack auspacken. Das ist immer noch kein Problem. Zum Problem wurde es erst, wenn ich als Frühaufsteher morgens so gegen 6 Uhr aufgestanden bin. Dann schliefen alle anderen Wanderer noch. Wenn ich dann meinen Rucksack (aus „knisterndem DCF“ (=Dyneema Cuben Fabric)) packen wollte, den Quilt unten, dann der Rest in „knisternden DCF-Beuteln“ darüber, habe ich mir manche böse Bemerkung, wegen Schlafstörung usw, anhören müssen. Diese Bemerkungen versteht man wegen des oft barschen Tonfalls auch ohne Übersetzung in allen Fremdsprachen. Später bin ich dazu übergegangen am Abend meinen Rucksack „provisorisch“ zu packen, außer dem Quilt, die Wandersachen und das Waschzeug. Am Morgen habe ich dann meinen Rucksack, den Quilt, die Wandersachen und das Waschzeug genommen und habe leise den Schlafsaal verlassen. Außerhalb des Schlafsaals habe ich dann meinen Rucksack vollkommen neu gepackt, den Quilt wieder unten, alle anderen Ausrüstungsgegenstände darüber. Ganz oben sind dann die Ausrüstungsgegenstände, auf die ich tagsüber schnell Zugriff haben wollte. Diese ganze Prozedur des „provisorischen Packens“ des Rucksacks am Abend und das wiederholte „genaue“ Packen des Rucksacks am Morgen hat mich immer maßlos genervt. Im Moment habe ich noch keine Lösung, wie ich das anders machen könnte. Ideal wäre es, wenn ich am Abend meinen Rucksack schon packen könnte, bis auf die noch am Morgen benötigten Sachen. Am Morgen verstaue ich dann den Rest. Meinen Quilt müsste ich dann irgendwo unterbringen, wo er mich tagsüber nicht stört. Dieses „Packproblem“ gilt es noch zu lösen. Eine Idee habe ich bereits... Versorgung Auf den spanischen Jakobswegen, auch auf den weniger bekannten Jakobswegen, wie dem Camino de Levante, stellt die Versorgung mit Nahrungsmitteln kein Problem dar. Jeden Tag bin ich durch Ortschaften gekommen, wo es Einkaufsmöglichkeiten gab. Lediglich auf die Öffnungszeiten (Siesta) muss man achten. Zusätzlich sind in fast allen Ortschaften die sogenannten „Bars“ zu finden. Die sind auf die Wanderer eingestellt und haben auch zu ungewöhnlichen Zeiten (Siesta) geöffnet. Dort kann man kleinere Gerichte kaufen. Bei den kleineren Gerichten habe ich mich persönlich immer schwer getan zu erkennen, welche Lebensmittel in den Gerichten enthalten sind. Nur, wenn ich den Inhalt einigermaßen identifizieren konnte, habe ich solche Gerichte bestellt. Der spanische Kaffee (cafe con leche) dagegen schmeckt unvergleichlich gut. Cola, mein Dopingmittel, gibt es zu dieser Jahreszeit auch mit Eiswürfeln. Und nebenbei bemerkt, das spanische Bier kann man nach einem harten Wandertag mit Genuss trinken. Und über den spanischen Rotwein muss ich sicherlich nicht viele Worte verlieren. Ich habe immer drauf geachtet, dass ich etwas Obst (Äpfel und Bananen), Nüsse und andere Snacks im Rucksack hatte. Mehr habe ich tagsüber nie benötigt. Etwas anders sieht das mit der Wasserversorgung aus. Öffentliche Trinkwasser-Entnahmestellen habe ich so gut wie nicht vorgefunden. Deshalb ist es wichtig sich vorab zu informieren, wo die aktuelle Tagesetappe entlang führt. Wenn ich in Ortschaften gekommen bin, dann sind da entweder Bars, wo ich mich mit Wasser versorgen kann oder ich frage mal einen Einwohner der gerade vor seinem Haus steht. Die Spanier sind freundlich und helfen sehr gern. Habe ich Leitungswasser getrunken? Ja, das habe ich. Probleme hatte ich nie, obwohl es manchmal stark nach Chlor geschmeckt hat. Was mich nicht umbringt, macht mich härter. Das war meine Devise. Verletzungen Auf meinen letzten Langstreckenwanderungen hatte ich immer mal wieder Probleme mit einer Sehnenentzündung am linken Fuß. Im Oktober/November 2018 war ich auf dem 2.Teil des Jakobsweges Via de la Plata (von Salamanca bis Santiago de Compostela) unterwegs. 7 Tage nach dem Start in Salamanca hatte mich eine handfeste Sehnenentzündung erwischt, die sich schon einige Tage vorher angekündigt hat. Damals habe ich die ersten Anzeichen ignoriert und ich konnte die vorhandenen Anzeichen auch nicht richtig deuten. Dann war es zu spät und ich wollte die Wandertour beenden. Durch die Hilfe einer Pilgerin musste ich die Wandertour nicht abbrechen und ich konnte den Jakobsweg erfolgreich in Santiago de Compostela beenden. Auf meiner Küstenwanderung an der Ost- und Nordsee im Mai/Juni 2019 hat sich nach 10 Tagen wieder eine Sehnenentzündung angebahnt. Diesmal habe ich die Vorzeichen richtig gedeutet und ich konnte erfolgreich gegensteuern. Eingedenk dieser Erfahrungen habe ich mich diesmal noch intensiver auf die Wandertour vorbereitet. Ich bin topfit an den Start gegangen. Mit einer Sehnenentzündung hatte ich auf dieser Wandertour diesmal keine Probleme. Aber ein anderes Problem hat mir große Sorgen bereitet. Im Februar 2019 habe ich mich am Innenmeniskus des rechten Knies (Anriss) erfolgreich operieren lassen. Schon auf meiner Küstenwanderung im Mai/Juni 2019 hatte ich auf jeder Tagesetappe Probleme mit meinem rechten Knie. Mehr als einmal habe ich mich mit dem Gedanken beschäftigt die Wandertour abzubrechen. In Deutschland ist das ja kein Problem. Ab in den Zug und es geht heimwärts. Irgendwie habe ich die Wandertour dann doch beendet. Vor dem Start dieser Wandertour habe ich lange überlegt, ob es Sinn macht mit solchen Beschwerden nach Spanien zu fliegen und die Wandertour zu starten. Wochenlang habe ich im Sommer darüber nachgedacht. Auf Tageswanderungen in meiner Wohngegend habe ich mein Knie getestet und argwöhnisch beobachtet. Dann habe ich das Flugticket nach Valencia und die erste Übernachtung in der Jugendherberge in Valencia gebucht. Jetzt gab es kein zurück mehr. Schon auf den ersten Tagesetappen hatte ich Probleme mit meinem rechten Knie. Ich hatte vorsorglich Schmerztabletten dabei, aber ich wollte möglichst keine Tabletten nehmen. Immer dann, wenn es nicht mehr auszuhalten war, habe ich mein Knie mit Voltaren eingerieben. Auch in der Nacht hatte ich als Seitenschläfer manchmal große Probleme, wenn die Knie übereinander lagen. Notgedrungen musste ich daher oft in der Rückenlage schlafen. Wie sollte das enden? Mit einem Abbruch? Aber ich konnte überrascht feststellen, dass es nicht von Tag zu Tag schlimmer wurde. Nach ca. 6 Tagen habe ich sogar eine leichte Besserung verspürt. Bis zum Ruhetag, nach dem 16.Wandertag, wurde es jeden Tag besser, so dass ich manchen Tag beschwerdefrei genießen konnte. Nach dem Ruhetag hatte ich wieder leichte Probleme mit dem Knie, aber nicht so, wie zum Start meiner Wandertour. Nach einigen weiteren Wandertagen wurde es immer besser und ich konnte die restlichen Wandertage, ca. 20 Stück, ohne Probleme hinter mich bringen. Auch gedanklich haben mich meine Knieprobleme in den ersten Tagen stark beschäftigt. Ständig habe ich in meinen Körper hineingehört, um frühzeitig aufkommende größere Probleme zu erkennen. Bei größeren Problemen hätte ich evtl. einen weiteren Ruhetag einlegen müssen. Auch ein Abbruch stand am Anfang meiner Wandertour im Raum. Warum sich meine Knieprobleme in Wohlgefallen aufgelöst haben, kann ich medizinisch nicht erklären. Dafür fehlt mir das Fachwissen. Bei nächster Gelegenheit werde ich aber einen Arzt befragen, der über das entsprechende Fachwissen verfügt. Im Augenblick bin ich vollkommen beschwerdefrei. Sehr seltsam die ganze Angelegenheit. Sprache Vor meiner Wandertour habe ich mir überlegt, ob es sinnvoll wäre, einen Grundkurs in Spanisch zu besuchen. Hintergedanke war, dass mein Wanderprojekt SJW Spanische Jakobswege noch einige Wandertouren bereit hält, die es gilt zu bewältigen. Insofern wäre es nützlich, wenn ich die Sprache besser verstehen und auch sprechen könnte. Aber dann war ich doch zu bequem dazu. Das Ergebnis meiner Bequemlichkeit (=Faulheit!) war der Umstand, dass ich immer große Schwierigkeiten hatte mich verständlich zu machen. Mit Händen und Füßen, mit Übersetzungs-App und manchmal auch mit der Hilfe von anderen Leuten ging es dann doch irgendwie. Wenige Spanier sprechen Englisch, die älteren Spanier so gut wie nicht. Deshalb habe ich mir etwa 20 Sätze (Wortfetzen?) in Spanisch eingeprägt, die mir das „Überleben“ (Wegfindung, Herbergssuche, Essenbeschaffung) gesichert haben. Wenn ich mich mit spanischen Menschen länger unterhalten wollte, die kein Englisch konnten, musste ich das über meine Übersetzungs-App machen. Das war sehr langwierig und mühselig. Jetzt bin ich wieder am Überlegen, ob ich nicht doch einen Grundkurs in Spanisch besuchen sollte. Zusätzlich denke ich über eine App nach, mit der ich Spanisch lernen kann. Auch mein Englisch will ich verbessern. Das will ich aber über eine App machen, während ich auf einer meiner nächsten Langstreckenwanderungen unterwegs bin. Menschen Den Jakobsweg Camino de Levante habe ich mir ausgesucht, weil da im Jahr nur ca. 200-300 Pilger unterwegs sind. Dieser Jakobsweg ist bei weitem nicht so stark frequentiert, wie zB der Jakobsweg Camino Frances, wo im Jahr ca. 200000 Pilger in Santiago de Compostela ankommen. Dass ich tagsüber in den 28 Tagen, die ich von Valencia bis nach Zamora für den Jakobsweg Camino de Levante gebraucht habe, überhaupt keinen einzigen Menschen antreffen würde, das hatte ich nicht erwartet. Auch auf dem Teil des Jakobsweges Via de la Plata von Zamora nach Astorga, für den ich 5 Tage brauchte, habe ich keinen einzigen Menschen während der Wanderung angetroffen. Ich war also insgesamt 33 Tage hintereinander vollkommen allein bei meinen Tagesetappen. Bis auf die Menschen in den Bars/Gaststätten, in den Geschäften und in den Herbergen, hatte ich mit niemand Kontakt. Eine kanadische Wanderfreundin, die ich im Oktober/November 2018 in Zamora in der Pilgerherberge kennengelernt habe, schrieb mir über Facebook, dass ich mich in Astorga (dort trifft der Jakobsweg Via de la Plata auf den Jakobsweg Camino Frances) auf einen Schock vorbereiten sollte. Ich konnte mir das nicht so richtig vorstellen, weil ich in den vorangegangenen 33 Tagen auf der Strecke und teilweise auch in den Herbergen vollkommen allein war. Aber sie sollte recht behalten. Die Pilgerherberge in Astorga, eine schöne und große Herberge, war fast vollkommen ausgebucht. Menschen aus vielen Ländern haben dort übernachtet. Welche Begegnungen mit Menschen sind mir in besonderer Erinnerung geblieben? Am Ende der 3.Tagesetappe habe ich in der Herberge in Moixent ein fr. Ehepaar getroffen, die ebenfalls auf dem Camino de Levante unterwegs waren. Wir konnten uns sehr gut in Englisch unterhalten. Auch am Abend der 4.Tagesetappe in der Herberge in La Font de la Figurera habe ich das fr.Ehepaar nochmal angetroffen. Dann haben sich unsere Wege getrennt, weil sie wesentlich langsamer und gemütlicher gewandert sind. In der Herberge in Almansa, die schwer zu finden war, habe ich einen Italiener (Buchautor Adriano Gasperi, Buch: Schritte in Camino) getroffen. Der Italiener war auf dem Jakobsweg Ruta de la Lana unterwegs. Im Gebiet von Almansa sind die Wege der beiden Jakobswege identisch. Im Ort San Clemente, nach der 10.Tagesetappe, war ich wieder mal auf der Herbergssuche. Nach einem vergeblichen 1.Versuch habe ich zwei junge Frauen im Außenbereich eines Cafés angesprochen, die dort gemütlich ihren Kaffee getrunken haben. Es stellte sich heraus, dass eine diese Frauen als Englisch-Lehrerin in dem Ort arbeitet. So konnte sie mir bei der Suche nach der Herberge und bei den Anmeldeformalitäten in der örtlichen Touristeninformation behilflich sein. Anschließend habe ich die beiden jungen Frauen zu einem Kaffee eingeladen, wo wir uns noch lange sehr nett unterhalten haben. Am 19.Wandertag, nach einer relativ kurzen Tagesetappe, war ich schon gegen 14 Uhr an meinem geplanten Zielort Escalona angekommen. Die Herbergssuche war sehr schwierig. Die Guardia Civil, die ich durch Zufall auf der Straße getroffen habe, konnte oder wollte mir nicht helfen. Nach ca. 2 Stunden hatte ich endlich die Herberge gefunden, die natürlich verschlossen war. Der Schlüssel für die Herbergen ist in solchen Fällen bei den örtlichen Behörden (Polizei, Bürgermeisteramt, Touristeninformation) abzuholen. Es war aber Sonntag und alle Behörden, speziell in den kleineren Orten, hatten geschlossen bzw. waren nicht besetzt. In meiner Not habe ich mich schon damit abgefunden, dass ich außerhalb des Ortes an einer passenden Stelle biwakieren musste. Dann habe ich eine junge Frau, ca. 35 Jahre, mit ihrer Mutter angesprochen. Beide konnten kein Englisch und ich musste mein Anliegen, die „Schlüsselsuche“ für die Herberge, über eine Übersetzungs-App (Google) vortragen. Das war kompliziert und mühsam. Als sie mein Problem verstanden hatten, haben sie ca. eine halbe Stunde telefoniert. Sie meinten nur lachend, dass hier jeder jeden kennt. Der Schlüssel für die Herberge war aber nicht aufzutreiben. Nach einer endlos erscheinenden Zeit hatten sie aber eine Frau ausfindig gemacht, die Zimmer vermietet. Die Frau wollte uns in einem Kaffe treffen, wohin ich die beiden Frauen wegen ihrer Hilfe eingeladen hatte. In diesem Zusammenhang hat die Übersetzungs-App für den Besitzer des Schlüssels den Begriff „Lord of the key“ ausgespuckt. Im Café haben wir uns dann noch angeregt unterhalten und uns köstlich über den Begriff „Lord of the key“ amüsiert, in Anlehnung an den Film „Herr der Ringe (Lord of the rings)“. Dann stand plötzlich die Vermieterin des Zimmers an unserem Tisch. An diesem Abend bin ich zufrieden und erschöpft in einem gemütlichen und sauberen Bett eingeschlafen. Im Ort Gotarrendura habe ich nach der 23.Tagesetappe in einer sehr schönen Herberge übernachtet. Am Abend bin ich in die einzige Bar des kleinen Ortes gegangen. Dort bin ich wegen der fehlenden Gäste um diese Tageszeit (so gegen 18 Uhr) mit der Bedienung, einer jungen Kolumbianerin, ins Gespräch gekommen. Sie hat mir ihre Lebensgeschichte erzählt und wie sie nach Spanien gekommen ist. Das war sehr interessant und hat mich wegen ihres Lebensweges sehr nachdenklich gestimmt. Die gesamte Unterhaltung (ca. 2 Stunden) habe ich mit der Übersetzungs-App (Google) bestritten, was unglaublich mühselig war. Auf der 34.Tagesetappe von Astorga nach Foncebadon habe ich sie erstmalig auf einer Tagesetappe erlebt, die Asiaten (hauptsächlich Südkoreaner und Taiwanesen), die die spanischen Jakobswege, speziell den Camino Frances, regelrecht überfluten. Mit weit nach vorn gebeugtem Oberkörper, leichtem Gepäck (,worüber ich mich anfangs gewundert habe) und unglaublich hoher Schrittfrequenz rasen sie in kleinen Gruppen förmlich über die Jakobswege. Angestachelt durch dieses hohe Tempo, habe ich versucht mit den Asiaten mitzuhalten. Eine Stunde ist mir das sehr gut gelungen, auch weil ich wegen meiner Körpergröße eine nicht so hohe Schrittfrequenz gehen musste. Als sie gemerkt haben, dass sie mich nicht abschütteln konnten, haben sie nochmals das Tempo erhöht, wobei sie sich ständig umgesehen haben, ob ich noch an ihren Fersen in einem Abstand von ca. 50 Metern klebe. Dann habe ich die Asiaten ziehen lassen, auch weil ich diesen sportlichen Wettkampf, das war es offenbar für die Asiaten, nicht weiterführen wollte. Später habe ich dann mitbekommen, dass diese asiatischen Wandergruppen Begleitfahrzeuge dabei haben, die das „große“ Gepäck von Unterkunft zu Unterkunft bringen. Mit „kleinem“ Gepäck toben sie sich dann auf den Jakobswegen aus. Ein Kerl, wie ein Baum, Erik aus Schweden. So stelle ich mir einen Wikinger vor, riesengroß und blond. Ihn habe ich mehrmals in den Herbergen auf dem Camino Frances angetroffen, wo ich die letzten 9 Tage unterwegs war. Erik ist ein Weltenbummler, der 4 Fremdsprachen beherrscht (Englisch, Französisch, Spanisch und Deutsch). Mit ihm konnte man sich sehr gut über die Dinge des Lebens unterhalten. Ab Sarria (Camino Frances), das sind ca. 100 km vor Santiago de Compostela, habe ich auf den letzten Tagesetappen mehrmals einen jungen Amerikaner getroffen. Er hat sich immer, wenn wir uns über den Weg gelaufen sind, an meine Fersen geheftet und hat sich nicht abschütteln lassen, egal wie schnell ich gewandert bin. Offenbar hat er sich durch mein Tempo angestachelt gefühlt. Jeden Tag sind wir bei Pausen ins Gespräch gekommen und haben uns ausgiebig unterhalten. Er hatte gerade sein Studium beendet und wollte die Zeit vor dem Arbeitsbeginn bei einer Bank in Kalifornien etwas in der Welt herumreisen. Tiere Gefühlt besitzt jeder Spanier einen Hund. In den Ortschaften, die ich während meiner Wandertour durchquert habe, hörte man fast auf jedem Grundstück einen oder sogar mehrere Hunde bellen, wenn jemand vorbeigegangen ist. Ich habe selten ein alleinstehendes Gehöft angetroffen, wo es nicht einen oder sogar mehrere Hunde gegeben hat. Wenn es da einen Zaun gibt, der keine Löcher enthält, ist das kein Problem. Einmal habe ich allerdings eine böse Überraschung erlebt. Schon von einiger Entfernung habe ich bemerkt, dass es in einem alleinstehenden Gehöft mehrere Hunde geben musste. Das konnte ich an den unterschiedlichen Tonlagen des Bellens erkennen. Da war einmal die dunkle Tonlage eines großen Hundes. Das sind meistens die „gutmütigen“ Hunde. Dann war da noch das schrille Kläffen der kleinen „Gernegroß“-Hunde zu hören. Die mittlere Tonlage ordne ich den mittelgroßen Hunden zu. Das sind in der Regel die angriffslustigen und gefährlichsten Hunde. Alle drei Tonlagen habe ich in diesem Gehöft gehört, also mussten dort mehrere Hunde sein. Da das Gehöft eingezäunt war, habe ich mir keine weiteren Gedanken gemacht. Als ich in Höhe des Grundstücks angekommen war, standen plötzlich 5 bellende Hunde vor mir auf dem Weg. Erschrocken habe ich mich umgesehen, ob irgendwo auf dem Grundstück eine Person zu sehen war, die die Hunde zurückrufen könnte. Aber da war niemand. Der große Hund, ein Schäferhund, hat mich kurz gemustert und ist dann wieder auf dem Grundstück verschwunden. Die 3 kleinen Kläffer (Mischlinge) haben auch sehr schnell den Rückwärtsgang eingelegt, als ich mehrere Schritte mit nach vorne gerichteten Trekkingstöcken auf die Hunde zugegangen bin. Hunde erkennen instinktiv, dass die nach vorne gerichteten Trekkingstöcke mit den Stahlspitzen eine Gefahr darstellen. Der mittlere Hund, ebenfalls ein Mischling, hat sich nicht vertreiben lassen. Mit gesenktem Kopf knurrte er mich an und blieb mitten auf dem Weg stehen. Kurz habe ich jetzt überlegt, was ich machen könnte. Neben dem Weg war ein frisch gepflügtes Feld. In der Nacht hatte es geregnet und dementsprechend tief und schlammig war der Boden. Wenn ich dem Hund weiträumig auf dem Feld ausweichen würde, müsste ich meine Schuhe und Hose anschließend reinigen. Darauf hatte ich aber keine Lust. Mir blieb also nur der Vorwärtsgang übrig. Auf das schlammige Feld wollte ich nicht ausweichen. „Vorwärts immer, rückwärts nimmer“, woher kenne ich diesen Spruch nur? Mit nach vorne gerichteten Trekkingstöcken bin ich auf den letzten verbliebenen Hund zugegangen. Als ich 2 Meter vor dem Hund angekommen war, ist der Hund knurrend zur Seite ausgewichen, aber nicht auf das Gehöft zurückgegangen. Als ich an dem Hund vorbei war, hat er mich in einem Abstand von ca. 5 Metern knurrend weiter verfolgt. Ich musste jederzeit mit einem Angriff rechnen. Rückwärts gehend habe ich den Hund mit meinen Trekkingstöcken auf Abstand gehalten. So ging das noch ca. 100 Meter weiter. Erst als ich den Bereich des Gehöfts verlassen hatte, blieb der Hund stehen und hat mich nicht weiter verfolgt. Mir war in dieser Situation an diesem Tag nicht nach Spaß zumute, aber das nenne ich trotzdem mal einen guten Wachhund. Später, in bergigem Gelände, hatte ich nochmals eine Begegnung mit freilaufenden Hunden. Gerade bin ich um einen großen Felsblock herumgegangen, als in ca. 100 Meter Entfernung 2 große Hunde meinen Weg kreuzten. Ich war mir nicht sicher, ob sie mich bemerkt hatten. Schnell habe ich mich hinter dem Felsblock versteckt. An Wochenenden sind in Spanien viele Jäger mit ihren Hunden unterwegs. Die Jagdhunde entfernen sich nie weit von ihren Herren und hören aufs Wort. Wenn ein Jäger einen Wanderer ausmacht, der evtl. den Weg seiner vorauslaufenden Hunde kreuzen könnte, rufen die Jäger sofort ihre Hunde zu sich. Mit Jägern und ihren Hunden hatte ich nie Probleme. Stutzig hat mich gemacht, dass es kein Wochenende war. Wer weiß, vielleicht sind einige Jäger auch unter der Woche aktiv. Meine Vermutung war, dass in wenigen Augenblicken der Herr der Hunde erscheinen würde. Aber da kam niemand. Auch nicht nach 5 Minuten Wartezeit. Langsam dämmerte mir, dass das herrenlose wilde Hunde sein mussten, die auf Beutesuche waren. Eine größere Gefahr konnte ich mir nicht vorstellen, als auf freilaufende wilde Hunde zu stoßen. Und das gleich in doppelter Ausführung. Fieberhaft habe ich überlegt, was ich machen könnte, wenn mich die Hunde bemerken würden. Nach 10 Minuten habe ich meine Wanderung fortgesetzt, immer den Blick auf den Wegesrand gerichtet, bereit für eine Überraschung. Zum Glück gab es in dieser bergigen Gegend viele kleine und große Felsbrocken. Mit dem linken Auge habe ich den Wegesrand beobachtet, mit dem rechten Auge habe ich immer nach einer Fluchtmöglichkeit auf einen Felsbrocken gesucht. Die nächsten Kilometer habe ich mich so vorwärts bewegt, immer gefasst auf die 2 Hunden zu stoßen. Meine Augen müssen in dieser Situation nicht weit von meinen Ohren entfernt gewesen sein. Ich glaube mich zu erinnern, dass das auch Schielen genannt wird. Nach mehreren Kilometern haben meine Sinne vom Alarm- und Fluchtmodus wieder in den Normalmodus zurückgeschaltet. Trotzdem war ich den restlichen Tag sehr aufmerksam unterwegs. Pilgerausweis Auch diesmal habe ich mir den Pilgerausweis lange vor Antritt der Wandertour bestellt. Was ich nicht bedacht hatte ist der Umstand, dass der Platz für die Stempel nicht ausreichen könnte. Nach ca. 30 Tagen (von insgesamt 42 Tagen) habe ich mit Schrecken festgestellt, dass der Platz im Pilgerausweis knapp wird. Gerne hätte ich mir in den letzten 12 Tagen meiner Wandertour an jedem Tag mehrere Stempel abgeholt. Durch den Platzmangel konnte ich mir deshalb in den letzen Tagen immer nur einen Stempel leisten. Meistens habe ich die Stempel dann selber in den Pilgerausweis gesetzt. Dadurch konnte ich die verschwenderische Nutzung des Platzes durch die Herbergsbetreuer etwas eindämmen. Für meine nächste Wandertour auf einem Jakobsweg werde ich mir neben dem Original-Pilgerausweis gleich noch eine Zusatzeinlage für den Pilgerausweis bestellen oder selbst anfertigen und in den Pilgerausweis einkleben. Abreise Im Jahr 2018 konnte ich bei meinen Wandertouren im Februar/März und Oktober/November auf dem Jakobsweg Via de la Plata noch per Direktflug von Madrid oder Santiago de Compostela nach Deutschland fliegen. In diesem Jahr war das nicht mehr möglich. Ca. 5 Tage vor dem Ende meiner Wandertour wollte ich wieder einen Direktflug buchen. Das ist trotz intensiver Bemühungen seitens meiner Tochter Romy nicht gelungen. Wir habe keinen Anbieter für Direktflüge von Santiago de Compostela in eine beliebige Stadt von Deutschland gefunden. Deshalb musste ich mit einem Zwischenstopp über Madrid nach Berlin-Tempelhof fliegen. Die Zeit für den Zwischenstopp in Madrid war ausreichend, so dass ich bequem den Anschlussflug erreichen konnte. Der Flug nach Berlin-Tempelhof war zwar pünktlich, aber ich hatte trotzdem wenig Zeit um den ICE von Berlin nach Halle/Saale zu erreichen. In Halle hat mich dann meine Frau mit dem Auto vom Bahnhof abgeholt. Trotz der manchmal knappen Umstiegszeiten verlief alles (2 Flüge, 1 Bahnfahrt mit dem ICE) relativ pünktlich. Eine weniger schöne Angelegenheit gibt es aber noch zu berichten. Auf dem Flughafen in Santiago de Compostela musste ich mich leider von meinen Leki-Trekkingstöcken trennen. Bei Flügen innerhalb von Europa versuche ich immer meinen Ultraleicht-Rucksack als Handgepäck durchzukriegen. Vom Gewicht und von der Größe des Rucksacks hat es da nie Probleme gegeben. Diesmal wurden allerdings meine Leki-Trekkingstöcke beanstandet. Obwohl ich sie in meinen Rucksack gepackt hatte, sind die Stöcke nicht durch die Kontrolle gekommen. Als Extragepäck wollte ich die Stöcke auch nicht aufgeben. Schweren Herzens habe ich mich von den Stöcken getrennt. Ich habe mir keine Mühe gegeben das Kontrollpersonal von der Harmlosigkeit der Stöcke zu überzeugen. Bei einem Stock war nämlich der Falt- und Spann-Mechanismus defekt und nicht mehr zu reparieren. Neue Stöcke mussten eh gekauft werden. Neue Leki-Trekkingstöcke habe ich noch im CheckIn-Bereich des Flughafens im Internet geordert. Statistik Streckenlänge gesamt 1212 km …davon Camino de Levante 812 km …davon Via de la Plata 142 km …davon Camino Frances 258 km Tagesetappen gesamt 42 …davon Camino de Levante 28 …davon Via de la Plata 5 …davon Camino Frances 9 …davon Wandertage 41 …davon Ruhetage 1 …davon Sonnentage 20 …davon Regentage 5 …davon Schneetage 2 …davon bedeckte Tage 15 …davon < 15 km (Nero) 0 …davon 15 - 19 km 3 …davon 20 - 29 km 17 …davon 30 - 39 km 20 …davon >= 40 km 1 Längste Tagesetappe 41,4 km Kürzeste Tagesetappe 17,4 km Tagesdurchschnitt … …mit Ruhetagen 29,0 km/Tag …ohne Ruhetage 29,7 km/Tag Übernachtungen gesamt 42 …davon in Jugendherbergen 3 …davon in öffentl.Pilgerherbergen 27 …davon in privaten Herbergen 11 …davon in kirchl. Einrichtungen 1 Nachbearbeitung Nach dem Ende der Wandertour gibt es noch einige Dinge zu tun. Da ist einmal der Bericht über diese Wandertour, den ich in meinem Blog veröffentlichen will. Zusätzlich wird in meinem Facebook-Account ein Link auf meinen Bericht im Blog gesetzt. Im Forum Ultraleicht-Trekking.com wird der Bericht in leicht abgewandelter Form ebenfalls erscheinen. Dann wähle ich aus den vielen Bildern, die ich während meiner Wandertour angefertigt habe, diejenigen aus, die ich ebenfalls über einen Link öffentlich zugänglich machen will. Diese Bilder stelle ich dann in einem GoogleDrive-Verzeichnis zur Verfügung. Meine Tracks stelle ich ebenfalls über einen Link in meinem Blog in einem GoogleDrive-Verzeichnis für den Download bereit. Vorher korrigiere ich meine Tracks mit Hilfe von Aufzeichnungen aus meinem Tagebuch. Ein weiteres Hilfsmittel für die Korrektur der Tracks sind Track-Aufzeichnungen von Abweichungen von den geplanten Tagesetappen mit dem Navigationsgerät (Handy oder Garmin-Navi). Erst dann, wenn diese 3 Punkte (Bericht, Bilder, Tracks) erledigt sind, wird die Wandertour zu den Akten gelegt. Tracks, Wegpunkte und Bilder Wie immer gibt es am Ende des Berichts noch einen Hinweis auf wichtige Daten meiner Wandertour. Das sind vor allem meine eigenen Tracks und Wegpunkte, die ich zur Navigation verwendet habe. WT002_ES_Jakobsweg_Camino_de_Levante_Tracks.gpx Fazit Der Jakobsweg Camino de Levante hat mich überrascht. Einmal wegen der über weite Strecken hervorragenden Markierungen und den Hinweisschildern vor und nach jeder Ortschaft. Zum anderen wegen der Einsamkeit. Wer die Einsamkeit auf seinen Wandertouren mag, der ist auf diesem Jakobsweg genau richtig. Auf den ersten 33 Tagesetappen auf dem Jakobsweg Camino de Levante (von Valencia bis Zamora) und auf dem Jakobsweg Via de la Plata (von Zamora bis Astorga) habe ich keinen einzigen Wanderer getroffen. Das ganze Gegenteil war der Jakobsweg Camino Frances (von Astorga bis Santiago de Compostela). An jedem Tag bin ich vielen Wanderern aus allen möglichen Ländern begegnet. Landschaftlich bietet der Jakobsweg das gewohnte Bild, was ich auch von den anderen Jakobswegen kennengelernt habe. Unendliche Schotterpisten, einsame Straßen, Plantagen aller Ausprägungen (Orangen, Oliven, Wein), kleine beschauliche Dörfer und schöne historische Städte (Toledo, Avila, Astorga). Auch die Jahreszeit (Februar/März oder Oktober/November) für meine Wandertouren in Spanien hat sich als ein Vorteil erwiesen. Die bekannten Jakobswege sind nicht mehr so stark frequentiert und bei der Herbergssuche gibt es kaum Probleme. Mit der richtigen Allwetterausrüstung (Regen und gelegentlich Temperaturen leicht unter dem Nullpunkt) ist das alles kein Problem. Was das Ganze noch besonders macht, sind die freundlichen Spanier. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich bei meinen bisherigen 3 Wandertouren (2018 und 2019) in Spanien jemals Probleme mit den einheimischen Bewohnern hatte. Sie helfen, wo sie können. In meinen vorherigen Ausführungen habe ich die eine oder andere Episode für die außergewöhnliche Hilfsbereitschaft der Spanier erzählt. Ausblick Meine nächste Wandertour in meinem Wanderprojekt SJW Spanische Jakobswege wird der Jakobsweg Ruta de la Lana sein. Dieser Jakobsweg ist noch unbekannter als der Jakobsweg Camino de Levante. Ich freue mich darauf und ich bin gespannt, was mich dort erwarten wird… Update (April 2020) Ganz aktuell ist die Information, während ich diesen Bericht geschrieben habe, dass der Wanderführer über den Camino de Levante im März 2020 in einer Neuauflage erschienen ist, die von einem anderen Autor verfasst wurde. In meiner Planungsphase hat mir diese brandaktuelle Ausgabe leider nicht zur Verfügung gestanden. Trotzdem habe ich diesen neuen Wanderführer gekauft. Man weiß ja nie, ob ich nochmals den Jakobsweg Camino de Levante laufen werde.
  12. Jakobsweg Camino de Levante...

