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Ultraleicht Trekking
Freierfall

Und noch ein GR221 Bericht! Mallorca im Mai

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Vorwort

Hallo Leute,
ich bin ja jetzt ebenfalls auf dem GR221 unterwegs gewesen, relativ spontan, hatte 8 Nächte dafür eingeplant, diese anhand der günstigsten Flüge gebucht, das Gepäck war schnell beisammen (nur ein paar "Experimente" diesmal) und mich nicht groß auf die Wegfindung mittels Führer o.ä. vorbereitet, lediglich ein Paar Tourenberichte gelesen und zur Navigation Vectorkarten von Mallorca mit dem Track von Alpenquerung.info + Map.Solutions Karten 1:33.000 als Backup besorgt. Schon konnte es losgehen.
Vielen Dank nochmals insb. an @Lahmeente aber auch @Dr.Matchbox @derray @mrhardstone für die Reiseberichte hier im Forum. 

Meine Packliste gibt es hier, mit ein paar Änderungen:

Prolite 3 -> dünne Eva 190*50cm + Gossamer Gear Nightlight getauscht
MLD Bugbivy -> Polycryo Groundsheet
Es wurde ein Silnylon Drybag hinzugefügt (Handgepäck für den Flieger & Kleidersack)

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Da ich solo unterwegs war, mittel fit (zuvor Monate nur rumgesessen wegen Examensvorbereitung) und normalerweise lange Etappentage mache,  hätte ich nicht so viel Zeit für den Trail gebraucht. Aber da ich überall die eindrückliche Warnung las, den Trail nicht zu unterschätzen habe ich darauf gehört und die vorsichtige "Zielvorstellung" von 7 Tagen Wandern + 1 Tag Strand / Backup eingeplant. Ich wäre im Nachhinein auch mit erheblich weniger ausgekommen, aber dazu später mehr.

Start:

Mein Abenteuer begann schon am Vortag, ging mein Flug doch um 5:45 am Morgen, so bin ich also schon am Abend zuvor mit der Bahn zum Flughafen gefahren und konnte dort direkt meine neue Isomatte (Gossamer Gear Nightlight Torsosize) ausprobieren, habe es mir nämlich hinter den Check-In Schaltern bequem gemacht und 3-4h geschlafen. Hat keinen gestört. Beim Aufwachen wurde ich aber halb entsetzt halb interessiert Zeuge eines medizinsch-neurologischen Phänomens, dass man im Studium schon früh lernt, aber ich noch nie gesehen hatte: Auf der Seite, auf der ich geschlafen hatte, hatte ich eine Radialislähmung mit Fallhand entwickelt... habe wohl ungünstig gelegen. Zum Glück verschwand der Spuk so schnell wie er gekommen war. Schnell noch den Rucksack in die Isomatte und den Rest einer Rolle Frischhaltefolie gewickelt, aufgegeben und los gings.

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Nach einem ereignislosen Flug mit Landung um ca. 8 Uhr konnte ich inklusive Einkauf von etwas Proviant (Salami, Manchego Hartkäse, Obst, Wasser) und Busfahrten schon um 10 Uhr in Port d'Andratx mit dem Wandern beginnen. Nachdem ich den Yachhafen passiert hatte verlief ich mich bereits das erste Mal, worauf mich ein älterer deutscher Wanderer (voll in Khaki) mit Rother Wanderführer hinwies und erstmal ausführlich darüber schimpfte, dass es auf Mallorca nur so schlechte Schilder gäbe. Es fehle dort einfach an einem Deutschen Alpen- oder Sauerländischen Gebirgsverein!

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Ich lief einige Minuten mit dem Herren die Straßen-Serpentinen hoch, während dieser die minutiöse Wegbeschreibung aus dem Wanderführer rezitierte (nach 286m an einem großen Baum halb rechts abbiegen und der Straße bis zur übernächsten großen Kurve folgen... so in etwa klingt es jedenfalls in meiner Erinnerung), verabschiedete ich mich von dem Herren der mich noch vor den Gefahren des alleinigen Wanderns im Gebirge warnte und kürzte die Straßenserpentinen über ausgelatschte Wege quer den Hang hinauf ab. 
Dort Begann auch das "Navigations-Elend" von dem ich für die ersten Etappen bereits gelesen hatte, es gab nämlich Trampelpfade und auf diese weisende Steinmännchen in so ziemlich alle Richtungen, sodass ich mich irgendwann nicht mehr darum kümmerte und einfach grob in Richtung "oben" lief. Als ich schließlich am ersten Pass ankam und mit einer tollen Aussicht auf das tiefblaue Mittelmeer belohnt wurde, konnte ich aber irgendwann keinen Weg mehr finden und ließ mich vom Handy-GPS zum "Weg" bzw. nächsten Steinmännchen lotsen, ab jetzt ging es nämlich abwechselnd über einen Wanderpfad und ein verwinkeltes Kalksteinfeld. Da rüberhüpfen machte direkt richtig Spaß :)

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Irgendwann traf ich wieder auf einen breiteren Weg (vermutlich hätte man diesem von Anfang an Folgen können, wenn man auf der Straße geblieben wäre), die einen jedoch irgendwann zu einer Sackgasse an einem kleinen "Gipfel" führt. Von dort hatte man zwar einen Tollen Ausblick auf St. Elm und Sa Dragonera, einen weiteren Weg schien es jedoch nicht zu Geben. Und auch das Navi sagte, der Weg wäre einfach nur nach Rechts, dumm nur dass dort überall eine Steile Abbruchkante verlief. Nach einigem Suchen fand ich schließlich den Durchlass durch die Felsen, machte eine Spitzkehre und lief daraufhin direkt unterhalb der Abbruchkante entlang (und stieß prompt auf eine große Rentner-Wandergruppe die dort großes Picknick machte)

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Der weitere Weg verlief leicht zu finden durch Kiefernwald, immer wieder mit schönen Ausblicken aufs Meer. 

Als ich irgendwann schließlich an einer Bucht mit Häusern ankam, dachte ich schon am Zwischenziel St. Elm zu sein und genehmigte mir ersteinmal ein Bad im Meer, das Wasser war zwar noch kalt aber für mich in dem Moment genau richtig. Erst dann stellte ich fest dass es nach St. Elm noch ein Paar Kilometer Straße waren. 

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Dort angekommen gönnte ich mir erstmal ein Bocadilla con Jamon (Danke @Lahmeente für den Tipp) und ein Alkoholfreies Bier, eine kleine Mittagspause. 
Aber der Tag war noch Jung, also brach ich aus St. Elm auf um nach la Trappa zu laufen, dort wollte ich ggf. übernachten. Der Weg dorthin war wieder recht schwer zu finden, nachdem man eine Weile durch Wald aufgestiegen war musste man zunächst leicht kraxeln, um zu einer ausgewiesenen Kletterstelle (mit Seil gesichert) zu kommen, hat mir zum Glück nur leichte Höhenangst bereitet. Als die Kletterpassage überwunden war, kommt man auf einen Bergpfad der dicht am Abgrund verläuft und sieht wieder das Meer direkt unter einem, traumhafte Aussicht! Dort traf ich auch noch etliche weitere Menschen, die ebenfalls nach La Trappa unterwegs waren, allerdings scheinen diese einen besseren Weg durch den Wald gefunden zu haben, trotz schnellem Wandertempo hatte ich zuvor niemanden davon gesehen.

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Bei der Klosterruine angekommen, die so aussieht als wäre das Projekt "Refugio" dort komplett gestorben (der Traktor der dort steht ist komplett durchgerostet) war es erst 16 Uhr, aber da ich durch die unruhige Nacht noch Schlafmangel hatte, beschloss ich dort zu bleiben. Nach einiger Zeit verschwanden auch sämtliche Tageswanderer, und ich hatte die ganze Ruine für mich alleine! Eine absolute Rarität zu dieser Jahreszeit, wie ich später erfuhr, andere Wanderer hätten dort auf der Plattform wohl keinen Platz mehr zum Zelten gefunden, so voll sei es Zeitweise o____o

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Ich erkundete erstmal ausführlich die Ruine und suchte nach einem guten Schlafplatz, fand keinen richtig optimalen und entschied mich letztlich doch für die Vorgelagerte Aussichtsplattform.

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Das Wetter versprach stabil zu bleiben, also gab ich den Anfänglichen Versuch mein Tarp abzuspannen irgendwann auf, da der Boden zu hart für Heringe war und ich des Steinesammelns irgendwann überdrüssig wurde. Cowboy Camping war angesagt. Ich genoss auch einen tollen, einsamen Sonnenuntergang in La Trappa, wachte in der Nacht jedoch durch starken Wind auf. Da man in dem Mondlicht auch deutliche Wolken am Horizont erkennen konnte, befürchtete ich einen Wetterwechsel und verlagerte meine Schlafstätte in die historische Mühle auf dem Klostergelände, dort war ich Wettergeschützt. In der Nacht blieb es jedoch bei Wind und zum Morgen waren die Wolken wieder verzogen. 

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bearbeitet von Freierfall

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Schöner Einstieg. :) Wenn ich das lese will ich gleich wieder hin. Klasse geschrieben.

 

Ja, die Wegfindung am 1. Tag ist wirklich spannend. Die Hälfte davon "durfte" ich im dunkeln mit der Stirnlampenfunzel machen. Und ich stand ebenfals vor der Abbruchkante. :D

bearbeitet von Dr.Matchbox

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vor 10 Stunden schrieb Freierfall:

Das Wetter versprach stabil zu bleiben, also gab ich den Anfänglichen Versuch mein Tarp abzuspannen irgendwann auf, da der Boden zu hart für Heringe war und ich des Steinesammelns irgendwann überdrüssig wurde.

Als ich vor 2 Monaten dort war, war alles voller Matsch :D

Wünsche dir noch viel Spaß!

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Bin gespannt, wie's weiter geht. Meiner kommt dann auch noch :-)

An den Weg am Meer entlang nach St. Elm kann ich mich gar nicht erinnern. Ich bin wahrscheinlich ganz woanders langgegangen. 

bearbeitet von Pong

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vor 15 Stunden schrieb Pong:

Bin gespannt, wie's weiter geht. Meiner kommt dann auch noch :-)

An den Weg am Meer entlang nach St. Elm kann ich mich gar nicht erinnern. Ich bin wahrscheinlich ganz woanders langgegangen. 

