Hallo Mia,
ich glaube (und hoffe für dich), dass du noch ein paar Jahre jünger bist als ich. Mit dieser Feststellung starte ich deshalb, weil du darin doch ein bisschen Hoffnung finden kannst. Vielleicht musst du noch etwas warten, aber ich glaube (und wünsche es dir und uns allen), dass du deine Reiseträume noch wirst verwirklichen können.
Auf jeden Fall finde ich, dass du enttäuscht und besorgt sein darfst, denn es ist traurig, wenn die eigenen Träume in Frage gestellt sind. Aber große Träume zu haben, das birgt nun mal immer das Risiko, dass man nicht alle erfüllen kann. Aber es lohnt sich trotzdem zu träumen!
Ich selbst tue mich schwer mit Alternativen für mein Sabbatjahr 2021. Eigentlich wollte ich den PCT gehen, und ich werde wohl nicht mehr so viel gute Jahre haben, um ihn "irgendwann später" noch machen zu können. Ich liste meine Gebrechen hier mal nicht auf, das sprengt den Rahmen. Und ich weiß genau, wie deprimierend es sein kann, wenn man nicht das machen kann, was man sich erträumt hat, denn das habe ich schon schmerzhaft erlebt.
Ich selbst versuche mich auch (wie offenbar viele andere hier im Forum), damit zu trösten, dass sicher schon bald wieder irgendwas in Europa möglich sein wird, und dass das dann auch schön sein wird, und man braucht ja gar nicht zu fliegen usw. usw. usw. Aber natürlich ist es nicht dasselbe, jedenfalls nicht für mich. Denn mir persönlich ging es ja nicht nur darum "irgendwie" raus zu kommen, sondern ich wollte ja auch immer Land und Leute kennen lernen, wenn ich unterwegs war. Den Appalachian Trail oder den Bibbulmun Track zu machen, das bedeutet so viel mehr als nur zu wandern. Die Erfahrungen, die ich da gemacht habe, konnte ich nicht alle hier in Europa machen. Mein Horizont ist soviel weiter geworden dadurch. Ich bin so wahnsinnig dankbar, dass ich das alles noch lange vor Corona machen konnte! Und gleichzeitig drehe ich fast durch vor Trail-Sehnsucht, wenn ich mir jetzt Youtube-Videos dazu anschaue...
Was heißt das jetzt für dich? Weiß ich nicht, ich selbst versuche folgendes: Ich versuche JETZT gut für mich zu sorgen, damit es mir JETZT gut geht. Ich versuche mir nicht noch selbst Stress zu machen, davon kriege ich schon von außen genug. Ich versuche mich nicht verrückt zu machen sondern einen Alternativplan zurecht zu legen. Aber GLEICHZEITIG versuche ich auch, an meinen Träumen fest zu halten. Das hat mir schon durch viele schlechte Zeiten geholfen, und davon hatte ich in meinem Leben leider schon mehr als genug. Ich traue mich, weiter zu träumen, und ich versuche die Träume in die Realität umzusetzen, sobald es geht, und sie nicht unnötig aufzuschieben. Und wenn es dann doch nicht klappt, dann ist meine persönliche größte Herausforderung, trotz Enttäuschung das Beste FÜR MICH aus der Situation zu machen. Meine Frau und ich bereiten alles vor, um für die Reise in die USA gerüstet zu sein, auch wenn daraus wahrscheinlich nichts wird, aber besser ich träume und versuche alles, als wenn ich mich von meiner Angst lähmen lasse und es erst gar nicht versucht hätte...
Hört sich vielleicht gelassener und weiser an, als ich tatsächlich bin. In der Realität habe ich immer wieder starke Stimmungsschwankungen, auch ohne Corona. Aber auch wenn ich an manchen Tagen heulend rumsitze, so schnell gebe ich nicht auf!