    einar46 reagierte auf Anhalter für Beitrag im Thema

    1 Punkt
    Das war eine wirklich spannende Lektüre, vielen Dank dafür. Ich hatte auf dem Frances folgendes System: verschiedene Zip-Beutel (Waschkram, Elektronik, Medikamente). Die ganz unten Badelatschen S2S Ultrasil Drysack für die Wäsche in der Mitte S2S Ultrasil Drysack für den Schlafsack oben drauf Ich behaupte nicht, dass das der Weisheit letzter Schluss war, hat aber eigentlich gut funktioniert. Morgens: Aufstehen, Zähneputzen, Zip-Beutel in den Rucksack, Badelatschen in den Rucksack, Anziehen, Wäschebeutel in den Rucksack, Schlafsack einpacken und in den Rusack, los gehts. Abends: Schlafsack auf die Matratze werfen. Saubere Klamotten raussuchen. Badelatschen, Waschkram, Duschen, Waschen, fertig Die beiden Drysacks und den Rucksack hab ich meistens mit den Schnallen vom Rolltop einfach ans Fußende vom Bett gehängt, so kommen die nicht mit Boden und Bett in Berührung (Wanzengefahr) und sind jederzeit schnell greifbar. Regenzeug und eventuelle Isolation war in der Meshtasche, Snacks und Wasser an den Seiten bzw vorne. Ganz, ganz selten kam es mal vor, dass ich tagsüber was aus dem Rucksack gebraucht habe. Aber die paar Minuten machens jetzt auch nicht fett. Ein Nachteil hat das jedoch: Durch das Packen vom Schlafsack im Drysack steht dieser halt nicht zum "ausfüttern" vom Rucksack zur Verfügung. Dadurch dass bei mir alles recht komprimiert gepackt war hing mein Murmur dann recht unförmig an den Schultern was dem (eh schon überschaubaren) Komfort nicht zuträglich war
  13. Deneck- ein Pyramidenzelt für zwei Personen

    ekorn reagierte auf Mia im Zelt für Beitrag im Thema

    1 Punkt
    @Christian Wagner nachdem ich nun das Zweierfirst-Zelt fertig habe, habe ich in den letzten Tagen gleich mit deinem Torwald weitergemacht. Es ist fast fertig. Nun möchte ich auch gerne das Deneck nähen (und kleben) - allerdings am liebsten mit DCF als Material. Da ist die Rollenbreite allerdings etwas kleiner (138cm). Passt das Schnittmuster da noch? Wenn es etwas kleiner wird, ist es mir ohnehin recht - soll nur für eine Person sein. Muss man mehr CatCut einplanen, da sich DCF ja nicht dehnt?
  14. Nylon TPU zum Kampfpreis

    crisensus reagierte auf Herr Froschler für Beitrag im Thema

    1 Punkt
    Ich bin gerade durch die ganzen extex Muster gegangen. Der Stoff ist viel weicher als alle Stoffe von extex. Er ist auch elastisch auf diagonalem Zug. Die Nylonfäden sind kaum sichtbar. Auf Zugbelastung hält die Schweissnaht, Auf Schälbelastung reisst die Beschichtung vom Stoff ab. Das hier ist so eine Beschichtung wie ich sie auch bei Aliexpress TPU Stoffen gesehen habe. Das ist ein relativ weicher transparenter Film, der auf den Stoff laminiert wird. Die Beschichtungen der meisten Tolko PUs sehen so aus. Die extex PUs sehen alle so aus als ob die PU schicht flüssig aufgetragen wurde. Die TPU beschichtung der Packraft TPU materialien ist härter und unflexibler. Ich schätz dass der Tolko Stoff bzw die Beschichtung nicht sehr fehlertolerant ist, man kann also nicht endlos drüberbügeln wie zB bei den diypackraft TPUs. Ich hab den mit einem Heissluftgerät verschweisst, mit Bügeleeisen brauchts weniger Hitze. Ich persönlich kann mir nicht vorstellen daraus einen Alpacca Klon zusammenzubügeln. Möglicherweise eignet sich der Stoff aber für ein 3 teiliges Design wie von barbarix hier im Forum vorgestellt. Insgesamt ein interessanter Stoff der auf der Suche nach der richtigen Anwendung ist. Ich hab ähnliche Fragen schon per PN beantwortet. Ich kann ja später nochmal meine 2 cents zu Materialien zusammenfassen.
  15. Rucksack Alternative?

    Harakiri reagierte auf kra für Beitrag im Thema

    1 Punkt
    OT: Toleranz ist nicht mit Gleichgültigkeit zu verwechseln. Jeder hat seinen Standpunkt, den er auch vertreten kann. Und als ungebührlich oder provokant habe ich das jetzt nicht empfunden (und btw ist die Formulierung durchaus nachvollziehbar, wenn du dich mal auf den üblichen Bushcraft- und Militaria-Foren umsiehst ...)
  16. Langstreckenwanderung Europa

    Sjeanmarc reagierte auf zeank für Beitrag im Thema

    1 Punkt
    I’m already jealous!
  17. Jakobsweg Camino de Levante...

    einar46 reagierte auf hhourglass für Beitrag im Thema

    1 Punkt
    Der Artikel und die Kommentare haben mich auch zum Kauf bewogen, nachdem mich Hardshells von Bergans und Simond nicht überzeugt haben. Ich fasse mal kurz meine bisherigen Erfahrungen zusammen, wenn das hier zu viel wird, können wir ja vlt. eine Diskussion zur Jacke auslagern... Ich habe die Jacke seit März, also noch keine Langzeiterfahrung (dauerhafte Belastung/Haltbarkeit). Da es in letzter Zeit kaum Regen in Hamburg gab, habe ich die wenigen Regentage für ausgiebige Spaziergänge mit der Jacke genutzt, bei moderatem, dauerhaftem Regen kein eindringendes Wasser, Ventilation bei geöffneten Pit-Zips in Ordnung aber feucht wird es so oder so. Es bleibt auf jeden Fall wärmer als ohne Jacke. Gestern bin ich dann ca. 1 Stunde durch Starkregen mit dem Rad gefahren. Hose und Schuhe komplett durch, Oberkörper trocken. Kein eindringendes Wasser und es hat ziemlich geschifft. Ich bin also zuversichtlich was den Schutz auf Tour angeht...werde demnächst auf den Heidschnuckenweg gehen...vielleicht muss sie sich da dann auf Tour bewähren. Wenn ich die Haptik des SilPoly mit meinem Rab SilNylon Tarp vergleiche fühlt es sich noch mal glatter an. Ich würde auf jeden Fall immer was langärmeliges darunter tragen, sonst klebt die Jacke schnell unangenehm auf der Haut. Kann man ignorieren aber ich mag es nicht. Als Windjacke sicher nutzbar, kommt ganz auf das persönliche empfinden an. Lightheart Gear schlägt z.B. vor, dass man die Pit-Zips öffnet und dann die Arme durch die löcher steckt, so ist der Oberkörper geschützt und über die Arme kann man etwas die Temperatur regulieren. Wenn ich weiß, dass es trocken bleibt, nutze ich die Vital Windshell von Rab. Hab die Regenjacke bislang nur im Regen getragen... Packmaß bei maximaler Kompression entspricht ca. einer 100ml Gaskartusche. Packbeutel wiegt nochmal 7g, falls man ihn nutzt. edit: Zum Schnitt kann ich noch sagen, dass die Jacke eher etwas kürzer und dafür "bauchiger" geschnitten ist, als ich es von gängigen Hardshells kenne. Aber wenn man korrekt misst, sollte alles passen. Ich kombiniere die Jacke mit dem Regenrock von Lightheart Gear. Der wiegt in L 77g und ist super, was Ventilation und Bewegungsfreiheit angeht. Passt auch mit in den Packbeutel der Jacke. So viel von meiner Seite zur Jacke. Wichtig sind die Wege! =)
  18. Jakobsweg Camino de Levante...

    einar46 reagierte auf BitPoet für Beitrag im Thema

    1 Punkt
    Das kenne ich auch. Die Lösung ist bei mir Sack-im-Pack, egal ob ein (etwas festerer, nicht das Knisterzeug) Plastiksack, ein Pumpsack (schwerste Option) oder ein andere leichter (und großer) Stausack ohne Verschluss, und das ganze sollte in etwa den selben Umfang wie der Rucksack haben. Dann kann das ganze mit einem Griff raus geholt, der Quilt (bei mir der Schlafsack) rein gestopft und der bereits gepackte Rest wieder in einem Stück rein geschoben werden. Sind gut "investierte" 40g. Danke für den Bericht! Den Camino de Levante muss ich mir jetzt doch mal genauer ansehen. Was mich noch interessieren würde ist das Auf und Ab. Ich kenne wandertechnisch fast nur die Alpen, den Bayerischen/Böhmerwald und was so hier um die Haustür ist. Ist der Camino de Levante eher flacher oder (abschnittsweise) vergleichbar mit unseren Gebirgen? Was waren landschaftlich für dich die Highlights? Evtl. auch die kulinarischen Die Zpacks Arc Modelle sind schon feine Dinger. Ich liebe meinen Blast auch heiß und fettig. Zur Knieproblematik: das hatte ich auch jahrelang, was meinen Enthusiasmus, lange Touren zu machen, viel zu lange im Zaum gehalten hatte. Letztendlich hat sich dann herausgestellt, dass ich einfach im Alltag (Arbeit und zu Hause) falsche Schuhe getragen habe und mir deshalb eine ganz leichte Fehlstellung angewöhnt hatte, wodurch die Sehnen und Bänder im Knie sich auf Tour erst mal umstellen mussten. Mit viel Barfuß gehen und anderem (vor allem lockerem) Schuhwerk gehört das jetzt der Vergangenheit an.
  19. Nylon TPU zum Kampfpreis

    Konradsky reagierte auf Herr Froschler für Beitrag im Thema

    1 Punkt
    Grad noch mal den Tolko Stoff rausgeholt: der ist schon seht angenehm im Griff. Vielleicht ein Projekt für die Wintertage?
  20. Nylon TPU zum Kampfpreis

    crisensus reagierte auf hmpf für Beitrag im Thema

    1 Punkt
    Wasserdichte Radtaschen Packraft Aufblasbare Schwimmhilfe Wasserdichter Rucksack Wasserdichte Überziehsocken
  21. Warum in die Ferne schweifen...

    fatrat reagierte auf Meer Berge für Beitrag im Thema

    1 Punkt
    Das Eine schließt ja das Andere nicht aus. Fernwege in Europa haben ihre tollen Seiten! Wir haben hier großartige Landschaften! Und wer der Kultur nicht ganz abgeneigt ist, kommt hier auch auf seine Kosten. Aber ab und zu mag ich aber auch mal ganz andere Landschaften, Klimazonen oder Kulturen erleben. Was ich für längere Touren suche ist meist "Wildnis", in der ich tagelang kaum jemanden treffe, in der ich wild zelten darf, in der es Gebirge und Wälder, Vulkane, Steppen und so etwas gibt. In Europa finde ich das in Lappland oder den Pyrenäen, in Schottland im Herbst. Aber ich fand auch Alaska, Grönland, Senegal, Namibia, Neufundland, Kamtschatka oder Kirgistan faszinierend. Um zwischendurch wieder begeistert durch die Eifel oder die Sächsische Schweiz oder meinen Buchen-Mischwald hinterm Haus zu laufen. Erst durch die Fernreisen habe ich die Schönheit meines eigenen Umfeldes entdeckt. Trotzdem will ich ab und zu auch mal etwas sehen und erleben, was es hier nicht gibt. Die US-Trails reizen mich interessanterweise gar nicht. Die Landschaften sind sicher toll, aber wenn ich mich schon für ein Ticket in die Schlange stellen muss, gehe ich lieber einen anderen, eigenen Weg. Also weniger entweder - oder. Eher sowohl - als auch.
  22. Warum in die Ferne schweifen...