Kann gut sein dass ich da falsch war:D (kurz nach der Passage am Meer)

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Tag 2: La Trappa - zwischen Estellencs und Esporles

Am nächsten Morgen packte ich schnell meine Sachen zusammen, um schon kurz nach 7 abmarschbereit zu sein, ich wollte gerne schon mal loslaufen während der Weg noch im Schatten der Berge liegt und es noch nicht so heiß ist.

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Also steigt man von La Trappa aus erstmal weiterhin hinauf, bis man an einem wunderschönen Weg in der Nähe der Küste entlang läuft, gesäumt von Schulterhohem Gras. Irgendwann machte ich auch eine Pause um mir Sonnencreme im Gesicht zu Applizieren und dabei ging direkt mal meine Brille kaput :/ Zum Glück konnte ich sie mit Leukoplast und einem Stück Gummiband Behelfsmäßig reparieren. Sonst wärs das gewesen mit der Wanderung o_o

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Irgendwann bog der Weg schließlich auf ein Hochplateau ab, welches mir außerordentlich gut gefiel, man hatte ein richtig schönes Gefühl jetzt im "Hinterland" zu sein. Außerdem war der Weg das erste mal so eben, dass man einfach "cruisen" konnte ohne auf die Füße schauen zu müssen.

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Dieser schöne Abschnitt endete irgendwann an einem Parkplatz an der MA-10, wo man einige Kilometer an der Straße entlang muss. Da es ein Montag Morgen um ca. 9 Uhr war, war kaum verkehr, also habe ich die Straße nicht so unangenehm in Erinnerung wie viele sie beschrieben haben. Schließlich kann man von der Straße rechts an der Finca "Ses Fontanelles" einbiegen, die zwar am Morgen verlassen war, man jedoch flaschenweise Wasser nachkaufen konnte. Dort machte ich auch eine kurze Pause in der draußen liegenden Küche. Sehr schöner Ort diese Finca, beim nächsten Mal würde ich vermutlich dort übernachten wollen, kostete 25€(?) oder so.

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Nach der Finca führt der Weg durch einen schönen Wald, ein kleines Tal hinauf bis man irgendwann links die Flanke des Berges hinauf muss, ab jetzt wurde es richtig alpin. Über "Stufen" die aus dem zerklüfteten Kalkstein ragen geht es über gefühlte Stunden hinweg nur hinauf, immer weiter. Irgendwann wies mich auch eine tote Ziege genau auf dem "Weg" hin dass man sich hier partout keinen Fehltritt erlauben sollte.

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Nach einiger Zeit verändert sich das Terrain und die Vegetation jedoch, die Zerklüfteten Steine machen Platz für einen Kiefernwald, in dem es zahlreiche gute Übernachtunsplätze gegeben hätte. Ein Teil des Bereichs ist jedoch eingezäunt, was mir erstmal ziemlich missfallen hat: nach dem langen Aufstieg hatte ich fast das Gefühl, wer-weiß-wo in der Wildnis zu sein, doch plötzlich musste ich über eine Metalltreppe über den Zaun steigen. Machte etwas die Atmosphäre kaputt.

Ungefähr hier http://www.openstreetmap.org/#map=17/39.62675/2.43792 auf der Karte ist die vielfach in Reiseberichten erwähnte Stelle, bei der man zunächst nicht weiter weiß. Ich habe sie mir nicht aus den Reiseberichten gemerkt, deswegen wusste ich so gar nicht weiter. Man steht vor einigen umgekippten Bäumen, die Steinmännchen (und sogar einige Farbpunkte!) zeigen den Weg links um den Berg herum, der jedoch teilweise abgerutscht ist und bei mir Höhenangst verursachte, zudem ging es noch in die falsche Richtung. Dann gabs ein Steinmännchen "geradeaus" eine Steile Wand hoch, in der man auch in einer schmalen Rinne sowas wie einen Pfad erkennen konnte. Ich versuchte zunächst dort hinauf zu klettern, drehte jedoch auf halber Strecke um und rutschte den weg wieder hinab, es schien mir zu gefährlich. Schließlich fand ich jedoch nach einigem Suchen und herumirren einen Weg nach rechts (keine Steinmännchen o.ä. ) wo man deutlich einfacher hinaufklettern konnte. Er schien auch derjenige zu sein, der von meinem GPS Track (von Alpenquerung.info) vorgeschlagen wurde.

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Kurz darauf kam man auch an eine "Gabelung", wo man entscheiden konnte, bis zum Gipfel des Moleta de s'Escalop zu gehen oder einem riesigen Steinernen Pfeil am Boden zu folgen weiter auf dem GR221 entlang. Da ich noch etwas gestresst von der Kletterstelle zuvor war, entschied ich mich gegen den Gipfel (worüber ich mich später geärgert habe.)
Kurz unterhalb des Gipfels stieß ich auf eine größere Wandergruppe, die mich auf dem schmalen Pfad zunächst nicht vorbeilassen konnte/wollte, also musste ich ein Weilchen mit diesen mitwandern, bis ich schließlich überholen konnte - und da man ab dort praktisch in einer Wolke lief, sah ich schon sehr bald nichts mehr von den einzigen Wanderern dieses Tages bisher. Ich sah aber auch so nicht mehr viel, es herrschte ja dichtester Nebel.

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Ereignislos, wenn auch durch hübschen Kiefern- und später Eichenwald verlief der Weg weiter nach Estellencs, wo ich erstmal in eine Bar einkehrte, dort belehrt wurde dass sie keine Bocadillas servierten (obwohl diese auf der Karte standen, der Grund war mir unverständlich) und stattdessen Pasta mit Salbei und Hähnchen vorschlugen, die auch wirklich lecker waren. Da es in Estellencs keinen Laden gibt, kaufte ich auch noch eine neue Wasserflasche direkt in dem Lokal. 

Der nächste Abschnitt führte Richtung Esporles, da die Strecke nach Banyalbufar wohl immer noch gesperrt ist, trotz des Gerichtsurteils dass dem Eigentümer der Finka auf dem Weg gebietet diesen doch zu eröffnen. Macht nichts,  der Umweg führt zuerst über attraktive Olivenplantagen vorbei an einem verschlossenen Haus (und mehreren Vordächern die evt. als Garrage oder für die Tiere dienen? Jedenfalls alle Schlafplatz-geeignet) und anschließend durch einen großen Steineichenwald.

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Durch diese kommt man auf dem GR221 recht häufig, und sie bieten sich auch als Schlafstätte an, insb. wenn man ein freistehendes Zelt dabei hat: Überall gibt es "Plattformen" die von der dort früher stattfindenden Kohleproduktion herrühren. Heringe bekommt man da jedoch nicht gut hinein. Was auch für den Waldboden gilt, der auch überall sonst sehr steinig ist, also hatte ich irgendwann keine Lust mehr nach dem perfekten Schlafplatz zu suchen und mein Tarp einfach mitten auf einem (Neben)Weg aufgebaut mit Hilfe von Steinen. (Habs zuvor auf einem Steinkreis und einer anderen Stelle probiert, letzte musste ich jedoch aufgrund von invadierenden Ameisen räumen:)
Auch wenn es da schon recht spät war, so gegen 8 Uhr am Abend, fühlte ich mich etwas einsam. Richtig gesprochen habe ich an dem Tag mit niemandem. Andere Wanderer habe ich, mit Ausnahme der Gruppe am Escalop und einer weiteren in Estellencs, auch nicht gesehen.

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bearbeitet von Freierfall

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Tag 3: Irgendwo zwischen Estellencs & Esporles - Deia

Ausgeschlafen und erholt, nach einer ruhigen wenn auch kühlen Nacht im Steineichenwald packte ich meine Sachen und brach wie immer zunächst ohne Frühstück auf, dieses holte ich nach einer Stunde Wanderung an einer Stelle mit mehr Aussicht nach.

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Fand auf meinem Weg im Wald aber prompt 2 weitere Zeltlager, deren Bewohner gerade erst dabei waren aufzustehen, habe also nur gegrüßt und bin weiter. Wenn ich draussen schlafe bin ich Frühaufsteher. 
Der Steineichenwald in den ersten Sonnenstrahlen hatte eine zauberhafte Atmosphäre, aber am Frühen morgen finde ich beim Wandern immer alles hübscher als am Abend, wo meine Gedanken eher ums Abendessen und den Schlafplatz kreisen. 

 

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Ca um 9 Uhr war ich dann in Esporles, wo ich mir zum (inzwischen zweiten) Frühstück noch ein großes Bocadilla und einen Kaffe gönnte, irgendwie waren die Müsli die ich erst eine Stunde zuvor gegessen hatte nicht genug. Im Supermarkt Wasser & Obst nachgekauft und weiter gings auch schon.

Der Trail aus Esporles hinaus führt erstmal über eine kleine Straße, ich düste den Sonnenschirm über mir aufgespannt und in Gedanken Versunken dahin, auch um den Asphalt-Abschnitt hinter mich zu bringen. Als ich zwei weitere Wanderer passierte, hörte ich hinter mir nur "Oh, der hat einen ÜLA Rucksack! So einen will ich auch!" - während ich noch darüber nachdachte ob ich umdrehen und mich mit demjenigen über Rucksäcke unterhalten soll waren die beiden auch schon hinter mir ausser Sichtweite verschwunden. Irgendwann passierte ich ein Tor, bei dem ganz offenbar der Durchgang Verboten war und wunderte mich etwas über die in der Nähe des Tores verstreuten Schrotpatronenhülsen. Hoffentlich wurden die nicht genutzt um unliebsame Wanderer fernzuhalten. Irgendwo am Col de Se Basseta (?) angekommen führte jedoch der Weg nicht weiter. Es waren Steinmännchen da, diese Endeten jedoch an einer Trockenmauer mit Stacheldraht darüber. Mein GPS Track sagte, er sei da irgendwie entlang gekommen, ich konnte jedoch keine Lücke im Stacheldraht erkennen. 