    Muli reagierte auf Matthias für Beitrag im Thema

    1 Punkt
    Hat alles seine Berechtigung, ich möchte keine meiner Touren missen, weder in den USA noch Europa oder sonst wo.
  23. Rucksack vom/für Nähgastheniker...

    crisensus reagierte auf paddelpaul für Beitrag im Thema

    1 Punkt
    so, die erste Testtour ist rum, es gab ein paar Erkenntnisse; ich muss allerdings vorwegschicken, dass ich kein ausgewiesener Rucksackexperte bin und auch keine Vergleichsmöglichkeiten mit bewährten Modellen von renommierten Herstellern habe. Insofern alles sehr subjektiv... Die Tour war von Kreuzlingen nach Schwyz (Jakobsweg), ca. 100 km/4Tage, ca. 2500 Höhenmeter; wers genau weiss, bitte korrigieren Tragekomfort mit ca. 8 Kilo anfangs tiptop, erst am 3.Tag sickerte so langsam die Erkenntnis durch, dass doch die passende Rückenlänge um ein paar cm verfehlt wurde (zu kurz); war zwar keinerlei Drama aber kann man doch besser machen. Für die geplante Sommertour kriegt das Ding meine Frau mehr oder weniger unverändert (bisschen kürzer), das sollte perfekt passen; ich mach mir einen einen Ticken länger, vielleicht dann auch mit Myog-Trägern und Hüftgurt. Auch bei der geringen Zuladung muss dabei ne gute Lastübertragung gewährleistet sein, mit Gewicht auf den Schultern werde ich mich nicht anfreunden. Das handling war o.k., die Zusatztaschen an der Seite und am Gurt haben mir gereicht, an den Packsack musste ich tagsüber kaum. Am 1.Tag schrubbten die senkrechten Schnittkanten die dem Rücken zugewandt sind an meinem T-Shirt, gespürt hatte ich das nicht; 2 Streifen Tape haben das behoben (s. Foto).
  24. Der „Kurze Frage, kurze Antwort“-Thread

    Diran reagierte auf skullmonkey für Beitrag im Thema

    1 Punkt
    Ich habe einen knapp 20 Jahre altes Seideninlet, das ist zwar kein Bettlaken oder Kissenbezug, aber Seide ist sehr leicht, und ich denke das könnte etwas sein das passen könnte (wird teuer werden, nehme ich an). Was wir hier in Finnland viel verwenden (primär als Handtücher für die Sauna) sind Leinenstoffe, die sind wirklich schön leicht und auch sehr komfortabel. Sicher gibt es auch einige Hersteller in Mitteleuropa, wenn nicht kannst Du ja mal schauen ob die hier auch nach Deutschland versenden: https://www.lapuankankurit.fi/en
  25. Rucksack vom/für Nähgastheniker...

    crisensus reagierte auf Trekkerling für Beitrag im Thema

    1 Punkt
    Colle Sache! Erinnert mich etwas an den Sub60 Pack (Link zu Beitrag hier im Forum), den ich auf meinem Profilbild aufhabe. Da sind die Verbindungen der Schulter- und Hüftgurte auch nur verknotet bzw. durchgefädelt, da er ganz aus Netz-Material ist. Vielleicht sind da auch einige Ideen für weitere Basteleien für dich dabei? So könntest Du z. B. Deine Schulter- und Hüftgurte auch leicht ergänzen. Anbauanleitung gibt es hier im Netz. Anmerkung: Leider gibt es das Wiki des Konstrukteurs des Sub60 nicht mehr, so dass relativ viele der alten Links ins Nirvana führen.
  26. Vorstellungsthread

    Wander Schaf reagierte auf Jones für Beitrag im Thema

    1 Punkt
    Dann stell ich mich auch mal vor Hi, ich bin Jones, anfang 30 und schon länger lese ich mich hier durch die Foren. Da die Ultralight-Community zwar wächst, aber verhältnismäßg ultraleicht zur "restlichen" Outdoorcommunity ist, dachte ich mir, es kann nicht schaden, sich hier mal anzumelden und sich auszutauschen. Darüber hinaus gibts ja nunmal auch noch weitere interessante Themen hier in den Foren, abseits vom Begutachten der Feinwaage. Es hat sich einiges bei mir verändert, seitdem ich längere Reisen antrete: Eigentlich waren es auch eher Roadtrips mit rausgestrecktem Daumen (Neuseeland, Spanien, Osteuropa und der Balkan und natürlich Deutschand) mit einigen vielen vereinzelten Wanderungen von bis zu 5-10 Tagen, die mich an viele schöne Orte gebracht haben. Wenn ich mich dran erinnere, wie ich mit ein paar Kecksen von Olcusz bis nach Krakau in Polen gewandert bin, weil mein Platzmanagment in meinem damaligen Rucksack im Grunde genommen nicht vorhanden war, mir Wanderwege von Google Maps in Paint eingefügt, nummeriert und ausgedruckt wurden, weil ich damals kein Smartphone hatte, muss ich schmunzeln, wie sich meine komplette Herangehensweise dahingehend verändert hat. Ich freu auf den Austausch und hab auch schon ein paar Themen im Kopf, die ich hier gerne teilen will Achso, ich hab auch schon was in dem Thread "PCT-Alternativen" geschrieben. Is' der letzte Eintrag... falls mir da jemand helfen könnte, hehe... https://www.ultraleicht-trekking.com/forum/topic/9563-pct-alternativen/
  27. Vorstellungsthread

    Wander Schaf reagierte auf Clemens für Beitrag im Thema

    1 Punkt
    Hallo liebe Community, Mein Name ist Clemens, ich bin 26 Jahre und Physiotherapeut in und aus Berlin. Seit einem Jahr lese ich in etwa hier im Forum mit oder beteilige mich rege an einigen Themen und bin wirklich begeistert, wie viel wissen und Know-How in vielen von euch schlummert. Was für eine große Bereicherung, eure Meinung zu Ausrüstungsgegenständen, Packlisten, Wanderwegen etc. zu hören. Ich habe seit ca. 10 Jahren Erfahrungen sammeln können auf vor allem 5-10-tägigen Mehrtageswanderungen. Dabei ging es mir auch immer schon drum, minimalistisch unterwegs zu sein. Aber trotzdem wog der riesige FR Rucksack nie unter 20kg. Deswegen begann ich umzudenken und überlegte mir, dass das Problem vielleicht nicht nur die Menge der Ausrüstung sei, sondern auch die Art. Es ist ein anhaltender Prozess, aber nicht nur im Rucksack, sondern auch im Kopf (und im Geldbeutel) bin ich seitdem leichter unterwegs. Sportliche Grüße Clemens
  28. Vorstellungsthread

    Wander Schaf reagierte auf Karsten für Beitrag im Thema

    1 Punkt
    Hallo zusammen, ich bin bisher eher stiller Mitleser und wollte mich nun auch mal vorstellen... mein Name ist Karsten, bin mittlerweile 31 und komme aus Erlangen (Franken). Von ultra light bin ich zwar noch ein Stückchen entfernt aber die Lernkurve ist steil. Ich reise viel und war schon immer gerne draussen aber meine ersten "richtigen" trekking Erfahrungen (seit der Wehrdienstzeit zumindest ) stammen aus den letzten 2 Jahren: Nördlicher Kungsleden Abisko bis Kvikkjokk Anfang vom Sentiero della pace (Passo Stelvio bis Passo Tonale überwiegend im Zelt) Tasmanien (Overland, Southcoast, Western Arthurs Traverse, Freycinet loop und ein paar kleinere Touren... es ist traumhaft da!) Eigentlich hätte ich seit Anfang April auf dem PCT sein sollen, aber wie das Leben so spielt ist da vorerst nichts draus geworden. Ich hatte schon länger vor mehr in der näheren Umgebung nach Zielen und kleineren trips zu suchen statt immer nur die große weite Welt im Blick zu haben. Die aktuelle Situation forciert das nun etwas Da es dabei dann eher schwierig werden dürfte spontan unterwegs Reisepartner zu finden würde ich mich (sobald es die Situation wieder vertretbar zulässt) sehr über offline Kontakte freuen!
  29. Kuppelzelt für zwei Personen

    Stefan K. reagierte auf Christian Wagner für Beitrag im Thema

    1 Punkt
    Da coronabedingt ja genügend Zeit ist, aber leider nicht für Touren, hab ich Mal wieder eine altes MYOG Projekt von mir im Garten aufgebaut und dokumentiert. Es handelt sich um unsere Zweipersonenkuppel- aka das "blaue Zelt". Dieses Zelt hat uns auf einige unserer Touren in den letzten Jahren begleitet, aber lest selbst.
  30. Hochwertiger Kaffee auch unterwegs

    Epiphanie reagierte auf Capere für Beitrag im Thema

    1 Punkt
    Jacobs Typ Espresso - kräftig, stark, rau, bitter-herb, hart, säuerlich Jacobs Typ Café Crema - milder, weicher, dennoch intensiv, leicht säuerlich Mount Hagen Café Arabica - weich, rund, ausgewogen, mild, harmonisch, wenig Säure Cellini Caffe Instant Espresso - herb-intensiv, aber schon wässrig, im Vergleich der Schwächste m.M.n. Nescafe Gold Typ Espresso - intensiv, weich, besonders feine Crema, trockenes Gefühl im Mund Starbucks VIA Italian Roast - stark, intensiv, sehr rauchig-verbrannt Mein persönlicher Favorit sind hierbei definitiv die kräftig-intensiven Sorten, da ich auch meinen täglichen Kaffee eher stark bevorzuge. Nichtsdestoweniger hatte ich schon alle mal auf Tour dabei und geschmeckt hat es im Grunde noch immer. Werde bei Gelegenheit noch ein paar schwächere Sorten ergänzen.
  31. Da diese Frage aufgrund von Corona jetzt wahrscheinlich häufiger kommen wird, möchte ich als Vielwanderin hier mal ausführlich antworten. Alle sogenannten "Top Trails of Germany" (die ich allesamt schon komplett oder teilweise gegangen bin), Qualitäts- und Premium-Wanderwege sind landschaftlich schön und wirklich toll geführt. Egal, für was Du Dich da entscheidest - es wird kein Totalflop werden und Empfehlungen für den einen oder anderen Weg beruhen in der Regel auf persönlichen Präferenzen oder mangelnder Vergleichsmöglichkeit. "Fernab" ist in Deutschland allerdings eher Wunschdenken - Du wirst immer sehr zivilisationsnah unterwegs sein. Wenn Du von der Zivilisation allerdings wenig mitbekommen möchtest, solltest Du vor allem Fluss-Wanderwege (Rheinsteig, Altmühltal-Panormaweg) meiden, weil in Flussnähe meist auch Landstraßen und Eisenbahnlinien entlang führen. Ebenfalls meiden solltest Du dann auch beliebte Wanderwege, vor allem wenn Sie sich in der Nähe von Ballungszentren befinden, wie z.B. der Malerweg und der Heidschnuckenweg. Beide sehr schön, aber schon normalerweise ziemlich voll. Der Rennsteig ist Deutschlands meistbegangener Weitwanderweg (100.000 Besucher pro Jahr laut Wikipedia). Wenn Du wildzelten möchtest, solltest Du Wege durch Nationalparks oder andere Schutzgebiete meiden. So würde selbst ich als Hardcore-Wildzelter keine Wild-Übernachtung im Nationalpark Sächsische Schweiz probieren. Suche also nach eher unbekannten Wegen und/oder bevölkerungsarmen Gegenden. So ist zum Beispiel Brandenburg extrem dünn besiedelt und Wege wie der Uckermärker Landweg oder die Märkische Landrunde sind weitestgehend unbekannt. Dort wirst Du kaum jemandem begegnen (ziemlich fernab!) und auch keine Probleme mit Wildzelten haben - allerdings ist es dort halt flach und viel Fichtenwald. Im Osten gibt es dann zum Beispiel noch den Vogtland-Panoramaweg, Kammweg Erzgebirge Vogtland, Oberlausitzer Bergweg - allerdings im Moment ohne die Möglichkeit des Grenzübertritts. Ebenfalls nicht überlaufen und auch im Frühjahr begehbar sind einige Gegenden in Bayern, wie Franken (Frankenweg) oder Ostbayern (Goldsteig Südvariante) sowie Rhön (Hochrhöner) oder Steigerwald (Steigerwald-Panoramaweg). Wenn es spektakulär sein soll (aber jahreszeitlich nicht im Hochgebirge) würde ich den Albsteig (HW1 Schwäbische Alb-Nordrandweg) empfehlen. Der ist zwar streckenweise doch recht populär und voll, hat aber großartige Ausblicke. Im Westen Deutschlands käme der Saar-Hunsrück-Steig, der Westerwald-Steig oder der Rothaarsteig in Frage - alle ganz nett, zwar nicht wirklich einsam, aber auch nicht überlaufen.
  32. Langzeiterfahrung mit Cuben/Dyneema Tarp