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Beim Weg zurück, um einen Umweg zu finden stieß ich auf die beiden Wanderer von zuvor, und lernte so Sebastian und Elischen ;) aus Erfurt kennen. Für sie beide war das die erste längere Wanderung, hatten aber schon beide sehr leichtes Gepäck dabei. Wir liefen vorbei einem sehr schönen Stück Steineichenwald und diversen alten Öfen (eignen sich auch als Schlafstelle) und ich erzählte noch ein bisschen was zu UL, dass den beiden aber schon ein Begriff war. So verflog die (sehr schöne) Strecke nach Valdemossa wie im Flug, wo wir auch ca. um 14 Uhr ankamen.

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Die beiden wollte dort erstmal Pause machen und in der nähe Zelten, ich kaufte jedoch wie immer nur Wasser und Begann um ca. 15 Uhr den Aufstieg über den Cami des la coma de Cairats, die neue offizielle Umleitung des GR221 um das nun geschützte "Geiertal" herum. Das beschaffen des Permits, dass offenbar auch telefonisch aus Valdemossa heraus geht (erfuhr ich später) war mir im Vorfeld zu mühsam erschienen. 


Der Aufstieg ist ganz nett, führt aber hauptsächlich über Straße durch ein Tal nach oben und ist recht anstrengend, immerhin gibt es aber ein paar Erklärungstafeln die Ursprung und Funktion der Köhlermeiler auf Mallorca erklären. Hier hätte man gut übernachten können. Ich jedoch hatte eigentlich den Plan, zumindest bis zum  (verschlossenen) Refugi des Cairats aufzusteigen und dort eventuell zu bleiben. Dort gab es auch eine Art Vordach, unter dem man hätte bleiben können, jedoch kein Wasser und besonders schön war es auch nicht, zudem noch Früh am Tag. Also beschloss ich, weiter zu gehen zum Puig Gros und Richtung Valdemossa.

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Der Abschnitt daraufhin ist mMn einer der allerschönsten des ganzen Trails. Von der Hochebene zwischen Puig Gros und Es Cargoli hat man eine fantastische Aussicht und auch der weg ist einfach zu begehen. Allerdings konnte ich das alles nicht recht genießen, da das Wissen über den ausgesetzten Abstieg nach Deia wie ein Damoklesschwert über mir schwebte, ich schaute eher links und rechts nach geeigneten Schlafplätzen um Notfalls die Nacht oben zu bleiben und am nächsten Tag ggf. mit anderen Wanderern abzusteigen.

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An einer großen Kreuzung der Wege kurz vor dem Es Cargoli muss man nach rechts abbiegen, ausgeschildert ist der Weg nach Deia nicht. Kurz darauf verschwindet der Weg zwischen den Steinen, man kann jedoch Steinmännchen ausmachen und diesen folgen, was viele andere Wanderer wohl schon in schwierige Situationen gebracht hat: Um dem GR221 zu folgen (und einen halbwegs sicheren Abstieg zu finden) muss man eine der berühmten, "unsichtbaren" Spitzkehren laufen die es am GR221 so gibt. Leider gehen auch die Steinmännchen durchaus noch in die "falsche" Richtung weiter. Da ich mich im Vorfeld aber über diese (für mich "bedrohliche") Passage informiert hatte, fand ich dank GPS auf Anhieb die Spitzkehre und konnte den für mich unangenehmsten Teil des GR221 beginnen, den gefühlt ewigen Abstieg nach Deia. Da ich leider an recht Ausgeprägter Höhenangst leide, krallte ich mich an meine Trekkingstöcke, die ich kaum halten konnte, so schwitzig waren meine Hände und schaute die nächste Stunde oder so nur noch auf meine Füße. Habe weder ein Foto von dem Teil gemacht noch die Aussicht geniessen können, geht es doch in ausgesetzten Serpentinen am Steilen Berghang hinab, der Weg wechselnd zwischen Geröll und feinem, rutschigen Sand. Richtig gefährlich wird es aber nirgends, jemand der Schwindelfrei ist bekommt dort oben (bei trockener Witterung) keine Probleme.
Als ich schließlich wieder in den tiefer liegenden Steineichenwald kam atmete ich erstmal beruhig durch und machte eine Pause an einem Köhlermeiler um meine zittrigen Knie zu beruhigen. 

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Der Weitere Weg nach Deia führt über hübsche Olivenanbau-Plattformen und etwas verwildertes "Dickicht", ich beeilte mich hier jedoch schon etwas, da es bereits 19 Uhr war und ich noch nicht wusste wo ich die Nacht schlafen würde. In Deia angekommen, ca 20.00 versuchte ich zunächst ein Bett im Refugi "Can Boi" zu ergattern (es gab jedoch keins), aus Erschöpfung rief ich daraufhin das erst-beste Hotel an dass ich über Google in Deia finden konnte und nahm mir ein Zimmer für die Nacht.

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Das Hotel Miramar, in dem ich daraufhin unterkam, kann ich sehr empfehlen. Zwar hatte mein Zimmer kein eigenes Bad (auf dem Flur), ansonsten war es jedoch sehr sauber und geschmackvoll eingerichtet, es ist ein kleines familiäres Hotel bei dem Fotos von Kindern in der "Eingangshalle" stehen (die eher ein Wohnzimmer ist) und anscheinend die Besitzerin alles erledigt, von der "Rezeption" zum Pressen von frischem Saft fürs Frühstück. Und auf der Terasse lungerten ein halbes Dutzend Katzen herum (und besetzten alle Stühle), was den Ort mir nochmals sympathischer machte :)

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Tag 4: Deia - Port d' Soller

Am Morgen im Hotel stellte ich erstmal entsetzt fest, dass der Boden des Hotels und insb. mein Rucksack voller Ameisen waren, ich habe aber nicht herausfinden können ob diese aus einer Fuge des Hotels kamen oder ich diese am Vortag aus dem Wald mitgebracht hatte - so viele Ameisen im Rucksack hätte ich während der Wanderung eigentlich nicht übersehen können. Kurioserweise schienen sich die Krabbler vor allem für meine Dirty Girl Gaiters zu interessieren, welche ich im Meshfach untergebracht hatte.

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Nach einem Reichhaltigen Frühstück mit Käse-Wurst-Schinkenplatte, Kaffe und frisch gepresstem Orangensaft machte ich mich auf den Weg zunächst nach Cala Deia, dem "Hafen" von Deia, der wirklich sehr malerisch in einer kleinen Bucht liegt. Dort beginnt der "Cami dels Pintors", der hier im Forum immer als Piratenweg bezeichnet wurde, nach meinem Verständnis aber eigentlich Malerweg heißen müsste? Egal. Passende Namen wären beides, führt der Weg doch an zahlreichen versteckten Buchten vorbei, in denen auch das ein- oder andere Ruderboot liegt, aber auch an traumhaften Aussichten aufs Meer die sich als Sujet eignen würden.

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Nachdem ich in den letzten Tagen immer nahezu alleine unterwegs war, traf ich von nun an entschieden mehr Leute auf dem Wanderweg, zum einen weil ich jetzt wohl näher an der "Zivilisation" und den populäreren Wandergebieten war, zum anderen aber auch weil ich zuvor wohl zeitlich versetzt zu den meisten anderen Wanderern unterwegs war: Losgelaufen *vor* den anderen, in den Städten erst später wenn alle schon weg waren und auch noch Abends unterwegs wenn die meisten Wanderer schon in Eisdielen und Restaurants saßen. 

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Immer entlang der Steilküste (aber mit gelegentlichen Möglichkeiten zum Wasser zu kommen, sollte einen die Lust auf Planschen überkommen) und vorbei an unzähligen tollen Schlafplätzen führt der Weg von Deia bis nach Port d' Soller. Nicht unerwähnt sollte aber bleiben, dass der Weg, obwohl er Stellenweise mit einem rustikalen Holzgeländer gesichert ist, auch den ein- oder anderen Höhenangstmoment bietet. Es gibt stellenweise nur einen schmalen Trampelpfad, der teilweise abgerutscht ist, und immer wieder gilt es umgestürzte Bäume zu überklettern. Es gibt auch ein paar Passagen an denen man über den typischen feinen "Sand" der die von Kiefern bewachsenen Böden in Mallorca bildet auf- oder absteigen muss, teilweise ohne gute Möglichkeiten sich festzuhalten. An einer besonders fiesen Stelle bin ich sogar nur auf dem Hintern runtergerutscht.

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Gegen Mittag erreichte ich eine Abzweigung, die die Möglichkeit bot direkt nach Port de Soller zu gehen oder erst noch einen Abstecher zum Refugio Muleta am Cap Gros zu machen.

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Da ich langsam realisiert hatte, dass ich bei meinem bisherigen Tempo den GR221 in ca. 5-6 Tagen beenden würde, ich jedoch 8 Tage eingeplant hatte, beschloss ich also am Refugio nach einem Bett zu fragen. Und ich hatte Glück, das letzte Bett im ansonsten ausgebuchten Haus war für mich :) Den Rest des Tages verbrachte ich also am Strand von Port de Soller, den Abend hingegen in geselliger Runde mit einigen deutschen Wanderern im Refugio. Diese Bekanntschaften sollte ich noch auf der gesamten restlichen Wanderung wiedertreffen.

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bearbeitet von Freierfall
Natürlich Port de Soller! Doh!

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Tag 5: Port de Soller - Tossals Verds

Am nächsten Morgen "genoss" ich erstmal das Frühstück im Refugio (Toast, Gouda, Kochschinken, Saft und je ein Kaffee pro Person - mMn nicht zu empfehlen!) und lief zunächst mal in die Stadt. Auf dem Weg traf ich prompt Sebastian und Elisa wieder, die ich schon vor zwei Tagen gesehen hatte. Sie haben erstmal genug vom Wandern und wollen den Rest der Zeit am Strand entspannen, also tauschte man ob der glücklichen Wiederbegegnung und gegenseitigen Sympathie Facebook-Kontakte aus. (Muss die beiden noch anschreiben...). Als nächstes steuerte ich den Hafen an, von wo ich die historische Straßenbahn nach Soller nahm, diese "Attraktion" wollte ich nicht verpassen. Die Straßenbahn ist offen, man kann jederzeit durch ein "Signalseil" aussteigen und wenn man lange Arme hat Zitronen im Vorbeifahren aus den Gärten an den Gleisen klauen. Die kurze Fahrt nach Soller kostet 6€ und spart einem einige unspektakuläre Straßenkilometer. 

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In Soller begegnete ich den deutschen vom Vorabend wieder, unsere Wege trennten sich aber schnell wieder da diese noch einkaufen mussten, ich jedoch bereits alles in P.d.S. besorgt hatte. 
Entgegen der offiziellen Wegführung wanderte ich erstmal durch die kleinen Sträßchen von Soller und einige wunderschöne Obstgärten, die mich durch ihre Schlichtheit besonders ansprachen. Hier wachsen duftende Blumen wie unkraut und reife Orangen an den Bäumen stellen etwas völlig normales dar, dass die einfache Bevölkerung in ihren Gärten stehen hat. Einfach toll!
Nach einiger Zeit suchte ich jedoch den offiziellen Weg wieder auf, der zunächst durch das Dörflein Biniairix führte, dann jedoch über einen langen und anstrengenden Aufstieg zum Cuber-Stausee führen sollte. Der Weg verläuft hier auf einem historischen Pilgerweg zum Kloster Lluc, was bedeutet, dass man fast durchgehend auf "gepflastertem" Wege bzw. über die Namensgebenden Trockenmauern geht. Stetig hinauf legte ich wohl ein strammes Marschtempo vor, was mir irgendwann zwei weitere deutsche die ich zuvor kurz getroffen hatte erstaunt zuriefen. Ich sollte sie auch in Tossals Verds wiedertreffen. Ich bin wohl eher der "schnell hoch ohne Pause, dann länger verschnaufen" Typ. 

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Der Aufstieg bietet einige tolle Aussichten, zunächst auf Soller, anschließend steigt man jedoch immer höher und kann schließlich wieder das Meer und sogar den Leuchtturm am Refugio Muleta sehen. Immer wieder motivierend, solche zufor zurückgelegten Wegabschnitte nochmal von weitem sehen zu können! 
Es gibt ein paar kurze, etwas exponiertere Passagen, doch der Weg ist immer breit und man muss nicht an der Steilkante entlanggehen wenn man dies nicht möchte.

Wie häufig auf dem GR221 ist war es spannend zu beobachten, wie sich die Vegetation mit zunehmender Höhe veränderte: Im Tal herrschten kleine Sträucher, Palmen und Sukkulenten vor, ab einer gewissen Höhe gesellten sich die Steineichen hinzu, die dann schließlich von Kiefern und eher alpiner Vegetation abgelöst wurden. Schließlich kommt man am Coll de l'Ofre an, und die Vegetation hört an den Bergflanken fast völlig auf. (Daran sind - neben der Trockenheit - zu einem nicht unerheblichen Teil wohl die zahlreichen wilden Bergziegen schuld, die die Serra de Tramuntana bevölkern und Bäume die dort theoretisch wachsen könnten anknabbern bevor diese groß genug werden)

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Das Tal richtung Cuber Stausee führt zunächst durch einen hübschen Wald (der wohl oft zum Camping genutzt wird), man kommt aber schnell auf eine riesige Schafsweide, auf der auch unzählige Tagestouristen und etliche Grundschulklassen herumliefen. Weil auch das Wetter nicht besonders gut war (kühl und windig) gefiel es mir dort oben nicht besonders, und ich beeilte mich den See zu umrunden und weiter zu kommen.

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Wenn man auf die große Straße stößt gilt es sich zu entscheiden, wie man weiter Richtung Lluc bzw. Tossals Verds geht. Es gibt eine deutlich schönere Variante über den pas Llis (südlich des Puig de tossals verds) und eine eher langweilige Variante entlang eines Aquäduktes nördlich des Berges. Wobei man an dieser Variante den zweiten großen Stausee, "Gorg Blau" zu sehen bekommt und einige hübsche Bergpanoramen. (Weiß jemand wie man diesen See ausspricht?!)

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Da ich wie schon oft erwähnt an Höhenangst leide, entschied ich mich natürlich zunächst für die nördliche Variante, sie verläuft erst an einem oben offenen Aquädukt um den Berg herum, dann durch etwas Steineichenwald und zuletzt durch ein hübsches Hochtal Richtung Tossals Verds, das wohl schönste Bergpanorama Mallorcas!

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Da ich mich ziemlich über mich selbst geärgert habe mir die "Kletterstelle" am Pas Llis nicht mal angesehen zu haben (und mich noch recht fit fühlte) ging ich nach einer kurzen Pause in Tossals Verds direkt weiter zurück Richtung Pas Llis, um dir diese Passage von Süden kommend anzusehen. Schon bevor man bei der Kletterstelle ankommt, bekommt man ein grandioses Panorama des Tals von Tossals Verds zu sehen, auch wenn der Weg teilweise recht ausgesetzt ist. Als dann schließlich starker Wind aufkam, ich etwas (wenn auch nur leicht) Höhenangst verspürte, mein Kammera-Akku sich verabschiedete (und damit der Plan die schwierige Stelle für die Nachwelt zu dokumentieren) und ich auch merkte wie durch Erschöpfung die Trittsicherheit langsam zu leiden anfing (und ich fast abstürzte, musste mich an einem spitzen Dornenbusch festhalten um das Gleichgewicht wieder zu erlangen!) wertete ich das alles in Kombination als "Zeichen" nicht bis zur berühmten Kette am Pas Llis zu gehen, sondern wenige hundert Meter davor umzudrehen.... -.- . Für alle die es wissen wollen: Hier die Stelle bei Youtube (hat jemand anders gefilmt)

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Wenn man schwindelfrei ist, empfehle ich dennoch die Pas Llis Passage, sie ist die deutlich schönere. Und wie man auf dem Video sieht ist auch die Passage mit der Kette halb so schlimm, der Weg danach ist schlimmer (da ausgesetzter und schmaler)

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In Tossals Verds gab es übrigens kein Bett mehr für mich, aber mir wurde erlaubt draußen unter einem Vordach zu schlafen. Nach einem geselligen Abend mit den Mitwanderern vom Vorabend machte ich es mir also an einer überdachten "Grillstelle" gemütlich. Leider sollte es meine schlimmste Nacht auf dem GR221 werden. Denn wo der Rest des Wanderweges in sehr trockenen Gebieten verläuft, gibt es im Tal von Tossals Verds eine üppige Vegetation und einige Quellen - und damit einen ganzen Haufen Mücken. Und ich hatte kein Netz, kein Deet, kein gar nichts. Nachdem mich das Gesumme und Gesteche halb wahnsinnig gemacht hatte, und ich schon alles ausprobiert hatte, vom Quilt komplett über den Kopf ziehen bis das Gesicht in den Buff einwickeln kam mir schließlich die Rettende Idee: Ich zog meinen Fleecepulli über das Aufblasbare Kopfkissen, steckte den Kopf mit hinein und schloss dann die Öffnung zum Fleece hin dicht mit dem Gummi vom Quilt ab. Durch das Fleece konnte man gut hindurch atmen, die Mücken aber nicht -Stechen, und selbst das Gesumme wurde etwas gedämpft! So konnte ich schließlich den Rest der Nacht halbwegs schlafen.

bearbeitet von Freierfall

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Es geht weiter! :)

Tag 6: Tossals Verds - Lluc (bzw. Refugi son amer)

Am nächsten Morgen stand ich früh auf, um noch vor der großen deutschen DAV-Wandergruppe, die in dem Refugio abgestiegen war wegzukommen. Zuerst führt der Weg ein Stück genauso zurück, wie man am Vortag gekommen ist, diesmal aber anders, da ich viele Ziegen angetroffen habe die am Vortag nicht da waren ;) Auf dem Weg zurück konnte man aber erneut die grandiose Täler- und Tafelberglandschaft genießen. 

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Irgendwann ging es dann lange durch die inzwischen gewohnten Steineichenwälder immer weiter hinauf, man konnte richtig schön beobachten wie die Pflanzenwelt in unterschiedlichen Höhen sich veränderte, bis man in ein tolles, erneut alpin anmutendes Tal kam. 

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An diesem Tag überschreitet man den höchsten Punkt des GR221, den Puig de Massanella. Und oben findet man... Schafe. Was auch sonst? Ich hatte auf dem Weg zum Pass lange überlegt, ob ich auf den Massanella hinauf möchte, immerhin der höchste Punkt Mallorcas. Aber ich habe ziemlich widersprüchliche Angaben bez. der Schwierigkeit des Unterfangens gelesen, und da das Wetter während meines Aufstieges schlecht war und ich niemanden hatte der mitgekommen wäre (meine 2 Mitwanderinnen, die ich schon aus dem Refugi Son Amer kannte, wollten nicht hoch) habe ich mich dagegen entschieden. Und es im Nachhinein etwas bereut. Naja, so ist das.

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Diese Etappe der Wanderung wird in Reiseberichten oft als "Königsetappe" des GR221 bezeichnet, und das nicht ganz zu unrecht: Es geht am höchsten hinauf, und ist damit eine echte Bergetappe, mit den Spektakuläresten Aussichten und einigen Gipfeln, die man besteigen kann, teilweise direkt auf dem Weg.

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Nach dem Puig de Massanella geht es durch diverse kleinere Nebentäler, doch stetig, bergab. Es ist aber schon ein erhebendes Gefühl, wenn man die Bergkette passiert hat, und plötzlich ganz neue Landschaftszüge sehen kann, auf welche die Sicht zuvor versperrt war.

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Der Abstieg nach Lluc ist mal wieder mit leichten Höhenangst-Momenten versehen, da man in engen, steilen, "ausgesetzten" Serpentinen (jedoch auf einem gut ausgebauten Steinweg mit "Geländer") absteigt, ich habe einfach versucht es schnell hinter mich zu bringen ohne nach unten zu sehen.