    Mia im Zelt reagierte auf wilbo für Beitrag im Thema

    1 Punkt
    Ich weiß nicht aus welchem Material die Verstärkungen bei Zpacks oder HMG gemacht werden, aber vermutlich verwenden sie ebenfalls das leichteste woven DCF. Auf die Schnelle habe ich mal einen Rest umsäumt und einen 102 g/qm batch aufgeklebt. Die Naht ist jetzt kein Hexenwerk der Nähkunst. Nur dreimal verriegelt und einmal quer drüber genäht, genauso wie ich es bei meinen Tarps mache. Ich habe mich auf den Stoff daraufgestellt und so kräftig gezogen bis das Laminat unter meinen Füßen durchgerutscht ist. Das Ganze wurde 10 mal wiederholt und final zeigte die Fischwaage 25 KG Zugkraft an. Laminat, Naht und Faden zeigten sich komplett unbeeindruckt. Das wäre ein Standard, den ich für verarbeitungswürdig halte. VG. -wilbo-
  33. Tag 62 Das Thema mit den Wetterseiten und dem Tarpaufbau hatte ich schon einmal – und es stellt sich immer, dann wenn es nicht sonderlich wünschenswert ist – zum Beispiel um 5 Uhr morgens. Das Gewitter gestern hat keine Entlastung gebracht. Böig frischte es auf, daraus wurden relativ schnell sturmartige Böen und dann kamen noch schneller dicke Regentropfen dazu... Die vorherrschenden Winde am Bodensee sind von West nach Ost... mein Tarp hatte seine offene Seite gen Westen. Ergo: Nacht vorbei. Hastig packe ich mein Zeug zusammen und rette mich und mein Zeug unter das Vordach noch bevor es richtig runterkommt...Immerhin. Es gießt. DerWetterbericht, sagt dass das bis 10h so bleiben soll. Ab ca. 8h wird es so wenig und der Himmel klart auf, ich riskiere das loslaufen. Das rumsitzen und warten macht mürbe. Eriskircher Ried. Es ist drückend kaltschwül und Mosikots geherrschen den Luftraum. Bewegung minimiert ihre Chancen auf Futter. Es ist unerträglich. Ich kann nicht mal pinkeln, direkt habe ich 2,3 von den Viechern auf ...naja... also Einhalten. Unter dem bleigrauen Himmel sieht, das Ried bedrückend und beeindruckend aus. Ersteres ist vornehmlich meiner Stimmung geschuldet - müde, schlecht gelaunt und E1-Kater. Ich habe gestern einen Thru-Hike abgeschlossen... schon gemerkt? Nee, noch nicht, aber eine latente Unzufriedenheit, die ich nicht greifen kann. In Langenargen Schloss Montfon wird schön angeleuchtet von der druchbrechenden Sonne, der Himmel bleigrau und schwer, die Alpengipfel begrenzen in scharfgeschnittenen Kanten den Horizont, der Wind wühlt es See auf... es ist beeindruckend , diesen Morgen...dann doch auch. In Langenargen verliere ich den Weg, finde dafür Kirschen. Finde den Weg wieder, werde vom See in Obstanbau geführt und erreiche gegen Mittag den mondänen Teil Lindaus, etwas später den Touristischen und es gibt Espresso, noch einen... nach einer längeren Pause, in der ich meine Einkaufsspot für die österreichische Etappe plane schlumpfe ich weiter. Fancy Eísdiele: Rote Beete mit Schokosplittern – Abgefahren! Und Superlecker!. Ich laufe aus Lindau raus und komme zum Verladebahnhof – es kommt nochmal richtig runter. Mein Lustlosigkeit, wünscht sich, dass ich hier unter dem muckeligen Vordach bleiben kann – mit all den anderen gestrandeten. Es hört nach einer Stunde oder etwas mehr auf. Es ist schon späterer Nachmittag. Ich checke Wetter. Die Nacht soll es noch einmal ordentlich runterkommen. Hostel in Bregenz? Camping an der Grenze? Stealth irgendwo? Ich laufe erstmal zurück und hole Wasser für eine etwaige Nacht. Und laufe los gen Grenze. In Zech (aslo 4 km hinter Lindau) habe ich ein Einsehen mit meiner Lustlosigkeit und geht auf den Camping. Suche mir einen Platz mit dem ich ein etwaig hereinziehendes Gewitter überstehen kann. Kaufe mir zwei Bier, bestelle Brötchen für den Nächsten Tag und habe einen netten Schnack mit einer Radwanderin. Den Regen verpenne ich... Tag 63 Rührig fragen mich meine Nachbar*innen ob, ich die Nacht ob des Regens gut überstanden hätte. Ja habe ich. Meine Laune ist auch spürbar besser. Klar: Snickers-Brötchen mit Nutella. Gute-Laune- Garant! Und das Wissen den Gewalten der Natur gestrotzt zu haben... ich glaub ich habe einfach nur gut und ausreichend geschlafen und schlechte Laune hat jeder mal. Immer am Ufer entlang geht’s Richtung Bregenz. Hier mache ich einen kurzen Schlenker in die Stadt rein – Voralpenresupply: Viel viel Schokolade gegen die (Ver)Hunger-Panik beim Höhenmeter machen. Um es vorweg zunehmen: 2600km und ich hab's nicht raus bekommen und immer zu viel Essen mit mir rumgetragen. Also in Bregenz btw zweites Frühstück – Polster anlegen. Meine GPX sagen ich soll auf den Bregenzer Hausberg, den Pfänder. Irgendwo hier soll auch die „ganz offizielle“ 2000km Trail-Kilometer liegen – ich habe sie hier mal pie mal Daumen gesetzt, wahrscheinlich war sie schon deutlich früher... Die Markierungen sagen niks über einen E5 aber über Wegmarken die ich kenne, also Orte die durchqueren soll. Ich treffe einen Barfusswanderer, der mir einen netteren Aufstieg empfiehlt. Kool. Steil, wurzelig und felsig. Ich klatschnass geschwitzt, keine Aussicht weil Wald... aber der Gipfel ruft. Irgendwie komme ich zwischen dem Hauptgipfel und dem Südgipfel an – Pfänderdohle. Meinen Weg und auch alle Markeirungen waren zwischenzeitlich nur halb aussagekräftig. Meine 2000er Marke habe ich somit verpasst und setzte sie abermals willkürlich hier oben. Foto. Pflichtübung. Kein Tamtam. Ich laufe immer auch auf der Suche nach dem Weg und mit beständigem Blick aufs Telefon aka Navi Richtung Dreiländerblick. Ich muss mich weiter mit Ortsnamen durchhangeln, weil eine E5 Markierung gibt es nicht, oder meine GPXies erzählen Blödsinn. Es gibt ja Menschen, die sowas abenteuerlich finden. Ich finde es kolossal nervig. Ich bin Streckenwanderer. Ich will die Wege laufen und nicht suchen. Laune im Eimer. Der Himmel sieht spektakulär und bedrohlich aus. Immer mal deutet er an was er bedeuten könnte: Regen. Wetter, Gemüt und unklare Schlafplatzoptionen lassen mich einfach weiterlaufen. Manche Dinge lösen sich ja von alleine, mache auch nicht, aber ich habe Strecke gemacht und kann am Ende sagen, wenigstens weit gekommen... in Lingenau, komme ich an die Grenzen dieser Haltung und beginne nach Pensionen und Gästezimmern zu suchen. Am Marktplatz ist eine Touri-Infotafel und ich finde einen Camping. Umweg zwar nach Hittisau. Ich hab ja eh keine Markierungen oder ich laufe die ganze Zeit eh freestyle und irgendwie ist es eh die Richtung so ungefähr, also was ist der Unterschied? Ich laufe also zum Camping Feurstein. Absurder Spot. Er erscheint mir wie die dörfliche Dauercamper-Variante von Jörg Fausers Kurzgeschichten. Eine Mischung aus familiärem Wohnzimmer, Dorftreffpunkt und Dauercamper-Kneipe, Holzvertäfelung, charmant Chaotisch. Die Besitzerin führt den Laden seit über 30 Jahren. Ich komme mir irgendwie deplatziert und genau richtig vor. Ich unterhalte mich mit einem Typen, der wirklich total durchgeknallt ist, er hat in einer -achtung Wortwitz: - in einer dreibändigen Trilogie seinen eigenen Schöpfungsmythos geschrieben, sucht einen Verlag und preist ungefragt allen sein Buch als Antwort auf alle Fragen an und freut sich seinen Wodka nicht mehr alleine trinken zu müssen und endlich mit jemand zu sprechen, der auf einem ähnlichem intellektuellen Niveau unterwegs ist, wie er. Meine Qualifikation: Ich habe fallen lassen, dass ich Studiert bin und ich bin bereit zuzuhören... ich steige aber sehr bald aus, weil in diese Sphären in denen er unterwegs ist, in die möchte ich nicht vordringen. Aber am Ende bin ich recht betrunken... Tag 64 Ich schlafe lange und frühstücke ausgiebig. Ich erfrage noch einmal einen Blick in die Karte um meine Weg Situation zu klären – meinen GPXies traue ich nicht. Sie sagt sie kann mich nahc Hittisau fahren, falls ich noch was einkaufen müsste, was ich verneine, dann würde sie mich bis ins Lecknertal fahren, der Weg bis dahin sei eh nicht so schön und da gehe es auf jedenfall auf den E5... ich gucke auf die Uhr. 10. Ich bin leicht verkatert und für mein dafür halten recht spät dran. Ich sage ja und denke mir das das eine gute Rechnung ist. Trotzdem um 10 am kooleren Teil des Trails und 5km Roadwalks gespart um irgendwie wieder auf Trail zu kommen. Wir unterhalten uns sehr nett über Landleben in Österreich und warum für das Landleben eine relative kommunale Eigenständigkeit wichtig sei... Sie lässt mich 500 Meter vor der Mautstation raus mit den Worten „Damit Österreich in guter Erinnerung bleibt“ - hat sie sich als Botschafterin verstanden eines Landes verstanden, dass dato eher mit den Vega Boys assoziiert wird, und etwas Werbung braucht, schmunzel ich ihn mich hinein... „Das tue ich“ und laufe los. Direkt an dem Flüsschen entlang, auf kleinen Pfaden. War aber nur ein shortcut... Roadwalks stehen erstmal an. Das Tal ist voller Hofläden. Kühlschränke voll mit Milchleckereien... hmja, bin noch satt von Snickers Brötchen... und mein Rucksack ist ziemlich voll mit Futterpanik... Ich schaue mir wechselnd Auslage, Wolken und Berge an. Ich mag ja an Bergwanderungen, den Aufstieg durch das Tal – es hat für mich eine wunderbare Spannung. Die Berge werden immer größer, das Tal immer enger, irgendwann kommst du an den Punkt an dem es steil bergan geht und dann vielleicht weißt du, wo genau dein Pass ist über den es heute rüber geht... diese sich aufbauende Spannung, die Erschöpfung des Anstieges, die Rückblickende Versicherung was alles geschafft wurde macht für mich die Passquerung erst zu dem erhabenen Moment, der sie nun mal ist. Also laufe ich weiter auf der Straße, folge den Schildern Richtung Hochgrat. Kurz vor dem Leckner See stehe ich an einer Kreuzung, ich könnte entweder Gradeaus auf Wegen zur Hochgrathütte oder auf Steigen. Beides dauert ungefähr gleich lange. Ich entscheide mich für Letzters. Hadere beim Aufstig, weil die Markierung recht mau ist und weil die Serpentinen doch ersteinmal recht ausladend wieder in der Tendenz zurück Richtung Hittisau zu führen scheinen. An der Rohnealp kommt dann auch der Steig, vorher Wirtschaftswege. Die Aussicht ist, trotz oder gerade wegen der Wolken grandios. Es wird steil im Anstieg. Knackige 200 Höhenmeter und dann... Menschen, Menschen, Menschen... ich bin auf der Nagelfluhkette, auf einem Premiumwanderweg (mit dem Namen „Luftiger Grat“ und wieder in Deutschland. Huch, das ging aber schnell. Der Name des Weges ist Programm: Gratwanderung. Wunderschön. Die Wolken, der Nebel, der Wind verwandeln die Szenerie im Sekundentakt: Von einem White-Nothing mit 100 Metern Sicht, hin zu Wolkenfetzen die vom Wind über den Grat getrieben werden... nur blauen Himmel gibt’s erstmal nicht. Aber Grautöne sind auch was sehr schönes. Das Staufner Haus lasse ich liegen – zu faul für den fünfminütigen Abstieg und laufe direkt zum Hochgrathaus. Heißer Kakao. Pause. Es ist erstaunlich frisch und sehr windig. Dennoch bin ich nassgeschwitzt ob des immerwährenden auf und ab's... Das soll heute auch Thema des Tages sein. Weiter geht’s zum Hochgrat – 1834m, höchster Punkt meiner Reise bisher. Sicht gleich Null. Trotzdem sind viele Menschen hier. Ich laufe weiter Richtung Rindalphorn. Es wird leerer. Ich bin wieder für mich alleine. Sehr angenehm. Die Menschenmassen kamen doch recht unvermittelt. Es gibt keine Fernsicht. Es stört mich nicht. Der Nebel gibt der Stille etwas mystisches – unterbrochen freilich von Kuhglockengebimmel. Der Rindalphorn wird umlaufen – also erstmal runter. Der Weg ist stark erodiert und rutschig. Mir ziehts einmal die Beine weg. Das hat ziemlich wehgetan. Kurzer Schreck. Der Weg ist steil, aber nicht exponiert. Also nur der Schreck, aber sonst keine Gefahr. Meine Hand tut ziemlich weh – gibt n ziemlich fetten blauen Fleck. Und dann geht’s wieder hoch. Burralpkopf. Irgendwo zwischen hier und dem Sedererstuiben setzt sich die Sonne gegen die Wolken durch und den Aufsteig zum Stuiben mache ich in strahlender Sonne mit grandiosen Fernsichten. Vesicherte Stellen dürfen auch nicht fehlen. Den Steineberg umlaufe ich an seiner Nordflanke (das war das Appetizer Foto ) Ein letztes Mal Aussicht genießen. Dann beginnt der Abstieg. Bei der Vorderen Krumbachalp gucke ich kurz beim Käsen zu und laufe gefällig und bisweilen knieunfreundlich bis nach Gunzesried. Hier löse ich mal dan ganzen Orgakram vvom Bodensee auf: Ich habe demnächst Geburtstag, meine Freundin kommt vorbei. Da das Wetter aber nicht freundlich vohergesagt ist, haben wir uns entschlossen ein paar Tage in München zu machen. Also ich kann mir jetzt die Zeit totschlagen und noch weiter bist Oberstdorf morgen laufen oder es auch sein lassen und schon heute nach München fahren (meine Mutter wohnt auch da und sie besuchen – wir haben uns auch schon länger nicht mehr gesehen). Also ruf ich meine Mutter an. Passt. Ich checke ob ich einen Zug nach München krieg. Ok. 5Km und in einer Stunde fährt der Zug. Challenge accepted. Nach 10 Minuten sind wegen einer Baustelle sämliche Trailmarkierungen weg. Ist auch eine willkommenen Ausrede. Ich halte den Daumen raus. Erstes Auto Lucky Me! Eine Frau, die mir umständlich erklärt, dass sie das erstmal Tramper mitnimmt und ich ihr doch bestimmt nichts tue – ich gucke sie verwundert an. „Hallo, das einzige gefährliche an mir ist, dass ich seit ein paar Tagen nicht geduscht habe und ich stinke, ansonsten bin ich sehr harmlos“ gebe ich zurück und dann erzähle ich viel über meine Mutter, meine Tochter und meine Freundin – das beruhigt. Natürlich komme ich nicht umhin zu erklären, warum ich so lange ungeduscht bin. Auch das tue ich. Sie bringt mich zwar nicht bis zum Bahnhof aber nah genug dran, dass ich entspannt hinlaufen kann. Als ich beim Aussteigen frage wie ich am besten hinkomme, merke ich, dass sie immer noch total aufgeregt ist und mir wirklich sehr wirr und umständlich erklärt wie zu laufen habe – manche Abenteuer fangen für manche dort an wo sie zum ersten Mal einen Tramper mit nehmen, denke ich mir. Zum Glück gibt’s Google Maps, mit ihrer Beschreibung hätte ich den Zug sicherlich verpasst... Musik auf die Ohren und auf gen München. Und weil die wahren Abenteur ja bekanntlich im Reisen mit dem öffentlichen Personennahverkehr zu finden sind – sei noch diese Episode erzählt: Schienenersatzverkehr. Ich steige in den Bus, der Busfahrer zeigt rechts an meinem Kopf vorbei und sagt „Vorsicht“. Ich sehe ungemach, in Form eines stechenden Insekts oder etwas an dem ich mir den Kopf stoßen könnte, drehe mich, sehe nichts. Er noch mal „Vorsicht“ mit dem gleichen Fingerzeig. Ich gucke ihn irritiert an, bewege mich aber nochmal wegduckend eine imaginäre Wespe abwehrend... die sind ja aber auch verdammt schnell, manchmal „Was,Wo?“ Frage ich. „Pass auf, dass du mit deinen Stöcken hier keine Kratzer machst“... Ich hatte ich für ein paar Minuten vergessen, dass ich in Bayern bin. Ja, danke auch. Ein paar Bieren, folgen ein paar Zeros... es gibt einen Geburtstag zu feiern, es gibt Wiedersehen zu feiern, meine Schuhe aus Pforzheim sind schon durch und ich muss in München neue organisieren, es gibt eine Alpenüberquerung zu planen, es gilt es nach 2100km etwas auszuruhen, es gilt einfach die Zeit off Trail zu genießen... am Ende waren es acht Tage off. Und dann startet als Sahnhäubchen noch ne Alpenüberquerung, oder für die Zahlennerds 480km. 21000 Hm hoch, und 20000 runter...
  34. Tag 57 Zero. Ich muss feststellen, dass ich mit dem Zero nicht viel anfangen kann. Es ist deutlich kühler. Für mein empfinden so kalt, dass ich nicht ins Wasser hüpfen möchte. Alle anderen Mitcampenden, sind in einem ganz anderen Modus als ich unterwegs, ich gammel den ganzen Tag im Camp rum, alle anderen sind weg. Ich wasche meine Wäsche. Meine beste Freundin trennt sich von ihrem Freund. Langes Telefonat während ich meine schmutzige Wäsche wasche. Ich bin dankbar für die Abwechslung (Bitter). Ich gehe los, drehe eine Runde durch den Ort und hole Essen, eine Zeitung... und Bier und fange an um 14h Bier zu trinken. Ich laufe noch einmal los um irgendwas zu machen, meinen kaputten Schirm wegschicken. Bei der ersten Runde sah ich, dass es eine Post gibt. Ich gehe noch mehr Essen und noch mehr Bier kaufen. Ich esse, trinke und lese Zeitung. Instagram zwischendurch und mal die Wäsche umhängen, damit sie schneller trocknet. Ich schaffe es nicht mich wirklich still zu stellen. Ich schaffe es nicht wo wirklich zu entspannen. Ich bin ehrlich froh als ich in mein Tarp krabbel in dem Wissen das es morgen wieder auf Trail geht. Was zwei Monate mit einem anstellen können. Tag 58 Ich laufe gemächlich los. Und ich freue mich wieder on trail zu sein. Ich umlaufe den Riesenbühl. Gefällig ist's und schnell bin ich in Lenzkirch. So richtig drin bin ich noch nicht. Es ist 12 Uhr Metzgerei, zwei Supermärkte sind direkt bei der Ortsmitte, es ist entspannt hier. Ich gönne mir ein ausladenendes zweites Frühstück auf dem Rathausplatz. Ich weiß die Markierungen nicht richtig zu deuten und entscheide mich direkt auf den Schluchtensteig einzusteigen. Ich bin sehr gespannt. Vorgestern in Titisee, sah ich schon die Wutachschlucht ausgeschildert – von der habe ich nur Gutes gehört und war etwas enttäuscht, dass meine Wegführung mich zunächst von ihr weg führte. Ich ahnte ja nicht, dass ich heute durch sie durch laufen werden. Aus Lenzkirch raus laufe ich direkt in Tal der Haslach. Etwas ratlos stehe ich an einer Kreuzung und verusche mich zu orientieren. Zwei Jungs kommen vorbei „Hah, ich hab einen UL'er gespottet“ sagt der eine „Wir sehen ja auch alle gleich aus“ entgegne ich und muss mal wieder an John Z's Beschreibung seiner Klamotten als „typical thru-hikers uniform“ denken. Die beiden laufen den Schluchtensteig, kurzes Gespräch. Erst als die beiden weitergehen sehe ich, dass einer von den beiden einen ÜLA trägt. Ganz bald stehe ich vor dem Roodbach Wasserfall und dem Abzweig auf den Mühlenweg. Steil, etwas felsig und wurzelig mit dem Warnschild versehen „Betreten auf eigene Gefahr“ Ich jubiliere. Fängt gut an. Oben angelangt kurzer, feiner Singletrail zur alten Mühle. Eine ganze Wandergruppe kommt mir entgegen. Viel Hallo und Gelächter. Ich habe den Trail wieder für mich alleine, zumindest für die nächste viertel Stunde. Es ist voll heute und die Haslach-/Gutach-/Wutachschlucht ist nun mal gemacht für Tagesausflüge. Ich laufe etwas langweilig über eine breite Schotterpiste und finde den Abstieg in die Schlucht und stehe auf dem Höllochfelsen. Wow. Das fängt grandios an. Auf schmalen Pfaden geht es weiter zur Haslachklamm am Rechenfelsen. Ich bleibe beglückt stehen und genieße die Schönheit und Wildheit der Szeenerie. Ein sehr beeindruckendes Auf und Ab auf mal breiten, mal engen Wegen, mal hoch über der Wutach, mal direkt neben ihr, begleitet mich von nun an die nächsten Kilometer. Wasser gurgelt, plätschert, sickert, rinnt aus allen Ritzen, Spalten, einfach so mitten aus dem Weg... ich bin hin und weg. Am Räuberschlössle mache ich kurz Pause. Ein beeindruckender Felsen, der früher mal eine Burg war und später von Raubritter*innen als Unterschlupf genutzt wurde. Die Blicke in die Schlucht sind beägstigend tief und schön. Zwei Bushcraftende UH-Wandernde machen hier auch Pause. Wir unterhalten uns kurz. Sie wollen wissen wo ich meine Gaiters her hab. Ich finde es ziemlich beeindruckend, was die beiden so tragen (können). Niks für mich. Ich laufe weiter bis Schattenmühle. Verbummel vorher der Abzweig und packe mir noch ein paar hundert Meter auf den Tacho. An der Schattenmühle angekommen, bummeln später beide UHler*innen ein, ich unterhalte mich währenddessen mit einem anderen Querweg-Wanderer. Wir sind und schon in der Schlucht mehrfach begegnet. Ex-Gebirgsjäger, Anfang 20 vielleicht. Mit erstaunlich kleinem Gepäck. Vielleicht möchte es noch bis nach Freisingen laufen – ich finde das gut. Wir verabschieden uns. Ab der Schattenmühle legt die Wutaschschlucht noch eine Schippe an spektakulärem drauf. Wechselnde Gesteinsformationen, Steilhänge, sumpfige Bruchwälder, mystische Moosfelsen, breite Flussläufe mit großen Sand und Schotterbänken, Totholz und Pestwurz. Mal ausgesetzt roh in die Muschelkalk gehauen, mal auf breiten Steinplatten direkt an der Wutach entlang.... Ich verbummel unglaublich viel Zeit hier... muss irgendwann feststellen, ich muss etwas Tempo aufnehmen um noch aus dem Naturschutzgebiet rauszukommen. An der Wutachmühle angekommen, dann doch etwas ernüchtert. Ich stehe auf dem Vorplatz eines Sägewerks. Kulturschock für die Augen. Der Weg hält nicht mehr viel aufregendes bereit, außer die Schlafplatzsuche. Bis zum Sonnenuntergang und schlussendlich bis kurz vor Blumberg laufe ich noch bis ich was gefunden habe bzw. mich mit dem begnügen muss was da ist – eine Parkbank. Diesmal schlafe ich aber auf dem Boden vor ihr. Tag 59 Ich laufe nach Blumberg rein und von da aus direkt zum Supermarkt – Frühstück und, da es weiterhin heiß in einer Drogerie einen neuen Billoschirm. 