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Irgendwann ist der Weg dann jedoch zu Ende, und zwar gänzlich unspektakulär auf dem Parkplatz des Kloster Lluc. Dort gibt es einen Campingplatz, auf den ich wollte, der aber hässlich und sandig war, also habe ich fix im Refugio Son Amer angerufen und mir eines der letzten Betten gesichert.

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Das wiederum hat sich richtig gelohnt, es ist auf einem kleinen Hügel mal wieder wunderschön gelegen und lud zum verweilen und Sonnenuntergang genießen ein. Nur was zu essen musste ich mir am Kloster besorgen, dass als Wallfahrtsort von Restaurants und Kneipen umgeben ist. Sogar ein kleiner Bäcker ist im Kloster (für den Proviant für den Folgetag, Bocadillas, gold wert: es gibt kein Geschäft in Lluc.)

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7. Letzter Wandertag: Lluc - Port d' Pollenca und 8. Abschlusstag

Der Wanderweg führt nochmal durch sehr schöne (oder ist es nur die Melancholie dass es jetzt Zuende geht?) Steineichenwälder. Diese hatten jedenfalls nochmal eine "besondere" Lichtstimmung für mich, und genoss es richtig darin dahin zu wandern.

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Irgendwann kann man entweder dem GR221 folgen, der entlang von breiten Pisten und viel Straße verläuft oder eine wohl sehr Empfehlenswerte Bergetappe über den Puig Tomir zu machen: https://www.outdooractive.com/de/bergtour/mallorca/von-lluc-nach-pollenca-mit-ueberschreitung-puig-tomir/101780421/ - und ich hatte auch vor, diese zu machen, habe dann aber einem Geröllfeld an dem man mal wieder recht steil nach oben musste, über rutischiges, sandiges Gelände kurz bevor man oben war Angst bekommen und habe umgedreht.

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Hier gings rechts hoch, ziemlich abschüssig und rutschig...

Wollte es nicht am letzten Tag riskieren oder so :/ Das habe ich zwar nicht richtig bereut, weil ich da richtig Angst hatte, aber doch ein bisschen, die offizielle Route ist hier nämlich eher langweilig im vergleich zu den letzten Tagen.

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Dabei muss ich relativieren: Meine Mitwanderer aus Lluc (irgendwann auf diese gestoßen, war auf dem Anstieg zum Puig Tomir alleine, sonst wäre ich vielleicht ja hoch... ) haben richtig über die Ettappe geflucht, ich fand sie "nett" und nach den Bergen vom Vortag gut zum "auslaufen" und entspannen, konnte da einen guten Trott finden und hatte einen guten Wanderflow. Vielleicht aber auch nur, weil ich unter'm Swing-Liteflex die ganze Zeit im schatten lief, und nicht von der Sonne gebacken wurde.

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Jedenfalls kommt man dann irgendwann in Pollenca am Refugi an, trinkt ein Bier, und weiß dann nicht wie weiter. Abflug in 2 Tagen, Energie nicht mehr wirklich da. Keine Unterkunft in Pollenca. Also ab zum Strand! Ich wollte  nach Port de Pollenca, der Weg dahin führte aber die ganze Zeit an einer Straße entlang, also habe ich noch etwas in Pollenca gebummelt und dann den Bus in den Hafenort genommen. Vorher über das Wlan des Refugi ein günstiges Hotel gebucht (und da @ getroffen und nicht erkannt!) und den Abend am Strand verbracht, am nächsten Tag dann noch zurück nach Pollenca und den "inoffiziellen Abschluss" des GR221 zuende gebracht, den Weg zum Kloster "Puig de Santuari" wo man übrigens auch übernachten kann (soll schön sein, und da das Refugi in Pollenca nicht besonders schön gelegen ist, empfehle ich eher das Kloster ohne dort geschlafen zu haben.)

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Oben zu sehen: Das Kloster

Am Kloster hat man nochmal einen Traumhaften Blick über die zurückliegende Serra de Tramuntana, und kann mental Abschied nehmen, bevor man erneut von Pollenca in den Bus zurück nach Palma steigt.

Abschlussbilder, gemacht am Kloster

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Und das wars, meine Wanderung auf dem GR221. Ich würde jederzeit Wiederkommen.

 

 

Ich schreibe nochmal nen Abschnitt über Gear & Tipps für den Trail, wenn Bedarf besteht und ich Zeit habe...

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bearbeitet von Freierfall

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Zur Ausrüstung:

Es gab diesmal wenig Experimente. 

Matte: Ganz neu dabei war das GG ThinLite Pad in Kombination mit einer 4mm Eva in Körperlänge. Hab darauf gut geschlafen, war robust und bequem zwischendurch mal für 'ne Kurze Pause außen am Rucksack angebracht. 

Shelter: Das 6'*9' Cuben-Tarp war das perfekte Shelter für den GR221. Über jedes andere Shelter hätte ich mich noch viel mehr geärgert. Ich habs insgesamt nur 1x richtig aufgebaut, die anderen Male hatte ich 1x in einer historischen Mühle, 1x auf einer Überdachten Terrasse eines Refugis, 2x in Refugis und 1x in einem Hotel übernachtet. Geregnet hat es in der ganzen Zeit nie, also war auch das eine Mal zu viel. Es war gut es dabei zu haben, um unabhängig zu sein. Dennoch gilt auf dem GR221: So leichter Shelter wie möglich! Und gerade ein Tarp war Ideal, das konnte man nahezu überall aufbauen und war flexibel. Wovon ich abraten würde, sind "normale" Leichtzelte, da es oft sehr schwer war, heringe in den Boden zu bekommen. Und was freistehendes wäre *völlig overkill* gewesen, selbst für nicht-besonders-leicht wanderer.

Was hat gefehlt: 

  • habe in letzter Sekunde das Mückennetz (MLD Bugbivy) ausgepackt. Die eine Nacht des Terrors in Tossals Verds hätte ich mir gerne erspart. Kann ich empfehlen, auch wenn es das leichteste sein sollte, was man finden kann, also bsp. das STS Nano dings.
  • Hüttenschlafsack! Theoretisch haben die Refugis Bettwäsche, praktisch gabs aber in Pollenca keine mehr, war ungemütlich auf dem Quilt statt Bettbezug zu schlafen und auch zu warm.... 

Küche: Wog bei mir zwar nur ca. 100g, aber da kam ja noch Brennstoff und mitgetragenes Futter dazu.. habe ich nur 4x oder so benutzt. Würde ich das nächste Mal zuhause lassen und "no-cook" gehen. Überall gibts Bocadillas, leckere Hartwurst, Hartkäse und frisches Obst. Ist etwas schwerer, aber simpler. Und am Ende habe ich mich eh zu 70% davon ernährt... dafür: Ein "richtiges" Messer lohnt sich. Hatte ein kleines Opinell, war perfekt.

Kleidung: Regensachen hab ich nicht gebraucht, waren aber schon so leicht-wies-geht für "vollschutz", und hatte einfach Glück. Sonst war der Buff die Rettung. Hab mich aber auch so im Nacken verbrannt. Langarm war gold-wert! Nur die Fleece-Mütze war überflüssig.

Sonstiges:

Regenschirm: Ich kann nicht zählen, wie oft ich für den Swing Liteflex beneidet wurde! Hat mir auf einigen Ettappen, insb. den sich ziehenden Straßen kurz vor- und nach Ortschaften die Laune gerettet. Klasse teil, kommt jetzt noch mehr als vorher "überall" hin mit wo Sonne oder Regen droht.

Karten:  Die Map.Solutions Karten sind klasse, kann ich jedem Empfehlen! Gut, präzise, mit vielen Alternativrouten etc. - so sollen Wanderkarten sein.

Powerbank: War super, zwar schwer, hat aber viel Stress erspart. Aber gebraucht hab ich sie wegen der vielen Übernachtungen in Refugis nicht. Eine kleinere (leichtere) + Ladestecker hätte es auch getan.

Nutzlosestes Item: eBook-Reader. Habe ich nur auf den An- und Abfahrten sowie am Strand in Port d' Pollenca benutzt. Hatte ich aus Angst vor Einsamkeit & Langeweile in letzter Minute noch in den Rucksack gesteckt. War quatsch.

bearbeitet von Freierfall

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Super Bericht mit super Photos! Danke für die Mühe!
Nur der Puig de Massenella UST nicht der höchste Punkt Mallorcas, das ist nämlich der Puig Major dessen Gipfel leider militärisches Sperrgebiet ist Angeblich kann man einmal im Jahr rauf, ich hab nur leider keine Ahnung wann :)

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      Eine inoffizielle norwegische Internetseite zum Thema NPL wird vom Norweger Odd Vinje gepflegt und findet sich unter www.norgepaalangs.info. Auf der Liste stehen derzeit (Stand Juli 2019) etwa 425 Wanderer, die bisher NPL geplant bzw. absolviert haben und von denen man weiß. Einige Deutsche sind auch dabei, aber um die zu zählen reichen zwei Hände aus.

      Bei der Planung meiner Wandertouren für das Jahr 2019 bin ich auf eine weitere frei geplante Langstreckenwanderung gestoßen.

      Im Herbst 2018 habe ich mit den Planungen für eine Langstreckenwanderung im Sommer 2019 in Schweden begonnen. Schweden? Da fällt jedem Wanderfreund sicherlich sofort das Stichwort Kungsleden ein. Meine Idee war es zuerst den südlichen Kungsleden (von Sälen nach Storlien) zu laufen und anschließend den nördlichen Kungsleden (von Hemavan nach Abisko).

      Was ist mit dem Zwischenstück, dem Abschnitt von Storlien nach Hemavan? Das wollte ich auch unbedingt zu Fuß bewältigen.

      Dafür existiert aber im Moment kein markierter Wanderweg. Meine Recherchen im Internet haben ergeben, dass einige Wanderer für dieses Zwischenstück auf den Europäischen Fernwanderweg E1 ausweichen. Der verläuft zwischen Storlien und Hemavan hauptsächlich auf der norwegischen Seite, weitestgehend in der Nähe der Grenze zu Schweden. Mich hat das nicht so begeistert und ich habe mich gefragt, ob es nicht doch eine andere Möglichkeit gibt, dieses Zwischenstück auf der schwedischen Seite zu wandern.