300 gr irgendwas. Aber nur 3.99. Und wahrscheinlich genau so haltbar. Aufstieg auf den Buchberg. Hier oben fällt mir auf, dass die Landschaft sich wirklich komplett geändert hat. Sanft wogenden Hügel mit viel Landwirtschaft, eher wie der Kraichgau. Brüllend heiß ist es und ich kann sehr bald meinen neuen Schirm ausprobieren – diese silberne UV-Folie ist schon besser, das Mikroklima unter dem Schirm kommt mir deutlich wärmer vor... vielleicht ist es aber auch nur ein Gefühl. Ich laufe viel an Waldrändern mit Blick auf die leicht hügelige Landschaft. Im Hegau sind sie gesprengselt mit eigentümlich aussehenden Bergkegeln. Alte Vulkankegel. Oberhalb von Tengen, an einem Rastplatz treffe ich einen, der in seinem Van lebt, seit 13 Jahren – lange bevor es zum hippen Insta-Hashtag wurde. Wir unterhalten uns lange. Er erzählt mir auch viel über diesen Landstrich, erst dank ihm habe ich erfahren, dass das was für mich sehr eigentümliche Berge waren, eigentlich Vulkane sind. Im Schatten sitzen ist gut, ich spiele mit seinem Hund, in der Ferne blitzt der Bodensee und meine Mitbewohnerin hat per SMS angekündigt, dass sie nach 15 Jahren aus der WG ausziehen will – was für ein Tag. Ich bin verwirrt. Es ist Anfang Juli ich habe also noch 6 Wochen Zeit – ich muss erst Mitte August wieder zurück in Frankfurt sein -, in mir rumort es, da ich mit der Gotthard-Variante nicht zufrieden bin – ich laufe doch keine 2000km, um dann für 100km langweilig an einer Autobahn entlanglaufend die Alpen zu überqueren und keine gewissheit zu haben dass die Wege in Oberitalien überhaupt begehbar sind; das mit meiner Mitbewohnerin kam plötzlich, und irgendwie muss ich das Wochenende um meinen Geburtstag rum drehen – wo bin ich überhaupt um meiner Geburtstagsdelegation klar ansagen zu können, nach wo sie eigentlich Zugtickets buchen soll... oh und ja, meine eigentliche Tour, der E1 D-Land Section Hike geht zu ende. Ich bin heute viel mit mir beschäftigt und nehme, das drumherum eher kursorisch wahr. Es ist aber schön hier. Ich kümmere mich zu spät um die Schlafplatzsuche bzw. verkalkuliere mich, die Ecken, die ich mir auf der Karte ausgesehen habe entpuppen sich vor Ort als schön aber als Naturschutzgebiete, da wo die Natur nicht geschütz ist, ist sie intensiv genutztes Kulturland. Hinter Weiterdingen, nach dem Abstieg vom Hohenstoffeln, bin ich, nachdem ich mich auch noch einmal kurz verlaufen habe, bereit mich einfach auf einen Parkplatz für Wandernde zu legen... als ich da so stehe und mir denke, es ist eine deiner letzten Nächte auf dem E1 und in Deutschland – auf einem Parkplatz. Irgendwie... mich stört die Vorstellung und obgleich es bereits sehr spät ist, laufe ich den Feldweg nach dem Parkplatz noch ein Stück weiter. Wer sagts denn? Ein Ackerrandstreifen eines Maisfeldes. Ich glaube den See sehen zu können. Ich schiebe mich zurecht auf etwas unebenem Boden und dann dürfen die Moskitos sich über lecker angerichtetes hermachen. Nacht Nummer zwei in der ich es bitterlich bereue kein Bug-Bivi dabei zu haben. Tag 60 Mein Schlafplatz ist recht Sonnenexponiert – um kurz nach 6 bin ich wach, weil die Sonne mich brät. Ich stehe auf, packe mein Zeug und lauf zur nächsten Bank. Frühstücken. Ich telefoniere mit meiner Freundin, wg. Orga und den Plänen meiner Mitbewohnerin... Ich laufe durch eine schöne Landschaft, Äcker, Felder, an Flanken von Vulkankegeln entlang und alles nehme ich nur so am Rande war – im Kopf bin ich aus so langsam am Abschied nehmen, Abschied vom E1 in Deutschland, Abschied von meinem ursprünglichen Ziel – zugleich keimt die Unzufriedenheit einer Weiterführung des E1 bis ans Mittelmeer immer weiter. Immer wieder mache ich Pausen und suche im Netz nach Alpenüberquerungsvarianten... Um 9.30h stehe ich vor einem Schild: Konstanz 50km. Endgame, denke ich mir mit meinem Faible für Comic-Verfilmungen. Irgendwann, irgendwo ist es klar: Ich gehe über den E5, der geht in Konstanz los. Ich bin auf einer Strecke, die bahnmäßig für die Rückfahrt an allen möglichen Exitpunkten gut angebunden ist, da „Alpenüberquerung“ und „E5“ bei der google Suche das gleiche sind, ist die Informationslage sehr gut - zumindest von Oberstdorf bis Meran. Wie zu Ersterem komme, muss ich dann im Finetuning herausfinden. Es fühlt sich erleichtert an. Ich weiß jetzt wie es weiter geht, dass es weiter geht stand nie zur Disposition. Warum auch? Verrückt eigentlich. Fast 2000km nach etwas 60 Tagen und immer noch Lust auf mehr? I am hooked. Der Mindelsee ist vielleicht, der erste Ort den ich wieder bewusster Wahrnehme. Er ist schön. Der Weg zur Badestelle ist mir aber zu weit weg und laut meiner Karte und meinem Infosheet gibt es später eine Hütte am See – ich sehe mich schon im kühlen Nass plantschen. Umleitungen und Wegsperrungen verhageln mir den Plan. Ich laufe weiträumig um den Erstkontakt mit dem Bodensee durch Wälder, die nicht sonderlich ansehnlich sind, die sehr nah an der Straße sind und voller Moskitos. Ich versuche vor Wallhausen noch einmal freestyle näher an den See zu kommen, schaffe es aber nicht und laufe einiger maßen frustriert weiter. Es ist schon spät. Es ist immer noch drückend heiß. Kurz vor Wallhausen soll eine Hütte sein, die Wiese davor gefällt mir besser. Ausblick auf Überlingen, einigermaßen Ruhig. Ich finde die Bodenseeregion ziemlich zersiedelt. 13Km vor Konstanz! Morgen bin ich mit dem E1 fertig! Morgen habe ich nach fast 2000km (oder ein bisschen mehr, wer weiß) Deutschland von Norden nach Süden durchwandert! Ich schaue der Sonne beim untergehen zu, gucke auf Überlingen und die angehenden Lichter dort. Und baue mir im Halbdunkeln mein Camp auf... Nacht drei in der ich mir sehnlichst ein Bug Bivi gewünscht habe. Dazu ist es so heiß, dass ich mich nicht im Schlafsack verkriechen kann. Dampfgaren heißt dass. Es dauert lange bis die richtige Balance gefunden habe – also wieviel ich mich selber zum Fraß offeriere und wie sehr ich überhitzen möchte. Wahrscheinlich kämpfe ich mich so in den Schlaf, ich kann mich nicht erinnert eine Balance gefunden zu haben. Morgen in Konstanz frage ich mal nach sowas wie einem Bug Bivi – obwohl... für die Alpen? Aber Oberitalien... ich habe ja 13km Zeit morgen mir Gedanken zu machen... Tag 61 Was ich auf diesen 13 Kilometern dann gemacht habe, außer sie zu laufen...? Ich bin total gerädert, zerfressen und klatschnass wachgeworden. Mein denken kreist primär um Koffein, dass es in Konstanz geben... und Internet, damit ich genauer gucken kann wie es wirklich weiter geht... und ach ja btw einen 2000km Deutschland Thru-hike beenden... Der Weg ist nicht spannend. Eines meiner Konstanz-Highlights kommt unspektakulär mitten im Wald. Die Uni Konstanz! Aha. Mein Staatstheorieprof, der Staatstheorieprof bei dem ich lernen durfte startete da seine akademische Karriere. Toll. Ich mache ein Foto. Hundetraining ist auf dem Parkplatz und ich denke mir wie wäre es einfach wenn alle Hunde Sitz gemacht haben, Hundekuche in die Meute zu werfen. Ich laufe nach Konstanz rein. Und es zieht zieht sich erstaunlich. Ich bin etwas aufgeregt. Ich weiß aber auch, dass es keinen Trailhead gibt, sondern dass einfach die Beschilderung aufhört. Ich habe mir gedacht, dass ich den Hafen für ein finish gut finde – es ist einfach scheiße wenn es keine Trailheads gibt – dann fehlen die Rituale und die ikonographischen Fotos. Endlich Wasser. Brücke, Altstadt... Hafen. Das Schild des Querweges zeigt hier nur noch in eine Richtung, nach Westen. Ist es das? Ich laufe noch einmal um das Schild. Sorge für lächeln und lachen in einer Hochzeitsgesellschaft die sich hier trifft. Ja, es ist mein Trailhead. Ich bin fertig. Ich bin wirklich fertig. Ich habe den E1 gelaufen, ich bin 2000km, oder fast oder doch etwas mehr gelaufen. Von Krusau bis hierher! Die Sitzplätze um das Schild sind mit Tourist*innen besetzt, die Hochzeitsgesellschaft, es ist voll, es ist heiß, ich bin überfordert, ich bin müde... ich brauche tewas ikonographisches!. Ich setzte mich an das Zeppelin Denkmal gucke auf die Imperia. Laufe ein paar Schritte in den Bodensee. Instastory. Tief durchatmen... Ich brauche einen neuen Schirm, ich will ein Bug-Bivi, ich will einen Kaffee, ich muss einkaufen... es ist 11 Uhr. Ok let's go. Und Ach ja... wirklich an gekommen, dass ich so eben Deutschland auf den E1 durchwandert habe ist es bei mir nicht, bzw. es ist im Orgadiesdas für den nächsten Abschnitt untergegangen... das ist mir aber auch erst später – unter Mithilfe von außen aufgefallen. OT: und ab jetzt müssen wir den Thread umbenennen: Thruhike E1/E5 Flensburg-Konstanz-Verona 2020 Wenn die Admins das machen könnten wäre das ganz großartig! merci Ich mache Pause in irgendeinen hippen Cafe, es gibt Cola Kracher for free. Soja Cappuchino und einen riesen Brownie. Ein wenig Recherche. Und relativ schnell ist klar auf dem E5 steige ich erst in Bregenz ein, ich laufe über das deutsche Bodenseeufer. Ich habe über die Schweizer Seite nicht die besten reviews gefunden. Über die deutsche keine, dass heißt nicht, dass sie gut ist, aber es hat sich noch niemand beschwert... tolle Logik. Ausserdem kann ich so besser auf die Alpen gucken, muss kein Roaming bezahlen und es ist dann doch etwas billiger, als der Schweizer Lifestyle... Den Schirm den ich wollte gabs nicht, also wieder einen UL-Knirps, kein leichtes Bug-Bivi. Für die Alpen? Die zwei Tage am Bodensee hälste auch so noch aus... oder? Resupply. Noch und los zu Fähre – also mit dem Bus nach Stadt und dann Autofähre nach Meersburg. Schöne Aussichten auf den See, die Berge können erahnt werden, es ist bleigrau und diesig auf der schweizer Seite. Meersburg ist ziemlich Touristisch, aber schön mittelalterlich. Ich Irre etwas durch die Gegend und finde sowas wie meine Trailmarkierung. Zumindest finde ich ein Schild auf dem Hagnau steht, da muss ich hin. Passt. Über Sanfte Hügel voller Weinreben und grandioser Aussicht über den See laufe ich also gen Hagnau. Hagnau ist ganz schön. Ich kaufe mir an einem Obststand Bodensee Aprikosen -ein Traum. Es frischt auf- das was da grau auf der anderen Seite hängt kommts rüber oder sind das die Reste von dem was da drüben passiert. Ein paar dicken Tropfen kommen noch so runter. Zum Glück bleibe ich aber von dem richtigen Regen verschont. Bei Immerstaat sind aber die Kite-Surfer*innen happy. Das Gewitter auf der Schweizer Seite hat den Dnst aus der Luft gewaschen. Berge! Kitende vor Bergpanorama. Absurd schön! Der Kaiser Wilhelm II. Uferweg ist wegen Hochwasser gesperrt – na ma gucken, so viel ist es nicht... ich komme sehr weit ohne nasse Füsse. Zu weit um umzukehren. Also weiter mit nassen Füssen. UUUh. Abenteuer! Und schon bin ich dann doch in Friedrichshafen. Da ich alles was ich Konstanz gekauft habe schon aufgefuttert habe, kaufe ich mein Abendessen in Friedrichshafen, setz mich an die Promenade und esse zu abend. Mich treibt so langsam rum wo ich schlafen soll. Das Bodenseeufer ist entweder zu gebaut oder Naturschutzgebiet oder Kulturlandschaft – da bin ich nicht vorgesehen. Ich habe aber die Hoffnung noch nicht aufgeben – das Eriskirchener Ried... ich laufe gut gesättigt los. Erfreue mich an der Bauhaus-Ästhetik des Zeppelinmuseums und als cih die Rotach-Mündung erreiche erblicke ich ihn verheißungsvoll: den Campingplatz Rotach. Ich überlege kurz. Yoh! Morgen dann wieder draußen. Einchecken. Aufbauen. Ich checke meine Nachbar*innen mit nem Landi an- die haben eine Kabelrolle, ich kann mein Handy laden. Kurzer Schnack. Er guckt in mein Tarp. „Guck mal, Schatz, der ist seit zwei Monate mit so wenig unterwegs“. Sie: „Ich sag ja, dass das geht“. Die Frau weiß bescheid – aber mitm Landi von Stuttgart an den Bodensee. Die Moskitos sind moderat heute... Bewohner*innen der Bodenseeregion teilen mir aber mit, dass es dieses Jahr so schlimm wie schon lange nicht mehr ist...
  35. Tag 52 Zum Frühstück ziehe ich mir eine Zecke, die ich gestern Nacht schon totgekratzt habe – hm. Isso. Auf nach Dobeln. Volzemer Stein. Beeindruckend. Ich laufe durch viel, viel Wald. Auf meine ersten Höhen und grandiosen Aussichten. Auf dem Weg zum Schweizer Kopf ziehe ich mir Schwarzwald-Zecke Nummer Zwei aus dem Schienbein. In zwei Teilen. Die wollte nicht gehen... Hohlomüß. Ein Moor und See und wunderschön, Auf fast 1000 Metern. Die Plankenwege sind neu gemacht worden und rochen in der Sonne angenehm harzig. Ich bin Glücklich. Aussichtsturm: Wald, Wald,Wald... so hatte ich mir das auch vorgestellt. Schön. Abstieg nach Forbach. Soll schön sein wurde mir gesagt. Ist's auch. Meine Kniee atmen auf, als ich Forbach ankomme. Hier esse ich zu Abend. Überquere die berühmte Forbacher Holzbrücke. Done it! Als aufmerksamer Zuschauer der @Soulboy Videos weiß ich das es was besseres als die Wegscheidhütte gibt... Ich laufe zur Hütte an der Schwarbachtalsperre. Besser als im Video. Heute wieder Marathon. Fast 43km. Füsse ins kalte Wasser. Tag 53 Zum Frühstück muss ich mich mit dem Thema der Nahrungskonkurrenz auseinandersetzten und etwas gestehen: Ich liebe auf Tour, seit letztem Jahr Avignon-Issoire, Milchbrötchen als Trailfood. Mäuse auch. Mein Foodbag ist löchrig. Die Verpackung kein Thema für Mäusezähne ¼ Brötchen weg. Die Viecher brauchen 2gr am Tag für das pralle Leben. Ein ¼ Brötchen! Ich und Hikerhunger im Supermarkt ist wahrscheinlich das gleiche. Durch das Seetal geht’s hoch zum Herrenwieser See. Ein Kersee, glazial. Touristisch werden sie als die blauen Augen des Schwarzwald beworben – braun passt besser finde ich. Viele Verbots- und Erklärungsschilder drumherum, ein kleiner Zaun. Stört niemanden Trampelpfade zum See. Menschen sind dumm – manchmal. Auf dem Badener Kopf, kann ich nicht auf den Aussichtsturm, der Blitzableiter wird erneuert. Ich ärgere mich, kann aber Gewerbekletterern bei der Arbeit zu gucken. Beidruckend. Die Badener wurde mir ja bereits, als von Stürmen geformte Landschaft angepriesen... ich bin etwas entäuscht, weil ich mir das spektakulärer und wilder vorgestellt habe – und ganz ehrlich, sie wäre mir gar nicht aufgefallen, hätte ich die Infotafel nicht gesehen. Hochkopf und Hornisgrinde begeistern mich, dafür. Habe ich mich geärgert. Vergessen. Fantastische Fernsichten. Rheinische Tiefebene, bis zu den Vogesen im Dunst. Tief in den Schwarzwald hinein auf der anderen Seite. Moore und Heide. Ich bin verzückt. Der Mummelsee ist Massentouristisches Kontrastprogramm – stört mich nicht. Ich Isotonisches Hopfengetränk, Handy Steckdose. Bis Darmstädter Hütte Singletrail durch Totholzwald... wow! Wehmutstropfen: Schirm kaputt gegangen. Hm... Doof. geht’s ohne? Gucken wir mal. Sonne brennt. Egal. Es ist so schön hier. Schnell ists vergessen. Weiter in den Bannwald um den Wildsee. Kersee Nummer drei. Urlwald seit 1911... es ist so schön hier! Auf dem Schliffkopf esse ich in der sich langsam senkenden Sonne zu Abend i am in love und verbrenne mir den rechten Oberschenkel. Es gibt keine Hütte mehr auf den nächsten Metern... bzw. etwas weiter weg... schaff ich das bevors Dunkel wird? Um es direkt aufzulösen: Nein. Oberhalb von Dollenberg ists so dunkel dass ich nicht noch weiter laufen möchte. Aber hier gibt’s einen schönen Ausblick und große Bänke – geil auf ne Bank schlafen. Es ist sehr windig, aber mein innerer Wetterfrosch weiß, wenn die Luftmassen sich im laufe der Nacht einmal ihre Kalt-Warm-Umverteilung gemacht haben, flaut es ab. Tag 54 ...mein Wetterfrosch lag kolossal daneben. Es wehte konstant die ganze Nacht. Ist ja auch ein Paraglidingspot. - und nach genauerer begutachtung der Topographie- eine Frischluftschneise ins Rheintal... Um den Kreislauf in Schwung zu bringen lauf ich zu der Hütte und frühstücke dort. Bis Hark ist der Glaswaldsee einziges Highlight. Der Weg ist gefällig. Viellicht bin nich nach gestern auch überfressen. In Hark mache Pause beobachte Wandernde und E-Bikende und beginne langsam Deutschland Revue passieren zu lassen. Ich laufe noch 250km durch D-land. Es geht weiter recht gefällig nach Hausach. Walderbeeren – wie schon um den Schweizer Kopf rum. Diesmal nehme ich mir mehr Zeit und setze mich wie ein Kind ins Erdbeerfeld und esse alles ins armweite errichbare und rutsche auf dem Po weiter... Ich raffe mich ob des kulinarischen und frühkindlichen Spektakels wieder auf und laufe weiter. Die Hohenlochen Hütte: Eigentlich stehe ich nur vor der Wegmarkierung und überschlage kurz wann ich in Hausach bin „Wollen Sie nicht rein kommen, es gibt Kaffee und Kuchen... Selbstgebackenen Erdebeerkuchen...“ Okay Überzeugt. Den beiden Damen vom Schwarzwaldverein ist langweilig, ausserdem werden sie ihren Kuchen nicht los – heute kommt niemand vorbei. Ich tue ihnen und mir den Gefallen. Zwei Stücke Kuchen, gradiose Aussicht und eine Hüttenführung. Der Abstieg nach Hausach: Knietod! Ich fluche. Dort angekommen. Resupply und Essen auf dem Parkplatz. Ich bekomme Kirschen geschenkt, weil ich da so sitze und esse – Nachtisch und Trail Magic. Hausach ist, so heißt es Kernland des Schwarzwald-Klischees. Ich bin gespannt und poliere schon mal meine Klischeebrille prophylaktisch. Aufstieg auf den Farrenkopf. Was für ein Mörderanstieg. Steil. Keine ½ Stunde brauche ich und mein Wasser ist leer und direkt in die Kleidung geschwitzt. Hm. Fehler in der Wasserplanung unterhalb vor dem Gipfel ein Abzweig zu einem Brunnen – wer hat, dem wird gegeben. Glückskind. Ich wasche mich hier und mein Hemd. Trinke mich kugelrund und gehe weiter. Zu meiner ganz großen überaschugn durch Buchenwälder! Die Hütte ist schön. Mir ists aber zu früh. Ich lasse bis zum Karlsstein alle weiteren Hütten liegen und habe nun ein Problem eine geeignete Stelle zum Schlafen zu finden. Ich bau mir was muckeliges zwischen jungen Tannen. Tag 55 Auf der Suche nach einem Klischee... im Kernland von Bommelhüten und Kuckucksuhren wurde mir eine Landschaft aus Wald und Feld mit typischen Schwarzwaldhäusern versprochen. Dem war so. Es war wie Heimatfilm der 50er Jahre, Heintje summt und es riecht nach DIA-Abend bei Oma. Das noch bis heute eingespielte und vermarktete Schwarzwald-Bild ist im übrigen zur gleichen Zeit wie die Heideromantik aufgetaucht, so um 1880... Nationale Einheit und Gründerkrach. Krieg und Frieden. Wirtschaftliche Modernisierung in rasender Geschwindigkeit und Konservierung des Altbackenen im Monarchismus... Bommelhüte, tiefe Wälder, Weiden und Kühe drauf und Kuckuckusuhren helfen da. Aber was unke ich, es ist schön hier. Und auf einem Thru-Hike haben die Gedanken viel zeit frei zu flottieren – ein wenig bekommt ihr davon ab. Ist ja auch ein Deutschland Thru-Hike, also mache ich mir natürlich auch ganz viel Gedanken über dieses D-Land und was das für mich heißt hier (aka. Westdeutschland) sozialisiert worden zu sein... aber zurück zum Wandern... Heute begleiten mich in der ersten Hälfte des Tages Moore. Am Blindensee mache ich Pause, eine Infotafel sagt, das Wasser sei krachsauer. Als meine Sitznachbar*innen weg sind, stecke icjh meine n Finger ins Wasser. Stimmt gar nicht. Ich und mein Entdeckergeist sind etwas entäuscht. Irgendwo bei Martinskapelle könnte ich zur Donauquelle, hab ich dann doch keine Lust. Ich habe mir Kaffee auf dem Brend in den Kopf gesetzt. Ich merke, dass ich schon die Lahnquelle ausgelassen hab – das konnte ich noch rechtfertigen weil ich den Lahnhöhenweg noch auf meienr Bucketlist hab. Ich sehe jemanden mit einem Riesenrucksack und Zelt dran und ein jüngeres Paar mit Tourenrucksäcken – Westweg? Ich mutmaße. Aber Caffe con Hielo erstmal. Die Günterstein stehen auf einmal plötzlich vor mir. Sehr beeindruckende Gesteinsformation aus dem Boden erodiert und bizarr aufgetürmt mitten im Wald. Das Naturfreundehaus Brend ist am Brend und nicht auf dem Brend und der Service ist sichtlich überfordert mit meiner Bestellung. Ich treffe den großen Rucksack mit Zelt und die beiden Tourenrucksäcke wieder. Auch Pause. Eine Taufe ist auch da und ein paar E-Biker, die über Akkuleistungen fachsimpeln und Biertrinken. Ich starte wieder und habe die beiden Tourenrucksäcke schnell eingeholt und den großen Rucksack mit Zelt – ihn quatsch ich an: Ja Westweg, mit Zelt und 20kg auf dem Rücken. Respekt! Wir Unterhalten uns und laufen ein Stück gemeinsam. Aber die 20kg fordern den Tribut der Langsamkeit und alsbald trennen sich unsere Wege. Ich treffe die beiden Tourenrucksäcke – ein Londoner Pärchen, auch auf dem Westweg, aber ohne Zelt. Wir unterhalten uns und ich schaue kurz in ihre Karte. Dabei entdecke ich Nazihäusle. Ich zeige drauf und fange an zu lachen „OGM. I love Germany“ pruste ich. Er: „Propably they forget to rename it“ gibt er trocken zurück. Briten und ihr Humor, so das Stereotyp – hier stimmts! Wir unterhalten uns noch ein wenig und schauen auf den Feldberg der in der Ferne sichtbar ist. Gefällig geht’s bis Kaltenherberg. Ich mache hier länger Pause – der große Rucksack und die beiden Londoner*innen treffe ich hier wieder. Für alle drei ist hier Endstation für heute. Es ist zwar 16h als ich aufbreche, aber immer noch brüllend heiß. Der Wegweiser sagt 36km bis Feldberg...dann auf den Querweg. E1 in Deutschland nähert sich dem Ende... zunächst laufe ich aber, sehr gefällig und immer in hörweite oder direkt neben der B500. Bis Süßes Häusle, da fülle ich mir Wasser auf und laufe weiter bis zur Hütte Doldenbühl: Postkartenaussicht auf Felder und Wälder. Summer und Vogelgezwitscher. Ich richte mich häuslich ein – schmunzel darüber, wie häuslich ich es mir mache. Nackt bis auf die Unterhose essen ich – sehr häuslich – was einen älteren Herr, der vorbei kommt, nicht davon abhält ein Gespräch übers Wandern mit mir anzufangen... wer ist hier härter im nehmen, denke ich mir. Freue mich aber über die Abwechselung. Noch mehr freue ich mich aufs Bett und den bevorstehenden Zero. Ich bin seit Frankfurt am durchballern und Ermüdung macht sich breit. - Schluchsee ist der Plan: Hitze, See, Cool Camping beste Kombi. Tag 56 Es gibt zu dem Tag eine Vorgeschichte- einer meiner Instafollower kündigte als ich Pforzheim war an, dass er am Titisee sei und Trail Magic anstehe wenn ich denn vorbei käme... ambitioniert war die Idee von uns beiden, dass mit einem persönlichen Treffen zu verbinden und es wurde in den letzten Tagen klar, dass es unschaffbar sei. Er wolle mir aber etwas dann wenigstens verstecken. Im Bach am Golfplatz – geocaching deluxe oder eben Trail Magic. Die Sonne knallt mir früh ins Gesicht. Es ist um 7h bereits recht heiß. Schnelles Frühstück und auf nach Titsee. Schnell sind die 10,12 km gelaufen. Vorfreude und Spannung tragen sehr gut. Ich finde eine Plastiktüte im Bach: Bier, Schwarzwälder Schinken, ein Messer, Schmerzmittel und löslichen Kaffee... GEIL! Ok Bier ist kalt und es ist 10 Uhr. Bier zum Frühstück? Klar, ist Montag! Und klar, eine anti-bourgeoise Punkrock-Attitude sagt,, dass Biertrinken vor einem Golfplatz die Ultimative Geste adoleszenter Rebellion sei. Bier leer und ich recht voll. Ich laufe sehr beschwingt nach Titisee sein. Zum Glück. Titisee ist ein Monster aus50er Jahre Heimatfilm, gerontophilem Tourismusmarketing und globalisiertem Schwarzwald-Disneyland. Ich finde heraus, dass es einen „Supermarkt“ gibt. Tourinepp für viel Geld. Egal, ich bin angetrunken und habe perverse Essensgelüste, die JETZT befriedigt werden wollen. Ich gönne mir noch einen Espresso auf einer der Seetrassen. Den drittschlechtesten der Tour und den teuersten. Es riecht nach Mottenkugeln und Tod. Ich muss noch ein wenig ausharren- meine Powerbank braucht Saft... So richtig kann ich mich nicht entscheiden welche Variante ich zum Feldberg nehmen so – in Titsee teilt sich der Westweg in die Ost- und Westvariante... Ich entscheide mich für freestyle. Und laufe Richtung Bärental um den Titsee. Umleitung wegen Baumarbeiten. Roadwalk. In Bärental angekommen verlässt mich die Orientierung, aber zuerst die Markierung und ich improvisiere mich auf dem Walter Wochner Steig gen Feldberg. Immer an der Feldbergstrasse entlang -laut. Ich betrachte es als Training für die Gotthard-Kilometer über die Alpen. Der Steig, ist abgesehen davon, dass er direkt an der Straße langläuft, schön. Ich stehe irgendwann am Feldbergpass. Die Wegführung erscheint mir seltsam. Querweg? Aber es gibt eine Markierung Richtung Schluchsee. Über den Feldberg führ die so gar nicht- auf den wollte ich aber noch... 5km. Eine Mischung aus Ehrgeiz, Sturheit und Eitelkeit auf den höchsten Berg der Tour bisher zu kraxeln,treibt mich trotz aufziehendem Gewitter, in einem wahnwitzigen Tempo auf den Berg. Oben komme ich zwischen Seebuck und dem Feldberggipfel an... es donnergrollt, beeindruckend bleigraues hat sich über dem Gipfel zusammengeschoben und es sieht vor allem sehr weit aus. Sturheit, Ehrgeiz und Eitelkeiten sind manchmal auch dysfunktional. Ich laufe zum Seebuck und versuche einen Blick auf die Alpen zu erhaschen- zu diesig. Die Sicht ist dennoch grandios.Die Seilbahn hat zu: Gewitterwarnung. Also steige ich schnell ab. Recht schnell bin ich wieder am Pass. Fülle mir im Mutter-Kind-Erholungsheim der Caritas am Pass Wasser auf und laufe durch das ausladende Tal, welches der Feldberggletscher gen Schluchsee formte. Dieser liegt auf einmal, groß, blau und verheißungsvoll vor mir. Ein langer Tag und vor allem viele Kilometer seit Frankfurt in etwas mehr als einer Woche liegen schwer in dem Beinen. Ich packe Musik auf die Ohren und lasse mich von meiner Grime-Playllist weiter ziehen bis zum Schwarzwald Camp. Hipster Camping ausm Cool Camping Führer. Ich muss beim einchecken und als ich meinen „Parzelle“ beziehe, schmunzeln, weil der einzige Unterschied zwischen meinen bisherigen Nächten und dieser ist: Es steht jemand im Wald, sagt Hallo, lädt deine Powerbank und zeigt die das fancy Goldeimer-Kompostklo und dafür zahlst du Geld – Dusche und generell alles was mit fließend Wasser und Strom zu tun hat, darf auf dem „richtigen“ Camping nebenan genutzt werden.
  36. Tag 47 Ich laufe entspannt – weil verkatert - los. Es ist seltsam einen Trail direkt vor der Haustür zu starten, zudem ich wirklich im Günthersburgpark keine 10 Minuten später auf dem E1 bin. Es ist 11h. War spät gestern. Wird ein netter Spaziergang durch meine Stadt. Am IG-Farben-Campus geht’s zum Rothschildpark, Opernplatz in den Anlagenring Richtung Main – eine meiner Lieblingsecken in Frankfurt: Park und Hochhäuser ergeben ein minimales Central-Park-Feeling. Klein Nizza am Main, ich nicht über den Eisernen Steg, sondern nehme den Mainuferflöohmarkt mit und laufe durchs Brückenviertel. Am Lokalbahnhof steige ich in den Bus. Weil komme was wolle, die 2 km Südsachenhausen sind landweilig. Der Bus bringt mich an den Waldrand. Ein Flugzeug donnert über mich hinweg – hach, Stadtwald. Ich laufe auf eine lange gerade und weitere Flugzeuge folgen... Beides kenne ich vom Stadtwald und deshalb meide ich ihn. Naherholung ist das nicht. Dennoch bin ich angenehm überrascht wie abwechslungsreich es hier ist. Kesselbruchweiher und schon bin ich in Neu-Isenburg. Wiesen, Bruchwald, Golfplatz, Felder, Blick zurück auf die Skyline im Westen der Stadt und schon bin ich in Dreieichenhain. Schöne pittoreske Altstadt, Fachwerkhäuser, Burganlage, Stadtmauer, Mittelalterfest im Aufbau/Abbau? Lecker Eis und neues Wasser. 50.Breitengrad überschritten. Gefällig geht’s weiter, der Himmel braut aber spektakuläres zusammen. Zwischen dem völlig überlaufenen Steinbrücker Teich und dem Stadtrand von Darmstadt (oder dem Viviarium für Ortskundige) fängst an zu schütten. War angekündigt. Passt. Hört aber erstmal nicht auf. Hach im Regen aufbauen... es kommt aber noch eine Hütte. Ich Blicke auf die Uhr, das passt zeitlich alles...Huch. Samstag. Morgen Sonntag = Geschäfte zu! Meine Essensplanung war darauf gar nicht eingestellt (Ich habe mir nämlich kaum was mitgenommen) Ok. Also doch bis Ober-Ramstadt... am Waldrand mit Blick auf den Odenwald eine Hütte. Hütte „Odenwaldblick“. Maps, sagt der nexte Supermarkt ist ein Kilometer weg, eine Reiterin bestätigt das. Wenn schon denn schon, nach 44km heute, frisches zum Abendessen – mal wieder viel zu viel. Ich befreie den Boden von Kippen und Scherben und mache es mir gemütlich. Schlafen. Nachts werde ich von Stimmen und Licht direkt in mein Gesicht wach „Hey, da liegt einer“, „Krass, ist der tot?!“ … „Nee, der Tote schläft hier“ blinzel ich verpennt eine Gruppe Jugendlicher an. „Puh, wir dachten schon...“ „Störts dich, wenn wir hier bleiben...?“. Ich hab Ohropax. „Nee, lass den mal pennen“... sie ziehen ab... ich drehe mich um und schlafe weiter und frage mich warum ich ihnen angeboten hab zu bleiben, ich hätte keine Auge mehr zu getan... Tag 48 Das schöne an Regen ist ja, was Sonne und Wind am nächsten Tag damit machen: wunderschöne Himmel. Es ist ziemlich schwül. Ich bin gerädert. Mit Kater 44km und die kurze Unterbrechung der Nachtruhe. Ich komme dennoch gut voran und bin um 10.30h an der Kuralpe Kreuzhof. Hier mache ich ausgiebig Pause. Espresso und Schorle. Von hieraus ist's nicht weit bis zum Felsenmeer. Ich bummel gemütlich weiter. Ich schmunzel mir einen zurecht ob der Erkenntnis, dass ich dreimal im Odenwald wandern war und obgleich ich es nicht intendiert habe, dennoch dreimal über das Felsenmeer gelaufen bin. Es ist Samstag und Sonnig- es ist voll. Es stört mich nicht. Ich laufe gemütlich, das Felsenmeer runter, unten angekommen, stecke ich meine Füsse in den kleinen Bach und gucke den Menschen beim Ausflug machen zu und verarzte meine Blase. Ich habe mir ironischerweise während meiner Zeros, beim 2 km schieben meines Fahrrades in Frankfurt eine Blase auf dem rechten Spann zugezogen, die auch noch aufgegangen ist und vor sich hin suppt – ich laufe 1350km nach Ffm blasenfrei und 2km durch die Stadt und hole mir eine Blase? Seriously? Weiter durch Reichenbach – hier folge ich erst mal der Gewohnheit der letzten beiden Odenwaldwanderungen und folge den bekannten Pfaden. Ist aber falsch. Und wieder zurück. Bis Birkenau macht der Odenwald, dass wofür ich ihn liebe! Rauf und Runter durch Wald und Flur. Manchmal öffnet er sich Richtung Rheinebene oder in die andere Richtung und lässt tief in sich hineinblicken – beides sieht grandios aus. Es ist Mahdzeit und die Hügel riechen nach frisch gemähten Gras, Greifvögel kreisen über den gemähten Wiesen, die Sonne scheint. Ein wunderbarer Tag. In Birkenau organisiere ich mir Wasser, verbummel einen Abzweig und stehe vor einer riesigen Hütte. Es gibt keine Zufälle. 44Km heute. Füsse dampfen. Tag 49 ich verschlafe bis 9h. Danach stoplper ich etwas neben der Spur durch den Tag. Mache bei einer kurzen Pause meinen Cold Soaking Jar kaputt- na toll! Die 14km bis Wilhelmsfeld sind ne ziemliche Quälerei. Mental. An der Landschaft kann es nicht liegen, die macht da weiter wo sie gestern aufgehört hat. Ich freue mich auf ein ausgiebiges Mittagsessen und etwas eiskaltes zu trinken – wie der Laden hat zu? Mittagspause? Ok. Bäckerei. Mittagspause? Welch Insel arbeitnehmerischer Seeligkeit. Am Erdbeerstand, die letzte Schale Erdbeeren ergattert, an der Tanke Schokoriegel (geil, was drauf steht... ist mir gar nicht aufgefallen dato). Ich mache Pause vor den Bibliothek im Schatten. Aufstieg zum Schriesheimer Kopf (530m) und da noch auf den Teltschick-Turm gestiegen. Grandiose Aussicht. Bestmarken von einem Turmrennen hängen unten. Ich treffe auf dem Weg eine MTB'lerin. Wir schnacken eine ganze Weile sehr nett. Ist ihr freier Tag. Sie sagt nächsten Samstag sei hier, das Turmrennen, die Feuerwehr renne hier in voller Einsatzmontur hoch und es sei ein ziemliches Fest. Ich fand die Zeiten eh schon ziemlich absurd, jetzt erscheinen sie phantastisch. Respekt. Respekt gabs noch für meine Tour und meinen Rucksack- sie habe auf Hüttentouren ja mehr dabei. Tja, U!L! Ich schlumpfe weiter bis nach Ziegelhausen- im Örtlichen Discounter kaufe ich mir ein geiles Abendessen, zerfließe im Schatten ob der Hitze und schwitze mich den Auberg hoch, hier soll ne Hütte sein, die viel verspricht – und dann doch niks hält. Keine Aussicht und viel zu klein. Ich finde ein Forsthaus mit Brunnen. Waschzeit. Ganz bald habe ich keinen Bock mehr zu laufen. Finde eine Hütte. Alles voller Ameisen merke ich als ich beginne mich einzurichten und kein Bug-Bivi... hmm. Weiter dann doch, finde was Nettes. Fein. 28Km- nicht die Welt... Tag 50 Der Fünfzigste Tag. 50Km+ zur feier des Tages... Item of the Day: Sonnenschirm! Food of the Day: Salzstangen und Händeweise Kirschen vom Baum. Ich habe den Odenwald bereits gestern mit dem Überschreiten des Neckars verlassen. Damit verließen mich auch erst einmal meine Geographiekenntnisse: Schwarzwald? Viel zu unklischeemäßig hier... Kraichgau. Gefällt mir. Eine postglaziale, sanft wogende Dünenlandschaft. Eine der wärmsten Ecken Deutschlands. Heute um 13h waren es downtown Mühlhausen 42 Grad! Die meiste Zeit laufe ich über offene Felder. Drei Meter Löß = intensive Landwirtschaft. Ich beschwer' mich nicht, ich merke an. An den Feldrändern stehen Kirschbäume und sie sind voller (über)reifer Kirschen. Gegen das Schwitzen: Salzstangen. Die Waldpassagen sind wunderbare Ab“kühlungen“... Die Nacht war im übrigen keine Abkühlung ich schwitze meine Quilt voll und trockene ihn beim Frühstück,welches ich halbnackig einnehme - „Kühlung“ muss sein. Ich laufe los und bin keine 50 Meter gelaufen und schon läuft mir die Soße. Es ist 7.30h. Ich laufe bis Gaiberg durch Wald, sehr angenehm. Am Ortsrand gibt es eine Quelle. Schnelles Waschen, Camel Up, Erfrischen...Am anderen Ortsrand, auch Ortsausgang genannt, entdecke ich eine „E1-Schrein“ mit einem Gästebuch. Bevor ich drin rumblättere, erfreue ich mich an der Idee und überfliege den Zeitungsartikel über Andreas aus Gauangelloch, der Nachbargemeinde, der den kompletten E1 gelaufen ist – in meiner Vorbereitung bin ich über ihn und seinen Blog gestolpert. Ich blätter in dem Buch und stelle fest, dass ich eines der wenigen thru-hikenden Exemplare bin – dieses Jahr sind nur zwei Jungs durchgekommen die NoBo den kompletten gehen – wir haben uns um 2 Wochen verpasst. Schade. Ich wandere auf asphaltieren Feldwegen durch wogende Dünenlandschaft – Roadmovie-Feeling. Die Sonne brennt. Radfahrende fragen sich was ich da mache „Sicherlischer den E1“.Breite blühende Feldrandstreifen, Weizenfelder mit Mohn und Ackerwicke durchsetzt, Obstbäume am Wegesrand. Ich esse Kirschen bis mir schlecht wird- das letzte Mal war mit 10 schlecht vom vielen Kirschen essen. Das pralle Leben. Salzstangen für den Elektolythaushalt. Mit dickem Krischbauch komme ich am Hofladen Sorg vorbei: Schattenbank, Eis und Steckdose? Klaro. Bestes Pistazieneis meines Lebens – gefühlt und ziemlich wahrscheinlich auch real. Noch ein Kirsch-Joghurt Eis hinterher... Weiter über Asphaltfeldwege richtung Mühlhausen. Ich werde geröstet oder besser in meinem Klamotten unter dem Schirm dampfgegahrt. Gut durch komme ich in Mühlhausen an. 42 Grad! Eisdiele. Affogato und direkt vor den Ventilator gesetzt. Im innerstädischen Brunnen noch abgekühlt bevor es losgeht – ich habe den Ortsausgang noch nicht erreicht und alle Flüssigkeit ist verdampft und durch Schweiß ersetzt worden. Vor Odenheim stolper ich über ein wunderbares Stück deutscher Geschichte: Den Siegfriedbrunnen. Mythologisch soll hier Siegfried von Hagen getötet worden sein. Real ist es eher unwahrscheinlich. Real ist auch, dass der Brunnen vom Erfinder Sigmund Odenthal – einem in die USA migrierten Odenheimer Juden, mit einem Faible für die Nibelungensage, vor 1933 in Auftrag gegeben wurde und ab 1933 von den Nazis als Wallfahrtsort für ihren germanophilen und antisemitischen Nibelungenkult verwendet wurde. Schmunzelnd stelle ich fest, dass im Brunnenabfluss geformt wie eine Elhaz-Rune, ein Viertel aufgeweichtes Fladenbrot schwimmt... Hier wasche ich mich. Odenwald ist nicht weit, dennoch das gleiche Brunnenspiel. Ich halb rein. Menschen gucken interessiert und irritiert. Am Ortsausgang frage ich jemanden nach Wasser und bekomme meinem Wassersack voll, zwei Eiskalte 0,5 Sprudel, ich hätte noch Bier haben können, oder Radler. Mein Trail Angel fand, dass was ich da mache ziemlich geil. Ganz ehrlich: ziemlich geil! Er hat sich vor Freude gar nicht mehr eingekriegt. Kopfschüttelnd und lachend freute er sich über mein Projekt. Er erzählte mir, dass er 1980 mit 16 mit dem Mofa über die Alpen ist, auch nach Genua. Ziemlich kooles Projekt. Es ist schon späterer Nachmittag, ich muss weiter... In intensiv landwirtschaftlich genutzter Kulturlandschaft ist die Schlafplatzsuche schwierig. Ich finde nichts, was mir zusagt. Zudem treibt mich ein wenig an. Dass ich am nächsten Tag VOR 14 Uhr in Pforzheim sein muss: Schuhe shoppen und der einzige Store der Altras hat, macht Mittwochs um 14h zu. Ich laufe bis fast ½ 11, finde niks wirkliches und mache es mir in einem Geräteschuppen auf einem Hänger bequem. Vorher treffe ich noch einen Fuchs auf Revierstreife und Glühwürmchen flickern durch die Nacht. Tag 51 … gab es Temperaturmäßig eigentlich einen Unterschied zwischen Tag und Nacht. Klatschnass wache ich auf, es ist 4.20h. Ich habe extrem unruhig und schlecht geschlafen. Ich sammel mein Zeug ein, schnelles Frühstück und lauf los. 35 km bis Pforzheim, 8h Zeit. Easy. Ich begegne dem Fuchs wieder, an exakt der gleichen Stelle. Ich lächel, er prescht ins Unterholz. Ich lasse Landschaft und Orte schnell hinter mir. Fokus:neue Schuhe. Nach 1600km ist Dämpfung und Sohle ziemlich durch und seit dem Odenwald merke ich gefühlt jeden Stein. Um 12h passiere ich die Stadtgrenze. Für die Schuhe bekomme ich 10% Rabatt, weil ich den Verkäufer nett mit meiner Story amüsiere. Ich mache eine ausgedehnte Pause in einem Cafe: 3x Cafe con Hielo. Ich bin sehr müde. Die Hitze drückt zusätzlich. Als das Cafe um 15h zumacht, gehen ich Resupplien und bepackt mit einem großen Picknickkorb an die Nagold. Essen und Baden. Um 17Uhr stehe ich an der Goldenen Pforte: Startpunkt Westweg. Schwarzwald. Letzte Etappe E1 Deutschland. Irgendwas um die 400km noch... Die Wegführung verwirrt mich. Ich laufe durch das Enztal, was mir gut gefällt, meine GPXies sind ganz wo anders. In Neuenbürg sollen sich beide wieder treffen. Ich hätte nachdem ich 35 bereits gemacht habe auch nicht gedacht, dass ich bis Neuenbürg überhaupt komme. Ist aber so... extrem steile Anstiege – kurzer Umweg über den Supermarkt: APFELSCHORLE! Und Frühstück. Oberhalb von Schwann kann ich nicht mehr . Knapp 50km heute. Ich finde was muckeliges im Wald – und das erste mal bereue ich, dass ich kein Bug-Bivi hab. Mein Headnet hab ich schon anch 1000km aussortiert. Ich habe die Wahl zwischen Schwitzetod und gefressen werden – ich entscheide mich alle fünf Minuten für jeweils das eine oder das andere – sehr unbefriedigend.
  37. ist doch logisch! das ist die ganz normale strafe für 2 faule tage. vielen dank für den bericht! echt klasse! kannst du sagen wieviel von der strecke teer, schotter, single war? zumindestens für deutschland würds mich sehr interessieren. und ich freu mich schon auf den rest!
  38. Tag 39 Back on Trail. Back in Siegen. Zwei Amateurkickervereine sind auf Saisonabschluss im Zug- laut, bierseelig, Ballermann-Mobil. Einer findet es nach diversen Bieren und Schnäpsen im Kopf schwierig nachzuvollziehen was ich da mache – wahrscheinlich liegts aber auch daran, dass die Hirnablage Geographie auch schon ziemlich benebelt ist: „Nein, der Bodensee ist nicht bei München und ich werde dort auch schon vor dem Oktoberfest sein“ -andere Prioritäten, andere Wahrnehmung. Bevors losgeht erstma zum Frittenwerk. Hier treffe ich @Kalteicher - überraschung geglückt Los geht’s. Ich will heute noch auf den Giebelsberg. 2,5h und 14km später bin ich da. Hm. Das ging schnell. Es ist noch früh, der Gipfel nicht spektakulär. Schneller Kartencheck: Wenn ich bis Freusburg laufe, 9km Zersiedelung und rauf und runter und wieder hoch ...och komm... naja. In Freusburg komme ich um halb sieben an. Schön sieht die Burg aus, eine Jugendherberge...hm nein, du hattest fast eine Woche lang ein Bett. Auf der Burg ist irgendein Eltern-Kind-Event. Ganz viel „Vanessa, komm jetzt!“, „Jonas, lass das!“, „Emil! Nein!“... zu viel imperativ und schreiende Kinder ich laufe weiter. Druidenstein. Ein erstarrter Vulkanausbruch mit einem großen Kreuz drauf. Dennoch sehr beeindruckend. Hinter dem etwas traurigen Sportplatz finde ich unter eine ausladenen Buche einen schönen Platz, es soll die Nacht regnen. Test für meine neue Matte: Robens Vapor 60. Schwerer, Dünner, aaaber riesengroß und so das versprechen: Robuster – billig geschossen für 45 Eus. Mal schauen. Tag 40 Ich schlafe unglaublich lange und gut – von dem Regen bekomme ich gar niks mit. Der Wald ist dunstig und schön. Ich laufe nach Herdorf. Hikertrashfrühstück auf dem Supermarktparkplatz. Der Tag braucht eine ganze Weile um sich zwischen Regen und Sonne zu entscheiden - am Ende obsigt die Sonne. Die verbleibenden Wolken machen den Himmel wundersch Ich bin noch nicht so richtig auf dem Trail angekommen. Der Weg, irgendwo zwischen Wanderautobahn und Singletrail mit eingestreuten grandiosen Aussichten. Die Trödelsteine – eine vulkanischer Basaltkegel. Schöne Aussicht. Aaaaber: Der Tag ist zäh. Ich habe das Gefühl nicht voran zu kommen. Mückwiese. Schön zu gucken. Aaaaaber... Hamsterrad... ich laufe und laufe und komme nicht vorwärts. Kurz vor Lippe- was ist das? Eine mobile Bierzapfanlage. Echt jetzt? Ich bekomme eins! Trail Magic! Ich bekomme noch eins! Grandios!! Die Zwei Jungs sind die Versorgungsstation für einen Wanderausflug eines Tischtennisvereins. Netter Schnack über Wandern in RLP und die Schönheit des Westerwaldes. Meinem Thruhiker Ehrgeiz ringe ich noch die Fuchskaute ab – höchster Berg des Westerwaldes. Hier stolper ich in eine Hochzeitsgesellschaft und fülle mir Wasser auf. Die Fuchskaute ist eine almenartige Wiese auf einem Basaltkegel. Schön ists hier. Naturschutzgebiet. Kein Pennplatz also. Ich laufe weiter. So richtig was zum Hinhauen gibt es nicht. Auf dem Salzburger Kopf werde ich fündig. Der Galgenberg. Mit Blick auf den Feldberg -home sweet home... ich glaube ihn erahnen zu können und bin happy. FFRankfurt ist nicht mehr weit. Und wie abgefahren. Ich bin erst zwei Tage unterwegs. Ziemlich fertig und dennoch sehr zufrieden haue ich mein Zeug hin. Kein Tarp. Zu Faul. Tag 41 Gegen 3 Uhr fing es an zu tröpfeln. Safty first. Schnell aufstehen Tarp aufbauen. Hochgefahrener Kreislauf und Einschlafen vertragen sich nicht so gut- ich liege wach und bekomme mit wie aus dem Tröpfeln Regen wird... Bei einem Spontanaufbau um 3Uhr Nachts achte ich nicht so wirklich auf die Wetterseite. Der Wind frisch auf und drückt mir die ganze Soße ins Tarp. Regenschirmbeak. Hilft nur minimal. Ich gebe das schlafen auf und frühstücke und harre der Dinge. Hört nicht wirklich auf. Also abbauen, einhändig im Regen mit Regenschirm... geht. Sieht wahrscheinlich komisch aus. Hof und Nisterau lass ich hinter mir. Das Nistertal beeindruckt mich. Mit dem Jadegrünen See mitten vor einer Steilwand... Bad Marienburg um 7 Uhr morgens ist unglaublich deprimierend- eine Bäckerei finde ich nicht. Ab Unnau bricht der Himmel auf und die Sonne scheint. Zeug trocknen. Ich steige auf die Alpenröder Hütte auf den Gräbersberg. Nochmal Sachen trocknen. Cola für mich, Strom fürs Fon. Aussichtsturm. Rauf und gucken. Feldberg 68km Luftlinie. Beeindruckende Sicht. Ich entdecke ein Schild Westerwälder Seenplatte. Kool. Nichts wie hin. Naja. Ich bin ja durch die Holsteinische Schweiz wirklich verwöhnt worden. Was aber total abgefahren ist, dass alle Seen künstliche sind und früher alle drei Jahre abgelassen wurden um auf ihnen Ackerbau zu betreiben... In Dreifelden mache ich eine lange Pause und Esse Kuchen und trinke viel Espresso... Der Brinkenhofweiher hat einen beidruckenden Erlenbruchsaum- Moskitos fressen mich. Der Sumpf hat sich den Weg zurückgeholt. Mit dem Postweiher verlasse ich die Seenplatte des Westerwaldes schon wieder. Die Wegführung verschlägt mich nach Selters – meine GPX Tracks sagen was anderes. Und ich denke mir schon die ganze Zeit, dieses Selters kommt in meiner Planung gar nicht vor, die Schilder aber... egal. Oberhalb von Vielbach esse ich. Ich gucke mir die Karte an und stelle fest das Umland Montabaurs ist ziemlich zersiedelt. Wird schwierig einen Pennplatz zu finden. Ich bin bei 40+ km, es ist ist halb sieben, es ist noch hell bis fast halb elf, ich habe körperlich und mental Reserven. Und irgendwo in mir drin glimmt die Eitelkeit auf heute die 50km Marke zu knacken. Am Ortsausgang von Wirges ists dann soweit. „YEAH!