      Nach einer intensiven Recherche im Internet bin ich auf eine sehr interessante frei geplante Langstreckenwanderung in Schweden gestoßen. Das Gröna Bandet (Das grüne Band, ca. 1300-1400 km, je nach Streckenverlauf). Ähnlich, wie die NPL-Wandertour in Norwegen, gibt es auch hier nur die beiden Endpunkte Grövelsjön, der auf dem südlichen Kungsleden liegt, und Treriksröset, der auf dem Nordkalottleden liegt. Die Langstreckenwanderung kann in beide Richtungen begangen werden, sowohl im Sommer als auch im Winter. Einzige Randbedingung für die Bewältigung dieser Langstreckenwanderung sind die beiden Endpunkte und der Wunsch, dass man sich möglichst auf der schwedischen Seite der Grenze zu Norwegen aufhält.

      Auf der Internetseite www.vitagronabandet.se gibt es eine Liste der Wanderer, die die Langstreckenwanderung schon gegangen sind bzw. die das in den nächsten Jahren geplant haben. Auch hier gibt es wieder einige deutsche Wanderer, die diese Langstreckenwanderung schon bewältigt haben.

      Für mich sind frei geplante Langstreckenwanderungen die Königsdisziplin im Langstreckenwandern. Neben der Länge einer solchen Wanderung kommt erschwerend hinzu, dass sich jeder seinen Weg selbst suchen muss.

      Ich bin der Meinung, dass jeder Langstreckenwanderer, der etwas auf sich hält, einmal solch eine frei geplante Langstreckenwanderung unter seine Füße nehmen sollte.

      Bei meinen intensiven Recherchen im Internet bin auch auf die Internetseite des australischen Wanderers Cam „Swami“ Honan (www.thehikinglife.com) aufmerksam geworden. Er ist einer der meistgewanderten Menschen der Welt und hat bisher ca. 100000 km zu Fuß zurückgelegt. Im Jahr 2011 und 2012 hat er ein Wanderprojekt in Nordamerika realisiert, das bei ihm unter dem Namen „12 Long Walks“ geführt wird. Innerhalb von 18 Monaten hat er 12 Langstreckenwanderungen (23012 km, 545 Tage, Tagesdurchschnitt 42,3 km) absolviert. Darunter auch die drei berühmten amerikanischen Trails AT (73 Tage), CDT (74 Tage) und PCT (85 Tage) innerhalb von 12 Monaten.

      Für mich ist dass eine unfassbare Leistung.

      Als ich das gelesen habe, schoss ein Gedanke durch meinen Kopf…

      Was wäre, wenn man auch in Deutschland eine Sammlung mehrerer  Langstreckenwanderungen hätte, die zusätzlich auch noch frei geplante Langstreckenwanderungen nach dem Motto von NPL (Norge pa langs) in Norwegen und GB (Gröna Bandet) in Schweden wären?

      Was in Norwegen und Schweden funktioniert, warum soll das nicht auch in Deutschland gehen?

      Wer sich zB auf der Internetseite www.waymarkedtrails.org die Wanderwege von Deutschland anzeigen lässt, wird feststellen, dass das wie ein „Spinnennetz“ aussieht. So zahlreich sind die Wanderwege.

      Wo ist da noch Platz für weitere Wanderwege?

      Der Gedanke ließ mich trotzdem nicht mehr los. Wochenlang habe ich darüber nachgedacht.

      Wegen zwei familiären Terminen (Mitte Mai und Mitte Juli), die ich nicht verschieben konnte, musste ich mein Kungsleden-Projekt (Start Anfang Juni 2019) erstmal auf Eis legen. Der Zeitraum für die Realisierung erschien mir zu kurz.

      Dann habe ich über ein Ersatzprojekt nachgedacht, das ich in ca. 45 Tagen (ab Mitte Mai oder ab Mitte September 2019) erledigen könnte. Da ist mir wieder meine Wanderung an der Ostsee eingefallen, wo ich schon einmal ca. 200 km mit meiner Frau unterwegs war.

      Immer an der Ostseeküste entlang, von Bansin bis Flensburg. Dann entlang der dänischen Grenze rüber zur Nordseeküste und an der Nordseeküste entlang bis nach Emden.

      Meine erste frei geplante Langstreckenwanderung in Deutschland nahm langsam in meinem Kopf Gestalt an. Sofort hatte ich noch weitere Ideen für frei geplante Langstreckenwanderungen innerhalb von Deutschland.

      Namensgebung
      Insgesamt hatten sich vorerst 5 frei geplante Langstreckenwanderungen in meinem Kopf „angesammelt“. Es musste etwas Ordnung her in meinem Kopf.

      Als Mathematiker und freiberuflicher Softwareentwickler (ABAP in SAP) habe ich in den letzten 20 Jahren deutschlandweit in vielen großen Software-Projekten gearbeitet. In diesen Projekten ist eine gewisse Ordnung und Organisation für den Erfolg unabdingbar.

      Für mein Wander-Projekt wollte ich das auch so halten. Also habe ich mir erstmal einen Namen für mein Wander-Projekt gesucht. Als Softwareentwickler habe ich in Englisch programmiert. Trotzdem habe ich eine gewisse Abneigung gegen Anglizismen in der deutschen Sprache. Aber viele englische Begriffe, wie zB Trekking, Trail und Tracks, haben sich in der deutschsprachigen Wanderwelt etabliert und sind dort nicht mehr wegzudenken.

      Außerdem wollte ich keine Zahl in meinem Projektnamen haben, wie Cam „Swami“ Honan in seinem Wander-Projekt „12 Long Walks“. Dadurch wollte ich mir die Möglichkeit für spätere Erweiterungen offen halten.

      Zusätzlich sollte der Bezug zu Deutschland auch im Namen des Wander-Projekts sofort sichtbar sein.

      So habe ich mich mit etwas „Bauchgrummeln“ für den Namen

           German Long Walks

      entschieden. Abgekürzt also:

           GLW

      Trails

      In alphabetischer Reihenfolge werde ich jetzt die 5 Trails aufzählen und kurz erläutern, die aktuell in meinem GLW-Wander-Projekt zu finden sind. Für alle Trails habe ich Start- und Endpunkte definiert, die mit der Bahn gut zu erreichen sind. Eine Ausnahme bei der Erreichbarkeit gibt es dennoch, aber später mehr dazu.

      Das Bild im Anhang zeigt farblich hervorgehoben die Lage der 5 Trails. Bei der Beschreibung der Trails verweise ich gelegentlich auf diese Farben.

      GBT - German Border Trail - Deutscher Grenzweg 
      Östlicher Punkt:          Campingplatz Nandalee im Ort Sellin (Bansin) am Schmollensee
      Westlicher Punkt:        Bahnhof in Emden

      Länge Grobplanung:   ca. 2600 km
      Länge Feinplanung:    noch offen

      Farbe im Bild:              blau

      Der östliche Punkt ist der Campingplatz Nandalee im Ort Sellin am Schmollensee. Das ist ein terrassenförmig angelegter wunderschöner Campingplatz mit Blick auf den Schmollensee. Eine kleine Gaststätte, mitten auf dem Campingplatz, bietet ein vorzügliches Essen an. Der Campingplatz liegt ca. 3,5 km landeinwärts und ist über den Bahnhof Bansin auf der Insel Usedom zu erreichen.

      Der westliche Punkt ist der Bahnhof in Emden.

      Bei diesem Trail versuche ich mich immer in der Nähe der Landesgrenzen zu unseren Nachbarländern zu bewegen. Ausgenommen von diesem Trail sind die Küsten der Nord- und Ostsee, sowie die Grenze zu Dänemark. Diese Bereiche gehören zu einem anderen Trail.

      Immer an der Landesgrenze entlang? Das hört sich erstmal überhaupt nicht spektakulär an. Wer sich aber einmal die Landkarte von Deutschland, zusammen mit Teilen der Nachbarländer, anschaut, wird überrascht sein.

      Wenn man zB vom östlichen Punkt (Campingplatz Nandalee) zum westlichen Punkt (Bahnhof Emden) wandert, trifft man auf atemberaubende Landschaften, die ich einfach mal so hintereinander aufzählen will:

      -Flusslandschaft an Oder und Neiße
      -Elbsandsteingebirge
      -Erzgebirge
      -Fichtelgebirge
      -Oberpfälzer Wald
      -Bayerischer Wald
      -Alpenvorland
      -Alpen
      -Bodensee
      -Rheinebene in BW
      -Schwarzwald
      -Pfälzer Wald
      -Hunsrück
      -Eifel
      -Rheinebene in NRW
      -Münsterland
      -Emsland

      Muss ich noch mehr aufführen? Da ist fast alles vertreten, was in der Kategorie der deutschen Mittelgebirgslandschaften Rang und Namen hat.

      GCC - German Coast To Coast Trail - Deutscher Küstenweg
      Östlicher Punkt:          Campingplatz Nandalee im Ort Sellin (Bansin) am Schmollensee
      Westlicher Punkt:        Bahnhof in Emden

      Länge Grobplanung:   ca. 1200 km (mit!!! der Insel Rügen)
      Länge Feinplanung:    1183 km (ohne!!! die Insel Rügen)

      Farbe im Bild:              rot

      Der östliche Punkt ist der Campingplatz Nandalee im Ort Sellin am Schmollensee. Das ist ein terrassenförmig angelegter wunderschöner Campingplatz mit Blick auf den Schmollensee. Eine kleine Gaststätte, mitten auf dem Campingplatz, bietet ein vorzügliches Essen an. Der Campingplatz liegt ca. 3,5 km landeinwärts und ist über den Bahnhof Bansin auf der Insel Usedom zu erreichen.

      Der westliche Punkt ist der Bahnhof in Emden.

      Bei diesem Trail versuche ich mich immer in der Nähe der deutschen Küsten (Ost- und Nordsee) zu bewegen. Um zB von der Ostsee an die Nordsee zu kommen, versuche ich eine Route in der Nähe der dänischen Grenze zu finden.