“ - einen Schlafplatz habe ich dadurch nicht gewonnen, aber hey 50km an einem Tag!. In Staadt entdecke ich die Projektarbeit, des kommunalen Kindergartens zum E1. Mein (Ex)Erzieher-Herz macht Freundensprünge. Tolles Projekt. Die Kita liegt auf dem Weg. Ich schreibe den Kindern einen kurzen Brief. Bier zur Feier des Tages? Klar. Im Gasthaus zur Krone, werde ich kritisch beäugt, bekomme aber ein Weizen zum mitnehmen -“Das kannste doch nicht aus der Flasche trinken!“ - was ich alles kann. 50 Kilometer am Tag. Zwischen Stadt und Montabur liegt noch ein kleines Waldstück mit zwei Tümpeln und ner Hütte, ich finde nur einen Tümpel. Moskitoparty. Ich hab das Bier dabei... etwas weiter schmeiß ich mein Zeug in den Wald – schöner Wohnen ist nicht: 58km heute. Ich bin im Eimer. Tag 42 Die Nacht war... so la la – erstaunlich kalt. Ich habe achst Stunden geschlafen und die Kälte ausgedämmert... wollte nicht aufstehen- müüüde! Erschöpft trifft es vielleicht besser. Hilft nichts. In Montabaur nehme ich mir Frühstückscafe vor. Eiscafe: Affogato, nochn Espresso hinterher. Insta. Strom. Klo. Oh, noch ma Klo. Resupply. Frühstück auf die Hand. Eigentlich war der Plan gemütlich heute zu machen. Es ist heiß, es ist halb 11 als ich aus Montabaur rauslaufe. Das wird spaßig heute. Das Tal des Biebrichsbach ist schön. Schattig und wirklich toll zum laufen. Mischung aus Erfrischung und Körperpflege – dann doch gegönnt. Es geht auf die Montabaurer Höhe und den Köppel (540m) – falscher Abzweig. Ich irre durch den Wald. Fluche. Laufe mit Handykompass – weil klar: kaum Netz- querfeldein (Und für alle, die sich Fragen: Offline-Karte? Nein.). Köppel. Der Fernmeldeturm ist eine Augenweide des Brutalismus. Ich kletter hoch, die Aussicht ist überwältigend. Ich laufe durch herrliche, alte Buchenbestände – kathedralenartig, erhaben, wunderschön. In Welschneudorf: Döftliche Nahversorgung. Die Metzgerei hat heute Ruhetag, egal mir ist eh mehr nach Perversion in Schokolade. Tante Emma laden. Der Inhaber erzählt mir viel, was mich bis Nassau erwartet und wie die Wege umgelegt worden sind, was schön ist und was nicht -Dorfläden sind nun mal soziale Orte. In der Bäckerei: Genau das gleiche. Schön. Mein inneres Landkind fühlt sich zu Hause. Nichts desto trotz habe ich das gefühl heute wieder nicht vom Fleck zukommen. Die GPX-Tracks und die reale Steckenführung sind nicht identisch: 2,5h für 7,5km- never ever. - Am Ende des Tages weichen die Trailkilometer von den getrackten um 7km ab... Vor Nassau geht’s auf die Kreisstrasse...viele, viele Kilometer. Gefühlt. Hamsterrad. Zurück auf den Forststrassen gibt’s wirklich den wunderbaren Ausblick, versteckt zwar, auf das Kloster Arnstein. Als sich, dass Lahntal vor mir oberhalb von Nassau öffnet, schlägt mir eine brutale Hitze entgegen. Frssflash: Abendessen auf dem Supermarktparkplatz im einzigen Schattenplatz. Es gibt Grüne Soße im Kühlregal und ich erkenne auf den Straßenschildern die Hälfte der Ortschaften – hier komm' ich wech. Auf den Lahnweg hatte ich mich schon die ganze Zeit gefreut -Ist auf meiner Liste – dementsprechend enttäuscht bin ich, als ich feststellen muss, dass es nicht direkt auf Lahnhöhenweg geht, sondern auf den Lahnweg und den Lahnradwanderweg. 7 km Asphalt im halbgaren irgendwo nicht direkt am Fluss und nicht oben auf dem Berg. Hmpf. Noch her Hmpf...- um nur an einem Kloster vorbeilaufen zu können. Besagten Kloster Arnstein. Naja, ist ja auch ein Jakobsweg. Ich laufe durch Obernhof und es gefällt mir direkt – entspannt. Ab hier geht’s knackig hoch. Schön. Endlich. Ich finde einen grandiosen Aussichtspunkt mit Blick ins Tal. Bank, Tisch, Platz für meine Matte und mich. Sonnenuntergang über dem Westerwald. Bestes Leben. Tag 43 Die Nacht war erstaunlich kalt. Dafür hängen zum Abbauen Wolkenfetzen im Tal. Bis Gabelberg läuft es sich wunderschön. Immer wieder kann ich ins Tal Blicken und über die Höhen des Westerwaldes. Der Vierseenblick ist zwar niks. Ich mache hier trotzdem Frühstückspause. Durch ein namenloses verwunschenes Seitental geht’s weiter: Tief hat sich der Bach in Kaskaden in den Berggegraben, Umgestürzte Bäume – auch auf dem Weg – geben dem Ganzen eine wilde Note. Es geht direkt unten an der Lahn weiter. Um kurz danach wieder durch schattige Wälder auf die Höhen zu gehen. Vor Steinsbach wieder runter und rauf- oben herrliche wilde Blumenwiesen und ein wirres sirren, zirpen, summen und brummen. So müssen sich Wiesen anhören. Pause in in Steinsberg. Es ist brutal heiß. Jeder Bach, jede Pfütze, jeden Rinnsal die da ist nutze ich für Klimamanagement: Buff rein, Kappe rein, Hemd nass machen – Kühlung schaffen. Am Gabelstein verlasse ich das Lahntal und biege in den Taunus ab. Der Blick auf die Schaumburg ist grandios. Die Hitze macht mir dennoch zu schaffen – endlich wieder Wald. Hier ist's schwül. Na toll. Der Boden ist matschig aufgeweicht, macht es nicht leichter. Ich laufe in einem wogenden Wechsel aus Wald und Feld über die Taunushöhen. In Schönborn habe ich kein Wasser mehr und klopfe einfach an der nächsten offenen Tür – kurzer Schnack.Nett. Kurzweilig. Weiter Richtung Aartal. Da muss ich hin, Resupply. Gestern dementsprechend wenig gekauft. Oberhalb des Aartals darf ich einem Fuchs beim jagen auf einer frisch gemähten Wiese zuschauen. Beeindruckend. In Aartal... Hikerhunger at its best... Ich falle in den Supermarkt ein. Ich weiß nicht wie ich dass alles essen soll. Schaffe dennoch das meiste. Ich rolle weiter über Felder und Wälder. Irgendwo hinter Hennethal finde ich einen netten Spot im Wald... Beim einschlafen, zwei Tropfen abgekommen. Naja doch nochmal aufbauen – bin ja lernfähig Ich darf einem Baummarder noch beim rumspringen von Baum zu Baum zusehen und einem Wildschwein mit einem lauten „Hey“ klar machen, dass ich hier bin und es für heute mein Revier ist... nighty night.
  39. Tag 30 Verkatert. Nach einem Bombenfrühstück im Nieselregen laufen wir los. Wir bekamen bei Schanze den Kyrillpfad empfohlen – hier konnten wir uns angucken wie der Wald sich selber nach einem Orkan regenerieren würde. Wild. Es ist erstaunlich kalt heute morgen. Wir laufen parallel zum Waldskulpturenpfad. Arty Woods. Immer wieder stehen riesige Skulpturen im Wald... Der Weg und die Landschaft sind gefällig- nicht sonderlich spektakulär. Wir Überqueren die Eder bei Raumland. Schaffen es uns Wasser zu organisieren. Ich sag nur Friedhof!. Kurz vor Stüntzel finden wir einen kleinen Buchenhain – leidlich gerader Boden, das Blätterdach biete Schutz. Es ist erstaunlich kalt. Tag 31 Der Morgen ist feuchtkalt. Alles im Nebel. Die Spinnennetze voller Tautropfen. Noch vor Bad Laasphe hat sich der Nebel aufgelöt und die Sonne scheint - brennt... In Bad Laasphe ausgiebiges zweites Frühstück - na klar auf dem Parkplatz des dortigen Supermarkts. In der Eisdiele bekommt das Handy Saft und wir Espresso. Mittlerweile ist es aufgeklart und es ist heiß. Wir laufen durch das Ilsetal: Lieblich, Wild, Schön. Wir sind ziemlich alleine auf dem Trail. Im laufe des Nachmittags ziehen Quellwolken auf...hm. Kurze Rast an der Ilsequelle. Wasser auffüllen. Wir beratschlagen was wir mit dem bevorstehenden Regen machen... kurz vor Lahnhof ist ne Back-Up Hütte, aber zieht sicherlich vorbei. Wir laufen los und es fängt an zu regnen. Satt aber schön. Die Sonne scheint dazu- romantisch. Ok. Es wird mehr Regen, ist wohl mehr als ein Schauer. Guckma da drüben ne dicke Tanne, Drunter setzten Abendessen und Aussitzen... Es fängt an zu Donnern und zu Blitzen. Doofe Idee. Es kommt richtig runter. Nexte Hütte ein Kilometer. Karacho. Ich klatschnass, sie topp in ihrem Ein-Euro-Poncho. In der Hütte packen wir den Kocher aus – sie hatte ihn eingepackt, weil sie morgens Kaffee braucht, ich hatte noch ein Stück Ingwer: Traumpaar. Heißer Tee hilft gegen die miese Stimmung. Schön, das du da bist. Es ist kalt und es hört nicht auf zu Regnen. Hütte ist groß genug fürn Overnighter. Also machen wir es uns gemütlich. Meine Freundin nimmt mein nasses Zeug in ihren Schlafsack – ich habe im Fußteil keinen Platz. Die Nacht ist kalt und recht zugig. Tag 32 Wir laufen los. Der Himmel bricht auf, immer wieder blaue Flecken und recht warm... wir checken den Wetterbericht, es soll morgen total verregnet sein. Kurzer Ratschlag. Geht bis nach Siegen und von da aus mit den Öffis zurück nach Oberkirch. Der Weg ist... nicht spektakulär. Am Bahnhof fängt das wahre Abenteuer an: Mit dem ÖPNV an einem Samstagnachmittags im ländlichen Raum unterwegs. Wir kommen nur bis Schmallenberg und müssen den Rest laufen 8km... ich bin ja Landkind, ich kenn' das und meine Freundin hat Urlaub, sie stresst das nicht... Der Weg von Schmallenberg nach Oberkirch ist erstaunlich schön und der Himmel zaubert mit Wind, Wolken und Sonne schönen Panoramen. Wir setzten uns gemeinsam ins Auto und fahren zurück nach Ffm. Ich hab zwei berufliche Termine und muss off-trail. 33- 38 Zeros Naja, stimmt ich war nicht untätig: Ich laufe bis ans Mittelmeer! Die Idee hat sich im laufe des Weges immer weiter verfestigt. Ihc bin gut in der Zeit. Ich bin gut in shape. Also habe ich ie Tage nicht nur Bier getrunken und etwas Geld akquiriert, sondern meine nexten Kilometer geplant: E1 bis Genua! Galore
  40. Tag 25 Ich bin nach Detmold geflogen- den Trail hab ich schnell gefunden... ich glaube ich war einfach nur Mus im Kopf... Ich laufe über den Biesterberg und wieder runter. In Klüt kaufe ich im Supermarkt ein neues Cold Soaking Gefäß... 600gr Gummizeug um Menschen glücklich zu machen. Auf dem Weg nach Detmold verschenke ich ich das meiste – zur Freude und zur Irritation vieler Menschen. Detmold gefällt mir ganz gut. Im Halbstark trinke ich einen Caffe con Hielo und lade mein Fon auf. Es ist Flohmarkt. Auf dem alten Stadtwall (oder so) somit laufe ich meinen Detmoldtrail über einen bunten Flohmarkt – fatal. Aber voll schön. Es folgt ein steiler Anstieg Richtung Hermanns-Denkmal... oben angekommen. Voll! Klar. Es ist sonnig, Es ist Samstag. Eine Runde um den Hermann gönne ich mir dennoch. Schließlich laufe ich die nächsten Kilometer durch das Kernland teutonischer Mythenbildung. Reisen bildet ja bekanntlich. Ich bin dennoch froh als ich den Trubel hinter mir lassen kann. Richtung Externsteine ist es nicht weit und ich folge dem Hermannhöhenweg bis dort hin. Viele Wandernde begegnen mir – es ist das erste Mal seit ich unterwegs bin, an denen ich das Gefühl hab nicht der einizige auf Trail zu sein (was natürlich nicht stimmt- ich habe immer Wandernde getroffen, hier sinds aber wirklich sehr viele). An den Externsteinen esse ich zu Abend. Hier ist die Hölle los, aber was soll's. Ist imposant. Ich erreiche zügig das Silberbachtal... schon mit den ersten Schritten bin ich begeistert. Ich Treffe einen Yogi der an seiner Lieblingsstelle stehe – die zugegeben wirklich sehr schön ist. Wir unterhalten uns länger. Er sagt es wird wunderschön. Spoiler! Und er hat recht. Ich bin glücklich. Dazu das langsam gülden werdende Licht des Vorabends... Verwunschen, Mystisch geht’s den Bachlauf entlang über Wurzelpfade, steinige Singletrails... An der Kattenmühle verlasse ich das Tal, etwas traurig aber auch angenehm gesättigt... steiler Anstieg zum Lippischen Velmerstot: Oh Wow! Bist du schön! Die Sonne steht tief. Bergheide: Heidelbeeren, Wacholder, Birke... Ironie des Schicksals. Arrangiere das Ganze auf Hügeln und ich steh drauf, in der Flache Heide ist's öde... Ich schmunzel ob dieser Erkenntnis. Ich kann den Eggerücken zurückblicken bis zum Hermann. Es ist still. Nur Wind und Blätterrauschen. Ich laufe weiter auf den Preußischen Velmerstot mit dem markanten Aussichtsturm. Hier packt gerade ein Typ seine Edelstahltasse in einen Tasmanian Tiger mit Fritz Meinecke Patch drauf – Bushcrafter! Er quatscht mich an ob ich hier auch was Essen will... drei Stunden später krabbel ich auf den Turm und schlage da mein Lager auf. Wir hatten unglaublich viel und alles mögliche zu erzählen. War gut. Der Sonnenuntergang war grandios. Tag 26 „Guten Morgen“ sagt Bernd, als er mit seiner Kaffeetasse vor mir steht und entschuldigt sich, dass er mir nichts anbieten kann, er habe schon allen ausgetrunken. Um 5.00? Aber klar, der Sonnenaufgang ist auch grandios. Wir schauen uns die Reste davon an, ich habe den Anfang leider verpennt und unterhalten uns. Bis Herbram-Wald gefällig unterwegs. Ich habe ein Problem mit dem organisieren von Wasser.Es ist sehr heiß. Ich laufe auf einem Kamm, ergo keine Quellen und viel Infrastruktur ist hier auch nicht. In Herbram-Wald macht gerade die Golf-Gaststätte auf. Mit mir stiefelt n großer schlacksiger Typ rein: Arc Haul von Zpacks, Salomon-Treter und ne Zlizte am Rucksack – ganz klar, der kann „UL“ Buchstabieren. Ich quatsch ihn an: „Zpacks sieht man selten hier“ zugeben schlechter Spruch.„Ich sehe der Mann hat Ahnung. Es zählt jedes Gramm wenn man das macht was ich mache.“. Ich: „Ich weiß...“.ich pokere „Ich mache wahrscheinlich genau das gleiche“. Er guckt mich an, verwundert und erfreut, guckt auf meinen Rucksack: „Auch den E1? Bis an den Bodensee? Mit dem Rucksack? Are you fucking kidding me? Ich gehe aufs Klo und wir fachsimpeln“ - wir hatten eine sehr angenehme dreistündige Mittagspause- haben schlussendlich über alles mögliche unterhalten, auch übers wandern. Ein kurzes Stück laufen wir noch gemeinsam. Es hat sich so ein wenig nach Tramily angefühlt... weil thru-hiking D-land ist ziemlich einsam. Nach fast 1000km der erste. Er sollte der einzige bleiben. Ich laufe bis in den späteren Abend hinein, der Wald ist ziemlich zerfleddert, der Sonnenuntergang vor Baumruinen sieht dennoch gut aus... beim Schwarzbachtal soll eine Hütte sein, es dämmert. Die Hütte sieht aus wie eine Horrorfilmrequisite. Hier schlaf ich nicht. Schwarzbachtal ist NSG. Und jetzt? Ich lege mich auf die andere Straßenseite neben den Bach – ist kein Naturschutzgebiet... Irgendwelche Spinner haben es sich hier aber gemütlich gemacht und überziehen mich die Nacht mit ihren Fäden – juckt nicht, fühlt sich trotzdem blöde an. Tag 27 Starte im Schwarzbachtal, die Nacht war solala... packe schnell mein Schissel ein und laufe los. In der Blankenroder Wüstung – alte Burgruine – erschallt auf einmal ein Jagdhorn oder sowas und irgendwer ruft „Halt! Wer da? Keinen Schritt weiter!“ Kinderstimmen folgen, ich verstehe nicht. Zu Tode erschrocken drehe ich mich im Kreis und suche, weiter plappern die Kinderstimmen. Was ist hier los? - Die Wüstung Blankenrode ist ein Kindererlebnispfad und in den Bäumen hängen Lautsprecher mit Bewegungsmeldern ausgestattet, die zu den jeweiligen Stationen was erzählen. Ich hatte gerade das Burgtor passiert. Guten Morgen... Hinter Blankenrode zieht so langsam ein Gewitter auf. Die Himmel sind abgedreht: Wahnsinnslicht. Ich betrachte die Blankenroder Bleikuhle – mittelalterlicher Schwermetaltagebau- hier findet sich so genannter Schwermetallrasen. Pflanzengesellschaften die auf toxisch hochgradig verseuchten Böden überleben können. Ich muss lachen als die Infotafel mich darüber in Kenntnis setzt, dass in D-Land NRW drei der wichtigsten Standorte beherbergt – Komisch. Als großer Fan von William S. Burroughs frage ich mich zudem ob er jemals was davon gehört hat – der Schwermetallrasen hätte sicherlich Platz in der Nova-Trilogie gefunden. Anyway. Das Gewitter kam dann in Niedermarsberg endgültig runter – und wie! Ich hatte mit den ersten Tropfen gerade das Vordach des Supermarkts erreicht. Glück gehabt. Resupply und Hikertrash-Lunch auf dem Parkplatz. In langgezogenen Serpentinen geht’s hoch nach Obermarsberg. Es ist ziemliches Waschküchenwetter- Kaltschwül. Unangenehm. Auf dem Weg: Die Draken-Höhle. Hier hat angeblich Siegfried den Drachen getötet und in seinem Blut gebadete -damit ist doch schon jetzt das teutonische Mythologie-Dreieck: Varusschlacht/Hermann - Externsteine – Siegfried abgelaufen. Ich hatte gedacht ich müsste mich bis zum Odenwald gedulden. Eine Höhle weiter informiert mich eine Tafel, dass dies früher eine natürliche Kühlkammer einer jüdischen Metzgerfamilie war, die von den Nazi gezwungen wurden ihr Geschäft aufzugeben – was mit der Familie danach geschah, darüber schweigt sich die Tafel aus... Auch das ist Wandern in Deutschland. Ich laufe weiter durch eine wunderschöne Hügellandschaft, der spektakuläre Himmel tut sein Übriges. Es schauert, nieselt immer mal... es ist zu windig für den Schirm, also immer Poncho an, Poncho aus... weil mit ist es – gute Ventilation hin oder her – schlicht zu warm... pfft... In Giershagen kommts noch mal Richtig runter. Vordach unter einem Marienschrein – nicht erleuchtet, aber trocken. Regen hört auf. Ich laufe weiter. Komme bis zum Ortsausgang. Kommt wieder runter. Seufz. Ich schaue auf die Uhr... später schon. Aufbau im Regen? Nur wo? Alles Felder und Äcker. Ich finde kurz vor Adorf einen Schafsunterstand. Hier kann ich den Regen aussitzen und dann einen Pennplatz suchen... nur der Regen hört nicht auf. Ich habe nur noch einen Liter Wasser – ich hab schon gegessen, bin gut hydriert – camel up sei Dank – zum Frühstück gibt’s Riegel und sowas, ich komme mit dem Wasser klar. Ist auch ne schöne Übung für den Kopf. Aus neugierde stelle ich mein Soaking Jar trotzdem mal unter ein Loch im Dach... mehr als ein Schluck zum Zähneputzen ists nicht und die Restangst zu verdursten ist auch noch befriedet. Tag 28 „Seltsam, im Nebel zu wandern! /Einsam ist jeder Busch und Stein,/ Kein Baum sieht den andern,/ Jeder ist allein“ (H. Hesse). Ich werde wach von einem sehr frühen Hundespazieergänger und zu gegeben der feuchten Kälte die mir in den Schlafsack gekrochen ist. Ich laufe los und das ganze durch eine mystische Nebelstimmung. Diese hält an bis sich die Sonne ihren Platz erkämpft. Es bleiben aber in Seitentälern und in waldigen Senken noch Nebelfetzen hängen – ein wunderschöner Morgen. Um 10h bin ich in Schweinsbühl und hab meine ersten 14km. Mir fällt auf, dass es von hier aus nur 25km bis Niedersfeld sind und von Niedersfeld nur noch 9km bis zur magischen 1000km Marke! Das ist Treibstoff. Und die wunderbare Landschaft. Ich kreuze den Diemel- und den Uplandsteig. Laufe über Höhen mit phantastischen Aussichten. Das Sauerland ist schön! Fetter Marker auf meiner Inneren Wanderkarte. So um 14h bin ich Willingen. Resupply und fettes Mittagsessen. Ich frage mich warum alle Ski-Orte immer irgendwie gleich aussehen. Die Supermarkt- Verkäuferin hat sehr viel Zeit und sehr viel Redebedarf, sie liefert zwar keine Antwort auf meine Frage, aber wohl auf jene, ob denn hier Skitourismus funktioniere. Ja, aber nicht zukunftsträchtig, so ihre Meinung und warum hierin weiter investiert werde verstehe sie auch nicht. Wasser sei ja auch knapp und der Borkenkäfer fresse auch die hänge leer, und ...ich bin endlich aus dem Laden raus. Sie hat geflissentlich ignoriert, dass ich immer einsilbiger wurde und mich langsam Richtung Ausgang bewegte und ist einfach mit gegangen... Ich laufe raus aus Willigen. Es ist Schirmwetter. Die Sonne brennt. Vorbei an Sauf-Spiel-Touristen, die mir den Vogel zeigen und gröhlen „Pass auf dass du keinen Stich bekommst!“ „Jeder wie er's brauch“ rufe ich zurück und komme mir überlegen vor. Das Hillebachtal erweckt bei mir Schweizassoziationen – ich hatte schon länger keine Schweiz mehr. Lieblicher bis Aufstieg Niedersfelder Heideund von da aus auf den Clemensberg: 836m. Höchster Punkt bisher. Ich gucke in den Steinbruch... ich habe noch ein Ziel. Also weiter. Bis Niedersfeld zieht sich... Sind ja auch schon knappe 40km heute. Um kurz nach sechs habe ich Trailhalbzeit. Eine Wiese kurz vor Niedersberg 990irgendwas Kilometer. Wow! Aber die 1000er Marke lockt noch immer! In Niedersberg hole ich mir für die zu erwartende Feier ein Bier im örtlichen Dönerladen und fülle meine Wasservorräte. Der Weg aus Niedersfeld ziiiiieeeht sich. Der Kopf gibt sich klammheimlich mit der Trailhalbzeit für heute zufrieden, der Körper rebelliert. Spann tut weh, mein Schienbein vor allem, Kniee, alles... Steiler Anstieg. Ich fluche und rede mit meinem Körper „Du hast die fixe Idee mit den 1000 heute mitgetragen, jetzt ziehen wir das auch zusammen durch bis wir zumindest was gefunden haben zum Schlafen. Hier ists steil und Abhang- wo willste hin? Kein Feierabend“ Das Zwiegespräch begleitet mich zur Blasiushütte – hier hör ich auf. Trailkilometer 995. 43km heute. Ich treffe hier einen Wanderer der mit seiner Drohne rumspielt, wir unterhalten uns länger. Er ist begeistert von dem was ich tue. Prost! Tag 29 Heute ist Neroday. Ich werde nur bis Oberkirch laufen. Entspannte 23km. Meine Freundin kommt zu Besuch Ich laufe zur 1000km- Marke. Nach 5km fühlt sich das irgendwie unbefriedigend an. Ist dennoch, nach dreimal tief durchatmen krass! 29 Tage! Davon 2 Zeros. 27 tage 1000km. 37Km im Durchschnitt jeden Tag! Fast ein Marathon! Aufsteig zum Kahlen Asten. Pause. Sinnieren. Organisieren (Schuhe bestellen, Zugtickets usw.). Teuren und schlechteren Kaffee trinken und ein Stück Mandarinenquarkschnitte – zur Feier des Tages. Abstieg durch das Lenne Tal – lieblich. Ab hier finde ich den Wald ziemlich zerpflückt- was an der spezifischen Form der Forstwirtschaft liegt. Gleich alte Schulen werden gepflanzt und auch weggehauen. Demnach laufe ich durch viele Areale ohne Altbeständen, exponiert in der Sonne. Die Ausblicke, lassen die Hügel eher wie Flickenteppiche erscheinen. Item of the Day. Sonnenschirm. Musik auf die Ohren... ich schwebe... Westfeld finde ich pittoresk und erstaunlich verbummelt komme ich erst am Nachmittag in Oberkirch an. Wiedersehensfreude. Wir haben uns einen Monat nicht gesehen. Viel erzählen. Essen. Bier trinken... ab morgen geht’s für die nexten 100km zu zweit weiter
  41. ...weiter... Tag 20 ...und wieder gerade aus...im Nieselregen. Abwechslung muss sein. In Scheuen am Segelflughafen fragt ich die Trailmarkierung 12km Heidschnuckenweg oder 7 km auf dem E1... klare Sache. Hallo E1! Auf dem Weg nach Celle schmuzel ich mir einen zurecht, dass die Affäre Heidschnuckenweg stürmisch in Fischbek losging, sich schnell abkühlte, bald Unsäglich wurde und ich nun wieder auf dem Trail bin dem ich für 2000km etwas versprochen habe... so blöde die Analogie ist, sie erheitert mich bis Celle. Apotheke: Voltaren, der Spann schmerzt noch immer. Kaffee, was zum reintunken und Steckdose fürs Handy- so kriegen alle was sie brauchen. Ich laufe raus. Laaange Kurve auf der Fußgänger*innenbrücke, Eine Kurve! Im laufe des Tages werde ich merken, dass meine einzige war. Am Alten Kanal wasche ich meine Füsse und meine Socken – Heidesand ist mean. Eine Horde Kitakinder kommt vorbei, ich unterhalte mich mit zweien. Sie erklären mir das hier ihr Abschlussritual von den Waldtagen stattfindet: Alles was sie im Wald gefunden haben und in den Kanal werfen wollen, können sie hier in den Kanal werden (natürlich nur natürliches)... Kool. Der Weg ist unspektakulär uns setzt dass fort, was schon war: Gerade aus, Monowald durchsetzt von Feldern und Weiden. Ich fluche ob der Erkenntnis, dass nicht die Lüneburger Heide das Problem ist, sondern die Norddeutsche Tiefebene. Ich erinnere mich an den Hundebesitzer vom Elbe-Lübeck-Kanal: „Da kann man schon zwei Tage vorher sehen, ob man Besuch bekommt“ Da hat wohl auch noch jemand noch nicht Frieden mit dem Ort seiner Kindheit geschlossen. Kommt mir vertraut vor. Irgendwo mache ich Pause mit Resupply und Essen – ich kann mich, mal wieder, beim besten Willen nicht erinnern wo (jetzt 2,5 Monate später) -bitter und aussagekräftig zu gleich... mein Insta sagt mir, dass die Abwechslung des Tages die Beläge des Weges waren und dass ich heute 43 km gemacht habe. Am Schluss ein wenig Singletrail durch den Wald- was mich sehr glücklich stimmte. Ich habe noch etwas Natur-Film von der grausamen Sorte in meiner Nachbarschaft: drei Blaumeisenküken sind aus ihrem Nest gefallen und wildes Piepen und Tschilpen und aufgeregt umherflatternde Eltern-Meisen und hilflos umherkugelnde Küken. Noch bevor ichs Bett gehe sind nur noch zwei... Achja: Ich Sag mal das ich den Heidschnuckenweg by the Way gethru-hiked habe... (done it! liebloses Beweisfoto) Tag 21 Ich werden von wildem Vogelgezeter wach... Tschilp. Piep, Kraaah... eine Stunde später ist's vorbei. Das Hörspiel ist zu ende. Die beiden Küken sind weg und eine Krähe ist etwas satter würde ich sagen. Ich baue mein Tarp ab, auf einmal fährt direkt vor mir eine Vespa vorbei (10 Meter vielleicht). Fahrräder folgen... viele. Huch. Ich laufe los. Des Rätsels Lösung: ich habe direkt neben einem Radweg gepennt- es gestern nur nicht gemerkt. Bis zum Steinhuder Meer Moore und viel Gerade aus... es zehrt an den Nerven. Das Teilstück um das Ottenhagener Moor finde ich ganz großartig. Lerne auf den Infotafeln viel über Moore. Eher zufällig stelle ich an einem Teich vor Bordenau fest das ich auf E1 Trailkilometer 700 bin. Kurzes Foto. Lächeln. Ich laufe weiter nach Steinhude. Es ist sehr windig. Die Luft ist feucht und riecht nach Regen. Ich war hier als Kind mal. Im Hintergrund sehe ich Hügel. Eeeendlich! Das Gelobte Land: Das Hannoversche Bergland! In Steinhude aufm Öffentlichen Klo gabs ne Steckdose. Naja – Hikertrash eben. Also gammel ich vor dem Klo rum. Bereite etwas Cold soaking Zeug vor, fülle Wasser auf. Hui Internet: Instastorie. Klobesucher anlächeln, Spülen, es gibt viel zu tun... (ich hätte nicht alles gleichzeitig tun sollen 10km später merke ich das ich mein Messer im Klo hab liegen lassen)... Ich finde keinen koolen windgeschützten Platz am See zum Essen. Schade! Hinter Hagenburg sehe ich ihn: Mount Kali (so nenne ich ihn). Beidruckende Abraum Halde des Kaliwerks Bokeloh. Gefühlte 1000 Fotos gemacht. Das Licht und der Himmel setzen das Ding aber auch echt gut in Szene – und es ist ein BERG!! Eine wohltat für meine Augen. Der Tag ist schon lang. Ich finde keinen Pennplatz ausserdem will ich auch noch näher an Bad Nenndorf ran... da ist ne Therme und morgen ist Thermen Tag – für irgendwas muss ich ja Bademantel, Schlappen und Saunatuch seit 730km mit mir rumschleppen... Laaaange gerade am Mittellandkanal. Mein Spann schreit aufhören! Da ist mittlerweile ne mittelpächtige Entzündung drin – schlimm geug um nach solchen Tagen zu motzen, aber nicht so schlimm als dass ich am Grundtempo und der Strecke ändern müsste... Im Hasterwald finde ich was. Tag 22 Die Nacht war... saukalt. AAAABER egal: Thermentag! Ich laufe nach Bad Nenndorf- vor mir Berge: Der Große Deister. Ich bin Euphorisiert. Die Sonne scheint. Ein erster Anstieg. Höhenmeter! OH MEIN GOTT! Oben angekommen blicke ich zurück in die Norddeutsche Tiefebene. Nie wieder flach! Die Therme hat noch nicht auf, dafür die Supermärkte: Fettes Frühstück und fetter Einkauf fürs SPA. Geilo!. Ich leihe mir alle Utensilien für einen entspannten Tag- das hatte ich vorher recherchiert. In der Therme senke ich mit meinen dann doch beinah 40 den Altersschnitt beträchtlich. Egal. Ich mache acht Stunden Wellness und breche gegen 16h wieder auf. Es geht direkt mit einem knackigen Anstieg los und ich bin direkt klatschnass und frage mich ob ich das wirklich vermisst habe. Ich stehe in einem alten Buchenwald, rauf und runter und vor allem Kurvig geht’s weiter bis ich auf dem Rücken des Großen Deisters angekommen bin immerhin 380m über Null... ich finde kurz vor dem Annaturm eine gute Stelle und baue entspannt und glücklich mein Tarp auf. Tag 23 ich habe entspannt sehr lange geschlafen. Das Wetter ist so la la. Viel Wind, leichte Schauer, ziemlich grau. Laufe los nach Bad Münder. Der ganze Wald ist voll mit welkem Bärlauch und es duftet dezent nach Knobi und Zwiebel. (Ein paar Blätter packe ich mir fürs Essen schonmal ein – Gourmet Hiker). In Bad Münder einen Affogato, Steckdose, noch einen Espresso – diesmal ohne Eis. Aufstieg in den Süntel hinein... bis ich sie hörte: Junge Männer, Bollerwägen, Bier, Boomboxen. Es ist Vatertag. Und die werdenden Väter dieser Nation bewehren sich mit eben jenem genannten und ziehen in die Wälder – und hinterlassen eine Spur der Verwüstung. Bis auf dem Hohen Süntel hatte ich einen ganzen Beutel von Müll. Ich legte mich noch mit einem schlaueren Exemplar an, weil er mir irgendeinen Spruch drückte und ich meine Affekte nicht im Griff hatte und pampig reagierte. Naja... Auf dem Gipfel: Bratwurtschwaden, Rockmusik, Müll, Bierseeligkeit und viel viel Testosteron... schnell weg. Beim Abstieg traf ich ein älteres Paar, die mich fragten ob das der Weg zum Hohen Süntel sei – ich bejahte und umriß kurz was sie da erwarten würde „Nein, das ist nichts für uns“. Gegen 17h erreichte ich Hameln. Eis und Füsse in den Brunnen – die Stadt hat schon schlimmeres gesehen. Zwei Leute verlassen dennoch den Platz am Brunnen, als ich mit einem seufzenden „Oh jaa“ meine dampfenden Füsse ins kalte Nass stecke. In Hameln bewege ich mich ob schwieriger Markierungsverhältnisse recht freestyle bis ich wieder welche finde. Sehr knackig geht’s hoch auf den Klütturm. Irgendwie schaffe ich es hier meinen Cold Soaking Container zu crashen und die Soße läuft mit in die Aussentasche... keine Ahnung wie. Notdürftig mit Gaffa geflickt und das Abendessen gerettet. Ich weiß nicht wie und wo, aber irgendwie habe ich sehr lange einen Abzweig verträumt und finde mich in einem absoluten Nirgendwo wieder... zurücklaufen? Nee. Zu spät. Zu weit. Müde. Mit schlechtem Netz und Google Maps, weil Komoot nicht will finde ich einen Fixpunkt für den nexten Tag. Weil um 20.30h und nach 43 km suche ich für mein Wohlfühlen keinen Trail mehr... eine Idee wo ich bin und wie ich von da wieder auf Trail komme reicht mir- ausserdem habe ich einen Traumspot gefunden. Nach 800km werde ich gelassenener. Tag 24 Den Trail fand ich morgens zwischen Dehrenberg und Aerzen. Und schon war er wieder weg. Oder besser: die komplette Trailmarkierung. Pfffuh... Der Hansaweg geht auch bis Lemgo. Pragmatisch. - Und hätte ich mich sauberer Vorbereitet: Dann hätte ich gewusst dass das ab Hameln so ist... warum mir das erst so spät aufgefallen ist, ist mir bis heute ein Rätsel. Ich mag das Lipper Bergland. Wald und Feld wechselt sich ab, ich laufe viel an Waldrändern und kann über die hügelige Landschaft gucken- ich mag sowas. Ich laufe parallel zum „Weg der Blicke“- stimmt die Aussichten sind wunderbar. Vor Lemgo verliere ich wieder mal den Weg. Ich laufe freestyle rein. Resupply bringt mir kein Cold Soaking Jar. Erstma frühes Abendessen. Und wieder Trail suchen... ich habe 43km in den Knochen und bin schnell genervt ob der schwierigen Markierungen. Ich laufe an einem Campingplatz vorbei... kurzes Überlegen...naja okay. Der Platzwart ist ein A*....kein netter Mensch. Auf der Rechnung steht Strom und ich frage ob's am Platz sei, ja wenn ich so'n Adapter habe. Mein Baseweight lässt sowas nicht zu. Ich entgegne aber „Nein habe ich nicht. Aber warum zahle ich dann dennoch Strom“ „Für die Beleuctung und all sowas“ grinst er mich an... ich komme mir verarscht vor. Schlucke es runter, ich bin zu Müde und zugegeben etwas perplex ob der Antwort. Mein Sinn für Gerechtigkeit und gegen Dummheit rebelliert – ich verspreche ihm ein Bier... (downtown Lemgo)
  42. ich hatte ja gesagt, dass ich versuchen werde peu a peu die komplette tour in form eines reiseberichts zu packen... ist ne gute therapie gegen die post-trail-depression und hilft auch dem ganzen seinen platz zuzuordenen - so'n thruhike ist ja schon auch groß, den zu verdauen dauert ja auch n bisschen... schön dass ich das hier kann dafür schon mal danke... Tag 15 Frisch geduscht, mit frisch gewaschenen Klamotten, reparierter Iso-Matte starte ich einigermaßen erholt – zugeben viel geschlafen habe ich nicht – in bester Nebel-Nieselregen-Suppe morgens gen Hamburg. Gestern regnete es den ganzen Tag – alles Richtig gemacht. In Hamburg also freestyle Richtung Binnenalster, weil zu versuchen irgendwo in den Outskirts den verlornen Trail wieder zufinden hatte ich keine Lust. Gefunden. Und direkt wieder verloren. Egal. Ich kenne Hamburg einigermaßen, also weiter pie mal Daumen durch Planten un Bloomen zu den Landungsbrücken und dann immer der Elbe nach... ich gehe bis zum Fischmarkt, statt über den Altonaer Balkon für ein zweites Frühstück und dann weiter nach Övelgönne. Den Rest Richtung Blankenese kenne ich auch schon und der wird bei dem Wetter auch nicht spannender. Also Fähre. Fährt nicht nach Blankenese von hier aus... Tief durchatmen. Okay. Fährste halt anders. Fähre Finkenwerder und mit dem Bus nach Cranz. Trail gefunden. Los geht’s. Deiche und Obstbäume. Moor und Hafenblicke. Altes Land trifft Hamburg. Ach was?, in Fischbek – also wirklich direkt in Hamburg fängt der Heidschnuckenweg an? Geilo, hab ich doch auch aufm Zettel. Ein By the Way-Thruhike... Fischbeker Heide: Singeltrails, munter auf und ab, Heide, bleigrauer Himmel, Kiefernwälder mit Heidelbeerteppichen- wunderschön. Abzweig: Heidschnucki gradeaus, E1 rechts... klaro. Auf einmal stehe ich auf einer schnurgrade Forstpiste durch Waldmonokultur... geht nicht vorbei. Langweilig. Wenn ich den Heidschnucki wieder treffe bleibe ich auf dem. 60Km länger, aber es geht auch nach Celle. So what. Aber die 500km Marke geht heute... Geschafft. Fühlt sich erhaben an. Lachen. Ein lautes „Yes!“ entfährt mir. Eine Nordic Walkerin guckt mich irritiert an. Ich laufe weiter nach Buchholz... Das Problem an diesen Heidewäldern ist, die Krautschicht ist nicht sonderlich Pennplatzfreundlich. Am Brunsberg: Heide. Naturschutzgebiet. Hier oben esse ich. Es wird Dunkel... ich laufe weiter fluche dass ich keine Taschenlampe eingepackt habe- Stupid light? (haha). Unter einer ausladenden Tanne werde ich fündig. Tag 16 Arschkalt wars... früh raus. Das schöne ist dann ja das schöne Licht und die Stimmung im Wald. Im Büsenbachtal bin ich soweit warmgelaufen, dass ich mir Frühstück in der Sonne gönne. Der Dunst der Nacht, die Sonne – Heideromantik. Die Matte habe ich anscheinend doch nicht nachhaltig geflickt. Sie verliert immer noch Luft- aber wenigstens nicht mehr soviel. Ich muss Nachts ja eh immer raus, kann dann nachpusten. In Handeloh gabs ne Club Mate beim Edeka, eine Bank in der Sonne... das schöne Leben ist so einfach. Weiter ins wunderschöne Seevetal. Viel Bruchwald und schönes Licht. Es ist Warm. Undeloh: Pause und einen ziemlich geilen glutenfreien Nusskuchen im Teehaus gegessen. Auf dem Wilseder Berg (169,2Meter) gierig die Fernsicht eingesogen – als Kind des Mittelgebirges fehlen mir schon die Weiten Blicke, in der Ferne ist Hamburg schemenhaft erkennbar. Irgendwo hinter der Behringer Heide kippe ich nach 45+ Kilometern totmüde um – schaffe es vorher noch mein Zeug hinter einen alten Schafstall zu werfen . Tag 17 Ich laufe morgens gen Bosteler Schweiz oder Bosteler Kuhlen... ein Sanft wogendes Landschaftsrelief aus der – na? - letzten Eiszeit. Die Sonne scheint, es riecht nach Macchia. Frühstück. Recht ereeignislos geht’s bis nach Bispingen. Pause: Erdbeeren und Club Mate. Es Ist sehr Warm heute. Ich laufe durch Wald und Trimm-Dich Plätze. Lange in Hörweite der A7.Unsexy. Der Heidepark Soltai kündigt sich mit dem Ehbläcker Moor an. Das Rumpeln von Fahrgeschäften und das glückseelige Kreischen von Menschen werden vom Wind durch die Landschaft geweht- Absurd. Noch absurder wird es als auf dem riiiiesigen Parkplatz des Vergnügungsparks stehe. Ich verstehe diese Form der Freizeitbeschäftigung nicht. Egal. Ich komme am späten Nachmittag in Soltau an und mir wird mit Blick auf die Uhr gewahr, dass ich in den letzten 49 Stunden 110km gemacht habe... krass! Naja, ist ja auch flach. Resupply. Ich baue mir eine Bombe aus Linsen, Blutwurst, Handkäs' und Äpfeln – der Frankforter Bub' hat lukullisches Heimweh Kugelrund rolle ich weiter und stelle fest, dass ich sehr großzügig auf einer Landstrasse einen Truppenübungsplatz umlaufe. Roadmoviefeeling und meine Füsse brennen. Ich habe keinen Bock mehr. Aber in der „Artilleriefeuerstellung Nummer 33“ will ich dann doch nicht mein Tarp aufstellen. Endlich ist das Dingen umlaufen und ich stehe in intensiv genutzter landwirtschaftlicher Monokultur – vom Regen in die Traufe. Ich finde in einer kleinen Wald mit Sandkuhle was – heute 1000km gefühlt. Real über 40. Tag 18 Sch....öner Tag... Bleischwerer Himmel, es geht immer grade aus auf Forstpisten durch Kiefermonokulturen, Äcker und Felder, die Wege sind alle schnurgrade und manchmal so sandig, dass sie dazu noch schwer zu gehen sind. Drückt auf Gemüt. Zudem ich mir am Tag zuvor was in den rechten Spann gelaufen hab' was ich weder rausgedehnt, noch rausmassiert und rausgeIBUt bekomme... ätzend! In Münden stelle ich an der alten Mühle meine Füße ins Wasser, ein nasser Hund springt mich an und ich schreie noch „ÄÄÄh du bist doch nass!“ Das interessiert, den Hund ja nicht. Naja. Ich habe Pfotenabdrücke auf dem Hemd und muss lachen. Hilft. Füsse ins kalte Nass stellen auch. Meine Laune bessert sich auf einem schmucken Singeltrail an der Örtze entlang. Faßberg ist ein ziemlich Trostloses Örtchen mit einem Supermarkt. Essen ist gut für die Moral. Also frühes Abendessen. Gewarptes: Baked Beans, Soja-Granulat, Gurke, Tomate. Lecker. Ich umlaufe den Fliegerghorst Faßberg - und schon wieder was militärisches... und stehe irgendwann im angepriesenen Wacholderwälchden. Hier gibt es die erste Hütte des Heidschnuckis... ich gucke auf die Uhr, zu früh zum bleiben. Ich horche in mich: schlechte Laune, der Spann tut weh und hey eine Hütte... ich bleibe hier. Der Tag war ziemlich unprickelnd. Der Heidnschnuckenweg hat nach Soltau stark nach gelassen. Landschaftlich langweilig, die Streckführung doof und am Ende merke ich das Heide eben Heide ist, die sicherlich ihre Reize hat, sich aber für mich nicht über die ganze Distanz des Heidschnuckis trägt. Musste jetzt durch – auch das ist Thruhike. Ist nicht immer alles geil. (Ich muss ganz ehrlich sagen, dass hier ist die ziviliserte Version: ich habe den Tag über die Norddeutsche Tiefebene verflucht...) Aner Highlights gibts immer: Beste Straßenkreuzung. Was will uns das sagen? Dem Beschuß ausweichen? Tag 19 Die ersten 26km bis Weesel: Sandpiste, gerade, Monokulturwald. Es ist eine Quälerei. Ich fluche und verwünsche den Trail. Hilft nur niks.- Macht's nur noch schwerer. Ich mache in Weesel lange Pause und kann mich beim besten Willen nicht erinnern wo und wie... ich sag mal Weichgespült durch die Monotonie. In der Misselhorner Heide- die im Übrigen schön daherkommt- meine erste Hedischnucken Herde. Viel määäh und bäääh. Sie rast schier an mir vorbei. Der Schäfer trottet gemächlich intendrein, die Hütehunde umkreisen den Riesenwollknäul und halten in so zusammen. Ich hatte mir das gemütlicher vorgestellt. Um mir die Langeweile zu vertreiben mache ich viele Fotos von den geraden Baumreihen und versuche mit der Bildbearbeitung Fototapenmotive zu entwickeln. Arbeitstitel: „The Art of Monotony“. Das ist zwar kurzweilig zerrockt mir aber den Akku. An einem Reiterhof mache ich Pause. Ich habe unbändige Lust auf ein Bier. Ein kleines geht – vor der Realität mit Drogen zu fliehen war noch nie ein gute Strategie, nicht mit anfangen. Mein Gemüt etwas ins Lot gebracht, Akku voll(er). Weiter. An den Wildeker Teichen esse ich zu abend. Es ist wunderschön hier. Ich lasse meine Seele und meine Augen Schönheit und Abwechslung tanken und laufe weiter. Hinter dem Forsthaus Kohlenbach finde ich an einer Wegkreuzung eine Schutzhütte. Es nieselt immer wieder und für die Nacht ist Regen angesagt. Auf dem Weg sehe ich direkt neben mir im Unterholz einen Rothirschen - Gänsehaut. Ich schlafe direkt neben einem Truppenübungsplatz – Gänsehaut, nur anders.
  43. done it! 2 paar schuhe 2 paar socken 8 zecken 12 ibu‘s ca. 6kilo partyknabberboxen ca. 80 wraps 89 tage ~2600km E1 und E5 flensburg - konstanz - verona ausführliches nachdem das erstmal verdaut ist und ich urlaub vom urlaub gemacht habe aber so viel: ich bin glücklich. überwältigt im wahrsten sinne des wortes. ich bin gesund. alles ist gut grüsse aus dem sonnigen verona
  44. 1 Punkt
    4-5 Kilo sind halt leichter zu tragen, als 10-20...Außerdem sieht das Zeug teilweise echt cool aus und man kann andere Wanderer vor Neid erblassen lassen(Wenn man die Preisschilder dran lässt)
  45. 1 Punkt
    ...du hast ja schon alle guten Gründe genannt Bei mir ist das vor allem etc., Sprich: Bandscheibenvorfall im Nacken. Außerdem will ich eins sein mit der Natur, nach zwei Tagen schon so riechen wie die Tanne neben mir, beim Laufen in Echtzeit einer Schnecke folgen, da ich mangels Thermarest auch so schnell bin nach dem Aufstehen, ich will die ungebändigten Naturgewalten wie Regen, Kälte, Wind hautnah spüren, weil mein UL shirt wie auflackiert sitzt und dieses Gefühl zulässt... Ach ja, es gibt viele Gründe, UL zu lieben...
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