      GCT - German Cross Traverse - Quer durch Deutschland
      Östlicher Punkt:           Bahnhof in Frankfurt/Oder
      Westlicher Punkt:        Bahnhof in Bad Bentheim

      Länge Grobplanung:    ca. 750 km
      Länge Feinplanung:     noch offen

      Farbe im Bild:              gelb

      Der östliche Punkt ist der Bahnhof in Frankfurt/Oder.

      Der westliche Punkt ist der Bahnhof in Bad Bentheim.

      Bei diesem Trail habe ich mich etwas vom Europäischen Fernwanderweg E11 inspirieren lassen. Der E11 betritt in Frankfurt/Oder deutschen Boden und verlässt bei Bad Bentheim deutschen Boden. Beide Orte sind gut mit der Bahn zu erreichen.

      Das Bild zeigt im Raum Berlin 2 Varianten dieses Trails. Die erste Variante (Nordvariante) verläuft mitten durch Berlin. Die zweite Variante (Südvariante) umgeht den Großraum Berlin. Mein Favorit für die Feinplanung im Großraum Berlin ist aktuell die Südvariante. Zusätzlich werde ich bei meiner Route noch meinen Heimatort Schochwitz (Salzatal), den Lutherweg bei Eisleben und den Harz einplanen.

      GGB - German Green Band - Deutsches Grünes Band
      Nördlicher Punkt:        Campingplatz Priwall bei Lübeck
      Südlicher Punkt:          Drei-Länder-Eck (Sachsen, Thüringen, Bayern)

      Länge Grobplanung:   ca. 900 km
      Länge Feinplanung:    noch offen

      Farbe im Bild:              grün

      Der nördliche Punkt ist der Campingplatz Priwall (Naturfreundehaus Priwall) am Pötenitzer Wiek. Zu erreichen ist der Campingplatz entweder vom Bahnhof Travemünde (ca. 2,8 km Fußweg) oder vom Bahnhof Lübeck (ca. 21,7 km Fußweg).

      Der südliche Punkt ist das Drei-Länder-Eck (Sachsen, Thüringen, Bayern oder ehemals DDR, BRD, CSSR). Dieser Punkt ist nicht so einfach mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen. Im 3 km entfernten Ort Nentschau befindet sich eine Bushaltestelle. Die nächste größere Stadt ist Hof. Bis dahin sind es ca. 17 km Fußweg.

      Die ehemalige innerdeutsche Grenze zwischen der BRD und der DDR ist der Namensgeber für diesen Trail. Umgangssprachlich (Volksmund) wurde diese Grenze auch die „grüne Grenze“ genannt.

      Außerdem wollte ich, so wie in Schweden, auch ein Grünes Band in meinem Wander-Projekt haben.

      In über 40 Jahren (1949 - 1989) hat kaum ein Mensch diesen streng bewachten Grenzbereich betreten. Dadurch ist ein einzigartiges Biotop entstanden. Der Rennsteig im Thüringer Wald kreuzt mehrmals die ehemalige Grenze zwischen Thüringen und Bayern. Bei meiner letzten Wanderung über den Rennsteig habe ich genau bei einer dieser Kreuzungen während einer Rastpause zwei Radfahrer getroffen. Sie berichteten mir, dass in Thüringen noch große Teile des ehemaligen Grenzweges (Kolonnenweg) intakt sind und dass man dort sehr gut mit dem Fahrrad entlang fahren kann. Im Bereich des Brockens (Harz) gibt es diesen Grenzweg ebenfalls noch. Da bin ich schon zu Fuß unterwegs gewesen.

      GLT - German Length Traverse - Deutschland der Länge nach

      Nördlicher Punkt:        Bahnhof in Flensburg
      Südlicher Punkt:         Bahnhof in Garmisch-Partenkirchen

      Länge Grobplanung:   ca. 850 km
      Länge Feinplanung:    noch offen

      Farbe im Bild:              violett

      Der nördliche Punkt ist der Bahnhof in Flensburg.

      Der südliche Punkt ist der Bahnhof in Garmisch-Partenkirchen.

      Wenn es eine Quer-Traverse in Deutschland gibt, dann soll es auch eine Längs-Traverse geben.

      Außerdem wollte ich, so wie in Norwegen, auch eine Längs-Traverse für Deutschland in meinem Wander-Projekt haben.

      Grob- und Feinplanung

      In der Phase der Grobplanung habe ich mit Hilfe des Luftlinien-Routings (siehe Trails im Bild) den ungefähren Verlauf der einzelnen Trails festgelegt. Dadurch wollte ich auch ein Gefühl für die zu erwartende Länge der Trails erhalten.

      In der Phase der Feinplanung suche ich nach Routen (Wege, Straßen usw) entlang der festgelegten Luftlinien-Routen. Ich rechne damit, dass sich die Länge der Trails gegenüber der Grobplanung um ca. 1/5 vergrößert. Das bedeutet, dass zB der GBT-Trail, wenn er "ausgelaufen" wird, d.h. "immer an der Grenze entlang", über 3000 km lang sein wird.

      Den GCC-Trail habe ich als ersten Trail aus meinem Wander-Projekt schon feingeplant. Dabei habe ich die Insel Rügen ausgelassen. Die Gesamtlänge des Trails beträgt ohne die Insel Rügen genau 1183 km.

      Im allgemeinen führe ich die Feinplanung von Wandertouren so durch, dass ich mir Tracks aus dem Internet besorge. Diese Tracks prüfe ich dann in meiner Routenplanungssoftware BaseCamp auf ihre Qualität. Wichtig sind für mich dabei die Anzahl der Trackpunkte. Besitzt ein Track zu wenig Trackpunkte, verläuft ein Track manchmal mitten durch die Landschaft und es ist nicht genau zu erkennen, wo der Wanderer entlang gelaufen ist. Trotzdem lasse ich mir den Track aus dem Internet in der Routenplanungssoftware anzeigen und plane dann meinen eigenen Track mit Hilfe des Internet-Tracks.

      Bei meinem Wander-Projekt mache ich das anders. Ich lasse mir keine Tracks aus dem Internet anzeigen. Lediglich die Luftlinien-Routen verwende ich zur groben Orientierung.

      Ich war ja schon einmal an der Ostseeküste unterwegs (ca. 200 km vom Campingplatz Nandalee bis zum Campingplatz Zingst). Von daher weiß ich, dass es da einen Europäischen Fernwanderweg E9 entlang der Küste gibt. Zusätzlich die Radwege Euroroute R1 und EuroVelo 10. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich mich öfters auf diesen Wegen bewegen werde. Bei der Planung musste ich mich zwingen diese Tracks aus dem Internet nicht zu verwenden.

      Ich bin gespannt welche Wege ich mir für den GCC-Trail ausgesucht habe und wie hoch der Anteil an Radwegen und Straßen ist.

      Wer in Deutschland wandert, weiß, dass die nächste Ortschaft nicht weit entfernt ist. In Deutschland ist man also fast immer „zivilisationsnah“ unterwegs. Man kann das mögen oder auch nicht. Das ist Ansichtssache.

      Ich freue mich jedenfalls auf die Realisierung meines Wander-Projekts.

      Werde ich Tracks meiner realisierten Trails in meinem Blog veröffentlichen?

      Da bin ich zwiegespalten. Ich habe mich immer gefreut, wenn ich für die Planung meiner eigenen Wandertouren Tracks im Internet gefunden habe. Wenn die Tracks aus dem Internet dann noch qualitätsmäßig gut waren, hat mich das besonders gefreut.

      Für die NPL-Wandertour in Norwegen habe ich, trotz intensiver Recherche im Internet, keine Tracks gefunden.

      Für die GB-Wandertour in Schweden war das schon anders. Einige Wanderer haben Bildschirmabzüge von Landkarten mit ihren Tracks veröffentlicht, so dass man erahnen konnte, wo sie entlang gelaufen sind. Andere haben Bildschirmabzüge von Landkarten mit Luftlinien-Routen auf ihren Webseiten angezeigt.

      Aber nirgendwo waren saubere Tracks (GPX-Dateien) für eine der Wandertouren (NPL oder GB) zu finden.

      Vorerst werde ich die Tracks meiner realisierten Trails ebenfalls nicht veröffentlichen. Das letzte Wort über dieses Thema ist aber noch nicht gesprochen.

      Darüber muss ich noch abschließend nachdenken…

      Randbedingungen

      Randbedingungen für die Planung der Trails gibt es fast nicht.

      Einzig die Endpunkte der einzelnen Trails habe ich vorgegeben. Entscheidend für die Vorgabe der Endpunkte war für mich die Erreichbarkeit mit der Bahn, wobei es auch hier leider eine Ausnahme gibt. Das ist das Drei-Länder-Eck zwischen Sachsen, Thüringen und Bayern, ein Endpunkt des GGB-Trails.

      Den GBT-Trail habe ich noch nicht feingeplant. Für mich ist wichtig, dass ich mich immer „irgendwie“ in der Nähe der deutschen Grenze bewege. Dabei ist es mir egal, ob ich zB im Erzgebirge auf der deutschen oder tschechischen Seite unterwegs bin. Maßgebend ist für mich die Grenznähe.

      Ähnlich verhält es sich zB in der Rhein-Ebene in Baden-Württemberg. Dort könnte ich auf der deutschen Seite durch den Schwarzwald gehen oder auf der französischen Seite durch die Vogesen. 
      Ganz verrückt könnte es im Bereich der Alpen werden. Dort kann ich mich nahe an der Grenze zu Österreich bewegen, wenn das die Wege hergeben. Damit sind sicherlich einige Höhenmeter zu bewältigen. Ich könnte es aber auch etwas "softer" angehen lassen und durch das Alpenvorland wandern. Da ich ganz klar keine "Bergziege" bin, bevorzuge ich erstmal das Alpenvorland.
      Ein km-Limit für die Grenznähe soll es aber nicht geben.

      Teilnehmerliste

      Über diesen Punkt habe ich sehr lange nachgedacht.

      Warum eine Teilnehmerliste?

      In meinem Blog werde ich über die Realisierung meines Wander-Projekts berichten. Dadurch ist das Wander-Projekt in gewisser Weise öffentlich zugänglich. Dann habe ich mir gedacht, dass evtl. auch andere Wanderer den einen oder anderen Trail planen und realisieren wollen.

      Wenn Interesse besteht, wäre aus statistischen Gründen eine Teilnehmerliste, analog dem NPL in Norwegen und dem GB in Schweden, sinnvoll. So kann jeder sehen, wer die Trails gegangen ist bzw. wer das in der Zukunft plant.

      Verwalten werde ich die Teilnehmerliste vorerst in meinem Blog unter dem neuen Menüpunkt Projekte.

      Wer sich für das Wander-Projekt interessiert und sich für eine Realisierung eintragen lassen will, kann sich einfach per Mail (info@reinhard-kanther.de) bei mir melden und die wichtigsten Daten für einen Anfangseintrag (Jahr, vollständiger Name, Land, Trail-Kürzel, Saison, zu Fuß oder mit dem Rad, evtl. Startdatum) angeben. Alle anderen Angaben können später nachgeholt werden. Nach Beendigung des aktuellen Trails würde ich mich über eine Erfolgsmeldung freuen und das auch so in der Teilnehmerliste festhalten.

      Als Startdatum für eine Aufnahme in die Teilnehmerliste würde ich das Datum Anfang Januar 2019 nehmen. Damit möchte ich verhindern, dass Trails aus der Vergangenheit in der Teilnehmerliste auftauchen.
      Zukunft
      Was stelle ich mir für die Zukunft meines Wander-Projekts vor?

      Das werde ich in loser Folge einfach mal aufführen, ohne das die Reihenfolge eine Wertung darstellen soll.
      Ich werde ab Mitte Mai den GCC-Trail wandern und hoffentlich als ThruHike beenden. In einem Forum werde ich mein Wander-Projekt ebenfalls vorstellen. Das Forum und den Zeitpunkt habe ich mit diesem Beitrag festgelegt. Für meinen Blog, damit auch für die Projekte, will ich noch mehrere Fremdsprachen (Englisch, evtl. noch Spanisch und Französisch) anbieten. Anregungen und Kritik nehme ich gerne entgegen und werde ich auch beantworten, wenn ich nicht gerade selbst unterwegs bin. In den nächsten Monaten werde ich die Resonanz für mein Wander-Projekt prüfen. Sollte die Resonanz vielversprechend sein, prüfe ich die Erstellung einer eigenen Webseite für das Wanderprojekt (analog NPL in Norwegen und GB in Schweden). Vielleicht findet sich dann noch der eine oder andere Mitstreiter für die Datenpflege. Realisierung
      Den 1.Teil meines Wander-Projekts habe ich im Mai/Juni 2019 realisert. Vom 22.5. bis 28.06.2019 bin ich den GCC-Trail in 38 Tagen (2 Ruhetage) in einem ThruHike gelaufen. Die geplante Länge war 1183 km. Welche Strecke ich tatsächlich gelaufen bin, muss ich noch abschließend feststellen. In meinem Bericht zu dieser Wandertour, an dem ich gerade arbeite, werde ich die genaue Länge der zurückgelegten Strecke nachreichen.
       

    • Von rentoo
      Ende Mai, Anfang Juni 2019 bin ich den Soonwaldsteig mit einem Freund gegangen. Die ca. 85 km sind wir in 5 Etappen, mit 4 Übernachtungen gegangen. Da es offizielle Übernachtungsplätze gibt, die erste Nacht sogar auf einer prächtigen Burgruine, gab es absolut keinen Grund für Stealth Camping, zumal ich den Trend, offizielle Trekkingplätze zur Verfügung zu stellen, absolut unterstütze.
      Ich bin sehr glücklich, den Hunsrück, dessen Landschaftsbild stets zwischen schroffer und liebreizender Schönheit wechselt, kenngelernt zu haben. Auf- und Abstiege können teilweise ganz schön heftig sein, aber wie so oft, wird jede Anstrengung mit bezaubernder Landschaft und Aussichten belohnt.
      Viel Spaß beim Lesen dieses Reiseberichts.
      Lieber Gruß
      Rentoo
       Anreise
      Nach der Anreise mit dem Auto, das in Bingen am Rhein geparkt wurde, ging es mit der Bahn nach Kirn, wo der Startpunkt liegt. Die Zugfahrt dauert eine gute Stunde. Da es mittlerweile bereits gegen Nachmittag ging, sind wir nicht sofort auf den Trail gegangen, sondern haben in Kirn auf einem Campingplatz übernachtet, der ca. 3 km vom Beginn der ersten Etappe entfernt liegt.
       
      1. Etappe
      Frisch gestärkt und bestens gelaunt konnten wir uns auf die erste Etappe stürzen. Da alle Übernachtungsplätze vorab gebucht und bestätigt waren, hatten wir keinen zeitlichen Spielraum und mussten uns an die vorgegebenen Etappen halten. Dies war aber selbstverständlich kein Problem, da die Tagesetappen bei der 5-Tages-Variante so zwischen 15 und 20 km liegen.  Leider hat man bei der ersten Etappe noch nicht so richtig das Gefühl in der Natur zu sein, da man immer wieder Zivilisationsgeräusche, meist Motorräder und Autos wahrnimmt. Dennoch gibt es selbstverständlich sehr schöne Ecken.
       
       
      Das Tages-Highlight für mich war allerdings die Übernachtung auf der Schmidtburg. Dort hat übrigens auch der Schinderhannes gelebt. Den Übernachtungsplatz muss man gesondert von den Trekkingplätzen buchen. Der Burgvogt, ein netter älterer Herr verlangt 2,50 Euro pro Person. Mehrere Toiletten und Wasserstellen sind auf der Burg verteilt. Übrigens habe ich so einige nette Menschen dort kennengelernt.
        
      2. Etappe
      Der 2. Tag auf dem Steig hat mich dann wieder richtig versöhnt. Endlich hatte ich das Gefühl so mitten in der Natur und ganz weit weg von der Zivilisation zu sein. Interessant ist, dass man auf dieser Etappe längere Strecken über Wege läuft, auf denen unzählige Steinbrocken liegen. Auch einige Geröllfelder sind zu überqueren. Der Tag hat echt Spaß gemacht. Ich weiß nicht, welche Hormone da bei mir ausgeschüttet wurden, aber ich hätte vor Begeisterung platzen können, so großartig war der Weg.

       
      Am Trekkingplatz angekommen, wurde aufgebaut und dann haben wir den Abend gemütlich am Lagerfeuer ausklingen lassen.
       

       
      3. Etappe
      Am 3. Tag wechselte die Landschaft von ihrer schroffen Schönheit in eine doch eher sanfte und liebreizende Seite. Ich habe mich mit dem Filmen und Fotografieren kaum bremsen können.
        
      Hier stelle ich einen typischen Trekkingplatz vor. Gut versteckt findet man ihn nur durch Zufall, oder wenn man ihn gebucht und gezahlt hat, denn dann erhält man die Koordinaten.
       
       
      Selbst Trail Magic gab es. Auf beiden Plätzen hatten die Verantwortlichen Wasserflaschen bereitgestellt, die man für einen Euro pro Flasche kaufen konnte. Da Wasser wirklich Mangelware ist, haben wir uns doch sehr darüber gefreut.
       
       
      4. Etappe
      Der 4. Tag der Etappe war ziemlich darauf ausgelegt, Strecke zu machen. Selbstverständlich sind wir auch an diesem Tag durch eine atemberaubende Landschaft gegangen, doch leider waren große Teile davon mit Windrädern „verschandelt“. Nicht dass hier der Eindruck entsteht, dass ich nicht auf alternative Energiegewinnung stehe, aber Windräder zeigen einem eindeutig, dass die Zivilisation nicht weit entfernt ist.

       
      Die letzte Übernachtung fand nicht auf einem Trekkingplatz statt, sondern an der Lauschhütte, einem bewirtschafteten Wald-Ausflugslokal mit Klettergarten, Bogenschießen und einem Zeltplatz.
        
      5. Etappe
      Die nun letzte Etappe führte uns wieder nach Bingen am Rhein. Zuerst dachte ich, dass hier die Landschaft in den Hintergrund tritt und stattdessen Strecke machen angesagt ist, aber ich wurde eines Besseren belehrt. Denn noch bevor man den Rhein zum ersten Mal sieht erinnert der Soonwaldsteig noch einmal ganz deutlich daran, dass es sich lohnt, ihn zu laufen.

       
       
      Da ausgerechnet an diesem Tag Vatertag war, waren selbstverständlich viele Menschen unterwegs. So einige Einladungen auf ein Bier konnte ich nicht ablehnen, was dazu führte, dass ich die letzten Kilometer bis zum Bahnhof ziemlich getorkelt bin. Das war eine sehr interessante Erfahrung für mich. 
       
       
       
       
      Fazit
      Ich bin richtig glücklich, den Soonwaldsteig gegangen zu sein. Der Mangel an natürlichen Wasserstellen wird durch das Netz offener Wasserhähne ausgeglichen. Wer plant, den Steig zu gehen sollte sich unbedingt auch die GPX-Datei mit den angebotenen Wasserstellen herunterladen. Ich empfehle dafür zu sorgen, dass man mindestens immer 3 liter Wasser dabei hat.
      Alle Infos zum Steig findet man unter www.soonwaldsteig.de.
       
      LG
      rentoo
    • Von Xdust132
      Servus zusammen,
      ich würde gerne im Juni für 3-4 Tage eine Hüttentour in den Dolomiten starten. Da ich noch nie dort war und die Informationen
      im Netz vielfältig sind wollte ich mich hier mal umhören. Wer kann eine Route empfehlen, Schwierigkeitsgrad -mittel-, Alpine
      Klettererfahrung habe ich keine, lediglich mittlere Aufstiege an einem Seil entlang. Die länge der einzelnen Etappen darf anspruchs-
      voll sein, sollte aber kein extremmaß annehmen.
      Gibt es Routen die Ihr empfehlen könnt, würde mich freuen von euch zu hören.
      LG Timo 
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